9. Februar 2019

Chaostage!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 09:59

Gefühlt die ganze Vorrunde wurde den verlorenen Punkten gegen Mainz und Freiburg nachgetrauert, um die Rückrunde mit exakt derselben „Ausbeute“ zu starten. Von einer Aufholjagd (noch) keine Spur.

Dabei war das Spiel gegen den SC Freiburg ein Spiegelbild des Hinspiels. Früher Rückstand, vergebene Großchance zur Vorentscheidung, plötzliche Führung des VfB, um sich am Ende doch noch den Ausgleich einschenken zu lassen.

Bei so viel Dummheit über den Schiedsrichter herzuziehen und ihn für das nicht gewonnene Spiel verantwortlich zu machen, ist mir zu billig. Wiederholt liegt man in einem eminent wichtigen Spiel kurz nach Anpfiff in Rückstand, wiederholt fällt dieses Tor, weil die Unseren im Rückraum nicht Herr der Lage sind.

Weiß man darum, dass es dem VfB in dieser Saison nicht gelingt, einen Rückstand in einen Sieg umzumünzen, sollten wenigstens in den ersten Minuten, wenn man noch frisch ist, des Trainers Worte in den Ohren hallen und seine Vorgaben noch im Gedächtnis verankert sein, und sich nicht wie eine Schülermannschaft überrumpeln zu lassen.

Fällt dann das 0:2 oder fliegt Pavard berechtigterweise vom Platz, müssen wir nämlich nicht mehr über eine gelb-rote Karte in der 89. Minute und ein Tor in der vierten Minute der Nachspielzeit reden.

Aytekin ist selbstredend auch für mich ein rotes Tuch, die Bilanz bei Spielen, die er uns pfiff, niederschmetternd. Gerade dann erwarte ich von einem erfahrenen Spieler wie Mario Gomez, dass er nicht wegen zwei fast identischer Situationen vom Platz fliegt.

Ein Schiri, der uns nicht wohlgesonnen ist, pfeift sogenannte Kann-Entscheidungen nun einmal kategorisch gegen uns. Wäre Gomez nicht so aufreizend gemächlich vom Platz geschlichen, wäre die Nachspielzeit vielleicht auch etwas kürzer aus- und der Ausgleich nicht gefallen. Ein guter Schiedsrichter merkt sich nämlich das Zeitspiel der Freiburger über Dreiviertel des Spiels und pfeift dann auch mal pünktlich ab, wenn sie hinten liegen, um sie am Ende nicht auch noch dafür zu belohnen. Aber, Aytekin ist eben KEIN guter Schiedsrichter!

Dass die Nerven beim VfB derzeit blank liegen, offenbarte sich nicht nur bei Pavards völlig überflüssiger Tätlichkeit auf dem Platz, sondern kurz nach dem Spiel auch in den VIP-Logen des Neckarstadions. Bei Sky90 lederte Thomas Berthold über den VfB ab und bezog sich dabei auf die Quelle Guido Buchwald. Dumm nur, dass dieser im Aufsichtsrat sitzt und durch Schnellrichter Wilfried Porth umgehend und vor versammelter Mannschaft abgewatscht, und, schlimmer, lt. Buchwald auch für den desaströsen Tabellenstand verantwortlich gemacht wurde.

Eben jener Porth, bei dem immer die anderen schuld sind und der seinerzeit schon unwürdig gegen Luhukay nachgetreten hatte.

Nach „einer Nacht ohne Schlaf“ trat Guido Buchwald als Aufsichtsrat zurück, womit die Chaos-Tage beim VfB endgültig eröffnet waren.

Ohne Thomas Bertholds Ausführungen zu hoch zu bewerten, lassen sie doch tief blicken. Es sind immer dieselben, die nach ihrer Karriere wenig bis nichts auf die Reihe bekommen haben, die sich bei sportlicher Schieflage zu Wort melden. Timo Hildebrand gab kurz darauf seinen Senf dazu, der nächste in Person von Maurizio Gaudino ist dann am Sonntag bei Sport im Dritten zu Gast.

Die Kernaussage Bertholds stimmt allerdings. Einen ehemaligen Fußballer in den Aufsichtsrat zu setzen, der ständig überstimmt wird, also nichts mitzubestimmen hat, ist ein reines Alibi, um die Öffentlichkeit zu beruhigen. So verschallte der Hilferuf Buchwalds Ende letzten Jahres, als er die Allmacht Reschkes anprangerte und so wurde er nun eben von Porth zurechtgestutzt, was ganz gut offen legt, wer beim VfB das Sagen hat.

Der von Wirtschaftsbossen dominierte Aufsichtsrat ist seit Jahren die Wurzel allen Übels. Er war es, der Dietrich ins Amt hievte, er ist es, der Dietrich gewähren und sich sämtlicher Kritiker in den eigenen Reihen entledigen lässt. Inzwischen blickt man fast schon neidisch nach Hamburg, wo Marcell Jansen zum Präsidenten gewählt wurde, dem es zugetraut wird, die Fans mitzunehmen und den Verein zu einen.

Beim VfB ist das krasse Gegenteil der Fall. Ein Präsident, den insgesamt nur etwa 3% der Mitglieder gewählt haben, der ohne Gegenkandidat fast noch gescheitert wäre und der diejenigen, die für die Ausgliederung gestimmt haben, arglistig getäuscht hat.

Auf einer Veranstaltung des OFC Highlander in Ummendorf verteidigte Dietrich die Schindelmeiser-Entlassung erneut, „dass es nicht mehr ging“.

Mit Schindelmeiser und Wolf stand der VfB für etwas, sie verliehen dem VfB eine Identität, mit der sich wiederum die Fans identifizierten und ihnen wurde fast blind vertraut, so dass die Ausgliederung durchging. Dass man diese Entscheidung für immer nicht an den (damals) handelnden Personen festmachen darf, wollten die meisten, benebelt von der Aufstiegseuphorie, nicht hören.

Da Dietrich nicht dumm ist, wusste er das natürlich und so verschob er die längst beschlossene Entlassung Jan Schindelmeisers bis hin zum Ende der Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung und zeigte fortan, wie er mit dem Votum der Mitgliederschaft umzugehen gedenkt.

Ich bin weit davon entfernt, Jan Schindelmeiser in den Stand eines Heiligen zu erheben, auch unter seiner Ägide war nicht alles Gold was glänzte, auch bei ihm saß nicht jeder Transfer.

Aber, er bildete eine fruchtbare Symbiose mit Hannes Wolf, die beiden hatten klare Vorstellungen davon, wie der VfB wahrgenommen soll und wie er spielen sollte. Mit Wolf war ein Trainer da, der zu 100% dafür stand, Rohdiamanten unter seine Fittiche zu nehmen, sie besser zu machen und sie weiterzuentwickeln.

Daher interessiert es mich heute auch überhaupt nicht, wenn darauf hingewiesen wird, wo der eine oder andere Spieler jetzt landete und dass er in seiner Entwicklung stagniert. Die Chance, sich bei Hannes Wolf zu entwickeln und durchzustarten, hätten alle gehabt.

Zu dieser Zeit war es den Verantwortlichen wichtig, dass die Jungs charakterlich dazu passen und es gerecht zugeht. Leistungsverweigerer, Stinkstiefel und ein Kevin Großkreutz, der inakzeptabel über die Stränge schlug, wurden dem Mannschaftsgeist zuliebe abgegeben oder vor die Tür gesetzt.

Ein funktionierendes Konstrukt wurde in kürzester Zeit wegen persönlicher Eitelkeiten zerrissen.

Bei Jan Schindelmeiser wussten die Mitglieder die Ausgliederungs-Millionen in guten Händen. Er war bekannt dafür, gerne den ersten vor dem zweiten Schritt zu machen und warf das „frische“ Geld nicht gleich auf Anhieb mit vollen Händen zum Fenster raus.

Er war zudem bekannt dafür, was Dietrich offensichtlich nicht passte, Transfers im stillen Kämmerlein auszutüfteln und die Leute dann erst zu informieren, wenn es etwas zu vermelden gab. Über anstehende Transfers las man nicht schon Tage vorher in der Presse, von außen betrachtet machte Schindelmeiser einfach einen guten Job.

Dass Dietrich bis heute die wahren Gründe des Rauswurfs nicht nennt, lässt tief blicken und befriedigt mich in keiner Weise. Als Vereinsmitglied sehe ich es nicht ein, mich mit einem „basta“ abspeisen zu lassen, zumal die Schindelmeiser-Entlassung den Wendepunkt einer hoffnungsvollen VfB-Zukunft darstellt.

Wäre ein Nachfolger gekommen, der alles noch ein wenig besser als Schindelmeiser gemacht hätte und vor allem einer, zu dem Hannes Wolf einen ähnlich guten Draht entwickeln hätte können wie zu Schindelmeiser, könnte man dies (nicht die Umstände!) vielleicht noch akzeptieren.

So jedoch nicht, und mit einem „hinterher ist man immer schlauer“, wie es in Ummendorf unzählige Male zu hören war, erst recht nicht.

Wie ein Elefant im Porzellanladen knallte Wolfgang Dietrich dem Hannes Wolf den Karnevalsprinzen aus Frechen vor den Latz.

Wolf schien von der Schindelmeiser-Entlassung ähnlich überrascht wie die Öffentlichkeit, was nicht für eine besondere Wertschätzung Dietrichs für Wolf spricht, auch wenn Dietrich (ja, lügen ist salonfähig beim VfB) stets beteuert, wie gerne er Hannes Wolf behalten hätte.

Ein Sportdirektor und ein Trainer müssen auf einer Wellenlänge funken, sonst funktioniert es früher oder später nicht mehr. Reschke konterkarrierte bereits mit seinen ersten Amtshandlungen, alles, für was Wolf gestanden hatte und was er mit dem Team vor hatte.

Wurde ein Christian Gentner im Sommer noch angezählt und ihm klipp und klar gesagt, dass die Zeit der Stammplatzgarantien vorbei sei und er wie jeder andere um seine Position kämpfen müsse, hat der Karnevalist nichts anderes zu tun, gleich bei seinem ersten Spiel im Pokal in Cottbus, die Wichtigkeit und Unverzichtbarkeit des Kapitäns in höchsten Tönen zu loben.

Stand der VfB für jung und wild und entwicklungsfähig, waren Reschkes erste Transfers Badstuber, Aogo und Beck. Statt jung und hungrig hieß es fortan alt und satt. Keinen Deut Wichtigkeit maß Reschke auch bei seinen weiteren Transfers einem funktionierenden Team und einer harmonierenden Mannschaft bei.

Identifikationsfiguren wie Terodde und Ginczek ließ man ziehen, Mentalitätsspieler oder auch nur welche, die die Stimmung in der Kabine hochhielten, ebenso. Stattdessen wurde wild eingekauft und dabei knapp 50 Millionen Euro ausgegeben, ohne sich überhaupt damit befasst zu haben, wie sich die Neuen integrieren lassen und ob der Trainer (Korkut) überhaupt etwas mit ihnen anfangen kann.

So entstand die Mär, dass der VfB mit diesem Kader eigentlich nicht absteigen kann. Ja, von den Einzelspielern her sicher nicht, doch, Fußball ist aber noch immer Mannschaftssport und dass es in der Mannschaft Probleme gibt, weiß man nicht erst seit den öffentlichkeitswirksamen Disziplinarstrafen gegen Donis, Borna Sosa und Maffeo.

Hatte Schindelmeiser seinerzeit noch versprochen, sich vor Neuverpflichtungen das familiäre Umfeld eines Profis genau anzusehen und dann abzuwägen, ob es mit Spieler XY passen könnte, genügt Reschke ein Tipp von Pep Guardiola, Dieter Hoeneß oder Karlheinz Förster.

Das ist äußerst dilettantisch, wenn man diesen einstigen Perlentaucher nicht stoppt, werden die Millionen weiter ohne Sinn und Verstand verprasst. Der nächste Investor soll ja in den Startlöchern stehen und mit weiteren 50 Millionen Euro wedeln, wahrscheinlich sabbert Reschke jetzt schon.

Das größte Sorgenkind heißt derzeit Maffeo. Der von Pep Guardiola empfohlene Spanier scheint überhaupt nicht integrationswillig zu sein, wie man seit dem Trainingslager in La Manga immer wieder hört und liest. Der Junge kam sicherlich mit großen Hoffnungen her und wollte sich in der Bundesliga durchsetzen. Ob er sich das leichter vorgestellt hat oder seine Anfangsmotivation dem Frust gewichen ist, sich hinter einem langsamen und alternden Andreas Beck anstellen zu müssen, weiß ich nicht.

Kein guter Stil und einem hohen Erlös nicht förderlich, war es von Reschke und Dietrich, Maffeo bereits nach einem halben Jahr als Flop einzustufen und den Jungen der Öffentlichkeit zum Fraß vorzuwerfen. Im Sündenböcke suchen sind sie spitze, die Porths, die Dietrichs, die Reschkes!

Dass Maffeo daher kein gutes Haar am Verein lässt und, wie im Laufe dieser Woche bekannt wurde, gar Neuzugang Ozan Kabak gestenreich mitteilte, in welchem Irrenhaus er gelandet ist, ist nicht allzu verwunderlich.

Bezeichnend dabei war, dass es Özcan, der inzwischen für den HSV die Fußballschuhe schnürt, gewesen sein soll, der die Situation erkannte und Kabak von Maffeo wegzog. Bezeichnend deshalb, weil man offensichtlich wieder einen hergegeben hat, der sich mehr mit dem VfB identifiziert hat, wie alle Neuzugänge, Stand jetzt, zusammen.

So wie es kein guter Stil von Dietrich war, derart in der Öffentlichkeit den Stab über Maffeo zu brechen, zeugt es von schlechter Kinderstube, gegen Schindelmeiser nachzutreten, wie Dietrich es in Ummendorf getan hatte.

Wörtlich meinte er „Er war vor seinem Engagement bei uns fünf Jahre ohne Job im Fußball und ist es jetzt seit zwei Jahren auch nicht mehr. Die Nachfrage nach ihm ist offenbar nicht sonderlich groß.“

Dass Schindelmeiser sich schon damals, als er beim VfB vorgestellt wurde, dahingehend äußerte, dass er sein Leben ohne feste Verpflichtungen sehr genossen und dem VfB nur zugesagt habe, weil ihn die Aufgabe besonders gereizt habe, erwähnte Dietrich nicht. Auch nicht, dass es sich mit der VfB-Abfindung für Schindelmeiser sicher ganz gut leben lässt.

Zum Verkauf von Daniel Ginczek meinte er nur, „er wollte weg“. Hab ich richtig gehört? Hat man nicht in den schönen „Sendung mit der Maus-Videos“ zur Ausgliederung gerade damit geworben, künftig selbst Herr der Lage sein und Spieler halten zu können? Auch das, wie ich schon vor der Ausgliederung geschrieben habe, eine Lüge und im heutigen Fußball-Business nicht realistisch.

Der Rücktritt Guido Buchwalds könnte eine Lawine ins Rollen gebracht haben. Das morgige Auswärtsspiel in Düsseldorf ist für alle Beteiligten ein Endspiel. Sollte verloren werden, dürfte weder Markus Weinzierl bei dann 11 Niederlagen in 15 Spielen noch zu halten sein und auch Reschke dürfte man kaum seinen Fehlgriff Nummer drei aussuchen lassen. Sollte Reschke krachend scheitern, was ich ja fast hoffe, muss als Konsequenz auch Wolfgang Dietrich seinen Hut nehmen, um den Weg für einen unbelasteten Neuanfang freizumachen.

Die Gerüchteküche brodelt in dieser Woche wie selten zuvor. Der kicker brachte als mögliche Weinzierl-Nachfolger Markus Gisdol und Felix Magath ins Gespräch, was, typisch für die heutige Medienlandschaft, von nahezu allen einschlägigen Online-Portalen aufgegriffen und 1:1 wiedergegeben wurde.

Mich graut es vor beiden Namen und ich hätte es mir gewünscht, mit Weinzierl die Saison zu Ende bringen zu können.

Bei Felix Magath bin ich jedoch zwiegespalten. Ich fand es eine geile Zeit damals, auch wenn sein Abgang unrühmlich war. Jedoch dürfte sein Zauber verflogen und seine antiquierten Trainingsmethoden nicht mehr zeitgemäß sein.

Einen gewissen Charme jedoch, das möchte ich nicht verhehlen, hätte es für mich, die Jungs anstatt bei Plusgraden in dicken Schals eingehüllt bepackt mit Medizinbällen den Rotenberg hoch rennen zu sehen.

Da aber jeder Trainer davon abhängig ist, dass die Mannschaft ihm folgt und beim VfB ein Jeder im Team weiß, wie man sich eines unliebsamen Übungsleiters zu entledigen hat, hätte diese Konstellation wohl nur eine kurze Verweildauer.

Der Name Ralf Rangnick schwebt auch seit einigen Tagen über dem Cannstatter Wasen. Halte ich für unrealistisch. Zum einen sitzt Rangnick in Leipzig im gemachten Nest und wird sich mit seinen nunmehr 60 Jahren kaum mehr dieser Herkulesaufgabe annehmen.

Zum anderen würde er einen solchen Job auch nur machen, wenn er vollständige Entscheidungsbefugnis hat, was den machtgeilen Herren in Vorstand und Aufsichtsrat nicht gefallen dürfte. Die werden sich nach Reschke die nächste Marionette ins Haus holen, so dass sich beim VfB wohl so schnell nicht viel ändern wird.

Dass wir sportlich noch die Kurve kriegen, glaube ich nicht. Diese Mannschaft ist tot. Die einen wollen und können nicht (mehr), für die Anderen ist der VfB ein Arbeitgeber wie jeder andere auch, so dass sie jetzt schon ausloten dürften, ob ihnen ein Abstieg persönlich mehr bringt, als der Ligaverbleib. Die wenigsten stemmen sich dagegen, die große Gleichgültigkeit macht sich breit. Wenn denn ein Funke vom Rasen überspringt, dann dieser.

So freue ich mich auch auf Düsseldorf mehr über das Drumherum und mache mir keine Illussionen, endlich einen anderen VfB erleben zu können. Vermutlich wird es, um weiterhin synchron mit dem Hinrundenstart zu sein, ein schmuckloses Remis, das Düsseldorf mehr entgegenkommen dürfte, als dem VfB. In diesem Sinne, bringts gut hinter Euch!

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