3. November 2009

VfB-Präsident Staudt im Interview “Die Treffer bei den Transfers haben überwogen”

VfB-Präsident Erwin Staudt traut seinem Teamchef Markus Babbel viel zu: die Doppelbelastung zu meistern, den Trainerlehrgang abzuschließen und gleichzeitig die Mannschaft aus dem Tal zu führen.

Herr Staudt, ist die rote Welt nach dem 0:0 gegen den FC Bayern wieder in Ordnung?

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Gar nichts ist in Ordnung.

Es war immerhin ein kleiner Schritt aus dem Tal.

Wir stehen auf einem Tabellenplatz, der alles andere als gut ist. Das verlangt alle Anstrengungen, um da unten wegzukommen.

Wie erleben Sie die Krise. Auch mit schlaflosen Nächten?

Schlaflos bin ich nicht. Aber ich habe mir natürlich auch Gedanken zu den Ursachen und Lösungen gemacht.

Zu welchen Ergebnissen sind Sie gekommen?

Wir haben umfassend diskutiert und analysiert. Mit allen Gremien, dem Trainerteam und dem Mannschaftsrat. Danach waren wir der Ansicht, dass wir unseren Weg weitergehen.

Pardon. Das hört sich an, als hätten Sie erst gekuschelt, um sich hinterher zufrieden gegenseitig auf die Schulter zu klopfen.

Falsch! In diesen Runden wurde sehr kontrovers diskutiert. Aber das Wichtigste ist, dass wir am Ende die richtigen Schlüsse aus der Situation gezogen haben.

Und wie sehen die aus?

Wir sind uns alle der schwierigen Lage bewusst, in der wir uns befinden. Alleine schon wegen der Trainerausbildung von Markus Babbel.

Sie sagen es. Dieses Projekt ist gescheitert.

Das sehe ich anders. Wir müssen ihn jetzt noch mehr unterstützen.

Glauben Sie wirklich, dass man zwei anspruchsvolle Tätigkeiten gleichzeitig gut machen kann?

In anderen Bereichen ist das sicher leichter möglich als im Bundesligageschäft. Grundsätzlich sind wir nach wie vor davon überzeugt, dass er das schafft.

Aber die letzten Monate haben eher gezeigt, dass es Markus Babbel nicht gelingt.

Das war nicht der ausschlaggebende Grund für die Krise.

Aber ein Mosaiksteinchen.

Alibis lasse ich nicht gelten. Aber man kann das so sehen. In erster Linie ist es ein Medienthema. Wir sind davon überzeugt, dass wir einen sehr guten Mann haben. Und dass er das bewältigt.

So weit hergeholt sind die Analysen nicht. Markus Babbel hat in diesen Tagen selbst eine Reihe von Fehlern eingeräumt.

Wollen wir jetzt wieder das Thema Rotation aufwärmen?

Ein weiteres Mosaiksteinchen.

Wir haben einen Kader, in dem jede Position doppelt besetzt ist.

Doppelt ja, aber nicht in gleicher Qualität. Damit stellt sich die Frage: Wurde der Kader falsch zusammengestellt?

Die Neuzugänge werden in einer solchen Situation immer thematisiert. Im Nachhinein kann man leicht kritisieren. Die Planung war zum damaligen Zeitpunkt schlüssig. Dafür wurden wir öffentlich gelobt.

Es ist die Planung von Horst Heldt. Er wirkt in diesen Tagen sehr angegriffen.

Er arbeitet sehr hart, und natürlich ist er unzufrieden, wie wir alle. Keinen lässt so eine Entwicklung kalt.

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Zum Chefkritiker hat sich Guido Buchwald aufgeschwungen. Er wirft der Vereinsführung Versagen vor. Wie gehen Sie damit um?

Ich bin enttäuscht.Vor allem über die Art und Weise. Als Ehrenspielführer des VfB hätte er direkt zu uns kommen sollen, um bei einer Tasse Kaffee alles zu erörtern. Dass er erneut den Weg über die Medien gewählt hat, enttäuscht mich.

Im Kern dieser Kritik stehen die Transfers. Sind Sie zufrieden mit der Arbeit von Heldt?

Es gibt immer Treffer und Nieten. Da ist bei jedem Club so. Schauen sie sich doch um in der Liga. Ich glaube aber, dass bei unseren Transfers die Treffer überwogen haben.

Welche Rolle spielt der Präsident bei Transfers? Haben Sie das letzte Wort?

Wir definieren zunächst gemeinsam den Bedarf. Danach macht die sportliche Seite Vorschläge, dann entscheidet der Vorstand gemeinsam, wie wir vorgehen.

Kann sich der VfB Vagner Love leisten?

Das werden wir sehen.

Markus Babbel räumte Fehler ein. Haben Sie etwas falsch gemacht?

Wir haben alle Entscheidungen nach bestem Wissen und Gewissen getroffen.

Zurück zur Stürmerfrage. Lässt die Kasse einen hochkarätigen Transfer zu?

Wir können nicht nur Spieler holen, wir müssen auch welche abgeben.

Das Gebot an Manager Heldt lautet also: Erst verkaufen, dann einkaufen.

Im Idealfall sollte das Hand in Hand gehen.

Wer ist Ihr Wunschstürmer?

Einer, der viele Tore schießt.

Hohe Erwartungen. Und was fordern Sie von Ihrer sportlichen Abteilung?

Dass sie die Ruhe bewahrt, konzentriert arbeitet und alles tut, um den Teambuilding-Prozess fortzusetzen. Wir sind in diesem Bereich noch nicht fertig.

Und was erwarten Sie gegen den FC Sevilla?

Das, was ich immer hoffe.

Einen Sieg?

Auch wenn Sevilla ein sehr starker Gegner ist, hoffe ich immer, dass wir Fußball-Deutschland zeigen können, dass wir ein würdiger Vertreter sind.

STN online 3.11.09

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