30. November 2019

Rächer in Polizeimontur

Da es beim bislang letzten Derby zwischen dem VfB und dem Karlsruher SC im Neckarstadion 2017 zu unschönen Szenen und beinahe einem Spielabbruch kam, war da die oberste Maxime der Einsatzkräfte am Sonntag, dass es im Stadion ruhig bleiben sollte.

Daran ist zunächst ja auch nichts auszusetzen. Wie sich die Derbys in den letzten Jahren hochgeschaukelt haben, wie sich die Ultras beharken, wo die Hemmschwelle immer mehr sinkt, wären eines Tages möglicherweise sogar Tote zu beklagen, wenn man dem nicht Einhalt geböte und für unbedarfte Stadiongänger nicht für die notwendige Sicherheit sorgen würde. Daher begrüßte ich zunächst das Konzept der totalen Fantrennung. Keine „Blauen“ in Bad Cannstatt, keine im Stadion außerhalb des Gästebereichs, alles in Ordnung soweit. Das alles geht unter präventiver Deeskalation durch und ist mittlerweile bei Hochrisikospielen nötig und Usus.

Dass Deeskalation von der Einsatzleiterschaft am Sonntag eher kleingeschrieben wurde, stellte sich jedoch sehr schnell heraus. Es sollte offensichtlich nicht „nur“ dieses Mal im Stadion ruhig bleiben, nein, es roch alles schwer nach Rache für zwanzig verletzte Polizeibeamte beim letzten Derby, wobei „Verletzungen“ der Polizeibeamte mit anschließender Krankschreibung oft dem eigens versprühten Pfefferspray zuzuschreiben und damit zu relativieren sind.

Für derartige Rachegedanken war es nach Ansicht der Einsatzleitung nur recht und billig eine gesamte Fanszene kollektiv in Sippenhaft zu nehmen, anstatt einfach den Job zu machen, nämlich, für Recht und Ordnung zu sorgen und Störenfriede aus der Gruppe heraus zu separieren.

Das ist dann der Punkt, an dem man sich als VfB-Fan anfängt, mit den sonst so verhassten KSC-Fans zu solidarisieren und Mitgefühlt zu entwickeln. Als Viel- und Allesfahrer hat man Situationen reiner Polizeiwillkür schon zuhauf erlebt und kann es auch nach über 40 Jahren Fansein nicht akzeptieren, rund um ein Fußballspiel seine im Grundgesetz festgeschriebenen Grund- und Menschenrechte abzugeben. Das ist nämlich an Spieltagen fast schon „normal“, dass man in seiner Bewegungsfreiheit erheblich eingeschränkt ist und, wenn es dumm läuft, in einem Polizeikessel landet, aus dem es kein Entrinnen gibt.

Verschiedene Organe, wie die Fanbetreuungen beider Vereine, Sicherheitsdienste, Polizei, etc. zermarterten sich seit August (!) in unzähligen Sitzungen den Kopf, opferten Zeit und Energie, und das nur dafür, uns Fans ein sicheres Fußballfest zu ermöglichen, bei dem kein Fan Angst haben muss, ins Stadion zu gehen. Dort wurden Strategien besprochen, eben jene der Fantrennung und wie die Anreise der Gästefans ohne Komplikationen zu erfolgen hat.

Normalos, Familien, Allesfahrer, etc. sollten auf dem Parkplatz P7 nahe des Gästeblocks parken bzw. Zugreisende am Bahnhof Untertürkheim in Empfang genommen werden, während die zwölf Ultras-Busse direkt zum Gästeeingang fahren und dort kontrolliert werden sollten.

Ein dubioser Fund am Vortag im Gästeblock, zunächst war von „pyroähnlichen Gegenständen“ die Rede, führte offensichtlich zu einer Abkehr der ausgeklügelten Strategie. Dabei wurden weder die Fanbetreuungen noch szenekundige Beamte aus Karlsruhe, die ihre Pappenheimer wohl am besten kennen, zurate gezogen und dabei die Vorbesprechungen allesamt ad absurdum geführt, womit das aufgebaute Vertrauen fürs erste wohl einen Totalschaden erlitt.

Wie man heute weiß, handelte es sich bei dem Fund um rotes Rauchpulver, welches den Karlsruher Capo durch Fernsteuerung in roten Rauch hüllen sollte. Somit ist es also äußerst unwahrscheinlich, dass dieses von Karlsruher Ultras dort deponiert wurde, was die Einsatzleitung aber nicht daran hinderte, die KSCler dafür zu sanktionieren.

Ich würde diesen Fund auch eher als Jugendstreich abtun, wer wäre sonst so naiv daran zu glauben, dass das Pulver vor einem Hochrisikospiel nicht entdeckt werden würde. Gerade vor solchen Spielen inspiziert Sicherheitspersonal mit Sprengstoffspürhunden an der Leine die relevanten Bereiche, um am Spieltag keine bösen Überraschungen zu erleben.

So vermute ich dahinter, sofern der Fund überhaupt stimmt, dass dies ein willkommener Vorwand für die Polizei war, das „Problemklientel“ (und dabei meine ich außer den Ultras auch Fans wie Du und ich!) an einem Ort zu sammeln, um ihnen Herr zu werden. Ferner wurde vorgeschoben, in den Ultras-Bussen werde pyrotechnisches Material und Vermummungsgegenstände vermutet.

Dass die Ultras jedoch am Gästeblock viel wirkungsvoller kontrolliert hätten werden können, als mitten in einem 1.500 mannstarken Mob, dürfte wohl jedem klar gewesen sein, außer der völlig überforderten Einsatzleitung.

So setzte sich der Tross in Untertürkheim nach ca. einer Stunde und Diskussionen, ob die Busse nicht doch zum Gästeblock weiter fahren dürften, in Bewegung. Augenzeugenberichten zufolge erfolgten Informationen der Polizei nur spärlich, so dass die meisten überhaupt nicht wussten, woran sie waren und was die Polizei überhaupt mit ihnen vor hatte.

Nach einem, so die Polizei, massiven Einsatz von Pyrotechnik, wurden, schon nahe der Benzstraße, etwa 600 Leute willkürlich eingekesselt. Da Ultras und Normalos durch die Vermischung am Untertürkheimer Bahnhof schon nicht mehr zu unterscheiden waren, traf es dort jeden, der die Situation nicht schnell genug erfasste.

Die Leute wussten zunächst nicht, wie Ihnen geschah, denn, Informationen von der Einsatzleitung flossen weiterhin spärlich, während die Befehlsempfänger in Robocop-Montur ohnehin ahnungslos waren. Eine gute Viertelstunde zog sich wohl die Unwissenheit hin, ehe von den knapp 600 Eingekesselten jeweils zwei Leute zur erkennungsdienstlichen Behandlung von der BFE (Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit) abgeführt wurden, so dass sich das Prozedere über Stunden hinzog.

Wie man heute weiß, handelte es sich bei dem massiven Einsatz von Pyrotechnik um gerade einmal zwei (!) Böller, die Auslöser des Ganzen gewesen sein sollen, wobei man sich natürlich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen muss. Zur besseren Einordnung der Vorkommnisse sei Euch außer dem Online-Auftritt der Fanhilfe Karlsruhe dieser offene Brief mit verlinkten Augenzeugenberichten ans Herz gelegt https://www.facebook.com/simon.treal.9/posts/3145697808780960.

Laut der Karlsruher Fanhilfe soll es sich in dem Kessel, anders als von der Polizei zunächst behauptet, um Leute jeglicher Couleur gehandelt haben, selbst welche, die überhaupt nicht zum Spiel wollten, seien im Kessel gelandet. Laut der Polizei brachte diese Maßnahme, für die der Steuerzahler wohl tief in die Kasse greifen muss, gerade einmal Vermummungsgegenstände (wobei es sich dabei um einen normalen Fanschal handeln kann), ein Messer, einen Böller und einen Mundschutz zutage. Zudem sein ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt worden. Gratulation!

Für all das beraubte man knapp 600 Leute über Stunden ihrer Freiheit, behandelte sie wie Schwerverbrecher und sprach schließlich Platzverweise wegen nichts aus. Den Leuten wurde über Stunden sowohl der Toilettengang verwehrt, als auch, sich verpflegen zu können. Auf Bitten von jungen Frauen, eine Toilette aufsuchen zu dürfen, wurde lapidar geantwortet, sie sollten doch an den Straßenrand pieseln, was bei einer wohl dazu führte, sich einnässen zu müssen. Dass die Polizei Dixi-Klos und Getränke zur Verfügung stellte und vor allem wann und wie viel, darüber gibt es unterschiedliche Schilderungen.

So also zeichnete sich früh ab, dass die Staatsmacht uns unseres ohnehin nur noch selten stattfindenden Derbys beraubt hat. Ohne einen dagegen ansingenden Gästeblock machen Schmähgesänge nun mal keinen Spaß.

Der Dilettantismus der Polizei setzte sich über den ganzen Spieltag hinweg fort. Der in allen Faninfos als Gästeparkplatz ausgewiesene P7 war sinnigerweise durch einen Wasserwerfer und einen Räumpanzer (!) blockiert, so dass Karlsruher auf den Wasenparkplatz ausweichen mussten.
Es lebe die Fantrennung.

User Eumelachtzig schreibt auf Twitter „Die Zufahrt zum ausgewiesenen Parkhaus war gesperrt. Wir mussten bei den VfB Fans auf dem Wasen parken. Als ich fragte, ob das sein muss, durch alle VfB Fans zum Auto laufen zu müssen, sagte der Polizist: “Wenn wir gewinnen, ist es eh egal.“

Anscheinend kam es durch diesen Fauxpas der Polizei, oh Wunder, zu einigen Scharmützeln auf dem Weg zum Wasenparkplatz. Das jedoch schien der Polizei egal gewesen zu sein, Hauptsache IM Stadion blieb es ruhig. Die Polizei rühmte sich ja bereits im Vorfeld mit weitaus weniger Polizisten auskommen zu wollen als 2017, wenn man das alles verfolgt, ist man geneigt zu sagen, es würden noch weniger genügen, nur fähig müssten sie eben sein!

Auch der Abmarsch der Karlsruher soll chaotisch verlaufen sein. Im Lautsprecherwagen der Polizei saß offensichtlich eine Polizistin, die rechts und links verwechselte und damit für Chaos sorgte, weil die Karlsruher nicht wussten in welche Richtung sie zu ihren Bussen laufen sollen. Als diese dann überfragt und der Polizei wohl zu zögerlich waren, kam die Anweisung, die Karlsruher sollten sich einfach in einen Bus begeben, ob sie mit diesem hergefahren sind, oder nicht.

Als das verständlicherweise zu Unmut führte, kamen nahe des Gästeausgangs noch Knüppel und Pfefferspray zum Einsatz, so dass sich die Rächer in Uniform endlich austoben durften.

Dass wir uns nicht falsch verstehen. Ich leugne gar nicht, dass unter den Karlsruhern nicht nur Unschuldslämmer waren und es an der einen oder anderen Stelle bestimmt auch die Richtigen getroffen hat. Sollte es Böllerwürfe auf Beamten gegeben haben oder sie mit Baustellenmaterial angegangen worden sein, verurteile ich das. Doch frage ich mich, wofür ist die Polizei mit hochauflösenden Kameras unterwegs, filmt jeden Furz, den einer lässt, und ist nicht in der Lage, die paar wenigen Übeltäter herauszuziehen und friedlichen, sich heraushaltenden Fans, das Fußball-Erlebnis zu ermöglichen. Das hat mit Gerechtigkeit in einem Rechtsstaat nichts mehr zu tun, zumal die Vorgänge, selbst stimmten die Behauptungen der Polizei, in keinem Verhältnis zu den durchgeführten Maßnahmen stehen.

In Stuttgart macht es leider schon seit einiger Zeit Schule, Fanszenen auszusperren, man frage nur in Freiburg, Frankfurt oder München nach, die bereits mit ähnlich rabiatem Vorgehen der Stuttgarter Vollstreckungsbeamten Bekanntschaft machten.

Obwohl ich im Stadion noch nichts darüber wusste, weshalb der Gästeblock so leer war und sich eher mehr leerte als füllte, war mir nach Derbysiegerfreude zu keinem Zeitpunkt zumute.

Anstatt Derbysieger-Fotos postete ich in dieser Woche lediglich zwei vom Spiel, mit Bannern, die in der Cannstatter Kurve hochgehalten wurden: „Bullenschweine“ und „gegen Kollektivstrafen“ stand darauf.

Einzig die wunderbare Choreographie vor dem Spiel unter dem Motto „Sein oder Nicht(s) sein“ wird mir von diesem Tag positiv in Erinnerung bleiben. Der Sieg fühlt nicht anders an als gegen Greuther Fürth, was eigentlich alles aussagt. Ich freue mich über die drei Punkte und darüber, dass Tim Walter zumindest für eine Woche etwas Ruhe hatte, über mehr aber auch nicht.

Es ist bedenklich, wohin die Reise rund um die Kriminalisierung von Fußball-Fans noch hingehen soll. Nächste Woche findet die Innenminister-Konferenz statt, in der unter anderem eine härtere Bestrafung des Abbrennens von Pyrotechnik, eine Reformierung des Landfriedensbruchs sowie den Entzug der Fahrerlaubnis bei Vergehen im Zusammenhang mit Fußballspielen beschlossen werden soll.

Befasst man sich dann noch mit der geplanten Verschärfung der Polizeigesetze, nach der die Behandlung von Gästefans wie am Sonntag nicht das Ende der Fahnenstange ist, sondern mittels derer man schon und ohne nähere Begründung Anreiseverbote für Fans aussprechen kann, weiß man wohin die Reise noch gehen soll und vermutlich auch gehen wird.

Von Vorbeugehaft und Hausarresten ist die Rede, der Weg geht wohl dorthin, wie in einigen europäischen Ländern bereits Standard, dass Fußballspiele, zumindest jene mit dem Prädikat Hochrisikospiel, ohne Gästefans stattfinden sollen. Ich habe dafür keinerlei Verständnis.

Früher sorgte die Polizei für Recht, Ordnung und Gerechtigkeit, und ihr Kernbetätigungsfeld lag in der Ermittlungsarbeit. Heutzutage wird nicht mehr gegen Straf- und Gewalttäter ermittelt, sondern kollektiv gegen große Gruppen vorgegangen, denn, es zählt ja schon, dass überhaupt eine Gefahr von diesen ausgehen könnte. In diesem Zusammenhang sei auch unser Stadtderby erwähnt, welches auf Geheiß der Polizei seit Jahren parallel zu den Profis stattfindet. Auch das nur deshalb, weil man sich zu fein ist, Störenfriede einfach herauszuziehen und so lieber tausende Fußball-Fans gängelt und, ganz nebenbei, den Kickers ein Heimspiel mehr beschert.

Ich hoffe, zu diesen Vorkommnissen erfolgt ein richtiges Nachspiel. Von der Fanhilfe Karlsruhe wird eine Klage vorbereitet, Betroffene sind dazu aufgerufen, Anzeige zu erstatten, was sich offensichtlich als gar nicht so einfach herausstellt. Getreu dem Motto “Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus” sollen sich Polizeireviere bereits geweigert haben, entsprechende Anzeigen aufzunehmen. Das alles darf nicht im Sande verlaufen, es müssen bei dieser Einsatzleitung Köpfe rollen, schon allein, um verloren gegangenes Vertrauen neu aufzubauen.

Wenn rund um Fußballspiele, bei denen mit Betrachtung der Gesamtzuschauerzahlen es verschwindend wenig Verletzte gibt, ganze Fanszenen eingekesselt und ausgesperrt werden, frage ich mich, wo die Verhältnismäßigkeit bei Volks- und Oktoberfesten bleibt, wo es nachweislich mehr Verletzte gibt als in einer gesamten Fußball-Saison.

Ich möchte es einmal erleben und somit einen zarten Hauch von Gleichbehandlung spüren, dass ein Festzelt wegen einer Schlägerei von einigen wenigen Unverbesserlichen geleert oder zumindest für Folgeveranstaltungen ein Alkoholverbot ausgesprochen wird.

Doch, das werden wir wohl nie erleben, saufen sich die zuständigen Politiker doch dort auch die Hucke voll und lassen sich bei Fußballspielen, wenn überhaupt, nur in der VIP-Loge blicken.

Armes Fußball-Deutschland!

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11. März 2015

Weiß bleibt Bad Cannstatt, jagt sie aus der Stadt!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 17:42

Viel Zeit blieb nicht, sich über die neuerliche Nullnummer im Neckarstadion aufzuregen. Dafür sorgten DFL, Deutsche Bahn und die Polizei, die das größere Ärgernis an diesem Abend waren und die maßgeblich dafür verantwortlich zeichnen, dass wir mehr über die Geschehnisse rund um und nicht mehr über das Spiel sprechen.
Zunächst einmal war es höchst fahrlässig, dieses Spiel gegen die Hertha an einem Freitag-Abend austragen zu lassen, während der KSC sein Heimspiel erst am Montag zu bestreiten hatte. Hier standen offensichtlich die Sender- über den Sicherheitsinteressen. Man kann davon ausgehen, bei gleicher Konstellation auswärts, wäre das Spiel aufgrund dortiger Sicherheitsbedenken kurzfristig verlegt worden, scheiß drauf, wer schon alles die Reise gebucht und sich auf den einmal festgelegten Termin eingestellt hat.
Nicht so in Stuttgart! Sehenden Auges rannte man ins Chaos, ein Schelm, der dabei nicht vermutet, dass es mal wieder ordentlich krachen sollte, um den Forderungen nach weiteren Restriktionen rund um den Fußball Nachdruck zu verleihen. Dass es kein normales Aufeinandertreffen werden würde, merkte man bereits Stunden vor dem Spiel, da in Cannstatt ein massives Polizeiaufgebot zu sehen war. Da es Verschwendung von Personalressourcen gewesen wäre, sie waren ja nun mal schon da und sollten nicht „arbeitslos“ herumstehen, wurde von Polizeiseite alles getan, einen arbeitsreichen Tag zu bekommen.
So beorderten sie etwa 150 Hertha- und KSC-Fans in Bad Cannstatt aus der S-Bahn, um sie von dort zum Stadion geleiten zu wollen. Eine Schnapsidee, wie es von vornherein absehbar war und sich auch als solche herausstellte. Man weiß, sicherlich auch die oberschlaue Polizei, dass sich stets am Bahnhofsvorplatz die VfB-Ultras sammeln, um dann gemeinsam zum Stadion zu marschieren. Dass, geleitet man eine Gruppe von Fans bzw. Krawallmachern des Erzfeindes an ihnen vorbei, diese nicht nur freundlich zuwinken würden, war wohl jedem klar, nur eben nicht den vom Steuerzahler finanzierten Ordnungshütern. Es mag daran liegen, dass für solche Einsätze mittlerweile Einsatzkräfte aus dem ganzen Land herangezogen werden, aber, selbst dann, wie im normalen Berufsleben auch, heißt das Zauberwort „Arbeitsvorbereitung“. Hinzu kommt, dass für uns VfB-Fans Bad Cannstatt ein heiliges Pflaster ist, das es notfalls auch zu verteidigen gilt. Die KSCler, die sich in die Landeshauptstadt aufmachten, waren ja nun auch keine „normalen“ Fans, die hatten es darauf abgesehen zu pöbeln, VfB-Devotionalien zu ziehen, sich zu prügeln und Sachbeschädigungen in der aus ihrer Sicht verbotenen Stadt zu verüben. Einen solchen Mob durch Cannstatt zu führen geht überhaupt nicht. Nachdem die Polizei damit die ersten Auseinandersetzungen erfolgreich provoziert hatte, zogen sie den Rückzug an und verstauten den Mob in der nächsten Bahn, um sie doch im Neckarpark abzuladen. Auch in dieser Bahn muss es zu übelsten Provokationen gegenüber „normalen“ Fahrgästen und VfBlern gekommen sein, da man ja nicht, wie in anderen Städten durchaus üblich, eine leere Bahn bereitgestellt hatte, die ausschließlich dem blauen Gesindel vorbehalten gewesen wäre.
Nach dem Spiel dann eskalierte die Situation zunehmend. Dies aber nicht etwa wegen randalierender Schwaben, sondern, weil die Polizei kurzerhand den Bahnhof zusperrte, um einer vom Neckarpark kommenden Bahn mit Gästefans eine störungsfreie Durchfahrt zu gewährleisten. Vor dem Bahnhof wuchs natürlich die Menschenmenge an, es war bereits nach 23 Uhr und auch die VfBler wollten nach Hause. Wir haben ein großes Einzugsgebiet, so dass viele noch ihren (letzten) Zug bekommen mussten, um nicht in Stuttgart stranden zu müssen.
Normalerweise ist es bei Hochrisikospielen Usus, dass dem Gästeblock eine Blocksperre auferlegt wird und die Gäste so lang im Block bleiben müssen, bis die Luft rein ist und die meisten Heimfans das Stadionumfeld verlassen haben. So war es vor ein, zwei Jahren auch in Berlin, dass wir freundlich aber bestimmt darum gebeten wurden, noch eine halbe Stunde zu warten, bis die meisten Berliner (und Karlsruher) weg waren. Bei uns aber, ein Hoch auf die Gastfreundschaft, ist es genau andersherum. Die Gästefans werden hofiert, wir dagegen müssen sehen, wo wir bleiben. Ähnliches war mir bereits während des Stadionumbaus sauer aufgestoßen, als uns der Zugang zum Neckarpark so lang verwehrt wurde, bis sich der Bayern-Block geleert hatte. Es war damals auch ein Abendspiel, unter der Woche, wo man eigentlich nur noch heim möchte.
Das gibt’s wohl exklusiv nur in Stuttgart, wie mit den eigenen Leuten umgegangen wird. Dass es sich bei solchen Umständen die einen oder anderen drei Mal überlegen, vor allem diejenigen, die eine weitere Anfahrt haben, ob sie auch die nächsten Abendspiele besuchen sollen, ist verständlich. Auch so vergrault man seine Zuschauer. Inwieweit der VfB ein Mitspracherecht bei den Terminierungen hat und in das Sicherheitskonzept eingebunden ist, kann ich nicht sagen. Ich würde mir aber wünschen, dass man sich hier mehr für seine eigene Kundschaft einsetzt und zu allererst Sorge dafür trägt, dass diese ohne Komplikationen den Heimweg antreten kann.
Ich selbst hatte nicht allzu viel mitbekommen und muss mich auf Presseberichte und Erzählungen von Bekannten verlassen. Lediglich gegen 23.15 Uhr, als wir am Bahnhof vorbei kamen, gab es zwei Mal eine Rennerei, der wir ausweichen mussten, weil vorne am Bahnhofseingang Pfefferspray zum Einsatz kam. Obwohl die Leute zwar ungeduldig, dennoch äußerst diszipliniert waren, sprühte die Polizei durch einen offenen Spalt an der Bahnhofstür Pfefferspray hinaus und hatte offensichtlich Spaß dabei. Welch eine feige, welch eine fiese Aktion! Dass durch solche Handlungen der Respekt vor und die Kooperationsbereitschaft mit den Ordnungskräften nicht wächst, ist doch ganz klar. So schufen die Einsatzkräfte ein aggressives Klima, welches sich später in ausufernder Gewalt einiger Unverbesserlicher niederschlug.
Angeblich wurden Polizisten von „Fans“ in einen Hinterhalt gelockt und angegriffen, so dass sich diese nur mit Warnschüssen in die Luft zu helfen wussten, ebenso wurden einige Autos beschädigt. Für solche Exzesse habe ich null Verständnis und hoffe, dass die Täter gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden. So verfahren die Situation war, so unverhältnismäßig und dilettantisch der Polizeieinsatz war, das alles rechtfertigt es nicht, fremdes Eigentum zu beschädigen und mit etwa 80 Mann zwei (!) Polizisten anzugreifen. Das ist purer Vandalismus, den ich im Zusammenhang mit Fußballspielen nicht sehen will.
Wie eingangs erwähnt liegt die Vermutung nahe, dass so manchem solche Geschehnisse gerade recht kommen. Die Reaktion von Polizeigewerkschaftsboss Wendt und auch Innenminister Gall folgte dann auch auf dem Fuß. Wendt meint, der Polizei würde es die Arbeit ungemein erleichtern, wenn er Leute einfach festnehmen lassen könnte, ohne dass sie eine Straftat begangen hätten, einfach so, nur um Ruhe zu haben. Wo kommen wir denn hin, wenn wir noch mehr der Polizeiwillkür ausgesetzt wären, wie ohnehin schon? Bei solchen und ähnlich lautenden Forderungen treten hoffentlich Juristen auf den Plan und verhindern die Einführung dieser. Man musste sich ja zwangsläufig in den letzten Jahren schon fast daran gewöhnen, dass die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland rund um ein Stadion, manchmal schon in der ganzen Stadt, nichts mehr wert sind, was für mein Rechtsempfinden schon sehr bedenklich ist.
Ich habe selbst keinerlei Verständnis für Gewaltausbrüche und versuche mich auch stets fernzuhalten, wo es danach aussieht, aber, als Vielfahrer bekommt man eben öfter unverhältnismäßige Einsätze mit und kann es verstehen, dass beim einen oder anderen Gewalt zu Gegengewalt führt.
Passend dazu gestern ein Vorfall im Kickers-Stadion. Wir waren oben auf den Golan-Höhen, um Chemie Halle bei den Blauen zu unterstützen. Ein Kumpel aus dem Fanclub, der aus Halle stammt und dessen zweite Liebe der Hallesche FC ist, nahm uns mit. Einige waren bereits mal in Halle dabei, letzte Saison waren wir mit ihnen schon in Degerloch gegen die Kickers im Block und auch letzten Samstag bei den Amateuren saßen wir nett mit Hallensern zusammen. Spricht grundsätzlich ja nichts dagegen, zumal wir in absolut friedlicher Absicht dort waren. Neutral angezogen, äußerlich identifizierte uns nichts als VfB-Fans. Wir waren also auf keinerlei Pöbeleien gegen die Kickers aus gewesen, wollten nur das Fußballspiel sehen und ein paar Bier mit den Hallensern trinken und hätten uns gefreut, wenn die Kickers eine auf den Sack bekommen hätten.
Nach unserem Eintreffen am Eingang genügte es dann schon, dass wir Bekannten „hallo“ sagten, die von der Polizei wohl in die Kategorie Problemfans eingestuft wurden. Jedenfalls wurden wir eingekesselt, einer Personenkontrolle unterzogen und schließlich nach kurzer (sinnloser) Diskussion in einen leeren Block verfrachtet, weil es angeblich bei den Hallensern nicht gut ankam, dass VfBler mit ihnen im Block sein wollten, „zu unserer eigenen Sicherheit“, wie uns der Bulle weismachen wollte. Dadurch verpassten wir schon einmal das Intro und den Anpfiff und fanden uns kurze Zeit später im Käfig wieder, so dass ich meine Kamera gleich mal stecken lassen konnte. Komisch nur, als wir uns nach der Halbzeit in der Menschenmenge doch noch in den Block schmuggelten, dass alle freundlich und uns wohlgesonnen waren. So viel zu der viel beschworenen Gefahrenabwehr. Für mich machen es sich die Ordnungshüter nur einfach und wollen Leute gleich mal wegsperren, bevor der eine oder andere ihnen Arbeit machen könnte, anstatt einfach nur ihren Job zu tun und die wirklichen Übeltäter mittels polizeilicher Ermittlungsarbeit festzustellen und zu sanktionieren. Uns war die Lust auf Fußball jedenfalls schon vor dem Spiel gründlich vergangen.
Am Tag danach sprach also kaum mehr jemand über das Spiel, das man erneut nicht gewinnen konnte. Aus VfB-Sicht war es ein 0:0 der besseren Art, 70% Ballbesitz und vor allem in der ersten Halbzeit ein recht gefälliges Spiel nach vorne. Man merkte, wie gut es dem VfB tat, mit Maxim und Kostic gleich zwei Spieler auf dem Platz zu haben, die den Ball zum Freund haben. Geburtstagskind Timo Werner auf links mühte sich zwar redlich, er brachte zwar seine Schnelligkeit gut ein, dafür aber keinen einzigen (!) guten Ball zum Mitspieler. Zudem vergab er die wohl beste Chance des Spiels nach einer Viertelstunde kläglich. Ein Stürmer muss diesen Ball einfach mit Wucht aufs Tor bringen, stattdessen kullerte der Ball ins Aus. Es ist inzwischen ein ausgemachtes Kopfproblem, die Stürmer wirken in den wenigen vielversprechenden Aktionen vor dem Tor zu überhastet und nervös im Wissen diese eine Chance, die sich ihnen bietet, nutzen zu müssen. Je länger dann ein Spiel dauert, desto fahriger wird man in den Aktionen und desto mehr sind Selbstzweifel festzustellen. Am Ende kann man den Kick sogar noch verlieren, so ist es eben, wenn man selbst kein Tor zustande bringt. Es war das neunte von zwölf Heimspielen ohne eigenes Tor, eine fatale Bilanz, die einem vor Augen führt, was uns Dauerkarteninhabern in diesem Spieljahr bereits zugemutet wurde.
Fast schon sensationell mutet es an, dass wir dennoch nicht den Kopf in den Sand zu stecken brauchen und noch Hoffnung, zumindest auf den Relegationsplatz, haben dürfen.
Paderborn scheint langsam aber sicher einzubrechen und hat seit Sonntag bei drei Punkten Vorsprung mittlerweile das schlechtere Torverhältnis. Auch die Freiburger treten nach dem 0:1 gegen Werder auf der Stelle und haben ein schweres Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg vor der Brust.
Für den VfB geht es nun nach Leverkusen, wo es in den letzten Jahren wenig zu erben gab. Vielleicht ist es ja ein Vorteil für den VfB, dass Leverkusen vier Tage später der schwere Gang zu Athletico Madrid in der Champions League bevorsteht, wo sie nach dem 1:0 im Hinspiel realistische Chancen aufs Weiterkommen haben. Es könnte durchaus sein, dass Trainer Roger Schmidt den einen oder anderen Leistungsträger schont oder auch herausnimmt und schützt, wenn der VfB endlich einmal eine härtere Gangart an den Tag legt. Mit Serey Dié haben wir jetzt wenigstens einen Spieler, der wie ein Löwe kämpft, keinen Ball verloren gibt und zudem noch ein gefälliger Ballverteiler im Mittelfeld ist. Der Rest aber holt sich seine Karten höchstens durch Festhalten oder Meckern ab, jedoch nicht durch harten Kampf um den Ball. Mit einem kampfbetonten Auftreten wäre in Leverkusen durchaus etwas drin. Der erste Sieg 2015 muss langsam mal her, auch, um die Köpfe wieder oben zu tragen und Selbstvertrauen zu tanken. Martin Harnik wird dort ebenso noch pausieren müssen wie Moritz Leitner, der sich gegen Hertha die fünfte gelbe Karte einhandelte. Wie die Sperre von Harnik sehe ich auch die von Leitner eher als Vorteil für uns an. Was Stevens geritten hat, in den Schlussminuten, in denen wir unbedingt ein Tor brauchten, Leitner einzuwechseln, weiß wohl nur er. Ein Signal zur Schlussoffensive hätte jedenfalls anders aussehen müssen. Leitner hat nun in über eineinhalb Saisons nicht zu überzeugen gewusst und ist ohnehin im Sommer weg. Auf ihn würde ich nicht mehr setzen, der nie den Eindruck erweckt, mit dem Herzen beim VfB zu sein. Er ist ein Schönwetterfußballer, der meint, er wär’s, dafür weder ein Teamplayer noch einer, bei dem man den Eindruck hätte, die Tabellensituation des VfB belaste ihn. Im Abstiegskampf sind andere Tugenden gefragt, die er nicht mitbringt. Von daher, Daumen hoch, dass er sich gleich nach seiner Einwechslung durch ein plumpes Foul die Verwarnung abgeholt hat. An der Startaufstellung würde ich gar nicht allzu viel ändern, Hlousek vielleicht ist immer diskutabel, er hat auch gegen Hertha wieder viele Bälle durch technische Unzulänglichkeiten verloren. Die ehemaligen Hannoveraner Haggui und Abdellaoue konnte ich am Samstag bei den Amateuren begutachten, ich denke, in die beiden brauchen wir keine Hoffnungen zu setzen…
Nach Leverkusen kommt dann der wohl momentan geeignetste Gegner ins Neckarstadion, um seine Torflaute zu beenden, die Frankfurter Eintracht. Der 1. FC Köln konnte am Sonntag gegen sie eine ähnliche Tordurststrecke vor eigenem Publikum, wie sie der VfB hat, beenden und siegte 4:2. Vielleicht ein gutes Omen!
Dass, wie wenn unsere Probleme und Baustellen derzeit nicht groß genug wären, Anfang der Woche noch ein Bericht der Freiburger Evaluierungskommission publik wurde, in dem angebliche Beweise für systematisches Anabolika-Doping in den frühen 1980er-Jahren im Fußball beim SC Freiburg und beim VfB enthalten sein sollen, passt auch noch ins Bild. Natürlich müssen diese Vorwürfe vom VfB ernst genommen werden und es wurde auch via Pressemitteilung darauf reagiert, aber, seien wir mal ehrlich, seit Toni Schumachers Buch „Anpfiff“ waren solche Praktiken bekannt, es wollte nur keiner der Protagonisten wissen und sich ernsthaft damit beschäftigen. Ob es nach über 30 Jahren noch Sinn macht, in dieser unrühmlichen Vergangenheit zu wühlen, bezweifle ich. Die Verantwortlichen sind meist schon im greisen Alter, die „Täter“ vertrauten damals noch blinder als heute den (Vereins-)Ärzten, gab es doch noch kein Internet, durch das man das eine oder andere heute ja auch selbst nachlesen kann. Wichtig ist doch, ob der Sport aktuell sauber ist und dies scheint er aufgrund einer Vielzahl an Dopingkontrollen ja zu sein. Zudem ist es immer noch sehr umstritten, ob Doping im Fußball tatsächlich zu einer Leistungssteigerung führt oder sich nicht lediglich der Sportler selbst schädigt.
Dies galt es also von Robin Dutt ebenso zu kommentieren, wie die Trainerdiskussion, in der er Huub Stevens weiterhin nur halbherzig den Rücken stärkt. Einige Medien wollen ja bereits erfahren haben, dass zur neuen Saison Alexander Zorniger als Trainer feststehen würde, er aber auch im Falle einer Entlassung Stevens‘ jetzt schon auf Abruf bereit stünde. Zu dieser Meldung habe ich kein eindeutiges Dementi von Dutt vernommen, so dass Stevens weiterhin ein Trainer auf Zeit zu sein scheint. Nach wie vor ist es für mich ein unwürdiges Spiel, das man mit ihm spielt, daher kann ich seine Dünnhäutigkeit und seinen Sarkasmus bei Interviews verstehen.
Bislang erfüllt Dutt meine Vorbehalte gegen ihn voll und ganz. Mit ihm ist ein weiterer Schönredner auf dem Wasen dazugekommen, dem außer Durchhalteparolen zu verkünden auch nichts einfällt. In der verfahrenen Situation, in der der VfB schon die ganze Saison, also auch bereits zu Dutts Amtsantritt, steckt, wäre es wünschenswert gewesen, einen Mann auf die Kommandobrücke zu bekommen, der die Leute mitnimmt und für einen Aufbruch in eine neue Zeitrechnung steht.
Einem Jens Lehmann beispielsweise gegenüber wäre ich zwar auch skeptisch gewesen, aber „nur“ weil er nach Heldt und Bobic der dritte Sportdirektor hintereinander gewesen wäre, der mit null Erfahrung auf dieser Position ins kalte Wasser geschmissen worden wäre. Als Typ aber wäre er einer, der den Finger in die Wunde legt und Missstände klar ansprechen und angehen würde, statt sie lediglich zu verwalten. Dutt bringt jetzt ebenfalls keine Erfahrung mit und redet zudem (bisher) nur recht dumm daher.
Vor ein paar Wochen noch äußerte er sich in die Richtung, eventuell mit Huub Stevens verlängern zu wollen, jetzt soll Zorniger bereits als Trainer feststehen. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, ist es ein fatales Zeichen an die Mannschaft, wenn nicht, muss er diese Meldung endlich glaubhaft dementieren.
Momentan ist noch überhaupt nicht absehbar, wohin die Reise gehen wird. Wer weiß, vielleicht rettet uns Huub noch einmal sensationell und hinten hinaus auch mit gutem Fußball und einem Gerüst, auf das wir in der nächsten Saison setzen könnten, dann spräche nichts dagegen, Huub einfach weitermachen zu lassen. Natürlich bin ich mit seiner Spielweise nicht immer einverstanden, aber, eines muss man ihm lassen, die defensive Stabilität hat er in Anbetracht der vorhandenen Mittel gut hinbekommen. Der Fußball, den er spielen lässt, ist sicherlich auch nicht seine Vorstellung von Fußball, er ist aber dem völlig verkorkst zusammengestellten Kader geschuldet.
Zuletzt stellt er immerhin etwas offensiver auf, so dass noch Hoffnung auf Steigerung besteht, der Knoten muss einfach nur platzen. Wir können froh sein, dass Stevens Profi durch und durch ist und sich durch die Spielereien außerhalb des Platzes nicht seine Motivation rauben lässt. Er ist sich seiner Verantwortung und der Ernsthaftigheit der Mission bewusst, so dass er sich auch weiter mit aller Kraft gegen den Abstieg stemmen wird. An Stelle des VfB hätte ich mir die Option einer Weiterbeschäftigung bis zum Ende offen gelassen.
Zorniger dagegen, würde er noch als Feuerwehrmann einspringen (müssen), wäre im Falle des Abstiegs verbrannt. Daher eine gefährliche Situation, in die sich der VfB, wie so oft hausgemacht, gebracht hat. Ob Zorniger ein guter Trainer ist, darüber mag ich nicht zu urteilen. Wer bei Red Bull zwei Aufstiege geschafft hat, muss jetzt noch nicht zwangsläufig der Heilbringer sein. Dort durfte er eben, in Zusammenarbeit mit Rangnick, einen Wunschzettel schreiben und die Spieler wurden ihm auf dem Silbertablett serviert. Unter diesen Voraussetzungen lässt es sich natürlich erfolgreich arbeiten. Beim VfB würde er ganz andere Voraussetzungen vorfinden. Was ausgerechnet ihn jetzt dazu prädestinieren soll, bei uns eine erfolgreichere Ära einzuläuten, weiß ich nicht. Als 2. Co-Trainer unter Babbel und nach Widmayer scheint er jedenfalls keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben, sonst hätte man ihn schließlich nicht mit Babbel vor die Tür gesetzt. Danach war er noch in Großaspach tätig, wo er zu Regionalligazeiten ebenfalls mehr investieren durfte, als die meisten Ligarivalen.
DER Übertrainer, den man sich jetzt unbedingt fix sichern musste, scheint er für mich jetzt nicht zu sein. Als derjenige, der Red Bull letztendlich in den bezahlten Fußball geführt hat, wird er bei uns zunächst sicherlich einen schweren Stand haben und Überzeugungsarbeit leisten müssen.
Da von VfB-Seite kein Dementi wie „da ist nichts dran“ kam, muss davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um mehr als ein Gerücht oder eine BLÖD-Zeitungsente handelt.
Wie man auf Zorniger kam wäre noch interessant zu wissen. War es Ralf Rangnick, der noch gute Kontakte zum VfB hat, der ihn wegloben möchte, um Zorniger (Vertrag bei Red Bull bis 2016) von der Gehaltsliste zu bekommen? Oder ist er wieder einmal der Mann mit Stallgeruch, weil die Vereinsführung offensichtlich nicht über den Tellerrand hinausschaut? Ich träumte ja noch immer von der großen Lösung Thomas Tuchel und hoffe, der Verein muss es nicht vorwerfen lassen, es nicht wenigstens versucht zu haben.
Was die Zukunft auch bringen mag, diese Trainerdiskussion kommt zur Unzeit. Stevens muss der Verein nun tunlichst Vertrauen und Wertschätzung entgegenbringen und ihm nicht, wie derzeit der Fall, suggerieren, dass sein Zenit überschritten wäre und er nur der Trainer bis zur nächsten Niederlage ist. Dutt versuchte nach dem Hertha-Spiel in dieser Angelegenheit krampfhaft zurück zu rudern, was bei ihm jedoch eher tollpatschig anmutete.
Nächste Ausfahrt, Leverkusen. Dort müssen wir mit aller Macht versuchen, das Unmögliche möglich zu machen und einen wahren Big-Point zu landen. Ich freue mich drauf, „leider“ musste ich meine Fahrt mit dem RWS absagen, weil ich eine Krombacher Fan-Tour mit Übernachtung und VIP-Besichtigung- und Verköstigung in der Krombacher Brauerei gewonnen habe. Auch da freue ich mich drauf, neue Leute, ein anderes Ambiente, wenn wir gewinnen, fahre ich mit denen öfter mit. ;-)

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