18. August 2017

Mit einem blauen Auge davon gekommen

Auch eine gute Woche nach dem Rausschmiss von Jan Schindelmeiser wirkt das Beben nach. Wurde nach dem Votum für die Ausgliederung von allen Seiten propagiert, das demokratisch zustande gekommene Ergebnis akzeptieren zu wollen und sahen es die meisten ein, dass die verhärteten Fronten wieder zueinander finden müssen, spaltet die Demission Schindelmeisers die Fangemeinde erneut aufs Schärfste.

Die einen akzeptieren den Standpunkt des Vereins und kritisieren an Jan Schindelmeisers Transferpolitik vor allem, dass er es bis Anfang August immer noch nicht geschafft hatte, die Problemzone Innenverteidigung erfolgsversprechend zu verstärken und auch nicht der Eindruck erweckt wurde, die dringend benötigten Verstärkungen seien im Anflug. So, die Befürchtungen, werde es schnurstracks zurück in die 2. Liga gehen.

Die andere Seite, zu der ich mich auch zähle, übte sich hingegen in Geduld und vertraute Schindelmeiser, dass er bis zum Transferschluss schon noch eine schlagfertige Mannschaft auf die Beine stellen würde. Ich sehne mich nach Kontinuität in meinem Herzensverein und hatte die große Hoffnung, dass diese mit dem Gespann Schindelmeiser/ Wolf auf längere Zeit gegeben sein könnte. Daher liegt mir der Rausschmiss noch immer schwer im Magen.

Von außen betrachtet hat Schindelmeiser für mich keine schlechte Arbeit abgeliefert. Er hat den Umbau im Verein vorangetrieben, im Unterbau nachjustiert, er hat aus den finanziellen Möglichkeiten nach dem Abstieg das Optimum, nämlich den Aufstieg, herausgeholt und eine spannende Transferpolitik an den Tag gelegt. Mit Spielern, ob bei den Amateuren oder bei den Profis, welchen man keine kurzfristige Perspektive bieten konnte, wurde Klartext gesprochen und sich voneinander getrennt, anstatt sie jahrelang durchzuschleppen, wie es in den vergangenen Jahren beim VfB Usus war.

Natürlich lässt sich über die bisherigen Neuzugänge dieses Sommers streiten. Viele junge, bundesligaunerfahrene Akteure unterschiedlichster Nationalitäten, ein Sprachengewirr auf dem Trainingsplatz, überhaupt nicht blond und blauäugig. Doch, kann man dies Schindelmeiser zum Vorwurf machen und ist es nicht vielleicht sogar besonders kreativ, Spieler zu holen, hinter denen (noch) nicht die Top-Vereine her sind? In Anbetracht der explorierenden Ablösesummen in diesem Transfersommer und der noch immer begrenzten finanziellen Möglichkeiten der VfB Stuttgart AG, fand ich den eingeschlagenen Weg vernünftig. Letzten Endes ist es mir in dieser Phase der Konsolidierung, nach fast zehn Jahren Misswirtschaft, egal, welche Spieler uns wieder nach oben bringen. Haben wir den Anschluss mal wieder geschafft, dürfen es gerne auch deutsche Nationalspieler in unseren Reihen sein, gerne aus dem Nachwuchsleistungszentrum, doch bis dorthin ist es noch ein weiter Weg, der vor allem Geduld erfordert.
Geduld, die man in der AG offensichtlich nicht hat(te). Ob Schindelmeiser ein gutes Händchen mit seinen Einkäufen hatte und wie seine diesjährige Transferbilanz ausfällt, hätte man frühestens am 01. September, wenn das Transferfenster geschlossen ist, beurteilen können. In den beiden Trainingslagern in Grassau und in Neustift im Stubaital war ich von den Neuen sehr angetan. Was die Jungs an Schnelligkeit und auch an taktischer Intelligenz einbringen, ist schon klasse. Wie schnell sie sich an das Haifischbecken Bundesliga gewöhnen und ob sie die Liga aufmischen können, wie sie mit Rückschlägen umgehen, muss sich erst noch zeigen. Dass es ein Risiko ist, mit einer solch jungen Mannschaft ins Rennen zu gehen, steht außer Frage. Es ist auf der anderen Seite aber auch eine Chance, an der die Jungs wachsen und ihren Marktwert steigern können und könnte ein Faustpfand gegen Spielende werden, wenn die Jungs noch immer alles in Grund und Boden rennen.

Daher sehe ich die bisherige Transferbilanz lang nicht so kritisch wie die AG. Den Sportdirektor, der eine Hundertprozentquote bei seinen Transfers vorweisen kann, muss man mir erst noch zeigen. Dass bei der Verpflichtung von vielen jungen Spielern der eine oder andere durch den Rost fällt, ist, wie ich finde, völlig normal. Bislang fallen mir hier nur Onguéné und Julian Green ein, die Sommerneuzugänge sind noch nicht zu bewerten.

Schindelmeiser wurde ferner vorgeworfen, zu viele Spieler auszuleihen und dass man mit dieser Philosophie Jahr für Jahr ein neues Team aufbauen müsse. Auch hierfür hatte ich Verständnis, weil man Spieler von der Qualität eines Mané oder Brekalo sonst überhaupt nicht bekommen hätte. Solang der Trainer Freude hat, mit den Jungs zu arbeiten, sie fit für eine große Karriere zu machen und sich damit arrangiert, dass die Arbeit im nächsten Jahr von vorn beginnt, sehe ich nichts Verwerfliches daran, in einer Zeit, in der man finanziell Lichtjahre von den Großen entfernt ist.

Da die Transferbemühungen Anfang August noch bei keinem Verein gänzlich abgeschlossen sind, sah ich die bisherigen Zugänge auch nicht als das Ende der Fahnenstange, sondern war mir sicher, dass man am dringend benötigten gestandenen Innenverteidiger und einem erfahrenen Sechser dran sein würde. Daher kam für mich die Schindelmeiser-Entlassung aus dem Nichts und zur Unzeit.

Nach meinem aus der Emotion geschriebenen letzten Blog, hatte ich danach Gelegenheit, mir auch die „andere Seite“, nämlich die Sicht aus der Perspektive der AG anzuhören.

Dort ist der Tenor einhellig, dass die Entlassung Schindelmeisers alternativlos gewesen sei und dem Vernehmen nach sogar ohne Abfindungszahlung vonstattenging, weil es durchaus auch um Vertragsverstöße gegangen sein soll.

Demnach hätte sich der Streit am Transfer von Maxim entladen, für den Schindelmeiser die Vorgabe gehabt haben soll, ihn allenfalls gegen eine stattliche Ablöse ins Ausland und auf keinen Fall für vergleichsweise kleines Geld an einen Ligakonkurrenten abgeben zu dürfen.

Des Weiteren war man mit den Einkäufen nicht einverstanden, weil, das muss man wohl unter dem Vorwurf der vogelwilden Transferpolitik verstehen, lediglich Spieler geholt wurden, die gerade zufällig auf dem Markt waren und nicht für Positionen, wo der Schuh am meisten drückt. So habe man zwar ein Überangebot an Flügelflitzern, die Defensive aber wurde noch immer nicht verstärkt.

Zudem habe man Schindelmeiser vorgeworfen, sich nicht um Abgänge gekümmert zu haben, wodurch Sorgen aufkamen, den Kader zu sehr aufzublähen. Schindelmeiser sei ein schwieriger Mensch, kein Teamplayer, und habe bei den letzten Transfers die Kontrollinstanzen der AG elegant umschifft.

Er sei nur auf seinen Jugendwahn fixiert gewesen, so dass er andere Optionen überhaupt nicht geprüft und einigen Spielerberatern, ohne sie anzuhören, den Weg zur Tür gewiesen haben soll. Gerüchten zufolge sollen ihm u. a. Träsch, Didavi und Bičakčić angeboten worden sein, die Schindelmeiser von vornherein nicht haben wollte, weil sie, vor allem die Erstgenannten, den VfB schon einmal im Stich gelassen hatten.

Die Kommunikation mit den Vorstandskollegen habe nicht gestimmt, weil er den sportlichen Bereich ausschließlich für sich proklamiert und es daher auch nicht für nötig gehalten habe, überhaupt zu berichten, was er vor hatte und an wem er gerade dran wäre. Gegen den Vorwurf, Alleingänge betrieben zu haben wehrt sich Schindelmeiser vehement, kein Transfer sei ohne Zustimmung der Gremien zustande gekommen.

Da steht also Aussage gegen Aussage, die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren, so dass weiteren Spekulationen Tür und Tor geöffnet sind. Offensichtlich war kein Vertrauen mehr vorhanden, die Chemie stimmte nicht mehr und wegen Schindelmeisers getätigter Transfers herrschte große Unzufriedenheit (was Dietrich in Öffentlichkeit jedoch dementierte).

Für mich bleiben dennoch einige Fragen offen. Ist Machtmensch Schindelmeiser am Machtmensch Dietrich gescheitert, weil dieser am längeren Hebel sitzt? Begegnete die AG-Seite gar jenen Geistern, die man mit der Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG rief?

Im Organigramm sind auf der Vorstandsebene, auf der der Sportdirektor angesiedelt ist, nur der Marketing- und der Finanzvorstand zu finden. Genauso wenig wie der Sportdirektor dem Finanzvorstand in die Finanzierung von Bauprojekten reinredet, sollte sich der Finanzvorstand anmaßen, ob eine geplante Verpflichtung sinnvoll ist oder nicht. Trainer Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser sollen gut zusammengearbeitet haben, sollten die beiden in Sachen Kaderzusammenstellung auf einer Linie gelegen haben, wäre doch im Grunde alles gut gewesen! Lag das Zerwürfnis am Ende „nur“ daran, dass Schindelmeiser Heim und Röttgermann links liegen ließ und sie überhaupt nicht an seinen Plänen teilhaben ließ, fehlt mir das Verständnis, dass erwachsene Männer solche Probleme nicht wie Männer aus der Welt schaffen konnten oder wollten.

Dann ging es tatsächlich um die verletzte Eitelkeit Einzelner und das Ganze zu Lasten des VfB Stuttgart.

Eine weitere Frage, die sich mir stellt, ist die, wer Gunter Barner (Stuttgarter Nachrichten) mit jenen Informationen fütterte, um Jan Schindelmeiser bereits Mitte Juli anzuzählen. Wurde das von AG-Seite mit dem Ziel lanciert, den Rauswurf im Nachhinein als plausibel und sich abzeichnend verkaufen zu können? Weshalb stehen seit geraumer Zeit anstehende Wechsel, wie beispielsweise der von Aogo, tagelang vorher in der Presse? Das war man, seit Schindelmeiser das Zepter schwang, nicht mehr gewohnt. Für mich bleibt das Gschmäckle eines abgekarteten Spiels.

Für die Werbung zur Ausgliederung hat man Schindelmeiser noch gebraucht, ohne Hannes Wolf und ihn wäre diese sicher nicht so reibungslos durchgegangen. Daher hat man ihn wohl nicht schon vorher entsorgt, obwohl es im Gebälk dem Vernehmen nach schon ordentlich knisterte.

Hat tatsächlich der Maxim-Transfer zur Eskalation geführt, wäre eine zeitnahe Entlassung danach oder sogar, um den Transfer zu verhindern davor, logisch gewesen. Doch seinerzeit, am 27.06., lief ja noch die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung!

Nun begründet der VfB die Entlassung damit, dass die dringendsten Baustellen im Kader auch Anfang August noch nicht abgearbeitet gewesen seien. Jürgen Klopp hat im ZDF-Interview im Vorfeld des Championsleague-Qualifikations-Spiels gegen Hoffenheim einen interessanten Ausspruch getätigt, denn, auch Liverpool sucht bislang (erfolglos) nach weiteren Verstärkungen. Er sagte, in Anbetracht der Wahnsinns-Summen die in diesem Sommer vom einen zum nächsten Verein transferiert werden: „Es gibt mehr Vereine, die Spieler suchen, als welche, die Geld brauchen“. Soviel zum Thema. Gerade gute und erfahrene Innenverteidiger sind sehr gefragt und schwierig zu bekommen, zumindest noch zum jetzigen Zeitpunkt.

Für welche Philosophie Michael Reschke steht, ist mir auch nach seiner Vorstellungs-Pressekonferenz Anfang dieser Woche noch nicht klar. Er lobte die Bayern über den grünen Klee, über den VfB sprach er weniger, außer, dass er tief beeindruckt sei, was für tolle Menschen beim VfB unterwegs seien. Die Schleimspur zog sich bis hinauf nach Vaihingen…

Sollten Badstuber und Aogo die Kategorie Transfers sein, mit denen sich Reschke zu schmücken vermag, dann gute Nacht. In Fankreisen macht schon der Begriff von der „Reschkerampe“ die Runde. Um auf diese Namen zu kommen, bedarf es nicht der Phantasie eines ausgewiesenen Fachmanns, auf diese Spieler wäre die Putzfrau wohl auch noch gekommen.

Ob sie uns weiterhelfen können, steht auf einem anderen Blatt. Bleibt Badstuber fit, ist er mit Sicherheit eine Verstärkung für die löchrige Abwehr. Aogo ist als Platzhalter für Insúa gedacht und muss beweisen, ob er es noch einmal wissen will. Auf seiner Pressekonferenz in dieser Woche machte er auf mich einen aufgeräumten, intelligenten und auch motivierten Eindruck.

Dass nicht nur junge Spieler ein Risiko darstellen, sondern auch Ex-Nationalspieler hat der VfB mit Kevin Großkreutz jüngst ja selbst erfahren. Er blieb am Ende sportlich alles schuldig, was man sich vom Weltmeister erhofft hatte und war mit seinen 28 Jahren und seiner Verletzungshistorie längst ein Auslaufmodell.

Parallelen zu Badstuber und Aogo wären rein zufällig. Erik Durm soll der Nächste in der Reihe werden, auch er ist nur zu haben, weil er zuletzt viel verletzt war und er es in Dortmund schwer haben dürfte, den Anschluss wieder zu schaffen. Dass uns bei so viel (Verletzungs-)Risiko nicht am Ende doch noch die Jungen die Kohlen aus dem Feuer holen müssen…

Das Sportliche rückte durch den Wechsel auf dem Sportdirektoren-Posten erst einmal weit in den Hintergrund. Dabei stand letztes Wochenende bereits die erste Runde im DFB-Vereinspokal an.
Uns Allesfahrern wird gleich zu Beginn der neuen Runde viel abverlangt. Binnen sechs Tagen erst Cottbus, dann Berlin. Das Spiel mit der weitesten Entfernung der Pokalrunde wurde auf Sonntag, 18.30 Uhr gelegt, fanfreundlich geht anders.

Daher blieb, wollte man nicht kurz vor der polnischen Grenze auch noch übernachten, nur die Möglichkeit mit dem PKW oder dem Bus anzureisen. Ich entschied mich für die Busfahrt mit dem RWS Berkheim, verließ das Haus um 8 Uhr morgens und war montagmorgens gegen 6 Uhr zurück. Eigentlich bin ich ja zu alt für diesen Scheiß, aber, was tut man nicht alles für seinen Herzensverein und um jedes Mal dabei sein zu können.

Die beiden jüngsten Neuzugänge standen in Cottbus nicht zur Verfügung, Badstuber gesperrt, Aogo angeschlagen. Da Ailton mit Trainingsrückstand ebenfalls nicht mit in die Lausitz gereist war und sich zu allem Überfluss Timo Baumgartl nach dem Aufwärmen aufgrund von Schwindelgefühlen abmeldete, musste Hannes Wolf kurzfristig improvisieren.

Kapitän Gentner, eigentlich für die Bank vorgesehen, rückte in die Anfangsformation und Pavard, zunächst als Linksverteidiger gedacht, in die Innenverteidigung. Für ihn spielte Dženis Burnić auf der ungewohnten Position hinten links und zahlte bei seinem ersten Pflichtspiel für den VfB reichlich Lehrgeld.

Das Spiel begann für den VfB denkbar ungünstig. Bereits in der 6. Spielminute legte eben jener Burnić unfreiwillig für den Cottbusser Viteritti vor, der zur vielumjubelten Führung der Hausherren einschoss. Gut zwanzig Minuten später foulte der als alleiniger Sechser überforderte Ofori den Ex-VfBler Mamba, woraus der sehenswerte Freistoß zum 2:0 resultierte.

Beim ersten Gegentor wirkte die Abwehr wie ein Hühnerhaufen, bei zweiten ließ man sich per Sonntagsschuss düpieren, für einige Grund genug „Zieler raus“ zu schreien. Leute, habt ihr sie noch alle? Die Entscheidung des Trainers pro Zieler gilt es zu akzeptieren, das ständige Zieler-Gebashe und der Hype um Langerak helfen keinem weiter, am wenigsten dem VfB. Ein Torwart braucht das Vertrauen des Trainers und auch des Umfelds. Wird er vehement niedergemacht, ob im Stadion oder auch auf seiner Facebook-Seite, ist das kontraproduktiv und wird ihm nicht helfen, zu alter Stärke zurückzufinden.
Ich verstehe es ohnehin nicht, welchen Narren viele VfB-Fans an Langerak gefressen haben. Er war jahrelang die Nummer zwei in Dortmund und kam an Weidenfeller, der auch nicht gerade der Über-Torwart war, nie vorbei.

Dann wechselte er zum VfB, verletzte sich direkt und stand in der Abstiegssaison fast überhaupt nicht zur Verfügung. Ihm jetzt zugute zu halten, dass er dem VfB in der 2. Liga die Treue gehalten hat, ist für mich zu hochgegriffen. Welche Alternativen hatte er denn? Der VfB verkaufte jeden, für den er einigermaßen Geld bekam, für Langerak gab‘s demnach wohl keine Interessenten, wobei der VfB das Heft des Handelns sowieso selbst in der Hand hatte, weil dem Vernehmen nach alle Verträge für die 2. Liga Gültigkeit besaßen.

In der 2. Liga hatte Langerak, wie alle anderen auch, seinen Anteil am Aufstieg, mehr aber auch nicht. Alles andere als der Aufstieg wäre peinlich gewesen, so dass für mich keiner der Aufstiegsmannschaft in den Heldenstatus erhoben wird, schon gar nicht Langerak, der zwar auf der Linie stark ist, in der Spieleröffnung und Strafraumbeherrschung aber ähnliche Defizite wie Ulreich hat. Unvergessen seine Orientierungslosigkeit gegen Hannover 96, die uns die sicher geglaubte Herbstmeisterschaft gekostet hat.

Ins Spiel biss sich der VfB zurück und kam durch den auffälligen Brekalo und ein Eigentor der Cottbusser zum schmeichelhaften Ausgleich. Auch in der Folgezeit war der VfB weder tonangebend noch dem Viertligisten spielerisch überlegen. Selbst die Kondition schien bei den Brandenburgern besser zu sein als jene vom VfB, so dass sich eher der VfB ins Elfmeterschießen rettete als das die Cottbusser taten. In dieser Lotterie schließlich hatte der VfB das bessere Ende für sich und zog überaus glücklich in die nächste Pokalrunde ein.

Abgesehen von der Leistung vom VfB genoss ich diesen langen Trip, wenn man einmal von der zähen und langwierigen Heimfahrt absieht. Endlich wieder Stadion, ein volles Haus, freundliche Gastgeber und unzählige Freunde und Bekannte getroffen. Da wir direkt vor dem Gästeeingang aus dem Bus aus- und wieder einstiegen kann ich nicht beurteilen, ob es zu irgendwelchen unschöneren Szenen rund ums Stadion oder in der Stadt gekommen ist, gehört habe ich davon nichts. Nach dem Pokalsieg 1997 gegen eben jenen FC Energie entstanden ja einige Fanfreundschaften, so dass auch kein größerer Trouble zu erwarten war. Die Ordner am und im Block waren freundlich, Vollbier gab es auch, kein Grund zu klagen also.

Erstrundenspiele im Pokal, vor allem wenn es gegen Drittligisten oder einen gefühlten Drittligisten wie Energie Cottbus geht, sind immer schwer. Die Gegner stehen bereits voll im Saft während man selbst noch nicht weiß, wo man steht und ins Ungewisse startet. Hat man dann noch kurz vor dem Spiel solche Ausfälle zu beklagen und gerät aufgrund dieser Umstellungen früh in Rückstand, wird es ungleich schwerer. Dann ist das Publikum, das nach dem bezahlten Fußball lechzt, voll da und pusht sein Team nach vorne, so dass sich deren Jungs die Lunge aus dem Leib laufen.

Angesichts dieser Umstände bewerte ich das Auftreten von Cottbus nicht über. Auch Hertha BSC, der Gegner vom Samstag, hat am Montag in Rostock keine Bäume ausgerissen. In Berlin werden hoffentlich Badstuber, Baumgartl und Aogo zur Verfügung stehen, so dass das VfB-Spiel an Stabilität gewinnen sollte. Nach vorne haben wir ohnehin unsere Waffen, vor allem Brekalo macht schon den ganzen Sommer über einen hervorragenden Eindruck, auch A. Donis konnte in Cottbus nach seiner Einwechslung Akzente setzen.

Wichtig ist, dass im Verein Ruhe und Normalität einkehrt und alle an einem Strang ziehen. Es ist in meinen Augen weder förderlich, wenn von Vereinsseite Schindelmeisers Einkäufe diskreditiert werden und den Jungs somit ein Stück ihres Selbstwertgefühls genommen wird, noch ist es hilfreich, wenn Fans einen Reschke ablehnen, bevor er richtig angekommen ist, Zieler ablehnen, weil Langerak so süß ist, Aogo ablehnen, weil er in den letzten Jahren nichts gerissen hat und Badstuber ablehnen, weil er sowieso nur verletzt ist.

Ich gehe da pragmatisch ran, da ich an den Personalentscheidungen des Vereins sowieso nichts ändern kann und jedem Neuen eine faire Chance gebe, mich zu überzeugen, auch wenn ich im Vorfeld skeptisch sein sollte.

Noch immer ist mein großer Wunsch, dass beim VfB endlich Ruhe und Kontinuität einkehren und Hannes Wolf noch lange unser Trainer sein wird. Voraussetzung dafür wäre, dass er zu Michael Reschke ein ähnlich vertrauensvolles Verhältnis aufbaut, wie er es zu Jan Schindelmeiser hatte und die Verantwortlichen in der AG wegen möglicher schlechter Resultate nicht zu schnell die Nerven verlieren.

Der Start hat es schließlich in sich. Ausschließlich undankbare Aufgaben in den ersten fünf Spielen, in denen sowohl in die eine als auch in die andere Richtung alles passieren kann. So trifft den VfB eine mittlerweile schon unfassbare Verletzungsmisere zur denkbar ungünstigsten Zeit.

Ich bin sehr gespannt, wer in Berlin morgen alles auflaufen kann und wie sich das Team schlagen wird. Danach kommt Mainz mit einem sicherlich bis in die Haarspitzen motivierten Maxim, ehe es in die Turnhalle nach Gelsenkirchen geht. Diese Spiele sollten als erste Standortbestimmung dienen und aufzeigen, wie konkurrenzfähig der VfB nach dem Wiederaufstieg tatsächlich ist. Alles andere war Vorgeplänkel, lasset die Spiele beginnen!

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5. August 2017

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan

Die gestrige Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Jan Schindelmeiser ist nicht mehr Sportdirektor beim VfB Stuttgart.

Auch ich war und bin es noch immer, fassungslos! Heute stehe ich, wie so oft in den letzten Jahren, am Scheideweg als Fan und frage mich, weshalb um alles in der Welt ich diesem Klepperlesverein Woche für Woche folge und nicht einmal dann von ihm lassen kann, wenn er mich zum x-ten bitterlich enttäuscht hat. Dann reift schnell die Erkenntnis, dass das einfach nicht geht. Der VfB ist nicht nur eine Handelskette, die man wechseln könnte, wenn sie einen verärgert, der Herzensverein ist mehr, eine Entscheidung fürs Leben, unabhängig von den handelnden Personen. Auf diese hat man, jetzt in der AG noch weniger als zuvor, keinen Einfluss und muss für sich das Beste draus machen. Was ich als Kunde (das sind wir doch schließlich) nicht machen muss, ist es, alles gutzuheißen und Leuten zu vertrauen, die für mich nichts anderes als ihren eigenen Vorteil und den Erhalt ihres Postens im Sinn haben.

Mit Schindelmeiser hatten wir zum ersten Mal seit Rolf Rüßmanns Zeit wieder einen Mann auf der Kommandobrücke, der den Job von der Pike auf gelernt hat. Nach Interimslösungen Magath und Briem/ Schneider folgten Azubis wie Heldt, Bobic und Dutt, die Manager spielen durften. Das sich auf die Fahnen geschriebene „Ausbildungsverein“ galt fortan nicht nur für die Spieler sondern auch die Sportdirektoren. Wohin uns dieser Stuttgarter Weg gebracht hat, ist bekannt.

Nach zähem Ringen (oder auch zaudern) präsentierte der Aufsichtsrat im Juli des vergangenen Jahres Jan Schindelmeiser als neuen Sportdirektor, weil man nach „reiflichen Überlegungen“ von ihm überzeugt gewesen sei, was schon damals aufgesetzt wirkte. Schließlich war Schindelmeiser direkt nach dem Abstieg schon frei gewesen und Dutts Aus kam ja auch nicht von heute auf morgen. So bekam dessen Verpflichtung das Gschmäckle, nicht erste sondern allenfalls vierte oder fünfte Wahl gewesen zu sein.

Derselbe Aufsichtsrat (angeblich ging der Daumen pro Entlassung ja von allen „einstimmig“ nach oben) mokiert sich nun ein Jahr später über die Arbeitsweise von Jan Schindelmeiser und darüber, dass seine Transferpolitik wirr und vogelwild sei und stark an seine letzte Zeit in Hoffenheim erinnere.

Abgesehen davon, dass man in Erfahrung hätte bringen können, worauf man sich mit Schindelmeiser einlässt, ist es doch so, dass der Sportdirektor am Ende allein den Kopf hinhalten muss.

Warum sollte Schindelmeiser seine Vorstandskollegen, die ihre Stärken im Finanz- und Marketingbereich haben, über jeden Gang bis ins kleinste Detail informieren? Wieso beansprucht dies überhaupt das Kontrollorgan Aufsichtsrat für sich? Hat dies und damit in erster Linie der e.V.-Präsident, der in der AG „nur“ noch im Aufsichtsrat sitzt, etwa noch nicht verinnerlicht? Ist es nicht in der Natur der Sache, dass der Sportvorstand das Handeln im sportlichen Bereich bestimmt? Dass es der Presse nicht in die Karten spielt, dass neuerdings im Verborgenen gearbeitet wird, liegt auf der Hand. Muss dann aber auch der Aufsichtsrat beleidigte Leberwurst spielen, wenn man ihn über angedachte Verpflichtungen nicht ständig auf dem Laufenden hält? Was soll Schindelmeiser den Wirtschaftsbossen, Fanvertreter und den Ex-Spielern Buchwald und Ohlicher, die Sportmanagement nur vom Hören Sagen kennen, ständig erzählen? Sind es nicht die Ergebnisse, die letztendlich zählen? Oder geht es mal wieder um Eitelkeiten, weil sich Herren, die „in freier Wildbahn“ als Alphatiere unterwegs sind, zurückgesetzt fühlen?

DAS Erfolgskonzept der letzten Monate war für mich eindeutig die gute Zusammenarbeit zwischen Sportdirektor und Trainer. Da diese zu Beginn seiner Mission mit Jos Luhukay nicht gut funktionierte, korrigierte Schindelmeiser dies und zog mit Hannes Wolf einen wahren Glücksgriff an Land. Noch immer hat(te) man den Eindruck, die beiden harmonierten prächtig und funken vor allem auf einer Wellenlänge, was die Kaderzusammenstellung angeht. Stück für Stück besorg(te) Schindelmeiser jene Puzzleteile, die Hannes Wolf fehlen, um die Mannschaft seiner Idealvorstellung näher zu bringen.

Für mich war die bisherige Transferpolitik schlüssig und nachvollziehbar. Als Verein, der selbst nach der Ausgliederung nicht auf Rosen gebettet ist, muss man sich im überhitzten Transfermarkt zunächst einmal hinten anstellen.

Noch immer, der Neymar-Wahnsinn verdeutlicht es, bedienen sich die Finanzstärksten bei anderen absoluten Top-Teams. Erst wenn deren Kader, von „oben nach unten“ stehen, kommt ein Aufsteiger wie der VfB an die Reihe.

Auch wenn viele schimpfen, weil unser Kader Anfang August noch nicht komplett ist, habe ich vollstes Verständnis dafür und kaue nicht nervös an meinen Fingernägeln. Es war noch nie so viel Geld im Kreislauf, noch nie wurden derart horrende Summen verlangt und bezahlt wie in diesem Transfersommer. Deshalb kann in alle Richtungen noch viel passieren.

Aus diesem Grund ließ mich auch die bislang erfolglose Suche nach Verstärkungen im Defensivbereich nicht verzweifeln, im Gegenteil, ich war davon angetan, dass man keinen sinnlosen Schnellschuss getätigt hat, nur um die Leute zu beruhigen.

Für mich hatte alles Hand und Fuß, was Schindelmeiser für den VfB geleistet hat. Wohltuend ruhig und sachlich wurde mehr gearbeitet als geschwätzt, Transfers wurden erst bekannt, wenn sie in trockenen Tüchern waren. Das kannte man vom VfB so seit Jahren nicht.

Weil man sich beim VfB mit Maulwürfen (vor allem im Aufsichtsrat) bestens auskennt, sind die Schindelmeiser zum Vorwurf gemachten Alleingänge sicherlich ein Stück weit notwendig gewesen, um das eine oder andere Geschäft im letzten Moment nicht noch zu gefährden.

Angeblich wurde Schindelmeiser darüber hinaus intern kritisiert, dass er es im Laufe des Jahres nicht geschafft habe, einen Kaderplaner einzustellen. Mit Verlaub, bei den vielen Hansels, die für viel Geld auf dem Wasen herum springen, ist da ein Kaderplaner derart wichtig, um sich deshalb mit seinem wichtigsten Mann zu überwerfen?

Wolf und Schindelmeiser bau(t)en das Team der Zukunft, Hitzlsperger und Kienle, sollten diesen zuarbeiten und dafür verantwortlich sein, dass es in naher Zukunft wieder Talente aus dem eigenen Nachwuchs in den Profikader schaffen. Da über Jahre im Nachwuchsbereich geschludert und vor allem in der Bobic-Ära viel Porzellan zerschlagen wurde und Koryphäen vergrault wurden, erfordert der Wiederaufbau Zeit.

Es kann Schindelmeiser nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass das Potential des Nachwuchsleistungszentrums brach liegt und man noch nicht die erhofften Früchte erntet.

Schindelmeiser hat an einigen Stellschrauben gedreht, ob diese Änderungen Erfolg bringen oder nicht, lässt sich heute noch überhaupt nicht sagen. Jedenfalls löste er alte Seilschaften aus Bobic- und Dutt-Zeiten auf und installierte von unten bis hin zu den Amateuren neue Trainer. Das jahrelange Missmanagement im Nachwuchsbereich, das im Abstieg unserer Amateure und dem Fast-Abstieg der U19 gipfelte, lässt sich nicht binnen eines Jahres beheben. Dafür benötigt es Geduld, die man in der AG wohl nicht aufzubringen bereit ist. Wenn Schindelmeiser eines nicht konnte, dann, zaubern!

Mit den bislang getätigten Transfers kann ich nach den Eindrücken der beiden Trainingslager vollauf leben, wenngleich ich weiteren echten Verstärkungen natürlich auch nicht abgeneigt wäre.

Unsere Defensivprobleme der letzten Jahre werden mir zu sehr immer nur an der Viererkette festgemacht. Dabei geht es doch um das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft! Mit Zieler, einem Torwart der ähnlich wie zuletzt Jens Lehmann dirigiert und seine Vorderleute stellt und einem durch die Verpflichtungen von Burnić und Mangala stärker gewordenen zentralen Mittelfeld, sehe ich uns auch ohne Verstärkung in der Innenverteidigung besser aufgestellt als in der Vorsaison.

Sollten diese beiden, zusammen mit Ebenezer Ofori, ihr Potential ausschöpfen und sich dem Bundesligafußball anpassen, könnte es für einen wie Christian Gentner schnell sehr eng werden. Im Trainingslager im Stubaital war ich von den dreien sehr angetan, vor allem was ihre technische Beschlagenheit, ihr Raum- und Spielverständnis und ihre Schnelligkeit angeht. Auf viele junge Spieler zu setzen, birgt natürlich Chancen und Risiken zugleich, da der Kader aber auch in der Breite derzeit nicht schlecht aufgestellt ist, wäre mir davor nicht bange.

Bis gestern sah ich in der Innenverteidigung Timo Baumgartl und Benjamin Pavard als favorisiert an und liebäugelte nach seiner starken Vorbereitung mit „Zimbo“ Zimmermann als rechtem Verteidiger.

Nun wurde, dem Vernehmen nach eskalierte wegen dieser Personalie der Streit zwischen Dietrich und Schindelmeiser, Holger Badstuber verpflichtet. Im letzten halben Jahr auf Schalke hat Badstuber keine Bäume ausgerissen, so dass ich, ähnlich wie es Jan Schindelmeiser auch gewesen sein soll, sehr skeptisch bin, ob uns dessen Verpflichtung weiter bringt.

Entweder man vertraut der bisherigen Innenverteidigung bedingungslos und baut sie auf, oder man holt jemanden, der sofort unumstrittener Stammspieler werden soll. Dann aber präsentiere ich keine halbgare Lösung mit einem Spieler, bei dem man nach jedem Zweikampf Angst haben muss, dass er liegen bleibt und länger ausfällt.

Auf dem Fan-Abend letzte Woche Freitag in Neustift im Stubaital hatte ich Gelegenheit, mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und e.V.-Präsidenten Wolfgang Dietrich zu sprechen.

Eine Sache brannte mir unter den Nägeln, nämlich, jener Artikel von Gunter Barner in den Stuttgarter Nachrichten vom 18.07.2017, in dem er, damals zur allgemeinen Verwunderung, von atmosphärischen Störungen zwischen Schindelmeiser und den AG-Kollegen berichtete.

Ich fragte ihn also direkt, ob etwas dran sei und ob man sich um Jan Schindelmeiser sorgen müsse. Dies verneinte er! (!)

Ich war schon auf einigen Fan-Abenden und hänge meist Dinge, die ich dort erfahre, nicht an die große Glocke. Über Kevin Großkreutz in Lagos, kein Wort, Ehrenwort! ;-) .

Aber hier, sorry für die deutlichen Worte, fühle ich mich jetzt doch verarscht. Ich bin bei weitem nicht so blauäugig zu glauben, dass man mir bei solchen Anlässen alles auf die Nase binden würde, aber, es gibt diplomatischere Kandidaten, Veh war zum Beispiel so einer, die, wenn es ans Eingemachte geht, eben sagen, „darüber kann ich nichts sagen“ oder einen zwischen den Zeilen an seinen Gedanken teilhaben lassen.

Barner kanzelte er im Gespräch ab, „der habe zwei, drei Spielerberater angerufen, die momentan beim VfB nicht zum Zuge kämen und daraus sei dieser Artikel resultiert. Es wäre normal, dass auch mal kontrovers diskutiert werden würde, am Ende zögen jedoch alle an einem Strang.“

Danach erkundigte ich mich noch nach dem Stand der Verpflichtung eines neuen Innenverteidigers bzw. ob auf jeden Fall noch einer kommen würde. Das relativierte er und meinte, man wolle Jungs wie Pavard (dessen großartiger Dankespost an Jan Schindelmeiser hier https://www.facebook.com/BenjaminPavardOfficial/posts/1336949399734018) und Baumgartl den Weg nicht um jeden Preis versperren und sie in ihrer Entwicklung bremsen. Ich fragte dann, ob Hannes Wolf das genau so sieht, was er bejahte und mich beruhigte!

Dietrich brachte dann von sich aus den Namen Neven Subotic ins Spiel, den viele fordern würden, den er aber nicht wolle, weil er vermutlich zu satt sei und bereits fast alles gewonnen habe. Der VfB brauche hungrige Spieler, die Mentalität mitbringen und sich mit dem Verein zu 100% identifizieren.

Irgendwie plausibel, zumal ich, siehe oben, auch in der jetzigen Besetzung keine übergroßen Bauchschmerzen bekäme. Plausibel zumindest dann, wenn nicht eine Woche später Holger Badstuber als die neue Innenverteidiger-Hoffnung präsentiert worden wäre. Der hat noch mehr gewonnen als Subotic, ist gleich alt, nur um einiges verletzungsanfälliger. Ob Schindelmeiser Badstuber unbedingt wollte und Dietrich nicht, oder umgekehrt, da gehen die Berichte auseinander. Selbst, sollte Schindelmeiser sich durchgesetzt haben und ihn gegen den Willen des Aufsichtsratsvorsitzenden geholt haben, wäre zu hinterfragen, weshalb Schindelmeiser dann nicht vorher entlassen wurde, wenn sich daran der Streit entlud. Eine klare Linie jedenfalls sieht anders aus!

Hätte ich mir also sparen können, das Gespräch, aber, hinterher ist man halt immer schlauer. Über die Gründe des Rausschmisses wird man wohl nie die Wahrheit, vor allem die von beiden Seiten, erfahren, so dass uns Fans und Bloggern nichts anderes übrig bleibt, fleißig mit zu spekulieren, zumal das Vertrauen in die Vereinsführung auf einem neuerlichen Tiefpunkt angekommen ist.

Mein Eindruck über diesen Präsidenten verfestigt sich immer mehr. Er, der Kandidat des Aufsichtsrats musste kommen, um die Ausgliederung durchzudrücken und mit eisernem Besen zu kehren, stets im Interesse der Sponsoren und damit in erster Linie denen von Daimler Benz. Die Schindelmeiser zur Last gelegten Alleingänge können auch in die Richtung interpretiert werden, dass sich so mancher auf den Schlips getreten fühlte, weil er nicht bis ins letzte Detail in die Vorgänge involviert war.

Schindelmeiser soll es auch sauer aufgestoßen sein, dass Dietrich so offensiv verkündet, man wolle schon bald die Nummer drei in Deutschland hinter den Bayern und dem BVB sein und in sehr naher Zukunft bereits die Championsleague-Plätze anpeilen. Natürlich sitzt es in einem Geschäftsmann drin, dass man sich hehre Ziele setzen muss, um überhaupt welche zu erreichen. Doch, da trennt sich nun mal die Spreu vom Weizen. Schindelmeiser kommt aus dem Fußball und weiß, dass man als Aufsteiger erst einmal gut daran tut, kleinere Brötchen zu backen. Der letzte Präsident, der von der Championsleague träumte, „führte“ uns schließlich in die 2. Liga.

Für mich hat Schindelmeiser bis dato alles richtig gemacht. Auch die Philosophie, mit hochkarätigen Leihspielern, die man sonst nicht bekommen würde, eine schlagkräftige Truppe zu formen, ist für mich so lang legitim, so lang der Trainer dazu bereit ist, jedes Jahr ein neues Team zu formen. Da es Hannes Wolf offensichtlich eine große Freude bereitet, mit jungen entwicklungsfähigen Spielern zu arbeiten und sie von Tag zu Tag besser zu machen, sehe ich nichts Verwerfliches daran, hungrige Spieler auszuleihen.

Insgesamt stelle ich Schindelmeiser daher ein herausragendes Arbeitszeugnis aus und stelle fest, dass er im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten das Beste für den VfB herausgeholt hat. Seine ruhige Art, seine Geduld, seine Politik der kleinen Schritte wirkten wohltuend auf mich nach dem Größenwahn der letzten Jahre. Schindelmeiser war der Einzige, dem man blind sein Geld anvertrauen hätte können und bei dem man sich sicher sein konnte, dass er verantwortungsvoll damit umgeht.

In der endlosen Ausgliederungsdebatte waren Hannes Wolf und er das Faustpfand, wie oft hörte man im Vorfeld der Abstimmung Stimmen wie „der schmeißt die Kohle nicht zum Fenster raus“. Ich warnte, wie die anderen Ausgliederungskritiker auch, nicht zu kurz zu denken und die Entscheidung für oder wider Ausgliederung nicht an derzeit handelnden Personen festzumachen, weil diese schneller weg sein könnten, wie man gucken kann. Ich schrieb damals, “dieser Vereinsführung traue ich nicht über den Weg” und fühle mich heute (leider) so etwas von bestätigt.

Wie jetzt deutlich wurde, wurde Schindelmeiser mit Kalkül vor den Ausgliederungskarren gespannt, um ihn kurze Zeit später zu entlassen. Dass die Zerwürfnisse nicht von jetzt auf gleich entstanden sind sondern schon seit dem Winter schwelen, hat der offenbar von Vereinsseite offenbar gut unterrichtete Gunter Barner ja geschrieben.

Viele, die pro Ausgliederung gestimmt haben, fühlen sich nun vor den Kopf gestoßen, siehe nur die bislang knapp 2.500 Kommentare auf der VfB-Facebook-Präsenz unter dem Infopost zur Entlassung von Schindelmeiser.

Auf uns Kritiker wollte ja keiner hören, wenigstens muss ich mir selbst jetzt nicht den Vorwurf machen, mich von der Euphoriewelle und gerade einmal bis zur Abstimmung elf Monaten vernünftigen Wirtschaftens geleitet lassen zu haben.

In der Ausgliederungsdebatte hatte ich Vergleiche zu Trumps Wahlkampf in den USA gezogen, „make VfB great again“. Die VfB-Veranstaltungen wirkten wie Jubel-Wahlkampfpartys, gekrönt von der außerordentlichen Mitgliederversammlung, die statt einer ernsthaften Debatte zu einem wichtigen Thema zu einer Aufstiegs-Nachfeier verkam. Ich bekomme heute noch Schaum vor den Mund, wenn ich an diesen Tag zurückdenke.

Nun geht es gerade so im Trump-Style weiter, indem man Personal, das einem zu groß und zu unbequem wird, von heute auf morgen vor die Tür setzt und Kritiker wie kleine Jungen da stehen lässt.

Den Vorwurf, dass Schindelmeiser zuletzt mehr und mehr eine One-Man-Show betrieben habe, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich bezweifle jedoch, dass das das Gremium, das den Daumen schließlich senkte, uneingeschränkt konnte, so dass unterm Strich eine persönliche Geschichte zwischen Dietrich und Schindelmeiser zu vermuten ist, aus deren Machtkrieg nun mal Dietrich als Sieger hervorgeht.

Dass Schindelmeiser erst im Juli und nicht schon nach der Aufarbeitung der letzten Saison und vor Beginn der heißen Phase des Transfermarkts demontiert wurde, hat eine logische Erklärung! Zunächst einmal musste mit ihm noch die Ausgliederung durchgedrückt werden, danach bestand eine einmonatige Frist, in der gegen die Ausgliederung hätte geklagt werden können. Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Jan Schindelmeiser hatte noch Vertrag bis 2019, so dass den VfB die Entlassung einiges an Abfindung kosten dürfte, Geld, das anderer Stelle fehlt.

Bereits heute wurde Schindelmeisers Nachfolger verkündet. Es handelt sich um keinen geringeren als Michael Reschke, DAS Superhirn schlechthin bei den Bayern und mit einem exzellenten Ruf ausgestattet. Bevor er von den Bayern abgeworben wurde, war Reschke zehn Jahre lang Manager bei Bayer 04 Leverkusen und dort für zahlreiche namhafte Transfers verantwortlich.

Da Reschke seinen Dienst erst Ende August antreten wird, ist vorher auch kein Statement von ihm zu erwarten, wie er seine neue Aufgabe anzugehen gedenkt. Ich bin sehr gespannt, für welche Philosophie er stehen und wie sein Zusammenspiel mit Hannes Wolf aussehen wird. Ich hoffe, es „funkt“ zwischen beiden, nicht dass uns in Kürze noch ein Trainerwechsel ins Haus steht.

Bislang war Reschke eher der Mann, der im Hintergrund die Strippen zog. In Leverkusen war Rudi Völler der Front-Man, bei den Bayern Sammer. Hier wird es spannend werden, wie er sich im Rampenlicht geben wird, das, wie man hört, ja nicht so Seines sein soll.

Zudem muss Reschke beim VfB aus wenig viel machen. Diese Philosophie verinnerlichte Schindelmeiser wie kaum ein zweiter. Reschke war bislang verwöhnt von Bayer- und Bayern-Millionen, so dass es mich nicht beeindrucken kann, wenn er es hinbekam, Leno und Schürrle zu Bayer oder Douglas Costa zu den Bayern zu transferieren.

Gibt es eigentlich im Netz irgendwo einen Ausgliederungszähler? Von den 41,5 Millionen Euro, die man vom Daimler erhielt, dürfte nach Abzug der Renovierungsarbeiten am Clubgelände, den Transfers, der Schindelmeiser-Abfindung und dem Reschke-Gehalt nicht mehr viel übrig sein. Reschke, den Guardiola gerne zu Manchester City mitgenommen hätte, war sicherlich nicht billig zu haben. Möglicherweise wird gar noch eine Ablösesumme an die Münchner Bayern fällig. Man wäre geneigt zu sagen, dieser Schuss muss jetzt sitzen. Doch, wir haben ausgegliedert, die Musik spielt in der AG und dort hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus. So wird es eben jetzt mal mit Reschke versucht, der sich selbst als Teamplayer beschreibt und es ja beherzigen sollte, Papa Wolfgang stets auf dem Laufenden zu halten, wenn nicht, wird dieser nämlich sauer und die AG hat die nächste Abfindungsforderung an der Backe. Manche Dinge ändern sich halt nie!

Noch immer bin ich nur entsetzt darüber, wie man zwei Wochen vor Bundesligabeginn ein solches Fass aufmachen und das Sportliche weit in den Hintergrund rücken kann. Ich hoffe, das Team um Hannes Wolf sieht dies professionell und lässt sich nicht davon beeindrucken. Nicht, dass er eines Tages, zermürbt vom Irrenhaus VfB, auch noch den Bettel hinschmeißt.

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