1. Januar 2016

Jahresrückblick 2015: April bis Juni

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 19:39

Einkalkulierte Niederlage in Wolfsburg

Nach dem erlösenden Sieg gegen die Frankfurter Eintracht folgte zunächst einmal eine dieser nervenden Länderspielpausen. Eine gute Nachricht gab es schon am Vortag des Wolfsburg-Spiels zu vermelden. Antonio Rüdiger gab bei den Amateuren nach viermonatiger Verletzungspause sein Comeback und wird aller Voraussicht nach in den restlichen Saisonspielen zur Verfügung stehen.

Am Ostersonntag machten wir uns also auf den Weg in die Autostadt. Wenn Otto Normalbürger einen auf Familie macht und Eier im Garten versteckt, setzten wir uns um 6 Uhr morgens in den Bus und verbrachten darin fast den ganzen Tag und Teile der darauffolgenden Nacht. Wenigstens war am Ostermontag Zeit zur Regeneration, ab einem gewissen Alter muss man nach einer solch langen Busfahrt schon einmal seine Knochen sortieren.

Dass es bei den Wölfen nichts zu holen geben würde, war fast klar. Die letzten sieben Duelle in der Volkswagenarena wurden allesamt verloren, nach 2006 haben wir dort kein einziges Pünktchen mehr ergattert. Zudem spielte der Tabellenzweite gegen das Schlusslicht, alles andere als eine deutliche Niederlage käme einer Überraschung gleich.

Was also treibt einen an, trotz solch düsterer Vorzeichen, sich diese (Tor-)Tour anzutun? Als Allesfahrer könnte man lapidar darauf antworten, „weil ich eh alles fahre“.

Rationaler gedacht aber ist es das Drumherum, auf das ich mich jedes Mal aufs Neue wie ein kleines Kind freue. Die Mädels und Jungs vom Fanclub, befreundete Fanclubs und Kumpels, die man auf den Raststätten der Republik oder am Stadion trifft, das Kribbeln beim heraustreten aus den Katakomben auf die Zuschauerränge, das unbeschreibliche Gefühl, wenn selbst bei unattraktiven Auswärtsspielen, wie dem in Wolfsburg, über 1.500 VfBler mitreisen, dann ist es dieses Zusammengehörigkeitsgefühl. Das alles sind Faktoren, die mich nach wie vor nicht zweifeln lassen, genau das Richtige zu tun. Und, in Zeiten des sportlichen Misserfolgs steigt natürlich auch die Wahrscheinlichkeit hin und wieder mal einen Sieg zu sehen zu bekommen.

Wie beim letzten Auswärtsspiel in Leverkusen spielte der VfB erst einmal nicht wie ein Tabellenletzter. Nach einer ersten Großchance für die Wölfe, suchte der VfB sein Heil in der Offensive, Niedermeier scheiterte zwei Mal knapp per Kopf. De Bruyne wurde gut aus dem Spiel genommen, weitere Chancen durch Kostic, Harnik und Ginczek waren die Folge, die leider mehr oder weniger schludrig vergeben wurden. Als man sich schon langsam aber sicher auf ein 0:0 zur Halbzeit einstellte, holte Klein Caligiuri im Strafraum völlig unnötig von den Beinen, was einen Foulelfmeter und den Wolfsburger Führungstreffer zur Folge hatte. Der VfB schüttelte sich kurz und schlug postwendend zurück. Harnik nickte eine Kostic-Flanke zum Ausgleich und zum Pausenstand von 1:1 ein.

Nach dem Seitenwechsel war der Stuttgarter Angriffsschwung (wieder einmal) wie weggeblasen. Einmal mehr ließ der VfB Konstanz in seinem Spiel vermissen und verfiel in das Strickmuster, das uns zu einem Abstiegskandidaten werden ließ. Plötzlich stand man zu weit von seinen Gegenspielern weg und ließ eine Angriffswelle nach der nächsten auf das VfB-Tor zurollen. Folgerichtig, allerdings nach einer Standardsituation, gingen die Wölfe wieder in Führung. Ricardo Rodriguez schlug einen Freistoß aus dem Halbfeld mit Effet in Richtung Strafraum, wo Naldo knapp verfehlte. Der Ball flog an Freund und Feind vorbei und schlug ohne Richtungsänderung im Kasten von Sven Ulreich ein. Unbelehrbar dieser Ulle, war dieses Tor doch eine 1:1-Kopie von Rodriguez‘ Tor beim letzten Aufeinandertreffen in der Volkswagenarena. Wenn ein Ball so lang in der Luft ist, sollte ihn der Torhüter wenigstens halten, wenn keiner mehr dran kommt. Für mich ein Torwartfehler! Der VfB versuchte zwar noch einmal zurückzuschlagen, öffnete den Wölfen dadurch aber Räume für ihr Kombinationsspiel, aus dem schließlich der 3:1 Endstand durch André Schürrle resultierte. Es war Schürrles erster Bundesligatreffer im Dress der Wölfe.

Tabellarisch wirkte sich die Niederlage so aus, dass aufgrund von Punktgewinnen der Konkurrenz wieder der alte Abstand von fünf Punkten zum rettenden Ufer hergestellt war und dem VfB langsam aber sicher drohen, die Spiele davonlaufen.

Hinkel gibt Abschied von VfB bekannt

Am 10. April gab Andreas „Andi“ Hinkel bekannt, den VfB zum Saisonende zu verlassen. Hinkel, bis zuletzt Co-Trainer von Domenico Tedesco bei den U17-Junioren, vermisste dem Vernehmen nach eine echte Perspektive beim VfB. Um in absehbarer Zeit eine Zulassung zur Fußball-Lehrer-Ausbildung zu bekommen, hätte Hinkel zwei Jahre Erfahrung als Co-Trainer eines Profiteams oder als Chef-Trainer der U17- oder U19-Junioren vorweisen können müssen. Diese Möglichkeit wollte ihm der VfB wohl nicht gewähren und zog es nach Medienberichten auch nicht einmal in Erwägung Hinkel mit der Nachfolge Tedescos zu betrauen, der den Job seinerseits aufgeben muss, um den Fußball-Lehrer-Lehrgang besuchen zu können.
Hinkel ist ein absoluter Sympathieträger und stets normal geblieben. Schon seine Spielerkarriere, die mit den Jungen Wilden so verheißungsvoll begann, endete für ihn unwürdig. In der turbulenten Saison 2005/2006 unter Trapattoni und später Armin Veh verlor er zeitweise seinen Stammplatz und später dann auch noch den sicher geglaubten Kader-Platz für die Heim-WM 2006. Aufgrund dieser großen Enttäuschungen flüchtete er zum FC Sevilla, wobei er erst letztes Jahr verraten hat, dass er fast beim FC Barcelona gelandet wäre. Der Wechsel scheiterte laut Hinkel lediglich an seiner Nicht-Nominierung für die WM, da bei Barça nun mal nur Nationalspieler vermittelbar wären.
In Sevilla war er Mitglied einer erfolgreichen Mannschaft, gewann den UEFA- und den spanischen Pokal, stand jedoch stets im Schatten von Dani Alves, um den es zwar permanent Wechselgerüchte gab, der aber partout den Verein nicht verlassen wollte.
Da nach der Vertragsverlängerung von Dani Alves und wegen einiger Verletzungen seine Einsätze seltener wurden, orientierte er sich neu, wechselte zu Celtic Glasgow und wurde da schnell zum Publikumsliebling. Nach dem Gewinn des Meistertitels und einem Jahr später dem Pokal war es vorbei mit der Herrlichkeit. Er erlitt einen Kreuzbandriss und schaffte den Anschluss nicht mehr, so dass 2011 sein Vertrag nicht mehr verlängert wurde.
Danach hielt er sich eine Zeitlang beim VfB fit und landete schließlich beim SC Freiburg, wo er sich vor allem nach dem Trainerwechsel von Sorg zu Streich und dem Jugendwahn, der danach im Breisgau ausbrach, nicht mehr durchzusetzen vermochte.
Im September 2012 beendete er mit gerade einmal 30 Jahren seine aktive Karriere. Schade für einen wie ihn, der so stark begann und vor allem seit seiner vielumjubelten Vertragsverlängerung beim VfB kaum mehr an seine alten Leistungen anknüpfen konnte. Und doch spielte er sich in die Herzen der Fans und hätte das Zeug dazu gehabt, ein ähnliches Aushängeschild für den VfB wie Günther Schäfer zu werden. Hinkel war Kult, Hinkel ist Kult, aber, der Prophet im eigenen Land zählt eben oft nichts. Schade! Für die Zukunft wünsche ich ihm alles Gute und hoffe, dass wir ihn eines Tages trotz allem beim VfB wiedersehen werden.

Last-Minute-Sieg gegen Werder

Am 28. Spieltag gab Werder Bremen seine Visitenkarte im Neckarstadion ab. Die Bremer, nach der Entlassung von Dutt durchgestartet und inzwischen im gesicherten Mittelfeld beheimatet, hatten also nicht mehr viel zu verlieren. Beim VfB, erstmals seit Dezember, Toni Rüdiger in der Startelf, der seinem Team schon in der ersten Hälfte einen Bärendienst hätte erweisen können, indem er sich abseits des Geschehens zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ. Rüdiger eben!

Der brenzligen Situation angemessen, flogen „Die Fraktion“ aus Berlin ein, um den Fans vor dem Spiel einzuheizen. Hitzig ging es dann auch auf den Tribünen zu, als zum Einlauf der Mannschaften eine schöne Pyro-Show inszeniert wurde.

Da an diesem Tage nicht gerade die defensivstärksten Mannschaften aufeinander trafen, entwickelte sich eine Partie mit offenem Visier. Gentner brachte die Unseren nach einer Viertelstunde in Führung, auf der Gegenseite glich Selke kurz nach dem Seitenwechsel aus. Danach begann die große Zeit von Martin Harnik, die mich im Blog zum Titel „Zwischen Genie und Wahnsinn“ animierte. Zunächst zwei Hochkaräter vergeben, unter anderem freistehend drei Meter vor dem leeren Tor, sich dann wegen Meckerns die gelbe Karte eingehandelt, wenig später einen schier aussichtslosen Ball erlaufen und Ginczek mustergültig zum 2:2 bedient, um kurz darauf wegen eines völlig unnötigen Fouls an Landsmann Junuzovic mit Gelb-Rot vom Platz zu fliegen. In Unterzahl kassierte man schließlich in der 86. Minute nach einer Ecke, bei der Ginczek nicht nah genug dran an Vestergaard war, noch den Ausgleich. Von himmelhochjauchzend zu Tode betrübt binnen Sekunden. Das durfte alles nicht wahr sein, dem VfB halfen in dieser Saisonphase eigentlich nur noch Siege und plötzlich musste man gar bangen, ob Werder in Überzahl noch zum Siegtreffer kommen würde. In der Nachspielzeit dann aber doch noch die Wende zu unseren Gunsten. Serey Dié marschierte unwiderstehlich durchs Mittelfeld und bediente mit einem mustergültigen Außenristpass Daniel Ginczek, dessen Ball-An- und –Mitnahme eine Augenweide waren und der Wolf im Bremer Gehäuse keine Chance ließ. Ein Tor wie ein Donnerhall, das Neckarstadion war am beben und Harnik herzte den Torschützen nach Spielende und wollte ihn gar nicht mehr los lassen. Harnik fielen gegen seinen Ex-Verein tonnenschwere Steine vom Herzen, dass er es schlussendlich doch nicht völlig verbockt hatte. Der VfB sprang durch diesen Sieg seit längerem Mal wieder auf Platz 17 und überreichte die rote Laterne feierlich dem Hamburger Sportverein.

Unnötige Niederlage in Augsburg

Am darauffolgenden Spieltag ging es zum FC Augsburg, der im Kampf um Europa etwas aus dem Tritt gekommen war. Wer taugte da besser zum Aufbaugegner als der VfB? Wohl keiner! Der VfB verschlief die Anfangsphase komplett und geriet bereits nach 7 Minuten nach Fehler von Sven Ulreich ins Hintertreffen. Erst ab der 20. Minute berappelte sich der VfB und kam zu ersten hochkarätigen Chancen wovon Daniel Ginczek eine davon zum Ausgleich nutzte. Es war sein fünfter Treffer in den letzten vier Spielen! Ende der ersten und Anfang der zweiten Hälfte hatte der VfB weiterhin gute Einschussmöglichkeiten, scheiterte aber immer wieder am eigenen Unvermögen oder am starken Marvin Hitz. In der Folgezeit entwickelte sich ein Abnutzungskampf mit vielen Unterbrechungen und Nickligkeiten, was einer Mannschaft wie dem FC Augsburg eher in die Karten spielte als dem VfB, der doch, auch im Abstiegskampf, eher die feine Sohle bevorzugt. So fing man sich in der 73. Minute den Siegtreffer der Augsburger durch Bobadilla ein, den man in der Folgezeit trotz intensiver Bemühungen nicht mehr egalisieren konnte. Für den VfB war es die fünfte Niederlage in Folge gegen die Fuggerstädter, mit Fug und Recht kann man da behaupten, dass mit dem FCA ein weiterer Angstgegner heranwächst.

Bezeichnen, dass Stevens nach dem Spiel hervorhob, der Gegner „ist in der Tabelle weiter oben angesiedelt und das merkte man dann“. Nun auch Augsburg, zu denen wir aufschauen müssen. Das einzig Positive an diesem Spieltag: die Konkurrenz patzte durchweg auch.

Bitteres Remis gegen den SC Freiburg

Am 30. Spieltag gastierte mit dem SC Freiburg wieder mal ein direkter Konkurrent aus dem Keller im Neckarstadion. Drei Punkte mehr haben die einst als Breisgau-Brasilianer titulierten Freiburger auf dem Konto als der VfB. Nach zuletzt zwei Heimsiegen in Folge war es kein utopisches Vorhaben an diesem Spieltag mit dem SC Freiburg gleichzuziehen. Der VfB übernahm auch schnell das Kommando und erarbeitete sich ein optisches Übergewicht, ohne zunächst zu klaren Torchancen zu kommen. Das änderte sich schlagartig, als Ginczek (artistisch per Kopf im zurückfallen) und Harnik in der 24. und 27. Minute auf 2:0 stellten und auch in der Folge dem 3:0 näher waren als Freiburg dem Anschluss. Freiburg fand überhaupt nicht statt während sich der VfB an der eigenen Spielweise berauschte und es dadurch an Zielstrebigkeit und Konzentration mangeln ließ. Auch nach der Pause, in der Freiburg zwei Mal auswechselte und umgehend mehr am Spiel teilnahm, vergab Martin Harnik eine glasklare Chance zum 3:0, was wohl die Entscheidung bedeutet hätte. Neben dem Unvermögen im Abschluss stand Adam Hlousek für die Freiburger Trendwende. In der 58. Minute ließ er im Strafraum Jonathan Schmid auflaufen, was Schiedsrichter Stark mit Elfmeter und gelb bestrafte und den Freiburger Anschluss zur Folge hatte, gerade acht Minuten später ließ er Schmid erneut auflaufen und flog vom Platz. Solche Dusseligkeiten mitten im existentiell wichtigen Abstiegskampf, es fehlten einem die Worte. Freiburg drängte, der VfB zog sich im Stile einer Handballmannschaft an den eigenen Sechzehner zurück. Der Ausgleich durch Petersen ließ sich freilich auch mit diesen Mitteln nicht vermeiden, mehr passierte zum Glück nicht mehr. Es war unfassbar, diesen so sicher geglaubten Sieg noch aus der Hand gegeben zu haben, so dass die Hoffnungen auf ein gutes Ende mehr und mehr schwanden. Stevens stellte die „Mannschaft“ anschließend an den Pranger und warf ihr vor, seine Warnungen in der Halbzeit nicht erhört zu haben. Verstehen konnte man den Altmeister, es ist einfach bitter, wenn du an eine Wand redest und das Team es nie schafft sich ein Mal in der Woche über volle neunzig Minuten zu konzentrieren. Einzig, dass Daniel Didavi, den man im Grunde schon für die Saison abgeschrieben hatte, ab der 77. Minute sein Comeback feierte und damit erstmals seit dem 17. Spieltag wieder bei den Profis auf dem Platz stand, war ein Lichtblick an einem ansonsten gebrauchten Nachmittag.

Hansi Müller tritt ins Fettnäpfchen

In der Woche plauderte dann Hansi Müller auf Servus-TV aus, was die Spatzen schon länger von den Dächern pfiffen und auch jüngst die Stuttgarter Nachrichten „exklusiv“ vermeldet hatten. Nach Saisonende werde Alexander Zorniger neuer VfB-Trainer. Der VfB rüffelte Müller daraufhin öffentlich und dementierte diese Meldung mehr aufgeregt als glaubwürdig. Dutt stellte das besondere Vertrauensverhältnis zu Huub Stevens in den Vordergrund und dass ein eventueller Nachfolger überhaupt kein Thema wäre. Abgesehen davon, dass man diesen Dementis ohnehin keinen Glauben schenkte, war es für mich eher die Frage, welchen Teufel denn Hansi Müller da geritten hatte. Servus-TV ist jetzt nicht gerade der Sender, der dafür bekannt wäre, für solche Exklusivmeldungen tief in die Tasche zu greifen, was also waren die Motive für Müller, der als Aufsichtsratsmitglied schon einer gewissen Schweigepflicht zu internen Vorgängen unterliegt? Wenn man sich diese Runde noch einmal anschaut, kommt man seinen Beweggründen kaum näher. Er wurde nicht gelockt, aufs Glatteis geführt oder sonst wie reingelegt. Muss man wohl unter der Kategorie „Typ Plaudertasche“ ablegen und könnte meinen, da er in unserer brenzligen Situation weitere Unruhe schürte, er habe den VfB nie geliebt.

Sieg verschenkt auf Schalke

Einen Tag nach dem „Tag der Arbeit“ ging es für den VfB in den Pott, der für Maloche steht wie kaum eine andere Region in Deutschland. Der VfB „arbeitete“ einmal mehr in erster Linie daran, seinem Ruf als Aufbaugegner Nummer 1 auch bei den Schalker Knappen gerecht zu werden. Schalke wartete seit sechs Spielen auf einen Sieg, Huntelaar seit Ende November auf ein Bundesligator.

In einer druckvollen Schalker Anfangsphase, in der der VfB kaum einmal einen Ball gesehen hatte, schlug Georg Niedermeier unbedrängt im eigenen Fünfer über den Ball, der dadurch zu Huntelaar gelangte, womit dieser leicht und locker seine Torflaute beenden durfte. Wie schon bei den letzten Niederlagen ein überaus dämliches Gegentor zum 1:0 für den Gegner, was im heutigen Fußball oft den Wegweiser für ein Fußballspiel darstellt, auch wenn man zwischenzeitlich noch zurückkommen kann. Dies gelang dem VfB sogar, völlig überraschend und aus dem Nichts, mit seinem allerersten Angriff nach 20 (!) Minuten.

Der Schalker Anhang wurde zunehmend ungeduldig, pfiff seinen eigenen Trainer Roberto Di Matteo gnadenlos aus und feierte unseren Mann an der Linie und zugleich Schalker Jahrhunderttrainer Huub Stevens mit unüberhörbaren Sprechchören. Gute Voraussetzungen eigentlich für uns, den Schalkern jetzt vollständig den Zahn zu ziehen. Nach dem Ausgleich wurde der VfB mutiger und kam zu einigen guten Chancen, wobei Georg Niedermeier kurz vor der Pause die Chance hatte, seinen Fehler wieder gut zu machen. Leider köpfte er neben anstatt ins Tor.

In der 51. Minute war es aber dann doch soweit, Ginczek bediente mustergültig Kostic und dieser ließ Fährmann im Schalker Tor keine Chance. Der VfB wird doch wohl nicht diesen so wichtigen Big-Point ergattern? Nein, tat er nicht. Die Wende kam mit der Einwechslung des Altstars und Enfant terrible Kevin-Prince Boateng, der schon allein durch sein Auftreten und seine Körpersprache bestach.

Nachdem er selbst das Tor knapp verfehlte, setzte er in der 78. Minute Huntelaar in Szene, der, durch das wiedergewonnene Selbstvertrauen leicht und locker zum Ausgleich einschieben konnte. Noch schlimmer kam es in der 89. (!) Minute, als Florian Klein eine Boateng-Direktabnahme zum Knockout abfälschte. Wieder jubelten am Ende die Anderen, wieder schaffte man es nicht, eine Führung ins Ziel zu bringen, wieder baute man einen am Boden liegenden Gegner auf.

Nach diesem Tiefschlag war’s das für mich mit der ersten Liga. Der VfB war drei Spieltage vor Saisonende noch immer Schlusslicht, mit nun schon drei Punkten Abstand zum Vorletzten und auch auf den Relegationsplatz, jedoch mit dem deutlich schlechteren Torverhältnis, was einem weiteren Minuspunkt gleich kam.

Hansi Müller räumt das Feld

Hansi Müller erklärte indes seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat und zog damit Konsequenzen aus seinem Fauxpas, wie er sich ausdrückte, bei Servus-TV. Er sei überrascht gewesen über das gewaltige Medien-Echo und bedauere, dem VfB Schaden zugefügt zu haben. Damit verliert die Stuttgarter Presse mutmaßlich auch ihren Maulwurf und tappt für den Rest des Jahres weitestgehend im Dunkeln.
Als Nachfolger Müllers wurde postwendend und wohl aus Kreisen des Aufsichtsrats Thomas Hitzlsperger ins Gespräch gebracht. Das wäre so schön wie unrealistisch gewesen, weil Hitz the Hammer in seinem Alter sicherlich andere Pläne hat, als einen derart zeitraubenden Job anzunehmen, wo er letztendlich doch nicht allzu viel zu melden hätte.
Die Außendarstellung des Vereins ist in diesen Zeiten verheerend. Experten und solche die sich dafür halten, wie Babbel, Berthold, Gaudino oder auch schon Dieter Hecking kritisieren den Verein für Bewegungsspiele zu Recht für ihren Umgang mit Huub Stevens. Ständig Spekulationen um eine Entlassung oder seine Nachfolge nach dieser Saison. Dutts Treueschwüre wirken halbherzig und verlogen. Wie eingangs in diesem Jahresrückblick bereits beschreiben, ist Stevens lediglich Profi genug den Bettel hinzuschmeißen und vielleicht auch ehrenkäsig genug, dem Verein den Gefallen nicht zu tun und freiwillig das Feld zu räumen.

Pflichtsieg gegen Mainz 05

Zum „Top-Spiel“ des 32. Spieltags empfing der VfB am 32. Spieltag den 1. FSV Mainz 05, der sich realistisch betrachtet im Niemandsland der Tabelle befand, sich theoretisch durch einen Sieg aber auch noch Hoffnungen auf die Europa League hätte machen können. In einem zähen Spiel, indem der VfB wie auch schon in den Heimspielen davor schnell die Initiative ergriff und williger als der Gegner war, dauerte es bis zur 66. Minute, einem Zeitpunkt, als das Spiel mehr und mehr zur Nervenschlacht zu werden drohte, ehe der VfB zum erlösenden Führungstreffer kam. Daniel Didavi, erstmals nach seiner langen Verletzungspause wieder in der Startelf, fasste sich aus über 30 Metern ein Herz. Sonderlich stark war der Schuss nicht, so dass man sich bei Loris Karius bedanken durfte, der schlicht und einfach danebengriff. Ob ihm der VfB, bei dem er groß geworden war, noch am Herzen lag oder er einfach nur einen Blackout hatte, uns sollte es egal sein. Da Kostic zwölf Minuten später noch das 2:0 folgen ließ und es der VfB dieses Mal schaffte, das Spiel zu elft zu beenden, blieb es bei diesem Ergebnis. Der VfB lag zwar auch noch nach 32 Spieltagen auf dem letzten Tabellenplatz, jetzt jedoch nur noch einen Punkt vom rettenden Platz 15 entfernt.

Didavi, der Maxim auf die Bank verdrängt hatte, war der Garant dieses Sieges. Bei nahezu jedem Angriff hatte er seine Füße im Spiel und hatte bereits in der ersten Halbzeit Pech mit einem Pfostenknaller. Stevens war nach dem Spiel versöhnlich zu seinen Jungs und gab zu, dass es an jenem Samstagabend Spaß gemacht hätte, sie zu coachen. Nur, als sie allzu euphorisch in die Kurve und sich feiern lassen wollten, pfiff er sie zurück, um sie auf den Boden zurückzuholen und um sie daran zu erinnern, dass noch zwei weitere schwere Endspiele folgen würden. Der VfB vermied schon vor dem Mainz-Spiel einen Blick auf die Tabellenkonstellation und erkor die drei ausstehenden Spiele zu Pokalspielen. Viertelfinale, Halbfinale, Finale. Demnach war das Viertelfinale schon mal geschafft, es sollten noch zwei weitere Nervenkrimis folgen.

Sprung auf den Relegationsplatz

Der nächste stand an gegen den Hamburger SV, der es schon in der Vorsaison nur geschafft hatte in der Liga zu bleiben, weil er die Relegation gegen Greuther Fürth für sich entschied und nach Slomka, Zinnbauer und Knäbel mit Bruno Labbadia bereits den vierten Trainer an der Seitenlinie hatte. An diesem vorletzten Spieltag war es rechnerisch bereits möglich, dass sich der HSV endgültig rettet und dass der VfB im Falle einer Niederlage als sicherer Absteiger hätte feststehen können, wenn die Mitkonkurrenten entsprechend mitgespielt hätten. Für beide Trainer stand das Wiedersehen mit einem ihrer Ex-Clubs an, beide hatten den Kontrahenten bereits einmal vor dem Abstieg gerettet.

Donnerstags vor dem Spiel gab es dann noch den Ausraster Stevens‘ beim nicht öffentlichen Training zu vermelden. Weil ein Rasensprenger sein Unwesen trieb und die Diven vom Neckar mit der Bodenbeschaffenheit nicht mehr ganz so einverstanden waren, titulierte er sie vor laufenden Kameras mit „Ihr seid Affen – Affen, das seid ihr“ und suchte das Weite. Seine Wortwahl war wohl etwas unglücklich, wer möchte sich schon gern als „Affe“ beschimpfen lassen, wobei der Wortsinn im niederländischen wohl etwas verniedlichter sein soll als im Deutschen. Dennoch war dies ein gelungener Wachrüttler für eine Truppe, die nach etwas Erreichtem gerne zur Bequemlichkeit neigt und der man immer wieder klar machen muss, worauf es ankommt, oder ihr auf gut deutsch in den Arsch treten muss.

Vor dem Spiel fand die traditionell vor dem letzten Heimspiel vom OFC Leintal Power ’05 durchgeführte Fahrt auf dem Partyfloß über den Neckar von Neckarweihingen nach Bad Cannstatt statt. Für mich inzwischen stets eines DER Saisonhighlights. Anders als bei den Spielen wird man dabei nie enttäuscht. Es ist immer wieder gigantisch, sich mit vielen Gleichgesinnten auf das Saisonende einzustimmen. Dieses Mal standen die Gespräche natürlich im Zeichen der prekären Tabellensituation und der Hoffnung, dass wir dem Abstieg noch von der Schippe springen könnten. Zwar hatte man Mainz geschlagen und ein machbares Restprogramm, dem dagegen stand, dass es der VfB lange nicht geschafft hatte, zwei oder gar drei Spiele in Folge zu gewinnen.

An Motivationsspritzen mangelte es vor dem Spiel nicht. Die Fraktion heizte erneut ein und auch Thomas Hitzlsperger übermittelte eine Mut machende Videobotschaft.

Das Spiel gegen den HSV vor ausverkauftem Haus begann sehr kampfbetont, eben der Bedeutung dieses Aufeinandertreffens angemessen. Dabei entwickelte der VfB mehr Zug zum Tor als der HSV, geriet jedoch mit dem ersten Hamburger Torabschluss und Fehler von Sven Ulreich in Rückstand. In der Folgezeit war der VfB geschockt während Hamburg seine Offensivbemühungen gänzlich einstellte und nur noch aufs zerstören aus war. Nach einer kurz andauernden Schockstarre kam der VfB zum Ausgleich durch Christian Gentner aus dem Nichts. Bereits in der 35. Minute sorgte Martin Harnik für den vielumjubelten Siegtreffer. Spiel gedreht und den HSV fortan nahezu an die Wand gespielt. Harnik, dem die „Beleidigung“ seines Trainers unter der Woche sichtlich aufgestoßen war, revanchierte sich auf eine Art und inszenierte an der Eckfahne bei der Untertürkheimer Kurve mit seinen Kollegen einen Affentanz, eine gelungene und lustige Retourkutsche aber auch als Indiz zu werten, dass die Mannschaft verstanden hatte. In der Folgezeit dominierte der VfB nach Belieben und kam zu einer Vielzahl an klaren Einschussmöglichkeiten. Ein Torschussverhältnis von 22:6, bessere Pass- und Zweikampfquoten, in allen Statistiken war der VfB dem HSV um Längen überlegen. René Adler schwang sich zum besten HSV-Akteur auf und verhinderte ein Debakel für seine Farben. So blieb es zu unserem Leidwesen bis zum Schlusspfiff spannend, aber dann brachen alle Dämme. Das Unfassbare war eingetreten, Halbfinale gewonnen, es wartete das große Finale in Paderborn mit der Möglichkeit, den direkten Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen. In der Tabelle stand man seit langem mal wieder auf dem Relegations- und damit einem nicht direkten Abstiegsplatz, während der HSV auf Platz 17 abstürzte und am letzten Spieltag nicht unbedingt mit leistungsverweigernden Schalkern spekulieren durfte.

Großer Wermutstropfen an diesem vorletzten Spieltag waren die Ergebnisse der Konkurrenz. Hannover 96 fuhr beim FC Augsburg seinen ersten Rückrundensieg überhaupt ein und wurde vom Schiri begünstigt, indem Augsburg u. a. zwei Elfmeter verweigert wurden. Der SC Freiburg indes schlug die Bayern 2:1, die nach dem Championsleague-Aus gegen den FC Barcelona spürbar lustlos daher kamen. Auch wenn Christian Streich nach dem Spiel die Welt nicht mehr verstand, wie man überhaupt auf die Idee kommen könnte, den Freiburger Sieg anzuzweifeln, wage ich zu behaupten, an einem „normalen“ Spieltag, wo es für die Bayern noch um etwas gegangen wäre, wäre der Biss und der Wille ein anderer gewesen. Aber, Herr Streich, wer zuletzt lacht, lacht bekanntlich am besten.

Gefehlt hätte an diesem Spieltag nur noch, dass noch Paderborn auf Schalke gewonnen hätte. Nah dran waren sie, sie hatten ein riesen Spiel hingelegt und das Spiel erst in der 88. Minute durch ein Eigentor verloren.

Jaaaa, Klassenerhalt!

So gestaltete sich die Konstellation vor dem großen Showdown in Ostwestfalen für den VfB übersichtlich. Bei Sieg bleiben wir auf jeden Fall drin, alles andere könnte den direkten Abstieg bedeuten, so dass es für die bequemliche Truppe wohl mental besser so war, als sich auf ein Remis einzurichten, das einem immer noch droht zu entgleiten.

Die Stimmung in der Woche vor dem großen Finale war prächtig. Jeder wusste, ein Schritt ist noch zu gehen und das große Ziel, den VfB auch in der Saison 2015/2016 in der Bundesliga erleben zu dürfen, könnte erreicht sein.

Für das Spiel in Paderborn hätte der VfB tausende an Tickets absetzen können, wir gehörten zu den glücklichen 1.500, die eines ergattern konnten. Als Allesfahrer muss man zum Glück nicht an den Vereinslotterien um ein paar hundert Tickets teilnehmen, sondern hat sein Ticket sicher, wenn man im Fanclub-Ranking entsprechend weit oben steht. So auch für Paderborn. Wir traten die Reise nach Ostwestfalen frühmorgens, wie fast immer mit dem RWS Berkheim, an. Als wir relativ frühzeitig den Busparkplatz am Stadion erreichten, folgte die erste leichte Enttäuschung. Der Parkplatz war total eingezäunt, keine Chance herauszukommen und sich frei zu bewegen, strikte Fantrennung eben. Die Paderborner schoben ganz schön Panik vor dem angereisten schwäbischen Volk, was auch daran zu merken war, dass die Eingangskontrollen ungewöhnlich penibel waren und es im Stadion nur alkoholfreies Bier gab. Es war klar, einer der beiden Kontrahenten würde absteigen, so dass es für die örtlichen Sicherheitskräfte wohl nicht kalkulierbar war, wie denn die Reaktionen der jeweiligen Fangruppen ausfallen würden. Die Paderborner würden einen Abstieg wohl gefasster hinnehmen, wie die Stuttgarter, aber, wer vermag das schon mit Sicherheit zu sagen, schließlich hat man in Stuttgart zum Glück seit 40 Jahren keine „Abstiegs-Erfahrung“.

So vertrieben wir uns die Zeit, fast bis Ultimo, auf dem Parkplatz, tranken dort noch einige Stuttgarter Bier und trafen etliche Freunde und Bekannte, die nach und nach eintrudelten und alle voller Nervosität aber auch Vorfreude waren, dass diese an die Substanz gehende Saison bald ihr glückliches Ende genommen haben könnte. Ich konnte meine Stehplatzkarten, die ich wegen der exorbitant teuren Sitzplatzpreisen für dieses Spiel gewählt hatte, mit einem Bekannten ohne Aufpreis eintauschen, so dass bei uns auch nicht so sehr die Zeit drängte, hineinzukommen.
Drinnen, weitere Bekannte begrüßt und kaum hingesetzt, stand es auch schon 1:0 für die Gastgeber. Es mutete an, wie wenn die Unseren den Anpfiff überhört hätten, so teilnahmslos verhielt man sich bei diesem Gegentor. Zu diesem Zeitpunkt war der VfB also sicher abgestiegen, wir schrieben gerade einmal die 4. Spielminute. Mein persönliches Highlight der ersten Minuten war, dass ich einen Bekannten auf der durch einen hohen Zaun getrennten Gegentribüne erspähte und mich dieser mit Vollbier versorgte.

Der VfB wachte nach dem Rückstand auf und wurde deutlich aktiver. Vor allem Kostic trieb unser Spiel unermüdlich an und er war es auch, der den Ausgleich erst einleitete. Wieder über links durchgebrochen flankte er in die Mitte, der Pechvogel von Schalke, Hünemeier „klärte“ vor die Füße von Dida und dieser schloss trocken und humorlos ab. Ein ganz wichtiges Tor des Rückkehrers, denn, bis dahin, wirkten die Angriffsbemühungen sehr fahrig, weil nervös vorgetragen. Die Paderborner Führung hatte Spuren am Nervenkostüm der Schwaben hinterlassen. Durch dieses Tor und im Wissen, dass das Remis nach derzeitigem Stand wenigstens für die Relegation reichen würde, wurde der VfB selbstbewusster und kam zu weiteren Chancen. Vor allem Ginczek scheiterte noch vor dem Halbzeitpfiff nach grandiosem Solo schon fast in Slapstickmanier.

Zwei Einwechslungen zur Pause, u. a. die von einem gewissen Lukas Rupp, ließen die Paderborner wieder aktiver und zielstrebiger werden. Als die HSV-Führung gegen Schalke bekannt wurde, änderte sich die Gesamtkonstellation. Paderborn würde bei derartigem Ausgang auch ein Sieg nicht mehr retten und der VfB würde bei derzeitigem Stand vom HSV überholt werden. Also mobilisierten die Schwaben noch einmal alle Kräfte. Für die Erlösung sorgte dann Daniel Ginczek in der 72. Minute, als er schön von Alexandru Maxim, welcher erst drei Minuten vorher eingewechselt wurde, freigespielt wurde und im eins gegen eins gegen Kruse im Paderborner Tor die Kaltschnäuzigkeit eines Klasse-Mittelstürmers unter Beweis stellte. In 40 Fanjahren habe ich ja schon so einiges erlebt, auch Spiele, die auf des Messers Schneide standen, meist im positiven, weil in oberen Tabellenregionen oder Endspielen. Diese Emotionen waren fast nur noch mit denen von 2001 zu vergleichen, als Balakow uns kurz vor Schluss den Arsch rettete und die Schalker zum Meister der Herzen werden ließ.

Nach dem Führungstreffer beschränkte sich der VfB auf das Verteidigen mit Mann und Maus und hätte doch in der Schlussminute noch aller Träume beraubt werden können. So aber stand am Ende nach dem vielumjubelten Schlusspfiff die Erkenntnis, dass eine weitere Saison hinter uns lag, in der nichts erreicht sondern nur verhindert wurde. Die Probleme waren auch dieses Mal wieder hausgemacht. Spieler des Spiels war Filip Kostic, über den der Paderborner Trainer Breitenreiter sagte, „Filip Kostic ist der mit Abstand beste Spieler, der hier in Paderborn aufgetreten ist.“
Auch wenn „nur“ der Super-GAU geradeso abgewendet wurde, ließen wir uns das Feiern selbstverständlich nicht nehmen. Schon im Stadion ausgelassen mit Trainer und Mannschaft, auf der Rückfahrt im Bus und auf den Raststätten, wo wir überall VfBler antrafen und auch Gratulationen und Anerkennung von Nicht-VfBlern in Empfang nehmen durften.

Das sind diese Tage, an denen man sich bewusst wird, dass Allesfahren doch nicht das Verkehrteste ist. Solche Emotionen, die bei solchen Spielen freigesetzt werden, erlebt man nur mit dem Fußball. Unfassbar gigantisch und unvergesslich, auch wenn es sich Meisterschaften, derer ich ja auch schon drei hautnah miterleben durfte, weitaus unbeschwerter entgegen fiebern lässt.

Letzten Endes sind wir Huub Stevens zu großem Dank verpflichtet. Nach der Rettung in der Vorsaison stieß es schon auf mein Unverständnis, dass man ihn nicht weiter machen ließ, da er die Rasselbande doch scheinbar im Griff hatte. Er feilte damals schon an der Kaderplanung mit, interessant wäre es gewesen, wie der Umbruch mit ihm ausgefallen wäre.

Stattdessen setzte man weiterhin auf Fredi Bobic, der spätestens mit der Katastrophensaison 2013/2014 gescheitert war. Die (versprochene) Aufarbeitung blieb völlig aus. Man installierte den Meistertrainer von 2007, Armin Veh, als neuen Trainer, was beiden Seiten wohl aus rein nostalgischen Gefühlen charmant vorkam. Sollte je im dunklen Kämmerlein eine Aufarbeitung erfolgt sein, konnte die Erkenntnis daraus nur gelautet haben, dass die mageren letzten Jahre einzig und allein die Schuld der verantwortlichen Trainer waren. Veh sollte kommen und durch reines „Hand auflegen“ würde alles besser werden. Ernsthafte Konsequenzen aus der Vorsaison wurden nicht gezogen, es wurde weder ein stabiler Innenverteidiger geholt noch wurde es sich von Charakteren getrennt, die dem Gerüst schaden. Da der Kader und der Teamgeist nicht verbessert wurden, durfte es keinen wundern, dass sich der VfB erneut im Tabellenkeller wiedergefunden hat.

Nach dem neuerlichen Fehlstart schoss sich die Cannstatter Kurve zu Recht auf Bobic ein, was die Vereinsführung zum handeln animierte. Schon seit einigen Jahren wird ja beim VfB erst dann agiert und es werden Konsequenzen aus Fehlentwicklungen gezogen, wenn sich der Mob formiert hat, wohl aus Angst, er würde sonst wieder vor die Geschäftsstelle ziehen, wie anno 2009, und die Haupt-Verantwortungsträger zur Rechenschaft ziehen wollen.

Als dann auch noch Trainer Veh das Handtuch schmiss, offiziell wegen fehlenden Glücks, inoffiziell wegen Alkoholeskapaden und Faulheit, war es spätestens klar, dass uns eine neuerliche Zittersaison bevorstehen würde, in der es nur darum gehen würde, das Schlimmste zu verhindern. In Anbetracht der Umstände und weil wir nach dem Rücktritt Vehs alle zunächst einmal in ein tiefes Loch gefallen waren, war es die beste Lösung Retter Huub aus dem Vorjahr erneut zu installieren. Dass sich der VfB diese Blöße und sich damit der Lächerlichkeit preisgeben musste, hatte er sich selbst zuzuschreiben. Dass Stevens sich das zweite Mal auf dieses Kasperletheater eingelassen hat, hat mich schon eher gewundert. Aber, es ist anzunehmen, dass sich Stevens seine Halbjahresengagements beim VfB fürstlich honorieren ließ und sich eine Nichtabstiegsprämie festschreiben ließ, die sich gewaschen hat. So gesehen ist das Engagement auch aus Stevens Sicht verständlich, der die Tätigkeit beim VfB inzwischen als Altersteilzeit angesehen haben dürfte.

Dass Stevens jedoch nicht der Messias ist, für den ihn viele noch immer halten, zeigte sich im Verlauf der weiteren Saison. Äußerst stur zog er seinen Defensivfußball lange durch und rückte erst von diesem ab, als in Dutt der Trainer hochkam und er ihn offensichtlich zu einer mutigeren Gangart nötigte. Lange beraubte Stevens den VfB seiner Offensivkraft und das ohne, dass damit irgendwelche Erfolge eingefahren worden wären. Seit Hannover, als er es nach längerer Zeit mit mehr als zwei offensiv ausgerichteten Spielern in der Startformation versuchte, ging es langsam aber sicher aufwärts. Die Spiele waren besser anzusehen, Leute wie Filip Kostic, lange als Fehleinkauf abgestempelt, blühten auf und Punkte wurden zudem eingefahren. Weitere Garanten in der Schlussphase der Saison waren die Rückkehr der Langzeitverletzten Daniel Didavi und Daniel Ginczek, der sich durch sein Tor in Paderborn für immer in den VfB-Geschichtsbüchern verewigt hat.

Auch wenn nicht alles Gold war, das glänzte, danke Huub Stevens, vor allem, dass du das Ding durchgezogen hast und nicht wie Armin Veh davongelaufen bist, auch dann nicht, als längst klar war, dass es dir der VfB erneut nicht zutrauen würde, diesen Sauhaufen von Mannschaft in die nächste Saison zu führen.

Die ominöse Saisonabschlusspressekonferenz

Stattdessen gab es die mit Spannung erwartete Saisonabschlusspressekonferenz zwei Tage nach dem Herzschlagfinale. Dort tauchte auch Präsident Wahler wieder auf, der (richtig) bemerkte, dass wir Fans zwar den Verein, nicht jedoch die handelnden Personen unterstützen, was an den vielen Personalwechseln der letzten Jahre läge. Nicht ganz richtig, wir würden auch die aktuellen Personen unterstützen, wenn sie einen guten Job machen und großen Worten auch Taten folgen lassen würden. Das war in der Vergangenheit nicht der Fall, zudem wurde lang der Fan für dumm verkauft, indem vehement abgestritten wurde, dass die Qualität und die Charaktere in der „Mannschaft“ eben nicht den Ansprüchen genügen und dass die Vorstellungen auf dem Rasen eben oft nicht zum anschauen waren. Fühlt sich der Kunde, sprich der Fan, ernstgenommen, bringt er der Vereinsführung schon naturgemäß mehr Vertrauen entgegen, als wenn er sich ständig verarscht vorkommt.
Wahler gab auch jetzt im Nachhinein zu, man habe an bestimmten Personen zu lang festgehalten. Das ist natürlich jetzt, nach der gelungenen Rettung, leicht zu sagen. Fundierter wäre es gewesen, wenn er Lösungsansätze aufgezeigt hätte, wie man eine solche Herumeierei in Zukunft zu verhindern gedenke. Da sehe ich nämlich nach wie vor keine sportaffine Instanz im Verein, die bspw. einem Robin Dutt auf Augenhöhe auf die Finger schauen könnte.
Illusionen verbreitete er indes nicht, es werde zu weiteren Einsparungen zu kommen, weiterhin ist Schmalhans der Küchenmeister.
Danach kam Dutt zum Zuge, der lang geschwiegen hatte über die Vorgänge, vor seiner Zeit lagen. Jetzt aber holte er, ohne Namen zu nennen, zum Rundumschlag gegen Vorgänger Fredi Bobic aus, und warf ihm in erster Linie vor, dass eine strukturierte Kaderplanung nicht stattgefunden habe und stets mehr ausgegeben als eingenommen wurde. Er kritisierte, dass es im Scouting-Bereich keine klaren Vorgaben gegeben und jeder vor sich hingewurstelt habe und dass er im Verein zu wenig sportliche Konsequenz vorgefunden habe.
Im Anschluss daran kam er zu den Personalentscheidungen und gab zuerst die längst bekannte Personalie bekannt, dass Alexander Zorniger neuer Cheftrainer, Andre Trulsen sein „Co“ werden würde. Zorniger war bei mir schon deshalb ein rotes Tuch, weil er das Produkt Red Bull in die 2. Liga geführt hat und in meiner Denke keiner dorthin geht, der den Fußball wirklich liebt. Dazu kam, dass er während seiner Co-Trainer-Zeit unter Markus Babbel 2009 nicht wirklich nachhaltige Spuren hinterlassen hätte und dass er keine Bundesligaerfahrung vorweist. Aus Leipzig war zu hören, dass er ein unbelehrbarer Sturkopf wäre, weswegen letztlich auch sein Engagement dort in die Brüche ging. Dass er ein Fußballbesessener sei, der den Fußball 24 Stunden am Tag lebt und keine Freunde kenne, wenn jemand seine Philosophie und seinen Plan konterkariere. Ich war skeptisch und gespannt zugleich und gehe bei jedem Neuen erst einmal so vorurteilslos heran, wie es geht und hoffe für unseren VfB stets das Beste. Zorniger wird zum Trainingsauftakt seinen Dienst antreten und sich vorher auch nicht in der Öffentlichkeit äußern.
Laux Sportpsychologe, Günther Schäfer Teammanager, neue Namen im Scouting-Bereich, etc. pp. Es wurde eine ganze Armada an neuen Köpfen vorgestellt, worüber ich angesichts der knappen Kassen schon ins Staunen kam. Dass man Zorniger gleich einen Vertrag bis 2018 gab, zeugt davon, dass man beim VfB nichts gelernt zu haben scheint. Ganz schön mutig, aber, so Dutt, Zorniger verfolge eine Philosophie, für die der Verein in Zukunft stehen möchte, daher wohl „alternativlos“, eine Attitüde, die uns im Restjahr noch weiter begleiten sollte.

Huub Stevens willigte einer „Übergabe der Amtsgeschäfte“ an Alexander Zorniger ein, wobei vor allem die Charaktere der einzelnen Spieler zur Sprache gekommen sein dürften. Schon nach dem Ende seiner VfB-Tätigkeit empfahl der dem VfB einen radikalen Neuaufbau und äußerte die Befürchtung, dass dieser schwierig werden könnte, weil auf der einen Seite kein Geld da ist und auf der anderen Seite an der Gehälterschraube gedreht werden müsse, weil zu viele Spieler im Kader seien, die mit ihren Verträgen sehr zufrieden wären. Dutt müsse kreative Lösungen finden. Damit legte Stevens den Finger tief in die Wunde und gab Dutts Amtsvorgänger Bobic, der für die Vertragsausgestaltungen in den letzten Jahren verantwortlich zeichnete, noch einmal einen mit.

Bereits beim leider gegen den BVB verloren gegangenen U17-Finale in Großaspach hörte ich vom Gerücht, dass man von Vereinsseite Sven Ulreich nahegelegt hätte, den Verein zu verlassen. Für mich klang das gleich plausibel, weil Zorniger als ein Verfechter des schnellen Spiels gilt und er dabei sicherlich keine Trantüte im Tor gebrauchen kann.

So überraschte mich die Meldung zwei Tage später schon nicht mehr, auch wenn man es nach wie vor so verkauft, als habe Ulreich selbst eine Veränderung angestrebt. Schon überraschender war, wohin er denn wechselt. Rente mit 26 auf der Ersatzbank des FC Bayern. Ich fragte mich sogleich, ob die Bayern denn dabei auch in Erwägung gezogen haben, dass sich Neuer mal langwierig verletzen könnte und Ulle in die Bresche springen müsste? Dann nämlich hätten sie mit Ulle im Tor ein Problem, da er fußballerisch einfach zu schwach ist, um das schnelle Bayern-Umschaltspiel mitzuspielen und um ein adäquater Ersatz für Neuer zu sein. Aber, die Bayern haben ja auch noch einen Tom Starke in der Hinterhand.

Für mich war es ein sehr guter Tag für den VfB, an dem das Grinsen nicht aus meinem Gesicht weichen wollte. Seit Ulreich das erste Mal auftauchte und seinerzeit Raphael Schäfer kurzzeitig aus dem Kasten verdrängte, hatte ich starke Zweifel an seiner Bundesligatauglichkeit. Schon damals sprang er ungestüm an Flanken vorbei und hatte eine Spieleröffnung zum einschlafen. Für zwei Jahre setzte man ihm man zwar Jens Lehmann vor die Nase, von dem er lernen sollte, gab ihm aber auch die Zusage, danach zur Nummer 1 aufzusteigen, ohne jeglichen Leistungs- oder Entwicklungsvorbehalt.

Schon Christian Gross hätte am liebsten einen anderen Torwart gehabt, seinem Wunsch entsprach man nicht, schließlich gab es ja diese Zusage. Dann kam Fredi Bobic als Sportdirektor, dessen bester Freund und Geschäftspartner Jürgen Schwab „zufällig“ noch Manager von Ulreich (und auch Gentner) ist, so dass jegliche Torhüterdiskussion im Keim erstickt wurde. Ulreich saß relativ fest im Sattel, obwohl er selten zu überzeugen wusste.

Nachdem Labbadia ihn gegen Benfica Lissabon aus dem Kasten genommen und durch Marc Ziegler ersetzt hatte, hatte Ulle das Glück, dass sich Ziegler just in diesem ersten Spiel schwer verletzte, und Ulle umgehend wieder zurückkehrte. Danach wirkte er geläutert und hielt besser denn je, so dass auch meine Kritik für einige Zeit verstummte. Er hatte großen Anteil am Klassenerhalt 2011, unvergessen seine Leistung in Frankfurt nach Delpierres Platzverweis. Zu jener Zeit hörte man viel, wie er über den Tellerrand des Fußballers hinausblickte, Turntraining absolvierte und auch Life-Kinetik betrieb. Effi Kompodietas, der Life-Kinetik-Trainer wirkte beim VfB 2011 bis Ende der Saison 2011/2012 und hat einen exzellenten Ruf in der Branche. Im Anschluss an sein Wirken beim VfB machte er Jogis Jungs fit für die EM 2012.

Dass es sich in den Leistungen von Ulle niederschlug, als Kompodietas nicht mehr da war, lässt sich natürlich mit Sicherheit sagen. Fakt ist aber, dass Ulles Leistungen danach wieder nachließen und auf schwachem Niveau stagnierten. Den Wendepunkt meiner Denke über Ulle bildet das 1:6 bei den Bayern im September 2012, als Ulle gefühlt an so gut wie allen Toren nicht schuldlos war. Danach gab es nur noch wenige Ausreißer nach oben bei ihm zu verzeichnen. Noch im September 2014, auf dem Kabinenfest beim VfB, sprach ich Trainer Veh auf seine damalige Achse an Ulle – Gente- Ibisevic an. Er gab mir zwar vielsagend zu verstehen, dass er sich über einzelne Spieler nicht auslassen würde, gestand mir dann aber zu, selbst etwas sagen zu dürfen. Also legte ich los, dass ich selbst mal Torhüter war, dass ich finde, dass Ulle so gut wie alles fehlt, was einen guten Torwart auszeichnet. Dass es ihm Strafraumbeherrschung, Ausstrahlung, Antizipation, Nervenstärke und vielem mehr fehlen würde, worauf Veh vielsagend meinte, „Du weißt mir zu viel, ich gehe jetzt“. An seiner Reaktion war abzulesen, dass ich offene Türen bei ihm eingerannt hatte. Kurze Zeit später, nach seinem Patzer in Dortmund, und, sicherlich rein zufällig direkt nach der Entlassung von Fredi Bobic, stand Thorsten Kirschbaum im Tor, der leider seine Chance nicht nutzen konnte und sich als noch größere Pfeife entpuppte.

So kam Ulle wieder einmal mangels eines ernsthaften Konkurrenten zurück, spätestens an der Stelle musste Andreas Menger, der langjährige Torwarttrainer hinterfragt werden, der auf einem Fanfest allen Ernstes gemeint hatte, zum Zeitpunkt von Lenos Verkauf wäre Ulle der bessere Torhüter gewesen. Aber, Menger sollte dieses Jahr ja ebenfalls nicht beim VfB überstehen.

Der Trainingsauftakt mit Trikotlaunch fand zwar auch noch Ende Juni statt, soll aber in der nächsten Folge thematisiert werden.

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24. Mai 2015

Gerettet! Danke, Huub!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 12:18

Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, wir habens geschafft. Wie oft in dieser Saison hielt man diesen Moment für ausgeschlossen. Gurkentruppe, Kindergarten, Anfängerfehler, kein Team, Kluft zwischen Team und Fans. Dazu der Hinschmiss von Armin Veh, der sich wie ein Schuss ins Kontor anfühlte. Vorher schon die längst überfällige Entlassung Bobic‘ zur Unzeit, so dass wir nicht nur ohne Sportdirektor da standen sondern ein möglicher neuer Mann auch nicht mehr viel ausrichten konnte.
Stevens war zwar nicht lang weggewesen, trotzdem war von der Stabilität des Teams, wie er es im Mai 2014 hinterlassen hatte, nichts mehr zu erkennen. Vogelwild rannte die Truppe nach vorn und vergaß dabei, dass Verteidigen auch zum Geschäft gehört. Dass er es nie schaffte, sein Credo „die Null muss stehen“ lag weniger an seinen Trainerfähigkeiten als an Unkonzentriertheiten und immer wieder kehrenden individuellen Fehlern einzelner Spieler, die einen Trainer nur wahnsinnig werden lassen. Kommt dann noch Unvermögen im Angriff dazu, hast Du die Situation, dass sich Niederlage an Niederlage reiht.
In der Winterpause wurde erst Robin Dutt als Sportdirektor installiert, dessen erste Verpflichtung Serey sich als Volltreffer entpuppte. Anstatt Schönwetterspieler wie bspw. Leitner hatte man plötzlich einen „Krieger“, einen Kämpfer, der dazwischen haut, einfach einer, der uns gefehlt hat.
Trotzdem, auch dem schweren Auftaktprogramm geschuldet, wurden keine Punkte eingefahren. Das einzige, das ich Stevens in dieser Saison vorwerfe, ist, dass er, gerade wenn man anfangs Heimspiele gegen Gladbach, Bayern und Dortmund hat, in den Auswärtsspielen in Köln und Hoffenheim und auch zu Hause gegen Hertha durch eine übertrieben defensive Ausrichtung Punkte verschenkt wurden. Ein bisschen spät, aber, besser spät als nie, erkannte Stevens, dass damit kein Blumentopf zu gewinnen ist und änderte die Aufstellung sukzessive. In die Karten spielte ihm, dass Ginczek nach Kreuzbandriss und später auch, doch sehr überraschend, Daniel Didavi, der bereits in der letzten Saison einen großen Anteil an der Rettung hatte.
Viel, was wir in dieser Saison durchmachen mussten, war hausgemacht. Die Aufarbeitung der letzten Saison, wo wir schon mit einem blauen Auge davongekommen sind, ist komplett ausgeblieben. Die Naivität, wie man in diese Saison gegangen ist, treibt mir noch immer die Zornesröte ins Gesicht. Armin Veh wurden nach seiner Aufgabe (vielleicht auch Rausschmiss!!!) genau die gleichen Wesenszüge nachgesagt, wie nach seiner ersten Entlassung, laissez-faire, Lebemann, nicht der fleißigste, um es charmant auszudrücken. Ich denke mal, es hat sich keiner in Frankfurt bei Heribert Bruchhagen erkundigt, ob er sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Zudem war nach der letzten Saison klar, dass die Abwehr stabilisiert werden muss, was man ihm verwehrte, weil kein Geld da war. Ich weiß ja nicht, was man ihm vor der Saison alles versprochen hat und weshalb er den vermeintlich sicheren Posten bei einem solide arbeiten Verein wie Frankfurt für das Himmelfahrtskommando beim VfB aufgegeben hat, vermutlich war es das Blaue vom Himmel. Ich denke, beide Seiten schwelgten in der Nostalgie vergangener Tage und vergaßen dabei die Gegenwart.
Ab dem Hannover-Spiel Ende Februar sprang Huub Stevens über seinen Schatten und ließ mutiger nach vorne spielen. Dass im Offensivbereich Qualität vorhanden ist, hat man ja auch schon in der Vorrunde gesehen. Defensivaussetzer blieben zwar weiterhin an der Tagesordnung, aber, man hatte auch immer die Hoffnung, dass man doch vorne ein Tor mehr schießen kann, als man hinten zulässt. Dennoch war lang zu befürchten, dass dies nicht ausreichen würde. Man hatte einfach keine Blinden in der Liga wie in der letzten Saison, als Braunschweig, Nürnberg und der HSV allesamt ihre letzten fünf Spiele verloren. Irgendwann fingen die Kellerkinder an zu punkten und die Luft für den VfB wurde immer dünner. Spätestens nach dem Nackenschlag gegen Schalke, als man die Führung noch völlig unnötig aus der Hand gab, war die Messe für mich fast gelesen. Natürlich kann auch ich rechnen und war mir sicher, würden wir die letzten drei Spiele gewinnen, dass es dann reichen würde. Aber, man fragte sich zunehmend, wie man überhaupt noch ein Spiel gewinnen wolle, wenn man jeden Gegner so zum Toreschießen einlädt. Schalke hatte in den letzten 2 ½ Monaten gerade gegen uns und gegen Paderborn gewonnen, was Bände spricht.
Gegen Mainz profitierten wir von einem Gegner, für den es um nichts mehr ging, aber, diesen Sieg hat sich die Mannschaft erarbeitet, weil sie wusste, was die Stunde geschlagen hat und Mainz eben dieses Mal nicht dazu einlud, mehr zu tun, als sie unbedingt vor hatten. Dann das nächste Endspiel gegen den HSV, wo wir klar die bessere Mannschaft waren und sie eigentlich hätten abschießen müssen, um eine noch bessere Ausgangsposition für den Showdown zu haben. Dennoch, die drei Punkte waren die unseren, das Team hat sich das Endspiel in Paderborn verdient.
Und dann schließlich gestern, ein Spiegelbild der Saison. Früher Nackenschlag, das darf doch nicht wahr sein. Wir lagen am Boden, schüttelten uns kurz und ließen kaum einen Zweifel zu, dass wir in die erste Liga gehören.
Sensationeller Support auf der Tribüne, von den Paderbornern nix zu hören. Es gibt nix Schöneres als fern der Heimat mit so vielen Gleichgesinnten zu leiden, zu zittern,, zu hoffen und schließlich zu jubeln. Außenstehende werden das wohl nie nachvollziehen können, welche Emotionen dabei freigesetzt werden. Nach dem frühen 1:0, Gott sei Dank so früh, hatte ich dieses Mal trotzdem keine großen Zweifel, dass es schief gehen könnte. Das Team, vor allem das magische Viereck Didavi, Harnik, Kostic, Ginczek und dahinter noch Serey Die, hat in den letzten Spielen mein Vertrauen zurückerobert, so dass immer davon auszugehen war, dass wir das Ding noch drehen. Didavi erzielte zum richtigen Zeitpunkt den so wichtigen Ausgleich, Ginczek nach Zuckerpass von Alexandru Maxim den Siegtreffer. Die Gefühle, die da in einem brodelten sind nicht zu beschreiben, da kullerte dann auch schon die eine oder andere Träne.
Jetzt gilt es, die Füße nicht hochzulegen sondern Fehleranalyse zu betreiben. Der Umbruch im Kader ist alternativlos. Hochbezahlte Ergänzungsspieler muss man loswerden und durch junge aufstrebende Talente ersetzen. Leistungsträger müssen gehalten werden, langjährige Ikonen in Frage gestellt werden, vor ihnen darf der Umbruch nicht Halt machen.
Wie Dutt gerade im Doppelpass bestätigte, sieht Huub Stevens seine Mission auf dem Wasen als erledigt an. Ob man von Vereinsseite Anstrengungen unternahm, ihn umzustimmen, davon sprach Dutt nicht! Ich bedauere das sehr, finde ich doch, dass Stevens für diese Truppe der genau richtige Mann ist. Kaum einer findet so das richtige Maß zwischen Zuckerbrot und Peitsche, kaum einer spielt so mit der Presse und fokussiert das Interesse auf sich, um den Druck von der Mannschaft zu nehmen. Dann wird es also wohl Zorniger, Typ Trainertalent, Konzepttrainer und für mich im Moment nur das nach Veh nächste Hirngespinst der VfB-Bosse. Fußball ist Tagesgeschäft und keine Planwirtschaft, so dass es für mich unverständlich ist, ohne Not ein zuletzt funktionierendes Gebilde auseinanderzureißen, zumal Stevens noch nie die Möglichkeit hatte, selbst groß in die Kaderplanung einzugreifen.
Neben Paderborn steigt also auch der SC Freiburg in die 2. Liga ab. Ich finde es eigentlich schade, natürlich ist der Gästeblock dort scheiße, aber, sonst finde ich es immer recht nett dort. DAS Heimspiel meiner badischen VfB-Freunde fällt weg, was ich schon bedauere. Vielleicht lässt ja Robin Dutt seine Kontakte nach Freiburg spielen, die haben doch ein paar Spieler, die interessant für uns sein könnten. Allen voran Keeper Bürki, wie man weiß sähe ich Ulreich am liebsten abgelöst, aber auch Leute wie Mehmedi und Jonathan Schmid, bei denen man abwarten muss, ob sie für Freiburg auch in der 2. Liga auflaufen werden.
Das Hauptaugenmerk muss aber auf die Viererkette gelegt werden. Sollte Rüdiger tatsächlich mit dem Weggang liebäugeln und ein unmoralisches Angebot auf der Geschäftsstelle eingehen, darf man zumindest drüber nachdenken. Nicht weil ich ihm jetzt nicht noch Steigerungspotential zutrauen würde. Er erinnert ein wenig an Boateng in jungen Jahren und macht einen motivierten und lernwilligen Eindruck. Für die Stabilität unserer Innenverteidigung wäre ein erfahrener Mann notwendig wie früher Bordon, auch die Außenverteidigerpositionen stehen zur Diskussion und bergen viel Steigerungspotential.
Hoffen wir darauf, dass Dutt unsere Ladenhüter an den Mann bringt und Geldmittel auch nicht erst zur Verfügung stehen, wenn für diese ein Abnehmer gefunden wurde. Der Verein darf jetzt keine Zeit verlieren. Bobic meinte zwar immer, im Schlussverkauf mache man die besten Schnäppchen, was sich aber als Trugschluss herausstellte.
Jetzt aber dürfen wir uns erst mal freuen. Bin noch immer glückselig und kriege Gänsehaut, wenn ich an gestern im Block denke. Einfach geil, unbeschreiblich, phänomenal, glücklich. Danke Huub, ein zweites Mal, und auch ein zweites Mal richtig traurig, dass er schon wieder Geschichte ist.

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19. Mai 2015

Affengeil: Endspiel in Paderborn!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 21:20

Was Huub Stevens geritten hat, seine Spieler auf dem Trainingsplatz als Affen zu titulieren, weiß wohl niemand außer ihm selbst so recht. Dass er das nicht so derb, wie es sich im Deutschen anhört, gemeint hatte und diese Form der Anrede in Holland eher eine verniedlichende Bedeutung hat, vermutete ich von Anfang an, was dann ja auch bestätigt wurde. Das Sprach- und Übersetzungsrisiko trage ich als Verein, wenn ich einen ausländischen Trainer, der, auch wenn Holländer, Deutsch eben nicht perfekt spricht und demzufolge auch nicht immer die Worte findet, die er seinen Jungs oder auch der Presse mit auf den Weg geben möchte. Dass es sich um ein Missverständnis handelte war in der Aufarbeitung weder für die Mannschaft noch für die Presse, die solche Geschichten ja gerne aufbauscht und Unruhe schürt, wichtig, Stevens hatte seine Spieler als Affen bezeichnet und das saß. Harnik gab es hinterher zu, dass die Mannschaft schon zunächst einmal perplex war, lasse sich doch niemand gerne von einem anderen als Affen bezeichnen.
In dieser entscheidenden Saisonphase, in der man jegliche Unruhe brauchen kann, wie Bauchweh, war es die Frage, wie das Team damit umgehen würde. Folgen sie noch ihrem Boss an der Linie oder machen sie einen auf beleidigte Leberwurst?
Von wegen beleidigte Leberwurst, von wegen Bähmullen, von denen ich noch vor einigen Wochen geschrieben hatte. Die Mannschaft stemmt sich seit Neuestem unbeirrt gegen den drohenden Abstieg, seit Samstag steht es fest, der VfB hat sich durch eine starke und couragierte Leistung sein Endspiel erspielt.
Mainz hatte Mut gemacht. Die Rückkehr Antonio Rüdigers ins Team anstelle von Georg Niedermeier, nach dessen wenig filigranen Aussetzern auf Schalke und auch die Hereinnahme von Schwaab als rechtem Verteidiger und die Versetzung Kleins auf die linke Seite hatten für Stabilität gesorgt, so dass es für Huub Stevens keinen Grund gab, an dieser Formation gegen den HSV etwas zu ändern. Die Vorstellung gegen Mainz, das wittern von Morgenluft danach, die Hoffnung auf drei Siege zum Saisonabschluss, all das ließ einen nur hoffen, dass die Woche schnell vorbeigehen und der Tag des Abstiegsgipfels gegen den HSV kommen möge.
Der Samstag indes begann früh, sehr früh. Schon traditionell vor dem letzten Saisonheimspiel, nämlich zum fünften Mal, lud der OFC Leintal-Power 05 ein zur Fahrt mit dem Partyfloß auf dem Neckar. Eine schönere Gelegenheit mit VfB-Fans von den verschiedensten Fanclubs die Saison Revue passieren zu lassen und die letzten beiden Spiele zu prognostizieren kann man sich nicht vorstellen. Gegen 9 Uhr brachten uns die Shuttle-Busse vom Bahnhof Ludwigsburg zur Anlegestelle nach Ludwigsburg-Poppenweiler, wo das Floß bestiegen wurde. Über Remseck, Mühlhausen, Hofen und Bad Cannstatt ging es bei Kaiserwetter direkt zum Anleger Mercedes-Benz-Museum, unweit des Neckarstadions. Die Fahrt war wie immer feucht-fröhlich, beste Stimmung an Bord und Optimismus, aber auch Angst. Angst davor, da man theoretisch bereits am Abend abgestiegen sein kann, sollte das Spiel gegen den HSV vergeigt werden. Ein gutes Omen vielleicht, 2011, nach der ersten Fahrt auf dem Partyfloß, als uns das Wasser ähnlich bis zum Halse stand, wurde der Klassenerhalt durch ein 2:1 gegen Hannover 96 perfekt gemacht. Allerdings, damals feierten wir noch Bruno Labbadia!
Das Wetter war genauso gut und zum Glück nicht ganz so heiß wie 2011, als man dem Bierkonsum bei großer Hitze schon Tribut zollen musste.
Also, ging es, nachdem wir gegen 12.45 Uhr angelegt hatten, weiter zum eigentlichen Vorglühen ins SSC-Sportheim, um mit Freunden noch die letzten Stunden vor dem Anpfiff zu verbringen. Zur abermals beeindruckenden Karawane vom Cannstatter Bahnhof bis zum Stadion hätte ich hetzen müssen, so dass ich darauf nach einigem überlegen verzichtet hatte.
Als mir dann beim SSC ein Vogel auf mein strahlend weißes Trikot mit dem roten Brustring geschissen hatte, war es mir klar, heute kann überhaupt nichts mehr schief gehen, soll doch Glück bringen.
Gutes Omen Nummer drei war dann schließlich noch der Auftritt von „Die Fraktion“ vor dem Spiel, als sie zuletzt da waren, setzte es Siege gegen Bremen und gegen Mainz. Auch deren Auftritt brachte im nachhinein betrachtet also wieder Glück, so dass ich hoffe, dass die Jungs auch den Weg nach Ostwestfalen in die Benteler Arena oder zumindest zum Busparkplatz finden, um uns dort noch einzuheizen und die Jungs später im Stadion zu unterstützen.
Der VfB traf auf die derzeit in einem Zwischenhoch befindlichen Hamburger, denen Bruno Labbadia, fast erwartungsgemäß, neues Leben eingehaucht hat. Für solch kurzfristigen Missionen scheint Labbadia der richtige Mann zu sein, der alle mitnimmt und offensichtlich auch die richtigen Worte zu finden scheint.
Als längere Lösung scheidet er für mich nach wie vor aus, es sei denn, er hätte sich während seiner Auszeit um 180 Grad gedreht. Müßig zu mutmaßen, wo der VfB stünde, hätte er Labbadia nicht entlassen, für mich war die Entlassung damals überfällig. Der große Fehler damals war doch seine Vertragsverlängerung und dass man den Vertrag nicht einfach zum 30.06.2013 hat auslaufen lassen. Damit wäre uns womöglich schon der Abstiegskampf der letzten Saison erspart geblieben, zum 01.07. einen Trainer zu verpflichten, der noch Justierungen am Kader vornehmen kann, bietet immer mehr Möglichkeiten, als einen Feuerwehrmann zu holen, wenn das Kind schon im Brunnen liegt.
Labbadia mag ein besessener Fußballfachmann sein, ein guter Psychologe ist er nicht. Wäre er das, hätte er sich mehr um das Innenleben der Mannschaft geschert, Youngsters und andere Reservisten bei Laune gehalten, ihnen erklärt, weshalb der eine (immer) spielt und der andere gar nicht. Er hätte sich womöglich gar von seinem ewigen Assistenten Eddy Sözer getrennt, der in der Mannschaft unbeliebt war und eher als Petze denn als Vertrauensperson angesehen wurde. Zudem hingen ihm noch die Gerüchte nach, nach denen er seine Hände nicht von Spielerfrauen lassen konnte. All das waren keine guten Voraussetzungen, die Mannschaft hinter sich zu bringen, so dass es schon lange den Anschein hatte, die Mannschaft würde gegen den Trainer spielen. Daher bleibe ich dabei, dass es richtig war, sich von Labbadia zu trennen.
Dennoch muss ich es zugeben, dass auch ich ein flaues Gefühl im Magen hatte, als Labbadia HSV-Trainer wurde und ich mir das Szenario einfach nicht vorstellen wollte, dass ausgerechnet „sein“ HSV uns in die 2. Liga schießen könnte. Auf der anderen Seite habe ich die letzten HSV-Spiele gesehen und, wenn man diese mit den Vorstellungen des VfB vergleicht, einen Unterschied wie Tag und Nacht festgestellt. In Hamburg, ein Rumpelfußball sondergleichen, wie wir ihn aus der Labbadia-Ära ja auch noch kennen und dann wir mit unserer Mannschaft, die zuletzt wirklich einen hervorragenden Fußball spielte.
Der VfB übernahm zwar gleich die Initiative, trotzdem ging der HSV mit seinem ersten Torschuss nach einer Standardsituation durch Kacar in Führung. Jener Kacar, der lange keine Rolle bei den Rauten spielte, unter Labbadia, der ihn auch schon nach Stuttgart lotsen wollte, aber förmlich aufblüht und dessen Toren es allein zu verdanken ist, dass der HSV überhaupt noch Chancen auf den Klassenerhalt besitzt. Tunay Torun, auch so ein Wunschspieler Labbadias, spielte dieses 0:1 in die Karten. Unter der Woche meinte er noch in der Hamburger Morgenpost, dem HSV müsse ein frühes Tor gelingen, „die VfB-Fans werden schnell ungeduldig und fallen ihrer Mannschaft in den Rücken“. Na dann, schaun mer mal.
Die Stuttgarter Fans, „alle in weiß“, gaben von Beginn an ein beeindruckendes Bild und einen noch besseren Lautstärkepegel ab. Das Stadion bebte schon vor dem Anpfiff, jeder Einzelne motiviert bis in die Haarspitzen. So auch nach dem 0:1. Wurde früher (noch gar nicht so lange her) in Lethargie verfallen bei einem Rückstand, schüttelte man sich gegen den HSV kurz und weiter ging der Support. Man spürt es deutlich, diese Mannschaft hat nach den letzten Vorstellungen Kredit zurückgewonnen, außerdem hat es sich jeder verinnerlicht, dass wir alle im selben Boot sitzen und sich jeder bestmöglich für den Nichtabstieg einbringen muss. Nach der so unglücklichen wie unnötigen Niederlage auf Schalke, als die wenigsten außerhalb der VfB-Fanszene noch auf den VfB einen Pfennig gesetzt hätten, wurden die Kräfte noch einmal gebündelt und es wurden drei Endspiele ausgerufen, in denen sämtliche Misstöne ausgeblendet, Animositäten zurückgestellt werden sollen. Die Aufarbeitung muss dieses Mal kommen, ohne wenn und aber, aber, eben zu gegebener Zeit. Robin Dutt, dessen bisher einziger Einkauf Serey Die eingeschlagen hat und ins Team passt wie die Faust aufs Auge, wird sich im Sommer beweisen müssen. Durch die Blume hat er ja schon angedeutet, dass nach der Saison deutlich angesprochen und analysiert werden müsse, was im Argen liegt. Hier wird sich zeigen, ob er, vielleicht auch gegen Widerstände, bereit ist, alte Zöpfe abzuschneiden und wirklich jeden Stein umzudrehen, um endlich wieder ein ausschließlich leistungsorientiertes Arbeitsklima auf dem Wasen zu schaffen.
Das Spiel indes lief auch nach dem Rückstand nur in Richtung HSV-Tor. Bereits 13 Minuten nach Kacars Führungstreffer gab der VfB die passende Antwort. Schwaabs Flanke, die abgefälscht den Weg zu Gentner fand, nahm der Kapitän volley und drosch die Kugel durch die Beine von Adler zum Ausgleich in die Maschen. Riesen Jubel, riesen Erleichterung und eine Wahnsinns-Lautstärke im Neckarstadion.
Gentner ist irgendwie schon ein Phänomen. Läuft in der Mannschaft alles schief, versteckt er sich und geht sang- und klanglos mit unter, und zeigt dabei nie die Attribute, die man von einem Kapitän und Führungsspieler erwartet. Auf der anderen Seite, läuft es im Team, schafft er es, das eine oder andere Mal aus einer starken Mannschaft noch herauszustechen, so wie am Samstag. Einsatzstark und willensstark legte er nicht nur den Hamburger Kapitän Van der Vaart an die Kette, sondern kurbelte unser Angriffsspiel an und erzielte gar selbst den so wichtigen Ausgleich. Wiederum nur acht Minuten später war das Spiel gedreht. Westermann lenkte eine Kostic-Ecke an den hinteren Pfosten, von wo aus Harnik gekonnt einnetzte, ein Tor, das ihm so vor vier Wochen wohl auch nicht gelungen wäre. Der Jubel kannte keine Grenzen, das ganze Stadion war aus dem Häuschen und die Mannschaft gab Stevens die passende Antwort, in dem sie einen astreinen Affentanz aufführte. Gute Laune allerorten, Spielfreude auf dem Rasen, Euphorie auf den Rängen, als wenn wir uns in ganz anderen Tabellengefilden befänden. Ich hatte lang gefordert und darauf gehofft, dass die Spieler die Zuneigung vom Publikum nicht nur verbal einfordern, sondern sich diese auf dem Rasen erarbeiten und den Funken auf die Ränge überspringen lassen. Das scheint fürs erste gelungen. Schon lang nicht mehr habe ich es erlebt, dass bei uns auf der Haupttribüne mindestens die Hälfte des Spiels gestanden wurde und kollektiv ins rhythmische Klatschen der Cannstatter Kurve eingestimmt wurde.
Huub Stevens scheint nun endlich die Elf gefunden zu haben, die uns diese verkorkste Saison noch retten kann. Hatte auf Schalke noch Georg Niedermeier einen kapitalen Aussetzer und lud Schalke zum 1:0 ein, heißt nun die Devise richtigerweise „Safety first“. Keine versuchte Kabinettstückchen am oder im eigenen Strafraum mehr, stattdessen werden die Bälle humorlos aus der Gefahrenzone heraus gedroschen. Mit Rüdiger und Baumgartl in der Innenverteidigung scheint es zu passen, zumal Schwaab, ja auch gelernter Innenverteidiger, stark ansteigende Form zeigt und mich in den letzten beiden Spielen seit langem mal wieder überzeugt hat. Bei Baumgartl gefiel mir seine Aufmerksamkeit, hellwach der Junge und schon recht abgezockt für sein Alter. Im Mittelfeld ziehen Gentner und Serey Dié die Fäden und stellten zuletzt gut die Räume zu, sie harmonieren also immer besser miteinander. Und dann ist da ja noch Daniel Didavi, dessen Rückkehr uns schon letzte Saison so wahnsinnig gut getan hat. Einfach eine Augenweide, ihn am Ball zu sehen. Und vorne wirbeln Harnik, Ginczek und Kostic die gegnerischen Abwehrreihen durcheinander. Zuletzt haben alle getroffen, so dass diese Offensiv-Power auch für den SC Paderborn schwer auszurechnen sein dürfte. Der VfB erspielte sich gegen den HSV ein Chancenverhältnis von 13:1, so dass man allenfalls die Chancenverwertung bemängeln kann, auch wenn René Adler hervorragend gehalten hat. Ich fand auch nicht, dass die Chancen kläglich vergeben wurden und wenn, dann ganz wenige. Ein 4:1 wäre zwar auch noch zu niedrig ausgefallen, hätte uns aber eine etwas bessere Ausgangsposition fürs Saisonfinale verschafft, nämlich für den Fall, dass wir unentschieden spielen und Hannover verlieren würde. Außerdem birgt ein Eintore-Vorsprung immer die Gefahr, noch einen dummen Ausgleich zu kassieren. Als der am Samstag gute Schiri Gräfe vier Minuten Nachspielzeit anzeigen ließ, ertönten bei mir schon wieder sämtliche Alarmglocken. Ein Standard für Hamburg, Adler kommt vor, Unordnung durch den überzähligen Mann im Strafraum, und… Nein!
Vor kurzem empfahl ich Stevens hier noch, Leute wie Kostic und Maxim durchspielen zu lassen, da die späten Gegentore gegen Freiburg und auf Schalke immer erst dann fielen, wenn die beiden ihr Tagwerk bereits vollbracht hatten und ausgewechselt waren. Gut, die Sache mit Maxim hat sich wohl erledigt, seit Didavi von Anfang an ran darf. Aber, Kostic durfte tatsächlich bleiben. Zum Glück! Wie der Junge die Bälle vorne festmachte, wie er im eins gegen drei noch Eckbälle herausholte, einfach zum Zunge schnalzen. Hamburg kam in der Nachspielzeit nicht einmal überhaupt in Tornähe, so dass der überlebenswichtige Sieg in Stein gemeißelt war. Endlich darf Kostic zeigen, was er drauf hat und das ist eine ganze Menge. Ich freute mich im Vorfeld ja bereits auf sein ungleiches Duell mit Westermann und sollte nicht enttäuscht werden. Mit seiner Schnelligkeit ist er eine Waffe im Abstiegskampf und unheimlich wichtig für die Mannschaft.
Der Dreier war eingefahren, die rote Laterne wurde an unseren nächsten Gegner weitergegeben. Stand heute würden wir die Relegation gegen den KSC spielen, ein Spiel, das sich wohl keiner so recht wünscht. Mehr Brisanz in sportlicher Hinsicht geht sowieso nicht, leider wäre bei dieser Konstellation aber auch abseits des Stadions, vor allem im Wald in Karlsruh, das Schlimmste zu befürchten.
Dass wir nicht noch weiter in der Tabelle hoch geklettert sind, lag zum einen daran, dass die Bayern nach dem verpassten Triple im Schongang dem Saisonende entgegen spazieren und Freiburg so den ersten Sieg gegen die Bayern seit 19 (!) Jahren einfuhren. Auch wenn sich viele gegen den Begriff „Wettbewerbsverzerrung“ wehren, kann man doch davon ausgehen, dass die Bayern im Breisgau nicht verloren hätten, wenn sie noch dringend Punkte für die Meisterschaft benötigt hätten. Hannover 96 profitierte zeitgleich von einer miserablen Schiedsrichterleistung in Augsburg und fuhr dadurch begünstigt seinen ersten Rückrundensieg ein. Auch das ging also nicht mit rechten Dingen zu. Dennoch, mit unerwarteten Ergebnissen von Mannschaften, die ihre Ziele bereits erreicht haben oder nichts mehr erreichen können muss man Jahr für Jahr rechnen. Jeder ist seines eigenen Glückes Schmied und sollte sich in eine Situation bringen, wo andere Ergebnisse von vornherein unwichtig sind.
In dieser Situation befinden wir uns vor dem großen Showdown in Paderborn. Wir müssen „nur“ gewinnen und klettern dann auf einen Nichtabstiegsplatz, da sich Hannover und Freiburg gegenseitig Punkte wegnehmen. Wir haben es in eigener Hand und sollten jetzt ernten, was wir in den vorigen beiden Spielen säten. Die zuletzt gezeigte (Spiel-)Stärke sollte Mut machen und auch gegen Paderborn zum Erfolg führen. Aber, die Einstellung wird wichtig sein am Samstag. Kleines, enges Stadion, Hexenkessel, Kampfspiel und wenns regnet womöglich auch ein wenig ein Schlammspiel. All das taugt das eine oder andere Mal dazu einer vom spielerischen daherkommenden Mannschaft den Zahn zu ziehen bzw. den Schneid abzukaufen. Was uns vielleicht in die Karten spielen könnte, ist der Ausfall eines Paderborner Schlüsselspielers, hier ein Auszug der VfB Statistikwelt in Facebook: „Daniel Brückner vom SC Paderborn 07 e.V. ist in der kommenden Woche gegen den VfB Stuttgart 1893 e.V. gelbgesperrt. In den zehn Partien ohne Brückner kassierte der SCP im Schnitt 3,1 Gegentore – in den übrigen 23 Saisonspielen mit ihm nur 1,4.“
Klammert man sich in besonders nervenaufzehrenden Zeiten an jeden Strohhalm, so natürlich auch an diesen. Ansonsten kann man die Tabelle drehen und wenden wie man will. Fakt ist, gewinnen wir, sind wir durch, verlieren wir, steigen wir ab, spielen wir unentschieden reicht es höchstwahrscheinlich allenfalls für den Relegationsplatz und das wohl auch nur, wenn der HSV gegen Schalke nicht gewinnt. Was man von Schalke noch erwarten darf, weiß ich nicht so recht. Die Spielersuspendierungen in der letzten Woche brachten nicht den gewünschten Erfolg. Schalke gewann zwar gegen Paderborn mit Ach und Krach 1:0, ließ sich dabei aber von unserem Abschlussgegner teilweise an die Wand spielen, so dass die Fans abermals unseren Chef- und ihren Jahrhunderttrainer Huub Stevens feierten und mit der eigenen Mannschaft und auch Horst Heldt hart ins Gericht gingen. Ob jetzt in Hamburg noch eine Trotzreaktion der Mannschaft, eine Versöhnung mit den Fans zu erwarten ist, bezweifle ich. Dort wird eher jeder froh sein, wenn der Schlusspfiff ertönt und die Saison vorbei ist. Beruhigend für unsere Nerven wäre dennoch, wenn aus Hamburg die Schalker Führung übermittelt werden würde.
Auf der sicheren Seite sind wir aber nur, wenn wir unser Glück selbst in die Hand nehmen und endlich den ersten Auswärtssieg 2015 einfahren. Der VfB muss einfach auf den Platz bringen, dass wir nicht nur die besseren Einzelspieler sondern auch die bessere Mannschaft haben. An Unterstützung wird es nicht mangeln, der kleinste Gästeblock der Liga ist (natürlich) restlos ausverkauft. Bei entsprechender Kapazität könnte man diesen wohl bei diesem Endspiel auch mit 5.000 bis 10.000 VfBlern füllen, so hoch ist derzeit die Nachfrage. Natürlich kommen auch viele jetzt angekrochen, die sich zu diesem Endspiel berufen fühlen, einen sonst aber für verrückt erklären, wenn man zu jedem Kick fährt.
Aber, auch andere, Vielfahrer, gingen leer aus, weil einfach nicht mehr Tickets vorhanden waren. Dies führt zu aberwitzigen „Angeboten“ bei Viagogo und Ebay, von einigen hundert Euro bis hin zu knapp 2.000 Euro für ein Stehplatzticket (Regulärpreis: 15,– €). Ob diese Mondpreise tatsächlich jemand bezahlt oder diese Abzocker auf ihren Karten sitzen bleiben, weiß ich natürlich nicht. Da Karten für den Gästebereich wirklich nur Hartgesottene bekommen haben und damit indirekt anderen echten Fans die Möglichkeit nehmen, bei diesem Finale dabei zu sein, sollte im Grunde jeder, der ein Ticket auf diesem Schwarzmarkt erworben und bei der Kaufabwicklung den Namen des Verkäufers bekommen hat, diesen beim VfB anzeigen, dass solche Leute nach und nach aus dem Verkehr gezogen werden können.
Auch mit knapp 1.500 Away-Fans werden wir für einen Support sorgen, der sich gewaschen hat. Zudem ist mit vielen Anreisenden ohne Karte zu rechnen, so dass wir hoffentlich in Ostwestfalen eine weiß-rote Nichtabstiegsfeier und eine feuchtfröhliche Rückfahrt erleben werden. Ich kann es kaum erwarten, bis wir am Samstag Gewissheit haben. Hauptsache nicht direkt absteigen, notfalls über die Relegation die Klasse halten, auch für diese Busfahrt, ob nach Darmstadt, Kallsruh oder Kaiserslautern, habe ich mich bereits angemeldet. #mirschaffendas, #KampfbiszumSchluss.

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15. Mai 2015

Auf gehts Jungs aus Cannstatt!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 21:23

Schön, dass nach Mainz gerade einmal zwei Arbeitstage anstanden und wir die letzten drei Tage mit (VfB-) Freunden im Badischen verbringen konnten. Eine komplette Woche im Geschäft unter Hochspannung wäre sicher schwer zu ertragen gewesen.
Morgen steht er also an, DER Showdown, DAS Abstiegsendspiel oder, wie es der VfB-Tross nennt, das Halbfinale. Die Spannung ist unerträglich, von “so gut wie gerettet” bis “sicher abgestiegen” ist alles möglich. Um diese innere Unruhe und Anspannung bis zum Anpfiff nicht alleine in sich hineinfressen zu müssen, hat der OFC Leintal-Power ’05​ die tradionelle Saisonabschlussfahrt auf dem Partyfloß angesetzt. Jedes Jahr, auch für mich ein, wenn nicht DAS Saisonhighlight, vor allem in Zeiten, in denen Glanzvorstellungen auf dem Rasen zur Rarität geworden sind.
So trifft man sich bereits morgen früh um 8.45 Uhr, um zum Anleger nach LB-Poppenweiler kutschiert zu werden und um dort das Floß zu besteigen. Da man sich nie sicher kann, nicht doch in einen kleinen Stau zu geraten, deckt man sich vorsorglich am Bahnhof Ludwigsburg mit Kaltgetränken ein, so dass der Tag schon einmal einen feuchtfröhlichen Anfang nimmt. Auf dem Floß dann werden, die Erfahrung der letzten Jahre lehrt es, die guten Vorsätze wie “erstmal ein Radler”, “nicht durcheinander trinken” oder “iss was” schnell über Bord in den Neckar geworfen, weil einem doch immer wieder mal unerwartet etwas hingestellt wird und man ja nicht abweisend wirken möchte.
Der Tag nimmt damit also schon einen mehr als launigen Anfang mit sauguten Leuten an Bord. Natürlich dreht sich bei dieser Fahrt fast alles um den VfB, man analysiert, fachsimpelt, sinniert und hin und wieder kommt dann auch die missliche Tabellenlage ins Spiel. Man singt und lacht und genießt das Beisammensein mit Gleichgesinnten. Aber, die Zeit wie auch die Schleusen Aldingen, Mühlhausen, Cannstatt rasen an einem vorbei, so dass ich mir keine kurzweiligere Art des dem Spiel entgegenfieberns vorstellen könnte.
Alle Jahre wieder melde ich mich für die Floßfahrt an, weil es einfach geil ist und weil ich es noch geiler finde, wenn ein Fanclub ein solches außergewöhnliches Event von Fans und für Fans veranstaltet und damit einen Beitrag zum Zusammenhalt und zum besseren Kennenlernen innerhalb der Fanszene leistet. Ich weiß das sehr zu schätzen und halte mir daher den Vormittag des letzten Saisonspiels stets und gerne frei.
Wenn wir nicht gerade in Seenot geraten, die Schleusenwärter streiken oder sonstige unvorhergesehenen Ereignisse eintreten, legen wir etwa drei Stunden vor Spielbeginn in Stadionnähe an und haben einen Großteil der (Warte-) Zeit bereits hinter uns gebracht, so dass es bald ans Eingemachte geht.
Wie schon vor den Siegen gegen Bremen und gegen Mainz heizen DIE FRAKTION​ vor dem Spiel ein und stimmen die Fangemeinde auf den Heimsieg ein.
Dann gehts also gegen den unter Bruno Labbadia wiedererstarkten HSV ins Alles-Oder-Nichts-Spiel. Eigentlich, ich gebe es ehrlich zu, gab es schon Gegner, vor denen ich mehr gezittert habe. Der HSV wäre eigentlich fällig. Schon die Witz-Rettung in der letzten Saison und dann dieser Komödienstadel in dieser, dazu noch dieser Anti-Fußball, der von den Rauten dargeboten wird. Wenns nach all dem ginge, könnte es nur heißen, ab in Liga 2.
Aber: in Sachen Komödienstadel stehen wir dem HSV inzwischen überhaupt nicht mehr nach. Auch, in Sachen verdientem Abstieg, man muss ehrlich bekennen, wer den Schuss letzte Saison nicht gehört hat, wer mit Armin Veh als vermeintlichem Heilsbringen so naiv in die Saison ging, auch der würde eigentlich nach unten gehören.
Trotzdem hoffe ich natürlich, dass wir mit zwei Siegen den Kopf noch aus der Schlinge werden ziehen können. Die Offensive macht derzeit Mut und noch mehr Spaß. Mit dieser Spielfreude, diesen Ideen, den Räumen, die ein Kostic und auch Didavi schaffen, kann dem HSV beizukommen sein. Ein Kostic in der Form vom Mainz-Spiel, spielt dem Westermann Knoten in die Beine, dass dieser noch in der Nacht danach Karussell fährt. Dida wieder auf dem Platz zu sehen tut gut und in der Mitte steht endlich wieder ein Stürmer, der weiß wo das Tor steht. Und auch Harnik, der Mann zwischen Genie und Wahnsinn, ist immer für die eine besondere Aktion gut. Serey Die gegen Mainz wieder bärenstark, bei ihm muss man eben hoffen, dass er von Schiri Gräfe (mein Gott!!!) nicht zu früh gelb sieht.
Die halbe Mannschaft also macht durchaus Mut und sollte in der Lage sein, die Schwächen der Hintermannschaft zu kaschieren oder zu übertünchen und einfach ein Tor mehr schießen als der Gegner. Gegen Mainz sah es doch einigermaßen vielversprechend aus, auch wenn sie nicht allzu sehr gefordert waren, was aber auch am Spiel gegen den Ball der kompletten Mannschaft lag.
Mit einem ähnlichen Willen wie gegen Mainz wird der HSV geschlagen, ohne Wenn und Aber. Ob das gestrige “Affentheater” noch zusätzlich motivierende oder eher hemmende Wirkung hat, wird man sehen. Ich unterstütze Stevens, diesem Haufen auch mal in den Allerwertesten zu dappen, wenn sie nach einem Sieg schon wieder auf Wolke sieben schweben und den Ernst der Lage verkennen. Es kann ja auch kein Zufall sein, dass wir bald zwei Jahre lang keine zwei Siege in Folge einfuhren. Die Wortwahl mutet merkwürdig an, kann aber natürlich Sprachproblemen geschuldet sein.
Der zweite Sieg in Folge muss jetzt zweifellos her, jede Serie geht einmal zu Ende. Die Vorzeichen sind doch klasse. Rückenwind vom Sieg gegen Mainz, volles Haus und eine mit Sicherheit unschlagbare Atmosphäre und die Chance eine verkorkste Saison aus eigener Kraft noch retten zu können.
Ein Abstieg wäre verheerend. Natürlich beschwören ihn einige fast herbei, “weil sich ja sonst doch nix ändert”, weil die Vereinsführung offensichtlich aus gröbsten Fehlern nichts lernt und man in gewisser Weise zu seinem Glück gezwungen werden will. Aber, was soll heilend sein bei einem Abstieg? Mit 1975 sind die Ligen nicht mehr zu vergleichen. Abgesehen davon, dass es noch zwei zweite Ligen gab und es der VfB dennoch erst im zweiten Jahr schaffte, wieder hoch zu kommen, würde es ungleich schwerer. Spieler wie Dieter Hoeneß, K. H. Förster, Hansi Müller und viele andere mehr konnten sich fast unbeobachtet zu Nationalspielern entwickeln, die Medienpräsenz war eine andere, Internet und Privatfernsehen gab es noch nicht. Heutzutage kennt europaweit jeder unsere Talente bis mindestens zur B-Jugend hinab, so dass die Geier ein und aus gehen würden, um die Jungs von anderen Vereinen überzeugen und abwerben zu wollen. Wie oben aufgeführt, haben wir schon ein paar vielversprechende Spieler, die ich so langsam in mein Herz schließe, die wären dann alle weg. Uns würde gerade bleiben, was die Anderen nicht wollen,nicht die besten Voraussetzungen, um gleich wieder hoch zu kommen.
Dutt ist so oder so gefordert im Sommer, der Umbruch muss her, Spielern, die uns bereits jahrelang nicht weiter bringen, muss der Abgang nahegelegt werden, ohne Rücksicht auf irgendwelche vermeintlichen Verdienste oder Identifikation mit dem Verein. Diese haben wir alle, jedoch ohne uns Woche für Woche auf den Platz zu stellen.
Soll heißen, der Abstieg muss unbedingt vermieden werden, um nicht um Jahre bis Jahrzehnte zurückgeworfen zu werden.
Daher, morgen alles geben, alles aus sich herausholen, forza VfB. Bin heiß wie Frittenfett.

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10. Mai 2015

Hurra, wir leben noch!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 21:45

Nach der ebenso ärgerlichen wie unnötigen Niederlage auf Schalke vor Wochenfrist und den Ergebnissen der Konkurrenz hatten sich die Aussichten des VfB auf den Klassenverbleib dramatisch verschlechtert. Es war daher im Vorfeld bereits klar, dass gegen den 1. FSV Mainz 05 nur ein Sieg zählen würde, jedes andere Ergebnis käme fast schon dem Abstieg gleich, auch wenn aufgrund der letzten Gegner und anderer direkter Duelle an den beiden letzten Spieltagen sicher war, dass man selbst im Falle einer Niederlage noch nicht abgestiegen wäre.
Der Spieltag begann mit dem Freitagspiel schon wie gemalt für den VfB. HSV-SC Freiburg 1:1, so dass man bereits vor dem Spiel anfing zu rechnen und auf die Losung kam, Mainz besiegen und danach mit einem Sieg gegen den HSV den Dino überholen zu können. Gar nicht einmal so unrealistisch, für Mainz geht es um nicht mehr viel und wenn man den HSV so spielen sieht und die Spielanlage der Rauten mit der unsere vergleicht, brauchen wir uns vor diesem HSV sicherlich nicht zu verstecken.
Auf der anderen Seite sind drei Siege aus drei Spielen natürlich leichter gesagt als getan, wenn man sich erinnert, dass wir aus 31 Spielen gerade einmal sechs zustande brachten und zudem seit mehr als eineinhalb Jahren keine zwei Spiele hintereinander mehr gewinnen konnten. Außerdem gefällt sich der VfB offensichtlich als Heilsarmee der Bundesliga und erweckt jedes Mal kriselnde Gegner zu neuem Leben, indem man sich die Dinger regelmäßig selbst ins Netz legt. Solche Anfängerfehler werden natürlich in Deutschlands Eliteklasse gnadenlos bestraft, so dass die Angst vor neuerlichen Slapstickeinlagen unserer Defensivstrategen stets mitspielt und man sich als VfB-Sympathiesant gegen keinen Gegner und bei keinem Spielstand wirklich sicher sein kann.
So empfing der VfB also am letzten Wasenwochenende den selbsternannten Karnevalsverein aus Mainz. Für Mainz ging es quasi um nichts mehr, auch wenn theoretisch noch die Europa League-Qualifikation und sogar der Abstieg, wenn auch äußerst unwahrscheinlich, möglich gewesen wäre. Im Vergleich zum Schalke-Spiel brachte Huub Stevens den wiedergenesenen Antonio Rüdiger für den angeschlagenen und auf Schalke kapital patzenden Georg Niedermeier. Außerdem stand erstmals in dieser Saison Daniel Didavi in der Startformation, für ihn musste Alexandru Maxim auf der Bank Platz nehmen.
Die Stimmung im Stadion zum „Top-Spiel der Woche“ war von Beginn an überragend. Frühlingshafte Temperaturen, das Frühlingsfest, 54.000 Zuschauer, man hatte den Eindruck, dass so langsam jeder kapiert hat, was die Stunde geschlagen hat. Wie schon vor dem letzten Sieg gegen Werder Bremen heizten auch dieses Mal die Schwaben im Berliner Exil von „Die Fraktion“ dem Anhang ein, ein Auftritt, der abermals Glück bringen sollte. Ich mag die Band nicht erst, seit sie einen Beitrag für „Das sind die Fans und ihre Geschichten“ beigesteuert haben, ihre Hymne „VfB ein Leben lang“ oder auch das zum Stadionsong gekürte „Für immer VfB“ begleiten einen schon seit einigen Jahren.
Der VfB indes übernahm sofort die Initiative und suchte sein Heil in der Offensive, hatte aber spürbar Probleme zu aussichtsreichen Abschlüssen zu kommen, da die Mainzer kompakt standen und geschickt die Räume zumachten. Gerade für dieses Spiel war es ein gelungener Schachzug dem laufstärkeren Didavi den Vorzug vor Maxim zu geben, versuchte doch auch Didavi sofort das Spiel an sich zu reißen. Bereits in der letzten Saison, als Didavi erst im Frühjahr ins Geschehen eingreifen konnte, hatte er maßgeblichen Anteil am Klassenerhalt, so könnte er auch in dieser Saison wieder zu unserer Lebensversicherung werden. Für mich ist er der beste Fußballer in unseren Reihen, tragisch wie sehr er zuletzt von langwierigen Verletzungen gebeutelt war, so dass man schon Angst hatte, ob er denn überhaupt noch zurückkommen würde oder gar einen Eintrag auf Sportinvalidität stellen müsste. Ich drücke ihm und uns ganz fest die Daumen, dass er das Gröbste überstanden hat und uns auch mal eine Saison am Stück sein Können zeigen kann. Seit ich ihn zum ersten Mal spielen sah, bei seinem allerersten Einsatz als 17-jähriger bei den Amateuren, als er gleich doppelt traf, mag ich ihn und bin von seinen Qualitäten überzeugt. An die nächste Saison möchte ich noch gar nicht denken, zunächst einmal wäre es eine große Hilfe, wenn er in den restlichen Spielen dieser Saison mithelfen könnte, den Abstieg zu verhindern.
Außer Dida war gestern wieder einmal Filip Kostic der zweite Aktivposten. Endlich darf der Serbe zeigen, was er drauf hat. Lang hat’s gedauert, nun aber, vielleicht gerade noch rechtzeitig, hat er sich an den deutschen Fußball gewöhnt, hat gelernt defensiv mitzuarbeiten und trotzdem nach vorne Akzente zu setzen. Unwiderstehlich seine Dribblings, ein Typ Spieler, der auszusterben droht, der es mit mehreren Gegenspielern auf einmal aufnimmt und dadurch Platz und Räume für seine Mitspieler schafft. Schon auf Schalke der beste VfBler und auch gestern wieder bärenstark. Und überhaupt, wegen unserer Offensive brauchen wir uns keine Sorgen machen, in diesem Bereich sind wir von allen Abstiegskontrahenten mit Abstand am besten besetzt. Auch unser zweiter Langzeitverletzter Daniel Ginczek besticht in den letzten Spielen mit seiner herausragenden Form. Problem nach wie vor unsere Defensive einschließlich Keeper, die gestern zum Glück aber selten gefordert waren.
Je länger das Spiel dauerte, umso seltener wurden die VfB-Chancen. Der VfB zwar tonangebend, aber eben nicht zwingend genug, zudem verteidigten die Mainzer geschickt. Aber, was man dem VfB dieses Mal hoch anrechnen kann und muss, ist, dass die Körpersprache über 90 Minuten stimmte und man die Mehrzahl der Zweikämpfe für sich entschied. Es war eine engagierte und ob des immensen Drucks auch eine couragierte Leistung vom VfB in einem Spiel, in dem er geduldig seinen Stiefel herunterspielte und auf diese eine Chance wartete.
Diese kam dann auch in der 66. Minute, zu einem Zeitpunkt, als schon das nervöse Kribbeln einsetzte und man machtlos die Uhr herunterlaufen sah. Daniel Didavi, der noch eine halbe Stunde zuvor mit einem satten Diagonal-Kracher am Pfosten gescheitert war, fasste sich aus 34 (!) Metern ein Herz und packte den Hammer aus. Der Ball schlug zur Überraschung aller vom Schützen aus gesehen am linken Innenpfosten ein, wobei der Mainzer Keeper Karius keine gute Figur abgab. Sei’s drum, vielleicht hatte er, der ja aus der VfB-Jugend stammt, sein VfB-Herz wiederentdeckt, alles egal. 1:0, ein kollektiver Torschrei der Erleichterung, das Stadion bebte, selbst bei uns auf der Haupttribüne hielt es kaum mehr einen auf den Sitzen. Sollte tatsächlich wieder dieser langzeitverletzte Dida aus unserer eigenen Jugend der Retter werden? Fast schon frech aus dieser Distanz draufzuhalten, aber, er probiert es wenigstens. Vielleicht ein Verzweiflungsschuss, egal, er hat Vertrauen in seinen feinen linken Fuß und das Vertrauen hat sich ausgezahlt. Da war sie also, die fast schon lebenswichtige Führung, die es nun galt, nicht mehr leichtfertig zu verspielen. Man wusste nicht so recht, was man von den Mainzelmännchen noch zu erwarten hatte, ob sie mit aller Macht auf den Ausgleich drängen wollten oder diese Niederlage hinzunehmen bereit waren. Der VfB tat das einzig richtige und igelte sich nicht hinten ein, sondern versuchte nachzulegen. Die Erfahrung der letzten Spiele lehrte es uns ja, keine Führung kann hoch genug sein, um nicht doch noch Gefahr zu laufen, sie wieder zu verspielen. In der 76. Minute hatte Didavi seine Schuldigkeit getan. Unter tosendem Applaus verließ er das Feld, Maxim kam. Nur zwei Minuten später dann wurde der Sack zugemacht. Langer Schlag von Ulreich (fand er Harnik nicht?) auf Ginczek, der fein auf Harnik, welcher wiederum von der Grundlinie in den Rückraum passte, von wo Kostic die Kugel kompromisslos in die Maschen drosch, und somit seine starke Leistung krönte. Riesen Jubel im weiten Rund, pure Erleichterung und aufgrund der Ergebnisse der Konkurrenz auch wieder große Hoffnung auf den vielleicht sogar direkten Klassenerhalt. Zwar hält man auch zwei Spieltage vor Schluss weiter eisern die rote Laterne, doch, auf Platz 14 sind es gerade einmal zwei Punkte.
Standing Ovations nach dem Spiel, der Funke ist (endlich mal wieder) vom Rasen auf die Ränge übergesprungen, es scheint fast so, als bahne sich ein neuer Schulterschluss zwischen Fans und Mannschaft an, wo doch zuletzt das Tischtuch eher zerschnitten war. Um in Erinnerung zu rufen, dass auch nach diesem Sieg noch überhaupt nichts erreicht ist, berief Huub Stevens zum ersten Mal überhaupt das komplette Team noch auf dem Rasen zu einem Kreis zusammen und schwor sie auf die nächsten Spiele ein. Für den VfB gilt es gegen den HSV genau an diese Leistung anzuknüpfen, dann muss uns allen nicht bange sein. Noch ist alles möglich in diesem verrückten Abstiegskampf. Wenn es normale Ergebnisse gibt, sollten zwei Siege für Platz 15 reichen. Dann nämlich gewinnt der SC Freiburg nächste Woche nicht gegen die Bayern und Paderborn nicht auf Schalke. Aber, was ist schon normal. Die Bayern verlieren derzeit jedes Spiel und Schalke gewinnt gerade einmal gegen uns, weil wir sie reich beschenkt haben.
Schalke ist am letzten Spieltag auch noch beim HSV gefordert und könnte zu etwas wie dem Zünglein an der Waage im Abstiegskampf werden. Hoffnung macht hier nur, dass bei königsblau nach der heutigen Niederlage in Köln so richtig Feuer unterm Dach ist und sie noch Punkte benötigen, um in der nächsten Saison überhaupt international dabei zu sein. Auch die Bayern sollten, selbst nach dem wahrscheinlichen Ausscheiden aus der Königsklasse, die Saison ordentlich zu Ende spielen, auch wenn für Pep Guardiola Begriffe wie Ehre und Fairness Fremdworte zu sein scheinen.
Letzten Endes liegt es aber am VfB selbst, ob er die Klasse hält. Zwei Siege zum Abschluss und mindestens die Relegation wird erreicht werden. In der 2. Liga sehe ich kein Team, vor dem man sich fürchten müsste.
Seit gestern stehen für mich die Zeichen tatsächlich auf Klassenerhalt. Das Neckarstadion wird am Samstag ausverkauft sein, die Fans stehen inzwischen wie ein Mann hinter dem Team und wir spielen mit Abstand den besten Fußball aller Teams, die unten drin stehen.
Dem unter Bruno Labbadia wiedererstarkten HSV werden am Samstag die Grenzen aufgezeigt werden, davon bin ich überzeugt. Es war natürlich zu befürchten, dass Bruno dem HSV neues Leben einhauchen würde und kurzfristigen Erfolg haben wird, aber, ich bleibe dabei, langfristig ist er für mich kein guter Trainer. Für den VfB war er es nicht, für den HSV wird er es auch nicht sein, wenn er sich denn nicht grundsätzlich ändert. Er hat charakterliche Schwächen, ihm wird ja so einiges nachgesagt, welches für einen Mannschaftserfolg nicht gerade förderlich ist. Er hat stets eine geschlossene Gesellschaft an Spielern, die immer ran dürfen, um die anderen kümmert er sich nicht und spricht auch nicht mit ihnen, weshalb sie denn keine Rolle spielen. Beim VfB sind dadurch manche Karrieren bereits im Keim erstickt worden, und das von Spielern, die mittlerweile woanders ihre Rolle gefunden haben. Daher habe ich für die Spötter auch kein Verständnis, die diesen kurzfristigen Erfolg des HSV (wohlgemerkt hat dieser noch nichts erreicht zum jetzigen Zeitpunkt!) jetzt dazu verwenden, zu sagen „sehr her, es war ein Fehler Bruno zu entlassen“. Nach Bobic kommt für mich Labbadia nämlich gleich danach als einer der Totengräber vom VfB. Dankbar bin ich ihm für den Klassenerhalt 2011, für viel mehr aber nicht. Unter ihm verkaufte man Leno, er war an den Verpflichtungen von Granaten wie Torun, Sararer, halb Hannover 96 und vielem mehr maßgeblich mitverantwortlich. Er sprach zu wenig mit den Spielern und bemerkte daher mutmaßlich auch nicht die immer schlechter werdende Stimmung und die Grüppchenbildung im Team. Sein „kongenialer“ Partner Eddy Sözer war zudem bei der Mannschaft nicht wohlgelitten, was ebenfalls keine gute Voraussetzung für erfolgreiches Arbeiten war. Gerade ein Co-Trainer sollte als Bindeglied zwischen Team und Chef-Trainer fungieren, ein Vertrauensverhältnis zu den Spielern aufbauen und nicht als des Trainers Spion wahrgenommen werden.
Nichts destotrotz, positiv für den VfB, die beiden stehen nicht mehr auf der VfB-Gehaltsliste und sind somit endgültig Geschichte beim VfB, womit ich es jetzt auch belassen möchte.
Am Samstag dürfte es schon wegen dieser Personalie eine ganz heiße Kiste werden, ich freue mich drauf und versuche mich auf der vor dem Spiel stattfinden Partyfloßfahrt zurückzuhalten, um das Spiel und hoffentlich den Sieg ausgiebig erleben und genießen zu können.

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