11. März 2015

Weiß bleibt Bad Cannstatt, jagt sie aus der Stadt!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 17:42

Viel Zeit blieb nicht, sich über die neuerliche Nullnummer im Neckarstadion aufzuregen. Dafür sorgten DFL, Deutsche Bahn und die Polizei, die das größere Ärgernis an diesem Abend waren und die maßgeblich dafür verantwortlich zeichnen, dass wir mehr über die Geschehnisse rund um und nicht mehr über das Spiel sprechen.
Zunächst einmal war es höchst fahrlässig, dieses Spiel gegen die Hertha an einem Freitag-Abend austragen zu lassen, während der KSC sein Heimspiel erst am Montag zu bestreiten hatte. Hier standen offensichtlich die Sender- über den Sicherheitsinteressen. Man kann davon ausgehen, bei gleicher Konstellation auswärts, wäre das Spiel aufgrund dortiger Sicherheitsbedenken kurzfristig verlegt worden, scheiß drauf, wer schon alles die Reise gebucht und sich auf den einmal festgelegten Termin eingestellt hat.
Nicht so in Stuttgart! Sehenden Auges rannte man ins Chaos, ein Schelm, der dabei nicht vermutet, dass es mal wieder ordentlich krachen sollte, um den Forderungen nach weiteren Restriktionen rund um den Fußball Nachdruck zu verleihen. Dass es kein normales Aufeinandertreffen werden würde, merkte man bereits Stunden vor dem Spiel, da in Cannstatt ein massives Polizeiaufgebot zu sehen war. Da es Verschwendung von Personalressourcen gewesen wäre, sie waren ja nun mal schon da und sollten nicht „arbeitslos“ herumstehen, wurde von Polizeiseite alles getan, einen arbeitsreichen Tag zu bekommen.
So beorderten sie etwa 150 Hertha- und KSC-Fans in Bad Cannstatt aus der S-Bahn, um sie von dort zum Stadion geleiten zu wollen. Eine Schnapsidee, wie es von vornherein absehbar war und sich auch als solche herausstellte. Man weiß, sicherlich auch die oberschlaue Polizei, dass sich stets am Bahnhofsvorplatz die VfB-Ultras sammeln, um dann gemeinsam zum Stadion zu marschieren. Dass, geleitet man eine Gruppe von Fans bzw. Krawallmachern des Erzfeindes an ihnen vorbei, diese nicht nur freundlich zuwinken würden, war wohl jedem klar, nur eben nicht den vom Steuerzahler finanzierten Ordnungshütern. Es mag daran liegen, dass für solche Einsätze mittlerweile Einsatzkräfte aus dem ganzen Land herangezogen werden, aber, selbst dann, wie im normalen Berufsleben auch, heißt das Zauberwort „Arbeitsvorbereitung“. Hinzu kommt, dass für uns VfB-Fans Bad Cannstatt ein heiliges Pflaster ist, das es notfalls auch zu verteidigen gilt. Die KSCler, die sich in die Landeshauptstadt aufmachten, waren ja nun auch keine „normalen“ Fans, die hatten es darauf abgesehen zu pöbeln, VfB-Devotionalien zu ziehen, sich zu prügeln und Sachbeschädigungen in der aus ihrer Sicht verbotenen Stadt zu verüben. Einen solchen Mob durch Cannstatt zu führen geht überhaupt nicht. Nachdem die Polizei damit die ersten Auseinandersetzungen erfolgreich provoziert hatte, zogen sie den Rückzug an und verstauten den Mob in der nächsten Bahn, um sie doch im Neckarpark abzuladen. Auch in dieser Bahn muss es zu übelsten Provokationen gegenüber „normalen“ Fahrgästen und VfBlern gekommen sein, da man ja nicht, wie in anderen Städten durchaus üblich, eine leere Bahn bereitgestellt hatte, die ausschließlich dem blauen Gesindel vorbehalten gewesen wäre.
Nach dem Spiel dann eskalierte die Situation zunehmend. Dies aber nicht etwa wegen randalierender Schwaben, sondern, weil die Polizei kurzerhand den Bahnhof zusperrte, um einer vom Neckarpark kommenden Bahn mit Gästefans eine störungsfreie Durchfahrt zu gewährleisten. Vor dem Bahnhof wuchs natürlich die Menschenmenge an, es war bereits nach 23 Uhr und auch die VfBler wollten nach Hause. Wir haben ein großes Einzugsgebiet, so dass viele noch ihren (letzten) Zug bekommen mussten, um nicht in Stuttgart stranden zu müssen.
Normalerweise ist es bei Hochrisikospielen Usus, dass dem Gästeblock eine Blocksperre auferlegt wird und die Gäste so lang im Block bleiben müssen, bis die Luft rein ist und die meisten Heimfans das Stadionumfeld verlassen haben. So war es vor ein, zwei Jahren auch in Berlin, dass wir freundlich aber bestimmt darum gebeten wurden, noch eine halbe Stunde zu warten, bis die meisten Berliner (und Karlsruher) weg waren. Bei uns aber, ein Hoch auf die Gastfreundschaft, ist es genau andersherum. Die Gästefans werden hofiert, wir dagegen müssen sehen, wo wir bleiben. Ähnliches war mir bereits während des Stadionumbaus sauer aufgestoßen, als uns der Zugang zum Neckarpark so lang verwehrt wurde, bis sich der Bayern-Block geleert hatte. Es war damals auch ein Abendspiel, unter der Woche, wo man eigentlich nur noch heim möchte.
Das gibt’s wohl exklusiv nur in Stuttgart, wie mit den eigenen Leuten umgegangen wird. Dass es sich bei solchen Umständen die einen oder anderen drei Mal überlegen, vor allem diejenigen, die eine weitere Anfahrt haben, ob sie auch die nächsten Abendspiele besuchen sollen, ist verständlich. Auch so vergrault man seine Zuschauer. Inwieweit der VfB ein Mitspracherecht bei den Terminierungen hat und in das Sicherheitskonzept eingebunden ist, kann ich nicht sagen. Ich würde mir aber wünschen, dass man sich hier mehr für seine eigene Kundschaft einsetzt und zu allererst Sorge dafür trägt, dass diese ohne Komplikationen den Heimweg antreten kann.
Ich selbst hatte nicht allzu viel mitbekommen und muss mich auf Presseberichte und Erzählungen von Bekannten verlassen. Lediglich gegen 23.15 Uhr, als wir am Bahnhof vorbei kamen, gab es zwei Mal eine Rennerei, der wir ausweichen mussten, weil vorne am Bahnhofseingang Pfefferspray zum Einsatz kam. Obwohl die Leute zwar ungeduldig, dennoch äußerst diszipliniert waren, sprühte die Polizei durch einen offenen Spalt an der Bahnhofstür Pfefferspray hinaus und hatte offensichtlich Spaß dabei. Welch eine feige, welch eine fiese Aktion! Dass durch solche Handlungen der Respekt vor und die Kooperationsbereitschaft mit den Ordnungskräften nicht wächst, ist doch ganz klar. So schufen die Einsatzkräfte ein aggressives Klima, welches sich später in ausufernder Gewalt einiger Unverbesserlicher niederschlug.
Angeblich wurden Polizisten von „Fans“ in einen Hinterhalt gelockt und angegriffen, so dass sich diese nur mit Warnschüssen in die Luft zu helfen wussten, ebenso wurden einige Autos beschädigt. Für solche Exzesse habe ich null Verständnis und hoffe, dass die Täter gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden. So verfahren die Situation war, so unverhältnismäßig und dilettantisch der Polizeieinsatz war, das alles rechtfertigt es nicht, fremdes Eigentum zu beschädigen und mit etwa 80 Mann zwei (!) Polizisten anzugreifen. Das ist purer Vandalismus, den ich im Zusammenhang mit Fußballspielen nicht sehen will.
Wie eingangs erwähnt liegt die Vermutung nahe, dass so manchem solche Geschehnisse gerade recht kommen. Die Reaktion von Polizeigewerkschaftsboss Wendt und auch Innenminister Gall folgte dann auch auf dem Fuß. Wendt meint, der Polizei würde es die Arbeit ungemein erleichtern, wenn er Leute einfach festnehmen lassen könnte, ohne dass sie eine Straftat begangen hätten, einfach so, nur um Ruhe zu haben. Wo kommen wir denn hin, wenn wir noch mehr der Polizeiwillkür ausgesetzt wären, wie ohnehin schon? Bei solchen und ähnlich lautenden Forderungen treten hoffentlich Juristen auf den Plan und verhindern die Einführung dieser. Man musste sich ja zwangsläufig in den letzten Jahren schon fast daran gewöhnen, dass die Gesetze der Bundesrepublik Deutschland rund um ein Stadion, manchmal schon in der ganzen Stadt, nichts mehr wert sind, was für mein Rechtsempfinden schon sehr bedenklich ist.
Ich habe selbst keinerlei Verständnis für Gewaltausbrüche und versuche mich auch stets fernzuhalten, wo es danach aussieht, aber, als Vielfahrer bekommt man eben öfter unverhältnismäßige Einsätze mit und kann es verstehen, dass beim einen oder anderen Gewalt zu Gegengewalt führt.
Passend dazu gestern ein Vorfall im Kickers-Stadion. Wir waren oben auf den Golan-Höhen, um Chemie Halle bei den Blauen zu unterstützen. Ein Kumpel aus dem Fanclub, der aus Halle stammt und dessen zweite Liebe der Hallesche FC ist, nahm uns mit. Einige waren bereits mal in Halle dabei, letzte Saison waren wir mit ihnen schon in Degerloch gegen die Kickers im Block und auch letzten Samstag bei den Amateuren saßen wir nett mit Hallensern zusammen. Spricht grundsätzlich ja nichts dagegen, zumal wir in absolut friedlicher Absicht dort waren. Neutral angezogen, äußerlich identifizierte uns nichts als VfB-Fans. Wir waren also auf keinerlei Pöbeleien gegen die Kickers aus gewesen, wollten nur das Fußballspiel sehen und ein paar Bier mit den Hallensern trinken und hätten uns gefreut, wenn die Kickers eine auf den Sack bekommen hätten.
Nach unserem Eintreffen am Eingang genügte es dann schon, dass wir Bekannten „hallo“ sagten, die von der Polizei wohl in die Kategorie Problemfans eingestuft wurden. Jedenfalls wurden wir eingekesselt, einer Personenkontrolle unterzogen und schließlich nach kurzer (sinnloser) Diskussion in einen leeren Block verfrachtet, weil es angeblich bei den Hallensern nicht gut ankam, dass VfBler mit ihnen im Block sein wollten, „zu unserer eigenen Sicherheit“, wie uns der Bulle weismachen wollte. Dadurch verpassten wir schon einmal das Intro und den Anpfiff und fanden uns kurze Zeit später im Käfig wieder, so dass ich meine Kamera gleich mal stecken lassen konnte. Komisch nur, als wir uns nach der Halbzeit in der Menschenmenge doch noch in den Block schmuggelten, dass alle freundlich und uns wohlgesonnen waren. So viel zu der viel beschworenen Gefahrenabwehr. Für mich machen es sich die Ordnungshüter nur einfach und wollen Leute gleich mal wegsperren, bevor der eine oder andere ihnen Arbeit machen könnte, anstatt einfach nur ihren Job zu tun und die wirklichen Übeltäter mittels polizeilicher Ermittlungsarbeit festzustellen und zu sanktionieren. Uns war die Lust auf Fußball jedenfalls schon vor dem Spiel gründlich vergangen.
Am Tag danach sprach also kaum mehr jemand über das Spiel, das man erneut nicht gewinnen konnte. Aus VfB-Sicht war es ein 0:0 der besseren Art, 70% Ballbesitz und vor allem in der ersten Halbzeit ein recht gefälliges Spiel nach vorne. Man merkte, wie gut es dem VfB tat, mit Maxim und Kostic gleich zwei Spieler auf dem Platz zu haben, die den Ball zum Freund haben. Geburtstagskind Timo Werner auf links mühte sich zwar redlich, er brachte zwar seine Schnelligkeit gut ein, dafür aber keinen einzigen (!) guten Ball zum Mitspieler. Zudem vergab er die wohl beste Chance des Spiels nach einer Viertelstunde kläglich. Ein Stürmer muss diesen Ball einfach mit Wucht aufs Tor bringen, stattdessen kullerte der Ball ins Aus. Es ist inzwischen ein ausgemachtes Kopfproblem, die Stürmer wirken in den wenigen vielversprechenden Aktionen vor dem Tor zu überhastet und nervös im Wissen diese eine Chance, die sich ihnen bietet, nutzen zu müssen. Je länger dann ein Spiel dauert, desto fahriger wird man in den Aktionen und desto mehr sind Selbstzweifel festzustellen. Am Ende kann man den Kick sogar noch verlieren, so ist es eben, wenn man selbst kein Tor zustande bringt. Es war das neunte von zwölf Heimspielen ohne eigenes Tor, eine fatale Bilanz, die einem vor Augen führt, was uns Dauerkarteninhabern in diesem Spieljahr bereits zugemutet wurde.
Fast schon sensationell mutet es an, dass wir dennoch nicht den Kopf in den Sand zu stecken brauchen und noch Hoffnung, zumindest auf den Relegationsplatz, haben dürfen.
Paderborn scheint langsam aber sicher einzubrechen und hat seit Sonntag bei drei Punkten Vorsprung mittlerweile das schlechtere Torverhältnis. Auch die Freiburger treten nach dem 0:1 gegen Werder auf der Stelle und haben ein schweres Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg vor der Brust.
Für den VfB geht es nun nach Leverkusen, wo es in den letzten Jahren wenig zu erben gab. Vielleicht ist es ja ein Vorteil für den VfB, dass Leverkusen vier Tage später der schwere Gang zu Athletico Madrid in der Champions League bevorsteht, wo sie nach dem 1:0 im Hinspiel realistische Chancen aufs Weiterkommen haben. Es könnte durchaus sein, dass Trainer Roger Schmidt den einen oder anderen Leistungsträger schont oder auch herausnimmt und schützt, wenn der VfB endlich einmal eine härtere Gangart an den Tag legt. Mit Serey Dié haben wir jetzt wenigstens einen Spieler, der wie ein Löwe kämpft, keinen Ball verloren gibt und zudem noch ein gefälliger Ballverteiler im Mittelfeld ist. Der Rest aber holt sich seine Karten höchstens durch Festhalten oder Meckern ab, jedoch nicht durch harten Kampf um den Ball. Mit einem kampfbetonten Auftreten wäre in Leverkusen durchaus etwas drin. Der erste Sieg 2015 muss langsam mal her, auch, um die Köpfe wieder oben zu tragen und Selbstvertrauen zu tanken. Martin Harnik wird dort ebenso noch pausieren müssen wie Moritz Leitner, der sich gegen Hertha die fünfte gelbe Karte einhandelte. Wie die Sperre von Harnik sehe ich auch die von Leitner eher als Vorteil für uns an. Was Stevens geritten hat, in den Schlussminuten, in denen wir unbedingt ein Tor brauchten, Leitner einzuwechseln, weiß wohl nur er. Ein Signal zur Schlussoffensive hätte jedenfalls anders aussehen müssen. Leitner hat nun in über eineinhalb Saisons nicht zu überzeugen gewusst und ist ohnehin im Sommer weg. Auf ihn würde ich nicht mehr setzen, der nie den Eindruck erweckt, mit dem Herzen beim VfB zu sein. Er ist ein Schönwetterfußballer, der meint, er wär’s, dafür weder ein Teamplayer noch einer, bei dem man den Eindruck hätte, die Tabellensituation des VfB belaste ihn. Im Abstiegskampf sind andere Tugenden gefragt, die er nicht mitbringt. Von daher, Daumen hoch, dass er sich gleich nach seiner Einwechslung durch ein plumpes Foul die Verwarnung abgeholt hat. An der Startaufstellung würde ich gar nicht allzu viel ändern, Hlousek vielleicht ist immer diskutabel, er hat auch gegen Hertha wieder viele Bälle durch technische Unzulänglichkeiten verloren. Die ehemaligen Hannoveraner Haggui und Abdellaoue konnte ich am Samstag bei den Amateuren begutachten, ich denke, in die beiden brauchen wir keine Hoffnungen zu setzen…
Nach Leverkusen kommt dann der wohl momentan geeignetste Gegner ins Neckarstadion, um seine Torflaute zu beenden, die Frankfurter Eintracht. Der 1. FC Köln konnte am Sonntag gegen sie eine ähnliche Tordurststrecke vor eigenem Publikum, wie sie der VfB hat, beenden und siegte 4:2. Vielleicht ein gutes Omen!
Dass, wie wenn unsere Probleme und Baustellen derzeit nicht groß genug wären, Anfang der Woche noch ein Bericht der Freiburger Evaluierungskommission publik wurde, in dem angebliche Beweise für systematisches Anabolika-Doping in den frühen 1980er-Jahren im Fußball beim SC Freiburg und beim VfB enthalten sein sollen, passt auch noch ins Bild. Natürlich müssen diese Vorwürfe vom VfB ernst genommen werden und es wurde auch via Pressemitteilung darauf reagiert, aber, seien wir mal ehrlich, seit Toni Schumachers Buch „Anpfiff“ waren solche Praktiken bekannt, es wollte nur keiner der Protagonisten wissen und sich ernsthaft damit beschäftigen. Ob es nach über 30 Jahren noch Sinn macht, in dieser unrühmlichen Vergangenheit zu wühlen, bezweifle ich. Die Verantwortlichen sind meist schon im greisen Alter, die „Täter“ vertrauten damals noch blinder als heute den (Vereins-)Ärzten, gab es doch noch kein Internet, durch das man das eine oder andere heute ja auch selbst nachlesen kann. Wichtig ist doch, ob der Sport aktuell sauber ist und dies scheint er aufgrund einer Vielzahl an Dopingkontrollen ja zu sein. Zudem ist es immer noch sehr umstritten, ob Doping im Fußball tatsächlich zu einer Leistungssteigerung führt oder sich nicht lediglich der Sportler selbst schädigt.
Dies galt es also von Robin Dutt ebenso zu kommentieren, wie die Trainerdiskussion, in der er Huub Stevens weiterhin nur halbherzig den Rücken stärkt. Einige Medien wollen ja bereits erfahren haben, dass zur neuen Saison Alexander Zorniger als Trainer feststehen würde, er aber auch im Falle einer Entlassung Stevens‘ jetzt schon auf Abruf bereit stünde. Zu dieser Meldung habe ich kein eindeutiges Dementi von Dutt vernommen, so dass Stevens weiterhin ein Trainer auf Zeit zu sein scheint. Nach wie vor ist es für mich ein unwürdiges Spiel, das man mit ihm spielt, daher kann ich seine Dünnhäutigkeit und seinen Sarkasmus bei Interviews verstehen.
Bislang erfüllt Dutt meine Vorbehalte gegen ihn voll und ganz. Mit ihm ist ein weiterer Schönredner auf dem Wasen dazugekommen, dem außer Durchhalteparolen zu verkünden auch nichts einfällt. In der verfahrenen Situation, in der der VfB schon die ganze Saison, also auch bereits zu Dutts Amtsantritt, steckt, wäre es wünschenswert gewesen, einen Mann auf die Kommandobrücke zu bekommen, der die Leute mitnimmt und für einen Aufbruch in eine neue Zeitrechnung steht.
Einem Jens Lehmann beispielsweise gegenüber wäre ich zwar auch skeptisch gewesen, aber „nur“ weil er nach Heldt und Bobic der dritte Sportdirektor hintereinander gewesen wäre, der mit null Erfahrung auf dieser Position ins kalte Wasser geschmissen worden wäre. Als Typ aber wäre er einer, der den Finger in die Wunde legt und Missstände klar ansprechen und angehen würde, statt sie lediglich zu verwalten. Dutt bringt jetzt ebenfalls keine Erfahrung mit und redet zudem (bisher) nur recht dumm daher.
Vor ein paar Wochen noch äußerte er sich in die Richtung, eventuell mit Huub Stevens verlängern zu wollen, jetzt soll Zorniger bereits als Trainer feststehen. Sollte dies der Wahrheit entsprechen, ist es ein fatales Zeichen an die Mannschaft, wenn nicht, muss er diese Meldung endlich glaubhaft dementieren.
Momentan ist noch überhaupt nicht absehbar, wohin die Reise gehen wird. Wer weiß, vielleicht rettet uns Huub noch einmal sensationell und hinten hinaus auch mit gutem Fußball und einem Gerüst, auf das wir in der nächsten Saison setzen könnten, dann spräche nichts dagegen, Huub einfach weitermachen zu lassen. Natürlich bin ich mit seiner Spielweise nicht immer einverstanden, aber, eines muss man ihm lassen, die defensive Stabilität hat er in Anbetracht der vorhandenen Mittel gut hinbekommen. Der Fußball, den er spielen lässt, ist sicherlich auch nicht seine Vorstellung von Fußball, er ist aber dem völlig verkorkst zusammengestellten Kader geschuldet.
Zuletzt stellt er immerhin etwas offensiver auf, so dass noch Hoffnung auf Steigerung besteht, der Knoten muss einfach nur platzen. Wir können froh sein, dass Stevens Profi durch und durch ist und sich durch die Spielereien außerhalb des Platzes nicht seine Motivation rauben lässt. Er ist sich seiner Verantwortung und der Ernsthaftigheit der Mission bewusst, so dass er sich auch weiter mit aller Kraft gegen den Abstieg stemmen wird. An Stelle des VfB hätte ich mir die Option einer Weiterbeschäftigung bis zum Ende offen gelassen.
Zorniger dagegen, würde er noch als Feuerwehrmann einspringen (müssen), wäre im Falle des Abstiegs verbrannt. Daher eine gefährliche Situation, in die sich der VfB, wie so oft hausgemacht, gebracht hat. Ob Zorniger ein guter Trainer ist, darüber mag ich nicht zu urteilen. Wer bei Red Bull zwei Aufstiege geschafft hat, muss jetzt noch nicht zwangsläufig der Heilbringer sein. Dort durfte er eben, in Zusammenarbeit mit Rangnick, einen Wunschzettel schreiben und die Spieler wurden ihm auf dem Silbertablett serviert. Unter diesen Voraussetzungen lässt es sich natürlich erfolgreich arbeiten. Beim VfB würde er ganz andere Voraussetzungen vorfinden. Was ausgerechnet ihn jetzt dazu prädestinieren soll, bei uns eine erfolgreichere Ära einzuläuten, weiß ich nicht. Als 2. Co-Trainer unter Babbel und nach Widmayer scheint er jedenfalls keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben, sonst hätte man ihn schließlich nicht mit Babbel vor die Tür gesetzt. Danach war er noch in Großaspach tätig, wo er zu Regionalligazeiten ebenfalls mehr investieren durfte, als die meisten Ligarivalen.
DER Übertrainer, den man sich jetzt unbedingt fix sichern musste, scheint er für mich jetzt nicht zu sein. Als derjenige, der Red Bull letztendlich in den bezahlten Fußball geführt hat, wird er bei uns zunächst sicherlich einen schweren Stand haben und Überzeugungsarbeit leisten müssen.
Da von VfB-Seite kein Dementi wie „da ist nichts dran“ kam, muss davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei um mehr als ein Gerücht oder eine BLÖD-Zeitungsente handelt.
Wie man auf Zorniger kam wäre noch interessant zu wissen. War es Ralf Rangnick, der noch gute Kontakte zum VfB hat, der ihn wegloben möchte, um Zorniger (Vertrag bei Red Bull bis 2016) von der Gehaltsliste zu bekommen? Oder ist er wieder einmal der Mann mit Stallgeruch, weil die Vereinsführung offensichtlich nicht über den Tellerrand hinausschaut? Ich träumte ja noch immer von der großen Lösung Thomas Tuchel und hoffe, der Verein muss es nicht vorwerfen lassen, es nicht wenigstens versucht zu haben.
Was die Zukunft auch bringen mag, diese Trainerdiskussion kommt zur Unzeit. Stevens muss der Verein nun tunlichst Vertrauen und Wertschätzung entgegenbringen und ihm nicht, wie derzeit der Fall, suggerieren, dass sein Zenit überschritten wäre und er nur der Trainer bis zur nächsten Niederlage ist. Dutt versuchte nach dem Hertha-Spiel in dieser Angelegenheit krampfhaft zurück zu rudern, was bei ihm jedoch eher tollpatschig anmutete.
Nächste Ausfahrt, Leverkusen. Dort müssen wir mit aller Macht versuchen, das Unmögliche möglich zu machen und einen wahren Big-Point zu landen. Ich freue mich drauf, „leider“ musste ich meine Fahrt mit dem RWS absagen, weil ich eine Krombacher Fan-Tour mit Übernachtung und VIP-Besichtigung- und Verköstigung in der Krombacher Brauerei gewonnen habe. Auch da freue ich mich drauf, neue Leute, ein anderes Ambiente, wenn wir gewinnen, fahre ich mit denen öfter mit. ;-)

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