27. April 2010

Das Motto im Fall Cacau: Sag niemals nie

Christian Träsch will unbedingt der Erste sein. Also läuft er nach dem Schlusspfiff direkt auf Cacau (29) zu, um zu gratulieren. Der Zweite ist Sami Khedira, und dann folgen die anderen, bis hin zum Manager Horst Heldt. Cacau strahlt.

Er lässt sich von dem Maskottchen Fritzle im Huckepack in die Fankurve tragen, wo er begeistert empfangen wird. Zum Schluss schenkt er sein Trikot einem Rollstuhlfahrer im Innenraum des Stadions, ehe er als Letzter in der Kabine verschwindet. Wohl noch nie wurde ein Spieler so gefeiert, der gesagt hat, dass er den VfB verlässt. Oder bleibt Cacau doch noch?

Cacau vermisste Wertschätzung

Diese Frage wird nach dem 2:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen auch Heldt gestellt, der versucht, ausweichend zu antworten. Das Ergebnis ist jedoch ziemlich eindeutig. “Cacau hat erst mal entschieden, dass es keine Gespräche mehr gibt, aber das bedeutet ja nicht, dass das endgültig ist”, sagt der Manager. So macht Heldt die Verhandlungstür wieder auf, die am 31. März geschlossen wurde, als Cacau erklärte, dass er das VfB-Angebot nicht annehmen wird.

Der Nationalstürmer vermisste in Stuttgart die Wertschätzung, auch in Form von Gehaltszahlen. Deshalb ist das nicht nur eine romantische Geschichte, sondern auch eine buchhalterisch nüchterne. Cacau will mehr verdienen als der VfB zu zahlen bereit ist – drei Millionen Euro gegen 2,2 Millionen. Das war der Stand bis Samstag. Die Fronten schienen verhärtet, aber plötzlich zeichnet sich in dieser Personalie eine spektakuläre Wende ab. “Man darf nie nie sagen”, sagt der Trainer Christian Gross, “vielleicht ist in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen.”

Diese Sprachregelung gilt mittlerweile beim VfB – und das heißt aller Voraussicht nach dann, dass sich die Parteien schon in dieser Woche noch mal zusammensetzen, um auszuloten, ob es nicht doch eine Basis für die vom VfB in Aussicht gestellte Vertragsverlängerung bis 2013 gibt. An Cacau wird der Termin kaum scheitern.

Beiden Seiten fiele der Abschied schwer

Nachdem er am Mittwoch im StZ-Interview eine Einigung mit dem VfB noch ausgeschlossen hatte, klingt das jetzt viel moderater. Noch könne er nichts kommentieren, weil von der Vereinsführung aus noch nichts passiert sei, sagt Cacau – und fügt hinzu: “Aber wenn sich das ändert, würde ich mir das natürlich anhören. Denn dass ich gehe, habe ich gesagt, als ich dachte, ich hätte hier keine Zukunft mehr.”

Ganz offensichtlich ist es so, dass beiden Seiten der Abschied sehr schwer fallen würde. Cacau fühlt sich heimisch in Stuttgart – und der VfB weiß nicht erst seit den beiden Toren am Samstag gegen Leverkusen, was er an diesem Profi hat. “Es ist ja bekannt, dass wir ihn gerne gehalten hätten”, sagt Heldt.

Ob das doch noch gelingt, hängt davon ab, mit welchen Vorstellungen die Beteiligten das bevorstehende Gespräch aufnehmen. Dass der VfB das Grundgehalt von Cacau bis auf drei Millionen anhebt, ist unwahrscheinlich. Der finanzielle Spielraum ist begrenzt, da keine Zusatzeinnahmen aus der Champions League zu erwarten sind. Eher signalisiert der Club ein Entgegenkommen in der Prämienregelung und bei der Erfolgsbeteiligung, so dass das Risiko zum Teil auch bei dem Spieler liegen würde. Ungewiss ist, wie Cacau darauf reagiert.

VfB ist wieder im Rennen

Dass er überhaupt wieder offen für den VfB ist, zeigt jedoch erstens, dass er in seinen Forderungen womöglich doch nicht mehr so unnachgiebig ist. Zweitens dokumentiert es, dass er noch keinen neuen Verein gefunden hat, obwohl es Interessenten gibt. Dazu zählen die Blackburn Rovers und Espanyol Barcelona. Das sind allerdings keine Topadressen – im Gegensatz zum FC Sevilla, der aber abwarten will, wie die Saison endet und ob er dann einen Ersatz für einen seiner Angreifer benötigt.

Deshalb ist der VfB wieder im Rennen, zumal Cacau am Samstag gespürt hat, welchen Rückhalt er hier besitzt. Es war sein erstes Heimspiel seit dem 31. März – und die Fans haben ihn begrüßt. als ob der Bruch nie stattgefunden hätte. Als die Mannschaftsaufstellung verlesen wurde, gab es keinen einzigen Pfiff gegen Cacau.

Auch für den VfB hätte es Vorteile, wenn die Zusammenarbeit fortgesetzt wird. Denn die Nachfolgersuche ist schwierig. Kandidaten wie Adrian Ramos (Hertha BSC) und Albert Bunjaku (Nürnberg) sind mit Ablöse und Gage teurer als Cacau. Billigere Lösungen etwa mit einem unbekannteren Spieler aus Osteuropa bergen die Gefahr in sich, dass die Qualität nicht passt. “Cacau hat heute wieder Werbung in eigener Sache gemacht”, sagt Christian Gross.

(STZ 18.4.2010)

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17. April 2010

Die nächste Saison: Der VfB steht vor einem Umbruch

Category: Presse — Tags: , , , , , , , , , , , , , – Franky @ 05:01

Der 1:0-Sieg von Berlin ist zwar eine fußballerisch weitgehend fade Angelegenheit gewesen. Doch das Spiel förderte neben den drei wichtigen Punkten im Kampf um einen Europa-League-Platz auch einen interessanten Zukunftsaspekt zutage. Selten ist deutlicher geworden, auf welchen Positionen beim VfB Stuttgart der Schuh drückt: Dem Meister von 2007 fehlt es vor allem an der Durchsetzungskraft in der Offensive und im Spiel über die Außen, während die Abwehr erneut gut stand. Nur 16 Gegentore hat der VfB in 15 Bundesligaspielen unter dem Trainer Christian Gross zugelassen.

“Das Management arbeitet eifrig an der Zusammenstellung des Kaders für die neue Saison”, sagt Christian Gross, “aber jetzt ist nicht der Zeitpunkt, sich über Personalien zu äußern. Wir müssen erst diese Runde zu Ende spielen.” Klar ist allerdings, dass sich der Coach in die Planungen des Managers Horst Heldt mit einbringt. Öffentliche Äußerungen vermeidet Gross aber vor allem deshalb, weil er keinen seiner Profis verprellen will, indem er ihm nun schlechte Zukunftsaussichten bescheinigt.

Sicher ist bis jetzt, dass neben Jens Lehmann (Karriereende) auch Alexander Hleb (zurück nach Barcelona oder zu Manchester City?) und Ricardo Osorio (wohl zum FC Villarreal) sowie Cacau den Verein verlassen werden. Nachdem der Stürmer ursprünglich in der Bundesliga bleiben wollte, deutet jetzt vieles auf das Ausland hin. Der AC Mailand und der FC Sevilla sollen interessiert sein – wobei Cacau bei solchen Hochkarätern befürchten müsste, dass er nicht Stammspieler ist. Unabhängig davon steht der VfB vor einem Umbruch.

Der Torwart:

Der Plan sieht Sven Ulreich als Nummer eins vor. Allerdings will der VfB noch abwarten, wie schnell sich der Torhüter von seiner Verletzung (Bruch des Wadenbeinköpfchens) erholt. Dazu soll ein erfahrener Ersatz verpflichtet werden – wohl der Ex-Stuttgarter Marc Ziegler, der in Dortmund unter Vertrag steht. Das bedeutet, dass Alexander Stolz keine guten Perspektiven hat. Sofern es ein attraktives Angebot gibt, verlässt er den VfB – aber nicht zum Karlsruher SC, wie verschiedentlich spekuliert wurde. Dort spielt bereits Jean-François Kornetzky – und der hat in Ronny Zeller den gleichen Berater wie Stolz. “Ich würde nie zwei meiner Leute zu einem Club vermitteln, sonst hätte ich meinen Beruf verfehlt”, sagt Zeller.

Die Abwehr:

Da sind alle Spieler noch länger gebunden – außer Cristian Molinaro, der von Juventus Turin ausgeliehen ist. Allerdings besitzt der VfB ein Vorkaufsrecht, das nach StZ-Information jedoch am 30. April endet. Spätestens bis dahin muss der Club erklären, ob er die festgelegte Ablöse von vier Millionen Euro an Juve überweist. Wenn nicht, können andere Vereine mitbieten. Molinaro selbst will in Stuttgart bleiben. “Alles liegt am VfB”, sagt sein Berater Uli Ferber.

Das Mittelfeld:

Dass der Vertrag von Roberto Hilbert verlängert wird, ist unwahrscheinlich. Weil auch Hleb geht, gibt es Veränderungen auf den Außenbahnen. Der aus Wolfsburg zurückgeholte Christian Gentner könnte zwar die linke Seite besetzen, aber er spielt lieber in der defensiven Zentrale. Dort könnte auch ein Platz frei werden, wenn Sami Khedira abwandert. Die Gespräche mit ihm laufen, doch der VfB rechnet insgeheim inzwischen nicht mehr damit, dass Khedira vor der WM entscheidet, ob er seinen 2011 auslaufenden Vertrag verlängert oder nicht.

Der Angriff:

Kein Thema sind Kevin Kuranyi (FC Schalke), Paolo Guerrero (Hamburger SV), Miroslav Klose (FC Bayern) und Lukas Podolski (1. FC Köln), die sportlich oder finanziell nicht ins Konzept passen, im Gegensatz zu Adrian Ramos (Hertha BSC) und Albert Bunjaku (1. FC Nürnberg). “Ein Spieler wird sich immer damit befassen, wenn er von Nürnberg nach Stuttgart wechseln könnte”, sagt dessen Berater Karl Herzog. Womöglich greift aber auch eine andere Variante. Nach den positiven Erfahrungen mit Molinaro überlegt der VfB, ob er einen Stürmer ausleihen soll. Das hätte den Vorteil, dass der Club an eine größere Hausnummer herantreten könnte als bei einer Festverpflichtung. Die Spur würde dann ins Ausland führen.

(STZ 13.4.10)

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