25. September 2014

Aus für Bobic – 2:2 in Dortmund

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 18:20

Gestern stand mal wieder eines der Saison-Highlights an. Flutlichtspiel im Westfalenstadion in Dortmund, wo natürlich sofort Erinnerungen an das 4:4 vor ein paar Jahren wach werden. Für mich keine Frage, obwohl unter der Woche, dabei sein zu wollen und zwei Urlaubstage dafür zu „opfern“. Dortmund ist für mich nicht nur wegen des größten Stadions Deutschlands mit der schwarz-gelben Wand ein gern bereistes Auswärtsspiel.
Mir gefällt’s einfach dort, wo man sich im Biergarten des Stadions Rote Erde unters schwarz-gelbe Volk mischen und das eine oder andere Bier mit BVB-Fans trinken kann, ohne dass einem feindselige Stimmung entgegenschlägt. Bei den Gesprächen mit den Dortmundern waren auch viele aufmunternde Worte dabei und, in Anbetracht dessen, dass sie die Auftritte der Brustringträger nicht jede Woche leidvoll mit ansehen müssen, die Meinung, dass unsere Qualität viel zu hoch wäre, um den Gang in die zweite Liga antreten zu müssen. Da musste dann schon das schwäbische Korrektiv eingreifen, indem wir unsere realistische Sicht der Dinge vertraten, nämlich, dass wir uns in dieser Saison tatsächlich ernsthafte Sorgen machen, weil einfach zu viel im Argen liegt.
Bereits zu Beginn unserer Busfahrt machte die Meldung die Runde, die Trennung von Sport-Vorstand Fredi Bobic sei beschlossene Sache und dass man diesen Schritt spätestens bis zur Winterpause vollzogen haben möchte. Dies war natürlich schnell Gesprächsthema Nummer eins und fast minütlich waren aktuellere Wasserstandsmeldungen zu erfahren, bis die Meldungen dahingehend lauteten, Fredi Bobic wäre mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden.
Die offizielle Bestätigung des VfB schließlich ließ bis kurz vor Spielbeginn auf sich warten. Der VfB dementiert zwar so lautende Meldungen, die Entlassung Bobic‘ wäre ihm am Telefon mitgeteilt worden, dennoch fällt kein gutes Licht auf die Art und Weise der Trennung. Ob jetzt am Telefon oder ob Bobic bereits in Dortmund verweilte und man ihn von dort zurück nach Stuttgart zitierte um ihm den Sachverhalt persönlich zu vermitteln macht für mich keinen Unterschied. Wurde von Vereins-Seite der Zeitpunkt der Veröffentlichung des offenen Briefs vom Commando Cannstatt angeprangert, kann man auch hier über die Richtigkeit des Zeitpunkts der Kündigung kritisieren.
Hätte der Verein konsequent gehandelt, hätte die Trennung auf der Klausurtagung im Dezember 2013 beschlossen werden und entweder nach Ende der Vorrunde, spätestens aber nach Saisonende 2013/2014 vollzogen werden müssen. Dass sich Bobic, spätestens seit der Vertragsverlängerung und (ebenfalls zu spät erfolgter) Beurlaubung von Bruno Labbadia heftigster Kritik ausgesetzt sah, war hinlänglich bekannt. Dass Bobic von sich aus nach Ende der letzten Saison seinen Rücktritt angeboten hat, ist ebenfalls Tatsache. Weshalb der Verein dieses „Angebot“ nicht angenommen hat und einen Schnitt vollzogen hat, verstehe ich wieder einmal nicht. Unser Aufsichtsrat und unsere Vorstandschaft vermittelt mehr und mehr den Eindruck, wie ein Politiker die Probleme auszusitzen und erst wenn das Volk aufmuckt und die Situation zu eskalieren droht, Konsequenzen zu ziehen, um in erster Linie ihren eigenen Allerwertesten zu retten. Präsident Wahler, der wie Bobic Zielscheibe der Proteste rund um das Hoffenheim-Spiel war, kroch erst jetzt, notgedrungen, aus seinem Schneckenhaus, um, so offiziell, weiteren Schaden vom Verein abzuwenden, bzw. inoffiziell, sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen. Fredi Bobic tut einem in dieser Posse schon fast Leid und es wächst in mir der Eindruck, dass Bobic in diesem Ränkespiel „nur“ das Bauernopfer ist.
Natürlich habe ich in letzter Zeit oft genug aufgezählt, was ich Bobic vorwerfe, in Bezug auf schlechtes wirtschaften mit den knappen Mitteln, mangelnder Kommunikations- und Kritikfähigkeit, Dünnhäutigkeit, in gewisser Weise auch Arroganz. Ihn hier, wohlgemerkt zu diesem Zeitpunkt, zum Sündenbock abzustempeln, das hat er in dieser Form jedoch nicht verdient. Präsident Wahler und sein Gefolge haben in der Sommerpause ihren Job nicht gemacht, eine Trennung vom Sportdirektor zu diesem Zeitpunkt jetzt, macht wenig Sinn und sieht nach Aktionismus aus, da die Transfers getätigt sind, der Kader (für die Vorrunde) unumstößlich feststeht.
Bei einer früheren Demission hätte man sich ja um die tollsten Kandidaten bemühen können, auch solche, die bereits bei anderen Vereinen vertraglich gebunden sind. Auch Manager und Sportdirektoren lassen sich mittlerweile Ausstiegsklauseln für besondere Umstände in den Vertrag schreiben, so dass zumindest nichts unmöglich gewesen wäre. Jetzt aber, mitten in der Saison, würde nur ein einfältiger und charakterlich bedenklicher Manager, der bei einem anderen Verein in Lohn und Brot steht, diesen im Stich lassen und das nächstbeste Angebot annehmen. Hier ist fast nur zu hoffen, dass der VfB bei diesen Abwerbeversuchen erfolglos bleibt!
Jetzt einen Top-Mann zu bekommen, halte ich für äußerst unrealistisch. Ich hoffe, der VfB setzt hier keinen Schnellschuss, klappert einen nach dem anderen ab und hat bei Nummer elf oder zwölf vielleicht „Erfolg“. Die Interimslösung mit Armin Veh (Kaderplanung) und Jochen Schneider (das kaufmännische und Vertragsangelegenheiten) sollte meiner Meinung nach nicht nur eine kurzfristige sondern möglichst eine bis zum Saisonende werden. Würde Veh tatsächlich mittel- oder langfristig den Posten des Sportdirektors anstreben und der VfB Thomas Tuchel für die nächste Saison als Cheftrainer gewinnen können, wäre dies für mich im Moment die vielversprechendste Möglichkeit. Bei Armin Veh weiß man, was man an ihm hat und Thomas Tuchel ist ein ausgewiesener Fachmann, den man aber nicht mit falschen Versprechungen locken dürfte. Ob er, nach Jürgen Klopp der derzeit wohl zweitbegehrteste deutsche Fußballlehrer, jedoch an dieser schwierigen Aufgabe in einem brodelndem Umfeld interessiert wäre oder nicht doch lieber nach Schalke oder sonst einem ambitionierten Verein geht, der kurzfristig bessere Perspektiven böte, vermag ich nicht zu beurteilen. Er ist beim VfB „groß geworden“ als Trainer, hat durchaus noch ein Herz für den VfB, mag die Stadt, doch, ob diese emotionalen Kriterien den Ausschlag geben oder nicht doch die monetären, da habe ich meine Zweifel. Für mich wäre das die 1a-Lösung, da Tuchel ähnlich bekloppt ist wie Jürgen Klopp und es mit ihm nie langweilig werden würde. Ein Freigeist, der Mannschaft und Öffentlichkeit immer mal wieder mit neuen Ideen überraschen oder auch wachrütteln würde.
Von Leuten, die derzeit auch kolportiert werden, wie Todt und Zeyer, halte ich zunächst einmal überhaupt nichts. Todt, finde ich, hat noch keine großen Spuren im Manager-Business hinterlassen. Das einzige Kriterium, das ich mir vorstellen kann, das ihn möglicherweise (ein mögliches Interesse an ihm wird/ wurde vom VfB ja sowieso nicht bestätigt) zum VfB-Manager befähigen soll, ist wohl, dass er schon einmal, wenn auch ohne nachhaltigen Erfolg, seine Schuhe für den VfB geschnürt hat. Ihn jetzt aus dem KSC herauszubrechen, bei aller Feindschaft, hielte ich nicht für die feine englische Art. Auch Zeyer, ein Mann mit, wenn auch kurzer, VfB-Vergangenheit, mag bei den Kickers einen guten Job machen, was ihn aber nicht unbedingt automatisch zu einem guten VfB-Manager werden lassen würde. Auch er soll bei den Kickers bleiben. Ich gönne ihnen sogar den Aufstieg in die 2. Liga, mit Zeyer, da ich noch zum älteren Schlag gehöre und die Zeiten klasse fand, als beide (großen) Stuttgarter Vereine ihren festen Platz im bezahlten Fußball hatten.
Einen Mann wie Jens Lehmann zu holen, wie zuvor Heldt und Bobic, der keinerlei Erfahrung auf diesem Terrain vorzuweisen hat, birgt ein großes Risiko, auch wenn ich Jens Lehmann mag und schätze. Da aber dieses Mal der Schuss wirklich sitzen muss, um nicht endgültig ins finanzielle Fiasko zu stürzen, wäre mir persönlich dieses Risiko zum jetzigen Zeitpunkt zu groß.
Fredi Bobic ist also nun endgültig Geschichte beim VfB. Ich mochte ihn als Spieler und werde es nie vergessen, wie er 1994 wie Phönix aus der Asche kam und in seinen ersten fünf Bundesligaspielen auf Anhieb traf. Er war Teil des magischen Dreiecks und wurde mit dem VfB Pokalsieger. Eine unvergesslich schöne Zeit mit begeisterndem Offensivfußball. Leider erlag er 1999 dem Lockruf des Geldes und wechselte zum gestrigen Gegner Borussia Dortmund. So weit her war es also auch nicht mit dem VfB-Herz. Dennoch, als Spieler habe ich ihn in guter Erinnerung, jetzt als Manager leider weniger. Aus seiner Manager-Zeit bleibt bei mir eher haften, dass er sehr dünnhäutig auf Kritik reagiert und alle, die anderer Meinung sind als er, als Ahnungslose abtut. Als starker Mann hätte er der Öffentlichkeit gegenüber ehrlicher auftreten müssen, bspw. wenn er unterirdische Kicks schöngeredet und jede Kritik darüber harsch abgeschmettert hat.
Spieler- und Managerkarriere zusammengefasst möchte ich ihm danken für seine Zeit beim VfB und nehme es ihm auch ab, dass er stets bemüht war, zum Wohle des Vereins zu handeln. Für die Zukunft wünsche ich ihm alles Gute!
So drohte, das Spiel im Westfalenstadion fast in den Hintergrund zu geraten, was natürlich diesem Highlight nicht gerecht sein würde. Da wir ohne nennenswerten Stau die gut 430 Kilometer von ES-Berkheim nach Dortmund hinter uns brachten, erreichten wir schon gegen 17.30 Uhr den Gästebusparkplatz unweit des Stadions. Noch kurz ein Wulle am Bus geschnappt und schon machten wir uns auf den Weg zum Stadion Rote Erde. Leider setzte just in dem Moment, als wir dort waren, heftiger Regen ein, so dass wir unterm Dach eines Bierrundells eng zusammenrückten, mit einigen BVBlern die Situationen unserer beiden Vereine erörterten und das eine oder andere Bierchen zusammen tranken. Gegen 19.30 Uhr machten wir uns dann auf in Richtung des Stadions, das sich ja nur etwa 100-200 Meter Entfernung, je nachdem welchen Eingang man nehmen muss, erstreckt. Immer wieder beeindruckend, wenn man vor diesem Betonklotz steht, und sich an die 80er-Jahre zurückerinnert, als gerade Mal halb so viele Zuschauer ins Stadion passten. Trotz großer Menschenmassen vor „unserem“ Eingang ging es sehr zügig voran, so dass wir kaum 5 Minuten später bereits das Drehkreuz passiert hatten. Ich liebe es, wie professionell und unkompliziert die Einlasskontrollen bei „großen“ Vereinen mit viel Bundesligaerfahrung (meistens) ablaufen, ganz im Gegensatz zu Emporkömmlingen wie Mainz, Augsburg und Hoffenheim, die sich selbst am Eingang noch besonders profilieren müssen. So hatte ich keinerlei Probleme mit meiner Bridge-Kamera und der Fußballabend konnte beginnen. Ich hatte dieses Mal meinen Platz auf der Nord-Ost-Tribüne, Reihe 1, also schrägversetzt zu unserem Block mit einer herausragenden Sicht auf den Fanblock und aufs Spielfeld. Jedes Mal aufs Neue, wenn ich diesen Fußballtempel betrete, kribbelt es. Tolles Stadion, tolle Atmosphäre und einfach beeindruckend, wenn 80.000 Leute Stimmung machen. Spätestens nach der schwarz-gelben Schalparade zu YNWA gibt es schon mal einen Anflug von Gänsehaut.
Ich habe schon Bewunderung für den BVB übrig, mag deren Stil Fußball zu zelebrieren und ich mag Jürgen Klopp, der Dortmund zu dem gemacht hat, was es derzeit ist. Nämlich eine Hausnummer im deutschen und europäischen Fußball und DER Bayern-Jäger Nummer 1. Daher drücke ich ihnen im Kampf gegen die Bayern stets die Daumen und tat das auch beim CL-Finale im Wembley-Stadion, was ja leider bekanntlich nichts nutzte. Im direkten Duell aber, selbstredend, bin ich VfBler durch und durch und kenne keine Freunde, wenn das Spiel mal begonnen hat.
Die Vorzeichen waren so, dass beide Teams stark ersatzgeschwächt antreten mussten, den BVB hat es, wie so oft in letzter Zeit, aber härter erwischt, fallen dort doch immer wieder reihenweise hochkarätige Leistungsträger aus. Dennoch fällt es dem BVB leichter, seine Ausfälle zu kompensieren, weil der Kader qualitativ hochwertig und üppig ist. In den Gesprächen vor dem Spiel meinte ein Dortmunder, „Dortmund ist immer Dortmund. Egal wer ausfällt und dafür rein kommt, das Spiel des BVB ändert sich dadurch nicht“, womit er Recht behalten sollte. Dieses brutale Pressing, dieses bekämpfen des Gegners über 90 Minuten, dieses laufintensive Spiel, die klar verteilten Aufgaben auf dem Platz, sind es, die Dortmund eine klare Identität geben. Beim VfB hingegen, weiß man nicht so recht, ob es sich um eine Schwächung handelt, wenn der eine oder andere Spieler passen muss.
Ob die Personalie Bobic Einfluss auf die Leistung auf dem Platz gehabt hat, wage ich zu bezweifeln. Die Spielvorbereitung obliegt dem Trainer Armin Veh und oblag ihm hoffentlich auch in der Vergangenheit. Die Aufstellung ließ vermuten, dass der VfB sein Heil vorwiegend in der Defensive suchen würde. Ist ja auch durchaus vernünftig in Dortmund, dass man, zumal, wenn man als Tabellenletzter anreist, zunächst einmal auf Absicherung bedacht ist.
So durfte im Vergleich zum Hoffenheim-Spiel unser WM-Fahrer Carlos Gruezo für den formschwachen Martin Harnik die Doppel-Sechs neben Oriel Romeu bilden. Diese Maßnahme erwies sich als Volltreffer, besticht Gruezo doch durch ein vorzügliches Spiel gegen den Ball und ist technisch versiert genug, den Ball nach einer Balleroberung nicht gleich wieder zu verlieren.
Insgesamt war die Raumaufteilung eine bessere als zuletzt, so dass Dortmund große Mühe hatte, ins Spiel zu finden und unser Tor zu gefährden. Außer dem Lattentreffer Kagawas brachten sie in der ersten Halbzeit nicht viel zustande, der VfB hatte alle Hände voll zu tun, um erst einmal zu verhindern, setzte aber auch vorne Nadelstiche, wann immer die Dortmunder Raum dafür anboten. Als leidgeprüfter VfB-Fan rieb man sich schon manchmal die Augen, wie forsch unsere Jungs den Kampf annahmen. So stand zur Pause ein verdientes 0:0, was in Anbetracht der letzten Resultate schon als Achtungserfolg zu werten war.
Wer dann dachte, der BVB könne den Druck erhöhen und würde uns irgendwann schon den erwarteten Rückstand bescheren, sah sich getäuscht. In der 48. Minute war es der VfB, der überraschend in Führung ging. Daniel Didavi verwertete eine Hereingabe von Christian Gentner zum 0:1. Dieser Treffer beeindruckte den BVB offenkundig, während die Brust beim VfB breiter und breiter wurde. Anstatt der BVB mit Vehemenz auf den Ausgleich drängte und hochkarätige Chancen herausspielte, nutzte der VfB einen seltenen Vorstoß zu Didavis 0:2.
Timo Werner, der mir als alleinige Spitze gestern hervorragend gefiel, spielte Dida klasse frei und hatte schließlich noch das Auge und die Passgenauigkeit, um dem Spielmacher den Treffer aufzulegen. VfB und Spielkultur passten in letzter Zeit wahrlich nicht zusammen, das aber war allererste Sahne.
Dieser Zwei-Tore-Vorsprung hielt leider gerade einmal fünf Minuten an. Nach Fehlpass Romeus verkürzte Aubameyang zum 1:2. Dennoch hatten Gentner und Ibisevic noch die Doppelchance zum 1:3 in der 84. Minute, was es wohl gewesen wäre. So aber kam es, wie es kommen musste, Immobile nutzte einen kapitalen Ulreich-Patzer zum Ausgleich. Wieder einmal musste der VfB spät noch Punkte einbüßen, wieder einmal konnte man die Führung nicht über die Zielgerade bringen. Auf der anderen Seite ist es für jeden Gegner schwer, diesen unwiderstehlichen Druck, den die Dortmunder ausüben, schadlos zu überstehen, vor allem, wenn das Publikum so richtig Alarm macht. Da ist es dann vielleicht auch Nervensache, diese enorme Lautstärke auszublenden und sich auf das Geschehen auf dem Platz zu fokussieren. Sven Ulreich schien es gestern nicht zu können, unerklärlich wie er beim 2:2 Ausgleich unter der Schmelzer-Flanke durch tauchen konnte. Immer offenkundiger wird, dass wir ein Torwart-Problem haben und ein Torwart-Wechsel kein Tabuthema mehr sein darf. Auch eine Passquote von gerade einmal knapp über 50% spricht nicht für unsere Nummer 1.
Alles in allem aber war es eine gute Mannschaftsleistung und endlich mal ein engagierter Auftritt unseres VfB. Vor dem Spiel hätte man natürlich einen Punkt liebend gern mitgenommen, danach, nach einer 2:0-Führung, sehe ich diesen mit gemischten Gefühlen. Sollten wir Hannover 96, immerhin Tabellendritter nach dem fünften Spieltag, schlagen und den Punkt vergolden, wäre alles gut und der Punkt hätte die langeersehnte Trendwende eingeleitet. Wenn sich das Neckarstadion aber wieder als Selbstbedienungsladen für unsere Gäste entpuppen sollte, muss man konstatieren, dass eine Mannschaft, die nicht fähig ist, das Spiel zu machen und sich auswärts leichter tut, dann auch auswärts die Punkte zum Klassenerhalt holen muss, dann wäre ein Punkt in Dortmund zu wenig gewesen.
Ich hoffe auf ersteres, einige gute Dinge hat man ja gestern gesehen. Wie ich finde, gehören Gruezo und Werner immer in die Startelf. Antonio Rüdiger machte erneut ein gutes Spiel und verhinderte in letzter Minute für den geschlagenen Ulreich gar das 3:2 für Dortmund. Eine Doppelte Absicherung mit Romeu und Gruezo verleiht dieser Mannschaft mehr Stabilität, ich hoffe, die war keine Ausnahme und dem Fehlen von Maxim sowie der Offensivstärke Dortmunds geschuldet. Und schließlich, Daniel Didavi, der Mann des Spiels, ist hinter einer einzigen Spitze Werner sehr gut aufgehoben.
So berechtigt der gestrige Tag zur Hoffnung auf Besserung in vielerlei Hinsicht. Sportlich wurde bewiesen, dass auch in diesem Kader durchaus Potential vorhanden ist, um zumindest einen Nichtabstiegsplatz anzustreben und in der Vereinsführung werden die Karten neu gemischt. Spannende Tage und Wochen stehen uns bevor.

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15. Dezember 2013

Business as usual: Niederlage in Wolfsburg

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 22:18

Da uns die DFL wieder einmal als Beiwerk zur Münchner Meisterfeier am allerletzten Spieltag als dankbaren Sparringspartner der Bayern gesetzt hat und wir demzufolge auch letzter Vorrundengegner der Bayern sind, ging es für den VfB bereits gestern zum letzten Spiel des Jahres ins ungeliebte Wolfsburg. Die Bayern spielen ab Dienstag um die Klub-WM und wollen einen Cup in die bayerische Landeshauptstadt holen, der außerhalb der Münchner Stadtgrenzen niemanden interessiert. Aus diesem Grund wurde unser letztes Vorrundenspiel in den Januar verlegt und findet erst nach dem ersten Rückrundenspiel statt.

Wir traten die 550km weite Reise mit dem RWS Berkheim bereits am Samstag um 8 Uhr an, um ja rechtzeitig anzukommen. Man ist ja inzwischen ein gebranntes Kind und weiß, welch unerwartete Vorkommnisse auf dem langen Weg passieren können, Braunschweig lässt grüßen. So jedoch nicht gestern, es lief alles perfekt. Wir hatten zwar das gleiche Busunternehmen wie auf der Fahrt nach Braunschweig, jedoch einen neuen Bus und auch zwei neue und motivierte Busfahrer, die den Verkehr gut antizipierten und mächtig auf die Tube drückten. So gab es Gelegenheit, gegen Ende die Pausen gar zu verlängern um ja nicht zu früh am Stadion zu sein, wo rundherum wenig bis nichts geboten ist und es mir auch schon passierte, den kleinen Gästebereich vor dem Stadion nicht mehr verlassen zu dürfen, weil man sonst Gefahr laufen könnte auf Wolfsburger Ultras (ja, die soll es wirklich geben) zu treffen. Trotz der Trödelei am Ende waren wir gegen 16 Uhr schon am Stadion und mussten zunächst einmal feststellen, dass es Ess- und Trinkbares auch vor dem Stadion nur für die gegen 10 Euro Pfand erwerbbare Wölfekarte gibt. Schnell jedoch hatten wir eine mobile „Verkäuferin“ aufgetan, die einige Fuhren vom nahegelegenen Aldi tätigte und uns Flaschenbier für einen Euro verkaufte. Sie begriff umgehend, wohin sie zu steuern hatte und wo ihr guter Umsatz gewiss sein würde. So verging die Zeit recht schnell und ruck zuck war es 18.15 Uhr und Zeit hineinzugehen.

Fotografenkollegin Ute warnte mich am Vortag bereits vor, dass uns auch in Wolfsburg Stress wegen unserer Kameras erwarten würde. Am Telefon wurde ihr mitgeteilt, selbst Pocketkameras seien verboten, würden sie doch als Wurfgeschosse dienen können. Welch abstrusen Vorstellungen die VW-Mitarbeiter doch haben, wie wenn ich denen meine Kamera zuwerfen würde. Ein Auszug aus der Fan-Info der Volkswagen-Arena ließ uns dann etwas ruhiger schlafen, stand dort doch, dass „Kompaktkameras“ erlaubt wären. Diesen Passus habe ich mir auch ausgedruckt und es dennoch schweren Herzens nicht riskiert, meine Bridge-Kamera mitzunehmen, auch wenn diese in der Klassifizierung unter „Kompaktkamera“ läuft, keine Spiegelreflexkamera ist und auch nicht über die Möglichkeit verfügt, ein Wechselobjektiv aufzusetzen. Das sind die Kriterien, die meistens gelten. Mehr Klarheit wäre hier unbedingt vonnöten. Ein klein wenig Hoffnung setze ich in dieser Hinsicht auf das vieldiskutierte Sicherheitskonzept, das, wenn es komplett ausgearbeitet ist, mehr Vereinheitlichung enthalten soll, so dass man als Fan weiß, was einen in einem Bundesligastadion erwartet und man nicht jedes Mal aufs Neue überrascht wird. Auf Schalke hat meine Kamera keinen interessiert, in Mainz haben sie sie mir abgenommen. In Hannover und Freiburg musste der Capo anrücken, um sie dann zu autorisieren, und, und, und! Man weiß eben nie, woran man ist.

So hatte ich die Pocketkamera dabei, die bei Flutlichtspielen schon deutlich dürftigere Bilder macht als die Bridge, ist aber natürlich besser als nichts. Damit hatte ich wie erwartet dann keine Probleme am Eingang. Mein Platz befand sich linkerhand von unserem Stehblock. Reihe 1, direkt hinter dem Gitter im Käfig. Gott sei Dank war unser Sektor nicht ausverkauft, so dass ich mich anders platzieren konnte, um zum fotografieren eine bessere Perspektive zu bekommen.

Kaum drinnen erfolgte auch schon der Einlauf der Mannschaften. Der VfB, im Vergleich zum Hannover-Spiel auf zwei Positionen verändert. Für den verletzten Daniel Schwaab rückte Georg Niedermeier in die erste Elf, der wiedergenesene Kapitän und Ex-Wolfsburger Christian Gentner hingegen verdrängte Rani Khedira wieder zurück auf die Ersatzbank.

Für den VfB ging es darum den Rückenwind aus dem Hannover-Spiel mitzunehmen und einen versöhnlichen Jahresabschluss hinzulegen. Es geht schließlich ein Jahr 2013 zu Ende, das nicht als ein besonders ruhmreiches in die Annalen eingehen wird. In 33 Ligaspielen gab es lediglich zehn Siege zu bejubeln, ganze fünf zu Hause. In den Pokalwettbewerben setzte man ebenfalls (zu) selten Glanzlichter, auch die Finalteilnahme in Berlin kann diese Tatsache nicht wegwischen. In der laufenden Saison schieden wir in den Europa League Play Offs sang- und klanglos gegen Rijeka aus, im DFB-Pokal unterlag man den bis heute sonst noch heimsieglosen Freiburgern. Und in der Liga stehen wir mit 19 Punkten im Niemandsland der Liga. Eine Punktzahl, die stattlich aussehen mag, wenn man sich die der Kellerkinder der Liga anschaut. Vor einigen Jahren aber noch, als 40 Punkte für den sicheren Nichtabstieg als nötig erachtet wurden, wären 19 Punkte die Bilanz eines Abstiegskandidaten gewesen. Seit der Wiedereinführung der Relegationsspiele 2008/2009 hatte nur ein Mal ein Tabellensechzehnter mehr als 31 Punkte auf dem Konto, auch ein Indiz, dass die Bundesliga inzwischen zu einer Drei- oder Vierklassengesellschaft verkommen ist, wo eben nicht mehr jeden jeden schlagen kann. Langeweile pur im Grunde.

Der VfB begann in Wolfsburg wie fast immer auswärts. Zunächst verhalten, darauf bedacht selbst Ballkontrolle zu haben, die bei uns meist in Rückpässen mündet, und erst einmal zu schauen, was der Gegner so drauf hat. Dieser ließ sich nicht zwei Mal bitten und übernahm folgerichtig die Initiative und kam zu ersten Chancen. Einmal mehr wurde deutlich, wie einfach es ist, unsere Abwehr auszuspielen und die Lücke zu finden. Wir konnten froh sein, dass die Wölfe zunächst wenig zielstrebig agierten. Die erste Großchance des Spiels hatte dann allerdings der VfB. Ibisevic schickte mit einem Traumpass Timo Werner auf die Reise, der vermeintlich im Ex-VfBler Benaglio seinen Meister fand. Es hätte 0:1 für den VfB heißen müssen, hätte Schiri Aytekin den Treffer anerkannt. Der Ball war, wie Fernsehbilder beweisen, mit vollem Durchmesser hinter der Torlinie, leider war der Linienrichter nicht auf der Höhe und erkannte dies nicht. Höchste Zeit, dass man sich moderner Technik nicht mehr verschließt, man braucht sich nur die Fehlentscheidungen insgesamt an diesem Spieltag in der ersten und zweiten Liga zu Gemüte führen, um zu erkennen, dass es hier nicht mehr mit rechten Dingen zugeht. Als Gerechtigkeitsfanatiker bin ich sowieso ein Verfechter von revolutionären Änderungen im Profifußball. Das Argument vieler Granden unserer Sportart, dass den Stammtischen die Themen ausgehen könnten, wenn es weniger Fehlentscheidungen gäbe, kann ich nicht gelten lassen. Gefühlt trifft es die einen auffallend oft, andere, meistens, Zufall oder nicht, die Großen und Reichen weniger.

Meiner Meinung nach muss man der Entwicklung Rechnung tragen, dass das Spiel in den letzten Jahrzehnten immer schneller geworden ist. Jeder Änderung, die das Spiel wieder gerechter macht, wäre ich aufgeschlossen. Eine Möglichkeit wäre bspw. zwei Schiedsrichter auf dem Feld einzusetzen, einen auf der einen, einen auf der anderen Spielseite. So müssten sie weniger laufen und hätten in entscheidenden Szenen womöglich mehr Luft und eine klarere Wahrnehmung. Selbst in der Champions League unter der Woche, wo die besten ihres Fachs eingesetzt werden, gab es in dieser Woche nicht nachvollziehbare Fehlentscheidungen. Wenn man sich schon nicht zum Videobeweis durchringen kann, wäre der Vorschlag mit zwei Feldschiedsrichtern durchaus ein Ansatz, über den man nachdenken könnte.

Das ist (hoffentlich) Zukunftsmusik, für das Hier und Jetzt hilft uns diese Diskussion leider nicht weiter. Das Spiel lief weiter und es nahm die befürchtete Richtung, als die Wölfe einen Freistoß von halbrechter Position zugesprochen bekamen. Rodriguez, ein „Linker“, legte sich den Ball zurecht und schlug den Ball schulbuchmäßig, eben wie man einen Freistoß aus der Halbposition zu treten hat. Scharf und so, dass der Ball aufs Tor kommt, also hinein geht, wenn nicht noch ein Spieler am Ball eine Richtungsänderung vornimmt. In diesem Fall nicht, der Ball segelte an Freund und Feind vorbei, mitten ins Tor. Wo war eigentlich der von vielen so hochgelobte Sven Ulreich? Er spekulierte wohl, da Sakai und ein Gegenspieler knapp am Ball vorbei segelten und war deshalb in seiner Reaktion beeinträchtigt. Gut ausgesehen hat er dabei jedenfalls wieder einmal nicht. Auch beim spielentscheidenden dritten Wolfsburger Treffer sah er nicht gut aus. Weshalb Ulle als solche Ikone von weiten Teilen der Fans wahrgenommen wird, die ihn am liebsten in die Nationalelf schreien würden, kann ich immer weniger nachvollziehen. Als Lehmann aufhörte und Ulle Stammkeeper wurde, haben wir uns auf dieser Position zunächst einmal immens verschlechtert. In der rabenschwarzen Vorrunde der Fastabstiegssaison fiel auch er ab und hielt kaum einmal einen Punkt für uns fest. Als Labbadia das Zepter übernommen hatte und er nicht die nötige Sicherheit ausstrahlte, entschloss sich Labbadia gar zu einem Torwartwechsel, der bekanntlich in die Hose ging, weil Marc Ziegler sich gleich in seinem ersten Spiel als neue Nummer 1 gegen Benfica Lissabon schwer verletzte. Ulle kam wieder rein und war fortan nicht wiederzuerkennen. In Frankfurt, nach Delpierres dämlichem Platzverweis, rettete er uns den so wichtigen Sieg fast im Alleingang. Danach sollte lange keine Torwartdiskussion mehr aufkommen. Auch ich hatte mich damit arrangiert, die nächsten Jahre nicht den allergrößten Top-Torhüter zwischen den Pfosten zu haben, aber wenigstens einen, der VfBler durch und durch ist, an dem ein Fehler oder eine Niederlage genauso nagt, wie an mir als Fan. Als Typen mag ich ihn wirklich, als Torhüter finde ich, hat er sich seit der letzten Saison eher zurück- als weiter entwickelt. Die Spiele, die er für uns gewinnt, kann man inzwischen an einer Hand abzählen und kommen seltener vor, wie zu Toren führende Torwartfehler. Erst Schalke, dann Hannover, jetzt Wolfsburg. Nicht zu vergessen, die Fehler gegen Rijeka, die überhaupt erst zum Ausscheiden aus dem internationalen Geschäft führten. Alles mehr oder weniger Fehler, die zum Kernrepertoire eines Torhüters gehören und dabei habe ich noch nicht einmal betrachtet, dass es ihm am antizipieren von Spielsituationen fehlt, es bei ihm zuweilen ewig dauert, bis er den Ball nach vorne bringt und wenn, dass dann der Ball meist beim Gegner landet. In den wenigen Spielen, in denen Thorsten Kirschbaum zwischen den Pfosten stand, hatte ich in diesen Dingen ein besseres Gefühl und er scheint auch der bessere Fußballer zu sein. Ulle hat in der Vorrunde ein einziges überragendes Spiel abgeliefert, das war bei der Berliner Hertha, als er das 0:1 fast alleine fest hielt. Ein gutes Spiel in einer Halbserie ist aber leider zu wenig, ich hoffe, er fängt sich in der Winterpause wieder. Wenn nicht, wird die Torwartdiskussion unweigerlich an Fahrt aufnehmen.

Kurz vor der Pause hatte der VfB nach Traore-Ecke durch einen Kopfball von Gentner die Ausgleichschance, der Ball strich jedoch knapp über die Latte.

Ohne Wechsel ging es nach dem Seitenwechsel weiter. Es dauerte nicht lang, bis Diego glücklich auf 2:0 stellte. Erst knallte Naldo einen 25-Meter-Freistoß direkt in die Mauer, wo Martin Harnik sich wegdrehend den Ball an den Arm bekam. Der Schiedsrichter entschied zu unserem Leidwesen abermals auf Freistoß und gelb für Harnik, weil er eine aktive Bewegung zum Ball, Vergrößerung der Körperflache oder was auch immer erkannte. Hier eine Kann- aber Muss-Nicht-Entscheidung, die vermutlich gegen die Bayern so nicht getroffen werden wäre. Doppeltes Unglück für uns, dass Diego abermals die Mauer traf, dieses Mal den Kopf von Christian Gentner, und der Ball so über Umwege ins Tor segelte, gegen die Laufrichtung von Ulle. 2:0 für Wolfsburg also und abermals die Torhymne „Rama Lama Ding Dong“, die ich in Wolfsburg schon so oft über mich ergehen lassen musste.

Die Entscheidung? Mitnichten! Wenige Minuten später sorgte unser Youngster Timo Werner mit einem sehenswerten Volleyschuss für den Anschluss und den Jungs war anzumerken dass sie sich noch etwas ausrechneten. Zwei Minuten später hätten wir personelle Überzahl bekommen müssen, als der bereits verwarnte Medojevic im Luftkampf den Ellenbogen ausfuhr. Eine Spielsituation, in der nach den Statuten zwingend gelb zu zeigen ist, Aytekin meinte es erneut nicht gut mit uns und ließ weiterspielen. Der VfB drängte auf den Ausgleich und hatte die beste Chance, als Werner alleine auf Benaglio zulief, in diesem aber seinen Meister fand. Bitter, hätte er doch mal in die Mitte gepasst, dort lauerten Ibisevic und auf rechts, noch besser postiert, Martin Harnik, der bei entsprechendem Pass nur noch hätte einschieben müssen. Werner mache ich allerdings keinen Vorwurf. Er wird sich von den Kollegen entsprechendes anhören müssen und es das nächste Mal besser machen, oder auch nicht. Stürmer sind nun mal egoistisch, in Freiburg hat es geklappt mit seinem Eigensinn, gestern eben nicht. Nach katastrophalem Fehler von Gotoku Sakai fiel schließlich fünf Minuten später direkt in die Drangphase vom VfB das 3:1, das dem VfB dann den Zahn gezogen hat.

Ein letztendlich couragierter Auftritt vom VfB, der mindestens einen Punkt verdient gehabt hätte. Für eine solche Leistung wären wir über weite Strecken der Vorrunde dankbar und froh gewesen, sind aber jetzt in einer Situation, in der wir einfach punkten müssen. Daher war es eher frustrierend gestern. Dass wir eine ansprechende Leistung geboten bekamen, dass Schiedsrichter „auch nur Menschen“ sind, die nicht fehlerfrei sind, von all dem können wir uns nichts kaufen. Unterm Strich stehen null Punkte, 19 insgesamt und dass wir dieses Vorrundenkonto durch das Nachholspiel gegen die Bayern noch aufpolieren können, darf eher bezweifelt werden. Wenn man sich die Kräfteverhältnisse dieser beiden Teams derzeit anschaut, kann es nur heißen, die Demontage in Grenzen zu halten.

Irgendwie bin ich froh, dass jetzt erst einmal Pause ist. Die Auftritte zuletzt waren doch sehr durchwachsen und in vielen Phasen und auch ganzen Spielen zum vergessen. So bin ich erst einmal froh, die Truppe eine Weile nicht mehr sehen zu müssen. Andererseits graut es einen Hardcore-Fan auch davor, dass jetzt erst einmal fünf fußballfreie Wochenenden anstehen.

Im Jahre 2013 war ich, wenn ich es richtig überschlagen habe, bei 62 Spielen im Stadion. Überwiegend bei unseren Profis, einige Male bei den Amas, aber auch international und ohne VfB-Beteiligung in Leicester, Newcastle, Mailand und bei Celtic Glasgow sowie dem alles überstrahlenden Champions League Finale im Wembley-Stadion in London, leider mit dem falschen Sieger.

Natürlich wird einem die nächsten Wochen etwas fehlen. Umso gespannter werde ich die Fluktuation beim VfB verfolgen, ob es gelingt Tribünenhocker ohne größere Abfindungszahlungen von der Gehaltsliste zu bekommen und ob es gelingt, die eine oder andere Verstärkung an Land zu ziehen. Da wohl noch immer kein Geld in der Kasse ist, steht zu befürchten, dass man bei möglichen Abgängen auch an Leute denken muss, die Geld einbringen, wie einen Martin Harnik zum Beispiel. Ich fände es schade, sollte man ihn für die kolportierten fünf Millionen Euro ziehen lassen, da ich bei ihm die Hoffnung habe, dass er sich noch fangen könnte und auch davon profitieren würde, wenn der VfB aus dem Trainingslager in Südafrika mit einem einstudierten System zurück kehren würde, in dem jeder Spieler auf dem Platz weiß, was er zu tun hat und nicht alle vogelwild durcheinander rennen. Für einen Spieler, der in der vorletzten Saison 17 Mal getroffen hat und noch 2 ½ Jahre Vertrag hat, fände ich fünf Millionen zu tief gegriffen. Fünf Millionen sind eine Größenordnung, die wir vor einigen Jahren für Georg Niedermeier an die Bayern überwiesen haben.

Ich fände es ebenso schade, wenn man die Hoffnung auf Besserung bei Abdellaoue schon begraben und ihn wieder abgeben würde. Er ist ein sensibler Spieler, der sich sicherlich selbst am meisten Gedanken macht, weshalb es für ihn nicht läuft. Ich denke, bei ihm wird noch der Knoten platzen. Sollte Schneider am in den letzten beiden Spielen praktizierten System mit zwei Spitzen festhalten, wird er automatisch mehr Einsatzzeiten bekommen, vielleicht auch mal schon früher als zuletzt.

Für Spieler wie Funk, Röcker, Molinaro und wohl auch Torun werden offensichtlich Abnehmer gesucht. Molinaro hat dem Vernehmen nach mit dem Kapitel VfB abgeschlossen und liegt uns nur noch auf der Tasche. Eine größere Ablöse darf man hier wie bei den anderen genannten nicht erwarten, man kann aber froh sein, wenn er von der Gehaltsliste gestrichen werden kann.

Für Benedikt Röcker würde es mir leid tun. Erst vor einem Jahr zu den Profis hochgezogen, weil man offensichtlich von den Qualitäten überzeugt war, die man ihm heute abspricht. Das verstehe wer will. Er hatte unglückliche Aktionen drin, wenn er ran durfte, gegen Rijeka allerdings in der Szene, die ich weiter oben schon Sven Ulreich zugeschrieben hatte. Bei den Amas hat er mir immer gut gefallen, wenn man ihm aber wie letzte Rückrunde einen Felipe oder jetzt Haggui vor die Nase setzt, zeugt das nicht von Vertrauen. Angeblich steht Röcker in Kontakt mit der SpVgg Greuther Fürth und könnte mit den Kleeblättern womöglich in die Bundesliga aufsteigen und damit eine ähnliche Karriere wie einst Ermin Bicakcic hinlegen.

Bei Patrick „Paddy“ Funk habe ich es schon nicht verstanden, dass er überhaupt von St. Pauli zurückgekommen ist. Dort hat er es in zwei Jahren nicht zum unumstrittenen Stammspieler geschafft. Auch wenn er meist aufgestellt wurde, war er nicht gerade DER unverzichtbare Mann, der große Duftmarken am Millerntor hinterlassen hätte. Dass er beim VfB keine Chance haben würde, war mir klar. Ob der VfB tatsächlich die Million gefordert hat, die St. Pauli nicht bezahlen wollte, sei dahin gestellt. Dem Interesse beider Parteien wäre sicherlich besser gedient gewesen, hätte man schon im Sommer eine einvernehmliche Lösung gefunden. Bei uns bekommt er wohl keine Chance mehr, obwohl die rechte Verteidigerposition, die er auch spielen kann, ja ein Problemfeld in unserer Aufstellung ist. Dass er jetzt um jeden Preis gehen wird, kann ich mir aber auch nicht vorstellen, schließlich hat er noch Vertrag. Sollte er gehen, wünsche ich ihm, wie auch Benedikt Röcker, viel Glück und Erfolg.

Zu Torun fällt mir dagegen nicht viel ein. Um den sollte sich am besten Bruno Labbadia kümmern…

Ich hoffe, der VfB stellt die Weichen in der Winterpause auf eine erfolgreichere Zukunft. Momentan sehe ich uns am Scheideweg. Wollen wir uns mit Mittelmaß zufrieden geben, weiterhin eine Wohlfühloase für gutverdienende Durchschnittskicker bieten, die ihr Geld bekommen, ob sie etwas leisten oder nicht, oder kehren wir zurück zu einer Leistungsgesellschaft und verändern das Gesicht der Mannschaft, ohne Rücksicht auf vermeintlich „große“ Namen zu nehmen. Dann muss die Verjüngung konsequent weitergeführt werden, müssen Platzhirsche wie Ulreich, Gentner und Ibisevic kritisch hinterfragt und Nachwuchskräfte herangeführt werden. Die Startelfnominierung von Rani Khedira war ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft und sollte anderen Youngstern Mut machen. Erst wenn es wieder gelingt, mit einer hungrigen Truppe, der man Fehler verzeiht, einen attraktiveren Fußball zu spielen, gewinnt man die Zuschauer zurück, die sich zuletzt mit Grausen abgewandt haben. Erst wenn man das geschafft hat, mal der Funke von den Rängen auf den Rasen, mal vom Rasen auf die Ränge überspringt, erst wenn sowohl Spieler wie auch Zuschauer wieder mit Spaß bei der Sache sind, hat der Verein Argumente, Spielern wie Werner und Maxim gegenüber, die zuletzt Begehrlichkeiten von Scheckbuchwedlern anderer Clubs weckten, ein Bleiben beim VfB schmackhaft zu machen. Wenn es dahin siecht, wie in den letzten Jahren, sehe ich in dieser Hinsicht schwarz.

Bei der Neuausrichtung des Vereins sollten die Spieler auch auf ihre charakterlichen Eigenschaften hin besser untersucht werden. Ein Spieler wie Ibrahima Traore, der sich stets zu höherem berufen fühlt und mit Angeboten, zuletzt angeblich mit einem der Bayern, kokettiert, kann nicht mit vollem Herzen beim VfB sein. Zudem fiel er schon des Öfteren durch Disziplinlosigkeiten und durch Kritik an den eigenen Fans auf. Traurig einmal mehr, dass es nicht gelang den im Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern oder, falls das nicht möglich war, ihn vorzeitig zu verkaufen. Auch eine Art der Geldverbrennung und das nicht zum ersten Mal!

Noch glaube ich an #aufbruch1893, möchte aber jetzt auch gerne einmal Taten in die richtige Richtung sehen. Klar ist, ich persönlich werde auch 2014 nicht nachlassen und den VfB dorthin begleiten, wo er gerade um Punkte kämpft. Die Gleichgültigkeit im Stadion und die Zuschauerzahlen zuletzt belegen aber auch, dass viele Leute das Vertrauen in den VfB verloren haben.

Abschließend noch ein Dank an meine Freunde für drei geile GB-Trips in diesem Jahr. Das Wort „Inselaffen“ nehme ich seither nicht mehr in den Mund. Bei allen drei Trips haben wir ausnahmslos nette Leute getroffen, die uns Deutschen gegenüber sowas von aufgeschlossen waren. Stets waren wir uns einig, dass Deutsche und Engländer doch dieselben Interessen hätten, nämlich „Fußball und Pubs“ und gut zusammen passen.

Dank auch den Jungs und Mädels vom RWS, mit denen ich sehr viel Zeit in diesem Jahr verbracht habe. Highlight in negativer Hinsicht natürlich die Pannen-Busfahrt nach Braunschweig und zurück. In positiver Hinsicht der absolut geile Trip nach Rijeka im 9er-Busle, eine sensationelle Tour in Top-Besetzung. RWS-Busfahrten können zuweilen stressig sein, langweilig sind sie nie und ich werde sie auch im neuen Jahr nicht missen wollen. Normal, dass man sich auf langen Fahrten, nach teilweise desaströsen Niederlagen auch mal zerft, was bei Antritt der nächsten Fahrt jedoch schon wieder vergessen ist.

Zum Abschluss wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2014. Wir sehen und lesen uns wieder, spätestens rund um das erste Rückrundenspiel, am 25.01.2014 gegen die Pappnasen aus Mainz. Bis dahin, wünsch ich Euch eine gute Zeit, viele Grüße, Franky

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11. November 2013

SIEG im Breisgau

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 21:22

Bilder vom Spiel in Freiburg sind jetzt online. Rückblickend war es ein super Sonntagsausflug, obwohl anfangs das Schlimmste zu befürchten war. Nicht nur sportlich, wo der VfB ja im Pokal schon bewiesen hat, dass er auch dazu imstande ist, in Freiburg zu verlieren und wir nach dem Debakel von Dortmund ohnehin nicht einordnen konnten, wo wir stehen. Eine Niederlage lag also im Bereich des Vorstellbaren. Als kurz vor High Noon noch der Pannenbus von Braunschweig am Treffpunkt in Esslingen-Berkheim vorfuhr, lag es allerdings auch im Bereich des Vorstellbaren, die mögliche Niederlage überhaupt nicht live erleben zu können. Trotz vorheriger Beteuerungen seitens des Busunternehmers, uns diesen Bus, dessen (von uns angezeigte) Mängel auf kein DIN A4-Papier passen, nicht mehr zumuten zu wollen, fuhr dieser also wieder vor, als wäre Braunschweig nur ein böser Traum gewesen. Lapidare Begründung: „der einzige Bus mit Winterreifen“. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. ;-) . Mir kann jedenfalls keiner erzählen, dass ein auf Personenbeförderung spezialisiertes Unternehmen zu dieser Jahreszeit noch durchweg mit Sommerreifen unterwegs ist. Egal, uns blieb ja nichts anderes übrig, als dieses Vehikel erneut zu besteigen. Wie in letzter Zeit immer, wenn es nach Freiburg geht, fuhren wir nicht die viel frequentierte Strecke über die A8 und A5 nach Freiburg sondern über die A81 und dann über die B31 durchs Höllental. Dies mag bei Wochentag-Spielen eine gute Wahl sein, weshalb wir das auch an einem Sonntag und bei diesen Wetterprognosen machten, verstand ich nicht unbedingt. Wie prognostiziert schneite es im Schwarzwald unaufhörlich, so dass wir einige Zeit mehr krochen denn fuhren und uns die Fahrbahn durch einen Schneepflug bahnen ließen. Zeitweise machte ich mir ernsthafte Sorgen, ob es noch etwas werden würde mit einem Treffen mit Freunden im Biergarten am Stadion oder ob wir abermals auf den letzten Drücker ankommen würden.

Schlagartig aber hatten wir wieder freie Fahrt und der Schneefall ging auch wieder mehr und mehr in Regen über, je näher wir Freiburg kamen. So kamen wir doch noch knapp zwei Stunden vor Spielbeginn an, so dass genug Zeit für das eine oder andere Ganter-Bier und einen netten Plausch mit Freunden war. Wie in Dortmund der Biergarten am Stadion Rote Erde gehört es für mich in Freiburg zum Ritual in den neben dem Stadion gelegenen Biergarten zu gehen und mich auf das Spiel einzustimmen. Aufgrund des strömenden Regens im Breisgau wurden Zelte und Heizstrahler aufgestellt, so dass wir gemütlich überdacht und im Warmen sitzen konnten. Auch wenn die ach so große Rivalität immer groß aufgebauscht wird, dort sitzen Freund und „Feind“ friedlich nebeneinander und prosten sich zu. Es ist ja klar, dass es die eine oder andere Frotzelei gibt, richtig Ärger habe ich dort aber noch nie erlebt.

Ca. 20 Minuten vor Spielbeginn, früh wie selten in letzter Zeit, nahm ich meinen Platz auf der Osttribüne ein. Ich bestellte Karten der teuersten Gäste-Kategorie, weil der Stehblock eine wahre Zumutung ist und die „günstigeren“ Sitzplätze über dem Stehblock kaum billiger waren. Sollte Freiburg in der nächsten Saison noch erstklassig sein, werde ich noch einen Block weiter einrücken und vom Freiburger Kontingent eine Karte nehmen, sofern das über Freunde mit badischer Postleitzahl wirklich hinhaut. Vorteil dabei: eine noch bessere Sicht auf unseren Block und Vollbier. :-)

Bevor es losging und nachdem wir das Badener Lied nieder gepfiffen hatten, gab es eine schöne Choreo im VfB-Block, Thema Heimat & Liebe, mit weiß-roten Brustring- und gelb-schwarzen Rösslefahnen.

Vor dem Spiel hatte ich wirklich Bedenken, wie die 1:6-Klatsche von Dortmund nachwirken würde und dass wir uns, nach einer Niederlage, im Abstiegskampf wiederfinden könnten. Nach den Samstag-Ergebnissen wurde dieses Spiel richtungsweisend wie selten. Mit einem Sieg kann man den Anschluss an die Plätze 5 und 6 einigermaßen aufrecht erhalten, bei einem Remis träte man weiter auf der Stelle und bei einer Niederlage würde uns Freiburg unten mit rein ziehen, der Abstand betrüge dann nur noch zwei Punkte. Ob sich die Mannschaft der Wichtigkeit der Aufgabe bewusst sein würde, war mir nicht so klar. Zu oft versuchen wir es mit Schönspielerei und Hacke, Spitze, eins, zwei, drei. Dass dies bei tiefem und rutschigem Geläuf nicht das probateste Mittel ist, war mir klar. Würde die Mannschaft aber diese Umstände annehmen, würde sie sich dem Kampf der Freiburger entgegen stemmen und sprichwörtlich Gras fressen? Zu oft wurde ich in letzter Zeit enttäuscht, so dass mein Vertrauen ins Team nicht das Größte war.

Der SC Freiburg hat zwar das internationale Gastspiel in Estoril unter der Woche auf dem Spielplan gehabt, eine große Rolle in puncto Müdigkeit dürfte dieses kaum gespielt haben, tritt Streich in Europa ja in schöner Regelmäßigkeit mit einer besseren Reserve und Jugend-Truppe an. Der 5-Jahres-Wertung erweisen die Südbadener damit zwar einen Bärendienst, was sie nicht weiter zu jucken scheint, da sie in absehbarer Zeit wohl sowieso nicht mehr international mitspielen dürfen. Ich bin zwar jetzt kein Freiburg-Insider, denke aber als Außenstehender, dass es dieser Truppe auch nicht geschadet hätte, international mit der ersten und bestmöglichen Garde anzutreten, zumal ja ein großer personeller Umbruch im Sommer stattfand. So hätte sich eher ein Team einspielen können, als bei übertriebener Rotation, und die Chance auf ein Erfolgserlebnis und damit gesteigertes Selbstvertrauen wäre weitaus größer gewesen.

Der VfB trat im Vergleich zum Dortmund-Spiel mit Niedermeier für Sakai und Rausch für Boka an. Durchaus logische Wechsel, auch wenn der von Boka verletzungsbedingt erfolgte. Die ersten beiden Chancen im Spiel hatte Freiburg, ehe der VfB durch einen Doppelschlag durch Ibisevic und Timo Werner die Weichen früh auf Sieg stellten. Nach dem 1:0 fragten wir schon, ob das jetzt ein gutes Omen wäre, nach den verspielten frühen Führungen der letzten Wochen. Als dann allerdings gut eine Minute später schon das 2:0 folgte, war ich fürs erste beruhigt und sah das Spiel in die richtige Richtung laufen. Von nun an kontrollierte der VfB weitestgehend souverän das Spiel und ließ Ball und Gegner laufen. Je länger aber die Partie lief, desto mehr kehrte wieder der alte Schlendrian ein. Durch unkonzentrierte Abspiele, unnötige Ballverluste ließen wir einen am Boden liegenden Gegner plötzlich wieder ins Spiel zurück zu finden anstatt aufs Spiel den Deckel drauf zu machen.

Von den Rängen kam auf Freiburger Seite fast nichts mehr. Außer dem allseits bekannten „Stuttgarter Arschlöcher“ und plumpen Versuchen, den Schiedsrichter zum einen oder anderen Elfmeterpfiff zu bewegen war auf der anderen Seite nichts zu hören. Im VfB-Block dagegen Dauersupport pur. Apropos Elfmetersituationen: Haggui spielte klar den Ball, Leitner und Niedermeier sprang der Ball jeweils aus kurzer Distanz an die Hand. Es ist sicherlich nicht weg zu diskutieren, dass solche Elfer auch schon gegeben wurden, andererseits wäre es auch schade gewesen, wenn dem Spiel durch solche Zufallsprodukte noch eine (unverdiente) Wende gegeben worden wäre. Freiburg allerdings hätte sich auch nicht beklagen dürfen, wenn Felix Klaus nach einer knappen halben Stunde schon wegen rohen Spiels des Feldes verwiesen worden wäre. So gesehen, und nach dem zurückgenommenen Elfmeterpfiff von Dortmund mehr als ausgleichende Gerechtigkeit.

Im Laufe der zweiten Halbzeit dann machte sich Sven Ulreich, unsere Nummer Eins, vor der Freiburger Fankurve keine neuen Freunde, als er nach einer vermeintlichen Berührung eines Freiburgers theatralisch zu Boden sank. Was einen baumlangen Kerl dazu treibt, eine solch alberne Schauspieleinlage abzuliefern (und Ähnliches ein paar Minuten später noch zu wiederholen), verstehe ich nicht. Die Jungs hatten es gestern doch überhaupt nicht nötig, durch solch unlautere Mittel einen Platzverweis zu provozieren. Und selbst wenn, solche Schauspieleinlagen verurteile ich, bei eigenen Spielern wie bei Gegnern. Das soll ein Spieler mal in England machen, der ist für immer und ewig unten durch beim Publikum und wird verhöhnt von Nord nach Süd. Ein solch unfaires Gebaren ist mir auch bei Ibisevic seit längerem ein Dorn im Auge, ich hoffe, dass dieses „Verhalten“ auch ein Thema ist, das das Trainerteam mal anspricht.

Kurz durfte Freiburg dann noch an einer Aufholjagd schnuppern, als der kurz zuvor eingewechselte Hanke zum 1:2 traf. Doch, keine 5 Minuten später, erkämpfte sich unser Youngster Timo Werner an der Mittellinie den Ball, dribbelte durch zwei Freiburger hindurch und stand plötzlich frei vor Baumann. Obwohl sowohl Maxim als auch Ibisevic mitgelaufen waren und frei standen, machte Werner die Kiste eiskalt selbst. Wehe dem, er hätte diese Chance versemmelt, dann hätte er sich wohl von Ibisevic etwas anhören dürfen. So aber zeugte die Aktion von Selbstvertrauen und einer Sicherheit, die für einen 17-jährigen schon fast unheimlich ist. Mit dem 1:3 entschied er nicht nur die Partie sondern schwang sich auch zum jüngsten Bundesliga-Doppeltorschützen aller Zeiten auf. Dieser Junge macht einfach Spaß. Hoffentlich gelingt es, ihn langfristig zu binden und mit einer festgeschriebenen Ablöse zu versehen, die entweder niemand zu zahlen bereit ist oder uns auf einen Schlag finanziell in andere Sphären bringen kann. Gut zu wissen, dass sein Berater Karl-Heinz Förster dem VfB wohlgesonnen ist, und ihn hoffentlich nicht zu früh vom VfB weg transferieren möchte. Zunächst ist sowieso das Wichtigste, dass der Junge in seinem gewohnten Umfeld die Schule gut zu Ende bringt und weiterhin behutsam aufgebaut wird.

So steuerten wir also einem letztendlich ungefährdeten Auswärtssieg entgegen, wie eingangs erwähnt, immens wichtig. Dieser Sieg gegen einen äußerst verunsicherten Gegner ist ebenso schwer einzuordnen wie das Debakel bei einem in Galaform spielenden BVB. Die Wahrheit dürfte irgendwo dazwischen liegen. Der VfB hat nach wie vor Probleme auf den Außenverteidigerpositionen, wobei mir gestern Rausch und Schwaab deutlich besser gefallen haben als Boka und Sakai in Dortmund. Dazu ist für mich derzeit Kvist kaum noch vermittelbar, zu statisch und defensiv orientiert sein Spiel, ansonsten sehe ich uns gar nicht so schlecht aufgestellt. Wohin die Reise geht wird sich wohl schon gegen Gladbach nach der Länderspielpause zeigen. Der VfB muss dringend seine Heimschwäche ablegen, vielleicht kommen dafür die bislang auswärts weitestgehend erfolglosen Gladbacher gerade recht.

Gleich nach dem Spiel ging es dann mit dem Bus zurück in die Heimat. Dieses Mal Gott sei Dank ohne Panne, gegen 23.30 Uhr erreichten wir ES-Berkheim, in Anbetracht des Sonntag-Abend-Spiels noch eine akzeptable Zeit, auch wenn ich heute wieder arbeiten musste.

Beim nächsten Spiel gegen Gladbach werde ich leider nicht im Neckarstadion sein. Es wird damit das einzige Spiel, ob daheim oder auswärts, das ich in der Vorrunde verpassen werde. Mich zieht es mit ein paar Kumpels nach Glasgow und Edinburgh. Auslöser der Buchung war eigentlich das Motörhead-Konzert, welches inzwischen leider aufgrund einer Erkrankung des Frontman Lemmy abgesagt wurde. Leider sind die Terminierungen auf der Insel auch nicht immer fangerecht, schon gar nicht, wenn man gerne hoppen würde. In allen Ligen wurden sämtliche Spiele auf den Samstag terminiert, so dass wir uns lediglich die Partie Celtic-Aberdeen anschauen können. So werden wir eben wohl sonntags noch das Stadion und den Stadionpub der Hearts besuchen und einfach eine gute Zeit haben. Ihr, die gegen Gladbach im Stadion seid, schreit einfach für mich mit und bringet an Sieg hoim. :-)

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29. April 2012

Sommerfußball in München

Zum zweiten Mal in Folge schaffte ich es, bei allen 17 Auswärtsspielen unseres VfB dabei zu sein. Der letzte Auswärtsauftritt der Saison 2011/12 führte uns also zum mit unbeliebtesten Trip in die Arroganz-Arena. Die Geschichte wiederholt sich doch leider immer wieder. Endlose Staus, ein „Stadion“ mitten in der Pampa und am Ende fahren wir meist ohne Punkte heim.

Gestern machten wir uns bereits gegen 9.30 Uhr auf den Weg in den Freistaat. Kaum in Wendlingen auf der A8 angekommen, fuhren wir schon vor Kirchheim/Teck in den ersten Stau, laut Verkehrsfunk bis zu 16km lang, Tendenz zunehmend. So nahmen wir auch schon wieder die Ausfahrt und versuchten es bis Merklingen über Landstraßen, wo wir zunächst eine ganze Weile auch nur im Schritttempo vorankamen. Gut zwei Stunden nach der Abfahrt kurvten wir noch auf der Schwäbischen Alb umher, München noch in weiter Ferne. Nachdem wir dann endlich in Merklingen wieder auf die Autobahn auffuhren, hatte sich der Stau aufgelöst und den Rest der Strecke lief es dann befriedigend. Auf dem P&R Platz Garching-Hochbrück stellten wir unseren PKW ab und fuhren mit der U6 eine Station bis nach Fröttmaning, um den Rest der Strecke per pedes bei gut 30° und strahlendem Sonnenschein zu bewältigen. Wirklich schwach, dass die Eintrittskarte in München nicht, wie in den meisten Stadien der Republik, als Fahrkarte im MVV gilt! Gegen 15 Uhr schließlich standen wir vor dem Schlauchboot und baten um Einlass. Die Kontrollen ließen wir schnell und problemlos hinter uns und machten uns auf den Weg in den Oberrang. Bei dieser Hitze und nach den Strapazen der Anreise erschienen die Stufen nach oben endlos. Daher freute ich mich dann erst einmal auf ein kühles Bierchen (wieder einmal „Leichtbier“), zumal wir noch eine aufgeladene Arena-Card aus der Vorsaison besaßen.

Unmittelbar danach ging es auch schon rein in die Schüssel. Wir hatten, wie auch schon in der letzten Saison, einen Sitzplatz zum Stehplatzpreis im Stimmungsblock ergattert, da es eigentlich in der Allianz Arena im Gästebereich keine eigentlichen Stehplätze gibt. Die Stimmung unter den VfBlern war schon gut und wie immer zu Beginn eines Spiels hoffnungsfroh. Man war gespannt, welches Gesicht die Wundertüte VfB heute zeigen würde. Die Vorzeichen standen ja dieses Mal gar nicht so schlecht. Der VfB kam mit breiter Brust und zuvor zehn niederlagenlosen Spielen in Folge und hatte die Chance den fünften Platz aus eigener Kraft zu halten, sollten aus den letzten beiden Spielen vier Punkte geholt werden. Die Bayern dagegen, für die es in der Liga um nichts mehr geht. Koan Titel, der zweite Platz auch schon sicher, dazu hatten sie unter der Woche das Champions League Finale im eigenen Wohnzimmer erreicht und sollten mental und körperlich in Madrid einige Körner gelassen haben. So rotierte Bayern-Trainer Jupp Heynckes gleich acht Spieler hinaus, was dem VfB eigentlich alle Möglichkeiten eröffnen sollte.

Nachdem ich in Köln so enttäuscht war, was die Einstellung unserer Truppe betraf, hatte ich die Hoffnung, dass die Jungs gemerkt haben, dass es mit 95% Engagement auch gegen einen Abstiegskandidaten nicht geht. Eine Woche hatte das Team Zeit, sich auf die Partie in München einzuschwören. Aus den Statements der Protagonisten konnte man durchaus die Hoffnung ableiten, dass die Mannschaft heiß ist und aus München unbedingt etwas mitnehmen möchte. Dass es im wahrsten Sinne des Wortes eine heiße Kiste werden würde, zeichnete sich auch schon Tage vorher ab. Gerade das könnte auch zum Vorteil gereichen, da die Bayern ja Mitte der Woche 120 Minuten gegangen sind und zudem noch Reisestrapazen in den Knochen hatten.

Also, auf geht’s Jungs aus Cannstatt!!!

Meine Ernüchterung stellte sich jedoch leider schon wieder in den Anfangsminuten ein. Ich hatte den Eindruck, dass der VfB einmal mehr zu lasch und zu fahrig in seinen Aktionen zu Werke ging. Frappierend auch die Tatsache, dass auch die B-Mannschaft der Bayern den unseren technisch hochüberlegen war. Ballan- und -mitnahme war beim VfB teilweise eine Katastrophe. Die Zeit, die unsere Jungs benötigten, um Zuspiele zu verarbeiten, die hat man auf diesem Niveau einfach nicht. Daraus resultierte, dass der VfB weitestgehend von Beginn an am hinterher laufen war. Für eine Mannschaft, die in den restlichen beiden Spielen noch unbedingt etwas erreichen möchten, fehlte mir der Biss und die Zweikampfhärte, mit denen man den Bayern vielleicht auch die Lust am Spiel hätte nehmen können. Beim Gegner wollte sich mit Sicherheit niemand verletzen und dadurch möglicherweise die beiden noch ausstehenden Endspiele verpassen. Also, wäre aus VfB-Sicht das ein oder andere Zeichen zu setzen, durchaus hilfreich gewesen, um den Bayern zu signalisieren, dass es notfalls auch auf die Socken gibt. Leider fehlte dem VfB diese positive Aggressivität. Im Gegenteil, durch die eingangs erwähnten technischen Unzulänglichkeiten waren wir von Beginn an am hinterherlaufen und luden durch Abspielfehler und vertändelte Bälle die Bayern zu Torchancen ein. Gerade Gomez, einer der wenigen nicht heraus rotierten Stammspieler, merkte man an, dass er sich unbedingt noch die Torjägerkanone sichern möchte. Er war stets gefährlich, wurde zudem noch angestachelt durch die schwäbischen Schmährufe. Die erste dicke Chance hatte allerdings der VfB als Georg Niedermeier nur die Querlatte traf. Danach gab es sehr viel Mittelfeldgeplänkel, die Bayern spielten ihren Stiefel herunter, dem VfB fehlten die Mittel und die Durchschlagskraft nach vorne. Nach einer verunglückten Rückgabe von Maza, der für den verletzten Tasci ins Team rückte, nahm das Unheil seinen Lauf. Unsere Nummer 1, Sven Ulreich, zögerte, ob er aus seinem Kasten kommen soll (meiner Meinung nach hätte er raus kommen müssen), Müller ersprintete die Kugel und passte zu Gomez, der nur noch ins leere Tor einschieben müsste. Die Gesten Richtung VfB-Block hätte er sich danach sparen können… Knackpunkt des Spiels war wohl die Szene unmittelbar danach als Okazaki zum zweiten Mal nur Aluminium traf und Gentner den Abpraller nicht genügend drücken konnte und über die Latte köpfte. Danach übernahmen die Bayern mehr und mehr die Spielkontrolle und dem VfB fehlte die letzte Konsequenz, den Gegner ernsthaft zu gefährden. Mit Beginn der zweiten Hälfte brachte unser Coach, Bruno Labbadia, Cacau für Kvist. Die ersten Minuten gehörten dem VfB, leider fehlte auch hier die Durchschlagskraft um Butt ernsthaft in Bedrängnis zu bringen. Die Bayern lauerten auf Konter im eigenen Stadion, spielten die aber zunächst zu unserem Glück nicht sauber zu Ende. So dauerte es bis zur Schlussminute bis Thomas Müller einen Konter zum 2:0-Endstand abschloss. Wie erwähnt, insgesamt war mir das zu wenig und sah schwer nach einem auslaufen lassen der Saison aus. Leverkusen hat uns durch den Sieg gegen Hannover vom fünften Platz, der zur Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League berechtigt, verdrängt. Jetzt müssen wir auf die Nürnberger hoffen, dass sie um ihre Minichance auf den 7. Platz gegen Leverkusen kämpfen werden. Besonders ein Mann in deren Reihen, unser Leihspieler Daniel Didavi, wird bewusst sein, dem VfB helfen zu können, wenn er erneut eine Topleistung auf den Rasen bringt. Ich denke, wir dürfen uns auf ihn freuen, wenn er im Sommer zurückkommt, hat er doch eine überragende Rückrunde gespielt. Es würde mich freuen, wenn Labbadia in der neuen Saison Verwendung für ihn hätte. Er ist zwar nicht der schnellste und laufstärkste Spieler. Dafür hat er einen überragenden Schuss und schlägt starke Standards, Attribute die uns durchaus fehlen und stärker machen könnten. Der VfB seinerseits ist gegen Wolfsburg natürlich zum siegen verbannt. Wie in jeder Saison wird auch dieses Mal wieder dem Team daran gelegen sein, sich positiv in die Sommerpause zu verabschieden. Und, sollte Leverkusen in Nürnberg Federn lassen, muss der VfB da sein und sich den fünften Platz zurück erobern. Er würde eine ungestörtere Vorbereitung gewährleisten, da uns eine Qualifikationsrunde Anfang August, also mitten in der Saisonvorbereitung, erspart bliebe. Leider hat man die gute Ausgangsposition durch die beiden Auswärtsspiele in Köln und München aus der Hand gegeben. Spannend dürfte sein, wer gegen die Wölfe unsere Innenverteidigung bilden wird, fallen doch Tasci verletzt und Georg Niedermeier durch Gelbsperre aus. Zu allem Überfluss handelte sich Antonio Rüdiger gestern beim Spiel unserer Zweiten gegen den Zweitligaaufsteiger VfR Aalen eine rote Karte ein. Daher tippe ich auf das Abschiedsspiel unseres Ex-Kapitäns Matthieu Delpierre neben Maza.

Unterm Strich war es natürlich eine tolle Saison unseres VfB, egal, ob am Ende der 5. oder der 6. Platz steht. Nach dem Fastabstieg vor Jahresfrist jetzt wieder nach Europa gestürmt, was will man eigentlich mehr. Trotzdem wäre Stillstand Rückschritt, d. h. in der nächsten Saison wäre es durchaus mal wieder an der Zeit, die Top vier anzugreifen. Potential ist durchaus vorhanden, im Sommer kann man sich von etlichen Heldt’schen Altlasten trennen, die jahrelang ein Klotz am Bein waren, was die finanzielle Handlungsfähigkeit betraf. Die bisherige Transferbilanz von Fredi Bobic ist hervorragend, so habe ich durchaus Hoffnung, dass jetzt der nächste Schritt erfolgen kann. Dass die Mannschaft Qualität besitzt, zeigt sie in Nuancen immer wieder. Leider fehlt die Konstanz, siehe den Negativlauf November bis Februar, sonst wäre auch schon in dieser Saison zumindest Platz vier machbar  gewesen.

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