28. April 2017

Erstligareif

Wahnsinn, was für ein Spiel, was für eine Atmosphäre am Montag! Alle Gazetten titeln „erstligareif“ und das war es in jeder Hinsicht. Der Aufstieg ist nun greifbar. Wenn er denn Realität wird, werde ich sowohl ein weinendes als auch ein lachendes Auge haben. Weinend, weil wir die geilste 2. Liga nach „nur“ einem Jahr wieder verlassen (müssen). Tolle Stadien, geile Fanszenen, Traditionsvereine, wohin das Auge blickt, Abwechslung zum oft eintönigen Bundesligaalltag.

Das lachende Auge deshalb, weil die Voraussetzungen gut sind, mit dieser Mannschaft und punktuellen Verstärkungen eine gute Rolle im Oberhaus zu spielen. Gestern war ein Teamspirit zu spüren, wie man ihn schon lang nimmer beim VfB gesehen hat. Einer für alle, alle für einen, dazu die Symbiose mit dem Publikum. Es wächst was zusammen. Sollte der Aufstieg nicht gelingen, stünde der nächste Neuanfang mit ungewissem Ausgang bevor. Daher gilt es jetzt, nicht nachzulassen und das Ding durchzuziehen.

Hannes Wolf begann zunächst mit Josip Brekalo anstelle von Berkay Özcan. Gentner rückte dafür nach hinten auf die Doppel-Sechs und Maxim auf seine Lieblingsposition hinter den Spitzen.

Von Beginn an entwickelte der VfB im Spitzenspiel Erster gegen Dritter viel Zug nach vorne und zeigte sich eminent spielfreudig. Vor allem der wiedererstarkte Alexandru Maxim tat sich dabei zunächst hervor und stellte unter Beweis, dass er den in den letzten Spielen zurückeroberten Stammplatz in dieser Saison nicht mehr herzugeben gewillt ist. Selbst nach hinten arbeitete er fleißig mit, so dass man sich schon fragen darf, warum nicht immer so?

Die Zeichen standen ja längst auf Trennung im Sommer, da Maxim beim VfB seit Jahren stagniert und sich letztlich bei keinem einzigen der vielen Trainer durchsetzen konnte. Immer wieder vorgeworfen wurde ihm dabei Trainingsfaulheit, Bequemlichkeit, kein Integrationswillen (Sprachbarriere), eine sehr ausgeprägte Laissez-Faire-Mentalität und zudem mangelnde Professionalität.

Daher bin ich auch sehr vorsichtig mit Prognosen, was die Zukunft von Maxim angeht. Spielt er immer so auf wie zuletzt, wäre er auf jeden Fall eine Bereicherung und es wäre fast schon fahrlässig ihn (derzeit) unter Wert ziehen zu lassen.

Oder gibt Maxim gerade deswegen so Gas, um Umfeld und Verantwortliche um den Finger zu wickeln und weiter hier seinen Dienst verrichten zu können, um in der nächsten Saison wieder in den alten Schlendrian zu verfallen? Gerade vorm Hintergrund, dass Carlos Mané mindestens sechs Monate lang ausfallen wird, könnte Maxim, zumindest in der Vorrunde, auch in der nächsten Saison noch wichtig werden.

Maxim war es dann auch, der nach einer knappen halben Stunde die hochverdiente Führung durch einen direkt verwandelten Freistoß erzielte. Unterschlagen darf man freilich nicht, dass der 1. FC Union Berlin im vorausgegangenen Spielzug eine hundertprozentige Chance zur Führung durch Polter vergab und der Treffer auf die Kappe von Keeper Mesenhöler ging, da der Ball im Torwarteck einschlug.

Dennoch sind Freistoß-Tore beim VfB seit dem Karriereende von Krassimir Balakow zur absoluten Rarität geworden, so dass man bis 2010 zurückdenken muss, als Kuzmanovic mal einen direkt verwandelte. In unserem bislang letzten Bundesligaspiel in Wolfsburg traf zwar auch Didavi per Freistoß, dieses Tor stellte jedoch nur noch Ergebniskosmetik dar und änderte am Abstieg nichts mehr. Da er zudem in seinem letzten Spiel bei seinem neuen Arbeitgeber allenfalls Eigenwerbung betrieb, verdränge ich diesen Treffer lieber.

Der zweite VfB-Treffer resultierte dann aus einem Bilderbuch-Konter, an dem drei weitere ganz starke Akteure dieses Montagabend-Topspiels beteiligt waren. Zunächst einmal trieb Ebenezer Ofori die Kugel durch das Mittelfeld, hatte die Übersicht und passte Brekalo in den Lauf, dieser schnörkellos und mit Übersicht weiter auf Simon Terodde, welcher direkt zum 2:0 einschob.

Was dieser Ofori mit seinen erst 21 Jahren und als Neuankömmling bereits leistet, ist nicht hoch genug zu bewerten. Der Junge hat eine Übersicht und eine Ballbehandlung zum Zunge schnalzen, ist zudem schnell, geschickt im Zweikampf und hat ein ausgeprägtes Raum- und Spielverständnis. Wenn er bald auch noch Luft für 90 Minuten hat und seine Form anhält, haben wir einen Sechser, wie wir ihn jahrelang vermisst haben.

Ferner zeigte Josip Brekalo eine ganz starke Vorstellung, auch wenn er unglücklich im Abschluss war und das eine oder andere Mal noch immer zu eigensinnig ist. Dass er lieber an einem weiteren Tor des Monats arbeitet, anstatt einfach und zielgerichtet zu spielen, ist wohl seiner Jugend geschuldet. Darüber kann man hinwegsehen, wenn das Spiel trotzdem gewonnen wird. Positiv ist es doch erst einmal, überhaupt in aussichtsreiche Positionen zu kommen, das Tor kann er gerne dann machen, wenn wir es dringender benötigen, so wie einst in Heidenheim oder auch kommenden Samstag in Nürnberg.

Der letzte in der Kette des 2:0 war Simon Terodde. Er ist nicht der Typ Mittelstürmer, der im Zentrum wartet, bis ihm die Kugel auf den Kopf oder den Fuß fällt, sondern arbeitet mit und antizipiert herausragend. Wie er darüber hinaus rackert, ballführende Spieler des Gegners anläuft und zu Fehlern zwingt, ist immens wichtig für die Mannschaft.

Durch diesen Treffer schraubte er seine Marke auf 20 hoch und ist der erste 2. Liga Spieler überhaupt, dem es zwei Saisons in Folge gelang, 20 Tore und mehr, und das noch für zwei unterschiedliche Vereine, zu erzielen. Da dieses Tor zum richtigen Zeitpunkt fiel und die Führung in diesem so wichtigen Spiel auf 2:0 schraubte, verhehlte Terodde auch gegen seinen Ex-Verein seine Freude nicht und deutete sein Markenzeichen nach Toren, die Ahoi-Geste, wenigstens an.

Nach dem 2:0 hatte der VfB die Angelegenheit gut im Griff, bis durch eine Unachtsamkeit in der 57. Minute aus dem Nichts der Anschlusstreffer durch Sebastian Polter fiel. Der VfB zeigte sich jedoch nur kurz erschrocken und nahm das Zepter schnell wieder in die Hand.

Ginczek kam in der 63. Minute für den oft unglücklich wirkenden Asano und erzielte nur fünf Minuten später die Entscheidung. In Bielefeld noch legte Ginni Simon Terodde den Siegtreffer auf, gegen Union war es nun umgekehrt. Ginnis aggressivem Pressing und seiner Balleroberung war es zu verdanken, dass der Ball zu Terodde gelangte, dieser zurück auf Ginczek, der eiskalt gegen die Laufrichtung des Torwarts das vielumjubelte 3:1 machte. An der Art, wie sich das komplette Team für Ginni mitfreute, ließ sich erkennen, wie sehr man es ihm gönnt, dass er wieder ganz der Alte wird.

Daniel Ginczek hat es nicht leicht in dieser Rückrunde. Er selbst sieht sich offensichtlich schon weiter und scharrt mit den Hufen, während er von Hannes Wolf langsamer herangeführt wird und sich dieser zudem glücklich schätzen kann, einen solchen Joker in der Hinterhand zu haben. Bei wohl jedem Ligakonkurrenten würde der Spieler in der Stammelf stehen. Da Simon Terodde aber über jeden Zweifel erhaben ist und das Experiment mit beiden zusammen in der Startelf in Fürth gründlich daneben ging, wird sich Ginni bis zum Rest der Saison mit der Joker-Rolle zufrieden geben müssen, ehe im Sommer die Karten neu gemischt werden.

Mit dem 3:1 war das Ding durch, danach war Jubel, Trubel, Heiterkeit im Neckarstadion angesagt. Die La-Ola-Welle schwappte durchs Stadion, „Oh, wie ist das schön“-Gesänge und „Wenn Du mich fragst, wer Meister wird“ wurden intoniert. In den letzten zehn Minuten stand das ganze Stadion und huldigte der Mannschaft für diese reife Vorstellung.

Die rund 3.000 Unioner, die an diesem Werktag die weite Reise auf sich genommen hatten, trugen die sich anbahnende Niederlage mit Fassung und sangen minutenlang und bis weit nach Spielende „Always look on the bright side of life“. Die Köpenicker sind nicht zum Aufsteigen verdammt und erfreuen sich an ihrer guten Saison, weshalb diese Niederlage auch kein Beinbruch für sie war. Zudem sind sie nach der Niederlage noch nicht aus dem Aufstiegsrennen und haben im allerletzten Montagabend-Topspiel der Saison in Braunschweig die Möglichkeit, einen Bigpoint zu landen.

Wenngleich ich Union und auch Hannover 96 es gönne, mit uns aufzusteigen, müssen zunächst einmal wir selbst unsere Hausaufgaben machen. Gegen Union kam die Leistungssteigerung zur rechten Zeit, so dass ich seit Montag sehr optimistisch, fast schon überzeugt davon bin, dass wir in der nächsten Saison wieder aus der Bundesliga grüßen werden.

Noch immer bin ich perplex, wie cool die Mannschaft die wichtige Hürde genommen hat und wie wenig sie sich von den äußeren Einflüssen beeindrucken ließ. Man darf nicht vergessen, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben, die mit dem Druck des „Gewinnen Müssens“ vor ausverkauftem Haus und mit einer Live-Übertragung im Free-TV erst einmal fertig werden muss. Da war die Nervosität unter uns Fans vermutlich größer, als die der Protagonisten.

In Nürnberg erwartet den VfB ein schwer ausrechenbarer Gegner, der zuletzt vier Punkte aus zwei Spielen holte und sich in den letzten Spielen defensiv stabilisiert hat. Mit 39 Punkten hat der 1. FC Nürnberg den Nichtabstieg fast geschafft, aber eben nur fast. Die Clubberer werden alles daran setzen, den Haken darunter ausgerechnet im fast ausverkauften Max-Morlock-Stadion im Süd-Schlager gegen den Top-Favoriten VfB zu setzen, und uns gleichzeitig gehörig in die Aufstiegs-Suppe zu spucken.

Vermutlich weit über 15.000 Schwaben begleiten den VfB ins Frankenland, dies dürfte Motivation für beide Seiten bedeuten. Spiele gegen den Glubb boten in der Vergangenheit alle Facetten, die man sich im Fußball nur vorstellen kann. Am liebsten erinnere ich mich ans Meisterjahr 1983/1984 als wir den Club im Hinspiel im Neckarstadion nach einem 0:0 zur Halbzeit mit 7:0 aus dem Stadion schossen und im Rückspiel beim 0:6 einen Meilenstein auf dem Weg zur Meisterschaft setzten. Damals wie heute gab es eine Völkerwanderung an den Valznerweiher, wenn auch nicht ganz in diesem Ausmaß, so zumindest meine Erinnerung.

Dann war da das Meisterjahr 2007, in dem wir einschließlich Pokalfinale alle drei Spiele gegen den Club teils derbe verloren haben und schließlich zuletzt im März 2014 das „Abstiegsendspiel“ unter der Woche, das der VfB sang- und klanglos 2:0 verlor, was gleichbedeutend mit einem der unzähligen gefühlten Abstiege in den letzten Jahren war.

Raphael Schäfer ist für mich seit dem Pokalfinale und erstrecht seit seinem VfB-Jahr noch immer ein absolutes Feindbild, erlebt beim Club indes aber seinen mindestens schon vierten Frühling. So wurmt es mich bis heute, dass es dem VfB seit seiner Rückkehr zum Club nicht ein einziges Mal gelungen ist, ihm die Bude so richtig voll zu hauen. Der Samstag wäre, zumal Schäfer zum Saisonende seine Karriere beendet, ein guter Zeitpunkt genau das zu tun!

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5. Dezember 2016

Magisches Dreieck Vol. II

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 21:27

Die 2. Liga und vor allem die noch immer gewöhnungsbedürftigen Spieltermine sind für uns VfBler noch immer Neuland. Auch für mich, dem als Allesfahrer und natürlich Berufstätigem oftmals die Zeit oder auch „der Kopf“ fehlt, die Geschehnisse rund um den VfB zu Papier zu bringen und die Spiele zu kommentieren. So also erst heute ein kleiner Rückblick auf das Montagspiel gegen Nürnberg sowie die Nachbetrachtung unseres Kurztrips ins Erzgebirge.

Ich muss es zugeben, vor dem Nürnberg-Spiel hatte ich schon ein wenig Bammel, dass es die zweite Heimniederlage nach Heidenheim setzen könnte. Einfach weil die Nürnberger, ähnlich wie Köln, zu Bundesligazeiten stets ein Gegner waren, mit dem wir zu Hause unsere liebe Müh und Not hatten.

Zudem haben die Nürnberger nach schlechtem Saisonstart in die Spur gefunden und mausern sich zu einem ernsthaften Aufstiegsanwärter. Sieben Spiele in Folge waren die Nürnberger ungeschlagen, während der VfB nach Dresden zuletzt immerhin vier Mal in Folge den Platz nicht als Verlierer verlassen hatte. So standen sich also zwei „Serientäter“ gegenüber und es gab mit dem Glubb im Neckarstadion ein Team seine Visitenkarte ab, das erst einmal geschlagen werden wollte.

Der VfB wurde von den zehn bis jetzt angesetzten Heimpartien als DIE Attraktion der 2. Liga fünf Mal montags zum Dienst bestellt. Dem Nürnberg-Spiel folgen noch das gegen Hannover 96 und jenes im Februar gegen Fortuna Düsseldorf, worüber die Cannstatter Kurve mittels eines Banners gegen die Ansetzungen ihren Unmut kundtat.

Mir als Stuttgarter passen die Montagsspiele zwar auch nicht, weil einfach der Vor- und Nachklang der Spiele zu kurz kommt und doch ist es mir noch lieber montags zu Hause als in der Fremde antreten und dafür Urlaub opfern zu müssen. Daher sehe ich das als Allesfahrer und in Anbetracht der Umstände, die der Abstieg eben mit sich bringt, pragmatisch und finde bisher, es hätte uns schlimmer treffen können.

Pünktlich zu diesem Heimspiel in der dunklen Jahreszeit zog auch der Winter in Bad Cannstatt ein, so dass uns ein frostiger Abend bei Temperaturen um die sechs Grad unter dem Gefrierpunkt bevorstehen sollte. Auf der einen Seite jammere ich als Liebhaber einer Freiluftsportart nicht gerne darüber, zumal ich auch schon das Spiel gegen Hoffenheim bei minus 17 Grad und jenes 1994 im Münchner Olympiastadion bei minus 16 Grad und eisigem Wind überstanden habe. Und doch merkte ich, dass ich auf diese eisige Kälte Ende November noch nicht eingestellt war und hoffte umso mehr auf ein erwärmendes Spiel.

Trainer Hannes Wolf verzichtete gegen den Club auf den von einer Gelbsperre zurückgekehrten Kevin Großkreutz, was diesem nicht sonderlich geschmeckt haben dürfte. Großkreutz bittet einerseits um Geduld, was das Erlangen seiner Topform angeht und ist doch Profi genug, um Frust zu schieben, wenn ihn der Trainer auch mal draußen lässt.

Plausibel fand ich die Erklärung Wolfs dazu, dass er Pavard den rechten Verteidiger mimen ließ, weil die Trainer hohe Bälle auf die schnellen Nürnberger Außen erwarteten und ihnen Pavard als Antwort darauf passender erschien.

Wolf verlangt seinen Spielern in Sachen Flexibilität einiges ab und geht diesbezüglich mit gutem Beispiel voran. Es scheint, alles was Wolf macht, habe Hand und Fuß und sei vor allem sehr gut durchdacht. Es steht dem VfB unter Wolf sehr gut zu Gesicht, dem jeweiligen Gegner Respekt zu zollen, indem man das eine oder andere Mal auch seine Aufstellung danach ausrichtet, „welche Themen der Gegner anzubieten hat“. Dadurch ist schließlich auch der VfB selbst dann schwerer ausrechenbar.

Gegen die Franken kehrte der VfB vom in Berlin praktizierten 3-4-3 zum 4-1-4-1 zurück, wobei Zimmermann den einzigen Sechser mimte und Gentner, Maxim, Mané und Asano die einzige Spitze Simon Terodde füttern und unterstützen sollten. Dies klappte auf Anhieb sehr gut. Der VfB und insbesondere Simon Terodde entwickeln sich mehr und mehr zu den Frühstartern der Liga. Mané auf Asano, dieser mit klasse Übersicht zu Terodde und es stand 1:0 in der 3. Minute. Da war er doch, der erste erwärmende Moment des Abends.

Auch das gefällt mir beim Wolf’schen Fußball. Meine Idealvorstellung einer unter der Woche nur trainierenden Mannschaft ist es ja seit eh und je, dass sie den Spielen entgegenfiebert und mit den Hufen scharrt, bis es endlich raus geht auf den grünen Rasen und sie alles in Grund und Boden rennen möchte.

Jahrelang war aber eher das Gegenteil der Fall. Es sah nach lästiger Pflichterfüllung aus und die ersten Halbzeiten plätscherten ohne Esprit und Höhepunkte vor sich hin.

Das ist nun anders. Man merkt der Mannschaft mittlerweile an, dass sie sich etwas vorgenommen hat, wenn sie vom Anpfiff weg nach Lösungen in der Offensive sucht und, vor allem zu Hause, sehr aktiv und initiativ ist.

Positiver Nebeneffekt dabei ist, dass im modernen Fußball das 1:0 oft der Wegweiser ist, in welche Richtung ein Spiel läuft und es somit weitaus erfolgsversprechender ist, selbst die Initiative zu übernehmen, anstatt einfach mal abzuwarten, was denn der Gegner so drauf hat.
Phasenweise spielt der VfB bereits jetzt einen tollen Fußball. Die Abwehr um Timo Baumgartl stabilisiert sich mehr und mehr, Kaminski scheint sich festzuspielen und in Mané, Asano und Terodde erwächst ein neues magisches Dreieck. Auf den defensiven Außen entwickelt sich Pavard zu einer echten Alternative für Kevin Großkreutz und der einst so wechselwillige Florian Klein steht derzeit tatsächlich auf dem Abstellgleis, während Emiliano Insúa, auch mangels echter Alternative, über fast jeden Zweifel erhaben ist.

Noch sind diese tollen Phasen zu rar gestreut, das weitere Augenmerk von Wolf wird darauf ausgerichtet sein, diese guten Phasen länger, im Optimalfall auch mal für neunzig Minuten, hinzubekommen.

Nach einer Führung neigt der VfB nach wie vor dazu, einen Gang zurück zu schalten und dem Gegner den Ball zu überlassen. Dann regiert die Devise „Safety first“, so dass die Abstände zwischen Defensive und der Offensive zu groß und der Weg zum Tor dadurch zu weit sind. In Berlin rächte sich dies, gegen den Club zum Glück nicht, weil es gelang wenigstens das 2:0 nachzulegen.

Hier sind vor allem unsere zentralen Mittelfeldspieler wie Zimmermann und Gentner gefragt, die Räume noch besser zu nutzen und ein Gespür dafür zu entwickeln, wann der Risikopass nach vorne die bessere Alternative ist, als der Rückpass zu einem Abwehrspieler.

Wolf ist aus Dortmund sicherlich ein anderes Level in diesem Bereich gewohnt, so dass man gespannt sein darf, ob es personelle Veränderungen geben wird, wenn Wolf erstmals an der Kaderzusammenstellung mitwirken darf. Spieler wie Gündogan, Sahin, Kehl, Bender, Weigl und einige andere wird sich der VfB zwar nicht leisten können, aber vielleicht solche, die das Zeug und vor allem die Spielintelligenz und Zweikampfstärke mitbrächten, zu einem solchen Kaliber entwickelt zu werden.

Mané und Asano aber entwickeln sich durch ihre Schnelligkeit und Ballfertigkeit immer mehr zu Waffen im Aufstiegskampf.

Beide sind auf Leihbasis beim VfB, Mané für zwei Jahre, Asano für ein Jahr, jedoch mit Option auf ein weiteres. Bei Mané soll sich der VfB eine Kaufoption für 15 Millionen Euro gesichert haben, was bei Asano nicht der Fall ist.

Jedoch könnten dem VfB die Folgen des Brexit in die Karten spielen, sollte „Ausländern“ der Zugang in den englischen Arbeitsmarkt weiter erschwert und Asano die „Arbeitserlaubnis“ auf der Insel verwehrt bleiben.

Die 15 Millionen Euro für Mané muten sich als Zweiligist zwar als utopisch an, jedoch, steigt man auf und möchte man sich langfristig in der Bundesliga etablieren, benötigt man eine gute Mannschaft und Spieler wie Mané, die den Unterschied ausmachen können.

Bei Mané sehe ich durchaus das Potential seines Fast-Namensvetters Leroy Sané, der für gut vierzig (!) Millionen Euro von Schalke zu Manchester City wechselte. Nicht immer ist also sparen gleich sparen. Man muss bei einem Spieler, der eine hohe Rendite verspricht, auch mal in ein kalkuliertes Risiko gehen.

Gegen Nürnberg machte sich der VfB das Leben schwer, indem durch leichtfertige Stockfehler gute Umschaltmöglichkeiten schon im Ansatz verschenkt wurden und man die Clubberer so nach der frühen Führung überhaupt ins Spiel kommen ließ.

Daraufhin zeigte der Club dann auch, dass mit ihm zu rechnen ist und der VfB hatte Glück, dass gerade in jener Phase, als die Franken dem Ausgleich mit einem Pfostentreffer bedrohlich nahe kamen, das 2:0, wiederum durch Terodde, glückte.

Mané schlug eine Flanke von rechts, Maxim schlug unfreiwillig über den Ball, doch Terodde, ganz Goalgetter, irritierte das nicht, so dass er überlegt einschieben konnte.

Terodde traf damit im fünften Ligaspiel in Folge und schraubte seine Ausbeute auf acht Treffer in diesen fünf Spielen. Damit entschied Terodde auch das Duell der Top-Torjäger klar für sich und kam durch sein zehntes Saisontor bis auf einen Treffer an Guido Burgstaller, den Führenden der Torjägerliste, heran. Die derzeitige Treffsicherheit von Terodde kommt damit auch der Rekonvaleszenz von Daniel Ginczek zu Gute, nimmt sie doch etwas vom Druck, Ginni zu früh rein werfen und ein zu hohes Risiko eingehen zu müssen.

Nach dem Seitenwechsel kontrollierte der VfB die Partie weitestgehend und verwaltete den Vorsprung, wobei man die Vorentscheidung mehrmals nur knapp verpasste. Als Nürnberg dann zur Schlussoffensive ansetzte und zehn Minuten vor dem Ende zum Anschluss kam, wurde es unnötigerweise noch einmal eng, ehe Asano in der Nachspielzeit nach feinem Zuspiel von Mané den Schlusspunkt zum 3:1 setzte.

Das WIE war mir an diesem frostigen Abend völlig egal. Das Wichtigste war, dass wir in den entscheidenden Momenten effektiv genug waren, einen ernsthaften Mitaufstiegs-Konkurrenten zu schlagen und uns vom Leibe zu halten. Ich titelte kürzlich, „der VfB ist wieder in der Spur“, was durch diesen wichtigen Sieg noch einmal unterstrichen wurde.

Gestern sollte dann einer der Leckerbissen der Saison für einen Fußball-Nostalgiker wie mich folgen. Es ging ins schöne Erzgebirge, zum FC Erzgebirge (Wismut) Aue.

Aue hat inzwischen dem SV Meppen den Rang abgelaufen, wenn es für Erstligisten um den Inbegriff für die 2. Liga geht. Vor einigen Jahren formulierte Hansi Müller seine Gedanken in der Form, dass er nicht im November bei fünf Grad nach Aue wolle, als man ihn auf einen möglichen Abstieg angesprochen hatte. Gut, ganz so kam es nicht, war es schließlich bereits Dezember und die Temperaturen entsprechend auch schon im Bereich unter null Grad.

Leider befindet sich das Erzgebirgsstadion momentan im Umbau, so dass lediglich 10.000 Zuschauer Platz finden und das halbe Stadion eine Baustelle ist. Für mich tat dies dem besonderen Flair jedoch keinen Abbruch. Er war auch unter diesen Umständen zu spüren, dieser ehrliche Fußball, der dort noch malocht wird und dessen Vereinshymne nicht von ungefähr das Steigerlied der Bergleute-Zunft ist.

Die frühen Anstoßzeiten in der 2. Liga fordern auch uns Fans einiges ab, klingelte am Sonntagmorgen, der eigentlich zum ausschlafen gedacht ist, schon um 4 Uhr der Wecker. Gegen halb sechs stiegen wir in Ditzingen-Ost in den RWS-Bus und begaben uns auf die rund 420 Kilometer lange Reise. Leere Autobahnen die ganze Fahrt über, so dass wir überraschend schnell unser Ziel erreichten und genügend Zeit verbleiben sollte, noch einige Freunde und Bekannte zu treffen.

Leider hatten wir diese Rechnung zunächst einmal ohne die sächsische Polizei gemacht. Diese passte uns auf einer Einfallstraße nach Aue, genauer gesagt im Örtchen Raum (!) ab und zwang uns zum Halt. Dann hieß es, man wolle „die“ Busse gesammelt zum Stadion eskortieren. Dumm dann natürlich für diejenigen, die beizeiten abfuhren! Da die Polizei offensichtlich keinen Plan hatte, auf wie viele Busse sie überhaupt zu warten hätte, beließ man es dabei, die Eskorte zu starten, nachdem fünf, sechs weitere Busse eingetroffen waren.

Wir wurden also zum Busparkplatz eskortiert, wo der nächste Ärger auf uns wartete, weil der Parkplatz schon recht vollgeparkt war und dabei die Wendekreise der Busse nicht bedacht wurden und unser Kutscher eine gefühlte Ewigkeit lang rangieren musste, um überhaupt in den Parkplatz hinein manövrieren zu können. Da fragt man sich manchmal wirklich, wer solche „Strategien“ ausheckt, zumal es im Umfeld des Spiels und des Stadions ruhig blieb und auch im Vorfeld keine Ausschreitungen zu befürchten waren.

So war der erste Eindruck über unsere Gastgeber kein sonderlich guter. Durch diese Aktionen hatten wir bereits wertvolle Zeit verloren und entschlossen uns, nach einem schnellen Bierchen am Bus, uns zu unserem Eingang zu begeben. Mir gelang es unter der Woche noch, unsere Karten für den Gästeblock G gegen welche auf der Gegentribüne E zu tauschen, von wo aus eine bessere Aussicht auf unsere Fankurve zu erwarten war.
Da laut Stadionordnung und Faninfos davon auszugehen war, dass es Probleme mit allen Kameras größer einer kompakten geben könnte, ließ ich „die Große“ vorsichtshalber gleich zu Hause und nahm nur die Kompaktkamera mit. Wie bereits in einigen anderen Spielen, wo ich mich eher im Heimbereich positionierte und mir nicht sicher war, wie man als Fan mit gegnerischer Fankleidung aufgenommen bzw. ob man mit dieser überhaupt hereingelassen werden würde, entschied ich mich für neutrales Outfit. So gab es am Einlass überhaupt keine Probleme, das Ordnungspersonal, mit dem ich an diesem Tag zu tun hatte, war durchweg freundlich und auch kompetent.

Drinnen bemerkte ich dann schnell, dass auch VfB-Outfit kein Problem dargestellt hätte, tummelten sich doch einige VfBler in unserem Bereich. Den auf meiner Eintrittskarte aufgedruckten Platz hätte ich zum fotografieren vergessen können, war er doch sehr nah am Zaun neben dem Pufferblock zum Gästebereich und zudem noch mit einer dicken Reif-Schicht belegt.

Da die Ordner und auch die Auer Fans sehr entspannt waren, konnte man sich im Block gut bewegen und vorne an der Bande stehen, natürlich in Bereichen, wo man niemandem die Sicht versperrte. Es gibt ja viele Stadien, in denen sofort ein Ordner zur Stelle ist, und einen anweist, seinen angestammten Platz einzunehmen, dies war in Aue zum Glück nicht der Fall.

Wie überall, wo es Vollbier gibt, testete ich auch dort gleich einmal den Bierstand, beließ es jedoch bei einem Bierchen, bevor mir bei einem weiteren der Becher an die Hand gefroren wäre. Es war bitter kalt an diesem Nachmittag.

Wolf startete mit einer Änderung im Vergleich zum Nürnberg-Spiel, Özcan durfte für Maxim ran, der überhaupt nicht im Kader war. Die offizielle Sprachregelung lautete „muskuläre Probleme“, wenn man jedoch Maxims Körpersprache in den letzten Wochen und Monaten betrachtet und sieht, dass er es auch topfit oft nicht in die erste Elf schafft, liegt die Vermutung nahe, dass er sich mit seinem Standing nicht anfreunden kann und es deshalb zu Differenzen gekommen ist. Sei’s drum, es zählen ohnehin keine Einzelschicksale, wichtig ist der Mannschaftserfolg.

Der VfB begann die Partie äußerst verhalten und ließ Aue das Spiel machen, während man selbst auf Konter lauerte. Dies ist immer eine gefährliche Herangehensweise, vor allem dann, wenn der Gegner diese Einladung annimmt und den VfB in die eigene Hälfte drückt. Aue gelang das jedoch nur bedingt. Hervorragend gelang zwar ihr Pressing, das den VfB zu zahlreichen Ballverlusten zwang, doch, sie spielten ihre Angriffe oft nicht zu Ende, schlossen überhastet ab oder der letzte Pass wurde schlampig gespielt.

Deshalb wurde die anfängliche Passivität des VfB nicht bestraft, im Gegenteil. Nach Özcan-Ecke verlängerte Pavard zu Timo Baumgartl, welcher völlig frei zum 0:1 einköpfen konnte. Es war Baumgartls allererster Treffer im 53. Pflichtspiel und in seinem 50. Liga-Spiel für den VfB. Wie sich Baumgartl in die Arme von Trainer Wolf warf, zeugt von einem guten Verhältnis zwischen Trainer und Spieler und ist wohl auch der Dank an Wolf, Baumgartl zum Abwehrchef gemacht zu haben.

In der Folgezeit verfiel der VfB in sein altes Phlegma und ließ Aue kommen. Das ging beinahe ins Auge, als Kvesic fünf Minuten nach der Führung nur die Querlatte traf. Langerak war mit den Fingerspitzen noch dran, klasse Aktion des Mannes mit der Mütze.

Auch Rizzuto ließ man kurz darauf ohne große Gegenwehr in Schussposition kommen, dieser verzog jedoch. Wieder wie aus dem Nichts erhöhte der VfB dann auf 2:0, als Asano einen langen Ball, halb mit der Brust, halb mit dem Arm, stark mitnahm und an den langen Pfosten flankte. Gentner war zur Stelle und traf unter gütiger Mithilfe von Keeper Haas zum 0:2. Danach war lange wieder nur Aue am Drücker und kam zu durchaus guten Einschussmöglichkeiten, welche ziemlich kläglich vergeben wurden. Das unterstrich, dass man zu sehr vom kurzfristig ausgefallenen Torjäger Köpke (7 Saisontore) abhängig zu sein scheint.

Kurz vor der Pause versuchte dann noch Nicky Adler mit einer plumpen Schwalbe einen Elfmeter zu schinden. Respekt an den Schiedsrichter, der sofort die gelbe Karte zeigte und auf Freistoß für den VfB deutete.

Tja, lieber Nicky Adler, wie man am Samstag am Beispiel von Timo Werner gesehen hat, verleiht zwar Red Bull Flügel, der BSG Wismut offensichtlich aber nicht.

Ein Wort noch zu Timo Werner und dem DFB in diesem Zusammenhang:

Werner sollte besser wieder auf Döner umsteigen und das Grünzeug, das ihm in Leipzig verabreicht wird, bei Seite schieben, damit er standhaft bleibt und nicht bei jedem Windstoß, wie vom Blitz getroffen, hinfällt.

Und, zum DFB, solang man stur auf einer Regel wie der der Tatsachentscheidung beharrt, die es seit gefühlten 100 Jahren gibt und die längst überholt ist, sind Lug und Betrug im Fußballgeschäft weiterhin Tür und Tor geöffnet.

Was wäre daran auszusetzen, eine Entscheidung eines Schiedsrichters öffentlich als falsch zu erklären? Dies untergräbt doch dann nicht mehr die Autorität eines Schiedsrichters, wenn es um eine Szene geht, von der Millionen von Menschen bereits wissen, dass es sich um eine Fehlentscheidung handelte. In welcher Welt leben diese Funktionäre? Für mich hätte es eindeutig eine abschreckende Wirkung, wenn Werner jetzt, meinetwegen für drei Spiele, gesperrt werden würde.

So ging es mit einem durchaus schmeichelhaften 0:2 in die Halbzeitpause, in der wir uns ob unserer mehr und mehr abfrierender Gliedmaßen bereits den Schlusspfiff und den warmen Bus herbei sehnten.

Warm sollte es dann aber doch werden, jedoch nur im Gästeblock. Mit Beginn der zweiten Halbzeit wurde gezündelt was das Zeug hielt und das Erzgebirgsstadion immer wieder für kurze Zeit eingenebelt. Der Aufschrei in den sozialen Netzwerken ist mal wieder riesig, von hirnlosen Idioten, die nur dem Verein schaden wollen, die Rede.

Ich fand es megageil anzusehen und zu fotografieren und bin absolut pro Pyro, wenn die Bengalos vernünftig gezündet werden und die Hand erst verlassen, wenn sie erloschen sind. So geschehen gestern, so auch in Homburg. Ein Problem habe ich lediglich dann, wenn Böller gezündet werden, die schwere Knalltraumata hervorrufen können, Raketen abgeschossen werden oder brennendes Material aufs Feld oder in Zuschauermengen gefeuert wird. Ein gewisses Restrisiko bleibt natürlich bestehen, aber, das hat man auch wenn man auf die Straße geht oder sich ans Steuer setzt. Meiner Erfahrung nach ist es auch eine Mär, dass, wie die Vorwürfe im Internet lauten, Pyros von Kindern im Vollsuff gezündet werden, viel mehr erfolgt der Umgang mit Pyro-Technik, zumindest in unserer Ultras-Szene, durchaus verantwortungsvoll. Aber, das bekommen Leute, die von der Couch aus urteilen, natürlich nicht mit.

Der erste Ausruf der Couch-Potatoes, die sich gestern darüber beklagten, bei Sky zeitweise nichts mehr vom Spiel gesehen zu haben, lautet, dass Pyro verboten sei und man es schon deshalb zu unterlassen habe.

Dieses Argument ist für mich an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Solchen Kandidaten empfehle ich, fahrt erst einmal auswärts, bevor ihr im Netz die Klappe aufreißt.

Weil einem auf einer Auswärtsfahrt diffuseste Verbote entgegen schlagen, die schon an Menschenrechtsverletzungen grenzen, weil sie die persönliche Freiheit in nicht unerheblichem Ausmaß einschränken, führt dies bei mir zu einem „Jetzt erst recht“ und dazu, dass ich Verbote rund um ein Fußballspiel nicht automatisch für richtig halte und sie kritiklos akzeptiere.

Ich lasse es mir nämlich ungern vorschreiben, welchen Weg ich zu nehmen habe, ob ich in Polizeibegleitung oder individuell zum Stadion gelangen möchte und ob ich aufs Klo darf oder nicht. Mit solchen „Maßnahmen“ hat man es auswärts regelmäßig zu tun, wenn man zur falschen Zeit am falschen Ort ist. Alkoholverbote für ganze Gebiete tun ihr übriges, auch dann sucht man nach Wegen, dieses zu umgehen.

Und dann soll allen Ernstes jemand davon abgehalten werden, Pyros zu zünden, weil das verboten ist? Würde man wieder in den Dialog treten und, Auswärts-Fans nicht regelmäßig wie Aussätzige oder Vieh behandeln, käme man vielleicht auch in Sachen „kontrollierter Einsatz von Pyro-Technik“ näher aufeinander zu, solang das „Miteinander“ aber in einer Einbahnstraße mündet und die Restriktionen gegen Fans eher noch zu- als abnehmen, wird das Versteckspiel weiter gehen und der Anreiz nicht weniger werden, trotz intensivster Kontrollen Material hineinzuschmuggeln.

Über das Argument, dass die Zündelei die Vereine Unsummen an Geld kosten würde, lache ich genauso. In einem Business, in dem es um Milliarden geht, werden Strafen im Zehntausender-Bereich aus der Portokasse bezahlt. Solang es sich ein Verein wie der VfB noch leistet in 5-Sterne-Luxus-Wellness-Ressorts und abgeschottet von der Außenwelt abzusteigen, solang Geld für Charterflieger zur Verfügung steht, solang für die Abfindungszahlungen für Trainer, Sportdirektoren und auch Spieler, die der VfB allein in den letzten drei bis vier Jahren angehäuft hat, wohl zig Jahre lang gezündelt werden könnte, so lang muss man sich wohl keine Sorgen machen, dass der VfB durch diese Strafzahlungen in seinen Grundfesten erschüttert werden könnte.

Für diese (außerplanmäßigen) Kosten sind sicherlich Rücklagen gebildet und diese werden am Ende, wenn das Urteil des DFB gesprochen ist, für gemeinnützige Zwecke gespendet. Man könnte also auch in die Richtung argumentieren, dass es vernünftiger ist, dem Gemeinwohl Gutes zu tun, als teuren Missverständnissen wie Torun, Abdellaoue und wie sie alle in der Vergangenheit hießen, mittels Abfindung den Abgang schmackhaft machen zu müssen. Erst wenn der VfB nachweislich kein Geld mehr zum Fenster hinaus wirft, kann man anfangen, über diese vergleichsweise Peanuts-Beträge zu lamentieren.

Härter würde den VfB natürlich ein Zuschauer-Teilausschluss treffen, wobei dieser, siehe Frankfurt gegen uns in der letzten Saison, auch ganz schön nach hinten los gehen kann.

Der gesundheitliche Aspekt ist sicher auch nicht bei Seite zu schieben, jedoch muss jeder, der sich ein Ticket für den Fanblock besorgt, damit rechnen, dass es auch mal rauchen könnte. Die Gegner werden darauf entgegen, nein, müssen sie nicht, das ist jedoch mehr Wunschdenken als die Realität. Dieser muss man eben auch mal ins Auge blicken, wenn es einem gerade nicht in den Kram passt.

Das Abbrennen von Pyro-Technik geschieht zudem nicht aus heiterem Himmel. Als Umstehender bekommt man mit, wenn sich etwas zusammen braut, und hat dann noch genug Zeit, in einen anderen Bereich des Blockes zu wechseln. Die Gase, die man von weitem dann noch einatmet, dürften kaum heftiger sein als die schlechte Luft in der Feinstaubhauptstadt Stuttgart.

Dass Gegner und Befürworter hier nie auf einen grünen Zweig kommen, ist mir klar, daher sind gegenseitige Bekehrungsversuche auch völlig sinnlos.
Ultras hier pauschal als besoffene und hirnlose Idioten zu betiteln, die man alle mit lebenslangem Stadionverbot belegen solle, wie ich es zu diesem Thema mehrfach gelesen habe, ist Quatsch. Wir wollen alle eine bunte und laute Fanszene, die durch derartige Couch-Hooligans sicherlich nicht am Leben erhalten werden würde. Interessant wäre es einmal, nur jene zu befragen, die in Aue dabei waren. Kritik las ich nämlich nur von solchen, die nicht vor Ort waren, wie so oft eben!

Da ich mir, bevor ich es mir anmaße, eine Partie aus meiner Sicht zu analysieren, die Spiele hinterher auf Sky noch anschaue, tangierte es mich weniger, dass ich vom Spielgeschehen in der 2. Halbzeit fast nichts mehr mitbekam. Ich war eigentlich ständig direkt hinter der Auer Trainerbank mit hervorragendem Blick auf beide Fankurven, jedoch nicht mehr aufs Spielfeld. Da sah ich gerade noch die beiden Strafräume einigermaßen ein.
Nachdem ich mittlerweile das gesamte Spiel gesehen habe, kann ich mir auch ein paar Worte zur zweiten Halbzeit erlauben. Aue kam auch in der zweiten Hälfte engagierter als der VfB aus den Katakomben der Bauruine und doch hatte Mané die erste Konterchance, als er es versäumte zu Terodde zu passen. Mané schnürte schließlich noch, nach Fürth, seinen zweiten Doppelpack, während Asano bei einer weiteren Konterchance abermals Terodde links, bzw. in dem Fall rechts, liegen ließ und verzog. Langerak verhinderte dann noch in der 87. Minute den verdienten Auer Anschlusstreffer und auch, dass mein 1:4-Tipp aufging, womit ich jedoch wohl besser leben konnte als die aufopferungsvoll kämpfenden Veilchen.
Der Sieg fiel eindeutig zu hoch aus und war lediglich der brutalen Effektivität zu verdanken, weil man vier seiner fünf Torschüsse im Kasten versenken konnte und diese Kaltschnäuzigkeit den Auern abging. Aue hatte mehr Abschlüsse und das engagiertere Spiel zu verzeichnen, am Ende aber zählen, zum Glück für den VfB, die Tore.

Spätestens nach dem 0:4 verstummte auch die Auer Anfeuerung, lediglich das Steigerlied intonierten sie, begleitet von einer netten Schalparade, noch einmal.

Bei uns auf der Gegentribüne gingen während der gesamten zweiten Halbzeit auch einige VfBler aus sich heraus und machten bei „Steht auf, wenn ihr Schwaben seid“ mit oder stimmten ein „Hier regiert der VfB“ an.

Da ich persönlich es auch nicht mag, wenn sich Gegner bei uns auf der Haupttribüne in Stuttgart so aufspielen und ich mich darüber, an einem ohnehin gebrauchten Tag, mitunter sehr aufrege, freue ich mich als Gast im Heimbereich lieber in mich hinein und provoziere nicht noch irgendwelche Reaktionen.

Bis auf ein Handgemenge von Auern untereinander bekam ich keine Anfeindungen mit. Es war eine wohltuende Atmosphäre mit netten Gastgebern. Auch nach dem Spiel, kein böses Wort, sondern eher, dass wir ja eh in die Bundesliga gehören und man sich wohl so schnell nicht wieder auf Augenhöhe begegnen würde.

Ein wenig hatte dieser Auftritt etwas von einem Pokalspiel, der Stadionsprecher feierte, dass sich „für uns (den VfB) ein Traum erfüllen würde“, im schönen Erzgebirge aufzulaufen und auch sonst hatte man den Eindruck, dass die Auer fast vor Ehrfurcht erstarrten, den großen VfB wenigstens einmal in einem Ligaspiel begrüßen zu dürfen. Da hat man als VfB im Osten auch schon ganz Anderes erlebt, „scheiß Wessis“ und so.
Ich war froh, diesen Ground, wenn auch als Baustelle und wenn auch in einem Pflichtspiel, erleben zu dürfen und wünschte den Auern dann im Gegenzug auch den Klassenerhalt, auch wenn ich in der 2. Liga mittlerweile immer mehr Vereine ins Herz schließe. ;-)

Gegen Hannover 96 wird sich der VfB steigern müssen, um nicht sein blaues Wunder zu erleben. Da aber das gute Pferd nur so hoch springt, wie es muss und es in letzter Zeit in einer vom Niveau her ziemlich schwachen 2. Liga meist auch so gereicht hat, bin ich ganz optimistisch, dass wir zu Hause zumindest nicht verlieren werden.

Mit einem Remis könnte der VfB im Zweifel wohl besser leben, als Hannover. Dennoch gilt es natürlich auch am kommenden Montag mit der Maxime anzutreten, den sechsten Heimsieg in Serie einfahren zu wollen. Hannes Wolf wird auch hier einen Matchplan (ich glaube im Zusammenhang mit dem VfB verwende ich diesen Begriff zum ersten Mal) erarbeiten und Hannover seiner Stärken zu berauben versuchen. Mit Spannung wird sicherlich die Rückkehr Martin Harniks ins Neckarstadion erwartet. In Hannover ist er auf dem Weg zurück zu alter Treffsicherheit, die ihm in Stuttgart in den letzten Jahren abging. Vielleicht genügt ja die schlechte Stuttgarter Luft, dass er wenigstens an alter Wirkungsstätte die Hundertprozentigen wie in alten Zeiten vergibt, wir werden sehen.

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8. April 2016

Eine Hommage auf Daniel Didavi!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 19:26

Jetzt ist es also raus, was die Spatzen schon seit geraumer Zeit von den Dächern pfiffen! Daniel Didavi verlässt den VfB nach 17 Jahren in Richtung Wolfsburg. Die schöne Stadt Wolfsburg oder gar die Gelegenheit, eine neue Sprache zu erlernen, werden bei seiner Entscheidung wohl nicht den Ausschlag gegeben haben.

Vielmehr übt Wolfsburg hauptsächlich deshalb auf Dida einen großen Reiz aus, weil er dort (vermutlich) wieder auf seinen Ziehvater Dieter Hecking treffen wird, der ihn einst in Nürnberg zum Bundesligaspieler formte.

Zumindest langfristig dürften auch die sportlichen Perspektiven in der Autostadt besser sein und nicht zuletzt, darf Didavi, da ablösefrei, auch noch ein nettes Handgeld einstreichen und soll fünf Jahre lang sechs Millionen Euro jährlich „verdienen“, was mehr als doppelt so viel von dem wäre, was der VfB ihm hätte bieten können.

Wer ihn jetzt mit Häme überschüttet, weil Wolfsburg gerade noch fünf Punkte vor uns und damit vom internationalen Geschäft fast so weit entfernt ist, wie der VfB, sollte dabei berücksichtigen, wann Dida diese Entscheidung getroffen hatte.

Vor dem Duell gegen Didas neuen Arbeitgeber stand der VfB mit zwölf Punkten auf Platz 18 und hatte jüngst zum x-ten Mal in den letzten Jahren den Trainer geschasst. Der so hoffnungsvoll begonnene Neuanfang unter Trainer Zorniger war abrupt beendet, von Kontinuität wieder einmal keine Spur. Wolfsburg hingegen, amtierender Vizemeister und von Platz 4 der Tabelle grüßend, versprach zu jenem Zeitpunkt, als Didavis Berater Karl-Heinz Förster auf der VfL-Geschäftsstelle gesichtet wurde und vermutlich auch Nägel mit Köpfen gemacht wurden, die weitaus besseren Perspektiven.

Wohl vor allem auf Geheiß von Robin Dutt wurde vereinbart, über den anstehenden Wechsel Stillschweigen zu bewahren, um jedwede zusätzliche Unruhe im Abstiegskampf vom Verein fernzuhalten. Am Anfang der Rückrunde schien dies Daniel Didavi auch nicht zu belasten, hatte er doch großen Anteil an der schwindelerregenden Siegesserie. In den letzten Wochen hingegen, in der kaum eine verstrich, ohne dass in irgendeiner Zeitung zu lesen war, der Wechsel zum VfL Wolfsburg sei bereits fix, schien die Situation Dida plötzlich zu belasten. Seine Körpersprache war eine andere, seine Leistungen auf dem Platz wurden schlecht, so schlecht sogar, dass er bei den beiden letzten Spielen der schwächste VfBler auf dem Platz war. Wohl deshalb und damit Dida zum Saisonendspurt den Kopf wieder frei hat, entschloss man sich diese Woche, den Wechsel endlich publik zu machen.

Dida deswegen als Lügner hinzustellen ist meiner Meinung nach äußerst unfair, da er sicherlich gerne früher reinen Tisch gemacht hätte, jedoch an die Abmachung gebunden war. Seine Leistungen wurden sicher auch nicht deshalb schlechter, weil er mit dem VfB abgeschlossen hätte, sondern weil das Versteckspiel an ihm nagte und er spürte, wie der Unmut bei vielen Fans wuchs und zuletzt sogar drohte, endgültig in Hass umzuschlagen.

Dida spielt mit kurzen Unterbrechungen seit der F-Jugend für den VfB, der VfB ist sein Verein. Er wird den VfB daher sicher unter keinen Umständen als Absteiger verlassen wollen, weshalb ich mir sicher bin, dass er in den (vorläufig?) letzten Spielen für den VfB noch einmal alles raushauen und mithelfen wird, uns vor dem Abstieg zu bewahren.

Dass Robin Dutt ihn im Sommer, trotz lukrativer Angebote vom VfL Wolfsburg und Bayer 04 Leverkusen, nicht gehen lassen hat und ihn als unverkäuflich bezeichnete, hat ihn sich nicht etwa beleidigt in sein Schneckenhaus zurückziehen lassen, sondern, er akzeptierte diese Entscheidung profihaft und hat mit seinen 15 Scorer-Punkten maßgeblichen Anteil, dass wir (noch) relativ entspannt dem Saisonende entgegen blicken können.

Noch im Juli, als ich die Gelegenheit hatte, mit ihm zu sprechen, versicherte er, dass sein Wechsel zur nächsten Saison keineswegs beschlossene Sache sei. Er goutierte die eingeschlagenen Reformen und Personalentscheidungen und war angetan vom Fußball, den Alexander Zorniger propagierte. Damals noch bestand, auch bei ihm, Hoffnung, den Schwung und die prächtige Stimmung auf den Rängen zum Saisonfinale in die neue Saison hinüberretten zu können und sich in einen Lauf zu spielen.

Er wollte die weitere Entwicklung abwarten und liebäugelte damit, wenn auch ein bisschen verschmitzt, DAS Gesicht des „neuen“ VfB werden zu können. Einen gewissen Charme hätte diese Vorstellung schon für ihn besessen.

In der Vorrunde, das wissen wir alle, setzte sich die Abwärtsspirale, in der wir uns schon einige Jahre befinden, dann aber nahtlos fort. Wir verloren die Spiele zwar zunächst schöner, aber, wir verloren sie noch immer.

Dass dann ein hochveranlagter Spieler, der mit 26 Jahren im besten Fußballeralter ist, es sich genau überlegt, wo er den wohl „letzten großen Vertrag“ seiner Karriere unterschreibt, ist meiner Meinung nach völlig legitim. Langsam aber sicher läuft ihm die Zeit davon, auch natürlich der Tatsache geschuldet, dass er durch seine langen Verletzungsunterbrechungen für sein Alter viel zu wenig Bundesligaspiele auf dem Buckel hat.

Natürlich wäre es wünschenswert gewesen, dass Didavi noch einmal einen längerfristigen Vertrag unterschreibt und dann irgendwann einmal gegen eine hohe Ablöse den Verein verlässt und nicht wie jetzt ablösefrei. Diese Chance jedoch hat der VfB vor gut einem Jahr verpasst, als Didavi, noch während seiner Reha-Zeit, einer Verlängerung wohl nicht abgeneigt gewesen wäre. Ein auf Transfererlöse angewiesener Verein wie der VfB darf es sich eigentlich von Grund auf nicht leisten, mit Spielern, für die es Interessenten gibt, ins letzte Vertragsjahr zu gehen, weil die Unruhe von vornherein vorprogrammiert ist und der Verein das Heft des Handelns aus der Hand gibt.

Der VfB muss sich also durchaus auch an die eigene Nase fassen und versuchen, solche Fälle in Zukunft zu vermeiden. Hier sehe ich den Verein in der Pflicht, der, um die Guten mittelfristig auch wieder halten zu können, sich von blockierenden Altlasten befreien muss, anstatt noch die Verträge mit ihnen zu verlängern. Die guten Spieler, wie aktuell auch Filip Kostic, kann man eben nun mal nur zum bleiben bewegen, wenn das Gehalt leistungsgerecht angepasst wurde und wenn die Rahmenbedingungen, wie z. B. eine konkurrenzfähige Mannschaft zu haben, stimmen.
Bewegt sich der Verein jedoch ständig im Kreis, wie wir es aktuell erleben (müssen), laufen uns die Guten weg, während die Schlechten, mangels Interessenten, ihre Verträge absitzen, was fast zwangsläufig irgendwann im Abstieg münden muss.

Ob Didavi immer noch mit der im Dezember getroffenen Entscheidung restlos glücklich ist, oder ihn schon jetzt leichte Zweifel plagen, das ist die Frage. Besonders euphorisch wirkte er beileibe nicht, als er bei vfb-tv davon sprach, dass man zu einer getroffenen Entscheidung stehen müsse.
Die Vorzeichen haben sich seither ja auch grundlegend geändert. Wolfsburg dümpelt in der Tabelle jenseits von Gut und Böse rum und ist derzeit meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt. Während sich die Stimmung beim VfB prächtig fast schon ins Humoristische hinein entwickelt hat, tun sich bei Wolfsburg, parallel zur sportlichen Misere, unschöne Nebenkriegsschauplätze auf (Kruse, Bendtner,…), was nicht von bester Stimmung zeugt.

Hecking sitzt bei weitem nicht mehr so fest im Sattel wie noch im Dezember. Sollte, wie es heute aussieht, die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb verpasst werden, dürfte im Sommer auch Hecking zur Disposition stehen. Sollte Wolfsburg tatsächlich im Sommer den Trainer wechseln, hätte sich Dida offensichtlich fürs erste verzockt, auch wenn er Profi genug ist um zu wissen, wie schnell sich die Personalien im Fußball ändern können.

Dida ist VfBler durch und durch und wäre im Grunde seines Herzens sicher auch gerne beim VfB geblieben, wenn sich eben die sportliche Entwicklung wenigstens ein bisschen nach oben bewegt hätte. Ständiger Abstiegskampf zermürbt eben nicht nur uns Fans, sondern auch die Spieler. Ein Spieler mit seinen Fähigkeiten und seiner Spielintelligenz eben Begehrlichkeiten anderer Clubs. Es ist zwar äußerst bitter, auch für mich, dass uns unser bester Fußballer verlässt, aber, verdenken kann ich es ihm wirklich nicht.

Dem VfB gegenüber hat Dida stets mit offenen Karten gespielt. Er weiß, dass er dem Verein viel zu verdanken hat und kommt zudem aus einem geerdeten Elternhaus, das ihm Werte wie Höflichkeit, Respekt, Ehrlichkeit und Loyalität beigebracht hat. Dieser Wechsel ging im Zusammenspiel mit dem Verein sauber über die Bühne, anders bspw. als das vor knapp einem Jahr vollführte Theater der Brüder Rüdiger/ Senesie.

Didavi jetzt, weil er es sich „erlaubt“ unseren geliebten VfB zu verlassen, als Söldner abzustempeln und ihm Vereinsliebe und Dankbarkeit abzusprechen, halte ich für überzogen und unfair.

Ich habe ein Faible für Dida, seit ich ihn, damals 17-jährig, erstmals auf den Golan-Höhen sah. Er bestritt in der Saison 2008/2009 sein allererstes Spiel für die Amas gegen Eintracht Braunschweig und steuerte auf Anhieb zwei Tore und eine Torvorlage zum 4:0 bei. Seither verfolgte ich seine Entwicklung interessiert und freute mich auf den Tag, an dem er zu den Profis hochgezogen werden würde.

Seine erste Saison bei den Profis absolvierte er im Fast-Abstiegsjahr 2010/2011, als das pure Chaos herrschte und zunächst Christian Gross, dann Jens Keller und schließlich Bruno Labbadia seine Trainer hießen. Schon diese Saison stand für Dida unter einem äußerst ungünstigen Stern, verletzte er sich doch bereits am 5. Spieltag in Nürnberg schwer und kam auch in der Rückrunde kaum mehr zu Einsätzen, weil Labbadia im Abstiegskampf eher auf Erfahrung setzte und mit Dida auch nie so recht etwas anzufangen wusste.

Nach diesem verkorksten ersten Profi-Jahr wurde Dida an den 1. FC Nürnberg verliehen. Als noch die Herren Bobic und Labbadia auf dem Wasen ihr Unwesen trieben, dienten solche Leihen weniger einer erhofften Weiterentwicklung der Spieler, sondern wohl vorrangig dazu, die Kadergröße zu reduzieren. Ein Spieler musste sich zu jener Zeit mehr als abgeschoben denn als Hoffnungsträger für die Zukunft fühlen. Sowohl Didavi, als auch später Schieber und Kimmich entfremdeten sich komplett vom VfB und wären am liebsten überhaupt nicht mehr zurückgekommen, da sie bei den aufnehmenden Vereinen jene Nestwärme spürten, die sie beim VfB vermissten.

Bei Didavi soll sich während seiner Leihe nie ein Offizieller vom VfB gemeldet und sich nach ihm erkundigt haben. Seit dieser Saison gibt es den Team-Manager Günther „Günne“ Schäfer, der unter anderem zur Aufgabe hat, bei Leihspielern eine Entfremdung zu verhindern, indem er sich über deren Wohlbefinden erkundigt, sie über Geschehnisse beim VfB auf dem Laufenden hält und nicht zuletzt auch ihre Perspektive bei einer Rückkehr zum VfB bespricht, kurz, ihnen einfach vermittelt, weiterhin wichtiger Bestandteil vom VfB zu sein und ihnen das Gefühl gibt, dass der VfB sich wieder auf sie freut.

Diese Fürsorge wurde bei Didavi versäumt, so dass er schon damals am liebsten beim Club geblieben wäre. Dort erfuhr er jene Wertschätzung, die er beim VfB vermisste. Einen Strich durch diese Rechnung machte dann der Kreuzbandriss, den sich Dida im letzten (Test-)Spiel für den Club zuzog, womit klar war, dass der notorisch klamme Club sein weniges für Transfers verfügbare Budget in Spieler investieren würde, die ihm sofort weiterhelfen konnten, womit eine Weiterbeschäftigung Didas vom Tisch war.

Didas Vertrag wurde, damit die Leihe überhaupt zustande kam und er nach dieser nicht ablösefrei wechseln konnte, bevor Dida zum Club ging, um ein Jahr verlängert, wäre also 2013 ausgelaufen.

Damit Dida seine Reha-Maßnahmen unbeschwert und ohne irgendwelche Zukunftsängste antreten konnte, verlängerte man während dieser Zeit den Vertrag um drei weitere Jahre bis 2016. Dieser Vertrag war jedoch stark leistungsbezogen, mit einem niedrigen Grundgehalt, aufgelegt, so dass er für den VfB kein großes Risiko darstellte. Es handelte sich um eine Win-Win-Situation. Didavi war abgesichert, der VfB konnte mit einem inzwischen sehr guten Bundesligaspieler den Vertrag verlängern, was einige Wochen davor noch völlig unrealistisch gewesen wäre.

Deshalb wehre ich mich dagegen, Dida mangelnde Dankbarkeit zu unterstellen, da in der Bobic-Ära ihm gegenüber bei weitem nicht alles astrein abgelaufen ist und zu jener Zeit schon viel Porzellan zerschlagen worden ist.

Mit dem Kreuzbandriss, den Dida aus Nürnberg mitbrachte, begann eine fast unfassbare Leidensgeschichte. Während der darauffolgen 22 Monate kam Dida gerade einmal zu drei Kurzeinsätzen in der Bundesliga, so dass ihm kaum einer mehr ein Comeback zugetraut hatte.

Als man schon überhaupt nicht mehr mit ihm rechnete kam er am Ende der Saison 2013/2014 wie Phönix aus der Asche zurück. Erst nachdem Huub Stevens gegen Borussia Dortmund (2:3 nach 2:0-Führung) Daniel Didavi und Carlos Gruezo aus dem Hut zauberte, kam Struktur und Spielkultur in unser Spiel, was uns schließlich noch den Klassenerhalt bescherte.

Auch in der darauffolgenden Saison 2014/2015 klebte Dida das Pech an den Füßen. In der Vorrunde brachte es er es gerade einmal auf sechs Einsätze, die nächsten sollten erst wieder ab dem 30. Spieltag folgen. Wurde er bei den gefühlten Abstiegen gegen Freiburg (2:2) und auf Schalke (2:3) spät eingewechselt, stand er bei den letzten drei Siegen von Beginn an auf dem Platz und hatte durch seine Tore gegen Mainz und in Paderborn einen sehr großen Anteil am letztlich geglückten Klassenerhalt.

Die aktuelle Saison ist die erste seit jener beim Club, in der er konstant und weitestgehend beschwerdefrei sein Können unter Beweis stellen kann. Dass seine erste Saison für den VfB, in der er fast durchgängig zur Verfügung steht, mit seinem Abschied zusammenfällt, ist zufällig und dem Versäumnis geschuldet, dass sein Vertrag nicht längst verlängert worden war.

Jetzt, nachdem das Versteckspiel beendet ist, sollte Dida frei im Kopf sein und in den verbleibenden sechs Saisonspielen, beginnend morgen gegen keinen geringeren als den FC Bayern, unter Beweis stellen, welch großartigen Fußballer wir in ihm verlieren.

In den sozialen Medien ist die Empörung auf Didas Abgang so groß, dass nicht wenige von Kramny erwarten, Dida ab sofort auf die Tribüne zu verbannen und stattdessen seinen Kronprinzen Alexandru Maxim ins Wasser zu werfen.

Wollen wir den Abstiegskampf bestehen oder nicht? Könn(t)en wir es uns leisten, aus niederen Beweggründen auf unseren Top-Scorer zu verzichten. Und das in einer Mannschaft, die ohnehin auf ihre Aggressiv-Leader Serey Dié und Kevin Großkreutz verzichten muss? Davon halte ich nichts. Maxim, so sehr ich ihn eigentlich mag, hat seine besten Spiele für den VfB als Joker abgeliefert. Er ist zu langsam, lang nicht so giftig in den Zweikämpfen und scheint auch konditionell nicht auf der Höhe zu sein, zudem arbeitet Dida auch noch nach hinten besser mit. Ich sehe in Maxim, der sich noch bei keinem Trainer durchsetzen konnte, keinen vollwertigen Ersatz für Dida und sehe die Notwendigkeit im Sommer auf dem Transfermarkt auf Didavis Abgang zu reagieren.

Auch wenn ich den VfL Wolfsburg absolut nicht ausstehen kann und ihn durchaus auch als einen der Totengräber des Fußballs, wie wir ihn lieben gelernt haben, ansehe, kann ich Didas Entscheidung nachvollziehen und dabei vor allem, dass er gerne in die Obhut von Dieter Hecking zurückkehren möchte.

Das zeigt doch schon sein Faible für Altbewährtes, weshalb es ihm auch sichtlich schwer fällt, den VfB zu verlassen und überhaupt etwas Neues zu machen. Bei Hecking weiß er sich in guten Händen, weiß, dass der Trainer auf ihn steht, was ihm die Eingewöhnung erleichtern und Einsatzzeiten bringen dürfte.

Sportlich werde ich dem VfL Wolfsburg sicher kein Glück und keine Erfolge wünschen, Daniel Didavi wünsche ich aber, dass er endlich konstant verletzungsfrei bleibt und sich mit guten Leistungen, auch in seinem für einen Jung-Nationalspieler fast schon zu hohen Alter, noch in den Dunstkreis von Jogi Löw spielen kann.

Ferner hoffe ich, dass sich die Leute über Facebook & Co. genug über Didas Wechsel und auch seine Person ausgekotzt haben und es im Stadion keine negativen Reaktionen geben wird.

Wir brauchen ihn dringend als Leistungsträger und als Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. In den letzten Spielen gilt es alles zu mobilisieren, auch in der Kurve, um dem Abstieg ein weiteres Mal von der Schippe zu springen. Die Atmosphäre bei den verbleibenden drei Heimspielen sollten Dida vielmehr im Gedächtnis haften bleiben, so dass er diese dann hervorkramen kann, wenn in Wolfsburg die Schicht ungünstig liegt und das Stadion nur halbvoll ist.

Alles Gute und AUF WIEDERSEHEN, Dida!

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28. März 2014

Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden (Hermann Hesse)

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 17:04

Ich gebe es zu. Auch ich habe auf der Rückfahrt von Nürnberg in den Abgesang unseres VfB in die 2. Liga mit eingestimmt. Zu erschütternd die Vorstellung, zu hilflos die Körpersprache der Spieler, die es letztlich richten müssen.

Wer hoffte, aus dem Ende der Sieglosserie gegen den HSV wäre neuer Mut geschöpft worden, musste sich prompt eines Besseren belehren lassen. Gegen einen Gegner, der seinerseits mit vier Niederlagen am Stück angetreten ist, ließ man sich nach einer Viertelstunde bereits nach und nach den Schneid abkaufen und nahm den Abstiegskampf gelinde gesagt nicht an. Der VfB war an Passivität nicht zu überbieten und überließ den Nürnbergern fast kampflos das Feld. Zwei einigermaßen ernsthafte Torschüsse in 90 Minuten, in einem solch existentiell wichtigen Spiel, dafür fehlen mir eigentlich immer noch die Worte.

Wenn die einzelnen Spieler schon nicht wegen uns Fans, schon gar nicht wegen sich selbst, für ihre fürstliche Entlohnung alles daran setzen, den größtmöglichen Schaden vom Verein abzuwenden, dann sollten sie wenigstens für die Firma VfB, für die Mitarbeiter, denen sie tagtäglich begegnen, kämpfen. Ein Abstieg würde u. a. Personalabbau auf der Geschäftsstelle und in anderen Bereichen bedeuten, und das von Leuten, denen es bei weitem nicht so gut geht, wie den Herren Profis.

Immer mehr beschleicht mich das Gefühl, dass diese Truppe in dieser Zusammenstellung untrainierbar ist. In der Winterpause hätte man vielleicht noch entgegensteuern können, den einen oder anderen faulen Apfel aussortieren und stattdessen einen willigen Leitwolf holen können. Welchen Wert bspw. ein Julian Schuster in Freiburg für diese Rasselbande dort hat fasziniert mich immer wieder. Er wäre ein Spieler gewesen, dessen Vertrag ausgelaufen wäre (er hat kürzlich erst verlängert), dem man eventuell eine Rückkehr hätte schmackhaft machen können. Dies ist jetzt nur ein Beispiel, dass ein charakterlich einwandfreier Spieler mit Führungsqualitäten nicht unbedingt teuer sein muss!

Alles lamentieren hilft uns jetzt aber nicht weiter. Nach Schließen des Transferfensters war klar, dass Schneider, Bobic & Co. diesem Kader ihr Vertrauen schenkten und wir wohl oder übel damit über die Runden kommen müssen. Auch wenn momentan wenig für den Klassenverbleib spricht, muss bis zum letzten Blutstropfen und solang der Käs rechnerisch noch nicht gegessen ist, alles versucht werden, um das Unheil abzuwenden.

Mein heutiger Titel „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden“ sollte in der Kabine aufgehängt werden, damit es sich jeder verinnerlicht. Jeder Tag ist ein neuer Anfang, jeder Anpfiff eröffnet ein neues Spiel mit zunächst einmal den gleichen Chancen für beide Mannschaften. Jedes Spiel beginnt bei 0:0, kein Team, außer vielleicht den Bayern, ist unschlagbar. Jeder hat mal einen schlechten Tag, warum nicht gegen uns. Diesen hat jedoch kein Team von vornherein. Jede Mannschaft, die den Platz betritt, hat zunächst einmal vor, diesen wieder als Sieger zu verlassen. Wir müssen es uns erarbeiten, dass ein Gegner nachlässt und sich im Laufe des Spiels womöglich mit einer Niederlage anfreundet. Das geht allerdings nur über bedingungslosen Einsatz, volle Konzentration und mit der Bereitschaft Fehler der Mitspieler auszubügeln und über die Schmerzgrenze. Tugenden, die uns zuletzt völlig abgingen, die man aber von einem Profi erwarten kann und auch erwarten muss. Da es alle schon gezeigt haben, dass sie es besser können, ist auch bei uns noch nicht aller Tage Abend.

Ich habe mal zusammenfasst, was meiner Ansicht nach für und was gegen den Abstieg spricht und dabei natürlich das so wichtige Spiel morgen gegen Borussia Dortmund in den Vordergrund gestellt.

Pro: wer in Nürnberg so blutleer agiert, hat es nicht begriffen und hat keine Existenzberechtigung in der Bundesliga. Gentner (einige haben es nicht begriffen) und Rüdiger (nur 90% gegeben) mit ihren Statements machen mir Angst.

Der VfB hat in dieser Saison noch kein überzeugendes Spiel über 90 Minuten abgeliefert.

Die vielen späten Gegentore, die vielen Jokertore des Gegners, ein Indiz von schlechter Kondition und fehlender geistiger Frische und Flexibilität. Im Trainingslager wurde zwar Robben Island besichtigt, genügend trainiert aber nicht.

In der Winterpause wurde ein potentieller Stabilisator wie Kvist abgegeben. Moli, der zumindest für die Stimmung im Team gut war, verkauft und keinen Ersatz geholt. Wir haben keine Mannschaft auf dem Platz, die sich hilft, lauter kleine Grüppchen und Ich-AG’s, denen es größtenteils wohl wirklich am A… vorbei geht, wenn der VfB absteigt. Die heuern eben beim nächstbesten Club an und treiben dort ihre Spielchen weiter.

Das ist auch das, das mir am meisten Angst macht. Viele werden jetzt schon mit dem Kopf mehr beim nächsten Arbeitgeber sein, als hier ihre verdammte Pflicht zu tun.

Kontra:

Wir haben noch vier Heimspiele. Mit vier Heimsiegen wären wir ziemlich sicher gerettet. Der Heimfluch muss besiegt werden, Hamburg als guten Anfang sehen. Ganz wichtig, morgen gegen Dortmund: agieren wir wie das Kaninchen vor der Schlange, kassieren wir die nächste Packung. Gelingt es aber Präsenz in den Zweikämpfen zu zeigen, hart und nicht unfair, einfach den Dortmundern klar zeigen, dass es den Sieg nicht umsonst gibt, wer weiß, ob dann nicht der eine oder andere lieber zurückzieht, möchte er doch am Dienstag bei Real dabei sein. Gut möglich auch, dass Klopp, der sich bei den jüngsten Aufeinandertreffen massiv über unsere harte Gangart beschwert hat, den einen oder anderen vorsorglich gleich draußen lässt. Das müssen wir ausnutzen. Gestern hat mich stutzig gemacht, dass viele meinten „wer weiß, vielleicht holen wir ja einen Punkt gegen den BVB“. Zum einen helfen uns nur noch Siege weiter, zum anderen darf man aber gerade das der Mannschaft nicht vermitteln. Eher mal Videoanalyse betreiben, wie es der HSV geschafft hat, 3:0 gewinnen, übrigens auch vor einem CL-Spiel. Das muss der Anspruch sein, die Heimspiele zu gewinnen. Selbst die Bayern hatten wir ja lange am Wickel!

Wenn man den Worten von Bobic gestern Glauben schenken darf, hat die Mannschaft Stevens nach dem Nürnberg-Spiel so richtig kennengelernt. Absolute Fokussierung auf den Beruf, keine Privattermine bis auf weiteres und ein rauer Umgangston herrschen wohl seitdem. Hat die Mannschaft auch nur einen Hauch von Charakter, wird sie anders auftreten als in Nürnberg.

ZUSAMMENHALTEN, die Fans werden, wie gegen Hamburg ja auch, wie ein Mann hinter der Mannschaft stehen und alles mögliche versuchen, der Mannschaft zu helfen. An der Unterstützung wird es bei allen restlichen Spielen nicht mangeln. Auf der anderen Seite bleiben die Dortmunder Ultras lieber zu Hause und schauen ihre Amateure gegen Preußen Münster, Protestaktion wegen der überhöhten Eintrittspreise und, aus ihrer Sicht, Top-Zuschlag in jedem Spiel. Der Gästeblock wird zwar dennoch voll sein, gibt ja auch genügend Majas hier um die Ecke, ob die gleiche Stimmung dort herrschen wird, sie sich sogar wegen Uneinigkeit kloppen, werden wir sehen. Wir sind das Heimteam, also haben die sowieso keine Chance, akkustisch die Oberhand zu gewinnen.

Fragt sich, welche Argumente sich durchsetzen. Ich bin von der Mannschaft und damit von fast allen Spielern maßlos enttäuscht, aber die müssen es eben jetzt für uns richten. Notfalls noch eine attraktive Nichtabstiegsprämie ausloben (wäre zumindest weitaus günstiger als ein Abstieg), die den Spielern Beine macht, anders erreicht man einen Großteil der Söldner leider nicht mehr. Trotzdem sehe ich bei den vier Heimspielen durchaus eine Chance, nur, morgen muss einfach mal ein deutliches Signal gesetzt werden. Über den Kampf ins Spiel finden und nicht versuchen, den Dortmundern in technischer Hinsicht ebenbürtig zu sein. Da liegen nämlich Welten zwischen dem Champions League Finalisten und unseren Rumpelfußballern!

Mein Fazit: die Lage ist düster und doch nicht ganz aussichtslos!

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23. März 2014

Endlich!!!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 17:40

Endlich, der erste Sieg nach zuvor zehn (!) sieglosen Spielen. Endlich mal wieder zu null, was uns in den letzten 18 (!) Spielen nicht mehr gelungen war.
Ein Gegentor in zwei Spielen unter der Leitung von unserem neuen Mann an der Seitenlinie, Huub Stevens, liest sich sehr positiv. Seine Maxime „die Null muss stehen“ zeigt bereits nach knapp zwei Wochen Amtszeit Wirkung. Der VfB wirkt jetzt schon kompakter und organisierter, als noch unter Schneider. Mit Stevens habe ich erstmals seit Christian Gross wieder ein gutes Gefühl, was den Trainer angeht, ist er doch einer, der Respektperson ist, dem keiner etwas vormachen kann, der mit Argusaugen darüber wacht, dass Disziplin herrscht. Einen solchen Typen braucht die Mannschaft. Einen, der gerecht ist, vor dem die Spieler Respekt haben, dem die Spieler Glauben schenken und trotzdem nicht auf der Nase herumtanzen. Dann nämlich würden sie ihn richtig kennen lernen.
Hatte man unter Schneider noch den Eindruck eines Laissez-faire-Führungsstils gibt Stevens einfachste Dinge vor, die einzuhalten sind. Sei es die Einführung der Pflicht des Tragens von Schienbeinschonern auch beim Training, sei es ein gemeinsames Frühstück vor Vormittags-Trainingseinheiten, weil der Trainer früh schon festgestellt hat, dass es, vor allem den vielen Junggesellen im Team, daran mangelt, einen professionellen Lebensstil an den Tag zu legen. Er achtet auf Details, ändert eingefahrene Abläufe, und schafft es so bereits in kürzester Zeit neue Reize zu schaffen. Den Spielern wird durch diese Maßnahmen der Beginn einer neuen Zeitrechnung suggeriert und es ihnen ermöglicht, auch relativ kurz vor Saisonende den Reset-Knopf zu drücken.
Wie bei den meisten Trainerwechseln gibt es auch bei uns schon nach zwei Spielen Gewinner und Verlierer zu verzeichnen. Der große Gewinner bisher ist zweifellos Ibrahima Traore, der sich wieder ins Team gespielt hat und den Siegtreffer gegen den HSV mit großem Einsatz mustergültig vorbereitet hatte. Ein Spieler, der es sich mit den Fans bereits verscherzt hat, und sich auf Abschiedstournee befindet ist nun ebenfalls ein großer Hoffnungsträger wie Vedad Ibisevic, der erstmals nach seiner Sperre von fünf Spielen wieder zur Verfügung stand. Nach seiner Hinausstellung gegen Augsburg und seinen durchwachsenen Leistungen davor, wollte ich den Bosnier eigentlich schon gar nicht mehr im Trikot mit dem roten Brustring auflaufen sehen, hege jetzt aber, fünf sieglose Spiele später, die Hoffnung, dass er alles daran setzen möchte, seine Dummheit wieder gutzumachen und uns aus der Gefahrenzone zu schießen. Etwas ernüchtert muss man nach dem HSV-Spiel feststellen, dass er ähnlich unglücklich agierte als vor seiner Sperre. Trotzdem muss man konstatieren, dass dem VfB in den letzten zwei Jahren gerade einmal ein einziger Sieg gelang, als Ibisevic nicht auf dem Platz stand. Das unterstreicht schon seinen Wert fürs Team, sei es als Leistungsträger oder auch „nur“ als Glücksbringer. Acht Spiele hat er noch Zeit, seinen Teil dazu beizutragen, den VfB in der Liga zu halten.
Verlierer bisher sind höchstens die Youngster Timo Werner (vorwiegend aufgrund seines Abitur-Stresses), Rani Khedira und Robin Yalcin, die allerdings ja noch viel Zeit haben, ihre Bundesligatauglichkeit unter Beweis zu stellen. Fraglich ist, ob man ihnen einen Gefallen tun würde, sie auf Teufel komm raus zu bringen wie es Schneider tat, wenn der Druck so immens groß ist, wie im Moment. Auch Alexandru Maxim fand sich unter Stevens zunächst auf der Bank wieder. Gestern bewies Stevens ein glückliches Händchen und wechselte mit ihm den Sieg ein. Es war genau richtig nach dem Platzverweis von Calhanoglu die Offensive zu beleben, in der bis dahin vieles Stückwerk blieb. Es scheint fast so, dass mit Stevens ein Stück weit das Glück zurück kehrt, gelang Maxim doch unser erstes Jokertor seit einer gefühlten Ewigkeit, übrigens nach schöner Vorarbeit des Duos Westermann/ Traore. Bislang kassierten wir in schöner Regelmäßigkeit Tore von gegnerischen Einwechselspielern, gestern lief es endlich einmal wieder andersrum.
So durften wir uns gestern über einen existentiell wichtigen Sieg freuen, auch wenn das Spiel selbst mit Sicherheit das schlechteste in den letzten Monaten war. Der Rückfall auf Platz 17 am vergangenen Wochenende hat sichtlich Spuren hinterlassen. Auch dem letzten im Team wurde klar, dass es das fast schon gewesen sein dürfte, wenn man den HSV nicht schlagen würde. Diese Situation lähmte sichtlich, jeder hatte schwere Beine, jeder scheute das Risiko. Nach dem 1:0 trat noch ein weiteres Phänomen zutage. Die Angst vor der eigenen Courage bzw. vor dem Sieg. Die Aussicht darauf, gepaart mit der Erinnerung an viele späte Nackenschläge in der jüngsten Vergangenheit lähmten zusätzlich. Jeder war einfach nur froh, den Ball an den am nächsten stehenden Mitspieler wieder abgeben zu können, keiner traute sich mehr etwas zu. Auf der Tribüne wurde ich schier verrückt bei diesem Nervenspiel. Dass es am Ende reichte lag sicherlich daran, dass der VfB in Überzahl leichteres Spiel hatte und mit dem HSV ein Team auf Augenhöhe mit ähnlich großer Verunsicherung gegenüber stand.
Mund abwischen, abhaken und an Nürnberg denken. Der VfB hat mit Stevens einen relativ guten Start erwischt, vier Punkte aus zwei Spielen, die überlebensnotwendig und hoffentlich nicht doch zu wenig sind. In Bremen bot das Team eine gute Leistung und hatte das Spiel weitgehend im Griff, gab es jedoch unnötig durch einen Freistoß noch aus der Hand. Die Leistung gegen den HSV war an und für sich unterirdisch, was zählt sind einzig und allein die drei Punkte. Ich habe gestern kaum jemanden getroffen, der auf dem Zustandekommen des Sieges herumhackte, vielmehr war es jedem klar, wie groß der Druck war, der auf dem Team lastete. Der Start unter Stevens ist geglückt, wenn auch gegen die beiden derzeit wohl, neben Braunschweig, schwächsten Teams der Liga. Dies soll die Auftritte jedoch nicht schmälern, haben wir doch in letzter Zeit oft genug gerade die Sorgenkinder der Liga wieder aufgebaut.
Es ist klar, dass wir einpacken müssten, würden wir bis Saisonende nur noch Spiele wie das gestrige hinlegen. So dermaßen verunsicherte Gegner wie den HSV werden wir kaum mehr vorfinden.
In Nürnberg gibt es sicherlich schon wieder ein ganz anderes Spiel. Die Nürnberger, derzeit ebenfalls nicht mit riesengroßem Selbstvertrauen ausgestattet, stehen nach der derben Heimniederlage gegen Frankfurt erstmals seit dem 18. Spieltag wieder auf einem direkten Abstiegsplatz und werden einiges investieren und das Spiel machen müssen. Sie stehen mit dem Rücken zur Wand und werden mit ähnlich vollen Hosen ins Spiel gehen wie wir gestern gegen den HSV
Uns wiederum wird der Sieg einen Schub und neues Selbstvertrauen geben, so dass ich durchaus hoffnungsfroh nach Nürnberg fahren werde. Der Club steht, trotz einer bemerkenswerten Aufholjagd in den ersten Rückrundenspielen, auf dem Relegationsplatz. Egal, wie es ausgeht, beide Teams befinden sich auch danach noch in der Abstiegsverlosung. Wegweisende Wirkung könnte der Spieltag jedoch schon haben, stehen sich doch der 16. gegen den 14. und der 17. gegen den 15 gegenüber.
Anders als nach Schneiders Amtsantritt, der nach der Ära Labbadia wenig veränderte, dem in den ersten Spielen gegen Hoffenheim (indisponierter Sparringspartner) und Hertha (Ulles einziges sehr gutes Spiel in dieser Saison) großes Glück in die Karten spielte, hat man bei Stevens schon den Eindruck, dass er den Laden ganz schön umkrempelt. Meine Enttäuschung über Schneider und darüber, dass er die Spieler an der langen Leine ließ, nicht zu Beginn Exempel statuiert hatte, um an Respekt zu gewinnen, und es einfach laufen ließ, auch wenn es nicht lief, habe ich schon öfter zum Ausdruck gebracht. Im Nachhinein betrachtet hätte man Labbadia auch gleich behalten können, anstatt ein solch unerfahrenes Trainerteam zu installieren, das mehr oder weniger alles beim alten beließ und schleichend schlechter und chaotischer wurde. Vor Labbadia hatte das Team wenigstens noch einen gewissen Respekt!
Ich sehe es im Übrigen nicht so, wie von vielen kritisiert, dass man mit Stevens automatisch auch den Stuttgarter Weg und das „nach oben bringen“ von Talenten verlassen muss. Dieser bedingt ja nicht gleichzeitig einen jungen Trainer, der den jungen Spielern keine Stütze ist. Stevens coacht intensiver an der Linie als Schneider und greift ein, wenn er Dinge sieht, die ihm nicht gefallen, und das bevor das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Ich habe den Eindruck, dass Stevens unserer immer noch jungen und grün hinter den Ohren befindlichen Mannschaft eine Hilfe an der Linie ist. So einen Mann braucht es einfach, wenn man auf dem Platz keine Spieler hat, die den Laden zusammenhalten.
Auch die große Nähe Fredi Bobics zur Mannschaft hatte ich kürzlich bemängelt. Nicht, dass es unbedingt schädlich sein würde, wenn der Sportdirektor weiß, wie das Innenleben der Mannschaft ist, aber, die eigentliche Ansprache zur Mannschaft sollte dem Trainer vorbehalten bleiben. Kein Zufall in diesem Zusammenhang sicherlich, dass Fredi Bobic seit Stevens‘ erstem Spiel das Geschehen von der Tribüne aus verfolgt. Auch wenn er uns dummen Fans glauben machen möchte, er habe von oben den besseren Überblick, sei die Frage erlaubt, weshalb ihm das in den letzten 3 ½ Jahren nicht aufgefallen war.
Es sind Kleinigkeiten wie diese, die meine Hoffnung schüren, aus dieser Saison noch mit einem blauen Auge heraus zu kommen. Stevens arbeitet akribisch an Details und lässt scheinbar keinen Stein auf dem Anderen. Dadurch kommt automatisch Leben in den Laden, wo man kürzlich noch Angst haben musste, in totaler Lethargie zu erstarren. Im Training geht es weitaus lauter und ernsthafter zu als noch zu Thomas Schneiders Zeit. Bezeichnend auch, dass in dieser Woche eine Art Konditions- und Zirkeltraining angesetzt war, Übungen, die man eigentlich in der Vorbereitung und nicht mitten in der Saison macht, und für mich als Indiz zu werten sind, dass man in Südafrika seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Die vielen Konzentrationsschwächen und Gegentore in der Schlussphase können ja auch nicht nur Zufall sein.
Wie man heraushören kann, bin ich also bisher sehr angetan von der Person Huub Stevens und kann es mir, trotz anderslautender Berichte, sehr gut vorstellen, dass er, den Klassenerhalt vorausgesetzt, auch in der neuen Saison unser Trainer sein könnte.
Dies ist jedoch noch Zukunftsmusik. Im Sommer wird so oder so alles rund um den VfB auf den Prüfstein gestellt werden und auch der eine oder andere Kopf in Vorstand und/ oder Aufsichtsrat rollen müssen. Jetzt gilt es zunächst einmal weiter zusammenzuhalten und in den nächsten Spielen die Weichen auf Bundesliga auch in der Saison 2014/2015 zu stellen. Das Spiel in Nürnberg ist nicht minder wichtig und ebenso richtungsweisend wie das gegen den HSV. Beim Club, mittlerweile wieder auf dem Boden der Tatsachen angekommen, sahen wir oft gut aus, von 31 Heimspielen in der Bundesliga gewannen die Clubberer lediglich neun gegen den VfB, auch von unseren letzten fünf Auswärtsspielen am Valznerweiher ging nur eines verloren. Die Statistik und die derzeitige Formkurven stimmen mich optimistisch, den zweiten Bigpoint binnen weniger Tage einfahren zu können. Ob es ein Vorteil für uns ist, einen Tag mehr Regeneration zu haben, wird sich zeigen.
Am Donnerstag schließlich geht es mit „aktuellen und ehemaligen“ VfB-Spielern auf den Neckar, sponsered by Krombacher. Darauf freue ich mich riesig, habe ich doch von einigen Leuten, die auch schon an Bord waren, gehört, dass dies ein ganz tolles Event wäre. Sollte der VfB im Max-Morlock-Stadion seinen zweiten Dreier in dieser Woche respektive in diesem Jahr einfahren, wird die Stimmung sicherlich im wahrsten Sinne des Wortes „überbordend“ sein.

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