18. August 2017

Mit einem blauen Auge davon gekommen

Auch eine gute Woche nach dem Rausschmiss von Jan Schindelmeiser wirkt das Beben nach. Wurde nach dem Votum für die Ausgliederung von allen Seiten propagiert, das demokratisch zustande gekommene Ergebnis akzeptieren zu wollen und sahen es die meisten ein, dass die verhärteten Fronten wieder zueinander finden müssen, spaltet die Demission Schindelmeisers die Fangemeinde erneut aufs Schärfste.

Die einen akzeptieren den Standpunkt des Vereins und kritisieren an Jan Schindelmeisers Transferpolitik vor allem, dass er es bis Anfang August immer noch nicht geschafft hatte, die Problemzone Innenverteidigung erfolgsversprechend zu verstärken und auch nicht der Eindruck erweckt wurde, die dringend benötigten Verstärkungen seien im Anflug. So, die Befürchtungen, werde es schnurstracks zurück in die 2. Liga gehen.

Die andere Seite, zu der ich mich auch zähle, übte sich hingegen in Geduld und vertraute Schindelmeiser, dass er bis zum Transferschluss schon noch eine schlagfertige Mannschaft auf die Beine stellen würde. Ich sehne mich nach Kontinuität in meinem Herzensverein und hatte die große Hoffnung, dass diese mit dem Gespann Schindelmeiser/ Wolf auf längere Zeit gegeben sein könnte. Daher liegt mir der Rausschmiss noch immer schwer im Magen.

Von außen betrachtet hat Schindelmeiser für mich keine schlechte Arbeit abgeliefert. Er hat den Umbau im Verein vorangetrieben, im Unterbau nachjustiert, er hat aus den finanziellen Möglichkeiten nach dem Abstieg das Optimum, nämlich den Aufstieg, herausgeholt und eine spannende Transferpolitik an den Tag gelegt. Mit Spielern, ob bei den Amateuren oder bei den Profis, welchen man keine kurzfristige Perspektive bieten konnte, wurde Klartext gesprochen und sich voneinander getrennt, anstatt sie jahrelang durchzuschleppen, wie es in den vergangenen Jahren beim VfB Usus war.

Natürlich lässt sich über die bisherigen Neuzugänge dieses Sommers streiten. Viele junge, bundesligaunerfahrene Akteure unterschiedlichster Nationalitäten, ein Sprachengewirr auf dem Trainingsplatz, überhaupt nicht blond und blauäugig. Doch, kann man dies Schindelmeiser zum Vorwurf machen und ist es nicht vielleicht sogar besonders kreativ, Spieler zu holen, hinter denen (noch) nicht die Top-Vereine her sind? In Anbetracht der explorierenden Ablösesummen in diesem Transfersommer und der noch immer begrenzten finanziellen Möglichkeiten der VfB Stuttgart AG, fand ich den eingeschlagenen Weg vernünftig. Letzten Endes ist es mir in dieser Phase der Konsolidierung, nach fast zehn Jahren Misswirtschaft, egal, welche Spieler uns wieder nach oben bringen. Haben wir den Anschluss mal wieder geschafft, dürfen es gerne auch deutsche Nationalspieler in unseren Reihen sein, gerne aus dem Nachwuchsleistungszentrum, doch bis dorthin ist es noch ein weiter Weg, der vor allem Geduld erfordert.
Geduld, die man in der AG offensichtlich nicht hat(te). Ob Schindelmeiser ein gutes Händchen mit seinen Einkäufen hatte und wie seine diesjährige Transferbilanz ausfällt, hätte man frühestens am 01. September, wenn das Transferfenster geschlossen ist, beurteilen können. In den beiden Trainingslagern in Grassau und in Neustift im Stubaital war ich von den Neuen sehr angetan. Was die Jungs an Schnelligkeit und auch an taktischer Intelligenz einbringen, ist schon klasse. Wie schnell sie sich an das Haifischbecken Bundesliga gewöhnen und ob sie die Liga aufmischen können, wie sie mit Rückschlägen umgehen, muss sich erst noch zeigen. Dass es ein Risiko ist, mit einer solch jungen Mannschaft ins Rennen zu gehen, steht außer Frage. Es ist auf der anderen Seite aber auch eine Chance, an der die Jungs wachsen und ihren Marktwert steigern können und könnte ein Faustpfand gegen Spielende werden, wenn die Jungs noch immer alles in Grund und Boden rennen.

Daher sehe ich die bisherige Transferbilanz lang nicht so kritisch wie die AG. Den Sportdirektor, der eine Hundertprozentquote bei seinen Transfers vorweisen kann, muss man mir erst noch zeigen. Dass bei der Verpflichtung von vielen jungen Spielern der eine oder andere durch den Rost fällt, ist, wie ich finde, völlig normal. Bislang fallen mir hier nur Onguéné und Julian Green ein, die Sommerneuzugänge sind noch nicht zu bewerten.

Schindelmeiser wurde ferner vorgeworfen, zu viele Spieler auszuleihen und dass man mit dieser Philosophie Jahr für Jahr ein neues Team aufbauen müsse. Auch hierfür hatte ich Verständnis, weil man Spieler von der Qualität eines Mané oder Brekalo sonst überhaupt nicht bekommen hätte. Solang der Trainer Freude hat, mit den Jungs zu arbeiten, sie fit für eine große Karriere zu machen und sich damit arrangiert, dass die Arbeit im nächsten Jahr von vorn beginnt, sehe ich nichts Verwerfliches daran, in einer Zeit, in der man finanziell Lichtjahre von den Großen entfernt ist.

Da die Transferbemühungen Anfang August noch bei keinem Verein gänzlich abgeschlossen sind, sah ich die bisherigen Zugänge auch nicht als das Ende der Fahnenstange, sondern war mir sicher, dass man am dringend benötigten gestandenen Innenverteidiger und einem erfahrenen Sechser dran sein würde. Daher kam für mich die Schindelmeiser-Entlassung aus dem Nichts und zur Unzeit.

Nach meinem aus der Emotion geschriebenen letzten Blog, hatte ich danach Gelegenheit, mir auch die „andere Seite“, nämlich die Sicht aus der Perspektive der AG anzuhören.

Dort ist der Tenor einhellig, dass die Entlassung Schindelmeisers alternativlos gewesen sei und dem Vernehmen nach sogar ohne Abfindungszahlung vonstattenging, weil es durchaus auch um Vertragsverstöße gegangen sein soll.

Demnach hätte sich der Streit am Transfer von Maxim entladen, für den Schindelmeiser die Vorgabe gehabt haben soll, ihn allenfalls gegen eine stattliche Ablöse ins Ausland und auf keinen Fall für vergleichsweise kleines Geld an einen Ligakonkurrenten abgeben zu dürfen.

Des Weiteren war man mit den Einkäufen nicht einverstanden, weil, das muss man wohl unter dem Vorwurf der vogelwilden Transferpolitik verstehen, lediglich Spieler geholt wurden, die gerade zufällig auf dem Markt waren und nicht für Positionen, wo der Schuh am meisten drückt. So habe man zwar ein Überangebot an Flügelflitzern, die Defensive aber wurde noch immer nicht verstärkt.

Zudem habe man Schindelmeiser vorgeworfen, sich nicht um Abgänge gekümmert zu haben, wodurch Sorgen aufkamen, den Kader zu sehr aufzublähen. Schindelmeiser sei ein schwieriger Mensch, kein Teamplayer, und habe bei den letzten Transfers die Kontrollinstanzen der AG elegant umschifft.

Er sei nur auf seinen Jugendwahn fixiert gewesen, so dass er andere Optionen überhaupt nicht geprüft und einigen Spielerberatern, ohne sie anzuhören, den Weg zur Tür gewiesen haben soll. Gerüchten zufolge sollen ihm u. a. Träsch, Didavi und Bičakčić angeboten worden sein, die Schindelmeiser von vornherein nicht haben wollte, weil sie, vor allem die Erstgenannten, den VfB schon einmal im Stich gelassen hatten.

Die Kommunikation mit den Vorstandskollegen habe nicht gestimmt, weil er den sportlichen Bereich ausschließlich für sich proklamiert und es daher auch nicht für nötig gehalten habe, überhaupt zu berichten, was er vor hatte und an wem er gerade dran wäre. Gegen den Vorwurf, Alleingänge betrieben zu haben wehrt sich Schindelmeiser vehement, kein Transfer sei ohne Zustimmung der Gremien zustande gekommen.

Da steht also Aussage gegen Aussage, die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren, so dass weiteren Spekulationen Tür und Tor geöffnet sind. Offensichtlich war kein Vertrauen mehr vorhanden, die Chemie stimmte nicht mehr und wegen Schindelmeisers getätigter Transfers herrschte große Unzufriedenheit (was Dietrich in Öffentlichkeit jedoch dementierte).

Für mich bleiben dennoch einige Fragen offen. Ist Machtmensch Schindelmeiser am Machtmensch Dietrich gescheitert, weil dieser am längeren Hebel sitzt? Begegnete die AG-Seite gar jenen Geistern, die man mit der Ausgliederung der Profiabteilung in eine AG rief?

Im Organigramm sind auf der Vorstandsebene, auf der der Sportdirektor angesiedelt ist, nur der Marketing- und der Finanzvorstand zu finden. Genauso wenig wie der Sportdirektor dem Finanzvorstand in die Finanzierung von Bauprojekten reinredet, sollte sich der Finanzvorstand anmaßen, ob eine geplante Verpflichtung sinnvoll ist oder nicht. Trainer Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser sollen gut zusammengearbeitet haben, sollten die beiden in Sachen Kaderzusammenstellung auf einer Linie gelegen haben, wäre doch im Grunde alles gut gewesen! Lag das Zerwürfnis am Ende „nur“ daran, dass Schindelmeiser Heim und Röttgermann links liegen ließ und sie überhaupt nicht an seinen Plänen teilhaben ließ, fehlt mir das Verständnis, dass erwachsene Männer solche Probleme nicht wie Männer aus der Welt schaffen konnten oder wollten.

Dann ging es tatsächlich um die verletzte Eitelkeit Einzelner und das Ganze zu Lasten des VfB Stuttgart.

Eine weitere Frage, die sich mir stellt, ist die, wer Gunter Barner (Stuttgarter Nachrichten) mit jenen Informationen fütterte, um Jan Schindelmeiser bereits Mitte Juli anzuzählen. Wurde das von AG-Seite mit dem Ziel lanciert, den Rauswurf im Nachhinein als plausibel und sich abzeichnend verkaufen zu können? Weshalb stehen seit geraumer Zeit anstehende Wechsel, wie beispielsweise der von Aogo, tagelang vorher in der Presse? Das war man, seit Schindelmeiser das Zepter schwang, nicht mehr gewohnt. Für mich bleibt das Gschmäckle eines abgekarteten Spiels.

Für die Werbung zur Ausgliederung hat man Schindelmeiser noch gebraucht, ohne Hannes Wolf und ihn wäre diese sicher nicht so reibungslos durchgegangen. Daher hat man ihn wohl nicht schon vorher entsorgt, obwohl es im Gebälk dem Vernehmen nach schon ordentlich knisterte.

Hat tatsächlich der Maxim-Transfer zur Eskalation geführt, wäre eine zeitnahe Entlassung danach oder sogar, um den Transfer zu verhindern davor, logisch gewesen. Doch seinerzeit, am 27.06., lief ja noch die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung!

Nun begründet der VfB die Entlassung damit, dass die dringendsten Baustellen im Kader auch Anfang August noch nicht abgearbeitet gewesen seien. Jürgen Klopp hat im ZDF-Interview im Vorfeld des Championsleague-Qualifikations-Spiels gegen Hoffenheim einen interessanten Ausspruch getätigt, denn, auch Liverpool sucht bislang (erfolglos) nach weiteren Verstärkungen. Er sagte, in Anbetracht der Wahnsinns-Summen die in diesem Sommer vom einen zum nächsten Verein transferiert werden: „Es gibt mehr Vereine, die Spieler suchen, als welche, die Geld brauchen“. Soviel zum Thema. Gerade gute und erfahrene Innenverteidiger sind sehr gefragt und schwierig zu bekommen, zumindest noch zum jetzigen Zeitpunkt.

Für welche Philosophie Michael Reschke steht, ist mir auch nach seiner Vorstellungs-Pressekonferenz Anfang dieser Woche noch nicht klar. Er lobte die Bayern über den grünen Klee, über den VfB sprach er weniger, außer, dass er tief beeindruckt sei, was für tolle Menschen beim VfB unterwegs seien. Die Schleimspur zog sich bis hinauf nach Vaihingen…

Sollten Badstuber und Aogo die Kategorie Transfers sein, mit denen sich Reschke zu schmücken vermag, dann gute Nacht. In Fankreisen macht schon der Begriff von der „Reschkerampe“ die Runde. Um auf diese Namen zu kommen, bedarf es nicht der Phantasie eines ausgewiesenen Fachmanns, auf diese Spieler wäre die Putzfrau wohl auch noch gekommen.

Ob sie uns weiterhelfen können, steht auf einem anderen Blatt. Bleibt Badstuber fit, ist er mit Sicherheit eine Verstärkung für die löchrige Abwehr. Aogo ist als Platzhalter für Insúa gedacht und muss beweisen, ob er es noch einmal wissen will. Auf seiner Pressekonferenz in dieser Woche machte er auf mich einen aufgeräumten, intelligenten und auch motivierten Eindruck.

Dass nicht nur junge Spieler ein Risiko darstellen, sondern auch Ex-Nationalspieler hat der VfB mit Kevin Großkreutz jüngst ja selbst erfahren. Er blieb am Ende sportlich alles schuldig, was man sich vom Weltmeister erhofft hatte und war mit seinen 28 Jahren und seiner Verletzungshistorie längst ein Auslaufmodell.

Parallelen zu Badstuber und Aogo wären rein zufällig. Erik Durm soll der Nächste in der Reihe werden, auch er ist nur zu haben, weil er zuletzt viel verletzt war und er es in Dortmund schwer haben dürfte, den Anschluss wieder zu schaffen. Dass uns bei so viel (Verletzungs-)Risiko nicht am Ende doch noch die Jungen die Kohlen aus dem Feuer holen müssen…

Das Sportliche rückte durch den Wechsel auf dem Sportdirektoren-Posten erst einmal weit in den Hintergrund. Dabei stand letztes Wochenende bereits die erste Runde im DFB-Vereinspokal an.
Uns Allesfahrern wird gleich zu Beginn der neuen Runde viel abverlangt. Binnen sechs Tagen erst Cottbus, dann Berlin. Das Spiel mit der weitesten Entfernung der Pokalrunde wurde auf Sonntag, 18.30 Uhr gelegt, fanfreundlich geht anders.

Daher blieb, wollte man nicht kurz vor der polnischen Grenze auch noch übernachten, nur die Möglichkeit mit dem PKW oder dem Bus anzureisen. Ich entschied mich für die Busfahrt mit dem RWS Berkheim, verließ das Haus um 8 Uhr morgens und war montagmorgens gegen 6 Uhr zurück. Eigentlich bin ich ja zu alt für diesen Scheiß, aber, was tut man nicht alles für seinen Herzensverein und um jedes Mal dabei sein zu können.

Die beiden jüngsten Neuzugänge standen in Cottbus nicht zur Verfügung, Badstuber gesperrt, Aogo angeschlagen. Da Ailton mit Trainingsrückstand ebenfalls nicht mit in die Lausitz gereist war und sich zu allem Überfluss Timo Baumgartl nach dem Aufwärmen aufgrund von Schwindelgefühlen abmeldete, musste Hannes Wolf kurzfristig improvisieren.

Kapitän Gentner, eigentlich für die Bank vorgesehen, rückte in die Anfangsformation und Pavard, zunächst als Linksverteidiger gedacht, in die Innenverteidigung. Für ihn spielte Dženis Burnić auf der ungewohnten Position hinten links und zahlte bei seinem ersten Pflichtspiel für den VfB reichlich Lehrgeld.

Das Spiel begann für den VfB denkbar ungünstig. Bereits in der 6. Spielminute legte eben jener Burnić unfreiwillig für den Cottbusser Viteritti vor, der zur vielumjubelten Führung der Hausherren einschoss. Gut zwanzig Minuten später foulte der als alleiniger Sechser überforderte Ofori den Ex-VfBler Mamba, woraus der sehenswerte Freistoß zum 2:0 resultierte.

Beim ersten Gegentor wirkte die Abwehr wie ein Hühnerhaufen, bei zweiten ließ man sich per Sonntagsschuss düpieren, für einige Grund genug „Zieler raus“ zu schreien. Leute, habt ihr sie noch alle? Die Entscheidung des Trainers pro Zieler gilt es zu akzeptieren, das ständige Zieler-Gebashe und der Hype um Langerak helfen keinem weiter, am wenigsten dem VfB. Ein Torwart braucht das Vertrauen des Trainers und auch des Umfelds. Wird er vehement niedergemacht, ob im Stadion oder auch auf seiner Facebook-Seite, ist das kontraproduktiv und wird ihm nicht helfen, zu alter Stärke zurückzufinden.
Ich verstehe es ohnehin nicht, welchen Narren viele VfB-Fans an Langerak gefressen haben. Er war jahrelang die Nummer zwei in Dortmund und kam an Weidenfeller, der auch nicht gerade der Über-Torwart war, nie vorbei.

Dann wechselte er zum VfB, verletzte sich direkt und stand in der Abstiegssaison fast überhaupt nicht zur Verfügung. Ihm jetzt zugute zu halten, dass er dem VfB in der 2. Liga die Treue gehalten hat, ist für mich zu hochgegriffen. Welche Alternativen hatte er denn? Der VfB verkaufte jeden, für den er einigermaßen Geld bekam, für Langerak gab‘s demnach wohl keine Interessenten, wobei der VfB das Heft des Handelns sowieso selbst in der Hand hatte, weil dem Vernehmen nach alle Verträge für die 2. Liga Gültigkeit besaßen.

In der 2. Liga hatte Langerak, wie alle anderen auch, seinen Anteil am Aufstieg, mehr aber auch nicht. Alles andere als der Aufstieg wäre peinlich gewesen, so dass für mich keiner der Aufstiegsmannschaft in den Heldenstatus erhoben wird, schon gar nicht Langerak, der zwar auf der Linie stark ist, in der Spieleröffnung und Strafraumbeherrschung aber ähnliche Defizite wie Ulreich hat. Unvergessen seine Orientierungslosigkeit gegen Hannover 96, die uns die sicher geglaubte Herbstmeisterschaft gekostet hat.

Ins Spiel biss sich der VfB zurück und kam durch den auffälligen Brekalo und ein Eigentor der Cottbusser zum schmeichelhaften Ausgleich. Auch in der Folgezeit war der VfB weder tonangebend noch dem Viertligisten spielerisch überlegen. Selbst die Kondition schien bei den Brandenburgern besser zu sein als jene vom VfB, so dass sich eher der VfB ins Elfmeterschießen rettete als das die Cottbusser taten. In dieser Lotterie schließlich hatte der VfB das bessere Ende für sich und zog überaus glücklich in die nächste Pokalrunde ein.

Abgesehen von der Leistung vom VfB genoss ich diesen langen Trip, wenn man einmal von der zähen und langwierigen Heimfahrt absieht. Endlich wieder Stadion, ein volles Haus, freundliche Gastgeber und unzählige Freunde und Bekannte getroffen. Da wir direkt vor dem Gästeeingang aus dem Bus aus- und wieder einstiegen kann ich nicht beurteilen, ob es zu irgendwelchen unschöneren Szenen rund ums Stadion oder in der Stadt gekommen ist, gehört habe ich davon nichts. Nach dem Pokalsieg 1997 gegen eben jenen FC Energie entstanden ja einige Fanfreundschaften, so dass auch kein größerer Trouble zu erwarten war. Die Ordner am und im Block waren freundlich, Vollbier gab es auch, kein Grund zu klagen also.

Erstrundenspiele im Pokal, vor allem wenn es gegen Drittligisten oder einen gefühlten Drittligisten wie Energie Cottbus geht, sind immer schwer. Die Gegner stehen bereits voll im Saft während man selbst noch nicht weiß, wo man steht und ins Ungewisse startet. Hat man dann noch kurz vor dem Spiel solche Ausfälle zu beklagen und gerät aufgrund dieser Umstellungen früh in Rückstand, wird es ungleich schwerer. Dann ist das Publikum, das nach dem bezahlten Fußball lechzt, voll da und pusht sein Team nach vorne, so dass sich deren Jungs die Lunge aus dem Leib laufen.

Angesichts dieser Umstände bewerte ich das Auftreten von Cottbus nicht über. Auch Hertha BSC, der Gegner vom Samstag, hat am Montag in Rostock keine Bäume ausgerissen. In Berlin werden hoffentlich Badstuber, Baumgartl und Aogo zur Verfügung stehen, so dass das VfB-Spiel an Stabilität gewinnen sollte. Nach vorne haben wir ohnehin unsere Waffen, vor allem Brekalo macht schon den ganzen Sommer über einen hervorragenden Eindruck, auch A. Donis konnte in Cottbus nach seiner Einwechslung Akzente setzen.

Wichtig ist, dass im Verein Ruhe und Normalität einkehrt und alle an einem Strang ziehen. Es ist in meinen Augen weder förderlich, wenn von Vereinsseite Schindelmeisers Einkäufe diskreditiert werden und den Jungs somit ein Stück ihres Selbstwertgefühls genommen wird, noch ist es hilfreich, wenn Fans einen Reschke ablehnen, bevor er richtig angekommen ist, Zieler ablehnen, weil Langerak so süß ist, Aogo ablehnen, weil er in den letzten Jahren nichts gerissen hat und Badstuber ablehnen, weil er sowieso nur verletzt ist.

Ich gehe da pragmatisch ran, da ich an den Personalentscheidungen des Vereins sowieso nichts ändern kann und jedem Neuen eine faire Chance gebe, mich zu überzeugen, auch wenn ich im Vorfeld skeptisch sein sollte.

Noch immer ist mein großer Wunsch, dass beim VfB endlich Ruhe und Kontinuität einkehren und Hannes Wolf noch lange unser Trainer sein wird. Voraussetzung dafür wäre, dass er zu Michael Reschke ein ähnlich vertrauensvolles Verhältnis aufbaut, wie er es zu Jan Schindelmeiser hatte und die Verantwortlichen in der AG wegen möglicher schlechter Resultate nicht zu schnell die Nerven verlieren.

Der Start hat es schließlich in sich. Ausschließlich undankbare Aufgaben in den ersten fünf Spielen, in denen sowohl in die eine als auch in die andere Richtung alles passieren kann. So trifft den VfB eine mittlerweile schon unfassbare Verletzungsmisere zur denkbar ungünstigsten Zeit.

Ich bin sehr gespannt, wer in Berlin morgen alles auflaufen kann und wie sich das Team schlagen wird. Danach kommt Mainz mit einem sicherlich bis in die Haarspitzen motivierten Maxim, ehe es in die Turnhalle nach Gelsenkirchen geht. Diese Spiele sollten als erste Standortbestimmung dienen und aufzeigen, wie konkurrenzfähig der VfB nach dem Wiederaufstieg tatsächlich ist. Alles andere war Vorgeplänkel, lasset die Spiele beginnen!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.2/10 (16 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +4 (from 6 votes)
5. August 2017

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan

Die gestrige Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Jan Schindelmeiser ist nicht mehr Sportdirektor beim VfB Stuttgart.

Auch ich war und bin es noch immer, fassungslos! Heute stehe ich, wie so oft in den letzten Jahren, am Scheideweg als Fan und frage mich, weshalb um alles in der Welt ich diesem Klepperlesverein Woche für Woche folge und nicht einmal dann von ihm lassen kann, wenn er mich zum x-ten bitterlich enttäuscht hat. Dann reift schnell die Erkenntnis, dass das einfach nicht geht. Der VfB ist nicht nur eine Handelskette, die man wechseln könnte, wenn sie einen verärgert, der Herzensverein ist mehr, eine Entscheidung fürs Leben, unabhängig von den handelnden Personen. Auf diese hat man, jetzt in der AG noch weniger als zuvor, keinen Einfluss und muss für sich das Beste draus machen. Was ich als Kunde (das sind wir doch schließlich) nicht machen muss, ist es, alles gutzuheißen und Leuten zu vertrauen, die für mich nichts anderes als ihren eigenen Vorteil und den Erhalt ihres Postens im Sinn haben.

Mit Schindelmeiser hatten wir zum ersten Mal seit Rolf Rüßmanns Zeit wieder einen Mann auf der Kommandobrücke, der den Job von der Pike auf gelernt hat. Nach Interimslösungen Magath und Briem/ Schneider folgten Azubis wie Heldt, Bobic und Dutt, die Manager spielen durften. Das sich auf die Fahnen geschriebene „Ausbildungsverein“ galt fortan nicht nur für die Spieler sondern auch die Sportdirektoren. Wohin uns dieser Stuttgarter Weg gebracht hat, ist bekannt.

Nach zähem Ringen (oder auch zaudern) präsentierte der Aufsichtsrat im Juli des vergangenen Jahres Jan Schindelmeiser als neuen Sportdirektor, weil man nach „reiflichen Überlegungen“ von ihm überzeugt gewesen sei, was schon damals aufgesetzt wirkte. Schließlich war Schindelmeiser direkt nach dem Abstieg schon frei gewesen und Dutts Aus kam ja auch nicht von heute auf morgen. So bekam dessen Verpflichtung das Gschmäckle, nicht erste sondern allenfalls vierte oder fünfte Wahl gewesen zu sein.

Derselbe Aufsichtsrat (angeblich ging der Daumen pro Entlassung ja von allen „einstimmig“ nach oben) mokiert sich nun ein Jahr später über die Arbeitsweise von Jan Schindelmeiser und darüber, dass seine Transferpolitik wirr und vogelwild sei und stark an seine letzte Zeit in Hoffenheim erinnere.

Abgesehen davon, dass man in Erfahrung hätte bringen können, worauf man sich mit Schindelmeiser einlässt, ist es doch so, dass der Sportdirektor am Ende allein den Kopf hinhalten muss.

Warum sollte Schindelmeiser seine Vorstandskollegen, die ihre Stärken im Finanz- und Marketingbereich haben, über jeden Gang bis ins kleinste Detail informieren? Wieso beansprucht dies überhaupt das Kontrollorgan Aufsichtsrat für sich? Hat dies und damit in erster Linie der e.V.-Präsident, der in der AG „nur“ noch im Aufsichtsrat sitzt, etwa noch nicht verinnerlicht? Ist es nicht in der Natur der Sache, dass der Sportvorstand das Handeln im sportlichen Bereich bestimmt? Dass es der Presse nicht in die Karten spielt, dass neuerdings im Verborgenen gearbeitet wird, liegt auf der Hand. Muss dann aber auch der Aufsichtsrat beleidigte Leberwurst spielen, wenn man ihn über angedachte Verpflichtungen nicht ständig auf dem Laufenden hält? Was soll Schindelmeiser den Wirtschaftsbossen, Fanvertreter und den Ex-Spielern Buchwald und Ohlicher, die Sportmanagement nur vom Hören Sagen kennen, ständig erzählen? Sind es nicht die Ergebnisse, die letztendlich zählen? Oder geht es mal wieder um Eitelkeiten, weil sich Herren, die „in freier Wildbahn“ als Alphatiere unterwegs sind, zurückgesetzt fühlen?

DAS Erfolgskonzept der letzten Monate war für mich eindeutig die gute Zusammenarbeit zwischen Sportdirektor und Trainer. Da diese zu Beginn seiner Mission mit Jos Luhukay nicht gut funktionierte, korrigierte Schindelmeiser dies und zog mit Hannes Wolf einen wahren Glücksgriff an Land. Noch immer hat(te) man den Eindruck, die beiden harmonierten prächtig und funken vor allem auf einer Wellenlänge, was die Kaderzusammenstellung angeht. Stück für Stück besorg(te) Schindelmeiser jene Puzzleteile, die Hannes Wolf fehlen, um die Mannschaft seiner Idealvorstellung näher zu bringen.

Für mich war die bisherige Transferpolitik schlüssig und nachvollziehbar. Als Verein, der selbst nach der Ausgliederung nicht auf Rosen gebettet ist, muss man sich im überhitzten Transfermarkt zunächst einmal hinten anstellen.

Noch immer, der Neymar-Wahnsinn verdeutlicht es, bedienen sich die Finanzstärksten bei anderen absoluten Top-Teams. Erst wenn deren Kader, von „oben nach unten“ stehen, kommt ein Aufsteiger wie der VfB an die Reihe.

Auch wenn viele schimpfen, weil unser Kader Anfang August noch nicht komplett ist, habe ich vollstes Verständnis dafür und kaue nicht nervös an meinen Fingernägeln. Es war noch nie so viel Geld im Kreislauf, noch nie wurden derart horrende Summen verlangt und bezahlt wie in diesem Transfersommer. Deshalb kann in alle Richtungen noch viel passieren.

Aus diesem Grund ließ mich auch die bislang erfolglose Suche nach Verstärkungen im Defensivbereich nicht verzweifeln, im Gegenteil, ich war davon angetan, dass man keinen sinnlosen Schnellschuss getätigt hat, nur um die Leute zu beruhigen.

Für mich hatte alles Hand und Fuß, was Schindelmeiser für den VfB geleistet hat. Wohltuend ruhig und sachlich wurde mehr gearbeitet als geschwätzt, Transfers wurden erst bekannt, wenn sie in trockenen Tüchern waren. Das kannte man vom VfB so seit Jahren nicht.

Weil man sich beim VfB mit Maulwürfen (vor allem im Aufsichtsrat) bestens auskennt, sind die Schindelmeiser zum Vorwurf gemachten Alleingänge sicherlich ein Stück weit notwendig gewesen, um das eine oder andere Geschäft im letzten Moment nicht noch zu gefährden.

Angeblich wurde Schindelmeiser darüber hinaus intern kritisiert, dass er es im Laufe des Jahres nicht geschafft habe, einen Kaderplaner einzustellen. Mit Verlaub, bei den vielen Hansels, die für viel Geld auf dem Wasen herum springen, ist da ein Kaderplaner derart wichtig, um sich deshalb mit seinem wichtigsten Mann zu überwerfen?

Wolf und Schindelmeiser bau(t)en das Team der Zukunft, Hitzlsperger und Kienle, sollten diesen zuarbeiten und dafür verantwortlich sein, dass es in naher Zukunft wieder Talente aus dem eigenen Nachwuchs in den Profikader schaffen. Da über Jahre im Nachwuchsbereich geschludert und vor allem in der Bobic-Ära viel Porzellan zerschlagen wurde und Koryphäen vergrault wurden, erfordert der Wiederaufbau Zeit.

Es kann Schindelmeiser nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass das Potential des Nachwuchsleistungszentrums brach liegt und man noch nicht die erhofften Früchte erntet.

Schindelmeiser hat an einigen Stellschrauben gedreht, ob diese Änderungen Erfolg bringen oder nicht, lässt sich heute noch überhaupt nicht sagen. Jedenfalls löste er alte Seilschaften aus Bobic- und Dutt-Zeiten auf und installierte von unten bis hin zu den Amateuren neue Trainer. Das jahrelange Missmanagement im Nachwuchsbereich, das im Abstieg unserer Amateure und dem Fast-Abstieg der U19 gipfelte, lässt sich nicht binnen eines Jahres beheben. Dafür benötigt es Geduld, die man in der AG wohl nicht aufzubringen bereit ist. Wenn Schindelmeiser eines nicht konnte, dann, zaubern!

Mit den bislang getätigten Transfers kann ich nach den Eindrücken der beiden Trainingslager vollauf leben, wenngleich ich weiteren echten Verstärkungen natürlich auch nicht abgeneigt wäre.

Unsere Defensivprobleme der letzten Jahre werden mir zu sehr immer nur an der Viererkette festgemacht. Dabei geht es doch um das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft! Mit Zieler, einem Torwart der ähnlich wie zuletzt Jens Lehmann dirigiert und seine Vorderleute stellt und einem durch die Verpflichtungen von Burnić und Mangala stärker gewordenen zentralen Mittelfeld, sehe ich uns auch ohne Verstärkung in der Innenverteidigung besser aufgestellt als in der Vorsaison.

Sollten diese beiden, zusammen mit Ebenezer Ofori, ihr Potential ausschöpfen und sich dem Bundesligafußball anpassen, könnte es für einen wie Christian Gentner schnell sehr eng werden. Im Trainingslager im Stubaital war ich von den dreien sehr angetan, vor allem was ihre technische Beschlagenheit, ihr Raum- und Spielverständnis und ihre Schnelligkeit angeht. Auf viele junge Spieler zu setzen, birgt natürlich Chancen und Risiken zugleich, da der Kader aber auch in der Breite derzeit nicht schlecht aufgestellt ist, wäre mir davor nicht bange.

Bis gestern sah ich in der Innenverteidigung Timo Baumgartl und Benjamin Pavard als favorisiert an und liebäugelte nach seiner starken Vorbereitung mit „Zimbo“ Zimmermann als rechtem Verteidiger.

Nun wurde, dem Vernehmen nach eskalierte wegen dieser Personalie der Streit zwischen Dietrich und Schindelmeiser, Holger Badstuber verpflichtet. Im letzten halben Jahr auf Schalke hat Badstuber keine Bäume ausgerissen, so dass ich, ähnlich wie es Jan Schindelmeiser auch gewesen sein soll, sehr skeptisch bin, ob uns dessen Verpflichtung weiter bringt.

Entweder man vertraut der bisherigen Innenverteidigung bedingungslos und baut sie auf, oder man holt jemanden, der sofort unumstrittener Stammspieler werden soll. Dann aber präsentiere ich keine halbgare Lösung mit einem Spieler, bei dem man nach jedem Zweikampf Angst haben muss, dass er liegen bleibt und länger ausfällt.

Auf dem Fan-Abend letzte Woche Freitag in Neustift im Stubaital hatte ich Gelegenheit, mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und e.V.-Präsidenten Wolfgang Dietrich zu sprechen.

Eine Sache brannte mir unter den Nägeln, nämlich, jener Artikel von Gunter Barner in den Stuttgarter Nachrichten vom 18.07.2017, in dem er, damals zur allgemeinen Verwunderung, von atmosphärischen Störungen zwischen Schindelmeiser und den AG-Kollegen berichtete.

Ich fragte ihn also direkt, ob etwas dran sei und ob man sich um Jan Schindelmeiser sorgen müsse. Dies verneinte er! (!)

Ich war schon auf einigen Fan-Abenden und hänge meist Dinge, die ich dort erfahre, nicht an die große Glocke. Über Kevin Großkreutz in Lagos, kein Wort, Ehrenwort! ;-) .

Aber hier, sorry für die deutlichen Worte, fühle ich mich jetzt doch verarscht. Ich bin bei weitem nicht so blauäugig zu glauben, dass man mir bei solchen Anlässen alles auf die Nase binden würde, aber, es gibt diplomatischere Kandidaten, Veh war zum Beispiel so einer, die, wenn es ans Eingemachte geht, eben sagen, „darüber kann ich nichts sagen“ oder einen zwischen den Zeilen an seinen Gedanken teilhaben lassen.

Barner kanzelte er im Gespräch ab, „der habe zwei, drei Spielerberater angerufen, die momentan beim VfB nicht zum Zuge kämen und daraus sei dieser Artikel resultiert. Es wäre normal, dass auch mal kontrovers diskutiert werden würde, am Ende zögen jedoch alle an einem Strang.“

Danach erkundigte ich mich noch nach dem Stand der Verpflichtung eines neuen Innenverteidigers bzw. ob auf jeden Fall noch einer kommen würde. Das relativierte er und meinte, man wolle Jungs wie Pavard (dessen großartiger Dankespost an Jan Schindelmeiser hier https://www.facebook.com/BenjaminPavardOfficial/posts/1336949399734018) und Baumgartl den Weg nicht um jeden Preis versperren und sie in ihrer Entwicklung bremsen. Ich fragte dann, ob Hannes Wolf das genau so sieht, was er bejahte und mich beruhigte!

Dietrich brachte dann von sich aus den Namen Neven Subotic ins Spiel, den viele fordern würden, den er aber nicht wolle, weil er vermutlich zu satt sei und bereits fast alles gewonnen habe. Der VfB brauche hungrige Spieler, die Mentalität mitbringen und sich mit dem Verein zu 100% identifizieren.

Irgendwie plausibel, zumal ich, siehe oben, auch in der jetzigen Besetzung keine übergroßen Bauchschmerzen bekäme. Plausibel zumindest dann, wenn nicht eine Woche später Holger Badstuber als die neue Innenverteidiger-Hoffnung präsentiert worden wäre. Der hat noch mehr gewonnen als Subotic, ist gleich alt, nur um einiges verletzungsanfälliger. Ob Schindelmeiser Badstuber unbedingt wollte und Dietrich nicht, oder umgekehrt, da gehen die Berichte auseinander. Selbst, sollte Schindelmeiser sich durchgesetzt haben und ihn gegen den Willen des Aufsichtsratsvorsitzenden geholt haben, wäre zu hinterfragen, weshalb Schindelmeiser dann nicht vorher entlassen wurde, wenn sich daran der Streit entlud. Eine klare Linie jedenfalls sieht anders aus!

Hätte ich mir also sparen können, das Gespräch, aber, hinterher ist man halt immer schlauer. Über die Gründe des Rausschmisses wird man wohl nie die Wahrheit, vor allem die von beiden Seiten, erfahren, so dass uns Fans und Bloggern nichts anderes übrig bleibt, fleißig mit zu spekulieren, zumal das Vertrauen in die Vereinsführung auf einem neuerlichen Tiefpunkt angekommen ist.

Mein Eindruck über diesen Präsidenten verfestigt sich immer mehr. Er, der Kandidat des Aufsichtsrats musste kommen, um die Ausgliederung durchzudrücken und mit eisernem Besen zu kehren, stets im Interesse der Sponsoren und damit in erster Linie denen von Daimler Benz. Die Schindelmeiser zur Last gelegten Alleingänge können auch in die Richtung interpretiert werden, dass sich so mancher auf den Schlips getreten fühlte, weil er nicht bis ins letzte Detail in die Vorgänge involviert war.

Schindelmeiser soll es auch sauer aufgestoßen sein, dass Dietrich so offensiv verkündet, man wolle schon bald die Nummer drei in Deutschland hinter den Bayern und dem BVB sein und in sehr naher Zukunft bereits die Championsleague-Plätze anpeilen. Natürlich sitzt es in einem Geschäftsmann drin, dass man sich hehre Ziele setzen muss, um überhaupt welche zu erreichen. Doch, da trennt sich nun mal die Spreu vom Weizen. Schindelmeiser kommt aus dem Fußball und weiß, dass man als Aufsteiger erst einmal gut daran tut, kleinere Brötchen zu backen. Der letzte Präsident, der von der Championsleague träumte, „führte“ uns schließlich in die 2. Liga.

Für mich hat Schindelmeiser bis dato alles richtig gemacht. Auch die Philosophie, mit hochkarätigen Leihspielern, die man sonst nicht bekommen würde, eine schlagkräftige Truppe zu formen, ist für mich so lang legitim, so lang der Trainer dazu bereit ist, jedes Jahr ein neues Team zu formen. Da es Hannes Wolf offensichtlich eine große Freude bereitet, mit jungen entwicklungsfähigen Spielern zu arbeiten und sie von Tag zu Tag besser zu machen, sehe ich nichts Verwerfliches daran, hungrige Spieler auszuleihen.

Insgesamt stelle ich Schindelmeiser daher ein herausragendes Arbeitszeugnis aus und stelle fest, dass er im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten das Beste für den VfB herausgeholt hat. Seine ruhige Art, seine Geduld, seine Politik der kleinen Schritte wirkten wohltuend auf mich nach dem Größenwahn der letzten Jahre. Schindelmeiser war der Einzige, dem man blind sein Geld anvertrauen hätte können und bei dem man sich sicher sein konnte, dass er verantwortungsvoll damit umgeht.

In der endlosen Ausgliederungsdebatte waren Hannes Wolf und er das Faustpfand, wie oft hörte man im Vorfeld der Abstimmung Stimmen wie „der schmeißt die Kohle nicht zum Fenster raus“. Ich warnte, wie die anderen Ausgliederungskritiker auch, nicht zu kurz zu denken und die Entscheidung für oder wider Ausgliederung nicht an derzeit handelnden Personen festzumachen, weil diese schneller weg sein könnten, wie man gucken kann. Ich schrieb damals, “dieser Vereinsführung traue ich nicht über den Weg” und fühle mich heute (leider) so etwas von bestätigt.

Wie jetzt deutlich wurde, wurde Schindelmeiser mit Kalkül vor den Ausgliederungskarren gespannt, um ihn kurze Zeit später zu entlassen. Dass die Zerwürfnisse nicht von jetzt auf gleich entstanden sind sondern schon seit dem Winter schwelen, hat der offenbar von Vereinsseite offenbar gut unterrichtete Gunter Barner ja geschrieben.

Viele, die pro Ausgliederung gestimmt haben, fühlen sich nun vor den Kopf gestoßen, siehe nur die bislang knapp 2.500 Kommentare auf der VfB-Facebook-Präsenz unter dem Infopost zur Entlassung von Schindelmeiser.

Auf uns Kritiker wollte ja keiner hören, wenigstens muss ich mir selbst jetzt nicht den Vorwurf machen, mich von der Euphoriewelle und gerade einmal bis zur Abstimmung elf Monaten vernünftigen Wirtschaftens geleitet lassen zu haben.

In der Ausgliederungsdebatte hatte ich Vergleiche zu Trumps Wahlkampf in den USA gezogen, „make VfB great again“. Die VfB-Veranstaltungen wirkten wie Jubel-Wahlkampfpartys, gekrönt von der außerordentlichen Mitgliederversammlung, die statt einer ernsthaften Debatte zu einem wichtigen Thema zu einer Aufstiegs-Nachfeier verkam. Ich bekomme heute noch Schaum vor den Mund, wenn ich an diesen Tag zurückdenke.

Nun geht es gerade so im Trump-Style weiter, indem man Personal, das einem zu groß und zu unbequem wird, von heute auf morgen vor die Tür setzt und Kritiker wie kleine Jungen da stehen lässt.

Den Vorwurf, dass Schindelmeiser zuletzt mehr und mehr eine One-Man-Show betrieben habe, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich bezweifle jedoch, dass das das Gremium, das den Daumen schließlich senkte, uneingeschränkt konnte, so dass unterm Strich eine persönliche Geschichte zwischen Dietrich und Schindelmeiser zu vermuten ist, aus deren Machtkrieg nun mal Dietrich als Sieger hervorgeht.

Dass Schindelmeiser erst im Juli und nicht schon nach der Aufarbeitung der letzten Saison und vor Beginn der heißen Phase des Transfermarkts demontiert wurde, hat eine logische Erklärung! Zunächst einmal musste mit ihm noch die Ausgliederung durchgedrückt werden, danach bestand eine einmonatige Frist, in der gegen die Ausgliederung hätte geklagt werden können. Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Jan Schindelmeiser hatte noch Vertrag bis 2019, so dass den VfB die Entlassung einiges an Abfindung kosten dürfte, Geld, das anderer Stelle fehlt.

Bereits heute wurde Schindelmeisers Nachfolger verkündet. Es handelt sich um keinen geringeren als Michael Reschke, DAS Superhirn schlechthin bei den Bayern und mit einem exzellenten Ruf ausgestattet. Bevor er von den Bayern abgeworben wurde, war Reschke zehn Jahre lang Manager bei Bayer 04 Leverkusen und dort für zahlreiche namhafte Transfers verantwortlich.

Da Reschke seinen Dienst erst Ende August antreten wird, ist vorher auch kein Statement von ihm zu erwarten, wie er seine neue Aufgabe anzugehen gedenkt. Ich bin sehr gespannt, für welche Philosophie er stehen und wie sein Zusammenspiel mit Hannes Wolf aussehen wird. Ich hoffe, es „funkt“ zwischen beiden, nicht dass uns in Kürze noch ein Trainerwechsel ins Haus steht.

Bislang war Reschke eher der Mann, der im Hintergrund die Strippen zog. In Leverkusen war Rudi Völler der Front-Man, bei den Bayern Sammer. Hier wird es spannend werden, wie er sich im Rampenlicht geben wird, das, wie man hört, ja nicht so Seines sein soll.

Zudem muss Reschke beim VfB aus wenig viel machen. Diese Philosophie verinnerlichte Schindelmeiser wie kaum ein zweiter. Reschke war bislang verwöhnt von Bayer- und Bayern-Millionen, so dass es mich nicht beeindrucken kann, wenn er es hinbekam, Leno und Schürrle zu Bayer oder Douglas Costa zu den Bayern zu transferieren.

Gibt es eigentlich im Netz irgendwo einen Ausgliederungszähler? Von den 41,5 Millionen Euro, die man vom Daimler erhielt, dürfte nach Abzug der Renovierungsarbeiten am Clubgelände, den Transfers, der Schindelmeiser-Abfindung und dem Reschke-Gehalt nicht mehr viel übrig sein. Reschke, den Guardiola gerne zu Manchester City mitgenommen hätte, war sicherlich nicht billig zu haben. Möglicherweise wird gar noch eine Ablösesumme an die Münchner Bayern fällig. Man wäre geneigt zu sagen, dieser Schuss muss jetzt sitzen. Doch, wir haben ausgegliedert, die Musik spielt in der AG und dort hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus. So wird es eben jetzt mal mit Reschke versucht, der sich selbst als Teamplayer beschreibt und es ja beherzigen sollte, Papa Wolfgang stets auf dem Laufenden zu halten, wenn nicht, wird dieser nämlich sauer und die AG hat die nächste Abfindungsforderung an der Backe. Manche Dinge ändern sich halt nie!

Noch immer bin ich nur entsetzt darüber, wie man zwei Wochen vor Bundesligabeginn ein solches Fass aufmachen und das Sportliche weit in den Hintergrund rücken kann. Ich hoffe, das Team um Hannes Wolf sieht dies professionell und lässt sich nicht davon beeindrucken. Nicht, dass er eines Tages, zermürbt vom Irrenhaus VfB, auch noch den Bettel hinschmeißt.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 8.8/10 (112 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +41 (from 51 votes)
29. Juni 2017

Bye, bye, Alex!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , – Franky @ 08:20

Obwohl schon seit Jahren immer mal wieder damit zu rechnen war, dass Alexandru Maxim den VfB verlässt, schlug die Vollzugsmeldung seines Wechsels zum 1. FSV Mainz 05 dann doch ein wie eine Bombe.

Weite Teile der Fangemeinde sind empört, den besten Fußballer in Reihen des VfB für vergleichsweise schlappe drei Millionen Euro Ablöse zu einem direkten Ligakonkurrenten ziehen zu lassen. Vielen klingen dabei noch die Versprechungen der Ausgliederungs-Propaganda in den Ohren, dass es im Falle einer Ausgliederung wieder gelänge, Spieler zu halten und man nicht gezwungen sei, diese aus wirtschaftlichen Beweggründen zu verkaufen.

Wenn man sieht, wie selbst Top-Spieler bei Top-Vereinen, wie derzeit zum Beispiel Lewandowski und Aubameyang, den Aufstand proben und ihren Abgang provozieren wollen, wird deutlich, dass es sich bei o. a. Aussagen um Wählerfang handelte und diese in der Realität nicht einhaltbar sind.

Beim Verkauf von Alexandru Maxim handelt es sich jedoch nicht um eine wirtschaftliche Notwendigkeit, man wollte den Spieler schlicht nicht um jeden Preis halten! Und warum? Darum! Hannes Wolf steht auf andere, laufstärkere, Spielertypen, die reinen „10er“ sterben im modernen Fußball mehr und mehr aus. Ich hatte kürzlich noch geschrieben, dass es gut sei, einen wie Maxim in der Hinterhand zu haben, weil er als Einwechselspieler schnell auf Betriebstemperatur ist und die Fähigkeit hat, einem Spiel in kürzester Zeit seinen Stempel aufzudrücken. In dieser Rolle war er in dieser Saison wertvoll, in dieser war er auch 2015 unter Huub Stevens DER Trumpf im Abstiegskampf, unvergessen sein geniales Zuspiel auf Daniel Ginczek in Paderborn.

Doch auf Dauer wollte und konnte Maxim sich mit der Joker-Rolle nicht anfreunden. Er war bitter enttäuscht, dass er nach Didavis Abgang zwar die „10“ auf dem Rücken trug, dies jedoch für sein Empfinden zu oft nur auf den Recaro-Sitzen der Ersatzbank. Nach außen blieb er zwar ruhig, innerlich brodelte es aber mit Sicherheit gewaltig. Schon deshalb, um kein unnötiges Pulverfass in die neue Saison hinein zu schleppen, ist die Trennung zum jetzigen Zeitpunkt richtig.

Meist nur mit Wut im Bauch, zeigte er, was in ihm steckt, so zuletzt nach Manés Verletzung im Aufstiegskampf. Da war er, nach einer Phase, in der er wochenlang nicht einmal im Kader stand, DER Hoffnungsträger und hat die Erwartungen erfüllt. Ein Tor wie jenes in Bielefeld machen ganz wenige Fußballer, besondere Fähigkeiten spreche ich ihm daher auch gar nicht ab. Ansonsten lieferte er seine besten Spiele meist als Joker ab.

Sein großes Manko während seiner VfB-Zeit war, dass er es nie schaffte, Konstanz in seine Leistungen zu bringen. Hannes Wolf sprach es schon kurz nach seiner Amtsübernahme an, dass sich Maxim zu lang an guten Szenen berauschen und danach zu wenig am Spiel teilnehmen würde. Diesen Schlendrian trieb ihm keiner seiner vielen Trainer (Labbadia, Schneider, Stevens, Veh, Stevens, Zorniger, Kramny, Luhukay, Janßen, Wolf) aus. In seinen viereinhalb Jahren beim VfB absolvierte Maxim von 153 möglichen Spielen gerade einmal 116, wovon er nur in 75 vom Kicker überhaupt benotet werden konnte und es dabei auf einen eher mäßigen Schnitt von 3,5 brachte.

Da Hannes Wolf ein Trainer ist, der keine Stammplatzgarantien ausspricht und bei dem man sich Tag für Tag im Training neu beweisen und aufdrängen muss, wählte Alexandru Maxim (mal wieder) den Weg des geringsten Widerstands und ergreift lieber die Flucht. Wenn etwas aus den viereinhalb Jahren Maxim beim VfB hängen bleibt, außer dass er tatsächlich ein begnadeter Fußballer ist, dann doch das, dass immer dann, wenn es für ihn schwierig wurde, sein Berater Herbert Briem auf der Matte stand und man, wie bspw. in Lagos 2015, täglich mit der Meldung seines Abgangs rechnen musste.

Maxim kam als junger Kerl zum VfB in ein fremdes Land, in eine neue Welt. Da Profifußballer meist verhätschelt werden und ihnen fast alles abgenommen wird, sah er sich nicht einmal veranlasst, die Sprache seiner neuen Heimat richtig zu erlernen. Natürlich wird beim VfB entgegnet werden, er „verstehe alles ganz gut“, doch ich finde, das ist ein bisschen wenig. Bringt man sich in einer neuen Umgebung ein, passt man sich den Gepflogenheiten an und versucht in der Landessprache zu kommunizieren. Nach viereinhalb Jahren müsste diese auch bei einem durchschnittlich begabten Menschen sitzen.

Sieht sich einer dazu partout nicht genötigt, erweckt er nach außen unweigerlich den Eindruck, auf gepackten Koffern zu sitzen und den VfB nur als eine Durchgangsstation anzusehen. Daher sehe ich den Abgang von Maxim recht emotionslos und werde ihm sicherlich auch keine Träne nachweinen. Das ist das Geschäft, da sind selbst viereinhalb Jahre „Vereinstreue“ nicht mehr ganz so selbstverständlich. Spieler kommen und gehen, der VfB Stuttgart, das sind wir!

Dass bei Maxim zudem der Lebenswandel nicht immer dem eines Muster-Profis entsprochen hat, tut in der Nachbetrachtung und bei der Ursachensuche, weshalb ihm der ganz große Durchbruch beim VfB verwehrt blieb, sein Übriges. Als Feierbiest, jüngst bei der Aufstiegsparty tanzend und mit der Bierflasche in der Hand in seinem Element befindlich, trat er gerne in Erscheinung, weshalb ihm vermutlich die Kondition auf dem Platz fehlte und er, wenn er denn von Beginn an ran durfte, in der zweiten Halbzeit stets abbaute und nur noch selten etwas von ihm zu sehen war.

Zudem verhindert sein Phlegma den Schritt zu einem Spitzenspieler. Er erweckt einen für sein Alter sehr unselbständigen Eindruck und bräuchte den regelmäßigen Arschtritt, um von seiner Selbstverliebtheit wegzukommen.

Er ist einer jener Spielergeneration, die in jungen Jahren ein Schweinegeld „verdient“ und es überhaupt nicht einsieht, mehr zu machen, um sich stetig zu verbessern. Er lebt auch so seinen Traum sich alles leisten zu können und nebenher noch ein wenig Fußball zu spielen. Tagsüber ein fettes Auto zu fahren und nachts der Partykönig zu sein, das genügt vielen Profis heutzutage, die dann den nächsten Schritt eben nicht schaffen. Dieses Phänomen soll selbst schon bei unseren Amateuren, natürlich im kleineren Stil, um sich gegriffen haben, so dass man sich auch nicht zu wundern braucht, dass seit Jahren nichts nachkommt. Erst seit Schindelmeiser und Wolf das Zepter schwingen, wird auch da wieder leistungsorientierter gearbeitet und es findet eine regelmäßige Auslese statt. Diese Mentalität, der, wenn man es hart ausdrückt, Leistungsverweigerung, zog sich (zu) lange durch den Verein, so dass es nur logisch ist, sich auch von topbegabten Spielern zu trennen, die es an der Einstellung vermissen lassen.

Maxim steht mit dem Wechsel zum selbsternannten Karnevalsverein am Scheideweg. Die Luftveränderung wird ihm sicher gut tun, es ist ihm zu wünschen, dass er erkennt, worauf es ankommt und nicht einfach wie bisher weiter macht. Die Mainzer werden sich sicherlich um ihn kümmern müssen und dürfen ihn nicht sich selbst überlassen. Hat er eine Vertrauensperson im Verein, die ihm zum richtigen Zeitpunkt die Leviten liest und zu gegebener Zeit auch Streicheleinheiten zukommen lässt, könnte Mainz sehr viel Freude an ihm haben.

Mainz dürfte Maxims letzte Chance sein durchzustarten und sich für in eine tragende Rolle in der rumänischen Nationalmannschaft zu empfehlen. Auch dort spielte er bislang nur eine Nebenrolle! Es liegt einzig und allein an ihm, was er noch aus seiner Karriere herausholt. Die fußballerischen Fähigkeiten hat er in jedem Fall, bei allem anderen, was dazu gehört, hapert es gewaltig.

Sein herzliches Naturell und seine kindliche Freude werde ich sicherlich ein wenig vermissen, sehe es aber positiv, dass Schindelmeiser und Wolf bei keiner Personalie groß herumeiern, sondern Tatsachen schaffen (wie bei Großkreutz und einigen weiteren Abgängen ja auch).

Ich kann es mir durchaus vorstellen, dass Maxim in Mainz einschlägt, was jedoch nicht automatisch bedeuten würde, dass dies beim VfB genauso gewesen wäre. In Stuttgart war viel eingefahren um nicht zu sagen zerfahren, in Mainz hingegen hat Maxim die Chance zu einem radikalen Neubeginn, und kann unbelastet in einem neuen Arbeitsumfeld starten.

Eigentlich ist es ein Jammer, wie wenig er beim VfB aus seinen Möglichkeiten gemacht hat. Wenn viele dem VfB jetzt mangelnde Dankbarkeit ihm gegenüber vorwerfen, bin ich eher verärgert darüber, dass er so selten funktioniert hat, wie man es bei seinem Gehalt hätte erwarten können müssen.

Viele seiner Fans argumentieren zum Vorwurf, dass er kein Trainingsweltmeister sei und gerne mal nachts um die Häuser zieht, dass dies ja egal wäre, wenn denn die Leistung auf dem Platz stimmt. Zum einen hat die Leistung zu selten wirklich gestimmt, zum anderen lebt der Mannschaftssport von Regeln, an die sich JEDER zu halten hat. Der Trainer bekommt schnell ein Autoritätsproblem, wenn er immer nur bei den gleichen ein Auge zudrückt.

Über die Höhe der Ablöse, für die man im heutigen Fußball kaum ein vielversprechendes Talent bekommt, kann sicher diskutiert werden. Auf der anderen Seite spart sich der VfB sein beträchtliches Gehalt und Maxim macht Platz für einen unverbrauchten Neuzugang. Nüchtern betrachtet ist Maxim als Zweitliga- und nur sporadischer rumänischer Nationalspieler auch nicht mehr wert.

Viele Fans schmerzt sein Abgang für dieses Nasenwässerchen auch in erster Linie deshalb, weil Maxim Publikumsliebling war und mit seinem Lächeln vor allem die Damenwelt zu verzaubern wusste. Dass er seine Rolle, zumindest nach außen, scheinbar klaglos hingenommen, nie ein schlechtes Wort über den VfB und seine Fans verloren hat und dem VfB auch nach dem Abstieg treu geblieben war, wird ihm (zu Recht) hoch angerechnet.

Nach wie vor habe ich vollstes Vertrauen in Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, dass sie uns in eine erfolgreichere Zukunft führen werden. Daher beteilige ich mich auch nicht an der aufkommenden Panik, weil noch fast keine Neuzugänge unter Dach und Fach sind.

Der Transfermarkt ist derzeit überhitzt wie noch nie. Selbst Spieler von den allergrößten Vereinen proben den Aufstand, um für ein Vielfaches ihres ohnehin schon viel zu hohen Verdienstes, die Farben zu wechseln. Hier gilt abzuwarten, wer tatsächlich auf die Insel oder nach China wechselt und welche Vereine dann erst einmal Ersatz benötigen. Da ist dann eher noch zu befürchten, dass uns Korsettstangen, die für die neue Saison fest eingeplant waren, weg gekauft werden.

Von oben nach unten werden sich die Vereine bedienen, so dass sich der VfB zunächst hinten anstellen muss, zumindest, wenn es um bekannte, erfahrene Spieler geht. Richtig Bewegung in den Transfermarkt dürfte kommen, wenn die U21-EM und der Confed-Cup beendet sind und die Vereine nächste Woche ihre Arbeit wieder aufgenommen haben. Ich hoffe es zwar, dass bis zum Trainingsauftakt noch das eine oder andere neue Gesicht präsentiert wird, verliere aber auch nicht die Nerven, wenn dem nicht so ist. Das Transferfenster ist bis Ende August geöffnet, ich habe vollstes Vertrauen in Jan Schindelmeiser, dass wir spätestens bis dahin eine konkurrenzfähige Truppe am Start haben werden.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 8.5/10 (20 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 1 vote)
3. Juni 2017

Neues von der VfB Stuttgart 2017 AG

Die Würfel sind gefallen! Mit überwältigenden 84,2% der Stimmen auf der am Donnerstag Abend stattfindenden außerordentlichen Mitgliederversammlung stimmten „die“ VfB-Mitglieder für die Ausgliederung der Fußball-Abteilung in eine Aktionengesellschaft.

Damit wurde die erforderliche Dreiviertelmehrheit deutlich übertroffen und es wurden die Weichen in eine glorreiche Zukunft gestellt. Ein guter Tag also für den VfB Stuttgart, so der allgemeine Tenor der sich ein zweites Loch in den Allerwertesten freuenden Mitgliedergemeinde.

Ja zum Erfolg! Ja, wir sind wieder wer! Weiß, rot, geil!

Als aufrechte Demokraten haben wir natürlich das Votum des Wahlvolks zu akzeptieren, 84,2% können schließlich nicht irren.

Folgt man dieser Logik, verböte sich Kritik an Donald Trump und allen Despoten dieser Welt, bzw. an ihren Wählern, schließlich wurden die meisten ja demokratisch gewählt und den Willen ihres Volkes gelte es zu respektieren. Auch das Hinterfragen des Tuns unserer Volksvertreter verbietet sich (oder etwa nicht?), man bekommt ja auch dort, genau das, was man gewählt hat.

Diese Abschweifung in die Politik sollte auch nur kurz angerissen werden, um gleich in der Einleitung festzuhalten, dass auch ich ein Wahlergebnis, auch wenn es noch so deutlich ausgefallen ist, zwar akzeptieren, es deshalb aber trotzdem nicht für gutheißen muss.

Wenn sich Befürworter der Ausgliederung jetzt getreu dem Wahlkampf-Slogan „Ja zum Erfolg“ gegenseitig auf die Schultern klopfen und jeder zweite Jubelbeitrag mit „die Mitgliederschaft war so schlau…“ oder „die Vernunft hat gesiegt…“ beginnt, darf sich die „Gegenseite“ durchaus als „nicht schlau“ bezeichnet angesprochen und zu einer Reaktion veranlasst sehen. Dies auch nur für diejenigen, denen ein „jetzt lass mal gut sein“ auf der Zunge steckt.

Die Mitgliederschaft ist gespalten, was sich nicht nur an meinen ersten Worten erkennen lässt. Dass dies so ist, hat sich einzig und allein die Vereinsführung zuzuschreiben, die schon im Oktober auf fragwürdige Weise „ihren“ Präsidenten durchgeboxt hat, der wohl in erster Linie deshalb für den Posten prädestiniert erschien, weil er die ihm aufgetragenen Vorhaben ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht und, wie man jetzt auch beim VfB weiß, im Zusammenhang mit Stuttgart 21 nicht zu Unrecht den Beinamen „Spalter“ erhielt.

Die Wahlpropaganda mag aus deren Sicht, weil sie von ihrem „Plan“ überzeugt waren, nachvollziehbar gewesen sein. Es wurde jedoch deutlich, dass diese Vereinsführung nicht die Vereinsführung ALLER Mitglieder ist, sondern nur eine für diejenigen, die ihnen blind folgen und vertrauen.

Dass der VfB im Endeffekt alles richtig gemacht hat und die billige Propaganda bei den meisten gewirkt hat, spricht für mich nicht unbedingt für die Wählerschaft.

Um das Wahlvolk zu überzeugen genügte der bloße Wiederaufstieg, die Aussicht auf 41,5 Millionen Daimler-Millionen, das Versprechen wieder mehr auf die eigene Jugend zu setzen und in absehbarer Zeit wieder eine Größe im deutschen Fußball sein zu wollen.

Wie risikobehaftet diese Ausgliederung ist, was man dafür als Mitglied im e. V. hergibt und wie wenig realistisch die heraus posaunten Ziele sind, interessierte die meisten überhaupt nicht. Auch dass von allen Gegnern DIESER Ausgliederung Gesprächsbereitschaft über andere Modelle signalisiert wurde, wurde von kaum jemanden wahrgenommen, sonst würde man als Gegner nicht ständig als „ewiggestriger Traditionalist“ oder als „Ultra“ beschimpft werden, weil „die“ ja ohnehin immer gegen alles seien.

Die vom VfB bzw. der Daimler AG auserwählte Rechtsform der AG, bietet die mit Abstand wenigsten Einflussmöglichkeiten der Vereinsmitglieder im Vergleich zu anderen möglichen Rechtsformen. Das Projekt Vereinsentwicklung und die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen für die eine Vielzahl an Mitgliedern viele Stunden ihrer Freizeit geopfert hatten, wurden in die Tonne gekickt. Die Webseite, auf der die Ergebnisse dieser Konferenzen und Workshops abgelegt war, wurde mit der Veröffentlichung des Daimler-Deals „auf Nimmerwiedersehen“ vom Netz genommen. Auch wenn Stefan Heim am Donnerstag behauptete, das jetzige Modell resultiere aus den Ergebnissen der VfB Zukunftswerkstatt, erkennt man darin nichts wieder. Hätte man sich also getrost schenken können!

Bei den Ausgliederungsgegnern bzw. genauer gesagt, denen, die sich mehr Mitsprache bei der Art der Ausgliederung gewünscht hätten, stieß außer, dass man nicht mit ins Boot genommen wurde, sauer auf, dass einem die „Pistole auf die Brust“ gesetzt wurde und Horrorszenarien an die Wand gemalt wurden, für den Fall der Ablehnung.

Wenn Dietrich zudem im Wahlkampf immer wieder betonte, während seiner vierjährigen Amtszeit würde dieses Thema zum ersten und letzten Mal auf dem Tisch sein, anstatt sich gesprächsbereit über Modifizierungen der Pläne zu zeigen, zeugt dies von wenig Kooperationsbereitschaft. Es hatte eher etwas von „den Gegnern den schwarzen Peter zuschieben“, denn, wer nein sagen würde, würde nein zum Erfolg sagen und hätte im schlimmsten Fall den VfB auf dem Gewissen, wenn es denn ohne Ausgliederung weiter den Bach runter gehen würde.

Die bedingungslosen Befürworter, die diesen Drohgebärden Glauben schenkten, hatten indes ein weiteres „Argument“, nämlich jenes, dass es unbedingt zu vermeiden gilt, dass der VfB auf immer und ewig Fahrstuhlmannschaft sein würde.

Dass in der Vergangenheit sehr viel mehr Geld als die besagten 41,5 Millionen Euro von den Manager-Azubis Heldt, Bobic und Dutt verbrannt wurden und sie der Hauptgrund für die Talfahrt seit der Meisterschaft 2007 sind, wollte leider keiner hören.

Jetzt haben wir mit Jan Schindelmeiser einen absoluten Glücksgriff als Sportdirektor und mit Hannes Wolf einen weiteren Glücksgriff und Sympathieträger an der Seitenlinie. Dass diese beiden Vereinsangestellten dann auch noch Tage vor der aoMV unisono erklärten, ohne Ausgliederung würde es für den VfB sehr schwer in der Bundesliga werden, brachte sicherlich auch noch einige Stimmen ein.

Der VfB, das muss man ihm lassen, betrieb schon einen ausgeklügelten Wahlkampf und scheute dabei keine Kosten und Mühen. Dieser Schuss musste sitzen, daher wurde alles auf diese eine Karte gesetzt, anstatt den Mitgliedern seriös aufzuzeigen, wie es um den VfB im Falle einer Ablehnung dieser Ausgliederungspläne bestellt sein würde. Nein, der Plan B hieß „Ängste schüren“, hat ja letztlich auch vorzüglich geklappt.

So konnte man durch gezieltes Marketing und dadurch, dass man nichts dem Zufall überlassen hatte, bereits sehr viele Wähler „fangen“. Da die Social-Media Zielgruppenanalyse, die man betrieb und die Stimmungen, die man einfing, offensichtlich noch Zweifel an der Dreiviertelmehrheit offen ließen, kam man auf die glorreiche Idee, noch mehr Mitglieder durch materielle Anreize ins Neckarstadion zu locken.

Außer dem obligatorischen VVS-Gutschein, lockte dieses Mal ein Gratis-Trikot, sowie je ein Essens- und Getränkegutschein. Dies führte dazu, dass einige Spezialisten nur kamen, um das Trikot abzustauben und das Stadion dann wieder verließen. Für solche Mitglieder schämt sich sogar ein Schwabe!

Die Trikot-Aktion schien ihr Übriges zu tun, um genügend „Ja-Stimmen“ zu erhalten. Eines war auch mir bereits im Vorfeld klar, je mehr Mitglieder an der aoMV teilnehmen würden, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass der VfB die Ausgliederung durchbekommt.

Diese Mitglieder, die meisten davon sicherlich das erste Mal auf einer Mitgliederversammlung und lediglich wegen des kostenlosen Trikots gekommen sind, nenne ich jetzt einfach mal Event-Mitglieder.

Auffällig war es, wie viele Leute sich scheinbar im Stadion nicht auskannten und über die Thematik, über die abzustimmen war, wenig bis überhaupt nichts wussten. Da waren Leute am Start, die ernsthaft im Glauben schwebten, wir würden bei einer erfolgreichen Ausgliederung von jetzt auf gleich wieder Champions League spielen. Diese Leute sagen einfach „Ja zum Erfolg“, zumindest zuhause auf der Playstation.

Dieses Klientel, das sich so wenig mit dem VfB und der seit Monaten geführten Debatten auskennt, nenne ich deshalb Event-Mitglieder, weil das vermutlich solche sind, die Mitglied geworden sind, um ihre Chance auf Karten gegen die Bayern oder Dortmund zu erhöhen, sonst jedoch eher selten im Stadion zugegen sind.

Diese haben natürlich vor allem Interesse an „großen Spielen“, sind jedoch die ersten, bei denen das Interesse am Verein erlischt, wenn er nicht auf der Sonnenseite der Tabelle steht.

Wenn ihnen dann von Vereinsseite aus rauschende Champions-League-Abende in Aussicht gestellt werden und man ihnen bildlich im „Sendung mit der Maus“-Stil unsere künftigen Platzierungen zeigt, geht denen natürlich gleich einer ab.

Dieses Klientel, das mit dem Herzen nicht ganz so dabei ist, wie unsereins, ist mutmaßlich auch jenes, deren Karten zuhauf auf Ebay zu ersteigern sind, aber, ist ja nicht so schlimm, Hauptsache sie haben das richtige Knöpfchen gedrückt.

Mir war das am Donnerstag schon ein wenig suspekt, was sich alles VfB-Mitglied schimpfte. Ist ja auch klar, dass man von 50.000 Mitgliedern im Verhältnis immer weniger kennt und doch frage ich mich, ob ich in Zukunft noch Teil dieser Gemeinschaft sein will. Das hat überhaupt nichts damit zu tun, dass die Wahl nicht wie von mir erwünscht ausgegangen ist.

Dieses arrogante „von oben herab“ unserer Vorstände und Aufsichtsräte und die notorische Kritikresistenz sind mir schon länger ein Dorn im Auge. Dass aber Mitglieder gegen Mitglieder giften und Redner bei der Aussprache ausgepfiffen und ausgebuht werden, hat mit Respektlosigkeit zu tun. Eines der elementarsten Rechte, von zugegeben nicht vielen, ist die Aussprache.

Dass nun bereits zum zweiten Mal in Folge die Aussprache nach Antrag eines Mitglieds und per Abstimmung abrupt beendet wurde, empfinde ich als ein Armutszeugnis und erkenne eine nicht vorhandene Diskussionsbereitschaft. Auch das zeugt von mangelndem Respekt den Rednern gegenüber, die noch an der Reihe gewesen wären und sich möglicherweise akribisch auf ihren Auftritt vorbereitet hatten.

Gerade bei einer zeitlich begrenzten Redezeit von fünf Minuten, hätten diese 45 Minuten den Kohl auch nicht mehr fett gemacht. Da die Vereinsführung, wie auch schon im Oktober, von Beginn an auf Zeit spielte, hielt sie es wohl auch nicht für angebracht, gleich am Anfang darüber zu informieren, wie viele Redner sich denn angemeldet hatten.

Ich hinterfrage meine Mitgliedschaft, weil man künftig im e. V. den Fußball betreffend noch weniger zu melden hat als ohnehin schon. Ich bin nicht das „Lebenslang“-Mitglied, das sich überlegen müsste, ein besonders „großes“ Jubiläum aufs Spiel zu setzen, denn, als Gerhard Mayer-Vorfelder Winfried Schäfer als Trainer verpflichtete, habe ich die Mitgliedschaft schon einmal gekündigt und mich erst vor einigen Jahren neu angemeldet.

Meine Liebe zum VfB bringe ich als Dauerkarteninhaber, Fanclubmitglied und Allesfahrer auch ohne Mitgliedschaft zur Genüge zum Ausdruck.

Dass der Termin unter der Woche um 18.30 Uhr äußerst ungünstig, wohl aber von den Herren der Vereinsführung kühl kalkuliert, war, hatte ich mehrfach kritisiert. Dass die Veranstaltung dann noch mit einer guten Stunde Verspätung begann, war für mich eine bodenlose Frechheit. Die Werbefilmchen der Ikonen der Vergangenheit hat wohl jeder schon gesehen, die „Meistermannschaft“ durfte am letzten Spieltag auch jeder herzen, wenn ihm danach war.

Weshalb vergeudete man also wertvolle Zeit schon am Anfang, anstatt auf die Tube zu drücken, im Wissen darum, dass die meisten Mitglieder am nächsten Tag wieder früh raus müssen? Wohl auch hier, um auf Zeit zu spielen, die Leute zu ermüden und darauf zu hoffen, dass sie dann schon alles von selbst beschleunigen werden. Dieser Plan ging ja auch ganz gut auf.

So erinnerte mich die Veranstaltung zu Beginn wegen der Jubel-Show eher an eine US-amerikanische Wahlkampfveranstaltung, ein Opening oder die Meisterfeier, jedoch nicht an eine außerordentliche Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart 1893 e. V., einer DER wichtigsten in der Vereinsgeschichte.

Hätten sie diesen Programmpunkt in der Tagesordnung stehen gehabt, wäre ich von vornherein erst später gekommen, nach Abfeierei des Vereins war es mir ob der anstehenden Entscheidung gleich überhaupt nicht. Aufgrund der ganzen Begleitumstände war ich eh schon ziemlich geladen, so dass mich diese Verzögerungstaktik fast zum überschäumen brachte. Das ungenießbare Schnitzelbrötchen, welches man für den Gutschein bekommen konnte, hellte meine Laune dann logischerweise auch nicht auf.

Mit der aufgesetzten Euphorie kann ich ohnehin überhaupt nichts anfangen. Wir sind aufgestiegen, nicht mehr, nicht weniger. Es ist das, das man vom Verein, von der Truppe erwarten können musste, Pflicht erfüllt, mehr nicht!

Dass es zu allem Überfluss mal wieder nur alkoholfreies Bier gab, machte den Abend noch unerträglicher. Diese Gängelei kotzt mich an, zeigt aber auch, was dieser Verein von seinen Mitgliedern hält. So wie sie offensichtlich nur einfach gestrickte Filmchen verstehen, können sie auch mit Alkohol nicht umgehen. Und da soll man sich ernst genommen fühlen?

Insgesamt also ein sehr frustrierender Abend in einer enorm aufgeheizten Atmosphäre und das nicht nur der Temperaturen wegen. Es waren bei der Aussprache gute Redner zugegen, deren Argumente und Bedenken gegen die Ausgliederung von der Masse jedoch nicht gehört werden wollten. Von denen, die nicht zu Wort kamen, hätte man ebenfalls noch gute Einwände erwarten dürfen, leider wollte dies ein Großteil nicht mehr über sich ergehen lassen.

Eigentlich jedoch auch wieder nicht verwunderlich, dass diejenigen, die der Wegfall von Mitgliederrechten in der AG nicht kümmert, wichtige Elemente einer e.V.-Mitgliederversammlung schlicht egal sind. Hauptsache zeitig Feierabend!

Magnus Missel, Betreiber vom VfB Blog, stellte einige kritische Fragen, welche leider vom immer dünnhäutiger reagierenden Wolfgang Dietrich unbeantwortet blieben. Stattdessen warf dieser Missel vor, einige Gesprächsangebote seitens des VfB nicht angenommen zu haben. Schade, dass bei diesen Reaktionen des Vorstands auf Redebeiträge der Redner nicht mehr am Podium steht und ad hoc Stellung beziehen kann. So stehen diese Behauptungen Dietrichs jetzt im Raum, ohne dass Missel noch hätte darauf eingehen können.

Auch Benno vom Commando Cannstatt 97 traute sich wieder und bat unter anderem darum, vor der Abstimmung zur Ausgliederung eine Probeabstimmung durchzuführen. Dieser Bitte wurde leider nicht stattgegeben, es werde schon alles mit rechten Dingen zugehen. Das kann man glauben oder auch nicht.

Es scheint einige Geräte gegeben haben, die nicht funktionierten, zudem müssen die Volunteers an den Eingängen auch falsche Informationen weitergegeben haben, welche Geräte wo funktionieren.

Ob es im 21. Jahrhundert nicht fortschrittlichere und damit verlässlichere Abstimmungstechniken gibt? Wir jedenfalls waren uns des öfteren unsicher, ob denn die Abstimmung richtig funktioniert hat. Dass bei einigen Abstimmungen Tausende nicht mit abgestimmt haben, halte ich schlicht für sehr unwahrscheinlich.

Eine Mitgliederversammlung mit über 14.000 Mitgliedern ist schon einmalig im deutschen Fußball, die Lockangebote haben offensichtlich gewirkt. Die nächsten Mitgliederversammlungen wird der verbliebene e. V. mit seinen Faustballern, Leichtathleten, Hockey-Damen und Schiedsrichtern vermutlich wieder im Carl-Benz-Center abhalten können.

Kamen beim HSV zur Abstimmung über die Ausgliederung knapp 10.000 stimmberechtigte Mitglieder waren es bei jener am 08.01.2017 gerade noch 344 Mitglieder! Die Musik spielt künftig in der AG, viel mehr als den trocken verlesenen Geschäftsbericht wird es auf den e. V.-Versammlungen nicht mehr zu besprechen geben.

Die Einflussmöglichkeiten bisher waren zwar auch nicht gerade immens, doch hatte man immerhin bei der alljährlichen Aussprache das Recht, unbequeme Fragen zu stellen und Vorstand und Aufsichtsrat nicht entlasten, was bekanntlich schon zum einen oder anderen Rücktritt geführt hat.

Des weiteren sind theoretisch Schadenersatzansprüche wegen grober Pflichtverletzung gegen Aufsichtsräte möglich, während wir jetzt drei Kreuze machen und hoffen müssen, dass die handelnden Personen ihren Job gut machen.

Wenn die 41,5 Millionen Euro und das Geld potentiell weiterer Investoren ausgegeben, verpufft oder verbrasst sind, kann höchstens der zustimmungspflichtige Verkauf weiterer Anteile noch einmal die Gemüter erhitzen.

Dass der Präsident des e. V. den Verein mit 75% in der Hauptversammlung der AG vertritt, ist ein Proforma-Recht, weil sich in dieser nicht viel abspielt, außer dass ihm der Geschäftsbericht der AG vorgelegt wird. Ein weiteres Recht, wie Magnus Missel schreibt, wäre, die Gesellschaft aufzulösen und Satzungsänderungen in der AG herbeizuführen. Dass Dietrich den Verein zu 75% in der Hauptversammlung vertritt ist für mich ohnehin nicht der Burner, da mir das Vertrauen in ihn fehlt. Nach diesem Wahlkampf mehr denn je!

Spätestens seit Donnerstag ist also auch der VfB angekommen in der Welt des fußballerischen Kapitalismus. Für ein paar Kröten verkaufen wir unser Mitspracherecht über die Fußballabteilung an Wirtschaftsbosse. Dies belohnen wir mit Sitzen im Aufsichtsrat welcher wiederum den Vorstand bestellt. In den Aufsichtsrat wird der e. V. zwei Mitglieder entsenden, so dass der Verein dort bei neun Mitgliedern klar unterrepräsentiert sein wird. Ob außer Sponsoren- bzw. Investorenvertretern noch Leute aus dem Sport in den Aufsichtsrat nachrücken, steht noch in den Sternen.

Klar ist nur, dass Dietrich Präsident im e. V. bleiben wird und die anderen Vorstände Heim, Röttgermann, Schindelmeiser als Vorstand der AG fungieren werden. Da alle dieser Herren relativ jung sind, werden sie wohl, sollten sie keinen Scheiß bauen, diese Posten einige Jahre lang ausüben.

Interessant dürfte es dann werden, wenn Posten neu zu besetzen sind, weil Vorstände vom vom VfB e. V. unterrepräsentierten Aufsichtsrat entsandt werden und theoretisch eines Tages in der AG immer weniger VfB enthalten sein könnte.

Was die Zukunft bringt, ob uns dieser Schritt entscheidend voran bringt oder nicht, können weder Gegner noch Befürworter zur jetzigen Zeit seriös beantworten.

Jan Schindelmeiser hat zeit seines Wirkens auf dem Cannstatter Wasen Geschick bei seinen Transfers, der Ausgestaltung der Verträge und nicht zuletzt Mut bei der Verpflichtung von Hannes Wolf bewiesen. Hätte man uns Dutt erspart und gleich Schindelmeiser präsentiert, stünden wir vermutlich um einiges besser da als derzeit, auch ohne Ausgliederung.

Daher traue ich Jan Schindelmeiser in der anstehenden Transferperiode ein glückliches Händchen zu, dies im übrigen unabhängig davon, dass wir jetzt ausgegliedert haben. Ich hätte auch ohne Ausgliederung ein gutes Gefühl gehabt, dass er für die Bundesliga eine schlagkräftige Truppe an den Start hätte bringen können.

Insgesamt hoffe ich, dass der angekündigte Großangriff nur ein Wahlversprechen war, um Stimmen zu erhaschen, und nicht von heute auf morgen in die Tat umgesetzt wird.

Mir sind Vereine, die kleinere Brötchen backen und aus geringeren Mitteln das Optimale herausholen, weitaus sympathischer, als Vereine, bei denen Geld keine Rolle spielt und die mit horrenden Gehältern um sich werfen.

Wollen wir, wie es Dietrichs Vision zu sein scheint, in Sachen Gehaltsniveau mit Vereinen wie Leipzig, Wolfsburg und Hoffenheim mithalten, setzt man sich gewaltig unter Zugzwang und spielt mit dem Feuer. Für mich ist es absolut unrealistisch in absehbarer Zeit wieder Stammgast in den Top 5 zu sein.

Die Konkurrenz schläft ja auch nicht und steckt Summen, für deren einmaligen Erhalt wir uns verkaufen und wegen der die meisten „hurra“ schreien, Jahr für Jahr in die Fußballabteilung.

Da geben mir einmalige Ausschläge nach oben und sporadische Europapokal-Teilnahmen, wie sie der SC Freiburg und der 1. FC Köln in der nächsten Saison erleben, mehr, als wenn man mit einem 100 Millionen-Euro-Etat nur Fünfter werden und nicht wissen würde, wie die darauffolgende Saison finanziert werden soll.

Deshalb hoffe ich, dass der VfB, auch als AG, schwäbisch vernünftig wirtschaftet und nicht größenwahnsinnig wird.

Von vielen hörte ich im Vorfeld „der Schindelmeiser hat’s ja schon bewiesen, dass er mit Geld umzugehen weiß“. Ein bisschen kurz gedacht, schon morgen könnte Schindelmeiser Geschichte sein und einer wie Bobic oder Dutt sein Unwesen treiben. Und dann?

Aber, keine Sorge, ist ja alles rosarot, auch Dietrich sagte, ist das Geld verprasst, ohne die erhoffte Wirkung erzielt zu haben, dann sei nichts weiter passiert, als dass wir schlimmstenfalls dastehen könnten wie heute auch. Wer’s glaubt, wird selig.

Im Einzelnen möchte ich mich über etwaige Risiken und die Auswirkungen des nun erfolgten Schrittes auch gar nicht mehr auslassen, diese sind in den einschlägig bekannten und von mir auch verlinkten Blogs ausführlich erläutert (eine Zusammenfassung hier http://vertikalpass.de/vfb-ausgliederung-links/).

Die Aufgabe zu informieren lastete im Vorfeld aufgrund der einseitigen Propaganda vom Verein auf den Bloggern, Podcastern und Ultrasgruppierungen auf. Man tat es, so gut man konnte und so gut es die Zeit zuließ. Da es DIE Opposition als Einheit und koordiniert nicht gab, wurde mit ungleichen Waffen gekämpft. Von den Stuttgarter Zeitungen hätte man sich wenigstens den einen oder anderen kritischen Artikel gewünscht, doch, Fehlanzeige.

Dass ich dem VfB, solang er weiter unser Wappen trägt, auch weiterhin die Stange halten werde, versteht sich von selbst. Man wird eben noch kritischer hinschauen, hat man doch einige Vereine vor Augen, bei denen eine Ausgliederung auch schon gewaltig schief gegangen ist. Gerade das aktuelle Beispiel TSV 1860 München mit seinem jordanischen Investor Ismaik sollte Warnung genug sein, was passieren könnte, bekäme der Investor zu viel Einfluss. Von diesem Modell sind wir selbstredend weit entfernt, doch, der Anfang in diese Richtung wurde Donnerstag gemacht.

Dem VfB würde es gut zu Gesicht stehen, sich die in der 2. Liga wiederentdeckte Demut zu bewahren und langsam wieder in die Bundesliga hineinzuwachsen.

Das jahrelang zerrüttete Verhältnis zwischen Spielern und Fans scheint gekittet und könnte kaum besser sein als im Moment. Die Spieler lernten die Unterstützung, die sie in der Bundesliga als selbstverständlich ansahen, neu schätzen, während man als Fan seit langem wieder den Eindruck hatte, es stünde ein Team auf dem Platz und ein Trainer an der Seitenlinie, bei dem sich jeder seinen Einsatz Woche für Woche neu erarbeiten muss.

Wird jetzt noch an Ur-Alt-Baustellen und Stammplatzgarantien herangegangen, ist mir vor der Bundesliga überhaupt nicht bange. Es wäre schön, wenn dieses Klima in die Bundesliga hinüberzuretten wäre.

Der AG-Vorstand und dabei vor allem Jan Schindelmeiser kann dazu beitragen, indem vernünftige, leistungsgerechte und vor allem durch sichere Einnahmen abgedeckte Gehälter bezahlt werden und man wegen der größeren Möglichkeiten nicht sofort wieder unvernünftig wird und Fehler der Vergangenheit wiederholt.

Mit dem modernen Fußball und seinen Begleitumständen vor und in den Stadien kann ich ohnehin immer weniger anfangen, so dass mir wenigstens mein eigener Verein, oder doch besser meine Fußball-Abteilung der VfB AG (?), noch Spaß machen sollte.

Nimmt die Kommerzialisierung weiterhin überhand, wird eine Helene Fischer auch in unseren Halbzeitshows Bestandteil, bin ich bald geneigt, nur noch mit den Amateuren mitzufahren, wenn es sie denn auf lange Sicht überhaupt noch gibt.

Als Mitglieder des e. V. haben wir nämlich auch die U23-Mannschaft nicht mehr in unserem Einflussbereich, so dass unsere Amateure schneller weg vom Fenster sein könnten, wie wir gucken können. In einer Kapitalgesellschaft geht es schließlich um Profit Center, bringen die Amas auch in naher Zukunft kein Futter für die Profiabteilung hervor, ist sie verlustträchtig und dürfte auf den Prüfstand kommen. Aufgelöst und abgemeldet ist die Abteilung schnell, schließlich muss man ja dafür die lästigen Mitglieder nicht mehr befragen.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 8.6/10 (19 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +3 (from 3 votes)
26. Mai 2017

“Nein zur AG” heißt nicht #neinzumerfolg

Nach dem „So gut wie Aufstieg“ in Hannover durch das Bielefelder 6:0 gegen Eintracht Braunschweig, machte der VfB am Sonntag gegen die Würzburger Kickers erwartungsgemäß sein Meisterstück. Dem Schlusspfiff folgten Platzsturm und eine rauschende Feier auf dem Wasen, der ich, wie wohl viele andere auch, wegen der befürchteten Überfüllung gleich von selbst fern geblieben bin.

Jedoch muss ich auch zugeben, dass ich wegen des Aufstiegs nicht in eine allzu große Euphorie verfallen bin und auch nicht das Bedürfnis hatte, ein Stück Rasen oder einen Torpfosten mitzunehmen oder gar die „Aufstiegshelden“ zu herzen. Einige davon sind immerhin auch die Versager des Vorjahres, die lediglich mitgeholfen haben, zu reparieren, was über all die Jahre kaputt gegangen ist.

Die Aufstiege von Hannover 96 und vom VfB waren reine Pflichterfüllung, alles andere als der Aufstieg wäre in beiden Städten schlicht nicht zu vermitteln gewesen. Der finanzielle Vorsprung vor dem Rest der Liga war einfach zu gewaltig, um erneut ein Übergangsjahr zu gestatten. Zudem war in dieser 2. Liga kein Team, wie noch im Vorjahr Red Bull Leipzig, mit von der Partie, welches mit unlauteren Mitteln gekämpft hätte. Daher war es eher überraschend, dass bis zum letzten Spieltag noch kein Aufsteiger definitiv fest stand und letzte Restzweifel noch ausgeräumt werden mussten.

Dabei möchte ich die 2. Liga nicht kleiner reden, als sie ist. Auch dort wird ordentlicher Fußball gespielt, die meisten Vereine und Fanszenen habe ich im Laufe des Jahres ohnehin in mein Herz geschlossen, und dennoch, ein Blick auf das Budgetranking allein genügt, um zu erkennen, dass Hannover 96 und der VfB finanziell in einer anderen Liga spielten.

Der VfB schloss die Saison also als Meister ab und bekam als Lohn die „Radkappe“ überreicht. Schmückt dieser Titel alsbald noch unseren Briefkopf wäre dies der Gipfel der aufgesetzt wirkenden Euphorie. Als Fan begleitet mich derzeit eher Wehmut, diese tolle Liga nach nur einem Jahr schon wieder verlassen zu müssen.

Für den Verein war der Aufstieg jedoch überlebensnotwendig, um nicht Gefahr zu laufen, den Anschluss nach oben völlig zu verpassen und ein „normaler“ Zweitligaverein zu werden wie bspw. Fortuna Düsseldorf, VfL Bochum, 1. FC Kaiserslautern und mittlerweile auch der 1. FC Nürnberg. Zukünftig spielen wir also wieder mit im Konzert der Großen und die Intention der Vereinsführung ist es, den zweiten vor dem ersten Schritt tun zu wollen.

Anstatt sich zunächst einmal wieder zu etablieren, möchte man mit den Daimler-Millionen den Großangriff nach oben starten. Dafür wurde für kommenden Donnerstag (01.06.) eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt, um im Zuge (der erhofften) Euphorie die Ausgliederung durchpeitschen zu können.

Euphorisch mögen die Selfie-Knipser auf dem Rasen gewesen sein, ich war es nicht und, wäre ich es gewesen, wäre meine Euphorie seither schon wieder längst verflogen.

Bereits am Tag nach dem Aufstieg, kaum trocken von den Bierduschen, wurde publik, dass Controller Heim und Trikotverkäufer Röttgermann, zwischen Dutts Entlassung und Schindelmeisers Amtsantritt so etwas wie die letzten Mohikaner in der Vereinsführung, Simon Terodde eine Ausstiegsklausel in den Vertrag drucken ließen, die es ihm erlaubt, für die festgeschriebene Ablösesumme von sechs Millionen Euro den Verein bis zum 31.5. verlassen zu können.

Unser Aufstiegsgarant also vor dem Absprung? Knallhart holte uns somit die Bundesligarealität schon wenige Tage nach dem Aufstieg ein, nämlich, dass wir im Vergleich zu etablierten Bundesligisten doch nur ein kleines Licht sind und in Sachen Gehaltsangeboten auch mit Vereinen aus der Tabellenmitte nicht mithalten können. Einige fühlten sich in diesen Diskussionen bestätigt, der VfB brauche die Ausgliederung schon deshalb, um einen wie Terodde halten zu können. Ich sage, beim zunächst kolportierten Vertragsangebot von Borussia Mönchengladbach, 4-Jahresvertrag für einen 29-jährigen und 6 Millionen Euro Jahresgehalt, mitzubieten, wäre wahnwitzig gewesen, egal wie viel man auf dem Konto hat. Natürlich verleitet es, je mehr Geld man zur Verfügung hat, auch unvernünftige Sachen zu machen, doch, wollen wir das wirklich?

Wenn ich schon nicht sonderlich euphorisch war, ob des zu erwartenden Aufstiegs, gefallen haben mir die „ERSTKLASSIG“-T-Shirts schon, mit denen die Jungs zusammen mit den Fantastischen Vier auf der Bühne des Cannstatter Wasens herumgehüpft sind. Der Slogan „ERSTKLASSIG“ ist zwar nicht sonderlich der Rede wert, waren wir doch die meiste Zeit der Vereinsgeschichte erstklassig, aber, sei’s drum. Einen Aufstieg erlebt man trotzdem nicht alle Tage, so war ich gewillt, mir dieses Shirt für stolze 20 Euro zu gönnen.

Dann allerdings das böse Erwachen: einen Tag nach dem Aufstieg (und bis heute) war dieses Shirt im Online-Shop auf der VfB-Seite nur in extrem kleinen Größen bestellbar. Es ist ja auch nicht so, dass man in seinem Online-Shop unbegrenzt Bestellungen annehmen und nach Auftragseingang produzieren lassen könnte, nein, beim VfB ist in einem solchen Fall die Bestellung überhaupt nicht möglich! Für mich wäre das Shirt JETZT interessant gewesen, nach der Terodde-Ernüchterung und wohl erstrecht nach der Mitgliederversammlung ist es das wohl nicht mehr.

Ich habe mir zwar sagen lassen, im Shop sei das Shirt in rauen Mengen und sämtlichen Größen verfügbar, doch, manchmal kommt man einfach nicht „runter“ und zahlt dann lieber die Versandkosten, um ein Produkt bequem nach Hause geliefert zu bekommen. Ein wirkliches Argument ist die Verfügbarkeit vor Ort ohnehin nicht, in Anbetracht der vielen auswärtigen Fans, die schon gar nicht die Möglichkeit haben, den Shop außerhalb von Spieltagen zu besuchen.

Solang der VfB nicht in der Lage ist, die bei vielen Fans existente Euphorie in bare Münze umzuwandeln, frage ich mich, weshalb man dem Verein mehr Geld in die Hand geben sollte. Um solche Versäumnisse zu kaschieren? Der VfB hat durchaus, auch ohne die Daimler-Millionen, noch längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft, um mehr Geld als bisher einzunehmen.

Nicht nur aus diesem Grund steht es mittlerweile fest, dass ich am kommenden Donnerstag für „Nein“ stimmen werde. Es ist die Art des „Wahlkampfs“, die mir so sauer aufstößt. Je mehr Skeptiker, als solche hingestellt werden, die „nein zum Erfolg“ sagen würden, je mehr Vorbehalte gegen die Ausgliederung, wie sie vollzogen werden soll, ganz im Trump-Stil als „Fake-News“ abgetan werden, desto mehr wächst mein Misstrauen, desto mehr bin ich mir sicher, dass wir unser blaues Wunder erleben würden, wenn denn mit „Ja“ gestimmt wird.

Es ist natürlich gutes Recht vom VfB, seine Position als die einzig wahre darzustellen, wenn er derart vom eigenen Konzept überzeugt ist. Solang er aber lediglich seine Position propagiert und keinerlei Informationen zu Alternativen mit deren Fürs und Widers zur Entscheidungsfindung an die Hand gibt, darf er sich nicht wundern, wenn man sich anderer Quellen bedient und der Vereinsführung und deren Propaganda kein Wort mehr glaubt.

Die Propaganda nimmt dabei immer groteskere Züge an. Dass ein Vereinsangestellter wie Thomas Hitzlsperger für das Vorhaben des Vereins wirbt und dass der Aufsichtsrat Hermann Ohlicher sich fürs neu zu wählende Gremium in Stellung bringen lässt, verständlich.

Wenn jedoch zudem ein Sami Khedira vor den Propaganda-Karren gespannt wird, ist das für mich an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Wir stehen vor einer ernsten Entscheidung, die genau abgewogen gehört und zu der die Mitglieder gut beraten wären, sich eingehend zu informieren.

Da gehört es sich einfach nicht, Vereinsikonen als Stimmungsmacher zu missbrauchen und dadurch Stimmenfang betreiben zu wollen. Ich würde gerne einmal von Sami Khedira wissen, inwieweit er sich nach dem Gewinn der Coppa Italia und des Scudetto und mitten in den Vorbereitungen für das große und alles überstrahlende Champions League Final gegen Real Madrid mit den Auswirkungen der Ausgliederung befasst und sich in die Materie eingelesen hat.

Den Gegnern der Ausgliederung wird von den Befürwortern, weil ihnen echte Argumente fehlen, meist vorgeworfen, Ewiggestrige oder Ultras zu sein. Ich bin weder Fortschritt nicht aufgeschlossen, noch ein Ultra und dennoch dagegen, am Donnerstag dem Vorhaben des Vereins zuzustimmen.

Dass der e. V. in der derzeitigen Form für Profivereine bald ausgedient hat und irgendwann auch nicht mehr zulässig sein dürfte, dem verschließe ich mich nicht. Schon aufgrund dieser Tatsache bin ich kein „e. V.-Verfechter“, sondern sehe die gewählte Rechtsform der AG als diskussionswürdig an.

Es gäbe andere Formen, durch die sowohl den Steuergesetzen als auch neuer Möglichkeiten von Kapitalbeschaffung Rechnung getragen würde. Das Commando Cannstatt 97 hat die Alternativen was die Rechtsform angeht fundiert beleuchtet unter http://www.cc97.de/stellungnahme-zur-aomv und kommt zu dem Schluss, dass der VfB (und die Daimler AG) die Rechtsform der AG wohl in erster Linie deshalb gewählt haben dürfte, um dem Investor größtmöglichen Einfluss zu gewähren.

Auch auf die schwindende Möglichkeit der Mitbestimmung wird dabei eingegangen und zu dem Schluss gelangt, dass der Investor (bzw. die Investoren) im Aufsichtsrat in der Überzahl sein wird und das Mitglied eben nur noch bei belangloseren Entscheidungen weiterhin Mitspracherecht genießt.

Geht diese Ausgliederung durch, hinterfrage ich meine Mitgliedschaft auf jeden Fall und werde höchstwahrscheinlich aus dem Verein austreten. Meine Verbundenheit zum Verein bringe ich auch anders zum Ausdruck, der einzige „Vorteil“, den meine Mitgliedschaft dann noch mit sich brächte, wäre die vierteljährlich erscheinende Ausgabe von Dunkelrot. Als Dauerkarteninhaber, Allesfahrer und Fanclubmitglied ist für mich bspw. das Vorkaufsrecht auf Eintrittskarten völlig uninteressant und somit kein Grund, an der Mitgliedschaft festzuhalten.

Da der Verein durch sein Vorgehen eine unnötige Schärfe in die Debatte bringt, in „Gute und Schlechte Mitglieder“ unterteilt, sich selbst einen unnötigen Zeitdruck auferlegt und sich offensichtlich auch noch erhofft, Mitglieder durch materielle Anreize ködern zu können, bin ich mal gespannt, wie sich das Klima entwickelt, sollte der Ausgliederung die Zustimmung verweigert werden.

Das, was man bei Präsident Dietrich schon aufgrund seines ehemaligen Postens als Stuttgart21-Sprecher befürchtet hatte, nämlich, dass er die Mitglieder eher spaltet als eint, steht nun auf dem Prüfstand. Es wurden Horrorszenarien für den Fall einer Ablehnung gesponnen, auch Jan Schindelmeiser meinte in diesen Tagen, ohne Ausgliederung würde es „sehr schwer für uns“ werden.

Dabei fußt meine Hoffnung auf eine bessere Zukunft sehr auf der Kompetenz eines Jan Schindelmeiser, auch mit geringeren Mitteln erfolgreich wirtschaften zu können. Unser Problem in den letzten Jahren war ja auch nicht, dass zu wenig Geld vorhanden war, sondern, dass der VfB das sich selbst auf die Fahne geschriebene “Ausbildungsverein” auch bei der Ernennung der Sportdirektoren wörtlich nahm. Seit Rolf Rüssmann war kein Mann vom Fach mehr in dieser Position tätig. Von Übergangslösungen wie Briem/ Schneider über Heldt, den man vom Spielfeld direkt auf den Posten des Sportdirektors hob, über Fredi Bobic, seines Zeichens bis dahin als Dummschwätzer in der Krombacher Saufrunde tätig und als ehemaliger Einzelhandelskaufmann-Azubi bei Hertie prädestiniert für den Job, bis hin zu Robin Dutt, der zwar Trainer durch und durch war, als Sportdirektor beim DFB jedoch schon heillos überfordert war. Diese Personalentscheidungen auf der für ein Fußballunternehmen neben dem Trainer wichtigsten Position, haben uns schleichend dem Abgrund näher gebracht. In Folge dessen wurde auf falsche Trainer gesetzt, das Gehaltsniveau unverantwortlich angehoben, falsche Spieler geholt und dafür gesorgt, dass uns Koryphäen im Nachwuchsbereich fluchtartig verließen und inzwischen Leipzig noch größer machen, als die ohnehin schon geworden sind. Mit Jan Schindelmeiser haben wir erstmals seit langem einen Mann vom Fach, dessen Geschick bei Transfers er ja bereits in den 10 Monaten, in denen er beim VfB ist, unter Beweis gestellt hat.

Spannend dürfte es in jedem Fall werden, wie die „Verlierer“ der Abstimmung mit dem Ergebnis umgehen werden und ob es gelingt, die Fangemeinde dann wiederzuvereinen.

Mir erschließt es sich noch immer nicht, wie man am Tiefpunkt der Vereinshistorie Anteile verscherbeln kann und warum man das nicht tut, wenn man wieder in der Bundesliga Fuß gefasst hat und im besten Fall mal wieder international spielt. Dass die Qualifikation fürs internationale Geschäft noch immer durch gute, kontinuierliche Arbeit geschafft werden kann, bewies in der abgelaufenen Saison der 1. FC Köln.
Von Vereinsseite wird immer kommuniziert, der Daimler engagiere sich allein aus Verbundenheit zum Verein und verlange keinerlei Gegenleistung. In diesem Licht stelle ich mir die Frage, wie es kommt, dass der VfB jetzt als Aufsteiger über 300 Millionen Euro wert sein soll, wenn vor anderthalb Jahren, als der Verein 40 Jahre ununterbrochen Bundesliga gespielt hat, schon 180 Millionen Euro als zu hoch gegriffen erschienen.

Ist die Marke von 41,5 Millionen Euro, die der Daimler dem VfB sofort zur Verfügung stellen würde, ein „Zuckerle“ für die Mitglieder, um ja nicht auf die Idee zu kommen, „falsch“ abzustimmen?

Bei #vfbimdialog trat zutage, dass es sich bei den 300 Millionen Euro gar nicht um den derzeitigen Wert des Vereins handelt, sondern man diesen mit Hoffnungen in die Zukunft errechnet habe.

„Ja zum Erfolg“, besserer Tabellenplatz, dadurch mehr Fernseheinnahmen, dadurch exorbitantes Ansteigen der Merchandising- und Sponsoring-Erlöse, und, und, und. Siehe oben, gerade im Merchandising-Bereich genügt es meiner Ansicht nach, einfach besser zu werden, um brach liegende Potentiale zu nutzen. Das oben aufgeführte war nur eines von unzähligen Beispielen der jüngeren Vergangenheit, bei dem man nur den Kopf schütteln kann. Größen fallen höchst unterschiedlich aus, die Qualität ist nicht die beste und fehlende Verfügbarkeit führen dazu, dass mit Rabattgutscheinen um sich geschmissen wird, um die wütende Kundenschar zu besänftigen.

Die Errechnung eines Unternehmenswertes mit Hoffnungen in die Zukunft erscheint mir höchst fragwürdig. Was passiert denn, wenn diese Hoffnungen nicht eintreten? Was, wenn Jan Schindelmeiser mit seinen nächsten Transfers daneben liegt, Hannes Wolf im Herbst entlassen wird und wir dem neuerlichen Abstieg entgegen taumeln sollten? Sind dann die bislang lediglich feststehenden 41,5 Millionen Euro nicht nur die Anschub-, sondern auch die Endfinanzierung?

Ist das dann die Summe, für die wir uns letztlich in die Hände eines Investors begeben haben? Wer davon träumt, dass wir mit diesem Geld auf Anhieb in der Bundesliga oben mitspielen werden, ist ein Phantast. Es fließt zunächst nur ein Bruchteil in den Kader. Ein Großteil wird für die Sanierung der Trainingsplätze und des Clubheims benötigt, zudem soll der Jugend- und Scouting-Bereich weiter professionalisiert werden. Die restlichen 58,5 Millionen Euro, um die 100 mit weiteren Investoren voll zu machen, sind derzeit noch genauso unsicher wie der weitere sportliche Werdegang unseres VfB. Abstimmen tun wir also zunächst einmal über eine 41,5 Millionen Euro Finanzspritze.

Magnus Missel hat in seinem Blog unter https://dervfbblog.wordpress.com/2017/05/26/rueckblick_ausblick_blicksch-du-s-net/ einige von mir am Rande erwähnten zu hinterfragenden Punkte analytisch herausgearbeitet und wundert sich ebenso wie ich, weshalb plötzlich im Nachwuchsbereich ein so großer Renovierungsbedarf herrschen soll.

Der VfB rechnet diese 41,5 Millionen Euro zwar dem Eigenkapital zu, weil er diese unverzinst erhält. Das Geld soll in Beine und Steine investiert werden und ist demzufolge in Kürze weg. Was aber, wenn der Daimler von seinem theoretischen Recht Gebrauch macht und seine Anteile weiter veräußern möchte? Der VfB hat zwar die Möglichkeit, beim Weiterverkauf an einen Dritten sein Veto einzulegen und die Anteile selbst zurückzukaufen, doch, wie soll das funktionieren, wenn kein Geld mehr da ist? Es wurde zwar wohl ein Modell ausgearbeitet, die es dem VfB erlaubt, die Anteile „im Rahmen seiner Möglichkeiten“ vom Daimler zurückzukaufen bzw. abzustottern und doch würde uns dieses Szenario über Jahre belasten.

Was mir ferner Angst macht, ist, dass Jan Schindelmeiser bei #vfbimdialog gesagt hat, um mit den Emporkömmlingen der letzten Jahre, wie Hoffenheim und Leipzig, (finanziell) konkurrieren zu können, müsse sich unser Gehaltsvolumen von derzeit 25 Millionen Euro in den nächsten Jahren bis auf 100 Millionen Euro erhöhen.

Bei einem Kader von 20 Spielern hieße das, dass JEDER im Schnitt fünf Millionen Euro mit nach Hause nehmen würde. Ich dachte, wir hätten aus der Vergangenheit unsere Lehren gezogen und würden nicht noch einmal in die Championsleague-Falle tappen.

Persönlich habe ich ein Problem mit der Gehälterentwicklung im Profifußball und bin froh, dass der Verein sein Gehaltsniveau von ca. 60 Millionen in der Heldt-Ära auf jene 25 Millionen Euro heruntergefahren hat. Dieses darf sich auch gerne jetzt wieder auf ein Normalmaß für Bundesligaverhältnisse erhöhen. Normalmaß heißt für mich, dass die Ausgaben- die Einnahmenseite nicht übersteigt und wir keine Gehälter zu stemmen haben, die uns bei Misserfolg um die Ohren fliegen. Hier bin ich ganz Fußballromantiker und sage, man muss nicht jeden Irrsinn auf Teufel komm raus mitmachen.

Das Investment des Daimler und mutmaßlich weiterer Investoren fließt ja auch nicht jährlich sondern einmalig, so dass jeder Euro, der zusätzlich in die Taschen der Spieler fließt, an anderer Stelle wieder eingenommen werden muss. Sollten wir je mal wieder Champions League spielen, dürfen die Spieler gerne an den Einnahmen partizipiert werden, jedoch wäre ich vorsichtig, wie in der Vergangenheit, mit horrenden Grundgehältern in Vorleistung zu gehen, die einem die Luft zum Atmen nehmen, sollte der sportliche Erfolg ausbleiben.

Daher ist für mich noch immer Vernunft das oberste Gebot. Ich sehe als den Lauf der Zeit an, dass wir niemals alle Spieler werden halten können und es immer Vereine geben wird, die einem Spieler mehr bereit sind zu bezahlen als es der VfB tun sollte. Gibt man diesen Befindlichkeiten nach und macht die Preistreiberei gegen Vereine wie Hoffenheim und Leipzig mit, ufert das aus und weckt neue Begehrlichkeiten bei denen, die schon da sind. Auch hier gilt es langsam zu wachsen und nicht plötzlich das Geld mit vollen Händen hinaus- bzw. in den Rachen der Spieler zu werfen.

Das Stellen des Nachwuchsbereiches auf eigene finanzielle Beine ist für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung. Hier benötigt es Geduld, bis die erfolgten Umstrukturierungen den ersten Ertrag bringen. Durch Ungeduld und finanzielle Unvernunft würde der Druck gewaltig und unnötig erhöht werden, schnellen sportlichen Erfolg einzufahren.

Da freunde ich mich doch lieber mit dem „Freiburger Modell“ an und kalkuliere notfalls auch einen Abstieg mit ein, wenn die getroffenen Personalentscheidungen nicht ins Schwarze trafen oder ein Jahrgang aus dem Jugendinternat nicht die erhoffte Verstärkung für den Profifußball brachte. Freiburg ging aus seinem letzten Abstieg gestärkt hervor, indem man Leistungsträger gewinnträchtig verkaufen und die Mannschaft für die 2. Liga weitestgehend aus dem eigenen Nachwuchs und günstigen Neuzugängen rekrutierte. Die Transfererlöse wurden also überwiegend für schlechtere Zeiten auf die hohe Kante gelegt, so dass der SC derzeit liquider als der (große) VfB sein dürfte.

Auch der VfB konnte nach dem Abstieg hohe Transfererlöse erzielen, um den finanziellen Aderlass durch den Abstieg aufzufangen. Vor allem seit Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf hier sind, wird wieder vermehrt auf die Jugend gesetzt, was auch der Schlüssel für die meisten großen Erfolge der Vergangenheit war. Dieser Weg muss konsequent weiter gegangen werden. Hat man mal wieder ein absolutes Top-Talent wie Joshua Kimmich in den eigenen Reihen, muss dieses erkannt und gefördert werden und darf uns nicht noch einmal durch die Lappen gehen. Die vom Daimler versprochenen 41,5 Millionen Euro sind im heutigen Fußball-Business nicht mehr die Welt und könnten heute allein durch einen Verkauf eines Spielers wie Kimmich generiert werden, ganz ohne die Seele des Vereins zu verkaufen.

Der VfB ist ein Ausbildungsverein und wird meiner Ansicht nach auch einer bleiben (müssen). An die Mär, die uns die Vereinsführung in ihrem im „Sendung mit der Maus“-Style erstellten Erklärbär-Video weismachen möchte, dass wir durch die Ausgliederung wieder in der Lage sein würden, Spieler zu halten, glaube ich im modernen Fußball nicht. So gut wie jeder wird dorthin gehen, wo es mehr zu „verdienen“ gibt, fast immer gibt es für Spieler, die Begehrlichkeiten anderer Clubs geweckt haben, einen Verein, der über das vom VfB vertretbare Maß hinaus eine Schippe drauf legt, so dass es nur vernünftig ist, irgendwann aus den Verhandlungen auszusteigen.

Auch wenn ich ein Gegner der Ausgliederung in der zur Abstimmung stehenden Form bin, heißt das nicht, dass ich den VfB nicht auch gerne erfolgreich sehen möchte. Erfolg ist dabei jedoch relativ. Im letzten Jahrzehnt hat der VfB derart den Anschluss verpasst, so dass dieser auch mit einer 41,5 Millionen Euro Spritze nicht so schnell wieder hergestellt werden kann.

Der Aufstieg war ein erster Schritt. Wie die Fans den Verein auch in der 2. Liga unterstützt haben, war phänomenal. Das ist das Fundament, auf dem sich aufbauen lässt. Das Wissen um eine treue Fangemeinde, die dem Verein auch in schwierigeren Zeiten die Stange hält. Wunderdinge werden nach dem Wiederaufstieg die wenigsten vom VfB jetzt erwarten.

Der Verein muss sich weiter konsolidieren und nach zehn Jahren Misswirtschaft den Anschluss langsam wieder herstellen. Die einmalige Finanzspritze der Daimler AG würde zwar helfen, diesen Prozess zu beschleunigen, jedoch zu einem für mich zu hohen Preis, ohne Erfolgsgarantie und mit erheblichen Risiken!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 7.8/10 (40 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +7 (from 15 votes)