24. Juni 2010

Three Lions im Achtelfinale

England steht im Achtelfinale. Mit einem verdienten 1:0 (1:0)-Sieg gegen Slowenien sicherte sich die Mannschaft von Trainer Fabio Capello den zweiten Platz in Gruppe C und ist damit ein möglicher Gegner der deutschen Mannschaft im Achtelfinale. Vor 36.000 Zuschauern im Nelson Mandela Bay Stadion in Port Elizabeth erzielte Jermain Defoe (22.) das Tor des Tages für die Engländer. Damit sicherte sich England den zweiten Platz in Gruppe C und trifft im Achtelfinale am 26. Juni auf Erzrivale Deutschlannd, das die Gruppe D mit einem 1:0 gegen Ghana als Erster abschloss. Als Gruppensieger zieht auch die USA in Achtelfinale ein, das zeitgleich gegen Algerien gewann.

Donovan schießt USA zum Gruppensieg

Die USA haben am 3. Spieltag der Gruppe C Algerien mit 1:0 (0:0) geschlagen und ziehen damit als Gruppenerster ins Achtelfinale ein. Algerien ist mit nur einem Punkt ausgeschieden. Im Lotus-Versfield-Stadion in Pretoria entwickelte sich ein schnelles Spiel mit vielen Chancen auf beiden Seiten. Den erlösenden Treffer erzielte Landon Donovan aber erst in der Nachspielzeit.

Serbien und Australien gescheitert

Schock für Serbien, Aus für Australien: Die WM in Südafrika ist für Weiße Adler und Socceroos vorbei. Zwar gewannen die Australier nach einer Leistungssteigerung gegen die erneut sehr enttäuschenden Serben mit 2:1 (0:0) – doch das reichte ihnen nicht zum zweiten Achtelfinal-Einzug nach 2006. Serbien ist bei der elften Teilnahme zum vierten Mal in Runde eins gescheitert, der Sieg gegen Deutschland war doch zu wenig.Vor 37.836 Zuschauern im Mbombela-Stadion von Nelspruit waren die Serben lange die bissigere Mannschaft, das Team mit der etwas reiferen Spielanlage. Australien mühte sich erst richtig, als es (fast) schon zu spät war und kam durch den nach einer Rot-Sperre erst zurückgekehrten Tim Cahill verdient zum 1:0. Der erst kurz zuvor eingewechselte Brett Holman erhöhte sogar noch (73.). Der Anschlusstreffer von Marko Pantelic (84.) kam zu spät. In der Nachspielzeit vergab Pantelic noch die Chance zum 2:2.

(spox.com)

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22. Juni 2010

Keine Spur von Selbstzweifeln

Das zweite Gruppenspiel ist verloren, die Nerven liegen blank. Bereits auf dem Platz haben sich die deutschen Spieler nach Kräften gegenseitig beschimpft und machen sich auch danach in der Kabine schwere Vorwürfe. Also sieht sich der Teampsychologe Hans-Dieter Hermann zum Eingreifen gezwungen. Er initiiert eine Mannschaftssitzung ohne die Trainer, eine offene Aussprache der Spieler, die atmosphärische Störungen bereinigen soll. Das gelingt mühevoll – Deutschland schlägt Österreich mit 1:0 und erreicht am Ende sogar das Endspiel dieser Europameisterschaft 2008.

Zwei Jahre später, bei der Weltmeisterschaft in Südafrika, hat die DFB-Auswahl wieder das zweite Gruppenspiel verloren, wieder gegen ein Team vom Balkan. 1:2 hieß es 2008 gegen Kroatien, 0:1 am Freitag gegen Serbien. Und wieder hat sich das Team damit vor dem letzten Spiel am Mittwoch gegen Ghana selbst unter massiven Druck gesetzt. Diesmal droht sogar eine historische Pleite – noch nie ist eine deutsche Mannschaft bei einer WM schon in der Vorrunde gescheitert. Eine Krisensitzung wird diesmal trotzdem nicht nötig sein: “Ich bin zu hundert Prozent sicher, dass wir weiterkommen”, sagt der Kapitän Philipp Lahm.

Es gibt keine Schuldzuweisungen

Für große Zuversicht im deutschen Lager sorgen mehrere Dinge. Dazu gehört vor allem die Art und Weise, wie die Mannschaft diesmal verloren hat. Chancenlos war sie vor zwei Jahren gegen Kroatien gewesen – und zeigte gegen Serbien vor allem in Unterzahl eine sehr couragierte Leistung. Vieles kam in diesem Spiel zusammen, der frühe Platzverweis für Miroslav Klose etwa, Sami Khediras Schuss an die Latte kurz vor der Pause, der vergebene Elfmeter von Lukas Podolski danach. “Wir lassen uns nicht einreden, dass es ein schlechtes Spiel war, es war sehr ordentlich”, sagt Philipp Lahm und ist überzeugt davon, “dass wir mit elf Mann nicht verloren, sondern mit Sicherheit gewonnen hätten.”

Weitere Hoffnung auf einen Sieg gegen Ghana macht, wie die Spieler mit der Niederlage und auch miteinander umgehen. Es gibt, anders als 2008, keine Schuldzuweisungen und keine teaminternen Spannungen. “Diese Mannschaft hat wirklich einen sehr guten Charakter”, sagt der Teammanager Oliver Bierhoff.

Natürlich sei die Stimmung nach der Niederlage gedrückt gewesen, und natürlich wüssten die Spieler genau, dass die Situation nun viel angespannter sei als nach dem Auftaktsieg. “Aber ich spüre weiterhin einen großen Zusammenhalt”, erklärt Oliver Bierhoff. Und Philipp Lahm sagt: “Man hat auch gegen Serbien gesehen, dass eine Mannschaft auf dem Platz stand, die vollkommen intakt ist.”

Auch Lahm beruhigt die Fans

Gemeinsam mit dem Bundestrainer Joachim Löw (“Wir lassen uns nicht nervös machen, ich bin sicher, dass wir das Achtelfinale erreichen”) hat Lahm die Aufgabe übernommen, die besorgte Nation zu beruhigen und den Kollegen Sicherheit zu vermitteln. Der Druck sei nicht anders als vor jedem Spiel – “die jungen Spieler müssen einfach so weiterarbeiten wie bisher, dann wird es gutgehen.”

Das Auftreten des Kapitäns – auch das ist also anders als bei der Europameisterschaft. Wie der damalige Nationaltorhüter Jens Lehmann in seinen jüngst erschienen Memoiren berichtet, habe Michael Ballack (gemeinsam mit Torsten Frings) vor zwei Jahren schlechte Stimmung in der Mannschaft verbreitet und “die ganze Gruppe zum Nichtstun verdammt”. Nicht zuletzt seinetwegen sei die Krisensitzung nötig gewesen.

Allerdings: der Kapitän Michael Ballack ist 2008 gleichzeitig derjenige gewesen, der im letzten Gruppenspiel das Siegtor erzielt hat. Auch diese Aufgabe muss jetzt ein anderer übernehmen.

(STZ online 21.6.10)

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21. Juni 2010

Deutschland vor dem Alles-Oder-Nichts-Spiel

Nach dem überzeugenden Sieg gegen Australien folgte gegen die Serben die große Ernüchterung. Nach verhaltenem Beginn beider Mannschaften und ausgeglichenem Spiel schwang sich der spanische Schiedsrichter Undiano zur Hauptperson des Abends auf. In einem an sich fairen Spiel brachte er durch leichtffertig verteilte gelbe Karten Hektik hinein, die darin gipfelte, dass Miroslav Klose bereits in der 37. Minute mit gelb-rot vom Platz gestellt wurde. Wenn jeder Körperkontakt mit gelb bedacht wird, kann man das Fußball spielen langsam einstellen. Es waren in diesem Spiel so gut wie keine brutalen Fouls vorhanden, die Attacken galten meist dem Ball. Wenn man dann andere Spiele, wie zum Beispiel gestern Brasilien-Elfenbeinküste, sieht, wo brutalste Fouls nicht einmal mit gelb geahndet wurden, grenzt das an Schiebung seitens der Schiedsrichterzunft, da wir, und natürlich auch die Serben, im weiteren Turnierverlauf stark benachteiligt sind, da eine ganze Reihe von Sperren drohen. Schon die gelben Karten gegen Özil und Cacau im ersten Spiel gegen Australien waren fragwürdig, da es beide Male keine offensichtlichen Schwalben waren. Man kann im Fußball durchaus auch zu Boden gehen, ohne gefoult worden zu sein, und ohne, dass Vorsatz im Spiel war. Ich bin normalerweise kein Freund davon, dass die FIFA Schiedsrichter aus Föderationen beruft, deren Nationalteams nie eine WM-Endrunde erreichen, wie z. B. aus Malaysia oder Indonesien, da man denen nicht unbedingt große Erfahrungen mit dem Profifußball unterstellen kann. Dass aber in den besagten Fällen Schiedsrichter aus den Fußballnationen Frankreich und Spanien so einen Stuss zusammen pfeifen, dafür fehlt mir jegliches Verständnis. Im Allgemeinen finde ich, dass die Schiedsrichter bei dieser Weltmeisterschaft erheblichen Einfluß auf den Ausgang der Spiele nehmen, sowohl durch fragwürdige Platzweise, als auch inkorrekt erzielte Tore. Ich plädiere schon lange für den Einsatz von technischen Hilfsmitteln, um Gerechtigkeit herbeizuführen. Es muß ja nicht jede Szene aufgearbeitet werden, aber besonders strittige Szenen könnten so in den meisten Fällen aufgelöst werden. Eine Möglichkeit wäre, beiden Mannschaften pro Spiel bspw. 3 Möglichkeiten einzuräumen, das Spiel unterbrechen zu lassen, um Szenen aufzuarbeiten. Die Argumentation der FIFA mit ihrem Ober-Guru Sepp Blatter, dass dies dann bis in die untersten Ligen gelten müsse, kann ich nicht nachvollziehen. Man könnte dies doch auf die höchsten Ligen, den Europ-Cup und kontinentale bzw. Weltmeisterschaften beschränken, eben immer dort, wo es um besonders viel geht und wo auch viel Geld im Spiel ist. Auf dieser Weltmeisterschaft, angefangen mit Henrys Handspiel bei der Relegation gegen Irland, liegt bereits jetzt aufgrund der vielen Fehlentscheidungen ein dunkler Schatten.

Widmen wir uns jetzt aber dem anstehenden Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ghana. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: ich schiebe die Niederlage gegen die Serben nicht alleine dem Schiedsrichter zu. Er hat nur in einer Phase, in der das Spiel sehr ausgeglichen war, maßgeblich Einfluß genommen. Die Serben haben eine mit Top-Stars gespickte Mannschaft, gegen die man durchaus verlieren kann, zumal uns Mannschaften aus Ex-Jugoslawien auch nicht unbedingt liegen, siehe die Niederlage bei der Euro 2008 in Klagenfurt gegen Kroatien. Daher sollten wir jetzt auch nicht Trübsal blasen, sondern nach vorne schauen.

Gegen Ghana werden die Karten wieder neu gemischt und ich bin überzeugt davon, dass unser Team diese Hürde nehmen wird. Wovor sollten wir auch Angst haben? Es geht gegen die Nummer 32 der Weltrangliste, die es gegen 10 Australier nicht geschafft hat, eine Führung nach Hause zu bekommen. Auch den “Heimvorteil” in Afrika schätze ich als nicht entscheidend ein. Durch das eintönige Vuvuzela-Getröte kommt sowieseo keine Stimmung auf, die Atmosphäre ist in allen Stadien gleich und potentielle Schlachtgesänge nicht zu vernehmen. Wir haben die besseren Einzelspieler und nach Ballacks Ausfall die Führungsverantwortung auf mehrere Schultern verteilt. Bei Ghana wiegt der Ausfall Essiens schwerer, weil er schon DIE Führungspersönlichkeit in der Mannschaft ist. Die Abwehr Ghanas ist auf jeden Fall zu knacken. Sie geriet gegen 10 Australier gehörig ins Schwimmen, außerdem strahlt Torhüter Kingson keine allzu große Sicherheit aus und lässt Bälle oft nach vorne abprallen. Zweikampfstark und torgefährlich präsentiert sich allerdings im Mittelfeld Kevin-Prince Boateng, der Halbbruder unseres Nationalspieler Jerome Boateng. Kevin-Prince hat ja vor der WM unseren Kapitano Michael Ballack nach einigen Scharmützeln, an denen Ballack sicher auch nicht unschuldig war, mit einem dem Anschein nach absichtlichen Foulspiel aus dem WM-Kader getreten. Er hat sämtliche Jugendmannschaften des DFB durchlaufen, sich dann aber für die Nationalmannschafts-Karriere mit Ghana entschieden. In Deutschland hätte er es sicher schwerer gehabt, WM-Spieler zu werden, zumal ihm der Ruf des Ghetto-Boys und Rüpels vorauseilt, so dass er bei uns auch keine Lobby gehabt hätte. Er wird im Mittelfeld die Wege Özils kreuzen. Es bleibt zu hoffen, dass der Schiedsrichter bei der Zweikampfführung genau hinschaut und linke Touren sofort unterbindet, ohne natürlich so kleinlich zu sein wie der Spanier aus dem Serben-Spiel.  Stark auch Ayew, dribbelstark und schnell, der meist über die rechte Seite kommt. Hier sollte sich Joachim Löw genau überlegen, ob er die Bewältigung dieser Aufgabe dem gegen die Serben oft überforderten Holger Badstuber zutraut oder nicht doch ein Wechsel fällig wird. Auf die alleinige Spitze Gyan muss ebenfalls besonders aufgepasst werden. Er ist schnell und ballsicher und legt immer wieder passgenau auf die nachrückenden Mittelfeldspieler ab. Weitere Stützen des Teams sind Kapitän Mensah sowie die Bundesligalegionäre Vorsah, Sarpei und Prinz Tagoe, die Nationaltrainer Rajevac natürlich wertvolle Tipps über die deutschen Spieler geben können.

Für Deutschland besteht dennoch kein Grund Angst vor diesem Endspiel zu haben. Dass Deutschland das 2. Gruppenspiel vergeigt, hat inzwischen fast schon Tradition, um dann im alles entscheidenden dritten Gruppenspiel Nervenstärke zu beweisen. Die mentale Stärke könnte zum großen Vorteil Deutschlands erwachsen. Im Gegensatz dazu könnte der große Druck Ghana erdrücken. Nach dem schwachen Abschneiden nahezu aller afrikanischen Teams sollen die Black Stars die Ehre eines ganzen Kontinents retten. Deutschland muß hochkonzentriert zu Werke gehen und die gegen Australien gezeigten Stärken auf den Platz bringen. Nämlich eine Mannschaft ausspielen zu können und sich eine ganze Reihe von Torchancen erarbeiten.  Wenn das gelingt, ist mir vor dem Spiel nicht bange. Wer im Sturm den gesperrten Klose ersetzen darf, darauf bin ich gespannt. Nach den bislang gewonnenen Eindrücken, kann die Lösung nur Cacau heißen, der dem einstigen Super-Mario inzwischen den Rang abgelaufen hat. Dagegen könnte höchstens sprechen, dass Cacau auch als Einwechselspieler Schwung bringt und einen Wirbel entfacht, was Gomez nicht gelang, wenn er herein kam. Sollte die Denkweise unseres Bundes-Jogis dem entsprechen, wäre wieder einmal das Leistungsprinzip außer Kraft gesetzt. Nach den gezeigten Leistungen hätte es unser Cacau verdient.

Eine starke WM spielt auch Sami Khedira, der durch den Ausfall von Ballack plötzlich in den Blickpunkt rückte und seine Aufgaben bislang zur vollsten Zufriedenheit löste. Mit etwas mehr Glück hätte er gegen Serbien den Ausgleich besorgen und WM-Torschütze werden können. Der dritte Stuttgarter im Kader, Serdar Tasci, spielt derzeit keine Rolle. Nach den im Saisonverlauf gezeigten Leistungen für mich nachvollziehbar, auch wenn er das anders sieht und in einem Interview einen Startplatz für sich beanspruchte. Dass Christian Träsch kurz vor WM-Beginn ausgefallen ist, finde ich noch immer bitter. Er hatte eine Super-Saison, ist ein richtiges “Kampf-Schwein” und wäre im defensiven Mittelfeld erste Alternative zu Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira gewesen. Für das anstehende Spiel gegen Ghana wäre er sogar als Rechtsverteidiger denkbar gewesen, wenn man die bislang unsichere linke Seite durch Phillip Lahm hätte stärken wollen. Aber: hätte, wenn und aber hilft nicht. Träschi hat die WM unglücklich verpasst und kommt hoffentlich bald wieder auf die Beine, um mit dem VfB in der kommenden Saison wieder voll angreifen zu können.

Die deutsche Mannschaft hat also sicher das Zeug dazu, Ghana zu bezwingen. Wichtig ist Konzentration, “höckschte Disziplin” und auch ein bißchen mehr Glück im Torabschluss als gegen Serbien. Lukas Podolski, auf den Joachim Löw meiner Meinung nach zu Recht, nichts kommen lässt, versiebte zwei gute Chancen innerhalb weniger Minuten und kurz darauf noch den Elfmeter. Gerade nach diesen beiden vergebenen Chancen hatte ich schon ein ungutes Ungefühl, als er zum Punkt schritt, einfach weil ihm offensichtlich das Schussglück an diesem Tag fehlte. Hier hätte sich Bastian Schweinsteiger durchsetzen sollen oder Poldi vielleicht auch freiwillig verzichten sollen. Es ist natürlich hypothetisch zu mutmaßen, ob Schweinsteiger den Strafstoss verwandelt hätte…

Ich hoffe, dass uns die Mannschaft mit einem überzeugenden Spiel früh erlöst und wir nicht bis zum Schluss zittern müssen. Dazu gehört auch, dass man bei einer eventuellen Führung versucht nachzulegen und nicht Gefahr laufen muß, noch den späten Ausgleich zu kassieren. Eine sichere Führung hätte auch den Vorteil in der Höhe von Johannesburg dosiert weiter spielen zu können. Wer uns pfeift, darauf darf man natürlich auch gespannt sein. Bei einem Weiterkommen drohen ja jetzt schon etliche Sperren. Auch für diese Problematik ist Konzentration wichtig, nämlich nicht unbedacht in die Zweikämpfe zu gehen und Sperren zu riskieren. Hier muss die Mannschaft den Spagat finden zwischen nicht rohem Spiel, aber auch mal dazwischen zu hauen, wenn es notwendig ist. Hier bin ich aber überzeugt davon, dass das Trainerteam die Spieler darauf eindringlich hinweisen wird.

Ich bin sehr optimistisch vor dem Spiel, vielleicht auch, weil man es sich gar nicht vorstellen kann, dass Deutschland bei einer WM bereits nach der Vorrunde die Segel streichen muss. Aber, wie bereits erwähnt, es besteht kein Grund vor Ghana Angst zu haben. Unter normalen Umständen haben wir die stärkere Mannschaft, die stärkeren Einzelspieler und schon jede Menge Turniererfahrung in unseren Reihen. 2008 in Wien hatten wir eine ähnliche Konstellation. Gegen Österreich musste auch ein Sieg her, um sicher weiter zu sein. Dort, wir waren im übrigen im Ernst-Happel-Stadion dabei, erlöste uns ein gewisser Michael Ballack mit einem satten Freistoß und enormer Willenskraft. Für ihn müssen am Mittwoch die neuen Leitwölfe in die Bresche springen. Egal, wer spielt, sie spielen alle für Deutschland und damit für ein ganzes Volk. Sie werden sich zerreißen und alles geben, so dass die WM-Party in Deutschland auch nach dem Spiel weitergehen wird. Ich melde mich dann wieder mit einem Ausblick auf das Achtelfinale.

Bis dahin, viele Grüße

Franky

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Löw läutet Countdown ein

Bei strahlendem Sonnenschein hat Bundestrainer Joachim Löw am Sonntagvormittag alle 23 Spieler sowie das komplette Funktionsteam zum Training begrüßt. Mit einer fünfminütigen Ansprache läutete der 50-Jährige den Countdown für das “Endspiel” in der Gruppe D am Mittwochabend in Johannesburg gegen Ghana (20.30 Uhr) ein. Selbst ein negativer Ausgang würde laut Manager Oliver Bierhoff “nicht alles infrage stellen”. Auf dem Trainingsplatz der deutschen Nationalelf von Atteridgeville richtete Löw in einer Art Regierungserklärung die Worte an die um ihn versammelten Nationalspieler. Damit schwor er die Spieler auf die K.o.-Partie gegen Ghana ein. Dort muss Deutschland gewinnen, um das erstmalige Scheitern in der Vorrunde bei einer WM sicher zu vermeiden. Vor dem Spiel wird es übrigens kein Abschlusstraining im Stadion Soccer City in Johannesburg geben. “Die FIFA hat uns einen Termin zwischen 20 und 21 Uhr zugewiesen. Aber wir müssten knapp eine Stunde mit dem Bus fahren und trainieren deshalb lieber in Atteridgeville”, sagte Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff. Am Mittwoch wird aber auch die Personalie Kevin-Prince Boateng im Mittelpunkt stehen. Der gebürtige Berliner, der sich erst kurz vor de WM entschieden hatte, für Ghana zu spielen, hatte im FA-Cup-Finale zwischen Chelsea und Portsmouth (1:0) Michael Ballack mit einem üblen Foul niedergestreckt und den Kapitän der deutschen Nationalelf dabei schwer verletzt. Wegen eines Teilrisses der Syndesmose sowie eines Innenbandrisses musste der 33-Jährige seine WM-Teilnahme absagen.

“Ich denke, es ist nicht richtig, die Emotionen nur auf eine Person zu richten. Das wäre Energieraub, das müssen die Spieler ausblenden. Wir spielen nicht gegen Kevin-Prince Boateng, sondern gegen Ghana”, appellierte Bierhoff am Sonntag auf der Pressekonferenz des DFB und warnte zugleich vor möglichen Rache-Gedanken: “Wir müssen ihn sportlich fair angehen.”

Bierhoff schätzt Ghana als starken und unbequemen Gegner ein, vor dem die deutschen Spieler allerdings keine Angst haben müssen. “Sie sind eine physisch sehr starke Mannschaft mit herausragenden Akteuren in der Offensive. Allerdings lassen sie hinten auch ab und an Chancen zu, was auch gegen Australien zu beobachten war. Das müssen wir nutzen”, so Bierhoff.

Das Spiel gegen die Westafrikaner könnte auch zu einem Bruderduell werden, falls Bundestrainer Joachim Löw erstmals bei der WM Jerome Boateng einsetzen würde. Der 21 Jahre alte Abwehrspieler des Hamburger SV ist der jüngere Halbbruder von Kevin-Prince Boateng.

Ein “Plan B” im Falle eines erstmaligen Ausscheidens einer deutschen Nationalelf in einer WM-Vorrunde existiert laut Bierhoff nicht. Ein “positives Ergebnis” würde der Elf aber einen Schub geben. Zwar glaubt Bierhoff, dass die Mannschaft und die vielen jungen Spieler auch bei einem Scheitern “ihren Weg weiter gehen” werden, doch von einem Weiterkommen könnten die Akteure noch lange “zehren”, so der ehemalige DFB-Kapitän.

Bierhoff warnt vor “angezogener Handbremse”

Von der Kartenproblematik sollen sich die betroffenen deutschen Spieler nicht bremsen lassen. Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil, Sami Khedira, Kapitän Philipp Lahm und Cacau gehen mit jeweils einer Verwarnung in die Partie.

Bierhoff warnte jedoch, mit angezogener Handbremse zu spielen. “Es bringt nichts, wenn ein Spieler nachher sagen kann: ‘Super, ich habe keine Gelbe Karte bekommen’ – aber wir fahren nach Hause. Wenn wir ausscheiden, spielt er das nächste Spiel auch nicht.”

(kicker.de)

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20. Juni 2010

Löw: “Wir werden agieren!”

“Sie sind wohl doch menschlich”, ließ die angesehene englische “Times” mit Bezug auf das 0:1 der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien wissen. Nach der ersten Niederlage in einem WM-Gruppenspiel seit 24 Jahren gibt sich die auf den Boden der Tatsachen zurückgeholte DFB-Auswahl vor dem Gruppenfinale gegen Ghana am Mittwoch (20.30 Uhr) jedoch optimistisch. “Ich mache mir überhaupt keine Sorgen”, erklärt Kapitän Philipp Lahm. Das sieht auch der Schweizer Nationalcoach Ottmar Hitzfeld so. “Deutschland ist nervenstark. Jogi Löw wird die Mannschaft so einstellen, dass sie sich ohne Probleme für das Achtelfinale qualifizieren wird”, meinte der ehemalige Trainer von Bayern München und Borussia Dortmund am Samstag. “Die Moral ist intakt. Deutschland hat selbst mit zehn Mann nicht schlecht ausgesehen gegen die Serben.” Joachim Löw bläst ins gleiche Horn, Resignation kann er bei seinem Team nicht ausmachen: “Die Mannschaft glaubt weiter an den Einzug in die nächste Runde. Wir sind zu einer Trotzreaktion fähig.” Der Bundestrainer weiß, dass “es immer Situationen in einem Turnier gibt, wo man vor einem richtungsweisenden Spiel steht. Drucksituationen sind nicht zu vermeiden.” Gleichwohl verspricht Löw, gegen Ghana mutig aufzutreten. “Wir werden gegen Ghana agieren, dann schaffen wir auch den Einzug in die nächste Runde”, erklärte der 50-Jährige. Den Gegner erwartet er “körperbetont und extrem schnell nach vorne. Sie sind bei Kontern sehr gefährlich. Der Rhythmus im Spiel gegen Ghana wird höher sein, aber die Mannschaft ist körperlich gut drauf und kann ein hohes Tempo gehen”, blickt der Bundestrainer voraus und will sich “nicht aus der Ruhe bringen oder nervös machen” lassen. “Wir haben alles selbst in der Hand.” Für Lahm gibt es “keinen Grund, etwas zu ändern. Wir müssen absolut an unserem Stil festhalten. 2008 haben wir schlecht Fußball gespielt. Bei der WM haben wir zwei gute Spiele gemacht.” Allerdings fordert der deutsche Kapitän von seinen Teamkollegen “schnelleres Passspiel” im dritten Gruppenspiel gegen die Ghanaer ein. Zudem müsse sich die Mannschaft auf die kleinliche Spielleitung der Schiedsrichter bei dieser WM einstellen: “Das ist ein neuer Stil, dass fast jede Aktion bestraft wird.”

Gelbgefahr

Auch der 26-Jährige geht mit Gelb vorbelastet in die Partie gegen die Afrikaner und wäre wie Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Mesut Özil und Cacau bei einer weiteren Verwarnung im Falle eines deutschen Weiterkommens im Achtelfinale gesperrt. Ein entschärftes Zweikampfverhalten will Löw dennoch nicht verordnen: “Darauf werde ich nicht eingehen, dass die Spieler mit mehr Zurückhaltung in Zweikämpfe gehen. Wir werden keinen Spieler, der eine Gelbe Karte hat, ermahnen, mit einer Blockade im Kopf in die Spiele zu gehen.” Fehlen wird schon gegen Ghana Miroslav Klose nach seiner Gelb-Roten Karte.

(kicker.de)

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