8. Februar 2011

Stuttgart feiert ersten Auswärtssieg

Der VfB Stuttgart holt einen 0:2-Rückstand im Kellerduell gegen Borussia Mönchengladbach in den letzten Minuten auf und sichert sich beim 3:2-Sieg drei wichtige Punkte. Es war der erste Auswärtssieg in der laufenden Saison.

Spielverlauf:

Der VfB-Trainer Bruno Labbadia änderte im Gegensatz zur Niederlage gegen Freiburg die Anfangself auf drei Positionen. Timo Gebhart, Arthur Boka und Martin Harnik durften für Zdravko Kuzmanovic, Daniel Didavi und Ciprian Marica ran. Marica saß noch nicht einmal auf der Bank. Labbadia hatte die Nicht-Nominierung mit den Trainingsleistungen des Rumänen begründet.

Mit diesen Änderungen starteten die Roten offensiv ins Spiel, während sich die Gladbacher in den ersten zehn Minuten tief in die eigene Hälft zurückzogen. Allerdings konnte sich der VfB keine nennenswerten Torchancen erarbeiten. Die erste Offensivaktion von Mönchengladbach brachte den VfB-Torhüter Sven Ulreich dagegen gleich in Bedrängnis. Ein Freistoß von Kapitän Filip Daems aus 20 Metern wurde von der Stuttgarter Abwehrmauer abgefälscht und verfehlte sein Ziel nur um Zentimeter (10. Minute).

Timo Gebhart fiel drei Minuten später im gegnerischen Strafraum. Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer erkannte eine Schwalbe und zeigte Gebhart die gelbe Karte. Da es die fünfte Verwarnung für den Mittelfeldspieler war, muss er im Heimspiel gegen Nürnberg in der kommenden Woche pausieren.

Schneller Ausgleich nach der Pause

Nach 20. Minuten agierte Mönchengladbach dann mutiger nach vorne – und kam zu guten Chancen. Igor De Camargo setzte sich am Strafraum gegen Christian Gentner durch, zo direkt ab und schoss nur knapp vorbei (26.). Doch das war nur der Anfang: In den folgenden Minuten stürmte Gladbach und die Stuttgarter gerieten immer mehr unter Druck. Erst nutzen Mohamadou Idrissou und Marco Reus eine aussichtsreiche Situation nicht und nur wenige Sekunden später scheitert Reus aus 14 Metern an Ulreich (28.).

Wenig später schlug Reus einen Eckball von der rechten Seite vors Tor und kein Stuttgarter Spieler deckte Gladbachs Dante, der den Ball aus fünf Metern zur Führung der Fohlen einköpfte (29.). Anschließend präsentierte sich die VfB-Hintermannschaft völlig indisponiert. Nach einem Fehler von Patrick Funk eroberte Idrissou den Ball, passte auf Reus, der den Ball von der linken Seite De Camargo zum 2:0 auflegte. Mit dieser verdienten Führung ging die Mannschaft von Trainer Michael Frontzeck auch in die Pause.

VfB-Trainer Labbadia reagierte in der Halbzeitpause und wechselte für die Außenverteidiger Patrick Funk und Cristian Molinaro, Kuzmanovic und Neuzugang Tamás Hajnal ein. Und bereits wenige Minuten nach dem Wiederanpfiff keimte wieder Hoffnung bei den Stuttgartern auf. Nach Flanke von Harnik reagierte Pawel Pogrebnjak schneller als seine Gegenspieler und verkürzte auf 1:2 (51.). Der Russe hatte bereits in der Hinrunde drei Mal gegen Mönchengladbach getroffen.

Glänzte Harnik beim Anschlusstreffer noch als Vorlagengeber, sorgte er nur fünf Minuten später sogar für den Ausgleich (56.). Nach Pass von Boka schob der Österreicher aus elf Metern die Kugel ins Netz. Nach zu diesem Zeitpunkt etwas überraschenden Ausgleich dominierte der VfB das Spiel. Die Gastgeber waren dagegen völlig verunsichert und brachten im Angriff nichts mehr zustande. Doch die Stuttgarter versäumten es sich weitere Chancen zu erarbeiten und gab Gladbach die Möglichkeit zurück ins Spiel zu kommen. So störte VfB-Abwehrspieler Georg Niedermeier Gegenspieler Idrissou noch entscheidend beim Kopfball (75.). Nach dem anschließenden Eckball landete der Ball dann im Stuttgarter Kasten. Doch Schiedsrichter Kinhöfer entscheidet auf Foul von Dante an Stuttgarts Torhüter Ulreich im Fünfmeterraum.

Wenige Minuten vor Schluss stand wieder Schiedsrichter Kinhöfer im Mittelpunkt. Nach einem Zweikampf zwischen Dante und Pogrebnjak entscheidet der Unparteiische auf Strafstoß für Stuttgart. Gebhart trat an, verwandelte und sicherte dem VfB nach einer mutigen Aufholjagd wichtige Punkte im Abstiegskampf.

Entscheidende Szene:

Bruno Labbadia hatte mit seinen Wechseln in Pause ein glückliches Händchen. Hajnal zeigte bei seinem Debüt gute Ansätze und ordnete das zuvor zerfahrene Offensivspiel des VfB.

Kommentar:

Der VfB Stuttgart zeigte sich in der ersten Halbzeit viel zu harmlos im Angriffsspiel. Den Roten hatten keine ernsthafte Torchance vor dem Pausenpfiff. Hinzu kamen Unsicherheiten in der Abwehr, die zum Rückstand führten. In den ersten zehn Minuten des zweiten Spielabschnitts präsentierten sich die Stuttgarter wie ausgewechselt und kamen folgerichtig zum Ausgleich. Doch anschließend konnten die Stuttgarter erneut keinen großen Druck auf das gegnerische Tor ausüben. Die Leistungssteigerung wurde nach dem Elfmeter dennoch belohnt. Damit hält Stuttgart den Anschluss an die Nicht-Abstiegsplätze.

Borussia Mönchengladbach:

Heimeroth -Levels, Stranzl, Dante, Daems – Nordtveit, Neustädter (89. Arango) – Reus, Idrissou – De Camargo (83. Herrmann), Matmour (67. Hanke).

VfB Stuttgart:

Ulreich – Funk (46. Kuzmanovic), Tasci, Niedermeier, Molinaro (46. Hajnal) – Träsch, Gentner – Gebhart, Boka – Harnik (79. Schipplock), Pogrebnjak.

Tore:

1:0 Dante (29.), 2:0 De Camargo (31.), 2:1 Pogrebnjak (51.), 2:2 Harnik, 2:3 Gebhart (87.)

Schiedsrichter:

Thorsten Kinhöfer (Herne)

Besondere Vorkommnisse

Platzverweis für Dante (86.)

Zuschauer:

39.132

(Stuttgarter Zeitung online 7.2.2011)

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24. Januar 2011

Stuttgart erkämpft sich einen Punkt

Der VfB Stuttgart kann immerhin einen Punkt bei Borussia Dortmund erobern. Pogrebnjak erzielt kurz vor Schluss noch das 1:1 (1:0). Dabei verpasste es der Tabellenführer, die Partie rechtzeitig zu entscheiden.
Spielverlauf:

Die Dortmunder tauchten bereits in der dritten Spielminute das erste Mall gefährlich vor dem Tor des VfB Stuttgart auf. BVB-Stürmer Robert Lewandowski kam völlig freistehend zum Abschluss. Doch sein Schuss verfehlte das Gehäuse von Torhüter Sven Ulreich deutlich.

Auf der Gegenseite sorgte Stuttgarts Stürmer Pawel Pogrebnjak für erste Aufregung (6. Minute). Der Russe versuchte, im Duell mit Dortmunds Schlussmann Roman Weidenfeller einen Elfmeter zu schinden. Der Pfiff von Schiedsrichter Brych blieb allerdings zu recht aus. In der Folge zeigten die Dortmunder die bessere Spielanlage, doch die besseren Chancen hatten zunächst die Stuttgarter: Erst prüfte Christian Gentner nach einer Kuzmanovic-Ecke Dortmunds Torhüter Weidenfeller per Kopf (14.) und nur wenige Minuten später kam Sven Schipplock ebenfalls frei zum Kopfball (18.), der allerdings das Tor deutlich verfehlte. Schipplock war für den verletzten Cacau » in die Mannschaft gerückt. Das war auch die einzige personelle Veränderung beim VfB im Vergleich zum Sieg gegen Mainz .

Nach 20. Minuten zog sich der VfB Stuttgart dann zunehmend zurück und überließ dem BVB das Spiel. Folgerichtig erarbeiteten sich die Dortmunder auch mehr Torchancen. Erst suchten Nuri Sahin (21.) und Marcel Schmelzer (24.) mit Distanzschüssen aus halblinker Position den Abschluss – ohne Erfolg. Dann verlieren Stuttgarts Abwehrspieler Delpierre und Molinaro den Ball leichtsinnig an Jakub Blaszczykowski. Der Pole legt sich den Ball allerdings zu weit vor, sodass ihm Stuttgarts Torhüter Sven Ulreich die Kugel vom Fuß schnappen kann (28.). Und auch in der 30. Minute gingen die Dortmunder zu fahrlässig mit einer Torchance um: Aus aussichtsreicher Position will Sahin auf Stürmer Lewandowski passen, statt selbst den Torabschluss zu suchen.

Dortmunder lassen viele Chancen ungenutzt

Doch kurz vor der Halbzeit waren die Dortmunder dann doch noch erfolgreich. Nach einer schnellen Kombination von Sahin über Kevin Großkreutz schiebt Mario Götze zur Führung der Gastgeber ein (42.). Den Schlusspunkt der ersten Halbzeit setzte dann Lewandowski, der Ulreich mit seinem Kopfball zu einer Rettungstat zwang.

VfB-Trainer Bruno Labbadia reagierte in der Halbzeitpause auf das enttäuschende Auftreten seiner Mannschaft in der Offensive und wechselte für den unauffälligen Arthur Boka Timo Gebhart ein. Am Spielverlauf sollte sich dadurch allerdings nicht viel ändern. Die Dortmunder gaben den Takt vor und kamen durch Großkreutz zur nächsten Chance (50.). VfB-Torhüter Sven Ulreich kann aber noch entscheidend stören. In der 56. Minute vergab dann Lewandowski aus elf Metern eine weitere aussichtsreiche Chance. Und auch Sahins abgefälschter Schuss aus 20 Metern verfehlte das VfB-Tor nur um Zentimeter (60.).

In der 61. Minute machte dann endlich der VfB-Angriff wieder auf sich aufmerksam. Doch Schipplock kann eine Vorlage von Molinaro aus kurzer Distanz nicht im gegnerischen Tor unterbringen. Die Dortmunder konnten in der Folge ihre Überlegenheit nicht in weitere Tore ummünzen und ließen zu viele Chancen ungenutzt. Wie auch in der 75. Minute als Barrios das Tor verfehlte. Das sollte sich rächen: Fünf Minuten vor Spielende erzielte Stuttgarts Pogrebnjak den etwas überraschenden Ausgleich, der den Roten einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf sichert.

Entscheidende Szene:

Der VfB Stuttgart erzielte mit seinem besten Spielzug, eingeleitet durch den eingewechselten Gebhart und mit der Hacke von Kuzmanovic auf Pogrebnjak abgelegt, doch noch den Ausgleich.

Kommentar:

Der VfB Stuttgart hielt zunächst gut mit, stand in der Defensive sicher und erarbeitete sich durchaus gute Chancen. Bis zur Pause konnten die Roten ihre Defensive dann allerdings zu wenig entlasten. Vor allem im Angriffsspiel läuft beim VfB nicht viel zusammen. Ungenauigkeiten im Passpiel machen es dem Gegner oft zu leicht, den Ball zurückzuerobern. Letztlich profitierten sie auch davon, dass der BVB zu fahrlässig mit seinen Chancen umgegangen ist.

Borussia Dortmund:

Weidenfeller – Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer – Sahin, da Silva – Blaszczykowski (63. Barrios), Götze, Großkreutz (86. Feulner) – Lewandowski )90. Stiepermann).

VfB Stuttgart:

Ulreich – Funk, Tasci, Delpierre (63. Niedermeier), Molinaro – Träsch, Kuzmanovic – Gentner, Boka (46. Gebhart) – Schipplock (70. Harnik), Pogrebnjak.

Tore:

1:0 Götze (42.), 1:1 Pogrebnjak (85.)

Schiedsrichter:

Dr. Felix Brych (München)

Zuschauer:

80.720 

(Stuttgarter Zeitung online 22.1.2011)

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31. Dezember 2010

2:4 in Bern: Der VfB versinkt im Schneechaos

Fredi Bobic sieht aus wie ein begossener Pudel. Leise rieselt der Schnee, leise und unaufhörlich. Bobic wird nass. “Da kann man nichts machen. Die Zeiten sind eben ungemütlich”, sagt der Manager des VfB Stuttgart. Zuvor hatte er miterleben müssen, wie seine Elf bei Young Boys Bern mit 2:4 verlor. “Die Jungs haben sich selbst um den Lohn gebracht”, sagt Bobic. Dabei war das Ergebnis an diesem Abend aber sowieso Nebensache.

Denn wohl nur ganz selten in der Vereinsgeschichte hat ein internationales Pflichtspiel stattgefunden, das so bedeutungslos war wie jenes am Mittwochabend. Erstens war schon vor dem Anpfiff klar, dass der VfB in der Europa League überwintern würde und auch in der nächsten Runde im Februar noch im Rennen ist. Und zweitens gilt die Konzentration ohnehin dem Abstiegskampf in der Bundesliga, wo die Lage vor dem baden-würrtembergischen Derby am Samstag gegen Hoffenheim bedrohlich ist. “Das wird eine heiße Kiste”, sagt Bobic, “wir brauchen die Punkte unbedingt.”

Wenn die Partie in Bern angesichts dessen einen Sinn hatte, dann den, dass einige Reservisten die Gelegenheit erhielten, auf sich aufmerksam zu machen – speziell Zdravko Kuzmanovic, Pawel Pogrebnjak und Mauro Camoranesi. Die äußeren Umstände machten den Auftritt zwar zu einem Muster ohne große Aussagekraft. Das Fazit lautet aber dennoch, dass der zweikampfschwache Camoranesi trotz einiger gelungener Aktionen seine Chance nicht nutzte. Dagegen bemühten sich Kuzmanovic und Pogrebnjak zumindest.

Die Gewinner waren jedoch die Spieler, die der Trainer Jens Keller zur Schonung für Hoffenheim zu Hause gelassen hatte, etwa Cacau, Matthieu Delpierre und Christian Träsch. Sie saßen im Trockenen. Vor dem Fernseher dürften sie sich an einen alten Schlager von Roy Black erinnert gefühlt haben: “Ganz in Weiß”. Starker Schneefall sorgte dafür, dass der Schiedsrichter Alon Yefet die Partie mit einer halbstündigen Verspätung anpfiff. Der Platz musste erst geräumt werden. Zudem steckten viele Fans noch im Stau.

Neben den Spielern in der Heimat gab es beim VfB aber auch noch einen Gewinner: Michael Meusch, den Zeugwart. In weiser Voraussicht hatte er Petroleum eingepackt. Damit bestrich er die Sohlen der Kickstiefel – und verhinderte, dass der Schnee haften blieb. So waren die Spieler wenigstens einigermaßen standfest.

Gutes Sitzfleisch brauchten sie später auch. Denn wegen des Wintereinbruchs konnte die Chartermaschine des Clubs nach der Partie nicht wie geplant in Bern starten. Eine weitere Hotelübernachtung hatte der VfB nicht gebucht. So musste er schließlich mit dem Mannschaftsbus zurück nach Stuttgart fahren. Unterwegs konnten sich die Profis dann auch über ihren Auftritt unterhalten. Es hatte schlecht begonnen für den VfB, mit einem Lattentreffer für Bern durch Lulic (2.). Aber in der Folge hatten beide Mannschaften unter den Verhältnissen auf dem eigentlich unbespielbaren Platz zu leiden. Willkommen zum Schneewalzer von Bern. Nach 30 Minuten kamen die Räumfahrzeuge wieder zum Einsatz. Einige Helfer kehrten den Schnee von den Linien. Sogar Marc Ziegler griff zum Besen. Von der Haupttribüne aus war die Gegentribüne nicht zu erkennen. Bei minus drei Grad gingen zwischendurch auch noch ein paar Dachlawinen ab.

Solche Bilder sah man bei einem VfB-Spiel noch nie. Nicht neu waren dagegen die Abwehschwächen. Davon profitierte David Degen, der die Young Boys in Führung brachte (35.). Nach der Pause steigerte sich der VfB jedoch. Pogrebnjak erzielte den Ausgleich (48.). Dann schlug der eingewechselte Sven Schipplock zu. 93 Sekunden war er auf dem Feld, als er einen Pass von Camoranesi zum 2:1 nutzte. Aber es reichte nicht. In vier Minuten schossen Sutter (78.) und Mayuka (81., 82.) auch die Young Boys in der Europa League weiter. “Da haben wir geschlafen”, sagt Bobic. Es war also wie zuletzt in der Bundesliga. Der VfB war bedient, aber es könnte noch schlimmer kommen. Denn bei einer Niederlage am Samstag gegen Hoffenheim würde Fredi Bobic erneut wie ein begossener Pudel dastehen – ganz unabhängig vom Wetter übrigens.

Bern:

Wölfi – Sutter, Nef, Affolter, Jemal – Pascal Doubai (67. Marco Schneuwly), Spycher – David Degen, Costanzo (56. Christian Schneuwly), Lulic (73. Regazzoni) – Mayuka.

VfB Stuttgart:

Ziegler – Philipp Degen (69. Funk), Bicakcic, Niedermeier, Molinaro – Bah – Kuzmanovic, Camoranesi – Elson – Pogrebnjak (66. Schipplock), Harnik (74. Didavi).

Schiedsrichter:

Yefet (Israel).

Zuschauer:

18.627.

Tore:
1:0 Degen (35.), 1:1 Pogrebnjak (48.), 1:2 Schipplock (68.), 2:2 Sutter (78.), 3:2 Mayuka (81.), 4:2 Mayuka (82.).

(STZ online 2.12.2010)

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20. September 2010

Fußballfeuerwerk in Stuttgart

Der VfB Stuttgart hat sich in weniger als zwei Tagen aus der Krise geschossen: Nur 41 Stunden nach dem Europa- League-Erfolg gegen Bern (3:0) feierten die Schwaben am Samstag beim eindrucksvollen 7:0 (2:0) gegen Borussia Mönchengladbach auch ihren ersten Saisonsieg in der Fußball-Bundesliga. Pawel Pogrebnjak schoss für den wie aufgedreht und mit völlig neuem Selbstvertrauen spielenden VfB gleich drei Tore (2., 54. und 60. Minute). Die weiteren Treffer erzielten Georg Niedermeier (21.), Zdravko Kuzmanovic (64.), Matthieu Delpierre (72.) und Ciprian Marica (80.). Für die erschreckend schwachen Gladbacher war es nach dem 0:4 gegen Eintracht Frankfurt das zweite Debakel in Serie. Spiele gegen Stuttgart sind zudem so etwas wie eine aussichtslose Angelegenheit für sie: In den vergangenen 15 Jahren gewannen sie nur eines davon. Der VfB siegte zum fünften Mal in seiner Bundesliga-Historie mit 7:0, zuletzt war ihm das am 23. Februar 1991 gegen Dortmund gelungen.
Dazu feierte Kapitän Delpierre nach viermonatiger Verletzungspause (Knie-Operation) sein von Christian Gross “sehnlich erwartetes” Comeback. Seine Wunschformation im Abwehrzentrum konnte der VfB- Trainer aber schon wieder nicht aufbieten, da Serdar Tasci kurzfristig mit Adduktoren-Problemen ausfiel. Ansonsten änderte Gross im Vergleich zum Bern-Spiel nichts. Der Faktor Stabilität war ihm bei seiner Aufstellung wichtiger, als mögliche frische Kräfte einzubauen. Dieser Plan ging von Anfang an auf. Stuttgart spielte mit enorm viel Schwung und einer positiven Körpersprache – das Spiel gegen Bern hatte nicht etwa Kräfte gekostet, sondern neue freigesetzt. Schon in der zweiten Minute traf Pogrebnjak per Abstauber zum 1:0. Gerade, als das hohe Anfangstempo etwas abzunehmen drohte, erhöhte Niedermeier per Kopf nach einem Eckball von Mauro Camoranesi auf 2:0. Vor 39 500 Zuschauern spielten die Gastgeber zum ersten Mal in dieser Saison genau den druckvollen Fußball, den ihr Trainer immer predigt.

Die starken Außenverteidiger Arthur Boka und Christian Träsch trieben das Spiel nach vorn, wo der agile Camoranesi und der junge Daniel Didavi die spielerischen Akzente setzen und Cacau sowie Pogrebnjak permanent in Bewegung waren. Der Russe hätte die VfB- Führung schon in der 25. und 35. Minute ausbauen können. Die völlig indisponierten Gladbacher liefen in dieser Partie nur hinterher. Daran änderte nicht einmal etwas, dass Thorben Marx nach überstandener Oberschenkelzerrung wieder dabei war, Trainer Michael Frontzeck seine Spieler zur Pause schon nach wenigen Minuten aufs Feld zurückschickte und die Stuttgarter sich für die zweite Halbzeit eigentlich vorgenommen hatten, Kräfte zu schonen. Doch dann machte der VfB einfach da weiter, wo er vorher aufgehört hatte. Pogrebnjak, Kuzmanovic, Delpierre und der eingewechselte Marica trafen, wie sie wollten, während die Borussia nicht eine nennenswerte Torchance besaß. “Der VfB ist wieder da”, sangen die versöhnten Stuttgarter Fans dazu.
(STZ 18.9.2010)

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13. September 2010

Fehlstart zu Saisonbeginn: Alarmstufe eins beim VfB

Es sind 85 Minuten vorbei, als Joachim Löw einen Zwischenspurt einlegt und sich zügig auf den Heimweg macht. So muss er keine ragen zum VfB beantworten. Das ist gut für ihn, denn wenn der Bundestrainer bis zur 90. Minute geblieben wäre und dann die Wahrheit gesagt hätte, hätte er sich in Stuttgart keine Freunde gemacht. Schließlich konnte jeder im Stadion sehen, dass die Mannschaft in der Krise steckt. Nach dem 1:2 beim SC Freiburg und der dritten Niederlage im dritten Saisonspiel ist der Fehlstart perfekt.

Durch seinen Abgang versäumt Löw eine Szene nach dem Schlusspfiff, die womöglich bezeichnend für die Stimmungslage ist. Wie üblich will sich Timo Gebhart bei den mitgereisten Anhängern für die Unterstützung bedanken. Im Mittelkreis wartet er auf seine Kollegen, die teilweise jedoch schon in der Kabine verschwunden sind. Gebhart winkt aufgeregt. Zumindest einige folgen ihm dann doch noch und marschieren in Richtung Kurve – um auf halber Strecke wieder umzudrehen. Ein Affront gegen die Fans soll das wohl nicht sein. Eher spiegelt sich darin das Innenleben der Mannschaft wider. Es herrscht der Eindruck, dass jeder in erster Linie an sich selber denkt. So spielen sie übrigens auch.

Der Teamgeist fehlt

Diese Entwicklung hat nun sogar Erwin Staudt auf den Plan gerufen. Am Sonntag redete er dem Team eindringlich ins Gewissen. Der Präsident forderte die Profis auf, sich wieder auf ihren Job zu konzentrieren. Das Fazit der Bestandsaufnahme lautete, dass es so nicht weitergehen kann. Staudt betonte, dass er mehr erwartet. Das zeigt: die Verantwortlichen beim VfB sind schon sehr nervös. Es herrscht Alarmstufe eins.

Wenn der Appell an die Spieler nicht fruchtet, wird sich Staudt an den Trainer wenden. So sind die Mechanismen, das weiß Christian Gross. Er ist der Erste, der sich am Samstag in die Katakomben zurückzieht – und danach ziemlich ratlos wirkt. Wie schon zuletzt sagt er erneut, dass die Niederlage unnötig gewesen sei. Oder dass die Gegentore nach Fehlern gefallen seien. Oder dass sich die Mannschaft das selbst eingebrockt habe. Oder dass es nun hart werde. “Wir müssen da bald rauskommen.” Wie das gelingen soll, sagt Gross nicht.

Vielleicht hat auch ihm die Körpersprache in der zweiten Halbzeit zu denken gegeben, als die Spieler mutlos über den Platz gelaufen sind. Da war kein Aufbäumen, kein Wille, kein Zusammenhalt. Der VfB schien auseinanderzufallen und wirkte, als sei er mit den Kräften am Ende – als Folge einer komplizierten Saisonvorbereitung? Jedenfalls gibt es Spieler, die nicht gerade begeistert über die vielen Trainingscamps im Sommer waren. Außerdem wird in der Mannschaft auch über den Sinn der intensiven Belastungseinheiten am Tag vor einigen Europa-League-Spielen diskutiert.

Vorbereitungsphase war schwierig

Allerdings war es auch nicht einfach für Gross, der zum einen dafür sorgen musste, dass der VfB international im Rennen bleibt – und andererseits auch fit in die Bundesliga geht. Zudem konnte der Trainer lange nicht mit dem kompletten Kader arbeiten, wegen der WM und weil viele Neuzugänge erst spät verpflichtet wurden. Dazu passt, dass die im August geholten Johan Audel und Philipp Degen sofort ausgefallen sind und bis auf weiteres fehlen. So kommt ein Problem zum anderen.

Offensichtlich ist beispielsweise auch, dass die Mannschaft keinen Anführer hat – eine Rolle, die Sami Khedira und Jens Lehmann in der Rückrunde zumindest teilweise ausfüllten. Beide sind nicht mehr hier. Der Aushilfskapitän Cacau versucht in die Bresche zu springen, aber dabei verzettelt er sich. Er meint, überall auf dem Spielfeld präsent sein und vieles auf eigene Faust unternehmen zu müssen. Damit wird Cacau für die eigenen Kollegen jedoch noch unberechenbarer als für den Gegner.

Im Mittelfeld harmonieren Christian Gentner und Zdravko Kuzmanovic nicht. Den für diese Position bestens geeigneten Christian Träsch lässt Gross nur als Verteidiger ran. Auch die Entscheidung des Trainers, zu Saisonbeginn trotz schwacher Leistungen auf Georg Niedermeier und Khalid Boulahrouz zu bauen und Serdar Tasci draußen zu lassen, beschäftigt die Mannschaft weiter.

Insofern steht der VfB vor einer wichtigen Woche mit den Spielen am Donnerstag in der Europa League gegen Bern und am Samstag in der Liga gegen Gladbach. Der negative Lauf muss schnell gestoppt werden. Sonst dürfte es nicht lange dauern, bis Erwin Staudt seinen nächsten Auftritt hat.

Freiburg:

Baumann – Mujdza, Barth, Butscher, Bastians – Schuster – Abdessadki, Makiadi, Jäger (49. Nicu) – Cissé (83. Toprak), Reisinger (57. Yano).

Stuttgart:

Ulreich – Träsch, Niedermeier, Tasci, Molinaro – Kuzmanovic, Gentner – Camoranesi (61. Gebhart), Didavi (76. Boka) – Pogrebnjak (76. Harnik), Cacau.

Schiedsrichter:

Sippel (München).

Tore:

0:1 Pogrebnjak (27.), 1:1 Cissé (58.), 2:1 Schuster (71.).

(STZ 13.9.2010)

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