19. November 2014

Angekommen auf Platz 18

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 08:26

Trotz des Bahnstreiks fanden gut 2.000 VfBler den Weg an den Osterdeich ins Bremer Weserstadion. Wir vertrauten dem Notfahrplan der Deutschen Bahn und fuhren eben knapp zwei Stunden früher als geplant in Stuttgart los. Vorteil unseres Intercitys war, dass er in Stuttgart begann und somit zu erwarten war, dass der Zug beim Einstieg noch nicht brechend voll war, was sich auch bewahrheitete. Wir enterten sofort das Bordbistro und gaben den Tisch bis zum Ziel Bremen auch nicht mehr auf. Die Fahrt war megalustig und sehr kurzweilig. Sämtliche Regeln wurden kurzerhand aufgehoben. Vorteil bei den alten Intercity-Zügen ist ja, dass man die Fenster noch öffnen kann, so dass sich zeitweise auf der sehr geräumigen Behindertentoilette des Zuges gleichzeitig sieben (!) Leute aufhielten, rauchten und Party machten. Selten so gelacht! Fast planmäßig, gegen 14.30 Uhr, erreichten wir Bremen und hatten somit noch genügend Zeit, einzuchecken und uns auf das Spiel einzustimmen. Noch etwas feste Nahrung zu uns zu nehmen vergaßen wir dabei gänzlich. Mit dem Taxi ging es dann von der Jimi Hendrix Bar zum Stadion. Da wir zu fünft waren und kein Großraumtaxi zu bekommen war, musste leider einer von uns im Kofferraum Platz nehmen, was den Taxi Driver zu Schweißausbrüchen hinriss. Er war die ganze Fahrt über nur am herum heulen und sah schon, erst recht als in Stadionnähe die Präsenz der Ordnungshüter zunahm, seine Taxikonzession entschwinden. Da das nicht unser Problem war, ertrugen wir sein Gezetere mit Fassung.
Am Stadion angekommen tranken wir noch kurz ein Bierchen, ich versuchte noch eine überzählige Karte loszuwerden, was mir leider nicht gelang. Ein großer Andrang auf das „Topspiel“ des Tages (18. gegen 15.) fand an der Tageskasse nicht mehr statt, wer sich den Kick antun wollte, hatte sich sein Ticket schon vorher besorgt.
Den letzten Sieg in Bremen feierte der VfB 2006 in der Meistersaison, unter Trainer Armin Veh. Sonst gab es für uns im Weserstadion oft nichts zu bestellen. Das raue Klima, die steife Brise, man weiß nicht woran es liegt, es gibt jedenfalls bessere Pflaster für den VfB. Natürlich traten wir dort oft an, als Bremen eine Spitzenmannschaft und zudem eine Heimmacht war. Weshalb es dort auch in der Gegenwart nicht für uns laufen will, verstehe wer will.
Bremen hat ganz ähnliche Probleme wie der VfB. Der Kader war lang auf Championsleague-Einnahmen gebürstet, als diese wegbrachen fraßen die Spieler Werder förmlich die Haare vom Kopf. Damit hat es sich aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Tauschen wir im Schnitt knapp alle zwei Jahre den Übungsleiter aus, hatte Bremen über Jahrzehnte mit Otto Rehhagel und Thomas Schaaf Kontinuität auf dieser so wichtigen Position. Auch das Umfeld ist erstaunlich ruhig und verständnisvoll und steht zu 100% zu Werder, dem Aushängeschild Bremens. Wie in der Post-Rehhagel-Ära klappt die Neubesetzung des Trainerpostens auch nach Schaaf nicht auf Anhieb. Robin Dutt ist Geschichte und wurde leider aus VfB-Sicht zwei Wochen zu früh entlassen. Wie schon damals in Thomas Schaaf rekrutierte Werder jetzt mit dem Duo Skripnik/ Frings zwei Werder-Urgesteine, die einen bemerkenswerten Start hinlegten mit dem Pflichtsieg im Pokal und dem Ausrufezeichen ein paar Tage später in Mainz.
Es gab also wahrlich bessere Zeitpunkte für einen selbst angeschlagenen VfB die weite Reise in den hohen Norden anzutreten. Der VfB war zweifelsohne angeknockt nach dem 0:4 gegen Wolfsburg und stand vor dem Abstiegsgipfel unter Druck. Ob sie diesem gewachsen sein würden, da hatte ich schon vor dem Spiel so meine (berechtigten) Zweifel. Schließlich haben wir keinen Spieler, der humorlos seinen Stiefel herunterkickt und einfach sein Leistungsvermögen abrufen kann, wie verfahren die Situation auch ist. Jeder, wirklich jeder in der Truppe hat genügend mit sich selbst zu tun und kann den vorhandenen Druck weder ausblenden noch in positive Energie umwandeln.
Wir haben derzeit in der Tat elf Zappelphilippe auf dem Platz, denen selbst die einfachsten Dinge misslingen. Unterläuft einem ein Fauxpas ist keiner da, der diesen ausbügelt. Es scheint gerade so, als ob die Anderen froh wären, dass dieser nicht ihnen selbst unterlaufen ist.
So war einfach nur zu hoffen, man möge selbst in Führung gehen, dann spielte es sich leichter, das eigene Selbstvertrauen würde zurück kehren und Bremen finge wieder an nachzudenken, als umgekehrt.
Da der Gästeblock in Bremen eine Frechheit ist, hatte ich, wie schon in der Vorsaison, meine Karte direkt bei Werder bestellt. Im Gästeblock kostet ein Sitzplatz ja stolze 40 Euro, man sitzt hinter Gittern und hat zu allem Überfluss noch einen Fangzaun vor der Nase. In der Rückrunde soll der Gästeblock fanfreundlicher umgestaltet werden, man darf gespannt sein. Trotzdem würde ich in Bremen immer wieder diesen Platz bestellen, hat man doch auch andere Vorteile, wenn man nicht in den Gästebereich geht. Man bekommt Vollbier, kann Speis und Trank auf die Tribüne mitnehmen, und die Einlasskontrolle geht relaxter vonstatten.
Einige VfBler waren auch um mich herum, die überwiegende Mehrzahl aber natürlich Werderaner. Die Stimmung der Bremer war von Beginn an gut. Es war eine gewissen Erleichterung herauszuhören, dass die Ära Dutt zu Ende ist und so etwas wie eine Aufbruchstimmung zu erkennen. Nach dem Bremer Vereinslied „Ein Leben lang grün-weiß“, ja, wie schon berichtet, werde ich bei der Schalparade des Gegners schon mal wehmütig, dass wir keine eigene Hymne haben, erfolgte der Einlauf der Mannschaften und als Intro aus beiden Fanlagern die Rote Karte für Red Bull.
Dieses Konstrukt möchte kein Traditionalist in der Bundesliga sehen. Ein Spielzeug des österreichischen Brausemilliardärs Mateschitz, das sämtliche Regelungen bzgl. des 50+1 unterläuft und ad absurdum führt. Gut, wenn man einen Ex-Manager des Konzerns wie Helmut Sandrock beim DFB platzier hat, der im Sommer mitverantwortlich dafür war, dass Red Bull überhaupt in die zweite Liga aufsteigen durfte. Leider werden die Proteste nichts bringen. Über kurz oder lang wird sich Leipzig neben Wolfsburg, Leverkusen und Hoffenheim mit um die Europapokal-Plätze rangeln, während Vereine wie der VfB und Werder Bremen um ihre Existenz kämpfen. Natürlich boykottiert nahezu jede Fanszene das Auswärtsspiel in Leipzig, von den Leipzigern aber wird dieses Projekt angenommen. Wären die Leute dort mal konsequent und würden ausschließlich zu Lok oder anderen umliegenden Vereinen gehen, wäre die Chance vorhanden gewesen, dass sich Mateschitz zumindest einen anderen Dummen hätte suchen müssen, so aber wird der steile Aufstieg nicht aufzuhalten sein. Leider! Noch trauriger finde ich dabei, dass es ausgerechnet eine Schwaben-Connection ist, die maßgeblich den Aufstieg dieses unerwünschten Konstrukts begleitet.
Zum Spiel braucht man eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Da wir sonntags och eine anstrengende Rückfahrt hatten, hatte ich weder die Muße meine Bilder noch zu bearbeiten und online zu stellen, noch mir den Kick noch einmal in voller Länge zu Gemüte zu führen und zu analysieren.

Montags wollte ich dann meinen Blog schreiben, zu mehr als zu einem Entwurf kam es leider nicht. Trotz der Bundesligapause hatte ich viel um die Ohren und bin ja auch, wie die meisten mitbekommen haben, mit dem Buchprojekt „Das sind die Fans“ nebenbei beschäftigt. Noch werden Autoren gesucht, Fanclubs und Einzelpersonen, die Geschichten aus ihrem Fandasein erzählen möchten. Es würde mich freuen, Beiträge aus den Epochen zu bekommen, die ich auch bewusst miterlebt habe, also ab ca. Mitte der 1970er-Jahre bis heute. Bis zum 23.12.14 muss man sich entschlossen haben mitzumachen und eine Einverständniserklärung unterschrieben beim Verlag vorliegen, bis zum 06.01.2015 dann der Beitrag fertig sein. Interessenten können sich an die in den Rundmails veröffentlichte Email-Adresse oder auch an info@frankys-stadionpics.de wenden.

Das Fazit des Spiels lautet, teilweise gefällige Spielanlage, fahrig, teils kläglich im Abschluss und hinten anfällig bei Standardsituationen. Bremen hatte den klaren Plan, den VfB das Spiel machen zu lassen, im Wissen darüber, dass der VfB das nicht kann, um dann überfallartig zu kontern, weil es sich in der Liga herumgesprochen hat, dass der VfB einige Zeit braucht, um sich nach eigenen Angriffen defensiv zu sortieren. Dies funktionierte zwar nicht, dafür schlug es zwei Mal (eigentlich sogar drei Mal) nach Eckbällen ein. Beim ersten Gegentor ließ sich Klein von Prödl wegdrücken, der Rüdiger anköpfte und von dessen Körper der Ball den Weg ins Tor fand. Der eine oder andere Schiri pfeift das vielleicht ab, dennoch, das ging zu einfach. Und beim zweiten Tor wollten alle auf einmal, wie nach einer Strafecke beim Feldhockey, das Tor absichern und ließen dem Schützen Fin Bartels allen Raum der Welt, um die Kugel mit einem satten Schuss zu versenken. Wäre da nur einer herausgerückt, und hätte das Spielgerät erobern wollen, eine schöne Kontersituation hätte entstehen können. Der VfB fängt sich Tore ein, die gibt’s eigentlich gar nicht. Das einzig „positive“, am Samstag musste man nicht über unser Torwartproblem sinnieren.
Vorne waren wir weitestgehend kläglich, slapstickverdächtig schon der „Abschluss“ von Kapitän Gentner als er auf den Boden köpfte anstatt ins leere Tor. Das wäre das 1:1 gewesen und hätte neuen Mut gebracht. Nach dem 2:0 war dann „aus die Maus“, nichts ging mehr. Der VfB noch mehr verunsichert brachte keine klare Aktion nach vorne mehr zustande und Bremen brachte den Heimsieg sicher über die Runden.
So stand bei biederen Bremern ein 0:2 am Ende. Um mich herum Feierlaune ohne Ende. Das muss man eben aushalten können, wenn man sich seinen Platz bei den Heimfans sichert.
Und, ich muss sagen, mir fiel es nicht einmal schwer die Kontenance zu bewahren, konnte ich mich doch schon mindestens eine halbe Stunde lang darauf einstellen. Am Ende wünschte man sich gegenseitig noch viel Glück für den Klassenerhalt, war man sich doch auch da einig, dass besser Vereine wie Bremen, der VfB oder der HSV in der Liga bleiben sollen, als dass die Retortenvereine aufsteigen oder drin bleiben.
Der VfB ist am 11. Spieltag also dort angekommen, worauf schon einige Jahre emsig drauf hingearbeitet wurde. Wir sind Letzter. Veh macht derzeit auch nicht gerade den Eindruck, dass er den Schalter finden würde und wüsste, wie er den Karren wieder flott bekommt. Er lamentiert über die nicht vorhandene Qualität im Kader, die falsche Kaderzusammenstellung und die amateurhaften Fehler, die uns immer wieder das Genick brechen. Alles bekannte Tatsachen. Die Tabelle lügt nun mal nicht. Wir haben nach elf Spielen neun Pünktchen, die meisten Gegentore der Liga und auch die meisten Niederlagen auf dem Konto. All dies mache ich jedoch nicht am Trainer fest. Ich stelle mir nur die Frage, unter welchen Voraussetzungen, mit welchen Versprechungen er gelockt wurde und ob er nicht ein wenig blauäugig an die Aufgabe herangegangen ist. Man hört ja immer wieder heraus, dass Veh gerne noch etwas gemacht hätte auf dem Transfermarkt, jedoch kein Geld mehr da war. Beratungsresistent wie Fredi Bobic war, auch wie überzeugt er von der Qualität des von ihm zusammengestellten Kaders war, ist es nicht auszuschließen, dass Bobic eben auch alles abgeschmettert wurde, was an Änderungswünschen kam. Jedem, der die Vorsaison intensiv verfolgt hat, war es klar, dass im Defensivbereich etwas getan werden muss, dass wir auch da nur mit einem blauen Auge davon kamen, weil es eben noch drei blindere Teams in der Liga gab. Dass dies nicht immer gut ausgeht, dass 32 Punkte wohl kein zweites Mal für den 15. Platz reichen würden, ist ebenfalls so sicher wie das Amen in der Kirche. Aber, da der große Knall nicht erfolgte, ging man das Unternehmen Saison 2014/2015 abermals sehr naiv an und der Trainer darf jetzt die Suppe auslöffeln. Daher ist es zu billig jetzt schon wieder den Trainer anzuzählen. Ich sehe den Zustand der Truppe mittlerweile als irreparabel an, vor allem was das Defensivverhalten und das Fehlen von Führungsspielern angeht. Und wenn man dann noch offensiv Zaubermäuse wie Maxim aufbieten muss, der es auch im Abstiegskampf mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei lösen möchte, dann gute Nacht VfB. Für den VfB geht es in den verbleibenden sechs Spielen bis zur Winterpause nur darum, noch das eine oder andere Pünktchen zu ergattern und den Abstand auf einen Nichtabstiegsplatz nicht zu groß werden zu lassen.
Ob es förderlich ist, dass Veh seine Spieler, einen nach dem anderen, öffentlich abwatscht und somit noch mehr verunsichert, sei dahingestellt. Psychologisch vielleicht nicht der allerbeste Kniff. Auf der anderen Seite, wir haben es hier mit Männern zu tun, die das aushalten und ihre Schlüsse ziehen sollten. In der Ära Bobic/ Labbadia wurden die Spieler lange genug in Watte gepackt und sie konnten es sich in der Wohlfühloase VfB bequem machen, irgendwann ist eben auch Schluss mit lustig. Schon Stevens fasste die Jungs härter an und hatte Erfolg damit. Das allerdings in der Schlussphase der Saison, als man bereits zwei Übungsleiter verschlissen hatte und die Tabelle den Ernst der Lage unmissverständlich deutlich machte. In der Vorrunde hat es ein Trainer ungleich schwerer. Noch schwärmen die meisten von der Qualität, die man im Kader habe und sind der Auffassung, dass man zu Unrecht da unten festsitze.
Die Gefahr ist groß, dass, sollte die Mannschaft sich nach dem Kuschelkurs zurück sehnen und die harten und mahnenden Worte des bösen Veh als ehrabschneidend empfinden, den Trainer schneller abgeschossen hat, wie der gucken kann. Alles schon mal dagewesen!
Bitter war es, mit diesem Negativerlebnis als Inhaber der roten Laterne in die Bundesligapause zu gehen. Eine Aufarbeitung des Spiels, eine Fehleranalyse kann dadurch erst gut zehn Tage nach dem Bremen-Spiel erfolgen, wenn die Hälfte der Mannschaft wahrscheinlich gar nicht mehr weiß, wo wir gekickt haben.
Danach kommt dann der FC Augsburg ins Neckarstadion, gegen den wir in der letzten Saison sang- und klanglos 1:4 unter gingen. Einfacher als in Bremen dürfte es dann auch nicht werden. Augsburg weiß, wie man dem VfB Probleme bereitet, vor allem in Stuttgart. Köln und Hoffenheim haben es schließlich vorgemacht, hinten sicher stehen und vorne zumindest einen der Fehler ausnützen und fertig ist der Auswärtssieg. Ich würde es mir wünschen, dass der VfB dem Gegner diesen Gefallen nicht tut und den Fuggerstädtern nicht ins offene Messer laufen möge.
Lieber selbst hinten Beton anrühren, dass die Null ausnahmsweise einmal möglichst lange steht. Nur über die Defensive ist der Misere beizukommen. Wenn dann beide nicht viel Risiko gehen, birgt das natürlich die Gefahr eines langweiligen 0:0, was in der derzeitigen Situation jedoch schon als Achtungserfolg zu bewerten wäre.
Daniel Schwaab fällt verletzt aus, für ihn dürfte Georg Niedermeier wieder in die Innenverteidigung rücken. Timo Baumgartl, der in Bremen ein gutes Debut feierte, stünde ebenfalls als Alternative zur Verfügung. Ob man ihm bei diesem Hühnerhaufen, der sich Abwehr schimpft, jedoch einen Gefallen tun würde, ihn von Anfang an zu bringen, da habe ich meine Zweifel. Hier fehlt einmal mehr DER Abwehrchef, den man im Sommer versäumt hatte zu holen. Zudem plädiere ich dafür, Gruezo mal wieder zu bringen. Er war doch maßgeblich am Klassenerhalt in der letzten Rückrunde beteiligt, glänzt durch sein Stellungsspiel und fängt dadurch viele Bälle schon im Ansatz ab. Gentner, auch wenn er Kapitän ist, würde ich auf die Bank setzen, ist er doch vor allem defensiv keine Hilfe. Im Sinne einer erfolgversprechenden Taktik und Formation müssen nun mal Opfer gebracht werden.

Klar ist, in den nächsten beiden Spielen gegen Augsburg und in Freiburg sollte tunlichst gepunktet werden, um nicht schon aussichtslos ins Hintertreffen zu geraten. Allein, es fehlt der Glaube, wenn man sich die Hilflosigkeit der Truppe anschaut. Diese Saison könnte es wirklich so weit sein, dass sich das Missmanagement der letzten Jahre rächt. Man würde es sich ja manchmal wünschen, wenn man die Garantie hätte, dass wir, wie 1977, zurück kommen würden, als wir mit einer jungen, hungrigen und einen herzzerreißenden Fußball zelebrierenden Mannschaft auf Anhieb Vierter wurden. Doch, das waren andere Zeiten. Mittlerweile ist die (finanzielle) Kluft zwischen erster und zweiter Liga riesig. Ein Abstieg könnte den Ruin des Vereins bedeuten, es wäre fraglich, ob wir uns davon je wieder erholen würden. Sportlich würde ich es gelassener sehen. Da ich Pragmatiker bin und es versuche, mich auf neue Situationen immer schnell einzustellen, sehe ich zuerst das Positive. Die Wahrscheinlichkeit wäre groß, dass wir im Unterhaus wieder öfter jubeln könnten als zuletzt, Gegner wie Düsseldorf, Lautern, Bochum, Braunschweig, 1860, St. Pauli, KSC, Glubb, wären attraktiver als Paderborn, Augsburg, Hoffenheim & Co., in der Fangemeinde würde sich endlich wieder die Spreu vom Weizen trennen. Bis auf die Anstoßzeiten hätte die Liga schon ihren (eigenen) Charme und es wäre auch nicht aller Tage Abend. Wenn eben die finanzielle Ungewissheit nicht wäre! Diese erscheint mir derzeit unkalkulierbar, wenn man immer wieder zwischen den Zeilen heraushört, es dürfe nicht viel passieren, in der Bundesliga wohlgemerkt, und der Verein befände sich am Rande der Zahlungsunfähigkeit.

Daher müssen im Winter die Weichen für eine starke Rückrunde gestellt werden und Verstärkungen, notfalls fremdfinanziert, her. Ein Abstieg käme nämlich ein Vielfaches teurer.

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31. August 2014

Schlimmer geht’s immer!

Nach dem Punktgewinn in Mönchengladbach, wo längst nicht alles Gold war, das glänzte, hatte ich die Hoffnung, dass man die positiven Dinge mitnehmen und aus den negativen lernen würde. Immerhin lag ja eine ganze Trainingswoche zwischen den beiden Spielen, in der man durchaus Schwerpunkte hätte setzen können.
Leider wurde diese Hoffnung enttäuscht. In den letzten Jahren mussten wir schon unzählige blutleere Auftritte im Neckarstadion über uns ergehen lassen. Das gestrige Spiel aber setzte den desaströsen Vorstellungen noch die Krone auf.
Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen solch schwachen VfB gesehen zu haben (hatte ich letzte Saison schon irgendwo geschrieben, merke, schlimmer geht’s immer). Immer daran gemessen, dass wir nicht gegen Bayern oder Dortmund sondern „nur“ gegen den Aufsteiger aus Köln gespielt haben. Gestern stimmte überhaupt nichts. Körpersprache, Einstellung, Kampf, Spielfreude, Tempo, Gier, Konzentration, Antizipation, Zusammenspiel, Teamgeist, Können, alles Grundattribute, die nicht vorhanden waren.
Das Hauptproblem, das ich nach wie vor ausmache, ist, dass wir keine Mannschaft haben. Es sind zu viele auf dem Platz, die sich nicht grün sind, gibt zu viele Grüppchen innerhalb des Kaders. Dies hat Veh ja schon erkannt und möchte das Thema angehen, umso unverständlicher, dass sich die Aufstellung von Spiel zu Spiel nicht gravierender verändert.
Nach der Katastrophensaison 2013/14 hätte ein größerer personeller Umbruch kommen müssen. Angefangen beim Manager Fredi Bobic, diese Chance wurde vertan, ihn durch einen kompetenten Mann zu ersetzen, wo uns doch versichert wurde, es würde jeder Stein umgedreht werden. Wer da unten auf dem Wasen nicht kapiert hat, dass uns dieser Mann noch vollends in den Abgrund führen wird, lebt geballte Inkompetenz vor und gehört selbst von seinen Aufgaben entbunden.
Präsident Wahler scheint einzig und allein das Thema Ausgliederung voranzutreiben und bedenkt dabei nicht, dass er die Braut auch schmücken sollte, in die ein Investor Geld buttern soll. Der VfB hat in den letzten Jahren massiv an Attraktivität eingebüßt. Stand man früher für begeisternden Fußball mit begeisterungsfähigen Fans und war für jeden Heimverein einer der attraktivsten Gegner, sind wir derzeit nur graue Maus, eher der Verein für Antifußball als für Begeisterung mit Geisteratmosphäre bei den Heimspielen. Ich merke es doch an mir selbst, wie emotional ich früher dabei war und wie apathisch ich heute das Geschehen verfolge, einfach weil vom Platz nichts nach oben transportiert und keine Begeisterung entfacht wird. Bei uns wird Fußball leidenschaftslos gearbeitet, die Spiele plätschern nur so vor sich hin. Dem Vorstand sollte diese Veränderung auch beim Häppchenessen in der VIP-Loge nicht entgangen sein, nur, hinterfragt wird an dieser Stelle nichts. Wahler und Bobic grinsen um die Wette und lachen sich wohl noch ins Fäustchen, dass, obwohl der Kader erneut geschwächt wurde, immer noch 55.000 den Weg ins Neckarstadion fanden.
Diese Mannschaft, die keine ist, wurde nunmehr ausnahmslos von Bobic zusammengestellt oder besser zusammengewürfelt. Dass die Kaderzusammenstellung nicht passt, hat nicht zuletzt Stevens erkannt und moniert.
Weshalb man die seit Jahren bundesligauntaugliche Innenverteidigung nicht verstärkt hat und stattdessen den x-ten Sechser holt (und damit Gruezo den Weg verstellt, bei dem wir uns maßgeblich für den Nichtabstieg bedanken dürfen), weshalb man für den Offensivspieler Kostic bis zu 8 Millionen Euro in die Hand nimmt, wo ein Offensivspiel bei uns überhaupt nicht stattfindet, begreife ich nicht. Ausdrücklich sei erwähnt, dass ich damit jetzt nicht den Stab über diese beiden Spieler breche, der Gedanke dabei ist nur, wenn ich schon kein Geld habe, muss ich doch zu allererst die größten Baustellen angehen, die da sind, Innen- und Außenverteidigung. Schwaab und Sakai haben gestern erneut unter Beweis gestellt, dass die Bundesliga eine Nummer zu groß für sie ist. Unser Neu-Nationalspieler Antonio Rüdiger, ohne Worte. Ist ja schön, wenn er bei Weltmeistertrainer Löw eine solche Wertschätzung besitzt, noch schöner für uns ist, dass sich sein Marktwert dadurch erhöht. Sollte sich in den nächsten beiden Tagen, bis zum Schließen des Transferfensters, noch ein Abnehmer finden, der tatsächlich die kolportierten 15 Millionen Euro bezahlt, MUSS ein klammer Verein, wie es der VfB mittlerweile ist, das Geld nehmen und Rüdiger ziehen lassen, bevor es auch Nicht-VfB-Fans geschnallt haben, dass dieser Mann einfach überschätzt wird. Kann keine Spieleröffnung und kein Stellungsspiel, gewinnt kein Kopfballduell, zelebriert aber jede Ballannahme und jedes Zuspiel, als wäre er Brasilianer, ist zudem ein arroganter Wohlstandsjüngling, dem ich keine Träne nachweinen würde. Setzt man aber weiter auf ihn, muss ihm ein erfahrener Mann zur Seite gestellt werden, der führen und Ruhe und Sicherheit ausstrahlen kann. Van Buyten wäre vielleicht so einer gewesen, leider hat er kürzlich sein Karriereende verkündet. Das Duo Schwaab – Rüdiger jedoch steht u. a. für die beispiellose Niederlagenserie unter Thomas Schneider und sollte schleunigst der Vergangenheit angehören. Was Schorsch Niedermeier verbrochen hat würde mich ernsthaft interessieren, möglicherweise stößt dem einen oder anderen sauer auf, dass er das eine oder andere Mal den Mund aufmacht und den Finger in die Wunde legt.
Gestern war dann noch frappierend, dass sich, wohl wegen unserer wackeligen Abwehr, außer den vier Spielern vorne keiner in die gegnerische Hälfte getraut hat und sich bei eigenem (!) Ballbesitz teilweise sechs Spieler hinten aufhielten, wovon dann vier herum trabten und zwei nur herumstanden. Mit einem solchen nicht stattfindendem Offensivspiel kann man nicht einmal einen Oberligisten auseinanderspielen. Eine stabile Defensivordnung gehört zum Grundrepertoire jeder Fußballmannschaft, ob Jugend oder Kreisliga. Mit diesem Altherrenfußball schafft man eben keine Überraschungsmomente. Einziger Hoffnungsschimmer für unsere Offensivabteilung war, und wenn es noch so schäbig aussah, Freistöße zu schinden oder Ecken herauszuholen. Daniel Didavis Standards sorgten wenigstens für einen Hauch von Gefahr.
So war es ein Leichtes für die Kölner hinten nichts zuzulassen und vorne auf die Fehler zu warten, die bei uns sowieso in jedem Spiel kommen. Ich möchte die Leistung der Kölner jetzt nicht schmälern, aber, so leicht dürfte ihnen vermutlich in Zukunft kein Sieg in der Bundesliga mehr fallen. Die etwa 5.000 Kölner Fans sangen schon wieder von der Deutschen Meisterschaft, sollten sich aber schon bewusst sein, dass die Spielplan-Verantwortlichen in der DFL-Zentrale in Frankfurt/ Main alles für die Kölner getan haben, damit sie gut in die Saison kommen können. Gleich zu Beginn gegen DIE Blindgänger der Liga (in der letzten und wohl auch in dieser Saison), Hamburg und Stuttgart, leichter geht’s wohl auch nicht…
Für mich MUSS Veh in den nächsten Wochen das Gerüst der Stammmannschaft grundlegend verändern. Angefangen bei Sven Ulreich, der für mich in den beiden letzten Jahren nicht nur stagniert hat, sondern schlechter geworden ist. Er strahlt keine Sicherheit aus, kann keine Abwehr stellen, kommt bei Flanken nicht raus, wenn er muss, ihm fehlt das antizipieren von Situationen und zuletzt auch die mentale Stärke. Seine Spieleröffnung seit eh und je eine Katastrophe, ohne jegliches Selbstvertrauen. Ich nehme ihn schon seit einiger Zeit als sehr zappelig wahr, er denkt zu viel, was dazu führt, dass er durchweg falsche Entscheidungen trifft. Dabei ist gerade für einen Torwart intuitives Handeln von zentraler Bedeutung. Die Niederlage gestern würde ich jetzt nicht an ihm festmachen, auch wenn er bei beiden Toren sehr weit (zu weit?) vor dem Kasten steht. Auf dieser Position wünschte ich mir eine echte Chance für Thorsten Kirschbaum, der fußballerisch besser ist und auf dem Platz respekteinflößender auftritt.
Der nächste unserer selbsternannten Achse ist Kapitän Gentner. Gestern einmal mehr eine Lachplatte. Bevor ich mich erneut über ihn auslasse, hier ein Post aus dem offiziellen VfB-Forum von User „nichtabsteiger“, den ich weitestgehend unterschreiben würde:

„Allerdings muss man sich die Frage der eigenen Erwartungen stellen: was erwarte ich von einem Kapitän und Großverdiener im Team?

Dass er pomadig durchs Mittelfeld trabt?
Dass er sich bei eigenem Ballbesitz so “ungeschickt” anstellt, in die Deckungssituation durch den Gegner (gefühlt: hundert Mal) zu laufen (“spielt mich bloß nicht an!”), anstatt sich FREIZULAUFEN, und den Ball zu fordern (Herrgott, DER muss doch als allererster sehen, wenn Rüdiger verzweifelt einen Abnehmer sucht – und sich anbieten? Stattdessen versteckt der sich).
Dass er fünf Minuten vor Schluss das erste Mal vor dem gegnerischen Tor auftaucht (dass der Versucht danebengeht: geschenkt, kann jedem passieren)? Wo war Gentner von Minute eins bis dahin?
Gemessen an seinen sonstigen Leistungen: üblich.
Neutral bewertet, als sog “Leader”, Großverdiener im Team und last not least Kapitän: lächerliche Mitläuferleistung. Mir wurscht, ob andere noch schlechter waren: dass, was Gente in der Summe pro Saison abliefert ist auch mit Schuld an der ganzen Misere. Wie lange kickt der jetzt wieder bei uns, seit ’09? ’10? Wie viele Spiele war der richtig gut? Kannst doch an einer Hand abzählen – was will ich mit so einem Spieler? BTW, Gente ist seit Jahren der einzige Kicker da unten, zu dem es keinerlei Transfergerüchte gibt (da wird nichts von Interesse anderer Vereine kolportiert, de nada) – wohlgemerkt: ein Spieler, der bei unseren Verantwortlichen als ABSOLUTER, GESETZTER, NICHT IN FRAGE ZU STELLENDER LEISTUNGSTRÄGER gilt – erstaunlich, wirklich: für sowas scheint niemand sonst Verwendung zu haben.“
Der dritte in der Achse, Vedad Ibisevic, gestern schwer zu bewerten. Natürlich ist er die ärmste Sau da vorne, wenn er keine Bälle bekommt. Dafür nimmt er aber dann zu wenig am Spiel teil und lässt sich bei vielversprechenden Ansätzen schon am Anfang der Situation fallen oder setzt sich selbst unfair ein. Weshalb sein Vertrag gerade jetzt verlängert wurde, weiß wohl nur Fredi Bobic, nachvollziehen können es die wenigsten.
Normalerweise zählt man zur Achse eines Teams noch den Abwehrchef, bei uns, „Fehlanzeige“.
Da ich noch an das Gute und Originäre einer Fußballmannschaft glaube, gehe ich davon aus, dass auch bei uns alleine der Trainer die Mannschaft aufstellt und es diesbezüglich keine Vorgaben „von oben“ gibt. Dass der mit Berater Schwab verbandelte Bobic dessen Schützlinge Ulreich und Gentner gerne in der Mannschaft haben würde, dass Ibisevic möglicherweise eine Stammplatzgarantie im Vertrag stehen hat, darf Veh nicht daran hindern, Umstellungen so durchzuführen, wie er es für richtig hält. Über Jahre liefern die immer gleichen Spieler den immer gleichen Mist ab und schaffen es, unsere Ansprüche immer weiter nach unten zu treiben. Das kann kein Zufall mehr sein. Den großen Umbruch im Sommer samt Demission von Fredi Bobic hat man abermals verpasst. So kam es natürlich auch, dass die meisten Spieler, die Fredi (als Einziger) in den letzten Jahren so liebgewonnen hat, dageblieben sind und bereit dazu sind, uns erneut Vorstellungen vorzusetzen, die mit der schönen Sportart Fußball reichlich wenig zu tun haben. Lethargisch, langsam, plan- und ideenlos, lustlos, kampflos, ohne Herz und ohne Moral, das ist der VfB im Sommer 2014. Nach dieser fußballerischen Bankrotterklärung fällt einem nicht viel ein, was Hoffnung auf Besserung machen könnte, zumal das Transferfenster morgen schließt und wir dann mit dem Kader über die Runden kommen müssen, den wir haben. Laut Bobic sind die Planungen ja abgeschlossen. Abgeschlossen? Für mich waren überhaupt keine „Plan“ungen wahrnehmbar, dazu bedarf es eines Planes. Ich nahm eher wahr, dass der Manager in der wichtigsten Zeit der Personalplanungen und Transferverhandlungen im Urlaub weilte anstatt seinen Job zu machen. Natürlich kann man dem entgegnen, dass man heutzutage von überall aus seinen Job machen kann. Aber, gerade der VfB hat es bei eventuellen Neuverpflichtungen nötig, Spieler auf ihren Charakter hin zu durchleuchten und nicht nur via DVD zu kennen. Außerdem, wenn ich im Verein und bei den Fans so in der Kritik stehe, eine grausame Saison hinter einem liegt mit dem Kader „an dem ich mich messen lasse“, ist es für die Außenwirkung fatal, erst mal Urlaub zu machen. Aber, Bobic interessiert es ja sowieso nicht, was ihm seine Kritiker entgegnen, nicht einmal das, was ihm erwiesene Kenner der Szene raten. Beratungs- und kritikresistent, weil alle Anderen ja sowieso keine Ahnung haben, von daher wird er nicht eine Sekunde darüber nachgedacht haben, welch Sturm der Empörung sein Urlaub hervorrufen könnte.
Einzig in Veh setze ich Hoffnungen, dass er gewillt und motiviert ist, den VfB aus dieser Situation herauszuführen, und hoffe, dass er sich dabei nicht die Zähne ausbeißt.
Das muss er jedoch mit aller Vehemenz anpacken und darf nicht (wie Thomas Schneider) von Woche zu Woche hoffen, dass „es schon wird“. Von nichts kommt nichts. Diese Spielercharaktere, die Bobic da an Land gezogen hat, danken einem Übungsleiter NICHT die Berücksichtigung und geloben nach einem Kack-Spiel Besserung. Diese setzen in der nach unten offenen VfB-Skala noch einen Tiefpunkt unten drauf und schämen sich nicht mal dafür. Veh muss knallhart agieren, wie es Stevens ja auch getan hat. Mit gut zureden erreicht man bei diesen verwöhnten Fußballmillionären nichts. Das geht nur über den Geldbeutel. Wenn schon arbeitsrechtlich keine Gehaltskürzungen möglich sind, müssen Spieler, die nicht bedingungslos mitziehen, gnadenlos auf die Tribüne verbannt werden, was wiederum indirekt an den Geldbeutel geht, wenn auch „nur“ durch das Sinken ihres Marktwertes und eventuell Nichtberücksichtigung bei Länderspielen, wenn sie im wahrsten Sinne des Wortes „weg vom Fenster“ sind.
Das Gesicht der Mannschaft muss sich nach und nach komplett verändern. Ein Martin Harnik stand gestern, wie auch schon in Gladbach, komplett neben sich und wurde zu Recht ausgewechselt. Das Schlimmste für mich gestern war, dass sich so gut wie keiner gegen die Niederlage gestemmt hat, wir haben wirklich ein Führungsproblem und auch keinen Sauhund, der mal dazwischen haut. Die Mannschaft hat es über sich ergehen lassen. Die Stimmen zum Spiel danach hörten sich in etwa so an: gut angefangen, die nötige Konsequenz im letzten Drittel hat gefehlt, der Gegner konnte nach dem 0:2 noch tiefer stehen, hoher Spielanteil, gut kombiniert, letzte Konsequenz vermissen lassen, etc., bla bla. Meine Herren: gegen einen Aufsteiger sollte man auch einmal zwei Abwehrfehler, die zu Gegentoren führen, verkraften können, dann muss man eben vorne drei Tore schießen. Nur, wenn ich pro Spiel gerade einmal zwei Torschüsse abgebe, ist das natürlich schwierig. In drei Pflichtspielen schafften wir gerade einmal insgesamt vier Torschüsse (Bochum 0, Gladbach 2, Köln 2), erbärmlich. So hat man nach Adam Riese gerade einmal die Chance gegen einen Gegner zu gewinnen, der nur einmal im Spiel aufs Tor schießt, nur, in welcher Liga respektive welchem Land ist der zu finden?
Gestern sah ich lediglich drei Lichtblicke: Romeu, der sich jedoch sicherlich jetzt schon fragen wird, wie er sich diese Truppe antun konnte, dann noch Werner und Kostic, die wenigstens Willen zeigten, als sie rein kamen. Diese beiden wünsche ich mir in München für Harnik und Ibisevic in der Startelf.
Außer den bekannten Problemen, kein Teamgeist, keine Mannschaft, zu wenig Qualität, offenbarte sich gestern noch ein weiteres Problemfeld.
Der Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans scheint der Vergangenheit anzugehören. Schafften es die Marketing-Strategen vom VfB in der letzten Saison noch durch Aktionen wie #zusammenhalten und Slogans „Ihr für uns, wir für Euch“ Ruhe zu haben, um einfach so weiter wursteln zu können, ist dieser Gedulds- und Vertrauensvorschuss scheinbar jetzt aufgebraucht. Die Leute sind es einfach satt, immer länger hingehalten zu werden, von einer Übergangssaison in die nächste zu gehen, und damit noch konstatieren zu müssen, dass die Qualität der Mannschaft immer miserabler wird und die Konkurrenz mehr und mehr enteilt.
Motivation genug hätte es ja gestern sein können, wenn die Mannschaft einfach zur Karawane Cannstatt gekommen wäre, nur, dass sie sieht, wie viel Herzblut für den Verein wir nach wie vor mitbringen. Motiviert war gestern jeder, optimistisch, dass es den ersten Heimsieg geben könnte waren die meisten. Vor Spielbeginn und unmittelbar danach kann sich die Mannschaft über mangelnde Unterstützung ebenfalls nicht beklagen.
Mein Idealbild ist ja dieses, dass eine Profimannschaft nach einer Woche hartem Training mit fletschenden Zähnen und richtiggehend gierig, wie ein Tiger in der Manege, auf den Platz stürmt und gewillt ist, den Gegner zu überrennen. Leverkusen macht es derzeit ganz gut vor, wie man vom ersten Augenblick an konzentriert und fokussiert das Ziel des Spiels verfolgen kann, nämlich ein Tor zu schießen.
Ganz anders der VfB. Uns wird Schlafwagenfußball allerschlechtester Güte vorgesetzt und sich dann darüber gewundert, wenn a) der Gegner die Einladung annimmt und b) dieser Fußball nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Sollen wir Fans uns jetzt schuldig für die Niederlage fühlen, nur weil es elf verwöhnte Fußballmillionäre nicht auf die Reihe bekommen, sich einmal in der Woche zu konzentrieren und das zu tun, wofür sie fürstlich entlohnt werden?
Nein, ein Spieler, der erste Fußball-Bundesliga spielt, muss es aushalten, wenn Pfiffe aufkommen und diese ausblenden können. Würden sie sich auf ihr Spiel konzentrieren, bekämen sie die Pfiffe möglicherweise überhaupt nicht mit, anders ausgedrückt, es ist klar, dass in entscheidenden Momenten der Tick fehlt, wenn sie sich zu viel mit dem Drumherum beschäftigen. Das sind für mich nur dumme Ausreden. Mein Gefühl ist es nicht, dass es an Unterstützung mangelt. Ich würde ja gerne über den Tellerrand hinausschauen, wohin, wo ähnlicher „Fußball“ wie bei uns geboten wird, wie dort die Fans reagieren und ob sie diesen dort goutieren. Außer dem HSV fällt mir hier gerade kein Verein ein. Aus dem Volksparkstadion wurde allerdings überliefert, dass die HSV-Fans die Mannschaft nach dem 0:3 gegen Paderborn auch nicht gerade mit Beifall verabschiedeten.
Es ist immer noch so, dass der Funke vom Rasen auf die Ränge überspringen muss. Wenn man eine Mannschaft sieht, die willig ist, mit Leidenschaft zu Werke geht und kämpft, verzeiht man fußballerische Unzulänglichkeiten eher wie in dem Spiel gestern, wo nichts von alledem zu erkennen war. Und andersherum, die Mannschaft hätte die Vorlage der Fans mit Karawane und der Unterstützung zu Beginn auch annehmen und mit anderem Engagement zu Werke gehen können bzw. müssen.
Jetzt ist erst einmal Wunden lecken angesagt. Bis zum nächsten Spiel sind es zwei Wochen Zeit die richtigen Schlüsse aus dem Spiel zu ziehen und möglicherweise langsam den Umbau der Truppe einzuleiten. Leider fehlen uns während der Länderspielpause einige Nationalspieler, so dass ein geordneter Trainingsbetrieb kaum möglich sein dürfte.
Nach dieser Bankrotterklärung ist Veh richtig gefordert, ich habe immer betont, dass er von mir die Zeit bekommt. Noch sind erst zwei Spieltage in der Bundesliga, einer im Pokal, absolviert, noch ist es zu früh, den Teufel an die Wand zu malen. Ich verliere auch nicht die Fassung, sollten wir, wie zu erwarten ist, auch nach fünf Spieltagen mit diesem einen Punkt da stehen. Danach aber müssen Ergebnisse her und es sollten bitteschön auch bis dahin, spielerische Fortschritte zu erkennen sein. Mit Darbietungen wie der gestrigen sind selbst die 32 Punkte aus der Vorsaison eine Utopie!

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20. Dezember 2012

Der Tanz auf drei Hochzeiten geht weiter!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 19:56

Das letzte Spiel des Jahres war ein Spiegelbild der Vorrunde. Wenig souverän schleppten sich die Brustringträger zum Sieg, das Spiel stand auf des Messers Schneide, einmal mehr dürfen wir uns bei Sven Ulreich bedanken, dass wir im DFB-Pokal überwintern.

So stehen unter dem Strich 25 Punkte in der Bundesliga, mit Tuchfühlung zu den Championsleagueplätzen, der Einzug ins Sechzehntelfinale in der Europa League, wo mit Genk eine lösbare Aufgabe wartet und dem Erreichen des Viertelfinales im DFB-Pokal, wo die Hürde zum Halbfinale auch nicht besonders hoch zu sein scheint. So gesehen eine erfolgreiche Halbserie, eine der besten in den letzten Jahren.

Wenn denn die oftmalige spielerische Armut nicht wäre. Hier ist noch viel Luft nach oben. Schaun wir mal, ob uns das Christkind noch eine Verstärkung unter den Baum legt. Große Hoffnungen hege ich in die Rückkehr von Daniel Didavi, der jetzt die große Chance haben wird, sich als Stammspieler zu etablieren und unser Kreativspiel zu beleben.

Maza wird uns wohl verlassen, in dieser Personalie sehe ich, wie Fredi Bobic auch, keinen großen Bedarf nachzurüsten, möchte man den Talenten Antonio Rüdiger, Benedikt Röcker sowie Patrick Bauer, der im Sommer zurück kommt, den Weg nicht verbauen. Es tut sich also etwas bei den Jungen Wilden reloaded. Auch Raphael Holzhauser hat einen großen Schritt nach vorn gemacht, auch wenn er sich im Klaren sein muss, dass er gerade im Defensivverhalten noch sehr viel lernen muss. In dem Karrierestadium, in dem sich Holzhauser befindet, entscheidet sich, ob er das Zeug zum Großen hat, indem er den Ehrgeiz an den Tag legt, sich stetig zu verbessern oder ob er sich damit zufrieden gibt, dass er in der Bundesliga angekommen ist. Wie ich Bruno Labbadia kennen gelernt habe, wird er gerade dies nicht dulden, so dass sich ein vermeintlicher Himmelsstürmer schneller wieder bei den Amateuren wiederfinden könnte, als er denkt.

Ob uns weitere Abgänge bevorstehen bleibt abzuwarten. Kuzmanovic ist ja immer wechselwillig, er sollte eben auch einmal einen Verein bringen und nicht nur Sprüche klopfen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Fredi gesprächsbereit wäre und ihn womöglich sogar für nen Appel und ein Ei gehen lassen würde, alleine schon um ihn von der Gehaltsliste zu bekommen und einen Unruheherd weniger im Team zu haben. Sportlich wäre er kein allzu großer Verlust, außerdem ist er im Sommer sowieso weg.

Der Kader ist groß genug, diesen „Verlust“ aufzufangen, ein gewisses Risiko ist trotzdem immer dabei, wenn man auf lauter Grünschnäbel setzt. Meiner Meinung nach ist dieser Weg dennoch der richtige für den VfB, der sich momentan wohl immer noch keine gestandenen Spieler, die uns sofort weiter helfen, leisten kann.

Jetzt ist erst einmal Pause. Zeit zum Durchatmen, für Fans und Spieler. Das Team kam schon seit Wochen auf dem Zahnfleisch daher, umso wichtiger wird es sein, dass die Mannschaft in der Weihnachtspause den Akku wieder auflädt, um im Trainingslager in der Türkei wieder voll angreifen zu können. Wenn auf diese (spielerisch) durchwachsene Vorrunde eine erneut traditionell starke Rückrunde folgen sollte, ja, träumen ist erlaubt, wer weiß, was dann alles drin ist im Jahr 2013.

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