15. Februar 2015

Oh, Du wunderschöner VfB…

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 15:59

…sangen wir einst und durften Fußballfesten beiwohnen, die sich auch Jahrzehnte später noch ins Gedächtnis eingebrannt haben. Was ist nur aus diesem einst so wunderschönen Verein geworden? Ein Abstiegskandidat, das Team, das den schlechtesten und langweiligsten Fußball der Liga spielt. Stand VfB früher für „Verein für Begeisterung“ praktizieren wir heutzutage Angsthasenfußball zum Abgewöhnen. Der VfB steht auf Platz 18 und damit genau dort, wo er auch hingehört.
Die Luft auf dem Wasen dürfte nach der Niederlage in Sinsheim deutlich dünner werden. Jetzt merkt es wohl der letzte Träumer, dass wir uns (unaufhaltsam?) auf rasanter Talfahrt in Richtung Zweite Liga befinden. Es fällt mir von Woche zu Woche schwerer, mich an einen Strohhalm klammern zu können und auf die noch verbleibenden 13 Spiele im Oberhaus positiv zu blicken. Soll der Bock gegen den wiedererstarkten BVB umgestoßen werden? In Hannover? Im Leben nicht. Mit blutleeren Auftritten ohne jegliche Kreativität, ohne Überraschungsmomente? Was soll denn Hoffnung machen? Wir haben eine Truppe, die mit Sicherheit die schlechteste ist, die je die Farben unseres Vereins tragen durfte. Diese schlechte Truppe muss es aber richten, weil wir nur die eine haben.
Ich habe jegliches Vertrauen in diese Truppe verloren, das Wort „Mannschaft“ meide ich bewusst schon seit einiger Zeit im Zusammenhang mit dieser (Gurken-)Truppe.
Der gestrige Tag begann ja schon symptomatisch. Mit dem RWS ging es im Bus diese paar Kilometer in Richtung Autobahnraststätte Sinsheim. Um 12.30 Uhr war Abfahrt in ES-Berkheim, gegen 13.15 Uhr der Zustieg im Gewerbegebiet Ditzingen-Ost. Es lief ganz gut, bis Sinsheim-Süd, als plötzlich alles stand. Unser Kutscher nahm dann diese Ausfahrt, was ich mit dem Stau in Verbindung brachte und ihm durchaus einen guten Plan B zugetraut hätte. Abgesehen davon, dass wir auch auf dieser Route mehr gestanden als gefahren sind, wunderten wir uns mehr und mehr über Plan B, spätestens dann, als wir linkerhand das Stadion gesehen haben und doch nicht mal endlich diese Richtung eingeschlagen hatten. Der Kutscher aber fuhr unbeeindruckt weiter seinen Stiefel herunter, bis wir schließlich – ja, tatsächlich, im Ort Hoffenheim gestanden sind. Hat diese Koryphäe von Kutscher doch wohl offensichtlich „Hoffenheim“ ins Navi eingegeben. ;-)
Als die Uhr bereits auf 14.40 Uhr stand, stieg natürlich die Unruhe im Bus an. In der Ortsmitte also wieder gewendet, so dass wir wieder auf die Autobahn und auf dieser von der anderen Seite aus kommend ankamen, an der Ausfahrt vorne reingedrängt, so dass wir doch noch kurz nach 15 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Gästeplatz standen. Die meisten im Bus hatten Stehplätze und um diese Zeit sicherlich ihre Probleme, noch einen guten Platz im Block zu finden. Bei mir war es weniger tragisch, da ich einen Sitzplatz, den ich direkt beim Heimverein bestellt habe, hatte. Abgesehen davon, dass man von dort relativ gut in den Gästeblock fotografieren kann, dachte ich, dass es im „Heimbereich“ auch Vollbier geben würde. Weit gefehlt, auch dort nur alkoholfrei, hat der Veranstalter doch sicherlich realisiert, dass auch diese Kurve außer den paar Hansels mit Dauerkarten, weitestgehend in VfB-Hand sein würde. So war das Spiel also noch schwerer zu ertragen.
Unser Neuzugang Serey Dié musste zunächst auf der Bank Platz nehmen, ebenso wie Schwaab und Ibisevic, die für Harnik und Timo Werner weichen mussten. Huub Stevens war also auch gegen die in der Rückrunde noch punktlosen Hoffenheimer nicht dazu bereit, über seinen eigenen Schatten zu springen und mehr als zwei Offensivkräfte aufzubieten.
Mein Verständnis für diesen Angsthasenfußball hält sich dabei in Grenzen. Die Null muss stehen, ist zwar ein Credo, das noch nicht von vornherein verwerflich ist, aber eben nur, wenn man vorne auch trifft und so sicher steht, um auch mal ein 1:0 nach Hause zu schaukeln. Das aber kann der VfB nicht, so dass es mir momentan lieber wäre, im Veh-Stil anzutreten, wo man nach einem 0:3 gegen Leverkusen noch zurückkommen konnte und auch in Frankfurt nach Rückständen jeweils eine passende Antwort geben konnte. Ist die Ausrichtung von vorne herein auf Catenaccio angelegt, fällt es umso schwerer den Schalter umzulegen, wenn es sein muss.
Unter Veh war durchaus Offensivpotential erkennbar, auf dem man aufbauen könnte. So kann und muss es zwar heißen, die richtige Balance zwischen Defensive und Offensive endlich mal zu finden, jedoch nicht allein auf Kosten der Offensive, sondern um Kapital aus diesen Stärken zu ziehen und die Gegentoranzahl zu reduzieren.
Weshalb hole ich einen Kostic für gut sechs Millionen Euro, der, als Königstransfer eines klammen Vereins, nur auf der Bank oder auf der Tribüne sitzt. Natürlich muss er es lernen, nach hinten mit zu arbeiten, aber, wenn dem „Team“ eingebläut wird und sie es auch annehmen, dass sie für den einen oder anderen Künstler zusätzliche Wege gehen müssen, kann und muss man einen solchen Spielertypen und auch einen Alexandru Maxim auf dem Platz vertragen können.
Das sind doch Spieler, die der Fan und Zuschauer sehen möchte, die durch einen Geistesblitz Torgefahr entfachen können. Wir aber haben pro Halbzeit ein, zwei harmlose Schüsschen zu verzeichnen, wodurch gestern sogar einer unhaltbar für Baumann abgefälscht wurde und wir das erste VfB-Tor im Jahre 2015 bejubeln durften. Unsere Bilanz aus den letzten fünf Spielen lautet also 1:5 Tore, zwei Punkte. Die Gegentore zwar noch aller Ehren wert für einen Abstiegskandidaten, offensiv dafür nicht bundesligareif. Mit einer solchen Spielweise wie zuletzt geht es unweigerlich runter. Wir sind in einer Lage angekommen, in der nur noch Siege helfen.
Es bringt weder etwas in Köln auf Unentschieden zu spielen, noch gestern in Hoffenheim. Das 1:2 in der Nachspielzeit hat mich gestern nicht einmal mehr groß aufgeregt, weil mir schon der eine Punkt zu wenig war und man mit einem Punkt seit Einführung der Dreipunkteregel sowieso nicht von der Stelle kommt. Natürlich kann man mal mit einem Unentschieden leben, aber eben nur dann, wenn man sich nicht vorwerfen muss, nicht alles für einen Sieg getan zu haben.
Ich bin der Meinung, ein Umdenken kann nur durch Niederlagen stattfinden, auch wenn jetzt von Spielern und Offiziellen doch wieder rumgeheult wird, wie bitter der Knockout in der Nachspielzeit gewesen sei. Nein, der VfB bietet Fußball zum Abgewöhnen, langweilig, langsam, harmlos, ideenlos, herzlos und schlecht. Der Gegner passt sich diesem schlechten Spiel an und gewinnt das Spiel trotzdem, zwar nicht mit wehenden Fahnen, aber, er gewinnt und hat damit sein Ziel erreicht, im Gegensatz zum VfB. Stevens muss jetzt einfach das Risiko erhöhen und mehr Kreativpotential bringen.
Wie erfolgversprechend eine Umstellung bspw. auf eine Raute sein könnte, dafür reicht ein Blick nach Bremen. Nur wenn man dem Gegner suggeriert, dass man ein Spiel unbedingt gewinnen will, hat dieser Respekt vor einem. Wenn ich aber wie das Kaninchen vor der Schlange agiere und stets den Rück- dem Steilpass vorziehe, signalisiere ich Demut und Angst und das gegen die Bayern genauso wie gegen Paderborn. Mutmacher fallen mir heute wenige bis keine ein.
Stevens selbst wirkte gestern ja beängstigend ratlos – ich hoffe, dass er aus seiner Ratlosigkeit heraus sich und sein Spielsystem hinterfragt und gegen Dortmund mit dem Mute der Verzweiflung antritt. Eine große Chance liegt für mich in der Gelbsperre von Christian Gentner. Er mag ein Spieler sein, der in einem gut harmonierenden und kombinierenden Team mitspielen kann, er ist aber kein Leader, kein Kapitän und erst recht nicht einer, der sein Herz in die Hand nimmt und die Richtung fürs Team vorgibt. Gegen Dortmund muss die Truppe anders auftreten als in den ganzen letzten Spielen, sonst kann der VfB die Punkte gleich in den Pott schicken und wir können es beim gemütlichen Teil des Abends belassen und müssen nicht für einen erneuten Grottenkick unser Vorglühprogramm unterbrechen. Außer der des Kapitäns würde ich noch andere Positionen überdenken, Romeu hat endgültig das „Niveau“ dieser Truppe erreicht. Beim 2:1 gestern hat er mal wieder viel zu langsam geschaltet, sonst hätte der Fehlpass von Baumgartl vermutlich nicht diese verheerende Folge gehabt. Weshalb Hlousek, der keine vernünftige Flanke in den Strafraum bringt, Woche für Woche auflaufen darf, verstehe, wer will. Ein Leibold von den Amas bekommt keine Chance und flieht im Sommer, schlechter als Hlousek ist er auch nicht. Auch Rausch, den ich einst für einen guten Zugang hielt, ist völlig außen vor und dümpelt bei den Amas herum.
Harnik, absolut formschwach, stets überhastet verstolpert er die wenigen vielversprechenden Aktionen, diese Aufzählung könnte man fast quer durchs Team fortsetzen. Ich hoffe, dass Gruezo bald und Didavi überhaupt noch zurückkommen, waren es doch diese beiden, die auch in der letzten Saison, übrigens ab dem Dortmund-Spiel, für mehr Stabilität im Mittelfeld gesorgt hatten. Auch Ginczek, der gestern wieder bei den Amas getroffen hat, würde ich Ibisevic vorziehen.
Gestern auch wieder war unsere „Offensive“, ob Harnik, Werner oder später auch Ibisevic, hauptsächlich am Fallen und am Lamentieren, anstatt erst dann das Spielen einzustellen, wenn der Schiedsrichter gepfiffen hat. Es ist erbärmlich und beschämend zugleich mit anzusehen, wie erwachsene Männer von einer Windbö von den Beinen geholt werden und dann noch Mienen aufziehen, wie kleine Mädchen, denen man die Barbiepuppe weggenommen hat.
Da wir noch immer von Berufsfußballern sprechen, die in letzter Zeit unerklärliche Aussetzer an den Tag legen, die Basics wie Ball stoppen und Passspiel verlernt zu haben scheinen, frage ich mich, was die Ursachen sind. Spielt die Mannschaft etwa mal wieder gegen den Trainer? Jeder Verstolperer ein kleiner Nadelstich gegen den Trainer? Da ich bei dieser Truppe keinen Charakter sehe, würde mich das jetzt nicht einmal verwundern, alles bereits dagewesen.
Es muss sich Grundlegendes ändern, wenn man die Chance auf den Klassenerhalt weiter wahren möchte. Seit gestern schließe ich dabei auch einen neuerlichen Trainerwechsel nicht mehr aus. Wenn ein Trainer selbst zugibt, mit seinem Latein am Ende zu sein, ist es nicht nur fünf vor sondern bereits nach zwölf. Spätestens hier sollten die Alarmglocken schrillen, spätestens hier könnte der VfB mit einem Novum die Bundesligahistorie bereichern, nämlich indem man zwei Trainerrücktritte innerhalb ein und derselben Saison zu verzeichnen hätte. Das wäre nur ein weiteres Indiz dafür, dass es vorne und hinten nicht passt, was Bobic über vier lange Jahre zusammengestellt hat. Sowohl sportlich als auch menschlich passt es in der Truppe nicht, Stevens hat es bislang auch nicht geschafft, elf Spieler auf den Rasen zu schicken, die einigermaßen miteinander harmonieren und vor allem welche, die als Mannschaft auftreten.
Ich bin der Letzte, der einen weiteren Trainerwechsel fordert und schreibe lediglich, dass er mich nicht wundern würde. Jede weitere Unruhe ist nicht förderlich, allerdings muss der VfB auch jede noch seine kleine Chance ergreifen, der zweiten Liga noch zu entrinnen.
Ich unterstelle einmal, die meisten, die jetzt sagen, nur durch einen Abstieg würde sich grundlegend im Verein etwas ändern, spinnen dieses Szenario nicht weiter. Der VfB ist notorisch klamm, so klamm, dass Kimmich verkauft werden MUSSTE, um überhaupt die laufenden Kosten bis zum Ende dieser Saison gesichert zu haben. Bei einem Abstieg würden uns geschätzt noch einmal circa 20-30 Millionen Euro wegbrechen, was mich zunächst einmal um die Lizenz bangen lässt. Ich hoffe, die Finanzexperten im Verein können dazu Anfang März, wenn die Lizenzen vergeben werden, Entwarnung geben.
Dann sieht es zunächst einmal so aus, dass wohl so ziemlich alle Verträge für die zweite Liga gelten, es mag sein zu verringerten Bezügen, aber, wir haben diesen Kader zunächst einmal weiter an der Backe. Der Verein muss dann natürlich versuchen, diesen Kader auszudünnen und einen nach dem anderen an den Mann bzw. an den Verein zu bringen. Zu allererst werden dann die weg sein, die Geld einbringen (könnten), wie Rüdiger, Maxim, Baumgartl, Werner, Didavi, Gruezo, Vlachodimos und einige vielversprechende Talente mehr. Die Ulreichs, Gentners, Niedermeiers, Hlouseks, Ibisevic‘, Schwaabs usw. werden erst einmal ausloten, ob sie es überhaupt einen Abnehmer für sie gibt, der mehr bezahlt, als der VfB zahlen müsste und dann womöglich noch beteuern, dass sie beim Neuaufbau mithelfen wollen, weil ihr Herz so sehr am VfB hängt. Ich wiederum sähe nur Hoffnung auf eine grundlegende Besserung und vor allem Aufbruchsstimmung, wenn das Verhältnis genau andersherum wäre. Natürlich kann es sein, dass ein Timo Werner und vielleicht auch Timo Baumgartl ihrem Herz gehorchen und besseren Angeboten widerstehen, ob da aber auch der Verein mitspielt und nicht doch (mal wieder) lieber Kasse machen möchte, bliebe abzuwarten.
Es wäre also zu befürchten, dass wir in der zweiten Liga eine eben solche eierlose Gurkentruppe auf dem Platz stehen hätten, wie jetzt schon. Damit würden wir dann auch in der zweiten Liga nicht zwangsläufig eine gute Rolle spielen. Der Grat, nach einem ersten Abstieg eine Fahrstuhlmannschaft zu werden, ist schmal, dauert es im Normalfall doch Jahre, sich schon von einem einzigen Zweitligajahr zu erholen. Schafft man den Aufstieg nicht auf Anhieb, gerät man schon Lichtjahre in Rückstand und läuft Gefahr, noch weiter nach unten durchgereicht zu werden. Spielt man in der 2. Liga nicht um den Aufstieg mit, werden Spiele mit 15.000 Zuschauern und noch weniger zum Alltag werden, so dass man eigentlich schon fast im städtischen Stadion zu Degerloch spielen und sich die hohen Betriebskosten des Neckarstadions sparen könnte.
Spätestens seit gestern muss man sich ernsthaft mit diesen Szenarien beschäftigen, so traurig es auch ist. Es ist diese Untätigkeit der Vereinsführung, vor allem dass man die letzte Saison nicht als letzten Warnschuss verstanden hat, die mir die Zornesröte ins Gesicht treibt. Der Abstieg wäre hausgemacht, jahrelang drauf hingearbeitet und nichts aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt.
Was mich gestern selbst erschrocken hat, war, dass ich wohl schon so abgestumpft bin, dass mich diese Lage nicht einmal mehr sonderlich fertig macht. 2011 in Gladbach war das noch ganz anders, da ist man mit Tränen in den Augen in der Halbzeit wildfremden Leuten um den Hals gefallen und hat, „das war’s“ gestammelt. Vier Jahre später, in denen man mehr oder weniger dahingesiecht ist und jetzt eben jemand den Stecker zieht, fühlt sich das dann eher wie eine Erlösung an.
Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass es einmal soweit kommt. Als Fan kann man noch und nöcher „Kämpfen bis zum Schluss“ propagieren, wenn es die Truppe auf dem Platz nicht verinnerlicht und Woche für Woche enttäuscht, muss man die Situation eben irgendwann als gegeben hinnehmen und im Stillen leiden. Ändern können wir ja sowieso nichts mehr dran.
Ich würde sowieso in der 2. Liga bei der Stange und vor allem auch auswärts so aktiv bleiben wie bisher, so wie es die gewöhnungsbedürftigen Anstoßzeiten zulassen. Eines weiß ich aber schon jetzt: sollte der Abstieg Realität geworden sein und der VfB mich im Mai freundlich darum bitten, wie gewohnt Monate vor Saisonbeginn 430 Euro für meine Dauerkarte abzudrücken, können sie mich erst einmal gern haben. Da kann man dann in Ruhe beobachten, was der Verein gedenkt zu ändern, wie die künftige Mannschaft aussehen wird, wer das sportliche Sagen hat und vieles mehr.
Mein Pessimismus ist die eine Sache, meine Liebe zum Verein eine andere. Spieler und Verantwortliche kommen und gehen, der Verein bleibt!

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16. Februar 2014

Abstiegsk(r)ampf

Gestern ging es wieder einmal an die Autobahnraststätte Kraichgau, wo Milliardär Hopp zwar ein Stadion hingestellt, eine Infrastruktur, die etwa einen reibungslosen Verkehrsfluss bei An- und Abreise gewährleisten sollte, aber „vergessen“ hat. So war es wie immer eine einzige Katastrophe, bis wir den Busparkplatz direkt vor dem Gästeblock erreichten. So kamen wir erst kurz nach 15 Uhr an diesem Spielort, der, wenn der BVB am letzten Spieltag der Vorsaison seinen Job richtig erledigt hätte, überhaupt nicht mehr auf unserem Spielplan gestanden hätte.
In Eile strömten natürlich alle sofort zum Block hinauf, um relativ kurz vor Spielbeginn noch einen einigermaßen akzeptablen Platz im Gästekäfig ergattern zu können, was mich schon etwas ärgerte, gehört es doch dazu, noch ein wenig Vorlauf zu haben, um Bekannte zu treffen und den einen oder anderen Plausch zu halten.
Ich hatte dieses Mal, wie schonmal in diesem Stadion, meinen Platz direkt hinter dem Tor, Reihe 3, in der Hoffnung eine bessere Perspektive zum Fotografieren auf unseren Block zu haben. Der Platz war eigentlich perfekt, dumm nur, dass es in Strömen goss und beim Bau der Schüssel wohl das Budget für ein den kompletten Zuschauerbereich abdeckendes Dach nicht mehr vorhanden war. So saß ich sprichwörtlich im Regen, 90 Minuten lang oder besser gesagt, so lang ich mir den Kick antat.
Seit das Dorf aufgestiegen ist, war ich bei allen Spielen. Bisher setzte es lediglich eine Niederlage, in der Hinrunde der Vorsaison ein desaströses 0:3 zu Hause. In Sinsheim und auch im ersten Jahr in Mannheim blieben wir stets ungeschlagen, was eigentlich meine einzige Hoffnung war, dass dort auch in diesem Jahr die Trendwende eingeleitet werden könnte. Ein bisschen glaubte ich auch an die in Vergessenheit geratene Attribute wie Stolz und Ehre bei unseren Protagonisten und hoffte darauf, dass die Atmosphäre, die das Spiel zu einem 18. Heimspiel machen könnte, unsere Jungs anspornen würde.
Einige Male davor hatte ich bewusst eine Karte im Gästeblock genommen, obwohl mir dieser in Sinsheim total widerstrebt. Eingepfercht, schlechte Sicht und, wenn ich mich richtig erinnere, alkoholfreies Bier. Der große Vorteil am Gästeblock ist es eben, dass man mit den SAP-Kunden erst überhaupt nicht in Kontakt kommt und so möglicherweise vor sich selbst geschützt wird. Es gibt kaum einen Verein, für den und seine Fans ich ausschließlich Verachtung übrig habe. Ich frage mich ständig, wo die waren, bevor Hopp sich entschloss aus einem langweiligen Dorf- einen Bundesligaverein basteln zu wollen. Die allerwenigsten haben den Aufstieg von der Kreis- bis zur Regionalliga mitgemacht, sondern sind von anderen Vereinen abgewandert, was in meinem Verständnis überhaupt nicht möglich ist.
Dieses Mal also, im gemischten Block, umringt von VfBler und SAP-Kunden. Gestern gingen mir schon zu Beginn die großen Emotionen, selten hatte ich weniger Lust auswärts zu fahren. So störte mich auch das ganze Primborium beim Projekt Hoffenheim nicht einmal mehr. Mittlerweile gehe ich zu VfB-Spielen und erwarte rein gar nichts. Kommt Häme von den gegnerischen Fans oder lachen sie meinen VfB aus, was habe ich derzeit schon entgegenzusetzen? Irgendwie haben sie ja auch Recht, der VfB kommt peinlich daher wie noch nie. Slapstick auf dem Rasen, Galgenhumor auf der Tribüne. Mehr nicht. So ertrug ich das Spiel und das Drumherum mit Fassung und konnte mich schon früh, nach dem 0:1 genauer gesagt, mit der sich anbahnenden ersten Niederlage in Sinsheim „anfreunden“. Hoffnung, das Spiel noch drehen zu können, hatte ich überhaupt keine. Ich sah keine durchdachten Aktionen, keinen gefährlichen Schuss auf das Gehäuse der Hoffenheimer, nicht den Hauch einer Parade des Torwarts. Stattdessen kombinierte sich Hoffenheim durch unsere Reihen, als bestünden diese aus Slalom-Stangen. Wenn es dumm läuft, liegen wir in der 2. Minute bereits zurück, so dauerte es eben bis zur 12., als zunächst Ulreich schlecht aussieht und eine Hereingabe nicht zu fassen bekommt und Schipplock abstaubt. Das war ja mal wieder klar, dass ein Ex-VfBler gegen uns treffen würde, doppelt sogar. Der VfB personell zwar auf einigen Positionen verändert im Vergleich zum Augsburg-Spiel, brach dieses Mal nach dem 0:1 nicht sofort auseinander, agierte aber weitestgehend planlos mit langen Bällen und hoffte auf Kommissar Zufall. Wir hatten Glück, dass Ulreich auch lichte Momente in diesem Spiel hatte, sonst hätten wir zur Pause bereits höher zurückliegen können.
Welches Spiel Bobic gesehen hat, würde mich mal interessieren, wenn er eine ordentlich erste Halbzeit gesehen hat. Für mich war das, wie in den letzten Wochen, über weite Strecken nicht erstligareif. Einen solchen „Fußball“ wie vom VfB dargeboten, habe ich letztmals im Januar 2013 gesehen, damals in der zweiten englischen Liga bei Leicester-Middlesbrough, Kick & Rush eben.
Hoffenheim nahm die äußeren Verhältnisse mit Dauerregen und regendurchtränktem Boden besser an und hatte mit Firminho den überragenden Mann auf dem Platz. Die Hoffenheimer liefen mehr als der VfB, gewannen mehr Zweikämpfe und hatten eine bessere Passgenauigkeit. Es wurde ein deutlicher Hoffenheimer Sieg, der sich von Anfang an abzeichnete und hochverdient ist.
Der VfB verschwendete einmal mehr seine überschüssige Energie im reklamieren und lamentieren und leistete sich zu viele und vor allem zu plumpe Frustfouls. Infolge dessen wurde noch Moritz Leitner vom Platz gestellt und wird beim so wichtigen Heimspiel gegen Hertha BSC fehlen. Hoffen wir, dass Gentner bis dahin wieder einsatzbereit ist, sonst wird es personell eng in der Mittelfeldzentrale.
Hier sollten die Verantwortlichen mal ansetzen und unseren Spielern klar machen, dass sie die Klappe halten und sich vom Ort des Geschehens entfernen sollen, wenn der Schiedsrichter abgepfiffen hat. Da wollen sie den Fans wohl mit Gewalt demonstrieren, dass es ihnen nicht egal ist, wenn wir verlieren. Dass dies aber überhaupt nichts bringt, im Gegenteil, Konzentration und Nerven kostet, betrachten sie nicht. Aber, wer soll ihnen hier zum Vorbild taugen? Bobic etwa, der selber immer die Schuld bei den Anderen sucht und als Spieler auch kein Kind von Traurigkeit war? Ich sage nur, „blinde Bratwurst“! Das ständige motzen, ob gegen Gegenspieler, Schiedsrichter, Fans und gestern sogar gegen den Trainer zeugt von einer sportlichen Hilflosigkeit und macht keine Hoffnung auf Besserung.
So saß ich gestern also weitestgehend in mir zusammengekauert da, ließ den Regen über mich ergehen und das Unheil seinen Lauf nehmen. Zu keiner Phase keimte Hoffnung auf, dass der VfB in der Lage sein würde sich gegen die Niederlage zu stemmen. Symptomatisch wieder, dass der Platzverweis unmittelbar auf den Anschlusstreffer folgte, um überhaupt nicht in Versuchung kommen zu müssen, noch an das Gute zu glauben. Nach dem 0:3, ich gebe es zu, habe ich den Bierstand aufgesucht und bin erst die letzten fünf Minuten, stehend am Eingang, wieder hinein, um nicht erneut meinen Platz trocken schrubben zu müssen.
Was bleibt ist eine sportliche Demütigung beim ungeliebten Nachbarn, die gar nicht so weh tat, weil ich mit nichts anderem rechnete. Da ich ungern gegen den VfB tippe, setzte ich zwar auf ein 3:4, in der Hoffnung, dass der VfB Kapital aus der schwachen Hoffenheimer Abwehr schlagen könnte. Falsch gedacht, nicht einmal gegen die Schießbude der Liga schaffen es die Unseren Überraschungsmomente zu kreieren und zum Torabschluss zu kommen. Bei diesem Boden wären Fernschüsse ein probates Mittel gewesen, nur hat man das beim VfB leider nicht erkannt.
Wenn sich nicht Grundlegendes ändert, wird diese Art Fußball zwangsläufig in die zweite Liga führen. Die Umstellung auf das offensiv ausgerichtete 4-4-2-System erwies sich als Rohrkrepierer. Gerade auch gestern war zu erkennen, dass wir den Hoffenheimern damit ins offene Messer gelaufen sind und diese sich sicherlich deswegen ins Fäustchen lachten. Jetzt gilt es mit höchster Priorität die Defensive zu stabilisieren, nicht nur personell sondern genauso in der taktischen Ausrichtung. Auch Sven Ulreich kann in seiner derzeitigen Verfassung dem Team nicht weiterhelfen. Beim ersten und beim dritten Treffer sah er sehr schlecht aus. Er gewann uns in dieser Saison ein einziges Spiel bei der Berliner Hertha (lang ist es her), verschuldete aber auch unzählige Gegentore und rettete uns keine weiteren Punkte. Wenn nicht jetzt, wann dann soll die Stunde von Kirschbaum schlagen? Alle erdenklichen Abwehrformationen wurden bereits getestet, als neuen Impuls bliebe nur noch der Torwartwechsel. Vielleicht würde ja dieser zu mehr Stabilität führen. Kirschbaum hat eine bessere Spieleröffnung als Ulle und könnte unsere schnellen Außen mal auf die Reise schicken und sich damit ihrer Stärken bedienen. Sollte auch ein solche Maßnahme nicht von Erfolg gekrönt sein, besteht immer noch die Möglichkeit, dass Ulle, wie schon einmal, gestärkt aus seiner Ausbootung herauskommen und sich wieder ins Team spielen könnte. Vereinsverbundenheit allein genügt eben auch bei Ulle nicht!
Sollte Schneider weiterhin das Zepter schwingen dürfen, muss er Signale setzen und dem Team helfen. Sieht die Aufstellung und taktische Ausrichtung nur annähernd so aus wie zuletzt, kann man im Grunde nach Präsentation der Aufstellung aufstehen und einen trinken gehen, so wenig Hoffnung hätte ich, dass gegen Berlin der Bock umgestoßen werden würde.
Ich habe schon sehr viele Höhen und Tiefen erleben dürfen, manchmal auch müssen. An eine solch hoffnungslose Phase kann ich mich aber nicht erinnern. Den Abstieg 1975 habe ich noch nicht richtig bewusst mitbekommen, regelmäßig im Stadion war ich „erst“ ab der Aufstiegssaison 1976/77.
Was wir aber in dieser Saison Woche für Woche über uns ergehen lassen müssen, ist höchst bedenklich. Es reicht sprichwörtlich hinten und vorne nicht, die Abwehr ein Torso, das Mittelfeld plan-, form- und konzeptlos und der Sturm nur ein laues Lüftchen. Die „Mannschaft“ ein zerstrittener Haufen, die sich in Diskussionen mit dem Schiedsrichter und sogar Trainer Schneider aufreibt, anstatt ihre ganze Energie dem Kampf gegen den Gegner aufzuwenden.
Ein Präsident, der sich, ähnlich wie seine Vorgänger, auf Tauchstation befindet, ein Sportdirektor Bobic, der auch gestern wieder eine ordentliche erste Halbzeit sah und ein unerfahrener Jugendtrainer Schneider, der nach gerade mal einer Halbserie als Cheftrainer schon mit seinem Latein am Ende zu sein scheint. Woche für Woche die gleichen Durchhalteparolen, ich bin es langsam leid und würde gerne Veränderungen sehen. Nach der Demütigung gegen Augsburg, „klarer Worte“ und „angezogener Zügel“ in der Woche, darf man doch wenigstens eine leichte Verbesserung im darauffolgenden, prestigeträchtigen Spiel in Sinsheim erwarten. Das Gegenteil war der Fall, hatten sie gegen Augsburg stark begonnen und gute erste 30 Minuten hingelegt, waren sie gestern von Beginn an hoffnungslos unterlegen und einfach schlechter als ein durchschnittlicher Gegner.
Ich bin mir relativ sicher, dass dieser Weg direkt, ohne Umschweife, ohne Relegation, in die zweite Liga führen wird, wenn nicht schleunigst gehandelt wird. Möchte ein Bobic als Totengräber des VfB in die Geschichte eingehen und die zweite Liga in Kauf nehmen, weil er so ehrenkäsig ist, es nicht zuzugeben, dass die Installation von Schneider als Cheftrainer eine Fehlentscheidung war, soll er klipp und klar sagen, dass er dessen Weg auch in die zweite Liga zu gehen bereit und der Abstieg einkalkuliert ist. Wenn nicht, muss jetzt die Reißleine gezogen werden. Mein Wunschtrainer Magath ist ja vom Markt. Die in meinen Augen danach vernünftigste Alternative auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer wäre Mirko Slomka, der jedoch dem Vernehmen nach kurz vor einem Engagement beim HSV steht. Daher müsste schnell gehandelt werden, was ich jedoch stark bezweifle. Von einer heutigen Krisensitzung zwischen Präsident und Aufsichtsrat ist mir leider nichts bekannt, dort müsste nämlich auch die Personalie Bobic diskutiert werden, der wie kein anderer für den rasanten Niedergang des VfB steht. Lässt man Bobic weiter wursteln, sehe ich keine Aussicht auf Besserung. Unter ihm würde der Nachfolger für Schneider wohl Krassimir Balakow heißen, der bereits grandios mit Kaiserslautern im Abstiegskampf gescheitert ist. Vielleicht hätte er auch einen anderen Spezi aus früheren Zeiten im Köcher, Anforderungsprofil, wie bei Labbadia und Schneider, Anforderungsprofil: pflegeleicht und wenig aufmüpfig. Eine konstruktive Streitkultur jedenfalls ist, wie im gesamten Verein zu beklagen, unerwünscht.
In dieser Situation trauere ich einem starken Präsidenten wie Gerhard Mayer-Vorfelder nach. Dieser stellte sich wenigstens, wenn ihm das Auftreten der Mannschaft und/ oder die Ergebnisse nicht gefallen haben, den Pressevertretern und haute dazwischen, wenn er es für notwendig hielt. Heute aber scheut sich jeder, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, auch wenn es nur dazu dienen sollte, wachzurütteln. Jeder hat sofort Angst, dass die Mimosen auf Managerposten, Trainerbank oder auf dem Platz bei einem Anflug von Kritki den Kopf in den Sand stecken oder sich vor den nächsten Zug werfen könnten. Kritik wird sowohl vom Trainer als auch vom Manager weggewischt, Kritiker in den eigenen Reihen wurden nach und nach vom Hof gejagt. In unserem Verein muss sich Grundlegendes ändern, sonst sehe ich wirklich schwarz.
Der Ernst der Lage wird verkannt, das Wort Abstiegskampf gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Stattdessen möchten sie ihren eigenen Weg weitergehen und sich nicht den Automatismen der Branche unterwerfen.
Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht auch nach Kontinuität sehnen würde. Nur, was bringt diese Kontinuität, wenn der Karren unweigerlich an die Wand gefahren wird? Dann doch lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Es müssen neue Impulse von außen her, Verantwortungsträger, die nicht von Anfang an verbrannt sind und die aus der Zweckgemeinschaft auf dem Rasen in kurzer Zeit eine Mannschaft formen können, die wenigstens für 90 Minuten alle Zwistigkeiten vergisst.
Das Ausmaß des Horrorszenarios Abstieg in die zweite Liga kann finanziell nicht abgeschätzt werden. Es könnte uns durchaus blühen, noch weiter nach unten durchgereicht zu werden, wenn uns finanzielle Klötze am Bein (Stadion, Nachwuchszentrum,…) die Luft zum atmen nehmen. Das einzig Positive wäre, dass von den derzeitigen Spielern wohl so gut wie keiner mehr übrig bleiben würde. Dennoch muss alles erdenklich Mögliche getan werden, um den Abstieg noch abzuwenden.
An Mayer-Vorfelders Zeit lassen ja viele kein gutes Haar mehr. Ich sehe es anders. Unbestritten hat er zwar zum Ende seiner Amtszeit einen mächtigen Schuldenberg angehäuft und fragwürdige Entscheidungen zu verantworten gehabt, wie die Löw-Entlassung und darauf folgende Schäfer-Verpflichtung oder auch den Balakow-Rentenvertrag. Auf der anderen Seite verstand er es immer wieder Top-Spieler, wie Sammer, Dunga, Elber uvam. zum VfB zu lotsen und dem Verein ein Gesicht zu geben. Auch sein (sportpolitischer) Einfluss bei DFB und FIFA waren nicht zu unterschätzen. Der VfB war in aller Munde und hatte eine Identität, heute sind wir zum Gespött und zu einer grauen Maus verkommen und würden der Bundesliga wohl nicht einmal besonders fehlen, wenn wir nicht mehr dabei wären.
Mit Bobic haben wir es nicht minder mit alljährlich zu vermeldenden Verlusten zu tun, diese aber zum Großteil schlechtem Wirtschaften und eklatanten Managementfehlern geschuldet. Für diese Defizite hat Bobic eine bemerkenswerte Gurkentruppe zusammengestellt, mit der sich kaum mehr jemand identifizieren kann.
Anstatt Spieler, mit denen man bezüglich einer Vertragsverlängerung nicht zusammen kommt, zu verkaufen, so lang es noch eine Ablösesumme für sie zu erzielen gibt, hält man sie und lässt sie später dann ablösefrei ziehen. Dadurch bleibt dann eben nur noch so viel Geld übrig, um sich auf der Ersatzbank von Hannover 96 zu bedienen, anstatt Spieler zu holen, die die Qualität im Kader anheben.
Seit Jahren werden wir von einem Jahr aufs nächste vertröstet, dabei wird es immer schlimmer anstatt besser. Hoffte man nach dem fertiggestellten „neuen Stadion“ noch darauf, dieses zu einer Festung werden zu lassen, freut sich heutzutage nur noch der Gegner, dort antreten zu dürfen. Auch der kommende, Hertha BSC, wird sich sicherlich jetzt schon die Hände reiben, ist es doch nirgends so einfach, die Punkte zu entführen. Dass das Publikum dieser Vorstellungen überdrüssig ist, ist für mich nachvollziehbar. Ich pfeife zwar meine Mannschaft nicht aus, aber, mein Murren wird trotzdem von Mal zu Mal lauter, weil die Vorstellungen einfach an Erbärmlichkeit kaum zu überbieten sind. Was wir Woche für Woche angeboten bekommen, hat doch mit dem an und für sich so schönen Sport Fußball wenig zu tun. Unsere Mannschaft, die keine ist, strahlt zudem nicht den unbedingten Willen und die Freude am Sport aus, was sich auf die Ränge übertragen könnte. Eher im Gegenteil, Trägheit, Schwermut, Einfallslosigkeit, Hoffnungslosigkeit ist zu erkennen und das spiegelt sich auch auf der Tribüne wider. Der Funke springt sozusagen über, jedoch leider nicht der, den man sich wünschen würde.
Wer diese Darbietungen nicht goutiert und Kritik äußert, wird als mitverantwortlich für die allgemeine Nervosität gemacht (Schneider), als „Stuttgarter Fans, die nie zufrieden sind“ (Traore) oder als Erfolgsfan (Die selbsternannten „Gut-Fans“ in der Facebook-und Forengemeinde) tituliert.
Gerade die Erfolgsfan-Debatte geht mir dermaßen gegen den Strich, so dass ich es müßig bin, mich in solche nicht zielführenden Diskussionen überhaupt einzumischen. Wer sich diese Auftritte Woche für Woche noch antut, kann kein Erfolgsfan sein, was bitte hat das mit Erfolg zu tun. Wenn damit aber gemeint ist, dass man keine Kritik zu äußern hat und alles klaglos hinnehmen soll, sehenden Auges mit dem VfB den Abgrund hinabstürzen soll, diejenigen verkennen das Privileg der freien Meinungsäußerung in einem freien Land. Es gehört einfach dazu, im Schwabenland vielleicht noch mehr als in anderen Teilen der Republik, dass man bruddelt, wenn es was zu bruddeln gibt. Das haben die Spieler hier schon vor 30 oder 40 Jahren ausgehalten, auch zu Zeiten, in denen die Herren Vertragsfußballer nebenher noch Berufen nachgegangen sind. Trotzdem bildeten Mannschaft und Fans eine Einheit und wir hatten Kerle auf dem Platz, die unter einer misslichen Situation litten wie der Fan in der Kurve.
Heute aber leben die Spieler in Saus und Braus und haben keinen Bezug mehr zu den Sorgen und Nöten eines Normalbürgers geschweige denn des Fans auf der Tribüne oder des Ultras, der immer dabei ist. Für die Herren Profis sind wir doch arme Irre oder um es mit Armin Vehs Aussage von Sevilla zu sagen: „dann wärd ihr halt daheim geblieben“.
Es hat für mich den Anschein, dass Schneider von den Herren Profis nicht für voll genommen wird. Wie schon letzte Woche geschrieben, hat es Schneider bereits zu Beginn seiner Trainertätigkeit versäumt, Exempel zu statuieren und sich seine Autorität zu erarbeiten. Wenn er jetzt den Zeitpunkt als gekommen erachtet, Maßnahmen ergreifen zu müssen, wirken diese wie purer Aktionismus oder das berühmte Pfeifen im Walde. Beispiel gefällig: erst verbannt er Niedermeier und Harnik gegen Augsburg auf die Tribüne, um sie in Sinsheim wieder von Beginn an zu bringen. Nach klarer Linie sieht das nicht aus, auch wenn es für gestern eine nachvollziehbare Maßnahme war. Leider verpuffte sie genauso wie diese, Boka wieder in der Startelf zu bringen. Allesamt waren grottenschlecht, einzig der 17-jährige Timo Werner kämpfte und stemmte sich gegen die Niederlage!
Meiner Meinung nach hilft nur noch ein kompletter Umbruch, ein neuer Impuls auf Trainer- UND Managerposten, um zu versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Man darf sich nicht davon blenden lassen, dass es immer noch Mannschaften gibt, die hinter uns in der Tabelle platziert sind. 19 Punkte nach 21 Spielen sind eine verheerende Bilanz, so schlecht stand der VfB nur 2011/2012 da, als wir nach miserabler Vorrunde zu diesem Zeitpunkt schon sieben Zähler in der Rückrunde holten und in der Abstiegssaison 1974/75, als es eben nicht reichte. Schlechter als heute standen wir zum gleichen Zeitpunkt noch nie da! Acht Niederlagen aus den letzten neun Spielen stimmen höchst bedenklich. Die bereits im November begonnene Niederlagenserie konnte auch durch das gechillte Trainingslager im fernen Südafrika nicht durchbrochen werden. Ob dort trainiert wurde oder nur touristische Aktivitäten unternommen wurden, weiß ich nicht. Eine spielerische Steigerung zur Vorrunde, ein aufgrund teambildender Aktivitäten in der Winterpause verbesserter Teamspirit, ein Gerüst der Mannschaft, eine gewachsene und von allen akzeptierte Hierarchie, eine bessere körperliche Fitness, nichts ist zu erkennen, was in Südafrika trainiert wurde.
Eine nach seinen Vorstellungen durchgezogene Vorbereitung gestehe ich jedem Trainer zu, bevor ich mir erlaube, ein Urteil über ihn zu bilden. Diese hatte Schneider jetzt, außer Spesen nichts gewesen muss man da leider konstatieren, zumal die Auftritte immer schlechter anstatt besser werden.
Auch einen Tag nach dem Debakel in Sinsheim erkenne ich kein Licht am Ende des Tunnels, keinen Hoffnungsschimmer, dass es gegen Hertha besser werden könnte. Ich befürchte, der VfB verkennt noch immer den Ernst der Lage, verkennt auch, dass die Gegner, die wir schlagen müssen, in den nächsten Wochen auf uns warten und dass es einfach tödlich wäre, mit einer eventuellen Veränderung zu lang zu warten. In den letzten fünf Saisonspielen mit Spielen gegen Wolfsburg und Schalke sowie in Hannover und in München lässt sich die Wende sicher nicht mehr herbeiführen. Daher wäre es jetzt das Schlechteste weiter zu zögern und das Unvermeidliche hinauszuschieben, wie man es schon mit Labbadia tat. Für mich nach wie vor DER Grund für den Niedergang, die nicht erfolgte Trennung von Labbadia nach dem Pokalfinale.

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26. April 2011

Der VfB auf dem Weg zum Klassenerhalt

Nachdem der VfB dem Hamburger SV am Samstag eindrucksvoll drei Eier ins Osternest gelegt hatte, kann der VfB den restlichen drei Spielen mit einiger Zuversicht entgegen sehen. Der direkte Abstieg scheint inzwischen unwahrscheinlich zu sein bei sieben Punkten und dem deutlich besseren Torverhältnis Vorsprung auf die beiden Schlusslichter Mönchengladbach und den FC St. Pauli. Auf Platz 16 allerdings beträgt der Vorsprung nach wie vor „nur“ vier Punkte, die Wolfsburg angesichts seiner Qualität und angesichts seines Restprogramms durchaus noch aufholen kann. Zwar kann ich mir gut vorstellen, dass die Wölfe in Bremen verlieren, die ja ihrerseits letzte Zweifel am Klassenerhalt beseitigen können, die darauf folgenden Partien gegen dann möglicherweise bereits gerettete Lauterer und in Hoffenheim, für die es um nichts mehr geht, werden sie aber wahrscheinlich gewinnen. Die sonst noch hinter dem VfB platzierten Kölner und Frankfurter wären mit einem einzigen Sieg am VfB vorbei, wenn dieser seinerseits keinen Sieg mehr einfährt.

Daher wäre der VfB gut beraten, mit einem Sieg am Samstag in Sinsheim den Sack weitestgehend zuzumachen, um nicht an den letzten beiden Spieltagen gegen die Champions League Kandidaten Hannover 96 und Bayern München zum Siegen verdammt zu sein. Schaut man sich den Trend der letzten Wochen von Hoffenheim und dem VfB an, stehen die Chancen sicherlich gut, dort (erstmals) zu gewinnen. Ungeschlagen sind wir ja noch gegen das Dorf, allerdings gelang auch erst ein Sieg aus fünf Partien. Die Formkurve beim VfB zeigt zum Saisonende, fast schon traditionell, nach oben. Hatte ich vor zwei Wochen noch bemängelt, dass jeder unserer Punkte aus der Rückrunde mit sehr viel Glück und wenig überzeugend zustande kam, darf ich mich jetzt revidieren und sagen, dass zuletzt in Köln und gegen den HSV wieder richtig Fußball gespielt wurde und beide Siege hochverdient waren. Nicht zuletzt hängt diese Leistungssteigerung auch mit der Rückkehr von Cacau zusammen, der schon in Köln einen couragierten Auftritt hinlegte, gegen den HSV aber wieder fast zu alter Leistungsstärke fand. Obwohl er eigentlich schon lange auf den Operationstisch gehören würde, stellt er sich in den Dienst der Mannschaft und des Vereins und spielt mit schmerzstillenden Spritzen trotz seiner „weichen Leiste“, solang ihn seine Füße tragen.

Vor Wochen äußerte ich bereits die Hoffnung, dass er die ihm entgegen gebrachte gesteigerte Wertschätzung noch in dieser Saison zurückzahlen könne und so doch noch seinen Anteil am Klassenerhalt haben würde. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass er am Samstag, nicht nur wegen seiner beiden Tore, ein wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zum Sieg war. Er war für die Hamburger ein ständiger Unruheherd und unheimlich präsent auf dem Platz. Das erste Tor nach 6 Minuten, als er vor dem von Frank Rost gehüteten Kasten die Ruhe bewahrte, war der Türöffner für einen wunderschönen Nachmittag an diesem Ostersamstag. Endlich gelang in einem Heimspiel mal wieder ein frühes Tor! Sein zweiter Treffer war Produkt eines schönen Spielzugs und der glänzenden Vorarbeit von Martin Harnik. Den zweiten und damit vorentscheidenden Treffer markierte Christian Gentner, der erst gut 60 Sekunden zuvor eingewechselt wurde. Ich gebe zu, auch ich war wenig erfreut, als die Trainerbank das Signal zu seiner Einwechslung gab. Zu sehr hat mich Gentner in dieser Saison bereits enttäuscht. Ja, sauer war ich, als über Monate in Bezug auf seine Person das Leistungsprinzip quasi außer Kraft gesetzt war, weil er IMMER in der Anfangsformation stand. Nun, in Köln und auch gegen den HSV kam er „nur“ von der Bank. Ob auch dies ein Schlüssel der beiden Erfolge war, dies zu beantworten wäre hypothetisch… Das Tor jedenfalls hat er klasse gemacht und damit das Spiel entschieden. Allerdings bestätigte er mit diesem Geistesblitz auch seinen Ruf, nur in einer Mannschaft, in der es gut läuft, glänzen zu können. Den Pass bekam er vom glänzend aufgelegten Tamas Hajnal, dessen Mitwirken in den beiden letzten Spielen zu einer deutlichen Qualitätssteigerung beitrug.

Insgesamt war es eine gute Mannschaftsleistung. Erwähnen möchte ich allerdings noch Sven Ulreich, der zwar wenig beschäftigt war, wenn er gebraucht wurde aber glänzend zur Stelle war. Bruno Labbadia scheint jetzt, nachdem gegen den HSV die gleiche Mannschaft wie in Köln auflief, seine Formation gefunden zu haben. Hoffen wir, dass wir bis Saisonende von weiteren Verletzungen oder Sperren verschont bleiben, zu fragil scheint das Gebilde zu sein, um weitere Rückschläge ohne weiteres wegstecken zu können.

Der VfB hat jetzt unter Bruno Labbadia 24 Punkte geholt, also doppelt so viele als seine Vorgänger. Eine beachtliche Bilanz allerdings leider noch immer nicht genug. In Sinsheim muss der dritte Sieg in Folge her. Hoffenheim ist allerdings derzeit schwer ausrechenbar. Für sie geht es um nichts mehr. Dem Noch-Trainer mit dem unaussprechlichen Namen muss keiner mehr etwas beweisen, der Klassenerhalt ist geschafft, die Europa-League-Plätze zu weit weg. Ob die Armada an Ex-VfB-Spielern, die inzwischen im Kraichgau ihr Geld verdient, sich ernsthaft einen VfB-Abstieg wünscht, bezweifle ich. Aber: das Spiel wird von den Verantwortlichen und deren Fans zu einem Derby, zu einem Baden-Württembergischen Klassenkampf hochstilisiert, so dass die Atmosphäre dort wieder einmal sehr aggressiv sein dürfte. Hier gilt es für das Team von Bruno Labbadia die Ruhe zu bewahren und sich von der Hektik nicht anstecken zu lassen. Der VfB tut gut daran, erneut konzentriert und aggressiv ins Spiel zu gehen und die Hoffenheimer nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Wenn man diesen die Lust am Spiel nimmt, werden sie sicherlich, ähnlich wie der HSV am Samstag, die letzte Konsequenz vermissen lassen, über die Schmerzgrenze zu gehen. Nach dem die Saison für beide Teams über weite Strecken unter gänzlich anderen Vorzeichen stand, hat der VfB mit einem Sieg am Samstag die Möglichkeit, bis auf einen Punkt in der Tabelle an Hoffenheim heran zu rücken. Wer hätte das noch in der Weihnachtspause gedacht.

Am Samstag werden wir wieder bewusst mit dem Bus anreisen. Aussteigen vor dem Gästeblock, rein in den Käfig, drei Punkte einsacken und diesen Ort schnell wieder verlassen. So kann ich mir das Gepöbele seitens der Modefans auf ein Minimum reduzieren. Die meinen, Wunder was sie wären, dabei sind sie nur ein durch die Hopp-Millionen aufgeblähter Dorfverein. Und wenn man sie dann fragt, mit welchem Fähnlein sie noch vor fünf Jahren herum gelaufen sind, kommt das große Schweigen. Man, bin ich froh, dass ich schon in den 70er-Jahren zum VfB gekommen bin und es für mich unvorstellbar wäre, je einmal das Wappen zu wechseln. Retortenvereine wie Hoffenheim, Wolfsburg und neuerdings auch Red Bull Leipzig, die künstlich von milliardenschweren Mäzenen hochgepuscht werden, braucht wirklich keine Sau!

Schade, dass in der neuen Saison Holger Stanislawski dort hin wechselt. Er war mir bisher immer sympathisch, ich habe ernsthafte Bedenken, ob ich ihn als Trainer mit blauem Trainingsanzug noch weiter leiden kann. Das Statement von dem Dorf-Manager Tanner Hoffenheim und Stani hätten die ähnliche Philosophie, nämlich mit bescheidenen Mitteln erfolgreich zu sein, klingt für mich wie Hohn. Erinnert sei daran, dass Hoffenheim 2007 als Zweitligist bedeutend mehr in Transfers investierte als der VfB als Champions League Teilnehmer, dass Salihovic einst ein Angebot der Bayern ausschlug, weil er in Hoffenheim einen besser dotierten Vertrag erhielt und zuletzt daran, dass ein internationaler Top-Spieler wie Ryan Babel in den Kraichgau wechselte, und das sicherlich nicht wegen der guten Luft dort.

So lang solche Kunstprojekte im Profifußball mitmischen, dürfte es auf Sicht immer schwieriger werden, sich für die internationalen Plätze zu qualifizieren. Wobei ich auch sagen muss, so schön die Auslandsreisen mit dem VfB auch sind. Einzig die Champions League ist attraktiv und lukrativ. Die Europa League hingegen ist finanziell für die Vereine unattraktiv und für solche, die keinen großen konkurrenzfähigen Kader haben, auch in gewisser Weise gefährlich. Es ist sicherlich kein Zufall, dass Vereine wie Nürnberg oder Hertha BSC im Jahr ihrer EL-Teilnahme abstiegen und wir beinahe bis zum letzten Spieltag zittern müssen.

Ich bin froh, wenn der VfB in der Liga bleibt, dass wir nächste Saison wieder überwiegend freitags und samstags spielen dürften und die Flut der Sonntagspiele den Europaleague-Teilnehmern vorbehalten bleibt. So gesehen hätte diese Seuchensaison auch ihr Gutes. Der VfB könnte sich konsolidieren und gestärkt aus der Krise heraus kommen.

Also, VfB! In Sinsheim siegen und Oben Bleiben!

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