16. Februar 2016

Kramny rockt

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 08:47

Ein rundum gelungenes und erfolgreiches Fußball-Wochenende liegt hinter mir.

Bereits am Freitag war ich bei meinen Freunden von St. Pauli zu Gast, als der große Aufstiegs-Favorit Rattenball Leipzig mit Ralf Rangnick auf der Bank mit 1:0 am Millerntor niedergerungen wurde. Dieser Sieg dürfte den Aufstieg der Leipziger zwar auch nicht verhindern, aber, es war trotzdem ein gutes Gefühl, dass ihnen ein wenig in die Suppe gespuckt wurde, auch wenn wir in erster Linie wegen der Atmosphäre im Stadion und der Stadt nach Hamburg reisten und der Gegner zweitrangig war.
Nach langer Nacht auf dem Kiez und kurzer Schlafpause ging es am Samstagmorgen bereits kurz nach 7 Uhr mit dem ICE zurück in Richtung Landeshauptstadt, um rechtzeitig zum Spiel unseres VfB gegen Hertha BSC im Neckarstadion zu sein.

Planmäßige Ankunft wäre 12.35 Uhr gewesen, doch schon vor Hannover zeichnete sich ab, dass dies reines Wunschdenken war. In Hannover hatten wir bereits 45 Minuten Verspätung angesammelt, so dass sich die Deutsche Bahn kurzerhand entschloss, den Zug, der eigentlich direkt bis nach Stuttgart gefahren wäre, in Frankfurt enden zu lassen.

Wäre das alles nicht schon ärgerlich genug gewesen, mussten wir die Fahrt mit einem aus Berlin kommenden ICE fortsetzen, in dem sich hunderte von KSC-Freunden aufhielten und echten Abschaum darstellten. Ich bin ja viel unterwegs und habe trotzdem selten einen von der Anzahl so großen alkoholisierten, niveaulosen, aggressiven und provozierenden Mob durch sämtliche Altersklassen hinweg gesehen, wie ihn diesem Zug. Der durchschnittliche Alkoholpegel dürfte bei etwa drei Promille gelegen haben.

Mit dem DB-Logo auf der Brust schienen manche zu meinen, mit einem Freibrief für schlechtes Benehmen ausgestattet zu sein und dass die „Kollegen“ ihren Dreck ja schon irgendwie beseitigen würden. Wir sind ja auch viel unterwegs und trinken auch „mal“ was, meist jedoch gesitteter und vor allem so, dass wir anderen Reisenden nicht auf den Nerv gehen.

Da der Zug ohnehin ziemlich überfüllt war und wir uns mit diesem niveaulosen Haufen nicht auseinandersetzen wollten, begaben wir uns sofort und ohne erst einen Platz in der 2. Klasse gesucht zu haben, in die 1. Klasse. Nach all den Umständen durfte ein eigenmächtiges Upgrade ja drin gelegen haben.

Außer „Stuttgarter Arschlöcher“ und „Hertha und der KSC“ kennen diese geistigen Tiefflieger auch keine Lieder, diese schmetterten sie allen entgegen, die ihnen begegneten und so „begrüßten“ sie auch unsere schöne Stadt bei der Ankunft. Nur gut, dass sie gleich von der Polizei eingesammelt und zur S1, die direkt zum Neckarpark fährt, gebracht wurden, während wir auf andere Linien ausweichen konnten, um dieses Gesocks endgültig loszuwerden. Einige Straßburger und auch Karlsruher, denen es offensichtlich wichtiger war, gegen den VfB zu pöbeln, als die eigene Mannschaft in Duisburg zu unterstützen, mischten sich noch unters asoziale Berliner Volk, so dass in mir der große Wunsch aufkeimte, die Berliner auf dem Platz gehörig abzuschießen und ihnen somit die Heimreise zu vermiesen.

Gegen 13.45 Uhr erreichten wir schließlich Bad Cannstatt, so dass noch etwas Zeit, wenn auch weniger als geplant, blieb, es erstmals an diesem Tag mit fester Nahrung zu versuchen und mit saurem Radler nachzuspülen.

Kurz darauf ging es auch schon hinein ins Neckarstadion, obwohl sich die Einlasskontrolle einmal mehr hinzog und es zu langen Schlangen kam.

Die meist diskutierte Frage vor dem Spiel gegen den aktuellen Tabellendritten war, ob der VfB an dem Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund noch zu knabbern hätte oder dieses so weggesteckt hat, wie Kramny bei der Spieltagspressekonferenz weismachen wollte.

Als leidgeprüfter Fan wird es wohl noch lange dauern, bis man eine solche Siegesserie, wie man sie zuletzt in der Bundesliga hingelegt hat, als selbstverständlich erachtet und dem Braten zu trauen sich traut. Man hat zu große Zweifel und kann es noch nicht so richtig einschätzen, wie stabil das Gebilde schon oder wie fragil es noch ist, so dass das Spiel gegen Hertha einem kleinen Charaktertest gleich kam.

Bei der Aufarbeitung der Pokalniederlage war Kramny zunächst einmal als Psychologe gefragt. Er musste die Fehler, die zum K. O. führten anzusprechen und gleichzeitig die Jungs wieder aufzurichten. Schon an der Aufstellung gegen den BVB ließ sich ablesen, dass das Weiterkommen nicht allerhöchste Priorität besaß, was ich schade fand, denn, welcher Fan nimmt einen Abstecher nach Berlin im Mai nicht gerne mit?

Dass Langerak erstmals in einem Pflichtspiel für den VfB und gegen seine alten Kameraden auflaufen durfte, ist sicherlich als ein Zeichen zu deuten, Mitch zu zeigen, wie wichtig er fürs Team ist, auch wenn er sich derzeit hinten anstellen muss. Sunjic durfte für Schwaab ran, so dass der in der Liga immer besser funktionierende Abwehrverbund gleich auf zwei Positionen gesprengt war.

Die nicht vorhandene Abstimmung machte sich gegen den BVB schon früh beim 0:1 bemerkbar. Daher lässt sich schon ein wenig hineininterpretieren, dass Kramny das Ausscheiden zumindest einkalkuliert hat, als er seine Aufstellung festlegte. Dass er es bewusst provoziert hat, um Kräfte zu sparen und den Kopf frei für die Liga zu haben, soweit möchte ich nicht gehen, es war eher die Gelegenheit, Spielern die momentan keine Chance auf die erste Elf haben, zu signalisieren, dass sie dicht dran sind.

Hertha ist nicht Dortmund, so dass Kramny zwar vor den Berlinern warnte, jedoch auch Mut machte und einen Plan aufstellte, wie man die Berliner knacken kann.

Über den Ausfall des in Frankfurt mit Gelb-Rot des Feldes verwiesenen Daniel Didavi lamentierte Kramny nicht und schob die ganze Verantwortung der Vertretung auch nicht Alexandru Maxim zu. Er wies darauf hin, man könne Dida nicht 1:1 ersetzen und forderte dies im Kollektiv zu tun, womit er automatisch das ganze Team in die Pflicht nahm. Psychologisch sicher nicht ganz so ungeschickt.

Timo Werner, der gegen den BVB noch wegen eines grippalen Infekts passen musste, stand gegen die Hertha wieder zur Verfügung, so dass bis auf die Hereinnahme Maxims, keine Wechsel in der zuletzt in der Bundesliga so erfolgreichen Elf vorgenommen wurden.

Hertha BSC hatte nach dem Pokal-Spiel einen Tag weniger zur Regeneration zur Verfügung, was Pal Dardai im Vorfeld als Wettbewerbsverzerrung anprangerte, wobei die Hertha nach dem Pokal psychologisch im Vorteil war, da ihr Traum vom Finale daheim weiter lebt und sie sicherlich, wenn auch auswärts, die weitaus leichtere Aufgabe zu bewältigen hatten.

Für beide Teams von Nachteil war der vom Pokalspiel sehr ramponierte Rasen, da beide eher die feine Sohle bevorzugen und nicht so gern rustikal zur Sache gehen.

Und dennoch begann das Spiel aus VfB-Sicht gleich mit einem Paukenschlag. Der starke Timo Werner setzte sich auf der rechten Seite durch und passte scharf an Freund und Feind vorbei in Richtung Filip Kostic, welcher etwas überrascht schien und den Ball in Rücklage am Tor vorbei schoss. Gegen einen bekanntermaßen defensivstarken Gegner wäre dieses frühe Tor in der 2. Spielminute Gold wert gewesen.
Im Anschluss neutralisierten sich beide Teams weitestgehend in einem Spiel, das von gegenseitigem Respekt geprägt war. Hertha ließ aufblitzen, weshalb es auf dem 3. Tabellenplatz steht, ball- und kombinationssicher, aus einer guten Ordnung heraus spielend, ließen sie unserer zuletzt so hochgelobten Offensive kaum Räume, in die man hineinstoßen hätte können.

Einzig Maxims nah aufs Tor geschlagene Eckbälle brachten Keeper Jarstein ein ums andere Mal in die Bredouille.

Schiedsrichter Dingert rückte dann in den Mittelpunkt und machte sich unter denjenigen Zuschauern, die es mit dem VfB hielten, keine Freunde. Eine Balleroberung Gentners gegen Lustenberger pfiff er ab, kann man machen, muss man aber auch wiederum nicht unbedingt, Gentner wäre alleine aufs Tor zugelaufen. In der 27. Minute dann der nächste Aufreger, als Timo Werner im Strafraum gefoult wurde, jedoch nicht abhob, sondern sich aufrappelte und weiter spielte und im Anschluss zu dieser Szene wenigstens noch zum Kopfballabschluss kam.

Der rein ergebnisorientierte Fußball-Interessierte mag ihm danach geraten haben, bei Arjen Robben nachzufragen, auf welche Schauspielschule er denn gegangen ist, um das nächste Mal „cleverer“ zu agieren. Wem dagegen Fairness und Gerechtigkeit im Fußball wichtiger ist als das schnöde Ergebnis, sagt einfach „Chapeau“ zu Timo. Eine faire Aktion unseres Youngsters und überhaupt ist es doch nur „foul, wenn der Schiedsrichter pfeift“. Legt er sich und das Spiel läuft weiter, ist der Aufschrei auch groß. Einzig Schiedsrichter stand in der Pflicht, auf den Elfmeterpunkt zu zeigen und darf keine Unterschiede machen, ob einer den sterbenden Schwan mimt oder nicht. So lang Schiedsrichter schäbige Schauspieleinlagen mehr belohnen als faires Verhalten, werden die Robbens dieser (Fußball-)Welt nie aussterben.
Nach dieser Szene wurden die Berliner mutiger und hatten zunächst eine Freistoßchance durch Plattenhardt, der wegen seiner Heimatverbundenheit auch gerne mal zum VfB gewechselt wäre, und danach einen echten Hochkaräter durch Ibišević.

Dieser wurde im richtigen Moment von Cigerci angespielt und lief allein auf Przemysław Tytoń zu, der seinen Schuss artistisch und gerade noch mit dem rechten Fuß abwehren konnte.
Wie wurde der Pole doch anfangs gescholten, selbst ich sah uns zwischenzeitlich nach Ulle schon vom Regen in die Traufe gekommen zu sein (und das will was heißen), da Tytoń regelmäßige unerklärliche Aussetzer an den Tag legte.

Tytoń hat sich enorm stabilisiert und auch schon unter Zorniger erste Spiele für uns gewonnen, man denke bspw. an die Zu-Null-Spiele gegen Ingolstadt und Darmstadt. Jetzt aber, wo er seit Wochen die gleichen Vorderleute vor sich hat, das Team insgesamt besser und vor allem gemeinsam nach hinten arbeitet, ist er ein enorm starker Rückhalt geworden. Durch diese starke Parade zählt auch Tytoń zweifellos zu den Matchwinnern vom Samstag.

Ein Mitch Langerak kann einem dabei mittlerweile fast schon leidtun. Eigentlich als Nummer eins verpflichtet, danach gleich lange verletzt und jetzt im Wartestand, wie schon in den letzten Jahren beim BVB. Das hätte er sich sicher anders vorgestellt. Derzeit gibt es keinen Grund an Tytońs Status als Nummer eins zu rütteln.

Ibišević dagegen, dessen Gehalt der VfB zu großen Teilen weiterhin bezahlt, war somit zunächst das nicht vergönnt, was uns durch Ex-Spieler gefühlt jedes Mal ereilt, nämlich, dass sie gegen den VfB sicher treffen.

Auch Julian Schieber gelang das im Übrigen nicht, der nach einer Stunde eingewechselt wurde. Er wurde, wie nahezu jeder Ex-Spieler, der für seinen neuen Verein gegen den VfB aufläuft, mit einem gellenden Pfeifkonzert „begrüßt“, was ich persönlich immer etwas daneben finde. Von Schieber muss ja nicht nur haften geblieben sein, dass er dem Lockruf des Geldes und der Aussicht Championsleague spielen zu können, folgte, sondern auch seine zwei Tore beim 4:4 beim BVB, einem der unfassbarsten Spiele überhaupt. An diesem Samstag aber hatte seine Einwechslung noch eine ganz andere Note, betrat er doch nach exakt einjähriger Verletzungspause erstmals wieder das Spielfeld, so dass man ihn auch mit warmem und aufmunterndem Applaus hätte empfangen können.

Unmittelbar nach Wiederanpfiff hatte der VfB nach Insúa-Hereingabe eine Chance durch Timo Werner, ehe Cigerci eine gute Kopfball-Chance hatte und auch Ibisevic mit einem harmlosen Flachschuss wieder in Erscheinung trat.

Doch dann schlug die große Stunde von Serey Dié. Erst eroberte er im Mittelfeld selbst den Ball, dieser gelangte über Umwege zu Alexandru Maxim, der scharf abzog, dass Jarstein nur abklatschen konnte. Den Abpraller ließ Kostic für den heranrauschenden Serey Dié passieren, welcher volley und mit dem Außenrist abzog und Jarstein keine Chance ließ. Ein Wahnsinnstor unserer Nummer 26, sein allererstes im VfB-Trikot, womit er seine herausragende Leistung krönte. Er legte einen Weltklasseauftritt hin, sehr passsicher, sehr zweikampfstark, aufopfernd kämpfend und ein wahrer Leader. Serey Dié steht wie einige andere auch sinnbildlich für den Aufschwung. Dutt drückte es so aus, dass das Trainerteam hart an seiner Positionstreue gearbeitet habe, was bedeutet, dass er sich mehr auf sein Kerngeschäft konzentriert und seine Vorstöße dosierter ausfallen. Ganz großes Kino des Ivorers, dem jeder, wirklich jeder, diesen Treffer von Herzen gönnte.

Nach dem brustlösenden Führungstreffer intensivierte die Hertha ihre Offensivbemühungen, kam aber bis auf einen Schuss von Brooks an den Außenpfosten kaum zu nennenswerten Möglichkeiten. Da hatte der VfB das Glück des Tüchtigen, ansonsten hatte unsere Defensive mit den immer besser funktionierenden Schwaab und Niedermeier die Berliner gut im Griff. Der VfB hatte das ganze Spiel über mehr und auch bessere Tormöglichkeiten, so dass die Führung mehr als verdient war.

Und trotzdem sollte es bis 84. Minute dauern, bis der Deckel drauf war. Symptomatisch für den „neuen“ VfB, der mittlerweile dosierter auftritt als noch zu Zorniger-Zeiten und auch mal das Tempo herausnimmt, dass der VfB zu diesem späten Zeitpunkt und mit dem Pokalspiel in den Knochen in den Schlussminuten noch ein Offensiv-Pressing betrieb, das schließlich den Berliner Ballverlust provozierte und woraus das erlösende 2:0 durch Filip Kostic resultierte. Auch Kostic einer der großen Profiteure unter Kramny, weil er wieder losgelassen wurde und seinem Instinkt folgen darf, statt dem Diktat Zornigers zu unterliegen, stur in die Mitte zu ziehen. Da ist er wieder, der Kostic aus den letzten Spielen der Rückrunde.

Ich war ja auch skeptisch, was die Installation Kramnys als Cheftrainer anging, weil ich es ihm zunächst nicht zutraute, diese schwierige Mannschaft in den Griff zu bekommen und weil die Lösung für mich aussah, als wolle man sich seiner womöglich letzten Patrone (noch) nicht berauben und lasse Kramny daher erst mal machen. Die Uhr stand auf fünf vor zwölf, so dass eigentlich keine Zeit für Experimente mehr vorhanden war.

Was Kramny aber seither angepackt hat, wie er sich gibt, wie er es verstanden hat, das Team zusammenzuschweißen, wie er die Mannschaft das spielen lässt, was sie am besten kann und vor allem, wie es ihm die Mannschaft dankt, ich hätte das nicht für möglich gehalten.

Der VfB stellt die beste Rückrundenmannschaft und wies den Tabellendritten Hertha BSC, der seinerzeit zuvor sechs Mal nicht verloren hatte, hochverdient und relativ deutlich in die Schranken. Mit nunmehr fünf Siegen in Folge, der besten Serie seit 2010, noch unter Christian Gross, hat der VfB nun nach 21 Spieltagen bereits 27 Punkte auf dem Konto und nimmt den zehnten Platz ein.

Zwölf Punkte Vorsprung auf einen direkten Abstiegs-, der vor zwei Monaten noch VfB-Stammplatz war, schon sieben Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, jedoch nur noch fünf Punkte Rückstand auf Platz sieben, der möglicherweise zur Europaleague-Qualifikation berechtigt.

Wohin soll man in der Tabelle also blicken? Ist die Zeit (schon) reif, ein neues Saisonziel auszugeben? Ich finde nicht! Da bin ich bei Jürgen Kramny, von Spiel zu Spiel denken und vor allem erst einmal die 40-Punkte-Marke knacken, ehe man zu spinnen anfängt. Wenn man die Truppe derzeit spielen sieht, kann man es sich zwar schwerlich vorstellen, dass das Team noch dermaßen einbrechen und in Gefahr geraten könnte, aber, der Teufel ist ein Eichhörnchen, wir sind gebrannte Kinder und tun gut daran, von Woche zu Woche weiterzusehen und erst einmal kleine Brötchen zu backen.

Schafft es Kramny jedoch, das Team weiterhin so bei Laune, die Stimmung hoch zu halten, ist noch vieles möglich. Der Teamgeist, auch unter den Reservisten, scheint überragend zu sein, so dass sich die Spieler gegenseitig zu Höchstleistungen pushen und der Lauf durchaus eine Eigendynamik annehmen kann, wie wir sie zuletzt 2007 erlebt haben.

Durch Handauflegen und die Krise weglächeln hat Kramny mit seinem Trainerteam zusammen sicherlich nicht für den Aufschwung gesorgt. Die Grundlagen, die in Belek gelegt wurden, zahlen sich schon jetzt aus, die Team-Building-Maßnahmen dort ebenfalls.

Die Neuzugänge Großkreutz und Kravets passen bislang wie die Faust aufs Auge. Großkreutz ist schon von seiner Siegermentalität und seiner offenen Art her ein Gewinn, dass er wie ein Irrer läuft und kämpft und stets bereit ist, sich völlig auszupowern, und das als Spieler, der schon alles erreicht hat, nötigt den Mitspielern Respekt ab und animiert die Anderen dazu, ebenfalls eine Schippe draufzulegen.

Kravets hingegen ist eine ernsthafte Alternative für Timo Werner, wofür er mir fast zu schade ist. Aber, Timo Werner selbst hat in dieser Saison einen enormen Sprung gemacht und machte auch am Samstag wieder ein starkes Spiel, so dass Timo nicht gerecht werden, ihn für Kravets zu opfern. Kravets wiederum war nun bereits zum dritten Mal in Folge nach seiner Einwechslung an einem Tor beteiligt, wenn auch am Samstag unorthodox und unfreiwillig, so dass Kramny ein Luxusproblem hat, wem er denn sein Vertrauen schenkt. Momentan ist auch Timo Werner sehr wertvoll für sein Team, erläuft Bälle und holt durch seine Schnelligkeit Freistöße heraus. Deshalb würde ich an dieser Formation derzeit nicht rütteln, zumal es ja auch sehr wertvoll für einen Trainer ist, jemanden in der Hinterhand zu haben, der sofort da ist und müde Abwehrreihen vor große Probleme stellen kann.

Nur schade, dass der dritte Neue, Federico Barba, eigentlich ja der Winterkönigstransfer, noch eine ganze Weile verletzt ausfällt.

Was mir an Kramny noch imponiert, ist, dass mir seine Auswechslungen bislang meist plausibel und zum richtigen Zeitpunkt erscheinen, mit Ausnahme vielleicht davon, dass er Didavi nach seiner gelben Karte in Frankfurt hätte schützen und auswechseln können und auch eine Auswechslung Insúas am Samstag Sinn gemacht hätte, spätestens nachdem er Glück hatte, nicht mit Gelb-Rot vom Platz geflogen zu sein. Da vertraut er aber seinen Mannen, dass sie sich im Griff haben und nicht durch eine dumme Aktion das eigene Team schädigen.

Ansonsten aber, Kravets für Werner habe ich thematisiert, aber auch Harnik für Maxim machte Sinn. Nicht nur, weil Maxim müde war, der Wechsel fiel just in eine Phase, in der die Berliner drohten, des Öfteren gefährlich durchs Zentrum nach vorne zu gelangen. Harnik lief diese Räume dann zu und hatte zum Schluss noch die Großchance zum 3:0.

Der letzte Wechsel, Klein für Serey Dié, diente freilich nur noch dazu, dem Mann des Spiels einen gebührenden Abgang zu verschaffen. Holger Laser, unser Stadionsprecher, rief dazu auf für Serey Dié aufzustehen und gut 40.000 VfB-Fans folgten dem Aufruf. Standing Ovations der glückseligen schwäbischen Fangemeinde, die geradezu entzückt ist, vom neuen VfB. Dass die Mannschaft schön spielen kann, erlebten wir unter Alexander Zorniger ja auch zur Genüge, der Unterschied im Hier und Jetzt aber ist, dass wir nicht nur schön spielen sondern auch gewinnen.

Begann man die Saison nach teilweise hervorragenden Leistungen mit vier Niederlagen, schaffte man nun gegen die gleichen Gegner zum Auftakt der Rückserie vier Siege.

Bratwurst-Fredi, der in diversen Kolumnen und auf kleinen unbedeutenden Spartensendern seinen unqualifizierten Senf hinzugeben darf, sprach Kramny jüngst ja die Bundesligatauglichkeit ab. Man darf gespannt sein, was ihm diese Woche dazu einfällt.

Ich möchte Kramny nun auch nicht in die höchsten Sphären heben, um ein erfolgreicher Bundesligatrainer zu sein, gehören viele Jahre Erfahrung auf hohem Niveau und nicht nur ein paar Spiele dazu, aber, jeder Große fing mal klein an, einen sehr guten Auftakt hat er jedenfalls hingelegt.

Was ihn grundlegend von Zorniger unterscheidet ist, dass es für Kramny wohl kein Beinbruch wäre, wenn er irgendwann einmal wieder ins zweite Glied zurückgestuft werden würde, während Zorniger den Eindruck erweckte, nichts ginge ihm schnell genug, dass er alles mit Gewalt einreißen und der neue Schwaben-Mourinho sein wollte. Dabei machte er leider den zweiten vor dem ersten Schritt, so dass die Trennung spätestens dann nicht mehr zu vermeiden war, als er die Mannschaft gänzlich verloren hatte.

Kramny hingegen macht seinen Job ruhig und unaufgeregt, hört auf sein Umfeld und auch auf die Mannschaft, was sie ihm derzeit unwiderstehlich dankt. Hoffen wir, dass es so weiter geht. Nächste Ausfahrt Schalke und ich ertappe mich tatsächlich dabei, darüber enttäuscht zu sein, sollten wir mit leeren Händen vom Pott zurückkehren. So schnell ändern sich die Zeiten.

Nach diesem gigantischen Wochenende verschwand mein Dauergrinsen am Sonntag dann von einem Moment auf den Anderen. Es wurde Gewissheit, was man nach der morgendlichen Einheit schon befürchten musste, nämlich, als Daniel Ginczek, gestützt von Gerhard Wörn, vom Platz humpelte.

Ginni hat sich erneut das Kreuzband gerissen, dieses Mal im anderen Knie. Seit dem 3.10.15 hatte Ginczek wegen eines Bandscheibenvorfalls pausieren müssen und war nach viereinhalb Monaten gerade erst wieder ins Mannschaftstraining eingestiegen und dann das. Einfach nur unfassbar traurig. Ich hoffe, die Operation und anschließende Reha verlaufen optimal, so dass uns Ginni zum Bundesligastart 2016/2017 wieder zur Verfügung steht. Kopf hoch Ginni, YNWA!

So manch einer schreibt Ginni jetzt schon für immer ab, weil seine Verletzungshistorie badstubersche Züge annehmen würde. Ich sehe da nicht so schwarz, zum einen ist Ginni noch jung und zum anderen hätte man es Daniel Didavi vor zwei Jahren auch nicht mehr zugetraut, so stark zurückzukommen und über einen jetzt doch erfreulich langen Zeitraum beschwerdefrei zu sein.

Der erwähnte Holger Badstuber bleibt der ganz große Pechvogel im deutschen Fußball und zog sich am Wochenende einen Fußbruch zu, der ihn die Euro in Frankreich kosten wird. Bitter für ihn, der einst in der VfB-Jugend gekickt hat und sich in den letzten Jahren mehr in der Reha als auf dem Platz befand. Auch ihm gute Besserung und dass er nach der neuerlichen Reha endlich mal gesund bleiben darf.

Nun freue ich mich auf eine Europapokal-Woche, auch wenn das Championsleague-Achtelfinale so gestückelt wurde und sich über vier Wochen erstreckt. Schalke wünsche ich eine gute Reise in die Ukraine, ein anstrengendes Spiel und eine beschwerliche Reise zurück. Die Trauben am Sonntag hängen zwar hoch in der Turnhalle, aber, dieser Mannschaft ist momentan vieles zuzutrauen, auch ein Sieg im Pott.

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18. August 2015

Klasse Auftakt, keine Punkte!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 07:33

Auch nach 24 Stunden Abstand sehe ich diese Niederlage nicht als Beinbruch an. Gegen DEN Angstgegner schlechthin nach guter Leistung sehr unglücklich verloren, da gab es in den letzten Jahren weitaus ärgerlichere Niederlagen, nämlich die, wo das Team alles vermissen ließ, was den Fußball ausmacht und nie den Hauch einer Chance hatte, die Partie positiv zu gestalten. Ich habe zwar heute auch schon Stimmen gelesen von Leuten, denen es lieber gewesen wäre, wenn schon verloren wird, dann bitteschön nach katastrophaler Leistung oder wenn der Gegner um Längen überlegen ist. Ich sehe das nicht so!
Bis zum Elfmeter war es doch ein begeisterndes Spiel der Mannschaft, das einen streckenweise von den Sitzen riss und wie man es schon lange nicht erlebt hat.
Aus dieser Niederlage kann man Hoffnung schöpfen. Eben weil man sich Chancen en masse herausgespielt hat und diese sicher nicht jedes Mal so leichtfertig vergeben werden. Weil wir in Daniel Didavi und auch Filip Kostic Spieler in unseren Reihen haben, die den Unterschied ausmachen (können). Weil Pressing und Gegenpressing immer besser funktionieren und den Kölnern so phasenweise keine Luft zum Atmen gelassen wurde. Weil sich die Mannschaft in den Zweikämpfen geschickter verhält und mehr Bälle zum eigenen Mann bringt als in den letzten Jahren. Das alles sind Ansätze, die mich hoffnungsfroh stimmen. Köln ist schließlich auch keine Kirmestruppe und vor allem in der Regel defensiv gut geordnet. Die muss man erst einmal so in Verlegenheit bringen, wie es der VfB gestern ein ums andere Mal tat.
Wir sind erst am Anfang einer Entwicklung. Sollte der Rüdiger-Transfer (endlich) über die Bühne gegangen sein, wird das eingenommene Geld sicherlich sofort in einen (vielleicht auch zwei) Nachfolger reinvestiert und eine weitere Baustelle geschlossen. Mitch Langerak, für mich die designierte Nummer 1, dürfte bald wieder zur Verfügung stehen, Serey Dié vermutlich schon in Hamburg. Vor allem Serey Dié ging uns mit seiner Robustheit gestern ab. 29% gewonnene Zweikämpfe von Gentner im zentralen Mittelfeld sind viel zu wenig, Gentner muss meiner Meinung nach den Schalter noch umlegen und sich schleunigst an das neue (schnellere) VfB-Spiel gewöhnen, die Zeiten des Phlegmatismus gehören offensichtlich der Vergangenheit an.
Es ist also noch einiges an Verbesserungspotential vorhanden. Man mag sich kaum ausmalen, was alles erst möglich ist, wenn ein Rädchen ins andere greift und vorne noch die Chancen genutzt werden.
Daher ist jetzt einfach mal Geduld gefragt und es gehört sich nicht, nach dem zweiten Pflichtspiel einer Saison schon wieder alles in Frage zu stellen. Selbst, sollte das Gastspiel im Volkspark auch noch in die Hose gehen, wäre es verfrüht den Stab über die Mannschaft, den Trainer, die Systemumstellung oder sonst noch etwas zu brechen. Nach vier Jahren Stillstand und Rückschritt ist erstmals wieder ein Konzept, ein Plan, eine Entwicklung zu erkennen, das genügt mir fürs erste und ich bin mir sicher, die Erfolgserlebnisse werden kommen, früher oder später, am liebsten natürlich schon am Samstag in Hamburg.

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13. April 2015

Martin Harnik, der personifizierte Wahnsinn

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 19:10

Er ist zwar nicht unbedingt der „Man oft the Match“, vereinigt aber alle Facetten dieses Wahnsinns-Spiels in sich. Ausgerechnet gegen seinen Ex-Club Werder Bremen versemmelt Harnik binnen zwei Minuten zwei Hochkaräter, wobei vor allem der zweite in kaum einem Saisonrückblick fehlen dürfte. Hatte er die Situation bereits abgehakt, weil das ein sicheres Tor war oder ist es doch der riesen Druck, der auf den Jungs lastet, der die Beine lähmt und einfachste Dinge nicht mehr gelingen lässt? Unglaublich, denkt sich der neutrale Beobachter, unfassbar der Fan auf der Tribüne. Sind es doch genau solche Dinger, die am Ende über Erst- oder Zweitklassigkeit entscheiden (können).
Es ist zweifellos menschlich, dass auf der Tribüne gemurrt oder auf gut schwäbisch gebruddelt und mehr oder weniger vehement Harniks Auswechslung gefordert wurde, auf der anderen Seite aber auch wieder kontraproduktiv, da die Jungs die volle Unterstützung brauchen und nicht noch zusätzliche Nervosität von außen aufs Feld hinein gebracht werden sollte. Da sollte sich der Fan in der Kurve und auf der Tribüne hinterfragen, wobei ich mich natürlich auch an die eigene Nase fasse. Ich pfeife zwar nie während des Spiels unsere eigenen Spieler aus, aber, beim einen oder anderen unfassbaren Fauxpas platzt es eben auch aus mir heraus. Thomas Hitzlsperger hat bei Sport im Dritten plausibel erklärt, wie er die Stimmung und teilweise auch Missstimmung auf der Haupttribüne erlebt hat und wie diese auf die Spieler wirkt. Auch Harnik gab hinterher zum Besten, dass er diese Unruhe von außen mitbekommen hat und sie ihm nicht unbedingt geholfen hat, er wirkte schon ein wenig enttäuscht über den eigenen Anhang, was ich ihm nicht einmal verdenke.
Der Spieler selbst wäre nach seiner vergebenen Hundertprozentigen am liebsten im Erdboden versunken. Dass er sich nur wenige Sekunden später dennoch schon wieder zu einer Sahneaktion aufschwingen konnte, fand ich dabei schon sehr bemerkenswert und zeugt von einer intakten Einstellung. Er erlief durch seine Schnelligkeit einen langen Ball von Gentner und kam vor dem Werder-Keeper Wolf an das Spielgerät, flankte punktgenau in die Mitte, wo unser Mittelstürmer Daniel Ginczek nur noch einzunicken brauchte. Harnik, zwischen Genie und Wahnsinn! Das sind die Aktionen, wo er uns hilft und für die Mannschaft so wertvoll sein kann. Knapp eine Viertelstunde später zeigte er dann wieder sein anderes Gesicht. Erst wegen Meckerns verwarnt worden, um dann nach einem leichten Ballverlust übermotiviert zu versuchen, die Kugel zurückzuerobern. Er kam zu spät und sah zu Recht die zweite gelbe Karte. Auch diese Aktion sinnbildlich für das Spiel Harniks und die Ungeduld des eigenen Anhangs. Nach Fehlpass Harniks ließen die Reaktionen aus dem Publikum nicht lange auf sich, so dass er reichlich ungestüm versuchte seinen Fehler wieder auszubügeln. Auch wenn man von einem Bundesligaspieler erwartet, Nebengeräusche ausblenden zu können, muss man es Martin Harnik zugestehen, dass er, nach dieser Berg- und Talfahrt voller Adrenalin, auf Teufel komm raus den Ball zurückerobern wollte, was in dieser Situation nahe des gegnerischen Strafraums absolut unnötig war.
Er flog also und gestand hinterher ein, nach dem 2:2 der Bremer den Tränen nahe gewesen zu sein. Diese zwei verlorenen Punkte hätte man zu einem Großteil ihm zugeschrieben, da er auf dem Papier der Mannschaft geschadet hatte, wo er doch nur alles für den gemeinsamen Erfolg tun wollte. Auch und gerade wegen seiner Direktheit mag ich Harnik, auch wenn er einen manchmal ganz schön zur Weißglut treiben kann. Er ist aber etwas, das uns sonst fast völlig abgeht, ein Typ nämlich!
Dass dies Alles heute kein großes Thema mehr ist, haben wir Serey Dié’s Dynamik in der Nachspielzeit zu verdanken. Er zog nach über 90 kraftraubenden Minuten noch einmal einen Sprint durchs Mittelfeld an, passte in die Gasse auf Daniel Ginczek, der, nach feiner Ballannahme auf Wolf zustürmte und im Stile eines Klassestürmers zum 3:2 vollendete. Ein Tor wie ein, Entschuldigung, Orgasmus, eine Befreiung sondergleichen. Danach ein Lärmpegel im Stadion, wie man ihn in letzter Zeit nur noch selten hatte, es brach so viel aus einem heraus, das sich in schier endlos schlechten, emotions- und erfolglosen Spielen aufgestaut hatte. Ein Klassetor, das sah richtig nach Spielkultur aus und macht Hoffnung für die kommenden Aufgaben. Wenngleich es nach wie vor zu einfach ist, Tore gegen uns zu erzielen, momentan sind wir wenigstens wieder in der Lage zurückschlagen zu können. Gut, dass wir die Gegentore aufgrund des Sieges nicht aufdröseln und allzu barsch kritisieren müssen, bei beiden sah die Abwehr und auch Sven Ulreich, der bei einem Eckball an den Fünfmeterraum auch mal rauskommen darf, nicht gut aus.
Gerade Daniel Ginczek scheint sich in der Endphase noch zu einem echten Faustpfand aufzuschwingen und es allen Zweiflern zu zeigen, weshalb man diesen schwer verletzten Jungen im Sommer geholt hat. Ich persönlich war immer von ihm überzeugt. Er ist einer, dessen Qualitäten mir schon bei einigen Besuchen zu seiner Zeit am Millerntor ins Auge gestochen sind und von dem ich weiß, dass er ein charakterlich einwandfreier, mitten im Leben stehender Junge ist. Typ Familienvater, die schon Otto Rehhagel in seinen Glanzzeiten am meisten schätzte. Für ihn freut es mich ganz besonders, dass er jetzt zu explodieren scheint. Zweiter Doppelpack in einem Heimspiel in Folge und, was noch viel wichtiger ist, seine Tore brachten zwei Heimsiege ein, so dass uns vor den nächsten Aufgaben nicht bange sein muss. Das Restprogramm ist nach wie vor machbar, vor allem, wenn wir das Neckarstadion für den Rest der Saison zur uneinnehmbaren Festung werden lassen. Die nächsten Heimgegner Freiburg, Mainz und HSV verbreiten nicht schon im Vorfeld Angst und Schrecken, so dass die Jungs mit breiter Brust in die Spiele gehen können und sie hoffentlich gewinnen werden. Wir sind schließlich der VfB.
Auch in Augsburg rechne ich mir durchaus etwas aus. Die Fuggerstädter schwächeln derzeit vor allem auswärts und haben jüngst sogar dem SC Paderborn den ersten Rückrundensieg ermöglicht. Zu Hause zeigen sie jedoch ein anderes Gesicht, höchst aggressiv und äußerst schwer zu bespielen. Dort wird um jeden Millimeter Boden gekämpft. Der VfB muss den Kampf annehmen und darf sich nicht den Schneid abkaufen lassen. Von der Qualität her, ja, jetzt fange ich auch noch damit an, brauchen wir uns vor den Augsburgern sicherlich nicht zu verstecken. Sie haben jedoch das bessere Kollektiv, einer schuftet für den Anderen und sie sind gut organisiert. Wenn wir spielerisch an die guten Anfangsphasen der letzten Auswärtsspiele, bei hochkarätigeren Gegnern, anknüpfen und diese Linie über 90 Minuten schaffen beizubehalten, ist dort sogar ein Auswärtsdreier drin.
In den letzten Jahren gab es in Augsburg stets alkoholfreies Bier im Gästeblock, so dass ich annehme, dass es dieses Jahr nicht anders sein dürfte. Da wird das „Schwabenduell“ zum Derby hochstilisiert, welches es für uns überhaupt nicht ist. Daher strikte Fantrennung, alkoholfreies Bier und auch sonst nicht gerade ein freundlicher Umgang mit den „Gästen“. Diese ganzen Umstände inspirierten mich dazu, meine Karten direkt über den FCA zu bestellen. Haupttribüne, Reihe 1, ähnlich wie in Leverkusen, erwarte ich mir dabei eine gute Beinfreiheit und auf der Werbebande Platz um mein (Voll-)Bier abzustellen. Dazu kommt eine herausragend gute Perspektive, um unseren Fanblock abzulichten, was will man mehr.
Bevor hier Missverständnisse entstehen, natürlich halte ich es auch zwei Stunden lang ohne ein Bier aus, bei Heimspielen vor allem trinke ich eher selten ein Bier, allein schon deshalb weil mich die langen Schlangen in der Halbzeit abschrecken, aber, es geht mir hier ums Prinzip, um die Freiheit, die mir genommen wird, für mich zu entscheiden, ob ich ein Bier trinken möchte oder nicht.
Einfach wird es in Augsburg sicherlich nicht, zudem ist jetzt, auch das sage ich in vollem Ernst, leider Martin Harnik gesperrt. Auch wenn er zwischen Genie und Wahnsinn wandelt, wie wertvoll er für die Mannschaft sein kann, hat er schon oft eindrucksvoll bewiesen.
So geil sich dieser gestrige Sieg noch immer anfühlt, so wenig gewonnen ist bisher bei nüchterner Betrachtung der Tabellenlage. Wir haben im 14. Heimspiel den dritten Sieg errungen, was einer Erfolgsquote von knapp 21,5% entspricht. Um den Klassenerhalt zu schaffen, sind jedoch noch drei weitere Heimsiege aus den verbleibenden drei Heimspielen dringend notwendig, also eine 100%ige Erfolgsquote, die in Anbetracht der Statistik fast utopisch anmutet. Dennoch macht es Hoffnung, dass wir die letzten beiden Heimspiele mit jeweils drei geschossenen Toren siegreich gestalten konnten und dass wir endlich wieder einen Mittelstürmer haben, der weiß, wo das Tor steht. Vor einigen Wochen noch lehnte sich Daniel Ginczek, der heute seinen 24. Geburtstag feiert, Glückwunsch dazu, weit aus dem Fenster und versprach die zum Klassenerhalt notwendigen Tore noch beizusteuern. Es mag bei dieser vollmundigen Ankündigung eine Rolle gespielt haben, sich selbst in Position zu bringen und Stevens beeinflussen zu wollen, ihm (weiterhin) den Vorzug vor Vedad Ibisevic zu geben. Aber, es spricht auch für sein Selbstvertrauen und das zurückgekehrte Vertrauen in seinen Körper nach seiner schweren Kreuzbandverletzung. In den Spieltags-Nachbetrachtungen gestern hörte ich unter anderem, dass es der HSV einzig der Schwere der Verletzung Ginczeks zu verdanken hatte, letzte Saison überhaupt drin geblieben zu sein, denn, hätte Ginczek sich nicht verletzt und Tore zum Klassenerhalt des 1. FC Nürnberg in der letzten Saison beisteuern können, wäre die Bundesligauhr wohl schon im Vorjahr abmontiert worden. So könnte er es im zweiten Anlauf schaffen, den Dino dorthin zu schießen, worauf die Stellinger seit Jahren hin arbeiten, nämlich in die 2. Liga.
Dies möchte ich jetzt nicht als Häme verstanden wissen. Mir ist hier nur das Hemd näher als die Hose, sprich, es wäre mir vollkommen egal, wen es denn erwischt, die Hauptsache ist die, dass wir selbst dem Abstieg ein weiteres Mal von der Schippe springen.
Sollte dieser Fall eintreten und der HSV den verdienten Abstieg ernten, sollte dies von der VfB-Führung als allerletztes Warnsignal verstanden werden, dass es eben doch nicht immer gut geht.
Ich selbst bin auf den Abstieg vorbereitet und versuche ihn mir auch selbst seit geraumer Zeit schön zu reden. Fast ausnahmslos reizvolle Auswärtsspiele, die Zeichen stünden auf Aufbruch, ein „Weiter so“ würde es in der 2. Liga definitiv nicht geben. Vielleicht hätte man ja sogar ein glückliches Händchen bei der Kaderzusammenstellung, bekäme eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammen und wir dürften mal wieder konstant attraktive Spiele erleben und würden in der Tabelle oben mitspielen. Selbstredend wären die Auswärtsspiele die wahren Highlights, an ein Montag-Abend-Spiel im Dezember bei Temperaturen um den Gefrierpunkt gegen den FSV Frankfurt vor etwas mehr als 10.000 Zuschauern möchte ich jetzt noch nicht denken.
Die große Angst, sollten wir es wieder „gerade so“ schaffen, ist doch die, dass es dann auch im nächsten Jahr genauso weiter gehen wird und es uns dann eben, wie möglicherweise jetzt den HSV, ein Jahr später erwischen würde. Dann doch lieber jetzt den Stecker ziehen als weiter so dahin zu siechen. Verstünde der Verein diese Saison jedoch als allerletzten Schuss vor den Bug und würde sich ab Abpfiff dieser Bundesligasaison neu erfinden und den Kader rigoros ausmisten und dabei tunlichst vor vermeintlichen Ikonen nicht Halt machen, sähe ich durchaus auch Chancen, den VfB ohne Abstieg rundzuerneuern. Dies müsste aber auf allen Ebenen geschehen, in Aufsichtsrat, Vorstand, Trainerstab und Mannschaft, wobei bzgl. des Trainerstabs weniger Huub Stevens anspreche als z. B. einen Torwarttrainer Andi Menger unter dessen Ägide sich Ulreich und Kirschbaum nicht weiter entwickelt haben, ein Bernd Leno verkauft wurde und der eine oder andere Hoffnungsträger bei der zweiten Mannschaft versauert. Einen Neubeginn mit Huub Stevens halte ich dagegen für denkbar, sollte eine ganz große Lösung wie beispielsweise die mit Thomas Tuchel nicht realisierbar sein. Stevens weiß, was zu tun sein würde und geht inzwischen auch mehr und mehr in der Aufgabe hier auf und identifiziert sich vor allem auch damit.
Aufgrund des finanziellen Fiaskos, das im Falle des Abstiegs droht, hoffe ich nach wie vor darauf, dass wir es noch schaffen und sehe die Chancen mittlerweile bei mindestens 50 Prozent, einfach weil das Selbstvertrauen zurückgekehrt ist, das Spiel, wie gegen Bremen gesehen, nach dem ersten Gegentor nicht quasi schon verloren ist und weil wir auf dem Papier ein machbares Restprogramm haben. Der Auftritt gegen Bremen machte Mut, auch, weil es über weite Strecken ein gutes Spiel vom VfB war und man den Sieg zum Schluss, mit zehn Mann, erzwungen hat. Ob Martin Harnik oder Serey Dié, der das erste Gegentor mit einem haarsträubenden Fehlpass einleitete, beide zeigten eine Reaktion und ließen sich nicht hängen. Auch das eine Charaktereigenschaft, die Mut macht für die restlichen Spiele, während des Spiels den Schalter umlegen und Fehler abhaken zu können.
Dass am Ende mehr als der Relegationsplatz herausspringen könnte ist derzeit unwahrscheinlich. Außer Hannover 96 punkten alle über dem Strich mehr oder weniger regelmäßig, so dass, Stand heute, von keinem der theoretisch noch gefährdeten Teams noch ein großer Einbruch zu erwarten ist und man demnach darauf hoffen muss, dass wenigstens Hannover weiterhin erfolglos seinem ersten Rückrundensieg hinterherjagt.
So müssen wir uns wohl oder übel mit der Relegation anfreunden, einer Entscheidung, die es nach meinem dafürhalten überhaupt nicht geben sollte. Es sind Spiele, in denen so ungeheuerlich viel Brisanz steckt, dass sie keinem den Beteiligten wirklichen Spaß bereiten. Auch hier stehen wieder, wie überall im sogenannten modernen Fußball, die kommerziellen Interessen über denen der Vereine, der Fans und auch über Sicherheitsaspekten.
Einen Vorgeschmack, was drohen könnte, bot vor einigen Jahren das Relegationsduell zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC Berlin, wo sich vor allem die Berliner negativ hervortaten. Es standen in den letzten Jahren aber noch weitaus brisantere Begegnungen für die Relegation im Raum: Ob St. Pauli-HSV, Düsseldorf-Köln, Nürnberg-Fürth oder aktuell VfB-KSC. Alles Duelle zwischen Fan-Lagern, die sich bis aufs Blut hassen und wo demzufolge das Schlimmste zu befürchten wäre, wenn es denn dazu käme. Wer die Vorkommnisse 2009 rund um das Wildparkstadion miterlebt hat und verfolgt, wie sich die gegenseitige Abneigung trotz unterschiedlicher Ligazugehörigkeit in den letzten Jahren immer weiter hochgeschaukelt hat, muss bei einem Relegationsspiel VfB-KSC als weitere Steigerung befürchten, dass erstmals Tote zu beklagen sein könnten. Da die Sicherheit vor allem im Wildpark kaum zu gewährleisten ist, erwägt Innenminister Gall im Falle eines Falles gar eine Verlegung des KSC-„Heimspiels“ an einen anderen Spielort.
So weit sind wir zum Glück noch nicht, noch sind weder wir 16. und auch der KSC ist noch nicht Dritter der 2. Liga. Es kommt wie es kommt, im schlimmsten Fall auch zu diesem Spiel. Dennoch sollte es die DFL in Erwägung ziehen, die Relegation wieder abzuschaffen. Wer am 34. Spieltag auf dem 16. Tabellenplatz der Bundesliga steht, hat es verdient abzusteigen, genauso wie der Dritte der 2. Liga den Aufstieg verdient hätte. Dass es der HSV in der letzten Saison mit kläglichen 27 Punkten geschafft hat, die Klasse zu erhalten, hat mit „verdientem Lohn“ so viel zu tun, wie der VfB derzeit mit der Champions League.
Dies ein kleiner Exkurs und allenfalls Zukunftsmusik. Der VfB tut gut daran, weiterhin von Spiel zu Spiel zu denken und Step by Step die nötigen Punkte einzufahren, wir werden sehen, was dabei herauskommt und wie verrückt die Ergebnisse der Konkurrenz ausfallen werden. Noch haben wir die Konstellation, dass die halbe Liga um die internationalen Plätze kämpft und die andere Hälfte gegen den Abstieg. Ein echtes Niemandsland der Tabelle gibt es noch nicht. Wir müssen aber darauf gefasst sein, dass gegen Ende der Saison Ergebnisse produziert werden, die man nicht für möglich halten würde, wenn es für die eine oder andere Mannschaft um nichts mehr geht. Daher nützt es auch nichts, auf Patzer der Konkurrenz zu hoffen, wir müssen unsere Punkte selber holen und damit auch die theoretischen Zweifel beseitigen. Noch hätten wir die Möglichkeit, die Saison mit 44 Punkten abzuschließen, was natürlich relativ unwahrscheinlich ist, diese würden aber hundertprozentig reichen, egal, was die Konkurrenz macht. Also, weiter positiv denken, es wäre schließlich nicht das erste Mal, dass wir die letzten sieben Spiele gewännen. ;-)

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15. Februar 2015

Oh, Du wunderschöner VfB…

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 15:59

…sangen wir einst und durften Fußballfesten beiwohnen, die sich auch Jahrzehnte später noch ins Gedächtnis eingebrannt haben. Was ist nur aus diesem einst so wunderschönen Verein geworden? Ein Abstiegskandidat, das Team, das den schlechtesten und langweiligsten Fußball der Liga spielt. Stand VfB früher für „Verein für Begeisterung“ praktizieren wir heutzutage Angsthasenfußball zum Abgewöhnen. Der VfB steht auf Platz 18 und damit genau dort, wo er auch hingehört.
Die Luft auf dem Wasen dürfte nach der Niederlage in Sinsheim deutlich dünner werden. Jetzt merkt es wohl der letzte Träumer, dass wir uns (unaufhaltsam?) auf rasanter Talfahrt in Richtung Zweite Liga befinden. Es fällt mir von Woche zu Woche schwerer, mich an einen Strohhalm klammern zu können und auf die noch verbleibenden 13 Spiele im Oberhaus positiv zu blicken. Soll der Bock gegen den wiedererstarkten BVB umgestoßen werden? In Hannover? Im Leben nicht. Mit blutleeren Auftritten ohne jegliche Kreativität, ohne Überraschungsmomente? Was soll denn Hoffnung machen? Wir haben eine Truppe, die mit Sicherheit die schlechteste ist, die je die Farben unseres Vereins tragen durfte. Diese schlechte Truppe muss es aber richten, weil wir nur die eine haben.
Ich habe jegliches Vertrauen in diese Truppe verloren, das Wort „Mannschaft“ meide ich bewusst schon seit einiger Zeit im Zusammenhang mit dieser (Gurken-)Truppe.
Der gestrige Tag begann ja schon symptomatisch. Mit dem RWS ging es im Bus diese paar Kilometer in Richtung Autobahnraststätte Sinsheim. Um 12.30 Uhr war Abfahrt in ES-Berkheim, gegen 13.15 Uhr der Zustieg im Gewerbegebiet Ditzingen-Ost. Es lief ganz gut, bis Sinsheim-Süd, als plötzlich alles stand. Unser Kutscher nahm dann diese Ausfahrt, was ich mit dem Stau in Verbindung brachte und ihm durchaus einen guten Plan B zugetraut hätte. Abgesehen davon, dass wir auch auf dieser Route mehr gestanden als gefahren sind, wunderten wir uns mehr und mehr über Plan B, spätestens dann, als wir linkerhand das Stadion gesehen haben und doch nicht mal endlich diese Richtung eingeschlagen hatten. Der Kutscher aber fuhr unbeeindruckt weiter seinen Stiefel herunter, bis wir schließlich – ja, tatsächlich, im Ort Hoffenheim gestanden sind. Hat diese Koryphäe von Kutscher doch wohl offensichtlich „Hoffenheim“ ins Navi eingegeben. ;-)
Als die Uhr bereits auf 14.40 Uhr stand, stieg natürlich die Unruhe im Bus an. In der Ortsmitte also wieder gewendet, so dass wir wieder auf die Autobahn und auf dieser von der anderen Seite aus kommend ankamen, an der Ausfahrt vorne reingedrängt, so dass wir doch noch kurz nach 15 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Gästeplatz standen. Die meisten im Bus hatten Stehplätze und um diese Zeit sicherlich ihre Probleme, noch einen guten Platz im Block zu finden. Bei mir war es weniger tragisch, da ich einen Sitzplatz, den ich direkt beim Heimverein bestellt habe, hatte. Abgesehen davon, dass man von dort relativ gut in den Gästeblock fotografieren kann, dachte ich, dass es im „Heimbereich“ auch Vollbier geben würde. Weit gefehlt, auch dort nur alkoholfrei, hat der Veranstalter doch sicherlich realisiert, dass auch diese Kurve außer den paar Hansels mit Dauerkarten, weitestgehend in VfB-Hand sein würde. So war das Spiel also noch schwerer zu ertragen.
Unser Neuzugang Serey Dié musste zunächst auf der Bank Platz nehmen, ebenso wie Schwaab und Ibisevic, die für Harnik und Timo Werner weichen mussten. Huub Stevens war also auch gegen die in der Rückrunde noch punktlosen Hoffenheimer nicht dazu bereit, über seinen eigenen Schatten zu springen und mehr als zwei Offensivkräfte aufzubieten.
Mein Verständnis für diesen Angsthasenfußball hält sich dabei in Grenzen. Die Null muss stehen, ist zwar ein Credo, das noch nicht von vornherein verwerflich ist, aber eben nur, wenn man vorne auch trifft und so sicher steht, um auch mal ein 1:0 nach Hause zu schaukeln. Das aber kann der VfB nicht, so dass es mir momentan lieber wäre, im Veh-Stil anzutreten, wo man nach einem 0:3 gegen Leverkusen noch zurückkommen konnte und auch in Frankfurt nach Rückständen jeweils eine passende Antwort geben konnte. Ist die Ausrichtung von vorne herein auf Catenaccio angelegt, fällt es umso schwerer den Schalter umzulegen, wenn es sein muss.
Unter Veh war durchaus Offensivpotential erkennbar, auf dem man aufbauen könnte. So kann und muss es zwar heißen, die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive endlich mal zu finden, jedoch nicht allein auf Kosten der Offensive, sondern um Kapital aus diesen Stärken zu ziehen und die Gegentoranzahl zu reduzieren.
Weshalb hole ich einen Kostic für gut sechs Millionen Euro, der, als Königstransfer eines klammen Vereins, nur auf der Bank oder auf der Tribüne sitzt. Natürlich muss er es lernen, nach hinten mit zu arbeiten, aber, wenn dem „Team“ eingebläut wird und sie es auch annehmen, dass sie für den einen oder anderen Künstler zusätzliche Wege gehen müssen, kann und muss man einen solchen Spielertypen und auch einen Alexandru Maxim auf dem Platz vertragen können.
Das sind doch Spieler, die der Fan und Zuschauer sehen möchte, die durch einen Geistesblitz Torgefahr entfachen können. Wir aber haben pro Halbzeit ein, zwei harmlose Schüsschen zu verzeichnen, wodurch gestern sogar einer unhaltbar für Baumann abgefälscht wurde und wir das erste VfB-Tor im Jahre 2015 bejubeln durften. Unsere Bilanz aus den letzten fünf Spielen lautet also 1:5 Tore, zwei Punkte. Die Gegentore zwar noch aller Ehren wert für einen Abstiegskandidaten, offensiv dafür nicht bundesligareif. Mit einer solchen Spielweise wie zuletzt geht es unweigerlich runter. Wir sind in einer Lage angekommen, in der nur noch Siege helfen.
Es bringt weder etwas in Köln auf Unentschieden zu spielen, noch gestern in Hoffenheim. Das 1:2 in der Nachspielzeit hat mich gestern nicht einmal mehr groß aufgeregt, weil mir schon der eine Punkt zu wenig war und man mit einem Punkt seit Einführung der Dreipunkteregel sowieso nicht von der Stelle kommt. Natürlich kann man mal mit einem Unentschieden leben, aber eben nur dann, wenn man sich nicht vorwerfen muss, nicht alles für einen Sieg getan zu haben.
Ich bin der Meinung, ein Umdenken kann nur durch Niederlagen stattfinden, auch wenn jetzt von Spielern und Offiziellen doch wieder rumgeheult wird, wie bitter der Knockout in der Nachspielzeit gewesen sei. Nein, der VfB bietet Fußball zum Abgewöhnen, langweilig, langsam, harmlos, ideenlos, herzlos und schlecht. Der Gegner passt sich diesem schlechten Spiel an und gewinnt das Spiel trotzdem, zwar nicht mit wehenden Fahnen, aber, er gewinnt und hat damit sein Ziel erreicht, im Gegensatz zum VfB. Stevens muss jetzt einfach das Risiko erhöhen und mehr Kreativpotential bringen.
Wie erfolgversprechend eine Umstellung bspw. auf eine Raute sein könnte, dafür reicht ein Blick nach Bremen. Nur wenn man dem Gegner suggeriert, dass man ein Spiel unbedingt gewinnen will, hat dieser Respekt vor einem. Wenn ich aber wie das Kaninchen vor der Schlange agiere und stets den Rück- dem Steilpass vorziehe, signalisiere ich Demut und Angst und das gegen die Bayern genauso wie gegen Paderborn. Mutmacher fallen mir heute wenige bis keine ein.
Stevens selbst wirkte gestern ja beängstigend ratlos – ich hoffe, dass er aus seiner Ratlosigkeit heraus sich und sein Spielsystem hinterfragt und gegen Dortmund mit dem Mute der Verzweiflung antritt. Eine große Chance liegt für mich in der Gelbsperre von Christian Gentner. Er mag ein Spieler sein, der in einem gut harmonierenden und kombinierenden Team mitspielen kann, er ist aber kein Leader, kein Kapitän und erst recht nicht einer, der sein Herz in die Hand nimmt und die Richtung fürs Team vorgibt. Gegen Dortmund muss die Truppe anders auftreten als in den ganzen letzten Spielen, sonst kann der VfB die Punkte gleich in den Pott schicken und wir können es beim gemütlichen Teil des Abends belassen und müssen nicht für einen erneuten Grottenkick unser Vorglühprogramm unterbrechen. Außer der des Kapitäns würde ich noch andere Positionen überdenken, Romeu hat endgültig das „Niveau“ dieser Truppe erreicht. Beim 2:1 gestern hat er mal wieder viel zu langsam geschaltet, sonst hätte der Fehlpass von Baumgartl vermutlich nicht diese verheerende Folge gehabt. Weshalb Hlousek, der keine vernünftige Flanke in den Strafraum bringt, Woche für Woche auflaufen darf, verstehe, wer will. Ein Leibold von den Amas bekommt keine Chance und flieht im Sommer, schlechter als Hlousek ist er auch nicht. Auch Rausch, den ich einst für einen guten Zugang hielt, ist völlig außen vor und dümpelt bei den Amas herum.
Harnik, absolut formschwach, stets überhastet verstolpert er die wenigen vielversprechenden Aktionen, diese Aufzählung könnte man fast quer durchs Team fortsetzen. Ich hoffe, dass Gruezo bald und Didavi überhaupt noch zurückkommen, waren es doch diese beiden, die auch in der letzten Saison, übrigens ab dem Dortmund-Spiel, für mehr Stabilität im Mittelfeld gesorgt hatten. Auch Ginczek, der gestern wieder bei den Amas getroffen hat, würde ich Ibisevic vorziehen.
Gestern auch wieder war unsere „Offensive“, ob Harnik, Werner oder später auch Ibisevic, hauptsächlich am Fallen und am Lamentieren, anstatt erst dann das Spielen einzustellen, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat. Es ist erbärmlich und beschämend zugleich mit anzusehen, wie erwachsene Männer von einer Windbö von den Beinen geholt werden und dann noch Mienen aufziehen, wie kleine Mädchen, denen man die Barbiepuppe weggenommen hat.
Da wir noch immer von Berufsfußballern sprechen, die in letzter Zeit unerklärliche Aussetzer an den Tag legen, die Basics wie Ball stoppen und Passspiel verlernt zu haben scheinen, frage ich mich, was die Ursachen sind. Spielt die Mannschaft etwa mal wieder gegen den Trainer? Jeder Verstolperer ein kleiner Nadelstich gegen den Trainer? Da ich bei dieser Truppe keinen Charakter sehe, würde mich das jetzt nicht einmal verwundern, alles bereits dagewesen.
Es muss sich Grundlegendes ändern, wenn man die Chance auf den Klassenerhalt weiter wahren möchte. Seit gestern schließe ich dabei auch einen neuerlichen Trainerwechsel nicht mehr aus. Wenn ein Trainer selbst zugibt, mit seinem Latein am Ende zu sein, ist es nicht nur fünf vor sondern bereits nach zwölf. Spätestens hier sollten die Alarmglocken schrillen, spätestens hier könnte der VfB mit einem Novum die Bundesligahistorie bereichern, nämlich indem man zwei Trainerrücktritte innerhalb ein und derselben Saison zu verzeichnen hätte. Das wäre nur ein weiteres Indiz dafür, dass es vorne und hinten nicht passt, was Bobic über vier lange Jahre zusammengestellt hat. Sowohl sportlich als auch menschlich passt es in der Truppe nicht, Stevens hat es bislang auch nicht geschafft, elf Spieler auf den Rasen zu schicken, die einigermaßen miteinander harmonieren und vor allem welche, die als Mannschaft auftreten.
Ich bin der Letzte, der einen weiteren Trainerwechsel fordert und schreibe lediglich, dass er mich nicht wundern würde. Jede weitere Unruhe ist nicht förderlich, allerdings muss der VfB auch jede noch seine kleine Chance ergreifen, der zweiten Liga noch zu entrinnen.
Ich unterstelle einmal, die meisten, die jetzt sagen, nur durch einen Abstieg würde sich grundlegend im Verein etwas ändern, spinnen dieses Szenario nicht weiter. Der VfB ist notorisch klamm, so klamm, dass Kimmich verkauft werden MUSSTE, um überhaupt die laufenden Kosten bis zum Ende dieser Saison gesichert zu haben. Bei einem Abstieg würden uns geschätzt noch einmal circa 20-30 Millionen Euro wegbrechen, was mich zunächst einmal um die Lizenz bangen lässt. Ich hoffe, die Finanzexperten im Verein können dazu Anfang März, wenn die Lizenzen vergeben werden, Entwarnung geben.
Dann sieht es zunächst einmal so aus, dass wohl so ziemlich alle Verträge für die zweite Liga gelten, es mag sein zu verringerten Bezügen, aber, wir haben diesen Kader zunächst einmal weiter an der Backe. Der Verein muss dann natürlich versuchen, diesen Kader auszudünnen und einen nach dem anderen an den Mann bzw. an den Verein zu bringen. Zu allererst werden dann die weg sein, die Geld einbringen (könnten), wie Rüdiger, Maxim, Baumgartl, Werner, Didavi, Gruezo, Vlachodimos und einige vielversprechende Talente mehr. Die Ulreichs, Gentners, Niedermeiers, Hlouseks, Ibisevic‘, Schwaabs usw. werden erst einmal ausloten, ob sie es überhaupt einen Abnehmer für sie gibt, der mehr bezahlt, als der VfB zahlen müsste und dann womöglich noch beteuern, dass sie beim Neuaufbau mithelfen wollen, weil ihr Herz so sehr am VfB hängt. Ich wiederum sähe nur Hoffnung auf eine grundlegende Besserung und vor allem Aufbruchsstimmung, wenn das Verhältnis genau andersherum wäre. Natürlich kann es sein, dass ein Timo Werner und vielleicht auch Timo Baumgartl ihrem Herz gehorchen und besseren Angeboten widerstehen, ob da aber auch der Verein mitspielt und nicht doch (mal wieder) lieber Kasse machen möchte, bliebe abzuwarten.
Es wäre also zu befürchten, dass wir in der zweiten Liga eine eben solche eierlose Gurkentruppe auf dem Platz stehen hätten, wie jetzt schon. Damit würden wir dann auch in der zweiten Liga nicht zwangsläufig eine gute Rolle spielen. Der Grat, nach einem ersten Abstieg eine Fahrstuhlmannschaft zu werden, ist schmal, dauert es im Normalfall doch Jahre, sich schon von einem einzigen Zweitligajahr zu erholen. Schafft man den Aufstieg nicht auf Anhieb, gerät man schon Lichtjahre in Rückstand und läuft Gefahr, noch weiter nach unten durchgereicht zu werden. Spielt man in der 2. Liga nicht um den Aufstieg mit, werden Spiele mit 15.000 Zuschauern und noch weniger zum Alltag werden, so dass man eigentlich schon fast im städtischen Stadion zu Degerloch spielen und sich die hohen Betriebskosten des Neckarstadions sparen könnte.
Spätestens seit gestern muss man sich ernsthaft mit diesen Szenarien beschäftigen, so traurig es auch ist. Es ist diese Untätigkeit der Vereinsführung, vor allem dass man die letzte Saison nicht als letzten Warnschuss verstanden hat, die mir die Zornesröte ins Gesicht treibt. Der Abstieg wäre hausgemacht, jahrelang drauf hingearbeitet und nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.
Was mich gestern selbst erschrocken hat, war, dass ich wohl schon so abgestumpft bin, dass mich diese Lage nicht einmal mehr sonderlich fertig macht. 2011 in Gladbach war das noch ganz anders, da ist man mit Tränen in den Augen in der Halbzeit wildfremden Leuten um den Hals gefallen und hat, „das war’s“ gestammelt. Vier Jahre später, in denen man mehr oder weniger dahingesiecht ist und jetzt eben jemand den Stecker zieht, fühlt sich das dann eher wie eine Erlösung an.
Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es einmal soweit kommt. Als Fan kann man noch und nöcher „Kämpfen bis zum Schluss“ propagieren, wenn es die Truppe auf dem Platz nicht verinnerlicht und Woche für Woche enttäuscht, muss man die Situation eben irgendwann als gegeben hinnehmen und im Stillen leiden. Ändern können wir ja sowieso nichts mehr dran.
Ich würde sowieso in der 2. Liga bei der Stange und vor allem auch auswärts so aktiv bleiben wie bisher, so wie es die gewöhnungsbedürftigen Anstoßzeiten zulassen. Eines weiß ich aber schon jetzt: sollte der Abstieg Realität geworden sein und der VfB mich im Mai freundlich darum bitten, wie gewohnt Monate vor Saisonbeginn 430 Euro für meine Dauerkarte abzudrücken, können sie mich erst einmal gern haben. Da kann man dann in Ruhe beobachten, was der Verein gedenkt zu ändern, wie die künftige Mannschaft aussehen wird, wer das sportliche Sagen hat und vieles mehr.
Mein Pessimismus ist die eine Sache, meine Liebe zum Verein eine andere. Spieler und Verantwortliche kommen und gehen, der Verein bleibt!

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