30. Januar 2017

Auswärtssieg am Millerntor!

Genau 42 Tage lagen zwischen der Schmach von Würzburg und dem Gastspiel zum Rückrundenauftakt am Hamburger Millerntor. 42 Tage Zeit, aus einer instabilen Truppe eine Mannschaft zu formen, die dem Druck aufsteigen zu müssen, auch standhält.

Auf den ersten Blick ist relativ wenig passiert. In Šunjić, Sama und Heise verließen drei Defensivspieler den Verein, während mit Julian Green lediglich ein (offensiver) Neuzugang vermeldet wurde. Dessen Verpflichtung allerdings unterstreicht, dass der VfB seine Verpflichtungen neuerdings mit Weitsicht tätigt und dann zuschlägt, wenn sich die Möglichkeit ergibt, auf einer Position, für die nicht unbedingt sofortiger Handlungsbedarf bestand.

Viel dringlicher wäre es, die vor allem nach den genannten Abgängen unterrepräsentierte Defensive zu stärken und diese Planstellen neu zu besetzen. Für die Innenverteidigung stehen gerade noch Timo Baumgartl, Marcin Kaminski und Benjamin Pavard zur Verfügung, auf der linken Außenverteidiger-Position hat Emiliano Insúa nach Heises Abgang überhaupt keinen Konkurrenten mehr, der ihm Druck machen könnte.

Eine Ausdünnung des Kaders sollte jedoch nicht nur negativ gesehen werden, hat doch ein jeder Trainer so seine eigenen Vorstellungen, was die Kadergröße angeht. Hannes Wolf ist einer, der sich als Fußballlehrer sieht und lieber „Inhalte“ in einer kleineren und aufnahmefähigeren Gruppe vermittelt, zudem hebt es die Stimmung in der Truppe an, wenn unzufriedene Recken abgegeben werden, die ohnehin ständig mit einem Wechsel kokettierten (Heise), Unsicherheitsfaktoren und in der VfB-Gemeinde nicht wohlgelitten waren (Šunjić) oder einfach den Ansprüchen (noch) nicht genügen (Sama).

Die Verletzungen von Tobias Werner, bei dem fast schon das Rückrundenaus zu befürchten ist, und in den ich nach dem Trainingslager große Hoffnungen setzte und der gestrigen von Matthias „Zimbo“ Zimmermann kamen freilich noch zur rechten Zeit, um sämtliche Alarmglocken schrillen zu lassen und in den letzten zwei Tagen der Transferperiode noch einmal aktiv zu werden. Man möchte sich nicht ausmalen, welches Chaos bei der derzeitigen Personaldecke auf einmal herrschen würde, sollte Timo Baumgartl, der auch gestern wieder ein überragendes Spiel machte, über einen längeren Zeitraum ausfallen.

Zimmermann fehlt zwar laut vfb.de „nur“ zwei bis drei Wochen, kennt man jedoch die Treffsicherheit unserer medizinischen Abteilung was Ausfall-Prognosen angeht, darf diese Zeitangabe getrost „mal zwei“ genommen werden, so dass uns Zimbo wohl erst im März wieder zur Verfügung stehen dürfte. Zimmermann wurde zwar durch Grgić, wie ich fand sehr ordentlich, ersetzt und Hajime Hosogai gibt es auch noch, dennoch würde ich mir im defensiven Mittelfeld noch einen kompromisslosen Abräumer Marke Drecksau wünschen, der dem Gegner schon durch seine bloße Anwesenheit Furcht einflößt.

Wie aus den Gesprächen mit Verantwortlichen und nah am Team befindlichen Leuten in Lagos herauszuhören war, steckt der VfB etwas im Dilemma, was Spielerverpflichtungen angeht. Man hat sich auf die Fahnen geschrieben, nur Jungs an den Neckar zu lotsen, die sich zum Verein bekennen und notfalls auch in einem zweiten Jahr in der 2. Liga zur Verfügung stehen würden, und, sie sollen nicht nur Lückenbüßer und Platzhalter sein, sondern dem Stamm Druck machen und Alternativen für die erste Elf darstellen.

Ich kann mit dieser neuen Denke zwar gut leben und hätte trotzdem Bauchschmerzen, würde man auf dem Transfermarkt nicht mehr zuschlagen. Da mit abgehalfterten und teuren Reservisten, wie wir sie mit Felipe und Haggui zum Beispiel schon zur Genüge hatten, eher nicht zu rechnen ist, hoffe ich insgeheim noch auf eine Transfersensation.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Ermin Bičakčić in Hoffenheim mit seiner Reservistenrolle zufrieden ist. Hier könnte Jan Schindelmeiser seine Kontakte nach Hoffenheim spielen lassen und Ermin zumindest leihweise zurück auf den Wasen holen. Bičakčić würde das Anforderungsprofil erfüllen, wäre er doch zum einen ein starker Nebenmann für Timo Baumgartl und vereint zum anderen Tugenden wie fußballerische Klasse, Kämpferherz und der noch immer vorhandenen Verbundenheit mit dem VfB.

In dieser Saison stand er lediglich an den ersten fünf Spieltagen in der Startelf und kam seit dem elften Spieltag überhaupt nicht mehr zum Einsatz. Dass er im Groll gegangen wäre, ist mir nicht bekannt. Er wollte spielen und der VfB legte ihm mit einer vergleichsweise geringen Ablöseforderung beim Wechsel nach Braunschweig keine Steine in den Weg, so dass der Wechsel aus meiner Sicht sauber vonstattenging.

Außer der (bisher) relativ ruhig verlaufenen Transferperiode war das Hauptthema natürlich die allererste Vorbereitung von Hannes Wolf und dabei vorwiegend das Trainingslager in Lagos. Meine Eindrücke habe ich an gleicher Stelle bereits geschildert, beeindruckend mit welcher Akribie Wolf arbeitet, auf dem Trainingsplatz Kommandos gibt und korrigierend eingreift. Nebenbei, auch dem kleiner gewordenen Kader geschuldet, scheint man in Sachen Teamgeist vorangekommen und die Stimmung bestens zu sein.

Die Wahrheit liegt aber bekanntlich auf dem Platz und so durfte die Mannschaft am gestrigen Sonntag in St. Pauli zeigen, welche Früchte das Trainingslager getragen hat.

Nach einer sehr kurzen Nacht begann der Tag mit dem vom Hamburger VfB-Fanclub Roter Brustring Hamburg (RBHH) veranstalteten Warm-Up-Frühschoppen in der Sportsbar „Relaunch“, in Sichtweite des Stadions gelegen, den wir uns natürlich entgehen ließen. Rund 150 VfBler, darunter die Fanbetreuung, stimmten sich bei Kaffee, Bier und Gesprächen auf den Rückrundenauftakt ein.

Den anschließenden, von der Polizei begleiteten, Marsch zum Gästeblock machten wir dann allerdings nicht mit, zum einen waren es noch zwei Stunden bis Spielbeginn, zum anderen wollten wir mit St. Paulianer Freunden vor dem Spiel noch dem Clubheim St. Pauli einen Besuch abstatten, abgesehen davon, dass wir ja ohnehin einen näher gelegenen Eingang zu nehmen hatten.

Für mich als St. Pauli-Sympathisant war es, zusammen mit der Reise an die Alte Försterei zu Union Berlin, DAS Highlight der Saison. In den letzten Jahren schaffte ich es in jeder Saison, trotz der Allesfahrerei mit dem VfB, wenigstens ein Heimspiel des FC St. Pauli zu besuchen und stehe dort gerne auch mal mit meinen Freunden beim „magischen FC auf der Süd, der Heimtribüne, wobei am Millerntor auch die Gegengerade und der Stehplatzbereich auf der Nordtribüne zum Heimbereich gerechnet werden können.

Für gestern, wo ich als Gegner zu Gast am Millerntor war, entschied ich mich bewusst für Plätze auf der Haupttribüne, um nicht unnötig zu provozieren. Die Gegengerade wäre auch eine Option gewesen, die es erlaubt hätte, gute Bilder von beiden Fanlagern zu machen. Da dort jedoch auch eine hohe Anzahl hartgesottener St. Pauli-Fans seine Heimat hat und man als Fanfotograf den einen oder anderen schon allein wegen der ständigen Knipserei nervt, entschloss ich mich, Karten auf der Haupttribüne zu ordern.

Das Stadion und die Atmosphäre am Millerntor faszinieren mich schon seit den 1980er-Jahren, seit ich eben das erste Mal dort zu Gast war und man dort noch zentimetertief im Schlamm watete, um zum Gästeblock zu gelangen. Schon damals entwickelte ich ein Faible für den Verein und den Stadtteil sowieso. Der FC St. Pauli ist in St. Pauli allgegenwärtig und wird von allen Bevölkerungsschichten gelebt, ob Punk, Obdachloser, Hure oder Banker, wenn’s ins Stadion geht, sind alle nur noch braun-weiß.

Im Stadion gefällt mir der Support und dass alle Tribünen in den Support eingebunden werden. Die Selbstironie, ohne die ein St. Paulianer wohl nicht überlebensfähig wäre, und dass man den sportlichen Erfolg oder Misserfolg nicht so bierernst nimmt wie andernorts, amüsiert mich bisweilen. Groß finde ich immer wieder, dass man die eigene Mannschaft während eines Spiels selten auspfeift und Ex-Spieler, wie gestern Daniel Ginczek, mit Applaus empfangen werden, während sie bei uns meist aus dem Stadion gepfiffen werden.

Was die übertriebene politische Correctness angeht, die auch gestern wieder wegen einer als sexistisch interpretierten Einblendung einer Werbetafel („nix für Pussies) zum Ausdruck kam, kann ich oft nur den Kopf schütteln, wie übrigens einige meiner Freunde bei St. Pauli auch.

Meine Sympathie beschränkt sich hier auf das atmosphärische, die coolen Leute und das meist friedliche Ambiente. Gestern war das Millerntor freilich nicht so laut, wie ich es schon erlebt habe, was ja auch gut für uns war.

Allein schon, dass in St. Pauli für die gegnerischen Fans deren Vereinshymne (gut, wir haben keine, dann kommt eben „VfB, ein Leben lang“) aus den Lautsprechern dröhnt, gibt dem Gast das Gefühl, in St. Pauli willkommen zu sein.

Weshalb dann aus unserem Block dieses unsägliche „Scheiß St. Pauli“ oder nach dem Führungstreffer „Absteiger, Absteiger“ Rufe kommen mussten, kann ich nicht nachvollziehen.

Gerade als ein der Tradition verschriebener Fußball-Fan, muss man doch schon ein ureigenes Interesse daran haben, dass ein Farbtupfer, wie es der FC St. Pauli zweifellos ist, dem bezahlten Fußball erhalten bleibt. Für mich, wie schon bei Union „Scheiß Berliner“ völlig daneben und zum schämen! Dies empfanden übrigens nicht „nur“ die St. Paulianer ums uns herum so, sondern auch die vielen, vielen VfB-Fans, die ebenfalls Karten in unserem Bereich ergattert hatten. Dort war die Atmosphäre absolut friedlich und schlug selbst nicht um, als sich in den letzten Minuten einige bei „Steht auf, wenn ihr Schwaben seid“ erhoben haben.

Das Spiel selbst würde ich als schwere Geburt bezeichnen. Hannes Wolf überraschte doch sehr mit der einen oder anderen Personalie. Während Neuzugang Green und Zimmer von Beginn an ran durften, fand sich die geballte fußballerische Kompetenz mit Mané, Maxim und Ginczek auf der Bank wieder. Allein die Aufstellung unterstrich, welches Spiel Hannes Wolf erwartete, nämlich ein kampfbetontes auf schwer zu bespielendem Untergrund. Zudem war er sich des Luxus‘ bewusst, gegen müder werdende Braun-Weiße hochwertig nachlegen zu können.

Das Spiel war eines auf mäßigem Niveau, indem ein Außenstehender kaum hätte erraten können, wer das Schlusslicht und wer Aufstiegsaspirant ist. Safety first lautete die Devise beim VfB, weshalb die Bälle eher humorlos ins Aus geschlagen wurden, als dass man versucht hätte, zu zaubern. Das hat Wolf den Jungs vom Neckar dann wohl in der Vorbereitung eingetrichtert, dass sie bei weitem nicht so gut und unfehlbar sind, wie es der eine oder andere vielleicht von sich denkt bzw. gedacht hat. Ich hoffe, diese Art und Weise war nicht nur ein Strohfeuer, sondern ist auch die Devise im weiteren Rückrundenverlauf. Unsere Nerven werden es ihnen danken!

So blieben Torchancen hüben und drüben Mangelware, die beste noch vergab Asano, als er frei vor Keeper Heerwagen auftauchte, diesem, der den Winkel geschickt verkürzte, jedoch in die Arme schoss. Nach einer halben Stunde bereits musste Grgić den verletzten Zimmermann ersetzen, ein Einsatz allerdings, den sich dieser in der Vorbereitung verdient hat. Nach den Eindrücken von Lagos rechnete ich ohnehin mit dem Schweiz-Kroaten in der Anfangsformation.

Julian Green fehlte noch die Bindung zum Spiel, auch wenn er die einzige Torchance im ersten Durchgang von Asano vorbereitet hatte, so dass er zur Pause durch Carlos Mané ersetzt wurde. Mané plagten laut Trainer Hannes Wolf noch Achillessehnenbeschwerden, so dass ein Einsatz über 90 Minuten nicht in Frage kam.

Auch in der zweiten Hälfte war zunächst eher der FC St. Pauli am Drücker und spielte sich beängstigend oft bis zur Grundlinie durch, brachte jedoch den letzten Pass nicht zum Mann, weshalb Mitch Langerak kaum einmal ernsthaft eingreifen musste.

Und trotzdem entwickelt sich Langerak für mich mehr und mehr zum Sorgenkind, fehlt ihm doch (derzeit) die für einen Torwart nötige Souveränität. Auf der Linie zwar stark, steht er mittlerweile in puncto mangelhafter Strafraumbeherrschung einem Sven Ulreich kaum mehr in etwas nach, so dass ich eine Torwartdiskussion befürchte, sollte sich Mitch nicht stabilisieren. Leider ist Jens Grahl jetzt nicht unbedingt DER große Konkurrent für ihn, den es für eine Konkurrenzsituation eigentlich bräuchte.

Wie schon im Hinspiel ging St. Pauli auch im Rückspiel mit zunehmender Spieldauer förmlich die Luft aus. Da rächte sich der Vollgasfußball, den man als Heimmannschaft vor begeisterungsfähiger Kulisse versucht zu spielen, während der Gast das Ganze eher dosiert angehen kann.

Ob das ausschließlich an der schwindenden Kraft der Hausherren gelegen hat oder ob die intensive Vorbereitung Hannes Wolfs erste Früchte trägt, wird der weitere Verlauf der Rückrunde zeigen. Seit langem konnte der VfB gegen Ende hin noch zulegen.

Spätestens mit der Einwechslung von Daniel Ginczek in der 74. Minute blies der VfB zur Schlussoffensive, während die sportliche Leitung damit zugleich das Signal an die Mannschaft sendete, hier unbedingt noch gewinnen zu wollen. Der VfB schnürte St. Pauli daraufhin mehr und mehr ein und die Einwechslung Ginczeks machte sich bereits zehn Minuten später bezahlt, als es gerade diese zusätzliche Anspielstation in vorderster Front war, die das Kopfballduell gewann und den Ball zu Terodde beförderte, dieser den Ball mit etwas Glück zu Mané spitzelte, welcher von der Strafraumgrenze aus mit einem sehenswerten Rechtsschuss in den Winkel die St. Paulianer mitten ins Herz traf. Man hatte schon fast (zwangsläufig) mit der Punkteteilung vorliebgenommen, als doch noch der Lucky Punch gelang.

Bitter natürlich für St. Pauli, denen ich von Herzen den Klassenerhalt gönne und für die ich hoffe, dass die Mechanismen des Geschäfts weiterhin nicht greifen und Ewald Lienen ihr Trainer bleibt. Eigentlich, finde ich als Außenstehender, passt Lienen wie die Faust aufs Auge zu St. Pauli, so dass es schon ein Jammer wäre, müssten sie sich jetzt trennen, nachdem man in der Vorsaison zwischenzeitlich gar vom Aufstieg träumte. Die Aufholjagd der Kiezkicker darf gerne am nächsten Wochenende beginnen, dann nämlich gastiert der FC in Braunschweig.

Für den VfB war dieser Arbeitssieg ein Auftakt nach Maß in die hoffentlich letzte Halbserie in der 2. Liga. Nach den beiden Niederlagen zum Abschluss des Jahres 2016 konnte diese Minikrise zudem beendet und der Grundstein für den Angriff auf die Tabellenspitze gelegt werden.

Nun folgen zwei Heimspiele in Folge, gegen Fortuna Düsseldorf und den SV Sandhausen. Auch wenn die Fortuna gegen eben jenes Sandhausen am Freitag 0:3 vor eigenem Publikum verloren hat, kommen bei mir äußerst unangenehme Erinnerungen hoch, wenn ich an unsere letzten Spiele gegen Fortuna zurückdenke.

Die Funkel-Elf ist ein Gegner, der uns absolut nicht liegt und gegen den wir es, trotz meist drückender Überlegenheit, nicht schaffen, dreifach zu punkten. Unser letzter Heimsieg gegen Fortuna stammt aus der Meistersaison 1992, wobei wir zugegebenermaßen seitdem auch selten mit ihr die Klingen kreuzten. Dennoch sage ich, Obacht und halte ein 0:0 für realistischer als einen berauschenden Heimsieg.

Eine glanzlose Nullnummer oder gar eine Heimniederlage wären die Höchststrafe, ist man als Arbeitnehmer doch schon begeistert genug, im Winter bei eisigen Temperaturen an einem Montagabend ins Stadion zu „müssen“.

Eine Prognose über den weiteren Saisonverlauf kann ich jetzt beim besten Willen noch nicht abgeben. Diese hängt zu sehr davon ab, wie erfolgreich der VfB noch auf dem Transfermarkt ist und ob nicht nur Ergänzungen, sondern auch Verstärkungen an Land gezogen werden können, morgen, am „Deadline-Day“ sind wir schlauer!

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22. Januar 2017

Mittendrin statt nur dabei

Auch wenn man das eigene Team mitunter verflucht und nicht mehr sehen kann, wenn die beiden letzten Spiele gegen Hannover 96 und die Würzburger Kickers sang- und klanglos verloren gehen, ist man nach ein paar Wochen Erholungspause für uns und dem Urlaub für die Spieler wieder heiß darauf, zu sehen, wie es weiter geht.

Die Hoffnung auf bessere Zeiten stirbt ja bekanntlich zuletzt, zudem war ich sehr gespannt, wie Trainer Hannes Wolf in Lagos seine erste Vorbereitung angehen werden würde.

Da die Sommertrainingslager mittlerweile sehr überlaufen sind und, vor allem wenn sie in den Sommerferien stattfinden von Familien mit kleinen Kindern und jungem Partyvolk übervölkert sind, findet man im Wintertrainingslager doch eine Atmosphäre vor, in der man „unter sich“ ist.

Hauptsächlich Allesfahrer verschiedener Fanclubs und Ultras-Gruppierungen sind dann vor Ort, eben Leute, die man kennt und mit denen man die Gelegenheit hat, sich besser kennenzulernen und gemeinsam etwas zu unternehmen.

Dass das Trainingslager außerdem auch die Möglichkeit bietet, dem kalten und grauen Deutschland eine Woche lang den Rücken zuzukehren und Sonne fürs Gemüt zu tanken, ist eine positive Begleiterscheinung, auch wenn man natürlich nicht drin steckt, welches Wetter einen denn erwarten würde.

Bereits vor zwei Jahren schlug der VfB an gleicher Stelle seine Zelte auf, damals war es für Portugal eher frisch und regnerisch. Wir hatten seinerzeit schon mal Temperaturen um die 12°, wenn dann noch Nieselregen und der typisch böige Wind am Atlantik hinzu kommen, wird es auch im Südwesten Europas ziemlich ungemütlich.

Dieses Mal freilich wurden wir von Sonne pur verwöhnt, das Thermometer kletterte nahe an die 20°-Marke und der Wind war nur an den ersten beiden Tagen etwas frisch. Als es bereits dem Ende unseres Aufenthalts zuging, erfolgte ein Temperatur-Sturz mit deutlich frischeren Temperaturen, ohne allerdings, dass der Sonnenschein nachgelassen hätte.

Der VfB buchte sich vom 13. bis zum 20. Januar ins Cascade Wellness & Lifestyle Resort ein. Wir planten unseren Aufenthalt umgehend nach Bekanntgabe des Termins, ebenfalls für eine Woche und nur um einen Tag nach vorne versetzt. Dies rührte daher, dass wir donnerstags günstig ab und bis Memmingen nach Faro reisen konnten, was uns leider das erst während des Trainingslagers vereinbarte Spiel in Huelva gegen Lausanne Sports (1:0) am Donnerstagabend kostete.

Im Vorfeld stimmten wir uns mit den Stammtrainingslagerfahrern ab, dass wir unser Domizil im 4-Sterne-Hotel Tivoli Lagos aufschlagen würden, das mitten im Zentrum von Lagos gelegen ist und einen Mietwagen bedingte, sofern man nicht vier Mal am Tag einen 45-minütigen Fußmarsch zum Trainingsgelände und zurück in Kauf nehmen oder aufs Taxi angewiesen sein wollte.

Den Mietwagen, der dank kostenlosem Upgrade ein Nissan Qashqai geworden ist, holten wir direkt am Flughafen ab und fuhren Donnerstagabend die 80 Kilometer von Faro nach Lagos. Einige Bekannte, die den gleichen Flieger ab Memmingen genommen hatten, trafen wir im Hotel wieder, so dass wir gegen 23 Uhr noch zusammen ins Adega da Marina essen gingen. Dieses Lokal gleicht eher einer Kantine denn einem Restaurant, so dass ich bereits bei unserem letzten Aufenthalt anmerkte, dort nicht mehr unbedingt hin zu wollen, doch, Donnerstagabend, 23 Uhr, hatten wir keine andere Möglichkeit mehr, so dass die Mahlzeit, Stichwort gewürzte Knochen, letztlich den Hauptzweck erfüllte, und uns so stärkte, um zum Abschluss des anstrengenden Anreisetages noch das eine oder andere Bierchen trinken zu können.

Den nächsten Tag dann hatten wir „frei“, da mit der Mannschaft erst gegen Spätnachmittag zu rechnen war. Planmäßige Ankunft des Teams war um 12 Uhr mittags in Lissabon, der noch eine gut dreistündige Busfahrt runter an die Algarve folgen sollte. Anders als noch vor zwei Jahren betrieb man nicht den Aufwand, den Mannschaftsbus gut 2.500 Kilometer voraus zu schicken, nur um die Mannschaft vom Flughafen abzuholen und wieder dorthin zu bringen. Die Wege in Lagos für das Team sind kurz, so dass der Bus noch vor zwei Jahren während des gesamten Aufenthalts eigentlich nur sinnlos herumgestanden war.

Wir nutzten unseren freien Tag ein paar kleinere Stadien entlang der Algarve abzuklappern und Bilder davon zu machen. Nahe Quarteira erinnerte ich mich an ein Schweizer Lokal in der Nähe, in dem ich während der Euro 2004, als wir unser Quartier in Quarteira aufgeschlagen hatten und per Mietwagen zwei Mal hoch nach Porto und einmal nach Lissabon zu den deutschen Spielen fuhren, das beste Cordon Bleu entlang der Algarve verköstigte.

Da beim ergoogeln der genauen Adresse Bewertungen vom Januar 2015 ins Auge stachen, stieg die Wahrscheinlichkeit, dass es das Restaurant noch gibt und auch, dass es im Winter geöffnet haben könnte. Eigentlich kamen wir zu spät dort an. Bis 15 Uhr hätte es warme Küche gegeben, das Küchenpersonal war nach Hause geschickt und doch wirkte bei der Gastwirtin meine Geschichte von 2004 und vor allem, dass ich mich noch an das gute Cordon Bleu von damals erinnern würde. So stellte sie sich selbst an den Herd, beorderte ihre greise und schwer auf den Beinen befindliche Mutter her und fing für uns das brutzeln an. Uns allen hat es sehr gemundet, so dass sich dieser Abstecher schon einmal gelohnt hat.

Den Gedanken, auch noch die Stadien in Faro in Angriff zu nehmen, verwarfen wir dann wieder. Zum einen machte das Essen träge und bremste unseren Tatendrang, zum anderen hatte es auch durchaus seinen Charme, das Team direkt nach Ankunft begrüßen zu können.

So fuhren wir also zurück und erhielten kurz vor der Ankunft am Tivoli eine SMS mit der Info, dass die Mannschaft ab 18 Uhr ihr erstes Training auf portugiesischem Boden im Estádio Municipal Fernando Cabrita in Lagos abhalten würde. Aufgrund schwerer Turbulenzen im deutschen Luftraum wegen des Wintereinbruchs war die Mannschaft verspätet gelandet. Da Hannes Wolf auf dieses erste Training Wert legte und der Trainingsplatz am Hotel kein Flutlicht besitzt, zog man kurzerhand ins Stadion um, was uns Gelegenheits-Groundhoppern natürlich sehr gelegen kam.

Das „Hallo“ war dann erst einmal groß, schließlich kennt man sich inzwischen, vor allem die Konstanten im Staff, ob Holger Laser, Günne Schäfer, Klenky, Peter Reichert oder Meuschi. Jedem mal hallo sagen. Hier wurde die Gelegenheit genutzt erste organisatorische Dinge in Erfahrung zu bringen und sich erklären zu lassen, weshalb bspw. Günther Schäfer entschied, den Mannschaftsbus zu Hause zu lassen. Das Training selbst war kurz und diente lediglich der Auflockerung der von Flug und Busfahrt geschundenen Muskulatur, für uns Fotografen waren die Lichtverhältnisse im Stadion sehr bescheiden, so dass der Smalltalk am Rande des Trainings ganz klar im Vordergrund stand.

Am nächsten Morgen dann stand das erste Training am Mannschaftshotel an. Dort trafen dann auch immer mehr (bekannte) VfBler ein, die vorwiegend von Frankfurt/ Hahn aus einschwebten, so dass sich auch da zunächst einmal eher Begrüßungsrituale und fachkundige Gespräche entwickelten, als dass man konzentriert das Training beobachten würde.

Da nicht nur die Mannschaft für die Rückrunde gewappnet sein muss sondern auch wir Fans und am Trainingsplatz erwartungsgemäß wieder kein Getränkeverkauf stattgefunden hat, führte uns unser erster Weg nach dem Training, jetzt wo wir nahezu komplett waren, zunächst einmal in den Supermarkt. Wie bei einem Flashmob fanden sich in diesem unverabredet immer mehr VfBler ein, so dass wir zeitweise den kompletten Betrieb lahm legten.

Wir, eben ganz Schwaben, hatten ein Sonderangebot über 20 Sagres-Fläschchen im Auge, von dem sich lediglich zwei Pack im Regal befanden. Da das 30er-Päckle ungefähr das Dreifache dessen kostete, machten wir Rabatz an der Kasse, dass sich schnellstmöglich jemand ins Lager bewegen und Nachschub besorgen sollte.

Nach kurzen Diskussionen wurde diesem Wunsch dann auch entsprochen, auch wenn die Wartezeit daraufhin zäh war. Währenddessen „warnten“ wir später eintreffende VfBler vor dem (teuren) Fehlkauf, so dass ein heilloses Durcheinander im Intermarché die Folge war und sämtliche Kassen blockiert waren. Nachdem alles zu unserer Zufriedenheit abgewickelt war, feierten wir eine kleine aber feine spontane Supermarkt-Parkplatz-Party, das Leben ist schön!

Danach ging es dann zu unserem ersten Fußballspiel während unseres Aufenthalts, erneut ins Estádio Municipal Fernando Cabrita zum 4.-Ligaspiel C.F. Esperança de Lagos-Futebol Clube de Ferreiras, welches 1:1 endete. Knapp 200 Zuschauer, darunter zwischen 20 und 30 VfBler sahen einen Kick auf mäßigem Niveau, der dennoch lustig war und Spaß machte. Bei Bier für einen Euro, Erdnüssen und Sonne pur lernten wir in der Kürze der Zeit sogar die Lieder der Lagos-Fanszene, welche teilweise Ohrwurmcharakter besitzen und einen bis heute nicht mehr los lassen.

Den darauf folgenden Abend, an dem erstmals alle zusammen waren und die Shaker-Bar unsicher gemacht wurde, würde ich schon heute als legendär bezeichnen. Noch habe ich keine allzu aussagekräftigen Bilder oder gar Videos davon gesehen, weiß aber, dass welche „in der Mache“ sind.

Am nächsten Morgen um 11.15 Uhr besuchten wir dann noch das 2. Liga-Spiel SC Portimonense- Sporting Lissabon B im Estádio Municipal de Portimão. Die gut 20 Kilometer lange Anfahrt sollte sich lohnen, war dort doch etwas mehr Stadionatmosphäre zu spüren als tags zuvor in Lagos. Die langen Schlangen, sowohl an den Ticketschaltern als auch später zum Einlass ins Stadion ließen nichts Gutes vermuten, waren wir doch schon recht knapp dran. So verpassten wir die Anfangsminuten dieses einseitigen Spiels, das Portimão klar mit 4:0 für sich entschied. Die Uhrzeit wäre prädestiniert gewesen, einen Frühschoppen abzuhalten, leider wurde jedoch nur alkoholfrei ausgeschenkt. Hat diese Unsitte also auch schon die zweite portugiesische Liga erreicht, mir fehl(t)en die Worte.

Nach dem Spiel hieß es die Füße in die Hand zu nehmen und sich zu sputen, wartete doch schon um 14 Uhr das Aufeinandertreffen unserer Brustringträger mit dem MSV Duisburg auf uns, dem einzigen VfB-Testspiel während unseres Aufenthalts.

Eine Trainingseinheit verpassten wir an diesem Morgen nicht, Trainer Hannes Wolf legte offensichtlich wert auf eine frische Mannschaft und echte Erkenntnisse aus diesem Test. Diese waren dann schließlich, dass sich die Truppe defensiv zu stabilisieren scheint, vorne jedoch noch die Durchschlagskraft fehlt, folgerichtig das Ergebnis: 0:0.

Hannes Wolf hat gleich zu Beginn des Trainingslagers den Mannschaftsrat selbst bestimmt, wohl auch, um einem unerwünschten und unvorhersehbaren Wahlergebnis vorzugreifen und dieses somit zu verhindern. Meiner Meinung nach fand er dabei eine gute Mischung, die zugleich Achse auf dem Platz werden soll, indem er Keeper Mitch Langerak, Abwehrchef Timo Baumgartl, Kapitän und „Mittelfeld-Regisseur“ Christian Gentner sowie Sturmtank Simon Terodde für befähigt hält, in dieser Truppe den Ton anzugeben. Charakterlich hat er bei seiner Auswahl sicherlich ins Schwarze getroffen, inwieweit sich deren Standing im Team weiter erhöht und sie die Akzeptanz des restlichen Teams haben werden, bleibt abzuwarten. Akzeptanz erwirbt man sich immer am besten dadurch, wenn es einem gelingt, mit Leistung voran zu gehen.

Am nächsten Tag stand für mich nach dem einzigen Training am Vormittag ein absolutes Highlight auf dem Programm. Seit 1983 war ich unzählige Male an der Algarve und schlug dabei vor allem in den „wilden“ 80ern mein Lager stets in Sagres auf. Sagres ist bis heute eine Oase der Ruhe und Anziehungspunkt für unzählige Hippies und Aussteiger, fernab des Massentourismus à la Praia da Rocha (bei Portimão) und Albufeira.

Mit dem Örtchen, in dem mein damaliges Stammlokal Rosa Dos Ventos leider geschlossen ist und in sich zusammen zu fallen scheint, verbinden mich unzählige schöne Erinnerungen, so dass es immer auch eine Reise in die Vergangenheit ist, an einen Ort an dem man die Seele baumeln lassen kann.

Etwa sechs Kilometer von Sagres entfernt befindet sich das Cabo de São Vicente, der südwestlichste Zipfel Europas, an dem mittlerweile in den Sommermonaten die letzte Bratwurst vor Amerika verkauft wird.

Die für die Algarve typische Felsküste, der nahe gelegene Strand von Beliche, die Wellen, die von allen Seiten an die Felsen knallen, all das macht für mich das Cabo zu einem magischen Ort, an den ich bei jedem Algarve-Aufenthalt gerne und fast zwangsläufig zurückkehre.

Vor zwei Jahren noch peitschte der Wind derart, dass wir die Autotüren kaum öffnen konnten, dieses Mal war es weitaus angenehmer bei mäßigem Wind und strahlendem Sonnenschein. Mit den anderen VfBlern verabredeten wir uns am Kap, machten schöne Erinnerungs- und Gruppenfotos und nahmen schließlich in Sagres an der Praca da Republica noch einen kleinen Imbiss ein, bevor es wieder zurück nach Lagos ging. Da am Abend kein Training angesetzt war, konnten wir diesen Nachmittag sehr gechillt verbringen und vor allem ich in Erinnerungen schwelgen.

Der Abend im einzigen Irish Pub von Lagos, der zudem nur etwa 50 Meter entfernt von unserem Hotel entfernt ist, hatte es dann auch noch in sich. Ich weiß nicht mehr, wie oft wir an diesem Abend unser letztes Bier getrunken haben, jedenfalls zogen sich diese bis fast vier Uhr morgens hin. Der Wirt, aufgrund seines Bartes selbsternannter Santa Claus von Lagos und seine hinter dem Tresen schuftende Tochter schlossen das Lokal pflichtgemäß um 2 Uhr nachts ab.

Dann bekamen wir im eigentlichen Nichtraucher-Lokal Aschenbecher hingestellt und wurden gebeten, uns ruhig zu verhalten, da die Polizeistunde bereits vorüber war und die waschechten Iren sonst Ärger bekommen könnten. So entwickelte sich ein extrem lustiges Beisammensein, bei dem man schnell die Zeit vergaß!

Am nächsten Morgen schwächelten mein Zimmergenosse und ich dann, indem wir die Aufforderung, „wer bis 9 Uhr nicht fertig ist, kann liegenbleiben“ wörtlich (wie auch sonst?!) nahmen und liegen blieben. Die anderen setzten die Stadiontour gen Faro fort, wir starteten weitaus gemütlicher in den Tag und päppelten uns mit Kaffee und Mineralwasser langsam auf. Noch ohne gefrühschoppt zu haben, wurden wir von Holger Laser für vfb-tv zum Interview gebeten, was vielleicht erklärt, dass ich sprichwörtlich einen Kloß im Hals hatte. Naja, war ja „nur“ für die VfB-Familie…

Die Tradition eines Fanabends, bei dem sich einige Spieler und Offizielle an der Bar des Mannschaftshotels blicken lassen und der VfB die Zeche (bis zu einer bestimmten Uhrzeit) für Bier, Wein und Softgetränke übernimmt, setzte sich auch dieses Mal fort. Im Gegensatz zu so manchem Sommertrainingslager, wo der komplette Trainerstab und alle Spieler diesen Pflichttermin wahrnehmen (müssen), werden bei Wintertrainingslagern in der Regel eine Handvoll Spieler abgesandt.

Die Anordnung der Spieler auf die Tische war recht ungleich um nicht zu sagen unglücklich verteilt. Saßen an einem Tisch mit fünf Fans gleich vier Spieler (Großkreutz, Özcan, Gentner, Zimmer) konnte sich bspw. mein Tisch und jener nebenan um Matthias Zimmermann „streiten“.

Mitch Langerak war einziger Matador an einem weiteren Tisch, sowie Simon Terodde an jenem vom Rest unserer Reisegruppe. Terodde muss dabei einen erstklassigen Eindruck hinterlassen haben und war selbst so interessiert an unserem Fan-Leben, dass er auch einige Fragen mitgebracht hatte. Zudem richtete er durch die Blume formuliert Erwartungen an die Fans was deren Umgang mit der Mannschaft betrifft. Besonders im Gedächtnis blieb ihm dabei seine Zeit bei Union Berlin und deren Kodex, die eigene Mannschaft niemals während des Spiels auszupfeifen, ihr den Rücken zuzukehren oder das Spiel vorzeitig zu verlassen.

Langerak interessierte mich an diesem Abend ohnehin weniger, weil ich mich mit ihm in Grassau schon ausführlich unterhalten konnte, Großkreutz und Gentner waren ohnehin von einigen umgarnt, so dass ich dann nach einiger Zeit und einigen Bier doch noch mit Matthias Zimmermann ins Gespräch einstieg.

Leider fehlte mir bei ihm eine vernünftige Basis, weil er ziemlich desinteressiert wirkte und Phrasen wie vor Fernsehkameras von sich gab. Unter der Hand war während des Camps schon wieder zu hören, dass es in der Mannschaft Grüppchen gäbe, die eher gegen- als miteinander arbeiten würden, so dass ich Zimmermann unter anderem nach dem Teamgeist und ob alle miteinander auskämen befragte, wobei er mit „alles bestens“ antwortete. Dass Spieler, bei dem, was sie sagen, vorsichtig sind und einem nicht alles aufs Brot schmieren, ist natürlich und bin ich ja auch gewohnt, dass einer dabei aber stromlinienförmig antwortet und keine Vorlagen liefert, auch zwischen den Zeilen zu lesen, langweilt mich dann schon extrem.

Berkay Özcan sprach ich dann, kurz bevor er ging, auch noch an und redete mit ihm über den Mercedes-Benz Juniorcup, bei dem er im Vorjahr noch Spieler und in diesem Jahr Zaungast war. Dabei war seine steile Karriere und auch seine Freundschaft zu Mesut Özil ein Thema. Der Junge gefiel mir, weil er schnell, authentisch und ungekünstelt antwortete und einen freundlichen Eindruck hinterließ.

Außer Kevin Großkreutz (!) verließen die anderen Spieler die Veranstaltung nach und nach, so dass wir, auch weil wir nach dem offiziellen Teil weiter bleiben durften, in sehr gute Gespräche mit Fanbetreuung, Ultras und Fanclubvertretern einstiegen und so einiges über deren jeweilige Organisation und Aktionen erfuhren. Dies unterstrich einmal mehr den Zusammenhalt in der Fanszene und dass man eher nach dem gemeinsamen Nenner als nach Konfrontation strebt. So war dies an diesem Abend für mich das eigentliche Highlight.

Der Abend wurde lang und wäre möglicherweise noch länger geworden, wenn nicht vier Vertreter einer kleineren Ultras-Gruppierung, die mir schon beim Hochhalten eines Banners über Bibiana Steinhaus gegen Heidenheim negativ aufgefallen war, nichts Besseres zu tun gehabt hatten, als in der Hotelbar eines Luxushotels niveaulose Gesänge anstimmen zu müssen und nicht einmal bemerkt haben, dass dies in jeglicher Hinsicht, nicht nur des Ambientes wegen, daneben war und keiner der anderen Anwesenden mit eingestimmt hatte.

Das war negativer Höhepunkt eines ansonsten sehr schönen Abends. Dafür dürfen wir dem VfB dankbar sein und es weiterhin nicht als selbstverständlich erachten. Deshalb ärgert es mich auch sehr, wenn einige wenige bei solchen Gelegenheiten über die Stränge schlagen und die Gefahr dadurch erhöhen, dass solche Fanabende irgendwann der Vergangenheit angehören könnten.

Freilich würde sich der Verein ein Stück weit auch ins eigene Fleisch schneiden, würde er jene bestrafen, die sich zu benehmen wissen. Als Fan hat man nämlich selten Gelegenheit so nah am Puls des Vereins zu sein und sich durchaus auch die Sorgen und Nöte der Protagonisten anzuhören und für gewisse Verhaltensmuster ein Verständnis zu entwickeln. Daher können solche Fanabende dem Verein auch nützen, vor allem wenn man sich in der Bringschuld sieht und Vertrauen neu aufbauen möchte. In lockerer Atmosphäre unter Palmen und weit weg vom sonst vorherrschenden Ligadruck lässt es sich gut aufeinander zugehen!

Quelle: vfb.de

An unserem letzten Tag standen noch zwei Trainingseinheiten an. Während der ersten lud die Fanbetreuung einige Auserwählte zu einem Gespräch nach dem zweiten Training mit dem inzwischen eingeflogenen Präsidenten Wolfgang Dietrich ein. Dieser sei interessiert an einem Gespräch mit dem anwesenden Querschnitt an Fans, was ich sofort begrüßte.

Dietrich hat sich nach seinem schlechten Wahlergebnis, schließlich war er der alleinige Präsidentschaftskandidat, auf die Fahne geschrieben, die Leute mitnehmen und bis zur nächsten Mitgliederversammlung die Zustimmung für ihn steigern zu wollen.

Wenngleich ich Dietrich nicht gewählt habe und mir dabei weniger seine Vorgeschichte als S21-Sprecher und sein Schaffen als ehemaliger Inhaber eines undurchsichtigen Firmengeflechts ein Dorn im Auge waren, als die Tatsache, dass er wieder mal einziger Kandidat des ungeliebten Aufsichtsrats war und gegen alle Widerstände durchgeboxt wurde, habe ich es mir nach seiner Wahl vorgenommen, möglichst unvoreingenommen heranzugehen und zu gegebener Zeit über seine Taten zu urteilen.

Auch wenn die Art und Weise seiner Wahl weh tat und noch immer weh tut, muss jetzt der Verein im Vordergrund stehen. Dass dieser wieder in ruhigere Fahrwasser gerät, dafür braucht es Ruhe und keine Nebenkriegsschauplätze.

Dass sich Dietrich auch noch nach seiner Wahl auf Werbetour zu befinden scheint, spricht für sich und unterstreicht, wie er kämpfen muss, um die VfB-Gemeinde zu einen und von sich zu überzeugen. Diese “Tingelei” empfinde ich jedoch als legitim und, wie man hört, sehen bereits jetzt viele in ihm einen guten Präsidenten und den Verein insgesamt mit dem neuen Vorstand gut aufgestellt. Vom Fanclub Courage Gerlingen, den er beim Auftakt seines Jubiläumsjahres (10 Jahre) beehrte, hörte ich bereits, dass er dort einige Pluspunkte sammeln konnte.

Dass sich Dietrich überhaupt die Zeit nimmt und von sich aus an einem Dialog mit den Fans interessiert ist, werte ich jedenfalls als Positivum, dass wir binnen 24 Stunden zum zweiten Mal im erlauchten Ambiente des Mannschaftshotels empfangen wurden, als nicht selbstverständlich und schönen Nebeneffekt. Für Fragen ein anderes Ressort betreffend hat Dietrich zudem Marketing-Vorstand Jochen Röttgermann mitgebracht, der ebenfalls aktiv in die Runde eingebunden war.

Dietrich machte in Sachen Ausgliederung aus seinem Herzen keine Mördergrube und erklärte, dass sie für ihn zwar unumgänglich sei, die Entscheidung darüber, so oder so, jedoch in diesem Jahr vom Tisch sein müsse und dann auch als gegeben akzeptiert werde. Er wolle zwar keine Kritik an seinen Vorgängern üben, ABER, auf gut deutsch gab es in den letzten vier, fünf Jahren nur dieses eine Thema, weshalb das Tagesgeschäft sträflich vernachlässigt wurde.

Der Vereinsführung ist es klar, dass zunächst einmal Vertrauen der Mitglieder zurückgewonnen werden muss, ehe man reelle Chancen hat, die Ausgliederung durchzubekommen. An diesem Vertrauen kann u. a. durch solche Gespräche, VfB im Dialog oder auch durch Regionalversammlungen gefeilt werden, wenngleich alles mit der sportlichen Entwicklung steht und fällt.

Mein Hinrunden-Fazit fiel fatal aus und barg die unmissverständliche Forderung nach charakterstarken Neuzugängen, vorrangig im zentralen Mittelfeld, in sich. Bislang ist eher das Gegenteil der Fall, der VfB gab Spieler wie Sunjic, Sama und Besuschkow ab und verstärkte sich lediglich mit Julian Green. Dass bisweilen auch bei Abgängen von „Verstärkungen“ geredet werden kann, begründet sich damit, wenn man unzufriedene Spieler mit Stinkstiefelpotential von der Kaderliste bekommt und dadurch schon die Stimmung im Team angehoben wird. Unzufrieden waren die Genannten allesamt, ob sie auch schlechte Stimmung verbreiteten vermag ich nicht zu beurteilen.

Aus der Unterredung mit Dietrich blieb ferner hängen, dass Hannes Wolf davon überzeugt sei, mit diesem Kader den Aufstieg zu schaffen, unabhängig davon, ob noch Neuzugänge verpflichtet werden können oder nicht.

Auf meine Frage, ob denn noch der eine oder andere neue zu erwarten sei, antwortete Dietrich dann auch vorsichtig, für mich jedoch absolut plausibel und nachvollziehbar. Der VfB sei gewillt auch nicht nur einen einzigen Euro bei Transfergeschäften zu verschwenden. Man werde nur Spieler holen, die die Mannschaft sofort weiterbringen und keine für die Bank. Bankdrücker habe man bereits genügend, die seien es gewohnt, während Neue Unzufriedenheit und Unruhe hineinbrächten.

Ferner sei es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig Spieler zu finden, die unser Team sofort verstärken, im Fall des Aufstiegs auch bundesligatauglich und gleichzeitig bereit wären, auch ein zweites Jahr zweite Bundesliga zu spielen.

Julian Green habe man nur geholt, weil ihn Marc Kienle aus seiner Zeit als Jugendleiter bei den Bayern kennt und Jürgen Klinsmann als US-Nationaltrainer, der noch immer nah am Verein ist, nur Gutes über den Jungen zu berichten gehabt habe.

Dies unterstreicht doch unser aller Forderung, künftig neben den fußballerischen Fähigkeiten vor allem auf die charakterlichen Eigenschaften zu achten und Schnellschüsse zu vermeiden. Unter dieser Prämisse kann ich mittlerweile gut ohne weitere Neuzugänge leben, bevor man sich Legionäre wie vor Jahresfrist Artem Kravets ins Haus holt, die einzig und allein an ihrem Gehaltsscheck interessiert sind und dem Gesamtgefüge eher schaden.

Zudem habe ich großes Vertrauen in die Arbeit von Hannes Wolf und traue es ihm zu, dass er aus dieser jetzt bestehenden Truppe das Bestmögliche herausholen und der Aufstieg in einer relativ schwachen 2. Liga auch ohne weitere Zukäufe ohne Wenn und Aber gelingen wird.

Ich ging mit einem guten Gefühl aus diesem Austausch und hoffe, dass sich dieses nicht als trügerisch erweist. Es ist bei weitem nicht so, dass ich nicht auch gerne noch einen namhaften Neuzugang hätte, bin aber Realist genug einzusehen, dass die Möglichkeiten auf dem Wintertransfermarkt stark beschränkt sind und zuerst die Bundesligisten zugreifen dürfen, bevor die unterklassigen Teams dran sind.

Zum Abschluss dieser Unterredung stand uns in kleinem Kreis dann noch Jochen Röttgermann Rede und Antwort und erweckte dabei ebenfalls einen lockeren und zugänglichen Eindruck.

Mein Eindruck von Wolfgang Dietrich nach dieser Runde hat sich etwas gebessert. Es scheint wirklich so zu sein, dass sich der Verein öffnet und transparenter werden möchte, wenn einem angeboten wird, jederzeit um ein persönliches Gespräch bitten zu können, was sowohl Dietrich als auch Röttgermann betraf.

Dietrich erweckte immerhin den Eindruck, sich Sorgen und Nöte von Fans und Mitgliedern anhören und sich ihrer annehmen zu wollen. Ob diese neue Offenheit nur ein Strohfeuer ist und wir Dietrich, wie viele befürchten, erst noch richtig kennen lernen werden, wird die Zukunft erweisen.

Ich für meinen Teil werde seinen weiteren Werdegang weiterhin misstrauisch und kritisch begleiten, hoffe aber, dass er die anfänglichen Zweifel zerstreuen kann und der Verein endlich zur Ruhe kommt.

Quelle: https://www.facebook.com/wolfgangdietrich

Noch aber sind meine größten Hoffnungsträger in diesem Verein Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, die schon jetzt, nach kurzem Wirken, einen neuen Geist hineinbrachten und weniger reden als dass sie schaffen. Es siecht schwer nach einem konsequenten Plan aus, was sie bisher bewerkstelligt haben. Der Kaderumbau ist, trotz beschränkter Möglichkeiten jetzt im Winter, in vollem Gange und wird sicherlich im Sommer sehr gravierend ausfallen. Diesen Herren sollte unser volles Vertrauen gelten, auch wenn wir, wie zum Ende der Vorrunde erlebt, vor Rückschlägen auch in Zukunft nicht gefeit sein werden. Die 2. Liga bietet die große Möglichkeit, den Verein zu konsolidieren und gleichzeitig auf ein solides Fundament zu stellen, und das im Einklang mit dem großen Ziel direkter Wiederaufstieg.

Vor allem Wolf erweckt mir den Eindruck, dass bei allem, was er tut, ein Plan dahinter steckt und er nichts dem Zufall überlässt. Trainer sind bei uns in den letzten Jahren bereits genug gescheitert, es ist an der Zeit, dass wir mal einem vertrauen und nicht gleich wieder alles schlecht reden, wenn etwas auf Anhieb nicht wie geschnürt läuft. Auch das ist ein Fazit unseres Portugal-Trips, jeder, wirklich jeder schwärmt in höchsten Tönen von Hannes Wolf, so dass auch wir Fans einen Teufel tun sollten, ihn wie viele seiner Vorgänger vom Hof zu jagen, bevor seine Mission hier nicht erfüllt ist. In einigen Zeitungsartikeln vor Weihnachten wurde bereits Kritik an Wolf laut, aus der Fanszene weniger. Es gilt auch hier zusammen zu stehen und dem Neuaufbau die nötige Zeit einzuräumen, ohne bereits jetzt wieder Köpfe zu fordern. Das sollte uns die jüngere Vergangenheit gelehrt haben, es kommt selten was noch Besseres nach!

Nach Lagos ist vor St. Pauli. Ich zähle bereits die Tage, bis es mal wieder um Punkte am Millerntor geht. Dort erwartet den VfB gleich die erste Reifeprüfung bei einem Gegner, der zum Ende der Hinrunde Morgenluft schnupperte und sich im Winter ordentlich verstärkt hat. Jedem, der nur annähernd mit Fußball etwas am Hut hat, ist es klar, dass es in St. Pauli nur über den Kampf gehen wird und man Nehmerqualitäten an den Tag legen muss. Dort kann sich zeigen, ob das Team aus dem Würzburg-Debakel seine Lehren gezogen hat, wenngleich sich die Mannschaft auch (fast) ohne Neuzugänge verändert hat. Die Neubesetzung des Mannschaftsrats gibt eine klare Hierarchie vor, Ginczek ist wieder fit und Anto Grgic scheint sich mittlerweile (endlich) ins Team gespielt und die Variationsmöglichkeiten im Mittelfeld erhöht zu haben.

Ich freue mich sehr auf kommenden Sonntag, schätze ich nicht nur die einzigartige Atmosphäre am Millerntor, sondern hege auch Sympathien für den Kiez-Club und habe einige Freunde dort.

Diese Freundschaft wird jedoch während der 90 Minuten ruhen, spielen wir in der gleichen Liga gibt es auch für mich selbstredend nur den VfB und nichts Anderes. St. Pauli wünsche ich zwar den Klassenerhalt, jedoch keine Punkte am Sonntag. Eher im Gegenteil, hat St. Pauli der gute Auftritt im Neckarstadion zu Saisonbeginn und die späte und unglückliche Niederlage im weiteren Saisonverlauf eher geschadet, hoffe ich nun auf einen desaströsen Auftritt der Kiez-Kicker mit gegenteiligem weiteren Verlauf in der Rückrunde.

Der VfB kann sich wieder großer Unterstützung sicher sein, bei keinem anderen Spiel in dieser Runde zuvor schien die Kartennot so groß gewesen zu sein, wie vor dem Aufeinandertreffen mit dem FC St. Pauli. St. Pauli ist nicht nur wegen des Stadions und der Atmosphäre ein Highlight im Fußballkalender, nein, auch die Stadt Hamburg lockt und ist jederzeit eine Reise wert.

So bemüht sich scheinbar jedermann um Karten. Viele, die jetzt noch händeringend nach Karten suchen, sind sogenannte Rosinenpicker, die diese eine Spiel auswärts machen wollen, die man sonst und zu ungünstigeren Anstoßterminen aber eher selten antrifft. Das sind dann auch jene, die die horrende Preistreiberei auf den einschlägigen Internetplattformen am Leben erhalten, indem sie für ihr einziges Auswärtsspiel bereit sind, tief in die Tasche zu greifen. Jedem dieser „Fans“ sei angeraten, überteuert erworbene Tickets dem Verein zu melden, damit dieser gegen den Verkäufer vorgehen kann. Mittlerweile wird jedes verkaufte Ticket mit der Seriennummer registriert, so dass jenen Leuten, die sich auf Kosten echter Fans eine goldene Nase verdienen möchten, der Garaus gemacht werden kann und sie von weiteren Ticketkäufen ausgeschlossen werden können. Es wäre wünschenswert, ginge der Verein konsequent gegen sie vor.

Dies ist jedoch nur ein Randthema in der noch immer vorherrschenden Euphorie. Die VfB-Gemeinde ist heiß auf den Rückrundenstart, heiß auf unser vermeintlich letztes Halbjahr in der 2. Liga. Um diese Euphorie am Leben zu erhalten, wäre ein ordentlicher Start in St. Pauli und bei den darauffolgenden zwei Heimspielen gegen Düsseldorf und Sandhausen Gold wert.

Ich bin zuversichtlich, dass Wolf seine Jungs langsam dort hat, wo er sie haben möchte und die Mannschaft nach und nach kapiert, was Wolf von ihr erwartet. Dies ist meine Erkenntnis des Trainingslagers, es kann auch ohne weitere Neuzugänge funktionieren, wenn ein Rädchen ins andere greift und Wolf die vorhandene Truppe besser gemacht hat. Unser bester Fußballlehrer seit langem ist Wolf für mich jetzt schon, hat er es geschafft, in der Winterpause aus diesem Spielermaterial eine funktionierende und ordentlich spielende Mannschaft zu formen, hat er das Zeug ein wirklich Großer zu werden. Wir werden sehen!

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17. August 2016

Träumen ist erlaubt!

Zwei Spiele, drei Punkte, zwei Tore! So die Bilanz nach den ersten beiden Zweitligapartien des VfB seit 39 Jahren. Die Ausbeute, durchwachsen, die Auftritte, ernüchternd, teils beschämend. Dass der angestrebte Wiederaufstieg kein Selbstläufer werden würde und auch die 2. Liga den einen oder anderen Stolperstein zu bieten hat, war von vornherein klar. Dass aber auch noch Mitte August mit einer Rumpfmannschaft gespielt wird, der Kader für einzelne Positionen überhaupt nichts her gibt und sich noch immer zu viele Absteiger, die keinen Abnehmer finden, in der Truppe tummeln, hätte ich so nicht erwartet.

Gut, es sind noch zwei Wochen Zeit den Kader verbessern und die Saison ist noch lang. Daher ist also noch nicht der Zeitpunkt gekommen, in Panik zu verfallen.

Und doch ist nach den ersten beiden Spielen Ernüchterung eingekehrt, weil der VfB dort weiter macht, wo er in der Bundesliga aufgehört hat. Es hat geradezu den Anschein, der VfB habe seine Spielweise von der Bundes- in die 2. Liga hinüber „gerettet“, was jedoch kein Grund zur Freude, sondern eher einer zum Durchdrehen ist.

Gegen St. Pauli noch, so schlecht vor allem die erste Halbzeit war, konnte man am Ende konstatieren, dass es mehr als drei Punkte auch in diesem Spiel nicht zu gewinnen gab, der Trainer am Ende alles richtig gemacht hatte und, dass der VfB sich ja sicherlich steigern und noch richtig in der 2. Liga ankommen würde. Zudem machte Mut, dass man in der Bundesliga nach einem derartigen Auftritt wohl gegen jeden Gegner eine Klatsche kassiert hätte, er in der 2. Liga jedoch zu einem Sieg reichte.

Der Druck auf die Mannschaft war natürlich enorm, nicht nur wegen des äußeren Rahmens, rannten doch unglaubliche 60.000 Zuschauer dem VfB zum Ligaauftakt die Bude ein. Jedem im Verein ist es klar, dass nur der sofortige Wiederaufstieg zählt, jedem ist auch klar, dass die enorme Unterstützung schnell abflauen dürfte, wenn sich nicht umgehend erste Erfolge einstellen sollten und der VfB nicht permanent oben mitspielt. Die stark ersatzgeschwächte und mit einigen Youngstern gespickte Truppe hatte große Schwierigkeiten ins Spiel zu finden und sich auf die bissigen und disziplinierten St. Paulianer einzustellen.
Luhukay wartete bei seiner Aufstellung mit einer großen Überraschung auf. Trotz (oder vielleicht gerade wegen?) der Personalmisere setzte er den neuen alten Hoffnungsträger auf der „10“ auf die Ersatzbank und ließ stattdessen Berkay Özcan von Beginn an auflaufen. Nachdem ich kurz geschluckt hatte, war meine Reaktion, „wenn das mal nicht ein Schachzug ist“! Wer, wenn nicht Maxim, hätte denn sonst die Fähigkeit gehabt, ein Spiel im Bedarfsfall zu drehen? Kliment, Tashchy, Özcan? Ich meine, keiner, außer eben Alexandru Maxim, der seine besten Spiele im VfB-Dress ohnehin in der Joker-Rolle hingelegt hat. Bitter zwar für einen, nach dessen Selbstverständnis er Stammspieler sein müsste, aber, im Mannschaftssport sollte ein jeder die Rolle akzeptieren, in der er für die Mannschaft am wertvollsten ist.

Die Geschichte des Spiels ist bekannt. Wir lagen zur Pause zurück, Maxim kam, sah, und wir siegten! Andere Vereine betreffend wird bei einer solchen Geschichte gerne das Händchen des Trainers gelobt. Nicht so bei uns, ein Shitstorm sondergleichen zog über die sozialen Netzwerke hinweg, gar die Grundsatzfrage Maxim oder Luhukay wurde gestellt. Maxims Berater Herbert Briem suchte die Stuttgarter Käseblätter auf und diese druckten die „Story“ bereitwillig ab. Anstatt sich als Partner des VfB zu sehen und sachdienlich und informativ zu berichten, wird hier ein Fass aufgemacht und bewusst Unruhe geschürt.

Ein Mayer-Vorfelder noch hätte den Chefredakteur im Ministerium antanzen lassen und dem Journalisten auch schon mal Hausverbot erteilt, heute aber, richtig, haben wir ja nicht mal einen Präsidenten, geschweige denn eine Abteilung Attacke, die sich gegen eine solche Berichterstattung zur Wehr setzen würde.

Ob etwas dran ist, dass Luhukay Maxim bereits eine Woche vor dem Spiel eröffnet hat, dass er nicht spielen werde, sei dahingestellt. Ich kann es mir wirklich nicht vorstellen und vermute, dass es sich nur um die halbe Wahrheit handelt. Möglicherweise hat ihm Jos gesagt „wenn Du so weiter machst, wirst Du gegen St. Pauli nicht von Beginn an spielen“ und es hat sich um Übersetzungsprobleme gehandelt oder man hat einfach einen Halbsatz weggelassen.

Maxim wird in der 2. Liga ein Stahlbad erwarten, nicht wenige, die nah dran sind und täglich mit ihm zu tun haben, haben große Bedenken, ob er es schafft, dieses durchzustehen. Im Training macht er einen sehr wehleidigen Eindruck und verliert schnell die Lust, wenn es richtig zur Sache geht. Ändert er sich diesbezüglich nicht, wird er vor allem bei den Auswärtsspielen einen sehr schweren Stand haben. Dort warten sie schon auf einen wie ihn, den sie durch übertriebene Härte versuchen aus dem Spiel nehmen, womit sie ihr Publikum zum Johlen bringen und die Stimmung automatisch aufgeheizt wird. Den VfB wird in nahezu jedem Auswärtsspiel eine Pokalatmosphäre erwarten, der man sich erst einmal stellen muss.

Wenn Maxim, der es bei sechs Trainern noch nicht zum unumstrittenen Stammspieler gebracht hat, wegen dieser Geschichte tatsächlich ans weglaufen denkt, ist es äußerst fraglich, ob gerade er der Spieler wäre, der uns zurück in die Bundesliga führt.

Nicht dass hier Missverständnisse entstehen. Ich sehe Maxim gern spielen und mag ihn und mitunter seine genialen Momente wie einst in Paderborn, als er, richtig, als Einwechselspieler, Daniel Ginczek den Ball so perfekt in den Lauf spielte, dass wir erst mit einem Jahr Verspätung abgestiegen sind.

So war zunächst einmal am Ende alles gut. Maxim der Matchwinner und der VfB erstmals seit 2011 wieder mit einem Auftaktsieg. Dass noch viel Sand im Getriebe war, geschenkt! Der VfB muss sich ohnehin bis zur Schließung des Transferfensters durch die Liga mogeln und danach richtig durchstarten.

Dass der VfB nach dem Montagspiel direkt das Freitagabend-Spiel serviert bekam und damit die denkbar kürzeste Regenerationspause aller Zweitligisten hatte, ebenfalls geschenkt und für mich kein Alibi für den Auftritt in Düsseldorf.

Düsseldorf gehörte in den 80er- und 90er-Jahren zu meinen Lieblingsauswärtsspielen. Der Altstadt wegen und auch weil wir dort schon den einen oder anderen Kantersieg eingefahren hatten und die Erinnerungen an das Rheinstadion daher angenehm sind. Beim letzten Gastspiel der Fortuna jedoch verloren wir 2012/2013 beim späteren Absteiger sang- und klanglos mit 3:1.

Ähnlich ging auch der Auftritt am Freitag in die Hose. Nach der unsäglichen Maxim-Diskussion unter der Woche konnte Luhukay nur verlieren. Stellt er ihn von Beginn an auf, ist er eingeknickt, stellt er ihn nicht auf, wäre ihm wohl Sturheit unterstellt werden. So durfte Maxim also mal wieder von Beginn an ran und setzte dabei weitaus weniger Glanzlichter, als gegen St. Pauli als Reservist, wo er auf eine müde werdende Abwehrformation traf. Maxim blieb das komplette Spiel über relativ wirkungslos, was jedoch nicht an ihm allein lag, sondern auch an der fehlenden Qualität seiner Mitspieler. Er musste sich die Bälle teilweise am eigenen Strafraum selbst holen, weil ein Mittelfeld quasi nicht vorhanden war.

Dies nicht nur deshalb, weil Hosogai bereits in der Anfangsphase mit Muskelfaserriss ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Matthias Zimmermann, der einen schweren Stand hatte und später, als Sama ausgewechselt wurde, in die Innenverteidigung rückte.

Zimmermann ist von Haus aus rechter Verteidiger, ob man einem unerfahrenen Spieler einen Gefallen tut, ihn auf einer nicht gewohnten und doch so wichtigen Position einzusetzen, sei dahingestellt. Diese Maßnahme war der dünnen Personaldecke geschuldet. Hosogai ist neben dem derzeit verletzten Mart Ristl unser einziger etatmäßiger Sechser. Anto Grgic, ein weiterer Mann für die Zentrale, plagt sich mit Rückenbeschwerden herum und fällt, wie Ristl und jetzt Hosogai, fürs erste aus.

Matthias Zimmermann indes konnte einem doppelt leidtun. Zum einen musste sich Zimmermann in der Zentrale einfinden, zum anderen hieß sein Nebenmann Christian Gentner.

Nachdem Gentner gegen St. Pauli eines seiner besseren Spiele abgeliefert hatte und zudem das Siegtor erzielte, hätte man ihn in Düsseldorf bedenkenlos auf die Bank setzen können. Getreu dem Motto „auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“ haut Gentner gefühlt in einem von zehn Spielen einen raus und in den anderen muss man ihn mitschleppen.

Für mich ist und bleibt Gentner das große VfB-Problem der letzten Jahre. Ein Kapitän, der weder mit (konstanter) Leistung vorangeht, noch die Fähigkeit besitzt, die Mannschaft auf dem Platz zusammenzuhalten oder ein Spiel in andere Bahnen zu lenken, ist für mich fehl am Platze. Von meinem Platz auf der Esprit-Tribüne in Reihe 1 hatte ich beste Sicht darauf, wie Gentner allein des Dirigierens Willens dirigierte, seine Mitspieler ihn jedoch offensichtlich nicht verstanden.

Er spielte No-Look-Bälle ins Nichts, in der Hoffnung, irgendwer würde seine „Ideen“ teilen. Bei Rückstand spielt der Kapitän Querpässe an der Mittellinie und verlangsamt damit das Spiel oder überträgt die Verantwortung der Spieleröffnung auf die jungen Leute wie Sama oder Zimmermann. Unbegreiflich für mich, wie man mit einer solch schlafmützigen Spielweise jahrelang unumstrittener Stammspieler und Kapitän im bezahlten Fußball sein kann und auch enttäuschend, dass Luhukay ihn in seinem Kapitänsamt bestätigte und seine Stammplatzgarantie Fortbestand zu haben scheint.

Die Besetzung der Viererabwehrkette gibt weiterhin große Rätsel auf. Insúa, der sich nun dazu bekannt hat, sicher zu bleiben, scheint die einzige feste Größe zu sein. Nach meinen Aufschlüssen aus den Testspielen und vom Trainingslager heißt Luhukays Wunsch-Duo in der Innenverteidigung Baumgartl/ Sama, welches durch die Verletzung Baumgartls derzeit gesprengt ist.

Für ihn durfte jetzt zum zweiten Mal hintereinander Toni Sunjic ran, der nicht einmal Zweitligaformat hat. Er ist einer der vielen Fehler Dutts, der öffentlich die Scouting-Abteilung abgewatscht hatte, um dann einen wie Sunjic auszugraben.

Auch Florian Klein, mit grobem Schnitzer gegen St. Pauli, erbringt momentan den Beweis, dass seine „Künste“ wohl der österreichischen Nationalmannschaft genügen, in Deutschland aber selbst die 2. Liga eine Nummer zu groß ist. Mangels Alternativen hat er ein halbherziges Bekenntnis zum VfB abgegeben, aber „man weiß ja nie, was im Fußball passiert“. Wer zum wiederholten Mal die Fans kritisiert und jetzt, wo die Liga begonnen hat, noch immer nach allen Seiten offen ist, sollte vom Verein auch einmal die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen und vor die Alternative Weggang oder Tribüne gestellt werden! Spätestens wenn Kevin Großkreutz wieder einsatzbereit ist, dürfte er ohnehin kaum mehr zum Einsatz kommen. Übrigens, wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht!

Borys Tashchy auf links außen war eine Fehlbesetzung, wie Jean Zimmer auf rechts, so dass Sturmhoffnung Terodde völlig in der Luft hing und keine Bindung zum Spiel hatte. Hoffnung macht Tobias Werner, der nach seiner Einwechslung ordentlich Dampf machte und auch mal eine ordentliche Flanke hinbekommt.

Auch wenn gerade einmal zwei Spiele gespielt sind und der Transfermarkt noch gute zwei Wochen geöffnet ist, könnte man langsam aber sicher unruhig werden.

Es ist ja auch nicht so, dass es um ein, zwei Positionen geht, die es neu zu besetzen gilt, sondern um die halbe Mannschaft. Was sich in den ersten beiden Spielen personell auf dem Platz tummelte, ist für mich bei weitem noch nicht aufstiegsreif. Da springen zwar einige junge Hoffnungsträger herum, in einer nicht funktionierenden Mannschaft werden sie jedoch verheizt oder machen spielentscheidende Fehler, wie Stephen Sama bei seinem unglücklichen Einsteigen, das zum Elfmeter führte. Dass wir in der Nachspielzeit ebenfalls einen hätten bekommen müssen führe ich nicht als Grund für die Niederlage an, niemand weiß, ob Maxim den Elfer verwandelt hätte.

Die Gründe für die Niederlage liegen eher einmal mehr in der Passivität der kompletten Mannschaft, in den durch das schlampige Passspiel resultierenden zahllosen Ballverlusten und in den mangelhaften technischen Fähigkeiten vieler unserer Spieler, weshalb angedachte Ballstafetten umgehend im Keim erstickt werden.

Dadurch entwickelt man keinerlei Kreativität und Überraschungsmomente nach vorn, so dass Düsseldorf ein Chancenplus zu verzeichnen hatte und keineswegs unverdient gewonnen hat. Mit einem solchen Auftreten werden wir auch im Pokal in Homburg Probleme bekommen. Die Saarländer tun uns sicherlich nicht den Gefallen, das Spiel zu machen und uns Räume für unser Konterspiel zu eröffnen.

Der VfB hat, was die Personalplanung angeht, fast zwei Monate zwischen dem Abstieg und der Verpflichtung Schindelmeisers verloren. Viele blicken schon neidisch an die Leine zu Hannover 96, die es scheinbar mühelos geschafft haben, eine schlagkräftige Mannschaft an den Start zu bringen. Dieser Vergleich hinkt jedoch für mich, weil man zu einem Zeitpunkt, als der Abstieg schon so gut wie besiegelt war, mit Stendel bereits den Trainer installierte, der das Team auch in der 2. Liga betreuen sollte und auch, weil Präsident und Mäzen Martin Kind seine Privatschatulle für das Ziel Wiederaufstieg einmal mehr weit geöffnet hat.

Ein Martin Harnik, dem am Wochenende gleich ein Tor für seinen neuen Arbeitgeber gelang, wäre mit Sicherheit nicht in die 2. Liga gegangen, wenn ihm ein Bundesligist ein ähnlich lukratives Angebot unterbreitet hätte, genauso wenig wie andere Wunschspieler geblieben wären, würde Kind nicht weiterhin Erstligagehälter bezahlen.

Eigentlich wäre es jetzt schon wieder an der Zeit, nervös auf den Fingernägeln zu kauen und sämtliche Wiederaufstiegshoffnungen in die Tonne zu kloppen. Aber, hey, es sind erst zwei Spiele gespielt, es folgen weitere 32, in denen sich noch eine Mannschaft finden kann, die dominant durch die Liga spaziert.

In der Führungsriege vom VfB wird doch sicherlich keiner so blauäugig sein und, wie schon beim nahenden Abstieg in der Vorsaison, die Dinge einfach ihren Lauf nehmen lassen und nicht rechtzeitig entscheidend eingreifen. Daher habe ich es mir selbst geschworen, nicht in Panik zu verfallen und entspannt zu bleiben. Zu unseren Chancen dürft ihr mich gerne am 1.9. fragen, wenn der Transfermarkt geschlossen ist und wir mit dem, was wir haben, wenigstens bis zum Winter leben müssen.

Hier ruhen meine Hoffnungen auf Jan Schindelmeiser, der nach dem Hoffenheimer Aufstieg, wenngleich auch mit finanziell ganz anderen Möglichkeiten, kurz vor Transferschluss noch Demba Ba, Chinedu Obasi und Luiz Gustavo aus dem Ärmel schüttelte.

Schindelmeiser ist ein kluger Mann, der wenig redet, dafür umso mehr schafft. Schindelmeiser weiß auch ganz genau, dass er aufsteigen MUSS. Alles andere ist nicht vermittelbar, wird nicht sofort wiederaufgestiegen wäre der VfB ab der nächsten Saison ein ganz normaler Zweitligist und müsste es sich wohl oder übel im Unterhaus gemütlich machen.

Lässt Schindelmeiser es darauf ankommen? Nein, sicher nicht, er ist doch nicht doof! Bitter für die Stuttgarter Käseblätter, dass Maulwurf H. M. aus Stuttgart-Rot beim VfB Geschichte ist und nichts mehr durchsickert. Bitter zwar für die Medien, aber auch ein Hoffnungsschimmer für mich als Fan.

Ich träume noch immer von einer Mannschaft, die die Liga rockt und davon, dass der VfB im nächsten Jahr in die Bundesliga zurückkehrt.

Ich träume davon, dass Schindelmeiser die letzten Altlasten auch noch entfernt und uns einige hungrige Neuzugänge präsentiert. Am Geld darf es nicht scheitern, es geht um die Zukunft vom VfB.

Vielleicht war der VfB ja so schlau und hat sich bereits vor Olympia die Dienste seines verlorenen Sohnes, Serge Gnabry, gesichert. Auf den ersten Blick sicherlich unrealistisch, schaut man sich die Situation vor Olympia aber einmal an, als Gnabry zu Arsenals Reserveteam abgeschoben war, wäre eine Rückkehr in die alte Heimat, wenigstens per Leihe, nicht einmal ganz so abwegig gewesen.

Ich träume davon, dass dieser Wechsel längst fix ist und man sich, damit der Junge den Kopf frei behält und sich auf Olympia konzentrieren kann, darauf verständigt hat, den Wechsel erst nach dem deutschen Ausscheiden bzw. nach dem gewonnenen Finale offiziell zu verkünden.

Auch der Wechsel von Pål André Helland von Rosenborg Trondheim zum VfB könnte bereits perfekt sein. Davor soll Helland seinen Club gegen Austria Wien noch in die Europa League Gruppenphase schießen.
Was, wenn Schindelmeiser uns auf einen Schlag diese Flügelzange präsentiert? Da Schindelmeiser schon länger im Fußball beheimatet ist und selbst auch schon gespielt hat, wird ihm nicht entgangen sein, dass man auf einigen Positionen nicht ständig improvisieren kann. Die Verteidiger Heise und Zimmer sind ebenso keine offensiven Außenbahnspieler, wie Borys Tashchy.

Schindelmeiser sieht sicherlich auch Handlungsbedarf im defensiv zentralen Mittelfeld, wo nach den Abgängen von Serey Dié und Lukas Rupp nicht nur Qualität verloren ging, sondern auch ein riesen Loch klafft.

Er wird vernommen haben, dass Ginczek wohl erst in der Rückrunde fest eingeplant werden kann und Simon Terodde zwar ein herausragender Platzhalter für ihn ist, ihm jedoch unter keinen Umständen etwas passieren darf.

Auch hier sehe ich, wie Schindelmeiser sicherlich auch, Handlungsbedarf. Tashchy und Kliment sind jetzt nicht DIE Torgaranten, die einen Ausfall Teroddes auch nur annähernd kompensieren könnten.
So fußen meine Hoffnungen auf dem Duo Schindelmeiser/ Luhukay, das ja auch bereits öffentlich Alarm geschlagen hat. Luhukay ist ein aufstiegserfahrener Trainer, der genau weiß, welche Mosaiksteinchen er noch für sein Team braucht, um das Aufstiegsziel am Leben zu erhalten.

Ich möchte es mir nicht ausmalen, dass nach den Herren Wahler, Dutt und Kramny, die den Schiffbruch zu verantworten haben, die Herren Heim, Röttgermann und Schindelmeiser als diejenigen in die VfB-Annalen eingehen möchten, die den Untergang des Tankers VfB zu verantworten haben.

Da glaube ich doch lieber weiterhin an das Gute im VfB und seiner Verantwortlichen, träumen ist ja schließlich erlaubt.

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6. August 2016

Der VfB vor der Mission Wiederaufstieg!

Endlich geht es wieder los! Am Montag startet der VfB das Abenteuer 2. Liga, dabei geht es gleich gegen den Magischen FC aus Hamburg-St. Pauli. Bekanntermaßen hege ich ja Sympathien für den Kiez-Club und habe viele Freunde dort. Diese Sympathien sind jedoch nur so lang vorhanden, so lang wir nicht gegeneinander antreten und auch nicht in der Liga in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Am Montag ist St. Pauli ein Gegner wie jeder Andere, für mich zählt nur der VfB-Sieg.

Heute liegt der Abstieg in Wolfsburg genau 84 Tage zurück. Viel Zeit um die Tränen zu trocknen und den VfB neu und vor allem so aufzustellen, dass der Wiederaufstieg nicht nur machbar, sondern folgerichtig ist.

Denn, der VfB ist kein normaler Absteiger! Man ist kein normaler Absteiger, wenn man 39 Jahre am Stück Bundesliga gespielt hat und den Abstieg als einen Betriebsunfall ansieht. Wenn man der überwiegenden Mehrzahl der Konkurrenten infrastrukturell und vom Etat her um Längen überlegen ist, ist man auch kein normaler Absteiger.

Der VfB ist auch kein normaler Absteiger, weil die Mehrzahl der Fans offensichtlich keine bitteren Tränen verdrückt hat, als es traurige Gewissheit war, sondern eher Erleichterung verspürte. Ich hatte zuletzt jedenfalls mehr Angst vor einem weiteren Herumdümpeln in der Bundesliga, als vor dem Neustart in der 2. Liga.

So verknüpft sich bei vielen mit dem Abstieg die Hoffnung, dass der VfB den Reset-Knopf findet und mit jungen Kräften und frischem Wind die 2. Liga rockt und im nächsten Jahr gestärkt in die Bundesliga zurückkehren kann.

Viel wurde zurück auf null gestellt. Der überforderte Abstiegstrainer Kramny ist weg, der zunächst an seinem Stuhl klebende Sportdirektor Dutt ebenso, wie der sich an der einst geplanten Ausgliederung verzettelnde Präsident Wahler, die Gesichter des Abstiegs, deren Verträge ausgelaufen waren, auch.

Eine der wenigen Konstanten, die noch bleibt, ist Kapitän Christian Gentner, dessen Vertrag Robin Dutt kurz vor seiner Entlassung noch verlängern durfte. Meiner Meinung nach völlig unnötig, da Gentners Vertrag ohnehin noch ein Jahr gültig gewesen wäre und er sich erst einmal neu beweisen muss, ob er der richtige Mann und vor allem der richtige Kapitän ist, der den VfB zurück in die Spur bringt. Gerade er war es doch, auf den in den letzten so entscheidenden Saisonspielen kein Verlass war, der als erster untertauchte und nie Führungsstärke an den Tag legte.

Man kann ihm auf keinen Fall absprechen, dass ihm der Abstieg nicht weh tun würde. Er identifiziert sich mit dem Verein wie kaum ein anderer, aber, das allein reicht eben nicht. Identifizieren tun wir uns alle und stümpern ja auch nicht Woche für Woche auf dem Platz umher. Für mich wäre er mit seinen nunmehr 31 Jahren in der Fanbetreuung besser aufgehoben, auch wenn ich von dem aktuellen Team mit dieser Aussage keinen wegloben möchte.

So bleibt er uns also erhalten und Trainer Luhukay hat ihn in seinem Kapitänsamt bestätigt. Daher bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass sein Leistungsvermögen für die 2. Liga ausreicht und dass er präsenter ist, als in den letzten Jahren in der Bundesliga.

Von einem Absteiger mit den Möglichkeiten des VfB hätte ich erwartet, dass noch im Mai, also kurz nach dem Abstieg, sich Zu- und Abgänge die Klinke nur so in die Hand geben würden und spätestens zum Trainingsauftakt im Kader zumindest ein Korsett erkennbar wäre.

Das Gegenteil war der Fall. Wie Kaugummi zog sich die Sportdirektor-Suche hin, der Aufsichtsrat und die verbliebenen Sportvorstände Heim und Röttgermann vermittelten lange den Eindruck der totalen Planlosigkeit, lediglich unterbrochen von zwei Geistesblitzen, nämlich der Verpflichtung des auch für mich geeignetsten Trainerkandidaten Jos Luhukay und der des Top-Torjägers der vorigen Zweitligasaison, Simon Terodde.

Hatte man sich zwischendurch schon in Thomas Hitzlsperger und Marc Kienle etwas mehr Sportkompetenz ins Haus geholt, beschleunigte dies die Sportdirektoren-Suche offensichtlich auch nicht.

Scheinbar waren sich die Herren vom Aufsichtsrat nicht zu schade, an jeden noch so unrealistischen Kandidaten heranzutreten, ehe man einsah, dass man als Zweitligist schlechte Karten besitzt, wenn man den Manager eines Bundesligavereins oder den eines Vereins, der international vertreten ist, in einer Phase versucht loszueisen, in der ein Ehrenmann seinen aktuellen Verein nicht im Stich lässt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Schäfer stellte stets DIE große Lösung in Aussicht, weshalb auch ich mich in Geduld übte und nach dem Ausscheiden der deutschen Elf in und gegen Frankreich ernsthaft von Oliver Bierhoff träumte. Dieser war wegen seiner Nähe zu Mercedes schon häufiger beim VfB im Gespräch und gehört zudem zum Schickhardt-Klientel, so dass diese große Lösung nicht so ganz abwegig zu sein schien. Vom Typen her und dem, was er bislang im Profifußball geleistet oder auch nicht geleistet hat und dazu noch keinerlei Bezug zum VfB hat, war ich nicht unbedingt begeistert, wenngleich seine Verpflichtung dem VfB auf Anhieb eine größere Strahlkraft verliehen hätte und er durch seine Kontakte Spieler zum VfB hätte lotsen können, von denen wir derzeit nicht zu träumen wagen. Einen gewissen Charme hätte diese große Lösung also durchaus besessen.

Wohl um in der wichtigsten Zeit der Saison, nämlich der in der die Saison geplant werden sollte, nicht noch mehr Zeit zu verlieren, holte man mehr als sechs Wochen nach Dutts Entlassung Jan Schindelmeiser aus der Versenkung zurück, einen Mann also, der schon sechs Jahre lang kein Amt im Profifußball mehr bekleidete. Zunächst einmal positiv ist es schon mal, dass nach den Novizen Heldt, Bobic und Dutt jetzt einer kommt, der bereits Erfahrungen als Manager im Profifußball vorzuweisen hat. Dennoch bleiben Fragezeichen zurück, wieso es denn so lang dauerte, einen Vereinslosen vom Kommen zu überzeugen.

Da weder die VfB-Verantwortlichen noch Schindelmeiser selbst eine Erklärung über den langen Zeitablauf abgegeben haben, bleibt das Gschmäckle zurück, dass Schindelmeiser wohl eher „Plan“ E oder F war und man ihn erst kontaktierte, als man begriffen hatte, dass man doch nicht mehr die ganz große Nummer im deutschen Fußball ist.

Dennoch gehe ich an die Personalie Schindelmeiser absolut unbelastet ran und bin guter Hoffnung, dass er mit seinen Kontakten in alle Teile der Welt das eine oder andere Talent zum VfB lotsen kann und den VfB langfristig zurück in die Spur bringt.

Da dem VfB in der 2. Liga bis zu 40 Millionen Euro fehlen werden, lautete die oberste Maxime zunächst, den Kader auszudünnen und alles zu verkaufen, was Geld einbringt. Die Kaufoption des AS Rom für Antonio Rüdiger spülte neun Millionen Euro in die Kassen, Timo Werner deren zehn, Kostic etwa 14 Millionen, Lukas Rupp geschätzte sechs Millionen sowie Serey Dié noch einmal 1,5 Millionen, so dass damit und vor Steuern gerade einmal jene 40 Millionen Euro auf der Einnahmenseite stehen, die es einzusparen galt und womit demzufolge auch keine großen Einkaufstouren möglich sein dürften.

Diese Abgänge tun mir allesamt Leid. Timo Werner dürfte die Luftveränderung gut tun und dazu beitragen, dass er sich von seinem Elternhaus ein Stück weit abkapselt und selbständiger wird. Die Kindermädchen-Aussage Zornigers war ja nicht aus der Luft gegriffen, Werners Vater begleitete Timo auf Schritt und Tritt und wenn eine nicht öffentliche Trainingseinheit angesetzt war, war er im Daimler-Parkhaus anzutreffen, von wo aus er die Einheiten dennoch verfolgte.

Da der Prophet im eigenen Land nichts zählt, hatte es Timo zudem schwer beim VfB. Einer, dem der VfB am Herzen liegt, Mitglied der Abstiegsmannschaft ist und durch vergebene Großchancen bspw. gegen Hannover 96 auch noch maßgeblichen Anteil am Absturz hat, leidet besonders.

Mangels Führungsspielern fehlte ihm die Unterstützung auf und neben dem Platz und wohl auch vom Verein. Dass ihn Dutt letzten Sommer wie Sauerbier in England anbot, ist ein offenes Geheimnis, dass ihn Zorniger hart ran nahm, bekannt, dass ihn danach keiner im Verein in den Arm nahm, bedauerlich – für ihn.

Dass er aber auch bei den Fans einen schlechten Stand hatte und als Sündenbock herhalten musste, fand ich schade. Für mich genoss er als Eigengewächs mit seinen gerade einmal 20 Jahren noch Welpenschutz und ich hätte seine Entwicklung gerne weiter beim VfB verfolgt.

So geht er nun zu Red Bull, das nach Albeck, Schrof, Rangnick, Jochen Schneider und einigen anderen mehr nun auch noch unsere Torwarttrainer-Legende Ebo Trautner nach Sachsen gelockt hat. In Leipzig wissen sie ganz genau, welche Kronjuwelen sich in unserem Reservoir tummeln, Timo Baumgartl dürfte der nächste sein, nach dem Red Bull die Fühler ausstreckt.

Von Lukas Rupp bin ich sehr enttäuscht. Mit Paderborn abgestiegen, mit Stuttgart abgestiegen, jeweils weitergezogen und sich dabei, zumindest finanziell, noch verbessert. Scheiß Spielergeneration, scheiß Söldner, ihm kann ich beim besten Willen kein Glück für die Zukunft wünschen und rate ihm daher nur, sich in Stuttgart nie mehr blicken zu lassen.

Filip Kostic dagegen wollte Champions League spielen und kickt nun – beim HSV. Was sich wie ein Treppenwitz anhört, ist nun Realität. Träumten wir zeitweise von 25 Millionen Euro, die er in die klamme Kasse hätte spülen können, wäre er bspw. nach Liverpool gewechselt, müssen wir nun mit gerade einmal gut der Hälfte vorliebnehmen.

Weshalb er diesen Wechsel, gerade nach Hamburg, so vehement forcierte und Wolfsburg, die wohl mehr an Ablöse zu zahlen bereit gewesen waren, eine Absage erteilte, wird nur er wissen. Wie immer wird es dabei um das Gesamtpaket und nicht nur um die schönere Stadt gegangen sein.
Es ist davon auszugehen, dass der Hamburger Mäzen Kühne die Geldschatulle für „seinen“ Wunschspieler derart weit aufgemacht hat, dass Kostic das internationale Geschäft geflissentlich am Allerwertesten vorbei geht und ihm dafür beim Anblick seines Gehaltszettels Monat für Monat einer abgeht.

Dem HSV kann man schon mal viel Spaß mit dem Balkanesen wünschen, der sich auch dort nach zwei, drei guten Spielen wieder zu Höherem berufen fühlen wird. Sportlich gesehen ein herber Verlust für uns, wenngleich es von Anfang an unrealistisch war, dass wir mit ihm in die 2. Liga gehen würden, menschlich aber ist der dem HSV durchaus zu gönnen.

Serey Dié hingegen hatte ich, auch nach seinen eigenen Aussagen, als wichtige Korsettstange für die 2. Liga angesehen. Er wechselte jedoch zurück zum FC Basel, angeblich aus familiären Gründen. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass wir nicht abgestiegen wären, hätte Dié die letzten Spiele zur Verfügung gestanden, trauere ich ihm nicht besonders arg hinterher. Er hatte riesen Böcke in seinem Spiel, die zu Gegentoren führten, ist mit seinen 31 Jahren nicht mehr der Schnellste, verletzungsanfällig und stets für eine Rote Karte gut. Diese Lücke wurde durch Hosogai meiner Meinung nach gut geschlossen.

Wie Kostic zog es auch Arianit Ferati zum HSV, der ihn jedoch umgehend zu Fortuna Düsseldorf verlieh. Als ich Ferati vor zwei Jahren als 16-jährigen mit dem Profikader im Zillertal wirbeln sah, war ich begeistert und war guter Dinge, dass er das Zeug zu einer großen Karriere haben würde.

Der Aufschrei in den Foren war dementsprechend groß und der Vorwurf wurde mal wieder laut, der VfB verkaufe seine komplette Jugendabteilung, ohne den Jungs eine faire Chance oben gegeben zu haben. Das ist so jedoch nicht richtig. Talent allein reicht nicht aus, um es nach ganz oben zu schaffen. Früher verlangte man von jungen Spielern, dass sie den gestandenen die Koffer tragen und die Schuhe putzen, heute fasst man sie mit Samthandschuhen an und muss stets drauf achten, ja alle gleich zu behandeln, damit die Mimosen nicht in Depressionen verfallen.

Diese neue Denke regte mich schon bei Fußball-Professor Rangnick Ende der 90er-Jahre auf, als er seinen Dienst bei uns antrat und Balakov seine Sonderrechte so weit strich, bis dieser keine Lust mehr hatte. Sich Hochzudienen kennen die Wohlstandsjünglinge überhaupt nicht mehr, ich find’s schade, weil schon dadurch Hierarchien klar abgesteckt waren und die Jüngeren noch Respekt vor den Älteren hatten.

Jungprofis wie Ferati „verdienen“ bereits in Zeiten, in denen sie allenfalls bei den Amateuren zum Zug kommen, über 500.000 Euro im Jahr, fahren die fettesten Autos zu günstigsten Leasingkonditionen vom Nachbarn mit dem Stern und haben es dadurch natürlich auch schwer, die Bodenhaftung zu bewahren. Ein Ferati soll, wie man so hört, unheimlich arrogant und zudem stets mit großem Familienclan aufgetreten sein, so dass es für einen Verein dann eben auch mal heißen muss, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Schon Labbadia beklagte, als er 2012 bei uns im Fanclub zu Gast war, die Familien- und Berater-Clans der jungen Spieler, die dem Verein die Pistole auf die Brust setzen und mit Weggang drohen, wenn ihr Sprössling nicht regelmäßig spielt, weil ein jeder davon überzeugt sei, einen Messi großgezogen zu haben.

Das ist ein generelles Problem mit der heranwachsenden Spielergeneration und so verwunderte es mich auch überhaupt nicht, dass die Amateure sang- und klanglos abgestiegen sind, wenn auserkorene Führungsspieler wie Vier, Grüttner und Rathgeb an dieses Jungs nicht herankommen, weil sie, auch finanziell, in ganz anderen Sphären schweben. Entweder, solche Spieler integrieren sich in eine Mannschaft und stellen ihr eigenes Ego hintenan oder sie werden als ewiges Talent in die Annalen eingehen, ein Manuel Fischer lässt grüßen.

Bei den Zugängen hingegen hat sich weit weniger getan, so dass der Kader, wie er jetzt zum Ligastart dasteht, beileibe nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Jens Grahl kam von der Autobahnraststätte Kraichgau an den Neckar. Seine Verpflichtung kann ich nicht nachvollziehen. Unmittelbar mit dieser Verkündung brachte ich sie in Zusammenhang mit einem doch noch möglichen Weggang von Mitch Langerak.

Grahl äußerte zu Hoffenheimer Zeiten Abwanderungsgedanken, weil er nicht ewig auf der Bank sitzen wollte, daher, für mich unlogisch dieser Transfer, zumal ich als Reservetorhüter lieber Uphoff gesehen hätte. Welchen Sinn es macht, in der selbsternannten Torhüterschmiede schon seit längerer Zeit auf erfahrene Reservekeeper zu setzen, verstehe ich nicht. Hätte Schalke einst hinter Rost auch auf einen erfahrenen Mann gesetzt, wäre ein Manuel Neuer wohl dort nie zum Zuge gekommen.

Für mich macht man hier eine total unnötige Baustelle auf. Grahl dürfte auf der Stuttgarter Bank nicht viel glücklicher werden, als auf der beim badischen Nachbarn, während unsere Talente aus der zweiten Reihe schnell merken werden, dass sie über die Rolle des Amateurkeepers in der Regionalliga bei uns wohl nie hinauskommen werden, so dass sie ihr Glück irgendwann woanders versuchen.

Sonst kamen noch die ehemaligen Luhukay-Schützlinge Hajime Hosogai und Tobias Werner zum VfB. Da Luhukay weiß, wie Aufstieg geht und er auch weiß, welche Typen dem VfB noch fehlen, gestehe ich ihm diese beiden Mosaiksteine gerne zu. Jos weiß, was er an ihnen hat und die Spieler wissen, was sie an ihm haben, nicht die schlechteste Konstellation für eine fruchtbare Zusammenarbeit, zumal es sich um erfahrene Spieler handelt.
Anto Grgic kam vom Schweizer Absteiger FC Zürich zum VfB. Er ist ein entwicklungsfähiges Talent mit guter Technik, einem guten Auge und einem guten Schuss. Irgendwo habe ich gelesen, in der Schweiz vergleiche man ihn mit dem jungen Xhaka, lassen wir die Kirche erst mal im Dorf und legen die Messlatte nicht zu hoch, ich verspreche mir aber schon einiges für die Zukunft von dem Jungen.

Kaminski macht in der Innenverteidigung einen soliden Eindruck und sollte im Moment, zusammen mit Timo Baumgartl, die Nase vorn haben. DER Abwehrchef, den wir seit Jahren suchen und nicht finden, scheint er mir aber auch nicht zu sein.

Jean Zimmer ist zweitligaerfahren und kann ein richtiger Giftzwerg sein und verfügt zudem über einen guten Schuss. In der Vorbereitung fand ich ihn jetzt noch nicht so stark, wie ich ihn schon in Kaiserslautern gesehen habe, er hat noch reichlich Luft nach oben.

Der Königstransfer (bisher) ist zweifelsohne Simon Terodde. Ein toller Typ, der in nahezu jedem Testspiel traf und das gewisse Etwas hat, das man sich von einem Mittelstürmer wünscht. Es ist schon verwunderlich, dass er sich trotz einiger lukrativerer Angebote für den VfB entschieden hat. Zudem ist Terodde mit seinen 28 Jahren absolut geerdet und ein offener, sympathischer Typ.

In Anbetracht der zahlreichen Ab- und überschaubaren Zugänge liegt es auf der Hand, dass die Personalplanungen längst nicht abgeschlossen sein können. Um zu diesem Schluss zu kommen, genügt bereits ein Blick auf das Mannschaftsposter und auch auf den Kader, der die Testspiele und das Trainingslager bestritt. Da waren jeweils fast genauso viele Youngster wie Spieler mit Perspektive Startelf am Start, die meisten davon wohl in erster Linie, um den Kader aufzufüllen.

Von den noch verbliebenen Absteigern stehen noch immer die möglichen Abgänge von Emiliano Insúa und auch Florian Klein im Raum. Während ein Wechsel Insúas schon allein deshalb logisch erschiene, weil er in den letzten sechs Jahren sechs Vereine hatte, scheiterte der von Florian Klein vornehmlich daran, dass er wider (eigenem) Erwarten nicht der ganz große EM-Star wurde.

Klein, der in der Vergangenheit kaum eine Gelegenheit ausließ, gegen das „verwöhnte“ Stuttgarter Publikum zu hetzen und einer ordentlichen ersten, eine katastrophale zweite Saison folgen ließ, kartete kurz vor Beginn der Euro noch einmal nach, er fühlte sich missverstanden und ungerecht behandelt.

Dass er, zusammen mit seinem mittlerweile in Hannover beschäftigten Landsmann, maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Saison diese Richtung einschlug, verschwieg er, wie auch die Tatsache, dass er in der Rückrunde seinen Stammplatz aus Leistungsgründen an Kevin Großkreutz verlor, was Klein, der massiv an Selbstüberschätzung leidet, partout nicht einsehen wollte.

Während Harnik reihenweise Hundertprozentige liegen ließ, war es Klein, der uns durch seinen völlig unnötigen Platzverweis in Hamburg auf die Verliererstraße brachte und danach mehr Unsicherheitsfaktor als Stabilisator war.

Als Harnik und Klein dieses Interview gaben, war Harnik wegen seines auslaufenden Vertrages ohnehin bereits weg und auch Klein fühlte sich zu Höherem berufen und dachte wohl im Traum nicht daran, noch einmal zum VfB zurückkehren zu müssen.
Zu diesem Zeitpunkt war er ja auch inmitten der Elite des europäischen Fußballs angekommen, Mitglied des österreichischen Dream-Teams und selbsternannter Geheimfavorit der Europameisterschaft.

Dumm nur, dass Österreich von den noch größeren Fußballnationen Ungarn und Island mit als erste aus dem Turnier gekegelt wurde und es einem Florian Klein plötzlich mit Schweißperlen auf der Stirn bewusst wurde, dass er doch nicht DER EM-Star, sondern nur ein kleiner Zweitligafußballer ist. Da nach den grandiosen Leistungen der Alpenrepublik die Interessenten für Klein nicht gerade Schlange standen und der Vertrag beim VfB doch noch lukrativ genug zu sein scheint, um dann eben hier zu bleiben, kehrte Klein eben, Nomen est omen, kleinlaut zurück.

Für ihn kann man nur hoffen, dass sich doch noch ein Abnehmer findet und er die Biege macht oder dass der VfB ihm, falls nicht, einen gut bezahlten Tribünenplatz in Aussicht stellt. Hinten rechts sind wir, auch ohne Klein, mit Großkreutz, Zimmer und Zimmermann ausreichend besetzt.

Sollte Insúa noch einen Verein finden und uns verlassen, bräuchten wir noch einen Linksverteidiger, der in Konkurrenz zu Heise tritt. Im defensiven Mittelfeld sind wir mager besetzt, ebenso auf den offensiven Außenbahnen und auch im Sturm, vor allem dann, sollte Terodde während Ginczeks Absenz einmal ausfallen.

Viel Arbeit also noch für Schindelmeiser und Luhukay, bis zum 31.08. einen aufstiegsfähigen Kader auf die Beine zu stellen und auch, um bis dahin nicht zu viel Boden zu verlieren, stehen doch schon drei Ligaspiele und das Pokalspiel in Homburg im August auf dem Plan.

Manch einer legt es Schindelmeiser negativ aus, weil dieser schon zum Amtsantritt warnte, dass der derzeitige Kader nicht zu Aufstiegshoffnungen berechtigt. Ich werte das eher positiv, weil er damit den Verein wachrüttelt und zum Handeln zwingt, denn, alles andere als den sofortigen Wiederaufstieg kann und darf sich der VfB nicht leisten. Luhukay und Kapitän Gentner schlagen in dieselbe Kerbe, ich hoffe, Letzterer äußert diese Vorbehalte nicht nur, um schon wieder ein Alibi zur Hand zu haben.

Egal, wer am Montag antritt, man muss von der ersten Minute spüren, dass wir nicht in diese Liga gehören. Der Rasen muss brennen, St. Pauli muss niedergerungen werden. Der VfB genießt derzeit bei den Fans einen gewaltigen Vertrauensvorschuss. Steigende Mitgliederzahlen, über 25.000 verkaufte Dauerkarten und bereits 54.000 verkaufte Tickets für das Spiel gegen die Kiezkicker.

Diese Euphorie muss der VfB aufnehmen und am Leben erhalten. Das Publikum ist heiß und bei weitem nicht so verwöhnt, wie ihm manchmal vorgeworfen wird. Es möchte lediglich eine Mannschaft sehen, die sich zerreißt, die als Team auftritt, die sich konzentriert, die Spaß an ihrem Beruf hat, dann kommt alles andere von allein und dann akzeptiert der „verwöhnte“ Fan auch eine Niederlage, wenn man spürt, dass die Truppe alles versucht hat, der Gegner an diesem Tag aber besser war. Die Voreichen stehen gut für eine neue Zeitrechnung, es liegt am Verein und seinen Angestellten diese Chance zu nutzen.

Für das St. Pauli Spiel plagen den VfB, unabhängig davon, dass der Kader bei weitem noch nicht steht, große personelle Sorgen. Kevin Großkreutz fällt weiter aus. Inzwischen räumt er ein, dass es ein großer Fehler war, gegen Mainz im vorletzten Saisonspiel noch einmal aufgelaufen zu sein. Für mich war es ebenso ein Fehler ihn in Ingolstadt bis zum Abpfiff auf dem Platz zu belassen, wie dass man Serey Dié in Darmstadt angeschlagen nicht frühzeitig herunter nahm. Wer das so entschieden hat, ob Kramny, Dutt, Dr. Best oder die Spieler selbst, weiß ich nicht.

Es liegt jedoch die Vermutung nah, dass die Verletzungen und Ausfallzeiten der beiden nicht so lang ausgefallen wären, wenn man rechtzeitig reagiert hätte. Ärgerlich, da uns deshalb gerade diese beiden Kämpfernaturen im Saisonfinale (fast) gänzlich gefehlt haben und somit kein einziger mehr auf dem Rasen stand, der sich gegen den Abstieg gewehrt hätte. Sport 1 hatte in dieser Woche gemutmaßt, Großkreutz könne noch bis zum Oktober fehlen, was dieser umgehend dementierte. Die Meldungen von gestern, dass Großkreutz „bis auf weiteres“ individuell trainiere, schüren jedoch nicht gerade Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr.

Timo Baumgartl fällt ebenso aus wie Tobias Werner. Dessen Ausfall ist natürlich der bitterste. Nicht, weil er gerade erst mit großen Hoffnungen verknüpft vom FC Augsburg gekommen ist, sondern, weil seine Frau am Tag nach der Verpflichtung eine Totgeburt ihres gemeinsamen Sohnes erlitt, und die Familie Werner somit momentan ganz andere Sorgen hat. Ihm muss man nun die Zeit einräumen, die er braucht, um gemeinsam mit seiner Frau diesen Schicksalsschlag zu verkraften. Dafür wünsche ich ihm von Herzen alles Gute.

Auch wenn wir ohnehin dünn besetzt sind und für das St. Pauli Spiel auch noch zahlreiche Ausfälle zu verkraften haben, Bange machen gilt nicht. Wir werden so oder so eine überdurchschnittliche Zweitligamannschaft auf dem Rasen haben, die imstande sein sollte, St. Pauli zu schlagen. Mit Namen wie z. B. Langerak, Zimmer, Sunjic, Kaminski, Insúa, Hosogai, Gentner, Grgic, Wanitzek (Besuschkow), Maxim, Terodde brauchen wir uns vor St. Pauli nicht zu verstecken. Bei nahezu ausverkauftem Haus wird die Hütte beben, es liegt an der Mannschaft, diesen Rückenwind aufzunehmen und St. Pauli keine Luft zum Atmen zu lassen.

Wichtig wird es sein, dass diejenigen, die spielen, die Ausfälle nicht als Alibi ansehen, sondern als ihre eigene Chance, sich in der Truppe festzuspielen. Der eine oder andere vielversprechende Youngster, der bereits in der Vorbereitung auf sich aufmerksam machte, dürfte auf der Bank Platz nehmen und vielleicht schon im ersten Spiel die große Chance erhalten, Eigenwerbung zu betreiben.

Sehr gespannt bin ich darauf, wie Alexandru Maxim diese neue Liga annehmen wird und wie er sich präsentiert. Ihm muss mehr als allen anderen eingebläut werden, dass es in der 2. Liga mit Schönspielerei allein keinen Blumentopf zu gewinnen gibt. Versucht er es dort auch mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei, werden ihm seine Gegenspieler auf die Socken hauen und die gegnerischen Fans begeistert johlen. Darauf muss er sich einstellen und endlich sein Heulsusen-Image ablegen.

Die 2. Liga stellt für alle Neuland dar, für die Spieler, aber auch für uns Fans. Die Anstoßzeiten sind gewöhnungsbedürftig, die Stadien zwar kleiner und trotzdem eher selten ausverkauft. So ist es für mich ein ganz neues Gefühl, fast überall problemlos außerhalb des Gästeblockes an Karten zu kommen und mich dabei zu wundern, dass es hie und da auch auf der Haupttribüne Stehplätze zu erwerben gibt. Ich freue mich darauf, auf die Liga und auch dass es endlich wieder losgeht.

Ich freue mich auch, dass die letzten Jahre passé sind und wir unbelastet und runderneuert in das Abenteuer 2. Liga starten. Dass ich die meisten Gesichter des Niedergangs nicht mehr sehen muss und dass es vermutlich einige Siege mehr zu feiern geben wird als zuletzt.

Dass der VfB hoffentlich wieder vornehmlich in der Spitzengruppe anzutreffen ist und dass wir im nächsten Sommer, genau zehn Jahre nach der Meisterschaft, möglicherweise wieder eine Meisterschaft oder zumindest den Wiederaufstieg feiern dürfen.

Dazu muss vieles zusammen passen, doch, sind wir mal ehrlich, von den Voraussetzungen her sind wir der FC Bayern der 2. Liga und haben mehr Potential und einen besseren Kader als jeder Ligakonkurrent. Diesen Vorteil müssen wir für uns nutzen, jetzt oder nie, neige ich fast zu sagen, denn, wer es im ersten Jahr nicht schafft, hat es im zweiten ungleich schwerer.

Daher ist der Wiederaufstieg Pflicht, mit etwas anderem beschäftige ich mich nicht, schon gar nicht vor dem ersten Spiel. Der Aufstieg ist alternativlos, das muss jedem Verantwortlichen und jedem Spieler eingebrannt sein, es gibt nur dieses eine Ziel, je vehementer sie dran glauben, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir schon in einem Jahr wieder Bundesliga-Touren planen.

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19. Mai 2013

Klassenerhalt: St. Pauli schlägt Braunschweig

Lange hatte ich mit mir gerungen, ob ich unser Spiel auf Schalke noch mitnehmen und von dort nach Hamburg fahren soll. Hätte es mir der VfB in dieser Saison öfter gedankt, fast überall hin mitgereist zu sein, hätten die Protagonisten auf dem Rasen stets genau so viel Einsatz und Hingabe geboten wie wir Fans auf den Rängen, wäre das Spiel sportlich noch von Bedeutung gewesen, dann hätte die Frage, vor der ich Stand, sicherlich nicht „ob“ sondern nur „wie“ geheißen. So aber entschloss ich mich erstmals der Facebook-Einladung des OFC Roter Brustring Hamburg zum VfB gucken in der Sportsbar O’Learys in Hamburg-Bahrenfeld zuzusagen und den VfB mit Gleichgesinnten in Hamburg zu verfolgen. Daher war es mein erstes Ziel an diesem Wochenende pünktlich dort einzutreffen und verabredete mich auch mit unseren Bekannten dort, bei denen wir, wie immer, auch Unterschlupf fanden. Da die Bahn- und Flugpreise, wohl auch wegen des Hafengeburtstages, schon exorbitant in die Höhe geschnellt waren – wie gesagt, die Entscheidung aufs Schalke-Spiel zu verzichten, zog sich etwas hin – setzten wir uns Samstag früh gegen 7 Uhr ins Auto und kamen nach weitestgehend staufreier, gemütlicher Fahrt schon um 14 Uhr in Bahrenfeld ein. Die Logistik dort war unschlagbar, was ich schon tags zuvor im Internet so recherchiert hatte. Direkt am S-Bahnhof Bahrenfeld steuerten wir den kostenlosen Park & Ride Platz an, der gerade einmal ca. 50 Meter von der Sportsbar entfernt ist. Besser geht es also überhaupt nicht.

Die Sportsbar machte auf mich auf Anhieb einen sympathischen Eindruck. Die Spiele des HSV und des FC St. Pauli werden dort immer übertragen. Auf Bestellung ist jedoch auch jedes Einzelspiel möglich, das dann in einer der vielen gemütlich angeordneten Nischen angeschaut werden kann. Da wir sehr früh da und daher die ersten VfBler waren, informierten wir uns kurz, wo denn „unser“ Spiel gezeigt werden würde und nahmen schon einmal Platz. Kurz mit einem leckeren Burger gestärkt und schon trafen auch die ersten Fanclubmitglieder ein. Zu Spielbeginn waren wir eine etwa 20 „Mann“ starke schwäbische Enklave mitten in Hamburg, drückten dem VfB die Daumen und konnten am Ende ja sogar einen Auswärtssieg bejubeln. Den Schalkern in die Champions League Suppe zu spucken, das fühlte sich nicht ganz so schlecht an. Nebenan bejubelten die Rauten-Fans den Auswärtssieg in Hoffenheim, so dass überall gute Stimmung herrschte. Hoffenheim so gut wie abgestiegen, der HSV mit einem Bein in der Europa League (mit einer Woche Abstand wissen wir, dass es in beiden Fällen anders kommen sollte…). Wir schauten noch gemütlich „Alle Spiele, alle Tore“, tranken noch einen Pitcher und zogen dann irgendwann weiter in Richtung Landungsbrücken. Das Auto ließen wir bis zum späten Abend stehen, waren doch Parkplätze in der Hansestadt am Hafengeburtstag-Wochenende Mangelware. Erstmals überhaupt durchlief ich den alten Elbtunnel, um die Parade einiger Kreuzfahrtschiffe und das Feuerwerk von der anderen Elb-Seite aus zu bewundern. Es wurde noch ein wunderschöner Abend in einer immer wieder aufs Neue faszinierenden Stadt.

Am Sonntag hatte ich dann ins Auge gefasst, schon frühzeitig von unserem Domizil in Kaltenkirchen nach Hamburg aufzubrechen, um erstmals die Queen Mary 2 live zu sehen. Gegen 7 Uhr sonntagmorgens sollte sie für eine knapp zwölfstündige Stippvisite in der Hansestadt eintreffen. Für die kleine Schwester der Queen Mary 2, der Queen Elizabeth, bin ich schon einmal früh aufgestanden und durch den Hamburger Nieselregen in Richtung Elbe geeilt. Ähnliches hatte ich mir für diesen Sonntag vorgenommen, zumal unsere Gastgeber meistens viel länger schlafen als wir selbst. Der Samstag entpuppte sich durch die lange Fahrt und dem, was dann noch kam, als sehr anstrengend, so dass ich sonntags Mühe hatte, in die Gänge zu kommen, und dieses Vorhaben dann wieder verwarf. Stattdessen genoss ich einen Kaffee nach dem nächsten und hoffte, bis zum Spiel am Millerntor fit zu sein.

Ich weiß, viele VfB-Fans hegen Antipathien gegen St. Pauli, wegen seiner „anderer“ Fans, wegen der vorwiegend linken Ausrichtung und welchen Gründen auch immer. Ich kann das alles nicht nachvollziehen. Ich fühlte mich dort schon immer sehr wohl, auch rund um die VfB-Spiele in den 1980ern und 1990ern. Im Stadion herrschte Rivalität, danach in den Kneipen auf dem Kiez wurde man stets gut aufgenommen und konnte mit den St. Paulianern richtig einen drauf machen. So hegte ich schon immer Sympathien für die Freibeuter der Liga, ohne besondere Kontakte zum Kiez-Club zu haben. Dies veränderte sich vor nunmehr zehn Jahren. Am Rande unserer UEFA-Cup-Partien gegen Celtic Glasgow, die eine Fanfreundschaft mit St. Pauli pflegen, entwickelte sich ein reger Austausch per Mails und in Foren zwischen der VfB Fancommunity und dem Basis St. Pauli Forum, was darin gipfelte, dass die St. Paulianer uns zum Benefizspiel gegen den FC Bayern einluden. Wir fuhren damals zu dritt mit dem Zug nach Hamburg und wurden schon am Bahnhof von einer etwa zehnköpfigen Gruppe empfangen. Von Beginn an wurden wir sehr herzlich aufgenommen und waren gleich mittendrin statt nur dabei. Es entwickelte sich eine Freundschaft, so dass wir von nun an zumindest ein bis zwei Mal im Jahr ans Millerntor fuhren und auch Gegenbesuche, bspw. mit VfB-Spiel und Volksfest erhielten. Wie immer im Leben, Freundschaften muss man pflegen. Vieles aus der Anfangszeit ist auseinander gegangen, bei vielen Leuten, die damals dabei waren, haben sich teils die Prioritäten verschoben, einige wenige sind aber zu meiner Freude noch übrig geblieben. Ich bin einer der letzten Mohikaner aus dieser Zeit und pflege die Kontakte bis heute so gut es auf die Entfernung eben geht. Ich versuche pro Halbserie ein Spiel am Millerntor zu besuchen, was nicht immer einfach zu organisieren ist, wenn man die oft kurzfristigen Terminierungen in Betracht zieht. Ganz ärgerlich war es vor zwei Jahren, als das VfB-Spiel in Bremen wegen eines Castor-Transports verlegt wurde, so dass wir dann das schon fest eingeplante St. Pauli-Spiel gegen Dresden verpassten und zudem noch Züge und Hotels umzubuchen hatten.

Mittlerweile versuche ich bei Besuchen am Millerntor einen Stehplatz in der Süd zu ergattern, um mit unseren Bekannten und deren Clique zusammenstehen, mit der wir auch schon inzwischen gut bekannt sind und immer viel Spaß haben. Leider gab es gegen Braunschweig, wie auch schon in der Vorsaison, keinen Alkohol im Stadion, da das Spiel als Risikospiel eingestuft wurde. Sehr schade, zumal wir aufgrund der Anlaufschwierigkeiten in den Tag recht spät am Stadion waren und auch gleich hinein gingen.

Gegen den schon feststehenden Aufsteiger aus Braunschweig ging St. Pauli vom Anstoß an beherzt und kampfstark zu Werke und gönnte Braunschweig keinen Meter Boden. So lief das Spiel schon frühzeitig in die von St. Pauli gewünschte Richtung. Es wurde am Ende ein ungefährdeter 5:1-Sieg, der natürlich frenetisch bejubelt wurde. Die Atmosphäre im Stadion war sensationell, zum ersten Mal habe ich die neue Gegengerade voll besetzt gesehen und erlebt. Der Wechselgesang mit der Süd klappt schon ganz gut. Da natürlich durch die größere Kapazität auch „neue“ Leute auf der Tribüne stehen ist der Support natürlich noch etwas ausbaufähig. Gänsehautgarantie war unabhängig vom Ergebnis auch so gegeben. Es hieß Abschied zu nehmen von zwei langjährigen Spielern, nämlich von Florian Bruuuuuunnns und Marius Ebbers Fußballgott. Noch gut 20 Minuten nach Spielende war das Stadion weitestgehend gefüllt, als die beiden ihre Ehrenrunde liefen, und das obwohl es wegen dem zum Risikospiel auserkorenen Aufeinandertreffens kein Vollbier im Stadion gab. Die Jungs jedenfalls bekamen einen Abschied der sich gewaschen hatte. Falls sich der eine oder andere über die Plüschtier-Armada auf dem Rasen wundert: Ebbe hatte sich Spenden in dieser Form gewünscht, diese wurden eingesammelt und werden einem guten Zweck zuführt.
Für mich war das Spiel am Millerntor wie immer ein besonderes Erlebnis, das ich genossen habe. Ich freue mich auch darüber, dass der Klassenerhalt nun in trockenen Tüchern ist und es nicht mehr auf das Ergebnis am letzten Spieltag in Kaiserslautern ankommt. Paddy Funk, unseren Leihspieler, dessen Zukunft noch ungeklärt ist, habe ich noch nie so stark im St. Pauli-Trikot gesehen, wie an diesem Sonntag. Wenn St. Pauli ihn halten möchte und der VfB keine Verwendung mehr für ihn hat, wünsche ich mir, dass sich die beiden Parteien einigen mögen. Angeblich aber, so sickerte es im Laufe der letzten Woche durch, möchte Funk zurück zum VfB. Fände ich ein wenig schade, da ich es mir nicht vorstellen kann, dass er beim VfB Chancen auf einen Stammplatz hätte. In den zwei Jahren auf dem Kiez hat er einen soliden Part gespielt, sich jedoch nicht als der Über-Spieler aus der Bundesliga heraus kristallisiert, so dass er einer Hausnummer wie St. Pauli durchaus weiter gut tun könnte, beim VfB jedoch, der in höheren Kategorien denkt, würde er, zumindest in der ersten Mannschaft chancenlos sein. Eine kleine Hoffnung, dass es sich hierbei um eine Ente handeln könnte, habe ich noch. Angeblich hat der VfB ja eine für St. Pauli utopische Ablösesumme ausgerufen. Vielleicht möchte Paddy ja durch diese „Drohung“ seine Position stärken, indem der VfB nun vor der Wahl steht, einen Spieler, für den man keine Verwendung hat, durchzuschleppen, oder aber Funk für einen endgültigen Abgang keine Steine in den Weg zu legen.

Einen kleinen Wermutstropfen am Millerntor gab es für mich dann doch noch. Braunschweig und besonders Ermin Bicakcic gönne ich den Aufstieg sehr, eine 1:5-Klatsche hätte es jetzt nicht unbedingt sein müssen, ist sie ihrer bisherigen Saison doch nicht ganz würdig.
Vor diesem Spiel hatten einige St. Pauli-Fans ganz schönes Muffensausen, hätte doch bei einer neuerlichen Heimniederlage und einem gleichzeitigen Sieg von Aue und Dresden der Relegationsplatz gedroht. Dass der eine oder andere St. Paulianer recht abergläubisch ist, merkte ich dann schon vor dem Spiel. Viele, die mitbekamen, dass eigentlich der VfB der Club meines Herzens ist, fragten sofort nach „meiner“ Bilanz bei meinen Stippvisiten am Millerntor. Diesbezüglich konnte ich sie beruhigen, ich konnte mich nur an eine einzige Heimniederlage in meinem Beisein erinnern, und da stand ich in der anderen Kurve, als der VfB durch Schipplocks Tor 2:1 gewann. Nach dem Spiel dann wurde schon angekündigt, dass ich das nächste Mal, wenn es wieder Spitz auf Knopf stehen würde, als Talisman angefordert werden würde, was ich mir natürlich gerne gefallen lassen würde.

Gerade dieses Spiel herausgesucht haben wir uns aus zweierlei Gründen. Die Entscheidung dafür fiel bereits Ende des letzten Jahres. Zum einen, weil der vorletzte Spieltag fix terminiert war, zum anderen weil unser Leihspieler Paddy Funk auf unseren Ex-Verteidiger Ermin Bicakcic traf. Letzte Saison bei der gleichen Ansetzung noch, konnte ich mit beiden am Rande des Spiels Smalltalk betreiben und wollte dies eigentlich auch nach diesem Spiel tun.

Nach diesem Spiel aber hatte ich nur noch zwei Dinge im Sinn. Ein Bier und einen Sitzplatz. Es war doch ziemlich anstrengend, vor allem durch die Verabschiedungen in die Länge gezogen, so dass am Ende der Rücken ganz schön geschmerzt hatte. Wir zogen also gleich in Richtung Clubheim los um noch das eine oder andere Astra zu vernichten. Schon im Stadion wurde angekündigt, die Mannschaft würde sich am Hafen auf der Jolly Roger Bühne präsentieren und für das eine oder andere Gespräch zur Verfügung stehen. Unsere dritte Halbzeit am Clubheim dauerte aber wohl zu lang, so dass dieses Event schon vorüber war als wir dort eintrafen. Sei’s drum, es wurde auch so wieder ein netter Abend mit Auslaufparade der Luxusliner, auf der ich dann die Queen Mary 2 doch noch bestaunen durfte.

Mittlerweile bin ich drei, vier Mal im Jahr in Hamburg, meiner absoluten Lieblingsstadt in Deutschland, Stuttgart natürlich nicht mitgezählt. Der nächste Trip lässt so (aller Voraussicht nach) nicht mehr lang auf sich warten. Am letzten Juni-Wochenende steht wieder der Schlagermove an, ein Event, das ich mir schon in den letzten Jahren nicht entgehen ließ und inzwischen auch schon fast so etwas wie eine Pflichtveranstaltung ist.

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