2. Dezember 2014

Von Pech-Armin und Huub im Glück

Auch noch gut acht Tage nach dem Rücktritt von Armin Veh, kann ich das Geschehene nicht so recht einordnen. Ist Veh tatsächlich freiwillig zurückgetreten oder hat man ihm den Rücktritt doch nahegelegt, um den Schein nach außen zu wahren, damit niemand sein Gesicht verliert?
Überall wo Veh bisher Dienst tat, kokettierte er über kurz oder lang mit seinem Abschied, wenn nicht alles so lief, wie er es sich vorstellte und wie seine (zu hohen?) Ansprüche an sich selbst sind. In dieser Hinsicht ist er ein typischer Wassermann, freiheitsliebend, motiviert, wenn er sich selbst verwirklichen kann, aber eben auch frustriert, wenn er nicht so kann, wie er gerne möchte und wenn es nicht so läuft, wie er es sich wünscht. Dann neigt er aus diesem System auszubrechen und sich seine Freiheit wieder herzustellen. Ein wenig mehr Gelassenheit täte da Not, kann er doch als Trainer auch nicht alles selbst beeinflussen. Was kann ein Trainer beispielsweise dafür, wenn ein Sven Ulreich in Bochum den Ball völlig unmotiviert in die Mitte zum von drei Gegenspielern umringten Romeu passt und somit die nächste Zittersaison maßgeblich einleitet, wenn man sich gegen Wolfsburg durch einfache Ballverluste in der eigenen Hälfte öfter dilettantisch auskontern lässt, in Bremen bei zwei Standards pennt oder gegen Augsburg von den Schiedsrichtern benachteiligt wird. Was kann Armin Veh dafür, dass der fällige Torwartwechsel zum Eigentor wird, weil Thorsten Kirschbaum sich noch schlechter präsentiert als Sven Ulreich in den letzten zweieinhalb Jahren.
Dass das Umkrempeln des VfB nicht von heute auf morgen geht, dürfte allen klar gewesen sein. Daher war das Umfeld bisher auch wohltuend ruhig, obwohl man auf dem 18. Platz angekommen war. Das Vertrauen in den Meistertrainer von 2007 war also durchaus vorhanden.
Den Rücktritt mit mangelndem Glück zu begründen, halte ich für Quatsch. Allerdings werfe ich Veh auch nicht Fahnenflucht vor oder dass der Kapitän das sinkende Schiff verlassen hat.
Die (wahren) Gründe muss man in der Person Vehs suchen. Veh war schon immer einer, der durch Charme, Charisma und Lockerheit faszinierte und Zuhörer in seinen Bann ziehen konnte. Dies kehrte er jedoch nur nach außen, innen sieht es wohl anders. Die Situation vom VfB und dass er keine Mittel hatte (kurzfristig) dem Trend entgegenzuwirken nagte sichtlich an ihm und ließ ihn schließlich resignieren. Schon nach der Meisterschaft und vor allem gegen Ende seiner ersten Amtszeit war zu beobachten, dass es Veh nicht schaffte, sich auf schwierige Situationen ein- und in gewisser Weise auch umzustellen. Er macht sein Ding und hat keinen Plan B in der Tasche, dann läuft er lieber davon. Seinerzeit hatte Veh Horst Heldt als Freund und Manager an seiner Seite hatte und auch einen Erwin Staudt als Präsident, der sich um das Betriebsklima und die Sorgen und Nöte seiner Angestellten scherte.
Jetzt, in seiner zweiten Amtszeit, hatte Veh jedoch weder Heldt noch Leute wie Hübner und Bruchhagen um sich, die ihn in schweren Zeiten an die Seite nahmen und auf andere Gedanken brachten oder auch mal einfingen. Ich denke, Veh ist ein Mensch, der das hin und wieder mal braucht, der harmoniebedürftig ist und dem interner Zuspruch durchaus wichtig ist. Bernd Wahler möchte ich nicht unterstellen, dass ihm ein gutes Betriebsklima nicht auch am Herzen liegen würde, er ist jedoch mehr als Krisenmanager denn als Seelenmasseur gefragt in diesen Tagen. Und, Jochen Schneider ist zu unerfahren, um die Zeichen der Zeit der rechtzeitig erkannt zu haben.
Am Sonntag hatte Veh noch einen Auftritt bei Sky 90, den ich mit Spannung erwartete. Die offizielle Sprachregelung blieb bestehen, nämlich die, dass allein das fehlende Glück, welches Veh auf sich projiziert, den Ausschlag für den Rücktritt gegeben habe. Vielleicht erfahren wir in fünf Jahren einmal mehr, was diese Mission tatsächlich zum scheitern brachte. Ansonsten erläuterte Veh noch einmal, dass sich der Verein verändern muss, dass man über einige der Protagonisten der letzten Misserfolgs-Jahre nachdenken müsse, ob sie den Verein noch weiterbringen. Ein Jahr im Tabellenkeller könne Zufall sein, der Trend nach unten, den der VfB seit Jahren aufweist, jedoch nicht mehr. Was mich aufhorchen ließ, war die Aussage, dass 2007 mit 70 Mitarbeitern 130 Millionen Umsatz erwirtschaftet wurden und es heuer mit 160 Mitarbeitern gerade einmal 100 Millionen Umsatz sind. Gesundes Wachstum sieht anders aus.
Und, Veh erklärte noch einmal, dass er nach drei Jahren Eintracht Frankfurt eigentlich Trainerpause machen und bei Sky als Experte anheuern wollte, bis eben der VfB kam. Diesen Verein liebt er noch immer, schien aber doch mehr in der Vergangenheit zu schwelgen als die Gegenwart zu realisieren. Unser VfB ist leider mit dem von 2007 nicht mehr zu vergleichen, wir haben uns seither dramatisch zum Nachteil entwickelt. Dessen war sich Veh wohl nicht bewusst, als er auf dem Wasen unterschrieb. Er schätzte den Kader stärker ein als er tatsächlich ist, was ich ihm nicht einmal vorwerfe. Alle unseren Spieler zeigen ja hier und da starke Spiele und was sie wirklich drauf haben. Dass aber gute Einzelspieler noch keine Mannschaft ausmachen, dass man nicht nur das fußballerische Können sondern auch den Charakter der Spieler betrachten muss, bevor man sich ein Urteil bildet, dürfte Veh jetzt erkannt haben. Das sehen wirklich nur die, die tagtäglich mit der Truppe arbeiten und auch noch eher wir Fans, die sich ständig mit dem VfB beschäftigen.
Veh rate ich, als Nostalgiker der er ist, sein Vorhaben aus der HSV-Zeit wahr zu machen und auf den Job des Sportdirektors umzusatteln. Dort ist er weniger dem tagtäglichen Druck der Öffentlichkeit ausgesetzt, wird nicht jeder Schritt und Tritt beobachtet, ist er nicht von der Gunst seiner Spieler abhängig und kann vor allem gestalten anstatt sich mit dem zu begnügen, was ihm der Verein vorsetzt.
Wenn Veh diese Erkenntnis für sich nicht erlangen sollte, kann man im Grunde jeden Verein nur davon warnen, Armin Veh als Trainer zu holen. Nach Rostock und Reutlingen tat er es beim VfB bereits zum dritten Mal, „seinen“ Verein mitten in der Saison zu ver- und ein großes Vakuum zu hinterlassen. Seine anderen Vereine verließ Veh meist freiwillig zum Vertragsende, weil er frei sein möchte und nicht gefangen im Haifischbecken Bundesliga oder im Korsett eines Vereins.
Ein Club, der nach Kontinuität strebt, wird daher in naher Zukunft sicherlich nicht bei Veh anrufen, um ihn zu verpflichten. Meiner Meinung schadet dieser neuerliche Rücktritt seinem Ruf als Trainer. Abschließend wünsche ich Armin Veh, dass er sich die Sinnfrage stellt und sich genau überlegt, was er in Zukunft noch machen möchte und wie er sich sein nächstes Engagement vorstellt. Ich mag Veh nach wie vor, als Meistertrainer ist er sowieso für die VfB-Fangemeinde unsterblich, behalte ihn aber auch als freundlichen Menschen in Erinnerung, der immer ein offenes Ohr hatte. Klingt fast wie ein Nachruf, soll aber keiner sein. Ab jetzt oder besser gesagt seit letztem Freitag ist wieder „Huubschraubereinsatz“ auf dem Wasen.
Huub Stevens ist wieder da, ein knappes halbes Jahr nach dem Spiel im Schlienz-Stadion, als der VfB zum Saisonabschluss gegen eine Fanauswahl antrat und Stevens feierlich und mit viel Tam-Tam verabschiedet wurde. Ich hatte mir damals gewünscht, man würde zusammen weiter machen, fand dann aber Veh noch die charmanteste und mit die beste aller möglichen Nachfolge-Lösungen und bin auch jetzt froh, dass sich Stevens zum zweiten Mal bereit erklärt hat, dem VfB aus der Patsche zu helfen.
Huub Stevens ist das Gegenstück zu Armin Veh. Versuchte es Veh mehr mit Lockerheit, unserem „Kindergarten“ beizukommen, ist Stevens für seinen harten Stil und als Disziplinfanatiker bekannt. Wer ausschert und nicht mitzieht, hat bei ihm verloren. Wer mehr mit Schönspielerei als durch Kampf auffällt, für den ist kein Platz in der Stammelf. Stevens bringt Erfahrung und Eigenschaften mit, die dieser Mannschaft gut tut, wie man bereits in der Rückrunde der letzten Saison feststellen konnte. Hat uns tatsächlich zuletzt das Quäntchen Glück gefehlt, Stevens wird sich dieses sprichwörtlich versuchen zu erarbeiten, da er nicht an Zufälle glaubt. Eigentlich stellen wir jetzt zurück auf Mai 2014, eine Tatsache, die der VfB und Huub Stevens sich hätten ersparen können, wenn man sich bereits damals auf eine Weiterbeschäftigung verständigt hätte. Auch wenn es nicht zielführend ist, in den Sünden der Vergangenheit zu wühlen, mich würde es doch sehr interessieren, wie und warum es letztendlich zur Trennung kam. War es Huub Stevens, der nach seinem Saloniki-Engagement und dem Abstiegskampf mit uns eine Pause brauchte, in Ordnung und akzeptiert. Lieber sich selbst eine Pause verordnen, anstatt wider der inneren Stimme auf Teufel komm raus Raubbau am eigenen Körper zu betreiben und sich das erst einzugestehen, wenn man mitten im nächsten Engagement steckt.
Wenn aber der Abschied auf Zeit auf der Miste des VfB gewachsen sein sollte, ist diesem nicht mehr zu helfen. Das kann dann eigentlich nur damit zusammenhängen, dass der ehrenkäsige Fredi Bobic Huub Stevens nicht weiter beschäftigen wollte, weil die beiden wohl in diesem Leben keine Freunde mehr werden. Bei der Verpflichtung von Stevens setzten sich Aufsichtsratsvorsitzender Schmidt und Wahler gegen Bobic durch, der ja gerne Krassimir Balakov zurück an den Neckar gelotst und damit seinem nächsten Kumpan einen Posten zugeschachert hätte. Stevens verbannte Bobic gleich zu Beginn (zu Recht) auf die Tribüne, bereits zu Bobic‘ aktiver Zeit bei der Berliner Hertha rasselten die beiden ja aneinander. So scheint es einmal mehr, dass Bobic eigene, persönliche Interessen über die des Vereins stellte. Eine andere mögliche Variante, weshalb man Stevens nicht das Vertrauen für die jetzige Saison aussprach, wäre die, dass man bei Veh schon länger im Wort stand.
Nicht nur aufgrund der jetzigen Umstände wäre die beste Lösung gewesen, Huub Stevens im Amt zu behalten und stattdessen Fredi Bobic bereits im Mai zu entlassen, dann wäre uns womöglich einiges Ungemach erspart geblieben. Stevens hätte dann schon seine eigene (dem Vernehmen nach auf dem Papier sogar schon vorhandene) Saisonplanung umsetzen können. Er wusste ja bereits, auf welche Spieler er setzt, auf welchen Positionen wir für ihn zufriedenstellend besetzt sind und wo man hätte etwas tun müssen. Eines wäre so sichergestellt gewesen, so naiv wie mit Armin Veh und dessen Einschätzung der Mannschaft wären wir nicht in die Saison gegangen.
Mit Stevens auf der Bank hatte ich am Freitag gleich ein gutes Gefühl. Die Mannschaft kennt ihn weitestgehend, er die Mannschaft. So erschien es mir durchaus im Bereich des Möglichen, dass vier Tage im Kreis der Mannschaft ausreichen könnten, um die Sinne neu zu schärfen und die Mannschaft gut für das Freiburg-Spiel ein- und aufstellen zu können. Hat man bei einigen unserer Spieler öfter mal den Eindruck, dass sie nicht die Hellsten sind und die Situation verkennen, weil sie sich stärker einschätzen als sie, wie an der Tabelle abzulesen ist, tatsächlich sind, wird die Trainerkabine neu bezogen, erkennen auch diejenigen, dass es wieder einmal fünf vor zwölf ist und sie plötzlich kein Alibi mehr haben.
Den Freiburg-Trip, zum Heimspiel unserer Freunde von den Murgtalschwaben, dehnten wir ein wenig aus und planten ihn von vornherein mit einer Übernachtung, um den so sehnlichst gewünschten Auswärtssieg danach gebührend feiern zu können. Bereits gegen 12 Uhr stellten wir das Auto in Weisenbach im Murgtal ab, stärkten uns noch für den langen Tag und machten uns dann mit der Bahn auf den Weg nach Freiburg. Gegen 16 Uhr kamen wir am Hauptbahnhof an und besuchten zunächst den Weihnachtsmarkt auf dem Münsterplatz, wo wir mit Bekannten verabredet waren. Nach drei Gläsern Glühwein und sehr wohlgestimmt ging es weiter in den Schwarzwaldblick, in Sichtweite des Schwarzwaldstadions, wo wir jedes Mal hingehen, wenn der VfB seine Visitenkarte im Breisgau abgibt. Ein Wahnsinn, wie viele Bekannte man bei Auswärtsspielen immer trifft und welche Gaudi man zusammen immer hat. So vergaß man fast die Zeit, sie rannte sprichwörtlich weg. Gerade noch pünktlich zum Einlauf der Mannschaften erreichten wir unseren Platz auf der Gegentribüne. Besser geht es kaum zu sitzen, Reihe 5 mit super Sicht aufs Spielfeld und auch auf unseren Fanblock. Für mich zwar immer schade, wenn ich das Intro und bei Auswärtsspielen die gegnerische Schalparade respektive in Freiburg das Badener Lied verpasse, aber, wir hatten beim Vorglühen richtig Spaß, so dass ich das verschmerzen konnte, verpasste ich ja vom Spiel nichts.
So saßen wir also auf der Gegentribüne, auf der unser Platz stolze 57 Euro kostete, ich kann mich nicht erinnern, jemals für ein Bundesligaspiel mehr bezahlt zu haben. Mein Allzeitrekord liegt zwar bei 240 Euro für ein Ticket, aber, es handelte sich schließlich um das Halbfinale der WM 2006 Deutschland-Italien in Dortmund und es war der reguläre FIFA-Preis für diese Kategorie bei einem Halbfinale.
Als ich den Preis das erste Mal hörte (Karten mussten ja über unsere badischen Freunde besorgt werden, mit württembergischer Postleitzahl geht beim SCF überhaupt nichts) musste ich mir erst einmal bewusst werden, ob ich zur Championsleague in einen Fußballtempel oder zu einem Aufeinandertreffen zweier Abstiegskandidaten in die Freiburger Bruchbude gehen würde, aber, sei’s drum. Bevor ich etwa 40 Euro für einen Sitzplatz im Gästebereich berappe und, wie schon vorgekommen, hinter einer Plexiglasscheibe sitze und nur alkoholfreies Bier verabreicht bekomme, dann doch lieber zu diesem Preis hinein unters Freiburger Volk.
Zu Beginn war dem VfB die Verunsicherung, die die rote Laterne einfach mit sich bringt, anzumerken. Freiburg griff beherzt an und hatte mehrfach die Führung auf dem Fuß. Umso verwunderlicher, dass nach einer halben Stunde plötzlich der VfB durch die Sturmspitze Martin Harnik in Führung ging. Diese Führung stellte den Spielverlauf auf den Kopf. Gute zehn Minuten später aber, ich verrichtete gerade meine Notdurft, brandete großer Jubel auf, denn, Freiburg traf aus 25 Metern zum 1:1. Natürlich habe ich auch dieses Tor inzwischen gesehen und bin der Meinung, abgesehen davon, dass man den Schuss nicht einmal versucht hatte zu verhindern, dass Ulle den Ball normalerweise haben muss. Er wirkt zwar erleichtert, dass der böse Veh weg ist, ein besserer Torwart ist er dadurch leider noch lange nicht. Es gab im Spiel noch zwei, drei weitere Situationen, in denen er nicht gut aussah, so dass sich unser Torwartproblem fortsetzt.
Nach dem 1:1 hatten wir bei einem Lattenschuss noch Glück, so dass das 1:1 zur Pause für den VfB schmeichelhaft war. Zu Beginn der zweiten Halbzeit war der VfB in puncto Balleroberung präsenter und fand in Mitrovic sein Opfer. Ein Ballverlust des Serben an Sararer führte über Gentner und den wuchtigen Nachschuss von Carlos Gruezo zum 1:2. Dass Gruezo bei Stevens wieder schlagartig bessere Karten als unter Armin Veh haben würde, war mir ziemlich klar.
Wie der Holländer die Doppel-Sechs endgültig zu besetzen gedenkt, wird man vielleicht schon gegen Schalke sehen, wenn Oriel Romeu wieder einsatzberechtigt ist. Durch seine Sperre stellte sich die defensive Schaltzentrale mit Gruezo und Leitner fast von selbst auf. Gespannt darf man auch darauf sein, ob Leitner in Freiburg als Lückenbüßer herhalten musste oder ob er den zweiten Anlauf unter Stevens besser meistert als den ersten, wo er meist nur auf der Bank saß. Stevens steht eben mehr auf Malocher als auf Schönwetterfußballer. In Freiburg gefiel mir Leitner phasenweise richtig gut, war es doch auch, der Werner mit einem mustergültigen Pass auf die Reise schickte, und dieser wiederum Bürki zum 1:3 tunnelte. Nach Notbremse und folgerichtigem Platzverweis für Mitrovic war es dann Harnik, der seinen Doppelpack schnürte und zum 1:4 traf.
Das Glück war uns dieses Mal also hold, hätte der Schuss in der ersten Halbzeit durchaus auch nach hinten los gehen können. Veh befand bei Sky 90 sofort, mit ihm wäre auch dieses Spiel verloren gegangen, hypothetisch natürlich, und wenig zielführend. Ob wir gewonnen haben, weil Stevens das Glück mit an den Neckar brachte, Freiburg das Tor nicht traf, der VfB in Mitrovic einen Gönner fand oder wir einfach einmal vorne die Kisten machten, ist mir ziemlich schnuppe. Fußball ist erwiesenermaßen kein Glückspiel, es gibt zwar die eine oder andere Strähne, der man entgegenwirken kann, wenn man die regelmäßigen Trainingseinheiten dazu nutzt, an den vorhandenen Defiziten zu arbeiten und sich Woche für Woche zu verbessern. Dafür haben wir jetzt den richtigen Mann, Marke Fußballlehrer, an der Seitenlinie. Er würde sich persönlich beleidigt fühlen, gäbe es nichts zu verbessern, daher dürften die kommenden Monate das reinste Vergnügen für ihn als VfB-Trainer werden.
Dem VfB gelang es mit dem Auswärtssieg auf den Relegationsplatz 16 mit nunmehr zwölf Punkten zu klettern. Es war allemal ein Auftritt, der Mut macht für die nächsten schwierigen Aufgaben. Mit Siegen steigert sich automatisch auch wieder das Selbstvertrauen, das Vertrauen in ihren neuen alten Trainer ist ohnehin gegeben. Nun heißt es zuhause gegen den Lieblingsheimgegner Schalke 04 nachzulegen. In seiner ersten Amtszeit schaffte es Stevens, eine neue Heimstärke (unter anderem auch gegen seine alte Liebe Schalke) zu generieren, die jetzt wieder bitter nötig wäre, um die nötigen Punkte im Kampf um den Klassenerhalt zu erringen. Aus den vier verbleibenden Spielen bis zur Winterpause sollten möglichst noch zwei Siege herausspringen, dann, mit 18 Punkten, hätte man eine vernünftige Basis für die Aufholjagd in der Rückrunde gelegt.
Für uns ging es nach dem Spiel noch einmal in den Schwarzwaldblick, wo die Sky-Sendung „Mein Stadion“ mit Uli Potofski zu Gast war. Fast als die letzten Gäste und zu später Stunde begaben wir uns schließlich auf die Suche nach dem Auto unserer Rückfahrgelegenheit. Da mittlerweile keine Bahn mehr zu jenem Park & Ride Platz fuhr, irrten wir in etwa eine geschlagene Stunde herum, und fanden das Vehikel dann auch schließlich. Für diese verlorene Zeit wurden wir insofern entschädigt, dass wir, entgegen des Plans uns nach Bühl zur S-Bahn zu chauffieren, mit Tempo 220 im Audi AS bis vor die Haustür nach Weisenbach gefahren wurden, die wir gegen 3 Uhr morgens erreichten. Total kaputt zwar, aber, mit dem ungewohnten Gefühl eines Sieges, der auch heute noch unheimlich gut tut.

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15. Februar 2011

Endlich Aufwachen VfB!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 17:38

Es ist mittlerweile 5 nach 12!

Nach dem Debakel gegen Nürnberg gilt es jetzt, alle Kräfte zu bündeln und Wiedergutmachung zu betreiben. Es kann einfach nicht sein, dass eine Mannschaft sich dermaßen leb- und emotionslos, ohne Biss und ohne Konzentration, ohne Kampf- und Laufbereitschaft, präsentiert wie am letzten Samstag. Dem Verein und den Fans sind es die Millionarios schuldig, alles aus sich herauszuholen und alles dem gemeinsamen Erfolg unterzuordnen. Wenn der von Bruno Labbadia eingeführte 8-Stundentag nicht ausreicht, um das Bewusstsein zu schärfen, muss eben ein 10- oder 12-Stundentag her. Dieser könnte in etwa so aussehen.

8 Uhr: gemeinsames Frühstück
9 Uhr: Taktik- und Mentalschulung
10-12 Uhr Training
12.30 Uhr gemeinsames Mittagessen
13.15 Uhr Besuch eines beliebigen Unternehmens, um einen Blick in die normale Welt zu erhaschen.
16 Uhr bis 18 Uhr Training
Danach Talkrunde mit den Trainingsgästen, um zu erfahren, wie sehr die derzeitige Situation den Menschen an die Nieren geht und was die Fans an Geld- und Zeitaufwand auf sich nehmen, um so einen Dreck wie gegen Nürnberg vorgesetzt zu bekommen.

Dazu könnte den einen Tag ein Mentaltrainer versuchen die Blockaden zu lösen, an einem anderen könnten Zeitzeugen zu Wort kommen, die den Abstieg 1975 hautnah erlebt hatten und über die Wirkung dieses Desasters auf eine ganze Region dozieren könnten.

Mir würde noch einiges mehr einfallen. Egal was sie gedenken zu tun, bitte nicht alles einfach so dahin plätschern lassen und meinen, es würde sich von selbst alles zum besseren wenden. Diese Mannschaft braucht Anführer, die die Richtung vorgeben und zwar von außen. Innerhalb der Mannschaft ist keiner der das Heft in die Hand nehmen kann, das wurde uns am Samstag deutlich vor Augen geführt.

Aufgrund einer völlig verfehlten Personalpolitik in den letzten Jahren mit verschiedensten Trainertypen, die verschiedenste Spieler wollten, haben wir mittlerweile ein Sammelsurium an Durchschnittskickern, man könnte auch sagen Egoisten, die weder menschlich noch sportlich zusammen passen oder miteinander harmonieren. Für den Trainer ist es die große Kunst, aus diesem Geflecht ein, den Umständen entsprechendes, einigermaßen funktionierendes Gebilde zu schaffen, nämlich eine Mannschaft, die miteinander und nicht gegeneinander spielt und für eine gemeinsame Sache, nämlich den Klassenerhalt mit dem VfB, eintritt. Da aus dem Kreis der Spieler kaum einer heraus sticht, der unentbehrlich wäre, mir fällt eigentlich zur Zeit nur Christian Träsch ein, lagen meine größten Hoffnungen auf Besserung in dieser Saison während der Transferperioden.

Im Sommer wurde, wie in den letzten Jahren, egal ob die Manager Heldt oder Bobic heißen, gezaudert bis zum Schluss, um schließlich irgendwelche Auslaufmodelle oder Invaliden an den Neckar zu lotsen. Nach den Auftritten im Juli und August gegen Fußballgiganten wie Molde, Babelsberg und Bratislava und jeweils mühsamem Weiterkommen, dachte ich, es wäre Warnung genug, dass im Kader noch einmal nachgebessert werden muss. Jedoch, anstatt sich mit dem HSV zu einigen und Petric für etwa 8 Millionen zu verpflichten, einen Spieler, der nachweislich den Unterschied in einer Mannschaft ausmachen kann, zaudert man erneut und legt dem HSV ein inakzeptables Angebot vor, so dass sich diese verarscht fühlen und nicht einmal in die Verhandlungen einzusteigen bereit sind. Hier wurde schon eine große Chance vertan, die Saison in bessere Bahnen zu lenken. Christian Gross, der ständig gemahnt hatte, wegen des Stadionumbaus würde zu wenig in die Mannschaft investiert, sah sich bestätigt. Ich denke, das dürfte der letzte Auslöser gewesen sein, weshalb Gross die Lust verlor. Er wollte eben nicht sehenden Auges in den Abgrund stürzen.

Dann nahm die Saison den Lauf, den man erwarten musste. Gross musste gehen, es wurde keinen Deut besser. Keller kam und ging. Labbadia kam und unterlag zum Auftakt haushoch gegen die Bayern. Das Ergebnis fiel wohl nur nicht zweistellig aus, weil die Bayern irgendwann die Lust aufs Toreschiessen verloren. Es folgten Fanproteste vor der Haupttribüne wie fast vor Jahresfrist. Erwin Staudt, ja, den gibt’s auch noch, verkündetete, in der Winterpause werde alles getan, um den VfB wieder in ruhigere Fahrwasser zu bringen und auch personell nachgebessert.

Also, begründeten sich meine Hoffnungen erneut auf die Wechselperiode. Ich konnte den 1.1.11 kaum erwarten, so gespannt war ich, wer denn da in der Warteschlange alles stehen würde. Zeit genug hatten die Oberen ja, war es doch schon lang klar, dass der Kader in der Zusammenstellung nicht passt und zu schwach ist.

Unsere Abwehr, ein Hühnerhaufen sonders gleichen. Ich persönlich hätte mich sogar auch mit einem erfahrenen Torwart anfreunden können, da ich es Sven Ulreich mittlerweile nicht mehr zutraue in dieser schwierigen Situation ein sicherer Rückhalt zu sein. Dazu ist unsere komplette Innenverteidigung austauschbar derzeit. Delpierre und Tasci stellten sich am Samstag auch an, als hätten sie noch nie miteinander gespielt. Es fehlt an der Klasse, am blinden Verständnis, am Antizipieren von Situationen, an Konzentration, an Technik etc. Aber auch Niedermeier und Boulahrouz bekleckerten sich bei ihren Einsätzen nicht mit Ruhm. Also hätte ich mir einen gestandenen Innenverteidiger vorstellen können, von mir aus aus der 2. Liga. Als Manndecker sind die Aufgaben im Spiel begrenzt und mit ein bisschen Hirn, sprich Spielintelligenz und Konzentration, kann man schnell in die Aufgabe hineinwachsen, auch wenn man aus der unteren Etage kommt.

Im defensiven Mittelfeld hat sich Bah leider im Trainingslager verletzt, der offensichtlich für einen Stammplatz vorgesehen gewesen wäre. So hätte ich mir dafür auch einen kompromisslosen Abräumer Marke Van Bommel, Jones oder Bajramovic (in seinen besseren Zeiten) gewünscht neben Träsch. Kuzmanovic fällt mehr durch sinnloses Armheben als durch durchdachte Aktionen auf dem Platz auf, ist zu langsam und lässt sich allzu leicht überspielen.

Gentner scheint zwar eine Stammplatzgarantie zu besitzen, überzeugte bislang aber auch noch nicht. Er ist offensichtlich der Typ Spieler, der in einer funktionierenden Mannschaft glänzen kann, in der derzeitigen Situation leider aber auch nur ein Mitläufer.

Auf den Außenbahnen hätten wir meiner Meinung nach auch noch jemand schnelles, trickreiches gebrauchen können. Dass es Camoranesi nicht war, hat die sportliche Leitung erkannt und ihn wieder ziehen lassen.

Stattdessen wurden Okazaki und Hajnal geholt. Ob sie uns noch entscheidend weiterhelfen wird sich noch zeigen. Im Fall des Japaners zeichnet sich ja eine Hängepartie wegen der Spielberechtigung ab, auf deren Ausgang ich sehr gespannt bin. Glaubt man den Ausführungen des abgebenden Vereins, hat der VfB Anfängerfehler gemacht und damit gegen die FIFA-Statuten verstoßen.

Nicht nur deshalb halte ich Fredi Bobic auf dem Posten des Managers mittlerweile für eine Fehlbesetzung. Anfangs fand ich es gut, als er kam, weil ich ihn mochte, schon als Spieler. Weil er einer ist, dem der VfB am Herzen liegt wie ich dachte. Weil er seine Meinung auch gegen Widerstände verteidigt, wie ich dachte. Weil er somit auch unserer selbstherrlichen Vereinsführung die Stirn bieten könnte, wie ich dachte. Leider hat sich nichts von alledem erfüllt. Bobic ist wieder einmal nur einer, der vor den Karren der Vereinsführung gespannt wurde und Öffentlichkeitsarbeit betreiben darf. Die Geschicke des Vereins werden weiterhin maßgeblich von Hundt und Ruf gelenkt, so dass für die Selbstverwirklichung eines Managers nach wie vor kein Raum bleibt.

Ich wiederhole mich hier sicherlich: bei der Managerauswahl hätte Christian Gross mit eingebunden werden müssen und die Auswahl auf jemanden fallen müssen, mit dem Gross konnte. Bobic erweckte von Beginn an den Eindruck, nicht sonderlich große Stücke auf Christian Gross zu halten und schmiss ihn bei der nächst besten Gelegenheit raus. Über Gross kann von seiten des Vereins noch so viel schmutzige Wäsche gewaschen werden. Ich bin noch immer überzeugt davon, dass er, wenn er die notwendigen Rahmenbedingungen bekommen hätte, beim VfB ähnlich erfolgreich gewesen wäre wie mit dem FC Basel. Für mich der beste VfB-Trainer seit Jahren. Es kann nicht angehen, dass sich einzelne Spieler beim Manager oder Präsidenten über den Trainer ausweinen können und dort sogar noch Gehör finden. Dass ein Trainer streng ist, dass ein Trainer nicht ständig mit jedem redet und jeden verhätschelt, liegt im Naturell eines Individuums. Der Trainer, der unseren Herren Profis genehm ist, muss sicher erst noch gebacken werden.

Summa summarum hat Bobic für mich als Manager versagt, in Sachen Trainerentlassung und –auswahl und in Sachen Transferpolitik sowieso. Er scheint ähnlich plan- und konzeptlos zu sein wie unsere Vereinsführung schon seit Jahren.

Es müssen Veränderungen im Verein her auf allen Ebenen. Nachdem er jahrelang ein Feindbild für mich war, würde ich mittlerweile freuen, wenn z. B. ein Ralf Rangnick für den Verein gewonnen werden könnte, als Sportdirektor oder Trainer sei dahin gestellt, der dem Verein wieder ein Konzept gibt, vom Jugendbereich, über unsere Zweite bis zur (noch) Bundesligamannschaft. Noch wäre er zu haben und wäre u. U. auch dazu bereit, schon alleine wegen der Nähe zu seiner Heimat Backnang. Natürlich müssten unsere Oberen hier Kompetenzen abtreten und ihm den Personenstab zur Seite stellen, den er meint, für einen vernünftigen Aufbau zu benötigen. Voraussetzung ist natürlich, dass Rangnick dem VfB inzwischen verziehen hat, wie er seinerzeit vom Hof gejagt wurde und, dass der VfB ausnahmsweise einmal nicht zu spät dran ist.

Nach dem Spiel gegen den Club fällt es mir schwer, noch an den Verbleib in der Liga zu glauben. Dennoch werden wir weiterhin alles für den VfB geben und ihn unterstützen, auswärts und daheim. Es muss in die Köpfe der Spieler, welche Katastrophe sie anrichten, wenn sie die Dinge weiter so geschehen lassen wie bisher. Ich denke, sechs Siege sollten mindestens her, um sicher nicht abzusteigen. Möge die Mannschaft gegen Leverkusen damit beginnen.

Für das Spiel in Lissabon erhoffe ich mir ein Team, das sich nicht blamiert. Dass das Hauptaugenmerk auf dem Nichtabstieg liegt, ist logisch. Trotzdem fahren etwa 1.200 Fans mit, mich eingeschlossen, die es verdient haben, für die Unterstützung eine Gegenleistung zu bekommen. Sollte irgendjemand in der Vereinsführung oder im Trainerstab vorhaben, den Kick abzuschenken, dann soll er lieber gleich die Fans auszahlen und sie bitten, lieber daheim zu bleiben. Das wäre immer noch ehrlicher als die Aussagen von Armin Veh damals in Sevilla: „wärd Ihr halt daheim geblieben“.

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1. November 2010

“Gastfreundschaft” à la Wolfsburg und die sich zuspitzende Krise des VfB

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 10:49

Trotz der in dieser Saison meist desolaten Auftritte der Brustringträger, entschlossen wir uns, auch zum Spiel nach Wolfsburg zu fahren. Der Fanclub setzte leider keinen Bus ein, so dass wir uns am Samstag morgen gegen 7 Uhr ins Auto setzten und los brausten. 525 Kilometer lagen vor uns. Wir hofften natürlich gut durchzukommen, bauten aber natürlich ob der Entfernung einen zeitlichen Puffer ein, um auch einen größeren Stau mit Ruhe und Gelassenheit über uns ergehen lassen zu können. Es kam aber Gott sei Dank nicht so. Trotz einiger kleinen und einer größeren Kaffeepause erreichten wir bereits gegen 13 Uhr den kostenlosen Parkplatz nahe der Volkswagenarena.

Das Stadion wurde dem VfL Wolfsburg von der Volkswagen AG und der Wolfsburg AG quasi geschenkt, keinen müden Cent mussten die Wölfe dafür locker machen. Wie es möglich ist, die 50+1-Regelung zu untergraben, der VfL Wolfsburg ist das beste Beispiel. Sie gelten, wie auch Bayer 04 Leverkusen als Präzedenzfall, da sie in den jeweiligen Konzern integriert sind, was das ganze nach Auffassung der DFL “legal” macht. So wird es dem Retortenverein ermöglicht, teure Spieler wie Diego zu verpflichten oder Wahnsinns-Angebote für einen Dzeko abzulehnen. Mit Gerechtigkeit hat dies wenig zu tun, müssen sich doch andere Vereine einen solchen Geldsegen hart erwirtschaften. Es kommt ja in Mode, mit solchen Modellen den schnellen Erfolg kaufen zu wollen, siehe Hoffenheim, siehe auch Red Bull Leipzig, die in einigen Jahren wohl als weiterer Kandidat für die internationen Plätze in der Bundesliga in Frage kommen werden. Gute Nacht Fußball-Deutschland! Wirkliche Traditionsvereine verschwinden immer mehr von der Bildfläche, Retortenvereine ohne Fankultur, für die Fußball mehr Event als Sport ist, stampfen aus dem Boden. Ihnen werden ohne eigenes Zutun Arenen hingestellt und aus dem Einzugsgebiet Fans abgeworben. Auf diejenigen, die inzwischen von Eintracht Braunschweig zu Wolfsburg abwandert sind, kann Braunschweig sicher ebenso verzichten, wie wir auf diejenigen, die zu Hopps Dorfverein gehen. Dennoch machen solche Vereine auf Dauer den Fußball kaputt und verderben den Spielermarkt, indem Preise und Gehälter gezahlt werden, die sich ein normal wirtschaftender Verein nicht mehr leisten kann.

Wenn man sieht, wie Volkswagen in dieses “Projekt” Kohle buttert, dürfte eigentlich ein jeder Fan eines anderen Vereins, sich keinen VW kaufen. Man unterstützt doch nicht gerne die Konkurrenz. ;-)

Nachdem ich mein Tagwerk, was das Autofahren angeht, vollbracht hatte, Anita fährt ja traditionell zurück :-) , lechzte ich nach meinem ersten Bier. Also gingen wir in Richtung des Stadions. Die ersten beiden Krombacher-Stände waren noch nicht einsatzbereit, sie schickten uns in den Gästebereich, wo das Bier schon fließen würde, was sich auch bewahrheitete. Nach einer mehr schlechten als rechten Krakauer und einem Bier wollten wir zurück laufen, Richtung Parkplatz, wo wir also her kamen, um das Treiben rund ums Stadion zu beobachten. Wir hatten ja noch viel Zeit und wollten nicht die ganze Zeit an einem Fleck verbringen. Diese Rechnung hatten wir aber ohne die Wolfsburger Polizei gemacht.

Wie die Brecher standen sie da und ließen uns nicht mehr zurück, da wir ja offensichtlich VfB-Fans wären. Auch unser Einwand, dass unser Auto dort stehen würde, wir von dort auch hergekommen sind, fruchtete nicht, keine Chance. Freiheitsberaubung erster Güte also.

Jeder, der rüber wollte in Richtung der Haupttribüne, wurde gleich abgefangen und es wurde denjenigen der Zutritt verwehrt.

So wuchs natürlich bei einigen VfBlern schon vor dem Spiel der Unmut. Sind sie jetzt abgehoben die Wolfsburger? Bekommt ihnen die Höhenluft nicht? Wir sind doch nicht in Karlsruh oder Frankfurt, wo totale Fantrennung angebracht wäre, sondern nur in dem Retortenstädtchen Wolfsburg, die im wahrsten Sinne des Wortes, was Fußballtradition angeht, noch sehr grün hinter den Ohren sind. Es herrschte absolutes Unverständnis darüber.

Normal reden konnte man mit den Gören auch nicht. Als wir fragten, was das soll, deutete eine sofort auf den Schriftzug “POLIZEI”, nach dem Motto, dies wäre Begründung genug. Als wir dann einwarfen, früher wäre es hier auch noch nicht so gewesen, kam der Brüller, der die anwesenden VfBler zu Lachkrämpfen hinriss: “Damals gab es auch die Wolfsburger Ultraszene noch nicht”. Zunächst einmal warf das eher die Frage auf, ob sie ihre eigenen Leute nicht im Griff haben, ganz abgesehen davon, dass wir keine Ultras gesehen haben. Das Gros der Wolfsburger, die wir gesehen hatten, waren Familien mit Kindern und mehr oder weniger Gebrechliche, welche Ultras also? Vielleicht die?

oder etwa die?

Doch die?

Oder? Einen hab ich noch! Die?

Mir schlottern noch beim Hochladen die Knie. Ernsthaft, wir haben wirklich im Umfeld des Spiels keinen bösartigen Mob oder Vergleichbares bemerkt, auch nicht, als wir nach dem Spiel zum Parkplatz zurück liefen. Da war dann, ohne Blocksperre, der Weg sofort wieder für uns frei. Reine Polizeiwillkür also, die mit einem Rechtsstaat nichts zu tun hat. Als (Auswärts-)Fan gilt man immer mehr als Mensch zweiter Klasse, der seine Grundrechte mit Betreten des Stadiongeländes abgibt. Dass die in anderen Städten, wo es hin und wieder kracht, vorkommt, ist teilweise noch nachzuvollziehen, in Wolfsburg aber mutet es doch sehr lächerlich an. Die nehmen sich dort wichtiger als sie sind!!!

So verbrachten wir also die rund 2 Stunden bis zum Spielbeginn, in dem Bereich, in dem wir Bleiberecht hatten.

Wir tranken noch das ein oder andere Bier und trafen jede Menge Bekannte. Auch die Fanclubs CKB08 aus Berlin, mit denen wir nach dem Babelsberg-Spiel noch schön feierten sowie der Rote Brustring Hamburg, die nach dem HSV-Spiel wieder eine Barkassenfahrt veranstalten, zu der ich uns wieder angemeldet habe, trafen ein. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie die VfB-Fans aus allen Teilen der Republik unserem VfB die Treue halten.

Noch ein schnelles (Voll-)Bier draußen, drinnen gabs nur Krombacher alkoholfrei. Gegen 15 Uhr gingen wir dann hinein, die Einlasskontrollen waren teils auch übertrieben, wie wir mitbekommen haben, wir selbst hatten aber Glück und waren schnell drinnen.

Wie in vielen anderen Stadien auch im Gästeblock, kam man sich vor wie in einem Käfig. Eisengestänge drumrum und zum Bereich der Wolfsburger sogar ein Stromzaun. Wenn die Fans in einen Käfig gesperrt werden, braucht sich auch niemand zu wundern, wenn sich manche aufführen wie Tiere. So etwas, wie allgemein das Vorgehen gegen Gästefans, schürt natürlich die Aggressionen. Vor 20 Jahren hätte ich das Ganze auch nicht so ruhig über mich ergehen lassen…

Wir hatten unsere Plätze links neben dem Stehbereich und waren etwas sichtbehindert durch das Eisengestänge, zwei Pfosten und dem Fangnetz, was das Fotografieren erschwerte.

So langsam fieberte man dann schon dem Anpfiff entgegen. Der VfB war stark ersatzgeschwächt zu erwarten, da sich nach dem Pokalspiel in Chemnitz Niedermeier, Boka, Pogrebnjak und Marica verletzt abmeldeten und nicht einmal im Kader standen. Einer, mit dem ich nicht rechnete, war jedoch dabei: Christian Gentner. Dessen Verletzung gewann ich allerdings Positives ab, so dass sich die Begeisterung in Grenzen hielt, dass er doch dabei war. Auf ihn habe ich mich in den letzten Wochen und Monaten eingeschossen, da er weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Er wirkt auf dem Platz wie ein Spaziergänger, dazu noch einer, der das Spiel verschleppt, anstatt mal (gedanken-)schnell weiter zu spielen. Er wirkt, also ob ihm die ganze Situation, in der der VfB steckt, scheißegal wäre. Er zählt zu den Topverdienern beim VfB, hat bei seinem “ablösefreien” Wechsel sicherlich ein enormes Handgeld eingesackt und kann wieder bei Muttern zu Mittag essen. Er hat’s also geschafft… Dennoch hatte ich dann ein wenig Hoffnung, dass er vielleicht gegen seinen Ex-Verein zu der Form aufläuft, die ihn einst zum Nationalspieler werden ließ.

Beim Verlesen der Wolfsburger Aufstellung rief bei mir der Name Diego Unmut hervor.

Eigentlich mag ich den Spieler aufgrund seiner Spielintelligenz, Technik, Schussstärke, Eleganz, etc. Aber er ist eben auch immer wieder für einen Ausraster gut. So hätte er für seine Tätlichkeit im Spiel gegen Leverkusen an Vidal nachträglich gesperrt werden MÜSSEN. Diese fand hinter dem Rücken des Schiedsrichters statt. Weshalb das Verfahren eingestellt wurde, erschließt sich mir nicht. Bezeichnend, dass gerade Diego beide Tore vorbereitete. Auch Kjaer hätte bei seinem Bodycheck im letzten Spiel gegen Nürnberg vom Platz gestellt werden müssen. So konnte eben Wolfsburg das Spiel durch Mitwirkung des DFB in Bestbesetzung angehen. Es soll mir keiner erzählen, der DFB, zusammen mit seinen Schiedsrichtern, beeinflusse nicht den Ausgang der Meisterschaft in erheblichem Maße, wenn man sich vor Augen führt, wie wir schon benachteiligt wurden in dieser Saison.

Der VfB begann in den ersten 3, 4 Minuten ganz ordentlich und war bemüht nach vorne zu spielen. Doch bereits die erste Ecke der Wölfe (Diego auf Kjaer; da war doch was…) führte zum Rückstand. Ärgerlich, denn die Zuteilung bei Standards dürfte auch Azubi Keller vorher besprochen haben.

So war es natürlich von Beginn an schwer, in diesem Spiele den sanften Aufwärtstrend zu bestätigen, zumal die Wolfsburger enorme Qualität in ihren Reihen haben. Hätten die Wolfsburger ihre Chancen konsequenter genutzt, hätten wir dort auch böse unter die Räder kommen können. Der VfB war einmal mehr zu schwach, um die Wölfe ernsthaft in Gefahr bringen zu können. Es offenbaren sich technische Mängel, die einer Bundesligamannschaft einfach unwürdig sind. Kaum einmal ein sauberes Zuspiel, so dass der angespielte erst einmal zu tun hat, das Zuspiel zu verarbeiten. Dazu immer noch zu wenig Laufbereitschaft und Kampf, so dass null Überraschungsmomente erzeugt werden. Dem VfB im Jahr 2010 fehlt es eindeutig an Qualität. Ein Träsch alleine reicht nicht! Unsere linke Seite mit Molinaro und Gentner brachten einmal mehr kaum einen vernünftigen Angriff zustande. Gentner, in der Vorbereitung noch in der Innenverteidigung eingesetzt, versagte danach auf der Position des Doppelsechsers, durfte dieses Mal im linken Mittelfeld ran, wo er aber auch überfordert war. Sein Spiel ist einfach zu behäbig, dazu hat er keinen linken Fuß, um auch nur eine vernünftige Flanke schlagen zu können. Auch Keller hat das erkannt und ließ zur zweiten Halbzeit Gentner und Gebhart die Seiten tauschen, was aber leider auch nicht für mehr Durchschlagskraft sorgte. Das Spiel plätscherte so dahin, ohne eine Phase, in der man wirklich den Eindruck hatte, die Wende zum Guten könnte eintreten. So kam es wie es kommen musste. Zunächst hatte der VfB ncoh Glück, dass Boulahrouz kein Eigentor unterlief, im Anschluss daran aber köpfte Dzeko eine Diego-Ecke nahezu ungehindert ein.

Wie die Wende noch herbeigeführt werden kann? Ich habe kein Rezept. Der VfB hat es im Sommer versäumt, mit Qualität nachzulegen. Bis zur Winterpause müssen wir mit diesem Kader leben und dabei hoffen, dass nicht schon alles verspielt wird. Die Wirkund des Trainerwechsels, mit dem ich nach wie vor überhaupt nicht einverstanden bin, droht zu verpuffen. Kommenden Sonntag eine Niederlage gegen die angeschlagenen Werderaner und wir haben die nächste Trainerdiskussion. Keller wieder ins zweite Glied zu versetzen dürfte ein Leichtes sein, dann wäre einer gefragt, der sich im Abstiegskampf auskennt und nicht nur Phrasen drischt, sondern gefragte Tugenden auch auf dem Platz umsetzen läßt. Es ist allzu traurig, was die Herren vom Vorstand und vom Aufsichtsrat aus unserem VfB, vor drei Jahren noch Meister, gemacht haben. Keine Ahnung, keine Planung, kein Konzept: Vorstand raus! Es muss einfach Fußballsachverstand einkehren. Ein Staudt mit seiner Aussage vor der Saison vom Übergangsjahr ist nicht tragbar. Ein Übergangsjahr kann es in einer so engen Bundesliga nicht geben. Es ist eben so, man kämpft entweder um die internationalen Plätze oder gegen den Abstieg. Für letzteres haben sich die Herren wohl entschieden und dieser Schuss scheint nach hinten loszugehen. Es rächt sich die Sparpolitik, getrieben von der Motivation, die letzte Rate für den Stadionumbau etwas früher tilgen zu können. Sparen an sich ist ja nichts verwerfliches. Auch Dortmund oder Mainz haben ihren Kader nicht teuer verstärkt. Es fehlt an Sachverstand und an einem vernünftigen Scouting, wenn man einen teuren Gentner zurück holt, der seine Lieblingsposition als Doppel-Sechser hat, zu einem Zeitpunkt, wo sowohl Hitzlsperger, Lanig, Khedira, Träsch und Kuzmanovic da waren. Hier lasse ich mir als Backup eine Billiglösung à la Bah gefallen, aber doch nicht einen hochbezahlten Gentner, den man aufgrund seines Marktwertes nicht unbedingt auf der Bank versauern lassen möchte. Dass Degen in Liverpool kaum gespielt hatte, wusste man. Hier ist sicher auch Pech im Spiel, dass er kurz nach seiner Verpflichtung am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankte. Einen Audel zu holen barg ebenfalls ein Risiko, da er als sehr verletzungsanfällig gilt. Bei ihm muss man abwarten, ob die Verletzung, erlitten im Pokalspiel in Babelsberg, einfach nur Pech war oder ob wir uns erneut einen Dauer-Reha-Patienten heranzüchten. Rudy zu verscherbeln und als Ersatz einen Camoranesi zu präsentieren, dafür fehlt mir auch das Verständnis. Bei Juve war er zuletzt nur noch Ergänzungsspieler und erhielt dort keinen neuen Vertrag mehr. Nach seinem Platzverweis gegen Leverkusen fand er sich in Wolfsburg auch bei uns auf der Bank wieder.  Diese Verpflichtung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, war man doch gerade dran, das Gehaltsniveau zu senken! Von den Neuzugängen konnte bis auf Harnik noch kein einziger nachweisen, dass er es wert ist, den Brustring zu tragen.

Warum schafft es der VfB jedes Jahr aufs Neue nicht, zum Trainingsauftakt einen vollständigen Kader zu präsentieren, der sich in der Sommerpause einspielen kann. Wenn es sich dann herausstellt, dass man an der ein oder anderen Stelle zu dünn besetzt ist, kann man bis zum 31.8. nachbessern. Der VfB aber legt sein Handeln darauf aus, dass bis Ende der Transferperiode die Preise fallen, merkt aber nicht, dass dann fast nur noch Ramsch übrig ist, der bisher noch nirgends untergekommen ist. Wann lernt der VfB endlich aus diesem Fehlverhalten? Das mangelnde Scouting ist sicher einer der Hauptgründe des Niedergangs. Ein anderer ist die selbstherrliche Art des Vorstands, die keinen Kontrapart neben sich dulden und konstruktive Kritik nicht annehmen. Gross wäre ein Trainer gewesen, mit dem man etwas Kontinuität hätte hereinbringen können, allerdings hätte man dann einen Manager holen müssen, der mit ihm auf einer Wellenlänge funkt und nicht von vornherein auf Distanz zu ihm geht. Wer es jetzt noch richten soll, sollte auch Keller mit dem Spielermaterial scheitern, ich weiß es nicht. Die Situation jedenfalls ist sehr beängstigend.

Der Unmut der treuen Fans wächst inzwischen auch, das war deutlich zu spüren, als die Mannschaft nach dem vergeigten Spiel in die Kurve kam. Die Trainerentlassung stößt vielen, wie mir, noch immer auf, dazu kommt, dass kaum mehr Identifikation mit der Mannschaft vorhanden ist. Wer mit so wenig Esprit spielt und kein Aufbäumen an den Tag legt, dem kann die Situation nicht so ernst sein, wie es bei uns Fans der Fall ist. Wer nach dem Spiel Gentner gesehen hat, wie er mit Josue gelacht und rumgeflachst hat, der kann erahnen, wie wenig nahe ihm der Ernst der Lage geht.

Die Spieler machen ihr Ding, kommen artig in die Kurve und lachen hinterher die Fans noch aus, die ihnen wegen jedem Gurkenkick hinterher reisen. Und sollte dieses Rumgegurke am Ende im zweiten Abstieg nach 1975 münden, sind 90% weg und deren Nachfolger müssen den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. In der Fanszene aber rumort es. Die “Aufwachen”-Rufe waren sicher ein sanfter Versuch des Wachrüttelns. Dass ein solches Rumoren auch in Eskalation münden kann, hat man letztes Jahr rund um das Bochum-Spiel gesehen. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt und die Mannschaft schnellstens in die Spur findet.

Am Donnerstag geht es bereits weiter in Getafe in der Europa League. Dort sind wir Tabellenführer und könnten mit einem Sieg bereits die Weichen für die nächste Runde stellen. Ich hoffe, dass der VfB mit der bestmöglichen Mannschaft antritt und das Spiel nicht herschenkt wegen der anstehenden Aufgabe gegen Bremen. Das wäre ein weiterer Affront gegen die mitreisenden Fans. Ich werde dort sein und hoffe auf ein gutes Spiel mit Leidenschaft vom VfB. Von dem leblosen Gekicke der letzten Wochen habe ich ehrlich gesagt die Nase voll. Bilder davon folgen am Freitag.

Bis dahin, eine schöne Woche und Grüße

Franky

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13. Oktober 2010

Geht’s noch, VfB???

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 11:43

Als ich die Nachricht von der Entlassung von Gross vor gut einer Stunde mitbekommen habe, wäre ich fast von meinem Bürostuhl gefallen. Haben die Oberen unseres Lieblingsvereins noch alle Tassen im Schrank?

Derer eigenen Unfähigkeit geschuldet, muss das nächste Bauernopfer dran glauben. Fehler werden Menschen verziehen, vorausgesetzt, sie wiederholen sich nicht ständig. Was aber die Vereinsführung hier gemacht hat, ist ein Schmierentheater ohne gleichen.

Christian Gross hat den VfB zur mit Abstand besten Rückrundenmannschaft geformt, die bei annähernd guter Vorrunde das Zeug zum Meister gehabt hätte. Dann reißt man aus diesem Korsett Leistungsträger heraus, holt keinen adäquaten Ersatz trotz inständigem und verzweifelten Mahnens des Trainers. Man schafft es abermals nicht, zum Trainingsauftakt den Kader zusammen zu haben, sondern bedient sich des Trugschlusses, gegen Ende der Transferperiode würden die Preise fallen. Dass dies nicht der Fall ist “überrascht” die Herren jedes Jahr aufs Neue. Stattdessen bekommt man Spieler von der Resterampe, die noch nirgends untergekommen und nicht schnell genug auf dem Baum sind. Als dann plötzlich Petric auf dem Markt war, meinte man, den HSV mit für einen solchen Spieler lächerlichen 3,5 Millionen über den Tisch ziehen zu können. Mit dem Spieler war man bereits einig, Christian Gross hätte seinen Wunschspieler bekommen, mit dem er bereits in Basel gut zusammen gearbeitet hatte, und wir hätten einen Spieler bekommen, der in einer Mannschaft den Unterschied ausmachen kann. Nein, diesen Gefallen wollte der Vorstand seinem Trainer nicht tun, stattdessen holte man einen alternden Weltmeister, der auf seine alten Tage noch fürstlich entlohnt wird. Auch er von der Resterampe, denn bei Juventus sollte er diese Saison keine Rolle mehr spielen.

Damit wurde die Chance vertan, frühzeitig noch die Kurve zu bekommen und als Kapitän das Ruder noch einmal herumzureißen. So wurde Christian Gross ins offene Messer laufen lassen, denn in den ersten Pflichtspielen Ende Juli und im August (Molde, Babelsberg, Mainz, Bratislava, Dortmund, Freiburg) hatte es sich gezeigt, dass die Qualität nicht ausreicht. Diese Serie setzte sich erwartungsgemäß fort und am Ende muss wieder einmal der Trainer ins Gras beißen. Bravo, Ihr Herren vom Vorstand.

Dass das Gehaltsniveau von 60 Millionen auf 45 Millionen heruntergefahren wurde, ist ja aller Ehren wert. Dass dies aber bereits alleine durch die eingesparten Gehälter von Hleb, Lehmann und Khedira geschehen sein müsste, darüber erzählt uns niemand etwas.

Als Fan muss man wohl oder übel akezptieren, dass in unserem Vorstand zwar keine sportliche, dafür aber geballte wirtschaftliche Kompetenz zu finden ist. Was die Herren aber dann geritten hat, überhaupt erst ein solches Gehaltsniveau, das fast die Hälfte der Gesamtausgaben verschlungen hat, zuzulassen, sollten sie auch erklären. Es ist ja nicht so, dass man uns in den letzten Jahren einen Diego, Van der Vaart oder Robben vorgestellt hatte, bei uns verdien(t)en diese Gehälter Bankdrücker oder Dauer-Reha-Patienten wir Boulahrouz und Bastürk. Diese Herren leb(t)en in einem Schlaraffenland und sahen bzw. sehen überhaupt keine Notwendigkeit sich nach Alternativen umzuschauen, auch wenn sie noch so selten spiel(t)en. Ich möchte das nicht an diesen beiden Namen festmachen, sie sind nur zwei von vielen Beispielen aus den letzten Jahren. Seit der Meisterschaft 2007 ist hier fast nur Missmanagement zu beklagen, wofür die Herren hoffentlich bei der nächsten Mitgliederversammlung die Quittung erhalten. Würde man einen starken Trainer akzeptieren und ihm und seiner Philosophie folgen, könnte man solche Legionäre auch mal sanktionieren, so dass sie eben kein Schlaraffenland mehr vorfinden.

Die letzten Wochen gaben Hundt und Staudt ein erbärmliches Bild in der Öffentlichkeit ab. Hundt machte öffentlich Stimmung gegen Gross. Staudt ließ sich, wie auch im letzten Jahr, höchstens auf dem Wasen blicken und quittierte selbst das Pfeifkonzert gegen seine Person mit seinem bekannten süß-sauren Lächeln. In Sport im Dritten am Sonntag sollte er sich stellen, gab aber auch nur das Bild eines ratlosen Häufchen Elends ab. Dazu durfte sich noch unser neuer Hauptsponsor, Herr Garcia von GAZI, Christoph Daum als neuen Trainer wünschen.

Mir tut in diesem Schmierentheater Christian Gross unendlich Leid. Ich hatte zwar schon befürchtet, dass er vielleicht selbst irgendwann einmal hinschmeißt, wenn er ständig gegen Windmühlen anrennt. Er ist aber ein ausgewiesener Fachmann, der am wenigsten für die derzeitige Krise kann.

Ihn ließen wieder einmal die Herren Spieler im Stich, die jetzt unter einem neuen Mann sicher wieder 20% mehr laufen und sich taktisch geschickter bewegen. Dann werden sich die Herren vom Vorstand auf die Schenkel klopfen und sich wieder einmal beglückwünschen wie toll sie alle sind. Schämt Euch!

Ich habe die große Hoffnung, dass sich die Fans, die, wenn man sich in den einschlägigen Foren umschaut, genauso sauer sind, wie ich, es sich dieses Mal nicht klaglos gefallen lassen sondern (friedlich)  auf die Barrikaden gehen. Ein erster Protest heute um 16.30 Uhr am Vereinsgelände zeichnet sich bereits ab.

Nichts desto trotz werde ich am Samstag auf Schalke meinen VfB unterstützen. Ich liebe das Wappen, die Tradition, aber nicht immer das verantwortliche Personal.

In diesem Sinne, bleibt dem VfB treu, viele Grüße

Franky

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3. November 2009

Interview mit Horst Heldt “Solche Auswüchse sind Gift”

Category: Presse — Tags: , , , , , , , – Franky @ 20:14
VfB-Manager Horst Heldt

VfB-Manager Horst Heldt

Vor dem morgigen Auftritt in der Champions League beim FC Sevilla nimmt Horst Heldt die Mannschaft in die Pflicht – und das Trainerteam in Schutz. Außerdem dementiert der VfB-Manager die Gerüchte um Jürgen Klinsmann und er ärgert sich über Guido Buchwald.

Herr Heldt, warum verliert der VfB morgen in der Champions League beim vermeintlich übermächtigen FC Sevilla nicht?

Weil ich hoffe, dass uns der leichte Aufwärtstrend nach dem 0:0 am Samstag gegen den FC Bayern genügend Kraft und Selbstvertrauen gibt. Es wäre schön, wenn wir in Sevilla punkten könnten – wobei wir nicht vergessen dürfen, dass dieser Gegner ein europäisches Spitzenteam ist.

Wie soll das mit dem Punkten klappen mit einer Mannschaft, der es immer wieder an der erforderlichen Disziplin mangelt?

Disziplin ist im Fußball das oberste Gebot. Diese Tugend zeichnet erfolgreiche Mannschaften aus – auf dem Platz und außerhalb davon. Aber weil wir gerade sportlich in einer sehr schwierigen Situation sind, haben wir hier keinen disziplinlosen Haufen.

Zu hören ist jedoch, dass es immer wieder Spieler gibt, die verspätet zu einem Treffpunkt erscheinen oder sich nicht an die vorgeschriebene Kleiderordnung halten. Sind das für Sie nur Kleinigkeiten?

Nein, wenn einer ausbüchst und sich nicht an die Spielregeln hält, wird er bestraft. Dafür gibt es einen Katalog, den das Trainerteam vorgibt. Denn in unserer Lage sind solche Auswüchse das reine Gift.

Müssten aber nicht auch Sie als Mitglied des Vorstands das Trainerteam unterstützen?

Das mache ich, wenn das im Strafenkatalog festgelegte Ausmaß der Verfehlungen überschritten wird.

Sie sprechen beispielsweise von Alexander Hleb, der nach der Pokalniederlage vor einer Woche in Fürth den Mannschaftsarzt Heiko Striegel attackiert hat?

Genau, Alex hat seine Strafe bekommen, und es war eine harte Strafe. Aber er hat sich danach sowohl bei der Mannschaft als auch bei Heiko Striegel persönlich entschuldigt. Deshalb bleibt da nichts zurück.

Sind die oft zu Gegentoren führenden Disziplinlosigkeiten auf dem Platz eine Folge der Disziplinlosigkeiten außerhalb davon?

Zwar existiert kein direkter Zusammenhang zwischen dem Tragen eines falschen T-shirts und einem Gegentreffer. Dennoch hat das eine etwas mit dem anderen zu tun. Beides ist eine Einstellungssache.

Dafür dass die Einstellung stimmt, sind auch die Cotrainer Rainer Widmayer und Alexander Zorniger verantwortlich. Anscheinend haben die beiden aber bei Teilen der Mannschaft einen schweren Stand. Es heißt, sie würden nicht ernst genommen, weil sie keine Profierfahrung besitzen.

Wenn das so wäre, dann wäre das kein Armutszeugnis für unsere Trainer, sondern für unsere Spieler. Aber es ist nicht so. Der Vorwurf, die Trainer wären nicht anerkannt, ist lächerlich. Mit Rainer Widmayer sind wir in der vergangenen Saison noch Dritter geworden, woran er einen gewiss nicht kleinen Anteil hatte. Und Alexander Zorniger bringt sich hier voll und ganz ein.

Dann können Sie sicher sagen, dass die beiden mit dem Chef Markus Babbel die beste Lösung für den VfB sind?

Absolut. Sie marschieren trotz der nicht einfachen Situation vorneweg und sind die Ersten, die den Hebel umlegen wollen. Außerdem ist es offensichtlich so, dass die Mannschaft ihnen nach wie vor folgt.

Könnte der Grund dafür nicht auch sein, dass die Spieler wissen, was sie an Babbel haben und dass sie von ihm nicht nicht so viel befürchten müssen – vielleicht im Gegensatz zu einem neuen Trainer?

Uns kann da keiner etwas vormachen. Ich war auch mal Spieler. Die Wahrheit zeigt sich auf dem Platz – und da sehe ich, dass die Spieler aus Überzeugung agieren.

Dennoch hält sich das Gerücht, der VfB habe bereits mit Jürgen Klinsmann als möglichen Babbel-Nachfolger gesprochen.

Das ist an den Haaren herbeigezogen. Es hat kein Gespräch mit Jürgen Klinsmann gegeben – und es ist auch kein Gespräch mit ihm geplant. Das ist definitiv so.

Guido Buchwald übt momentan massive Kritik am VfB-Management. Der Ehrenkapitän ist ein guter Freund von Klinsmann. Könnte es sein, dass Buchwald so versucht, Klinsmann beim VfB zu platzieren – und sich mit?

Das weiß ich nicht – und es interessiert mich auch nicht.

Buchwald nimmt vor allem die Transferpolitik aufs Korn.

Es ist immer das Gleiche. Die Neuzugänge sind für den Misserfolg verantwortlich – und die, die schon zehn Jahre im Verein sind, für den Erfolg. Aber so einfach ist es nicht. Zudem haben wir in der vergangenen Saison mit Jens Lehmann, Martin Lanig, Jan Simak und Christian Träsch den dritten Platz belegt – und diese Spieler waren in der Ablöse nicht teuer. Aber das erwähnt Guido Buchwald nicht.

Denken Sie in der Winterpause trotzdem an Neuverpflichtungen?

Darüber werden wir in naher Zukunft sprechen. Aber der größte Fehler wäre es, uns jetzt schon zu sehr mit dem zu beschäftigen, was wir im Januar machen. Denn jetzt muss unser Hauptaugenmerk darauf liegen, die aktuelle Situation zu verbessern.

STZ 3.11.09

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