10. Januar 2018

Schwäbisch Roulette

Was hatte man zum Ende der Vorrunde nicht den Eindruck, dass man sich nur irgendwie in die Winterpause retten und alle Hoffnung auf Besserung in die Transferphase im Januar und die Rückrunde legen müsse.

Zu sehr offenbarte die Vorrunde, dass bei der Kaderzusammenstellung letzten Sommer so einiges schief lief und es eher suboptimal ist, mitten in der Vorbereitung den Sportdirektor zu wechseln.
Setzten Schindelmeiser/ Wolf auf junge, dynamische Spieler, die unser Spiel ankurbeln sollten, Marke Mangala, Burnić und einige andere mehr, folgte mit Reschke die Zeitenwende, indem er Altstars an den Neckar lotste, die sich bereits im Spätherbst ihrer Karriere befinden.

Wurde Schindelmeiser zum Vorwurf gemacht, er habe Maxim verkauft, ohne positionsgetreuen Ersatz verpflichtet zu haben, machte Reschke in den drei Wochen seines Wirkens während der Sommertransferphase auf der vakanten Position des Zulieferers unserer Stürmer, richtig, NICHTS.

Unsere Offensive war insgesamt dünn besetzt, wenn man weiß, dass mit Carlos Mané ohnehin in der Vorrunde nicht zu rechnen war und Daniel Ginczeks Fitnesszustand seit jeher fragil ist. Wenn dann noch die wenigen anderen Offensivkräfte, wie Akolo und Donis, immer mal wieder mit Blessuren zu kämpfen haben und ausfallen, oder ihre Bundesligatauglichkeit über weite Strecken schuldig bleiben (Asano), ist der einzige Mann im Sturm, den wahrlich so gut wie nichts erschüttern konnte, die ärmste Sau im VfB-Spiel. Simon Teroddes Leiden haben ein Ende, er wurde nach Köln abgegeben und durch Mario Gomez ersetzt.

Auf dem Papier liest sich die Verpflichtung für den VfB toll. Einer DER Ausnahmetorjäger der letzten zehn Jahre stürmt wieder für den VfB. In der Vorsaison hat er den VfL Wolfsburg mit seinen 16 Toren fast im Alleingang in die Relegation und schließlich zum Klassenerhalt geschossen, doch, dort hatte er Zulieferer in seinen Reihen, unter anderem einen am Neckar Altbekannten, Daniel Didavi.

Der wahre Husarenstreich Michael Reschkes wäre es gewesen, Dida gleich mit zurück in die gute Stube zu holen. Doch, die Hoffnung wird nun allein auf Mario Gomez liegen müssen, denn Reschke hat verlauten lassen, der Kader sei seiner Auffassung nach stark genug, und dass höchstens noch auf Verletzungen in den ersten Rückrundenspielen reagiert werden würde.

Für mich spielt Reschke, wenn er denn mit dieser Aussage keine Nebelkerze gezündet hat, schwäbisch (oder besser, rheinisch) Roulette. Es kann gut gehen, genauso gut wie die Vorrunde hätte gut gehen können. Ist sie aber nicht, weil im Fußball immer mit Unwägbarkeiten gerechnet werden muss und man nicht unbedingt vom Optimalfall ausgehen kann.

Auf zwei Positionen drückt meiner Meinung nach besonders der Schuh. Das kreative Mittelfeld habe ich bereits angesprochen, doch, auch hinten rechts sollte man dringend nachbessern. Außer Michael Reschke, der Andi Beck über den grünen Klee lobt, sieht jeder, dass Beck DER Bremser in unserem Spiel ist und vor allem in dem in der Vorrunde vorwiegend praktizierten System mit einer Fünferkette, die schnelle Außenverteidiger bedingt, schlichtweg an seine Grenzen stößt.

Wie Reschke und Dietrich auf die Idee gekommen sind, Beck überhaupt zurück zu holen, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Als Schindelmeiser noch die Geschicke leitete, bekam so mancher Bauchschmerzen, weil das Team zu jung, unerfahren und möglicherweise für die Bundesliga zu grün gewesen sei. Dann, unter Reschke, kamen nacheinander Badstuber, Aogo, Beck und Gomez, wohingegen die drei Letztgenannten eben nicht nur Erfahrung mitbringen, sondern sich auf dem absteigenden Ast befinden, während Badstuber „nur“ extrem verletzungsanfällig ist.

Im Zuge der Ausgliederungspropaganda wurden Erwartungen geweckt, der VfB könne mit mehr Geld im Säckel seine Spieler halten und auf der anderen Seite Spieler für den VfB begeistern, von denen wir ohne Ausgliederung nicht zu träumen wagten.

Ob die Mitglieder, die der „Make VfB great again“-Propaganda gefolgt waren und für die Ausgliederung gestimmt haben, sich diesen Kurswechsel gewünscht haben, ist fraglich. Bislang kamen in der Ära Reschke ausschließlich Spieler (Ausnahme Ascacibar, den der VfB jedoch schon vorher auf dem Zettel hatte), die fürstliche Gehälter beziehen, jedoch keinen Wiederverkaufswert mehr haben.

Unter Spielern mit Erfahrung stelle ich mir welche im besten Fußballeralter vor, 27, höchstens 28 Jahre alt, um die herum es sich lohnt, eine Mannschaft aufzubauen. Aber doch nicht 32-jährige Auslaufmodelle, mit denen man gerade mal im Halbjahreszyklus planen kann, die Gehaltsressourcen binden und am Ende der Vertragslaufzeit ihre Karriere (ablösefrei) beenden.

Becks Rückkehr habe ich von Beginn an nicht nachvollziehen können. Verwunderlich, dass Wolfgang Dietrich beim Klang seines Namens zwar nostalgische Gefühle überkommen, Beck jedoch nie in einem Atemzug mit den Jungen Wilden genannt wird.

Beck konnte sich in seiner ersten Zeit beim VfB nicht durchsetzen und kam vor allem nicht an Ricardo Osorio vorbei. Dem Konkurrenzkampf entzog er sich und ging dort hin, wo es 2007 das meiste Geld zu „verdienen“ gab, nämlich zum ungeliebten Nachbarn ins Kraichgau.

Dort verbrachte er die Blütezeit seiner Karriere und, als er den Zenit weit überschritten hatte und in Hoffenheim sein Stammplatz in Gefahr war, „floh“ Beck in die Türkei. Dass es ihn nun zurück in die Heimat zog, dürfte in der politischen Lage am Bosporus begründet sein. Für mich zwar nachvollziehbar und doch hätte es nicht unbedingt der VfB sein müssen, der ihm das Gnadenbrot zum Karriereausklang verabreicht.

Mario Gomez ist der nächste in der Reihe derer, die „daheim“ die Karriere ausklingen lassen möchten. Sportlich wird uns Mario sicherlich mehr weiterhelfen, als es Andreas Beck bislang getan hat. Er will unbedingt zur WM im Sommer in Russland und wird sich bestmöglich versuchen einzubringen, um dieses hehre Ziel auch zu erreichen.

Bei Gomez muss man abwarten, ihn bewerte ich dann, wenn man weiß, was er geleistet hat (oder auch nicht). Ich kritisiere noch nicht einmal, dass man ihn zurückgeholt hat, sondern habe lediglich Bauchschmerzen damit, dass man einen 32-jährigen auf Anhieb zum Top-Verdiener macht, der trotz Einbußen im Vergleich zu Wolfsburg noch immer vier Millionen Euro jährlich einstreichen soll.

Des Weiteren kam Gomez für Terodde, Torjäger gegen Torjäger, während das eigentliche Problem, das der mangelnden Zulieferung, noch immer nicht gelöst wurde. Denn, selbst ein Super-Mario wird sich die Bälle nicht noch selbst auflegen können.

Sollte der Fußball der Rückrunde dem der Vorrunde ähneln, getreu dem Motto Safety-First, sehe ich die Gefahr, dass der geborene Torjäger Mario Gomez zunächst verzweifeln und schließlich resignieren wird. Steht er auf ähnlich verlorenem Posten wie es bei Simon Terodde und auch Daniel Ginczek bei seinen wenigen Einsätzen der Fall war, dürfte er seine Felle im Hinblick auf die WM davon schwimmen sehen, was seiner weiteren Motivation sicher nicht förderlich wäre.

Mit Rückholaktionen hatte der VfB selten ein glückliches Händchen. Ob bei Trainern wie Sundermann und Veh, bei denen vor Augen geführt wurde, dass sich die goldene Zeit nicht zurückdrehen lässt, wie auch bei Spielern.

Bei Aleks Hlebs Rückkehr war selbst ich euphorisch und erwarb noch während seines ersten Trainings das Trikot mit der Nummer 23, ein für alle mal das letzte, das ich mit einem Spielernamen beschmutzen, ähm, beflocken ließ. Er war das Paradebeispiel des satten Spielers! Wie nach und nach herauskam, bewog ihn nicht seine vorgeheuchelte Heimatliebe zur Rückkehr, sondern, dass er vom VfB auch weiter sein stattliches Barça-Gehalt überwiesen bekam. Nachdem seine Leistungen auch noch zu wünschen übrig ließen und er öfter in den Besenwirtschaften des Remstals als auf dem Trainingsplatz anzutreffen war, war ich nur noch sauer auf diesen verwöhnten Rotzlöffel.

In die Riege der für mich nicht nachvollziehbaren Rückholaktionen fiel übrigens auch die von Christian Gentner. Seinerzeit waren wir im defensiven Mittelfeld mit Kuzmanovic und Träsch ordentlich aufgestellt. Links oder zentral offensiv war Didavi vorgesehen, so dass es für Gentner zur damaligen Zeit eigentlich keinen Platz im Team gegeben hat. Doch, schon damals, wog das Wort eines einflussreichen Spielerberaters mehr als die sportliche Notwendigkeit, so dass man auch Gente gnädig wieder aufnahm.

Marc Ziegler war eine dankbare Nummer zwei hinter für Sven Ulreich, ohne jegliche Ambitionen, Ulle ernsthaft herauszufordern.

Beck durfte nun bereits ein halbes Jahr lang unter Beweis stellen, dass er sich nahtlos in diese Aufzählung einreiht, während wir bei Gomez erst noch abwarten müssen. Schießt er uns zum Klassenerhalt und knüpft an alte Zeiten an, hat sich der Aufwand gelohnt, wenn nicht, kann Dietrichs und Reschkes Retrokurs endgültig als gescheitert angesehen werden.

Mir fehlt bei Reschkes Wirken bislang die Nachhaltigkeit. Die Amateure möchte er unwiderruflich auslöschen, Talente werden abgegeben anstatt aufgebaut (die nächsten vermutlich, Grgic und Ofori) und im Gegenzug wird eine Altherrenmannschaft „aufgebaut“, die dem immer schneller werdenden Bundesligafußball früher oder später Tribut zollen wird.

Setzt Reschke diesen Kurs fort, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis Serdar Taşçı und Sami Khedira wieder anheuern. Geht Reschke weiterhin die Phantasie bei seinen Transferaktivitäten ab und setzt er weiter auf „Altbewährtes“, scheint selbst eine Verpflichtung von Bastian Schweinsteiger, den Reschke aus München bestens kennte, nicht ausgeschlossen. Dessen Vertrag in Chicago lief vor wenigen Tagen aus, er würde exakt in Reschkes Beuteschema passen. Nicht dass ich einen wie Schweinsteiger nicht gerne mal im VfB-Trikot sehen würde, doch, auch er würde das Gehaltsgefüge sprengen und den finanziellen Rahmen weiter eindämmen.

Meine Bedenken in Bezug auf die Ausgliederung und dem daraus resultierenden Groß-Mann-Denken bewahrheiten sich immer mehr. Diejenigen, die damals für „ja“ stimmten, vertrauten in erster Linie dem Kurs von Jan Schindelmeiser, die vorhandenen Mittel vernünftig einzusetzen und auf Nachhaltigkeit zu setzen.

Seit Reschke das Zepter schwingt, wird hingegen das Geld mit offenen Händen ausgegeben und das für Spieler, die beim Worst-Case-Szenario Abstieg dem VfB wohl kaum erhalten bleiben und auch nicht zu bezahlen sein dürften.

Selten bis noch nie war mein Empfinden so wie in dieser Woche, dass ich mich auf den Rückrundenstart in wenigen Tagen überhaupt nicht freue. Freuen tue ich mich allenfalls über die vielen Leidensgenossen, die man vor und nach dem Spiel trifft, nicht aber auf das Spiel.

Ich habe ziemlichen Bammel und wenig Hoffnung, dass wir gestärkt aus der kurzen Pause heraus kommen könnten. Die fünf Niederlagen aus dem Dezember liegen einfach noch zu schwer im Magen.
Mein einziger Hoffnungsschimmer auf einen guten Rückrundenstart ist, dass Wolf im Trainingslager vorwiegend auf ein 4-2-3-1 gesetzt hat und die Rückrunde möglicherweise etwas mutiger angehen wird. Hoffen wir, dass ihn bis Samstag der Mut nicht schon wieder verlässt.

Allein mit destruktiver Ausrichtung und dem Hoffen auf den lieben Gott oder neuerdings Mario Gomez, wird die Klasse nicht zu halten sein. Die ersten drei Rückrundenspiele sind für mich wegweisend. Gelingt in diesen kein Sieg, sehe ich schwarz, was den Klassenerhalt angeht. Dieser sollte angesichts des schweren Restprogramms tunlichst bis zum 30. Spieltag eingetütet sein, so dass es sich von selbst verbietet, sich jetzt noch einzuspielen oder langsam in die Rückrunde hinein zu finden. Der VfB muss auf Anhieb voll da sein und die Punkte jetzt holen.

Reschke hat allerdings die Ruhe weg, was ich in keinster Weise nachvollziehen kann. Bessert er von der Reste- oder doch Reschkerampe (?) erst nach, wenn Ende Januar das Kind schon im Brunnen liegt, sehe ich große Probleme, die Kurve dann noch zu kriegen.

Mich interessiert im Übrigen auch der überhitzte Transfermarkt und dass es schwierig sei, im Winter Spieler zu bekommen, die einen sofort weiter bringen, überhaupt nicht. Reschke hatte ein halbes Jahr lang Zeit an kreativen Möglichkeiten zu feilen, Handlungsbedarf besteht schließlich nicht erst seit Ende der Vorrunde. Er ist in der Pflicht zu liefern und das so bald wie möglich!

Mit fast unverändertem Kader der Vorrunde ist es ein sehr riskantes Vabanque-Spiel mit vielen Risiken. Reschke setzt zwar große Hoffnungen in die Rückkehr von Carlos Mané und Daniel Ginczek. Meine sind in Bezug auf diese beiden eher gedämpft. Es würde an ein Wunder grenzen, wäre Mané sofort wieder der Alte und wenn beide nahezu verletzungsfrei durch die Rückrunde kämen. Auch DER Fixpunkt in der Abwehr, Holger Badstuber, könnte von heute auf morgen komplett wegbrechen. Wir können ja schon fast drei Kreuze machen, dass er bislang immer nur relativ kurz ausgefallen war, was allerdings nicht immer so bleiben muss. Reschke setzt in diesen Tagen alles auf Rot, wenn er sich da mal nicht verzockt.

Der Preis des schwäbischen Roulettes könnte im schlimmsten Fall mit dem Abstieg bezahlt werden müssen und wäre dann um ein Vielfaches höher, als er es jetzt noch wäre, würde man die Truppe vernünftig verstärken. Ein neuerlicher Abstieg wäre deutlich verheerender als der letzte und würde in einen kompletten Neuanfang münden. Soweit darf es der Verein nicht kommen lassen, noch wäre Zeit, an den entscheidenden Schrauben zu drehen.

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26. Dezember 2017

Ein Blick zurück aufs Aufstiegs- und aufs Ausgliederungsjahr!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 17:19

Kurz vor dem Jahreswechsel ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen und das Fußballjahr Revue passieren zu lassen.

Für den VfB war es ein sehr bewegendes Jahr. Zunächst trug das Trainingslager in Lagos Früchte, als man nach zwei Niederlagen vor Weihnachten zum Rückrundenstart eine Siegesserie hinlegte und dadurch den Grundstein für den späteren Aufstieg legte.

Diese Serie bekam eine Delle und schlug einige Spiele lang ins Gegenteil um, nachdem dem VfB nach der nächtlichen Eskapade von Kevin Großkreutz am Rosenmontag nichts anderes übrig blieb, als sich vom Weltmeister zu trennen.

Sein Ausflug mit VfB-Jugendspielern im Schlepptau in den überschaubaren Stuttgarter Rotlichtbezirk schadete nicht nur dem Renommee des Vereins, sondern schwächte uns auch sportlich. Mit dem Derbysieg gegen den KSC freilich endete diese Schwächephase zur rechten Zeit und fortan ließ sich der VfB vom großen Ziel Aufstieg nicht mehr abbringen.

Mit dem Heimsieg gegen die Würzburger Kickers am 21. Mai war dieser dann schließlich perfekt. Die große Jubel-Party konnte beginnen. Zunächst auf dem Rasen, später mit den Fantastischen Vier auf dem Wasen. Persönlich war ich weder auf dem Rasen noch auf dem Wasen sondern feierte gemächlich in den bekannten Lokalitäten rund um den Cannstatter Bahnhof. Mir war das zu viel Tamtam, welches noch im Eintrag ins Goldene Buch der Stadt gipfelte, für das eigentlich Selbstverständliche.

Von den Möglichkeiten her, die der VfB im Gegensatz zu, mit Ausnahme Hannover 96, allen anderen Zweitligisten hatte, musste der Aufstieg ein Selbstläufer werden. Daher fiel es mir persönlich schwer, einer Mannschaft, in der sich noch einige Absteiger des Vorjahres befanden und einem Verein, der mich über lange Jahre so enttäuscht hatte, in dieser Stunde zu huldigen. Betriebsunfall korrigiert, mehr nicht.

Da das Zweitligajahr vom Anfang bis zum Schluss eine absolut geile Sache und willkommene Abwechslung zum tristen Bundesliga-Alltag war, kam gar fast so etwas wie Wehmut auf, wenngleich es mir natürlich auch klar war, dass ein zweites Jahr im Unterhaus nicht wirklich erstrebenswert gewesen wäre. Noch mehr Boden nach oben zu verlieren und nie mehr den Anschluss zu schaffen, die Wahrscheinlichkeit, dass dies eingetreten wäre, wäre sehr groß gewesen.

Der Verein machte es freilich geschickt, die bei vielen vorhandene Euphorie für sich zu nutzen und auf dieser Welle die Ausgliederung durchzudrücken.

Bei mir überwog, auch in der Stunde des Triumphs, die Wut darüber, dass mein VfB überhaupt in diese Situation gekommen war. Nach der Meisterschaft 2007 machte man so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte. Sportdirektoren wurden erst ein KFZ-Mechaniker, dann ein Einzelhandelskaufmann und schließlich ein zweitklassiger Fußballlehrer, der das Werk seiner beiden Vorgänger dann vollendete. Diese (von den Präsidenten möchte ich gar nicht erst anfangen) wirtschafteten, „kontrolliert“ vom Aufsichtsrat, den Verein herunter und machten aus einem stolzen Champions League Teilnehmer einen Absteiger. Nicht nur, dass wir zurecht abgestiegen waren, vor allem wegen der fatalen Außendarstellung des Vereins und des Umfelds über etliche Jahre, in denen die Fanszene als Trainer- und Sportdirektoren-Killer wahrgenommen wurde, schien es so, dass dieser Abstieg dem VfB ligaweit wie sonst nur noch dem HSV gegönnt wurde.

Die zweite Liga bot also nicht nur die Chance, sich sportlich und finanziell zu konsolidieren, sondern auch jene, das Image aufzupolieren. Letzteres gelang eindrucksvoll! In der 2. Liga waren wir DER Garant für gut gefüllte Stadien, in der Bundesliga wurden wir deshalb schon nach kurzer Zeit wieder vermisst.

Nach dem Abstieg und nach Robin Dutt wurde in Person von Jan Schindelmeiser erstmals wieder ein Mann auf der Kommandobrücke präsentiert, der den Job des Sportdirektors von der Pike auf gelernt hat.

Schindelmeiser machte während seiner nur ein gutes Jahr dauernden Zeit beim VfB fast alles richtig. Einziges Manko war, was wiederum der damals noch vorhandenen Vereinsführung zuzuschreiben ist, dass Schindelmeiser, obwohl seit Jahren verfügbar, erst im Juli vorgestellt wurde und bis da hin einige Personalentscheidungen, einschließlich der Verpflichtung von Luhukay, schon gefallen waren.

Schindelmeiser schaffte es dennoch bis zum Transferschluss einen aufstiegsfähigen Kader an den Start zu bringen, wobei allerdings seine und die Auffassungen von Luhukay, wie der Aufstieg zu bewerkstelligen sein würde, auseinandergingen, weshalb der Holländer schließlich seinen Hut nehmen musste.

Schindelmeiser eierte nicht lang herum und zog schnell Konsequenzen aus den Dissonanzen, welche aus heutiger Sicht betrachtet, einer glücklichen Fügung des Schicksals gleich kamen. Auch in der Trainerfrage bewies Schindelmeiser Kreativität und griff nicht einfach auf einen zufällig auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer befindlichen altbekannten Fußballlehrer zurück. Er schaffte es, Hannes vom BVB loszueisen, der drei Mal in Folge Deutscher Meister mit deren Jugendteams wurde, jedoch noch nie eine Profimannschaft trainiert hatte. Das zeugte davon, dass Schindelmeiser einen Plan hatte, wie er den VfB der Zukunft sah und bereit war, auch unkonventionelle Wege zu gehen, um seine Ziele zu erreichen.

Schindelmeisers Transfers waren von sehr viel Phantasie geprägt. Jung und hungrig sollten sie sein, notfalls geliehen und in jedem Fall die Qualität steigernd. Spieler mit Wertsteigerungspotential, die kurzfristig helfen, unsere Ziele zu erreichen, langfristig aller Voraussicht nach aber nicht zu halten sein werden. Die 2. Liga war dabei das ideale Experimentierfeld, um die Jungs zu entwickeln. Dort wurde nicht gleich jeder Fehler bestraft und Niederlagen waren lang nicht so schmerzhaft, weil wir als der große Aufstiegsfavorit in jedem Spiel in der Lage waren, den Bock umgehend wieder umzustoßen.

So war ich allein vom Aufstieg weit weniger geflasht als viele andere und bin weit entfernt, die Aufstiegsmannschaft in den Heldenstatus zu hieven. Meine Helden bleiben die Aufsteiger von 1977, die das Husarenstück in einer viel schwierigeren Zeit vollbracht hatten und, weil es meine erste Saison war, in der ich regelmäßig „runter“ ging und in die auch mein allererstes Auswärtsspiel (0:0 bei den Münchner Löwen) fiel.

Ich war freilich mit meiner reservierteren Einordnung des Aufstiegs eher in der Minderheit. Der Verein schaffte es, obwohl der Aufstieg ein absolutes Muss war, im Umfeld eine Euphorie zu entfachen und den Fans und Mitgliedern vorzugaukeln, dass die Voraussetzungen geschaffen seien, zukünftig wieder im Konzert der Großen mitzuspielen, wenn denn endlich die Ausgliederung durch ginge.

Unter dem Hashtag #jazumerfolg wurde jeder diskreditiert, der anderer Auffassung war und der die Ausgliederung zum damaligen Zeitpunkt kritisch hinterfragte bzw. unter den gegebenen Voraussetzungen (noch) nicht haben wollte.

Dass eine Ausgliederung irgendwann, schon allein aus steuerrechtlichen Gesichtspunkten, hat kommen müssen, war auch mir klar. Ich fand den Zeitpunkt falsch und habe keinerlei Vertrauen in diese Vereinsführung, die uns, wie sich immer häufiger zeigt, mit falschen Versprechungen hinters Licht geführt hat.

Ich warnte immer wieder, wer für ja stimme, kaufe die Katze im Sack, weil lediglich die 41,5 Millionen Euro vom Nachbarn mit dem Stern Fakt und alles andere Luftschlösser seien.

Die Taxierung des Unternehmenswertes auf 300 Millionen Euro als Zweitligist erschien mir viel zu hoch angesetzt, zumal laut Stefan Heim dieser mit Erwartungen in die Zukunft (also vielen Unbekannten) zustande kam. Dass ein Unternehmen wie Daimler Benz, das beim VfB fest verankert ist und den Aufsichtsrat beherrscht, diese Summe zur Verfügung stellt, sagt meines Erachtens nichts über den Wert des VfB aus, sondern war, wie so vieles, ein Köder, den man den Mitgliedern hingeworfen hat, damit diese auch ja „richtig“ abstimmen.

Für mich war die außerordentliche Mitgliederversammlung eine reine Farce. Verglich ich schon das Werben für die Ausgliederung mit Trumps Wahlkampf (make VfB great again), verkam der eigentlich ernste Abend zunächst zu einer Jubelshow um die „Aufstiegshelden“, um dann mit Verspätung zu beginnen und offensichtlich auf Zeit zu spielen, die Aussprache per Beschluss beenden zu lassen, bis hin zu fragwürdig funktionierenden Abstimmungsgeräten. Ich bekomme heute noch Schaum vor den Mund, wenn ich an diesen Abend zurück denke.

Hatte man im Erklärbär-Video für die Ausgliederung noch betont, man wolle Investoren aus der Region gewinnen, scheint nun, wo die Mitglieder abgestimmt haben, keine Rede mehr davon zu sein. Hatte man bei jeder Veranstaltung, bei der für die Ausgliederung geworben wurde, Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf vor den Karren gespannt und mit diesen beiden um das Vertrauen der Mitglieder geworben, setzte man Schindelmeiser kurze Zeit später vor die Tür.

War es doch gerade er, der dafür stand, vernünftig zu wirtschaften, auf dem Spielermarkt keine verrückten Sachen zu machen und Spieler mit Wertsteigerungspotential zu holen, war es offensichtlich schon vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossene Sache, Schindelmeiser durch Michael Reschke zu ersetzen.

Schindelmeiser wurde vorgeworfen, eigenbrötlerisch zu sein und Transfers im Alleingang zu tätigen. Um Schindelmeisers Rausschmiss nicht scheinbar aus heiterem Himmel tätigen zu müssen und die Öffentlichkeit darauf vorzubereiten, warf man den Stuttgarter Nachrichten einige Interna hin und lieferte die Steilvorlage, Schindelmeiser anzuzählen. Die Gefälligkeitsjournalisten des Haus- und Hofberichterstatters ließen sich nicht zwei Mal bitten und hauten einen Artikel mit schweren Vorwürfen gegen Schindelmeiser und einem Bericht über atmosphärische Störungen auf der Geschäftsstelle raus. Ob an den Vorwürfen ein Fünkchen Wahrheit dran war, sei dahin gestellt.

Ein ganz so schlechtes Standing kann Schindelmeiser bei seinen Kollegen ja nicht gehabt haben, wenn man hört, dass über 100 Kollegen zu seinem Ausstand gekommen waren. Dass der Presse nicht gepasst haben dürfte, dass Schindelmeiser vieles lieber für sich behielt, liegt auf der Hand. Seit er weg ist, scheint auch die Stuttgarter Journaille wieder bestens informiert zu sein…

Der Artikel erschien Mitte Juli und damit sicher rein zufällig kurz nach Ende der Einspruchsfrist gegen das Abstimmungsergebnis zur Ausgliederung. Als ich Wolfgang Dietrich am Rande des Trainingslagers in Neustift im Stubaital ansprach, ob man sich um die Zukunft von Jan Schindelmeiser beim VfB sorgen müsse, verneinte er und schob den Inhalt des Artikels auf unzufriedene Spielerberater. Vertrauensbildend war auch dieses Gespräch selbstredend nicht!

Dass die angeblichen atmosphärischen Störungen nicht plötzlich auftraten, sondern seit Anfang des Jahres geschwelt haben sollen, konnte man aus dem Artikel herauslesen. Da Michael Reschke schon im Juni bei den Bayern um die Freigabe für den VfB ersucht haben soll, erhärtet sich der Verdacht, dass der Rausschmiss von Schindelmeiser über längere Zeit geplant war und man lediglich noch abwartete, bis die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung abgelaufen war. Schließlich waren es ja weniger die Herren Heim, Röttgermann und Dietrich, denen die Mitglieder die Daimler-Millionen
anzuvertrauen bereit waren, als dass es Jan Schindelmeiser gewesen ist.

Da man Schindelmeiser, den Sportdirektor auf Zeit, weiter Transfers tätigen ließ und Reschke, der zu gegebener Zeit kommen sollte, offensichtlich eine ganz andere Philosophie in Sachen Neuverpflichtungen verfolgt, ließ man den VfB sehenden Auges ins Verderben rennen, um ja die Ausgliederung nicht im letzten Moment noch zu gefährden. Das Resultat: 17 Punkte, 13 Tore und gerade einmal zwei Pünktchen vor einem Abstiegsplatz.

Standen Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser für kreative Transfers von nahezu unbekannten und entwicklungsfähigen Spielern mit einer ungeheuren Power im Tank, drehte sich die Philosophie mit dem Amtsantritt von Michael Reschke um 180°.

Hieß es vor Reschke noch, dass Neuzugänge jung, wild und entwicklungsfähig sein sollen und fühlte sich Wolf bei der Entwicklung dieser Jungs in seinem Element, hat Reschke bislang nur Spieler geholt, die ihren Zenit schon überschritten haben, im Gehaltsranking aber weit oben angesiedelt sein dürften.

Bei Holger Badstuber scheiden sich ja die Geister, ob diesen noch Jan Schindelmeiser wollte und der Streit an dieser Personalie schließlich eskalierte, oder ob Michael Reschke diesen als Antrittsgeschenk mitgebracht hat.

Schenkt man den Aussagen Dietrichs in Neustift in puncto „notwendige Erfahrung in der Innenverteidigung“ Glauben, äußerte er am Beispiel von Neven Subotic, dass man solch satte Spieler, die bereits alles erreicht hätten, nicht verpflichten wolle, weil er nicht glaube, dass sie noch den nötigen Ehrgeiz mitbrächten und zudem verletzungsanfällig seien.

Die Verpflichtung von Badstuber wäre auch hier eine totale Kehrtwende, so dass ich davon ausgehe, dass diesen Transfer noch Schindelmeiser eintütete, zumal die Bekanntgabe des Transfers fast zeitgleich mit der Bestätigung der Personalie Reschke einher ging.

Santiago Ascacíbar, der sympathische Giftzwerg im defensiven Mittelfeld, soll ebenfalls von Schindelmeiser aufgespürt worden sein, so dass sich Reschke diesen Wechsel wohl auch nicht zu 100% auf die Fahnen schreiben darf. Blieben noch Aogo, Beck und, seit ein paar Tagen, Mario Gomez.

Mit Verlaub, um auf diese Namen zu kommen, braucht man nicht die Super-Spürnase schlechthin im deutschen Fußball, wie Reschke ja oft bezeichnet wird. Aogo ist 30 Jahre alt, war arbeitslos und kam in den letzten beiden Jahren auf gerade einmal 30 Spiele für Schalke 04.

Andreas Beck, 32 Jahre alt und ehemals Junger Wilder dürfte wegen der politischen Lage froh gewesen sein, dass ihn der VfB von Beşiktaş Istanbul losgeeist hat. Mit 32 Jahren noch einmal beim Heimatverein einen gut dotierten Vertrag unterschreiben dürfen, wer hätte da schon „nein“ gesagt?

Der VfB scheint sich auf dem Nostalgie-Trip zu befinden. Ich finde es ja schön, wenn sich Präsident Dietrich um die Helden vergangener Tage kümmert, sie zu Spielen einlädt und versucht, deren Netzwerke zu nutzen. Eine Traditionself fürs Ligageschäft muss allerdings nicht sein.

Nach Beck kommt mit Mario Gomez ein weiterer Meister von 2007 zurück, bei Sami Khedira scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er heim ins, ach lassen wir das, kehrt.

Ich sehe diese Entwicklung sehr skeptisch. Mit Rückholaktionen hatte der VfB selten ein glückliches Händchen und nostalgische Gefühle bergen bei Vertragsverhandlungen die Gefahr, den Blick auf die Realität zu verlieren. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, die Spieler sind zehn Jahre älter geworden und nicht mehr die gleichen, die sie waren, als sie einst in die weite Welt hinauszogen. Wäre die alte Liebe fünf Jahre früher neu aufgeflammt, o. k., so aber wirkt deren Rückkehr auf mich wie ein bequemes ausklingen lassen der Karriere und das auch noch für ein stattliches Gehalt. Bei Beck hat sich die Skepsis bislang bewahrheitet, über Gomez reden wir in einem halben Jahr nochmal.

Dass die Mannschaft nicht ausschließlich mit jungen Wilden die Bundesliga rocken kann, steht außer Frage. Und doch hatte ich nach den Trainingslagern in Grassau und Neustift ein sehr gutes Gefühl mit den Burnić’, Mangalas, Akolos und wie sie alle heißen. Wolf, der unter Jürgen Klopp und Thomas Tuchel hospitierte stand doch einst für laufintensiven Hochgeschwindigkeitsfußball, Schindelmeiser stellte ihm, soweit möglich, das Spielermaterial zur Verfügung und war damit noch nicht fertig, zum Zeitpunkt, als er entlassen wurde.

Was ihm angelastet wurde, war, dass er Alexandru Maxim für ein Nasenwasser an einen Mitkonkurrenten gegen den Abstieg verhökert und keinen adäquaten Ersatz für ihn geholt hatte.

Reschke hätte noch drei Wochen Zeit gehabt, dieses Versäumnis zu beheben, passiert ist jedoch nichts. Mir fehlt ein Zehner für den tödlichen Pass, einer, der die Stürmer mit Vorlagen füttern kann, auch wenn ein klassischer Spielmacher im System von Hannes Wolf nicht vorgesehen zu sein scheint.

So war in der Vorrunde Sicherheitsdenken Trumpf, was zwar zu einer akzeptablen Anzahl an Gegentoren, jedoch auch zu einer völlig unakzeptablen an eigenen Toren geführt hat. Über weite Strecken wurde, vor allem auswärts, Fußball zum Abgewöhnen geboten. Stets wurde hinten Beton angerührt und vorne sollte der liebe Gott helfen. Doch, mit lediglich drei offensiv und acht defensiv denkenden Spielern auf dem Platz ist nun mal kein Offensiv-Feuerwerk zu erwarten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Hannes Wolf mit dem Fußball, den er spielen ließ, selbst so glücklich war und auch nicht, dass dieser den Spielern Spaß gemacht hat. Wenn man den eigentlichen Sinn des Spiels Tore zu erzielen hinten anstellt und erst beginnt, ernsthaft nach vorne zu spielen, wenn man zurück liegt, kann das auf Dauer nicht befriedigend sein. Umso erstaunlicher, dass bislang so wenig Misstöne aus der Kurve zu vernehmen waren und die Leute der AG weiterhin die Bude einrennen.

Vor allem unsere Offensivkräfte mussten dabei die Lust am Fußball verlieren. Erstes „Opfer“, Simon Terodde. Noch in der zweiten Liga wegen seiner 25 Tore gefeiert, wurde ihm zuletzt die Bundesligatauglichkeit abgesprochen. Für mich zu Unrecht, weil er wenige bis überhaupt keine brauchbaren Bälle serviert bekam und sich zudem die gegnerischen Abwehrreihen fast einzig und allein auf ihn konzentrieren konnten. Dass ihn das nicht zufrieden stellte und er die Flucht ergriff, dafür habe ich Verständnis.

Dass offiziell aber Heimweh vorgeheuchelt wird und der VfB ob seiner Verdienste im Aufstiegsjahr den einzigen fitten Stürmer ziehen lässt, dafür nicht. Einen Spieler, für den vor anderthalb Jahren noch fünf Millionen Euro auf den Tisch des Bochumer Hauses gelegt wurden, für kolportierte zwei Millionen Euro, dazu noch an einen Konkurrenten im Abstiegskampf, abzugeben, ist in meinen Augen unvernünftig und wirtschaftlich unklug.

Für Gefühlsduselei und die Heimwehnummer, wenn sie denn tatsächlich stimmen sollte, ist in der Bundesliga kein Platz. Die Spieler bekommen alle genug Schmerzensgeld, ein Blick auf den Gehaltszettel sollte genügen, das Heimweh wenigstens ein weiteres halbes Jahr auszublenden. .

Entsprechend groß war der Aufschrei unter den Fans, so dass sich die Vereinsführung dazu genötigt sah, noch vor Weihnachten den Transferhammer schlechthin zu verkünden. Mario Gomez kehrt zurück auf den Wasen und soll, vorbehaltlich der sportärztlichen Untersuchung, in der Rückrunde für den VfB auf Torejagd gehen. Da die genannte Untersuchung erst Anfang Januar erfolgen soll, der Wechsel also durchaus auch noch scheitern könnte (keine Sorge, diese Blöße würde sich der VfB wohl kaum geben…), wirkt auf mich die (frühzeitige) Bekanntgabe des Transfers wie eine vorweihnachtliche Beruhigungspille.

Auch was die Rückkehr von Mario Gomez angeht, hält sich meine Freude in Grenzen. Ich bin zwiegespalten, ob er uns denn mit seinen nunmehr 32 Lenzen noch entscheidend weiterhilft. Auch er wird Vorlagen brauchen, um uns zum Klassenerhalt zu schießen. Das eigentliche Problem wurde somit also nicht gelöst, sondern, es wurde ein Strafraumstürmer durch einen anderen ersetzt.

Dabei bin ich einer derjenigen, die Gomez den Wechsel zu den Bayern und seine Aussagen drum herum nie wirklich krumm genommen haben. Dass man im Profi-Business, auch wenn ein Wechsel noch so fix ist, zu diesem erst Stellung beziehen darf, wenn sich alle Seiten über den Zeitpunkt der Bekanntgabe geeinigt haben, ist klar. Gomez, damals noch ein junger Kerl, äußerte sich unbedacht, für mich noch lange kein Grund, ihm ewig böse zu sein. Gomez hatte sich wenigstens, im Gegensatz zu vielen anderen Spielern, die wir für vergleichsweise wenig Geld oder gar ablösefrei
verloren haben, auf einen Vertrag eingelassen, der dem VfB das Heft des Handelns überließ und uns schließlich eine Rekordablöse von 35 Millionen Euro bescherte.

Daher habe ich Gomez auch nie ausgepfiffen, als er gegen den VfB spielte. Die unsäglichen Pfiffe gegen Ex-Spieler, zuletzt ja auch gegen Bernd Leno und Sven Ulreich, finde ich allgemein beschämend, und, sie helfen ja auch nicht weiter. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Spieler treiben die Pfiffe zu Höchstleistungen an, Gomez hatte in unschöner Regelmäßigkeit gegen den VfB getroffen, während Leno und Ulreich ihren Kasten zuletzt sauber hielten.

Dass Gomez, wenn er denn fit bleibt, auch mit 32 Jahren noch zu den Top-Stürmern Deutschlands gehört, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Schon allein die Tatsache, dass er sich noch ernsthafte Hoffnungen auf die WM 2018 machen darf, unterstreicht, welchen Hochkaräter sich der VfB geangelt hat. Mir geht es lediglich gegen den Strich, dass der VfB offensichtlich seine Philosophie in so kurzer Zeit auf links dreht und auf ein Gehaltsgefüge zusteuert, das mir gefährlich erscheint. Gomez dürfte, ähnlich wie Beck, auf Anhieb zu den Top-Verdienern gehören, und nicht allzu viele Abstriche gegenüber seinem letzten Gehalt in Wolfsburg machen müssen. Wenn er uns zum Klassenerhalt schießt und somit kurzfristig weiter hilft, ist das gut angelegtes Geld, sollten ihm immer aber, wie zuletzt des Öfteren, muskuläre Probleme zu schaffen machen und er nicht regelmäßig zur Verfügung stehen, hätten sich meine Bedenken bewahrheitet.

Hört man Reschke so reden, begründen sich seine Hoffnungen auf eine bessere Rückrunde vor allem in der Rückkehr von Mané, Donis, Ginczek und jetzt auch Gomez. Für mich ein Vabanquespiel, vor allem bei Mané und Ginczek. Ginczek dauerhaft einzuplanen verbietet sich aufgrund seiner Verletzungshistorie von selbst, bei Mané muss man abwarten, wie das Knie reagiert, ob er fit bleibt und wie lang er braucht, um zu alter Stärke zurückzufinden. Für mich wäre es schon optimistisch gedacht, darauf zu hoffen, dass von den Vieren pro Spiel wenigstens zwei zur Verfügung stehen.

Reschke muss in der kurzen Winterpause, am besten bis zum Trainingsauftakt, liefern und die Problemzonen im Kader beheben. „Sein“ Rechtsverteidiger Andreas Beck blieb in der Vorrunde alles schuldig, was ihn einst ausgezeichnet hat und auch Dennis Aogo, der hauptsächlich wegen der Verletzung von Insúa geholt wurde, erbrachte noch nicht den Beweis uns wirklich weiter helfen zu können.

Deshalb sehe ich den größten Handlungsbedarf auf den Außenverteidigerpositionen und im kreativen Mittelfeld. Will Hannes Wolf weiter mit einer Fünferkette spielen , brauchen wir schnelle und konditionsstarke Flügelflitzer auf beiden Seiten, die auch noch in hohem Tempo brauchbare Flanken schlagen können. Im Wintertransferfenster dürfte es schwierig sein, bezahlbare Spieler, die uns sofort weiterhelfen würden, zu bekommen. Das allerdings darf für Reschke keine Ausrede sein, liefert er nicht, sehe ich für die Rückrunde schwarz.

Ich bin von der Vorrunde sehr enttäuscht, nicht nur der Spielweise wegen, sondern auch von dem, was unterm Strich herauskam. 17 Punkte aus 17 Spielen sind die Bilanz eines Absteigers. Es nutzt dabei nichts, sich daran zu ergötzen, dass vier Teams noch schlechter platziert sind und es macht auch die Bilanz nicht besser. Eine Heimniederlage zum Rückrundenauftakt gegen Hertha BSC Berlin könnte bereits ausreichen, auf Platz 17 und damit einen direkten Abstiegsplatz zurückzufallen.

Natürlich hat dem VfB im einen oder anderen Spiel das Quäntchen Glück gefehlt, um den einen oder anderen Punkt mehr zu holen, auf der anderen Seite aber hingen auch alle Siege, ausgenommen der gegen Freiburg, am seidenen Faden, so dass der VfB unterm Strich zurecht da steht, wo er steht. Ich war schon immer ein Gegner vom Fußball, der aufs reine Zerstören ausgelegt ist, und nun spielt mein VfB, der jahrzehntelang als ein Verein für begeisternden Angriffsfußball angesehen war, eben diesen.

Mir ist bewusst, dass wir Aufsteiger sind, wo wir her kommen, erst einmal kleine Brötchen backen, Demut zeigen, etc. pp. müssen. Und doch ist dieses Gerede für mich nicht zielführend und darf schon gar nicht als Alibi für die bislang gezeigten Leistungen herhalten. Wir sind eben kein normaler Aufsteiger, vergleichbar mit Braunschweig, Fürth oder Darmstadt, sondern einer, dem gerade ein Jahr Bundesliga fehlt und der vom Budget her im Mittelfeld der Liga angesiedelt ist. Für die gegebenen Voraussetzungen war mir das Gezeigte insgesamt zu wenig.

Ein Rätsel ist für mich in diesen Tagen Hannes Wolf. Mich würde sehr interessieren, welchen Fußball er sich mit dem VfB in der Rückrunde vorstellt. Ist der bislang gezeigte Sicherheitsfußball nur der personellen Not geschuldet, oder fehlt ihm tatsächlich der Mut, etwas forscher an die Sache heranzugehen. Safety first als Devise ist zunächst ja nicht verwerflich, kritisch zu hinterfragen ist diese allerdings, wenn sie komplett zu Lasten der Offensive geht und diese so gut wie nicht vorhanden ist. Manchmal wünsche ich mir tatsächlich ein wenig Zorniger in Wolf. Gerade in den Spielen auswärts bei der direkten Konkurrenz hätte ich mir eine mutigere Herangehensweise gewünscht.

Tausend Mal probiert, tausend Mal ist nichts passiert, so lassen sich die Auswärtsauftritte in der laufenden Saison beschreiben. Da muss man doch irgendwann mal etwas ändern und nicht immer und immer wieder auf die gleichermaßen erfolglose wie unattraktive Ausrichtung setzen.

Nach wie vor halte ich sehr viel von Wolfs erfrischender Art, auf Dauer aber wäre dieser Fußball schwer zu ertragen. Nach dem Pokal-Aus in Mainz nahm Dietrich erstmals die sportliche Leitung ausdrücklich in die Pflicht, weil die Einstellung einiger nicht gestimmt habe. Ob die Luft für Wolf dünner wird und an den Gerüchten, Thomas Tuchel stünde bereits in den Startlöchern, ein Fünkchen Wahrheit dran ist, wird die Zukunft zeigen. Ich jedenfalls hoffe weiterhin auf Kontinuität auf dem Trainerposten!

Jedoch wirkt Wolf auf mich seit der Schindelmeiser-Entlassung nicht mehr ganz so locker und unbeschwert. Die Symbiose zwischen den beiden hatte offensichtlich gepasst, sein Verhältnis zu Reschke wirkt merklich abgekühlter.

Für mich ist Reschke nach wie vor ein Mann für die zweite Reihe, der er sowohl bei Bayer Leverkusen als auch bei den Bayern war. Es ist schon extrem zum fremdschämen, wenn er ein Mikrofon vor die Nase gehalten bekommt. Schindelmeiser wurde vorgeworfen, seine Transfers im stillen Kämmerlein ausgeklügelt zu haben, was einigen redseligen Gestalten in Vorstand und Aufsichtsrat und auch der Stuttgarter Presse nicht gefallen haben dürfte. Reschke hingegen, der rheinische Dampfplauderer, lässt Öffentlichkeit und Presse gleichermaßen an seinen Gedankengängen teilhaben, was uns beim Romero-Transferpoker auf die Verliererstraße gebracht haben dürfte. Wenn man nicht in trockenen Tüchern befindliche Transfers alle paar Tage öffentlich kommentiert und Wasserstandsmeldungen über Größenordnungen des Transfers gibt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn größere Vereine auf den Plan treten und einem den Spieler vor der Nase wegschnappen. Schindelmeiser wird gewusst haben, weshalb er nur engste Mitarbeiter in seine Pläne eingeweiht hat, seit er weg ist, haben die Maulwürfe wieder Hochkonjunktur.

Reschke lässt auch bisher zu anderen Themen kaum ein Fettnäpfchen aus. Die Amateure, Heiligtum vieler VfB-Fans, sollen völlig von der Bildfläche verschwinden, Kritiker seiner Transfers betitelte er als Vollidioten und nach der Niederlage gegen Leverkusen wünschte er sich elf „Donisse“ auf dem Platz. Fragwürdig, wie solche Aussagen auf den Rest des Teams wirken, zumal es eher brotlose Kunst war, die Donis an diesem Abend auf den Platz brachte. Nach dem unnötigen Pokal-Aus in Mainz kündigte Reschke Einzelgespräche an, weil auch er mit der Einstellung einiger Akteure nicht einverstanden war. Mit reden allein ist es jedoch nicht getan, Reschke muss den Kader verstärken. Weniger schwätzen, mehr schaffen, auf gut schwäbisch.

Spannende Wochen stehen uns also bevor, in denen man hoffentlich nicht auf Zeit spielt und den 31. Januar und damit das Schließen des Transferfensters zu fest im Blick hat. Bis dahin sind bereits drei richtungsweisende Spiele in der Rückrunde Geschichte und der VfB könnte, wenn er denn so weiter macht wie zuletzt, schon entscheidendes Terrain verspielt haben.

Ich wünsche uns allen noch einige besinnliche Tage und ein erfolgreiches Jahr 2018. Wir lesen uns!

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20. November 2017

Fußball ist keine Mathematik

Diesen Ausspruch prägte einmal Karl-Heinz Rummenigge, als er Ottmar Hitzfeld als Bayern-Trainer anzählte und damit despektierlich auf seinen erlernten Beruf, Mathematiklehrer, anspielte.
So fehl am Platz dieser damals war, zumal bei Rummenigge ohnehin selten etwas Vernünftiges herauskommt, wenn er zynisch oder lustig sein will, so sehr assoziiere ich diese Phrase mit dem derzeit praktizierten Führungsstil beim VfB.

Fußball ist keine Mathematik und Fußball ist auch nicht ausschließlich eine kräftig sprudelnde Geldquelle, in der es um Gewinnmaximierung und das Zufriedenstellen seiner Aktionäre bzw. Anteilseigner geht. Der Fußball ist mehr. Er ist ein Spiel der Emotionen, die schönste Nebensache der Welt.

Mit der zunehmenden Kommerzialisierung und Eventisierung und den Übernahmen von Vereinen durch finanzstarke Wirtschaftsbosse, Mäzene und Scheichs ging der lang gehegte Grundgedanke des bezahlbaren Sports, mit dem sich die Leute identifizieren, ohnehin mehr und mehr verloren. Geld regiert den Fußball und entfernt sich, geführt von korrupten Verbänden, immer mehr von der Basis. Sei es der Weltverband FIFA, bei dem Bestechung an der Tagesordnung ist und der sich trotz nachgewiesener Schmiergeldzahlungen, Menschenrechtsverletzungen und vielem mehr noch immer nicht dazu durchringt, Katar die WM zu entziehen. Oder sei es auch DFB und DFL, die gerne ihr Saubermann-Image pflegen und den hiesigen Fußball zu einer Popcorn-Veranstaltung verkommen lassen wollen, indem sie das Ausleben von Fankultur immer mehr unterbinden.

Dass Pyro-Einlagen sanktioniert werden, daran hat man sich ja gerade noch gewöhnt. Dass aber inzwischen auch Schmäh-Plakate und –Gesänge bestraft werden und DER Fußball-Anwalt in Deutschland, Christoph Schickhardt, der auch schon des Öfteren den VfB vertrat, gar fordert, dass Spiele, in denen einer wie Dietmar Hopp beleidigt werde, überhaupt nicht angepfiffen werden, spottet jeder Beschreibung. Man kann zu den Spruchbändern stehen wie man möchte, aber, wäre es verhältnismäßig, deshalb ein Spiel abzusagen und 50.000 Leute, von denen die allermeisten überhaupt nichts mit dem Spruchband zu tun haben, nach Hause zu schicken?

Wir sind auf dem Weg zu englischen Verhältnissen, wo man mittlerweile nicht einmal mehr aufstehen und seinen Emotionen freien Lauf lassen darf, ohne von einem Steward ein freundliches, aber bestimmtes „sit down, please“ zu kassieren. Sind das Verhältnisse, die wir wirklich wollen können? Die uns von einem Verband diktiert werden sollen, der sich derzeit mit seinem Video-Assistenten lächerlich macht und seinen eigenen WM-Sumpf noch nicht trockengelegt bzw. aufgeklärt hat? Gegen die weitere Eventisierung bis hin zur Abschaffung der Stehplätze, die immer mal wieder ins Gespräch gebracht wird, dagegen gilt es sich bis zum letzten Blutstropfen zu wehren.

Inzwischen hat auch der VfB als einer der letzten Bundesligavereine in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert und damit selbst einen Teil seiner Seele verkauft. Mit Wolfgang Dietrich wurde ein Präsident durchgeboxt, dem Diplomatie fremd ist und dem, um seine Ziele zu erreichen, jedes Mittel recht ist. Diesen Ruf erwarb er sich als Boss eines undurchsichtigen Firmengeflechts und wurde aus eben diesem Grund auch zum Sprecher von Stuttgart 21 ernannt. Er weiß es, Menschen zu manipulieren und für sich einzunehmen und war deshalb sicher der Richtige, das ewig schwelende und zum Schluss leidige Thema „Ausgliederung der Profiabteilung“ zu einem vom VfB gewünschten Abschluss zu bringen.

Die Zweitligazugehörigkeit spielte ihm dabei in die Karten, denn, als Tabellenführer und Mitglied der Spitzengruppe der 2. Liga lässt sich leichter eine Aufbruchsstimmung entfachen, als wenn man als Sechzehnter in der Bundesliga herumdümpeln würde.

Dass man dabei den wirtschaftlich ungünstigsten Zeitpunkt wählte und den VfB mutmaßlich weit unter Wert verkaufte, wurde billigend in Kauf genommen. Es ging ja auch nicht hauptsächlich um die Daimler-Millionen, sondern darum, endlich nicht mehr bei vielen wegweisenden Entscheidungen die lästige Mitgliederschaft befragen zu müssen.
Viele, die der Ausgliederung zugestimmt haben, ließen sich von den Friede-, Freude-, Eierkuchen-Veranstaltungen im Trump-Style (make VfB great again) die Sinne vernebeln und setzten großes Vertrauen in Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, den Schindelmeiser geholt hatte.

Weil es Schindelmeiser innerhalb kürzester Zeit und mit klugen Transfers geschafft hat, ein junges, hungriges und vor allem aufstiegsfähiges Team auf die Beine zu stellen und in Hannes Wolf eines der spannendsten und vielversprechendsten Trainertalente, die Deutschland zu bieten hat, präsentierte, war das Vertrauen in den Sachverstand und in die Fähigkeit, aus wenig Geld viel zu machen, offensichtlich grenzenlos.

Nicht umsonst wurden, wann immer sich die Gelegenheit ergab, die beiden vor den Karren gespannt, um für die Ausgliederung zu werben. Sportlich waren wir ohnehin auf Kurs bzw. am Tag der außerordentlichen Mitgliederversammlung soeben aufgestiegen, so dass die Zweifler in der Minderheit waren und als ewiggestrige Traditionalisten bezeichnet wurden. Warnungen, „seine“ Entscheidung nicht an Personen festzumachen, wurden in den Wind geschlagen, weil sehr viele auf dem „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Trip waren und den VfB durch den Geldregen bereits wieder auf dem Weg nach Europa wähnten.

Dass die Vorwürfe gegen Jan Schindelmeiser nicht völlig aus der Luft gegriffen waren, weiß man zwar inzwischen, ich bin mir dennoch noch nicht im Klaren darüber, ob diese Differenzen nicht noch irgendwie zu kitten gewesen wären. Doch, der inzwischen als Aufsichtsrat der AG fungierende Wolfgang Dietrich hatte daran offenbar gar kein Interesse. Der Moor (Schindelmeiser) hatte seine Schuldigkeit getan und musste weg. Die Ausgliederung war durch, die Einspruchsfrist abgelaufen. Schindelmeiser war einer von drei Vorständen der AG, Dietrich „nur“ noch Aufsichtsrat. Mit dieser Konstellation oder auch den Geistern, die man selber rief, hatte Dietrich offenbar so seine Probleme. Schindelmeiser war schließlich nicht „sein“ Mann gewesen, sondern schon da, als er ins Präsidentenamt gehievt wurde.

Nachdem die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung abgelaufen war, versorgte man die Stuttgarter Nachrichten mit Interna, um aus dem Nichts Jan Schindelmeiser zum Abschuss freizugeben und dem vorzubeugen, dass der bereits feststehende Rausschmiss nicht aus heiterem Himmel kommt. Nicht die feine englische Art und äußerst unpopulär, den beliebten Sportdirektor, dem so viele in puncto Zukunftsplanung ihr Vertrauen entgegen brachten, derart abzuservieren, aber, in einer Kapitalgesellschaft menschelt es nun mal weniger als in einem eingetragenen Verein.

Hier geht es um knallhartes Business, unbequeme Zeitgenossen werden schon mal von einem Tag auf den anderen entsorgt. Man muss ja schließlich das große Ganze im Blick behalten und der VfB steht ohnehin über allem, so dass man äußerst dumm gewesen wäre, das Superhirn der Liga, Michael Reschke, der auf dem Markt gewesen war, nicht mit dem Sport-Vorstandposten zu versehen. So die Lesart, die uns der VfB weismachen wollte.

Dass Reschke bereits vor der Asien-Reise der Bayern Uli Hoeneß um die Auflösung seines Vertrages gebeten haben soll, um zum VfB wechseln zu können, verleiht der Personalie mehr als nur ein Gschmäckle. Nicht allein, dass man, obwohl es im Verhältnis mit Schindelmeiser schon das ganze Jahr geknirscht haben soll, ihn als das personifizierte Vertrauen in eine bessere VfB-Zukunft für die Ausgliederung werben ließ, auch, dass man ihn fleißig die Kaderplanung in der Sommerpause tätigen lassen hat, im Wissen, dass dieser die längste Zeit beim VfB gewesen ist, war äußerst fahrlässig. Michael Reschke, dem die Bayern einen Hallodri wie Hasan Salihamidžić vor die Nase setzten, wurde also der neue starke Mann beim VfB. Schnell stellte man fest, die Chemie zwischen Dietrich und Reschke stimmt, locker, leger und im Partnerlook präsentieren sich die beiden Macher nur allzu gerne, es geht eben nichts über eine gute Männerfreundschaft…

Dass Reschke bislang stets ein Mann für die zweite Reihe war und dort auch am besten aufgehoben ist, beweist der Rheinländer in unschöner Regelmäßigkeit. Wie ein Elefant im Porzellanladen reißt er Wände ein, wo keine sind und macht Fässer auf, die unnötig wie ein Kropf sind. Erst betitelte er Kritiker wie Fans und Mitglieder gleichermaßen als ahnungslose Vollidioten, wenn sie an seinen bisherigen Transfers etwas auszusetzen hatten, und nun scheint er entschlossen zu sein, unsere Amateure abzumelden.

Auch hier kommt mir der Ausspruch „Fußball ist keine Mathematik“ in den Sinn. Denn, Fußball ist weit mehr, Fußball ist Emotion, ist Verbundenheit, ist Tradition. Unsere Amateure, Deutscher Amateurmeister 1963 und 1980 sowie derzeitiger Vierter in der Ewigen Tabelle der 3. Liga, sollen, geht es nach dem Willen von Michael Reschke, komplett von der Bildfläche verschwinden. Dass für viele Fans aber die Amateure ihr zweitliebstes Kind sind und für sie eine Welt zusammenbrechen würde, interessiert den „Macher“ Reschke nicht. Emotionen haben für ihn scheinbar im Fußball nichts verloren, es geht ihm nur um den Profit für die AG. Daher stelle ich schon jetzt für mich fest, dass Reschke nicht zum VfB passt und er zumindest mir gestohlen bleiben kann. Schindelmeiser war Kommunikator, der auch bei sensiblen und schwierigen Themen mit Argumenten zu überzeugen versuchte. Reschke aber poltert herein und es interessiert ihn offenbar überhaupt nicht, was wir Fans über Jahrzehnte liebgewonnen haben. Die nötige Sensibilität, die es eben auch braucht, ein Fußballunternehmen zu führen geht ihm, wie ja auch Dietrich, völlig ab.

Ich hoffe sehr, dass die Gremien sich diesen quasi nicht mehr rückgängig machbaren Schritt noch einmal gut überlegen. Mit der Abmeldung werden nämlich nicht „nur“ 2,5 Millionen Euro im Jahr eingespart, es wird sich auch der Möglichkeit beraubt, Talente auf hohem Niveau an den Männerfußball heranzuführen. Auch hier wieder, Fußball ist keine Mathematik!

Der Eindruck verfestigt sich, dass der Abstieg unserer Amateure 2016 einigen Herren in die Karten spielte und man nun die große Chance sieht, sich diesen lästigen Beiwerks mehr oder weniger elegant zu entledigen. Ferner kommt es derzeit offensichtlich, wie aus den jüngsten Regionalversammlungen zu erfahren war, ganz gelegen, dass die „Amas“ derzeit sportlich schwächeln und, O-Ton, offensichtlich ja auch keinen Bock mehr hätten. Will es den Jungs tatsächlich einer verdenken, dass es sie beschäftigt und nicht mehr unbeschwert aufspielen lässt, wenn keiner weiß, ob in der nächsten Saison noch Platz für ihn auf dem Wasen ist? Für mich kommt die Debatte zur Unzeit und ist einer guten Saison nicht förderlich.

Klar, nach dem Herausposaunen diesen Plans durch Reschke am 20.10. verlor man umgehend 0:5 in Saarbrücken, spielte noch einmal herzerfrischend beim 2:2 gegen Kickers Offenbach, ehe man Schott Mainz, Hoffenheim und am Samstag auch Steinbach unterlag. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Entscheidung bereits in Stein gemeißelt ist und es kein Zurück mehr gibt. Ein Jammer, wie ich finde!
Anstatt darüber zu klagen, dass die Regionalliga nicht das optimale Sprungbrett für eine spätere Bundesligakarriere sei, sollte man doch vielmehr ein paar Euro mehr in die Hand nehmen, um die „Amas“ wieder dorthin zu bringen, wo sie lange Jahre waren, nämlich in die 3. Liga. Die ist nämlich ein ideales Stahlbad für unsere Youngster, wer es dort schafft, sich durchzubeißen, bringt zumindest einmal die Robustheit mit, die es auch für die Bundesliga braucht.

Unser Problem der letzten Jahre war keineswegs, dass man es über die Amateure nicht nach oben schaffen kann. Es seien nur einige Namen von vielen genannt, wie Hinkel, Khedira, Kuranyi, Hleb oder Daniel Didavi, die sich bei den Amateuren für höhere Weihen empfehlen konnten.

Um die Jungs zu fördern und zu fordern benötigt man fähiges Personal neben dem grünen Rasen, was vor allem in der Bobic-Ära gegen dessen Weggefährten abgesetzt und weg gemobbt wurde. Noch während Heldt Sportdirektor war, wechselte der langjährige Amateur-Trainer Rainer Adrion, wer wollte es ihm verdenken, zum DFB und übernahm den frischgebackenen U21- Europameister.

2012 schließlich verließen uns die langjährigen Koryphäen Thomas Albeck und Frieder Schrof in Richtung Leipzig. Der kürzlich überraschend verstorbene Albeck (R. i. F.) und Schrof standen ebenso wie Adrion dafür, dass sie die Jungs nicht nur sportlich förderten, sondern ihnen auch sonst bei allen Alltagsproblemen die Türen offenstanden. Sie waren Mentoren, Ziehväter, Jugendleiter und Trainer in Personalunion und sahen in den Spielern nicht nur Gelddruckmaschinen der Zukunft, sondern den Menschen samt Familie, der dahinter steckt. Der gute Ruf dieser Leute ließ sich Spieler für den VfB entscheiden, die unter Umständen woanders in jungen Jahren schon deutlich mehr hätten verdienen können. Auf das Wort der Herren konnte man sich verlassen, auch wenn es darum ging, ob es ein Spieler packt oder auch nicht. Auch an dieser Stelle sei erwähnt, Fußball ist nun mal keine Mathematik. Ein Fußballunternehmen, das man als AG nun spätestens ist, darf nie außer Acht lassen, dass man es mit Menschen und Emotionen zu tun hat.

Seinerzeit machten Bobic und Labbadia ihr eigenes Ding. Bobic scharte lieber gute Freunde anstatt Fachleute um sich, während Labbadia sich vehement dagegen verschloss, junge Spieler einzubauen und ernsthaft zu fördern. Bei ihm hatte man den Eindruck, er werfe lieber „der Meute“ jemanden zum Fraß hin, indem er einst den gelernten Innenverteidiger und damals noch Greenhorn, Ermin Bičakčić, als rechten Verteidiger gegen Franck Ribéry spielen ließ, um hinterher sagen zu können, seht her, der kann es nicht. Weil man dem Sachverstand von Albeck und Schrof nicht vertraute, ging dem VfB seinerzeit auch Joshua Kimmich durch die Lappen, ein Spieler, der jetzt bereits das Doppelte der Ausgliederungsmillionen vom Daimler wert sein dürfte.

Die wirtschaftlichen Beweggründe und die Argumentation, dass Spieler heutzutage schon mit 18, 19 Jahren den Durchbruch schaffen sollten, kann man zwar in gewisser Weise nachvollziehen und doch könnte man zumindest Letzterem Rechnung tragen, in dem man die Jungs sich früher bei den Amateuren frei schwimmen lässt als bisher und konsequent aussiebt, wer keine Perspektive hat. Auch hier befanden wir uns, seit Schindelmeiser und Wolf das Zepter im sportlichen Bereich schwangen, auf einem guten Weg, indem man sich von langjährigen Amateur-Spielern, denen man den großen Durchbruch nicht mehr zutraute, wie Ristl und Tashchy oder auch Besuschkow, trennte.

Von angedachten Farmteams und Kooperationen mit Großaspach, Kickers oder auch Heidenheim halte ich überhaupt nichts. Sind Spieler einmal in die Provinz abgeschoben, entfremden sich die meisten und wecken Begehrlichkeiten Anderer, sofern sie sich entscheidend weiterentwickeln. Dann mag der VfB zwar für eine gewisse Zeit noch die Transferrechte in Händen halten, das nützt aber nichts, wenn ein Spieler innerlich gekündigt und mit dem VfB abgeschlossen hat, Joshua Kimmich lässt grüßen. Ist ein Spieler mal weg, lernt Anderes kennen, fällt es ihm umso leichter, eine weitere Luftveränderung zu wagen, anstatt zum VfB zurückzukommen. Eine viel größere Motivationsspritze wäre es doch, beim VfB bleiben zu können, den „Stars“ der Ersten regelmäßig über den Weg zu laufen und sich Tipps holen zu können und als Belohnung für gute Leistungen das eine oder andere Mal mit ihnen trainieren zu dürfen oder es gar in den Kader zu schaffen, wie in dieser Saison bereits Sessa.

Da unsere Amateure im Verein offensichtlich keine Lobby mehr genießen, ist es umso bedauerlicher, dass sie auch von den Fans so wenig Unterstützung erhalten. Sie werden zwar wahrgenommen und von vielen geschätzt, den Hintern hoch, um sie auch bei den Spielen zu unterstützen, bekommen aber die wenigsten. Fast ausschließlich sind die Gästefans auch bei den „Heimspielen“ in der Überzahl. Viele weigern sich dabei, einen Fuß ins Kickers-Stadion zu setzen, obwohl dieses Stadion ja städtisch ist und der VfB deshalb einen Großteil seiner Heimspiele dort austrägt bzw. auch austragen muss.
Sehr bedauerlich finde ich es, dass sich unsere Ultras den Amas weitestgehend verschließen und dort nicht als Gruppe auftreten. Andere Fanszenen machen Auftritte ihrer Amateure zu Festspielen, Support und Pyro-Einlagen inklusive, während bei den Unseren eine Atmosphäre wie auf einer Beerdigung herrscht.

Für mich sind Spiele der Amateure wie eine Reise in die Vergangenheit. Sofern es die Spielansetzungen zulassen und Spiele der Amas nicht mit denen unserer Profis kollidieren, fahre ich auch gerne mal auswärts mit und stehe mit 30-50 anderen VfBlern im Gästeblock. Dort erlebt man dann noch den ursprünglichen Fußball, wie wir ihn kennen- und lieben gelernt haben, in kleinen, heruntergekommenen Stadien und zu moderaten Preisen. Bei Vereinen, die schon bessere Zeiten erlebt haben, trifft man sie noch, die Kuttenträger und hat den Eindruck, dort wäre die Zeit stehengeblieben. Sollte ich eines Tages die Nase voll haben vom Hochglanzprodukt in der Beletage, oder, besser gesagt, sollten sie mich endgültig vertrieben haben, wäre es Stand heute noch eine echte und vielleicht auch die einzige Alternative, mit den Amateuren alle Spiele zu machen. Manchmal habe ich den Eindruck, es fehlt nur noch der berühmte Tropfen, bis es so weit kommt. Ein Jammer, dass ich mich von diesem Vorhaben demnächst wohl endgültig verabschieden muss.

Reschke hat bei Bayer bereits die Amateure abgemeldet und wird es auch beim VfB tun, wenn ihn nicht im letzten Moment noch einer stoppt. Spielte die Musik beim VfB noch im eingetragenen Verein, könnte man sich von der in Kürze anstehenden Mitgliederversammlung noch versprechen, dass der eine oder andere flammende Appell Wirkung zeigt und noch einmal zurückgerudert wird. Da aber auch die Amateure ausgegliedert wurden, dürfte selbst ein solcher nichts mehr nützen. Uns und vielen anderen Auswärtsfahrern, die sich während der MV noch auf der Rückfahrt aus Bremen befinden, hat man ohnehin der Möglichkeit beraubt, an dieser teilnehmen zu können. Augen auf bei der Terminwahl!

Der VfB hätte es selbst in der Hand, unseren Nachwuchs wieder an die Spitze Fußball-Deutschlands zu bringen. Dazu gehört jedoch ein eiserner Wille und nicht, dass man die Amateure nur nebenher laufen lässt.

Wichtigster Punkt sind die Verantwortlichen, die sich im Nachwuchsleistungszentrum und später bei den Amateuren um die Jungs kümmern. Es müsste wieder mehr über wahre Koryphäen, sozialkompetente Mitarbeiter und gute Seelen berichtet werden können, anstatt über nächtliche Eskapaden mit Profi-Spieler(n).

Die Amateure dürften aber auch vom Gesamtverein, ähm, der AG, nicht mehr so stiefmütterlich behandelt werden wie bisher. Es fängt damit an, dass es schon detektivischer Fähigkeiten bedarf, drei Tage vor einem Heimspiel herauszufinden, ob im Gazi- oder im Schlienzstadion gespielt wird. Der VfB müsste, wie es Rainer Adrion vor zwei, drei Jahren schon einmal in Aussicht gestellt hat, darauf drängen, dass die Terminierungen nicht immer zeitgleich zu den Spielen der Profis erfolgen, vor allem bei vermeintlichen Risikospielen, bei denen es wichtiger zu sein scheint, dass Polizei, Ordnungsdienst und damit auch der VfB einen ruhigen Nachmittag verleben, als dass die Amateure bestmögliche Unterstützung erhalten. Man könnte die Socialmedia-Kanäle und die Webseite nutzen, besser über die Amateure zu informieren und vor allem mobil zu machen, die Jungs auch im Stadion anzufeuern. Für mich sind die Möglichkeiten noch lang nicht ausgereizt. Je attraktiver die Amateure werden und je größer die Chancen sind, diese als Sprungbrett nach oben nutzen können, desto leichter täte sich der VfB auch, mehr Talente zum VfB zu locken bzw. diese zu halten, wenn sie schon da sind.

Auch wenn ich befürchte, dass das Aus der Amateure beschlossene Sache ist, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass sich im Verein noch jemand findet, der Reschke zurückpfeift. Fußball ist keine Mathematik, es gibt Themen, die man in einem Fußballunternehmen sensibel anpacken muss, spielt man doch mit den Gefühlen der Anhängerschaft. Wer das nicht verstanden hat, hat im Fußball bzw. zumindest in der ersten Reihe nichts zu suchen.

Fußball ist keine Mathematik und der Fußball ist kein Experimentierfeld für einen, der den VfB nur vom Hörensagen kennt und der noch heute am liebsten von seinem früheren Arbeitgeber schwärmt.
Für mich passt Reschke nicht hier her und schon gar nicht an die vorderste Front. Er mag als Superhirn im Scouting eine Bereicherung sein, doch, sobald er sich in der Öffentlichkeit äußert, ist Fremdschämen angesagt, so wie er die Fettnäpfchen anzieht. Dazu gab es am Freitag in der Cannstatter Kurve ein passendes Spruchband.

Ich habe mich bei der Ausgliederungsdebatte so geäußert und mache es an dieser Stelle wieder. Teuer erkaufter Erfolg steht für mich nicht an erster Stelle, wenn es um Vereinsliebe geht. Der VfB darf sich gerne von den Superreichen abheben, indem er aus seinen begrenzten Möglichkeiten das Optimale herausholt, anstatt mit aller Macht zu versuchen, den Anschluss nach oben wieder herzustellen. Ich will hier keine Spieler, die 10 Millionen Euro im Jahr und mehr „verdienen“, ich brauche niemanden an der Spitze, der bei einem derzeitigen Abstiegskandidaten Luftschlösser baut, wo er den VfB in zwei, drei Jahren sieht.

Fußball ist in erster Linie Tagesgeschäft. Im Hier und jetzt geht es darum, den Klassenerhalt zu schaffen, was schwer genug werden wird. Das auch, weil Reschke in den gut drei Wochen, die er während der Transferperiode Zeit hatte, seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Ascacíbars Wechsel wurde dem Vernehmen nach noch von Schindelmeiser in die Wege geleitet, Aogo kam von der, ja, ich oute mich als ahnungsloser Vollidiot, Reschkerampe, und Beck hat, wie er Woche für Woche demonstriert, seinen Zenit längst überschritten. Für den Hochgeschwindigkeitsfußball, für den Hannes Wolf eigentlich steht, sind Spieler Marke Auslaufmodell ungeeignet und kontraproduktiv.

Daher täte Reschke gut daran, sich zunächst einmal auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren und sich mit Taten und nicht Visionen Anerkennung erwerben. Denn, Alt-Kanzler Helmut Schmidt sagte es einst, „wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“.

Unsere erst kürzlich eingeweihte neue Fahne! :-(

Den Nagel auf den Kopf getroffen!

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27. September 2017

Riegel-Hannes!

Zum Abschluss der englischen Woche und zum Wasenauftakt hatte der VfB den FC Augsburg zu Gast. Nach dem Heimsieg gegen Wolfsburg, der Trainer Jonker den Job kostete, und der ärgerlichen Niederlage am Dienstag in Mönchengladbach, reichte es gegen die bayerischen Schwaben (nur) zu einer Punkteteilung.

Das Intro für dieses Spiel bot von beiden Fanszenen jeweils eine Choreographie, während die der Augsburger im Antlitz derer in der Cannstatter Kurve nur verblassen konnte. Das Motto hieß dieses Mal „Schwabenmetropole Stuttgart“ und war schlicht in den Farben des Stuttgarter Stadtwappens gehalten. Kurze Zeit später gingen im Augsburger Block noch grüne und rote Rauchschwaden hoch, während in der Cannstatter Kurve der altbekannte Banner „Bazitrachten raus aus Stuttgart“ präsentiert wurde.

Die Aversion vieler gegen die Unsitte aufs Cannstatter Volksfest verkleidet wie im Fasching zu gehen, artete Zeitungsberichten nach am Samstag aus und mündete sogar in Handgreiflichkeiten, wenn man den Berichten Glauben schenken darf. Das ginge auch für mich zu weit, wenngleich mich dieser Kostümball schon auch extrem nervt. Nicht nur in Cannstatt kann man sich durch die Sauftouristen belästigt fühlen, auch die Bahnen sind übervölkert von vorglühendem Partyvolk in billigen Trachten, so dass der Volksfest-Höhepunkt für mich längst der Kehraus ist.

Da das Spiel wenig Spektakuläres bot, beschäftigt man sich in den Tagen danach eben mit diesen Nebensächlichkeiten. Schon als ich eine Stunde vor Spielbeginn die Mannschaftsaufstellung las, ahnte ich, dass an diesem Tag ein Feuerwerk höchstens auf den Rängen stattfinden würde. Es ist keineswegs so, dass ich mit einem Punktgewinn gegen den FC Augsburg nicht leben könnte, wenn man sich die jüngste Bilanz gegen die Fuggerstädter vor Augen führt. Sage und schreibe sieben Niederlagen am Stück standen in den letzten Aufeinandertreffen zu Buche, diese Negativserie konnte durch das Remis durchbrochen werden. Zudem ist der FC Augsburg stark in die Saison gestartet, schlug unter der Woche Leipzig zu null und ist nach der Auftaktniederlage gegen den HSV nunmehr seit fünf Spielen ungeschlagen.
Dass Hannes Wolf in Anbetracht dieser Vorzeichen sein Team nach dem Motto „Safety First“ auf- und einstellte, fand ich nachvollziehbar. Im letzten Duell auf heimischem Boden, noch unter Alexander Zorniger, setzte es im Neckarstadion im Abstiegsjahr ein desaströses 0:4, so dass für Samstag zunächst einmal Vorsicht die Mutter der Porzellankiste war.

Anders als Zorniger wollte Wolf den bayerischen Schwaben nicht ins offene Messer laufen und setzte auf ein Abwehrbollwerk, das sich gewaschen hatte. Sage und schreibe acht Defensivspezialisten, darunter vier gelernte Innenverteidiger, schickte Wolf auf den Platz. Die offensive Fahne sollten lediglich der erneut starke Donis, Brekalo und in vorderster Front Terodde hoch halten. Die leise Hoffnung hatte ich ja, dass Wolf im späteren Spielverlauf offensiv nachlegen würde, als aber in der 65. Minute auch noch der defensivere Orel Mangala für Brekalo eingewechselt wurde, fand ich mich langsam mit dem torlosen Unentschieden ab.

Manch einer wird monieren, dass eine derart defensive Aufstellung einer Heimmannschaft unwürdig und für das Publikum eine Zumutung ist, ich hatte dafür in diesem Spiel Verständnis, weil wir Aufsteiger sind und der Spatz in der Hand eben manchmal besser ist als die Taube auf dem Dach. Sieben Punkte nach sechs Spielen, keine herausragende, jedoch eine akzeptable Zwischenbilanz. Wir sind in der Liga angekommen und Hannes Wolf hat es geschafft, die Defensive im Vergleich zu den Vorjahren gehörig zu stabilisieren.

DER Turm in der Schlacht im Defensivverbund war bei seinem zweiten Einsatz für den VfB erneut Holger Badstuber. Was dieser Mann abräumt, im Spielaufbau leistet und wie er brenzlige Situationen mit einer spielerischen Leichtigkeit löst, ist phänomenal. Wenn er sein Verletzungspech ablegt und einigermaßen regelmäßig einsatzbereit ist, ist mir, was den Klassenerhalt betrifft, nicht bange.
Er verleiht unserer Defensive allein durch seine Präsenz ein Mehr an Sicherheit, wovon irgendwann auch die schwächelnde Offensive profitieren dürfte. Steigt das Vertrauen in die Hintermänner, lässt es sich auch unbeschwerter nach vorne spielen, zumal mit Ascacibar nun ein Sechser da ist, der resolut in den Zweikämpfen ist und den Rasen umpflügt wie kein zweiter in der Mannschaft.

Für den verletzten Gentner rückte Benjamin Pavard auf die Doppelsechs und nicht Burnić oder Ofori, während Kaminski mit Baumgartl und Badstuber die Dreierkette bildete. Kaminski spielte solide und rettete das Remis eine Viertelstunde vor Schluss, als er in höchster Not Finnbogason die Kugel abluchste, während Baumgartl in einigen Situationen zu fahrig agierte.

Badstuber unterband durch technisch anspruchsvolle Einlagen bedrohliche Aktionen zuhauf und erntete dafür Szenenapplaus, was Baumgartl dazu bewog, es ihm gleichzutun, was sich beinahe gerächt hätte. Er wäre gut beraten, sich die Sicherheit durch einfaches und konzentriertes Passspiel zu holen und einfach in seinem Bereich nichts anbrennen zu lassen.

Die (neuen) Außen der bei gegnerischem Ballbesitz von einer Dreier- zur Fünferkette werdenden Abwehrformation sind defensiv bisher weitestgehend ein Gewinn. Sowohl Dennis Aogo als auch Rückkehrer Andreas Beck bringen viel Ruhe und Erfahrung mit ein, sind aber mit jeweils über 30 Jahren nicht (mehr) die Flügelflitzer, die auch mal einen Mann überlaufen und bis zur gegnerischen Grundlinie vorstoßen können.

Über die Rückkehr von Andreas Beck habe ich mich nach der Bekanntgabe des Transfer zwar gefreut, auch wenn ich skeptisch wegen seines fortgeschrittenen Alters war und man von ihm aus der Türkei eben auch nicht mehr viel gehört hatte. Er ist trotz seiner Vergangenheit im Kraichgau ein sympathischer Typ geblieben, man nimmt es ihm ab, dass der VfB in all den Jahren „sein“ Verein geblieben ist. Noch mehr hätte mich diese Vereinsverbundenheit gefreut, wenn er schon zurück gekommen wäre, als er noch in der Blüte seines Schaffens war und nicht erst im Spätherbst seiner Karriere, wo auf den ersten Blick der Eindruck entsteht, es wolle einer gemütlich und daheim bei Muttern seine Karriere ausklingen lassen.

Wäre er zurückgekehrt, als es dem VfB wirklich dreckig ging, hätte er Kultstatus erlangen können, so aber wird es nur eine kurze zweite Episode mit ihm werden. Ich bin mal die Rechtsverteidiger der letzten Jahre durchgegangen, um vor Augen zu führen, was uns hätte alles erspart werden können, hätte er sich früher zum Brustring zurück besannt. Dort finden sich Namen, angefangen mit Khalid Boulahrouz (den ich allerdings sehr schätzte), über Stefano Celozzi, Philipp Degen, Gotoku Sakai, Tim Hoogland, Toni Rüdiger, Daniel Schwaab, Florian Klein, Matthias „Zimbo“ Zimmermann, Kevin Großkreutz bis hin zu Jean Zimmer. Kaum einer taugte zur Dauerlösung, so dass diese Planstelle zur Dauerbaustelle wurde. Seit Ricardo Osorio, an dem Beck seinerzeit nicht vorbei kam, ist die Position des Rechtsverteidigers, wie auch mit Abstrichen das Pendant auf der linken Seite, DIE Problemzone im VfB-Spiel. Es bleibt zu hoffen, dass Andi Beck dieses Problem wenigstens kurzfristig beheben kann.

Nach den bisherigen sechs Saisonspielen wurden die Auftritte des VfB meist gelobt, selbst als keine Punkte eingefahren wurden. Man spiele ordentlich mit, habe viel Ballbesitz und man sei in keinem Spiel wirklich chancenlos gewesen, etwas mitzunehmen. Das ist zwar alles richtig und doch kam für meinen Geschmack vom VfB zu wenig. In den verloren gegangenen Auswärtsspielen wurde man immer erst initiativ, als man zurücklag und das Kind bereits im Brunnen lag. Vor den Gegentoren war die Sicherung des eigenen Kastens oberste Maxime, das Offensivspiel wurde, bis es hinten einschlug, fast gänzlich vernachlässigt. Was bringt also Ballbesitz, wenn man damit nicht den Weg nach vorne sucht, sondern die Kugel in der eigenen Hälfte zirkulieren lässt? So war es meist eine Frage der Zeit, bis der Gegner „ernst“ macht und in Führung geht. Dem Offensivspiel, das wurde bisher nahezu in jedem Spiel deutlich, fehlen Impulse. Wenn dann noch, wie in den letzten beiden Spielen, Akolo ausfällt, der zwei unserer bisherigen drei Saisontore erzielt hat, ist unser Sturm nur ein laues Lüftchen.

Simon Terodde, so wirkt er auf mich seit seinem verschossenen Elfmeter gegen Mainz, plagt die Angst vor seinem ersten Bundesligator im zarten Alter von 29 Jahren. Er verkrampft zunehmend und wirkt immer unglücklicher in seinen Aktionen, so dass man nur hoffen kann, dass bei ihm endlich der Knoten platzt oder Daniel Ginczek schnell eine Option für die Startelf darstellt.

Was dem VfB nach dem Abgang von Maxim komplett abgeht, ist ein kreativer Mann hinter den Spitzen, der den tödlichen Pass spielen und für Überraschungsmomente sorgen kann. Hat sich der Streit mit Jan Schindelmeiser unter anderem daran entladen, dass dieser Maxim abgab, ohne einen adäquaten Ersatz präsentiert zu haben, darf man, ohne gleich als Vollidiot betitelt zu werden, die Frage an Michael Reschke richten, weshalb er dann keinen geholt hat, wo er doch so gut vernetzt zu sein scheint. Zeit hätte er noch genügend gehabt.

Nun aber ist eine kurzfristige Belebung der Offensive kaum zu erwarten, jedenfalls so lang nicht, bis Carlos Mané wieder zur Verfügung steht. Wolf wird weiter improvisieren und einen Fußball spielen lassen müssen, der ihm selbst widerstreben dürfte. Doch, als Mittel zum Zweck ist alles erlaubt, was uns von den Abstiegsplätzen fern hält.

Eigentlich will ich ja von alten Statistiken, die geschrieben wurden bevor Hannes Wolf seinen Job beim VfB antrat, nichts wissen. Nach dem Abstieg hat sich der VfB runderneuert, fast kein Spieler, der für die genannten Statistiken verantwortlich zeichnete, ist noch da. Und trotzdem ist vieles wie immer, wenngleich einiges natürlich besser geworden ist.

Wir können in Berlin, Gelsenkirchen und Mönchengladbach nicht (mehr) gewinnen und tun uns gegen den FC Augsburg extrem schwer. Dass es auch anders geht, zeigten die knappen Heimsiege gegen Mainz und Wolfsburg, unsere letzten Gegner vor dem Abstieg.

Augsburg zu Hause war in der jüngeren Vergangenheit ein Brett, so dass dieses Pünktchen am Ende als Bonuspunkt durchgehen könnte. Zudem blieben wir im Neckarstadion weiterhin ohne Gegentor, was Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben geben dürfte.

Insgesamt sehe ich uns im Soll und bin optimistisch, dass wir in Frankfurt, ein Pflaster, das uns in den letzten Jahren immer gut gelegen hat, den ersten Auswärtssieg einfahren werden.
Das bedingt ein wenig mehr Risiko nach vorne und vor allem den unbedingten Willen, das erste Tor zu schießen. Versteckt man sich wie das Kaninchen vor der Schlange und lädt die Eintracht ein, uns hinten hineinzudrängen, wäre es für mich der falsche Ansatz.

Ein Auswärtssieg würde den Punkt gegen Augsburg vergolden und uns beruhigt in die Länderspielpause gehen lassen, denn, danach wartet zu Hause der nächste dicke Brocken auf uns. Deutlich wird das nicht unbedingt beim Blick auf die Tabelle, denn, der FC ist ja bekanntlich Schlusslicht, aber, womit wir wieder bei den Serien wären, seit 1996 gewann der VfB kein Bundesligaheimspiel mehr gegen die Geißbockelf.

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18. August 2017

Mit einem blauen Auge davon gekommen

Auch eine gute Woche nach dem Rausschmiss von Jan Schindelmeiser wirkt das Beben nach. Wurde nach dem Votum für die Ausgliederung von allen Seiten propagiert, das demokratisch zustande gekommene Ergebnis akzeptieren zu wollen und sahen es die meisten ein, dass die verhärteten Fronten wieder zueinander finden müssen, spaltet die Demission Schindelmeisers die Fangemeinde erneut aufs Schärfste.

Die einen akzeptieren den Standpunkt des Vereins und kritisieren an Jan Schindelmeisers Transferpolitik vor allem, dass er es bis Anfang August immer noch nicht geschafft hatte, die Problemzone Innenverteidigung erfolgsversprechend zu verstärken und auch nicht der Eindruck erweckt wurde, die dringend benötigten Verstärkungen seien im Anflug. So, die Befürchtungen, werde es schnurstracks zurück in die 2. Liga gehen.

Die andere Seite, zu der ich mich auch zähle, übte sich hingegen in Geduld und vertraute Schindelmeiser, dass er bis zum Transferschluss schon noch eine schlagfertige Mannschaft auf die Beine stellen würde. Ich sehne mich nach Kontinuität in meinem Herzensverein und hatte die große Hoffnung, dass diese mit dem Gespann Schindelmeiser/ Wolf auf längere Zeit gegeben sein könnte. Daher liegt mir der Rausschmiss noch immer schwer im Magen.

Von außen betrachtet hat Schindelmeiser für mich keine schlechte Arbeit abgeliefert. Er hat den Umbau im Verein vorangetrieben, im Unterbau nachjustiert, er hat aus den finanziellen Möglichkeiten nach dem Abstieg das Optimum, nämlich den Aufstieg, herausgeholt und eine spannende Transferpolitik an den Tag gelegt. Mit Spielern, ob bei den Amateuren oder bei den Profis, welchen man keine kurzfristige Perspektive bieten konnte, wurde Klartext gesprochen und sich voneinander getrennt, anstatt sie jahrelang durchzuschleppen, wie es in den vergangenen Jahren beim VfB Usus war.

Natürlich lässt sich über die bisherigen Neuzugänge dieses Sommers streiten. Viele junge, bundesligaunerfahrene Akteure unterschiedlichster Nationalitäten, ein Sprachengewirr auf dem Trainingsplatz, überhaupt nicht blond und blauäugig. Doch, kann man dies Schindelmeiser zum Vorwurf machen und ist es nicht vielleicht sogar besonders kreativ, Spieler zu holen, hinter denen (noch) nicht die Top-Vereine her sind? In Anbetracht der explorierenden Ablösesummen in diesem Transfersommer und der noch immer begrenzten finanziellen Möglichkeiten der VfB Stuttgart AG, fand ich den eingeschlagenen Weg vernünftig. Letzten Endes ist es mir in dieser Phase der Konsolidierung, nach fast zehn Jahren Misswirtschaft, egal, welche Spieler uns wieder nach oben bringen. Haben wir den Anschluss mal wieder geschafft, dürfen es gerne auch deutsche Nationalspieler in unseren Reihen sein, gerne aus dem Nachwuchsleistungszentrum, doch bis dorthin ist es noch ein weiter Weg, der vor allem Geduld erfordert.
Geduld, die man in der AG offensichtlich nicht hat(te). Ob Schindelmeiser ein gutes Händchen mit seinen Einkäufen hatte und wie seine diesjährige Transferbilanz ausfällt, hätte man frühestens am 01. September, wenn das Transferfenster geschlossen ist, beurteilen können. In den beiden Trainingslagern in Grassau und in Neustift im Stubaital war ich von den Neuen sehr angetan. Was die Jungs an Schnelligkeit und auch an taktischer Intelligenz einbringen, ist schon klasse. Wie schnell sie sich an das Haifischbecken Bundesliga gewöhnen und ob sie die Liga aufmischen können, wie sie mit Rückschlägen umgehen, muss sich erst noch zeigen. Dass es ein Risiko ist, mit einer solch jungen Mannschaft ins Rennen zu gehen, steht außer Frage. Es ist auf der anderen Seite aber auch eine Chance, an der die Jungs wachsen und ihren Marktwert steigern können und könnte ein Faustpfand gegen Spielende werden, wenn die Jungs noch immer alles in Grund und Boden rennen.

Daher sehe ich die bisherige Transferbilanz lang nicht so kritisch wie die AG. Den Sportdirektor, der eine Hundertprozentquote bei seinen Transfers vorweisen kann, muss man mir erst noch zeigen. Dass bei der Verpflichtung von vielen jungen Spielern der eine oder andere durch den Rost fällt, ist, wie ich finde, völlig normal. Bislang fallen mir hier nur Onguéné und Julian Green ein, die Sommerneuzugänge sind noch nicht zu bewerten.

Schindelmeiser wurde ferner vorgeworfen, zu viele Spieler auszuleihen und dass man mit dieser Philosophie Jahr für Jahr ein neues Team aufbauen müsse. Auch hierfür hatte ich Verständnis, weil man Spieler von der Qualität eines Mané oder Brekalo sonst überhaupt nicht bekommen hätte. Solang der Trainer Freude hat, mit den Jungs zu arbeiten, sie fit für eine große Karriere zu machen und sich damit arrangiert, dass die Arbeit im nächsten Jahr von vorn beginnt, sehe ich nichts Verwerfliches daran, in einer Zeit, in der man finanziell Lichtjahre von den Großen entfernt ist.

Da die Transferbemühungen Anfang August noch bei keinem Verein gänzlich abgeschlossen sind, sah ich die bisherigen Zugänge auch nicht als das Ende der Fahnenstange, sondern war mir sicher, dass man am dringend benötigten gestandenen Innenverteidiger und einem erfahrenen Sechser dran sein würde. Daher kam für mich die Schindelmeiser-Entlassung aus dem Nichts und zur Unzeit.

Nach meinem aus der Emotion geschriebenen letzten Blog, hatte ich danach Gelegenheit, mir auch die „andere Seite“, nämlich die Sicht aus der Perspektive der AG anzuhören.

Dort ist der Tenor einhellig, dass die Entlassung Schindelmeisers alternativlos gewesen sei und dem Vernehmen nach sogar ohne Abfindungszahlung vonstattenging, weil es durchaus auch um Vertragsverstöße gegangen sein soll.

Demnach hätte sich der Streit am Transfer von Maxim entladen, für den Schindelmeiser die Vorgabe gehabt haben soll, ihn allenfalls gegen eine stattliche Ablöse ins Ausland und auf keinen Fall für vergleichsweise kleines Geld an einen Ligakonkurrenten abgeben zu dürfen.

Des Weiteren war man mit den Einkäufen nicht einverstanden, weil, das muss man wohl unter dem Vorwurf der vogelwilden Transferpolitik verstehen, lediglich Spieler geholt wurden, die gerade zufällig auf dem Markt waren und nicht für Positionen, wo der Schuh am meisten drückt. So habe man zwar ein Überangebot an Flügelflitzern, die Defensive aber wurde noch immer nicht verstärkt.

Zudem habe man Schindelmeiser vorgeworfen, sich nicht um Abgänge gekümmert zu haben, wodurch Sorgen aufkamen, den Kader zu sehr aufzublähen. Schindelmeiser sei ein schwieriger Mensch, kein Teamplayer, und habe bei den letzten Transfers die Kontrollinstanzen der AG elegant umschifft.

Er sei nur auf seinen Jugendwahn fixiert gewesen, so dass er andere Optionen überhaupt nicht geprüft und einigen Spielerberatern, ohne sie anzuhören, den Weg zur Tür gewiesen haben soll. Gerüchten zufolge sollen ihm u. a. Träsch, Didavi und Bičakčić angeboten worden sein, die Schindelmeiser von vornherein nicht haben wollte, weil sie, vor allem die Erstgenannten, den VfB schon einmal im Stich gelassen hatten.

Die Kommunikation mit den Vorstandskollegen habe nicht gestimmt, weil er den sportlichen Bereich ausschließlich für sich proklamiert und es daher auch nicht für nötig gehalten habe, überhaupt zu berichten, was er vor hatte und an wem er gerade dran wäre. Gegen den Vorwurf, Alleingänge betrieben zu haben wehrt sich Schindelmeiser vehement, kein Transfer sei ohne Zustimmung der Gremien zustande gekommen.

Da steht also Aussage gegen Aussage, die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren, so dass weiteren Spekulationen Tür und Tor geöffnet sind. Offensichtlich war kein Vertrauen mehr vorhanden, die Chemie stimmte nicht mehr und wegen Schindelmeisers getätigter Transfers herrschte große Unzufriedenheit (was Dietrich in Öffentlichkeit jedoch dementierte).

Für mich bleiben dennoch einige Fragen offen. Ist Machtmensch Schindelmeiser am Machtmensch Dietrich gescheitert, weil dieser am längeren Hebel sitzt? Begegnete die AG-Seite gar jenen Geistern, die man mit der Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG rief?

Im Organigramm sind auf der Vorstandsebene, auf der der Sportdirektor angesiedelt ist, nur der Marketing- und der Finanzvorstand zu finden. Genauso wenig wie der Sportdirektor dem Finanzvorstand in die Finanzierung von Bauprojekten reinredet, sollte sich der Finanzvorstand anmaßen, ob eine geplante Verpflichtung sinnvoll ist oder nicht. Trainer Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser sollen gut zusammengearbeitet haben, sollten die beiden in Sachen Kaderzusammenstellung auf einer Linie gelegen haben, wäre doch im Grunde alles gut gewesen! Lag das Zerwürfnis am Ende „nur“ daran, dass Schindelmeiser Heim und Röttgermann links liegen ließ und sie überhaupt nicht an seinen Plänen teilhaben ließ, fehlt mir das Verständnis, dass erwachsene Männer solche Probleme nicht wie Männer aus der Welt schaffen konnten oder wollten.

Dann ging es tatsächlich um die verletzte Eitelkeit Einzelner und das Ganze zu Lasten des VfB Stuttgart.

Eine weitere Frage, die sich mir stellt, ist die, wer Gunter Barner (Stuttgarter Nachrichten) mit jenen Informationen fütterte, um Jan Schindelmeiser bereits Mitte Juli anzuzählen. Wurde das von AG-Seite mit dem Ziel lanciert, den Rauswurf im Nachhinein als plausibel und sich abzeichnend verkaufen zu können? Weshalb stehen seit geraumer Zeit anstehende Wechsel, wie beispielsweise der von Aogo, tagelang vorher in der Presse? Das war man, seit Schindelmeiser das Zepter schwang, nicht mehr gewohnt. Für mich bleibt das Gschmäckle eines abgekarteten Spiels.

Für die Werbung zur Ausgliederung hat man Schindelmeiser noch gebraucht, ohne Hannes Wolf und ihn wäre diese sicher nicht so reibungslos durchgegangen. Daher hat man ihn wohl nicht schon vorher entsorgt, obwohl es im Gebälk dem Vernehmen nach schon ordentlich knisterte.

Hat tatsächlich der Maxim-Transfer zur Eskalation geführt, wäre eine zeitnahe Entlassung danach oder sogar, um den Transfer zu verhindern davor, logisch gewesen. Doch seinerzeit, am 27.06., lief ja noch die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung!

Nun begründet der VfB die Entlassung damit, dass die dringendsten Baustellen im Kader auch Anfang August noch nicht abgearbeitet gewesen seien. Jürgen Klopp hat im ZDF-Interview im Vorfeld des Championsleague-Qualifikations-Spiels gegen Hoffenheim einen interessanten Ausspruch getätigt, denn, auch Liverpool sucht bislang (erfolglos) nach weiteren Verstärkungen. Er sagte, in Anbetracht der Wahnsinns-Summen die in diesem Sommer vom einen zum nächsten Verein transferiert werden: „Es gibt mehr Vereine, die Spieler suchen, als welche, die Geld brauchen“. Soviel zum Thema. Gerade gute und erfahrene Innenverteidiger sind sehr gefragt und schwierig zu bekommen, zumindest noch zum jetzigen Zeitpunkt.

Für welche Philosophie Michael Reschke steht, ist mir auch nach seiner Vorstellungs-Pressekonferenz Anfang dieser Woche noch nicht klar. Er lobte die Bayern über den grünen Klee, über den VfB sprach er weniger, außer, dass er tief beeindruckt sei, was für tolle Menschen beim VfB unterwegs seien. Die Schleimspur zog sich bis hinauf nach Vaihingen…

Sollten Badstuber und Aogo die Kategorie Transfers sein, mit denen sich Reschke zu schmücken vermag, dann gute Nacht. In Fankreisen macht schon der Begriff von der „Reschkerampe“ die Runde. Um auf diese Namen zu kommen, bedarf es nicht der Phantasie eines ausgewiesenen Fachmanns, auf diese Spieler wäre die Putzfrau wohl auch noch gekommen.

Ob sie uns weiterhelfen können, steht auf einem anderen Blatt. Bleibt Badstuber fit, ist er mit Sicherheit eine Verstärkung für die löchrige Abwehr. Aogo ist als Platzhalter für Insúa gedacht und muss beweisen, ob er es noch einmal wissen will. Auf seiner Pressekonferenz in dieser Woche machte er auf mich einen aufgeräumten, intelligenten und auch motivierten Eindruck.

Dass nicht nur junge Spieler ein Risiko darstellen, sondern auch Ex-Nationalspieler hat der VfB mit Kevin Großkreutz jüngst ja selbst erfahren. Er blieb am Ende sportlich alles schuldig, was man sich vom Weltmeister erhofft hatte und war mit seinen 28 Jahren und seiner Verletzungshistorie längst ein Auslaufmodell.

Parallelen zu Badstuber und Aogo wären rein zufällig. Erik Durm soll der Nächste in der Reihe werden, auch er ist nur zu haben, weil er zuletzt viel verletzt war und er es in Dortmund schwer haben dürfte, den Anschluss wieder zu schaffen. Dass uns bei so viel (Verletzungs-)Risiko nicht am Ende doch noch die Jungen die Kohlen aus dem Feuer holen müssen…

Das Sportliche rückte durch den Wechsel auf dem Sportdirektoren-Posten erst einmal weit in den Hintergrund. Dabei stand letztes Wochenende bereits die erste Runde im DFB-Vereinspokal an.
Uns Allesfahrern wird gleich zu Beginn der neuen Runde viel abverlangt. Binnen sechs Tagen erst Cottbus, dann Berlin. Das Spiel mit der weitesten Entfernung der Pokalrunde wurde auf Sonntag, 18.30 Uhr gelegt, fanfreundlich geht anders.

Daher blieb, wollte man nicht kurz vor der polnischen Grenze auch noch übernachten, nur die Möglichkeit mit dem PKW oder dem Bus anzureisen. Ich entschied mich für die Busfahrt mit dem RWS Berkheim, verließ das Haus um 8 Uhr morgens und war montagmorgens gegen 6 Uhr zurück. Eigentlich bin ich ja zu alt für diesen Scheiß, aber, was tut man nicht alles für seinen Herzensverein und um jedes Mal dabei sein zu können.

Die beiden jüngsten Neuzugänge standen in Cottbus nicht zur Verfügung, Badstuber gesperrt, Aogo angeschlagen. Da Ailton mit Trainingsrückstand ebenfalls nicht mit in die Lausitz gereist war und sich zu allem Überfluss Timo Baumgartl nach dem Aufwärmen aufgrund von Schwindelgefühlen abmeldete, musste Hannes Wolf kurzfristig improvisieren.

Kapitän Gentner, eigentlich für die Bank vorgesehen, rückte in die Anfangsformation und Pavard, zunächst als Linksverteidiger gedacht, in die Innenverteidigung. Für ihn spielte Dženis Burnić auf der ungewohnten Position hinten links und zahlte bei seinem ersten Pflichtspiel für den VfB reichlich Lehrgeld.

Das Spiel begann für den VfB denkbar ungünstig. Bereits in der 6. Spielminute legte eben jener Burnić unfreiwillig für den Cottbusser Viteritti vor, der zur vielumjubelten Führung der Hausherren einschoss. Gut zwanzig Minuten später foulte der als alleiniger Sechser überforderte Ofori den Ex-VfBler Mamba, woraus der sehenswerte Freistoß zum 2:0 resultierte.

Beim ersten Gegentor wirkte die Abwehr wie ein Hühnerhaufen, bei zweiten ließ man sich per Sonntagsschuss düpieren, für einige Grund genug „Zieler raus“ zu schreien. Leute, habt ihr sie noch alle? Die Entscheidung des Trainers pro Zieler gilt es zu akzeptieren, das ständige Zieler-Gebashe und der Hype um Langerak helfen keinem weiter, am wenigsten dem VfB. Ein Torwart braucht das Vertrauen des Trainers und auch des Umfelds. Wird er vehement niedergemacht, ob im Stadion oder auch auf seiner Facebook-Seite, ist das kontraproduktiv und wird ihm nicht helfen, zu alter Stärke zurückzufinden.
Ich verstehe es ohnehin nicht, welchen Narren viele VfB-Fans an Langerak gefressen haben. Er war jahrelang die Nummer zwei in Dortmund und kam an Weidenfeller, der auch nicht gerade der Über-Torwart war, nie vorbei.

Dann wechselte er zum VfB, verletzte sich direkt und stand in der Abstiegssaison fast überhaupt nicht zur Verfügung. Ihm jetzt zugute zu halten, dass er dem VfB in der 2. Liga die Treue gehalten hat, ist für mich zu hochgegriffen. Welche Alternativen hatte er denn? Der VfB verkaufte jeden, für den er einigermaßen Geld bekam, für Langerak gab‘s demnach wohl keine Interessenten, wobei der VfB das Heft des Handelns sowieso selbst in der Hand hatte, weil dem Vernehmen nach alle Verträge für die 2. Liga Gültigkeit besaßen.

In der 2. Liga hatte Langerak, wie alle anderen auch, seinen Anteil am Aufstieg, mehr aber auch nicht. Alles andere als der Aufstieg wäre peinlich gewesen, so dass für mich keiner der Aufstiegsmannschaft in den Heldenstatus erhoben wird, schon gar nicht Langerak, der zwar auf der Linie stark ist, in der Spieleröffnung und Strafraumbeherrschung aber ähnliche Defizite wie Ulreich hat. Unvergessen seine Orientierungslosigkeit gegen Hannover 96, die uns die sicher geglaubte Herbstmeisterschaft gekostet hat.

Ins Spiel biss sich der VfB zurück und kam durch den auffälligen Brekalo und ein Eigentor der Cottbusser zum schmeichelhaften Ausgleich. Auch in der Folgezeit war der VfB weder tonangebend noch dem Viertligisten spielerisch überlegen. Selbst die Kondition schien bei den Brandenburgern besser zu sein als jene vom VfB, so dass sich eher der VfB ins Elfmeterschießen rettete als das die Cottbusser taten. In dieser Lotterie schließlich hatte der VfB das bessere Ende für sich und zog überaus glücklich in die nächste Pokalrunde ein.

Abgesehen von der Leistung vom VfB genoss ich diesen langen Trip, wenn man einmal von der zähen und langwierigen Heimfahrt absieht. Endlich wieder Stadion, ein volles Haus, freundliche Gastgeber und unzählige Freunde und Bekannte getroffen. Da wir direkt vor dem Gästeeingang aus dem Bus aus- und wieder einstiegen kann ich nicht beurteilen, ob es zu irgendwelchen unschöneren Szenen rund ums Stadion oder in der Stadt gekommen ist, gehört habe ich davon nichts. Nach dem Pokalsieg 1997 gegen eben jenen FC Energie entstanden ja einige Fanfreundschaften, so dass auch kein größerer Trouble zu erwarten war. Die Ordner am und im Block waren freundlich, Vollbier gab es auch, kein Grund zu klagen also.

Erstrundenspiele im Pokal, vor allem wenn es gegen Drittligisten oder einen gefühlten Drittligisten wie Energie Cottbus geht, sind immer schwer. Die Gegner stehen bereits voll im Saft während man selbst noch nicht weiß, wo man steht und ins Ungewisse startet. Hat man dann noch kurz vor dem Spiel solche Ausfälle zu beklagen und gerät aufgrund dieser Umstellungen früh in Rückstand, wird es ungleich schwerer. Dann ist das Publikum, das nach dem bezahlten Fußball lechzt, voll da und pusht sein Team nach vorne, so dass sich deren Jungs die Lunge aus dem Leib laufen.

Angesichts dieser Umstände bewerte ich das Auftreten von Cottbus nicht über. Auch Hertha BSC, der Gegner vom Samstag, hat am Montag in Rostock keine Bäume ausgerissen. In Berlin werden hoffentlich Badstuber, Baumgartl und Aogo zur Verfügung stehen, so dass das VfB-Spiel an Stabilität gewinnen sollte. Nach vorne haben wir ohnehin unsere Waffen, vor allem Brekalo macht schon den ganzen Sommer über einen hervorragenden Eindruck, auch A. Donis konnte in Cottbus nach seiner Einwechslung Akzente setzen.

Wichtig ist, dass im Verein Ruhe und Normalität einkehrt und alle an einem Strang ziehen. Es ist in meinen Augen weder förderlich, wenn von Vereinsseite Schindelmeisers Einkäufe diskreditiert werden und den Jungs somit ein Stück ihres Selbstwertgefühls genommen wird, noch ist es hilfreich, wenn Fans einen Reschke ablehnen, bevor er richtig angekommen ist, Zieler ablehnen, weil Langerak so süß ist, Aogo ablehnen, weil er in den letzten Jahren nichts gerissen hat und Badstuber ablehnen, weil er sowieso nur verletzt ist.

Ich gehe da pragmatisch ran, da ich an den Personalentscheidungen des Vereins sowieso nichts ändern kann und jedem Neuen eine faire Chance gebe, mich zu überzeugen, auch wenn ich im Vorfeld skeptisch sein sollte.

Noch immer ist mein großer Wunsch, dass beim VfB endlich Ruhe und Kontinuität einkehren und Hannes Wolf noch lange unser Trainer sein wird. Voraussetzung dafür wäre, dass er zu Michael Reschke ein ähnlich vertrauensvolles Verhältnis aufbaut, wie er es zu Jan Schindelmeiser hatte und die Verantwortlichen in der AG wegen möglicher schlechter Resultate nicht zu schnell die Nerven verlieren.

Der Start hat es schließlich in sich. Ausschließlich undankbare Aufgaben in den ersten fünf Spielen, in denen sowohl in die eine als auch in die andere Richtung alles passieren kann. So trifft den VfB eine mittlerweile schon unfassbare Verletzungsmisere zur denkbar ungünstigsten Zeit.

Ich bin sehr gespannt, wer in Berlin morgen alles auflaufen kann und wie sich das Team schlagen wird. Danach kommt Mainz mit einem sicherlich bis in die Haarspitzen motivierten Maxim, ehe es in die Turnhalle nach Gelsenkirchen geht. Diese Spiele sollten als erste Standortbestimmung dienen und aufzeigen, wie konkurrenzfähig der VfB nach dem Wiederaufstieg tatsächlich ist. Alles andere war Vorgeplänkel, lasset die Spiele beginnen!

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