19. Oktober 2018

In der Endlosschleife

Getreu dem Motto „neue Besen kehren gut“ wechselte der VfB letzte Woche mal wieder den Trainer. Rechnet man die 2-Tage-Interims-Lösung Andy Hinkel hinzu, wird Markus Weinzierl mein 45. (!) Trainer, seit ich im Herbst 1974 erstmals bei einem VfB-Spiel live dabei gewesen bin. Zwischen dem 09.11.1974 und dem 09.10.2018 liegen exakt 16.041 Tage, was eine durchschnittliche Verweildauer eines VfB-Trainers von 356 Tagen ergibt.

Gab es früher noch so etwas wie Kontinuität auf der Manager- und Präsidentenebene, die an „ihren“ Trainern etwas länger festhielten, haben wir in den letzten Jahren auch auf diesen Posten eine enorme Fluktuation.

Ob es daran liegt, dass sich jeder Sportdirektor und jeder Präsident am liebsten seinen Mann holt und alles was im Verein gut und teuer war über den Haufen wirft, oder ob es doch die Generation Gentner ist, die die Trainer schneller schafft als sie gucken können, lässt sich schwer sagen.

Fakt ist, dass Weinzierl Gentners zehnter (!) Trainer ist, den er in jenen fünf Jahren, in denen er die Kapitänsbinde trägt, erlebt. Ein weiterer Unterschied zu früher ist, dass keine echten Kerle mehr in der Mannschaft sind, die Probleme auch mal von innen lösen.

Früher gab es, wenn es die sportliche Situation erforderte, Mannschaftsabende ohne Trainer und Offizielle, bei denen sich der Frust von der Seele gesoffen wurde und Probleme offen angesprochen wurden. Bei der heutigen Warmduscher-Generation undenkbar, dass da einmal einer die Initiative ergreift, wo es doch so viel einfacher und bequemer ist, Dienst nach Vorschrift zu machen. Da verkriecht man sich dann lieber vor seine Playstation oder in den Schmollwinkel und ist sich bewusst, dass sich dieses Problem schon irgendwie von selbst löst. Was kann einem Profi auch schon passieren, sein Geld bekommt er sowieso, ob er Egomane ist oder sich einbringt, ob er sich täglich den Allerwertesten aufreißt oder lustlos über den Trainingsplatz schleicht, ob er wie ein Profi lebt oder ständig um die Häuser zieht.

Das Einzige, was passieren kann, ist, dass man eine Weile außen vor ist, womit sich die Vereine jedoch dann ins eigene Fleisch schneiden. Zum einen fehlt unter Umständen ein Leistungsträger, der auf dem Platz eine wichtige Rolle hätte einnehmen sollen, zum anderen verliert der Spieler an Marktwert und verlässt, zur Belohnung für sein schäbiges Verhalten, ablösefrei den Verein, um sich vom nächsten mit reichlich Handgeld überschütten lassen zu dürfen.

Daher kann und wird es sich kaum ein Verein leisten, Stinkstiefel, rigoros auszusortieren und wechselt im Zweifel lieber den Trainer. Vielleicht schafft es ja dann der Neue, die Laune wieder anzuheben und jene Prozent herauszukitzeln, die einige Spieler dem Vorgänger verweigerten.

Eine traurige Entwicklung, aber, so lang die Vereine keine Handhabe gegen Leistungsverweigerung und mangelnde Identifikation mit dem Verein haben, so lang man die Transferrechte verliert, wenn man einen Spieler vor die Tür setzt, so lang braucht man über die kurze Dauer von Trainerengagements nicht zu lamentieren.

Da brauchen jetzt auch keine Trainerkollegen Korkuts von oben herab dessen Entlassung und die mangelnde Geduld des VfB kritisieren, schon gar nicht einer wie Dieter Hecking, der seinerzeit den Club wegen höherer Verdienstmöglichkeiten bei Wolfsburg mitten in der Saison und Hals über Kopf verließ. Auch unter Trainern ist das Söldnertum verbreitet, nur eben nicht ganz so ausgeprägt wie bei den Herren Profis.
Wenn ein Physiotherapeut wie Gerhard Wörn in der Bild-Zeitung zitiert wird, dass er nach Trainerwechseln stets am meisten zu tun habe, weil alle engagiert zur Sache gehen würden, ist das ein Armutszeugnis für Fußball-Profis, die dem Verein und uns Fans verpflichtet sein sollten. Zwischen den Zeilen heißt das doch, dass sie es so lang schleifen lassen, bis sie erlöst werden, was nur als vereinsschädigend bezeichnet werden kann.

Mich kotzt diese Generation von Arbeitsverweigerern mehr und mehr an, einfach weil das Wohl und Leid der Vereine in ihre Hände gelegt wird und man als Fan machtlos ist und nur auf das Gute im Profi hoffen kann. Es gibt sie zwar immer noch, die Musterprofis, die dazu noch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, doch scheinen sie mehr und mehr zu einer aussterbenden Spezies zu gehören.

Das Lamentieren über den Ist-Zustand des Profifußballs hat jedoch nichts mit der Korkut-Entlassung zu tun. Ich bin nicht derart an Korkut gehangen, als dass ich ihm eine Träne nachweinen würde. Er hat meinen Respekt für die geile Rückrunde, mehr aber auch nicht. Wie unbelehrbar er sich zuletzt gegeben hat, wie langweilig seine Pressekonferenzen war, welch grottenschlechten Fußball unter ihm gespielt wurde wird wohl von seiner Amtszeit hängenbleiben.

Was in der Mannschaft zwischen dem furiosen Saisonfinale in München und der Pokalpleite in Rostock vorgefallen ist, weshalb das Team in der bisherigen Saison alles vermissen ließ, was ein paar Monate vorher noch grandios gemacht wurde, lässt sich von außen schwer beurteilen. Fakt ist, dass auch damals die Auftritte meist unansehnlich waren, aber mit höchster Konzentration als Team agiert wurde und man das Quäntchen Glück auf seiner Seite hatte.

Obwohl Korkut größtenteils auf die Spieler der erfolgreichen Vorrunde setzte, musste der eine oder andere wegen der Neuzugänge um seinen Platz bangen. Ist es das, dass sich die Etablierten wieder einmal dem Konkurrenzkampf zu verschließen versuchten und es den Neuen so schwer wie nur möglich machten? Ist es, wie es „Zimbo“ Zimmermann kürzlich meinte, dass man zwar Qualität hinzu geholt, jedoch Mentalität abgegeben hätte?

Jedenfalls stehen wir nun, nur achteinhalb Monate nach der Wolf-Entlassung, erneut vor einem Scherbenhaufen und einem neuerlichen Neuanfang.
Die Ausgliederungsbefürworter, die sich von der damals exzellenten Aufstiegsstimmung leiten ließen und großes Vertrauen in Schindelmeiser/ Wolf setzten, dürften sich inzwischen vor den Kopf gestoßen fühlen, hat sich doch seither, wie von den Kritikern befürchtet, rein gar nichts geändert.

Meine Hoffnung auf etwas mehr Kontinuität und Ruhe im Verein wurde mit der Schindelmeiser-Entlassung begraben. Nach Schindelmeisers Entlassung war es auch um Hannes Wolf geschehen. Ab diesem Zeitpunkt war es nur noch eine Frage der Zeit, wann er die Nase voll haben und den Bettel hinschmeißen würde.

Die beiden waren die Gesichter des Aufstiegs und hätten Gesichter einer neuen Epoche sein können. Dass Korkut und Reschke dann der totale Gegenentwurf zu diesen Menschenfängern sind, zeugt nicht von Überzeugung und schon gar nicht von einer Strategie. Es wird in den Tag hinein gelebt, man reagiert und agiert nicht. Es ist nicht förderlich, stets während der Saison den Trainer zu wechseln, wenn man nehmen muss, was man kriegt und die Auswahl reichlich begrenzt ist. Den sauberen Schnitt im Sommer hat man wieder einmal versäumt.

Auch wenn Wolfgang Dietrich kürzlich bei Sport im Dritten die Trennung von Jan Schindelmeiser erneut verteidigte und als alternativlos beschrieb, ist mir diese noch immer nicht plausibel. Dies von oben herab zu bedeuten und jegliche Kritik daran wegwischen zu wollen, zeugt für mich von wenig Stil. Gerade weil Schindelmeiser DAS Gesicht der Ausgliederungs-Werbeveranstaltungen war, man immer wieder betonte, wie gut man doch jetzt personell aufgestellt sei und welcher Plan dahinter steckte, wirft die Entlassung, die zum damaligen Zeitpunkt vermutlich schon festgestanden hat, auf Dietrich ein schlechtes Licht. Dass die Entscheidung in Aufsichtsrat und Vorstand einstimmig ausgefallen sein soll, ändert für mich nichts an dem faden Beigeschmack daran.

Als Vereinsmitglied habe ich großes Interesse daran, den wahren Grund für seine Demission zu erfahren, einfach um ihn besser zu verstehen und nicht weiter darauf herumreiten zu müssen.

Was ich immer nur heraushöre war, dass Schindelmeiser lieber im stillen Kämmerlein gearbeitet habe und seine Vorstandskollegen nicht über jeden Zwischenstand seiner Vorhaben informiert habe.
Das allein fände ich überhaupt nicht verwerflich, weiß man doch, wie viele „Maulwürfe“ sich immer mal wieder auf dem Vereinsgelände tummelten, die ein schlechtes Bild nach außen abgaben und zudem anstehende Deals gefährdeten.

Dass man mit seiner Kaderplanung für die Bundesliga nicht einverstanden gewesen sei, scheint eher zweitrangig gewesen zu sein, sollen die Risse doch schon lang vorher bestanden haben. Zudem war es ja noch mitten in der Transferperiode, so dass keiner weiß, wie Schindelmeisers Kader am 31.08. ausgesehen hätte.

Bei außergewöhnlichen Rechtsgeschäften wird auch ein Jan Schindelmeiser gezwungen gewesen sein, sich das OK seiner Kollegen im Vorstand einzuholen, so dass ich einfach nicht verstehe, was genau das Problem war.

Sollten gravierendere Gründe vorgelegen haben, die eine Trennung (zu diesem ungünstigen Zeitpunkt) unausweichlich gemacht haben, müssen diese meiner Meinung nach auf den Tisch, um ein Stück Glaubwürdigkeit zurück erlangen zu können.

Wie weit es die Herren im sowieso verlogenen Bundesligageschäft mit der Wahrheit halten, führte uns Schindelmeiser-Nachfolger Reschke in der letzten Woche schonungslos vor Augen.

Als Notlüge war es für Reschke legitim, nach dem Hannover-Spiel eine Korkut-Entlassung ins Reich der Fabel zu verweisen, um ihm am nächsten Morgen den Arschtritt zu verpassen.

Jener Reschke, der direkt nach seinem Amtsantritt die Fan- und Mitglieder-Schar, die nach der Abkehr vom Jugendstil, vorsichtig ausgedrückt, irritiert war, als „ahnungslose Vollidioten“ betitelte, dachte sich wohl dabei, diesen Vollidioten alles erzählen zu können und dass sie, da sie ja Vollidioten sind, auch nichts hinterfragen würden. Als Kind wurde mir eingetrichtert, „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, wer weiß, vielleicht ging ja dieser Kelch an Reschke vorüber. Da passt es ins Bild, dass Zorc dieser Tage Reschke widersprach (oder auch der Lüge bezichtigte), als dieser behauptete 12 Millionen Euro für Bruun-Larsen geboten zu haben.

Es ist bei weitem nicht so, dass ich die Korkut-Entlassung an sich kritisiere, im Gegenteil, für mich kam sie viel zu spät. Dass man Korkut direkt nach der so erfolgreichen Rückrunde, trotz berechtigter Zweifel, ob er in der Lage sein würde, mehr zu sein als ein Feuerwehrmann, nicht direkt den Laufpass gab, dafür habe ich ja noch Verständnis.

Weshalb man aber ohne Not den ohnehin für die laufende Saison gültigen Vertrag frühzeitig verlängerte, versteht wohl kein Mensch. Bei allem Respekt für Tayfun Korkut, er ist beileibe kein Trainer, bei dem man Angst haben musste, dass er von einem anderen Verein abgeworben wird. Man hätte die Entwicklung abwarten und sich im Winter zusammensetzen müssen, ob eine weitere Zusammenarbeit Sinn macht.

Inwieweit Korkut bei der Kaderzusammenstellung mitwirken durfte, erschließt sich mir auch nicht. Offensichtlich konnte Korkut mit dem an Qualität verbesserten Kader wenig bis überhaupt nichts anfangen und schaffte es nicht, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Schnell traten Grüppchen zutage, hier die Alten, dort die Jungen. Die Mischung, die Korkut aufs Feld schickte, stimmte nie. War das Setzen auf Stabilität mit möglichst wenig Rotation in der Rückrunde noch ein probates Mittel, war es nun Gift, um alle bei Laune zu halten.

Zudem übertrieb es Korkut mit den Defensivspielern bei seinen Aufstellungen wie zum Schluss auch Hannes Wolf, so dass es früh klar wurde, dass die Ära Korkut nicht von langer Haltbarkeit geprägt sein würde.

Spätestens nach dem Bayern-Spiel hätte Korkut entlassen gehört. Zuvor wurde immerhin schon beim Drittligisten Hansa Rostock und bei Mainz 05 verloren.

Dann kamen die Bayern, gegen die man oft mit der Ansetzung haderte, wenn wir sie zu einem Zeitpunkt bekamen, in denen sie voll im Saft standen. Erfahrungsgemäß haben die Bayern in Saisons nach einer Weltmeisterschaft Motivations- und Startprobleme, erstrecht, wenn die Spieler nach einer derart verkorksten WM zurückkehren und einigen erst so richtig bewusst wird, dass es wohl die allerletzte Chance war, noch einmal Weltmeister zu werden.

Selbstredend wäre es auch unter diesen Umständen eine Überraschung gewesen, gegen sie zu punkten, obwohl sich die Bayern im Pokal beim Underdog aus Drochtersen nur mit dem knappsten aller Resultate durchsetzten und beim Auftaktsieg gegen Hoffenheim auf Schiedsrichter-Hilfe angewiesen waren, also auch bei ihnen bei weitem noch nicht alles rund lief.

Unverwundbar wären sie also nicht gewesen, umso unverständlicher, dass Korkut eine Hasenfuß-Taktik ausgab und es schon gar nicht versuchte, den Bayern weh zu tun.

Dabei hätte das 1:4 zum Saisonfinale doch Mut machen müssen. Wie leicht die hoch verteidigende und in die Jahre gekommene Bayern-Verteidigung zu überspielen ist, führten wir ja nicht exklusiv vor. Nach dem selben Strickmuster schnappte sich die Frankfurter Eintracht den Pokalsieg und rannte die deutsche Nationalelf bei der WM in Russland ins Verderben.

Wenn man aber gerade einmal zwei Offensivkräfte aufbietet und den normalerweise verschmähten Anastasios Donis ohne Unterstützung systematisch verheizt, disqualifiziert man sich selbst. Null Eckbälle, null Torschüsse vom VfB, wohl selten in der Bundesligahistorie fuhren die Bayern einen ungefährdeteren Sieg ein als jenen vom ersten September.

Eine Entlassung schon zu diesem Zeitpunkt (optimal, da ebenfalls vor einer Länderspielpause) hätte den Start des neuen Trainers erleichtert, standen damals die Spiele in Freiburg, gegen Düsseldorf und in Hannover noch bevor, aus denen mehr als mickrige zwei Pünktchen hätten herausspringen müssen.

So startet Weinzierl mit dem Rucksack, gleich gegen Tabellenführer Borussia Dortmund und beim Championsleague-Teilnehmer Hoffenheim beginnen zu müssen, was die Gefahr eines Fehlstarts und des Verpuffens der Aufbruchsstimmung in sich birgt.

Mit Markus Weinzierl als neuem Trainer kann ich gut leben (o. k., mir bleibt auch nichts anderes übrig). Meine Lieblings-Lösung hätte zwar Ralph Hasenhüttl geheißen, doch war dieser von Anfang an ziemlich unrealistisch. Er wird nach seiner Zeit bei Redbull auf den nächsten finanzstarken Verein warten und sich nicht darauf einlassen, beim VfB kleinere Brötchen backen zu müssen und den Schritt zurück zu gehen.

Gerechnet hatte ich mit Roger Schmidt, da sich Reschke ja gerne Personalien von Leverkusen aufschwatzen lässt. Dieser war wohl nicht von heute auf morgen aus China loszueisen (oder wollte nicht auf Gehalt verzichten), so dass es eben Markus Weinzierl geworden ist.

Weinzierl war vor seinem Engagement auf Schalke einer der am heißesten gehandelten Namen auf dem Trainermarkt, weil er sowohl in Regensburg als auch in Augsburg Beachtliches geleistet und den FCA gar in die Europa League geführt hatte.

Bei beiden Vereinen waren allerdings die Erwartungen nicht sonderlich groß und ein ruhiges Arbeiten in einem unaufgeregten Umfeld möglich. Selbst als der FC Augsburg vor sechs Jahren zur Winterpause mit neun Punkten da stand, hielt man am Trainer fest, was sich letzten Endes als richtig erwies, jedoch völlig untypisch ist im so hektisch gewordenen Bundesliga-Geschäft.

Schalke war da schon eine andere Hausnummer. Weinzierl scheiterte dort und musste bereits nach einem Jahr Platz für Ex-VfB-Jugendtrainer Domenico Tedesco machen.

Auf Schalke soll er nicht gerade der Lieblings-Trainer von Dennis Aogo und Holger Badstuber gewesen sein, schauen wir mal, ob sie sich beim VfB zusammenraufen. Eric Thommy kennt Weinzierl noch aus Augsburg und Christian Gentner über deren gemeinsamen Berater. Zweifel, dass diese Konstellation Interessenskonflikte hervorrufen könnte, versuchte Weinzierl schon bei seinem Amtsantritt zu zerstreuen.
Ich bin da skeptisch und nach wie vor der Auffassung, dass ein Sven Ulreich nur deshalb so lang (bzw. überhaupt) im VfB-Tor gestanden hat und Christian Gentner diese (Führungs-)Rolle beim VfB nur deshalb einnehmen konnte, weil seinerzeit Fredi Bobic das Sagen hatte und dessen bester Freund und Geschäftspartner Jürgen Schwab war.

Ich hoffe, dass unter Weinzierl endlich das Leistungsprinzip einkehren wird und er die Spieler nach ihrem derzeitigen Leistungsstand und nicht wegen vermeintlicher früherer Verdienste um den Verein aufstellen wird.

Der Verdacht liegt nahe, dass es einmal mehr die Alten waren, die Korkut die Gefolgschaft verweigerten.

Die Clique um Beck, Aogo und Gentner soll es gewesen sein, die Hannes Wolf stürzte, dieselben waren sich ihres Platzes unter Korkut nun wohl auch nicht mehr so sicher oder rebellierten, siehe Gentner in Rostock, wenn sie einmal auf der Bank Platz nehmen mussten. Korkut ging dann den Weg des vermeintlich geringsten Widerstands, indem er eine überalterte Truppe auf den Platz schickte, anstatt sich mit ihnen wegen eventueller Nichtberücksichtigung auseinandersetzen zu müssen. Erst ab dem Spiel in Leipzig, als die Dinge bereits ihren Lauf nahmen, verjüngte er die Startelf und brachte in Maffeo, Borna Sosa und Thommy drei unverbrauchte Kräfte, was allerdings auch der englischen Woche geschuldet gewesen sein könnte.

Die Aufstellung für das Spiel in Hannover schließlich war dann, analog zu Wolfs letzter, nicht anders zu verstehen, als die Bitte um seinen Rausschmiss.

Wie man derart destruktiv eingestellt in ein Spiel beim Tabellenletzten, versehen mit der schwächsten Offensive der Liga, gehen kann, ist mir auch heute noch ein Rätsel.

Durch den Trainerwechsel fallen die Alibis der Spieler weg, wir kennen das ja. Schon im Frühjahr warteten Spieler wie Aogo und Gentner plötzlich mit Leistungen auf, die, wenn sie sie schon vorher gebracht hätten, Hannes Wolf wohl nicht zur Aufgabe bewogen hätten.

Daher ist auch jetzt wieder zu befürchten, dass sie sich am Riemen reißen und fein raus sind, wenn sie die so leicht zu verstehenden und väterlich vorgetragenen Ansprachen Weinzierls in den Himmel loben.
Es ist zu wünschen, dass sich Weinzierl nicht verbiegen lässt und den längst fälligen Umbruch endlich einleitet und vor allem einleiten darf. Zorniger und Wolf, die die alten Hierarchien in Frage stellten und das Team runderneuern wollten, wurden von der Mannschaft kläglich im Stich gelassen und erfuhren schließlich auch keine Unterstützung „von oben“.

Ein Gentner wirkt schon die komplette Saison lang körperlich nicht fit und sollte nicht länger auf dem Flügel „geparkt“ werden, nur weil die Zentrale durch aggressivere und handlungsschnellere Spieler besetzt ist. Auf dem Flügel, ich kann es mir nicht anders erklären, wird er nur deshalb eingesetzt, weil ein Gentner eben immer spielen muss, für mich spielen wir so de facto mit einem Mann weniger.

Holger Badstuber tut mir Leid, weil er nach zwei haarsträubenden Fehlern lange außen vor war und seitdem nur noch verunsichert wirkt. Er geht offensiv an die Probleme heran und stellt sich auf seiner Facebook-Seite der Kritik.

Schade, dass diese vor allem von VfB-Fans meist beleidigend ausfällt und ihm noch immer vorgeworfen wird, dass er gerne zu einem Verein gewechselt wäre, der Championsleague spielt. Mir ist ein ehrgeiziger Spieler allemal lieber als ein Kapitän Gentner, der nach Mainz fährt und ausspricht, dort müsse man nicht unbedingt gewinnen. Das ist genau die Mentalität des Mit-zu-wenig-Zufriedenseins, die die Ära Gentner prägte.

Zudem sei noch einmal gesagt, dass Badstuber und der VfB letzte Saison nur einen Einjahresvertrag abgeschlossen hatten und es somit beiderseits legitim war, sich nach Alternativen umzuschauen. Jetzt, nachdem sich Badstuber ganz klar für den VfB entschieden und einen Dreijahresvertrag unterzeichnet hat, gab er ein klares Bekenntnis zum VfB ab und dürfte einen Teufel tun, sich gleich wieder vom Acker zu machen, selbst dann, sollte ein besseres Angebot ins Haus flattern.

Wenn er jedoch weiterhin permanent beleidigt und niedergemacht wird, braucht sich keiner zu wundern, sollte er doch um die Freigabe bitten. Bezeichnend auf den sozialen Netzwerken ist, dass es hauptsächlich Bayern-Fans sind, die ihn aufmuntern und ihm nachtrauern. Schon allein die Tatsache, dass man sich bei den erfolgsverwöhnten Bayern nach einem wie ihm sehnt, sollte verdeutlichen, zu was Badstuber fähig ist, wenn er in Topform ist.

Aogo (weshalb eigentlich wurde Mangala abgegeben?) und Beck rechtfertigten ihre Einsätze in dieser Saison noch überhaupt nicht, Castro scheint noch seine Rolle zu suchen und noch nicht richtig angekommen zu sein.

Castro wird den Anspruch an sich selbst haben, Führungsspieler sein und beim VfB eine tragende Rolle übernehmen zu wollen. Ohne wirklich Ahnung vom Innenleben der Truppe zu haben, kann ich es mir auch hier wieder vorstellen, dass es Kräfte im Team gibt, die das zu verhindern versuchen, weil sie um ihren eigenen Status fürchten. Solche Grabenkämpfe müssen Sportdirektor und Trainer vehement bekämpfen und mit aller Härte dazwischen grätschen, da sie äußerst vereinsschädigend und für mich zudem die Wurzel allen Übels der letzten Jahre sind. Von Castro verspreche ich mir mehr, als das was er bislang zeigen konnte.

Daniel Didavi hat ebenfalls einen schweren Stand seit seiner Rückkehr. Nach dem kollektiv schwachen Auftritt in Rostock war er das erste Bauernopfer Korkuts, indem er im darauffolgenden Spiel aus der Mannschaft flog. Seither hat er Schwierigkeiten richtig Fuß zu fassen und ist zudem (mal wieder) verletzungsgeplagt.

Auch von ihm verspreche ich mir sehr viel mehr. Vielleicht gelingt es Weinzierl als eine seiner ersten Amtshandlungen, sofern er fürs Dortmund-Spiel fit wird, Dida stark zu machen und vor allem die Position spielen zu lassen, die ihm am besten liegt, nämlich hinter den Spitzen.

Es wäre nicht Didavis erstes Comeback gegen Dortmund, 2014 kehrte er nach über einjähriger Verletzungspause gegen den BVB überraschend zurück und machte ein starkes Spiel, auch wenn dieses nach 2:0-Führung noch mit 2:3 verloren ging.

Ron-Robert Zielers Rolle im Team kann ich von außen ebenfalls schwer einschätzen. Gehört auch er zu der Clique, die Trainerwechsel durch ihre „Leistung“ auf dem Platz zu beschleunigen versuchen? War es Zufall, dass Zieler durch seine Patzer in Mainz zu Beginn der vergangenen Rückrunde Wolfs Demission maßgeblich mit beeinflusste? Waren es zuletzt in Freiburg, Leipzig und gegen Bremen zufällige Aussetzer oder welche mit Ansage? Ich halte ihn eigentlich für einen großartigen Rückhalt, weshalb mir die auffällig vielen Fehler in letzter Zeit etwas rätselhaft sind.

Insúa musste zuletzt für Borna Sosa weichen. In Freiburg spielte er eine sehr gute zweite Halbzeit, gegen Düsseldorf, wie viele andere auch, sehr durchwachsen, danach saß er draußen. Mit besonderem psychologischem Geschick war Tayfun Korkut nicht gesegnet, siehe Didavi, siehe auch Insúa.

Grundsätzlich begrüße ich es ja, wenn Talenten wie Borna Sosa keine Alten vorgesetzt werden und dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass sie nicht die Lust verlieren und zugleich ihren Marktwert steigern, aber, Insúa halte ich für wichtig fürs Team.

Zum einen steckt seine ständig gute Laune an, zum anderen ist er ein wichtiger Integrator für Ascacibar und Gonzalez. Anhand dieser Faktoren und dem Umstand, dass seine Leistung selten unterirdisch ist und er sich nie hängen lässt, würde ich einen wie ihn nicht so schnell aus dem Team verbannen und Borna Sosa lieber auf der linken Außenbahn sehen, um zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben.

Bliebe noch Mario Gomez, DER Lebensversicherung der letzten Rückrunde. Gegen Bremen machte er ein bärenstarkes Spiel und setzte mehrere Male uneigennützig Gonzalez in Szene, der dann so unglücklich scheiterte. Er ist einer, der sich (nach Anlaufproblemen) aufopferungsvoll in den Dienst der Mannschaft stellt und sich auch nicht zu schade dafür ist, nach hinten zu arbeiten. Jedoch täte ihm die eine oder andere Anspielstation mehr vorne gut, so dass er nicht ständig gegen eine zahlenmäßige Übermacht von Abwehrspielern ankämpfen muss.

Ich bin gespannt darauf, wie Weinzierls Ausrichtung am Samstag gegen den Spitzenreiter aussehen wird. Nach Trainerwechseln ist die Truppe stets eine gewaltige Wundertüte. Da sich das Team bislang weit unter Wert geschlagen hat, ist von einem „weiter so“ bis zu einer wahren Leistungsexplosion alles im Bereich des Möglichen.

Dieser abgezockten Spezies Fußballprofi nehme ich nicht einmal mehr die so viel beschworene allgemeine Verunsicherung nach den ganzen Negativresultaten ab. Jetzt, wo die Alibis weggefallen sind und sich wieder einzig und allein alles auf sie fokussiert, wird es sich keiner mehr leisten können, nur mit halber Kraft aufzutreten und den Nebenmann links liegen zu lassen. Wir werden eine Einheit auf dem Platz sehen, da bin ich mir relativ sicher. Ob es dann reicht gegen den, vor allem in der Offensive, so vorzüglich besetzten BVB, werden wir sehen.

Mein Optimismus was bessere Spiele und bessere Ergebnisse betrifft kehrt langsam zurück, wenngleich ich dann einen umso größeren Groll auf die Spieler schiebe. Nach Trainerwechseln, die auch für mich längst Routine sind, kann ich mich über die ersten Erfolgserlebnisse nie so richtig freuen, zu sehr steckt noch der Ärger über die Spieler in mir, dass sie es überhaupt so weit haben kommen lassen und lediglich durch Handauflegen des neuen Trainers neue Energien freigesetzt wurden. An diesen Scheiß glaube ich nicht, es liegt einzig und allein am Willen und der Einstellung dieser kickenden Millionäre und da bin ich noch immer so naiv, dies von ihnen an JEDEM ihrer Tage beim VfB zu erwarten.

Korkut ist sicher einer der Trainer, denen ich am wenigsten hinterhertrauere und doch waren es einmal mehr die Spieler, die durch mangelndes Engagement und haarsträubende Leichtsinnsfehler den Trainerwechsel erst nötig gemacht haben.

Nachdem diese Saison fast schon wieder abgehakt werden muss, ehe sie richtig begonnen hat, es nur noch wenig zu erreichen und umso mehr zu verhindern gibt, wächst natürlich auch der Druck auf Reschke. Seine Außendarstellung (und damit die des VfB!) ist nach wie vor eine Katastrophe. Sollte eines Tages auch Weinzierl beim Team nicht mehr wohlgelitten sein und in naher Zukunft „mein“ Trainer Nummer 46 vor der Tür stehen, dürfte die Luft für Reschke langsam dünn werden.

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20. Februar 2017

That’s, why we love football

Superlative dieser Art klingen noch in meinen Ohren von einem englischen Fußball-Kommentar, der das 4:4 in Dortmund vor knapp fünf Jahren in Worte zu fassen versuchte, diese Worte fallen mir nun zu diesem unfassbaren Spiel in der Heidenheimer Voith-Arena am Freitagabend wieder ein.
Es stand zwar weder ein Bundesligaspiel an, noch beim deutschen Meister und acht Tore fielen auch nicht. Auch mit über 80.000 Zuschauern konnte der Gastgeber 1. FC Heidenheim beim besten Willen nicht aufwarten, wenngleich er immerhin, damals wie heute, „ausverkauft“ vermeldete und locker das Doppelte bis Dreifache an Tickets hätte absetzen können.

Das Fassungsvermögen des Stadions beträgt jedoch „nur“ 15.000, so dass sich jene wirklich glücklich schätzen konnten, die ein Ticket für dieses Spiel ergattern konnten. Dieses Spiel elektrisierte bereits im Vorfeld die Massen auf der Ostalb wie kaum eines zuvor. Da viele Heidenheim-Fans mit dem VfB sympathisieren oder zumindest, als Heidenheim noch unterklassig als Heidenheimer SB unterwegs war, mit dem VfB sympathisierten, wollte sich keiner dieses (hoffentlich) einmalige Aufeinandertreffen auf Augenhöhe entgehen lassen.

Auch für die VfBler war das Kontingent von 1.500 Tickets viel zu gering ausgefallen. Bei entsprechender Verfügbarkeit von Karten hätten die VfBler die ostälblerische Provinz wohl ähnlich überflutet wie seinerzeit schon die von Sandhausen und Kaiserslautern.

Auch Karten auf neutralem Terrain zu bekommen, war fast ein Ding der Unmöglichkeit. Es soll sogar VfBler gegeben haben, die 1. FCH-Mitglied wurden oder bei Heidenheim eine Rückrunden-Dauerkarte erstanden, nur um bei diesem Spiel dabei sein zu können. Im Nachhinein, in Anbetracht des tollen Spiels und Schwarzmarktpreisen von rund 150 Euro für ein Ticket nicht die schlechteste Entscheidung!

Der 1. FCH ist in der Region „in“, spielt als Tabellenfünfter eine bemerkenswert starke Runde und setzte sein Saisonhighlight bereits am 4. Spieltag mit dem Husarenstreich im Neckarstadion. Die Lust auf eine neuerliche Sensation und die Aussicht dabei zu sein, wenn der David 1. FCH dem Goliath VfB auch zu Hause ein Bein stellt, taten ein Übriges, dass die Voith-Arena in Windeseile ausverkauft war.

Wir, gute Kontakte eben, hätten zwar als Allesfahrer Karten im Gästeblock bekommen, zogen es jedoch vor, die Seite und damit in die Höhle des Löwen zu wechseln, in der Hoffnung vor allem vom Gästeblock bessere Bilder machen zu können. Dies gelang aufgrund der Wetter- und Lichtverhältnisse nur bedingt.

Auf der Homepage des FCH war am Vortag zu lesen, dass unser Block zum Heimfanbereich gehören würde und Gästefans keinen Zutritt hätten. Normalerweise heißt der Vermerk „kein Zutritt in Gästefankleidung“, dieses Mal also gleich Gästefans!? Schon die ganze Saison treibe ich mich ja in anderen Bereichen in den Stadien herum, so dass neutrale Kleidung ohnehin selbstverständlich gewesen wäre. In gutem Glauben, dass nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wurde, verwarf ich die Idee, einen Crashkurs in ostälblerisch zu besuchen wieder und hoffte, dass neutrale Kleidung und ordentliches Benehmen auch schon genügen würden.

Dem war dann auch so, keine Probleme beim Einlass und drinnen ein absolut entspanntes Miteinander. So erwartete ich das eigentlich auch und war im Vorfeld schon darüber verwundert, teils von einem Risikospiel und strikter Fantrennung zu lesen. Ich erwartete nicht, dass es dort irgendwelchen Ärger geben könnte und habe auch keine Auseinandersetzungen und Scharmützel mitbekommen.

Wieso auch? Für den VfB ist dieses Jahr gemeinsamer Ligazugehörigkeit (hoffentlich) nur ein Intermezzo und für die Heidenheimer DAS Spiel des Jahres. Ob es jetzt ein Nachbarschaftsduell oder ein Derby ist, darüber schieden sich im Vorfeld mal wieder die Geister. Bei diesem Aufeinandertreffen kommt mir das Wort „Derby“ leichter über die Lippen als gegen irgendwelche neureiche Emporkömmlinge, zum einen, weil es sich um einen württembergischen Nachbarn handelt und zum anderen, weil ich durchaus Respekt für das empfinde, was in den letzten Jahren auf der Ostalb gewachsen ist.

In Zeiten, in denen der VfB die Trainer häufiger wechselte als so mancher die Unterhose, hätte ich Trainer Frank Schmidt (Mitglied der Mannschaft vom TSV Vestenbergsgreuth, das den FC Bayern 1994 aus dem DFB-Pokal schmiss) und seinen Kapitän Marc Schnatterer (1998-2000 Jugendspieler beim VfB) mit Kusshand genommen, weil beide eine unbändige Leidenschaft verkörpern und für das Heidenheimer Fußballwunder DIE Eckpfeiler sind. Mittlerweile hat sich dieses Thema natürlich erledigt, weil wir mit Hannes Wolf bestens aufgestellt sind und Schnatterer mit seinen 31 Jahren allmählich ein Auslaufmodell wird.

Seit ich das letzte Mal in der Voith-Arena war (Vorbereitungsspiel im Juli 2013, noch unter Labbadia) hat sich das Stadion schwer gemausert und ist zu einem richtigen Schmuckkästchen geworden. Woher ich meinen Optimismus vor dem Spiel nahm, weiß ich nicht. Jedenfalls dachte ich in keiner Sekunde an einen Punktverlust und war felsenfest davon überzeugt, dass wir die Schmach vom Hinspiel auf jeden Fall ausmerzen werden könnten.
Die Atmosphäre war schon vor dem Spiel hervorragend und bot einen würdigen Rahmen für ein denkwürdiges Fußballspiel. Zum Einlauf der Gladiatoren bot der Heidenheimer Anhang eine schöne Württemberg-Choreographie, ergänzt durch das Wunschdenken „ein neues Zeitalter wird kommen“ und einem Feuerwerk außerhalb des Stadions.

Während Trainer Frank Schmidt sein Team gegenüber dem Auswärtssieg bei den Würzburger Kickers umstellen musste, setzte Hannes Wolf getreu dem Motto „never change a winning team“ auf die zuletzt erfolgreiche Anfangself.

Die erste Torannäherung hatte Heidenheim durch den Liga-Topscorer Marc Schnatterer (jetzt, 8 Tore, 8 Assists), danach aber übernahm der VfB das Kommando und dominierte über weite Strecken die erste Hälfte.

Heidenheim gegen den VfB war auch das Duell der beiden 31-jährigen Kapitäne, deren Wege sich seit der E-Jugend immer wieder kreuzten und bei dem es Christian Gentner war, der den ersten Glanzpunkt setzte.

Nach der allerersten Ecke für den VfB verpasste es Heidenheim zwei Mal den Ball aus der Gefahrenzone zu befördern, so dass Gentner in seinem zweiten Versuch zur vielumjubelten Führung traf. Es war sein sechster Saisontreffer, womit ihm bereits jetzt so viele gelangen, wie noch nie zuvor innerhalb einer Saison in seiner Karriere.

Dieser Treffer zeigte bei den Heidenheimern, deren Matchplan aufs Konterspiel ausgelegt war, Wirkung, so dass der VfB Ball und Gegner laufen lassen konnte. Nach gut einer halben Stunde hatte Carlos Mané nach Insúa-Hereingabe die Hundertprozentige zum 0:2 auf dem Fuß, verfehlte jedoch zu unser aller Entsetzen das leere Tor.

Durch eine Einzelleistung von Schnatterer kamen die Heidenheimer unverhofft zum Ausgleich, als sich kein VfBler zuständig fühlte und man ihn ohne Gegenwehr gewähren ließ. Der unermüdliche Schnatterer nahm diese Einladung dankend an und traf mit einem fulminanten, jedoch wohl nicht unhaltbaren, 25-Meter-Schuss zum Ausgleich. Nichts hatte zuvor darauf hingedeutet, dass uns die Heidenheimer vor der Pause noch gefährlich werden könnten, ehe sich Schnatterer ein Herz fasste. Mit diesem Remis ging es kurz danach in die Halbzeitpause.

Der Ausgleich gab den Ostälblern sichtlich Auftrieb. Heidenheim wurde nach dem Seitenwechsel aktiver und bekam Oberwasser, während der VfB zunächst nicht so recht in die Puschen kam.

Hannes Wolf reagierte darauf und brachte erst Brekalo für Asano und kurze Zeit später Ginczek für Green. Danach wendete sich das Blatt wieder und es entstand ein offener Schlagabtausch.

Bei solchen äußeren Bedingungen, es regnete ja in Strömen, waren Distanzschüsse ein probates Mittel. Das erkannte der VfB und scheiterte damit durch Gentner und Grgic am glänzend aufgelegten Ex-VfB-Keeper Kevin Müller, der immerhin schon neun Mal in dieser Saison ohne Gegentor blieb.
Auch Terodde, der über weite Strecken mehr als unermüdlicher Kämpfer denn als Torjäger in Erscheinung trat, bot sich noch eine gute Kopfballchance, die Müller und Schnatterer mit vereinten Kräften auf der Linie vereitelten.

Das Spiel legte nun ein atemberaubendes Tempo vor und wogte hin und her. Schnatterer verfehlte den Kasten auf der anderen Seite denkbar knapp, während beim Gegenzug die große Stunde von Josip Brekalo zu schlagen begann.

Das kroatische Wunderkind, gerade einmal 18 Lenze auf dem Buckel und vor kurzem noch von Inter Mailand, Arsenal London und Benfica Lissabon umworben, dribbelte zunächst vom Strafraum weg, um dann doch all seine Kraft in einen mächtigen Schuss zu legen.

Kein Bierdeckel hätte mehr zwischen Ball und Torwinkel gepasst, so genau zielte Brekalo. Trainer Wolf bekannte nach dem Spiel verschmitzt, es sei gut, dass Brekalo noch nicht so des Deutschen mächtig sei und offensichtlich nicht verstanden habe, dass er ihm mit auf den Weg gegeben habe, nicht immer gleich abzuziehen, sondern die Situationen zu Ende zu spielen. Ein Tor wie ein Kunstwerk, auch Tage danach gerate ich ins Schwärmen
Nicht wenige meinten nach dem Spiel, so träfe ein Spieler einen Ball alle zehn Jahre mal, dann wollen wir doch hoffen, dass Brekalo mit diesem Traumtor sein Pulver noch nicht verschossen hat und er vor allem die Bodenhaftung bewahrt.

In einem dramatischen Spiel war damit aber längst noch nicht Schluss. Hitzige Atmosphäre, enges Stadion, Derbyfieber, Flutlicht, Fritz-Walter-Wetter, demzufolge ein glitschiges immer tiefer werdendes Geläuf und zwei Mannschaften, die sich gnadenlos bekämpften. Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein packenderes Zweitligaspiel gesehen zu haben, in dem von der feinen Klinge bis zum rustikalen Handwerk keine Facette zu kurz kam.

Die beiden Kapitäne waren, nicht nur wegen ihrer Tore, mit die auffälligsten Spieler auf dem Platz. Schnatterer trieb nach dem erneuten Rückstand seine Farben vehement an und versuchte das Publikum noch mehr zu pushen, während Gentner seinem Pendant in Sachen Mentalität an diesem Tag in nichts nachstehen wollte.

Selten habe ich Gentner so entschlossen und kampfesbereit erlebt wie am Freitag in Heidenheim. Ihm kommt sicherlich inzwischen zu Gute, dass sich in der Schaltzentrale nicht mehr alles auf ihn fokussiert, sondern sich Anto Grgic mehr und mehr als Ballverteiler in den Vordergrund spielt und für die gegnerischen Trainer DER Mann ist, den es aus dem Spiel zu nehmen gilt.

Nach der Führung verpassten es Terodde und Grgic dann den Sack zuzumachen, was sich beinahe noch rächen sollte. In den letzten zehn Minuten zog Heidenheim mit dem Mute der Verzweiflung ein Offensiv-Spektakel auf, das seinesgleichen suchte. Bei sieben (!) fast unmittelbar aufeinander folgenden Eckbällen musste der VfB Schreckmomente fast im Sekundentakt überstehen und tat das mit unermüdlichem Kampfgeist und vor allem auch einer gehörigen Portion Glück. Brekalo klärte auf der Linie, Langerak lenkte einen Ball mit einem unglaublichen Reflex noch an die Latte. Während Heidenheim aus allen Rohren schoss, warfen sich die VfBler dazwischen und verteidigten das eigene Tor mit einer Leidenschaft, die man beim VfB lange nicht gesehen hat.

Nach dem Schlusspfiff erkannte man förmlich ein Funkeln in den Augen einiger Spieler, die sichtlich erleichtert und auch stolz waren, dieses schwierige Spiel siegreich über die Runden gebracht zu haben. Wenn ein alter Hase, wie es Simon Terodde ist, hinterher bekennt, er sei stolz Teil dieses Teams zu sein, sagt das, wie ich meine, viel über den neuen Teamgeist aus, der Einzug in die Mercedesstraße gehalten hat und auch darüber, dass die Jungs mit Spaß bei der Sache sind.

Der VfB verfügt mittlerweile über einen ausgeglichen 26-Mann-Kader und ist damit auch in der Breite für die 2. Liga herausragend gut besetzt. Die Kunst des Trainerteams besteht darin, alle Mann bei Laune zu halten und was die Kader-Nominierungen angeht, gerecht zu sein. Dies scheinen sie im Moment so gut hinzubekommen, wie man es beim VfB lange nicht mehr erlebt hat. Man hört überhaupt kein Wehklagen von Spielern, die derzeit nicht die erste Geige spielen oder es überhaupt nicht in den 18-Mann-Kader fürs Spiel schaffen, wie Alexandru Maxim und Hajime Hosogai beispielsweise.

Der mediale Aufschrei und der in den Foren war schon enorm, weil es Maxim fürs Heidenheim-Spiel nicht einmal mehr in den Kader geschafft hat. Ich kann den Maxim-Hype ohnehin nicht nachvollziehen, da er sich noch unter keinem Trainer durchgesetzt hat und weder die Kondition noch den Kampfgeist besitzt, um in einem umkämpften Spiel wie am Freitag, in dem 90 Minuten lang der Rasen umgepflügt wird, seinen Mann zu stehen. Seine Zeit beim VfB dürfte sich unweigerlich dem Ende zuneigen, da man mittlerweile nicht einmal mehr auf seine genialen Momente und seine Standards angewiesen ist. Auch diese beansprucht Anto Grgic derzeit für sich, von unseren hoch veranlagten und technisch beschlagenen Offensivspielern einmal abgesehen.

Auch Tage danach bin ich noch berauscht und von einer gewissen Euphorie getragen nach diesem wahnsinnigen Spiel. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ich den restlichen Saisonverlauf als Selbstläufer an- und uns schon aufgestiegen sehe.

Beileibe nicht. Der VfB hat, bis auf Düsseldorf, alle seine Rückrundensiege mit Mühe und Not, jedoch auch nicht unverdient, erkämpft. Das verdeutlicht, dass trotz aller individuellen Klasse jeder Sieg aufs Neue hart erarbeitet werden muss und man die Füße wirklich erst im Mai hochlegen kann.

Dass man in Heidenheim derart ins Schwimmen geriet, muss dem Team zu denken geben und dennoch bringt den VfB jeder Sieg weiter, dieser ganz besonders.
Jeder Beteiligte hat gesehen, wie Teamgeist Berge versetzen kann und dass es sich lohnt, auch die letzten Körner aus sich herauszuholen. Ein heimstarkes Heidenheim, das mit brachialer Wucht anrannte, gelang es letztlich in die Schranken zu weisen, was Selbstvertrauen geben sollte. Dieses Glück, das man am Ende hatte, hat sich der VfB erarbeitet, vor nicht allzu langer Zeit wäre ein solches Spiel mit Sicherheit verloren gegangen.
Die Momentaufnahme mit sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz sieht formidabel aus. Nächsten Sonntag kommen unsere Freunde vom 1. FC Kaiserslautern, die sich unter Norbert Meier aus der Abstiegszone befreien konnten und derzeit einen Lauf haben. Auch das Kaiserslautern aus dem Hinspiel ist mit dem der Gegenwart nicht mehr zu vergleichen, ich befürchte erneut eine ganz harte Nuss, die es da zu knacken gilt.

Der Lauterer Aufschwung, die Ansetzung am Sonntagnachmittag, die Entfernung von gerade einmal 180 Kilometern und die Fanfreundschaft mit dem VfB dürfte die Lauterer Massen mobilisieren, so dass ich mit weit über 5.000 Pfälzern im Neckarstadion rechne.

Bei Hannes Wolf als Trainer bin ich mir sicher, dass auch diese Aufgabe mit der gleichen Seriosität und Konzentration angegangen wird wie jedes andere Spiel auch, und er es nicht zulassen wird, dass das Team auch nur einen Prozentpunkt nachlässt.

Was vier Siege zum Rückrundenbeginn angeht und was sie wert sein können, diesbezüglich sind wir VfBler ja gebrannte Kinder. In der letzten Saison startete der VfB genauso furios ins neue Jahr, um im Mai sang- und klanglos abzusteigen.

Da vom Vorjahrespersonal nicht mehr viel übrig ist und der Teamgeist mittlerweile richtig gut zu sein scheint, schätze ich die Gefahr eines neuerlichen Einbruchs als sehr gering ein. Schindelmeiser und Wolf mit ihrer unaufgeregten fokussierten Art, sind nah am Team und werden gefährlichen Tendenzen sofort entgegenwirken. Seit langem hat man mal wieder den Eindruck, dass der Verein von Profis, und das auf allen Ebenen, geführt wird und man sich von kurzfristigen Erfolgen nicht blenden und ablenken lässt.

Geht die Teamfindung und Erlangung noch größerer Stabilität weiter mit sportlichen Erfolgen einher, geben wir die Tabellenführung nicht mehr aus der Hand. Der VfB wird sich von Spiel zu Spiel weiterentwickeln und stetig verbessern und hat mit den Winterneuzugängen Jérôme Onguéné und Ebenezer Ofori sogar noch zwei Asse im Ärmel, die den Konkurrenzkampf und damit den Leistungsdruck weiter erhöhen. Wann Onguéné’s Zeit kommt wird man sehen, da im Moment keine Notwendigkeit besteht, an Baumgartl und/ oder Kaminski zu rütteln, aber, Oforis Stunde könnte schon bald schlagen und von ihm erhoffe ich mir einen weiteren Qualitätsschub.

Derzeit sieht wirklich alles rund um den VfB sehr vielversprechend aus. Wie es wirklich um den Charakter der Mannschaft bestellt ist, werden wir aber erst so richtig erfahren, wenn wir gesehen haben, wie sie mit Niederlagen und Rückschlägen umgeht und wie sie darauf dann reagiert. Auf diese Erfahrung kann ich jedoch liebend gern verzichten und baue gegen den FCK auf den fünften Sieg im fünften Rückrundenspiel.

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14. Februar 2017

Die individuelle Klasse setzte sich durch

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 12:27

Es war ein glücklicher und auch etwas schmeichelhafter Sieg für den VfB gegen ein äußerst unbequem zu bespielendes Sandhausen. Nicht umsonst sammelten die Mannen von Trainer Kenan Kocak bereits 30 Punkte in dieser Saison, nicht von ungefähr grüßten sie vor dem Spiel von Platz sechs aus.

Erstmals überhaupt während des Wirkens von Hannes Wolf veränderte der Trainer seine Startformation gegenüber dem vorherigen Spiel (2:0 gegen Fortuna Düsseldorf) auf keiner Position.
Im Grunde gab es dafür auch keine Veranlassung, legte die Mannschaft gegen die Fortunen doch, zumindest in der ersten Halbzeit, eine klasse Partie hin. Benjamin Pavard, der Reservist, der noch am nächsten an der ersten Elf dran zu sein schien, verletzte sich unter der Woche, für Daniel Ginczek käme ein Startelf-Einsatz noch zu früh.

Sandhausens oberste Maxime lautete zunächst, den VfB seiner Stärken zu berauben, ihn also nicht ins Spiel kommen zu lassen. Äußerst geschickt und diszipliniert verteidigten und verschoben die Nordbadener, doppelten unsere schnellen Carlos Mané und Takuma Asano und nahmen Ballverteiler und Spielmacher Anto Grgic so gut es eben ging aus dem Spiel. Geschickt entzog sich Grgic jedoch immer wieder dieser Bewachung und kurbelte doch auch den einen oder anderen vielversprechenden Angriff an. DER Gewinner der Vorbereitung ist inzwischen eine absolute Bereicherung im VfB-Spiel und hat derzeit die Nase klar vor Zimmermann und Hosogai.

Mit dem VfB und dem SV Sandhausen trafen zwei Teams aufeinander, die bislang im Kalenderjahr 2017 noch kein Gegentor zu beklagen hatten, so dass es nicht verwunderlich war, dass Torchancen zunächst Mangelware blieben.

Einzig Julian Green mit Schussversuchen aus der Distanz sorgte zunächst für einen Hauch von Torgefahr. Quasi mit dem Pausenpfiff ging der VfB doch noch in Führung, als Mané in den Strafraum hineinstieß und nur durch ein Foul gestoppt werden konnte. Simon Terodde verwandelte den fälligen Strafstoß eiskalt in die rechte Torecke. Die Pausenführung war aufgrund der größeren Spielanteile nicht unverdient.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit wurde Sandhausen aktiver und rückte weiter vor, während der VfB sein Heil in Kontern suchte. Dadurch boten sich Räume für den VfB, die Mané und Green kurz nach der Pause besser hätten nutzen können. Nach einer guten Stunde brachte Kocak Wandervogel Sukuta-Pasu, der aus der Jugend von Bayer Leverkusen stammt, schon etliche nationale und internationale Stationen auf dem Buckel hat und aktuell beim SV Sandhausen gestrandet ist. Dieser war auch gleich, mit seinem ersten Ballkontakt, zur Stelle, als sich auf der linken Stuttgarter Abwehrseite drei VfBler ausspielen ließen und die Flanke von Pledl nicht verhindern konnten, sich Baumgartl und Großkreutz nicht einig waren, Langerak auf der Linie kleben blieb und Sukuta-Pasu in der Mitte unbedrängt einschieben konnte.

Nicht unverdient zu diesem Zeitpunkt, war Sandhausen doch zu Beginn der zweiten Halbzeit die aktivere Mannschaft. Der SVS witterte nun Morgenluft und es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Während Zimmer allein vor Knaller scheiterte und Großkreutz nur die Latte traf hatte Sukuta-Pasu eine Viertelstunde nach dem Ausgleich die Hundertprozentige zu Sandhausens Führung auf dem Fuß.

Hannes Wolf wechselte offensiv und brachte nach Jean Zimmer noch Daniel Ginczek und Alexandru Maxim und sendete so als Signal an die Mannschaft, hier und heute unbedingt als Sieger vom Platz gehen zu wollen.

Angetrieben von den meisten der 44.560 Zuschauer wollte der VfB den Sieg jetzt erzwingen, was schließlich auch gelang. Nach Mané-Hereingabe war Simon Terodde per sehenswertem Seitfallzieher zur Stelle und markierte die so wichtige Führung. Sandhausen setzte noch einmal alles auf eine Karte und feuerte aus allen Rohren, während der VfB mit Mann und Maus verteidigte und den knappen Vorsprung schließlich mit Glück und Geschick über die Zeit brachte.

Am Ende konnte man konstatieren, dass es ein hartes Stück Arbeit war und man sich nicht hätte beklagen dürfen, wenn man am Ende nur mit einem oder gar keinem Punkt dagestanden hätte.

Da der VfB wahrlich kein schlechtes Spiel machte und Sandhausen, das muss man einfach mal anerkennen, richtig gut war, brauchen wir uns für diesen Sieg natürlich nicht zu schämen. Das sind genau jene Spiele, die die Mannschaft weiter bringen. Nach dem Auswärtssieg in St. Pauli hat der VfB bereits zum zweiten Mal den Sieg in der Schlussphase errungen, was dem Team Auftrieb geben und für die anstehenden Aufgaben Mut machen sollte. Die Schinderei aus dem Trainingslager hat sich offensichtlich gelohnt, so dass die Mannschaft weiter bis zum Schlusspfiff an sich glauben und alles versuchen wird, ist die Nuss auch noch so hart. Aus diesem Holz sind Aufsteiger geschnitzt! Wenn der FC Bayern der 2. Liga jetzt auch noch den Bayern-Dusel für sich beansprucht und zähere Spiele letztlich auch noch für sich entscheidet, ist das ein passabler Mutmacher für die kommenden Wochen und Monate.

Das WIE zählt heute sowieso schon nicht mehr. Viel mehr können wir mit Freude auf die Tabelle blicken und sehen, dass durch das Braunschweiger Remis in Nürnberg der Vorsprung auf den Relegationsplatz auf fünf Punkte angewachsen ist. Das ist schon mal ein Brett, jedoch auch kein Ruhekissen. Der VfB muss von nun an mehr denn je die Rolle des Gejagten annehmen und mit dieser Situation mental zurechtkommen.

Ob Christian Gentner, der sich in der Jäger-Rolle wohler fühlt als in der des Gejagten, deshalb auf dem Platz noch weniger zu sehen ist, als sonst ohnehin schon, sei dahingestellt. Wenn aber schon die Stuttgarter Medien, bei denen Gente sonst über jeden Zweifel erhaben ist, bewerten „Der Kapitän nimmt sich eine kleine Krise. Denn anders als in der Hinrunde ist Christian Gentner nicht mehr der alles überragende Antreiber im VfB-Mittelfeld. Durch seine Routine bleibt er aber unersetzlich.“, sollten bei ihm sämtliche Alarmglocken schrillen. Mr. Unersetzlich bekommt nämlich durch Anto Grgic und hoffentlich bald auch Ebenezer Ofori mächtig Druck, so dass die Chancen auf eine baldige Wachablösung gar nicht mehr so schlecht zu sein scheinen. Dem derzeitig praktizierten und weiter zu perfektionierenden Hochgeschwindigkeitsfußball ist Gente schon allein wegen seiner Übersetzung und seiner mangelnden Handlungsschnelligkeit nicht mehr gewachsen, daher entwickelt er sich mehr und mehr zu einem Hemmschuh, der das Spiel verlangsamt.

Der VfB steckt weiter in einem Entwicklungsprozess, in dem es gilt, die Handschrift Wolfs weiter zu verinnerlichen und das Team fit für die Bundesliga zu machen. Wenn diese Entwicklung einhergeht mit sportlichem Erfolg und dadurch etwas der Druck vom Kessel genommen wird, ist dies geradezu perfekt. Die 2. Liga ist derzeit für den VfB ideal und bietet Tests für den Ernstfall (Bundesliga) unter Wettkampfbedingungen.

Zurzeit ragen aus einer geschlossenen Mannschaft vor allem Simon Terodde, der Knipser, und Carlos Mané, der Künstler heraus. Es ist eine Augenweide ihn spielen zu sehen und seine Ballfertigkeit bestaunen zu dürfen. Wegen solcher Spieler strömen die Massen ins Stadion, daher hoffe ich, dass der VfB das Heft des Handels komplett in der Hand hat und an den Gerüchten, Sporting Lissabon fordere ihn bereits im Sommer zurück, nichts dran ist. Im Gegenteil, der VfB sollte alles Menschenmögliche tun, die Kaufoption zu ziehen und Mané langfristig an den VfB zu binden. Die kolportierte Summe von 15 Millionen Euro ist im heutigen Fußball nichts für einen Spieler seiner Klasse, der in ein paar Jahren das Doppelte oder Dreifache wert sein könnte.

Außer der individuellen Klasse einiger hatte dieses Mal auch das Publikum großen Anteil am Sieg. Ich habe die Atmosphäre bei unseren Heimspielen ja schon des Öfteren gescholten, gegen Sandhausen war sie überragend. Auch in schwierigen Phasen waren selbst bei uns auf der Haupttribüne kaum Pfiffe zu vernehmen, es schien so, niemand habe ernsthaft damit gerechnet, dass man Sandhausen mal so einfach aus dem Stadion schießen würde. Der Torschrei beim Siegtreffer hallt mir heute noch nach, so ohrenbetäubend war dieser. Pure Freude und Erleichterung nach dem Schlusspfiff, war sich doch jeder bewusst, welch schwere Geburt man soeben hinter sich gebracht hatte.

Über das schon obligatorische Lied „Wenn jemand fragt, wer Meister wird, dann sage ich zu Dir, das können nur die Schwaben sein, die Jungs vom VfB“ muss ich weiterhin schmunzeln, wenngleich ich es mit einem Augenzwinkern natürlich mitsinge. Ich kenne den Song noch aus den 70er- und 80er-Jahren, als es wirklich um die Deutsche Meisterschaft ging, so dass ich mich am Saisonende, selbst wenn wir als Erster abschließen würden, auch nicht als Meister sondern „nur“ als Aufsteiger fühlen würde. Die „Meisterschale“, die es auch in der 2. Liga neuerdings gibt ist doch nur ein weiterer Marketing-Gag der DFL.

Kommenden Freitag in Heidenheim hat der VfB die Chance, die Tabellenführung weiter zu festigen und sich gleichzeitig für die bittere Heimniederlage im Hinspiel zu revanchieren. Unter den Eindrücken der Tage danach erscheint diese freilich in einem anderen Licht, war es doch das „Abschiedsspiel“ für Jos Luhukay mit einer Mannschaft, die ihrem Trainer nicht mehr folgte. So hatte selbst dieser Tiefpunkt noch etwas Gutes und bescherte uns nach den zwei Erfolgen unter Interims-Coach Olaf Janßen Hannes Wolf als neuen Trainer.

Heidenheim gewann jüngst in Würzburg und heimste somit erstmals im neuen Jahr Punkte ein. Dieser Sieg dürfte den Ostälblern neues Selbstvertrauen eingeflößt haben, so dass auch die Partie in der Voith-Arena für die Brustringträger kein Selbstläufer werden wird. Ich habe großen Respekt für das, was in Heidenheim in den letzten Jahren aufgebaut wurde. Trainer Frank Schmidt und Kapitän Marc Schnatterer verkörpern dort Kontinuität und eine stetige Entwicklung nach oben, so dass in diesem Jahr zumindest der Relegationsplatz zur Bundesliga in Reichweite zu sein scheint.

Der VfB tut also gut daran, auch diese Aufgabe seriös anzugehen und den Kampf, den ihn auf der Ostalb erwarten dürfte, anzunehmen. Gerade die engen Spiele in St. Pauli und gegen den SV Sandhausen zeigen, dass der VfB, trotz der Optimalausbeute von neun Punkten in der Rückrunde, weit entfernt ist, einen Gegner in der 2. Liga einfach so an die Wand zu spielen.

Gelingt es, sich defensiv weiter zu festigen und konzentriert zu verteidigen, wird sich auch in Heidenheim im Verlauf der Spieldauer die individuelle Klasse des VfB durchsetzen. Einer überragenden Unterstützung kann sich der VfB sicher sein. Nicht wenige in der Region sympathisieren mit beiden Vereinen, so dass nicht nur das kleine Gästekontingent an die VfB-Fans ging, sondern sich auch sehr viele VfBler, wie auch wir, in den sonstigen Bereichen tummeln und das Auswärts- zum Heimspiel werden lassen.

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8. Februar 2017

Spitzenreiter!

Nicht wenige hatten gehörigen Bammel vor dem Spiel gegen Fortuna Düsseldorf. Nicht, weil die zuletzt fünf Mal in Folge sieglosen Rheinländer Angst und Schrecken verbreiten würden, sondern, weil die Konkurrenz dem VfB die Tabellenführung auf dem Silbertablett serviert hat und der VfB selbst dazu neigt, solche Angebote dankend abzulehnen.

Ich selbst wollte mir das nicht einreden, es musste einfach klappen, mit dem Sprung an die Tabellenspitze. Die Vergangenheit zählt nicht mehr, außerdem stand auf der Gegenseite ja auch „nur“ Düsseldorf und nicht Leverkusen oder Schalke. Vor dem Spiel bei den Würzburger Kickers wäre die Chance als Herbstmeister zu überwintern zwar auch gegeben gewesen, doch, auch dies war eine andere Situation. Ein von Verletzungen gebeutelter Kader, mit dem Nackenschlag der Heimniederlage gegen Hannover 96 im Gepäck und dem Urlaub vor Augen hatte giftigen Unterfranken nichts entgegen zu setzen.

Randnotiz dazu: ich hatte nach dem Spiel geschrieben, es sei unklug gewesen, die Spieler direkt im Anschluss an das Spiel in den Urlaub zu schicken, und nicht noch eine Trainingswoche mit Option auf Verkürzung bei entsprechender Leistung anzusetzen. In Lagos habe ich mit Jochen Röttgermann darüber sprechen können, woraufhin er doch tatsächlich bestätigte, dass sie intern auch darüber diskutiert hätten, dass dies wohl ein Fehler gewesen war!

Ein weiterer Aspekt, nicht in der Vergangenheit zu kramen und darauf zu hoffen, dass das Team aus solch verpassten Chancen gelernt hat, ist, dass der VfB im Trainingslager in Lagos hervorragend gearbeitet und den Grundstein für eine erfolgreiche Rückrunde gelegt hat. In St. Pauli lag spielerisch zwar noch einiges Argen, aber, wenigstens hat man die Mentalität gezeigt, die es in der 2. Liga braucht und man hat den Kampf angenommen. Zudem konnte man sich zum Transferschluss hin noch einmal verstärken und sendete damit unmissverständliche Signale an den Rest der Liga und auch an die Mannschaft, dass in dieser Saison einzig und allein der Aufstieg zählt.

Dass beim VfB von den Neuzugängen gegen die Fortuna einzig Brekalo im Kader stehen würde, war zu erwarten. Als Offensivspieler ist er leichter in das Mannschaftsgefüge zu integrieren wie Innenverteidiger Onguéné, der erst noch das Spielsystem kennenlernen muss oder Ofosi, der am Samstag noch das Spiel um Platz drei beim Afrika-Cup in Gabun absolvierte und erst noch vorgestellt werden muss.

Für die Startformation war Brekalo noch kein Thema, in diese rückten im Gegensatz zum St. Pauli-Spiel Anto Grgić und Carlos Mané anstelle von Zimmer und Zimmermann. Brekalo kam eine halbe Stunde vor Schluss, als das Spiel so gut wie entschieden war und gab ein durchwachsenes Debüt ab. Seine Schnelligkeit stach zwar sofort ins Auge, sonst aber wirkte er sehr eigensinnig und bisweilen leichtsinnig, was in einem Dribbling an der eigenen Strafraumgrenze mündete. Für einen jungen Spieler, der mit wenig Spielpraxis ankam und starke Konkurrenz beim Zweitligisten vorfand, durchaus verständlich, dass er auf sich aufmerksam machen möchte. Doch, Eigen- und Leichtsinn ist sicher nicht das, was Wolf von ihm sehen möchte, so dass er Brekalo dieses noch austreiben wird.

Und doch verdeutlicht auch diese Verpflichtung, dass man dem von Wolf favorisierten Hochgeschwindigkeitsfußball immer näher kommen möchte und auch näher kommt. Es ist schon jetzt eine Augenweide, wenn Julian Green, Takuma Asano und Carlos Mané Tempo aufnehmen und die gegnerischen Abwehrreihen förmlich überrennen. So ist es auch kein Zufall, dass der VfB DER Frühstarter der Liga ist und das Spiel einmal mehr nach zwanzig Minuten (so gut wie) für sich entschied. Beide Tore fielen zwar nach Flanken aus dem Halbfeld und doch waren die Highlights des Spiels die wahnsinnig schnell vorgetragenen Konterangriffe, die den Rheinländern den letzten Mut raubten, etwas weiter aufzurücken. Vor allem Asano bestach mit seiner beeindruckenden Schnelligkeit, leider fehlte ihm die letzte Konzentration beim Abschluss, er hatte drei Hochkaräter auf dem Fuß.

Auch Anto Grgić wusste auf der Sechs zu gefallen und fiel durch seine Eleganz und Spielübersicht positiv auf. Dabei erinnerte er mich an den jungen Murat Yakin, den ich seinerzeit gerne spielen sah. Frappierend in diesem Spiel aber auch, dass nicht alle im Team diesen Tempofußball mitgehen können. Dabei tat sich besonders Kapitän Gentner hervor, der in der einen oder anderen Situation nicht richtig antizipierte und nicht gedankenschnell genug war, um auf die Ideen seiner Mitspieler einzugehen.

Bei ihm fallen diese Defizite mehr ins Gewicht als bei Defensivspielern, da er kraft seiner Position ins Offensivspiel eingebunden sein müsste. Sollten Schindelmeiser und Wolf die Erneuerung unseres VfB weiterhin in einem solchen Tempo vorantreiben, könnte auch seine Wachablösung schneller Realität werden, als man heute noch denkt.

Dank des Blitzstarts mit den Toren von Terodde (Kopfball, abermals nach Flanke von Insúa, 12. Saisontreffer) und Green (Direktabnahme nach Grgić-Flanke bei seinem Heimdebüt) grüßt der VfB nun von der Tabellenspitze. Einzig die Chancenverwertung war zu bemängeln, mit ein bisschen mehr Galligkeit vor dem gegnerischen Tor wäre ein Kantersieg locker drin gewesen. Die Düsseldorfer kamen während des gesamten Spiels gerade einmal zu einer nennenswerten Torchance und wirkten meist heillos überfordert.

Der VfB ließ einmal mehr die Gelegenheit liegen, etwas fürs Torverhältnis zu tun und sich auch diesbezüglich vom Rest der Liga abzuheben. Zwar ist man geneigt zu sagen, dass es auch nicht so schlecht ist, sich die Tore für Sandhausen aufgehoben zu haben, doch, da wartet ein gänzlich anderes Spiel auf den VfB gegen eine äußerst unangenehm zu bespielende Mannschaft.

Sandhausen nimmt derzeit Tabellenplatz sechs ein, hat respektable 30 Punkte auf dem Konto und ein Torverhältnis von +11 (der VfB, +12). Zudem ist Sandhausen seit vier Ligaspielen ohne Gegentor, das letzte musste man Anfang Dezember beim Auswärtssieg in Nürnberg (1:3) hinnehmen. Diese Zahlen und auch das Hinspiel, als man nach vermeintlich sicherer 0:2-Führung hinten hinaus noch gehörig ins Wackeln geriet und den Sieg nur mit Glück über die Zeit schaukelte, verdeutlichen, dass es fatal wäre, die Nordbadener zu unterschätzen im Sinne von „es ist ja nur Sandhausen“.

Nach den 38.200 Zuschauern, die den Heimsieg gegen Düsseldorf sehen wollten und konnten, hoffe ich auf eine ungleich größere Kulisse am Sonntag. Diese Anstoßzeit mag dem Familienmenschen auch nicht ganz gelegen kommen, ist aber noch um einiges machbarer als der Montag-Abend-Termin, wo gerade die vielen auswärtigen VfBler teils zwei Tage Urlaub benötigen würden, um ins Neckarstadion zu können. So hoffe ich auf weit über 50.000 Zuschauer, die Tabellenführung sollte zusätzlich locken, und darauf, dass unsere Frühstarter den Sandhäusern, ehe sie sich auf den äußeren Rahmen so richtig eingestellt haben, ein, zwei Kisten einschenken und die Weichen frühzeitig auf Sieg gestellt werden.

Noch ist es viel zu früh, den Rückrundenstart und die Tabellenführung überzubewerten und eine Tendenz für den weiteren Saisonverlauf abzuleiten. Ebenso ist es zu früh, Gewinner und Verlierer im Kader auszumachen, vor allem bzgl. denjenigen, die in den bisherigen zwei Rückrundenspielen noch überhaupt nicht zum Einsatz kamen, wie bspw. Berkay Özcan und Alexandru Maxim. Die Kunst von Hannes Wolf muss es sein, gerade nach der Verpflichtung der Winterneuzugänge, seinen gesamten Kader bei Laune zu halten und allen einzuimpfen, dass sie wichtig und Teil des Teams sind und das Pendel bei entsprechenden Trainingsleistungen jederzeit auch wieder zu ihren Gunsten ausschlagen kann. Mit den Spielern, mit denen man definitiv nicht mehr plant, hat man Tacheles geredet, die Chance aller anderer wird kommen, spätestens, wenn man mit Verletzungen oder Sperren zu tun hat.

Der VfB hatte lange keinen so ausgeglichenen Kader und keinen so erbarmungslosen Konkurrenzkampf mehr, wie derzeit. Dass hier immer auch wieder welche durchs Raster fallen und zwischenzeitlich außen vor sind, ist normal. Umso größer ist der Ansporn derer, die derzeit die Nase vorn haben, diese vorn zu behalten und durch Leistung zu überzeugen und im Team zu bleiben, so wie am Montag gegen Düsseldorf demonstriert. Ich habe in der jüngeren Vergangenheit selten einen derart dominanten VfB gesehen, der von Position eins bis elf besser besetzt war als der Gegner. Selbst vermeintliche Startelf-Wackelkandidaten wie Marcin Kamiński bestachen durch sauberes Passspiel, Konzentration und Achtsamkeit, so dass sich wohl auch Onguéné zunächst einmal hinten anstellen muss.

Der erste Sieg gegen Fortuna Düsseldorf seit 25 Jahren, bei allerdings auch nur drei Jahren gemeinsamer Ligazugehörigkeit während dieser Zeit, geriet nie ernsthaft in Gefahr. Dass man in der zweiten Hälfte, nach drei vergebenen Großchancen in den ersten fünf Minuten, einen Gang zurückschaltete und nicht mehr ganz den Zugriff auf die Partie hatte, wie noch in Halbzeit eins, hat den Protagonisten selbst nicht gefallen, so dass wir Fans uns mit überbordender Kritik zurückhalten sollten. Wir tun gut daran, den handelnden Personen, die derzeit sehr viel richtig machen, zu vertrauen. Man sollte bei all unserer augenscheinlicher Qualität nicht erwarten, dass wir jeden Gegner haushoch aus dem Stadion schießen und uns in erster Linie darüber freuen, wenn die drei Punkte unter Dach und Fach gebracht worden sind.
Ich halte es mit Hannes Wolf und sehe uns am Anfang eines langen Weges. Daher bin ich zufrieden damit, peu à peu Fortschritte zu sehen, vor allem dann, wenn sie sich auch noch in den Ergebnissen niederschlagen und wir Tabellenführer sind.

Schon jetzt kommen wir Wolfs Ideal, Hochgeschwindigkeitsfußball spielen zu lassen, immer näher. Die Mannschaftsteile arbeiten besser zusammen als in der Vorrunde, auch die Offensivkünstler waren sich gegen Düsseldorf nicht zu schade, in der eigenen Hälfte Bälle zu erobern.

Derzeit sehe ich sehr viel, was mich positiv stimmt. Daher bin ich sehr zuversichtlich, dass wir im Mai nicht „nur“ den Aufstieg feiern werden, sondern auch das Fundament einer Mannschaft steht, die uns auch in der Bundesliga mehr Freude machen wird, als wir sie in den letzten Jahren des Herumdümpelns hatten.

Bis dahin fließt jedoch noch viel Wasser den Neckar hinunter, nächstes Etappenziel, Heimsieg gegen Sandhausen, Sonntag, 13.30 Uhr. Alle ins Neckarstadion, die Kulisse wird (außer der spielerischen Klasse) unser großes Plus sein!

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15. März 2010

1:2 auf Schalke: Der VfB muss sich hinten anstellen

Mit langen Schritten eilte Ciprian Marica nach seiner Einwechslung aufs Spielfeld, es galt schließlich keine Zeit zu verlieren. Noch blieben ein paar Minuten Zeit, um die drohende Niederlage zu vermeiden. Und das dafür notwendige Engagement zeigte nicht nur Marica. Allein: es nutzte alles nichts. Die Schlussphase verstrich – und mit ihr die Hoffnung, die auf den späten Ausgleich.

Mit 1:2 (0:0) hat der VfB Stuttgart am Freitagabend beim FC Schalke verloren und damit die Chance verpasst, endgültig in den Kampf um einen Platz im Europapokal einzugreifen. Während die Schalker zumindest bis Samstag die Tabellenführung übernommen haben, droht der Mannschaft von Christian Gross nun eine Restsaison im tabellarischen Niemandsland. Gross hatte seine Elf im Vergleich zum 2:2 in Bremen auf zwei Positionen umgebaut.

Frühzeitig klar war, dass für den gesperrten Matthieu Delpierre auf Schalke Georg Niedermeier in die Innenverteidigung rücken würde. Die andere Änderung ergab sich kurzfristig, da Stefano Celozzi wegen einer Erkältung ausfiel. Christian Träsch rückte für ihn auf die rechte Verteidigerposition und machte damit im zentralen Mittelfeld Platz für Zdravko Kuzmanovic. Ricardo Osorio, gelernter Außenverteidiger, blieb trotz des Ausfalls von Celozzi auf der Bank – darf sich aber immerhin damit trösten, dass Villarreal Interesse an seinen Diensten zeigt.

Träsch zeigte auf rechts, dass er der Abwehr mehr Sicherheit und dem Spiel nach vorne mehr Impulse geben kann als Celozzi. Wie zuletzt häufig war es aber zunächst die linke Seite, über die der VfB Druck machte. Cristian Molinaro und Alexander Hleb haben sich dort zu einem prächtig harmonierenden Gespann entwickelt und sorgten auch diesmal für die erste gefährliche Szene: Nach einem Zuspiel Hlebs wurde der Schuss von Molinaro im letzten Moment abgeblockt (5.).

Mit gefährlichen Aktionen war es danach jedoch vorerst vorbei. Der VfB war die aktivere Mannschaft und häufiger am Ball – schaffte es aber nicht, sich gegen die Schalker Abwehr, die beste der Liga, entscheidend durchzusetzen. Und die Hausherren, auch im eigenen Stadion gewohnt defensiv eingestellt, beließen es ihrerseits bei eher zaghaften Angriffsversuchen.

So neutralisierten sich auf dem sehr schwer bespielbarem Platz beide Teams lange Zeit im Mittelfeld, bis der VfB kurz vor der Pause doch noch zu zwei dicken Torchancen kam: Erst scheiterte Pawel Pogrebnjak an Manuel Neuer (35.). Und nur eine Minute später war der Schalker Schlussmann erneut auf dem Posten, als es Kuzmanovic nach einem schönen Hleb-Pass mit einem Heber versuchte. “Da hätten wir konsequenter unsere Chancen nutzen müssen. Das kann sich in so einem Spiel rächen”, sagte der VfB-Manager Horst Heldt in der Pause.

Nur ein paar Sekunden dauerte es nach Wiederbeginn, bis sich Heldt in seiner Befürchtung bestätigt sah und der eingewechselte Edu die Schalker in Führung schoss. Bedanken durfte sich der Angreifer bei Serdar Tasci, der beim Versuch zu klären, den Ball aufgelegt hatte. Es spricht für den Verteidiger des VfB, dass er sich durch den Fehler nicht aus dem Konzept bringen ließ. Im Gegenteil: vier Minuten später war es Tasci, der zum Ausgleich einköpfte.

Die Freude allerdings währte nicht lange. Weitere fünf Minuten später geriet der VfB erneut in Rückstand – und wieder patzte die Hintermannschaft. Nach einem Freistoß klappte die Abseitsfalle nicht, Heiko Westermann stand frei und bediente Kevin Kuranyi, der den Ball über die Linie drückte. Energisch drückte der VfB anschließend auf den Ausgleich – die Mühen jedoch wurden nicht belohnt.

Nach dem Spiel blieben die Stuttgarter im Ruhrgebiet – und richteten den Blick bereits auf das Spiel in Barcelona. In Dortmund bittet Gross seine Team am Samstag zu einem Geheimtraining, bei dem Standardsituationen einstudiert werden sollen – und Spione aus Spanien unerwünscht sind.

FC Schalke 04:

Neuer – Rafinha, Höwedes, Bordon, Westermann – Matip (46. Baumjohann) – Kluge (85. Moritz), Rakitic, Schmitz -Farfán (46. Edu), Kuranyi

VfB Stuttgart:

Lehmann – Träsch, Tasci, Niedermeier, Molinaro – Kuzmanovic, Khedira – Gebhart (73. Rudy), Hleb (81. Marica) – Pogrebnjak, Cacau

Schiedsrichter:

Wagner (Hofheim)

Zuschauer:

61.673 (ausverkauft)

Tore:

1:0 Edu (46.), 1:1 Tasci (50.), 2:1 Kuranyi (55.)

Gelbe Karten:

Höwedes (2), Rafinha (7) / Niedermeier (1), Tasci (8)

(STZ online 14.3.10)

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