10. Dezember 2018

Keine Tore, keine Punkte, VfB!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 13:29

Der Chronistenpflicht wegen auch vom dürftigen Auftritt in Ostholland ein paar Bilder unter http://www.frankys-stadionpics.de/bilder/thumbnails.php?album=698.

Der VfB präsentierte sich einmal mehr erschreckend schwach und blieb im 14. Bundesligaspiel zum 10. (!) Mal ohne Treffer. Die einzige gute Chance bot sich Mario Gomez nach Traumpass von Castro, der jedoch kläglich an Sommer scheiterte. Da helfen auch keine Ausreden von Gomez, dass sich ihm so wenig Chancen bieten. Gerade deshalb muss er eine 100%-Quote hinlegen und die erste sich ihm bietende Hundertprozentige verwerten. Müßig zu diskutieren, ob das Spiel dann eine andere Richtung genommen hätte. Gladbach strotzte zu Beginn wegen der jüngsten Niederlage in Leipzig nicht vor Selbstvertrauen und wäre hinten durch den Ausfall von Ginter möglicherweise verwundbar gewesen, wenn man es denn erst einmal versucht hätte, sie zu verwunden.

An Gomez allein lag’s jedoch nicht, dass der VfB einmal mehr ein Spiel völlig emotionslos, saft- und kraftlos, lustlos, uninspiriert über sich ergehen ließ.

Schließlich ist es doch keine Schande beim bis dato besten Heimteam der Liga und Tabellenzweiten als Verlierer nach Hause zu fahren. Doch, es ist eine Schande, zum x-ten Mal mindestens eine Klasse schlechter als der Gegner zu sein, es ist eine Schande in einer Liga, in der jeder jeden schlagen kann, der Einzige zu sein, der offensichtlich nicht dazu in der Lage ist.

Welche Berge Wille, Teamgeist und der Glaube an sich selbst versetzen kann, unterstrich am Samstag der SC Freiburg, der personell sicher nicht besser als der VfB besetzt ist und dennoch das Millionenteam von Red Bull vom Platz fegte. Solch ein Wirkungstreffer fehlt dem VfB in dieser Saison.

Unser Glück, da bleibe ich dabei, ist in dieser Saison, dass mit Nürnberg und Düsseldorf zwei gefühlte Zweitligisten am Start sind, deren Mittel stark begrenzt sind, sich im Winter wirkungsvoll zu verstärken, um eine bessere Rückrunde spielen zu können. Auch Hannover 96 dümpelt mehr schlecht als recht durch die Liga und ist zudem von einem erheblichen Punktabzug bedroht.

Wäre die Liga nur einen Tick stärker, läge der VfB mit solchen Darbietungen und dem desaströsen Torverhältnis schon hoffnungslos zurück und der Baum würde lang vor Heiligabend lichterloh brennen.

So aber lässt sich die Situation noch immer wunderbar schönreden, ist ja nichts passiert, wir sind doch absolut in Schlagdistanz. Beim Verfassen dieser Worte würde ich am liebsten in die Tastatur beißen, so schäbig ist es, wie wir für dumm verkauft werden sollen.

Im Gegensatz zur “Konkurrenz” werden sie unserem fröhlichen rheinländischen Ramschhändler die letzten Ausgliederungsmillionen in die Hand drücken, so dass er weiter sein Unwesen treiben und die Kohle vollends versenken kann.

Vielleicht stehen ja auch wider Erwarten keine Mittel zur Verfügung, weil man sich ja offensichtlich in vielversprechenden Sondierungsgesprächen mit Gentner, Aogo und Beck über deren auslaufende Verträge befindet, was uns mindestens auch im nächsten Jahr die Fortsetzung dieses lahmarschigen Altherrenfußball garantieren dürfte.

In Mönchengladbach freilich kam einiges für den VfB zusammen, was ich jedoch nicht als Ausrede für die Niederlage gelten lasse. Wer zum wiederholten Mal im gesamten Spiel nur eine einzige nennenswerte Torchance herausspielt, hat den Sieg nicht verdient und braucht nicht zu lamentieren, wie ungerecht doch die Fußballwelt ist.

Zuerst verletzte sich Dennis Aogo, der nach theatralischem Schwächeanfall vor seiner Auswechslung zu allem Überfluss noch die gelbe Karte vor die Nase gehalten bekam, dann Beck, später Pavard und auch Timo Baumgartl wirkte in den Schlussminuten angeschlagen.

Eric Thommy bekam in Gladbach mehr Spielzeit als noch gegen den FC Augsburg zugestanden, als er ein- und wieder ausgewechselt wurde. Er selbst empfand dies offensichtlich als zuviel des Guten und holte sich deshalb völlig überflüssig die gelb-rote Karte ab.

Sinnbildlich für die schier ausweglose Situation des VfB dann die Verletzung Pavards, der sich den Muskelfaserriss bei seinem Eigentor zuzog.

Großer Gewinner der Partie war Santiago Ascacibar, der sich gegen Augsburg seine fünfte gelbe Karte abholte, um völlig entspannt den Superclásico seines Heimatlandes, der aus bekannten Gründen in Madrid ausgetragen wurden, anschauen und dabei, wie es sich gehört, feinste Asado genießen zu können. Alles richtig gemacht, Wadenbeißer!

Langsam stellt sich die Frage, ob wir am Samstag gegen Hertha BSC Berlin überhaupt noch elf fitte und einsatzberechtigte Spieler auf den Platz bekommen. Normalerweise würde man ja meinen, es sei nun DIE Chance für den einen oder anderen aus unserer U21, die sich ohnehin seit Samstag in der Winterpause befindet. Doch, auch aus dem Unterbau sticht keiner hervor oder drängt sich gar für höhere Aufgaben auf. Unsere Amateure taumeln der Oberliga entgegen, auch hier offenbart sich eine totale Fehleinschätzung Reschkes, der zusammen mit Dietrich unseren geliebten VfB in einer nie dagewesenen Form herunterwirtschaftet und zerstört.

Der zweite Doppelabstieg nach 2016 ist im Bereich des Möglichen und dürfte wohl nur verhindert werden können, weil, siehe oben, in den jeweiligen Ligen mit ungleichen Waffen gekämpft wird und der VfB mehr Geld als die Konkurrenz einsetzen wird, um Versäumnisse des Sommers zu kaschieren.

Für die restlichen Vorrundenspiele sehe ich schwarz. Auch wenn Hertha- und Schalke oft gern gesehene Gäste waren und die Statistik für den VfB spricht, weiß ich nicht, wie wir gegen sie in der derzeitigen Situation punkten sollten.

Es gibt weit und breit kein leichter ausrechenbares Team als den VfB, so dass ich denke, dass unsere kommenden Gegner allesamt abgezockt genug sein dürften, unsere Schwächen (von denen es unzählige gibt) gnadenlos auszunutzen. In der Offensive findet der VfB so gut wie überhaupt nicht statt, während man in der Defensive ein Abwehrverhalten im Stile einer Schülermannschaft an den Tag legt.

Wenn ich schon wegen nicht stattfindender Offensive bestenfalls ein 0:0 zu ermauern versuche, darf sich das Team hinten keine Aussetzer wie in Leverkusen und jetzt in Mönchengladbach erlauben.

Dass der wohl kleinste Spieler auf dem Platz, Raffael, in der 69. Minute mutterseelenallein im Fünfmeterraum stehen und einköpfen darf, spottet in unserer prekären Situation jeder Beschreibung.

Wie sich Neuhaus beim 2:0 im Strafraum den Ball unbedrängt in aller Seelenruhe auf den rechten Fuß zurechtlegen darf, ist einfach nicht bundesligatauglich. So viel Zeit gewährt dir in der Bundesliga nur der VfB.

Das ist Einstellungssache und mit einer solchen Einstellung gewinnt man kein Spiel. Erbärmlich! Erbärmlich für die Fernsehzuschauer, vielleicht noch etwas erbärmlicher für uns Fans, die das Ganze live und hautnah im Stadion miterleben mussten.

Insgesamt war es eine absolut trostlose Veranstaltung am Niederrhein. Das lustlose Gekicke auf dem Rasen ist man mittlerweile ja schon gewohnt, dass es auch auf den Rängen weitgehend ruhig geblieben ist, jedoch nicht.

Mit vielen optischen Akzenten war auf Seite der VfB-Fans ohnehin nicht zu rechnen, weil von der Heimobrigkeit bis auf Trikot und Schal so ziemlich alles untersagt wurde, aufgrund der schön anzuschauenden Pyro-Aktion in der letzten Saison.

Dass unsere Ultras ihren Stimmungsboykott aus dem Augsburg-Spiel auch auswärts in Gladbach fortsetzen würden, damit war allerdings nicht zu rechnen. Wenigstens mit ihrer Anwesenheit und dem einen oder anderen Schlachtgesang hätten sie uns schon beglücken dürfen.

Doch, es kam anders, motivierter als das Team auf dem Rasen traten unsere Jungs in den Nahkampf mit Gladbacher Fans und wurden daraufhin umgehend des Landes Nordrhein-Westfalen verwiesen.

Ok, ich ziehe es etwas ins Lächerliche, weil ich wenig Verständnis für solche Scharmützel habe. Offensichtlich verpassten die Busse der Ultras die richtige Ausfahrt und befanden sich daher im „Feindesgebiet“. Da Provokationen der Gladbacher Ultras, die die Busse schnell bemerkten, nicht ausblieben, stiegen unsere Ultras aus, woraufhin es zu Schlägereien, Flaschenwürfen und schließlich einem Pfefferspray-Einsatz der Polizei gekommen sei soll. So jedenfalls lesen sich die Medienberichte.

Ich als etwas gesetzterer Fan stelle mir dabei hauptsächlich zwei Fragen. Weshalb dreht man nicht einfach um und schlägt die richtige Route ein? Im Stadionverkehr mit einem Bus zwar nicht die einfachste, aber wohl sicherste Lösung, zumal Polizei und Ordnungsdienst in der Regel daran gelegen sein sollte, ein Aufeinandertreffen von gegnerischen Ultras zu verhindern und somit sicher der übrige Verkehr gestoppt worden wäre.

Zweite Frage, die sich mir aufdrängt, weshalb öffnet ein Busfahrer überhaupt die Türen, wenn abzusehen ist, was dann passiert?

Oder ist gar an der Theorie etwas dran, die Polizei NRW sei auf der Suche nach Argumenten für ihr neues Polizeiaufgabengesetz jedes Mittel recht und sie provoziere gar Vorfälle und verletzte Beamten, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen?

Nachdem sich schon am Samstag in Duisburg ein Rostocker Ultras-Bus „verfahren“ hat und mit Krefelder Ultras aufeinandertraf, soll dasselbe Schicksal nun unseren Stuttgarter Jungs widerfahren sein?

Komischer Zufall innerhalb von 24 Stunden im selben Bundesland. Nichtsdestotrotz habe ich für Gewaltausbrüche kein Verständnis und hätte unseren Jungs einen kühleren Kopf gewünscht. So bestätigen sie leider das Klischee des gewaltbereiten Fußballfans, was nicht gut für die gesamte Szene und vor allem nicht gut für die Stimmung im Stadion ist.

Ich bin zwar jetzt keiner, der einen Kausalzusammenhang zwischen dem Support und der Leistung auf dem Rasen herstellt, sonst nämlich wären wir uneinholbar Tabellenführer, aber, ich bin einer, der ins Stadion geht wegen der Atmosphäre und den vielen Freunden und Bekannten, die man trifft und schon lange nicht mehr wegen dem lustlosen Ballgeschiebe auf dem Rasen.

Die Atmosphäre ging somit gänzlich ab, auch auf Seiten der Gladbacher, die erst nach dem Führungstreffer aufwachten. Somit war der äußere Rahmen dem Niveau des Spiels angemessen, was dann auch wieder zusammenpasste.

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21. Juli 2018

Über die „deutsche“ WM und den VfB in der Vorbereitung

Seit Sonntag ist die WM Geschichte und wir können uns wieder den wirklich wichtigen Dingen im (Fußball-)Leben zuwenden, dem VfB nämlich. Doch bevor ich einen Ausblick auf den VfB wage, möchte ich noch auf das WM-Turnier und dabei ganz besonders auf das Abschneiden der deutschen Nationalelf zurückblicken.

Noch nie hat mich ein WM-Ausscheiden einer deutschen Nationalmannschaft emotional weniger belastet als dieses Mal. Und das, obwohl es das historisch schlechteste Ergebnis einer deutschen Nationalmannschaft bei einer Fußball-Weltmeisterschaft überhaupt war.

Schon im Vorfeld stießen mir einige Dinge sauer auf. Da war zum einen die Özil-, Gündogan, Erdogan-Affäre. Für mich war es nach dem Treffen der beiden türkischstämmigen deutschen Nationalspieler mit dem türkischen Despoten Erdogan zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt (zwei Tage vor der Nominierung des vorläufigen WM-Kaders) ein Unding, diese beiden ohne jegliche Aufarbeitung des Themas zu nominieren und schließlich auch zur WM mitzunehmen.

Dass es der DFB duldete, dass Özil den Medientag schwänzte und das hochkochende Thema lieber totschwieg, und, fast noch schlimmer, ein Oliver Bierhoff sich am Rande des Saudi Arabien-Spiels hinstellt, und sagt, jetzt sei es aber auch mal gut mit dem Thema, unterstreicht eindrucksvoll, wie weit sich der DFB inzwischen von der Basis entfernt hat.

Dass es mit einem Basta des Nationalelf-Managers nicht getan war, bewiesen die Pfiffe sowohl in Leverkusen als auch später bei der WM.
Ferner kam es im Team offensichtlich nicht gut an, dass langzeitige Rekonvaleszenten, allen voran Manuel Neuer, eine Einsatzgarantie erhielten, und der Weltmeister-Bonus auch noch vier Jahre nach dem Titel wichtiger zu sein schien, als die aktuelle Form.

Der Gewinn des Confed-Cups und der U21-EM 2017 hätten Anlass genug sein müssen, den Arrivierten Feuer unter dem Hintern zu machen, zeigten diese Titel doch, dass das Reservoir aus dem Bundestrainer Löw schöpfen kann, schier unendlich ist. Zudem lockte der Bundestrainer die Spieler vor allem zum Confed-Cup mit falschen Versprechungen, wenn am Ende doch wieder fast ausschließlich die Platzhirsche auf dem Platz stehen.

Leider machte Löw denselben Fehler wie schon einige Weltmeister vor ihm (oder ist es Zufall, dass der Weltmeister seit Jahren fast ausnahmslos in der Vorrunde scheitert?), den Zeitpunkt einer Blutauffrischung zu verpassen und sich nicht rechtzeitig von einstigen Leistungsträgern loszusagen.

Dankbarkeit ist im Fußball-Geschäft nur bis zu einem gewissen Grad angebracht und darf in Ausnahmefällen einem besonders wertvollen Spieler entgegengebracht werden, von dem man überzeugt ist, dass er sich noch fangen und im weiteren Turnierverlauf wichtig werden könnte.

Wenn aber die halbe Mannschaft aus ausgelaugten und formschwachen Ex-Größen besteht und das Leistungsprinzip ad absurdum geführt wird, bekommt man eben schon nach der Vorrunde die Quittung in Form des Ausscheidens präsentiert.

Dass es zwischen Löw und Bierhoff, zwischen die lange kein Blatt Papier passte, nicht mehr stimmt, entlud sich nicht nur an der Auswahl des WM-Quartiers, mit dem keiner so richtig zufrieden war. Als Bierhoff nach der Auftaktniederlage gegen Mexiko einen Reporter harsch mit „das müssen Sie den Trainer fragen“ abkanzelte, dachte ich nur, „Nachtigall, ick hör dir trapsen“.

Hinzu kamen weitere Nebenkriegsschauplätze, die auf den ersten Blick keine große Sache wären, wie das nächtliche Abschalten des WLAN’s im Teamhotel in Vatutinki, weil einige Spieler nachts lieber exzessiv zu zocken schienen, anstatt sich professionell auf den nächsten Arbeitstag vorzubereiten.

Es sagt viel über die heutige Spielergeneration aus, wenn man sich lieber an die Konsole flüchtet, anstatt Probleme beim Schopfe zu packen und Alarm zu schlagen, wenn die Ziele gefährdet sind.

Dabei war es weiß Gott nicht die erste Weltmeisterschaft, bei der es teamintern gekracht hat. Der Unterschied zu heute war jedoch der, dass es früher Typen gab, die entgegensteuerten, wenn sie merkten, dass der Trainer mit der Situation überfordert ist.

Der WM-Titel 1974 zum Beispiel wurde erst möglich, nachdem Franz Beckenbauer nach dem 0:1 gegen die DDR die Macht übernahm und quasi die Mannschaft selber aufstellte und selbst 2014 war es erst ein Weckruf aus der Mannschaft, der das Team zurück in die Spur brachte.

Kapitän Lahm stellte mal wieder seine eigenen Interessen über die der Mannschaft und beharrte darauf, im defensiven Mittelfeld spielen zu dürfen, während es auf den Außenverteidigerpositionen krankte und diese ausschließlich durch Innenverteidiger bekleidet waren.

Löw sah sich an sein Versprechen Lahm gegenüber gebunden und trug den Willen des Kapitäns mit. Nach dem mühevollen und glücklichen 2:1 gegen Algerien entband Lahm Löw von seiner Zusage, nachdem einige Führungsspieler Alarm geschlagen hatten. Fortan stabilisierte sich die deutsche Mannschaft und zeigte ein anderes Gesicht, das Ende der Geschichte ist hinlänglich bekannt.

Diese Führungsspieler der WM 2014 traten in den letzten Jahren nach und nach zurück. Wir haben keinen Podolski mehr, keinen Lahm, keinen Schweinsteiger, keinen Mertesacker und auch keinen Klose mehr. Joachim Löw fehlte bei der WM in Russland ein verlängerter Arm auf dem Feld, es gab keinen einzigen, der sich gegen das Ungemach stemmte und die anderen mitgerissen hätte.

Die Spiele plätscherten dahin, man ergötzte sich an Ballbesitz ohne im Strafraum gefährliche Situationen heraufzubeschwören. Den etatmäßigen Führungs- oder auch Möchtegernführungsspielern fehlte das Standing (Neuer, wegen seiner langen Absenz; Özil, siehe oben), die Form (Hummels, Khedira, Müller) oder sie sind schon vom Naturell her keine Lautsprecher (Kroos).

Die Weltmeister von 2014 erfüllten die Erwartungen nicht, die sie sicher auch an sich selbst gestellt hatten und besaßen zudem noch die Frechheit bspw. einen Plattenhardt im Spiel zu schneiden und Timo Werner zwar extrem viel laufen zu lassen, um ihn dann doch nicht seine Stärken ausspielen zu lassen, indem man stets den Quer- oder Rückpass vorzog, anstatt zielstrebig nach vorne zu spielen.

Es wurde Angsthasenfußball der übelsten Sorte dargeboten, so dass ich wirklich froh darüber war, als das Elend gegen Südkorea sein jähes Ende fand.

Löw ignorierte sämtliche Alarmzeichen im Vorfeld. Nach extrem durchwachsenen Tests gegen Österreich und Saudi-Arabien wiederholte er gebetsmühlenartig, dass er schon öfter bewiesen habe, zu wissen, was zu tun sei und er auch wüsste, wie das Team auf den Punkt topfit zu bekommen sei.

Diese Arroganz erinnerte mich schwer an Armin Veh nach der Meisterschaft mit dem VfB, der später beim HSV antrat und erklärte, „ich muss keinem mehr etwas beweisen“. Das ist genau der falsche Ansatz, ein Trainer muss sich immer wieder mal neu erfinden und die Zeichen der Zeit erkennen, wenn „seine“ Spieler oder sein Spielstil im wahrsten Sinne des Wortes überholt sind.

Den einst erfolgreichen Ballbesitzfußball kann ich vielleicht noch mit einer blutjungen Mannschaft und Spielern, die laufen, laufen und nochmal laufen, spielen lassen. Es geht darum Lücken zu finden und in diese blitzschnell hineinzustoßen und so Überraschungsmomente zu schaffen, was jedoch einer Ü30-Mannschaft nicht gelingt, die auf dem Feld umher trabt, als befände sie sich bei einem Altherrenturnier.

Den Spaniern ging es vier Jahre zuvor ähnlich, schade, dass sie Löw nicht als leuchtendes Beispiel, nämlich, wie es nicht funktioniert, herangezogen hat.

Nach vorne fehlte also die Durchschlagskraft, nach hinten war man anfällig. Manuel Neuer sah sich wohl selten so vielen Eins- gegen Eins-Duellen konfrontiert wie in den drei Vorrundenspielen. Auch dies für mich eine Folge dessen, dass Spieler wie Hummels und Boateng in die Jahre gekommen und Kimmich völlig außer Form sind.

Der VfB und Eintracht Frankfurt haben es vorgemacht, wie hinter die Bayern- und somit fast identische Nationalelf-Abwehrformation zu kommen ist, die Mexikaner und Schweden scheinen dabei genau hingeschaut zu haben.

Dass die Bayern-Spieler nach dem Championsleague-Aus Motivationsprobleme plagten, bekam man zum Saisonende vor Augen geführt. So schön sich unser 4:1 Auswärtssieg vom letzten Spieltag noch immer anfühlt, so irreal kommt er einem noch vor.

Es wäre hypothetisch zu hinterfragen, ob dieser so auch gelungen wäre, hätten die Bayern noch das Championsleague-Finale vor der Brust gehabt oder wäre es in der Meisterschaft noch um etwas gegangen. Als Form- und Stimmungsbarometer der Bayern-Profis und damit dem Gros der Nationalmannschaft hätte man die letzten Spiele der Bayern aber heranziehen und Schlüsse daraus ziehen müssen.

Schien es noch unfassbar und einmalig gewesen zu sein, in welcher Manier Donis die Bayern-Abwehr ein ums andere Mal stehen ließ, wurde es zur Methode, als es den Frankfurter gerade mal eine Woche später im Pokalfinale mit den gleichen Mitteln gelang. Das System, die Bayern zu knacken, bekam den schönen Beinamen „Bruda, schlag den Ball lang“.

Ein langer Ball, ein schneller Stürmer und die nicht (mehr) so schnellen Verteidiger, ob Hummels, Boateng oder Süle, hatten das Nachsehen. Doch dem maß Löw keine Bedeutung zu, was sich schon andeutete, als man sich selbst gegen Österreich und Saudi-Arabien ein ums andere Mal düpieren und die Außenseiter zu ungewöhnlich vielen Torchancen kommen ließ.

Diese Abwehrprobleme setzten sich nahtlos bei der WM fort. Da man durch geschossene Tore zwar Spiele gewinnt, Meisterschaften aber in der Regel aufgrund einer sicheren Abwehr, war es mir schon während des Mexiko-Spiels klar, dass ein Ausscheiden in der Vorrunde im Bereich des Möglichen sein würde.

In all den Jahren stand ich immer zu Jogi Löw, auch wenn viele der Auffassung waren, mit dem Spielermaterial des letzten Jahrzehnts hätte mehr herauskommen müssen als „nur“ ein Weltmeistertitel.

Ich sah dabei das Positive: seit 2006 immer mindestens das Halbfinale erreicht! Unter den letzten Vier ist die Luft dünn, so dass Nuancen über Sieg oder Niederlage entscheiden können, mal ist man der Glücklichere, mal nicht.

Ich sah dabei auch einige Fehler Löws, doch, welcher Mensch macht keine Fehler. Da sich diese Fehler, die für mich in erster Linie am Setzen auf nicht fitte vermeintliche Leistungsträger sind, ständig wiederholten, und nun zum frühen Aus führten, bin ich der Auffassung, dass es ein „Weiter so“ nicht geben darf.

Ob 2008 Ballack oder 2012 Schweinsteiger, stets schleppte man Spieler durch, die nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte waren, womit man de facto mit einem Mann weniger auf dem Platz stand. 2018 wurde dem ganzen die Krone aufgesetzt, indem aus Dankbarkeit oder auch Trotz (Özil!) zu viele formschwache oder nicht fitte Spieler als unverzichtbar erklärt wurden.
Löws große Stärke bestand dagegen in den letzten Jahren darin, das Team immer auf den Punkt fit zu bekommen und eine Mischung aus Spielern zu finden, die als Einheit auftrat und an einem Strang zog. Das hat er dieses Mal nicht geschafft, in erster Linie deshalb, weil das Leistungsprinzip nicht mehr galt. So stellt sich schon die Frage, ob sich Löw in 14 Jahren DFB nicht abgenutzt hat und auch auf der Trainerposition ein Neuanfang her muss.

Der DFB hat zwar völlig ohne Not seinen Vertrag noch vor der WM bis 2022 verlängert und auch Löw beteuerte nach kurzer Bedenkzeit weitermachen zu wollen, doch, ich meine, das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen. Im internen Kreis hat Löw in dieser Woche seine Aufarbeitung präsentiert, die breite Öffentlichkeit möchte man bis zum 24.08. im Unklaren lassen, dann, sage und schreibe gerade einmal 14 Tage vor dem nächsten Pflichtspiel gegen Frankreich in der Nations League.

Vor der WM lag die Ruhe um die Nationalmannschaft und ein gutes WM-Turnier im nationalen Interesse, was sich darin ausdrückte, dass die beiden Erdogan-Huldiger aufs Büßerbänkchen des Bundespräsidenten gebeten wurden, um Schönwetter zu machen.

Dass der Bundespräsident dieses Schmierentheater mitspielte und kurzfristig zur Audienz bat, hat seinem Ansehen eher geschadet und den „Türken“ nicht genutzt. Für mich war es eine armselige Inszenierung, die meine Meinung über die beiden nicht geändert hat. Beides sind erwachsene Menschen, beide sind von hochbezahlten Beraterstäben umgeben, sie hätten sich der Außenwirkung ihrer Wahlkampfwerbung bewusst sein müssen.

Je länger die Öffentlichkeit über die Konsequenzen aus dem WM-Debakel im Unklaren gelassen wird, desto mehr pirschen neunmalkluge „Experten“ hervor. Jüngster Kandidat, Philipp Lahm. Während des WM-Turniers sah ich denselben Philipp Lahm gemütlich am Starnberger See sitzen und wachsweiche Analysen zu den Spielen der Deutschen absondern. Er hat nicht ein einziges Mal Klartext gesprochen, den Finger in die Wunde gelegt und Dinge beim Namen genannt und jetzt auf einmal möchte er erkannt habe, dass Löws Menschenführung nicht mehr zeitgemäß ist?

Lahm hätte Gelegenheiten genug gehabt, sich zu positionieren und Dinge, die im Argen anzusprechen. Hinterher, wenn auch der Letzte von gut 80 Millionen Deutschen mitbekommen hat, dass es im Team nicht stimmte, nachzutreten, ist für mich zum einen lächerlich und zeugt zum anderen von seinem schlechten Charakter, den er seit 2010 immer wieder bewiesen hat.
Lahm scheint seine Auszeit nach dem Karriereende beenden wollen und auf einen (hochdotierten) Posten im Fußball-Business zu drängen.

Rummenigge sprang Lahm zur Seite und schlug ihn gar als DFB-Vizepräsidenten vor, indem er selbst zum Rundumschlag gegen DFB ansetzte und alle dort tätigen Verantwortungsträger als Amateure betitelte. Aber, Rummenigge wäre nicht Rummenigge, würde er mit einem solchen Angriff nicht bezwecken wollen, etwas für seinen FC Bayern herauszuholen.

Zum einen sehe ich das Wort „Amateure“ als Schimpfwort unangebracht, zum anderen kann man ausnahmsweise mal froh darüber sein, dass beim DFB die Interessen der Amateure auch noch berücksichtigt werden und Amateurvertreter die Mehrheit im DFB-Bundestag haben.

Ginge es nach Rummenigge würde die Kommerzialisierung im Fußball noch schneller voranschreiten, die Schere noch schneller auseinander gehen, was die Bayern zwar unter Umständen international konkurrenzfähiger werden ließe, auf der anderen Seite jedoch noch mehr Amateurvereine ihre Existenz kosten würde.

Daher ist es für den deutschen Fußball, den Breitensport und die Nachwuchsförderung eminent wichtig, dass die Amateurvereine ihr Stimmrecht behalten und wenigstens kleinere Erfolge feiern dürfen, wie jüngst die Veränderung der Aufstiegsregelung in den Regionalligen.

Um diese Struktur beizubehalten, braucht es Vertreter der Amateurvereine mit Rückgrat in gehobenen Positionen und keinen Philipp Lahm, der sich dreht wie das Fähnchen im Wind und von seinem Ex-Vorgesetzten ins Amt gelobt wird.

Je länger die Verkündung der Ergebnisse der Ursachenforschung seitens des DFB auf sich warten lässt, desto unwahrscheinlicher werden personelle Konsequenzen auf höchster Ebene. Weder ein Grindel, noch ein Bierhoff und schon gar nicht Joachim Löw dürften zur Disposition stehen, wobei zumindest über Bierhoff diskutiert werden sollte.

Der Tausendsassa wäre mit seinem Jahrhundert-Projekt der DFB-Akademie ohnehin ausgelastet genug, um vom Posten des Nationalmannschafts-Managers zurücktreten zu können. Bierhoff steht wie kein zweiter für die Eventisierung der Nationalelf und würde einem Neuanfang mindestens genauso im Wege stehen wie Jogi Löw. Ein neues Gesicht auf diesem Posten könnte den Fokus zurück auf den Fußball und weg von unsäglichen Hashtags und Claims („Die Mannschaft“) lenken, was ein erster Schritt zurück zur Nahbarkeit des Teams wäre.

Dass Bierhoff, wie auch Grindel der ins selbe Horn blies, hinterher noch gegen Özil nachgetreten hat, obwohl er selbst im Vorfeld der WM sämtliche Konsequenz in dieser Affäre vermissen ließ, rückt ihn zusätzlich in ein schlechtes Licht und erweckt den Anschein, als bezwecke er damit einzig und allein seinen eigenen Allerwertesten zu retten.

Doch, selbstverständlich, drehte sich die Welt auch nach dem deutschen WM-Desaster weiter und die Weltmeisterschaft wurde zu Ende gespielt.
Ein WM-Turnier mit 32 Mannschaften nimmt in der Regel erst ab der KO-Phase Fahrt auf. Die Vorrunde bot meist gähnende Langeweile, Taktiererei und wenig fußballerische Feinkost.

Auch danach wurde es kaum besser, in der Nachbetrachtung fallen mir vielleicht drei mitreißende Spiele während des gesamten Turniers ein. Das Niveau insgesamt und der Leistungsstand einiger Top-Stars der Branche empfand ich als erschreckend. Der Bogen im Fußball ist längst überspannt. Hier ein unbedeutender Cup, dort einer und in den „Pausen“ Reisen über mehrere zehntausend Kilometer, um den Trikotabsatz und die Fernsehpräsenz auf den neuen Märkten in Asien zu steigern.

Die Folge dessen ist, dass viele Spieler 70 bis 80 Spiele in den Knochen haben und ausgelaugt zur WM kommen. So verkommt das Turnier immer mehr zu einem Muster ohne Wert. Die besten Erfolgsaussichten hat dann ein harmonierendes und funktionierendes Kollektiv, in dem sich die Spieler selbst pushen (siehe Pogba) und zu Höchstleistungen antreiben, auch wenn das Fleisch schon extrem schwach ist.

Dass Frankreich nach dem Halbfinalsieg gegen phasenweise fantastisch aufspielende Belgier sich den Weltmeistertitel sichern würde, war zu erwarten. Frankreich, das ich schon vor Turnierbeginn als Weltmeister getippt hatte, hatte nach dem Halbfinale einen Tag länger Zeit zur Regeneration und zudem keine drei Verlängerungen in den Knochen, im Gegensatz zu den Kroaten.

Dass deren Finalsieg jedoch durch eine Schwalbe von Griezmann eingeleitet wurde, stößt mir auch heute noch sauer auf. Das 1:0 in einem Spiel ist nun mal richtungsweisend und beraubte die Kroaten einer einmaligen Chance, auch wenn sie zwischenzeitlich zum Ausgleich gekommen waren.

Wann endlich werden solche Betrüger, wenn eindeutig überführt, nachträglich für eine Reihe von Spielen gesperrt, so dass eine solche Aktion noch lange nachwirkt? Solang sie damit durchkommen und am Ende noch für ihre Abgezocktheit gefeiert werden, wird sich an diesen Zuständen nichts ändern.

Ganz besonders habe ich den Titel natürlich unserem Stuttgarter Jungen, Benjamin Pavard, gegönnt. Ein Wahnsinn, wie seine Karriere innerhalb eines halben Jahres an Fahrt aufgenommen hat. Er wäre glücklich gewesen, als Nummer 23 zur WM mitfahren zu dürfen und wurde Stammspieler. Spätestens durch sein wichtiges Tor gegen Argentinien, Marke Tor des Monats, spielte sich Pavard in die Herzen seiner Landsleute, und er bekam gar einen eigenen Fangesang.

Dass ein Stammspieler einer phasenweise furios aufspielenden französischen Nationalmannschaft Begehrlichkeiten weckt, ist normal, als Weltmeister sowieso.

Sollte an der jüngst veröffentlichten Meldung, dass Pavard spätestens 2019 zu den Bayern wechselt, etwas dran sein, wäre ich enttäuscht. Enttäuscht darüber, dass er den VfB für die dann nicht mehr verhandelbare festgeschriebene Ablösesumme von etwa 35 Millionen Euro verlässt und nicht etwa für deutlich mehr schon in diesem Sommer.

In Zeiten eines überhitzten Transfermarktes und wenn ein Spieler angeblich auch im Fokus absoluter internationaler Top-Clubs wie Barca oder PSG steht, hätte man sich dann doch mehr erhofft, zumal der VfB spätestens seit dem Verbleib von Holger Badstuber auch ohne Pavard gut aufgestellt wäre.

Sollte die Meldung der Tatsache entsprechen, stellen sich mir doch noch einige Fragen. Stimmt die kolportierte Klausel, dass die festgeschriebene Ablösesumme nächsten Sommer Makulatur sein würde, würde sich der VfB für die Championsleague qualifizieren? Was würde dann passieren? Zahlen die Bayern auch dann jeden Preis oder wurde diese Eventualität schon mit verhandelt? Oder wechselt Pavard doch schon in diesem Sommer an die Isar? Was wäre es den Münchnern ein früherer Wechsel und das Vermeiden des Risikos, dass der VfB sich für die Championsleague qualifiziert, wert? Es ist ja nicht so, dass ich auf Platz 4 spekulieren würde. In der letzten Saison fehlten dem VfB aber gerade einmal vier Punkte für das Erreichen der Championsleague, so dass die Hoffnung darauf nicht ganz ins Reich der Träumerei zu verweisen ist, zumindest dann, sollte der Rest der Liga weiterhin so schwächeln.

Sollte sich Pavard wirklich schon während der WM für die Bayern entschieden haben, sind dem VfB ohnehin die Hände gebunden. Dann scheidet ein Verkauf in diesem Sommer zu einem anderen Verein sowieso aus, was einmal mehr vor Augen führen würde, dass Verträge ohne Ausstiegsklauseln Wunschdenken sind und dass die Macht die Spieler und deren Berater besitzen.

Den Wahrheitsgehalt dieser SWR-Meldung kann ich nicht sonderlich gut einschätzen. Bislang stach der SWR in meiner Wahrnehmung nicht dadurch hervor, gut informiert in Sachen Transfers zu sein und Informationen exklusiv gesteckt zu bekommen. Ich kann es mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich Pavard während des Turniers um seinen Vereinswechsel gekümmert und einen Vertrag unterschrieben hat. Vielleicht hat da ja jemand aus der Mercedesstraße eine falsche Lunte gelegt und der SWR ist hereingefallen.

Ich würde mich freuen, würde Benji auch in der kommenden Saison, dann als Weltmeister, für den VfB auflaufen, sähe unsere Abwehr aber auch ohne ihn gut aufgestellt.

Der VfB hat sich, wie ich meine, ordentlich verstärkt und seinen Kader früh wie selten nahezu komplett beisammen gehabt. Von jungen vielversprechenden Talenten wie Borna Sosa, Maffeo und Gonzalez über Marc-Oliver Kempf, einem bundesligaerprobten Spieler vor dem nächsten Schritt bis hin zu Gonzalo Castro, dessen Zeit in Dortmund nicht so glücklich verlief, der meiner Meinung nach jedoch zu einer wichtigen Stütze im VfB-Spiel werden kann.

Dazu gilt es zwei „Rückkehrer“ zu begrüßen, über die ich mich, im Gegensatz zu vielen Hatern, sehr freue.

Zum einen Holger Badstuber, der nie einen Hehl daraus gemacht hat, zu einem Top-Verein, der der VfB nun mal (noch) nicht ist wechseln und international spielen zu wollen. Die ganz großen Adressen hatten kein Interesse, auf Experimente hatte Badstuber offensichtlich keine große Lust. So band er sich für drei Jahre an den VfB, was durchaus als Treuebekenntnis gewertet werden darf, auch wenn man weiß, dass Verträge im Fußball-Business das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind.

Nach dem Motto „lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach“ entschied sich Badstuber, beim VfB zu bleiben. Ihm blieb natürlich nicht verborgen, dass der VfB in diesem Sommer klotzte statt kleckerte und realisierte, dass, wenn sich der VfB weiter so rasant entwickelt, das internationale Geschäft mit dem VfB keine Utopie sein muss.

Weshalb ich mich über seinen Verbleib so freue ist einfach, dass er für mich ein wichtiger Faktor war, weshalb wir in der letzten Saison so wenige Gegentore gefangen und weshalb sich Timo Baumgartl nach Jahren der Stagnation spürbar weiter entwickelt hat. Zudem ist Badstuber ein Typ, der das sog. Bayern-Gen in sich trägt und lieber gewinnt als verliert. Ergeben sich einige in ihr Schicksal und reden Niederlagen schön, so legt Badstuber den Finger in die Wunde und ist richtig angefressen, wie nach dem 0:3 in Dortmund, der einzigen Niederlage während Korkuts bisheriger Amtszeit. Mit ehrgeizigen Spielern lässt sich etwas gewinnen, deshalb bin ich froh, dass Badstuber dem VfB sein Ja-Wort gegeben hat.

Der zweite Rückkehrer heißt Daniel Didavi. Über ihn freue ich mich ganz besonders, habe ihm den Wechsel nach Wolfsburg aus damaliger Sicht auch nicht krumm genommen, nachzulesen auf meiner Hommage an unseren 10er, nachdem sein Abgang feststand: http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4009

Weil ich so überzeugt von ihm und davon bin, dass es keine leeren Phrasen sind, wenn er beteuert VfBler durch und durch zu sein, bin ich mir auch relativ sicher, dass er nach seiner Rückkehr 150% Einsatz bringen und so schnell nicht mit anderen Angeboten kokettieren wird. Er stand nach Jahren unermüdlichen Abstiegskampfes am Scheideweg, fragte sich wohl, ob er sich im Herbst seiner Karriere die Frage gefallen lassen möchte, nicht alles versucht zu haben. Jetzt kommt der Bursche geläutert zurück und weiß zu schätzen, wie Holger Badstuber auch, was er am VfB hat.

Dida ist genau der Spielertyp, den wir letzte Saison so schmerzlich vermisst haben. Er kann ein Spiel lesen, Stürmer in Szene setzen und hat einen begnadeten linken Fuß. 15 Scorerpunkte beim Relegationsteilnehmer Wolfsburg sind aller Ehren wert. Ich drücke ihm (und, ganz uneigennützig natürlich auch uns) fest die Daumen, dass er seine Knieprobleme endgültig überwunden hat und wir noch viele tolle Spiele von ihm sehen. Freue mich schon auf Grassau und bin sehr gespannt, ob er mich noch kennt.

Die Kunst Tayfun Korkuts muss jetzt darin liegen, in den verbleibenden vier Wochen bis zum Beginn der Pflichtspiele die beste erste Elf zu finden.

Als Korkut kam, fand er Traumvoraussetzungen beim VfB vor. Getreu dem Motto „ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert“ konnte er die Arbeit aufnehmen und hatte keinen Erwartungsdruck.

Als einzige Zielvorgabe hatte er den Klassenerhalt zu erfüllen und das, obwohl der VfB bis auf den ersten Spieltag (Platz 16) nie auf einem möglichen Abstiegsplatz stand. Ein Spielsystem oder gar eine Weiterentwicklung des Teams wurde von ihm nicht verlangt, so dass das Zauberwort bis zum rechnerisch feststehenden Klassenerhalt nach dem Bremen-Spiel einzig und allein „Stabilität“ hieß.

Das implizierte, dass Experimente, die das fragile Gebilde ins Wanken hätten bringen können, ebenso verboten waren, wie unerzwungene Startelfwechsel. Mit dieser Marschroute stürmte der VfB auf Platz sieben und verpasste die Europaleague-Qualifikation nur um Haaresbreite.

In der neuen Saison findet Korkut eine neue Situation vor. Er hat einen ordentlichen Kader, bei dem sowohl die Mischung zwischen jung und alt als auch zwischen erfahren und unerfahren zu stimmen scheint.

Korkut ist alleinverantwortlich für die Saisonvorbereitung und muss die Mannschaft auf den Punkt bis zum Pokalspiel am 18. August in Rostock fit bekommen. Weil der VfB einen ausgeglichen Kader hat, den Reschke sicherlich zu großen Teilen in Absprache mit Korkut zusammengestellt hat, wäre Korkut gut beraten, seine Aufstellungen variabler zu gestalten und möglichst alle bei Laune zu halten.

In der Vorsaison hatte Korkut bei allem, was er anfasste, ein glückliches Händchen. Spieler, denen er sein Vertrauen schenkte, dankten es ihm mit Leistung, jene, die außen vor waren, blieben (zumindest nach außen) ruhig und selbst die Trainingsdosierung und -intensität schien optimal gewesen zu sein, spielten doch sonst von Verletzungen schwer gebeutelte Spieler, wie Ginczek und Badstuber, die Rückrunde fast komplett durch.

Ob das Zufall war oder Korkut es einfach kann, wird sich zeigen. Derzeit bin ich sehr optimistisch was den Kader angeht und hoffe, dass Korkut etwas daraus macht.

Reschke hat seine Hausaufgaben weitestgehend gemacht, rastet aber nicht, so dass es mich nicht wundern würde, wenn er noch jemanden aus dem Hut zaubert.

Nachdem Reschke mit den Wintertransfers und Korkut (bisher) goldrichtig gelegen hat und auch die Transferaktivitäten in diesem Sommer in Zeitpunkt und Qualität richtig gut aussehen, stelle ich ihm zumindest für sein zweites Halbjahr beim VfB ein ausgezeichnetes Zeugnis aus, was ich im Winter nie für möglich gehalten hätte. Da Fußball aber Tagesgeschäft ist und sich die Dinge von heute auf morgen auch wieder drehen können, will ich den Tag nicht vor dem Abend loben.

Von mir aus kann es gerne so weiter gehen, wie zum Ende der letzten Saison. Von den Siegen in Leverkusen und München nach gefühlten Ewigkeiten dort, zehre ich stimmungstechnisch noch heute.

Wenn es die Zeit zulässt, melde ich mich zwischen Grassau und Rostock nochmal mit meinen Eindrücken vom Trainingslager im Chiemgau. Bis dahin, lasst es Euch gut gehen!

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22. Mai 2018

Es hat nicht sollen sein!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 09:19

Völlig unerwartet haben die Bayern am Samstag nach dem Triple auch das Double verpasst und stehen nun als Dubbl da.

Die Bayern waren, wie schon gegen uns, ein Schatten ihrer selbst. Man merkt, dass sie in die Jahre gekommen sind und vor allem die Krücken in der Abwehr schnell vorgetragenen Konterangriffen nach einer langen Saison nicht mehr gewachsen sind. Wenn dann auch noch vorne ein inzwischen 35-jähriger Franck Ribéry weniger durch Tempodribblings denn durch bemitleidenswertes Hängenbleiben und sich fallen lassen auffällt und sich ein Lewandowski wohl endgültig bei einem Verein wähnt, der an der Championsleague nicht nur teilnehmen darf, sondern sie auch gewinnen kann, kommt es vor, dass die Bajuwaren nicht einmal mehr ihrem großen Trainer Jupp Heynckes einen würdigen Abschied zu bescheren imstande sind.

Wäre diese bittere Niederlage für die Bayern nicht schon bitter genug gewesen, verspielten sie nach dem Schlusspfiff weiteren Kredit, indem sie entgegen der Gepflogenheiten nicht bis zum Spalier geblieben sind, sondern beleidigt in den Katakomben verschwanden.

Für den Gipfel der Peinlichkeiten sorgte dann der selbsternannte beste Stürmer Deutschlands, indem er seine Silbermedaille respektlos ins Publikum warf. Da dieses Wurfgeschoss durchaus jemanden hätte schwer verletzen können, hoffe ich, dass der Sittenwächter unter den Fußballverbänden, der DFB, Ermittlungen aufgenommen hat und endlich auch Stadionverbote gegen die Rüpel auf dem Platz verhängt. Die Sportgerichtsbarkeit des DFB dürfte ohnehin allerhand zu tun haben und gegen sich selbst ermitteln, verhinderte er doch als Veranstalter das Einschmuggeln von Pyrotechnik beider Fanszenen ins Stadion nicht.

Jogi Löw darf sich bestätigt fühlen, den Flegel Sandro Wagner noch rechtzeitig vor der WM ausgebootet zu haben. Wagner war für mich ohnehin schon immer überschätzt und durfte sich glücklich schätzen, als Lückenbüßer beim Confed-Cup an der großen weiten Fußballwelt einmal schnuppern zu dürfen. Bei einem WM-Turnier aber, an dem sechs, sieben Wochen lang bestmögliche Harmonie innerhalb des Trosses herrschen sollte, kann man Stinkstiefel, die sich selbst über das Team stellen schlicht nicht gebrauchen.

Bayern-Niederlagen an sich sind ja schön, liefern sie doch Bilder der Bosse Rummenigge und Hoeneß zum Genießen, die man so schnell nicht vergisst.

Für mich als Fan, der den VfB gerne nächste Saison in der Europaleague-Qualifikation gesehen hätte, war es ohnehin befremdlich, den Bayern die Daumen drücken zu müssen. Fast grotesk war es dann, dass die Bayern in der letzten Minute der Nachspielzeit trotz Hinzuziehens des Video-Assistenten einen glasklaren Elfmeter nicht zugesprochen bekamen und somit das letzte Fünkchen Hoffnung auf eine EL-Teilnahme zerplatzt war. Dass in gefühlt tausend Jahren bei einem Spiel ohne VfB-Beteiligung EINMAL der FC Bayern benachteiligt wird und der VfB der Dumme ist, ist an Absurdität kaum zu überbieten.

Unabhängig davon, dass die Europaleague in der kommenden Saison ohne den VfB stattfinden wird, gönne ich der Frankfurter Eintracht den Pokalsieg von Herzen. Genau 30 Jahre nach dem letzten Triumph wieder ein Titel, der in die Mainmetropole geht, herzlichen Glückwunsch. Wenn man die Bilder der Triumphfahrt vom Flughafen zum Römer gesehen hat, wie eine ganze Stadt den Helden von Berlin huldigte, konnte man sich eigentlich nur mitfreuen.

Da der VfB die EL-Teilnahme nicht mehr in der eigenen Hand hatte und auf „fremde“ Ergebnisse angewiesen war, hält sich meine Enttäuschung in Grenzen. Bitter ist es eben, dass die Bayern wohl in zehn Versuchen gerade eines solcher Endspiele gegen einen absoluten Underdog vergeigen und das ausgerechnet dann, wenn der VfB durch einen Bayern-Sieg in den Europapokal einziehen würde.

Hätten wir uns qualifiziert, hätte es mich sehr gefreut. Vor allem den VfB auswärts, ob auf den Balkan, in den Ostblock oder nach Skandinavien zu begleiten und zu repräsentieren, danach lechzt vor allem der Allesfahrer nach fünf Jahren europäischer Abwesenheit geradezu.

Das demütige Gerede vieler, Europa käme zu früh, wir müssten schauen, wo wir herkommen und davon, dass wir als EL-Teilnehmer erster Abstiegskandidat seien, ist für mich großer Quatsch. Da hat wohl die jahrelang von oben herab gepredigte Demut, das sich retten von einem Übergangsjahr zum nächsten auf weite Teile der Fans abgefärbt.

Für mich zerbrechen sich da zu viele den Kopf der Vereinsführung. Diese hätte einen Kader auf die Beine stellen müssen, der der Doppelbelastung sowohl physisch als auch mental gewachsen gewesen hätte sein müssen, während der Fan sich doch einfach mal über die Abwechslung und das Privileg Deutschland international vertreten zu dürfen, hätte freuen können.

Pragmatisch wie ich bin sehe ich natürlich auch Positives an der Nichtteilnahme. Die Heimspiele vor 15.000 Zuschauern hätten mich weniger erfreut, ebenso wie die vielen Sonntag- oder gar Montagspiele, die eine Teilnahme zur Folge gehabt hätte. Auch dass Leipzig diese Ochsentour ab Ende Juli jetzt bestreiten „darf“ und mit ihren handgezählten „Fans“ auf Fanszenen, die nicht „ohne“ sein dürften, treffen wird, das gönne ich ihnen. Denke, die sind weitaus weniger begeistert, als wir es gewesen wären.

Die Saison 2017/2018 ist nun Geschichte, nachdem sich gestern auch der VfL Wolfsburg den Verbleib in der Liga gesichert hat. Wann werden diese unsäglichen Relegationsspiele endlich wieder abgeschafft? Es ist ein ungleicher Kampf, in dem sich fast immer der Bundesligist durchsetzt und für seine grottenschlechten Darbietungen letztlich noch belohnt wird, während der unterlegene Zweitligist danach fast immer mit einem großen personellen Aderlass zu leben hat und nicht selten in der Folgesaison gegen den Abstieg kämpft oder gar absteigt, siehe Eintracht Braunschweig.

Für den VfB endete die Saison auf einem für einen Aufsteiger hervorragenden siebten Platz, wenngleich nach dem letzten Aufstieg sogar Platz vier heraussprang. In den allgemeinen Tenor „danke für eine geile Saison“ möchte ich jedoch nicht einstimmen, weil in der schwächsten Bundesliga aller Zeiten noch bedeutend mehr drin gewesen wäre. Ohne Zweifel, die Rückrunde war richtig geil, sensationell sogar, doch, um die Saison komplett zu bewerten gehören aber nun mal zwei Halbserien.

Die Vorrunde hat mir nämlich eher wenig Spaß bereitet. Ein einziger Auswärtspunkt und destruktiver Fußball über fast das gesamte Halbjahr bleiben hängen. Im Nachhinein betrachtet erfolgte der Trainerwechsel zu spät und wurde nur so lang hinausgezögert, weil der Heimnimbus oder auch der ordentliche Auftritt zu Hause gegen die Bayern Hannes Wolf ein ums andere Mal retteten.

Schade, dass Wolf offensichtlich zu großen Respekt vor dieser Liga hatte und nicht mutiger spielen ließ. So begann man meist erst mit Offensivfußball, als das Kind bereits im Brunnen lag, sprich, man einem Rückstand hinterherlaufen musste. Das Positivste an der Vorrunde war noch, dass man der einen oder anderen Negativserie ein Ende setzte, ob Wolfsburg, Augsburg oder Köln, seit dieser Saison sind diese keine Angstgegner mehr.

Die Rückrunde allerdings hat dann gerockt, vor allem das Ende, so dass ich es jetzt schon kaum erwarten kann, bis es Ende August endlich wieder weitergeht. Die Auftritte, der Zusammenhalt des Teams und auch die individuelle Klasse einiger lassen mich hoffnungsfroh auf die neue Saison blicken. Noch immer hoffe ich, dass Holger Badstuber bleibt und für Pavard nicht ein unmoralisches Angebot ins Haus flattert, bei dem der VfB nicht anders kann, als dieses anzunehmen und den Franzosen ziehen zu lassen. Hier ist die Fußball-AG gefragt, ihren hehren Versprechungen vor der Ausgliederung Taten folgen zu lassen und die derzeit funktionierende Mannschaft zusammenzuhalten. Dann und ergänzt durch „interessante Neuzugänge“ stünde ein vielversprechendes Gerüst, so dass wir uns vor den wenigsten Bundesligisten verstecken müssten.

Von der vergangenen Saison in Erinnerung bleiben, dürfte am nachhaltigsten die Einführung des Videoassistenten. Der VfB hat von ihm profitiert, wie kaum ein anderes Team. Vor allem nach dem Heimspiel gegen Köln stellte ich mir die Frage, ob es denn gerechter gewesen wäre, durch einen unberechtigten Elfmeter kurz vor Schluss zu verlieren, anstatt dieses gefühlt ewige Warten auf eine endgültige Entscheidung in Kauf zu nehmen. Die Geschichte ist bekannt, der Elfer für Köln wurde zurückgenommen und im Gegenzug gelingt Akolo durch ein Kullertor der Siegtreffer für den VfB.

Ich war schon immer ein Verfechter des Videobeweises, gerade wegen solcher Szenen und weil im Fußball einzelne Tore über Millionen entscheiden können. Auf der anderen Seite ist der Videobeweis, wie er in der Premierensaison praktiziert wurde, eine einzige Farce.

Die Entscheidungen dauern zu lang und es ist oft nicht einheitlich, wann sich der Mann am Ohr denn zu melden hat. Emotionen gehen verloren, weil man kaum mehr unvermittelt jubeln kann, sondern erst noch abwarten muss, ob der Referee ein Signal bekommt. Das Problem am Videoassistenten ist, dass dieser eben auch nur ein Schiedsrichter ist, der schon auf dem Platz nicht den richtigen Durchblick hat. Wird dann auch noch ein und dieselbe Szene von drei Schiedsrichtern dreimal verschieden bewertet, kann die beste technische Neuerung nicht funktionieren. Bestes Beispiel das Pokalendspiel, der eine gibt den Elfer, der andere nicht, also sind wir genauso weit wie ohne Videobeweis, so dass man diesen in dieser Form schleunigst wieder abschaffen sollte.

Schauen wir, wie sich der Videoassistent bei der WM, wo in der Regel bessere Schiedsrichter eingesetzt sind, bewähren wird. Meine Vorfreude auf die WM in Russland hält sich noch in Grenzen. Immer neue Vorwürfe über Staatsdoping, Einschränkung der Pressefreiheit und eine FIFA, die das alles nicht anzugehen scheint, weil es schließlich völlig egal ist, wie schmutzig das Geld ist, das man „verdient“.

Dazu eine deutsche Mannschaft, in der, nicht nur die Bayern, die Protagonisten auf dem Zahnfleisch daher kommen. Ich hoffe, Jogi Löw bringt die Truppe, wie es ihm bislang immer gelungen ist, auch dieses Mal rechtzeitig wieder auf Vordermann.

Zudem ist es mir sauer aufgestoßen, dass der DFB die Herren Özil und Gündogan nach deren Treffen mit „ihrem Präsidenten“ nicht suspendiert hat. Ich bin ohnehin noch vom alten Schlag und spreche von der Nationalmannschaft und nicht von „Die Mannschaft“, so erwarte ich, dass Spieler, die den Adler auf der Brust tragen, sich mit den Gepflogenheiten und Werten unseres Landes identifizieren und sich mindestens genauso deutsch wie türkisch fühlen, die Entscheidung für Deutschland also nicht nur wegen der größeren Erfolgsaussichten getroffen wurde.

Dass diese sich vor den Wahlkampfkarren von Erdogan spannen lassen, einem Despoten, der keine Gelegenheit auslässt über Deutschland zu wettern und unser Land mit dem Nasenring durch die Manege zieht, dafür fehlen mir die Worte. Dass sich die beiden, immerhin erwachsenen, Männer der Tragweite ihres Handelns nicht bewusst waren, kann mir keiner erzählen.

Das nationale Interesse des Traums von der Titelverteidigung muss derart groß sein, dass sich selbst unser Bundespräsident instrumentalisieren lässt, schön Wetter zu machen und diese beiden Integrationsaushängeschilder medienwirksam ins Schloss Bellevue einlädt. Wie lang dauert es eigentlich beim Otto-Normalverbraucher, einen Termin beim Staatsoberhaupt zu bekommen?

Ich für meinen Teil möchte diese beiden nicht mehr im Nationalelftrikot sehen und hoffe, dass die deutschen Fans sie gnadenlos auspfeifen werden. Es widerstrebt zwar meinem Naturell, eigene Spieler während des Spiels auszupfeifen, doch hier sehe ich keine andere Möglichkeit, dem DFB und den beiden Spielern klarzumachen, dass der mögliche sportliche Erfolg nicht über allem steht.

Löw hat, man denke nur an Kuranyi und Kruse, Spieler wegen vergleichsweiser Lappalien aus dem Dunstkreis der Nationalmannschaft verbannt. Hier und jetzt, wenn ein Exempel statuiert werden müsste, kneift der gute Jogi, handelt es sich doch um vermeintliche Schlüsselspieler. Fußball ist halt doch nur ein verlogenes Geschäft.

Ich wünsche Euch eine schöne Sommerpause und mir einen nicht allzu heißen Sommer. Macht’s gut, man sieht und liest sich!

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12. März 2017

Ein 1:1 der anderen Art

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 15:24

Es ist schon faszinierend, wie sich binnen vier Tagen ein und dasselbe Ergebnis so grundverschieden anfühlen kann. Hat man bei heimstarken Braunschweigern in Unterzahl bravourös einen Punkt erkämpft und einen direkten Kontrahenten auf Distanz gehalten, kam man gegen eine graue Maus der Liga zu Hause nicht über eine Punkteteilung hinaus.

Immerhin kamen die Bochumer als Tabellenzwölfter und derzeit tabellarisch jenseits von Gut und Böse stehendes Team zum Tabellenführer, was sollte da also schon schief gehen? Als wir vor dem Spiel zusammensaßen und dem Spiel entgegenfieberten, fiel dennoch schon die Befürchtung, dass es ein schwieriges Spiel werden könnte, an dessen Ende man sich möglicherweise mit einem Punkt zufrieden geben müsse. Warum? Einfach weil die Bochumer taktisch hervorragend agieren und ein sehr unangenehmes Pressing spielen und es fraglich sei, was der VfB dem, das Montagspiel noch in den Knochen, entgegen setzen werde können.

Der Taktikblogger Jonas Bischofsberger formulierte dies hinterher bei STN online so: „Am Freitagabend erwartete den VfB die taktisch wohl komplizierteste Herausforderung der Saison gegen den VfL Bochum. Gertjan Verbeeks VfL Bochum hebt sich mit mutigem Offensivfußball, extremer Mannorientierung und hohem Pressing deutlich von den anderen Mannschaften der Liga ab“. So entwickelte sich ein Spiel, indem sich der VfB der Manndeckung der Bochumer kaum entziehen konnte, zumal in den ersten dreißig Minuten Bewegung im Stuttgarter Spiel fehlte. Wenn mal ansatzweise Kombinationsfußball versucht wurde, wurden diese Bemühungen jäh durch taktische Fouls der Bochumer gestoppt. Der Schiedsrichter „Meister Proper“ Benedikt Kempkes, erst in seinem sechsten Zweitligaspiel, war äußerst gnädig bei der Vergabe persönlicher Strafen, bei härterem Durchgreifen hätten die Bochumer mit dieser Gangart das Spiel nie und nimmer zu elft beendet.

Dem VfB fehlte spürbar die Frische und er musste nach der gelb-roten Karte von Kamiński in Braunschweig zudem die zuletzt eingespielte Viererkette sprengen. Ehe man sich auf das harte Bochumer Spiel richtig einstellen konnte und sich versah, lag man auch schon mit 0:1 in Rückstand.

Aus einer Kontersituation heraus, in der Emiliano Insúa nicht schnell genug zurück eilte, offenbarten sich auch just Abstimmungsprobleme zwischen Timo Baumgartl und Benjamin Pavard. Letzterer orientierte sich in die Mitte und stand Timo Baumgartl auf den Füßen anstatt sich links zu Losilla hin zu bewegen. Dieser stand dadurch mutterseelenallein stand und konnte problemlos zur Führung einschieben. Auf eine Reaktion der Mannen von Hannes Wolf wartete man als VfB-Fan vergeblich, im Gegenteil, Mlapa und Wurtz verpassten es, die Bochumer Führung höher zu schrauben, so dass wir nach einer halben Stunde mit dem 0:1 noch sehr gut bedient waren.

Erst als Hannes Wolf in der 31. Minute reagierte und Matthias Zimmermann für den dieses Mal schwach agierenden Anto Grgić brachte, wurde das VfB-Spiel griffiger und zielstrebiger. Grgić schmeckte die Manndeckung der Bochumer überhaupt nicht, so dass seine Auswechslung nachvollziehbar war. Bis zum Pausenpfiff hatte der VfB dann auch die große Ausgleichschance durch Takuma Asano, der das Gehäuse mit einem Schuss aus der zweiten Reihe nur knapp verfehlte.

Zur zweiten Hälfte riss der VfB das Spiel zwar mehr und mehr an sich, musste bei Bochumer Kontern aber weiterhin hellwach und auf der Hut sein. Klare Torchancen der Brustringträger blieben Mangelware. Auch nach den Einwechslungen von Ginczek und Maxim änderte sich zunächst wenig an der Ideenlosigkeit, es fiel den Jungs vom VfB nach wie vor schwer gegen den kompakten VfL klare Chancen herauszuspielen.

Just jenen Moment, in dem die Bochumer wegen einer Behandlungspause des ehemaligen VfBlers Tim Hoogland nur zu zehnt auf dem Feld standen, nutzte der VfB mit einem schnell hervor getragenen Angriff zum Ausgleich. Carlos Mané wurde von Terodde steil geschickt, drang bis zur Grundlinie vor und passte scharf in die Mitte, wo Daniel Ginczek stand und nur noch den Fuß hinhalten musste. Tonnenschwere Steine hörte man im weiten Rund plumpsen. Die Hoffnung, doch noch den Heimsieg einzufahren, war zurückgekehrt. Da die Bochumer bereits drei Mal ausgewechselt hatten, schleppte sich Hoogland bis zum Schluss durch, was der VfB jedoch zu keinem weiteren Treffer nutzen konnte.

Für Daniel Ginczek war es nach seiner schier endlosen Verletzungspause sein erstes Pflichtspieltor seit dem 26.09.2015, damals beim 1:3 gegen Borussia Mönchengladbach am 7. Spieltag der Vorsaison. Wohl jeder im Stadion gönnte ihm diesen Moment und hofft darauf, dass bei ihm nun endgültig der Knoten geplatzt ist. Er macht eine schwierige Phase durch, weil er sich schon weiter sieht als es Hannes Wolf tut und dieser wohl kaum zum System mit zwei Spitzen wechseln wird. Simon Terodde herauszunehmen verbietet sich aufgrund seiner Leistungen von selbst, zudem arbeitet Terodde noch mehr fürs Team als es Daniel Ginczek tut. Dieser wollte im Anschluss dann auch zu viel und verzettelte sich lieber in einer Einzelaktion als den besser postierten Mitspieler zu sehen. Diesen Egoismus, der sicherlich auch in seiner Ungeduld begründet liegt, wird ihm Hannes Wolf hoffentlich für die nächsten Spiele austreiben.

Insgesamt zeigte der VfB zu wenig von dem, was ihn in den Wochen zuvor stark gemacht hat. Terodde schien mit seiner Gesichtsmaske im wahrsten Sinne des Wortes der Durchblick zu fehlen, ein Mittelfeld war kaum vorhanden und die Müdigkeit und die daraus resultierende Schwierigkeit, aufopferungsvoll verteidigende Bochumer in größere Gefahr zu bringen, ließen sich einfach nicht verleugnen.

Von Alexandru Maxim, der zuletzt überhaupt nicht mehr im Kader stand und erst zu seiner zweiten Einwechslung im Kalenderjahr 2017 kam, war ich gelinde gesagt enttäuscht. Ob es die Vorgabe vom Trainergespann war, auf links außen festzukleben, weiß man natürlich nicht. Dennoch hätte ich von ihm, der der mit Abstand frischeste Spieler hätte sein müssen, mehr erwartet, nämlich, dass er sich die Bälle weiter hinten abholt, wenn sie schon nicht von selbst zu ihm kommen. Mit dieser „Leistung“ konnte er keine Eigenwerbung für weitere Einsätze in den nächsten Spielen betreiben.
Auch wenn ich mich normalerweise zurück halte, was das Klagen über die Belastung von Profifußballern angeht und Gründe von schlechten Spielen selten darin suche, grenzte diese Ansetzung Freitags nach einem Montagsspiel schon fast an Wettbewerbsverzerrung.

Während Bochum zwischen dem Freitagspiel zu Hause gegen Fortuna Düsseldorf und dem Spiel den Freitag darauf beim VfB eine ganze Woche Zeit zur Regeneration und Vorbereitung zur Verfügung hatte, blieben dem VfB gerade einmal vier Tage Zeit, inklusive der Rückreise aus Braunschweig.
Der VfB hatte dabei nicht nur eine der weitesten Reisen, die die Liga zu bieten hat, zu bewältigen, sondern auch ein schwieriges Spiel bei einem Spitzenteam, bei nasskaltem Wetter, auf tiefem Geläuf, welches als Rasen zu bezeichnen noch geschmeichelt wäre, und wo man zudem aufgrund der zu harten gelb-roten Karte für Marcin Kaminski fast fünfzig Minuten in Unterzahl alles reinwerfen musste, was die geschundenen Körper hergaben.

Dass Trainer Hannes Wolf auf der Prä-Spieltags-Pressekonferenz das Montagspiel als mögliches Alibi für eine schlechte Leistung gegen Bochum nicht gelten lassen wollte, ehrt ihn zwar, es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass diese Tatsache für das Spiel gegen die Pressingmaschinen des VfL Bochum bei der Analyse durchaus herangezogen werden kann und einen Nachteil bedeutete. Einem defensiv stark arbeitenden und kompakt stehenden Kollektiv wie dem der Bochumer ist am ehesten, wie beim Ausgleich kurz aufgeflammt, beizukommen, wenn schnell gespielt wird. Dieses schnelle Offensivspiel, das der VfB in dieser Saison immer wieder phasenweise herausragend gezeigt hat, bedingt geistige und körperliche Frische, die am Freitag einfach nicht da waren.

Da der VfB in dieser Saison bereits zum zweiten Mal nach einem Montagspiel freitags ran musste und zum zweiten Mal seine „normale“ Leistung dabei nicht abrufen konnte (im August 0:1 in Düsseldorf), interessierte es mich, wie es um die anderen Vereine, die nach einem Montagspiel freitags schon wieder ran mussten, bisher bestellt war. Und siehe da, elf Spiele, ein Sieg, drei Remis, jedoch sieben Niederlagen stehen zu Buche für die so belasteten Mannschaften. Dabei stechen außer unseren Punktverlusten, die ohnehin stets ungewöhnlich anmuten, das 1:4 von Hannover 96 in Fürth und ein 0:3 vom 1. FC Union Berlin in Heidenheim heraus.

So bringt es den VfB zwar nicht weiter, über solche Ansetzungen, die es auch in Zukunft geben wird, zu lamentieren, aber, man muss Niederlagen, die ihre Ursache möglicherweise mit in einer solchen Terminierung haben, auch nicht überbewerten. Ein Vergleich mit dem Europapokalmodus, der gerne herangezogen wird, verbietet sich sowieso, weil die meisten Zweitligakader nicht breit genug aufgestellt sind, um ausreichend rotieren zu können.

In Anbetracht dieser Widrigkeiten fühlt sich ein Punkt gegen Bochum zu Hause zwar immer noch nicht viel besser an, wird aber pragmatisch an- und mitgenommen. Es handelte sich auf jeden Fall um ein gerechtes Ergebnis, das sich die Bochumer redlich verdient haben. Der Bochumer Trainer Gertjan Verbeek bleibt damit gegen den VfB ungeschlagen, ob als Trainer vom VfL Bochum, dem 1. FC Nürnberg oder auch 2004 in der Europa League mit dem SC Heerenveen.

In der Fangemeinde gehen die Meinungen auseinander, ob man sich daran erfreuen sollte, dass wir in der Rückrunde noch ungeschlagen sind (5 Siege, 2 Unentschieden) oder ob schon sämtliche Alarmglocken schrillen sollten, weil wir zuletzt zwei Mal in Folge nicht gewonnen haben.
Ich bin zwar auch ein gebranntes Kind, der Absturz letzte Saison nach kurzem Zwischenhoch ist schließlich noch sehr präsent, und doch lehne ich Vergleiche mit der Vorsaison kategorisch ab.

Zum einen spielen wir inzwischen eine Liga tiefer, die Gegner sind entsprechend schwächer. Zum anderen wurschteln auf dem Wasen nicht mehr Kramny und Dutt vor sich hin, die mit freien Tagen um sich werfen und das Team am Ballermann auf die entscheidenden Wochen einstimmen, sondern es ist Seriosität eingekehrt. Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf werden wachsam bleiben und nicht nachlassen, die Konzentration hochzuhalten.

Für mich ist auch nach diesen zwei sieglosen Spielen noch nicht allzu viel passiert, auch wenn die Konkurrenz etwas näher gerückt ist. Daher ist es mir weiterhin nicht bange und ich bin zu 100% überzeugt, dass wir am Ende relativ ungefährdet aufsteigen werden.

Die Zuschauer werden die Mannschaft weiter von Sieg zu Sieg tragen und Erstligaflair ins Neckarstadion hinein tragen. 45.300 Zuschauer auch zu dieser frühen Anstoßzeit am Freitagabend unterstreichen den Rückhalt, den die Truppe heute und schon die ganze Saison über genießt.

Erfreulich empfand ich es, dass die Personalie Kevin Großkreutz überhaupt keine Rolle mehr spielte, zumindest habe ich kein einziges Banner in diese Richtung gesehen. Das Thema ist abgehakt und lediglich ein paar Wichtigtuer, für die einzelne Spieler über dem Verein stehen, geben noch nicht auf, von einer Rückholaktion zu träumen.

Die nächsten beiden Heimspiele gegen Dynamo Dresden und die Abordnung aus Ostfrankreich werden auf jeden Fall ausverkauft sein, danach steht zu Hause dann noch das Gipfeltreffen mit dem 1. FC Union Berlin an, das schon wegen der Tabellensituation hochfrequentiert sein dürfte, ehe Erzgebirge Aue im Neckarstadion antritt.

Bis dahin fließt zwar noch viel Wasser den Neckar hinunter und doch träume ich auch da von einem ausverkauften Haus, nämlich dann, wenn das Timing so passen würde, pünktlich zu diesem Spiel den Aufstieg perfekt machen zu können. Das allerletzte Saisonspiel gegen die Würzburger Kickers ist ohnehin ein Selbstläufer, so dass der VfB die Saison mit einem Zuschauerschnitt von über 50.000 abschließen könnte. Kein Mensch hätte nach dem Abstieg mit einem solch immensen Zuspruch, trotz der oft unsäglich blöden Anstoßzeiten, gerechnet.

Meine Aufstiegshoffnungen sind nach den beiden sieglosen Spielen zuletzt jedenfalls nicht gedämpfter als davor. Dass kein Spiel in der 2. Liga ein Selbstläufer ist, wissen wir seit es los ging, dass der Weg zum Aufstieg steinig und schwer werden würde, war auch bekannt. Dies reflektiert doch schon allein, dass kein Mensch erwarten kann, dass wir jedes Spiel gewinnen und mit Siebenmeilenstiefeln durch die Liga eilen. Punkteteilungen, ja, vielleicht sogar auch mal wieder eine Niederlage, gehören dazu und werden das Team nicht umwerfen. Jetzt hat man fast eine Woche lang Zeit, die Wunden von Braunschweig und Bochum zu lecken und in Fürth mit neuer Kraft anzugreifen. Ich bin dabei, bleibe optimistisch und freue mich darauf.

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7. Oktober 2016

Der VfB vor der Mitgliederversammlung

Wie aus einem Guss!

Oh wie ist das schön, wann hat man diesen Freudengesang zuletzt im Neckarstadion gehört? Gut, vermutlich gegen Hoffenheim, dem bis dato letzten Bundesligasieg und doch fühlt sich die Darbietung vom Montag anders an. Dieser deutliche Sieg verheißt einen Neuanfang, macht Lust auf mehr, könnte eine neue, erfolgreichere Epoche, einleiten. Alles neu, macht der Wolf!

Der VfB musste vor dem Aufeinandertreffen mit der SpVgg Greuther Fürth einige personelle Nackenschläge verkraften. Der wegen Ginczeks andauernder Absenz einzige Stoßstürmer, Simon Terodde, musste wegen eines „kleinen“ Muskelfaserrisses passen und Tobias Werner fehlte wegen muskulärer Probleme im Adduktorenbereich.

Mit Verletzungen muss man leben, mit Verletzungen muss man rechnen, dafür ist der Kader breit zusammengestellt! Dass einem aber mitten im Ligabetrieb Spieler zu ihren Nationalmannschaften abgezogen werden, hat mit einem fairen Wettbewerb nichts mehr zu tun. Takuma Asano wurde vom japanischen Verband angefordert, was die Personalnot im Offensivbereich weiter verschärfte. Auch die Österreicher hatten kein Erbarmen mit dem VfB und beorderten Florian Klein pünktlich zum Treffpunkt der Alpenrepublik.

Dessen Ausfall wiegt bei weitem nicht so schwer wie der von Asano, nicht nur weil bei Klein Welten zwischen eigener Wahrnehmung und Wirklichkeit liegen, sondern auch weil der VfB auf der rechten Seite mit Jean Zimmer, Kevin Großkreutz und Matthias Zimmermann personell ausreichend bestückt ist.

Nachdem unser neuer Trainer Hannes Wolf gegen Bochum wegen Zeitmangels weitestgehend auf die unter Olaf Janßen eingespielte Formation vertraute und die Jungs mit zu viel Neuem nicht überfordern wollte, lagen nun zwischen dem Remis im Ruhrstadion zu Bochum und dem Aufeinandertreffen am Tag der Deutschen Einheit gegen das Kleeblatt neun Tage. Zeit genug, das Team kennenzulernen, sich einen Eindruck zu verschaffen und mit diesen Erkenntnissen das optimale Team für Fürth auszutüfteln.

Auch wenn man geneigt war zu sagen, die Mannschaft stelle sich wegen der Ausfälle von selbst auf, bewies Hannes Wolf Mut. Sowohl Carlos Mané als auch Benjamin Pavard gaben (endlich) ihr Debüt im VfB-Dress. Unter anderem an diesen beiden Spielern hatte sich der Streit zwischen Ex-Coach Jos Luhukay und Sportdirektor Jan Schindelmeiser entladen. Schindelmeiser begründete deren Verpflichtung damit, dass er an die Zukunft des Vereins denken müsse, während Luhukay lieber alte Weggefährten geholt hätte.

So war Jos ein Dorn im Auge, dass sich durch die Neuzugänge die im Kader vertretenen Nationalitäten auf 16 erhöht hätten, worauf er eine Integrationsphase von zwei Monaten prophezeite. Dass die Fußballersprache aber international ist und sich gute Fußballer in jede Mannschaft der Welt einfügen und zurechtfinden, unterstrichen die beiden gegen Fürth eindrucksvoll.

Da wegen der Ausfälle nur noch ein echter Stürmer zur Verfügung gestanden war, entschied sich Hannes Wolf dafür, Borys Tashchy in der Hinterhand zu halten und stellte stattdessen Youngster Berkay Özcan in die vorderste Front.

In der Abwehr erhielt Benjamin Pavard den Vorzug vor Toni Šunjić. Hannes Wolf nimmt man es als bisherigem BVB-Jugendtrainer ab, dass er den vermutlich zukünftig in der Satzung verankerten Leitsatz „Der VfB ist die Heimat der Jungen Wilden und bleibt eine Talentschmiede – wir setzen Vertrauen in den eigenen Nachwuchs“ konsequent beherzigen wird.

Wolf bewies somit bereits in seinem ersten „echten“ Spiel auf der VfB-Bank Mut und schenkte der Jugend sein Vertrauen.

Dass wir seit Jahren ein eklatantes Abwehrproblem haben, ist hinlänglich bekannt. Dass man sich schon längst einen alten Hasen an die Seite von Timo Baumgartl gewünscht hätte, auch. Wenn aber der junge und mit wenig Spielpraxis angetretene Benjamin Pavard seine Leistung vom Montag regelmäßig auch nur annähernd abruft, wäre dieses Abwehrproblem endgültig gelöst.

Mit der Rückkehr Timo Baumgartls kehrte ohnehin etwas mehr Stabilität ins VfB-Spiel ein, auch ihm sind die zehn Punkte aus den letzten vier Spielen maßgeblich mit zu verdanken. Wie aber Pavard sein Debüt zelebrierte, dafür fehlen mir auch nach einigen Tagen Abstand fast noch die Worte.

Was der Junge machte, hatte Hand und Fuß! Sensationell sein Vertikalpass über 50 Meter in den Lauf von Carlos Mané, aus dem das 1:0 schon in der zweiten Spielminute resultierte. Darüber hinaus bestach Pavard durch eine kluge Spieleröffnung und eine gute Technik. In der Defensivarbeit gefiel mir seine Körpersprache, wie er sich den Gegnern in den Weg stellte und dabei einen grimmigen Blick aufsetzte, der dem Gegenspieler gleich einmal suggerierte, „mit mir ist heute nicht gut Kirschen essen“. Ganz großes Kino was dieser Junge bot, verknüpft mit der großen Hoffnung, dass die Tage eines Toni Šunjić in der Stammelf endgültig gezählt sein dürften. Das i-Tüpfelchen und die Krönung einer überragenden Leistung setzte er mit seinem 3:0, welches er mit einer Dynamik erzielte, die man beim VfB schon lange nicht mehr gesehen hatte.

Auch Carlos Mané legte bei seinem ersten Einsatz im Brustring-Trikot los wie die Feuerwehr. Dem schnellen 1:0 ließ er nur zwei Minuten später das 2:0 folgen. Nicht nur wegen seiner beiden Tore war Mané eine absolute Bereicherung im VfB-Spiel. Pfeilschnell und spielintelligent, kaltschnäuzig im Torabschluss und (wenn Terodde und/ oder Ginczek wieder fit sind) auch ein guter Vorbereiter. Aus höchster Bedrängnis vermag er sich zu befreien und noch brauchbare Flanken in die Mitte zu schlagen, dieser Auftritt machte Lust auf mehr. Zusammen mit Kevin Großkreutz gab er auf der rechten Seite ein starkes, technisch beschlagenes Duo ab.

Anto Grgić schließlich, auch einer der schwer integrierbaren Neuen, bereitete das 4:0 durch Gentner wegen seiner Beharrlichkeit vor, als er einem scheinbar schon verlorenen Ball noch einmal nachsetzte, und dem Kapitän die Gelegenheit eröffnete, etwas für seine eigene Statistik zu tun.
Gentner, wie auch Maxim, hatten phasenweise sichtlich Probleme, mit dem zweitweise dargebotenen Hochgeschwindigkeitsfußball Schritt zu halten. Diese Probleme wurden dann zwar durch Maxims Torbeteiligung am 3:0 und Gentners 4:0 kaschiert, könnten aber in der Zukunft noch ein Thema werden, vor allem in puncto Schnelligkeit und Kondition liegt die Messlatte bei Wolf nämlich sehr hoch.

Für den Anfang und Wolfs erstes Heimspiel aber war es ein Spiel, wie aus einem Guss. Es war nicht nur die individuelle Klasse der Neuen, die diesen Sieg bescherte. Die Ordnung auf dem Platz war eine andere, es waren ständig Anspielstationen vorhanden, das Team half sich auf dem Platz, so dass es den Jungs immer wieder gelang, sich aus einer Umklammerung zu befreien und das Spielfeld breit zu machen. Jammerschade, dass es nicht gleich weiter geht, sondern erst noch eine Länderspielpause ansteht.

Doch es wird in dieser spielfreien Woche nicht nur auf internationalem Parkett um die WM-Teilnahme 2018 gekämpft, nein, auch die mit Spannung erwartete Mitgliederversammlung steht an.

Mir steht es selbstredend überhaupt nicht zu, anderen Mitgliedern Ratschläge mit auf den Weg zu geben, das muss jeder mit sich selbst ausmachen, wie er abstimmt.

Und doch kann ich hier meine Meinung kundtun und das werde ich auch.

Gestern war ich bei #vfbimdialog in der Würth-Soccer-Lounge im Neckarstadion zugegen und konnte mir erstmals selbst ein Bild von Wolfgang Dietrich machen. Bisher war ich unentschieden und eher der Auffassung, Dietrich als Präsident wäre zumindest mal besser als überhaupt kein Präsident.

Diese Meinung habe ich nach seinem gestrigen Auftritt revidiert. Er ist DER Kandidat des in Ungnade gefallenen Aufsichtsrates und spricht unverblümt auch deren Sprache.

Viele Statements von Dietrich hören sich für mich an, als habe er sie auswendig gelernt und spreche den Leuten nach dem Mund, damit sie ihn auch ja wählen. Wenn Themenkomplexe, zu denen er sein „Sprüchchen“ schon aufgesagt hat, näher hinterfragt werden, neigt er zu einer gewissen Dünnhäutigkeit, so dass ich befürchte, dass sich der VfB was das Binnenklima betrifft einen Gerd E. Mäuser II ins Haus holen würde.

Vieles wirkte auf mich aufgesetzt, so dass ich befürchte, dass wir Herrn Dietrich erst nach seiner Wahl richtig kennen lernen. Mit diesen Eindrücken kann ich ihn beim besten Willen nicht wählen, wenngleich ich schon davon ausgehe, eben, weil er der einzige Kandidat ist, dass er die erforderliche einfache Mehrheit auch bekommt.

Gut vorbereitet war Dietrich in allen Punkten, zu denen Fragen wegen seines Werdegangs und möglicher Interessenskonflikte zu erwarten waren und die er während seiner Wahlkampftour wohl auch bereits dutzendfach beantwortet hat.

Weniger kompetent wirkte er bei der Kenntnis des Sponsorenpools. Dass die Mercedes-Benz Bank unser Hauptsponsor ist und nicht Mercedes Benz, weiß so ziemlich jeder, der den VfB im Herzen trägt. Dietrich nicht, er nannte mehrfach Mercedes-Benz als unseren Hauptsponsor und griff dadurch der angestrebten Ausgliederung (unabsichtlich) bereits vor.

Zu einer möglichen Ausgliederung befragt, gab Dietrich an, völlig unvoreingenommen zu sein, um im gleichem Atemzug eine schnellstmögliche Entscheidung zu fordern, mit dem Hinweis der Finanzvorstand Heim brauche Planungssicherheit. Mein kaufmännisches Grundwissen sagt mir, als Finanzvorstand plane ich die fixen Einnahmen ein und lasse die variablen und unsicheren Einnahmen bei einer Budgetplanung außen vor. Wo ist also das Problem? Herr Dietrich merkte dazu jedoch richtig an, dass eine Ausgliederung nicht das Allheilmittel ist, wenn weiterhin so schlecht gewirtschaftet wird, wie in den letzten Jahren.

Als Bundesligist hätte uns eine Ausgliederung wohl maximal 50 Millionen Euro in die Kassen gespült, als Zweitligist wären es kaum mehr als 25 Millionen Euro. Im heutigen Fußball-Geschäft sind das Peanuts-Beträge, die man schon mit einem einzigen misslungenen Transfer in den Sand setzen könnte. Der VfB würde mit einem solchen Geldregen kaum mehr anfangen, als irgendwelche Löcher zu stopfen, so dass dieses Geld versickern würde wie schon viele Millionen zuvor und das zu einem für die Mitglieder sehr hohen Preis.

Der VfB müsste unter einer neuer Führung zunächst einmal liefern und Vertrauen gewinnen, bevor überhaupt darüber nachgedacht wird, sich vollends seinen ach so tollen Sponsoren hinzugeben.

25 Millionen Euro hätten in den letzten Jahren von innen heraus erwirtschaftet werden können, wenn man Didavi und Harnik rechtzeitig verkauft hätte oder wenn man Filip Kostic nicht völlig ohne Not eine Ausstiegsklausel in den Vertrag gekritzelt hätte. Über Kimmich, Leno und viele andere zu schwadronieren, damit möchte ich erst gar nicht anfangen.

Für Carlos Mané zum Beispiel besitzt man Medienberichten zufolge eine Kaufoption über 15 Millionen Euro. Sollte er, mit seiner Technik, seiner Schnelligkeit, seiner Spielintelligenz und seinem Torabschluss weiter so bestechen wie am Montag gegen Greuther Fürth, könnte der Junge eine Granate werden und in Dimensionen eines Leroy Sané vorstoßen, der im Sommer für 50 Millionen Euro zu Manchester City gewechselt ist.

Natürlich darf man den Jungen nicht unter Druck setzen und muss seine weitere Entwicklung abwarten, daher soll dies nur als Beispiel dienen, wie es im Profifußball möglich ist, Gelder zu generieren, ohne für ein paar Peanuts seine Seele zu verkaufen.

Dietrich betonte auch, wie wichtig ihm ein guter Umgang untereinander, mit den Spielern und auch den Ex-Spielern wäre, um bei einer Frage, bei der es um den Umgang mit dem lieben Geld ging, unter anderem zu meinen, dass man es vermeiden müsse, Spieler mit einer Abfindung „davon zu jagen“. Ob dies sein gewöhnlicher Sprachjargon ist und er darunter einen guten Umgang mit Ex-Spielern versteht, würde man ja bald erfahren, wenn er denn gewählt werden sollte.

Bei jedem seiner Auftritte unterstreicht Dietrich, dass er Gegenwind aushalten könne und davon nicht umfalle. Wenn er dann in anderem Zusammenhang erklärt, er könne auch auf „Teile der Fans“ verzichten, lässt das nach meinem Verständnis tief blicken. Er kann es dabei nur auf die Ultras und damit eine Spaltung der gesamten Fanszene abgesehen haben…

Dieser Verdacht würde es schon wieder logisch erscheinen lassen, dass die Wahl des Aufsichtsrats auf Wolfgang Dietrich gefallen ist, und das nicht, obwohl er seit Stuttgart 21 den Ruf eines Spalters inne hat, sondern WEIL er ihn inne hat.

Für den Aufsichtsrat ist er DER Kandidat, der die Ausgliederung mit dem Kopf durch die Wand versucht durchzuboxen und sich nebenbei noch des „Problems“ mit den Ultras entledigt. Nicht mit mir!

Ich kritisiere das Wahlprozedere nicht per se. Hätte der Aufsichtsrat den Mitgliedern die eierlegende Wollmilchsau vorgeschlagen, die alle erforderlichen Eigenschaften mitbringt und die Mitgliederschaft eint und nicht spaltet, hätte ich damit schon leben können. Was jetzt aber, so kurz vor der Wahl, alles heraus kommt und was man alles zwischen den Zeilen lesen kann, macht mich wütend.

Dieser Kandidat ist rein ein Kandidat des Aufsichtsrats und nicht für die Mitglieder. Der Kandidat eines Aufsichtsrats, dessen Entlastung unwahrscheinlich und dessen Abwahl möglich ist. Es hätte den Herren gut zu Gesicht gestanden, erst reinen Tisch zu machen und ggf. Konsequenzen zu ziehen und dann über einen neuen Präsidenten befinden zu lassen.

Ob ich dem Aufsichtsrat „nur“ die Entlastung verweigere oder für dessen Abwahl stimme, lasse ich für mich noch offen. Wie ich mich auch entscheiden werden, die 75% der Stimmen für eine Abwahl werden nie und nimmer zusammen kommen, so dass ich mir auch in keinem Fall einen Kopf machen müsste, dazu beigetragen zu haben, den Verein „in Schutt und Asche zu legen“.

Der Aufsichtsrat versucht derzeit alles, sich rein zu waschen und von seiner besten Seite zu zeigen. Nahezu täglich erscheinen von den Haus –und Hofberichterstattern der Stuttgarter Käseblätter sympathische Home-Stories, so dass man sie eigentlich nur liebhaben können muss und knuddeln möchte.

Martin Schäfer nehme ich seine Statements zudem fast ab und verübele es ihm auch nicht, dass er nach dem Abstieg vier Tage mit der Familie auf Mallorca verbrachte, wie er bei #vfbimdialog so rührend berichtete. Auch ein Top-Manager hat ein Anrecht auf ein Privatleben, zudem stand er ja in ständigem Kontakt mit seinen Kollegen. Mit Schäfer im Aufsichtsrat kann ich auch durchaus etwas anfangen, er ist ein sympathischer Typ und scheint ganz und gar nicht abgehoben zu sein.

Wilfried Porth hingegen hatte ich jüngst schon für seinen Auftritt bei Sport im Dritten kritisiert, weil er sämtliche Schuld an den Geschehnissen der jüngsten Vergangenheit, versuchte, auf die Vorgänger abzuwälzen.

Natürlich zeichnet der Aufsichtsrat in dieser personellen Besetzung nicht für die Einstellung von Robin Dutt verantwortlich, aber, als Kontrollorgan ist man auch nicht eingeschritten, als der VfB rasant dem Abstieg entgegen steuerte und als Dutt stoisch an Kramny festhielt. Dazu bemerkte Porth am Dienstag bei #vfbimdialog, dass gebruddelt werde, wenn ein Aufsichtsrat sich einmischt und Personal zu schnell entlässt, wie auch, wenn lange an Mitarbeitern festgehalten wird.

Falsch, Herr Porth! Von einem Aufsichtsrat darf man erwarten, dass dieser mit Weitblick agiert und nicht erst dann einschreitet, wenn das Kind schon im Brunnen liegt. Mir fallen einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit ein, als zu spät die Reißleine gezogen wurde.

In der deutschen Fußballszene macht schon länger die Runde, „die Fans“ würden beim VfB das Personal vom Hof jagen. Und warum? Weil die Vereinsführung immer erst dann handelt, wenn das Fass übergelaufen ist die feinen Herren im Nadelstreifenanzug es mit der Angst vor dem Mob aus der Kurve zu tun bekommen, Bochum 2009 lässt grüßen. Immer erst, als man dachte, es knallt, wurde in der jüngeren Vergangenheit gehandelt. So war es bei der Labbadia-Entlassung, bei der Bobic-Entlassung, bei der Schneider-Entlassung und zuletzt auch bei Zorniger.

Obwohl sich Dietrich und auch der Aufsichtsrat auf die Fahnen geschrieben haben, nur noch nach vorne zu blicken, und damit, was den Aufsichtsrat betrifft, unangenehmen Fragen zur Vergangenheit aus dem Weg zu gehen, ließ sich Porth dann am Dienstag doch, bemerkenswerterweise, aus der Reserve locken und trat gegen Luhukay nach.

Martin Schäfer gelang es nicht, Herrn Porth in seinem Eifer zu bremsen. Porth gab nicht nur zu, dass er am Tag vor Luhukays Rücktritt dem ehemaligen Trainer mit auf den Weg gegeben hatte „entweder du ordnest dich ein oder deine Tage hier sind gezählt“. Nein, er feuerte nach und gab Luhukay die alleinige Schuld, dass es nicht funktioniert hat, weil sich der Trainer bei den Einstellungs-Gesprächen ganz anders dargestellt habe.
Auch wenn die Aussagen nicht wirklich schlimm sind, sind sie meiner Meinung nach äußerst dumm. Sollte es der Wahrheit entsprechen, dass Luhukay aus freien Stücken zurückgetreten ist und uns nicht doch eine Entlassung verschwiegen wurde (man könnte ja sonst Unfähigkeit des Aufsichtsrats/ Vorstands unterstellen…), hat man sicherlich vertraglich festgelegt (oder es gibt den Ehrenkodex), öffentlich keine schmutzige Wäsche zu waschen. So gibt es hier jetzt im Grunde zwei logische Möglichkeiten: entweder Luhukay verklagt den VfB auf die Zahlung einer Vertragsstrafe oder aber, er feuert zurück, um seine Ehre zu bewahren. Beides könnten wir im Moment gebrauchen wie’s Bauchweh!

Wie bereits im letzten Blog klargestellt, möchte ich gegen Luhukay nicht nachtreten. Er ist ein Aufstiegstrainer, nur, es hat eben hier, spätestens seit der Schindelmeiser-Verpflichtung, überhaupt nicht (mehr) zusammengepasst. Punkt!

Vernetzt, wie man in der heutigen Fußball-Welt als Verantwortungsträger eigentlich sein sollte, hätte man sich Informationen zu Luhukay einholen können. Dann wäre man darauf gestoßen, dass Luhukay schon öfters mal aus verletzter Eitelkeit hingeschmissen hat und als eigenbrötlerisch gilt.
In dieser kurzen Liaison haben sich beide Seiten nicht mit Ruhm bekleckert, so dass der gesamte VfB gut daran täte, die Akte Luhukay als Missverständnis abzuheften und es damit gut sein zu lassen.

Dass der Aufsichtsrat am Sonntag tatsächlich zum Teufel gejagt wird, kann ich mir, wie gesagt, nicht vorstellen. Die Drohungen über mögliche Folgen bei #vfbimdialog waren deutlich und dürften beim einen oder anderen Mitglied das Ziel der Einschüchterung erreicht haben.

Dass dem VfB von heute auf morgen der Boden unter den Füßen weggezogen werden würde, glaube ich nicht. Alle Sponsoren sind vertraglich gebunden und könnten allenfalls fristgerecht ihre Sponsoring-Verträge kündigen, es sei denn, der VfB hätte sich für diesen Fall auf ein Sonderkündigungsrecht eingelassen.

Außerdem soll am Sonntag auch über einschneidende Satzungsänderungen abgestimmt werden. Da über diese nur im Gesamtpaket befunden werden kann, werden diese auch von mir auch.

Schon das Thema Briefwahl stößt mir sauer auf. Damit bezweckt der Verein wohl vor allem, die Ultras zu schwächen, die es immer wieder schaffen, ihre Mitgliederschar zu motivieren zur Mitgliederversammlung zu kommen und dem Diktat des Vereins somit eine ernstzunehmende Opposition entgegen steht.

Es ist zwar nichts dagegen einzuwenden, dass auswärtige Mitglieder mehr in die Entscheidungsprozesse des Vereins mit eingebunden werden sollen, ABER, sie sollten wenigstens der Versammlung beiwohnen und sich ein eigenes Bild vom Versammlungsverlauf machen können. Wenn schon nicht persönlich, meinetwegen online, wenn die Technik in unabhängige Hände gegeben und das Ganze notariell begleitet wird, denn, Vertrauen in die Gremien des Vereins zu setzen ist derzeit mindestens so schwierig, wie an die Championsleague in ein paar Jahren zu glauben. Ein weiterer Nachteil der Möglichkeit zur Briefwahl wäre der, dass während einer MV keine Anträge mehr eingereicht werden könnten.

Da für mich bereits dieser eine Punkt der geplanten Satzungsänderung ein No-Go ist, muss ich auf die anderen, die Mitgliederrechte teils gravierend beschneidenden Punkte, auch nicht näher eingehen.

Zu diesem Thema tauchte heute auf der Facebook-Seite „Für eine neue Vereinsführung des VfB Stuttgart 1893“ ein interessanter und sich fundiert recherchiert lesender Artikel auf, der die geplanten Satzungsänderungen in seine Einzelteile zerpflückt. Dort heißt es unter anderem über das Mitglied, welches in Eigenregie eine Änderung der Satzungsänderung vorgeschlagen haben will, „Allerdings ist Dirk Freiland sehr gut befreundet mit Haver & Mailänder, die wiederum die Planung und Organisation der Mitgliederversammlung des VfB durchführen.“ Ein Schelm, der nicht Böses dabei denkt, das mit dem Vertrauen in den Verein ist nun mal so eine Sache.

Auffallend vehement versuchen Vorstand und Aufsichtsrat ihren Präsidenten, ihre Aufsichtsrats-Kandidaten, ihre Satzungsänderungen und schließlich auch die Stärkung der bisherigen Sponsoren durchzudrücken, so dass bei mir alle Alarmglocken schrillen.

Was den Stuttgarter Blätterwald dazu getrieben hat, für diesen Inner Circle eine peinliche Propaganda zu betreiben, ist mir rätselhaft. Da es im Fußball-Profi-Business stets ein Geben und Nehmen ist und ich den Protagonisten nicht über den Weg traue, kann ich nur mutmaßen, dass man ihnen versprochen hat, sie künftig wieder mehr mit Informationen zu füttern, nachdem der Informationsfluss nach Hansi Müllers Rücktritt vom Aufsichtsratsposten abrupt beendet war.

Derzeit sickert erfreulich wenig durch, was für uns aller Ehren wert, für die Medien aber höchst unerfreulich ist.

Unter Jan Schindelmeiser, dem man bisher eine ausgezeichnete Arbeit attestieren kann, blieben die jüngsten Verpflichtungen bis zur Vollzugsmeldung fast völlig unter Verschluss. Da diese sportlich einzuschlagen scheinen und dem VfB einen enormen Qualitätsschub verliehen haben, besteht nun die große Hoffnung, dass der VfB endlich seiner Favoritenrolle in der 2. Liga gerecht wird und in der Tabelle zum Überholvorgang ansetzt.

Unruhe im Verein ist sicherlich nicht förderlich für die Protagonisten im sportlichen Bereich, meiner Meinung nach jedoch unvermeidlich.

Man darf sich von Vorstand und Aufsichtsrat nicht einlullen lassen, nur weil wir durch die Korrektur eigener Fehlentscheidungen und einem 4:0-Sieg gegen die SpVgg Greuther Fürth vermeintlich in die Erfolgsspur zurückgekehrt sind.

Der VfB ist nach 39 Jahren ununterbrochener Bundesligazugehörigkeit abgestiegen und steht noch immer am Tiefpunkt. In der ersten Mitgliederversammlung, auch wenn sie bewusst in eine vermeintlich ruhigere Zeit nach hinten verschoben wurde, muss die Abrechnung mit den Verantwortlichen (die noch da sind) erfolgen.

Verständlich, dass sich sowohl Dietrich als auch der Aufsichtsrat dagegen wehren, zurückzublicken, weil es „niemandem weiterhilft“. Es hilft vielleicht niemandem weiter und doch haben die Mitglieder ein Anrecht darauf, zu erfahren, was getan wurde und vor allem, ob man es beim nächsten Mal möglicherweise besser machen würde.

Vorstand und Aufsichtsrat geht spürbar die Düse, dass sie inzwischen bei zu vielen Mitgliedern jeglichen Kredit verspielt haben. Nur so ist es zu erklären, dass man mit Werbe-Post und Mails bombardiert wird und hier schon, wie es mein Fanclub-Präsident formuliert hat, ein Spam-Charakter erkennbar ist. Die Mitglieder werden derzeit hofiert, werden von einer Veranstaltung zur nächsten eingeladen und die Medien hat man offensichtlich auch bearbeitet, damit sie der Werbeveranstaltung den vermeintlich neutralen Touch geben.

Paradoxerweise wird dieser Aufwand betrieben, um einen einzigen Präsidentschafts-Kandidaten ins Amt zu hieven, um als Aufsichtsrat weiter auf seinem Posten zu kleben und um durch die Satzungsänderung einschließlich einer weiteren Beschneidung von Mitgliederrechten, den Weg zur Ausgliederung durch die Hintertür zu ebnen.

Ich hoffe sehr, dass sich die Mehrheit der Mitglieder durch derartige Kampagnen nicht einlullen lässt und dass zahlreiche Redebeiträge, pro und contra, zur Meinungsfindung beitragen. Vor allem jenen Mitgliedern, die mit den sozialen Medien nicht so firm sind, könnten dadurch im letzten Moment noch die Augen geöffnet werden.

Auch ich lasse mich gerne noch im einen oder anderen Punkt umstimmen, wenn es unerwartete Wendungen geben sollte. Auf jeden Fall sollte jedes Mitglied bestmöglich vorbereitet auf die Versammlung gehen und für das abstimmen, was es meint, was für den VfB am besten ist.

Das vereint uns, die Fangemeinde, wir wollen alle nur das Beste für unseren VfB, wollen keinen Posten und wollen auch nicht die Position unseres Arbeitgebers durch eine bestimmte Wahl halten oder ausbauen. Wir sind unabhängig, VfB Stuttgart, das sind wir! Also, alle zur Mitgliederversammlung kommen und Euer Stimmrecht wahrnehmen!

So oder so, ich stelle mich auf eine äußerst hitzige Versammlung ein und entscheide kurzfristig, ob ich einen Schlafsack mitnehme.
Nach den getroffenen Entscheidungen, nach etwaigen Weichenstellungen, nach den fälligen Abstrafungen darf der Verein sehr gerne zur Ruhe kommen und sich wieder ausschließlich auf die sportlichen Ziele konzentrieren. Vorher nicht!

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