28. Januar 2018

Ich hab die Schnauze voll!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 21:42

Ich muss es zugeben, große Teile dieses Berichts habe ich nach Mainz geschrieben, war dann aber unsicher, ob ich mit der Forderung, dass nach gerade einmal zwei Rückrundenspielen, von denen eines auch noch gewonnen wurde, Köpfe rollen müssen, nicht unnötig zur allgemeinen Unruhe beitragen und zusätzliches Öl ins Feuer gießen würde. Also, wollte ich das Schalke-Spiel noch abwarten, nachdem die Woche über ja viel geredet und Besserung gelobt wurde.

Was das Labern gebracht hat und dass das Spiel gegen Schalke eine nahtlose Fortsetzung des Mainz-Desasters wurde, wissen wir mittlerweile. Meine Forderung nach dem Rollen von Köpfen zielte darauf ab, dass Reschke und Wolf zusammen nicht funktionieren und demzufolge einer von beiden gehen muss, am liebsten der Herr Sportdirektor.

Hannes Wolf hat sicher in letzter Zeit Fehler gemacht und wirkte zunehmend ratlos. Er war jedoch die Geisel der Entwicklung der letzten Monate und Opfer dessen, dass man ihm einen Sportdirektor vorgesetzt hat, mit dem die Chemie nicht stimmte.

War es mit Schindelmeiser eine fruchtbare Zusammenarbeit und war es Schindelmeiser stets bewusst, dass er einen im Profi-Geschäft noch unerfahrenen Trainer auf den Wasen geholt hat, wusste Schindelmeiser Wolf zu stützen, zu unterstützen und ihm Hilfestellung zu geben, wann immer er den Eindruck hatte, Wolf benötige Halt.

Reschke hingegen offenbarte sich als Elefant im Porzellanladen und konterkarierte Wolfs Vorstellungen vom Fußball bis hin, was letzte Woche offenkundig wurde, dass er dem scheinbar Unerfahrenen in Taktik und Aufstellung hinein zu reden versuchte.

Dass ein solches Verhalten das Selbstbewusstsein eines jungen Trainers nicht stärkt, ihn also verunsichert, ist so klar wie, dass man Reschke höchstens im hintersten Kämmerlein des Vereinsgeländes unterbringen und um jeden Preis verhindern muss, dass dieser vor ein Mikrofon tritt.

Schon nach Schindelmeisers Rauswurf äußerte ich Bedenken, dass Wolf den Bettel hinschmeißen könnte, wenn man vom eingeschlagenen Weg abkommt und die Zusammenarbeit mit Reschke nicht passt.
Das scheint nun der Fall gewesen zu sein, auch wenn die offizielle Sprachregelung anders lautet. Stark, Hannes Wolf, dieses Kasperletheater kann man sich auf Dauer nicht antun.

Die Frage, die sich daran knüpft, ist jedoch, wer tut sich das überhaupt an? Spätestens heute fühlt man sich ins Jahr 2016 zurück gebeamt, als man schon mal dem Abstieg entgegen taumelte, der Sportdirektor den Kader für stark genug erklärte, während der Präsident von der Champions League träumte.

Mit Schindelmeiser und Wolf hatte ich die große Hoffnung, dass das Chaos der letzten gut zehn Jahre ein Ende gefunden hat. Es gab eine Philosophie, es gab eine Strategie, nahezu jeden Schritt konnte man nachvollziehen, da er zum ausgegebenen Plan passte. Zudem herrschte eine angenehme Ruhe im Verein und Transfers wurden so lang unter der Decke gehalten, bis die Tinte trocken war.

Die Saisonvorbereitung fing so verheißungsvoll an. Mit Rückenwind durch den Aufstieg und die Ausgliederung, die Schindelmeiser und Wolf mit ihrer frischen und ihrer um die Verantwortung um den VfB bewussten Art erst möglich gemacht hatten, wurde Neuzugang um Neuzugang präsentiert. Die meisten Transfers, auch wenn im einen oder anderen Fall überraschend, machten beim näheren Betrachten Sinn und waren nachvollziehbar.

Dass Reschke inzwischen Schindelmeisers Einkäufe peu à peu weiter veräußert, wertet diese für mich nicht ab. Es wird lediglich die ehemals vielversprechende Philosophie ad absurdum geführt. Lautete sie einst, eine Mannschaft mit Entwicklungspotential aufzubauen, steht Reschke offensichtlich auf eine Altherrenmannschaft, die er für geeigneter hält, dem Druck im Abstiegskampf Herr zu werden.

Dachte man im Sommer, Gentners Tage als der Unantastbare seien gezählt oder dass er zumindest hart um seinen Stammplatz wird kämpfen müssen, kam Reschke, kaum im Amt, daher, und erklärte ihn für unverzichtbar. Schon mit diesen Äußerungen zu Beginn seiner Amtszeit untergrub er die Vorstellungen des Trainers.

Die leider nur knapp elf Monate andauernde Ära Schindelmeiser/ Wolf, bewerte ich losgelöst von dem, was seither geschah. Da Schindelmeiser zu jenem Zeitpunkt noch nicht fertig war mit der Kaderzusammenstellung, hatte ich vollstes Vertrauen, dass er die größten Schwachstellen im Team bis Ende August noch behoben hätte, und mit einer konkurrenzfähigen Truppe und nicht blauäugig das Unternehmen Klassenerhalt angehen würde.

Dass den Verein diesbezüglich Panik ereilte, relativ kurz vor Saisonstart aber doch knapp vier Wochen vor Ende des Transferfensters, ist mit ein wenig Wohlwollen betrachtet ja gerade noch nachvollziehbar.
Dass man nun aber, drei Tage vor dem Schließen des Wintertransferfensters und wohl nur, weil der Sportdirektor jetzt Reschke und nicht mehr Schindelmeiser heißt, die Ruhe weg hat, den Kader noch zu verstärken, verstehe, wer will. Seit Maxims Abgang klafft eine Lücke zwischen defensivem Mittelfeld und Angriff, so dass oberste Priorität sein muss, einen Mann für den tödlichen Pass zu holen. Für mich wäre es extrem fahrlässig, nichts mehr zu tun, so dass ich mich wundere, dass sich der Aufsichtsrat, der Schindelmeisers Entlassung so einstimmig mitgetragen hat, noch nicht zu Wort gemeldet hat. Oder reden wir doch nur von Marionetten des Vorsitzenden, die nur dann ihre Hand heben, wenn Papa Wolfgang darum ersucht?

Die Trainingslager in Grassau und Neustift machten mir große Hoffnung, dass ein selten erlebter Konkurrenzkampf anstehen könnte und sie ließen mich staunen, was für eine Schnelligkeit einige der Neuen einbrachten. Das ließ Hoffnung aufkeimen, dass die Platzhirsche endlich und Woche für Woche um ihren Platz kämpfen müssten und ordentlich Zug drin ist. Die Testspiele, vor allem, die Halbzeiten in denen die vermeintlich erste Formation (ohne Gente) am Start war, machten ebenfalls Hoffnung auf eine goldene Zukunft.

Da es bekannt ist, dass Hannes Wolf entwicklungsfähige Spielern gerne zum nächsten Schritt verhilft, hatte ich angesichts der vielen jungen Spieler im Kader keine Bauchschmerzen, dass der Jugendstil krachend scheitern könnte.

Nein, ich hatte einfach Vertrauen in Schindelmeiser und Wolf und spürte, wie verantwortungs- und einfühlsam sie für den VfB agierten. Mit der Aufstiegseuphorie im Nacken und dem Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, wäre ein verheißungsvoller Saisonstart und das Reiten auf einer Euphorie- oder sogar Erfolgswelle denkbar gewesen. Diese Hoffnung wurde mit Schindelmeisers Entlassung von einem auf den anderen Tag zunichte gemacht.

Man warf Schindelmeiser vor, allzu sehr auf Jugend und zu wenig auf Erfahrung gesetzt zu haben und änderte von oben herab diese Philosophie. Mit Reschke kam ein antiquierter Alt-Scout, der seinen Transfers zufolge letztmals den Markt ausgiebig sondierte, als Aogo und Beck bei den Junioren kickten und Timo Baumgartl noch zur Grundschule ging.

Die Stimmung war top, die Euphorie grenzenlos, was sich nicht zuletzt in der „Make VfB great again“-Veranstaltung namens außerordentliche Mitgliederversammlung am 01.06. zeigte. Dem Verein war es binnen eines Jahres gelungen, Vertrauen zurück zu gewinnen, wenngleich die Ausgliederungsdebatte einen Keil in die Fanszene geschlagen hatte.

Was Befürworter und Gegner der Ausgliederung jedoch weitestgehend einte, war das große Vertrauen in die Arbeit von Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf.

Dann wurde Schindelmeiser aus Gründen geschasst, die einem Außenstehenden auch ein halbes Jahr später noch ein Rätsel sind. Als Hauptgrund der Demission steht die Aussage Dietrichs, man sei in den Gremien übereinkommen, dass die gemeinsam gesteckten Ziele mit Schindelmeiser nicht zu erreichen gewesen seien und er Alleingänge tätige, die den redseligen Personen in den Gremien (und der Presse) offensichtlich nicht gefallen haben.

Dies gab dann wohl den Ausschlag, den rheinischen Dampfplauderer Reschke an Land zu ziehen, dessen Zunge schneller als sein Gehirn zu sein scheint. Dieser schwätzt mehr als Schindelmeiser und sucht die Fettnäpfchen förmlich, den Herren in Vorstand und Aufsichtsrat scheint das egal zu sein, Hauptsache, er redet überhaupt. Da dieser gleich zu Beginn Kritiker seiner Transfers als „ahnungslose Vollidioten“ bezeichnete, scheue ich bei meinem Urteil über ihn eine etwas derbere Ausdrucksweise gleichfalls nicht.

Seit Reschke das Zepter übernahm, änderte sich die Philosophie, oder genauer, es ist keine mehr erkennbar. Nachdem auch der VfB leidvoll erfuhr, dass man für 41 Millionen Euro heutzutage in Betrachtung des Gesamtpakets von Ablöse, Gehalt, Beraterhonorar und einigem mehr höchstens noch einen einzigen brauchbaren Spieler bekommen kann und den nicht einmal von der Crème de la Crème, beschränkte man sich auf günstige Alt-Stars und extrem verletzungsanfällige Spieler und buttert das Mehr an Geld lieber in üppige Gehälter von Spielern, die im Sommer wieder weg sind und/ oder keinen Wiederverkaufswert mehr haben. Das hat sich der eine oder andere, der bei der Ausgliederung für „ja“ stimmte, sicherlich auch anders vorgestellt.

Die unter Schindelmeiser gelebte Philosophie wurde auf einen Schlag über den Haufen geworfen, der von Wolf favorisierte Hochgeschwindigkeitsfußball ebenso. Kurz vor Ende der Sommertransferperiode kam dann noch Santiago Ascacíbar hinzu, ein Volltreffer, der noch Jan Schindelmeiser zuzuschreiben ist.

Der Fußball, den uns der VfB in dieser Saison zumutet, hat mit Hochgeschwindigkeitsfußball soviel zu tun wie ein Dreirad mit einem Rennrad. Gerade einmal 13 Vorrunden-Tore sind Beleg einer verfehlten Einkaufspolitik. Anstatt jedoch die echten Problemzonen unseres Teams anzugehen, erklärte man Simon Terodde zum Sündenbock. Dieser sei zwar ein guter Zweitligastürmer, genüge den hohen Ansprüchen der Fußball-AG aber nicht.

Simon Terodde wechselte, angeblich auf eigenen Wunsch hin, zum 1. FC Köln. Heimweh wurde als Grund seines Wechselwunsches angegeben, die wahren Gründe dürften jedoch damit begründet sein, dass Terodde als einzige Spitze, wie jetzt ja auch Mario Gomez, meist auf verlorenem Posten stand und der dargebotene Fußball ja auch keinen Spaß machen kann.

Schon nach den ersten drei Spielen mit Gomez, stellt sich heraus, dass auch Super-Mario sich die Flanken nicht selbst schlagen kann und er ebenfalls einen Vorbereiter gut gebrauchen könnte. Das Problem wurde also nicht gelöst, sondern von Terodde auf Gomez verlagert. Wer derzeit der Glücklichere ist? Fragt mal in Köln nach!

Ob die jüngsten Verpflichtungen, Erik Thommy und Jacob Bruun Larsen, beide für die Außenbahn gedacht, unsere Probleme zu lösen vermögen, mag ich noch nicht beurteilen. Dass die beiden Spieler jedoch zusammen gerade einmal sieben (!) Bundesligaspiele auf dem Buckel haben, beide erst von einer Verletzung zurück kommen und in ihren abgebenden Vereinen nur Nebenrollen spielten, sich auf Anhieb durchsetzen und dem VfB einen Zugewinn an Qualität bringen, da habe ich erhebliche Zweifel.

Larsen durfte gestern von Beginn an ran und es bleibt zu hoffen, dass ihm dieser 45-minütige Einsatz samt stümperhaft verschuldetem Elfmeter keinen Knacks für die nächsten dreieinhalb Monate versetzt. Noch weiß man nicht, wer Trainer wird und ob dieser auf dieses 19-jährige Greenhorn ohne Erfahrung im Männerbereich setzen wird. Es ist denkbar, dass Jacob Bruun Larsen gestern sein erstes und letztes Spiel für den VfB gemacht hat.

Spieler ohne jegliche Spielpraxis sind in der Regel nicht mit üppigem Selbstbewusstsein ausgestattet, um auf Anhieb Druck im Kader auszuüben. Inwieweit diese jungen Kerle dem Druck des Existenzkampfes werden standhalten können, wird sich ebenfalls zeigen. Larsen jedenfalls zeigte gestern bereits Nerven!

Reschke spielt mit dem Feuer, sollte bis zum 31. Januar nichts Brauchbares mehr kommen. Es wird ja gerne das Argument des schwierigen Winter-Transfermarktes angeführt, um seine eigene Unfähigkeit zu kaschieren zu versuchen.

Ich lass das nicht gelten, weil die Probleme in unserem Spiel schon seit August offensichtlich sind, Reschke also genug Zeit hatte, sich kreative Möglichkeiten zu überlegen. Bekommt man in der Bundesliga keinen „Zehner“, es gibt ja auch noch Ligen, wie die skandinavischen zum Beispiel, die mit dem Kalenderjahr endeten.

Reschke blieb bislang alles schuldig, was man vom einstigen Perlentaucher erwarten können musste. Wo immer er auch taucht, die Gewässer sind trüb oder die Perlen sind abgefischt.

Was Wolfgang Dietrich überhaupt geritten hat, diesen Reschke zu holen, erschließt sich mir in keinster Weise. Bei Bayer Leverkusen und Bayern München hatte man erkannt, dass er ein guter Mann für die zweite Reihe sein mag, in vorderster Front aber an Peinlichkeit kaum zu überbieten ist. Nicht umsonst zogen ihm die Bayern letzten Sommer gar den Komiker Hasan Salihamidžić vor.

Wenn Dietrich derart von Reschke überzeugt gewesen und nicht ausschließlich auf die Lobhudeleien aus München reingefallen ist, wäre es für die ahnungslosen Vollidioten interessant zu wissen, ob Reschke ein Konzept vorgelegt hat und was dieses vorsah.

Bislang legt Reschke einen nicht durchschaubaren Schlingerkurs ohne roten Faden hin, so dass man immer noch nicht sagen kann, wofür dieser Reschke überhaupt steht (von Transfers, auf die die Putzfrau auch gekommen wäre, einmal abgesehen).

Für mich hat Dietrich Schindelmeiser weg gemobbt, weil Schindelmeisers Popularität größer war als seine eigene und er sich von Schindelmeiser nicht die Show stehlen lassen wollte. Dass sein Nachfolger einer wurde, dem man besser kein Mikrofon vor die Nase hält, kam Dietrich dabei womöglich noch entgegen. Dass derart eitle Machtspiele auf dem Rücken des Wohles des VfB ausgetragen wurden, wird einfach hingenommen. Reschke gerät, nicht nur wegen der Wolf-Entlassung, immer mehr in die Kritik. Die Bild-Zeitung, wenigstens in Sachen Sport durchaus ernst zu nehmen, bezichtigt ihn heute gar der mehrfachen Lüge und schreibt „Journalisten sparen sich inzwischen die Anrufe beim VfB-Vorstand. Weil sie wissen, dass sie nicht mit der Wahrheit rechnen können“.

Harter Tobak und eines VfB-Vorstandes eigentlich auch nicht würdig ist ebenso, dass Reschke nach nahezu jedem seiner Interviews eine Klarstellung hinterher schieben muss. Mein Gott, was ist aus meinem VfB nur geworden? In der Philosophie Rolle rückwärts um zwei Jahre, der VfB taumelt am Abgrund und wird sicher absteigen, wenn bis zum Ende der Transferperiode nicht noch ein mittelgroßes Wunder geschieht. Danke, Dietrich!

Falls es eines Beweises bedurfte, dass Reschke im Scoutingbereich nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist, wurde letzte Woche Peter Knäbel (genau, DER Rucksack-Pete) als externer Berater ins Boot geholt.
Knäbel hat zwar hervorragende Referenzen und sich vor allem um den Schweizer Nachwuchsbereich sehr verdient gemacht, seine Erfolge auf diesem Gebiet liegen jedoch schon Jahre zurück. In welchem Umfang Knäbel für den VfB arbeiten wird, wurde nicht publik.

Letztes Wochenende in Mainz gab Reschke zum wiederholten Male ein peinliches Bild für den VfB Stuttgart ab. Zunächst war da die Sache mit Akolos fehlender Spielgenehmigung. Man hätte Reschke sicherlich nicht persönlich für diesen Fauxpas verantwortlich gemacht, wenn er denn vor den Mikrofonen nicht derart herum geeiert hätte und das schlechte Gewissen förmlich aus ihm heraus sprach.

Dem VfB, der uns weismachen wollte, durch die Ausgliederung in eine AG werde alles so viel professioneller, unterlief ein dämlicher Anfängerfehler. Jedermann vergewissert sich nach der Übermittlung wichtiger Dokumente, sofern man keine Empfangsbestätigung erhalten hat, ob das Dokument auch angekommen ist. Der VfB scheinbar nicht!

Ich glaube zwar nicht, dass ausgerechnet Akolo auf dem glitschigen Geläuf den Unterschied ausgemacht hätte, und doch war es suboptimal für Hannes Wolfs Spielvorbereitung, kurz vor dem Spiel die Aufstellung noch einmal über den Haufen werfen zu müssen.

Hannes Wolf, den die „Mannschaft“ in Mainz fürchterlich im Regen stehen lassen und seinen Besuch im Aktuellen Sportstudio spätabends zu einem Gang nach Canossa werden ließ, wurde dort mit eingespielten Aussagen Reschkes konfrontiert, der zum Besten gab „Wir müssen uns in der Woche noch mal zusammensetzen, um uns taktische und spielerische Alternativen zu überlegen.“

Spätestens ab da war klar, dass es zwischen Reschke und Wolf überhaupt nicht passte und Reschke dabei war, Wolf zu demontieren. Hannes Wolf reagierte zwar nach außen hin souverän, in ihm dürfte es aber schwer gebrodelt haben. So schwer, dass er mit der Aufgabe beim VfB abschloss? Ich denke ja. Die Aufstellung beim Schalke-Spiel könnte als Retourkutsche für Reschkes Personalpolitik und das Betteln um seinen Rauswurf interpretiert werden.

Um klar zu stellen, für mich sind weder Wolf noch Schindelmeiser Heilige. Nur bin ich der Auffassung, dass es zwischen Sportdirektor und Trainer passen und eine gemeinsame Richtung erkennbar sein muss. Beides war gegeben, so dass Dietrich ohne Not und wegen verletzter Eitelkeit ein funktionierendes Konstrukt auseinander gerissen und durch eine absolute Fehlbesetzung ersetzt hat.

So kontraproduktiv es war, Luhukay zu verpflichten, als Schindelmeiser noch nicht da war, so dämlich war es, mit Reschke einen Mann zu holen, der nicht zu Wolf passt. Im normalen Leben nimmt man es sich vor, gleiche Fehler möglichst nicht mehrmals zu machen und aus ihnen zu lernen, beim VfB sind Fehler dazu da, sie immer und immer wieder aufs Neue zu machen.

Zu einer Analyse der Situation und ach so tiefgreifenden Gesprächen heute Nacht hätte gehört, die Arbeit des Sportdirektors zu hinterfragen und sie nach knapp sechs Monaten zu bewerten. Jörg Schmadtke wäre auf dem Markt, Matthias Sammer möglicherweise ebenso! Beide haben schon bewiesen, planvoll arbeiten zu können und man könnte sie auf jeden Fall auch auf die Öffentlichkeit loslassen.

Hannes Wolf ist von Kritik natürlich auch nicht freizusprechen. Seinen Stempel konnte er dem Team nicht aufdrücken, wenngleich die Frage offen bleibt, in welchem Umfang er Reschkes Einkäufe spielen lassen musste, ob er wollte oder nicht.

Seine Akribie konnte bisweilen in Verbohrtheit münden, indem ihn jede Kleinigkeit im Ablauf störte, die nicht auf seinem Reißbrett stand. Er verkomplizierte manches zu sehr, so dass die ja nicht immer hochintelligenten Fußballer bisweilen nicht mitgekommen sind. Da bin ich doch eher ein Verfechter von „das Runde muss ins Eckige“ und „Qualität kommt von Qual“.

Ob diese Verwissenschaftlichung des an und für sich einfachen Spiels bei den Spielern immer gut an kam, da bin ich mir nicht so sicher.

Gentner sagte es gestern ja eindeutig und unverhohlen, „was interessieren mich Statistiken“. Einen deutlicheren (verbalen) Affront gegen diesen gewissenhaften Übungsleiter hätte es kaum geben können, die „Unterstützung“ auf dem Platz tat ihr Übriges. Wieder einmal hat es ein Team um Gentner geschafft, den unliebsam gewordenen Trainer abzuschießen.

Anders sind die Kollektivversagen der letzten Wochen nicht zu erklären. Der wievielte Trainer war es eigentlich jetzt, seit Gentner 2010 das Kapitänsamt von Tasci übernommen hat? Lustig, dass ausgerechnet Markus Weinzierl der aussichtsreichste Nachfolgekandidat zu sein scheint, der, oh Wunder, den gleichen Berater hat wie Christian Gentner.

Ich bin dermaßen sauer heute und begrabe ein für allemal mein Hoffen auf Kontinuität beim VfB. Mit Wolf hatten wir ein erfrischendes Trainertalent, dem man unheimlich gerne zuhörte. Nie haben mich die Pressekonferenzen mehr gefesselt, als jene, in denen Hannes Wolf das Wort ergriff. Er war eines der wenigen Gesichter des VfB und verhalf dem VfB (trotz Reschke) zu einer positiven Außendarstellung.

Ich werde ihn vermissen und befürchte, dass wir ihm eines Tages nachweinen werden, wenn er es in den Olymp der deutschen Fußballlehrer geschafft hat. Ich bedanke mich bei Hannes Wolf für die geile Zeit, vor allem im Zweitligajahr und gekrönt mit dem Aufstieg, mit dem sein Name für immer verbunden sein wird. Danke, Hannes!

Eigentlich habe ich heute die Schnauze voll und würde ihnen am liebsten Dauerkarte und Mitgliedsausweis hin schmeißen. Was mich beim Klepperlesverein hält, sind nicht die Protagonisten, die sind Momentaufnahme und morgen hoffentlich schon wieder weg.

Nein, es sind die Leidensgenossen, mit denen man unterwegs ist und die man immer und überall trifft. Mit ihnen lässt sich Freud und Leid teilen, die Fanszene bildet meist eine Einheit, das alles ist stärker und nachhaltiger als Personen, die den Verein zugrunde richten und mit einer fetten Abfindung irgendwann das Weite suchen. Dietrich und Reschke werden hoffentlich nicht als die endgültigen Totengräber des VfB in die Annalen eingehen sondern schon vorher von ihren Aufgaben entbunden.

Das Einzige, was mich noch besänftigen könnte und Hoffnungen auf eine Trendwende zum Besseren schüren würde, wäre, wenn es gelänge, Thomas Tuchel an Land zu ziehen. Höchst unrealistisch zwar, bei Jemandem vorzufühlen, der bei den großen Bayern im Gespräch ist und Gerüchten zufolge horrende Gehaltsforderungen haben soll, doch, wer weiß.

Manchmal steht er sich selbst im Weg, daher bin ich mir nicht ganz sicher, ob sich die Bayern auf einen solchen Eigenbrötler einlassen würden.

Wenn nicht, wäre der Weg für den VfB möglicherweise doch frei, wobei auch dann zu befürchten würde, dass Tuchel Macht für sich beanspruchen würde, die die Herren nicht bereit wären, an ihn abzugeben. Es geht ja schließlich mehr um die persönlichen Befindlichkeiten als um den VfB.

Deshalb wird man sich diesen Traum abschminken können. Es dürfte ein bislang nicht als Lautsprecher in Erscheinung getretener Übungsleiter Marke Korkut oder Weinzierl werden.

Ich lass mich überraschen und bin im Moment ziemlich gleichgültig, außer bei Tuchel natürlich. Der Neue wird mächtig Überzeugungsarbeit leisten müssen, um mich auf seine Seite zu bekommen. Das heißt nicht, dass ich mich gegen den Neuen stellen werde, nein, ich möchte sehen, dass sich Dinge ändern. Ich möchte Veränderungen der Hierarchie erkennen, Spieler aufblühen sehen, die in der Versenkung verschwunden waren und anderen, die sichere Stammspieler waren, auf der Haupttribüne die Hand schütteln. Ich möchte sie schwitzen und nach erbärmlichen Vorstellungen wie zuletzt nachts um den Bärensee laufen sehen. Ich möchte erleben, dass jeder Einzelne dem kommunikativen Hannes Wolf nachtrauert.

Was ich nicht erleben möchte ist, dass ein neuer Trainer kommt und „seine Ansprache“ so viel besser ist als die von Wolf und die Versager von gestern plötzlich um ihr Leben rennen und in Wolfsburg punkten. Sollte das der Fall sein, werde ich sie garantiert auspfeifen.

Doch, es führt kein Weg dran vorbei. Am Samstag geht es so oder so, und wohl mit so wenig Lust wie selten, nach Wolfsburg. 2006 haben wir dort zum letzten Mal überhaupt einen Punkt geholt, es wäre also überraschend, ausgerechnet jetzt dort zu punkten.

Sollte sich an der Außendarstellung und damit an der Vereinsführung nicht gravierend etwas ändern, muss man ihnen ja fast schon den Abstieg wünschen, wenn sie anders nicht von ihren Posten zu entfernen sind. Ich habe Dietrich nicht gewählt und habe gegen die Ausgliederung gestimmt, so dass ich ein absolut reines Gewissen habe.

Ein Abstieg hat für mich seit der letzten Saison und den tollen Erlebnissen im Unterhaus komplett den Schrecken verloren.

Mir ist es bewusst, dass es nach einem erneuten Abstieg deutlich schwieriger werden würde, noch einmal direkt aufzusteigen, mir ist es auch bewusst, dass der Abstand nach oben noch größer werden würde, aber, wie schon bei der Ausgliederungsdebatte gesagt und wie man heute auch sieht: Der Abstand ist so groß geworden, dass wir ohnehin Lichtjahre weg sind.

Es wird also, selbst mit 100 Millionen Euro mehr auf dem Konto, sollte der Verein weiter verschachert werden, nahezu unmöglich sein, jemals den Anschluss zu schaffen und jemals wieder Champions League zu spielen.

Wie man bereits ein halbes Jahr nach der Ausgliederung feststellen muss, kriegt man es nicht gebacken, bessere Spieler einzukaufen, sondern zahlt den durchschnittlichen ein Mehr an Gehalt.
Das Geld, das durch die Ausgliederung mehr zur Verfügung steht, fließt eins zu eins in die Taschen der Spieler, so dass ich ein Problem damit habe, wenn solche, die jetzt schon überbezahlt sind, in absehbarer Zeit das Doppelte in den Allerwertesten geschoben bekommen.

Der Fußball heute ist nicht mehr der, der er mal war. Früher hatte man überall, wo man hingefahren ist, eine realistische Siegchance, während man heute bei vielen Spielen die Punkte mit der Post hinschicken könnte. Damit rückt das Sportliche unweigerlich in den Hintergrund. Von den meisten Spielen erwartet man sich ohnehin nichts, so kann man schon nicht enttäuscht werden.

In einer Saison, in der es bei zehn Auswärtsspielen gerade einmal zu einem Punkt reichte, kann das Sportliche auch gar nicht der Hauptgrund sein. Nein, die Stadien, die Atmosphäre und die vielen Gleichgesinnten, die man immer und überall trifft, die machen meinen VfB im Jahr 2018 aus. Und das, sollten wir absteigen, auch in der 2. Liga. Auch da kann man großen Spaß haben, sogar noch mehr als beim “Premium-Produkt” Bundesliga!

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23. Februar 2016

Und schon wieder nicht verloren, VfB!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 20:30

Dass es bei der Terminierung des Spiels in der Arena auf Schalke auf einen Sonntag hinauslaufen würde, war wegen der Europaleague-Teilnahme der Schalker klar. Dass es aber gerade ein Abendspiel um 17.30 Uhr sein musste und das Aufeinandertreffen von Leverkusen und Borussia Dortmund um 15.30 Uhr stattfand, obwohl die beiden Stadien gerade einmal 80 Kilometer auseinander liegen, verdeutlicht einmal mehr, dass den Planern die Fanbelange am Hintern vorbeigehen und die TV-Quote wichtiger ist.

So war es vorprogrammiert, dass der Trip nur mit Urlaub zu bewältigen war oder man montags in Schule und Geschäft entsprechend kleine Augen haben würde. Dennoch wurden die Schwaben von etwa 2.500 Anhängern begleitet, eine stattliche Zahl in Anbetracht der Anstoßzeit.

Ich fuhr mit den Jungs und Mädels vom RWS Berkheim mit. Unsere Kutscher entschieden sich für die untypische Route über die Sauerlandlinie, anstatt der A3 zu folgen, weil sie der Auffassung waren, diese wäre verkehrsgünstiger und nur unwesentlich weiter.

So weit, so gut. Als wir aber dann aber, kurz nach Witten, die Autobahn verließen und uns im Stadtverkehr (Sonntags zum Glück nicht so von Belang) von Bochum, Herne und was ich noch was für verwegenen Flecken wiederfanden, kam uns die Sache dann doch spanisch vor.

Ein Navi ist ja schön und gut, sofern man den Anweisungen auch folgt. Das taten unsere etwas betagteren Busfahrer jedoch nicht, so dass wir uns ein ums andere Mal verfranzten und vor jeder Abzweigung das Lotteriespiel folgte, in welche Richtung wir denn fahren sollten.

Ich saß direkt hinter dem Fahrer und hatte das Navi stets im Blick, so dass ich mich schon allein darüber wunderte, weshalb die Rest-Entfernung zwischenzeitlich wieder anstieg und ich mich fragte, ob unser Kutscher wohl auch die richtige Zieladresse eingegeben hatte. Als wir dann auch noch am Bochumer Rewir-Power-Stadion vorbei fuhren, wurden Erinnerungen an unsere Hoffenheim-Fahrt vor ein paar Jahren wach, als wir plötzlich in der Ortsmitte von Hoffenheim standen, weil der damalige (vielleicht war es ja derselbe) Fahrer anstatt des Betonklotzes an der Autobahnraststätte das Dietmar-Hopp-Stadion in Hoffenheim eingegeben hatte.

So war die Erleichterung groß, als die Arena erstmals angeschrieben und kurze Zeit später auch der Weg zum Gästebusparkplatz beschildert war, so dass sich diese Tort(o)ur dem Ende zuneigte.

Ironie des Schicksals war dann doch tatsächlich, dass wir mit der „gewählten“ Route wohl alles richtig gemacht hatten, da lediglich jene Busse schon angekommen waren, die eine ähnliche Route wie wir wählten und die wir zuvor schon auf einem Rastplatz getroffen hatten, alle anderen standen in einem Mega-Stau auf dem Weg zum Stadion und trudelten erst gut 45 Minuten später ein.

Zunächst wollte ich noch auf Freunde warten, verwarf dieses Vorhaben dann aber, als es gerade noch eine Stunde bis zum Anpfiff war. An einer Gabelung trennen sich dann die Wege derer, die zum Gästestehblock müssen und jener, die einen Sitzplatz hatten.

Am VfB-Fan-Mobil, das direkt vor der Gazprom-Tribüne seinen Platz gefunden hatte, traf ich dann noch einige Bekannte und entschloss mich spontan ein Bier mitzutrinken. Dabei schwelgten wir in der Vergangenheit und waren uns einig darüber, dass zu Parkstadion-Zeiten das VfB-Fan-Mobil, inmitten des Schalker Fanbereichs, wohl schneller gebrannt hätte, als man hätte gucken können.

Wie überall, wo moderne Arenen aus dem Boden gestampft werden, ging dies auch auf Schalke nicht ohne eine einschneidende Verteuerung der Eintrittskarten einher. Dadurch verschwanden viele der Kuttenträger, die sich die Preise nicht mehr leisten konnten oder die Arena nicht als ihre neue Heimat angenommen haben und die Event-Fans eroberten Schalke. Wurde man als Gästefan früher vom Oberrang aus mit Bierdosen beworfen und am Vorbeigehen von Rentnern bespuckt, geht es dort mittlerweile weitaus gesitteter zu, so dass weder das Fan-Mobil noch der weiß-rot gekleidete Fan Größeres zu befürchten haben musste.

Trotz langer Warteschlangen vor den Eingangskontrollen war ich im Nu drin, schnell noch die Knappenkarte aufgeladen, ein Bier geholt und schon ging es hinein in die Turnhalle, deren Dach erwartungsgemäß geschlossen war, war die Witterung doch ziemlich fies. Böiger Wind und Nieselregen, da macht der Schalker unseren Volkssport Nummer 1 eben im Handumdrehen zur Indoor-Veranstaltung.

Dass von den VfB-Fans eine Choreographie geplant war, sah man sofort. Zu meiner Freude, war der teuerste Block aus dem VfB-Kontingent bei weitem nicht ausverkauft, so dass fast freie Platzwahl herrschte. Der auf meiner Karte aufgedruckte Platz befand sich nämlich direkt an der Glasscheibe zum Gästeblock, so dass ich von dort aus überhaupt kein Bild unseres Anhangs hätte schießen können. Die Choreo betraf einmal mehr das Bekenntnis der Fanszene zum eingetragenen Verein und dem Willen, diesen Status auch über den Sommer hinaus beizubehalten.
Der VfB trat auf Schalke erwartungsgemäß wieder mit Didavi, der am Spieltag seinen 26. Geburtstag feierte, anstelle von Maxim an und ansonsten mit derselben Aufstellung wie bereits in den bisherigen Rückrundenspielen. Dass ein Geheimnis der zuletzt an den Tag gelegten Stabilität die Kontinuität in den Aufstellungen ist, sah man beim Pokalspiel gegen den BVB, als Kramny davon abrückte.

Auch wenn es in der zweiten Reihe mittlerweile durchaus Härtefälle gibt, hat Kramny keinen Grund, an dieser so erfolgreichen Mannschaftszusammenstellung zu rütteln. Auf der einen Seite ist es zwar verwunderlich, dass ausgerechnet diejenigen, die Kramny noch von den Amateuren am besten kannte, nun unter ihm überhaupt keine Rolle mehr spielen. Andererseits aber sah man allzu oft, dass der eine oder andere Youngster noch zu grün hinter den Ohren und vor allem dem großen Druck im Abstiegskampf nicht gewachsen ist. Nach dem Wild-West-Fußball der Zorniger-Ära setzt Kramny nun in erster Linie auf Stabilität und das Erreichen der kurzfristigen Ziele, anstatt das Team perspektivisch aufzustellen und Gefahr zu laufen, im Abstiegsstrudel unterzugehen.

Den neuen Teamgeist unterstrich die Mannschaft beim Einlauf dadurch, dass sie unisono in Einlaufjacken mit der Nummer 33 aufs Feld lief und somit ein weiteres Signal in Richtung Daniel Ginczek sandte, dass die Mannschaft in Gedanken bei ihm und seiner schweren Verletzung ist.

Der VfB startete selbstbewusst ins Spiel und hätte bereits nach sechs Minuten durch Gentner in Führung gehen können, wenn Fährmann, der Held des Hinspiels, nicht so stark pariert hätte. Auch Timo Werner, der insgesamt wieder einen starken Auftritt hinlegte, jedoch an seiner Abschlussschwäche dringend arbeiten muss, hätte unsere Farben in Führung bringen können.

Stattdessen erlaubte sich unsere Abwehr einen folgenschweren und kollektiven Blackout bei Belahandas Kopfballtor aus 15 Metern Torentfernung. Danach war der VfB erst einmal geschockt und sichtlich um Ordnung bemüht, während die Schalker mehr Spielanteile hatten, ohne jedoch zu hochkarätigen Chancen zu kommen. Tauchten sie dann doch mal vor dem VfB-Tor auf, war spätestens bei Tytoń Endstation, der erneut seine gute Form unter Beweis stellte und nicht nur nach Kräften die Bälle hielt, sondern auch immer wieder versuchte, das Spiel schnell zu machen.

Je näher das Spiel dem Halbzeitpfiff entgegensteuerte, desto mehr übernahmen die Gäste vom VfB das Kommando und drängten nun auf den Ausgleich, ließen jedoch noch die Passgenauigkeit im letzten Drittel vermissen.

Nach der Pause entwickelte sich phasenweise ein offener Schlagaustausch mit Chancen auf beiden Seiten. Die zuletzt so starken Rupp, Kostic und Geburtstagskind Didavi fielen in dieser Partie leistungsmäßig eher ab, was jedoch in einer homogener gewordenen Mannschaft von den Teamkollegen aufgefangen werden konnte.

War es bis in den Dezember hinein noch an der Tagesordnung, dass sich der eine auf den anderen verließ und jeder schon froh war, wenn man scheinbar ein Alibi vorzuweisen und der Nebenmann die Rolle des Sündenbocks innehatte, reißt man jetzt seine Mitspieler mit und springt für sie in die Bresche. Auf Schalke stach vor allem unsere Zentrale um Christian Gentner und Serey Dié hervor, die viele Bälle abfingen und eigene Angriffe ankurbelten. Auch Insúa zeigte sich stark verbessert, leider in Kombination mit einer schwächeren Partei von Filip Kostic. Haben beide gemeinsam einen Sahnetag, gibt es auf der linken Seite kaum ein besseres Pärchen in der Bundesliga.

Daniel Didavi, dem ich es gewünscht hätte, nach abgesessener Sperre und an seinem Geburtstag zum Matchwinner zu avancieren, fiel leider in erster Linie durch seine fünfte gelbe Karte auf, die ihn gegen Hannover 96 gleich noch einmal zum Pausieren zwingt.

Kramny zog seine Schlüsse aus Frankfurt und nahm seinen Spielmacher dieses Mal rechtzeitig runter. Bereits gelbverwarnt kam er rüde angerauscht, hat den Gegenspieler aber zum Glück nicht richtig getroffen. Ich schlug bei dieser Situation schon die Hände über dem Kopf zusammen, Kramny sah es ähnlich und tauschte Dida umgehend gegen Alexandru Maxim aus.

Binnen weniger Minuten kamen dann auch noch Kravets für Timo Werner und Martin Harnik für Serey Dié, was eindeutig als Zeichen zu werten war, dass man mit aller Macht noch etwas mitnehmen wollte.

Hier gefällt mir Jürgen Kramny bisher sehr gut. Seine Wechsel machen durchweg Sinn und vor allem wechselt er so rechtzeitig, um den Reservisten die Gelegenheit zu geben, noch etwas zu bewegen und dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken.

Vor allem Maxim merkte man an, dass er sich etwas vorgenommen hatte. Zunächst scheiterte er mit einem Seitfallzieher knapp, kurz darauf köpfte Gentner eine Maxim-Ecke aufs lange Eck, Fährmann konnte nur abklatschen und Martin Harnik staubte aus kürzester Entfernung zum vielumjubelten und vor allem hochverdienten Ausgleich ab. Unser einziges Tor an diesem Abend bekam ich zu meinem Leidwesen „nur“ am Bierstand mit, als mir gerade ein kühles Blondes kredenzt wurde und ich das „Scheiße“ des Mannes hinter dem Tresen mit einem lauten „Yeahhhhhh“ erwiderte und ihm die Faust entgegen ballte.

Auf den Bildschirmen im Innenraum sah ich nicht nur das Tor in der Wiederholung, ich sah auch, dass der Torschütze dieses Mal auf seinen sonst zur Schau getragenen T(h)or-Jubel verzichtete, und stattdessen mit je drei Fingern die 33 Ginczeks symbolisierte, ein feiner Zug des Österreichers, der sich nach seiner Verletzung selbst hintenanstellen muss und dies wegen der Erfolge des Teams auch einsieht und die Aufstellungen des Trainers somit mitträgt. Dieses Tor wird ihm gut tun und weiter Auftrieb geben, schon nach seiner Einwechslung gegen Hertha gefiel er mir gut.

Im Gegensatz zu früheren Zeiten ließ sich der VfB nach dem Ausgleich nicht wieder zurückfallen und verfiel in Selbstzufriedenheit, im Gegenteil, das Team drängte nun auf die durchaus verdiente Führung. Schalke wurde immer müder, schließlich hatten sie das EL-Spiel in der Ukraine samt Reisestrapazen in den Knochen, der VfB versuchte den Vorteil der Ausgeruhtheit nun auszuspielen und Kapital daraus zu schlagen. Chancen waren vorhanden, einen Elfmeter hätten wir auch wieder bekommen können, doch, am Ende stand das 1:1, insgesamt leistungsgerecht, wenn man beide Halbzeiten zur Beurteilung heranzieht.

Nach zuvor fünf Siegen in Folge stellte man sich nun, nach einem Remis auf Schalke, durch das die Siegesserie gerissen ist, tatsächlich die Frage, ob es ein gewonnener oder ob es ein verlorener Punkt war.

Ich war schon unmittelbar nach dem Schlusspfiff mit dem Punkt zufrieden. Vor dem Spiel hätte ich für diesen blind unterschrieben, noch zu präsent waren die Erinnerungen an die Vorsaison und den gefühlten Abstieg an gleicher Stätte. Noch ordne ich uns als ein Team ein, dessen vorrangiges Ziel ist, nicht abzusteigen, so dass ein Punkt bei einem Championsleague-Aspiranten einen Bonuspunkt darstellt, den man nicht unbedingt auf der Rechnung haben musste. Wir haben jetzt nacheinander gegen zwei Teams des oberen Tabellendrittels vier Punkte geholt und keines der Duelle verloren hat. Alle Achtung, darauf kann das Team stolz sein!

Behält man diese Spielfreude, die Leistungsbereitschaft, das Selbstvertrauen, den Teamgeist und die eingekehrte Selbstverständlichkeit bei, muss einem vor den nächsten Spielen nicht bange sein. Der VfB stellt nach wie vor die beste Rückrundenmannschaft und hat nun am Samstag gegen das abgeschlagene Schlusslicht Hannover 96 die große Chance seine Serie auszubauen.

Dass dies kein Selbstläufer wird, konnte man letzte Woche beobachten, als die 96er denkbar knapp im Westfalenstadion dem BVB mit 0:1 unterlagen. Doch Vorsicht, Hannover ist vielleicht das schwerste Spiel der letzten Wochen. Die 96er reisen mit der Negativserie von acht Niederlagen in Folge an, Neu-Trainer Schaaf holte mit seiner Mannschaft noch keinen einzigen Punkt. Der VfB tut gut daran, das Spiel mit der gleichen Seriosität anzugehen wie die vorherigen Aufgaben und darf die 96er auf keinen Fall unterschätzen, und dem Ruf des Aufbaugegners neue Nahrung geben. Vorsicht also!

Kramny kam es auf Schalke durchaus gelegen, dass längst nicht alles Gold ist, was glänzt und noch einige Dinge verbesserungswürdig sind. Vor allem darf die Mannschaft nicht zu ihrer früheren Denke zurückkehren, dass es nun von ganz alleine läuft. In der ersten Halbzeit auf Schalke sahen Körpersprache und Spielanlage zu selbstgefällig aus, so dass Kramny gut daran tut, rechtzeitig dazwischen zu grätschen. Wehret den Anfängen! Positiv festzuhalten ist aber, dass Kramnys Halbzeitansprache gefruchtet hat und sich das Team selbst aus diesem Sog herausgezogen hat.
Daniel Didavi wird dem Team gegen Hannover 96 also erneut fehlen. Dass er sich tatsächlich auf Abschieds-Tournee befinden soll, an diesen Gedanken kann und will ich mich nicht gewöhnen. Zu sehr mag ich ihn als Typen und als technisch beschlagenen Spieler, als dass ich ihn abschreiben würde, bevor sein Abgang offiziell verkündet wurde.

Im Grunde seines Herzens möchte er doch auch überhaupt nicht weg, ihn quält wohl lediglich sein inneres Ich, das sich fragt, ob er in zehn Jahren auf eine Karriere kontinuierlichen Abstiegskampfes zurückblicken möchte oder ob er es nicht wenigstens versucht haben sollte, sich bspw. in Leverkusen oder Wolfsburg durchzusetzen, wo die Wahrscheinlichkeit größer ist, Jahr für Jahr Championsleague zu spielen als beim VfB.
Dass sich Didavi nicht schon längst gegen den VfB entschieden hat, liegt am Spaßfußball, den die Mannschaft zu zelebrieren imstande ist und daran, welche Schlüsselrolle er bei diesem einnimmt. Immer wieder blitzt es auf, das Potential dieser Truppe. So zum Ende der letzten Saison, so über weite Strecken der Vorrunde, als man zwar in aller Munde war, aber die Ergebnisse nicht eingefahren wurden oder auch im Moment, wo man, bis auf die Bayern und den BVB, scheinbar jeden Gegner dominieren und auch besiegen kann.

Finanziell kann der VfB natürlich mit Werksclubs wie Wolfsburg und Leverkusen nicht mithalten, und dennoch darf der VfB sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Er hat Didavi andere Argumente, wie z. B. eine offensive Spielphilosophie, ein großes Stadion, begeisterungsfähige Fans und nicht zuletzt „Heimat“ zu bieten.

Das alles sind jedoch „weiche“ Beweggründe, die einen Spieler wie Didavi noch zum Bleiben bewegen könnten. Dafür dass diese letztlich den Ausschlag geben, muss sich der Verein strecken und alles daran setzen, Fixpfeiler der Mannschaft zu halten, auch wenn von besser betuchten Vereinen unmoralische Angebote ins Haus flattern sollten.

Fällt das Gerippe auseinander, stehen wir im Sommer erneut vor einem Übergangsjahr und drehen uns ewig weiter im Kreis. Deshalb verteufele ich Didavi auch nicht oder werfe ihm gar Undankbarkeit vor, wie es viele Fans tun, sondern kann seine Gedankengänge ganz gut nachvollziehen.
Eine Fußballerkarriere ist eben endlich, bei ihm ganz besonders, der momentan das bisher so selten erlebte Glücksgefühl hat, über einen längeren Zeitraum hinweg schmerzfrei zu sein und das tun zu dürfen, was er am besten kann und was ihm am meisten Spaß macht, Fußball zu spielen.
Wie bereits schon öfter von mir thematisiert, darf man die causa Didavi auch nicht nur einseitig sehen. Der VfB hat sich im Umgang mit ihm rund um seine Leihe zum Club auch nicht mit Ruhm bekleckert und in der Rückrunde der letzten Saison die Möglichkeit einer Vertragsverlängerung versäumt. Noch ist es offensichtlich nicht zu spät für Spieler und Verein, sich aufeinander zuzubewegen, machen, bitte!

Für Didavi dürfte gegen Hannover Alexandru Maxim in die Startelf rücken. Ich wünsche es ihm, dass er Eigenwerbung betreiben kann und endlich auch einmal glänzt, wenn er beim Anpfiff auf dem Platz steht. Er befindet sich in zweierlei Maße in einem Dilemma. Zum einen kommt er an einem fitten Didavi nicht vorbei und zum anderen machte er seine besten Spiele für uns meist als Einwechselspieler. Er steht sinnbildlich für den neuen Teamgeist, da er seine Rolle als Reservist scheinbar klaglos annimmt und, wenn er denn eingewechselt wird, gleich auf Betriebstemperatur und voll da ist. In Bezug auf die zweite Garde scheint Kramny ein besonderes Händchen zu haben, sie bei Laune zu halten und jedem Einzelnen zu vermitteln, dass sie wichtiger Bestandteil des großen Ganzen sind. Schafft Kramny es, auch bei den Leuten, die momentan hintenanstehen, die Stimmung und die Spannung hochzuhalten, ist schon sehr viel gewonnen, was die Beibehaltung des derzeit guten Teamgeists angeht.

In dieser Hinsicht scheint Robin Dutt Wort zu halten und Spieler, bevor man sie verpflichtet, auf ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten und ihre Teamfähigkeit hin zu hinterfragen. Leute wie Serey Dié, Lukas Rupp, Emiliano Insúa und auch Kevin Großkreutz brachten einen neuen Geist in die Truppe. Da Kramny offensichtlich mehr Wert auf einen guten Teamgeist legt als es Zorniger getan hatte, war Belek Gold wert. Seither sind die Jungs in ihrem Miteinander kaum wiederzuerkennen.

Großkreutz goss ja bereits vor dem Aufeinandertreffen mit seinen speziellen „Freunden“ aus Herne-West Öl ins Feuer, als er von einer in Vorbereitung befindlichen Choreo des Schalker Anhangs ein Bild postete und den Schalkern mit auf den Weg gab, diese beim Spiel jetzt nicht mehr präsentieren zu müssen. Während des Spiels wurde er dann bei jedem Ballkontakt beleidigt und ausgepfiffen, was seiner Leistung glücklicherweise keinen Abbruch tat. Er verrichtete gewohnt solide seinen Job.

Großkreutz‘ Konter folgte auf dem Fuße via Instagram, indem er diejenigen, die ihn ausgepfiffen hatten, dazu einlud, das „Großkreutz-Museum“ besichtigen zu dürfen, um wenigstens einmal Tuchfühlung zur Meisterschale zu haben.

Die einen mögen urteilen, dass Schweigen manchmal eben doch Gold sei, ich fand den Konter großartig, zumal diese Nebenkriegsschauplätze seinen Leistungen auf dem Platz offensichtlich nicht schaden. Es ist doch gut zu wissen, einen echten Typen in unserer Mannschaft zu haben, der sich nicht alles gefallen lässt und der auch für die Medien interessant ist und das Geschreibsel über ihn auch aushält. Sind wir in den letzten Jahren nach und nach zur grauen Maus mutiert, haben wir nun endlich wieder einen echten Typen in unseren Reihen, für mich wieder der erste seit Jens Lehmann.
Mit dem Abstieg werden wir aller Voraussicht nach nichts mehr zu tun bekommen, es sei denn, es käme noch ein totaler Einbruch. Hoffenheim wird wohl leider erneut dem Abstieg von der Schippe springen, da sie es unter dem Trainer-Greenhorn Nagelsmann zu schaffen scheinen, ihre Qualität auf den Platz zu bringen, aber, es gibt ja auch noch einige andere Teams in der Verlosung, die den Abstieg unter sich ausmachen können. Der VfB hat 28 Punkte auf seinem Konto, in den beiden letzten Jahren standen wir zum gleichen Zeitpunkt mit 19 bzw. 18 Punkten da und hatten bei weitem nicht so viele positive Ansatzpunkte wie jetzt.

Für unser Nervenkostüm wäre es wünschenswert, den Klassenerhalt schnellstmöglich klarzumachen. Einen Tag wie den 23. Mai letzten Jahres in Paderborn möchte wohl keiner mehr unbedingt miterleben. Diese Achterbahnfahrt der Gefühle, von zu Tode betrübt zu himmelhochjauchzend, um in der letzten Minute doch noch fast des Klassenerhalts beraubt worden zu sein. Rückblickend war es zwar ein geiler Tag, vor allem, wenn man an die ekstatischen Ausbrüche unmittelbar nach dem Schlusspfiff zurückdenkt, bei höherer Dosis, also jährlicher Wiederholung, dürften diese Gefühlsexplosionen aber wohl keinem Organismus wirklich gut tun!

Daher wäre es schön, der VfB tut uns einfach den Gefallen und beseitigt die letzten Zweifel bereits in den nächsten Spielen. Drei Siege gegen Hannover 96, Hoffenheim und in Ingolstadt würden vermutlich schon genügen, um aller Sorgen entledigt zu sein.
Doch, was dann? Wenn ich offen darüber schwadroniere, für den Fall der Europacup-Qualifikation Urlaubstage aufzusparen, werde ich angegangen, wir sollten doch wissen, wo wir her kämen, dass ich nicht zu spinnen anfangen solle und dass wir doch alle schon zufrieden sein müssten, am Ende nicht in der allerengsten Abstiegsverlosung dabei zu sein.

Paradox mutet dann an, dass ich dem Gegenüber in allen Punkten Recht geben muss. Ich verlange ja auch gar keinen Europacup-Platz, er kann aber durchaus „passieren“. Hat man in der Bundesliga frühzeitig mit dem Abstieg nichts zu tun, ist man automatisch Europacup-Anwärter, ob man will oder nicht. Und, sollte in den letzten Spielen die Möglichkeit noch immer gegeben sein, wäre man blöd, man würde nicht alles in die Waagschale werfen, um zuzugreifen.

Der VfB steht derzeit acht Punkte vor dem Relegationsplatz, aber „nur“ sechs Zähler hinter Schalke 04 auf Platz 6. Als beste Rückrundenmannschaft mit der logischerweise besten Formkurve aller Teams kann das Ziel doch nur sein, die Serie auszubauen und von Spiel zu Spiel zu denken. Was am Ende dabei herauskommt, wird man sehen.

Die Fahrt in den Pott hat sich, wie fast immer, wenn man dem Brustring hinterher reist, gelohnt. Auf der Rückfahrt nahmen wir dann die gewöhnliche Route. Als wir endlich den Stadionstau hinter uns ließen und rollten, verlief die Fahrt ohne größere Zwischenfälle, so dass ich um 2.30 Uhr im Bett lag. Etwas unchristlich zwar wenn der Wecker bereits um 7 Uhr wieder schellt, aber, siehe oben, der Optimist spart sich seine Urlaubstage und baut vor.

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22. September 2015

Die Null steht!

Und das wie in Stein gemeißelt. Auf der Punkte-Haben-Seite –auch nach dem fünften Spieltag. Der historisch schlechteste Start des VfB Stuttgart in der Bundesliga nimmt groteske Züge an. Die Aufbruchsstimmung, die nach den Trainingslagern und vor allem nach dem (überbewerteten) 4:2 gegen Manchester City herrschte, weg? Mitnichten, die Mannschaft verliert Spiel um Spiel und wird in der Kurve nach Spielende trotzdem gefeiert. Wie gnädig das Stuttgarter Publikum doch geworden ist. Wie demütig nehmen wir es nach jahrelanger Durststrecke hin, wieder einmal das Abonnement auf den Abstiegsplatz abgeschlossen zu haben. Aus Gewohnheit? Sind die Erwartungen schon auf dem Nullpunkt angelangt? Finden wir uns etwa damit ab, dauerhaft zur „lower class“ des Fußball-Oberhauses zu gehören und langsam aber sicher in Richtung zweite Liga zu taumeln?
Nein, der gemeine Fan hat einfach ein Gespür dafür, dass die Mannschaft engagiert und mit Spielfreude bei der Sache ist, Überraschungsmomente schafft, es lediglich nicht fertig bringt, das Runde ins Eckige zu bugsieren. Nach Jahren der Systemlosigkeit und spielerischen Armut spürt man, es bewegt sich etwas, dem Fan wird wieder etwas geboten, für das es sich wieder lohnt, ins Stadion zu gehen. Bei diesem hohen Unterhaltungswert kann man geflissentlich auch darüber hinwegsehen, dass „nur“ das Entscheidende im Fußball fehlt – die Punkte!
Ich selber bin ja auch noch immer tiefenentspannt, weil die Saison erst begonnen hat und weil die Mannschaft lebt, die Mannschaft will und weil bisweilen auch Pech an ihren Schuhen klebt. Der Grat von Pech zu Unvermögen ist natürlich schmal, aber, will ernsthaft jemand behaupten, wenn Martin Harnik aus drei Metern das Tor nicht trifft oder Timo Baumgartl in ähnlich aussichtsreicher Position ein Luftloch schlägt, dass der Spieler das Tor nicht unbedingt machen wollte und zumindest einer von beiden in dem Moment an seine ungeklärte Vertragssituation denkt?
Nein, es ist doch eher der Übereifer und der Tatsache geschuldet, dass die Jungs in der Hundertstelsekunde, die ihnen zum nachdenken bleibt, mehrere Optionen im Kopf haben und sich dadurch verhaspeln. Hier ist, wenn sich das nicht schnell bessert, unser Sportpsychologe Laux gefordert. Der Knoten sollte natürlich jetzt schnell platzen, um nicht noch mehr Boden in der Tabelle zu verlieren und um sich in Bälde wieder in ruhigeren Fahrwassern bewegen und die Kritiker verstummen lassen zu können. Mit dieser Spielweise UND einer effizienten Chancenverwertung müssten wir über die eine oder andere Chance, die dann noch liegengelassen wird, sicher nicht mehr lamentieren und die Konkurrenz könnte sich warm anziehen. Es ist ja nicht so, dass nur wir uns die Situation schön reden, nein, aus allen Teilen Deutschlands schlägt uns Anerkennung entgegen, es kann kaum einer fassen, wie fahrlässig unser Team mit der Vielzahl seiner Chancen (ligaweit die zweitmeisten) umgeht. Auch jetzt heißt es wieder, der Kader wäre qualitativ viel zu gut, um dauerhaft unten herumzukrebsen. War dies in den letzten Jahren eine gefährliche These, so darf sie nun aber unterstrichen werden, eine Gurkentruppe liefert einfach nicht regelmäßig ein spielerisches Feuerwerk ab.
Was jetzt wichtig ist, Robin Dutt hat das auch betont, diese Spielweise in Hannover beizubehalten und weiter an sich zu glauben, die Köpfe müssen oben bleiben, dann wird sich der Erfolg fast zwangsläufig bald einstellen. Sehr viel kann man doch auch nicht bemängeln am Auftritt gegen Schalke 04. Sie ließen den Schalkern kaum Luft zum atmen, waren stets bestrebt nach vorne zu spielen und standen mit dem neuen und hoffnungsvollen Innenverteidiger-Duo Sunjic/ Baumgartl sicherer als zuletzt. Die Torschussstatistik von 26:10 (Quelle: Sky) sagt doch alles aus über die Überlegenheit des VfB. Die Pass- und Zweikampfquote haben sich im Vergleich zu den Vorjahren stark verbessert, so dass es seit langem wieder eine Freude ist, diesem VfB zuzuschauen. Natürlich sind die vergebenen Chancen ärgerlich, positiv ist aber, sich überhaupt so viele herauszuspielen.
In den letzten Jahren durchlitten wir unzählige Spiele, bei denen man erst durch den Halbzeitpfiff aus seiner Lethargie gerissen wurde und lediglich darüber diskutierte, ob jetzt kein, ein oder zwei Mal aufs Tor geschossen wurde und ob der gegnerische Torwart überhaupt einmal ernsthaft eingreifen musste. In dieser Saison aber, unter Alex Zorniger, ist Spektakel geboten, das, man höre und staune, auch das so vielgescholtene Haupttribünen-Publikum hin und wieder von den Sitzen reißt.
Mit diesem Spielstil ist ein 4:3 sehr viel wahrscheinlicher als ein 1:0 oder notfalls ein 0:0. Wenn Du dann kein Tor machst, bist du fast zwangsläufig hinten anfällig für Konter. Der Knockout kam dann fast folgerichtig und dennoch aus dem Nichts aus einer Kontersituation, als der VfB mal wieder (zu) hoch verteidigte. Natürlich wäre es wünschenswert gewesen, wenn man schon vorne nicht trifft, wenigstens hinten die Null zu halten. Andererseits gibt es nicht umsonst die uralte Fußball-Weisheit, wenn Du vorne nicht triffst und Chance um Chance vergibst, rächt sich das im Spiel.
Der VfB reagierte auf das 1:2 von Berlin und trat mit einer auf vier Positionen veränderten Formation an. Tytoń kehrte in den Kasten zurück, Timo Baumgartl meldete sich einsatzbereit und verdrängte Lord Hlousek auf die Bank, Maxim spielte für den angeschlagenen Daniel Didavi und Timo Werner durfte erstmals von Beginn an für den Chancentod der ersten Spiele, Martin Harnik, ran.
Am Rande des Ama-Spiels vom Samstag erfuhren wir die beiden letztgenannten personellen Maßnahmen fast aus erster Hand. Von wem, lasse ich an dieser Stelle offen, nicht dass man gleich wieder auf einen potentiellen „Maulwurf“ meint losgehen zu müssen, bewusst habe ich diesen „Insider“ vorher auch nirgends gepostet oder anderweitig veröffentlicht.
Dass Timo Werner in der Startformation stand war schon sehr überraschend. Vor dem Spiel bei der Berliner Hertha aus dem Kader geflogen und von Trainer Zorniger öffentlich gescholten, ruderte dieser jetzt um 180° zurück und brachte ihn von Anfang an, was er mit Timos Engagement und seiner Leistungen während der Trainingswoche begründete. Ich hatte letzte Woche schon die Hoffnung geäußert, dass Zorniger Timo Werner womöglich anstacheln, vielleicht auch wachrütteln wollte. Möglicherweise fruchtete die Maßnahme ja oder Zorniger sah es ein, dass er in dieser Sache ein wenig übers Ziel hinausgeschossen ist. Natürlich hat es ein Timo Werner beim VfB auch nicht leicht. Erst hochgejubelt, von manchen „Fachleuten“ schon für die WM 2014 ins Gespräch gebracht, und dann der freie Fall. Die Gründe mögen vielschichtig sein. Der Abiturstress warf ihn fußballerisch ein wenig aus der Bahn, weil er den Kopf nicht frei hatte. Dadurch war er immer seltener eine Option für die erste Elf und fand bei seinen Kurzeinsätzen keine Bindung zum Spiel. Zudem kam er stets erst rein, wenn die Kacke bereits am dampfen war und ein Tor her musste, was ihn zusätzlich verkrampfen ließ, ist doch er einer jener, die ein Abstieg nicht nur als Spieler sondern auch als Fan schwer treffen würde. In diesen schweren Phasen, in denen jeder mit sich selbst am meisten beschäftigt war, wurde es besonders deutlich, dass uns echte Führungsspieler fehlen, die auf dem Platz die Richtung vorgeben und unsere Youngster mal zur Seite nehmen und sie wieder aufrichten.
Diese Rolle nimmt derzeit mehr und mehr Serey Dié ein, der sich, wie ich gehört habe, gerade in der für Timo Werner so schwierigen Woche nach der Nichtberücksichtigung für Berlin, Timo immer wieder zur Seite nahm, ihm einen aufmunternden Klaps gab oder ihn auch dirigierte. Ganz großes Kino von unserer Nummer 26, dem inzwischen inoffiziellen Kapitän unserer Mannschaft.
Ich hoffe nach wie vor, dass man in Timo Werner einen Baustein der VfB-Zukunft sieht und nicht weiter wie Sauerbier auf dem Markt anbietet. Das wird Timo und seiner Verbundenheit zum VfB nicht gerecht. Der Junge braucht die Unterstützung und hat hoffentlich noch eine große Zukunft beim VfB vor sich.
Sollte Zorniger hier wirklich zu der Erkenntnis gelangt sein, überreagiert zu haben, spricht das für ihn und seine Lernfähigkeit. Bislang, trotz der schlechten Zwischenbilanz, gefällt mir der neue Trainer sehr gut und ich kann wenig an seiner Arbeit aussetzen.
Wenn ich mir einige Threads und Kommentare in den einschlägigen Foren und Sozialen Medien zu Gemüte führen, bekomme ich fast schon den Brechreiz. Was Zorniger hier schon wieder alles vorgeworfen wird, wie viele bereits wieder nach einem Trainerwechsel schreien, ohne Worte. Das Ganze oft noch mit einer Orthographie untermalt, nach der zu schließen, es sich um ganz helle Köpfe handelt, die ihren geistigen Dünnschiss in die weite Welt hinausposaunen. Es hat jedoch niemand ein Patentrezept zur Hand, mit welchem Trainer es denn besser werden würde.
Natürlich steht auf dem Wunschzettel an vorderster Stelle Jürgen Klopp, der analog zu den Rufen nach Thomas Tuchel während der vorigen Saison, einfach nur utopisch ist und nicht zu diskutiert werden braucht. Dann meinen einige, Huub Stevens würde uns ein drittes Mal retten und die Punkte garantieren, die Alex Zorniger bisher nicht geholt hat. Leute! Erinnert Euch doch einmal zurück an den Catenaccio, den Stevens über weite Strecken der Vorsaison spielen ließ. Wir hielten mit ihm denkbar knapp die Klasse, was noch in der Nachspielzeit in Paderborn hätte schief gehen können. Die anderen Namen auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer kommentiere ich jetzt mal lieber nicht, weil ich keine Lust auf zwischenzeitlich aufkommende Schnappatmung habe.
Was wir im Verein jetzt brauchen ist einzig und allein Ruhe und Kontinuität und nicht nach allen fünf Niederlagen einen neuen Trainer. Der Trainer kann nun mal die Tore nicht selbst schießen, seine Aufgabe ist es, die Spieler aufzustellen, die Chancen herausspielen und bestenfalls auch die, die sie rein machen. Dass es nur Nuancen sind, die noch fehlen, wurde doch auch am Sonntag wieder offensichtlich. Das Team wird weiter zusammenwachsen und sich hoffentlich von der bei vielen schon wieder schwelenden Unruhe nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die defensive Stabilität wird sich jetzt weiter verbessern, wenn Sunjic und Baumgartl noch besser aufeinander abgestimmt sind. Insúa spielt einen soliden Part, diskussionswürdig für mich allenfalls noch Florian Klein, der sich in einem kleinen Tief befindet und zu dem es keine nennenswerte Alternative im Kader gibt, es sei denn Arianit Ferati wird zum Verteidiger umgeschult, was so abwegig nicht einmal sein dürfte. Daniel Schwaab hingegen bleibt hoffentlich weiterhin außen vor. Serey Dié ist derzeit über jeden Zweifel erhaben, bleibt weiterhin „nur“ noch Christian Gentner, der in der Truppe und vor allem kraft seiner Rolle als Kapitän abfällt. Auf seiner Position muss einfach mehr kommen, was Tempo, Zweikampfhärte und Handlungsschnelligkeit betrifft. Der Zwischenspieler ist DER Schlüsselspieler eines Teams, der das Tempo bestimmt, der ein Spiel beruhigen aber auch schnell machen kann, man schaue nur einmal nach Dortmund, wie Ilkay Gündogan diese Rolle interpretiert. Auf der Position sehe ich nach wie vor Handlungsbedarf und gebe die Hoffnung nicht auf, dass Gente, evtl. auch einmal gegnerabhängig, die eine oder andere Verschnaufpause verordnet und Lukas Rupp eine Chance bekommt. Einzig die Binde an Gentners Arm sollte nicht der Grund sein, weshalb er bereits seit Jahren Woche für Woche aufläuft und als unantastbar gilt.
Was kann man dem Team für Hannover mit auf den Weg geben? Die Regerationszeit zwischen Schalke und Hannover ist so kurz, dass man kaum ein gesondertes Augenmerk auf den Torabschluss legen kann. Man darf einfach nicht den gleichen Fehler wie in Berlin machen, abwartend zu agieren und dadurch Gefahr zu laufen, einen schwachen und verunsicherten Gegner erst stark zu machen. Die Truppe sollte mit dem gleichen Engagement, der gleichen Spielfreude, dem gleichen Drang nach vorne agieren und die sich bietenden Chancen „einfach“ nutzen, damit wir endlich mal wieder zufrieden die Rückreise in die Nacht antreten können.
Vor und nach dem Spiel gegen Schalke war großer Bahnhof bei Otto’s Vesperstüble. Eine Institution steht vor dem Aus. War zwar nicht immer mein Stammlokal, aber doch immer gern besucht. Schade, dass die alten Lokalitäten mehr und mehr der Abrissbirne zum Opfer fallen und meistens nichts besseres, vor allem nichts ursprüngliches, mehr nachkommt. Alles Neue mutet doch meist steril an, ich persönlich werde selten warm damit. Nach der altehrwürdigen Stadiongaststätte, der ich bis heute nachtrauere, verschwindet ein weiteres Lokal von der Bildfläche mit dem mich sehr viele schöne Erinnerungen verbinden. Am 18.10. heißt es dann ein letztes Mal, „gehmer zom Oddo“. Schade!

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3. Mai 2015

Hoffnung vs. Resignation

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 19:30

Am Tag eins nach der neuerlichen vergebenen Chance des Befreiungsschlags sitzt der Stachel noch tief, bin noch total geplättet und das nicht nur wegen der anstrengenden und vor allem heimwärts nicht enden wollenden Busfahrt.
Was ein Spiel, erst das Luftloch Niedermeiers, der Huntelaar sein erstes Tor noch knapp 1200 Minuten Flaute ermöglichte. Zu diesem Zeitpunkt rechnete ich schon mit einer Klatsche, wenn man einen taumelnden Gegner derart aufbaut. Dann kommt man zurück, feiner Pass von Ginczek in den Lauf von Martin Harnik und der mit einem gefühlvollen Lupfer über Fährmann hinweg zum bis dahin überraschenden Ausgleich. Nach der Pause dann gar die Führung, dieses Mal Kostic nach Ginczek-Pass, um das Spiel dann in den letzten 12 Minuten doch noch her zu schenken. Dieses Mal eine ganze Fehlerkette, Schwaab lässt Aogo flanken, Niedermeiers Kopfball-Abwehr geriet zu kurz und auch Ulle war einmal mehr nicht Herr seines Fünfmeterraums, so dass der völlig freistehende Huntelaar einschieben konnte. Zwei Minuten vor Schluss dann der so schmerzliche Knockout. Wieder entwischt Aogo Schwaab, Kevin-Prince Boateng, der in der laufenden Saison noch keinen Blumentopf traf, kam zum Schuss, Klein fälschte unglücklich ab und fertig war die sechzehnte (!) Saisonniederlage.
Durch die Ergebnisse der Konkurrenz mutet die Situation inzwischen dramatisch, wenn auch noch nicht völlig aussichtslos, an. Natürlich haben wir das vermeintlich leichteste Restprogramm aller Konkurrenten, natürlich sind theoretisch noch neun Punkte machbar, die mindestens für Platz 16 reichen sollten. Zusätzliche Brisanz erfährt dieser Abstiegskampf 2015 darin, dass es, im Gegensatz zur Vorsaison als die drei Schlusslichter allesamt ihre letzten fünf Partien verloren hatten, noch etliche direkte Duelle gibt, so dass sich fast jeder noch aus eigener Kraft retten kann. Wir, die auf dem letzten Platz festsitzen, können das freilich nicht mehr.
Die direkten Duelle werden den Abstiegskampf vermutlich entscheiden, irgendwann kommen dann auch Ergebnisse der Abstiegskandidaten gegen Mannschaften, für die es um nichts mehr geht, zustande, die es unter normalen Umständen nicht gäbe. So hat für mich der SC Freiburg gegen die Bayern noch nicht verloren, wenn sie nach dem Duell mit dem FC Barcelona mit einer B-Mannschaft antreten sollten. Letztendlich hilft nur hoffen, bangen, beten, um dem Abstieg noch zu entrinnen.

Was macht denn überhaupt noch Hoffnung?

- Es sind noch neun Punkte zu vergeben.

- Unsere Offensive setzt Glanzlichter, was Maxim, Kostic, Harnik und Ginczek zeitweise auf den Platz zaubern, ist nicht 2. Liga, im Gegenteil, das sieht schon nach gehobenem Bundesliganiveau aus.

- Wir haben jetzt zwei Heimspiele in Folge vor der Brust und damit immer noch die Gelegenheit uns in einen Lauf zu spielen.

- Die Fans, die bis zum letzten Atemzug zusammenstehen und ihr letztes Hemd für den Klassenverbleib geben würden.

- das schwere Programm des SC Paderborn und des SC Freiburg und die Tatsache, dass die Freiburger ihrerseits das Siegen ebenfalls verlernt zu haben scheinen. Auf der anderen Seite sind es eben auch zum Relegationsplatz, auf dem der SC Freiburg derzeit steht, quasi vier Punkte Rückstand, wenn man das Torverhältnis betrachtet. Hannover 96, mit dem Achtungserfolg des Punktgewinns beim VfL Wolfsburg im Gepäck, ist in der Rückrunde noch immer sieglos, sollten sie das bis zum Schluss bleiben, stünde ein sicherer Absteiger bereits fest.

- Dann wären da noch Phrasen wie „Totgesagte leben länger“, „Abgestiegen ist man erst, wenn rein rechnerisch nichts mehr geht“, „die Messe ist erst gelesen, wenn der letzte Pfiff ertönt“ und viele andere mehr.

Was gäbe Anlass zur Resignation?

- Die Statistik, der VfB spielt seine schlechteste Saison der Vereinshistorie, selbst im Abstiegsjahr 1974/1975 hatte man einen besseren Punkteschnitt. Seit Herbst 2013 hat der VfB keine zwei Siege in Folge mehr eingefahren. Diese Statistik kann kein Zufall sein sondern ist Zeugnis mangelnder Konstanz. Diese Serie MUSS jedoch gebrochen werden, möchte man in die Dramaturgie des Abstiegskampfes noch als einer der Hauptdarsteller eingreifen. Des Weiteren steht noch im Saisonzwischenzeugnis, dass wir von den 31 bisherigen Spielen gerade einmal sechs siegreich gestalten konnten, drei zu Hause, drei auswärts. Da fragt man sich dann schon, ob die Erwartung an drei Siege aus drei Spielen nicht zu hoch gegriffen ist.

- Die Abwehr! Fast zwei Gegentore im Schnitt pro Spiel, d. h. wir müssen schon mindestens drei Tore schießen, um ein Spiel gewinnen zu können. Anders als noch in der letzten Saison hat es Huub Stevens dieses Mal nicht geschafft, die Abwehr so zu stabilisieren, dass sie auch einmal ein 1:0 über die Zeit retten kann. Symptomatisch gestern wieder, als die komplette Viererkette, einschließlich Torwart, den Gegner zum Tore schießen einlud. Ob Schwaab, Baumgartl, Niedermeier oder Rüdiger, ob erfahren oder Greenhorn, unerklärliche Stockfehler, fehlende Übersicht, fehlende Frische im Kopf Situationen zu antizipieren, so dass es immer wieder vorkommt, dass des Gegners Torjäger „aus den Augen verloren“ wird und dieser dann leichtes Spiel hat. Da dieses Problem schon länger besteht und man es schon im Sommer versäumt hat, einen „Turm in der Schlacht“ zu verpflichten an dessen Seite ein Antonio Rüdiger oder Timo Baumgartl reifen und auf den sie sich verlassen könnten, gibt es wenig Anlass zur Hoffnung, dass sich hier in den verbleibenden Spielen eine bisher nicht gekannte Stabilität einstellt.

- Kein Führungspersonal. Möchtegern-Führungsspieler wie Sven Ulreich, Georg Niedermeier und Christian Gentner haben nicht die Körpersprache und überzeugen erst recht nicht durch Leistung, um von den Anderen als „Chefs“ anerkannt zu werden. Führungsstärke zeigt eigentlich nur Serey Die, der mit Einsatz vorangeht, leider aber nicht alle Löcher stopfen kann, die sich so auftun.

- Wie bei den Hoffnungsschimmern ist auch hier das Restprogramm (der Konkurrenz) zu nennen. Direkte Duelle sorgen eben nicht nur dafür, dass sich die Konkurrenten die Punkte gegenseitig wegnehmen, sondern auch dafür, dass immer jemand der Konkurrenz punktet.

- In den letzten zwei Wochen haben wir drei Spiele leichtfertig her geschenkt, von neun möglichen Punkten gerade einmal einen geholt. Dann ist es klar, dass die Mitabstiegs-Kandidaten irgendwann selbst punkten und davon ziehen, wenn man selbst auf der Stelle tritt. Warum sollte sich das jetzt noch ändern? Es sieht einfach so aus, dass wir in Summe das schlechteste Team der Bundesliga haben und folgerichtig auf dem letzten Platz stehen. Augsburg hat in den letzten zwölf Spielen gerade einmal zwei Siege eingefahren, gegen Wolfsburg und gegen uns. Freiburg hat nunmehr fünf Spiele in Folge nicht gewinnen können, gegen uns schaffen sie es aber, nachdem sie bereits mausetot waren, aus einem 0:2 noch ein 2:2 zu machen. Schalke, zuletzt sechsmal sieglos, schafft gegen uns die Wende. In der gesamten Saison schafften die Königsblauen es lediglich gegen Paderborn ein Spiel nach Rückstand zu drehen, auch das gelingt gegen uns scheinbar mühelos. Und, großes Thema bei Königsblau, die „Lebensversicherung“ und Fast-VfBler (ich erinnere mich noch gut an Leogang, als wir nur noch auf Vollzug von Shopping-Hotte warteten…) Klaas-Jan Huntelaar, knapp 2000 Minuten ohne Tor, wird von Georg Niedermeier geradezu eingeladen, diesen Negativlauf zu beenden, Selbstvertrauen zu schöpfen, welches ihm wohl erst sein 2:2 und damit den Anfang unseres Endes ermöglichte. Wer derart Aufbauhilfe betreibt, fragt man sich, wie sich das Team dann erst gegen Gegner präsentieren soll, die frei von der Leber weg spielen können wie Mainz 05 und möglicherweise auch schon der HSV, bis wir auf ihn treffen, oder gegen ein Team, das nichts zu verlieren hat, jedoch um jeden Zentimeter kämpfen wird wie der SC Paderborn. Für mich ist keines der drei Spiele ein Selbstläufer und wenn doch, irgendeiner wird sich schon finden in dieser Truppe, der den Gegner zurück ins Spiel bringt.

- Es ist auffällig, dass der Mannschaft nach 70 Minuten sprichwörtlich die Luft ausgeht. Ob diese Tatsache auf konditionelle Schwächen zurückzuführen ist, was mir im Zusammenhang mit einer Profimannschaft schwer begreiflich wäre, oder die Mannschaft nicht in der Lage ist, die Konzentration über 90 Minuten auf hohem Level zu halten, sei dahingestellt. Auffällig auch, dass es zuletzt stets den Bach runter ging, nachdem Maxim und Kostic ausgewechselt wurden. Der Leistungsabfall ist dann schon frappierend, so dass es durchaus eine Überlegung wert wäre, auf diese Auswechslungen gegen Mainz gänzlich zu verzichten. Maxim und Kostic nehmen sich doch ohnehin während des Spiels ihre Kunstpausen, sind aber in der Schlussphase eines Spiels eher in der Lage für Entlastung zu sorgen, als es zuletzt Daniel Didavi und Timo Werner taten.
Bei nüchternem Gegenüberstellen der Fürs und Widers findet sich wahrlich nicht viel, an das man sich nach diesem beschissenen Wochenende noch klammern könnte. Es hilft aber nichts, wie die Mannschaft sollten auch wir Fans in der Woche die Köpfe wieder hochbekommen und zum Top-Spiel der Woche nächsten Samstag 18.30 Uhr Fußball-Deutschland zeigen, was der Liga fehlen würde, wenn es den VfB tatsächlich erwischen sollte. Die Unterstützung, auch gestern auf Schalke, ist nach wie vor phänomenal, leider gelingt es der Truppe nicht, daraus zusätzliche Kraft und Ansporn zu ziehen. Wir müssen weiter von Spiel zu denken und darauf hoffen, drei Spiele zu erleben, in denen die Kreativabteilung ihre Form beibehält und der Defensivverbund die Fehler minimiert. Schwer vorstellbar nach einer Saison, in der die Aha-Erlebnisse fast ausschließlich Fehler betrafen, die eigentlich nicht zu toppen gewesen wären, der VfB es aber dennoch immer wieder „schaffte“.

Sollte das schwere Spiel gegen Mainz tatsächlich gewonnen werden und die Ergebnisse der Konkurrenz entsprechend sein, könnte die Woche danach eine Eigendynamik entwickeln und eine Aufbruchsstimmung erzeugen, so dass der Glaube an das Wunder zurückkehren könnte.
Irgendwann, nach allem Rechnen, Debattieren, Sich Mut zusprechen, Zuversicht tanken, kommt man unweigerlich wieder auf die Mannschaft zu sprechen, die es richten muss und der zuletzt Zeit meist die Nerven versagten, wenn es darauf ankam. Huub Stevens und sein Team müssen wohl vor allem im mentalen Bereich ganze Arbeit leisten, um das Unmögliche noch möglich machen zu können.

Ich hoffe natürlich nach wie vor auf den Klassenerhalt, habe ihn auch noch nicht gänzlich abgeschrieben, aber, von nun an muss alles optimal laufen, darf sich das Team keinen Ausrutscher mehr erlauben.

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8. Dezember 2014

Bitte erlöse uns von dem Bösen…

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 22:24

…zu allererst vom Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Joachim Schmidt, der einem Dieter Hundt in nichts nach steht und der heimliche Boss auf dem Wasen ist. Der Marionetten um sich herum versammelt, die sich ihren Allerwertesten platt hocken, im Endeffekt aber nichts zu melden haben.

Erlöse uns von Vorstandsmitglied Ulrich Ruf, der als Controller, oder wie sein Titel beim VfB lautet, Finanzvorstand, ein Millionenunternehmen nach wie vor auf dem Reißbrett mit führt, weil die IT-Entwicklung spurlos an ihm vorbeiging. Sein Vertrag läuft ohnehin im Sommer aus, ich hoffe keiner der Betriebsblinden an der Mercedesstraße kommt auf die Idee, diesen noch einmal zu verlängern.

Erlöse uns auch von der angedachten Manager-Lösung Jochen Schneider. Trotz jahrzehntelanger Handlangertätigkeit für unterschiedlichste Sportdirektoren, heißt das noch lange nicht, dass er der Aufgabe als Manager in vorderster Front gewachsen ist. Ich habe ehrlich gesagt die Nase voll von internen Lösungen, es muss ein Profi her, der über den VfB-Tellerrand hinausschauen kann und nicht nur Erfahrung in einem Unternehmen vorweisen kann, das an die Wand gefahren wurde. Schneider mag ein loyaler Zuarbeiter und ein Fachmann im kaufmännischen Bereich und im Vertragsmanagement sein, als Sportdirektor wünsche ich mir einen Mann, der die Branche kennt und den man vor allem auch in der Branche kennt und respektiert und der jede Menge Kontakte und Reputation besitzt.
Robin Dutt, der seit heute als Favorit für den Posten durch die Gazetten geistert, ist so ein Name. Meiner Ansicht aber auch nicht mehr. Als Trainer ist er nach seiner Freiburger Zeit überall gescheitert, auch wenn er es in Leverkusen als Heynckes-Nachfolger nicht leicht hatte. In Bremen hatte er dann mit ähnlichen Problemen zu kämpfen, die ihn beim VfB erwarten würden, nämlich unter Sparzwang eine schlagkräftige Truppe formen zu müssen. Was ihn für mich aber völlig disqualifiziert ist die Art und Weise, wie er zunächst den Sportdirektor-Posten beim DFB annahm und beim erstbesten Angebot aus der Bundesliga gleich wieder schmiss. Offensichtlich hat ihm der Schreibtischjob weniger behagt als die tägliche Arbeit mit einer Mannschaft, so dass ich mir nicht vorstellen kann, dass er den Job dieses Mal aus voller Überzeugung antreten würde. Schon allein die Tatsache, dass er nahe seiner Heimat Leonberg eine Stelle antreten könnte, würde ihn sicherlich ins grübeln bringen, ob damit dem VfB langfristig gedient wäre, wage ich zu bezweifeln.
Wegen der Heimatverbundenheit haben wir schon so manchen geholt, ob auf Spieler- oder Funktionärsebene, so richtig gedankt hat es dem Verein keiner und weitergebracht hat es den Verein auch nicht. Dutt ist bei mir irgendwie unten durch, seitdem er den so wichtigen Job beim DFB, wo er ja Sammer-Nachfolger wurde, nach noch nicht einmal einem Jahr wieder geschmissen hat. Das wäre eine Tätigkeit gewesen, in der strategisches Planen und Gestalten unabdingbar ist und somit umso fataler, wenn man sich jedes Jahr nach einer neuen Lösung umschauen muss. Auch Dutt-Nachfolger Hansi Flick scheint dort mehr Not- als Dauerlösung zu sein, hat die Suche ja auch lange genug gedauert. Natürlich würde ich ihm, wie jedem anderen neuen auch, eine Eingewöhnungszeit einräumen und ihn dann irgendwann einmal nur über seine Tätigkeit beim VfB bewerten, aber, meine 1A-, 1B- und auch 1C-Lösung wäre Dutt nicht.

Erlöse uns auch langsam wieder von Präsidenten Bernd Wahler, von dem sich alle viel mehr versprochen haben. Auch für mich las sich seine Vita wie die der eierlegenden Wollmilchsau. Er war als Adidas-Manager im großen Sport zu Hause, hatte beruflich mit Sportlern, Managern, Trainern, Verbänden und den Endkunden, also den Fans, zu tun. Zudem ist der Präsidentenjob für den VfB-Fan Wahler auch noch eine Herzensangelegenheit, so dass ich nach der fürchterlichen Mäuser-Ära begeistert war aufgrund dessen Wahl. Nach gut 15-monatiger Amtszeit ist die Ernüchterung umso größer. Natürlich war er seit Beginn seiner Amtszeit mehr Krisenmanager denn Gestalter, schafft es aber bis heute nicht, an Präsenz und Autorität zuzulegen und aus dem Schatten des mächtigen Aufsichtsrats herauszutreten. Bei der Pressekonferenz nach der Bobic-Entlassung sah man deutlich, wer das Wort führte (nämlich Dr. Schmidt) und wer brav den Worten lauschte und hier und da zustimmend nickte (nämlich Wahler) Von unserem Präsidenten erwarte ich, dass er in düsteren Tagen wie diesen auch mal auf den Tisch haut und Klartext redet und nicht immer andere vorschickt. Ich, der die gesamte Ära Mayer-Vorfelder mitbekommen hat, bin natürlich anderes gewohnt, was das anbelangt. MV hätte nicht vier lange Jahre (also auch die der Ex-Präsidenten) zugeschaut und Krisen milde weggelächelt, in denen der Verein für Begeisterung zum Verein für Bedeutungslosigkeit mutierte. Wenn er den Zeitpunkt gekommen sah, ließ er sich schon auch mal in der Kabine blicken und las den Spielern (und auch Trainern) die Leviten. Sogenannte Führungsspieler durften im Kultus- und später im Finanzministerium antanzen, um Rechenschaft abzulegen und wenn alles nicht fruchtete, lud er die Mannschaft zu sich in den Muckensturm ein und soff sie unter den Tisch, so dass in den nächsten Tagen schon allein der brummende Schädel daran erinnerte, was von ihnen verlangt wird. Heute werden unsere Spieler zu sehr in Watte gepackt und geschützt bis zum geht nicht mehr. Wie sollen sich da auch überhaupt Persönlichkeiten entwickeln, wie soll ein Spieler überhaupt einschätzen können, was sie uns mit Auftritten wie dem von Samstag antun, wenn sie ständig abgeschottet und vor jeglicher heftiger Kritik geschützt werden.

Erlöse uns auch von der Mannschaft, die über Jahre hinweg maßlos enttäuschte und die selbst an maßloser Selbstüberschätzung leidet. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Ulles, Gentes, Schwaab, Harniks, Sakais, um nur einige zu nennen, nach der VfB-Zeit woanders noch eine große Zeit haben werden. Wer kam denn groß raus in den letzten Jahren, nachdem er den VfB verließ. Außer den teuer verkauften Spielern, die ihre Klasse hatten und noch immer haben, fällt mir keiner ein, der woanders nach seiner VfB-Zeit groß durchstartete. Es ist doch kein Wunder, dass es für Leute wie Ulle und Gente, die bei uns im Verein so hoch im Kurs stehen, nie irgendwelche ernsthaften Abwerbungsversuche gab. Von dem jetzigen Kader fallen mir spontan die beiden Timos ein sowie die Langzeitverletzten Didavi und Ginczek, die mir noch am ehesten auch im Falle eines Abstiegs wohlgelitten wären. Auch Antonio Rüdiger möchte ich derzeit nicht verteufeln, bin aber nach wie vor überzeugt, dass ihm ein erfahrener Nebenmann fehlt. Seine Qualitäten hat er zweifellos und trotz einiger grober Schnitzer stimmt bei ihm wenigstens noch die Körpersprache auf dem Platz.

Nach schier endlosen Jahren dürftiger Auftritte reift in mir seit Samstag die Erkenntnis, dass nur ein Abstieg diese heilende Wirkung haben kann und nur so der nötige Kahlschlag kommen wird. Ein Bernd Wahler versprach zwar noch im März diesen Jahres, als uns das Wasser bis zum Halse stand, ein „weiter so“ werde und dürfe es nicht geben, es waren leider, wie man heute weiß, nur leere Worthülsen. Im Sommer wurde genau so weiter gemacht und jetzt bekommen wir eben die Quittung dafür. Sollte der Abstieg kommen, wird er zweifelsohne eng mit dem Namen Bernd Wahler verbunden sein. Er kann natürlich nichts für die Sünden der Vergangenheit, er hat aber auch die Gunst der Stunde nicht genutzt, den Verein zu verändern und neu auszurichten, geschweige denn neue Gelder zu generieren. Das von der Vereinsführung gepriesene Allheilmittel Ausgliederung können sie sich derzeit abschminken, diese Personen haben jeglichen Kredit aufgebraucht, so dass die Mitglieder einen Teufel tun werden, mit der 75% Mehrheit für die Ausgliederung zu stimmen.

Der Verein muss jetzt, ohne Ausgliederung, retten, was zu retten ist. Ein Abstieg käme teuer, sehr teuer und würde den VfB womöglich in die Zahlungsunfähigkeit manövrieren, so dass sogar die Lizenz für die zweite Liga in Gefahr sein könnte. Aus wirtschaftlicher Sicht gilt es diesen unbedingt zu vermeiden, aus emotionaler aber freunde ich mich langsam damit an. Es wäre die Möglichkeit, den Verein wieder zu verschlanken und komplett neu aufzustellen. Diese Chance müsste dann aber auch genutzt und allen Beteiligten, die beteuern würden, den „Betriebsunfall“ korrigieren zu wollen, der Laufpass gegeben werden.

Das Spiel am Samstag war der Offenbarungseid schlechthin und eine Bewerbung erster Güte für das Montagspiel bei Sport 1. Man fragt sich, was die Woche übergetan wurde und ob es über „Singen und Klatschen“ hinausging. Hat man sich angesichts, des doch durchaus glücklichen und zu hoch ausgefallenen Sieges beim SC Freiburg, die ganze Woche über auf die Schultern geklopft, oder sich auf das Schalke-Spiel vorbereitet? Hat ein Martin Harnik nach zwei Toren im Breisgau gleich wieder die Bodenhaftung verloren und gemeint, nun ginge es wieder mit halber Kraft? Verlassen sich alle einzig und allein auf Retter Huub, dass der es schon richten würde? Ist es unseren Spielern überhaupt klar, dass auch er auf das Wohlwollen seiner Spieler angewiesen ist? Er ist kein Zauberer, der den Hut hebt und bei dem plötzlich aus Scheiße Gold wird.
So wie ihn „seine Jungs“ am Samstag im Stich ließen, dürfte es eigentlich nicht verwundern, wenn, zwei Wochen nach dem Rücktritt Armin Vehs der nächste sagen würde „macht Euren Scheiß allein“. Ein Trainer muss doch an der Linie verzweifeln, wenn er sieht, wie man einen Gegner förmlich zum Tore schießen einlädt. Wie schon in Bremen wurde das Spiel in erster Linie durch Standardsituationen des Gegners entschieden. Ich bemängele ja schon lang, dass wir zu wenig geistige Überflieger in der Mannschaft haben, was sich in solchen Situationen dann auf dem Platz zeigt. Standards zu verteidigen lernt man in der Jugend, arbeitet im Training darauf hin, legt Zuordnungen fest, etc. Wer da nicht aufpasst, dies nicht umsetzen kann, dem fehlt es eben im Kopf, vor allem, wenn Fehler in solcher Häufigkeit vorkommen. Wie Harnik, sicherlich noch geschwächt durch zu viele La-Ola-Wellen unter der Woche, seinen ihm bei Ecken zugeteilten Gegenspieler Choupo-Moting gewähren ließ, spottet jeder Beschreibung. Unabhängig davon erinnerte ich mich auch am Samstag wieder an einen Jens Lehmann im Tor, dessen Hoheitsgebiet der Straf- und vor allem der 5-Meter-Raum, war. In den zwei Jahren, in denen Lehmann unser Tor hütete, konnte man bei gegnerischen Ecken wegschauen, so wenig Gefahr bestand, so sicher pflückte er die Ecken runter. Dass Ulle, wie der Reporter in der Sport 1 Nachbetrachtung, bester Stuttgarter war, da möchte ich nicht einmal widersprechen, allerdings nur deshalb, weil man keinen einzigen positiv herausheben könnte.

Das Spiel war also bereits nach acht Minuten so gut wie verloren, daher möchte ich auch gar nicht näher darauf eingehen. Einzig noch, dass sich zu allem Überfluss kurz vor Schluss Antonio Rüdiger schwer verletzt hat und vermutlich über Monate ausfallen wird, ist noch eine Erwähnung wert. Vielleicht hat diese Verletzung ja auch ihr Gutes, nämlich das, dass der Verein in der Innenverteidigung in der Winterpause zum handeln gezwungen sein dürfte, so dass doch noch ein gestandener (intelligenter) Verteidiger geholt wird, der uns die dringend benötigte Stabilität verleihen kann.

Ich bin am Samstag seit langem mal wieder vorzeitig gegangen. Es war etwa die 70. Minute, in der ich mich fragte, was ich hier noch soll. Arbeitsverweigerung auf ganzer Strecke, kein Kampfgeist, zweikampfschwach, kein Spielwitz, ein Klassenunterschied. Zudem habe ich gefroren wie ein Hund, unsere Weihnachtsfeier im 1893 stand vor der Tür, also sind wir schon mal vorgegangen. Dort hörte ich bei einigen Freunden am Abend deutlich wie selten heraus, vor allem bei denen, die zu jedem Heimspiel einen Anreiseweg von 100-200 Kilometern zurückzulegen haben, dass sie am überlegen sind, sich überhaupt noch mal eine Dauerkarte zu holen und ob sie sich gar die nächsten Heimspiele noch antun sollen. Ich kann es keinem verdenken, zu blutleer die Vorstellungen, zu viele Baustellen im Verein, zu wenig Leidenschaft zu erkennen, momentan ist der VfB eher ein Verein, der Leiden schafft als einer, der Freude macht.

Der VfB läuft derzeit ernsthaft Gefahr, noch viel mehr treue Fans zu verlieren als dem Verein in den letzten Jahren ohnehin schon den Rücken zugekehrt haben. Leidensfähigkeit kann man denen nicht absprechen. Es ist nur so, dass viele es mittlerweile so sehen, dass man die Wochenenden sinnvoller gestalten kann, als sich Woche für Woche ein Frusterlebnis nach dem nächsten abzuholen. Nach Jahren des Missmanagements und dem Für-Dummverkaufen der Fans ist keine Hoffnung auf Besserung mehr vorhanden. Man hat innerlich schon fast abgeschlossen und hofft nur noch, dass man bald erlöst werden möge.

Der Verein siecht seit Jahren auf der Intensivstation vor sich hin und weit und breit ist niemand in Sicht, der den Verein gesundet oder der endlich den Stecker zieht. Das schlimmste derzeit ist für mich tatsächlich, dass ich die Hoffnung mittlerweile begraben habe, dass sich in der jetzigen Konstellation jemals irgendetwas Grundlegendes ändern wird, die Mannschaft dann aber, wenn man es überhaupt nicht erwartet, plötzlich wieder zuckt, um im nächsten Spiel dann wieder auf der ganzen Linie zu versagen. So befindet man sich wahrhaftig permanent in einem grausamen Wechselbad der Gefühle, das immer schwerer zu ertragen ist. Auch heute, zwei Tage nach dem Debakel gegen Schalke, wäre mir inzwischen ein Ende mit Schrecken lieber als der Schrecken ohne Ende.

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