20. Februar 2019

Explosionsgefahr!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 08:36

In einer turbulenten Woche, in der Michael Reschke (endlich) gefeuert und von Thomas Hitzlsperger abgelöst wurde, legte „der Neue“ sein Hauptaugenmerk auf das Innenleben der „Mannschaft“ und eruierte zusammen mit Markus Weinzierl, wie man die Lebensgeister wieder wecken könnte.

Gewisse Blockaden konnten wohl gelöst werden, war doch, was jedoch nicht schwer war, eine Leistungssteigerung im Vergleich zum Debakel in Düsseldorf zu verzeichnen. Statt kollektiver Leistungsverweigerung, war sie plötzlich da, die Bereitschaft das zu tun, was das Mindeste ist, was man von einem Sportler erwarten kann. Laufen, grätschen, kämpfen, dem Nebenmann helfen, einfach der Wille, sich nicht ohne Gegenwehr zu ergeben.

Genauso lesen sich die Stimmen zum Spiel, deutlich verbessert, jeder hat sich den Allerwertesten aufgerissen oder „wenn wir so spielen, steigen wir definitiv nicht ab“. Selbstbeweihräucherung as it’s best, dabei stehen wir auch nach nunmehr 22 Spieltagen mit erbärmlichen 15 Punkten da. Der VfB spielt seine schlechteste Bundesliga-Saison aller Zeiten, fuhr gerade die sechste Niederlage im elften Heimspiel ein und alle klopfen sich auf die Schultern.

Unter normalen Umständen müssten wir bereits jetzt hoffnungslos zurückliegen und dürften die Nichtabstiegsplätze nur noch mit dem Fernglas betrachten. Einzig Hannover und Nürnberg ist es zu verdanken, dass doch alles nicht so schlimm ist, wie man uns gern weismachen möchte. Augsburg ist ebenfalls noch in Reichweite, Glück für uns, dass sie durch zwei Torwartfehler gerade noch 2:3 gegen die Bayern verloren haben.

Dass allein das auf den Platz bringen der Basics für den Klassenerhalt zu wenig ist, sollte jedem klar sein. Das Spiel des VfB war auch am Samstag wieder von Ideen-, Plan- und Harmlosigkeit nicht zu überbieten. Wo sind der Esprit, die Spielfreude, der Spielwitz und die Konzentrationsfähigkeit?

Auch das sind Eigenschaften, die man von elf Jung-Millionären, die ihr Hobby zum Beruf machen durften, erwarten können muss. Nahezu nach jedem Spiel werden uns die Minuten vorgerechnet, in denen man gut mitgehalten habe, und was gewesen wäre, wenn.

Doch, hier gilt kommt eine alte Fußballer-Weisheit, die Adi Preißler von sich gab, zum tragen „Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz“ oder auch „ein Spiel dauert 90 Minuten“.
Die dieses Mal von der sechsten bis zur 68. Minute erstaunlich lang andauernde „gute Phase“, wie Weinzierl vorschwärmte, kann man sich natürlich besser reden als sie war.

Dabei wäre dieser Tag doch wie gemacht gewesen für die Wende. Kaiserwetter, vorfrühlingshafte Temperaturen Mitte Februar, endlich mal wieder ein Spiel Samstag 15:30, die Mannschaft befreit von Dampfplauderer Reschke und Gentner erstmals seit 2012 (!) 90 Minuten lang auf der Bank.

Einziger Schönheitsfehler war zunächst das spärlich gefüllte Stadion, 46.072 Zuschauer zwar offiziell, in Wahrheit dürften es noch 10.000 weniger gewesen sein, und ein fast leerer Gästeblock. Wie Rangnick darauf kommt, Leipzig habe mit Schalke und Dortmund die meisten Auswärtsfans, wird sein Geheimnis bleiben. Aber halt, vielleicht boykottieren die Leipziger ja die Traditionsvereine!

Dass etliche VfBler, die nicht zum Spiel wollten oder nicht konnten, ihre Karten in der Cannstatter Kurve nicht einmal mehr über den Zweitmarkt losbekommen, spricht Bände. Zum einen hat die „Mannschaft“ es langsam aber sicher mit ihren bemitleidenswerten Auftritten geschafft, das Stadion leer zu spielen, zum anderen verramscht der VfB hochpreisige Tribünen-Tickets und wirft den Käufern noch Restbestände der Puma-Kollektion hinterher, so dass der eine oder andere sicherlich gedacht hat, o. k., kauf ich mir das Ticket, nehme das Präsent und setze mich gediegen auf die Gegengerade. Ein weiterer Aspekt, weshalb es bei diesem Spiel gegen einen durchaus attraktiv spielenden Gegner, diese Minuskulisse gab. Plastikclubs ohne Fankultur und Tradition ziehen eben nicht!

Dass Gentner ausgerechnet in Spiel eins nach Reschke, das Geschehen von der Bank aus betrachten durfte, erinnert mich an die Demission von Fredi Bobic, als sich Sven Ulreich nach Jahren der Unantastbarkeit umgehend (zunächst) auf der Ersatzbank wiederfand. Unwahrscheinlich, dass da nicht die Sportdirektoren, aus unterschiedlichsten Beweggründen, in die Aufstellung reingeredet haben. Vermisst wurde Gente indes nicht, sein Vertreter Gonzalo Castro „ersetzte“ ihn über weite Strecken ordentlich, so dass es keinen Grund gibt, für Bremen auf dieser Position etwas zu ändern.

Castro scheint es geholfen zu haben, dass sein „Ziehvater“ Reschke nicht mehr da ist. Dass Reschke massiv in die Aufstellungen reingeredet hat und die Spieler in der Kabine totgequasselt haben soll, ist schon ein starkes Stück. Da frage ich mich, nachdem dies schon Wolfs Ende eingeläutet hat, weshalb man mit dessen Rauswurf so lange gewartet hat. Ein absolutes No-Go im Fußball.

Gerade bei einem sensiblen Spieler wie Castro, ist es der Leistung nicht zuträglich, wenn da einer, der dessen Verpflichtung zu verantworten hat, ihm ständig erzählt, wie enttäuscht er von ihm sei und was er alles von ihm erwarte, vor allem dann nicht, wenn der Trainer das womöglich anders sieht.

Dass wir auch nach dem Leipzig-Spiel gegen die Top-7 der Tabelle noch ohne jeglichen Punktgewinn da stehen, hat sicher nichts damit zu tun, dass der Capitano nicht auf dem Platz stand.

Abermals lag man in Rückstand, ehe das Spiel richtig begonnen hatte. Erneut hatte das Tor etwas von Slapstick. Flache Hereingabe in den 5-Meter-Raum durch Timo Werner, Zieler lenkt den Ball mit den Fingerspitzen in die Mitte ab, wo Kempf über den Ball tritt und Poulsen freistehend nur noch einzunetzen braucht. Einfacher geht’s nicht.

Beide von uns beteiligten Spieler, aber auch Kabak, der sich von Werner ausspielen ließ, geben dabei keine gute Figur ab. Dass Zieler in dieser Saison nicht der Rückhalt der Vorsaison ist und die Seuche hat, zeigte sich auch beim zweiten Leipziger Treffer, als er sein direktes Freistoßtor Nummer 17 fing und damit die Torhüter-Rangliste in dieser Statistik mit deutlichem Vorsprung anführt. Dahinter folgen übrigens direkt Ulreich, Benaglio und Leno, Stuttgarter Torwartschule, könnte man da fast meinen! Hier aber kein Vorwurf an Zieler, der Freistoß war sensationell geschossen, zudem hielt es Pavard in der Mauer nicht für nötig, hoch zu springen, und dennoch passt es ins Bild, wenn in unserer misslichen Lage uns nichts und den Gegnern alles gelingt.

Davor erhielt der VfB ein Elfmetergeschenk, welches Zuber dankend annahm, und wir waren überraschend im Spiel zurück. Man hätte sogar durch Kabak oder Ascacibar mit 2:1 in Führung gehen und durchaus punkten können, wenn eben der Freistoß nicht gepfiffen worden wäre und sich unsere Abwehr beim 1:3 nicht so einfach hätte aushebeln lassen. Da der Elfer ebenfalls unberechtigt war, möchte ich nicht über den Freistoß lamentieren, der zum 1:2 geführt hat, auch wenn es ein Stürmerfoul von Poulsen war. Es ist dennoch schade, dass wir nach dem geschenkten Elfmeter das Momentum nicht nutzen konnten.

Weinzierl hat es bislang noch nicht geschafft, die Abwehr zu stabilisieren. Mit 50 Gegentoren stellen wir DIE Schießbude der Liga. Wird diese defensive Anfälligkeit nicht umgehend abgestellt, dürfte es schwierig werden, den Klassenerhalt zu schaffen. Nominell lesen sich die Aufstellungen zwar nicht schlecht, dennoch frage ich mich, weshalb ein erfahrener Spieler wie Holger Badstuber überhaupt keine Chance mehr erhält, den Laden zusammenzuhalten.

Er hat, wie alle anderen auch, Fehler gemacht und ist ein Ehrgeizling, der sicherlich das eine oder andere Mal, einem Spiel oder auch seiner Situation geschuldet, ungenießbar ist und übers Ziel hinausschießt, doch, wenn man mitbekommt, wie es um das Innenleben der Truppe bestellt ist, ist er bei weitem nicht der einzige Unruheherd und müssten einige andere ebenfalls auf immer und ewig verbannt werden. Ich denke, mit seiner Erfahrung, Ruhe und Übersicht könnte er uns stabilisieren.

Dass der Gegner für einen erfolgreichen Neubeginn zu stark sein würde, war mir schon vor dem Spiel klar. Frappierend ins Auge stachen gegen die flinken Leipziger die Schnelligkeitsdefizite und dass wir nach vorne weiterhin null Durchschlagskraft entwickeln. Bei den Leipzigern hatte man stets den Eindruck, dass sie jederzeit noch zulegen konnten, während der VfB am Limit spielte und es nach wie vor nicht versteht, mit eigenem Ballbesitz etwas anzufangen. So wird es schwer, auch nur noch ein einziges Spiel zu gewinnen!

Ob das in Bremen besser wird? Mut könnte machen, dass Werder eine der vier Mannschaften ist, gegen die uns in dieser Saison überhaupt ein Sieg gelang und dass Werder nicht einmal aus dem Eigentor des Jahres Kapital geschlagen hat.

Der letzte Sieg bei Werder datiert aus der Meistersaison, es gibt also bessere Pflaster für ein Endspiel für Markus Weinzierl, das es wohl ist. Werder spielt eine solide Saison und ist den Europacuprängen näher als den Abstiegsplätzen. Letzteres verwundert nicht, bei diesem Schneckenrennen, das wir uns liefern. Zuletzt kam Werder bei Hertha BSC zum Lastminute-Ausgleich, wobei Claudio Pizarro im 20. (!) Jahr in Folge ein Liga-Tor erzielte und zudem mit 40 Jahren und 136 Tagen als ältester Bundesliga-Torschütze aller Zeiten in die Annalen einging. Dies war sein 3. Saisontor, womit er als Standby-Profi bei uns Platz zwei der „Torjäger“-Liste einnehmen würde.

Ein ganz großer Spieler und sympathisch dazu. Bin gespannt, ob wir ihn am Freitag noch einmal erleben werden. Vielleicht darf er ja zum dritten Mal in dieser Saison von Beginn an ran. Gegen Abstiegskandidaten riskiert es der Bremer Coach schon mal, mit 10 ½ Mann aufzulaufen, so bisher nur gegen Augsburg und Düsseldorf. Dass es den Joker kurz vor Schluss gegen uns noch braucht, bezweifle ich.

Davon, Weinzierl nach dem Leipzig-Spiel rauszuschmeißen, hätte ich nichts gehalten. Zum einen ist ihm nach diesem Spiel nicht sehr viel vorzuwerfen, auch weil Leipzig nicht unsere Kragenweite ist, zum anderen könnte ein neuer Mann bis Freitag nicht viel bewirken. Nach dem Bremen-Spiel Freitags bis Hannover Sonntags wäre länger Zeit und es stünde eine dankbarere Aufgabe für einen Debütanten an als bei Werder, wo die Trauben traditionell hoch für uns hängen.

Ich bin nicht einmal davon überzeugt, dass uns ein Trainerwechsel jetzt überhaupt noch weiterhelfen würde. Wer soll es denn machen? Bei den üblichen Verdächtigen auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer kommt mir das Grausen. Einzig mit Felix Magath bis Saisonende und dann einem richtigen Neuanfang im Sommer könnte ich mich anfreunden. Jetzt aber einen zu holen, wie einst Korkut, mit Vertragslaufzeit über die Saison hinaus, würde uns sehr wahrscheinlich garantieren, dass sich die Scheiße nächste Saison nahtlos fortsetzt.

Wobei, seit neuestem ist die Liste der arbeitslosen Trainer um einen prominenten Namen reicher: Alex Zorniger! Ihn würde ich mit Kusshand wieder nehmen, unter ihm hatten wir zwar fast genauso oft verloren wie unter Weinzierl, aber, attraktiver. Ich ging selten nach Niederlagen so frohgelaunt nach Hause wie in der kurzen Ära Zorniger. Ein Jammer, dass ihm das Glück fehlte, er es mit zu vielen aus der Mannschaft verscherzt hatte und die hiesigen Medien mit seiner schroffen Art nicht zurechtkamen.

An Weinzierl festzuhalten, dafür fehlen mir ehrlich gesagt die Argumente. Er hat in einem halben Jahr weder seine Formation gefunden noch ist ein Spielsystem zu erkennen, welches ihm vorschwebt. Da hätte ich mir nach der Winterpause ein klareres Konzept erwartet. Daher bin ich eigentlich nur gegen einen Trainerwechsel, weil kein Mann verfügbar ist, dem ich es zutraue, neuen Schwung zu entfachen und der den Job lediglich bis zum Saisonende machen würde. Jeder Kandidat ab dem Sommer, von den derzeit verfügbaren Andi Hinkel oder auch David Wagner, sähe ich ungern durch den möglichen Abstieg verbrannt. Ich halte es für unmöglich, dass der Abstiegs-Trainer auch Trainer in der neuen Saison sein kann.

Der Protest gegen Dietrich indes setzt sich fort und wird lauter. Ich hoffe, dieser geht mit einer Vehemenz weiter, dass Dietrich in absehbarer Zukunft nichts anderes übrig bleibt, als seinen Sessel zu räumen, steht für ihn das Wohl des VfB wirklich an erster Stelle und nicht nur sein eigenes. Dieser Mann hat außer leeren Versprechungen und der Verpflichtung des rheinischen Hofnarren nichts geleistet und trägt daher die Verantwortung für das derzeitige Dilemma.

Wer weiß, ob er den „pflegeleichten“ Thomas Hitzlsperger nicht gar aus Kalkül auf den Sportvorstand-Posten gehievt und ihm gleich einen 3 ½-Jahresvertrag gegeben hat, um andere klangvolle Namen, die im Raum schweben, wie Rangnick und Klinsmann, von vornherein zu verhindern? Diese würden nämlich große Macht für sich beanspruchen, was so überhaupt nicht den Vorstellungen Dietrichs entspricht. Ihm geht es um Eigeninteresse und um eigenen Machterhalt. Schwache Führungskräfte scharen schwaches Personal um sich, daher sind diese Namen in der derzeitigen Konstellation wohl ins Reich der Fabel zu verweisen.

Reschke verabschiedete sich mit den Worten „Er gibt mit großer Leidenschaft und viel Herzblut alles für seinen VfB, er hat den Respekt und die Unterstützung aller VfBler verdient. Ich bitte alle, auch die, die mich skeptisch oder negativ sehen: Hört auf mit den Schmähungen gegen Wolfgang Dietrich. Sie sind ungerecht und schaden dem Verein und der Mannschaft in dieser schwierigen Phase.“ Zum Glück richtet sich dieser Appell an die ahnungslosen Vollidioten und zum Glück weiß man, dass sie aus einem Mund kommen, der während seiner VfB-Zeit wenig Sinnvolles von sich gegeben hat.

Wenn einer dem Verein schadet, dann doch Dietrich selbst, der es in knapp zwei Jahren geschafft hat, den VfB vom Ritt auf der Euphoriewelle in die Depression zu „führen“ und sich jedem entledigt, der nicht zu Allem „Ja und Amen“ sagt. Von Außenstehenden auferlegt zu bekommen, Ruhe zu geben und die Mannschaft bedingungslos zu supporten in den verbleibenden Spielen, können sich die Kommentatoren wie Thomas Wehrle (SWR) sparen.

Unter Dietrich ging es nicht nur sportlich bergab, auch der Ton hat sich geändert. Wurde versucht, unter Bernd Wahler eine Diskussionskultur einzuführen und Fans und Mitglieder mitzunehmen, wird, seit die Ausgliederung durch ist und Dietrich die Mitglieder nicht mehr braucht, von oben herab diktiert, gelogen und beleidigt.

Der VfB lebt es vor und bekommt es zurück, wer Wind sät, wird Sturm ernten. Haben sich die VfB-Oberen mitten im Aufstiegsrennen um Ruhe bemüht, als das Fass mit der Ausgliederung aufgemacht wurde? Hat sich VIP-Logen-Hooligan Porth um Diskretion in der schwierigen Situation bemüht, als er Guido Buchwald angegangen ist, hat ein Reschke, vor irgendeinem seiner, Außenstehende würden sagen legendären, die VfBler sagen peinlichen Auftritten sagen, überlegt, welche Lawine er lostreten würde?

Nein, also hat die zahlende Kundschaft und Mitgliederschaft ein Anrecht, auf Missstände aufmerksam zu machen, wenn sie merkt, dass der Tanker dem Grund immer näher kommt. Die Basta-Rhetorik mag einige zwar vor der Ausgliederung eingeschüchtert und beeindruckt haben, jetzt, wo wir kurz davor sind, „ja zum Abstieg“ anstatt „ja zum Erfolg“ zu sagen, haben die meisten gemerkt, dass von den Herren nur heiße Luft kommt. Herrn Dietrich steht es frei, wenn ihm die Unruhe zu groß wird, seinen Posten zu räumen, für Ruhe zu sorgen und den Weg für einen neuen Schulterschluss Verein/ Fans freizumachen.
Es wäre auch keine gute Idee, wie in besagtem SWR-Artikel gefordert, den Protest ruhen zu lassen und im Sommer fortzusetzen. Sollte der VfB mit einem blauen Auge davon kommen, würde doch ohnehin wieder zur Tagesordnung übergegangen und die Herren würden sich gar noch feiern, das schwere zweite Bundesligajahr überstanden zu haben.

Das kann es nicht sein, nach dieser Saison, in der die Verantwortlichen so ziemlich alles falsch gemacht haben, was man falsch machen konnte. Jeder weitere Tag mit Wolfgang Dietrich an der Spitze schadet dem VfB. Natürlich ist es richtig, dass Dietrich keine Tore schießt und keine verhindert und die „Mannschaft“ in erster Linie in der Pflicht steht. Dennoch ist so viel schief gelaufen, dass meiner Meinung nach nur ein totaler Neuanfang helfen kann, in die Erfolgsspur zurückzufinden und die Außendarstellung zu verbessern. Je früher, desto besser.

Dass wir mit dem Fortsetzen des Protestes die „Mannschaft“ schwächen, glaube ich nicht. Sie kann sich dies allenfalls als zusätzliches Alibi für den nächsten Grottenkick zurechtlegen, denn, hinge die Leistung vom Support ab, stünden wir auf einem Championsleague-Platz.

Gegen Leipzig herrschte gegen Ende des Spiels eine bedrückende wie angespannte Atmosphäre, so mein Eindruck von der anderen Seite des Stadions aus. Viel darf also wohl nicht mehr passieren, bis die Stimmung total kippt und die Situation eskaliert. Obacht, VfB!

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14. März 2010

2:2 verloren!

Da wir uns Ende des vergangenen Jahres mit den Lidl-Bahntickets eingedeckt hatten, war es natürlich eine willkommene Gelegenheit zum Samstag-15.30 Uhr-Spiel nach Bremen zu fahren. Die Zugverbindungen sind gut und man hat mit diesen Tickets keine Zugbindung, so dass man flexibel auf Verspätungen reagieren kann, was sich vor allem auf der Rückfahrt als gute Sache erweisen sollte. Um 7.27 Uhr ging es in Stuttgart planmäßig los. Zunächst nahmen wir den ICE Richtung Hamburg-Altona. Erst schafften wir uns mit den mitgebrachten Fleischküchle eine gute Grundlage und klopften einen Skat. Recht bald allerdings kam der Durst auf, so dass wir in den Bistro-Wagen weiter zogen und auf den Tag anstießen. Im Zug fuhren etliche VfB-Fans mit, so dass auch schon früh die ersten Lieder angestimmt wurden.

In Hannover dann stiegen wir um in den Intercity nach Bremen. Dieser hatte einge Minuten Verspätung, so dass genügend Zeit vorhanden war, ein paar Erinnerungsfotos zu schießen.

Schließlich kam er dann doch der Zug und wir nahmen die letzte Etappe unserer langen Anfahrt in Angriff: die etwa einstündige Fahrt in die Stadt der Stadtmusikanten. Auch dieser Zug war natürlich zu einem großen Teil in VfB-Hand.

In Bremen angekommen, wägten wir kurz ab, ob es sich noch lohnt, in die Innenstadt zu gehen oder ob wir schon Richtung Stadion ziehen sollen. Für letzteres entschieden wir uns dann. Carle und ich checkten erst einmal ab, wie wir fahren können, so dass wir zwar in Stadionnähe sind, aber dennoch noch etwas trinken und vielleicht auch essen gehen können.

Da ich kurz vor unserer Ausstiegshaltestelle ein Franziskaner-Schild erspähte, schauten wir uns diesen Laden mal aus der Nähe an. Die Wirtschaft war mehr eine Trinkhalle, lud aber weniger zum essen ein, so dass wir es beim Trinken beließen. Wir waren die einzigen Schwaben in der Kneipe, was aber für die Eingeborenen kein Problem war, wir wurden nett im grün-weißen Kreis aufgenommen und fanden auch gleich einen netten Menschen, der ein Gruppenbild von uns Vieren machte.

Wenig später gingen wir dann weiter zum Stadion, welches sich ja, wie unser heimisches Neckarstadion, im Umbau befindet. Aus diesem Grund bekam der VfB im Gästebereich auch nur Sitzplatzkarten, diese allerdings zum humanen Preis von Stehplätzen für 16 Euro.

Vor dem Stadion trafen wir auch gleich einige Bekannte, u. a. auch unseren Fanbeauftragten Peter Reichert. Noch eine kurze Stärkung mit Stadionwurst und Bier und schon ging es hinein ins Weserstadion. Das Wetter war ganz ok an diesem Samstag, zwar kalt mit leichtem Wind, aber sonnig und trocken. Wenn man bedenkt, dass ein, zwei Tage zuvor an gleicher Stelle noch ein heftiger Wintereinbruch mit 10 Zentimeter Neuschnee Einzug erhalten hat, konnte man da nicht meckern.

Im Stadion herrschte eine tolle Atmosphäre, erstmals natürlich als das Werder-Vereinslied “Lebenslang Grün-Weiß” ertönte. Aber auch die gut 1.500 Schwaben machten ordentlich Lärm und bewiesen einmal mehr, dass der Auswärtssupport zum besten gehört, was die Bundesliga zu bieten hat.

Das Wetter wie gesagt schön, der Platz leider nicht. Bremen hatte geplant, in der Woche zuvor den Rasen zu erneuern, die Rechnung aber ohne die Wettergötter gemacht. Diese ließen den Tausch des Geläufs nicht zu, so dass wir es hier mit einem Rübenacker zu tun bekamen, auf dem der lange und harte Winter sichtbare Wunden hinterlassen hat. Der VfB spielte mit der gleichen Aufstellung wie beim 2:1 gegen Frankfurt. Gross ist ja ein Verfechter von “Never change a winning team”. Dies ist ein Erfolgsrezept des schweizer Trainers. Er hat gleich zu Beginn seiner Tätigkeit beim VfB erkannt, wie verunsichert das Team unter Babbel war, ob der ständigen Wechsel und dass der Mannschaft vor allem eines wiedergeben muß: Stabilität. Diese hatte der VfB in den zurückliegenden Monaten in beeindruckender Manier wieder erlangt. Leider war unter der Woche das Länderspiel gegen Argentinien, so dass ein normaler Trainingsbetrieb nicht möglich war. Ursprünglich wollte ich auch zu dem Länderspiel fahren, verkaufte aber meine Karten kurzfristig mit reichlich Verlust, und das aus mehreren Gründen. Zum einen hatte ich 10 Tage vor dem Spiel noch immer meinen Urlaub nicht genehmigt bekommen, dann stehen ja weitere Ausflüge wie Schalke, Barcelona und auch Berlin an, so dass der Verzicht dennoch eine Geldersparnis einbrachte. Der Hauptgrund aber war, dass mich das Führungsteam der Nationalmannschaft mittlerweile gehörig nervt. Die geplatzten Vertragsverhandlungen, bei denen sicher  beide Parteien ihren Anteil haben. Dass Herr Löw sich in unsere Vereinspolitik eingemischt hatte, indem er Thomas Hitzlsperger zum Wechsel fast schon genötigt hat. Ich bin mir sicher, hätte er seine Klappe gehalten, und ihn ermutigt, beim VfB um seine Chance zu kämpfen, wäre Hitz noch hier und hätte sich das Kapitel Lazio Rom ersparen können.

Ebenfalls nervt mich, dass in der Nationalmannschaft nur noch derjenige Chancen hat, der kuscht oder sich irgendwann einmal Verdienste erworben hat und somit das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt wurde.

Ich war lange von der Arbeit von Löw und seinem Team überzeugt, auch weil man die Nationalmannschaft wieder anschauen konnte im Gegensatz zu dem, was unter Völler oder Ribbeck dargeboten wurde. Jetzt allerdings haben sich die Herren ein Imperium aufgebaut, und watschen jeden ab, der dort einbrechen will bzw. Kritik äußert. Dies hat Züge einer Löw’schen Diktatur. Dass die Verhandlungen auf Eis gelegt sind und erst nach der WM weitergeführt werden sollen, halte ich für äußerst schädlich in Bezug auf eine ordentliche WM-Vorbereitung und sich für mich eher ein Indiz, dass schon feststeht, dass die Zusammenarbeit nicht fortgeführt wird.

Bei dem Test gegen Argentinien waren Tasci von Beginn an, sowie Cacau und Khedira als Einwechselspieler im Einsatz. Leider endete bei diesem undankbaren Einsatz Cacaus großartige Serie mit 7 Toren in 3 Spielen. Er brachte zwar frischen Wind, blieb aber erfolglos.

Jetzt aber hinein ins Spiel, welches sehr verhalten begann. Beide Teams tasteten sich erst einmal ab und beschnupperten sich. Gleich der erste konstruktive Angriff nach 15 Minuten brachte die Führung für den VfB, Hleb setzte sich auf links durch, paßte in die Mitte zu Pogrebnjak und der ließ Wiese keine Chance. Der Jubel im VfB-Block war natürlich riesig.

Danach kam Werder besser ins Spiel und hatte durch Naldo eine richtige gute Freistoßchance, die Lehmann klasse entschärfte.

Dann erzielte Tim Borowski ein Tor, das aber zurecht wegen abseits nicht anerkannt wurde. Pizarro fand aus 5 Metern in Lehmann seinen Meister. Der VfB geriet zwar unter Druck, was in Bremen ja nicht außergewöhnlich ist, schaffte es aber auch immer wieder klug zu kontern und Werders Defensive von einer in die andere Verlegenheit zu bringen. So muß Cacau das 0:2 erzielen, als er frei vor Wiese auftauchte. Danach erzielte Pizarro noch ein Abseitstor, das ebenfalls zu Recht keine Anerkennung fand. In der 42. Minute aber war es soweit. Nach einer schönen Kombination über Pogrebnjak, dem besten Spieler auf dem Platz, der auf Gebhart verlängerte, dessen butterweiche Flanke den Kopf von Khedira fand und dieser Tim Wiese keine Chance ließ. 0:2 in Bremen, wie geil ist das denn? Setzt der VfB seine Aufholjagd in Richtung der Europacup-Plätze weiter fort? Es war die Chance, den Abstand auf Bremen auf ein Pünktchen zu verkürzen.

Nach der Pause deutete zunächst auch wenig daraufhin, dass hier noch etwas schief gehen könnte. Der VfB hatte weitere Chancen durch Hleb und Cacau, die aber leider nicht entschlossen genug waren. Dazu kam auch der Platz, der manche Bälle übel verspringen ließ. Diesem fiel auch Lehmann zum Opfer, der in der 75. Minute einen an sich harmlosen Schuß vom eingewechselten Almeida zum Anschluß passieren lassen mußte. Urplötzlich war Werder im Spiel und kam nach einem von Celozzi an Marin verursachten Foulelfmeter durch Frings sogar noch zum Ausgleich. Danach wollte Bremen sogar noch mehr, doch der VfB ließ nichts mehr anbrennen. Vor dem Spiel wäre ich mit einem Unentschieden in Bremen zufrieden gewesen, nach diesem Spielverlauf allerdings nicht. Dies kam eher einer gefühlten Niederlage gleich, da bis eine Viertelstunde vor Schluß nichts auf eine Bremer Aufholjagd hindeutete. Dass die Bremer Offensive mit Özil, Marin, Pizarro und Almeida jederzeit in der Lage ist, eine Abwehr in Verlegenheit zu bringen, ist ja bekannt, dennoch hätte der VfB bei besserer Chancenverwertung den Sack zumachen müssen. So war es allenfalls noch ein Achtungserfolg und der ein vielversprechender Auftakt der schweren Auswärtsspiele in Bremen, Schalke, Barcelona und München.

Die Mannschaft wurde dennoch freundlich verabschiedet, auch unseren Spielern war die Enttäuschung deutlich ins Gesicht geschrieben. So blieb uns nichts anderes übrig, als zu versuchen, das Positive aus diesem Spiel mitzunehmen. Nämlich dass es unsere Mannschaft mittlerweile schafft, eine so spielstarke Truppe wie Werder, fast vollständig aus dem Spiel zu nehmen. Das klappt, weil die Mannschaft mittlerweile wieder durch eine immens hohe Laufbereitschaft glänzt und mehr und mehr wieder eine Handschrift zu erkennen ist. Die letzten Monate wecken in mir große Hoffnungen, dass die nächste Saison mal wieder von Beginn an mit dem VfB zu rechnen sein könnte. Jetzt noch einen internationalen Startplatz zu erreichen, halte ich für fast aussichtslos, da die anderen Mannschaften sich auch keine Blöße geben. Dafür haben wir einfach in der Vorrunde zu viel an Boden verloren. Wie schon mehrfach von mir betont: eine Saison ohne Dreifachbelastung kann auch die große Chance sein, wieder richtig vorne mitzumischen und darauf sollten wir uns freuen.

Das Remis war also weder Fisch noch Fleisch für uns und so traten wir unmittelbar nach Spielende doch etwas enttäuscht die Heimreise an. Die Rückfahrt zum Hauptbahnhof ging flotter als erwartet, so dass wir zunächst den Zug um 18.09 Uhr erreichten, mit dem wir doch tatsächlich noch zu einer Zeit ankommen würden, zu der in Stuttgart noch S-Bahnen verkehren. Doch, wie eingangs erwähnt, erwies sich das Lidl-Ticket ohne Zugbindung als Glücksfall. In Hannover erreichten wir zwar den Anschluß, den ICE nach München. Geplant war, in Würzburg umzusteigen und den Regionalexpress nach Stuttgart zu nehmen. Doch als der ICE Minute um Minute an Verspätung dazu packte, war es uns zu riskant, womöglich in Würzburg unseren Zug zu verpassen. Also stiegen wir in Kassel aus, weil wir wußten, dass hier mindestens noch ein Zug nach Stuttgart vorbei kommen würde. Vorher kam allerdings ein ICE Richtung Basel über Mannheim. Dort stiegen wir ein und erwägten kurz, über Karlsruh zu fahren, wo auch Anschluß zu einem Regionalexpress nach Stuttgart bestehen sollte. Als auch dieser ICE einige Minuten Verspätung hatten, verwarfen wir auch den Gedanken wieder, und nahmen die sichere Variante, stiegen in Mannheim aus und warteten auf den Zug, der 0.44 Uhr in Stuttgart einfuhr und mit dem wir eben aufs Taxi angewiesen waren. Aber: Hauptsache noch heimgekommen. Alles in allem war es ein schöner Tag mit einem aufregenden Spiel, aber natürlich anstrengend. Zug fahren ist ja schon nett, im Bistro vergeht die Zeit auch wie im Flug. Und, im Gegensatz zu früheren Jahren scheint die Bahn auch eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle entdeckt zu haben: Ging früher schon mal nach 2 Stunden das Bier aus oder war es lauwarm, scheinen die Bestände mittlerweile fast unerschöpflich zu sein und das noch gekühlt. Doch fast 1.300 km an einem Tag sind dennoch heftig, das nächste Mal werden wir wohl wieder an der Weser übernachten.

Die nächsten Berichte folgen von Schalke und von Barcelona.

Bis dahin, viele Grüße

Franky

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