13. September 2010

Fehlstart zu Saisonbeginn: Alarmstufe eins beim VfB

Es sind 85 Minuten vorbei, als Joachim Löw einen Zwischenspurt einlegt und sich zügig auf den Heimweg macht. So muss er keine ragen zum VfB beantworten. Das ist gut für ihn, denn wenn der Bundestrainer bis zur 90. Minute geblieben wäre und dann die Wahrheit gesagt hätte, hätte er sich in Stuttgart keine Freunde gemacht. Schließlich konnte jeder im Stadion sehen, dass die Mannschaft in der Krise steckt. Nach dem 1:2 beim SC Freiburg und der dritten Niederlage im dritten Saisonspiel ist der Fehlstart perfekt.

Durch seinen Abgang versäumt Löw eine Szene nach dem Schlusspfiff, die womöglich bezeichnend für die Stimmungslage ist. Wie üblich will sich Timo Gebhart bei den mitgereisten Anhängern für die Unterstützung bedanken. Im Mittelkreis wartet er auf seine Kollegen, die teilweise jedoch schon in der Kabine verschwunden sind. Gebhart winkt aufgeregt. Zumindest einige folgen ihm dann doch noch und marschieren in Richtung Kurve – um auf halber Strecke wieder umzudrehen. Ein Affront gegen die Fans soll das wohl nicht sein. Eher spiegelt sich darin das Innenleben der Mannschaft wider. Es herrscht der Eindruck, dass jeder in erster Linie an sich selber denkt. So spielen sie übrigens auch.

Der Teamgeist fehlt

Diese Entwicklung hat nun sogar Erwin Staudt auf den Plan gerufen. Am Sonntag redete er dem Team eindringlich ins Gewissen. Der Präsident forderte die Profis auf, sich wieder auf ihren Job zu konzentrieren. Das Fazit der Bestandsaufnahme lautete, dass es so nicht weitergehen kann. Staudt betonte, dass er mehr erwartet. Das zeigt: die Verantwortlichen beim VfB sind schon sehr nervös. Es herrscht Alarmstufe eins.

Wenn der Appell an die Spieler nicht fruchtet, wird sich Staudt an den Trainer wenden. So sind die Mechanismen, das weiß Christian Gross. Er ist der Erste, der sich am Samstag in die Katakomben zurückzieht – und danach ziemlich ratlos wirkt. Wie schon zuletzt sagt er erneut, dass die Niederlage unnötig gewesen sei. Oder dass die Gegentore nach Fehlern gefallen seien. Oder dass sich die Mannschaft das selbst eingebrockt habe. Oder dass es nun hart werde. “Wir müssen da bald rauskommen.” Wie das gelingen soll, sagt Gross nicht.

Vielleicht hat auch ihm die Körpersprache in der zweiten Halbzeit zu denken gegeben, als die Spieler mutlos über den Platz gelaufen sind. Da war kein Aufbäumen, kein Wille, kein Zusammenhalt. Der VfB schien auseinanderzufallen und wirkte, als sei er mit den Kräften am Ende – als Folge einer komplizierten Saisonvorbereitung? Jedenfalls gibt es Spieler, die nicht gerade begeistert über die vielen Trainingscamps im Sommer waren. Außerdem wird in der Mannschaft auch über den Sinn der intensiven Belastungseinheiten am Tag vor einigen Europa-League-Spielen diskutiert.

Vorbereitungsphase war schwierig

Allerdings war es auch nicht einfach für Gross, der zum einen dafür sorgen musste, dass der VfB international im Rennen bleibt – und andererseits auch fit in die Bundesliga geht. Zudem konnte der Trainer lange nicht mit dem kompletten Kader arbeiten, wegen der WM und weil viele Neuzugänge erst spät verpflichtet wurden. Dazu passt, dass die im August geholten Johan Audel und Philipp Degen sofort ausgefallen sind und bis auf weiteres fehlen. So kommt ein Problem zum anderen.

Offensichtlich ist beispielsweise auch, dass die Mannschaft keinen Anführer hat – eine Rolle, die Sami Khedira und Jens Lehmann in der Rückrunde zumindest teilweise ausfüllten. Beide sind nicht mehr hier. Der Aushilfskapitän Cacau versucht in die Bresche zu springen, aber dabei verzettelt er sich. Er meint, überall auf dem Spielfeld präsent sein und vieles auf eigene Faust unternehmen zu müssen. Damit wird Cacau für die eigenen Kollegen jedoch noch unberechenbarer als für den Gegner.

Im Mittelfeld harmonieren Christian Gentner und Zdravko Kuzmanovic nicht. Den für diese Position bestens geeigneten Christian Träsch lässt Gross nur als Verteidiger ran. Auch die Entscheidung des Trainers, zu Saisonbeginn trotz schwacher Leistungen auf Georg Niedermeier und Khalid Boulahrouz zu bauen und Serdar Tasci draußen zu lassen, beschäftigt die Mannschaft weiter.

Insofern steht der VfB vor einer wichtigen Woche mit den Spielen am Donnerstag in der Europa League gegen Bern und am Samstag in der Liga gegen Gladbach. Der negative Lauf muss schnell gestoppt werden. Sonst dürfte es nicht lange dauern, bis Erwin Staudt seinen nächsten Auftritt hat.

Freiburg:

Baumann – Mujdza, Barth, Butscher, Bastians – Schuster – Abdessadki, Makiadi, Jäger (49. Nicu) – Cissé (83. Toprak), Reisinger (57. Yano).

Stuttgart:

Ulreich – Träsch, Niedermeier, Tasci, Molinaro – Kuzmanovic, Gentner – Camoranesi (61. Gebhart), Didavi (76. Boka) – Pogrebnjak (76. Harnik), Cacau.

Schiedsrichter:

Sippel (München).

Tore:

0:1 Pogrebnjak (27.), 1:1 Cissé (58.), 2:1 Schuster (71.).

(STZ 13.9.2010)

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27. Januar 2010

22.1.2010: 1:0 im Derby, Marica sichert dritten Sieg für VfB

Eins, zwei drei – so kann es weitergehen. Mit dem dritten Bundesligasieg in Folge hat sich der VfB Stuttgart wieder ein kleines Stück vom Tabellenkeller abgesetzt. Ciprian Marica traf am Freitagabend zum 1:0 (1:0) beim SC Freiburg.

Mehr Erfahrung, mehr Qualität, mehr Engagement und die reifere Spielanlage: Die Vorteile lagen in diesem Derby gegen den Abstieg aufseiten des VfB, der das Spiel und den Gegner dann auch prompt dominierte. Dass es dennoch ein hartes Stück Arbeit wurde, lag an der mangelnden Konsequenz der Roten im Abschluss. “Da müssen wir zielstrebiger werden”, monierte Manager Horst Heldt, der nach der Pause mehr zittern musste, als ihm lieb war: Da konnte der VfB unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw nicht an seine starke Leistung vor dem Wechsel anknüpfen, baute ab und leistete sich zu viele Nachlässigkeiten.

Immerhin: Es reichte zum Sieg, weil Ciprian Marica in der 41. Minute goldrichtig stand. Nach einem Einwurf von Cristian Molinaro spielte Alexander Hleb den Ball in die Tiefe, Pawel Pogrebnjak legte quer auf den Rumänen, der zu seinem achten Bundesligatreffer vollendete. “Es war ein verdienter Sieg”, sagte Trainer Christian Gross, unter dem der VfB weiter ungeschlagen ist, “aber wir müssen uns weiter verbessern.”

Nach einer knappen Viertelstunde legte die Mannschaft alle Zurückhaltung ab. Erst prüfte Georg Niedermeier per Kopfball SC-Schlussmann Simon Pouplin, dann ging es Schlag auf Schlag.

14. Minute: Beim Freistoß tippte Alexander Hleb den Ball an, Pawel Pogrebnjak zog aus 18 Metern ab und zwang Pouplin zu einer Parade.

16. Minute: Roberto Hilbert trat den nächsten Freistoß, Marica verfehlte beim Kopfball das Tor aus zehn Metern knapp.

18. Minute: Dritter Freistoß in kürzester Zeit, Hleb schlug den Ball nach innen auf Niedermeier, doch dem Innenverteidiger strich die Kugel über den Kopf.

Drei gefährliche Standards, dreimal ohne Erfolg. Der VfB war das aggressivere Team, gab den Ton an und zwang dem Gegner sein Spiel auf. Pogrebnjak zog aus zehn Metern ab – übers Tor (28.). Freiburg konnte sich kaum befreien, nur Felix Bastians behielt die Übersicht: Sein Schuss strich am langen Eck vorbei ins Aus (30.), ebenso zwei Schussversuche von Daniel Caligiuri (34. und 37.).

Mit der Führung im Rücken drängten die Roten nach dem Wechsel weiter. Einen Schuss von Roberto Hilbert schlug Ömer Toprak in höchster Not von der Torlinie (48.). Und dann lag der Ball unvermittelt im Tor von Sven Ulreich, der nach überstandener Gehirnerschütterung fehlerfrei spielte. Nach Protesten des VfB erkannte Schiedsrichter Felix Brych den Treffer von Papiss Demba Cissé zu Recht ab – Kapitän Heiko Butscher hatte den Ball in Abseitsstellung ins Tor abgefälscht (62.). Für Freiburg war es das Zeichen zum Aufbruch. Der Absteiger rückte auf, ging hohes Risiko, der VfB dagegen schaffte nur noch wenig Entlastung: Niedermeier klärte gegen Bastians auf der Linie (76.). Dennoch hätte der VfB sogar fast mit 2:0 gewonnen: Marica erzielte sein zweites Tor (86.), hatte dabei aber das Bein zu hoch – Brych erkannte den Treffer wegen gefährlichen Spiels nicht an.

(STN online 22.1.10)

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