4. Mai 2010

Nach dem Heimspiel: Abschiedszeremonie für vier Profis

So ein Abschied ist eine sehr emotionale Angelegenheit und kommt trotzdem nicht ohne feste Regeln aus. Also stellte irgendjemand nach dem Schlusspfiff hurtig ein kleines gelbes Plastikhütchen auf das Spielfeld. Irgendwo im Mittelfeld stand es, auf dass keiner der vier Hauptpersonen auf die Idee komme, auf direktem Wege von der Außenlinie in die Kurve zu marschieren.

Tatsächlich umkurvten Roberto Hilbert, Alexander Hleb, Ricardo Osorio und Jens Lehmann auf ihrem letzten Weg in der Stuttgarter Arena allesamt zunächst einmal vorschriftsgemäß dieses gelbe Hütchen. Erst dann schritten sie durch das Spalier der klatschenden Kollegen, fielen in die kräftigen Arme von Fritzle, dem Maskottchen im Krokodilskostüm, und erreichten schließlich vor den jubelnden Fans den Präsidenten Erwin Staudt, der neben warmen Worten eine Fotocollage als kleines Dankeschön für geleistete Dienste samt Blumen für die Gattinnen bereithielt.

Mit viel Liebe zum Detail war sie also geplant und vorbereitet worden, diese Abschiedszeremonie für die scheidenden VfB-Profis – und genau das war aus Sicht des Trainers das Problem. Zwar habe sich der Verein “einen sehr menschlichen Abschied” ausgedacht, den sich die Spieler auch verdient hätten, sagte Christian Gross, zudem habe es dafür “keinen anderen Zeitpunkt” gegeben. Allerdings: “So ein Abschied bringt auch Ablenkung mit sich und hat in der Vorbereitung auf das Spiel Konzentration gekostet.” Unter der Woche jedenfalls empfand der Trainer die Stimmung innerhalb der Mannschaft “fast ein bisschen zu gut”, wenn man bedenkt, wie wichtig das Spiel gewesen sei.

Das Spiel gegen Mainz spiegelte den Saisonverlauf wider

Und so kam es, dass sich der VfB am Samstagnachmittag gegen den FSV Mainz 05 nach zuvor sechs Siegen mit einem 2:2 (0:1) zufriedengeben musste. Angesichts des zwischenzeitlichen 0:2-Rückstands war das am Ende zwar ein respektables Resultat, doch verpasste der VfB eben auch die große Chance, mit einem weiteren Sieg die Teilnahme an der Europa League vorzeitig sicherzustellen. Sollte der Hamburger SV am letzten Spieltag in Bremen gewinnen, dann benötigen die Stuttgarter am Samstag zumindest einen Punkt in Hoffenheim, um den sechsten Tabellenplatz zu verteidigen und damit auch in der neuen Saison international vertreten zu sein.

In gewisser Weise bot dieses Spiel gegen das sehr überzeugend aufspielende Mainzer Team ein Spiegelbild des gesamten Saisonverlaufs. Der VfB kam sehr schwer in die Gänge und wachte erst auf, als es fast schon zu spät war. Dank der Mithilfe der Mainzer Hintermannschaft durfte Ciprian Marica den Ball zum Anschlusstreffer ins Tor stochern, wenig später ließ der Rumäne den Ausgleich folgen. “Wir haben wieder einmal mentale Stärke gezeigt”, sagte Gross, der allerdings auch registrierte, dass seinem Team nach der imposanten Aufholjagd der vergangenen Monate auf der Zielgeraden ein wenig die Kräfte zu schwinden scheinen.

Stuttgart will sich seine Position nicht mehr nehmen lassen

“Eine gewisse Schwerfälligkeit” erkannte der Trainer und vermisste “die Entschlossenheit und Aggressivität”, die seine Mannschaft zuletzt ausgezeichnet hatte. Und so habe die Partie gegen Mainz “deutlich gezeigt, dass wir uns extrem konzentriert auf das letzte Spiel in Hoffenheim vorbereiten müssen” – viel konzentrierter jedenfalls als auf den Auftritt gegen Mainz.

Einen letzten Kraftakt erwartet Gross von seinen Spielern auf dem Weg in das internationale Geschäft. “Wir haben hart gearbeitet, um in diese Position zu kommen, das wollen wir uns nicht mehr nehmen lassen”, sagt der Trainer und will unter der Woche genau hinschauen, wer nicht richtig bei der Sache ist. Bei Alexander Hleb, findet Gross, ist dies der Fall: “Seit sein Abgang feststeht, beschäftigt er sich gedanklich vor allem mit der Zukunft.”

Deshalb saß der Weißrusse gegen Mainz mehr als eine Stunde lang nur auf der Ersatzbank, obwohl er Geburtstag hatte und zum letzten Mal in Stuttgart auftrat. “Für mich war es eigentlich ein ganz wichtiger Tag – leider hat ihn mir der Trainer kaputtgemacht”, zischte Hleb. Immerhin: trotz allen Frusts umkurvte auch er hinterher brav das gelbe Plastikhütchen.

Stuttgart:

Lehmann – Osorio (46. Kuzmanovic), Tasci, Delpierre, Molinaro – Träsch, Khedira – Gebhart (66. Schieber), Hilbert (66. Hleb) – Marica, Cacau.

Mainz:

Wetklo – Zabavnik, Bungert, Noveski, Fathi – Karhan, Polanski (78. Amri) – Schürrle, Simak (78. Szalai/83. Heller), Soto – Bancé.

Schiedsrichter:

Zwayer (Berlin).

Zuschauer:

41 600.

Tore:

0:1 Fathi (52.), 0:2 Schürrle (63.), 1:2 Marica (73.), 2:2 Marica (75.).

(STZ 3.5.10)

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