16. Mai 2018

Phänomenal – Europapokal!

Noch ist es nicht ganz so weit, erst müssen die Bayern nächsten Samstag den DFB-Pokal gewinnen, doch, dass sich die Bayern binnen Wochenfrist ein zweites Mal in die Suppe spucken lassen, das kann ich mir beim besten Unwillen nicht vorstellen. Der Meister wird alles daran setzen, seinen großen Trainer Jupp Heynckes mit dem Double in den Ruhestand zu verabschieden, so dass wir, da bin ich mir sicher, nach dem Finale die Korken knallen lassen können.

Hatte ich vor vier Wochen noch harsch die Einstellung, die zurückgekehrte Bequemlichkeit und Selbstzufriedenheit moniert, darf ich mich nach vier Siegen zum Saisonabschluss sehr gerne revidieren. DAS hätte ich der Truppe und Tayfun Korkut wahrlich nicht zugetraut. Ein jeder, der es mit dem VfB hält, war sich sicher, dass wir bis drei Spieltage vor Schluss die 40 Punkte für den Klassenerhalt auf der Habenseite haben müssen, weil in Leverkusen, gegen Hoffenheim und in München wenig bis nichts zu ernten sein würde.

Doch dann gewinnt man geschwind mal gegen Bayer und Hoffenheim bei circa 4 zu 50 Torschüssen und legt eine fast unheimlich erscheinende Effizienz an den Tag. Diese Siege gegen zwei Championsleague-Anwärter allein waren schon sensationell.

Vor allem der erste Sieg in Leverkusen seit 2002, wenngleich er glücklich war, kam für mich richtig unerwartet, so dass ich seither in Sachen VfB auf Wolke sieben schwebe. Ein Spiegelbild der Rückrunde war dann der nicht minder unerwartete Auftritt gegen Hoffenheim. Wieder war es ein Spiel, das man eigentlich nicht gewinnen kann.

Hoffenheim schoss vier Mal so oft aufs Tor wie der VfB und zeigte die deutlich reifere Spielanlage. Der VfB aber setzte erneut eine kämpferisch überragende Vorstellung dagegen und warf sich mit allem, was er hatte, in die Hoffenheimer Schüsse. Selbst als man die letzten 25 Minuten in Unterzahl bestritt, gab man nicht klein bei. Im Gegenteil, Mario Gomez nutzte unsere einzige Torchance im zweiten Durchgang zum vorentscheidenden 2:0 und zog den Hoffenheimern dadurch endgültig den Zahn.

Tayfun Korkut, der Gustav Gans der Bundesliga, hat das Glück, das man braucht, auf den Wasen zurückgebracht. Seine Bilanz jedoch darauf zu reduzieren, würde ihm nicht gerecht werden. Er hat an den richtigen Stellschrauben angesetzt, überfordert die Spieler nicht und lässt sie das spielen, was sie können.

Bestes Beispiel, der Kapitän Christian Gentner, der jahrelang eher Hemmschuh in der Schaltzentrale war, denn der handlungsschnelle, zweikampfstarke Stratege, den es in der Mittelzentrale braucht.

11Freunde hat Gentes Rolle treffend analysiert, in dem die Onlineausgabe des Sportmagazins feststellte „Vor allem kann Korkut nicht hoch genug angerechnet werden, dass er Christian Gentner nicht wie seine Vorgänger im zentralen Mittelfeld aufstellt, sondern auf dem rechten Flügel. Hier kommen Gentners Kampfgeist und seine Dynamik zum Tragen, seine fehlenden Spielgestalter-Fähigkeiten fallen wiederum nicht so stark ins Gewicht. So hat Korkut Leistungen aus Gentner herausgekitzelt, die man vor der Rückrunde kaum für möglich gehalten hat.“

Einige weitere Spieler, wie zum Beispiel Dennis Aogo oder auch Daniel Ginczek machten unter Korkut zuletzt einen Leistungssprung, so dass der positive Trend mehr auf akribische Analysen der Spiele und der Fähigkeiten der Spieler zurückzuführen ist, als auf pures Glück. Dieses kam dazu und man hat es sich wahrsten Sinne des Wortes erarbeitet.

Bis zum auch rechnerisch sicheren Klassenerhalt, wurde Korkut zum Vorwurf gemacht, immer an denselben Aufstellungen festzuhalten und deshalb zu leicht ausrechenbar zu sein. Die Ergebnisse gaben ihm Recht, das Zauberwort hieß „Stabilität“. Für den Klassenerhalt schien jedes Mittel recht, Vertrauen zu den Alternativen auf Bank und Tribüne schien nicht vorhanden zu sein.

In Zeiten des sportlichen Aufschwungs fehlen den Kritikern über die Art und Weise natürlich die Argumente, trotzdem war mir Wolfs Devise, keiner dürfe sich zu keinem Zeitpunkt ausruhen und müsse sich in jedem Training neu anbieten und zeigen, sympathischer. Doch, Sympathie gewinnt keine Spiele, letztlich zählen die Ergebnisse, und diese sprechen eine deutliche Sprache – für Korkut, gegen Wolf.

Letztlich kommt es im Fußball eben doch auf die Leistungen auf dem Platz und nicht im Training an, solang die Reservisten bei Laune bleiben und nicht resignieren. Korkuts Herangehensweise mit dem Setzen auf Stabilität und Eingespieltheit fruchtete besser als die von Wolf, der seine Trainingsweltmeister mit Einsätzen belohnte, die Mannschaft dadurch aber zu oft durcheinander wirbelte.

Nach den Heim-Unentschieden gegen den HSV und Hannover 96 sowie der deutlichen und einzigen Niederlage unter Korkut in Dortmund, brodelte es dann aber doch im Umfeld. Auch fast alle Blogger, mich eingeschlossen, monierten, dass Spieler wie Anastasios Donis auf der Bank versauerten, während immer die gleichen Akteure, vor allem im Offensivbereich, ihren Stiefel herunterspielen durften.

Just im Spiel darauf gegen Werder Bremen sprang Tayfun Korkut über seinen Schatten und verhalf Donis erstmals seit seinem Debüt in Wolfsburg wieder zu einem Einsatz. Donis kam von der Bank und sorgte mit dafür, dass man nicht erneut, wie noch gegen Hannover 96 vor Wochenfrist, um den Ausgleich bettelte, sondern weiter nach vorne Akzente setzte. Die Folge, Joker Donis legte in der Nachspielzeit mustergültig für Joker Özcan auf, und sicherte damit nicht nur den Heimsieg sondern auch den vorzeitigen Klassenerhalt.

Manchmal hat man tatsächlich den Eindruck, der eine oder andere VfBler, ob Trainer oder Spieler, verfolge die Stimme(n) der Fans im Netz und ziehe an der einen oder anderen Stelle auch seine Rückschlüsse. Dies wäre aus meiner Sicht nicht einmal verwerflich und als Schwäche auszulegen, sondern zeugt von Interesse und dem Blick über den eigenen Tellerrand. Sven Ulreich war so ein Kandidat, der schaute immer verstohlen weg, wenn er mich sah, gehörte ich bekanntermaßen nicht zu seinen allergrößten Fans.

Eines meiner Credos über die Bundesliga der Gegenwart lautet, spielt man nicht gegen den Abstieg, spielt man um Europa. Dies bewahrheitete sich in dieser Saison einmal mehr. Kaum war der Klassenerhalt unter Dach und Fach, gewinnt sensationell in Leverkusen und schon war sie da, die Diskussion darüber, ob der VfB reif für Europa sei oder eine Qualifikation für den internationalen Wettbewerb nicht zu früh käme. Ich kann mit dieser Diskussion und einer Denke, es wäre besser gewesen, die letzten Spiele in den Sand zu setzen, überhaupt nichts anfangen. Schon der zahlenden Kundschaft, ähm Anhängerschaft, gegenüber wäre es eine Frechheit, nicht das Letzte aus sich herauszuholen. Zudem stehen auf dem Platz Leistungssportler, die aus der Natur der Sache heraus lieber gewinnen als verlieren (sollten).

Somit verbietet sich die Frage, ob Europa zu früh kommt, von selbst. Der VfB war, und ist es immer noch, nicht nur von den eigenen sondern auch den Ergebnissen der Konkurrenz abhängig und wenn am Ende dann ein Platz steht, der zur Teilnahme am internationalen Wettbewerb berechtigt, kommt diese nicht zu früh sondern zurecht.

Fünf Jahre nach der sensationellen Tour nach Rijeka im 9er-Busle lechze ich förmlich nach weiteren internationalen Erlebnissen und neuen Grounds, was eine schöne Abwechslung zum mitunter tristen und sich ständig wiederholendem Einheitsbrei Bundesliga ist. Unter den Allesfahrern sind wir uns einig, da habe ich bislang keinen einzigen getroffen, der nicht auf Europa gehofft hätte, wenngleich eine Qualifikation selbstredend keiner erwartet hat.

Die Mannschaft, wenn sie denn einigermaßen zusammengehalten werden kann, dürfte den Ansprüchen der Europa League sicher genügen. Beim Umfeld hingegen habe ich so meine Zweifel. Dieses muss seine internationale Tauglichkeit erst noch unter Beweis stellen. Für mich gibt der VfB ein erbärmliches Bild ab, wenn bei Spielen gegen weniger klangvolle Namen die Untertürkheimer Kurve komplett gesperrt ist und sich im Rest des weiten Runds kaum mehr als 10.000 Zuschauer verlieren. Jeder hat seine Gründe, dass er mal nicht kann. Sei es die weite Anfahrt unter der Woche, seien die zwei oder eine der beiden Anstoßzeiten beruflich nicht machbar, doch, seien wir mal ehrlich, käme der FC Barcelona anstatt der aserbaidschanische Meister zur selben Zeit, das Stadion wäre voll! Da wäre es wirklich wünschenswert, dass diese „Fans“ künftig wegen dem VfB und nicht wegen des Gegners ins Neckarstadion kämen und somit auch unattraktivere Spiele zu Fußballfesten machen.

Der VfB ist mit dem Dauerkartenverkauf für mich zu früh hervor geprescht und hat leider nicht das so rühmliche Saisonende abgewartet. Dann nämlich hätte man die Europaleague-Spiele, etwa bis zum Ende der Gruppenphase, gegen Aufpreis in die Dauerkarten integrieren und ähnlich des „Follow-my-team-Systems“ bei Welt- und Europameisterschaften bei nicht erfolgter Qualifikation Beträge zurückerstatten können. Im schlimmsten Fall hätte man einen Verwaltungsaufwand, der sich im EDV-Zeitalter jedoch in Grenzen hielte, im besten bei jedem Spiel, zumindest auf dem Papier, mindestens 30.000 Zuschauer.

Nach dem Heimsieg gegen Hoffenheim war der Europacupzug dennoch für mich abgefahren, weil die Konkurrenz am 33. Spieltag nicht mitspielte. Am letzten Spieltag musste nicht „nur“ Frankfurt auf Schalke verlieren, sondern auch der VfB in München gewinnen, um wider Erwarten doch noch in die Europaleague einzuziehen. Dass dieses Unterfangen schier unmöglich sein würde, untermauert die Statistik, hat der VfB in 49 Bundesliga-Begegnungen bei den Bayern doch gerade einmal fünf Siege eingefahren.

Ich kenne viele, selbst unter Allesfahrern, die sich das Spiel in München nicht mehr antun. Diese Auswärtstour erfordert ein hohes Maß an Selbstbeherrschung und Nehmerqualität.

Entlang der A8 zwischen Stuttgart und München befindet sich wohl kein Rast- oder Parkplatz, auf dem es rund um den einstigen Südgipfel nicht schon ordentlich gescheppert hätte. Die Bayern-Karawane beginnt ja nicht erst weit hinter Ulm, selbst aus hiesigen Regionen rücken Fanbusse an, so dass Begegnungen schon zwangsläufig stattfinden. Man muss sich ein dickes Fell angeeignet haben, um die Provokationen und das Miasanmia-Gehabe versuchen zu ignorieren, erstrecht, wenn die vermeintlichen Bayern auch noch schwäbisch schwätzen.

Im Stadion geht es dann weiter mit den Scharmützeln, man wird als „Gast“ ins oberste Stockwerk verfrachtet und bekommt Lightbier vorgesetzt. Vergnügungssteuerpflichtig sind Besuche im Schlauchboot also eher nicht und, wie wenn das alles nicht schon schlimm genug wäre, setzt es meistens auch noch eine Packung. Daher habe ich vollstes Verständnis für jene, die zuhause geblieben sind oder sich lieber die Amas in Hoffenheim angesehen haben.

Auch ich war lange mit mir am Ringen, ob ich mir dieses Spiel und die Meisterfeier der Bazis wirklich noch antun soll. Erfahrungsgemäß lassen sich die Bayern die Party ja nicht vermiesen und haben uns schon bei ähnlicher Konstellation, selbst mit B- und C-Mannschaften, keine Chance gelassen.

Als der Worst Case, in München abzusteigen, nicht mehr eintreten konnte, ließ ich mich überreden, wenigstens mitzufahren und eine nette Saisonabschlussfahrt zu veranstalten. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht einmal, ob ins Stadion rein gehen oder nur auf dem Busparkplatz oldschool Radio hören würde, die Fahrt mit Freunden stand eindeutig im Vordergrund.

Nach der Serie zuletzt wandelte sich dann aber die Stimmungslage und Erwartungshaltung. Schließlich reisten wir als zweitbeste Rückrundenmannschaft und somit mit breiter Brust an.

Hatten wir unmittelbar nach dem Amtsantritt von Korkut in einigen Spielen augenscheinlich jenes Glück, das Hannes Wolf fehlte, konnte es nach dieser Vielzahl von Spielen kaum mehr Zufall sein, dass so gut wie keiner in der Lage war, den Korkut-Code zu knacken. Wäre uns durch die Sperren von Ascacibar und Aogo nicht die zuletzt so stabile und gut auf sich abgestimmte Doppel-Sechs komplett abhanden gegangen, hätte ich uns gar gute Chancen gegeben, auch aus München etwas mitnehmen zu können.

Zu allem Überfluss fiel dann kurzfristig auch noch Mario Gomez aus, der am Vorabend des Spiels Vater geworden war. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle! Weil Korkut bislang seine Formationen so wenig wechselte bzw. auch wechseln musste und daher viele Spieler ohne Spielpraxis dabei waren, hätte ich direkt vor dem Spiel keinen Pfifferling mehr auf den VfB gewettet.

Daher hielten wir uns noch Ewigkeiten am Bus auf und waren nicht erpicht darauf, schnell in die Arena zu gelangen. So kam es, dass ich als Stadionfotograf den Einlauf der Teams und das Intro in den Fankurven zunächst verpasste. Dennoch kam ich gerade noch rechtzeitig, um den Treffer zum 0:1 durch Daniel Ginczek sehen und bejubeln zu können. Da ich vor hatte, sollte das Spiel seinen befürchteten Verlauf nehmen, das Stadion genauso schnell wieder zu verlassen, wie ich es betreten hatte, ersparte ich mir den beschwerlichen Gang in den Oberrang und verweilte die komplette Spieldauer hinweg hinter den Rollstuhlfahrerplätzen auf der Gegengerade.

Nachdem die Bayern relativ früh, wenn auch glücklich, zum Ausgleich kamen, schien das Spiel in die erwartete Richtung zu gehen. Kurz am Sieg schnuppern und dann den A… versohlt bekommen, das kenne ich von unzähligen Begegnungen in München zur Genüge. Die Bayern hatten in der Folgezeit einige gute Chancen, die sie aufgrund eigenen Unvermögens oder wegen eines hervorragend aufgelegten Ron-Robert Zieler nicht nutzten. Normalerweise rächt sich das ja im Fußball, jedoch nicht unbedingt beim in der Liga dominanten FC Bayern.

Zieler ist auch so ein Garant unserer starken Defensivleistungen im Verlaufe dieser Saison. Zwölf Zu-Null-Spiele sprechen Bände. Seit Jens Lehmann haben wir endlich wieder einen Keeper im Kasten, der uns auch Siege festhält. Mittlerweile sollte es niemanden mehr geben, der noch Mitch Langerak hinterher trauert. Dieser spielt mittlerweile in Japan beim hierzulande völlig unbekannten Club Nagoya Grampus, nachdem er in der Vorrunde in Levante keinen einzigen Liga-Einsatz hatte!

Ein weiterer wichtiger Baustein unserer stabilen Defensive ist Holger Badstuber. An dessen Seite reiften Pavard zu einem fast schon Weltklasse-Mann und Timo Baumgartl mindestens zu einem überdurchschnittlichen Bundesliga-Verteidiger. Ich hoffe sehr, dass man sich mit ihm auf eine Ausweitung seines Engagements verständigt. Eine eventuelle Europaleague-Teilnahme könnte die Chancen dafür erhöhen.

Badstuber war, wie auch Daniel Ginczek, nahezu die gesamte Rückrunde über fit, was die Frage aufwirft, ob Korkut so viel dosierter trainieren lässt als Hannes Wolf oder ob Korkut auch diesbezüglich einfach nur Glück hatte. Normal ist das alles nämlich nicht!

Auch wenn unsere starke und zusammengewachsene Defensivabteilung einmal mehr relativ wenige Hochkaräter zugelassen hat, drückte ein anderer Akteur dem Spiel seinen Stempel auf: Anastasios Donis! Was der Grieche in München ablieferte, dafür gehen mir die Superlative aus. Mit welchem Antritt er die beiden ersten VfB-Tore initiierte, wie er erst Rafinha, dann Süle stehen ließ, Weltklasse. Donis schoss ein Tor selbst und bereitete zwei weitere vor, besser geht es kaum. Ginczek, Donis, Akolo, Ginczek hießen am Ende die Torschützen eines denkwürdigen Spiels. Donis ist mit seiner Schnelligkeit eine Waffe, Korkut muss sich für die nächste Saison etwas einfallen lassen, ihn in die Stammelf einzubauen.

Korkuts Bilanz liest sich herausragend. Ich war auch nicht begeistert, als er als neuer Chefcoach vorgestellt wurde, jedoch nicht, dass ich etwas gegen ihn persönlich gehabt hätte, es war viel mehr die Enttäuschung darüber, dass Super-Spürnase Reschke mit einer derart unkreativen Lösung aufwartete und ich Korkut eher als Leisetreter eingeschätzt und es ihm nicht zugetraut habe, den damaligen Sauhaufen von Mannschaft auf Kurs zu bekommen.

Das ist das Schöne am Fußball, es geht um Momentaufnahmen und den jetzigen Moment dürfen wir genießen, ohne zur Abbitte verpflichtet zu sein, wie es Reschke schon früh in der Rückserie einforderte. Korkut hat den richtigen Ton beim Team getroffen und es geschafft, die Mannschaft zu einer Einheit zusammenzuschweißen.

Durch die ersten ordentlichen Ergebnisse konnte er in Ruhe arbeiten und das Team weiter bringen. Für ihn war es im Nachhinein sicher auch kein Nachteil, mit welchen Vorbehalten er hier bei seinem Amtsantritt konfrontiert war, dazu fällt mir der gute alte Sponti-Spruch „ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich’s völlig ungeniert“ ein!

Durch die anfänglichen Erfolge wuchs das Selbstbewusstsein, der Zusammenhalt und beraubte die unzufriedenen Ergänzungsspieler ihrer Argumente. Hinzu kam, dass die Winterneuzugänge zu Volltreffern wurden. Wer hätte es schon Thommy, den ich nicht einmal kannte, zugetraut, unser Offensivspiel derart zu beleben, wer Mario Gomez dass er tatsächlich den so dringend benötigten Qualitätsschub im Vergleich zu Simon Terodde bringen würde. Exemplarisch dafür das zweite Tor gegen Hoffenheim, das eben nur ein Klassespieler so macht, vor allem dann, wenn es sich wirklich um die einzige sich bietende Torchance handelt. Diese Tore hat Terodde in der Vorrunde nicht gemacht, so dass dieser Tausch letztlich goldrichtig war.

Dass die Geschichten des Spiels in München vor allem Spieler schrieben, die auf der Miste von Schindelmeiser und Wolf gewachsen sind, freut mich schon ein wenig. Ob Mangala (92% gewonnene Zweikämpfe), Akolo, Donis oder auch Zieler, alle lieferten eine bärenstarke Vorstellung ab und sind der Beleg dafür, dass Schindelmeiser eben doch nicht nur Schrott eingekauft hat, was einige in Anbetracht der vielen verliehenen Spieler, die noch Schindelmeiser geholt hatte, behaupten.

Nach dieser phänomenalen Rückrunde und vor allem dem Spiel bei den Bayern muss ich meinen Hut vor Tayfun Korkut ziehen. Wurde ihm meist vorgeworfen, unflexibel zu sein und rein auf Stabilität zu setzen, bewies er gegen die Bayern Flexibilität und trat mit einem Matchplan an, der offensichtlich selbst Jupp Heynckes überrascht hat.

Zwar wurde Korkut zu seinem Glück gezwungen, doch er bewies großen Mut, Akolo als Mittelstürmer, Ginczek und Donis auf den Außenbahnen und dazu noch Thommy hinter dieser geballten Offensive zu bringen. Ob Donis’ Sololäufe zum Plan gehörten, ist nicht überliefert. Jedenfalls war es genau das richtige Rezept gegen eine hoch verteidigende Mannschaft mit schnellen Läufen hinter die Linien zu kommen.

Die Tore fielen zudem alle auch noch zum perfekten Zeitpunkt. Ein frühes Tor, um den Bayern zu zeigen, dass man nicht hergefahren ist, reine Staffage der Meisterfeierlichkeiten zu sein, ein Tor zum sprichwörtlich psychologisch günstigen Zeitpunkt vor der Pause, sowie die beiden Treffer kurz nach der Halbzeitpause, in der sich die Bayern sicherlich noch einiges vorgenommen hatten und diese Pläne schnell wieder begraben mussten.

So stand nach 55 Minuten ein unfassbares 1:4 auf der Anzeigetafel! Jedoch nicht für mich, ich konnte zwar den Gästeblock gut fotografieren, sah von meinem Platz aber die Anzeigetafel nicht.

Deshalb ging ich unmittelbar nach dem 1:4 völlig perplex auf die Ordnerin des Eingangs zum nächstgelegenen Block zu und fragte, ob ich kurz rein dürfe, um die Anzeigetafel zu fotografieren, was dann auch geklappt hat.

Ab dem Moment war ich dermaßen geflasht und bin es im Grunde immer noch. Zwar traute ich dem Braten noch immer nicht, doch, die Zeit verrann. In der Zwischenzeit kam ich mit einem Bayern-Fan relativ gut ins Gespräch, was dazu führte, dass die Zeit noch schneller rum ging und ich langsam begann, an die Sensation zu glauben.

Dieser Bayern-Fan outete sich als VfB-Sympathisant und war ziemlich interessiert daran, weshalb es mit Hannes Wolf schief ging und welche jungen Spieler sich in dieser Saison wie entwickelt hatten. Er gönnte uns dann zwar den Sieg, bedauerte aber diesen Heim-Abschluss für Jupp Heynckes. Ich versuchte ihm dann Mut zuzureden, indem ich ihm vor Augen führte, dass sich mit diesem 1:4 der Kreis für Jupp Heynckes endgültig geschlossen hat. War er im Oktober 1991 noch nach einem 1:4 gegen die Stuttgarter Kickers (!) nach seiner ersten Amtszeit bei den Bayern mit Schimpf und Schande entlassen worden, bekam er nun, fast 27 Jahre später, beim 1:4 gegen den großen Stadtrivalen der Kickers Blumen, Beifall und viel Herzschmerz zum Abschied! Wenn das mal nicht DIE perfekte Pointe seiner Geschichte war! ;-)

Dieser Bayern-Fan, dem es wegen der permanenten Sonneneinstrahlung auf der Gegentribüne zu warm geworden war, lieh mir dann sogar noch für die letzten Minuten seine Dauerkarte, so dass ich zwischenzeitlich fast Höhe Mittellinie gesessen bin und die Schlussminuten dieses denkwürdigen Spiels aus der Nähe miterleben durfte.

Fast vierzig Jahre lang fahre ich zu den meisten unserer Spiele nach München und durfte nun, nach 1994 und 2010, erst den dritten Sieg live miterleben. Diese Zahlen belegen das historische Ausmaß, dass es dem VfB im hundertsten Bundesliga-Aufeinandertreffen zum allerersten Mal gelang, vier Tore in einem Spiel gegen die Bayern zu erzielen, untermauern dies ebenfalls.

Die Bayern hatten sicherlich nicht ihren allerbesten Tag und waren auch nicht mehr mit voller Konzentration bei der Sache. Dennoch gibt es am grandiosen Auftreten des VfB nichts kleinzureden. Der VfB fand gegen die langsam in die Jahre kommende Bayern-Abwehr das richtige Mittel und war vor dem Tor einmal mehr gnadenlos effizient. Dieser Sieg geht so oder so in die Geschichtsbücher ein, für diesen Sieg brauchen wir uns nicht zu entschuldigen.

Danach war kein Halten mehr. Die Bayern-Feierlichkeiten interessierten mich nicht mehr die Bohne. Wie Rumpelstilzchen hüpfte ich aus der Arena und fiel unzähligen Freunden und Bekannten um den Hals. Diesen phänomenalen Tag wird wohl keiner, der dabei war, jemals vergessen.

Der VfB schließt die Saison als Aufsteiger also auf einem hervorragenden siebten Tabellenplatz ab und ihm fehlen am Ende sage und schreibe gerade einmal noch vier Punkte zur Championsleague-Teilnahme. Wo diese vier Punkte liegengeblieben sind, darüber möchte ich jetzt überhaupt nicht anfangen zu schwadronieren, sonst kommt womöglich Trauer darüber auf, dass wir „nur“ Siebter geworden sind. ;-)

Meine Respektbekundung an Tayfun Korkut und dafür, was er kurzfristig aus der Truppe herausgeholt hat, ist oben nachzulesen. Mit dem Abpfiff der Saison zählen diese Meriten allerdings nicht mehr viel. Einen Trainer zu beurteilen geht frühestens, wenn er eine Saisonvorbereitung absolviert und erste Transfers getätigt hat. Noch immer bin ich skeptisch, ob Korkut den Jahreswechsel als VfB-Trainer erleben wird.

Nicht weil ich nach dieser starken Rückrunde an Korkut selbst zweifeln würde, nein, deshalb, weil wir über den VfB und die Charaktere in der Mannschaft sprechen. Die große Kunst von Korkut muss es weiterhin sein, Stimmung und Spannung hochzuhalten und nebenbei Ergebnisse liefern, damit das (schwierige) Umfeld ruhig bleibt. Dass es über weite Strecken der Saison nicht an der Qualität sondern vor allem an der Mentalität fehlte und zuletzt auch der zweite Anzug gut saß, macht Hoffnung auf eine entspannte Sommerpause. Ich gehe optimistisch in diese und würde mich ehrlich freuen, wenn Korkut weiterhin ein solch gutes Händchen haben würde, wie bisher. Mit einer Vertragsverlängerung, die über 2019 hinaus schon anstehen soll, würde ich allerdings erst noch bis nach dem stürmischen Herbst abwarten.

Ähnliches Glück wie Korkut lässt sich in der Rückrunde auch Michael Reschke bescheinigen. Wäre ihm das Experiment Korkut missglückt, wäre er zum Abschuss freigegeben gewesen. Mit den Erfolgen kehrte auch bei ihm eine Souveränität ein, die ich ihm nach seinen „Elefant im Porzellanladen-Auftritten“ im ersten halben Jahr seines Wirkens wahrlich nicht zugetraut habe.

Dass er nun am Montag, gerade einmal zwei Tage nach dem (Saison)finale furioso, zur Pressekonferenz lud und dabei sage und schreibe 7 ½ Personalentscheidungen verkündete, überraschte dann doch gewaltig. Fünf Neuzugänge, die Vertragsverlängerungen Jens Grahls und Emiliano Insúas sowie das Bekenntnis von Mario Gomez zum VfB hatte Reschke zu verkünden.

Chapeau, so früh war beim VfB noch keiner dran und die Namen der Neuen lesen sich interessant, soll es sich doch vor allem bei Sosa und Maffeo um international umworbene Top-Talente und die Zukunft für unsere Außenverteidigerpositionen handeln. Dass die VfB-AG dafür ordentlich Euros locker gemacht hat, geschenkt, wenn sie ihren Vorschusslorbeeren nur annähernd gerecht werden.

Im weiteren Verlauf der Transferperiode wird Reschke sicher auch noch mit dem einen oder anderen gestandenen Spieler aufwarten, abhängig davon, wer den Verein noch verlassen wird. Bislang habe ich bei den Planungen der kommenden Saison ein gutes Gefühl und würde Reschke nach seinem ersten Jahr und dem ungenügenden Beginn schon mal ein „befriedigend“ ins Zeugnis schreiben.

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15. April 2018

Fucking VfB-Gen

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 16:12

Spätestens seit der Wolf-Entlassung haben wir unseren alten VfB wieder. Hatte man unter Schindelmeiser und Wolf noch das Gefühl, die beiden würden den Verein auf links drehen und hatte man bei den meisten (Personal-)Entscheidungen den Eindruck, diese erfolgten zukunftsweisend und einem Plan folgend, kam mit Korkut ein Trainer, dessen beste Referenzen gewesen zu sein schienen, dass er in Cannstatt wohnt und sofort verfügbar war.

Zugegeben, der Start unter Korkut verlief verheißungsvoll. Binnen kürzester Zeit mutierten wir von einem Abstiegskandidaten gar zu einem Europaleague-Aspiranten. Mit einem gewissen Ehrgeiz und mehr Galligkeit wäre Platz sieben durchaus im Bereich des Möglichen gewesen.

Doch, Stichwort „alter VfB“, die Selbstzufriedenheit machte sich schneller wieder breit, als man gucken konnte. Einige Herren hielten es nach einem beachtlichen Zwischenspurt für angebracht, die Füße hochzulegen und, nachdem der Klassenerhalt so gut wie erreicht war, die Saison für beendet zu erklären. Dieses Minimalistendenken wird dem Verein wohl erst gänzlich ausgetrieben sein, wenn auch der Letzte der Ära Gentner seine Schuhe an den Nagel gehängt hat oder wenigstens seine ach so glorreiche Karriere in einer Operetten-Liga ausklingen lässt.

Dass ein Trainer stoisch an immer den gleichen 12, 13 Leuten festhält, die es ihm auf dem Rasen schon lange nicht mehr danken und andere wiederum trainieren können wie sie wollen und doch keine Chance erhalten, solang die Platzhalter einsatzbereit sind, ist für mich im Mannschaftssport Gift und jetzt schon wieder der Anfang von seinem Ende.

Bis die Stunde der Edelreservisten schlägt, werden die Guten den Verein frustriert verlassen haben und die Anderen den Trainer, der sie so lang links liegengelassen hat, im Regen stehen lassen, wenn er denn mal aufgrund von Personalmangels auf sie angewiesen sein sollte.

Auch da wünsche ich mir einen wie Hannes Wolf zurück, bei dem kein Automatismus auftrat, der Spieler nach herausragenden Trainingswochen mit Einsätzen belohnte und nach Länderspielpausen genau hinsah, wer in welcher Verfassung zurückkehrte und ob andere nicht doch frischer sind. Dass Wolf zuletzt glücklos war, sei dahingestellt. Er schaffte es aber, die Spannung hochzuhalten und jedem im Kader das Gefühl zu vermitteln, ein wichtiger Bestandteil des großen Ganzen zu sein und dass alle stets bereit sein mussten, könnte ihre Stunde doch jederzeit schlagen.

Gerade jetzt, wo einige im Kader wieder denken, einen Schritt weniger machen und sich nicht mehr neunzig Minuten lang konzentrieren zu müssen, müsste der Trainer dazwischen grätschen und genau hinsehen, wer in einer Saisonphase, in der es vermeintlich um nichts mehr geht, bereit ist, sich zu quälen. Ich schreibe, „vermeintlich um nichts mehr geht“, weil es natürlich noch um sehr viel geht. Jeder Tabellenplatz besser ist bei der Verteilung der Fernsehgelder Millionen wert, aber das scheint in die Hohlköpfe so manchen Spielers nicht hineinzugehen oder es ist ihnen egal, so lang ihr Gehalt auch weiter pünktlich auf dem Konto ist.

Ich bin übrigens keiner derer, die eine Europaleague-Qualifikation als zu früh angesehen hätten und den Spielern damit schon im Voraus ein Alibi für eine schlechte nächste Saison gegeben hätten. Europa kann nie zu früh kommen! Uns Fans würden internationale Touren eine schöne Abwechslung vom tristen Ligaalltag bescheren, dem Verein wären eine bessere Wahrnehmung über die Landesgrenzen und damit bessere Vermarktungschancen gewiss. Unter diesem Gesichtspunkt handeln diejenigen, die diese Saison seit geraumer Zeit einfach nur noch austrudeln lassen, höchst vereinsschädigend.

Korkut scheint das alles egal zu sein, schwadroniert er auch gestern wieder von der Ziellinie, die er bei vierzig Punkten sieht, und welche erst noch überschritten werden müsse. Nicht genug damit, dass wir es mit einem Haufen von Minimalisten auf dem Rasen zu tun haben, auch der Trainer ist mit dem Erreichen des Minimalerfolges zufrieden, so dass wir uns schon jetzt auf die restlichen vier Spiele freuen dürfen, in denen das Ziel vorgegeben zu sein scheint, noch ein Pünktchen zu ergattern, um endlich die in Stein gemeißelten vierzig Punkte unser Eigen nennen zu können.

Korkut setzt nach wie vor auf „Altbewährtes“ und traut sich nicht, das vermeintlich so erfolgreiche Ensemble, das die Gegner regelmäßig an die Wand gespielt hat, zu ändern. Die Verfassung seiner Lieblinge ist da völlig egal, Hauptsache das ach so stabile Gerüst wird nicht gesprengt. Dabei bleibt ihm leider verborgen, dass der Korkut-Code geknackt und sein Glück aufgebraucht ist. Es gibt wohl derzeit kein Team in der Liga, das leichter auszurechnen ist als der VfB. Ein guter Trainer erkennt das und überrascht sein Gegenüber dann auch mal mit taktischen oder personellen Kniffen, nicht so Korkut, der lieber auf Holz klopft und hofft, dass das Glück weiterhin hold sein möge.

Nicht nur die Startaufstellungen gleichen sich bis auf Nuancen immer, auch bei den Auswechslungen hat man den Eindruck, diese stünden bereits vorher fest und seien nicht dem Spielverlauf oder der Müdigkeit des einen oder anderen Protagonisten geschuldet. Diesbezüglich fühle ich mich in schlimmste Labbadia-Zeiten zurückversetzt.

Wieso nimmt er auch gegen Hannover Thommy, den Torschützen und einzigen wirklichen Kreativspieler raus und bringt den deutlich formschwächeren und langsameren Özcan? Und wenn ich Thommy schon auswechseln muss, weshalb nicht gegen Donis, der durch seine Schnelligkeit bei den sich bietenden Konterchancen Gold hätte wert sein können? Was hat Donis verbrochen, dass er seit dem Wolfsburg-Spiel überhaupt keinen Einsatz mehr zu verzeichnen hatte?

Weshalb muss immer Thommy weichen und nicht beispielsweise Ginczek, der ab Minute fünfzig regelmäßig platt wirkt? Traut sich da einer an vermeintlich größere Namen nicht heran? Ist es Dankbarkeit derer gegenüber, die Wolf abgeschossen, sich dann unter Korkut zunächst zusammengerissen und ihm zu einem Traumstart verholfen haben? Ist es Zufall, dass der VfB mittlerweile Woche für Woche die älteste Startelf seit zwölf Jahren aufbietet? Wo ist der Jugendstil geblieben, wo die Nachhaltigkeit, wo der Plan für die Zukunft? Wie vor dem Abstieg auch, graut es mich gewaltig vor der nächsten Saison, weil (noch) nichts darauf hindeutet, dass sich das Gesicht (und damit auch die Mentalität) der Mannschaft entscheidend verändern wird.

Zunächst wurden beim gestrigen Spiel Konterchancen, bei denen Insúa als unser vorderster Spieler fungierte, leichtfertig verschenkt um, je näher es auf das Spielende zuging, immer weniger am Spiel teilzunehmen, Bälle nur noch blind nach vorne zu schlagen und somit um den Ausgleich zu betteln.

Dieser fiel dann auch folgerichtig in der Nachspielzeit und war schon allein deshalb verdient, weil der VfB sich den Sieg durch zu viel Passivität nicht verdient hatte. Der eine oder andere wird vielleicht jetzt noch wegen dem späten Ausgleich rumheulen und den Fußballgott verfluchen, für mich bekam der VfB genau das, was er sich durch seine mitunter destruktive Spielweise selbst zuzuschreiben hatte.

Ob sich der VfB einen Gefallen damit getan hat, den jungen und erfrischenden VfB unter Hannes Wolf gegen den biederen unter Korkut einzutauschen, wird man sehen. Fallen Blätter, fallen Trainer, derzeit kann ich es mir nicht vorstellen, dass Korkut zum Jahreswechsel noch VfB-Trainer ist.

Ich möchte jetzt nicht den Stab über den Trainer brechen. Nach Wolf, der das Team so böse intellektuell überfordert hatte, hätte wohl jeder kommen und kurzfristigen Erfolg gehabt. Bestimmte Spieler sind das Problem, nicht der Trainer. Diese haben die Macht und wenn vermeintliche Führungsspieler den Daumen für einen Übungsleiter senken, muss dieser eben gehen, so ist das Geschäft. Trennt man sich von diesen Spielern nicht über kurz oder lang, befinden wir uns wieder in genau der Endlosschleife, in der wir schon vor Hannes Wolf gefangen waren.

Noch kann ich nichts darüber sagen, für welchen Fußball Tayfun Korkut steht und wie er sich sein Team der Zukunft vorstellt. Übernimmt man mitten in der Saison und hat weder eine Vorbereitung noch eine Transferphase, ist ein Trainer zum Verwalten der Missstände verdammt und kann wenig beeinflussen. Daher wird es im Sommer interessant sein zu beobachten, ob er gewillt ist, die wirklichen Probleme konsequent und ohne Sorge um sein Standing im Team zu beheben oder ob es ihm, wie einem Politiker, in erster Linie darum geht, die „wichtigen“ Leute hinter sich zu scharen, um an seinem Sessel zu kleben. Der Hausmacht, die einige Leute haben und die es ihnen erlaubt Trainer um Trainer zu verschleißen, muss ein Ende gesetzt werden. Korkut oder sein Nachfolger benötigen dafür im Verein die Unterstützung und den Rückhalt, welche Schindelmeiser und Wolf nicht gegeben war. Dürfen sich weiter Spieler „oben“ ausweinen und Trainer weg mobben, wenn sie ihren Status als gefährdet ansehen, wird sich beim VfB nie etwas ändern.

Es gilt, dieses unsägliche VfB-Gen loszuwerden, welches immer dann im Weg steht, wenn die Möglichkeit bestünde, den nächsten Schritt zu gehen. Diese Selbstzufriedenheit kotzt mich an.

Manch einer beweihräuchert sich wohl noch immer selbst, weil man in der Vorwoche beim 0:3 in Dortmund eine halbe Stunde gut mitgespielt hat. Doch, wie sah das gut mitspielen denn aus? War es nicht etwa so, dass man sich gegen einen maximal verunsicherten Gegner an Ballbesitz ergötzte, ohne das gegnerische Tor auch nur einmal ernsthaft in Gefahr zu bringen? Ohne dass der gegnerische Torwart auch nur einmal eingreifen musste? Ist es schon das, nach dem wir streben, dass wir den Ball in den eigenen Reihen halten, den eigenen Torwart mehr ins Spiel einbeziehen als unsere Stürmer und damit zufrieden sind, dass in dieser Zeit Dortmund auch nichts gemacht hat?

Fußball ist Ergebnissport, unterm Strich stand ein 0:3, mit dem man noch gut bedient war, wenn der erste (echte) Torschuss erst gegen Ende der Partie zu verzeichnen war, als man schon aussichtslos zurück lag.

Holger Badstuber prangerte die Missstände hinterher an und bekam in den einschlägigen Foren und Facebook-Seiten ordentlich Prügel dafür. Was erlaubt sich schon einer, der (ehrlich) kommuniziert, dass er wieder Championsleague spielen möchte und der VfB daher nur eine Durchgangsstation für ihn sein könnte? Einer, bei dem die eigene Leistung an diesem Tage auch zu wünschen übrig ließ?
So der Tenor im Netz. Dass Badstuber in einem Formtief steckt und, wie Zieler, maßgeblich mitverantwortlich für das gestrige Gegentor waren, geschenkt. Beider Wert in dieser Saison ist nicht hoch genug einzuschätzen, etliche Zu-Null-Spiele sprechen Bände. Daher empfinde ich es als ungerecht, auf die beiden, oder, um zum Thema zurückzukehren, Holger Badstuber einzudreschen. Selbst, sollte es bei einem einjährigen Intermezzo beim VfB bleiben, handelte es sich um eine Win-Win-Situation und beide Seiten hätten stark voneinander profitiert.

Ich hätte gerne ein Team mit elf Typen vom Schlage eines Holger Badstuber. Während viele ihn wegen seiner Bayern-Zeit und dem implementierten Bayern-Gen verfluchen, ist er für mich, zumindest wegen Letzterem, so wertvoll. Das fucking VfB-Gen habe ich oben beschrieben, das Bayern-Gen ist das krasse Gegenteil davon und äußert sich darin, dass Badstuber einer ist, der nicht verlieren kann und den Niederlagen extrem nerven.

Mir ist ein ehrgeiziger Spieler wie Badstuber tausend Mal lieber als der selbstgefällige Rest, der schon damit zufrieden ist, im Westfalenstadion nicht ganze neunzig Minuten an die Wand gespielt worden zu sein, sondern „nur“ sechzig.

Außer der Generalkritik, dass man leichtfertig die Chance zu punkten liegengelassen habe, wird Badstuber auf kicker.de wie folgt zitiert: “Wir müssen den nächsten Schritt machen, auch fußballerisch. Nur lange Bälle zu spielen, ist nicht das, was Sinn macht, und was unsere Entwicklung sein sollte. Irgendwann müssen wir mehr spielen. Aber das ist ein Prozess und kommt mit Erfolgen und positiven Ergebnissen.” Für mich klingt das nicht so, als ob Badstuber mit dem VfB abgeschlossen habe und eine Ausweitung seines Engagements ausgeschlossen sei. Eher im Gegenteil, wenn er kurz vor Saisonende eine weitere Entwicklung erwartet, kann er ja fast nur die kommende Saison meinen. Mit solchen Erwartungen setzt Badstuber zweifellos Reschke und die Vereinsführung unter Druck. Diese muss jetzt Farbe bekennen, auf welche Seite sie sich schlägt. Setzt man auf ehrgeizige Spieler mit Klasse oder auf jene vermeintlichen hundertprozentigen VfBler, weichgespült und mit dem fucking VfB-Gen behaftet.

Einem Spieler wie Badstuber, das unterstelle ich einfach mal, geht es bei einer Vertragsverlängerung mit dem VfB nicht ausschließlich um Geld. Sollte ein wirklich großer und ambitionierter Verein bei ihm anklopfen, ist es klar, dass der VfB schlechte Karten hätte. Aufgrund seiner Verletzungshistorie und seines Alters aber werden solche Vereine nicht Schlange stehen. Daher dürfte es Badstuber um die Perspektive seines künftigen oder weiteren Arbeitgebers gehen. Reschke und Dietrich werden Badstuber glaubhaft aufzeigen müssen, wie sie sich den VfB der kommenden Saison vorstellen und welche Rolle Badstuber zugedacht ist. Klingt das alles dann nicht nach einem ausgeklügelten und realistischen Plan sondern eher nach einem „weiter so“, dürften die Zeichen sicher auf Abschied stehen, wer will es ihm dann aber auch verdenken?

Auf die letzten vier Saisonspiele habe ich schon jetzt keine große Lust mehr. Wie immer freue ich auf das Drumherum und die vielen Weggefährten bzw. Leidensgenossen, nicht aber auf die trostlosen Veranstaltungen auf dem Rasen. Die Saison plätschert ihrem Ende entgegen, in einer schwachen Liga reichen größtenteils schwache Darbietungen zum sicheren Klassenerhalt, was nicht für den deutschen (Liga-)Fußball spricht.

Zum Schluss noch die Erklärung, weshalb ich mich auf meinem Blog zuletzt sehr rar mache. Es hat nichts damit zu tun, dass mir zum VfB nichts mehr einfallen würde, sondern schlicht und ergreifend, dass ich seit August aufgrund von Krankheit Einzelkämpfer im Geschäft bin und abends nur noch selten einen Kopf zum schreiben habe. Auf Facebook unter https://www.facebook.com/frankysstadionpics/ gebe ich öfter ein Statement ab als im Blog, liken und reinschauen lohnt sich also.

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13. Februar 2018

Brustring-Burnout

Diese Begrifflichkeit stammt nicht von mir, sondern von einem sehr geschätzten Freund und Allesfahrer-Kollegen, der keinen Bock mehr hat und es ernsthaft erwägt, sich künftig anderen Dingen zu widmen, als ständig dem Brustring hinterher zu fahren.

Vergleiche zu schlimmen Krankheiten sollte man im Sport zwar nicht unbedingt ziehen und doch passen sie manchmal ganz gut. Schon die Jahre vor dem Abstieg verglich ich mit dem Dahinsiechen eines todkranken Patienten an lebenserhaltenden Maschinen und empfand es als pure Erlösung, als durch den Abstieg endlich der Stecker gezogen wurde. Der Burn-out per Wort-Definition bedeutet, „die innere Flamme erloschen, ausgebrannt“, was sich schon irgendwie auch auf meine Gefühlswelt in Bezug auf den VfB übertragen lässt.

Selten saß ich derart emotionslos im Stadion wie am Sonntag, selten kam nach einem dreckigen Arbeitssieg so wenig Freude auf, wie nach dem für die Tabelle so wichtigen Dreier gegen die Elf vom Niederrhein.

Dass es vielen meiner Freunde und Bekannten ähnlich geht und das Davor und Danach wichtiger ist als das Spiel, unterstreicht, dass ich mit meinen Empfindungen nicht alleine da stehe. Kaum einer hat mehr richtig Lust, nach dem Vorglühen den Fußmarsch von Bad Cannstatt zum Neckarstadion anzutreten, manch einer bleibt an den auf dem Weg liegenden Gastronomiebetrieben hängen und schaut sich den Kick lieber im Warmen und vorm Fernseher an.

Ganz so weit ist es bei mir noch nicht gekommen, wenngleich ich zugeben muss, dass es mehr die Lust am Knipsen ist, die mich stets pünktlich erscheinen lässt, als die Anwesenheit der Millionäre in kurzen Hosen.

Die Kurve, der (für mein Empfinden noch zu stille) Protest, die Choreographien, die Fahnen, die Gesänge, all das macht für mich das Stadionfeeling aus. Vorbei sind die Zeiten, als noch ein Team auf dem Rasen stand, das sich in jedem Spiel für den Brustring zerrissen hat, das den Funken vom Rasen auf die Ränge überspringen ließ und selbst die Haupt- und Gegentribünen-„Bruddler“ zu Gesängen und rhythmischem Klatschen animierte. Die Spiele sind selten vergnügenssteuerpflichtig, ein, zwei ernstzunehmende Torabschlüsse im gesamten Spiel sind keine Seltenheit. War es schon immer Usus beim Fußball, den Protagonisten auf dem Rasen durch Pfiffe seinen Unmut zu zeigen, durch Raunen technische Unzulänglichkeiten zu kommentieren und gute Leistungen mit Beifall zu belohnen, ist die Spezies Fußballprofi der Gegenwart zunehmend verweichlicht und kritikresistent.

Ein Daniel Ginczek kritisierte nach dem glanzlosen Sieg gegen schwache Gladbacher die Zuschauer, weil sie Andi Becks tölpelhafte Einlagen nicht noch mit Beifall bedachten, Kapitän Gentner hält seine Schäfchen nach desaströsen Auftritten wie in Mainz davon ab, sich der Kurve zu stellen. Eigentlich reden wir doch von Männersport und nicht von Memmensport!

Die Spieler, die in ihrer eigenen Schein- und Glitzerwelt leben, sehen sich hier noch als Opfer, ungeachtet dessen, welche Opfer die Leute in der Kurve Woche für Woche bringen. Ein wenig mehr Fan-Nähe oder Besuche beim normalen Arbeitnehmer täte dem einen oder anderen ganzen ganz gut.

Dass sich der Fußball mehr und mehr von seiner Basis entfernt, ist nicht nur den Begleiterscheinungen wie ausgeprägter Medienpräsenz und engem Terminplan geschuldet. Die Spieler werden in Watte gepackt und über ein vertretbares Maß hinaus abgeschottet. Öffentliche Trainings gab es unter Hannes Wolf fast keine mehr und wenn, höchstens unter der Woche vormittags, dass ja keiner auf die Idee kommt, vorbei zu kommen. Im Trainingslager in La Manga ging es so weit, dass selbst die 30-40 Leutchen neben dem Trainingsplatz als lästig und störend empfunden wurden. Wenn man das so alles mitbekommt, ist es für mich überhaupt nicht mehr verwunderlich, dass es auch keiner mehr hinbekommt, vor 60.000 Zuschauern den Ball aus elf Metern im Netz zu versenken.

Das bedingt nämlich in erster Linie Nervenstärke, das Fokussieren auf seine eigenen Stärken und das Ausblenden störender Nebengeräusche. Wer da schon im kleinen Rahmen ein Alibi geliefert bekommt, dann gute Nacht beim Ernstfall!

Früher, durchaus auch schon zu Zeiten, in denen der eine oder andere Fan meinte, die Spieler über ein normales Maß hinaus vereinnahmen zu müssen, gehörte das für die Profis dazu.

Nach erfolgreichen Spielen konnte man auf Heimfahrten von Auswärtsspielen auf den Rasthöfen der Republik schon mal den Mannschaftsbus treffen und mit den Spielern ein Bierchen trinken. Es gab noch den Wasen-Tag, an dem sich die Spieler auf dem Volksfest unters Volk mischten, die OFC-Weihnachtsfeier war ein Highlight und nicht zuletzt der Herbstball in der Liederhalle, bei dem man in feiner Garderobe mit Spielern und Spielerfrauen das Tanzbein schwingen oder sich an der Bar austauschen konnte. Mit ein bisschen Willen zur Volksnähe wären solche Events auch heute noch machbar und würden zum gegenseitigen Verständnis beitragen.

Dann würden die Spieler vielleicht sogar kapieren, dass Emotionen, positive wie negative, zum Fußball dazu gehören und dass sie froh sein können, dass die Leute überhaupt noch Emotionen zeigen. Wenn die Leute pfeifen, sind sie bei der Sache und es ist ihnen nicht egal, was auf dem Rasen passiert. Ich habe nicht gepfiffen, was aber durchaus daran liegen könnte, dass die Luft bei mir einfach raus ist.
Ihren guten Anteil an der Abschottung des Trosses vor dem Fußvolk dürften die Laptop-Trainer haben, die jedwede Ausreißer aus ihrem auf dem Reißbrett entworfenen Plan, als kontraproduktiv ansehen. Schließlich beginnt für sie die Vorbereitung aufs nächste Spiel mit dem Abpfiff des vorigen.

Die Mannschaft braucht sich über mangelnde Unterstützung überhaupt nicht zu beklagen. Für meinen Geschmack kommt sie noch viel zu gut weg, nachdem sie erneut einen Trainer im Regen stehen gelassen hat und nach dem Trainerwechsel wieder fein raus. Ginge es nach mir, gäbe es einen Stimmungsboykott bis Saisonende, weil ich persönlich nicht bereit bin, so schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen.
Der Verein (bzw. die AG) machte seit der Ausgliederung so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte. Die Gesichter der „Make VfB great again“-Veranstaltungen, Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, die für DEN neuen VfB standen, hat man entsorgt und gegen den in die Jahre gekommenen und erstmals im Rampenlicht stehenden Reschke und die personifizierte Erfolgslosigkeit auf dem Trainer-Karussell, Tayfun Korkut, ausgetauscht hat.

Statt jungen, dynamischen, hoffnungsvollen und entwicklungsfähigen Talenten, denen man Fehler verziehen hat, setzt Reschke auf Alt-Stars, die dem Spiel und erst recht dem Gehaltsgefüge nicht guttun und zudem keinerlei Wiederverkaufswert haben. Es ist kein Plan erkennbar. Wir drehen uns im Kreis und dürften im Sommer erneut vor einem Umbruch stehen. Geduld ist eine Tugend, die beim VfB nicht gefragt ist. Anstatt ein Pflänzchen wachsen zu lassen und auch Täler zusammen zu durchschreiten, wurden Hoffnungsträger entlassen und durch schnell realisierbare Notlösungen ersetzt. Planvolles Handeln sieht anders aus!

Mit dem Beerdigen des Traums eines neuen VfB kam meine Gleichgültigkeit und innere Leere, was den VfB betrifft. Derzeit ist es mir sogar völlig egal, ob der VfB die Klasse hält oder absteigt.
Mein Ärger richtet sich auch nicht gegen Tayfun Korkut, der für die Entwicklungen nichts kann. Jeder andere Trainer hätte es bei mir nach Hannes Wolf genauso schwer gehabt, weil der VfB durch das Abrücken des im Zuge der Ausgliederungs-Werbetour propagierten Stuttgarter Weges nicht nur einmal falsch abgebogen ist, sondern sich auf einem nicht hinnehmbaren Irrweg befindet.

Ein patriarchischer Präsident wie Wolfgang Dietrich, der schwaches Personal um sich schart, um in Angelegenheiten rein reden zu können, von denen er nichts versteht, lässt kaum eine Gelegenheit aus, die Tradition des Vereins hervorzuheben und Zusammenhalt zu beschwören.

Dabei ist es doch er selbst, der über Leichen geht, die Fangemeinde gespalten hat und die Unzufriedenheit der Mitglieder nicht ernst nimmt.

Sein Sportdirektor Michael Reschke wäre nach unzähligen Verfehlungen, getätigter und nicht getätigter Transfers, im Grunde nicht mehr zu halten, aber dann müsste sich Herr Dietrich ja einen Fehler eingestehen.

Geradezu grotesk, sein Versuch mittels offenen Briefes die Mitglieder zum Zusammenhalt zu beschwören. Wie oft haben wir diese Leier in den letzten Jahren gehört, was hat sich seither zum Positiven verändert? Nichts, um genau zu sein. Das ist ein weiterer erbärmlicher Versuch, endlich Ruhe in den Laden zu kriegen, um genauso weitermachen zu können. Normalerweise dürfte keine Ruhe einkehren, bis sie vom Hof gejagt sind.

Stattdessen sonnt sich der Sonnenkönig gerne im Kreise von Helden früherer Tage, am Sonntag denen von 2007. Leider lief mir auf der Haupttribüne keiner über den Weg, ein Foto mit Pavel Pardo oder auch mit Marco Streller hätte ich gerne gemacht. Letzterer macht übrigens einen hervorragenden Job als Sportdirektor des FC Basel, der hätte gerne schon mal hier bleiben dürfen.

Ebenfalls dabei, natürlich, Timo Hildebrand. Für mich kommt es äußerst peinlich rüber, wie er sich beim VfB einzuschleimen versucht. Wirbt letztes Jahr für die Ausgliederung, wird aber erst kürzlich, natürlich medienwirksam, VfB-Mitglied.

Lächerlicher und unglaubwürdiger geht es kaum, aber, auch hier wird wieder deutlich, Dietrich ist es vollkommen egal, wen er vor den Karren spannt, Hauptsache derjenige nützt ihm kurzfristig.
Hildebrand biedert sich also beim VfB an, jetzt, nach Karriereende, wollen sie halt alle irgendwie unterkommen. Bei mir ist er allerdings noch immer unten durch. Natürlich ist seine Parade in Bochum auf dem Weg zum Titel unvergessen, natürlich stand er lange Zeit, wie andere auch, für die Jungen Wilden und natürlich hält er noch immer den Rekord an Minuten ohne Gegentor.

Dass er Jahr für Jahr ein Wechseltheater sondergleichen vollzog und man am Ende wirklich froh sein konnte, als sein Wechsel nach Valencia endlich feststand, scheinen die meisten, die ihm heute noch huldigen, vergessen zu haben.

Soll er doch in Hoffenheim anheuern. Beim Trainingslager 2009 in Leogang, als sowohl der VfB als auch Hoffenheim dort ihre Zelte aufschlugen, war es ihm vor seinen Mannschaftskollegen sichtlich peinlich, von uns VfBlern begrüßt zu werden, so dass er verschämt wegschaute, während andere, wie Tobi Weis und Andi Beck, von unserer Freundlichkeit angetan waren und für einen Smalltalk stehen blieben.
Doch, zurück zur Aktualität! Korkut legte einen Start nach Maß hin, wie aussagekräftig dieser nach Spielen gegen schwache Wolfsburger und Gladbacher ist, wird sich zeigen.

Außer, dass Korkut gegen Gladbach mit einer Doppelspitze und damit offensiver als Hannes Wolf agieren ließ und es Thommy in die erste Elf geschafft zu haben scheint, hat sich personell wenig verändert. Man ist geneigt zu sagen, der Mannschaft wurde durch den Trainerwechsel das Alibi genommen, weshalb die Einstellung und die Bereitschaft des Füreinander Kämpfens besser geworden sind. Spielerisch liegt nach wie vor fast alles im Argen, gerade einmal zwei Torchancen in 90 Minuten sprechen Bände.

In der fünften Minute ging der VfB durch den einzigen sehenswerten Angriff und nach einer Stafette über Gentner, Gomez bis hin zu Ginczek in Führung. In der Folgezeit hatte Gladbach zwar fast 70% Ballbesitz, brachte die Zehnerkette des VfB aber selten in Verlegenheit. Wenn man am Ende gewinnt, hat man zwar letztlich alles richtig gemacht, ob es das aber wert ist, die Zuschauer noch mehr zu vergraulen, steht auf einem anderen Blatt. Schon am Sonntag waren deutliche Lücken in der doch eigentlich ausverkauften Cannstatter Kurve zu sehen, was den Schluss zulässt, dass sich viele schon abwenden.

Wer diese Stammgäste dann auch noch mit Scheinargumenten kritisiert, wie, „es war doch klar, dass wir als Aufsteiger gegen den Abstieg kämpfen“, hat den Schuss nicht gehört.

Keiner erwartet, dass der VfB sofort wieder oben angreift, jedem ist bewusst, dass das Saisonziel einzig und allein der Klassenerhalt ist. Die Unzufriedenheit liegt darin, dass der VfB sämtliche Pläne des vergangenen Sommers ad acta gelegt hat und wieder ein (austauschbarer) Bundesligist wie jeder andere geworden ist.

Was ist unsere Identität, für was steht der VfB noch, abgesehen von den guten alten Zeiten? Wird alles dafür getan, jungen Hoffnungsträgern wie Santiago Ascacibar und Benjamin Pavard ein Umfeld und ein Team zu bieten, in dem sie sich wohl fühlen und mit dem sie daran glauben, ihre persönlichen Ziele zu erreichen?

Oder werden sie nicht eher durch das permanente Chaos im Club vergrault, so dass sie das Weite suchen und was uns am Ende erhalten bleibt, sind jene Spieler, die beim VfB ihr Gnadenbrot bekommen?
In Augsburg hängen die Trauben traditionell für den VfB hoch, positiv schon im Vorfeld, egal wie es ausgeht, der Trainer dürfte auch am Montag noch der Gleiche sein.

Was mich angeht, werde ich ähnlich emotionslos hinfahren, wie ich schon die Fahrt nach Wolfsburg angegangen bin. Ich freue mich auf die (leider viel zu kurze) Busfahrt und die Leidensgenossen vom Fanclub und hoffe auf eine gute Perspektive im Stadion, die auf der Haupttribüne in Reihe 1 gegeben sein sollte.

Da es bei den bayerischen Schwaben im Gästebereich traditionell „bleifrei“ gibt, ist es sicher von Vorteil im neutralen Bereich zu verweilen und sich den Auftritt der Brustringträger versuchen schön zu trinken. Das alles ist für mich schon mehr als die halbe Miete für einen gelungenen Fußballnachmittag, ganz egal welches Ergebnis am Ende auf der Anzeigetafel steht. Das ist mir nämlich mittlerweile ziemlich gleichgültig geworden.

Eine positive Nachricht ereilte uns dann unter der Woche doch noch. Die Amateure werden auch in der nächsten Saison fortbestehen. Zwar unter dem Mantel einer U21, aber, immerhin. In der Regionalliga, und hoffentlich eines Tages auch wieder in der 3. Liga, findet man ihn noch, den ehrlichen Fußball in heruntergekommenen Stadien und vor leidenschaftlichen Fankurven.

Geht die Entwicklung im Milliardengeschäft so weiter, lenkt die DFL nach den bundesweiten Protesten nicht ernsthaft ein und wird man vom Verein weiterhin nur für dumm verkauft, wäre es eine Option, nur noch zu den Amas zu gehen und den Profifußball, mit all seinen unangenehmen Begleiterscheinungen, irgendwann links liegen zu lassen.

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31. Januar 2018

Selbstmord!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 20:17

Reges Treiben, landauf, landab. Deadline-Day! Für alle Vereine die finale Möglichkeit, ihre Kader zu bereinigen. Perspektivlose Spieler abzugeben oder neue zu holen, um auf Verletzungen, personelle und positionelle Defizite im Kader zu reagieren.

Alle Manager und Sportdirektoren der europäischen Fußballvereine hektisch in Aufruhr. Alle? Nein, von Michael Reschke hörte man nichts (ist sowieso besser so) und sah auch nichts.

Gerüchten zufolge feiert er noch immer die gelungene Korkut-Verpflichtung und hat in der Folge Aspirin mit Schlaftabletten verwechselt.

Für mich haben mit dem heutigen Tage die Planungen für die 2. Liga begonnen.

Zu schwach präsentierte sich der Kader, der laut Reschke, „stark genug ist“, zu stümperhaft muteten die Offensivbemühungen über weite Strecken der bislang gespielten Partien an.

Da keiner mehr kam, der den tödlichen Pass spielen und Standards schlagen kann, habe ich null Komma null Hoffnung, dass das Team mit neuem Trainer plötzlich torgefährlicher wird, ohne sich hinten die Bude voll hauen zu lassen.

Planung für die 2. Liga bedeutet auch, dass man das Unternehmen zwingend ohne den Hauptverantwortlichen, Michael Reschke, angehen muss.

Was hat dieser so hochgelobte Perlentaucher bislang für den VfB geleistet? Überhaupt nichts! Auf seine Transfers wäre jedermann gekommen, alternden Ex-Größen viel zu hohe Gehälter bezahlen, das hätte mit den Daimler-Millionen auch jeder geschafft.

Die einzige Nachhaltigkeit, die in seinem Handeln zu erkennen ist und an die man sich später mal an ihn zurückerinnern wird ist, dass er es in gut sechs Monaten geschafft hat, aus einem von riesengroßer Euphorie getragenen stolzen Club die Lachnummer Fußball-Deutschlands zu machen.

Das hat zunächst einmal überhaupt nichts mit der Korkut-Verpflichtung zu tun. Durch Reschkes Interviews, angefangen, die Kunden des Vereins, die nicht seiner Meinung sind, als ahnungslose Vollidioten abzustempeln, über peinliche Interviews bis hin zu mangelnder Unterstützung und das Untergraben der Autorität von Hannes Wolf.

Reschke wird wohl als erster Sportdirektor der VfB-Historie in die Annalen eingehen, der nach nahezu jedem Interview eine Klarstellung hinterher schieben muss, in der er beteuert, das alles doch nicht so gemeint zu haben.

Ich war 1974 das erste Mal im Stadion und gehe seit der Saison 1976/1977 regelmäßig zum VfB. In meinen gut 40 Jahren fällt mir keine peinlichere Person in tragender Rolle ein. W. S. aus KA war ein anderes Thema, weil bereits vorher verhasst. An Reschke ging man unbelastet an und erhoffte sich was von ihm, weil er, zumindest im Scoutingbereich, mal eine Größe gewesen sein soll.

Reschke hat überhaupt nichts für den VfB geleistet, so dass er wegen seiner miserablen Außendarstellung inzwischen wohl von den meisten Mitgliedern zum Teufel gewünscht wird.

Dieser Mann schadet dem VfB in noch nie dagewesener Weise. Ob es Präsident Dietrich mittlerweile ähnlich sieht, oder ob es Zufall ist, dass er Reschke in seiner gestrigen Mail an alle Mitglieder mit keiner Silbe erwähnt hat? Selbst, wenn Dietrich sich (oder den Mitgliedern) seinen Fehler, ein funktionierendes Konstrukt Schindelmeiser/ Wolf zu Gunsten dieser für diesen Posten absolut ungeeigneter Person auseinander gerissen zu haben, nicht eingestehen möchte, dürften ihm die Sponsoren langsam in den Ohren klingen. Eine gute Außendarstellung des Vereins ist für diese schließlich von eminenter Bedeutung und zudem Vertragsgrundlage.

Meine Kritik an Reschke hat ausdrücklich mit der Verpflichtung von Tayfun Korkut nichts zu tun.

Dass man im ersten Moment erstaunt, geschockt, ja entsetzt gewesen ist, wen wundert es, wenn man DAS Superhirn der Liga in den Reihen hat, manch einer wegen seiner „guten“ Beziehungen von Thomas Tuchel geträumt hat und dann steht plötzlich Korkut vor der Tür.

Dass Reschke dann auch noch weismachen möchte, dies sei sein Wunschtrainer, spottet jeder Beschreibung. Die Medien decken derzeit nach und nach Unwahrheiten auf, die Reschke im Laufe seiner Amtszeit von sich gegeben hat, auch da sollte sich der VfB Gedanken machen, ob es förderlich ist, einen Sportdirektor zu beschäftigen, dem man kein Vertrauen entgegen bringen kann.

Aus diesen Gründen und weil der VfB es geschafft hat, binnen kürzester Zeit zum Chaosverein zu mutieren, ist es nicht verwunderlich, dass andere Trainer als Korkut gleich abgewunken haben, weil sie entweder noch von gut dotierten Verträgen zehren oder eben lapidar ihren eigenen Ruf beim VfB nicht ruinieren möchten. Wer möchte sich dieses Kasperletheater auch antun, wenn er nicht gerade in größter Not ist, oder eben eh schon in Cannstatt wohnt.

Tayfun Korkut gebe ich wie jedem Neuen, die Chance sich zu beweisen. An ihn gehe ich so unvoreingenommen wie möglich ran, schließlich kann er ja nichts dafür, dass Reschke ihn angerufen hat.

Ein bisschen Leid tut er mir jetzt schon. Die Häme, die wegen der Verpflichtung durch die sozialen Netzwerke geisterte, hat kein Mensch verdient.

Ich denke, den meisten ging es dabei wie mir, dass man die Wolf-Entlassung noch nicht richtig verdaut hatte und die überraschende Verpflichtung Korkuts den Groll gegen unsere Vereinsführung explodieren ließ.

Ich verstehe die Leute durchaus, die die Entlassung Wolfs als alternativlos angesehen haben. Es lässt sich nicht verleugnen, dass kaum ein Spiel in dieser Saison gut anzuschauen war, dass übervorsichtig agiert wurde und die Aufstellungen oft fragwürdig waren.

Ich nehme Hannes Wolf trotzdem in Schutz, weil es zwischen ihm und Reschke von Anfang an nicht passte. Weil Reschke mit lahmen Enten wie Aogo und Beck daher kam, die den Fußball, den Wolf am liebsten spielen lassen würden, ad absurdum führten.

Herrscht zwischen Trainer und Sportdirektor ein derart frostiges Verhältnis, wie es wohl gewesen sein soll, muss einer von beiden entlassen werden. Schade, dass es Hannes Wolf traf.

Der Obergipfel und doch VfB-typisch wäre es, jetzt, nach Schließen der Transferperiode und wo nicht mehr gegengelenkt werden kann, Reschke zu beurlauben. Rauscht es weiter so schön im Blätterwald, könnte dieses Kapitel nämlich bald wieder beendet sein.

Tayfun Korkut indes kann jetzt nur gewinnen. Entweder er bestätigt den Ruf des „Ein Punkt pro Spiel im Schnitt“-Trainers, dann steigt der VfB ab und sein Ruf wäre nicht schlechter als vorher. Oder aber er überrascht alle und eilt von Sieg zu Sieg mit der Mannschaft.

Ich kann mir Letzteres nicht vorstellen. Die eklatant schlechte Kaderzusammenstellung wurde nicht im Ansatz korrigiert, zudem hat er es mit den selben Herren Profis zu tun, die zuletzt nicht nur schlechte Leistungen dargeboten haben, sondern es auch an der Einstellung vermissen haben lassen.

Schlimm wäre es, wenn Korkut wenig ändern würde und sich die Spieler auf dem Platz plötzlich zusammenreißen würden, weil die Ansprache von Korkut eine bessere ist als die von Wolf, er gut riecht oder ihnen nicht ganz so viel abverlangt, wie es Hannes Wolf getan hatte.

Dann ginge es in die Richtung, dass das Team gegen Wolf gespielt hätte und den Verein ein Stück weit sehenden Auges ins Chaos gestürzt hätte. Daher hoffe ich fast, dass sie einfach so scheiße sind, wie man sie im Laufe der Saison fast ausschließlich gesehen hat und es dann eben runter geht.

Ein Gutes hätte ein neuerlicher Abstieg nämlich bestimmt. Ein Dietrich und erst recht ein Reschke wären beim VfB nicht weiter vermittelbar, die AG würde kleinere Brötchen backen und der VfB bekäme nach dem Abstieg die zweite Chance zur Konsolidierung und zum Aufbruch in eine goldene Zukunft.

Die erste hat man am Tag der Schindelmeiser-Entlassung verschenkt, der zweite Versuch klappt dann bestimmt. Mir geht es nämlich momentan ähnlich wie 2016, als wir im Abstiegskampf steckten: vor einem weiteren Bundesligajahr mit dann gleicher Konstellation habe ich mehr Angst als vor der 2. Liga.

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28. Januar 2018

Ich hab die Schnauze voll!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 21:42

Ich muss es zugeben, große Teile dieses Berichts habe ich nach Mainz geschrieben, war dann aber unsicher, ob ich mit der Forderung, dass nach gerade einmal zwei Rückrundenspielen, von denen eines auch noch gewonnen wurde, Köpfe rollen müssen, nicht unnötig zur allgemeinen Unruhe beitragen und zusätzliches Öl ins Feuer gießen würde. Also, wollte ich das Schalke-Spiel noch abwarten, nachdem die Woche über ja viel geredet und Besserung gelobt wurde.

Was das Labern gebracht hat und dass das Spiel gegen Schalke eine nahtlose Fortsetzung des Mainz-Desasters wurde, wissen wir mittlerweile. Meine Forderung nach dem Rollen von Köpfen zielte darauf ab, dass Reschke und Wolf zusammen nicht funktionieren und demzufolge einer von beiden gehen muss, am liebsten der Herr Sportdirektor.

Hannes Wolf hat sicher in letzter Zeit Fehler gemacht und wirkte zunehmend ratlos. Er war jedoch die Geisel der Entwicklung der letzten Monate und Opfer dessen, dass man ihm einen Sportdirektor vorgesetzt hat, mit dem die Chemie nicht stimmte.

War es mit Schindelmeiser eine fruchtbare Zusammenarbeit und war es Schindelmeiser stets bewusst, dass er einen im Profi-Geschäft noch unerfahrenen Trainer auf den Wasen geholt hat, wusste Schindelmeiser Wolf zu stützen, zu unterstützen und ihm Hilfestellung zu geben, wann immer er den Eindruck hatte, Wolf benötige Halt.

Reschke hingegen offenbarte sich als Elefant im Porzellanladen und konterkarierte Wolfs Vorstellungen vom Fußball bis hin, was letzte Woche offenkundig wurde, dass er dem scheinbar Unerfahrenen in Taktik und Aufstellung hinein zu reden versuchte.

Dass ein solches Verhalten das Selbstbewusstsein eines jungen Trainers nicht stärkt, ihn also verunsichert, ist so klar wie, dass man Reschke höchstens im hintersten Kämmerlein des Vereinsgeländes unterbringen und um jeden Preis verhindern muss, dass dieser vor ein Mikrofon tritt.

Schon nach Schindelmeisers Rauswurf äußerte ich Bedenken, dass Wolf den Bettel hinschmeißen könnte, wenn man vom eingeschlagenen Weg abkommt und die Zusammenarbeit mit Reschke nicht passt.
Das scheint nun der Fall gewesen zu sein, auch wenn die offizielle Sprachregelung anders lautet. Stark, Hannes Wolf, dieses Kasperletheater kann man sich auf Dauer nicht antun.

Die Frage, die sich daran knüpft, ist jedoch, wer tut sich das überhaupt an? Spätestens heute fühlt man sich ins Jahr 2016 zurück gebeamt, als man schon mal dem Abstieg entgegen taumelte, der Sportdirektor den Kader für stark genug erklärte, während der Präsident von der Champions League träumte.

Mit Schindelmeiser und Wolf hatte ich die große Hoffnung, dass das Chaos der letzten gut zehn Jahre ein Ende gefunden hat. Es gab eine Philosophie, es gab eine Strategie, nahezu jeden Schritt konnte man nachvollziehen, da er zum ausgegebenen Plan passte. Zudem herrschte eine angenehme Ruhe im Verein und Transfers wurden so lang unter der Decke gehalten, bis die Tinte trocken war.

Die Saisonvorbereitung fing so verheißungsvoll an. Mit Rückenwind durch den Aufstieg und die Ausgliederung, die Schindelmeiser und Wolf mit ihrer frischen und ihrer um die Verantwortung um den VfB bewussten Art erst möglich gemacht hatten, wurde Neuzugang um Neuzugang präsentiert. Die meisten Transfers, auch wenn im einen oder anderen Fall überraschend, machten beim näheren Betrachten Sinn und waren nachvollziehbar.

Dass Reschke inzwischen Schindelmeisers Einkäufe peu à peu weiter veräußert, wertet diese für mich nicht ab. Es wird lediglich die ehemals vielversprechende Philosophie ad absurdum geführt. Lautete sie einst, eine Mannschaft mit Entwicklungspotential aufzubauen, steht Reschke offensichtlich auf eine Altherrenmannschaft, die er für geeigneter hält, dem Druck im Abstiegskampf Herr zu werden.

Dachte man im Sommer, Gentners Tage als der Unantastbare seien gezählt oder dass er zumindest hart um seinen Stammplatz wird kämpfen müssen, kam Reschke, kaum im Amt, daher, und erklärte ihn für unverzichtbar. Schon mit diesen Äußerungen zu Beginn seiner Amtszeit untergrub er die Vorstellungen des Trainers.

Die leider nur knapp elf Monate andauernde Ära Schindelmeiser/ Wolf, bewerte ich losgelöst von dem, was seither geschah. Da Schindelmeiser zu jenem Zeitpunkt noch nicht fertig war mit der Kaderzusammenstellung, hatte ich vollstes Vertrauen, dass er die größten Schwachstellen im Team bis Ende August noch behoben hätte, und mit einer konkurrenzfähigen Truppe und nicht blauäugig das Unternehmen Klassenerhalt angehen würde.

Dass den Verein diesbezüglich Panik ereilte, relativ kurz vor Saisonstart aber doch knapp vier Wochen vor Ende des Transferfensters, ist mit ein wenig Wohlwollen betrachtet ja gerade noch nachvollziehbar.
Dass man nun aber, drei Tage vor dem Schließen des Wintertransferfensters und wohl nur, weil der Sportdirektor jetzt Reschke und nicht mehr Schindelmeiser heißt, die Ruhe weg hat, den Kader noch zu verstärken, verstehe, wer will. Seit Maxims Abgang klafft eine Lücke zwischen defensivem Mittelfeld und Angriff, so dass oberste Priorität sein muss, einen Mann für den tödlichen Pass zu holen. Für mich wäre es extrem fahrlässig, nichts mehr zu tun, so dass ich mich wundere, dass sich der Aufsichtsrat, der Schindelmeisers Entlassung so einstimmig mitgetragen hat, noch nicht zu Wort gemeldet hat. Oder reden wir doch nur von Marionetten des Vorsitzenden, die nur dann ihre Hand heben, wenn Papa Wolfgang darum ersucht?

Die Trainingslager in Grassau und Neustift machten mir große Hoffnung, dass ein selten erlebter Konkurrenzkampf anstehen könnte und sie ließen mich staunen, was für eine Schnelligkeit einige der Neuen einbrachten. Das ließ Hoffnung aufkeimen, dass die Platzhirsche endlich und Woche für Woche um ihren Platz kämpfen müssten und ordentlich Zug drin ist. Die Testspiele, vor allem, die Halbzeiten in denen die vermeintlich erste Formation (ohne Gente) am Start war, machten ebenfalls Hoffnung auf eine goldene Zukunft.

Da es bekannt ist, dass Hannes Wolf entwicklungsfähige Spielern gerne zum nächsten Schritt verhilft, hatte ich angesichts der vielen jungen Spieler im Kader keine Bauchschmerzen, dass der Jugendstil krachend scheitern könnte.

Nein, ich hatte einfach Vertrauen in Schindelmeiser und Wolf und spürte, wie verantwortungs- und einfühlsam sie für den VfB agierten. Mit der Aufstiegseuphorie im Nacken und dem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, wäre ein verheißungsvoller Saisonstart und das Reiten auf einer Euphorie- oder sogar Erfolgswelle denkbar gewesen. Diese Hoffnung wurde mit Schindelmeisers Entlassung von einem auf den anderen Tag zunichte gemacht.

Man warf Schindelmeiser vor, allzu sehr auf Jugend und zu wenig auf Erfahrung gesetzt zu haben und änderte von oben herab diese Philosophie. Mit Reschke kam ein antiquierter Alt-Scout, der seinen Transfers zufolge letztmals den Markt ausgiebig sondierte, als Aogo und Beck bei den Junioren kickten und Timo Baumgartl noch zur Grundschule ging.

Die Stimmung war top, die Euphorie grenzenlos, was sich nicht zuletzt in der „Make VfB great again“-Veranstaltung namens außerordentliche Mitgliederversammlung am 01.06. zeigte. Dem Verein war es binnen eines Jahres gelungen, Vertrauen zurück zu gewinnen, wenngleich die Ausgliederungsdebatte einen Keil in die Fanszene geschlagen hatte.

Was Befürworter und Gegner der Ausgliederung jedoch weitestgehend einte, war das große Vertrauen in die Arbeit von Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf.

Dann wurde Schindelmeiser aus Gründen geschasst, die einem Außenstehenden auch ein halbes Jahr später noch ein Rätsel sind. Als Hauptgrund der Demission steht die Aussage Dietrichs, man sei in den Gremien übereinkommen, dass die gemeinsam gesteckten Ziele mit Schindelmeiser nicht zu erreichen gewesen seien und er Alleingänge tätige, die den redseligen Personen in den Gremien (und der Presse) offensichtlich nicht gefallen haben.

Dies gab dann wohl den Ausschlag, den rheinischen Dampfplauderer Reschke an Land zu ziehen, dessen Zunge schneller als sein Gehirn zu sein scheint. Dieser schwätzt mehr als Schindelmeiser und sucht die Fettnäpfchen förmlich, den Herren in Vorstand und Aufsichtsrat scheint das egal zu sein, Hauptsache, er redet überhaupt. Da dieser gleich zu Beginn Kritiker seiner Transfers als „ahnungslose Vollidioten“ bezeichnete, scheue ich bei meinem Urteil über ihn eine etwas derbere Ausdrucksweise gleichfalls nicht.

Seit Reschke das Zepter übernahm, änderte sich die Philosophie, oder genauer, es ist keine mehr erkennbar. Nachdem auch der VfB leidvoll erfuhr, dass man für 41 Millionen Euro heutzutage in Betrachtung des Gesamtpakets von Ablöse, Gehalt, Beraterhonorar und einigem mehr höchstens noch einen einzigen brauchbaren Spieler bekommen kann und den nicht einmal von der Crème de la Crème, beschränkte man sich auf günstige Alt-Stars und extrem verletzungsanfällige Spieler und buttert das Mehr an Geld lieber in üppige Gehälter von Spielern, die im Sommer wieder weg sind und/ oder keinen Wiederverkaufswert mehr haben. Das hat sich der eine oder andere, der bei der Ausgliederung für „ja“ stimmte, sicherlich auch anders vorgestellt.

Die unter Schindelmeiser gelebte Philosophie wurde auf einen Schlag über den Haufen geworfen, der von Wolf favorisierte Hochgeschwindigkeitsfußball ebenso. Kurz vor Ende der Sommertransferperiode kam dann noch Santiago Ascacíbar hinzu, ein Volltreffer, der noch Jan Schindelmeiser zuzuschreiben ist.

Der Fußball, den uns der VfB in dieser Saison zumutet, hat mit Hochgeschwindigkeitsfußball soviel zu tun wie ein Dreirad mit einem Rennrad. Gerade einmal 13 Vorrunden-Tore sind Beleg einer verfehlten Einkaufspolitik. Anstatt jedoch die echten Problemzonen unseres Teams anzugehen, erklärte man Simon Terodde zum Sündenbock. Dieser sei zwar ein guter Zweitligastürmer, genüge den hohen Ansprüchen der Fußball-AG aber nicht.

Simon Terodde wechselte, angeblich auf eigenen Wunsch hin, zum 1. FC Köln. Heimweh wurde als Grund seines Wechselwunsches angegeben, die wahren Gründe dürften jedoch damit begründet sein, dass Terodde als einzige Spitze, wie jetzt ja auch Mario Gomez, meist auf verlorenem Posten stand und der dargebotene Fußball ja auch keinen Spaß machen kann.

Schon nach den ersten drei Spielen mit Gomez, stellt sich heraus, dass auch Super-Mario sich die Flanken nicht selbst schlagen kann und er ebenfalls einen Vorbereiter gut gebrauchen könnte. Das Problem wurde also nicht gelöst, sondern von Terodde auf Gomez verlagert. Wer derzeit der Glücklichere ist? Fragt mal in Köln nach!

Ob die jüngsten Verpflichtungen, Erik Thommy und Jacob Bruun Larsen, beide für die Außenbahn gedacht, unsere Probleme zu lösen vermögen, mag ich noch nicht beurteilen. Dass die beiden Spieler jedoch zusammen gerade einmal sieben (!) Bundesligaspiele auf dem Buckel haben, beide erst von einer Verletzung zurück kommen und in ihren abgebenden Vereinen nur Nebenrollen spielten, sich auf Anhieb durchsetzen und dem VfB einen Zugewinn an Qualität bringen, da habe ich erhebliche Zweifel.

Larsen durfte gestern von Beginn an ran und es bleibt zu hoffen, dass ihm dieser 45-minütige Einsatz samt stümperhaft verschuldetem Elfmeter keinen Knacks für die nächsten dreieinhalb Monate versetzt. Noch weiß man nicht, wer Trainer wird und ob dieser auf dieses 19-jährige Greenhorn ohne Erfahrung im Männerbereich setzen wird. Es ist denkbar, dass Jacob Bruun Larsen gestern sein erstes und letztes Spiel für den VfB gemacht hat.

Spieler ohne jegliche Spielpraxis sind in der Regel nicht mit üppigem Selbstbewusstsein ausgestattet, um auf Anhieb Druck im Kader auszuüben. Inwieweit diese jungen Kerle dem Druck des Existenzkampfes werden standhalten können, wird sich ebenfalls zeigen. Larsen jedenfalls zeigte gestern bereits Nerven!

Reschke spielt mit dem Feuer, sollte bis zum 31. Januar nichts Brauchbares mehr kommen. Es wird ja gerne das Argument des schwierigen Winter-Transfermarktes angeführt, um seine eigene Unfähigkeit zu kaschieren zu versuchen.

Ich lass das nicht gelten, weil die Probleme in unserem Spiel schon seit August offensichtlich sind, Reschke also genug Zeit hatte, sich kreative Möglichkeiten zu überlegen. Bekommt man in der Bundesliga keinen „Zehner“, es gibt ja auch noch Ligen, wie die skandinavischen zum Beispiel, die mit dem Kalenderjahr endeten.

Reschke blieb bislang alles schuldig, was man vom einstigen Perlentaucher erwarten können musste. Wo immer er auch taucht, die Gewässer sind trüb oder die Perlen sind abgefischt.

Was Wolfgang Dietrich überhaupt geritten hat, diesen Reschke zu holen, erschließt sich mir in keinster Weise. Bei Bayer Leverkusen und Bayern München hatte man erkannt, dass er ein guter Mann für die zweite Reihe sein mag, in vorderster Front aber an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist. Nicht umsonst zogen ihm die Bayern letzten Sommer gar den Komiker Hasan Salihamidžić vor.

Wenn Dietrich derart von Reschke überzeugt gewesen und nicht ausschließlich auf die Lobhudeleien aus München reingefallen ist, wäre es für die ahnungslosen Vollidioten interessant zu wissen, ob Reschke ein Konzept vorgelegt hat und was dieses vorsah.

Bislang legt Reschke einen nicht durchschaubaren Schlingerkurs ohne roten Faden hin, so dass man immer noch nicht sagen kann, wofür dieser Reschke überhaupt steht (von Transfers, auf die die Putzfrau auch gekommen wäre, einmal abgesehen).

Für mich hat Dietrich Schindelmeiser weg gemobbt, weil Schindelmeisers Popularität größer war als seine eigene und er sich von Schindelmeiser nicht die Show stehlen lassen wollte. Dass sein Nachfolger einer wurde, dem man besser kein Mikrofon vor die Nase hält, kam Dietrich dabei womöglich noch entgegen. Dass derart eitle Machtspiele auf dem Rücken des Wohles des VfB ausgetragen wurden, wird einfach hingenommen. Reschke gerät, nicht nur wegen der Wolf-Entlassung, immer mehr in die Kritik. Die Bild-Zeitung, wenigstens in Sachen Sport durchaus ernst zu nehmen, bezichtigt ihn heute gar der mehrfachen Lüge und schreibt „Journalisten sparen sich inzwischen die Anrufe beim VfB-Vorstand. Weil sie wissen, dass sie nicht mit der Wahrheit rechnen können“.

Harter Tobak und eines VfB-Vorstandes eigentlich auch nicht würdig ist ebenso, dass Reschke nach nahezu jedem seiner Interviews eine Klarstellung hinterher schieben muss. Mein Gott, was ist aus meinem VfB nur geworden? In der Philosophie Rolle rückwärts um zwei Jahre, der VfB taumelt am Abgrund und wird sicher absteigen, wenn bis zum Ende der Transferperiode nicht noch ein mittelgroßes Wunder geschieht. Danke, Dietrich!

Falls es eines Beweises bedurfte, dass Reschke im Scoutingbereich nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, wurde letzte Woche Peter Knäbel (genau, DER Rucksack-Pete) als externer Berater ins Boot geholt.
Knäbel hat zwar hervorragende Referenzen und sich vor allem um den Schweizer Nachwuchsbereich sehr verdient gemacht, seine Erfolge auf diesem Gebiet liegen jedoch schon Jahre zurück. In welchem Umfang Knäbel für den VfB arbeiten wird, wurde nicht publik.

Letztes Wochenende in Mainz gab Reschke zum wiederholten Male ein peinliches Bild für den VfB Stuttgart ab. Zunächst war da die Sache mit Akolos fehlender Spielgenehmigung. Man hätte Reschke sicherlich nicht persönlich für diesen Fauxpas verantwortlich gemacht, wenn er denn vor den Mikrofonen nicht derart herum geeiert hätte und das schlechte Gewissen förmlich aus ihm heraus sprach.

Dem VfB, der uns weismachen wollte, durch die Ausgliederung in eine AG werde alles so viel professioneller, unterlief ein dämlicher Anfängerfehler. Jedermann vergewissert sich nach der Übermittlung wichtiger Dokumente, sofern man keine Empfangsbestätigung erhalten hat, ob das Dokument auch angekommen ist. Der VfB scheinbar nicht!

Ich glaube zwar nicht, dass ausgerechnet Akolo auf dem glitschigen Geläuf den Unterschied ausgemacht hätte, und doch war es suboptimal für Hannes Wolfs Spielvorbereitung, kurz vor dem Spiel die Aufstellung noch einmal über den Haufen werfen zu müssen.

Hannes Wolf, den die „Mannschaft“ in Mainz fürchterlich im Regen stehen lassen und seinen Besuch im Aktuellen Sportstudio spätabends zu einem Gang nach Canossa werden ließ, wurde dort mit eingespielten Aussagen Reschkes konfrontiert, der zum Besten gab „Wir müssen uns in der Woche noch mal zusammensetzen, um uns taktische und spielerische Alternativen zu überlegen.“

Spätestens ab da war klar, dass es zwischen Reschke und Wolf überhaupt nicht passte und Reschke dabei war, Wolf zu demontieren. Hannes Wolf reagierte zwar nach außen hin souverän, in ihm dürfte es aber schwer gebrodelt haben. So schwer, dass er mit der Aufgabe beim VfB abschloss? Ich denke ja. Die Aufstellung beim Schalke-Spiel könnte als Retourkutsche für Reschkes Personalpolitik und das Betteln um seinen Rauswurf interpretiert werden.

Um klar zu stellen, für mich sind weder Wolf noch Schindelmeiser Heilige. Nur bin ich der Auffassung, dass es zwischen Sportdirektor und Trainer passen und eine gemeinsame Richtung erkennbar sein muss. Beides war gegeben, so dass Dietrich ohne Not und wegen verletzter Eitelkeit ein funktionierendes Konstrukt auseinander gerissen und durch eine absolute Fehlbesetzung ersetzt hat.

So kontraproduktiv es war, Luhukay zu verpflichten, als Schindelmeiser noch nicht da war, so dämlich war es, mit Reschke einen Mann zu holen, der nicht zu Wolf passt. Im normalen Leben nimmt man es sich vor, gleiche Fehler möglichst nicht mehrmals zu machen und aus ihnen zu lernen, beim VfB sind Fehler dazu da, sie immer und immer wieder aufs Neue zu machen.

Zu einer Analyse der Situation und ach so tiefgreifenden Gesprächen heute Nacht hätte gehört, die Arbeit des Sportdirektors zu hinterfragen und sie nach knapp sechs Monaten zu bewerten. Jörg Schmadtke wäre auf dem Markt, Matthias Sammer möglicherweise ebenso! Beide haben schon bewiesen, planvoll arbeiten zu können und man könnte sie auf jeden Fall auch auf die Öffentlichkeit loslassen.

Hannes Wolf ist von Kritik natürlich auch nicht freizusprechen. Seinen Stempel konnte er dem Team nicht aufdrücken, wenngleich die Frage offen bleibt, in welchem Umfang er Reschkes Einkäufe spielen lassen musste, ob er wollte oder nicht.

Seine Akribie konnte bisweilen in Verbohrtheit münden, indem ihn jede Kleinigkeit im Ablauf störte, die nicht auf seinem Reißbrett stand. Er verkomplizierte manches zu sehr, so dass die ja nicht immer hochintelligenten Fußballer bisweilen nicht mitgekommen sind. Da bin ich doch eher ein Verfechter von „das Runde muss ins Eckige“ und „Qualität kommt von Qual“.

Ob diese Verwissenschaftlichung des an und für sich einfachen Spiels bei den Spielern immer gut an kam, da bin ich mir nicht so sicher.

Gentner sagte es gestern ja eindeutig und unverhohlen, „was interessieren mich Statistiken“. Einen deutlicheren (verbalen) Affront gegen diesen gewissenhaften Übungsleiter hätte es kaum geben können, die „Unterstützung“ auf dem Platz tat ihr Übriges. Wieder einmal hat es ein Team um Gentner geschafft, den unliebsam gewordenen Trainer abzuschießen.

Anders sind die Kollektivversagen der letzten Wochen nicht zu erklären. Der wievielte Trainer war es eigentlich jetzt, seit Gentner 2010 das Kapitänsamt von Tasci übernommen hat? Lustig, dass ausgerechnet Markus Weinzierl der aussichtsreichste Nachfolgekandidat zu sein scheint, der, oh Wunder, den gleichen Berater hat wie Christian Gentner.

Ich bin dermaßen sauer heute und begrabe ein für allemal mein Hoffen auf Kontinuität beim VfB. Mit Wolf hatten wir ein erfrischendes Trainertalent, dem man unheimlich gerne zuhörte. Nie haben mich die Pressekonferenzen mehr gefesselt, als jene, in denen Hannes Wolf das Wort ergriff. Er war eines der wenigen Gesichter des VfB und verhalf dem VfB (trotz Reschke) zu einer positiven Außendarstellung.

Ich werde ihn vermissen und befürchte, dass wir ihm eines Tages nachweinen werden, wenn er es in den Olymp der deutschen Fußballlehrer geschafft hat. Ich bedanke mich bei Hannes Wolf für die geile Zeit, vor allem im Zweitligajahr und gekrönt mit dem Aufstieg, mit dem sein Name für immer verbunden sein wird. Danke, Hannes!

Eigentlich habe ich heute die Schnauze voll und würde ihnen am liebsten Dauerkarte und Mitgliedsausweis hin schmeißen. Was mich beim Klepperlesverein hält, sind nicht die Protagonisten, die sind Momentaufnahme und morgen hoffentlich schon wieder weg.

Nein, es sind die Leidensgenossen, mit denen man unterwegs ist und die man immer und überall trifft. Mit ihnen lässt sich Freud und Leid teilen, die Fanszene bildet meist eine Einheit, das alles ist stärker und nachhaltiger als Personen, die den Verein zugrunde richten und mit einer fetten Abfindung irgendwann das Weite suchen. Dietrich und Reschke werden hoffentlich nicht als die endgültigen Totengräber des VfB in die Annalen eingehen sondern schon vorher von ihren Aufgaben entbunden.

Das Einzige, was mich noch besänftigen könnte und Hoffnungen auf eine Trendwende zum Besseren schüren würde, wäre, wenn es gelänge, Thomas Tuchel an Land zu ziehen. Höchst unrealistisch zwar, bei Jemandem vorzufühlen, der bei den großen Bayern im Gespräch ist und Gerüchten zufolge horrende Gehaltsforderungen haben soll, doch, wer weiß.

Manchmal steht er sich selbst im Weg, daher bin ich mir nicht ganz sicher, ob sich die Bayern auf einen solchen Eigenbrötler einlassen würden.

Wenn nicht, wäre der Weg für den VfB möglicherweise doch frei, wobei auch dann zu befürchten würde, dass Tuchel Macht für sich beanspruchen würde, die die Herren nicht bereit wären, an ihn abzugeben. Es geht ja schließlich mehr um die persönlichen Befindlichkeiten als um den VfB.

Deshalb wird man sich diesen Traum abschminken können. Es dürfte ein bislang nicht als Lautsprecher in Erscheinung getretener Übungsleiter Marke Korkut oder Weinzierl werden.

Ich lass mich überraschen und bin im Moment ziemlich gleichgültig, außer bei Tuchel natürlich. Der Neue wird mächtig Überzeugungsarbeit leisten müssen, um mich auf seine Seite zu bekommen. Das heißt nicht, dass ich mich gegen den Neuen stellen werde, nein, ich möchte sehen, dass sich Dinge ändern. Ich möchte Veränderungen der Hierarchie erkennen, Spieler aufblühen sehen, die in der Versenkung verschwunden waren und anderen, die sichere Stammspieler waren, auf der Haupttribüne die Hand schütteln. Ich möchte sie schwitzen und nach erbärmlichen Vorstellungen wie zuletzt nachts um den Bärensee laufen sehen. Ich möchte erleben, dass jeder Einzelne dem kommunikativen Hannes Wolf nachtrauert.

Was ich nicht erleben möchte ist, dass ein neuer Trainer kommt und „seine Ansprache“ so viel besser ist als die von Wolf und die Versager von gestern plötzlich um ihr Leben rennen und in Wolfsburg punkten. Sollte das der Fall sein, werde ich sie garantiert auspfeifen.

Doch, es führt kein Weg dran vorbei. Am Samstag geht es so oder so, und wohl mit so wenig Lust wie selten, nach Wolfsburg. 2006 haben wir dort zum letzten Mal überhaupt einen Punkt geholt, es wäre also überraschend, ausgerechnet jetzt dort zu punkten.

Sollte sich an der Außendarstellung und damit an der Vereinsführung nicht gravierend etwas ändern, muss man ihnen ja fast schon den Abstieg wünschen, wenn sie anders nicht von ihren Posten zu entfernen sind. Ich habe Dietrich nicht gewählt und habe gegen die Ausgliederung gestimmt, so dass ich ein absolut reines Gewissen habe.

Ein Abstieg hat für mich seit der letzten Saison und den tollen Erlebnissen im Unterhaus komplett den Schrecken verloren.

Mir ist es bewusst, dass es nach einem erneuten Abstieg deutlich schwieriger werden würde, noch einmal direkt aufzusteigen, mir ist es auch bewusst, dass der Abstand nach oben noch größer werden würde, aber, wie schon bei der Ausgliederungsdebatte gesagt und wie man heute auch sieht: Der Abstand ist so groß geworden, dass wir ohnehin Lichtjahre weg sind.

Es wird also, selbst mit 100 Millionen Euro mehr auf dem Konto, sollte der Verein weiter verschachert werden, nahezu unmöglich sein, jemals den Anschluss zu schaffen und jemals wieder Champions League zu spielen.

Wie man bereits ein halbes Jahr nach der Ausgliederung feststellen muss, kriegt man es nicht gebacken, bessere Spieler einzukaufen, sondern zahlt den durchschnittlichen ein Mehr an Gehalt.
Das Geld, das durch die Ausgliederung mehr zur Verfügung steht, fließt eins zu eins in die Taschen der Spieler, so dass ich ein Problem damit habe, wenn solche, die jetzt schon überbezahlt sind, in absehbarer Zeit das Doppelte in den Allerwertesten geschoben bekommen.

Der Fußball heute ist nicht mehr der, der er mal war. Früher hatte man überall, wo man hingefahren ist, eine realistische Siegchance, während man heute bei vielen Spielen die Punkte mit der Post hinschicken könnte. Damit rückt das Sportliche unweigerlich in den Hintergrund. Von den meisten Spielen erwartet man sich ohnehin nichts, so kann man schon nicht enttäuscht werden.

In einer Saison, in der es bei zehn Auswärtsspielen gerade einmal zu einem Punkt reichte, kann das Sportliche auch gar nicht der Hauptgrund sein. Nein, die Stadien, die Atmosphäre und die vielen Gleichgesinnten, die man immer und überall trifft, die machen meinen VfB im Jahr 2018 aus. Und das, sollten wir absteigen, auch in der 2. Liga. Auch da kann man großen Spaß haben, sogar noch mehr als beim “Premium-Produkt” Bundesliga!

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