18. Dezember 2014

Ein Silberstreif am Horizont

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 23:25

Nach dem Schalke-Spiel fiel mein Blog zugegebenermaßen etwas drastisch aus, weniger des Ergebnisses wegen, als mehr wegen des Auftretens unserer Truppe. Derbe Pleiten gab es auch früher schon, jedoch nicht in unschöner Regelmäßigkeit wie zurzeit. Lagen früher einige Jahre oder gar Dekaden zwischen zwei Debakeln setzte es in den letzten beiden Jahren schon zwei 1:6-Klatschen auswärts in München und in Dortmund, gegen die man zwar auch mal so hoch verlieren kann, jedoch nicht in der Art und Weise, wie es geschah. Viel schlimmer aber, das 0:4 gegen Schalke 04 war im siebten Heimspiel die fünfte Heimniederlage sowie das zweite 0:4 auf eigenem Terrain binnen fünf Wochen. Diese statistischen Fakten belegen, wie weit es mit dem VfB gekommen ist. War es früher die pure Freude ins Neckarstadion zu gehen, sparte man sich den Besuch anfangs von seinem Taschengeld ab oder ging, wenn das Geld knapp war, erst zur zweiten Halbzeit „runter“, als kein Eintritt mehr verlangt wurde, liefert man heute seine Knete für die Dauerkarte schon im Mai brav ab und kauft damit die Katze im Sack. Aufgrund einiger Aktionen, die der VfB in den letzten Jahren abzieht, bin ich sehr verärgert. Versprach man uns im letzten Jahr eine schonungslose Aufarbeitung der Vorsaison, von der nichts zu sehen war oder verramschte Eintrittskarten für 2,50 Euro oder wie zuletzt zum halben Preis. Als Dauerkartenkunde hat man von solchen Aktionen nichts. Ich bin wirklich geneigt, im nächsten Jahr erst einmal abzuwarten, ob sich im Verein etwas ändert, bevor ich meinen teuren Haupttribünenplatz wieder nehme.
Früher, vor Bosman, war mehr Identifikation seitens der Spieler mit dem Verein vorhanden, mehr Schwaben hatte man sowieso in der Mannschaft, aber, es war eben auch eine andere Zeit mit ehrbareren Spielern, die nicht ausschließlich ihr Gehaltsscheck interessierte, sondern die auch bereit waren und sich verpflichtet fühlten, etwas dafür zu leisten. Und, wer diese Pflicht aus den Augen verlor, dem las Gerhard Mayer-Vorfelder ganz schnell die Leviten. Heutzutage haben wir es mit einer Generation zu tun, „komm ich heut nicht, komm ich morgen“, die es vermeintlich geschafft haben, die es sich ohne große Gegenleistung in der Wohlfühloase VfB Stuttgart 1893 e. V. bequem machen und sich einen feuchten Kehricht darum scheren, für wen sie „arbeiten“, wie viel Herzblut bei den Fans und auch den (anderen) Mitarbeitern im Spiel ist und vor allem was in all denen zerbrechen würde, wenn sie den Karren weiterhin sang- und klanglos dem Abgrund entgegen rasen lassen. Darum bleibe ich dabei, dass man, sollte es auch ein zweites Mal gelingen, den Kopf noch aus der Schlinge zu ziehen, den VfB auf allen Ebenen runderneuern muss und vor allem bei der Spielerauswahl nicht nur den Fokus darauf zu legen hat, ob sie einigermaßen mit dem Ball umgehen können, sondern auch darauf, wie der Mensch tickt, welche Einstellung er mitbringt, ob er privat gefestigt und vor allem ob er teamfähig ist. Nur wenn das gegeben ist, wir wieder elf Spieler auf dem Platz haben, die bereit sind Gras füreinander zu fressen, Eifersüchteleien und Animositäten untereinander für neunzig Minuten ausblenden, kann es wieder eine Freude sein, den Spielen beizuwohnen. Früher ging man noch ins Stadion, um den Alltagsfrust auszublenden, heutzutage hat sich das umgekehrt, kommt man schon missgestimmt aus dem Wochenende, zumindest, was den VfB anbelangt. Der VfB hat ein riesen Potential an treuen Fans, die sich die ganze Sch… die letzten Jahre fast klaglos angetan haben, unterschätzen und es sich mit ihnen verscherzen sollte es der VfB aber nicht, irgendwann reißt jeder Geduldsfaden!
Mit Retter „Huub“ ist zumindest ein wenig Schluss mit lustig was die Mannschaft anbelangt. Er setzt, wie in der Vorsaison, auf teambildende Maßnahmen wie dem gemeinsamen Frühstück vor dem Training und achtet auch penibelst darauf, dass „seine Jungs“ wie Profis leben, sich ausgewogen ernähren und vor allem genug und das richtige zur rechten Zeit essen. Auch setzt Stevens, im Gegensatz zu Vorgänger Veh, auf Stabilität und hat lieber Arbeiter als Künstler auf dem Platz. Die ersten „Opfer“ dieser Personalrochaden scheinen in Leitner, Kostic und Maxim gefunden. Leitner und Maxim hatten es bereits bei Stevens‘ erster Amtszeit schwer. Gerade Leitner, dessen Leihgeschäft eine einzige Enttäuschung ist, wurde zuletzt überhaupt nicht mehr berücksichtigt, während Maxim sich durch seine starke Leistung nach der Einwechslung in Mainz den Startelfeinsatz in Hamburg verdient hat.
Wie zu lesen ist, denkt Alexandru Maxim an eine Flucht im Winter, trotz laufenden Vertrages bis 2017. Ich hoffe, der VfB wird einen Teufel tun, Maxim ziehen zu lassen. Wenn, dann müsste schon ein unmoralisches Angebot im ordentlichen zweistelligen Millionenbereich her, dass ich sagen würde, o. k. da kann man nicht nein sagen. Andernfalls soll sich der Junge durchbeißen. Die Fähigkeiten dazu hat er, er schlägt starke Standards, hat einen guten Schuss und ein gutes Auge für den Mitspieler. Ich sehe ihn gerne spielen und bin auch der Auffassung, dass eine funktionierende Mannschaft einen Spieler wie Maxim verkraften können muss, der eben nicht alle Wege nach hinten macht, durch Geniestreiche vorne aber dafür der Mannschaft hilft. Eine Hand wäscht die andere, das muss Stevens an die Truppe ran bringen. Natürlich steigen Maxims Aktien nicht unbedingt, wenn der leider oft langwierig verletzte Daniel Didavi zurückkehrt, dann muss er aber, wie im Mannschaftssport üblich, um seinen Platz kämpfen und nicht gleich bei den ersten Schwierigkeiten davonlaufen.
Nach Mainz fuhren wir mit dem RWS-Bus. Zu diesem „Topspiel der Woche“, Samstag 18.30 Uhr, hatte ich unser Ticket direkt beim Heimverein bestellt und saß auf der Haupttribüne, der besseren Perspektive zum fotografieren wegen aber auch, weil man sich außerhalb des Gästekäfigs einfach besser bewegen kann und „freier“ ist. Mainz 05 steckt in einer Negativspirale von sechs sieglosen Spielen, der VfB kam mit der Hypothek des 0:4 gegen Schalke 04 in die Coface-Arena, in der wir seit dem Umzug der Mainzer vom Bruchweg-Stadion noch keinen Punkt geholt haben. Da mein Vertrauen in die Truppe sowieso auf den Nullpunkt gesunken ist und ich die herausragenden Nehmerqualitäten des Aufbaugegners VfB zur Genüge kenne, hatte ich kein besonders gutes Gefühl vor dem Spiel, um es milde auszudrücken.
Mit Shinji Okazaki steht zu dem noch ein Ex-VfBler in den Mainzer Reihen, ist zu allem Überfluss auch deren bester Torschütze, so dass, wenn man den VfB kennt, davon auszugehen war, dass er, wie fast jeder Ex-Spieler, auch gegen uns treffen würde. Okazaki ist für mich ein Sinnbild der Ära Bobic/ Labbadia. Ich bemängelte oft, dass unter Labbadia das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt war, er seine Mannschaft im Kopf hatte und diese auch so aufstellte, wenn nichts Gravierendes vorgefallen war. So brachte man auch im „Fall Okazaki“ auf Teufel komm raus Stoßstürmer Ibisevic, und war er noch so lustlos oder formschwach und setzte stattdessen Okazaki überhaupt nicht ein oder wenn, dann nicht auf seiner besten Position. Ich hatte es seinerzeit schon thematisiert, dass Okazaki des Öfteren als bester Torschütze mit Selbstvertrauen aus einer Vorbereitung kam, um dann zum Auftakt, doch wieder auf der Bank zu versauern. Okazaki, der sich sowieso in einem ihm fremden Kulturkreis zurechtzufinden hatte, hatte zu allen sportlichen Problemen in Labbadia noch einen Trainer, der den Reservisten nicht einmal erklärt hat, weshalb er nicht auf sie setzt und, wie ich hörte, nur mit den „Stammkräften“ gesprochen hat. Dadurch hatte es ein sensibler Spieler wie Okazaki doppelt schwer nachzuvollziehen, in welch falschem Film er sich befand Ich fand es außerordentlich schade, wie es gelaufen ist und mag ihn nach wie vor, unvergessen sein Tor gegen Schalke beim ersten Spiel im fertig umgebauten Stadion oder sein Fallrückziehertor in Hannover.
Große Lust auf den VfB verspürte ich zudem nicht, als wir im Dauerregen von Mainz an unserem Platz angekommen waren. Direkt vor unserem Block auf der Haupttribüne Seite waren die Nasen von Sky Hellmann, Didi Hamann, Metzelder und Loddar schon kräftig am analysieren, als wir nach unzähligen Gesprächen im eingezäunten Busparkplatzbereich und auch im Innenraum des Stadions an unserem Platz angekommen waren. Nach YNWA und schöner Schalparade ging es hinein ins Spiel. Die Aufstellung von Stevens erstaunte dann doch. Dass er nach dem Schalke-Debakel auf gleich fünf Positionen wechselte war nachzuvollziehen, dass er aber Mit Werner, Ginczek und wohlwollend auch noch Gentner gerade einmal drei Offensivkräfte aufbot, überraschte dann doch. So war es nicht verwunderlich, dass sich der VfB hinten reindrängen ließ und vorne in der ersten Halbzeit überhaupt nicht stattfand. Dennoch bedurfte es für die Mainzer eines Standards. Geis verwandelte den Freistoß aus 22 Metern sehenswert direkt, wobei Okazaki Ulreich schlitzohrig die Sicht versperrte. Kurz nach Wiederbeginn hatte Ginczek die erste VfB-Chance, diese war jedoch hochkarätig, lief er doch alleine auf den Mainzer Schlussmann Karius zu. Karius, der aus der Torwartschmiede des VfB stammt, reagierte glänzend mit einem Reflex. Danach war es aber wieder für lange Zeit vorbei mit der VfB-Herrlichkeit. Die Mainzer übernahmen wieder die Initiative und waren dem 2:0 näher als der VfB dem Ausgleich. Erst durch die Hereinnahmen von Maxim und Kostic kam der VfB zu mehr Ballkontrolle und folglich auch zu Torchancen. Die aber, die zum Ausgleich führte, war im Grunde überhaupt keine. Kostic‘ als Flanke gedachter Ball kullerte am Ende an Freund und Feind vorbei ins Tor. Sein erster Bundesligatreffer, kurios, aber egal. Danach wurde der VfB mutiger und hätte bei genaueren Zuspielen sogar noch den Sieg davon tragen können. Doch, auch die Mainzer hatten den Sieg in Person von Okazaki vor Augen, dessen Ball in der Nachspielzeit von Christian Gentner noch von der Linie gerettet werden konnte. So stand am Ende ein alles in allem glücklicher Punkt auf der Haben-Seite. Nach der Negativserie in Mainz in den letzten Jahren gewann ich diesem durchaus Positives ab, auch wenn man sich als Schlusslicht der Tabelle natürlich von dort nicht weg bewegt, wenn man seine Spiele nicht gewinnt. Stevens hob die Stabilität hervor, die seine Umstellungen gebracht hatten, das war nach dem indiskutablem Auftritt gegen Schalke auf jeden Fall ein Fortschritt und nicht der falscheste Ansatz.
Wer über die Überbelastung der armen Spieler jammert, sollte die Fans in einer englischen Woche auch nicht außer Acht lassen, vor allem dann nicht, wenn es in dieser zwei Mal auswärts zur Sache geht. Keine 72 Stunden nach dem Abpfiff in Mainz wurde der VfB schon wieder in Hamburg gefordert. Für uns hieß dies, Sonntag gegen 0 Uhr ziemlich geschafft zu Hause gewesen, den Sonntag mehr oder weniger zum regenerieren und ausruhen genutzt, um sich dann am Montagmorgen auf den Weg nach Hamburg zu machen. Wir hatten zwar einen angenehme Zeit für unseren Flug gewählt, nämlich 10 Uhr morgens, trotzdem hieß es früh aufzustehen, um den Weg zum Flughafen und die Prozeduren dort ohne großen Zeitdruck hinter sich zu bringen. Wird Hamburg erfahrungsgemäß hart, war mir eigentlich daran gelegen, gemütlich in den Tag zu starten, wohlwissend, dass der Abend sicher lang werden würde. Weit gefehlt, wenn man Bekannte am Flughafen trifft und von denen zum Frühschoppen animiert wird. So wurde die Wartezeit schon feuchtfröhlich hinter sich gebracht.
Da wir bereits zig Mal in Hamburg waren und die meisten Sightseeing-Ziele schon hinter uns haben, war es uns relativ egal, dass das Wetter an diesen drei Tagen zu keinen Outdoor-Aktivitäten, abgesehen vom Spiel, einlud. Irgendwo drinnen, sei es im Hotel oder am Montagnachmittag in der Pils-Börse, war es da doch am gemütlichsten. Montagabend dann aber hatten wir eine Verabredung in Hamburg-Altona auf dem Ottenser Weihnachtsmarkt zum Glühwein mit Schuss trinken. Dieser Abend war ein gelungener Opener für den Hamburg-Aufenthalt und klang im Schweinske Altona noch nett aus. Die ersten Verluste gab es dabei auch zu verzeichnen, ohne jetzt Namen zu nennen, ich war’s definitiv nicht. ;-)
Nach (zu) kurzer Nacht starteten wir dann mit einem sensationell reichhaltigen Frühstück in unserem Hotel Novotel Hamburg City Alster in den Tag. Für den Nachmittag hatte der Hamburger VfB-Fanclub Roter Brustring Hamburg (RBHH) zum Warmup auf Hamburgs geilsten Weihnachtsmarkt, den Santa Pauli am Spielbudenplatz, mitten auf der Reeperbahn, geladen. Dort verabredeten wir uns mit anderen VfBlern, die auch schon angekommen waren, um uns aufs Spiel einzustimmen. Es war windig und nasskalt, Hamburger Wetter eben. Ich finde es immer wieder schön und bin dankbar dafür, wie sich die Jungs vom RBHH ins Zeug legen und eine gemeinsame Anlaufstelle für die VfB-Fans, die im Lauf der Zeit natürlich immer mehr wurden, schaffen. Leider machten die Terminierungen für „ihr“ Heimspiel einer neuerlichen Barkassenfahrt, die bei Samstag-Terminen traditionell für VfB-Fans nach dem Spiel stattfindet, in den letzten Jahren einen Strich durch die Rechnung, aber, der Treff auf dem Santa Pauli hatte auch etwas und war schön und stimmungsvoll. Bemerkenswert dabei war, dass es sich eine Reisegruppe aus dem Sponsorenpool des VfB mit Norbert Haug, dem ehemaligen Motorsport-Chef von Mercedes Benz, sowie Buffy Ettmayer ebenfalls nicht nehmen ließ, beim Treff vorbei zu schauen. Noch schnell Fotos mit beiden gemacht und ein wenig mit Buffy gesmalltalkt, der ja für beide Vereine am Ball war, und schon gab es das Kommando zum gemeinsamen Abmarsch und zur gemeinsamen Fahrt mit S-Bahn und Shuttle-Bus zum Stadion. Dort trafen wir auch noch zahlreiche Freunde und Bekannte. Schon bemerkenswert, dass zu einem Spiel in Hamburg unter der Woche noch gut 1.500 VfBler anreisen. Der harte Kern ist eben überall dabei, wer konnte, war dabei, schließlich bekommt auch nicht jeder in der Vorweihnachtszeit frei, sonst wären es noch einige mehr geworden. Langsam bin ich es müßig, mich über die Terminierungen von Spielen aufzuregen, bei denen die Vereine mehr als 300 Kilometer auseinander liegen. Dass nur solche Vereine bspw. sonntags gegeneinander spielen, bei denen die Entfernungen kürzer sind, wird ja schon lange außer Acht gelassen. Und, dass es in einer Saison mit drei englischen Wochen, den VfB alle drei Mal erwischt, auswärts ran zu müssen, dazu noch in Dortmund, Hamburg und Köln, was man alles gerne mal mit Übernachtung macht, ist schade und unterstreicht den nicht vorhandenen Stellenwert der Fans im Handeln der DFL.
Nach dem glücklichen Punktgewinn von Mainz wusste ich auch vor Hamburg nicht so recht, was wir zu erwarten hätten. Hamburg ist im Aufwind und hat die letzten drei Heimspiele allesamt gewonnen, auf der anderen Seite machte mir Mut, dass der VfB in den letzten Jahren öfter mal in Hamburg gewann, obwohl die Gesamtauswärtsbilanz dort nach wie vor verheerend schlecht ist. Stevens brachte im Gegensatz zum Mainz-Spiel den wieder einsatzbereiten Harnik und Maxim für Ginczek und Werner. Das Spiel begann mit einem engagierten HSV, der anfangs die Spielregie übernahm, erste Chancen gab es aber hüben wie drüben. Der VfB war präsenter als noch in Mainz im ersten Durchgang, hatte aber große Probleme mit dem guten Hamburger Pressing in der Anfangsphase, das den VfB immer wieder zu Ballverlusten verleitete. Den ersten unschönen Aufreger gab es in der 20. Minute, als Van der Vaart Georg Niedermeier fernab des Spielgeschehens von hinten um rempelte. Gelb wäre das Mindeste in dieser Situation gewesen, alleine wegen dieser Dummheit des Niederländers wäre auch die rote Karte akzeptabel gewesen. Jeder im Stadion sah es, „nur“ eben die vier Schiedsrichter hatten Tomaten auf den Augen.
Als Sky-Kultreporter Rolf „Rollo“ Fuhrmann von Van der Vaart wissen wollte, was ihn bei dieser Aktion geritten hätte, rastete er vor laufender Kamera aus und fragte Rollo, ob er schlecht geschlafen habe. Ein arroganter A… , früher begnadeter Fußballer, heute ein Altstar, der mehr durch Eskapaden neben und Handgreiflichkeiten auf dem Platz auffällt, denn durch fußballerische Glanzpunkte. Wer den HSV nicht mag, muss sich eigentlich wünschen, dass Van der Vaart noch lang sein Unwesen im HSV-Team treibt. Er macht nur noch ganz selten den Unterschied aus, ist sonst eher Mitläufer denn Leistungsträger, blockiert aber einen Stammplatz, weil, einen Van der Vaart setzt man doch nicht auf die Bank.
Nach dieser Situation war es aber zum Glück vorbei mit der HSV-Herrlichkeit. Die Fehlpässe auf Hamburger Seite häuften sich, das Publikum wurde ungeduldig und pfiff die Rothosen aus, während der VfB mehr und mehr Spielkontrolle und Sicherheit erlangte und Chance um Chance kreierte. Schön herausgespielt war dann auch das 0:1. Klein nahm einen Fehlpass von Van der Vaart (danke!) auf, passte zu Harnik und nahm Tempo auf. Harnik auf Maxim, der den Ball bekam, weil Behrami stolperte. Maxim mit Auge und Übersicht auf Klein, der inzwischen in Position gelaufen war und gegen die Laufrichtung von Drobny einschob. Riesen Jubel im Block und auf dem Feld, spätestens ab diesem Zeitpunkt, war mir klar, hier geht heute was. Kurz darauf war Halbzeit. Aus der Kabine kam der VfB nicht nur früher als der HSV sondern auch besser. Beinahe hätte es 0:2 gestanden, Harnik und Niedermeier verpassten, jetzt auf unserer Seite, haarscharf das erlösende Tor.
Mittlerweile hatte ich ein richtig gutes Gefühl, zu desolat präsentierte sich der HSV, ein weiteres Tor lag in der Luft, dann hätte ich mir durchaus auch ein 0:4 wie 2012 vorstellen können, weil die VfB-Brust breiter und der HSV immer hilfloser wurde. Doch plötzlich übernahm Schiedsrichter Brych die Hauptrolle und schickte Georg Niedermeier wegen einer vermeintlichen Notbremse mit glatt Rot vom Platz. Nie und nimmer war das eine Notbremse, Sakai wäre noch zur Stelle gewesen. Dass Niedermeier nur die Mindestsperre von einem Spiel erhielt, unterstreicht meine Sicht der Situation, kommt sie doch einem Freispruch gleich. Um seine Schiris zu schützen verhängt der DFB diese „Mindestsperre“, schwachsinnig dieses „Gesetz“, aber ein Gesetz ist nun mal so schwachsinnig wie die Herren, die es beschließen.
Im Fußball gelten eben andere Gesetze wie im normalen Leben, Fußballer werden trotz erwiesener Unschuld verurteilt, Fans werden Restriktionen auferlegt, ihrer Freiheit beraubt, präventiv einfach mal als potentielle Straftäter angesehen, von Polizeikonvois begleitet und sind der Willkür dieser ausgesetzt. Fast schon aberwitzig in Hamburg wie eine Gruppe VfBler, die meinetwegen dem Ultras-Lager zuzurechnen sind und deren Zug erst früh morgens zurück nach Stuttgart fuhr, die also noch eine schöne Nacht auf dem Hamburger Kiez verbringen wollten, in der S-Bahn und bis auf den Kiez Polizeigeleit bekamen. Wir fuhren zufälligerweise mit der gleichen Bahn in die Stadt und fanden es nur lächerlich und beschämend. Keine Ahnung, bis wohin die Jungs begleitet wurden, auf die Toilette sicherlich auch noch, als wir die Gruppe nachts um 3 Uhr wieder trafen, war von den bis an die Zähne bewaffneten Turtles nichts mehr zu sehen.
Nach der roten Karte, um wieder zum Spiel zurück zu kommen, war es natürlich ein ganz anderes Spiel. Der HSV versuchte Druck aufzubauen und die Überzahl zu nutzen, der VfB war „nur“ noch darauf bedacht, den Vorsprung über die Zeit zu retten. Das machten sie überraschend gut und geschickt, der HSV kam auch in Überzahl und offensiver Wechsel kaum zu nennenswerten Torchancen. Der VfB zwar nach wie vor mit manch haarsträubendem Ballverlust, wenn auch im Vergleich zu etlichen Spielen zuvor, stark minimiert, aber, dieses Mal mit einer kämpferisch absolut überzeugenden Vorstellung. Der Sieg war insgesamt hochverdient und macht auf einmal Mut, den Klassenerhalt schaffen zu können. Huub Stevens weiß, was zu tun ist und findet langsam „seine“ Formation. Auf Schönspielerei kommt es in diesen Tagen nicht an, wir müssen von Spiel zu Spiel denken und in Eichhörnchenmanier Punkte sammeln.
Gelänge gegen Paderborn der zweite Heimsieg der Saison, hätte man mit dann 19 Punkten eine solide Basis für die Rückrunde gelegt. Aber, Vorsicht vor Paderborn, einfach nur bemerkenswert, was die Underdogs für eine Saison spielen. Mit großem Kampf- und Teamgeist spielen sie den einfachen Ball, eben das was sie können. Diesbezüglich könnten sich unsere Jungs eine Scheibe davon abschneiden und demütig zum kleinen Einmaleins des Fußballs zurück kehren, erst Sicherheit in die Aktionen bekommen, anstatt mit Hacke, Spitze, eins zwei drei den Ball zu vertändeln und in Konter zu laufen. Diesen Schlendrian treibt Stevens ihnen nach und nach aus und berücksichtigt Spieler, die diese Lektion partout nicht lernen möchten, seltener oder überhaupt nicht mehr.
Gegen Paderborn erwarte ich kein mitreißendes Spiel, eher ein Taktikgeplänkel und auf beiden Seiten die primäre Vorgabe, keine Fehler zu machen und ein Gegentor herzuschenken Solche Spiele kennen wir noch aus der Rückrunde der Vorsaison, als Stevens bei seiner ersten Amtszeit fast so etwas wie eine neue Heimstärke auf den Wasen zurückbrachte, die letztlich auch die Basis für den Klassenerhalt war. Mir wäre es auch völlig egal, wenn wir einem Grottenkick beiwohnen und (erst) in der 88. Minute den 1:0-Siegtreffer bejubeln dürften, Hauptsache, wir geraten nicht in Rückstand. Dann nämlich dürfte es gegen tiefstehende Ostwestfalen sehr schwierig werden, das Spiel noch zu drehen.
Ein Silberstreif am Horizont ist der unerwartete Auswärtssieg in Hamburg allemal, auch zwei Tage später noch tut er verdammt gut.
Nachdem wir den Volkspark verlassen und endlich einen Busshuttle bekommen hatten, wurde der Abend im Kreise von Freunden und angesichts eines runden Geburtstags noch richtig lustig und lang. Am Mittwoch, bei erneut sehr bescheidenem Wetter, besuchten wir noch das sehenswerte Miniatur-Wunderland, bevor es abends zurück ins Königreich Württemberg ging. Tolle Tage liegen hinter uns und bereits übermorgen geht es schon wieder in unser geliebtes Neckarstadion. Ein fast volles Haus, davor und danach diverse Treffen auf ein Saisonabschlussbierchen mit Freunden, was kann es Schöneres geben?

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2. Dezember 2012

Englische Woche endet versöhnlich

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 14:21

Zum vierten Spiel, dabei dem dritten Auswärtsspiel, binnen neun Tagen ging es also mal wieder ins Frankenland. Erstmals in 50 Jahren Bundesliga trat der VfB dabei beim Fusionsclub SpVgg Greuther Fürth an, den selbst ernannten Unaufsteigbaren, die es in der letzten 2. Liga Saison dann aber doch mal geschafft haben, diesen Nimbus zu durchbrechen. Nach 15 Spieltagen spricht allerdings vieles dafür, dass es sich dabei nur um ein einjähriges Intermezzo handelt, zu grün, nicht nur wegen ihrer Vereinsfarben, kommen die Fürther daher.

Eigentlich meint es der Spielplan mit dem VfB ja gut, in Zeiten, in denen eine englische Woche die andere jagt, und in denen der VfB sichtlich auf dem Zahnfleisch daher kommt. Nach der weiten und kraftzehrenden Bukarest-Reise ging es ins beschauliche Breisgau, um danach hintereinander gegen die beiden abgeschlagenen Schlusslichter Augsburg und Fürth antreten zu dürfen. Nach der Schmach in Freiburg, wurden wenigstens gegen Augsburg und Fürth sechs wichtige Punkte eingefahren, die dazu taugen, den Blick in der Tabelle wieder nach oben richten zu dürfen und vor allem, aller Voraussicht nach, in dieser Saison mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Letztere ist die wichtigste Erkenntnis in dieser weiteren „Übergangssaison“.

Von mehr zu träumen verbietet sich fast von selbst. Der VfB ist nach wie vor ein sehr fragiles Gebilde, wo Kleinigkeiten den Anlass geben können, dieses einstürzen zu lassen. Dem VfB fehlen bundesligataugliche Alternativen, um dem einen oder anderen Leistungsträger auch einmal eine Pause gönnen zu können. So durfte gestern mal wieder ein Tamas Hajnal auf dem Platz sein Unwesen treiben, der nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Ihn stufe ich zwar nicht in die Kategorie „Fehleinkauf“ ein, da er uns in der Rückrunde 2010/11 sehr weitergeholfen und maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt hatte. Mittlerweile aber, sicherlich auch der wenigen Einsatzzeiten geschuldet, fehlt ihm jegliches Selbstvertrauen, so dass er auf dem Platz wie ein Fremdkörper wirkt. Seine Zeit dürfte abgelaufen sein. Zu langsam und statisch wirkt er, zu fahrig, wenn er den Ball hat. Dabei würde uns gerade ein Kreativspieler sehr gut tun, kommt doch aus dem Mittelfeld viel zu wenig Inspiration. Sollte diese Aufgabe in naher Zukunft einem Kevin Stöger nicht zugetraut werden, würde ich mir wünschen, dass der VfB in der Winterpause Geld in die Hand nimmt und handelt.  Wir sind es ja mittlerweile gewohnt, dass in der Wintertransferperiode als Vorgriff auf den Sommer Mittel freigesetzt werden, so würde ich es begrüßen, wenn der personelle Umbruch schon zu dieser Zeit seine Fortsetzung finden würde und unzufriedene Spieler wie bspw. Kuzmanovic und Maza abgegeben werden würden, sofern sich Abnehmer finden. Dann böte sich die Möglichkeit, junge Spieler noch näher an die Stammelf heranzuführen und Erfahrungen sammeln zu lassen, auch mit dem Risiko, dass sie Lehrgeld bezahlen. Nach dem Sieg in Fürth haben wir 22 Punkte auf dem Konto, gegen Schalke und in Mainz besteht noch die Möglichkeit, das Punktekonto weiter zu erhöhen, so dass, in Anbetracht der Schwäche einiger Abstiegskandidaten nach unten nichts mehr anbrennen sollte. Lieber also jetzt schon das Gerüst für 2012/13 einspielen, als wieder mit aller Macht in die Europa League zu drängen, um dann eine ähnlich konfuse nächste Saison zu spielen.

Vergnügungssteuerpflichtig sind die Auftritte des VfB in dieser Saison keineswegs. Besonders in den Heimspielen, wo gerade einmal zwei glückliche Siege heraussprangen, bietet der VfB meist fußballerische Magerkost. Die Spiele plätschern so dahin, das Team präsentiert sich äußerst einfallslos und versteht es nicht, eine kompakte Abwehr zu knacken. Gegen das Schlusslicht Augsburg ließ sich die Labbadia-Truppe phasenweise an die Wand spielen. Anstatt nach einer 1:0-Führung auf das 2:0 drängen, wird die Führung mehr schlecht als recht verwaltet und der Rückwärtsgang eingelegt, um so einen am Boden liegenden Gegner aus der Reserve zu locken. Ob dieses Sicherheitsdenken von der Bank vorgegeben wird oder die Spieler auf dem Platz dies eigenmächtig an den Tag legen, weiß ich nicht. Sicher ist nur, dass es von der Regionalliga aufwärts gegen jedes Team schwer sein dürfte, zu Torchancen zu kommen, wenn durch ständiges zurück spielen, Tempo aus dem Spiel genommen wird und sich der Gegner wieder in aller Ruhe formieren kann.

Auswärts dagegen läuft es deutlich besser. In der Auswärtstabelle belegt der VfB derzeit Platz zwei. In der Fremde kommt es dem VfB entgegen, nicht das Spiel machen zu müssen und man hat auch das eine oder andere Mal das Quäntchen Glück, das man braucht. Gestern brauchte es dieses Glück wie auch das Unvermögen des Gegners, das auch in Überzahl den Ball nicht über die Linie brachte. Die Fürther unterstrichen damit, weshalb sie in dieser Saison noch keinen Heimsieg zustande brachten, zu harmlos kamen sie über weite Strecken daher. Dem VfB genügte eine durchschnittliche Leistung, in dem der Kampf angenommen wurde. Das Tor des Tages erzielte der agile Shinji Okazaki, nachdem Ibisevic einen an ihm selbst verursachten Elfmeter noch vergab, Okazaki jedoch am schnellsten schaltete.

Der VfB hätte deutlich früher seine Ruhe haben können, wären die Konter sauberer zu Ende gespielt worden. Exemplarisch Martin Harnik, der, nach seiner Leistung gegen Augsburg zu Recht erst einmal draußen saß und zur zweiten Halbzeit eingewechselt wurde. Er ist derzeit nur ein Schatten seiner selbst und vergab mehrere Konterchancen kläglich schon im Ansatz. So hieß es mal wieder zittern bis zum Schluss und man benötigte einen gut aufgelegten Sven Ulreich, um den wichtigen Auswärtssieg einzufahren. Diesen konnte letztendlich auch Thorsten Kinhöfer nicht verhindern, der nur so mit Karten um sich warf und unseren Kapitän Serdar Tasci vorzeitig zum Duschen schickte. War diese Hinausstellung hart, aber mit etwas Wohlwollen gerade noch vertretbar, waren die Karten danach mehr oder weniger lächerlich. In ein Spiel, das zwar kampfbetont aber keineswegs unfair ablief, brachte er eine Hektik rein, die sich gewaschen hatte. Gräbt der DFB weiterhin solche Pfeifen aus, braucht man sich nicht wundern, wenn die Emotionen auch außerhalb des Spielfelds hochkochen und manch einer durchdreht. Dieses divenhafte Auftreten von Kinhöfer und sein künstliches ringen um Autorität ging überhaupt nicht. Zudem „glänzte“ er durch eine sehr zweifelhafte Zweikampfauslegung und schwang sich zum Hauptdarsteller des Spiels auf. Immer ein tolles Armutszeugnis für einen Pfeifenmann, wenn sowohl Heim- als auch Auswärtsteam und –fans mit ihm hadern und ihm am liebsten an den Kragen gehen würden.

Apropos DFB bzw. DFL. Auch bei diesem Spiel wurde der Aktion „Ohne Stimme keine Stimmung“ gefolgt. Die Fürther blieben 12 Minuten, 12 Sekunden, ihrem Stimmungsblock komplett fern, auch das CC97 verzichtete in dieser Zeit auf jeglichen Support und hielt lediglich den Banner „Für den Erhalt der Fankultur“ hoch. Es bleibt zu hoffen, dass die Aktion Früchte trägt und am 12.12. keine Entscheidungen gegen die Millionen von friedlichen Fans fallen. Im Übrigen, auch gestern wieder fühlte ich mich im Stadion sicher, https://www.ich-fuehl-mich-sicher.de/!

Weiter geht es bereits am Donnerstag gegen Molde FK und um den Einzug in das Sechzehntelfinale in der Europa League. Nach den Auswärtssiegen in Kopenhagen und in Bukarest hat der VfB das Weiterkommen in der eigenen Hand. Bei eigenem Sieg und wenn Bukarest in Kopenhagen nicht gewinnt, wäre der VfB sogar Gruppensieger. Dass dies aber sicher kein Selbstläufer wird, spätestens seit dem Hinspiel sollte der VfB gewarnt sein. Auch wenn Molde außer diesen drei Punkten keinen weiteren mehr gesammelt hat, dürfte es wieder ein hartes Stück Arbeit werden, denn auch die Norweger werden sicher nicht bestrebt sein, im Neckarstadion das Spiel zu machen. Trotzdem wäre natürlich alles andere als ein Sieg indiskutabel. Jedoch erscheint mir selbst dieses Unterfangen nicht als selbstverständlich, geht dem VfB doch die Leichtigkeit ab.

Wie der VfB wohl das Ende der Hinserie herbei sehnt, so geht es mir selbst auch. Alle drei, vier Tage ein Spiel, dazu mittlerweile eisige Temperaturen wie gestern in Fürth, man zählt die Spiele langsam herunter. Molde, Schalke, in Mainz und zum Abschluss das Pokalspiel gegen den 1. FC Köln, dann geht ein durchwachsenes VfB-Jahr zu Ende. Die Punkteausbeute ist im Großen und Ganzen in Ordnung. Das Auftreten der Mannschaft weniger. Es fehlen mir die Begeisterung und der Spaß am Spiel. War der VfB lange durch herzerfrischenden Offensivfußball bekannt, wird bei uns Fußball über weite Strecken „nur“ noch gearbeitet. Dass die Mannschaft es besser kann als sie es zeigt, war in Bukarest zu sehen, als ein tolles Offensivfeuerwerk gezeigt wurde, das begeisterte.

In der Bundesliga dagegen gewannen wir nur in Nürnberg mit zwei Toren Unterschied, ansonsten waren es äußerst knappe Siege, die auf des Messers Schneide standen. Demgegenüber stehen deftige Niederlagen, ausgerechnet gegen die Vereine und Betriebssportgemeinschaften, die uns Fans besonders weh tun. Deswegen bin ich auch in dieser Saison schwer zu versöhnen, zu sehr drücken die 1:6, 0:3 und 0:3-Klatschen auf mein Gemüt. Bezeichnend, und das spricht für die oben angesprochene Fragilität, dass in diesen Spielen ein, zwei dumme oder unvorhergesehene Aktionen ausreichten, um das Team in sich zusammen fallen zu lassen.

Die von Labbadia vielfach erwähnte Stabilität ist also höchstens in Ansätzen zu erkennen. So wird sich auch ob des gestrigen Spiels auf die Schulter geklopft, dass man endlich einmal ein dreckiges Spiel nach Hause gebracht habe. Dass dieser dreckige Sieg aber erneut am seidenen Faden hing, blieb unerwähnt.

Schaun mer mal, was die Wundertüte VfB gegen Molde und zwei Tage später gegen Schalke zu bieten hat. Die Tabelle ist so eng, dass wir Schalke durch ein 7:0 überflügeln könnten, wobei mir ein (dreckiges) 1:0 natürlich auch genügen würde. :-) . Eine Konstellation, die vor einem Monat noch undenkbar gewesen wäre!

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26. April 2011

Der VfB auf dem Weg zum Klassenerhalt

Nachdem der VfB dem Hamburger SV am Samstag eindrucksvoll drei Eier ins Osternest gelegt hatte, kann der VfB den restlichen drei Spielen mit einiger Zuversicht entgegen sehen. Der direkte Abstieg scheint inzwischen unwahrscheinlich zu sein bei sieben Punkten und dem deutlich besseren Torverhältnis Vorsprung auf die beiden Schlusslichter Mönchengladbach und den FC St. Pauli. Auf Platz 16 allerdings beträgt der Vorsprung nach wie vor „nur“ vier Punkte, die Wolfsburg angesichts seiner Qualität und angesichts seines Restprogramms durchaus noch aufholen kann. Zwar kann ich mir gut vorstellen, dass die Wölfe in Bremen verlieren, die ja ihrerseits letzte Zweifel am Klassenerhalt beseitigen können, die darauf folgenden Partien gegen dann möglicherweise bereits gerettete Lauterer und in Hoffenheim, für die es um nichts mehr geht, werden sie aber wahrscheinlich gewinnen. Die sonst noch hinter dem VfB platzierten Kölner und Frankfurter wären mit einem einzigen Sieg am VfB vorbei, wenn dieser seinerseits keinen Sieg mehr einfährt.

Daher wäre der VfB gut beraten, mit einem Sieg am Samstag in Sinsheim den Sack weitestgehend zuzumachen, um nicht an den letzten beiden Spieltagen gegen die Champions League Kandidaten Hannover 96 und Bayern München zum Siegen verdammt zu sein. Schaut man sich den Trend der letzten Wochen von Hoffenheim und dem VfB an, stehen die Chancen sicherlich gut, dort (erstmals) zu gewinnen. Ungeschlagen sind wir ja noch gegen das Dorf, allerdings gelang auch erst ein Sieg aus fünf Partien. Die Formkurve beim VfB zeigt zum Saisonende, fast schon traditionell, nach oben. Hatte ich vor zwei Wochen noch bemängelt, dass jeder unserer Punkte aus der Rückrunde mit sehr viel Glück und wenig überzeugend zustande kam, darf ich mich jetzt revidieren und sagen, dass zuletzt in Köln und gegen den HSV wieder richtig Fußball gespielt wurde und beide Siege hochverdient waren. Nicht zuletzt hängt diese Leistungssteigerung auch mit der Rückkehr von Cacau zusammen, der schon in Köln einen couragierten Auftritt hinlegte, gegen den HSV aber wieder fast zu alter Leistungsstärke fand. Obwohl er eigentlich schon lange auf den Operationstisch gehören würde, stellt er sich in den Dienst der Mannschaft und des Vereins und spielt mit schmerzstillenden Spritzen trotz seiner „weichen Leiste“, solang ihn seine Füße tragen.

Vor Wochen äußerte ich bereits die Hoffnung, dass er die ihm entgegen gebrachte gesteigerte Wertschätzung noch in dieser Saison zurückzahlen könne und so doch noch seinen Anteil am Klassenerhalt haben würde. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass er am Samstag, nicht nur wegen seiner beiden Tore, ein wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zum Sieg war. Er war für die Hamburger ein ständiger Unruheherd und unheimlich präsent auf dem Platz. Das erste Tor nach 6 Minuten, als er vor dem von Frank Rost gehüteten Kasten die Ruhe bewahrte, war der Türöffner für einen wunderschönen Nachmittag an diesem Ostersamstag. Endlich gelang in einem Heimspiel mal wieder ein frühes Tor! Sein zweiter Treffer war Produkt eines schönen Spielzugs und der glänzenden Vorarbeit von Martin Harnik. Den zweiten und damit vorentscheidenden Treffer markierte Christian Gentner, der erst gut 60 Sekunden zuvor eingewechselt wurde. Ich gebe zu, auch ich war wenig erfreut, als die Trainerbank das Signal zu seiner Einwechslung gab. Zu sehr hat mich Gentner in dieser Saison bereits enttäuscht. Ja, sauer war ich, als über Monate in Bezug auf seine Person das Leistungsprinzip quasi außer Kraft gesetzt war, weil er IMMER in der Anfangsformation stand. Nun, in Köln und auch gegen den HSV kam er „nur“ von der Bank. Ob auch dies ein Schlüssel der beiden Erfolge war, dies zu beantworten wäre hypothetisch… Das Tor jedenfalls hat er klasse gemacht und damit das Spiel entschieden. Allerdings bestätigte er mit diesem Geistesblitz auch seinen Ruf, nur in einer Mannschaft, in der es gut läuft, glänzen zu können. Den Pass bekam er vom glänzend aufgelegten Tamas Hajnal, dessen Mitwirken in den beiden letzten Spielen zu einer deutlichen Qualitätssteigerung beitrug.

Insgesamt war es eine gute Mannschaftsleistung. Erwähnen möchte ich allerdings noch Sven Ulreich, der zwar wenig beschäftigt war, wenn er gebraucht wurde aber glänzend zur Stelle war. Bruno Labbadia scheint jetzt, nachdem gegen den HSV die gleiche Mannschaft wie in Köln auflief, seine Formation gefunden zu haben. Hoffen wir, dass wir bis Saisonende von weiteren Verletzungen oder Sperren verschont bleiben, zu fragil scheint das Gebilde zu sein, um weitere Rückschläge ohne weiteres wegstecken zu können.

Der VfB hat jetzt unter Bruno Labbadia 24 Punkte geholt, also doppelt so viele als seine Vorgänger. Eine beachtliche Bilanz allerdings leider noch immer nicht genug. In Sinsheim muss der dritte Sieg in Folge her. Hoffenheim ist allerdings derzeit schwer ausrechenbar. Für sie geht es um nichts mehr. Dem Noch-Trainer mit dem unaussprechlichen Namen muss keiner mehr etwas beweisen, der Klassenerhalt ist geschafft, die Europa-League-Plätze zu weit weg. Ob die Armada an Ex-VfB-Spielern, die inzwischen im Kraichgau ihr Geld verdient, sich ernsthaft einen VfB-Abstieg wünscht, bezweifle ich. Aber: das Spiel wird von den Verantwortlichen und deren Fans zu einem Derby, zu einem Baden-Württembergischen Klassenkampf hochstilisiert, so dass die Atmosphäre dort wieder einmal sehr aggressiv sein dürfte. Hier gilt es für das Team von Bruno Labbadia die Ruhe zu bewahren und sich von der Hektik nicht anstecken zu lassen. Der VfB tut gut daran, erneut konzentriert und aggressiv ins Spiel zu gehen und die Hoffenheimer nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Wenn man diesen die Lust am Spiel nimmt, werden sie sicherlich, ähnlich wie der HSV am Samstag, die letzte Konsequenz vermissen lassen, über die Schmerzgrenze zu gehen. Nach dem die Saison für beide Teams über weite Strecken unter gänzlich anderen Vorzeichen stand, hat der VfB mit einem Sieg am Samstag die Möglichkeit, bis auf einen Punkt in der Tabelle an Hoffenheim heran zu rücken. Wer hätte das noch in der Weihnachtspause gedacht.

Am Samstag werden wir wieder bewusst mit dem Bus anreisen. Aussteigen vor dem Gästeblock, rein in den Käfig, drei Punkte einsacken und diesen Ort schnell wieder verlassen. So kann ich mir das Gepöbele seitens der Modefans auf ein Minimum reduzieren. Die meinen, Wunder was sie wären, dabei sind sie nur ein durch die Hopp-Millionen aufgeblähter Dorfverein. Und wenn man sie dann fragt, mit welchem Fähnlein sie noch vor fünf Jahren herum gelaufen sind, kommt das große Schweigen. Man, bin ich froh, dass ich schon in den 70er-Jahren zum VfB gekommen bin und es für mich unvorstellbar wäre, je einmal das Wappen zu wechseln. Retortenvereine wie Hoffenheim, Wolfsburg und neuerdings auch Red Bull Leipzig, die künstlich von milliardenschweren Mäzenen hochgepuscht werden, braucht wirklich keine Sau!

Schade, dass in der neuen Saison Holger Stanislawski dort hin wechselt. Er war mir bisher immer sympathisch, ich habe ernsthafte Bedenken, ob ich ihn als Trainer mit blauem Trainingsanzug noch weiter leiden kann. Das Statement von dem Dorf-Manager Tanner Hoffenheim und Stani hätten die ähnliche Philosophie, nämlich mit bescheidenen Mitteln erfolgreich zu sein, klingt für mich wie Hohn. Erinnert sei daran, dass Hoffenheim 2007 als Zweitligist bedeutend mehr in Transfers investierte als der VfB als Champions League Teilnehmer, dass Salihovic einst ein Angebot der Bayern ausschlug, weil er in Hoffenheim einen besser dotierten Vertrag erhielt und zuletzt daran, dass ein internationaler Top-Spieler wie Ryan Babel in den Kraichgau wechselte, und das sicherlich nicht wegen der guten Luft dort.

So lang solche Kunstprojekte im Profifußball mitmischen, dürfte es auf Sicht immer schwieriger werden, sich für die internationalen Plätze zu qualifizieren. Wobei ich auch sagen muss, so schön die Auslandsreisen mit dem VfB auch sind. Einzig die Champions League ist attraktiv und lukrativ. Die Europa League hingegen ist finanziell für die Vereine unattraktiv und für solche, die keinen großen konkurrenzfähigen Kader haben, auch in gewisser Weise gefährlich. Es ist sicherlich kein Zufall, dass Vereine wie Nürnberg oder Hertha BSC im Jahr ihrer EL-Teilnahme abstiegen und wir beinahe bis zum letzten Spieltag zittern müssen.

Ich bin froh, wenn der VfB in der Liga bleibt, dass wir nächste Saison wieder überwiegend freitags und samstags spielen dürften und die Flut der Sonntagspiele den Europaleague-Teilnehmern vorbehalten bleibt. So gesehen hätte diese Seuchensaison auch ihr Gutes. Der VfB könnte sich konsolidieren und gestärkt aus der Krise heraus kommen.

Also, VfB! In Sinsheim siegen und Oben Bleiben!

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25. Juni 2010

WM 2010: 3. Spieltag, Gruppe E und F

Japan steht im Achtelfinale! Dänemark ist raus

Japan steht im Achtelfinale! Die Mannschaft von Trainer Takeshi Okada gewann am 3. Spieltag der Gruppe E das Endspiel um Platz zwei gegen Dänemark mit 3:1 (2:0) und trifft nun auf Paraguay. Dänemark ist ausgeschieden. Vor 27.967 Zuschauern im Royal Bafokeng Stadion in Rustenburg brachte Keisuke Honda Japan mit einem direkten Freistoß in Führung (17.). Yasuhito Endo erzielte, ebenfalls per Freistoß, das 2:0 (30.). Shinji Okazaki markierte kurz vor Schluss den 3:1-Endstand (88.). Für Dänemark verkürzte Jon Dahl Tomasson zwischenzeitlich per Nachschuss nach Foulelfmeter auf 1:2 (81.). Damit zieht Japan zum zweiten Mal nach 2002 ins Achtelfinale ein und trifft dort am 29. Juni auf Paraguay. Dänemark dagegen fliegt bei der vierten WM-Teilnahme zum ersten Mal schon nach der Vorrunde aus dem Turnier.

Holland hält sich schadlos – Robben wieder fit

Die Niederlande haben auch das dritte Spiel der Gruppe E gewonnen und damit weiter Selbstvertrauen für die K.o.-Runde getankt. Gegen das schon ausgeschiedene Kamerun gab es im letzten Gruppenspiel einen verdienten 2:1 (1:0)-Erfolg. Vor 63.093 Zuschauern in Kapstadt brachte Robin van Persie die Niederländer in Führung (36.). Samuel Eto’o glich nach einem Handspiel von Rafael van der Vaart im eigenen Sechzehner per Elfmeter aus (63.), der eingewechselte Klaas Jan Huntelaar erzielte das Siegtor (84.). Huntelaars Treffer war ein Pfostenschuss des eingewechselten Arjen Robben vorausgegangen. Die Niederlande treffen im Achtelfinale nun auf Italien-Bezwinger Slowakei. Kamerun schließt die WM enttäuschend mit null Punkten und 2:5 Toren ab und steht ohne Coach da. Paul Le Guen bekräftigte nach dem Spiel, nicht mehr weitermachen zu wollen. Le Guen soll Nachfolger von Pim Verbeek als australischer Auswahlcoach werden.

Weltmeister Italien ist ausgeschieden

Weltmeister Italien ist sensationell in der Vorrunde gescheitert. Die Azzurri verloren das dritte Spiel der Gruppe F gegen die Slowakei mit 2:3. Der Ex-Nürnberger Robert Vittek erzielte zwei Tore für die Slowaken. Für die Italiener konnten Antonio Di Natale und Fabio Quagliarella nur noch zum 1:2 bzw. 2:3 verkürzen. Kamil Kopunek erzielte das entscheidende dritte Tor für die Slowakei. Italien ist damit nach Frankreich 2002 der zweite Weltmeister, der sich bereits in der Vorrunde verabschiedet. Die Azzurri beendeten die Vorrunde ohne Sieg auf dem letzten Platz der Gruppe F. Vor rund 53.412 Zuschauer im Ellis-Park-Stadium zu Johannesburg erreichte die Slowakei mit dem Überraschungssieg als zweites Team neben Paraguay das Achtelfinale.

Neuseeland ohne Niederlage ausgeschieden

Paraguay hat die Gruppe F mit einem 0:0 gegen Neuseeland als Erster abgeschlossen und damit gute Chancen auf den Durchmarsch ins Viertelfinale. Die Kiwis hingegen verpassten bei ihrer zweiten WM-Teilnahme die Sensation und scheiden als Gruppendritter ohne Niederlage aus. Vor 34.850 Zuschauern in Polokwane vergab der eingewechselte Edgar Benitez die beste Chance für Paraguay (76.), das zum vierten Mal in der WM-Geschichte im Achtelfinale steht. Die Runde der letzten Acht erreichten die Rot-Weißen noch nie. Für Neuseeland war die WM mit drei Remis in drei Spielen trotz des frühen Aus ein echter Achtungserfolg. Auf Seiten der Paraguayer fehlt Victor Caceres im Achtelfinale gegen Japan. Er sah seine zweite Gelbe Karte.

(spox.com)

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