9. Dezember 2012

Ibisevic trifft dreifach

Meine Vorfreude auf die Partie gegen Schalke hielt sich zunächst noch in Grenzen. Zu tief sitzt noch immer der Stachel der Darbietungen der letzten Wochen, steht der VfB im Frühwinter 2012/2013 doch eher für fußballerische Magerkost denn für spielerisches Feuerwerk. Natürlich stimmen unter dem Strich die Ergebnisse, auch und besonders die in den letzten zehn Tagen errungenen. Zunächst siegte man 2:1 gegen den FC Augsburg in einem Spiel, in dem das Schlusslicht der Liga den VfB phasenweise an die Wand spielte, jedoch untermauerte, weshalb die bayerischen Schwaben ganz unten stehen – sie trafen eben das Tor nicht. Dann siegte man in Unterzahl in Fürth, beim Co-Schlusslicht, auch hier hatte der VfB den rechten Gegner zur rechten Zeit. Es genügte eine den Temperaturen angemessene unterkühlte Leistung und ein Tor zum Sieg, da alles Anrennen der Franken eher kopflos erfolgte und der VfB somit wenig Mühe hatte, den knappen Sieg über die Zeit zu retten.

Und dann schließlich der fußballerische Offenbarungseid gegen Molde FK, ein Team, das in den letzten 10 Jahren außer den beiden Siegen gegen den VfB international überhaupt keine Erfolgserlebnisse feiern konnte und das direkt aus dem Urlaub kam, da in Norwegen die Saison bereits seit dem 18.11. beendet war. Klar, es ging gegen den frischgebackenen norwegischen Meister, trotzdem, mit Verlaub, darf man in einem solchen Spiel nicht doch ein bisschen mehr erwarten, auch wenn unter dem Strich das Weiterkommen stand? Wir dürfen uns bei Steaua Bukarest bedanken, die in Unterzahl in Kopenhagen ein 1:1 erkämpften und das, obwohl sie bei der VfB-Niederlage auf jeden Fall weiter gewesen wären. Hut ab!

Müssen wir als Fans zufrieden sein, wenn wir aufgrund der Ergebnisse auf anderen Plätzen ein Ziel durch die Hintertür noch erreicht haben, das bis zum Schluss am seidenen Faden hing? Ich denke nein! Alle klagen über das mangelnde Zuschauerinteresse in der Europa League. Gerade unter diesen Umständen muss das Team doch bestrebt sein, Werbung in eigener Sache zu betreiben. Stattdessen hatte man bei den VfB-Verantwortlichen lange Zeit nicht den Eindruck, dass sie selbst richtige Begeisterung für diesen Wettbewerb aufbringen können, sagte doch Bobic vor der Partie in  Molde, die Bundesliga wäre das täglich Brot, und die Europa League eher unwichtiger. Schon vor der Saison warf er in die Runde, die Europa League würde von den Fans nicht angenommen werden, was ja durchaus der Wahrheit entspricht, trotzdem ist es eine unkluge Marketingstrategie, wenn man Tickets an den Mann bringen möchte, den Fans aber gleich ein Alibi liefert, die die Europa League Spiele meiden. Auch ich hätte mir attraktivere Gegner in der Gruppe gewünscht, große Namen und Teams, die den Gästeblock füllen und somit ein wenig mehr internationales Flair durchs Neckarstadion wehen würde.

Leider war das nicht der Fall, alle drei Heimspiele waren mehr oder weniger trostlose Veranstaltungen ohne einen einzigen Heimsieg, die den Daheimgebliebenen also noch Recht gaben, sich diese Spiele nicht angetan zu haben.

Dass nach der peinlichen Schlappe gegen Molde, trotz des Weiterkommens, keine Jubelarien aufkommen würden, dürfte doch auch den Protagonisten auf dem Rasen klar gewesen sein. Wer gegen eigentlich harmlose Norweger wie eine Schülermannschaft in einen Konter läuft, wer gegen sie in zwei Spielen kein Tor zustande bringt, muss sich auch Kritik gefallen lassen. Meiner Wahrnehmung nach hielten sich die Pfiffe am Donnerstag schwer in Grenzen. Auslöser des Vogels, den Martin Harnik uns Fans zeigte, war aber wohl, dass der Gassenhauer „Stuttgart international, kann man nur besoffen sehn“ angestimmt wurde und dieser Sarkasmus nach Auffassung der Spieler nicht angebracht sei.  Ich kann zwar nicht mit Gewissheit sagen, seit wann dieser Song bei internationalen Spielen gesungen wird, gefühlt aber schon zu einer Zeit, als die meisten unserer Spieler noch in den Kindergarten gingen. Dass ein Martin Harnik, der seit Monaten auf der Suche nach seiner Form der Vorsaison ist, sich das Recht herausnimmt den wenigen anwesenden Fans als Dank fürs Kommen noch den Vogel zu zeigen, dass ein Georg Niedermeier, der gegen Molde unerklärliche Anfängerfehler fabrizierte, sagen darf „Zuschauer, die nur zum pfeifen kommen, sollen zu Hause bleiben“ und diese Aussagen von den Verantwortlichen sogar noch goutiert werden, zeigt, welche Kluft inzwischen zwischen den Fans und der Mannschaft liegt und wie weit sich die Hauptdarsteller auf dem Rasen inzwischen von der Basis entfernt haben. Klar fordern wir Emotionen und sehen es durchaus gerne, wenn manche Spieler nicht alles so über sich ergehen lassen. Hier aber schossen alle über das Ziel hinaus, zumal die Vereinsseite auch, nachdem eine Nacht über diese Geschehnisse geschlafen wurde, nicht von ihrer Meinung abrückten. Den Vogel zu zeigen stellt durchaus den Tatbestand der Beleidigung dar und ist fast dem Mittelfinger eines Stefan E. aus M. gleichzusetzen, der seinerzeit daraufhin von der WM 1994 in den USA ausgeschlossen wurde.

Seit Mr. Jähzorn Mäuser auf dem Wasen das Zepter schwingt, ist der Umgangston merklich rauer geworden. Nicht von ungefähr verlassen Leute auf wichtigen Positionen in einer Häufigkeit den Verein, die Ihresgleichen sucht.  So passt es ins Bild, dass die Angestellten die zahlende Kundschaft beleidigen dürfen und von ihren Chefs auch noch Beifall dafür erhalten.

Ich möchte dabei diesen Vorfall keineswegs überbewerten, habe aber kein Verständnis dafür, dass von Vereins- und Spielerseite kein Wort der Entschuldigung über die Lippen kam und dass, nach dem Spiel gegen Schalke, das gesamte Stadion abgestraft wurde, anstatt sich für die Unterstützung in der Vorrunde zu bedanken, schließlich war es das letzte Bundesligaheimspiel im Jahre 2012.

Nach der Darbietung und den Vorfällen nach dem Spiel gegen Molde, hatte ich ehrlich gesagt zunächst keinen großen Bock, bereits 41 Stunden später erneut in die bitterkalte Arena zu pilgern. Was mich sportlich zu erwarten hatte, in dieser Hinsicht war ich zwiegespalten. Zum einen grenzt es natürlich an Wettbewerbsverzerrung, wenn Schalke zwei Tage mehr Pause hat und wir der einzige Europaleague-Starter mit einer solch kurzen Regenerationsphase waren. Zum anderen war mir ein Spiel vor einigen Jahren in Erinnerung, in dem wir Werder Bremen nach genau so kurzer Erholungsphase mit 4:1 vom Platz gefegt hatten, was zeigte, dass es durchaus Kopfsache ist, wie man eine solche Situation annimmt. Schalke kam mit zuletzt drei Auswärtsniederlagen in Folge  im Gepäck auch nicht gerade mit sehr breiter Brust ins Neckarstadion. Auf der anderen Seite war mir natürlich auch klar, dass mit einer ähnlich emotionslosen und schwachen Vorstellung wie gegen Molde gegen die Knappen nichts zu holen sein würde.

Die Schalker reisten wie gewohnt mit einem zahlreichen und lautstarken Anhang an, die, wie die VfB-Fans erneut 12 Minuten, 12 Sekunden schwiegen, um letztmals gegen das DFL-Sicherheitskonzept zu protestieren, das am 12.12.12. verabschiedet werden soll.

Das Spiel hatte kaum begonnen, da zappelte der Ball bereits im Netz des von unserem Meisterkeeper Timo Hildebrand gehüteten Tores. Boka, der anstelle des zuletzt schwachen Molinaro spielte, dribbelte sich durchs Schalker Mittelfeld, schaffte so Raum für Traore, der seine Schnelligkeit ausspielte und in der Mitte mustergültig unseren Knipser Vedad Ibisevic bediente. Dieser hatte mit seinem achten Saisontreffer keine große Mühe mehr und überwand Timo Hildebrand erstmals. Für Hildebrand war es das erste Spiel gegen den VfB, in seiner Zeit beim SAP-Werksclub fehlte er gegen den VfB stets krank oder verletzt… Das Spiel konnte für den VfB also nicht besser beginnen und man traute seinen Augen kaum, dass der gleiche VfB, der am Donnerstag noch knapp ins Sechzehntelfinale stolperte, plötzlich herzerfrischend und mit Elan nach vorne spielte. Es zeigte sich mal wieder allzu deutlich, dass es dem VfB deutlich mehr liegt, wenn es gegen einen Gegner mit  eigenen Ambitionen geht. Die Schalker wollten ihrerseits natürlich heraus aus der Negativspirale und waren relativ offensiv ausgerichtet, was dem VfB in die Karten spielte und Räume eröffnete. Leider gelang es nicht den Vorsprung zu halten. Marica war nach Flanke von Jones und Stellungsfehler von Niedermeier zur Stelle und netzte mutterseelenallein zum 1:1 ein, Gott sei Dank der einzige Grund zum Jubel für königsblau. Die Schalker erhöhten zwar daraufhin etwas den Druck, kamen aber nur Halbchancen. Der letzte Pass kam nicht an, so dass von Huntelaar zum Glück so gut wie nichts zu sehen war.  Nach einem ungeschickten Rempler von Jones gegen Gentner entschied Schiri Zwayer zu Recht auf Strafstoß für den VfB. Trotz seiner Fehlschüsse vom Punkt gegen Wolfsburg und Fürth, wo er allerdings als Gefoulter selbst schoss, schnappte sich erneut Ibisevic die Kugel und hämmerte diese in die von ihm aus gesehen rechte Ecke. Hildebrand ahnte zwar die Ecke, hatte aber gegen die Wucht des Balles keine Chance. Kurze Zeit später hätte Harnik im eins gegen eins mit Hildebrand noch die Chance zum 3:1, vergab aber, wie schon gegen Molde kläglich, und schoss Hildebrand direkt in die Arme.

Besser machte es nach einer guten Stunde Raphael Holzhauser, dessen Schuss wuchtiger war, so dass Hildebrand vor die Füße von Ibisevic abklatschte und dieser bei seinem dritten Treffer erneut keine große Mühe hatte. Der Dreierpack von Vedad bedeutet für ihn die Führung in der Torjägerliste mit zehn Vorrundentreffern und die Vorentscheidung im Spiel. Bedenken kamen dann aber doch noch einmal auf, als Sakai mit einer in der Heftigkeit unnötigen Grätsche von hinten gegen Holtby vom Platz flog. Dieser Aktion ging jedoch ein nicht geahndetes Handspiel eines Schalkers voraus, so dass man dennoch von einer fragwürdigen Entscheidung sprechen konnte. Als dann jedoch wenige Minuten später Rüpel Jermaine Jones nach überhartem Einsatz gegen den wiederum sehr engagierten Ibrahima Traore ebenfalls den roten Karton vor die Nase gehalten bekam, war wieder alles im Lot und der VfB hatte kaum Mühe mehr, das 3:1 über die Zeit zu bringen. Im Gegenteil, kurz vor Schluss hätte Antonio Rüdiger fast noch sein Tordebüt gefeiert, scheiterte aber am Pfosten. Am Ende stand ein verdienter Sieg und Punktgleichheit mit den zu Beginn der Saison so hoch gewetteten Schalkern. Eigentlich unglaublich, wie der VfB da steht, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Punkte regelrecht verschenkt wurden. Wie bereits angesprochen, hielt es die Mannschaft nicht für nötig, sich gebührend aus der Bundesligahinrunde zu verabschieden. Nach einem kurzen Gang in Richtung der Cannstatter Kurve drehten sie auch schon wieder ab. Die anderen Tribünen waren komplett außen vor und wurden keines Blickes gewürdigt. Bei den meisten anderen Vereinen, wo die Spieler rund ums Stadion, ob bei Sieg oder bei Niederlage, eine Runde drehen und alle vier Tribünen mit Applaus bedenken, sicherlich undenkbar, aber bei uns macht eben jeder sein Ding, das er für vertretbar hält.

Meine Euphorie hält sich somit auch in Grenzen, trotz der respektablen 25 Punkte, trotz der Tuchfühlung nach oben, trotz des Abstands von 13 Punkten auf den Relegationsplatz.

Kommenden Samstag in Mainz geht es dann weiter, dort fehlt dann schon (mindestens) die Hälfte unserer Viererabwehrkette. Ich denke, für Sakai bekommt Rüdiger eine Chance von Beginn an, zudem scheint sich Maza endlich zu stabilisieren, der gegen Molde und Schalke ordentliche Leistungen ablieferte. Die Mainzer spielen eine starke Saison, einfach wird es mit Sicherheit nicht. Seit langem hat der VfB mal wieder eine Woche Pause zwischen zwei Spielen, nach dem gestrigen Spiel bleibt zu hoffen, dass dieser Elan nicht verloren geht. Besonders die linke Seite mit Boka und Traore hat mir sehr gut gefallen, auch Holzhauser hat neben einigem Leerlauf, der für sein Alter aber normal ist, immer wieder tolle Momente im Spiel und ist eine absolute (kreative) Bereicherung.

Nach Mainz werde ich wieder mit dem RWS Berkheim im Bus mitfahren, bei Mainz wohl das Beste, was man machen kann. Sowohl das Stadion, mitten in der Pampa, als auch das Klatschpappen- und Karnevals-Publikum lässt dieses Spiel eher als Pflichtaufgabe denn als Saisonhighlight aussehen. Am Ende ist man einfach nur froh, wieder im Bus zu sitzen und diesen Ort möglichst schnell wieder zu verlassen, hoffentlich mit drei Punkten im Gepäck.

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5. März 2011

Beginn der Aufholjagd?

Letzten Sonntag gelang also nach den Niederlagen gegen Nürnberg, 2x gegen Lissabon und in Leverkusen endlich mal wieder ein Sieg. Der war natürlich überlebensnotwendig, um den Anschluss, zumindest an den Relegationsplatz, nicht abreißen zu lassen. Das Spiel bei der Torlos-Eintracht stand lang auf des Messers Schneide, ehe zwei blitzsaubere Konter binnen 3 Minuten die Weichen auf Sieg stellten.

Das Spiel begann ja denkbar ungünstig. Bereits nach einer Viertelstunde ließ sich unser Kapitän nach Provokation des Ekelpakets Maik Franz zu einer Tätlichkeit hinreißen und schwächte sein eigenes Team in unentschuldbarer Weise. Von solchen Disziplinlosigkeiten habe ich ehrlich gesagt die Nase gestrichen voll. In einem für den VfB solch vorentscheidenden Spiel nach 15 Minuten beim Stande von 0:0 die Nerven zu verlieren, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Als Fan auf der Tribüne, der so manche Strapaze für die vielen Auswärtsreisen auf sich nimmt, fühlte ich mich schlichtweg verarscht. Ähnlich wie in Hamburg, als der inzwischen suspendierte Ciprian Marica nach gut 10 Minuten den übrigens selben Schiedsrichter Stark ein Arschloch nannte, steht man auf der Tribüne und versteht die Welt nicht mehr. Den ersten Gedanken nach dem Platzverweis, erst einmal einen Bierstand aufzusuchen und von draußen zu verfolgen, wie die Dinge ihren Lauf nehmen, verwarf ich wieder. Dennoch hätte ich zu diesem Zeitpunkt keinen Pfifferling auf das Team mehr gegeben, das von nun an, mit dem schweren und auch demoralisierendem Europa League Spiel in den Köpfen und in den Knochen, 75 Minuten in Unterzahl bestehen musste.  Im Block unter den zahlreichen mitgereisten VfB-Fans spürte man Fassungslosigkeit und zugleich eine Trotzreaktion die verbliebenen zehn Kämpen bis zur Heiserkeit zu unterstützen und dem Team zu helfen. Die Mannschaft nahm den Kampf an. Boulahrouz rückte in die Innenverteidigung, Träschi auf die Rechtsverteidigerposition. So gelang es relativ schnell, die Ordnung wieder zu finden. Dass man vor der Eintracht keine Angst zu haben braucht, zeigt schon deren Torstatistik in 2011: auf 0:13 Tore haben es die Hessen nach diesem Spiel gebracht: Respekt! Dass die Eintracht 11 gegen 10 die Spielkontrolle erlangen würde war nicht wirklich überraschend. Insgesamt aber ließ der VfB den Umständen entsprechend wenig zu, konnte allerdings selbst kaum für Entlastung sorgen. In der Halbzeit brachte Labbadia dann Timo Gebhart für den abermals enttäuschenden Cacau. Ein Mittelfeldspieler für einen Stürmer, das bewirkte zunächst, dass die Überlegenheit der Eintracht immer drückender wurde. Die Torflaute indes wollte (zum Glück) nicht enden. Trotzdem war diese Auswechslung so etwas wie der Schlüssel zum Erfolg, da Gebhart ein ums andere Mal präsent war, wenn sich Kontermöglichkeiten eröffneten und unermüdlich ins Eins gegen Eins ging und den ein oder anderen Nadelstich setzte. Gebhart war es dann auch der sich nach einem von Harnik schnell ausgeführten Freistoss ein Herz fasste und abzog, Fährmann im Tor der Frankfurter konnte nur abklatschen und Harnik staubte ab. 0:1. Was für eine Befreiung dieses Tor. Doch damit nicht genug, schon 3 Minuten später überwand Tamas Hajnal, der sich mehr und mehr zum Lenker des VfB-Spiels mausert, mit einem sehenswerten Lupfer zum 0:2. Danach brachen im Gästebereich alle Dämme und 4000-5000 VfB-Fans hüpften und sangen, dass sich die Balken bogen. Die Eintracht drückte natürlich noch einmal aufs Tempo, machte hinten auf und hoffte, dass den VfB die Kräfte verlassen würden. Doch war für die Eintracht das Tor auch an diesem Tag wie vernagelt und dem VfB war das Glück hold.

Matchwinner dieses Mal war, man höre und staune, Sven Ulreich. So schnell geht es manchmal im Fußball. Knapp eine Woche zuvor zur Nummer 2 verbannt, dann die Verletzung von Ziegler, nach seiner Einwechslung ein ordentliches Spiel gegen Lissabon und in Frankfurt wird er zum Mann des Tages. Er wurde nach dem Spiel zu Recht von den Fans mit Standing Ovations gefeiert. Möglicherweise ist es in der Tat so, dass einiger Ballast von ihm abfiel und er, zumindest was seine persönliche Situation angeht, nichts mehr zu verlieren hat. Dieses Mal war er nicht nur auf der Linie stark, sondern war präsent im Strafraum und strahlte eine von ihm ungewohnte Sicherheit aus. Ich gehöre ja zu den Zweiflern, was die Personalie Ulreich angeht, kann er aber diese Leistung stabilisieren, werde auch ich mit Sicherheit keine Torwartdiskussion mehr anzetteln. Allerdings macht eine Schwalbe noch keinen Sommer, warten wir ab, wie er sich in den nächsten Spielen präsentiert.

Heute kommt es zum Duell gegen Schulden 04. Die Gelsenkirchener kommen mit dem Rückenwind aus München, wo sie unter der Woche die Bayern düpierten und ins DFB-Pokal-Finale einzogen. Der VfB konnte endlich mal wieder eine Woche verschnaufen und sollte frischer sein und darauf brennen, rausgelassen zu werden, um den Schwung vom Frankfurt-Spiel mitzunehmen. Ich hoffe sehr, dass erstmals gelingt, den zweiten Dreier in Serie einzufahren. Dieses Glücksgefühl, also den Hauch einer Serie, durften wir in dieser Saison noch nicht ein einziges Mal erleben. Ein Sieg zu zehnt wie in Frankfurt, der durch einen in dieser Saison selten erlebten Zusammenhalt der Mannschaft zustande kam, könnte für die kommenden Wochen beflügeln und das Team enger zusammen schweißen. Dass das Team nach dem Auswärtssieg unisono erklärte, sie hätten für ihren Kapitän gespielt, der bei einer Niederlage ganz sicher an den Pranger gestellt worden wäre, spricht für sie. Ich hoffe, das war nicht nur eine von der sportlichen Führung vorgegebene Sprachregelung. Mit einem solchen Zusammenhalt und der notwendigen Kompaktheit ist auch heute ein Erfolgserlebnis gegen die Schalker möglich. Es bedarf aber sicher einer gehörigen Portion Geduld, da die Schalker in der Defensive inzwischen wieder fast traditionell gut stehen. Die Offensive, allen voran Farfan und Raul, muss in Schach gehalten werden. Ich erhoffe mir, dass der VfB aus den Pleiten gegen den Club und gegen Freiburg gelernt hat. Ein frühes Gegentor wäre auch in diesem Spiel Gift. Lieber Geduld haben, vielleicht sogar mit einer defensiveren Ausrichtung und Taktik ins Spiel gehen, damit die Null stehen bleibt. Uns würde es auch reichen, wie anno 2001, wenn das Siegtor erst in der 90. Minute fiele. Damals stand man gegen Schalke, beim VfB auf der Bank im übrigen Felix Magath, noch mehr unter Druck als heute. Es war der 33. Spieltag, heute haben wir den 25. Dennoch muss der VfB eine Serie hinlegen, um die noch notwendigen 5-6 Siege in Angriff nehmen zu können. Ich bin mir sicher, dass es ein zähes, schwieriges Spiel werden wird. Am Ende werden wir sehen, was dabei herausspringt. Die Schalker haben in den letzten Jahren im Neckarstadion relativ wenig gerissen (allerdings setzte es in der letzten Saison die erste Heimpleite gegen die Knappen seit 1999), daher bin ich ganz optimistisch, dass wir heute zumindest nicht verlieren werden.

Ich muss zugeben, mittlerweile zähle ich schon die Spiele, die wir noch in dem halbfertigen Stadion verweilen müssen. Es ist schon ein Nachteil, wenn an vielen Ecken im Stadion die Gästefans fast lauter gehört werden als die heimischen. Da es den Spielern auf dem Platz auch nicht anders geht, ist das schon auch ein Nachteil in dieser Saison. Als Ausrede darf das aber natürlich nicht gelten.

Lamentieren wir also nicht darüber, sondern freuen uns, wenn wir nächste Saison wieder ein geschlossenens, richtiges Stadion haben, hoffentlich auch dann in der Bundesliga.

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18. Oktober 2010

Fehlentscheidung im Schalke-Spiel

Und der Linienrichter hebt die Fahne

Die Fernsehkameras müssen ausbleiben, als Florian Meyer und seine Assistenten, die Herren Glindemann und Frank, weit nach dem Schlusspfiff Asche auf ihr Haupt streuen. Jeder habe gesehen, dass man beim 2:2 des VfB auf Schalke eine folgenschwere Fehlentscheidung getroffen habe, erklärt das Schiedsrichtergespann im kleinen Kreis, es bleibe nichts anderes übrig, als sich zu entschuldigen. Fredi Bobic fällt es jedoch sichtbar schwer, sich damit zu begnügen. “Es bringt uns nichts mehr, wenn sich die Schiedsrichter ständig entschuldigen, das geht mir auf den Keks. Uns fehlen die Punkte”, faucht der Manager des VfB. Bereits zum dritten Mal in dieser Saison ist den Stuttgartern ein glasklares Tor aberkannt worden. In Nürnberg (1:2) zählte der Kopfballtreffer von Pavel Pogrebnjak nicht, gegen Eintracht Frankfurt (1:2) durfte Cacau nur kurz über den vermeintlichen Ausgleich in der Schlussminute jubeln – beide Male wegen eines angeblichen Foulspiels, das keines war.

Im Abseits soll nun Serdar Tasci vor dem Treffer von Cacau gestanden haben. Tat er aber nicht, was für den VfB erneut sehr bitter war, da es vor der Pause die 2:0-Führung bedeutet hätte. “Für so etwas brauche ich nicht einmal eine Zeitlupe, das habe ich in realer Geschwindigkeit erkannt, dass das nie und nimmer abseits war”, sagt Bobic. In allen drei Fällen waren es die Linienrichter, die verhängnisvollerweise ins Spiel eingriffen. Sönke Glindemann hieß auf Schalke der Mann, der an der Seitenlinie stand – und der auch in der zweiten Hälfte seine Fahne hob, als Christoph Metzelder im Luftkampf mit Tasci “wie vom Blitz getroffen” (Bobic) zu Boden ging. Elfmeter, so signalisierte er seinem Chef, “obwohl Metzelder klar im Abseits stand”, wie Bobic meint.

“Wir werden permanent benachteiligt”

Die Schlussfolgerung des VfB-Managers: “Der Linienrichter hat versucht, uns das Genick zu brechen.” Eine derartige Häufung solch spielentscheidender Fehler seitens der Schiedsrichter, die den VfB bis zu sechs Punkte gekostet haben, will Bobic in seiner Karriere noch nie erlebt haben. “Das ist ja Wahnsinn, so langsam habe ich den Eindruck, die Assistenten leiten das Spiel”, sagt er und will künftig nicht mehr tatenlos zuschauen. Er wolle zwar keinen ganz großen Aufschrei, “aber ich will den Finger immer wieder in die Wunde legen. Denn es ist nun einmal eine Tatsache, dass wir permanent benachteiligt werden.” Gezielte Nadelstiche in Richtung der Schiedsrichter will Bobic setzen, auf dass sie in Zukunft im Zweifel für den VfB entscheiden.

Und es dürfte ihn bestärken, dass sich auch der Schalker Trainer Felix Magath vor dem Spiel gegen seinen Exclub öffentlich vehement über die Schiedsrichter beschwert hatte – und sich prompt über eine aus seiner Sicht sehr wohlwollende Regelauslegung freuen durfte. Eine andere Idee von Fredi Bobic, grobe Schiedsrichterfehler künftig zu vermeiden, dürfte hingegen schwer umsetzbar sein: “Vielleicht stellen wir ja einen Antrag, künftig ohne Linienrichter zu spielen.”

(STZ 18.10.2010)

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17. Oktober 2010

VfB spielt 2:2 auf Schalke: Keller holt beim Debüt einen Punkt

Der Trainerwechsel beim VfB Stuttgart hat zumindest im ersten Spiel nach der Entlassung von Christian Gross Wirkung gezeigt. Die Stuttgarter erkämpften bei Schalke 04 ein 2:2. Der neue Coach Jens Keller konnte seiner Mannschaft vor allem mehr Einsatzwillen und Aggressivität vermitteln.

Spielverlauf:

Fredi Bobic hatte vor der Partie auf Schalke vor allem „eine andere Einstellung der Mannschaft“ gefordert. Und von Beginn an zeigten die Stuttgarter, dass sie die Erwartungen ihres VfB-Managers im ersten Spiel unter dem neuen Trainer Jens Keller unbedingt erfüllen wollten. Sie gingen aggressiv in die Zweikämpfe und unterbanden so resolut die ersten Offensivbemühungen der Schalker.

In der achten Minute kam der VfB dann zu seiner ersten Chance. Schalkes Torhüter Manuel Neuer schoss beim Herauslaufen Ciprian Marica an, doch der Ball rollte am leeren Tor vorbei. Eine Minute später konnte Neuer einen diesmal tatsächlich von Marica abgegebenen Schuss parieren. Bei dem anschließenden Eckball köpfte Zdravko Kuzmanovic freistehend neben den Pfosten. In der 15. Minute münzten die Stuttgarter ihre Überlegenheit dann in die Führung um. Christian Träsch spielte mit einem schönen Pass Arthur Boka auf der linken Seite frei. Der Ivorer leitete den Ball direkt in die Mitte weiter. Marica verpasste zwar, aber Timo Gebhart kam am zweiten Pfosten an den Ball und traf.

Zehn Minuten später wurde den Stuttgartern ein zweiter Treffer zu Unrecht nicht anerkannt. Cacau hatte aus kurzer Distanz eingeschoben, aber wegen einer angeblichen Abseitsstellung von Serdar Tasci gab der Schiedsrichter Florian Meyer das Tor nicht. Eine Fehlentscheidung. Kurz darauf konnte der VfB-Torhüter Sven Ulreich einen Fernschuss von Edu nur zur Ecke abklatschen – den folgenden Eckball nutzten die Schalker dann zum Ausgleich. Die Hereingabe von Jose Manuel Jurado verwertete Edu per Volleyabnahme zum 1:1 (29.).

Schalke erhöhte den Druck

Die Stuttgarter kontrollierten das Spiel danach aber wieder und versuchten mit schnellen Kombinationen – meist über Cacau – das Mittelfeld zu überbrücken. Gute Torchancen ergaben sich daraus zunächst jedoch nicht. Erst in der 45. Minute tauchte Marica allein vor Neuer auf, aber der Nationaltorhüter wehrte den Ball ab. Nach der Pause drängten die Schalker stärker auf das zweite Tor. Klaas Jan Huntelaar (47.) scheiterte an Ulreich, Höwedes köpfte kurz darauf vorbei. Die Stuttgarter erspielten sich ihre erste Chance in der zweiten Halbzeit in der 53. Minute. Aber Neuer parierte Maricas Schuss am kurzen Pfosten.

Schalke ließ nicht nach und erhöhte den Druck. Ulreich konnt den Ball nach einer Ecke nicht festhalten. Raul schob den Ball jedoch knapp am Tor vorbei (65.). Eine Minute später vergab Jurado eine weitere gute Möglichkeit. Der VfB hielt erst nach der Einwechslung von Martin Harnik wieder besser dagegen. Und drei Minuten nachdem der Österreicher auf das Feld gekommen war, setzte er sogar ein ganz großes Ausrufezeichen. Wieder nach einem schönen Steilpass von Träsch setzte sich Harnik auf der rechten Seite durch und erzielte das 2:1 (74.).

Die Freude der Stuttgarter währte allerdings nicht lange. Nach einem Freistoß foulte Tasci Christoph Metzelder im Strafraum und der Schiedsrichter Meyer entschied auf Elfmeter, den Huntelaar problemlos verwandelte (80.). Die letzte große Chance des Spiels hatten dann erneut die Schalker, doch Raul konnte den Ball nicht im Tor unterbringen (84.).

Entscheidende Szene:

Der wegen vermeintlichen Abseits’ nicht anerkannte Treffer von Cacau in der 25. Minute. Die 2:0-Führung hätte den Stuttgartern mehr Sicherheit gegeben und den Elan der Schalker gebremst.

Bester Spieler:

Beim VfB überzeugte besonders Christian Träsch. Auf seiner Lieblingsposition im zentralen Mittelfeld verteilte er klug die Bälle und leitete beide Stuttgarter Tore mit sehenswerten Pässen ein.

Kommentar:

Die VfB-Leistung lässt auf Besserung hoffen. Die Stuttgarter überzeugten vor allem mit Einsatz und Aggressivität. Besonders die Umstellung im Mittelfeld zahlte sich aus. Christian Träsch präsentierte sich als starker Taktgeber in der Zentrale. Zudem erspielten sich die Stuttgarter nach Kontern gute Torchancen. In der Abwehr gab es allerdings noch einige unsichere Aktionen.

Schalke 04:

Neuer – Uchida, Höwedes, Metzelder, Schmitz – Matip (71. Kluge) – Moritz, Jurado (76. Baumjohann), Edu (85. Hao) – Huntelaar, Raul.

VfB Stuttgart:

Ulreich – Celozzi, Tasci, Niedermeier, Boka – Träsch, Kuzmanovic – Gebhart (71. Harnik), Gentner – Marica, Cacau (78. Pogrebjak).

Schiedsrichter:

Florian Meyer (Burgdorf).

Zuschauer:

61.000 (ausverkauft).

Tore:

0:1 Gebhart (15.), 1:1 Edu (29.), 1:2 Harnik (74.), 2:2 Huntelaar (80.)

(STZ 16.10.10)

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26. Juni 2010

Horst Heldt vor dem Absprung

Auf der gestrigen Pressekonferenz ließ Christian Gross die Bombe platzen: Horst Heldt verlässt den VfB mit sofortiger Wirkung in Richtung Schalke 04 zu seinem Ziehvater Felix Magath und würde sich noch am gestrigen Freitag von der Mannschaft verabschieden. Laut VfB-Pressemeldung habe sich am Vertragsverhältnis zwischen dem VfB Stuttgart und Horst Heldt jedoch noch nichts geändert. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung reagierte der VfB-Präsident daraufhin auch etwas verschnupft aufgrund des Vorpreschens von Christian Gross. Über dessen Beweggründe kann ich nur mutmaßen, dass er möglicherweise Angst hat vor einem entstehenden Vakuum in einer Zeit, in der ein Manager eines Bundesligavereins eigentlich den Kader der anstehenden Saison zusammenzustellen hat. Wie meistens dürfte es hier nur noch ums Geld gehen, die Tatsache, dass Heldt den VfB verlässt, aber unwiderruflich feststehen. Herr Gross wird auch schon mitbekommen haben, dass schnelle Entscheidungen nicht die Sache des VfB-Vorstands sind. Daher sehe ich dies eher als eine Art des Wachrüttelns, um in dieser Phase der Kaderplanung keine wertvolle Zeit ungenutzt verstreichen zu lassen.

Herr Heldt fühlt sich also vom VfB unterbezahlt und nicht genügend wertgeschätzt. Den Vorwurf der mangelnden Wertschätzung hat er sich wohl von Cacau abgeschaut, der mit ähnlichen Worten seinen angekündigten Abschied begründete. Diese Argumentation konnte ich aber noch nachvollziehen, da ja Konkurrenten im Kader stehen, die bei geringerer Leistung mehr verdienten als Cacau, der jahrelang und meist konstant und loyal die Knochen für den VfB hingehalten hat. Heldt dagegen hat schon eine besondere Wertschätzung erfahren, als man den gelernten KFZ-Mechaniker vom Spieler direkt zum Manager berief, ohne jede kaufmännische Ausbildung. Er durfte sich weitestgehend austoben auf Kosten des VfB, da es an sportlicher Kompetenz in der VfB-Führung mangelt. Er hat in seiner Amtszeit mehr Flops als Kracher verpflichtet, viel zu lange an seinem Freund Markus Babbel festgehalten und über die Jahre einen Kader von mehr als 30 Spielern angehäuft. Erst seit Gross da ist, werden Spieler ohne Perspektive abgegeben und der Kader ausgedünnt. Er schaffte es nicht, einen adäquaten Nachfolger für Mario Gomez zu verpflichten und ließ sich wochenlang von Huntelaar an der Nase herumführen, um schließlich Pavel Pogrebnjak als Notlösung zu verpflichten, nachdem der Stürmermarkt eine Woche vor Saisonbeginn abgegrast war. Gerade bei Mario Gomez zeichnete es sich ein Jahr lang ab, dass er den Verein verlassen würde. Ein guter Manager hätte hier schon längst Plan B in der Tasche haben müssen, um umgehend auf den Weggang reagieren zu können. Dazu holte er Hleb zurück für ein horrendes Gehalt und in einem unfitten Zustand. Auch da hätte er genauer hinschauen müssen. Auch ich hatte gejubelt, als er zurück kam. Allerdings ging ich davon aus, dass er Gehaltseinbußen in Kauf nahm, um Spielpraxis zu erhalten. So verdiente er mehr als doppelt so viel wie der Großteil der anderen Spieler, was unweigerlich zu Neid innerhalb der Mannschaft führen musste, zumal er ja auch keine Gegenleistung dafür brachte.

Schon traditionell schafft es Heldt nicht, den Kader bis zum Auftakttraining komplett zu haben und holt immer wieder kurz vor Transferperiodenende noch den ein oder anderen Ladenhüter. Auch dieses Vorgehen ist für mich verantwortlich dafür, dass wir in der Vorrunde nicht in die Gänge kommen und stets einen Stotterstart hinlegen.

Trotz einiger Fehler wurde er im vergangenen Jahr in den Vorstand berufen. Soviel zu mangelnder Wertschätzung. Aufgrund der Vereinssatzung, nach der ein Vorstand für 4 Jahre bestellt wird, wurde sein Vertrag, sicher verbunden mit einer Gehaltserhöhung, bis 2013 verlängert. Wenn er sich jetzt unterbezahlt fühlt, weshalb hat er den Vertrag dann unterschrieben? War er nicht bei Sinnen? Muss man ihm hier nachträglich die Zurechnungs- oder Geschäftsfähigkeit absprechen? Hat sich ein Vorstand nicht seinem Verein gegenüber loyal zu verhalten? Hat er nicht auch eine Verantwortung den Mitgliedern gegenüber? Muss ein Vorstand nicht so lange die Geschäfte weiterführen, bis die Vorgänge an einen Nachfolger übergeben wurden? Warum gibt es eigentlich nicht, wie in der Wirtschaft, ein Wettbewerbsverbot? So könnte er doch schon jetzt in der Sommerpause mehr für Schalke als für den VfB tätig gewesen sein. Kein Wunder, dass uns seit Saisonende keine wirkliche Verstärkung präsentiert wurde.

In der Bundesliga scheinen solche Tugenden nicht zu gelten. Ein Manager, der von Spielern Vertragstreue einfordert, macht sich selbst auf eine solche Art und Weise vom Acker. Es bleibt ihm zu wünschen, dass er von Spielern in seiner weiteren Karriere stets mit diesem Vorgehen konfrontiert wird.

Angeblich soll er beim VfB zuletzt 1,5 Millionen Euro pro Jahr verdient haben, bei Schalke sollen es 3 Millionen sein. Ein Verein wie Schalke 04, der weit mehr als 100 Millionen Euro Schulden haben soll, leistet sich also zum wohl bestbezahlten Trainer er Liga noch einen hochbezahlten Lakaien für diesen. Felix Magath hat im kicker erklärt, eine Ablösezahlung an den VfB würde nicht erfolgen, sie nähmen Heldt erst unter Vertrag, wenn er seinen Vertrag beim VfB aufgelöst hat. Das heißt mehr oder weniger, Heldt soll seinen Rausschmiss beim VfB provozieren und an dem arbeitet er emsig. Er erklärte ja, das Vertrauensverhältnis wäre zerstört, kündigte an, weder beim Trainingsauftakt der Roten noch beim Trainingslager in St. Moritz an Bord zu sein.  Stilloser kann die Trennung kaum herbeigeführt werden. Dass Magath wieder die Finger im Spiel hat, macht mich richtig wütend. Er weiß schließlich, wie man ohne Nachteile den VfB über den Tisch ziehen kann, und aus einem Vertrag ohne eigenen Schaden herauskommt. Er selbst hatte dem VfB bei seinem Weggang mit einer Babypause gedroht, würde man ihn nicht zu den Bayern ziehen lassen. Wenn es um den eigenen Geldbeutel geht, lassen die Herren jeden Anstand vermissen und es gelten keine guten Sitten mehr. Undank ist der Welt Lohn. Heldt sollte einmal darüber nachdenken, welche Chance der VfB ihm geboten hat für die Karriere nach der Karriere. Bei Schalke wird er weitaus weniger Macht besitzen als beim VfB und mehr oder weniger Erfüllungsgehilfe von Magath und das Bindeglied zu Tönnies sein. Einen Vorteil hat er dort natürlich gegenüber den Begebenheiten beim VfB. Er darf dort Geld ausgeben, was der Verein nicht hat und den Verein endgültig gegen die Wand fahren. Hier wünsche ich ihm ausdrücklich viel Erfolg.

Der VfB kann aber auch froh sein, dass dieses Kapitel jetzt endet. Ein klares Bekenntnis von Heldt zum VfB fehlte mir schon immer. Magath versuchte ihn ja auch schon zum VfL Wolfsburg zu lotsen. Vor Jahresfrist baggerte schon einmal Schalke 04 an ihm, woraufhin er ja dann in Vorstand berufen wurde. Zuletzt kokettierte er noch mit einem Angebot vom HSV. Hier muss ich ganz klar sagen: “Reisende soll man nicht aufhalten”. An Stelle des VfB würde ich jedoch auf eine der Vertragslaufzeit angemessene Ablösesumme pochen. Die kolportierten 1,5 Millionen erscheinen mir eher noch als zu gering. Schließlich wird uns ein der Position nach wichtiger Mann herausgerissen und das in einer Zeit, in der mit vollem Eifer an der Zusammenstellung des neuen Kaders gearbeitet werden sollte. Hätte man hier während der Saison Nägel mit Köpfen gemacht, wäre es nicht so problematisch gewesen und der VfB hätte sich in Ruhe nach einem Nachfolger umschauen können. Jetzt aber drängt die Zeit. Daher erhoffe ich mir, dass der VfB auch ein wenig mit den Muskeln spielt und sich nicht alles gefallen lässt. Es scheint klar, dass der Abgang von Heldt unumgänglich ist, dennoch sollte der VfB hier als Hüter der guten Sitten auftreten und sich den Vertragsbruch fürstlich entlohnen lassen.

Bei der Frage nach dem Nachfolger habe ich einen Favoriten: Fredi Bobic. Er war zu seiner Zeit als Spieler sehr beliebt, kommt aus dem Hallschlag und identifiziert sich 100%ig mit dem VfB. Klar, auch er folgte dem Lockruf des Geldes und verließ den VfB in einer sportlich schwierigen Zeit in Richtung Dortmund. Da er weder dort noch bei seinen weiteren Stationen wie Bolton Wanderers, Hannover 96 und Hertha BSC richtig glücklich wurde, wird er den Schritt sicher bereuen. Der VfB liegt ihm nach wie vor am Herzen und er ist wieder sehr nah dran am Wasen. Er hat sich seine ersten Leviten durch diverse Praktika und zuletzt seiner Managertätigkeit in Burgas erworben. Ob er seinen Freund Krassimir Balakov dort jedoch im Stich lassen kann bzw. will kann ich nicht beurteilen. Der Verein hat angeblich signalisiert, ihm keine Steine in den Weg legen zu wollen.

Von den anderen möglichen Kandidaten wie Oliver Kreuzer, Guido Buchwald, Karl-Heinz Riedle und Andreas Müller hielte ich Letzteren für den Wahrscheinlichsten. Er hat den Manager-Job bei Schalke von der Pike auf gelernt und ging bei einem der Besten dieses Fachs, Rudi Assauer, in Lehre. Die langjährige Tätigkeit auf Schalke könnte aber auch das K.O.-Kriterium sein, ist doch derzeit bei uns auf Schalke keiner gut zu sprechen. Auf Schalke war ihm das Glück auch nicht hold. Er lag bei etlichen Transfers und der Verpflichtung von Fred Rutten als Trainer total daneben. Aufgrund seiner Vergangenheit hätte er beim VfB sicher von Anfang an einen schweren Stand und würde von Einigen nicht akzeptiert werden.

Weitere Kandidaten, wenn man in diversen Foren mitliest:

Jens Lehmann: hat natürlich Ausstrahlung und Ahnung und Erfahrung im Fußball. Er selbst hat aber schon verlauten lassen, dass er in den nächsten Monaten erst einmal ausspannen und Dinge machen möchte, zu denen er während seiner Profi-Laufbahn nicht kam. Daher kann ich es mir nicht vorstellen, dass er schon bereit wäre.

Oliver Kahn: sicher mit enormer Reputation und guten Kontakten. Aufgrund seiner KSC- und Bayern-Vergangenheit im Schwabenland aber schwer vermittelbar. Zudem ebenfalls ohne Manager-Erfahrung.

Andreas Rettig: sicher ein Guter, auch wenn er in Freiburg, Köln und Augsburg die ganz großen Erfolge auch nicht vorweisen kann. Aber zumindest einer mit Manager-Erfahrung und gerade dabei mit Augsburg etwas Großes aufzubauen.

Dietmar Beiersdorfer: Leistete beim HSV gute Arbeit, biss sich aber am publicitygeilen Vorstandsvorsitzenden Hoffmann die Zähne aus. Derzeit bei Red Bull in Salzburg beschäftigt. Wäre keine schlechte, aber sicher sehr teure Lösung.

Daher würde es mich freuen, wenn Fredi Bobic zurück käme. Angeblich gab es schon ein erstes Treffen mit VfB-Verantwortlichen, bei dem er sein Konzept darlegte. Wenn das stimmt, wäre er nicht abgeneigt und es würde die Möglichkeit der Rückkehr bestehen. Ich denke, Fredi müsste sich nicht allzu lange einarbeiten und kennt das Umfeld auf dem Wasen. Er weiß, welche Problemfelder es gibt und wo er ansetzen müsste. Fredi ist ein Roter durch und durch und würde sich sicherlich mit der Aufgabe weitaus mehr identifizieren als es Horst Heldt getan hat. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass dies der absolute Traumjob für ihn wäre. Dass Fredi nah dran ist am VfB und sich auskennt, beweist er regelmäßig in diversen Sportsendungen, bei denen er stets ein gefragter Talkgast ist. Er ist ein Typ mit Ecken und Kanten, der auch mal unbequem sein kann, sowohl nach innen als auch nach außen. Dessen muss sich unsere Vereinsführung natürlich bewusst sein. Wenn Heldt beklagt, er hätte keinen Gestaltungsfreiraum gehabt, ist sicher auch die Vereinsführung zu hinterfragen. Es muss ein Neuanfang her, in jeder Hinsicht. Was Heldt mit “mangelndem Gestaltungsfreiraum” meinte, kann man als Außenstehender natürlich nicht beurteilen. Da sich aber zuvor schon Rüssmann und Magath ähnlich beklagt hatten, sollten auch die Strukturen, die Dienstwege und Kompetenzen in der Vereinsführung auf den Prüfstand gestellt werden. Wobei man gerade bei den Herren Magath und Heldt nicht weiß, ob solche Aussagen nur den (unrühmlichen) Abgang beschleunigen sollten.

Der VfB wäre gut beraten, diesen Neuanfang als Chance zu begreifen und die Kompetenzen des neuen Managers zu überdenken und neu zu regeln, dass dieser den Handlungsspielraum bekommt, den er benötigt.

Dem neuen Manager, wer immer es auch sein mag, wünsche ich auf jeden Fall vorab viel Glück und ein gutes Händchen. Ich erhoffe mir, dass die Chemie zwischen ihm und Christian Gross stimmen mag und sie vertrauensvoll zusammen arbeiten werden. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit war angeblich zwischen Heldt und Gross nicht gegeben.

Horst Heldt wünsche ich auf Schalke Spieler, die das gleiche Verhalten an den Tag legen, wie er selbst, dass Heldt im Kohlenpott ähnlich viel Geld verbrennt wie beim VfB und somit Schalke noch weiter dem (finanziellen) Abgrund entgegen taumelt. Dann bin ich auf die Wertschätzung gespannt, die er vom Schalker Anhang erfährt. J Aber er ist ja Manager ohne Vereinsbindung und wird sicher weiter ziehen… Er weiß ja, wie es geht.

So, das musste jetzt mal raus. Ich melde mich wieder, dann wohl zur WM. Bis dahin, allen ein schönes Wochenende und viele Grüße

Franky

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