23. November 2015

Wer so lustlos auftritt, hat den Fußball nie geliebt

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 22:36

Endlich wurde am Wochenende nach den Terroranschlägen von Paris wieder Fußball gespielt. Es war eine surreale Länderspielpause, geprägt von Angst und Drohungen neuer Anschläge. Die Anschläge in Paris waren mir näher gegangen als einige der sonstigen tagtäglichen Schreckensmeldungen, weil die hässliche Fratze des IS in Mitteleuropa angekommen war, weil ich damit liebäugelte selbst zum Länderspiel nach Paris zu fahren und weil ich Bekannte hatte, die bei dieser Horrornacht live im Stadion dabei waren. Der IS wollte offenbar gezielt die „Kreuzfahrer-Nationen“ Frankreich und Deutschland treffen und fand in diesem Freundschafts-Länderspiel die große Bühne.

Nach gründlichem Abwägen der Fürs und Widers entschloss sich der DFB es Frankreich gleich zu tun und das Prestigeduell gegen die Niederlande in Hannover am darauffolgenden Dienstag stattfinden zu lassen. Vom Grundsatz her war es richtig, möglichst schnell wieder zur Normalität zurückzukehren, auch wenn der sportliche Wert des Aufeinandertreffens diskussionswürdig gewesen wäre. Der Fan wünscht es sich, dass gerade bei Spielen gegen große Fußball-Nationen in Bestbesetzung angetreten und der „Ernstfall“ geprobt wird, ein Wunsch, dem der Bundestrainer und seine hochstrapazierten Nationalspieler leider selten bis nie nachkommen. Sechs Spieler wurden bereits im Vorfeld nach Hause geschickt, andere sollten geschont oder nur wenige Minuten eingesetzt werden. Dann aber wundert sich der DFB noch, dass er Probleme hat, das Stadion vollzubekommen, wenn der Fan zwischen 35 und 100 Euro für eine Eintrittskarte berappen soll für ein Spiel zweier Mannschaften, die in dieser Besetzung sonst nie wieder auflaufen dürften. Das ist der Hauptgrund dafür, dass ich persönlich mir solche Spiele weitestgehend schenke und eben auch nicht nach Paris gefahren bin.

Dass das Spiel in Hannover letztlich und sehr kurzfristig abgesagt wurde, war bei alldem, was man so hört, sicherlich die richtige Entscheidung, auch wenn Meldungen, nach denen bis zu fünf Bomben im Stadion und an einem Bahnhof gezündet werden sollten, nicht gesichert zu sein scheinen. Der Bundesinnenminister verschweigt die Wahrheit, „weil sie die Bürger verunsichern könnten“, so dass man bis jetzt nicht sicher weiß, ob die Bedrohung tatsächlich so real war oder ob der Staat doch „nur“ kalte Füße bekam, dieses Spiel unter Anwesenheit des halben Bundeskabinetts stattfinden zu lassen.

Diese Spielabsage und die um sich greifende Terrorangst nutzen jetzt (natürlich) die Hardliner aus, um weitere Repressionen rund um Fußballspiele zu fordern und die Einlasskontrollen zu verschärfen. In Frankreich wurden am vergangenen Wochenende Auswärtsfans ausgesperrt, einige fordern „Nacktscanner“ an den Stadioneingängen und weiter reichende Rechte für Polizisten, die so weit gehen sollen, potentielle Unruhestifter rund um Spiele schon mal vorsorglich einzusperren.

Ex-Innenminister Friedrichs findet dabei ebenso Gehör wie der Chef der Polizeigewerkschaft Wendt. Appelle von DFB und Polizei komplett auf den Einsatz von Pyrotechnik zu verzichten und den Anordnungen der Obrigkeit unbedingt Folge zu leisten folgten auf dem Fuße und wurden von großen Teilen der Stadionbesucher goutiert.

Bei all dem beschleicht mich der Eindruck, dass die aktuelle Gefährdungslage einigen in die Karten spielt und sie damit schleichend durchsetzen wollen, was bis vor kurzem noch verpönt war. Daher sollte man innerhalb der Fanszenen bestrebt sein, schnellstmöglich zur Normalität zurückzukehren und sich gegen zusätzliche Repressionen, die bei nachlassender Gefahr sicher nicht mehr zurückgenommen werden, vehement zur Wehr zu setzen.

An den Eingängen zum Neckarstadion fanden erwartungsgemäß verschärfte Leibesvisitationen statt, so dass sich der Einlass verzögerte und das Spiel 15 Minuten später begann. Nach der obligatorischen Gedenkminute für die Opfer der Terroranschläge rollte der Ball dann endlich wieder.
Der VfB, mit einem desaströsen 0:4 bei den Bayern in die Länderspielpause gegangen, hatte gegen das Schlusslicht FC Augsburg die große Chance zur Wiedergutmachung. Auch wenn man in München einem bemitleidenswerten Sparringspartner glich, ist doch eher die unmittelbare tabellarische Nachbarschaft unser Gradmesser als das Starensemble aus Nordösterreich, so dass durch die Niederlage dort im Grunde nicht viel passiert war.

Umso mehr hoffte man auf eine Reaktion der Mannschaft gegen Augsburg und den dritten Heimsieg in Folge. Diese Hoffnungen wurden allerdings frühzeitig jäh zerstört. Von der ersten Minute an sah man eine Augsburger Mannschaft, die unbedingt wollte und einen VfB, der gedanklich noch in der Länderspielpause oder bei der Gedenkminute verweilte.

Vom aggressiven Vorwärtspressing der ersten Spiele war nichts mehr zu sehen. Augsburg betrieb dieses mit Bravour und setzte unsere Abwehrspieler ständig unter Druck. Die VfBler liefen von Beginn an nur nebenher, so dass ich mich schnell im falschen Film wähnte und die schlimmsten Befürchtungen hatte. Der VfB, bei dem Vlachodimos für den wegen eines Magen-Darm-Infektes ausgefallenen Tytoń im Kasten stand, hatte zwar gleich am Anfang eine Kopfball-Chance durch Didavi, die er leichtfertig vergab und die schnell das Ende der VfB-Herrlichkeit bedeutete. Augsburg kombinierte nach Belieben und hatte in Bobadilla und Caiubi die besten Spieler auf dem Platz in seinen Reihen.

Caiubi, vor einigen Jahren mal beim VfB im Gespräch und als zu leicht befunden (!) erfreute sich an jeder Menge Platz im Mittelfeld und zog die Fäden. Seine Seitenwechsel brachten uns stets gehörig in die Bredouille, weil die Unseren nicht gedankenschnell genug waren, auf diese Spielverlagerungen zu reagieren. So klafften auf der jeweiligen Seite riesige Lücken, die den Fuggerstädtern jede Menge Platz boten. Doch nicht nur über die Seiten versprühten die Augsburger Gefahr, auch durch die Mitte ging es locker, wie das 0:1 beweist.

Zunächst verlor Klein ein Kopfball-Duell gegen Caiubi, dann vertändelte Serey Dié den Ball wegen eines technischen Fehlers und Bobadilla spielte den Pass in die Schnittstelle, so dass Esswein freie Bahn auf das Tor von Vlachodimos hatte und diesem keine Chance ließ. Als gerade einmal sechs Minuten später Baumgartl einen an und für sich harmlosen Ball unhaltbar für Vlachodimos zum 0:2 abfälschte, war das Spiel im Grunde schon gegessen.

Der VfB leistete an diesem Samstag den Offenbarungseid ab, kam nicht in die Zweikämpfe, spielte einfachste Pässe ins Nichts und bot in der „Abwehr“ Slapstick pur. Kurz, mit Bundesligafußball hatte die Vorstellung nichts zu tun. Ich bin normalerweise keiner, der schon früh resigniert und das Stadion zu einem frühen Zeitpunkt verlässt, nach dem 0:2 aber war es mir bereits zum Gehen zumute. Die Vorfreude auf dieses Spiel war innerhalb weniger Minuten komplett verflogen. Wut und Hass staute sich in einem auf, weil es unbegreiflich ist, dass ein Profi-Team sich gegen den Tabellenletzten so derart demütigen lässt und nicht einer in der Lage (oder gewillt?) ist, sich gegen die drohende Niederlage zu stemmen.
Man musste sich nur die Körpersprache der Brustringträger anschauen, um festzustellen, dass das an diesem Tag nichts mehr werden würde. Das Schlusslicht führte uns vor und war in allen Belangen überlegen. Bis auf einen Schuss von Insúa hatte der VfB in der ersten Halbzeit keine Tormöglichkeit, im Gegenteil, man fing sich gar noch das 0:3 nach einem Eckball ein.

Toni Sunjic war zu diesem Zeitpunkt bereits gegen Jan Kliment ausgetauscht. Er stand, wie auch Timo Baumgartl, völlig neben sich und steht sinnbildlich für das Dilemma und eine unglückliche Einkaufspolitik. Sunjic hatte die verlorene EM-Relegation zu verkraften und kam zudem angeschlagen von der Nationalelf zurück. Ob dies eine Erklärung für seinen indiskutablen Auftritt ist und er möglicherweise zu früh wieder eingesetzt wurde, weiß man nicht. Bei Sunjic, der in Berlin ein ordentliches Debüt gab und ein Tor erzielte, ist mittlerweile das typische VfB-Symptom zu beobachten. Je länger er da ist, desto schlechter wird er, ähnlich ergeht es derzeit auch Emiliano Insúa.

Sunjic ist nicht der Abwehrrecke, den wir gebraucht hätten. Er ist zu phlegmatisch und muss sich offensichtlich an das Tempo in der Bundesliga erst noch gewöhnen. So trägt er eher zur allgemeinen Verunsicherung bei, als dass er Timo Baumgartl helfen und führen könnte.

Timo Baumgartl ist auch nur noch ein Schatten seiner selbst. Dass er nach der Verpflichtung von Sunjic auf die linke Seite wechseln musste dürfte dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen. Er steht bei mir mit seinen 19 Jahren noch unter Welpenschutz. Ihm würde es möglicherweise sogar helfen, wenn wir in der Innenverteidigung personell besser aufgestellt wären und er auch mal eine Pause bekäme. Gerade für die ganz jungen Spieler, die spüren, dass der VfB im Moment an die Wand gefahren wird, leiden doch am meisten unter der Situation und unter der Vorstellung als Absteiger in die VfB-Annalen einzugehen. Allein diese Schreckensvorstellung könnte ihn derart blockieren, dass die Füße nicht mehr machen, was der Kopf gern tun würde. Bei ihm bin ich guter Hoffnung, dass, wenn eine gewisse Sicherheit ins VfB-Spiel zurückkehrt, auch seine Formkurve wieder ansteigen wird.

Ob Sunjic nach dieser frühen Auswechslung erst einmal weg vom Fenster ist oder Zorniger ihm in Dortmund wieder vertrauen wird, werden wir sehen. Sollte Sunjic nicht verletzungsbedingt ausgewechselt worden sein, sondern weil er taktische Vorgaben nicht umgesetzt hat und völlig neben der Spur stand, würde es mich nicht wundern, wenn er zunächst mal außen vor wäre und in Dortmund wieder einmal Adam Hlousek sein Unwesen treiben darf. Georg Niedermeier wird mutmaßlich weiterhin keine Rolle spielen, Stephen Sama traut man den Schritt zu den Profis offensichtlich (noch) nicht zu. So oder so, in der Innenverteidigung muss im Winter gehandelt werden, alles andere wäre blauäugig. Dafür wird man Geld in die Hand nehmen müssen, das vermutlich erst vorhanden sein dürfte, wenn ein Leistungsträger in der Offensive verkauft wird.
Da fällt mir, so sehr ich ihn eigentlich mag, zunächst einmal Daniel Didavi ein. Was er in den letzten Wochen spielt ist für mich unerklärlich. Wie unmotiviert und alibimäßig er seine Freistöße in aussichtsreicher Position auch am Samstag wieder über den Kasten zirkelte, einfach nur erbärmlich.

Er scheint mit den Gedanken derzeit überall zu sein, nur nicht beim VfB. Sollte an der Einigung mit Leverkusen etwas dran sein, muss man ihn abgeben, sofern Bayer im Winter bereit ist, noch Geld auf den Tisch des Hauses zu legen. In der derzeitigen Verfassung, mit der derzeitigen Körpersprache hilft er uns nicht weiter und sollte in der Startelf durch Alexandru Maxim ersetzt werden, der durch seine Vertragsverlängerung zumindest vordergründig so etwas wie Vereinsverbundenheit demonstriert hat und entsprechend eine größere Motivation an den Tag legen könnte als derzeit Dida.

Auch Filip Kostic ist seit dem angeblichen Interesse von Schalke 04 nur noch ein Schatten seiner selbst. Kostic hat ja bereits verlauten lassen, dass er sich zu Höherem berufen fühle als mit dem VfB gegen den Abstieg zu kämpfen. Dutt hat vor der Saison verkündet, man werde keinen festbinden und jeder Spieler, der nicht gerne für den VfB auflaufe, könne dies mitteilen, dann fände man schon eine Lösung. Kostic dürfte der erste sein, der von dieser Option Gebrauch macht. Bereits seit September, unmittelbar nach Ende der Transferperiode, wirkt er extrem unmotiviert und ist von seinen Leistungen der Rückrunde meilenweit entfernt.

Unzufriedene Spieler senken die Stimmung zusätzlich und sollten lieber abgegeben werden, als dass sie Mannschaftskameraden weiter herunterziehen. Natürlich muss der Erlös stimmen und man darf sich nicht über den Tisch ziehen lassen, nur weil die aufnehmenden Vereine wissen, dass der VfB Geld braucht und den Spieler XY möglichst sofort loswerden möchte.

Ein großes Problem in der bisherigen Halbserie sind die lange Verletztenliste und der dünn besetzte Kader. Ob Kruse, Ginczek, Gentner, Rupp, Kostic oder Serey Dié, alle mussten gleich wieder voll ran, sobald sie wieder unfallfrei geradeaus laufen konnten.

So wirkt ein Serey Dié nach all seinen Wehwehchen noch immer nicht richtig fit und hatte zudem von der Länderspielpause lange und kraftraubende Flüge hinter sich, muss aber Woche für Woche ran, da er eigentlich unverzichtbar ist. In der Verfassung der letzten beiden Spiele aber hilft er uns auch nicht weiter. Sein aggressives Zweikampfverhalten war kaum zu vorhanden, eher im Gegenteil. Die Bayern waren schlicht zu schnell für ihn, so dass er dort wenigstens nicht Gefahr lief, sich seine fünfte gelbe Karte einzufangen. Gegen Augsburg jüngst, irrte auch er orientierungslos umher und versuchte so gut es ging die sich auftuende Löcher zu stopfen, war jedoch überfordert und wurde von seinen Mitspielern im Stich gelassen.

Bitter, dass er sich ausgerechnet gegen Augsburg und zu einem Zeitpunkt, als das Spiel ohnehin schon verloren war, seine fünfte gelbe Karte und damit die Sperre für das Spiel in Dortmund einhandelte.

Sein „Partner“ Christian Gentner, seines Zeichens Kapitän, war, wie schon bei der Demontage in München kaum zu sehen und war vor allem kein Kapitän, der Zeichen setzte und imstande gewesen wäre, die Truppe wachzurütteln. Eines unserer großen Probleme der letzten Jahre darf weiterhin unbeirrt im Mittelfeld seine Pirouetten ziehen.

Vom Hurrastil der ersten Spiele ist nicht mehr viel übrig geblieben. Die Aufstellungen zuletzt gleichen eher den schlimmsten Stevens-Zeiten mit sieben eher defensiv orientierten Spielern, drei (!) offensiven und eben Gentner (!?). Allein die nominelle Aufstellung gibt also noch keinen Aufschluss darüber, ob eine Mannschaft hinten dicht ist oder eben nicht. Es liegt an der Qualität, an der fußballerischen und auch an der geistigen, dass es der VfB seinen Gegnern derzeit so leicht macht, Tore gegen uns zu schießen.

Für mich war am Samstag nach dem 0:4 Schluss. Wer erwartet hatte, der VfB zeige in dem Spiel noch eine Reaktion und käme mit neuem Elan aus den Katakomben wurde bitter enttäuscht. Es kam nichts, es war eine kollektive Leistungsverweigerung der gesamten Mannschaft, für die es keine Entschuldigung gibt. Eine Frechheit was den 55.000 (!) Zuschauern bzw. denen die es mit dem VfB hielten da zugemutet wurde. Als ich bereits im Cancun war schwappte die La-Ola-Welle durchs Stadion und das „Oh, wie ist das schön“ ertönte, die eigene „Mannschaft“ wurde also verhöhnt. Wer möchte es den Unentwegten, die dieses Elend bis zum Schluss verfolgt haben, verdenken.

Ist es sonst Daniel Schwaab, der, auch als Zeichen unserer mangelnder personeller Alternativen, neuerdings wieder Woche für Woche seine limitierten Fähigkeiten zur Schau tragen darf und gegen Augsburg einmal eine indiskutable Vorstellung ablieferte, der sich genötigt sieht, das Stuttgarter Publikum zu kritisieren, übernahm diesen Part am Samstag Florian Klein.

Zunächst verweigerte die Mannschaft den Gang zu jenen in die Kurve, die sich dieses Elend bis zum Schluss angeschaut haben, um sich dann doch von Robin Dutt noch „überreden“ zu lassen, sich den Fans zu stellen. Dass dies, wie so oft, nur halbherzig und bis zum Elfmeterpunkt erfolgte, ist eine Randnotiz. Florian Klein begründete die Reaktion der „Mannschaft“ damit, dass sie verwirrt gewesen wären und sich nicht alles gefallen lassen müssten. Diese Erwähnung wäre nicht notwendig gewesen, dass die „Mannschaft“ an diesem Tag verwirrt war, davon durften sich 55.000 im Stadion schon vorher ein Bild machen.

Da ist er also wieder, der Riss zwischen Fans und „Mannschaft“ und wenn ihr mich fragt, ich habe kein Patentrezept wie dieser dauerhaft zu kitten ist. Das oft vielgescholtene und als zu anspruchsvoll verschriene Stuttgarter Publikum erwartet doch gewiss keine Wunderdinge von dieser Truppe. Was wir erwarten sind lediglich die Grundtugenden, die man von einem Profi erwarten können muss, welche da sind

- ein hohes Maß an Identifikation mit dem Verein,
- eine ordentliche Berufsauffassung,
- Leistungsbereitschaft,
- Kampfgeist,
- Konzentration,
- Teamfähigkeit,
- Laufbereitschaft,
- Spielfreude,
- Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen,
- Bereitschaft, seinen Nebenleuten zu helfen,
- Siegeswille
- und nicht zuletzt Anweisungen der Vorgesetzten Folge zu leisten.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir es mit überwiegend stark limitierten Berufsfußballspielern zu tun haben und erwarten nicht mehr, als dass sich jeder am Riemen reißt und uns eine sorgenfreiere Saison beschert als die letzten beiden. Keiner, außer vielleicht unser Präsident, träumt von der Europa- oder Championsleague. Nach den glanzlosen und glücklichen Arbeitssiegen gegen Ingolstadt und Darmstadt lagen wir uns in den Armen und freuten uns über drei Punkte. Wie diese zustande kamen, interessierte niemanden mehr, weil man sich bewusst war, dass diese Mannschaften unbequem zu bespielen sind und sich vor allem schon ganz andere Mannschaften an ihnen die Zähne ausgebissen haben. Wenn unsere Truppe also nur im Rahmen ihrer Möglichkeiten agiert und sich das Glück erarbeitet, hat der VfB-Fan ein feines Gespür dafür, was er von der „Mannschaft“ erwarten kann und honoriert dies entsprechend.

Am Samstag trat jedoch das große Problem zutage, dass keine dieser Grundtugenden erkennbar waren und das Publikum entsprechend verärgert war. Es war ein lethargischer, blutleerer Auftritt aller Mannschaftsteile, so dass ich mich schon ernsthaft frage, welche Reaktion ein Florian Klein denn gerne gehabt hätte. Oft genug wurden schäbige Auftritte, bei denen mir schon der Kragen platzte, von den Ultras noch mit Beifall bedacht. Irgendwann aber ist jede Geduld am Ende und der Kredit eben auch mal aufgebraucht.

Diese Vorstellung ist für mich durch nichts zu entschuldigen, so dass man daher auch nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann. Bislang konnte man allen vorherigen Spielen, ausgenommen dem Spiel bei den Bayern, Positives abgewinnen. Gute Spiele wurden verloren, in den (wenigen) schlechten Spielen wurde gepunktet. Bis dahin war für mich alles in Ordnung.

Dieser Samstag jedoch verändert vieles. Die „Mannschaft“ zeigte einmal mehr ihr wahres Gesicht, nämlich jenes, das bisher schon etliche Trainer ihren Kopf kostete. Kollektivversagen, mangelnde Lauf- und Einsatzbereitschaft, unerklärliche Böcke und Stockfehler, garniert mit Interviews wie dem von Christian Gentner: „Wir machen nach wie vor zu viele Fehler. In den einzelnen Mannschaftsteilen wird zu wenig kommuniziert. Dementsprechend passt die Abstimmung nicht.“ Fehlervermeidung, Kommunikation, Abstimmung, Attribute, die doch ein Trainer abstellen muss. Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Auch wenn es jeder Profi bestreiten wird, dass es das gibt, dass eine Mannschaft gegen den Trainer spielt. Für das Augsburg-Spiel fällt mir keine andere Erklärung ein, zumal wir ja gebrannte Kinder sind und die Herren Veh, Babbel, Groß, Schneider nach ähnlichen Leistungsabfällen gefeuert werden. Huub Stevens wäre es vermutlich nicht anders ergangen, wenn er denn geblieben wäre oder bleiben hätte dürfen.

Ich hoffe, dass dieser Hilferuf der „Mannschaft“ ausnahmsweise vom Präsidium ignoriert wird und nicht schon wieder ein Trainer dran glauben muss. Das Problem ist die „Mannschaft“ und dabei vor allem jene Spieler, die schon einige Jahre dabei sind und den Mannschaftsrat besetzen. Das sind doch diejenigen, die zum Schluss gefragt werden und für den Trainer den Daumen heben oder auch senken und vor allem sind es jene, die sich in ihrer Wohlfühloase bedroht fühlen, sobald da ein Übungsleiter ist, der das Leistungsklima im Verein verbessern möchte.

Von diesen Spielern, für die es teilweise wie Dutt sich charmant ausdrückte keinen Markt gibt, muss man sich so schnell wie möglich trennen. Es muss ein neues Leistungsklima geschaffen und eine neue Hierarchie entwickelt werden. Das geht nicht von heute auf morgen, den einen oder anderen schmerzhaften Rückschlag werden wir hinnehmen müssen, aber, lieber ein Ende mit Schrecken als einen Schrecken ohne Ende.

Wenn wir jetzt wieder den Trainer wechseln, drehen wir uns wohl weiter und endlos im Kreis. Ein Trainerwechsel würde den Spielern Beine machen, sie würden sich neu positionieren, das Alibi Trainer, hinter dem es sich so schön verstecken lässt, fiele weg und plötzlich klappen wieder die einfachen Dinge. Super, mentale Blockade gelöst, da könnte wohl kommen, wer will.

Doch, ist das die Lösung? Für mich nicht! Ich sähe es lieber, wenn wir uns im Winter verstärken könnten, anstatt die wenigen vorhandenen Mittel für die nächste Trainerabfindung und eine neu ausgelobte Nichtabstiegsprämie für den nächsten im Amt aufwenden müssten. Die „Mannschaft“, allen voran, die die letzten vier, fünf Jahre entscheidend mitgeprägt haben, gehört gnadenlos vom Hof gejagt. Auftritte, wie jener vom Samstag, sind eines Brustringträgers nicht würdig.

Nach einer derartigen Darbietung muss Tacheles und auch über Sanktionen geredet werden. Den trainingsfreien Montag hätte ich gestrichen, die Spieler, wie von Huub Stevens schon praktiziert, zum Ganztagesdienst gebeten. Auch Sanktionen gegen permanente Miesmacher könnten ein probates Mittel sein, ebenso wie Prämieneinfrierungen, die es zu Zeiten MV’s schon mal gegeben hatte, rechtlich aber schwierig durchzusetzen sein dürften. Der „Mannschaft“ muss nach einer solch dargebotenen Leistungsverweigerung klar werden, dass ein „Weiter so“ nicht mehr geduldet wird.

Dutt und Zorniger müssen bei den Einzelgesprächen genau hinhören und ggf. den Teampsychologen Laux zurate ziehen, wer für die Truppe ein Problem ist und wer nicht (mehr) bereit ist, sein letztes Hemd für den Verein (und damit auch für den Trainer) zu geben. Ich hoffe auf einige Veränderungen in der Startelf für Dortmund und dass Zorniger den Mut besitzt, einige Platzhirsche von zuletzt durch hungrige Reservisten und/ oder Jungs von den Amateuren zu ersetzen. In ähnlicher Besetzung wie der vom Samstag sehe ich für die restlichen Saisonspiele schwarz. Dieser Offenbarungseid gepaart mit mangelnder Selbstkritik und der Kritik am bisher so geduldigen Publikum schlägt für mich dem Fass den Boden aus.
Meine Elf für Dortmund, je nach Form- und Fitnesszustand könnte in etwa so aussehen und wäre ein Zeichen an die Arrivierten, dass es so wie am Samstag einfach nicht geht.

Tytoń – Heise, Sama, Niedermeier (?), Insúa – Rupp, Rathgeb – Ferati, Maxim -Tashchy, Werner

Mir ist selbst klar, dass man den Jungs gerade in Dortmund damit höchstwahrscheinlich keinen Gefallen tun würde, aber, an der Aufstellung kann man schon mal ablesen, auf welchen Positionen für mich derzeit Änderungsbedarf besteht.

Zorniger steht für mich weiterhin nicht zur Debatte, auch wenn es mir selbst mittlerweile und angesichts unserer prekären Tabellensituation lieber wäre, er würde das eine oder andere Mikrofon meiden. Dass er kein Fettnäpfchen auslässt und auch als Abstiegskandidat so rüberkommt, als habe er die Weisheit mit Löffeln gefressen, gibt seinen Gegnern nur unnötig Futter. Das ist zwar sein Naturell und es würde sicherlich auch gut rüber kommen, wenn wir auf einem Europapokalplatz stehen würden, so aber wirkt er größenwahnsinnig. Weniger reden, dafür aber eine Formation finden, die weniger leichte Gegentore zulässt, damit wäre allen kurzfristig geholfen.

Gerade für das Spiel in Dortmund muss er das Team stabilisieren und nicht ähnlich naiv wie in München ins offene Messer laufen lassen. Nach einem Heimsieg gegen Augsburg wäre Dortmund ein Bonus-Spiel gewesen, jetzt aber, nach diesem Debakel, ist es ein Charaktertest. Die heutige Krisensitzung hatte zum Ergebnis, dass man sich eine Wiederholung einer Leistungsverweigerung à la Augsburg nicht mehr bieten lassen und es danach (erst) Konsequenzen geben würde. Die Presse interpretiert dies als ein „Ultimatum für Zorniger“ oder „seine letzte Chance“. Wenn es tatsächlich so wäre, wäre es ein fatales Zeichen an die „Mannschaft“ und ein Freibrief den nächsten unliebsamen Trainer loswerden zu dürfen.
Ich setze lieber auf Kontinuität und sehe noch keinen Handlungsbedarf. Unter den Fans scheinen sich bisher noch die Zorniger-Befürworter und –Gegner die Waage zu halten, so dass sich der öffentliche Druck in Aktionismus zu zerfallen zum Glück noch in Grenzen hält.

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27. Oktober 2015

Typisch VfB

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 12:37

Der VfB zog in einem irren Spiel mal wieder den Kürzeren, und das bereits zum siebten Mal im zehnten Spiel. So bekamen am Tag danach die Zorniger-Gegner in den einschlägigen Internet-Foren wieder Oberwasser, die es ja schon immer wussten, dass dieser Trainer nichts taugt, eine Pfeife und ohnehin nur ein Zweitligatrainer ist. Was – erlaube – Zorniger, wechselt den 18-jährigen Arianit Ferati zur Halbzeit ein um ihn gut eine halbe Stunde später wieder auszuwechseln. Die Höchststrafe für einen Fußballer und ein „altbewährtes“ Mittel, um den Jungen kaputt zu machen.

Dass man sich zum entscheidenden 4:3 auch noch auskontern lässt, schlägt dem Fass den Boden aus. Zorniger gab doch mit Sicherheit diese Marschroute aus und bewies somit eindeutig, dass er absolut fehl am Platze ist und sich wohl doch besser an der Mutlanger Dorfjugend versuchen sollte, als die Götter mit dem Brustring ins Verderben und den Verein in die Niederungen der 2. Liga zu führen. Notbremse, jetzt! So ein vielgelesener Tenor im Netz.

Aber, es gibt sie auch, die andere Seite der Medaille. Selten habe ich unsere Fangemeinde so gespalten erlebt wie derzeit. Hier die Zorniger-Gegner, die zu weiten Teilen Dutt gleich mit entsorgt haben wollen, dort die Zorniger-Befürworter, die dem Neuaufbau bereit sind die notwendige Zeit zu geben und weniger auf die Tabelle schauen als auf die Fortschritte, die zweifellos erkennbar sind.
Ich zähle mich zur zweiten Kategorie und ergötze mich schon alleine daran, dass man erkennt, dass sich im Verein etwas bewegt, dass alles auf den Prüfstand gestellt wurde und der VfB auf dem besten Weg ist, sich gerade neu zu erfinden. Was seit der Entlassung von Christian Gross im Herbst 2010 schief gelaufen ist, wohin die One-Man-Show in den vier Jahren danach geführt hat, konnte man schon in den letzten Jahren an der Tabelle ablesen. Der VfB rettete sich zwei Mal gerade so, mit Ach und Krach und bot über weite Strecken der Runden uninspirierten Katastrophenfußball, für den Stadiongänger schlicht eine Zumutung. Mehr und mehr fehlten einem im Freundeskreis die Argumente, weshalb man sich dieses Gegurke überhaupt noch antue. Rational konnte man es schon nicht mehr erklären, so beschränkte man sich eben darauf, dass die Fahrten, das Drumherum, die Leidensgenossen der Hauptgrund sind und man als Hardcore-Fan ohnehin keine Alternative hat.

Das, was sich auf dem Rasen abspielte und was die Protagonisten des Kaders, an dem sich der Einzelhandelskaufmann aus dem Hallschlag messen lassen wollte, boten, spielte nur noch eine untergeordnete Rolle. Man erwartete einfach rein gar nichts mehr und ließ das Geschehen meist emotionslos über sich ergehen.

Dann kommt zuerst der gescheiterte (Leverkusen, Bremen) Robin Dutt, der im Grunde im gesetzteren Alter noch immer nicht zu wissen scheint, was er eigentlich möchte (Sportdirektor DFB oder Trainer?). Dieser sichert sich noch weit in der letzten Saison die Dienste von Alexander Zorniger, der 2009 unter Markus Babbel auf dem Wasen noch allenfalls die dritte Geige spielte und sich durch sein Engagement beim Brausehersteller keine zusätzlichen Sympathiepunkte erwerben konnte. Ich war von diesen Entwicklungen und Personalentscheidungen, wie so viele, überhaupt nicht angetan und fiel zunächst aus allen Wolken. Dennoch habe ich immer auch das Wohl des Vereins im Sinn und kann sowieso nicht beeinflussen, in die Hände von welchem Personal die Geschicke des Vereins gelegt werden, so dass ich, wie bei jedem Neuankömmling, zunächst einmal so unvoreingenommen wie möglich an die Sache gegangen bin.

Dutt aber hat in der Rückrunde der Vorsaison durch die Verpflichtung von Serey Dié und seiner wohltuenden Ruhe im Abstiegskampf erste Pluspunkte gesammelt und mich durch seine Pressekonferenz nach Ende der letzten Saison, in der auch erklärte, weshalb gerade Alexander Zorniger bei uns wie die Faust aufs Auge passen soll, restlos überzeugt. Es wird endlich wieder mehr gearbeitet und weniger geschwätzt auf dem Wasen, was auch daran zu erkennen ist, dass die Presse seit Hansi Müllers Rausschmiss aus dem Aufsichtsrat weitestgehend im Dunkeln tappt und die allerwenigsten Gerüchte, mit denen Unruhe geschürt werden sollte, der Wahrheit entsprachen.

Dutt schaffte es Ladenhüter um Ladenhüter an den Verein zu bringen und Zorniger einen Kader zur Verfügung zu stellen mit Spielern, die fast alle ihre Chancen auf Einsatzzeiten haben werden, so dass die Gefahr nicht mehr so groß wie in der Vergangenheit ist, dass es Parallelgesellschaften im Kader geben bzw. zur Grüppchenbildung kommen wird.

Zorniger selbst kam vielen zu neunmalklug daher, es ist klar, dass ihm einmal getätigte Aussagen bei Tabellenplatz 16 um die Ohren gehauen werden. Er ist eben (noch) kein Medienprofi sondern ehrlich und geradeaus, was ja auch nicht zu den schlechtesten Eigenschaften eines Menschen zu zählen ist, ihm seine Kritiker aber dennoch vorwerfen.

Zorniger steht für einen Überfallfußball, wie ihn einst Jürgen Klopp mit dem BVB praktizierte und den dieser seiner Truppe damals auch nicht von heute auf morgen einimpfen konnte. Der BVB hatte seinerzeit sicherlich das bessere Fundament zur Verfügung, als es Zorniger beim VfB vorfand. Und dennoch musste Klopp im Kader Korrekturen vornehmen und „Altstars“ fortschicken, was auch nicht immer von der kompletten Fangemeinde goutiert wurde. Ihm gab man aber die Zeit „seinen“ BVB zu kreieren und zudem vertraute das Dortmunder Publikum dem Schaffen der Vereinsführung ohne jeden Pups ständig zu hinterfragen.

Seit Zornigers Amtsantritt erleben wir einen begeisternden Fußball wie lange nicht mehr, dass sich dieser (noch) nicht in der Tabelle niederschlägt ist zwar schade, für mich aber auch nach dem zehnten Spieltag noch kein Grund zur Panik. Wann zuletzt konnte man in jeder Phase des Spiels, gegen jeden denkbaren Gegner, den Eindruck haben, ein Tor erzielen zu können? Wann spielten wir uns zuletzt eine solche Vielzahl an Chancen heraus? Da muss man in der Historie fast zurückblättern in die Zeit des magischen Dreiecks, um auf ein ähnliches Offensivfeuerwerk zurückzublicken, wie wir es derzeit geboten bekommen. Einziger wenn auch entscheidender Unterschied zu damals: Frank Verlaat und Thomas Berthold hielten hinten den Laden zusammen, Zvonimir Soldo pflügte den Rasen im defensiven Mittelfeld um, während wir heutzutage nach hinten offen wie ein Scheunentor und die Schießbude der Liga sind.

So attraktiv das Spiel nach vorne ist, so beängstigend ist das kollektive Versagen in der Rückwärtsbewegung. In erster Linie ist dieses der mangelnden Qualität des zur Verfügung stehenden Personals geschuldet. Dennoch muss Zorniger es langsam aber sicher hinbekommen, die Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden und der Mannschaft eintrichtern, dass der begeisternde Hurra-Fußball nach vorne keinen Erfolg bringt, wenn man sich hinten stets die Butter vom Brot nehmen lässt. Und doch war bis auf das vierte Tor, das wegen Abseits nicht hätte zählen dürfen, keines auf die offensive Spielweise zurückzuführen. Die ersten drei Gegentore fielen zu einfach, weil man entweder bei einer kurzen Ecke gepennt hatte oder sich im Strafraum durch eine einfache Körpertäuschung düpieren ließ und den Zweikampf verweigerte.

In der Abwehr muss im Winter dringend nachgebessert werden, sofern der Markt überhaupt Spieler hergibt, die uns sofort weiterhelfen würden. Es kann einfach nicht sein, dass drei Auswärtstore in Leverkusen nicht wenigstens zu einem Punktgewinn reichen. Der Ausfall von Serey Dié und von Christian Gentner spielte lange keine große Rolle, hinten hinaus, als man am Auseinanderfallen war, hätte zumindest ein Serey Dié gut getan, der aufgrund seiner gelb-roten Karte gegen Ingolstadt gesperrt war.

Neben der Konstante Insúa ließe sich die Viererkette wohl beliebig umformieren und die Positionen könnte man auswürfeln. Würde man Klein, Šunjić, Baumgartl durch Hlousek, Niedermeier, Schwaab austauschen, verbessern würden wir uns vermutlich nicht, verschlechtern aber auch nicht. Der sich so lang hinziehende Rüdiger-Transfer hat uns viel Zeit und Robin Dutt vor allem Planungssicherheit gekostet, so dass das für mich ein wesentlicher Faktor ist, dass wir personell so schlecht bestückt in die Saison gehen mussten. Das wollen viele zwar nicht hören, Dutt wird vorgeworfen keinen Plan B gehabt zu haben oder nicht ins Risiko gegangen zu sein, so einfach ist die Sache aber nicht. Wäre Rüdiger geblieben und man hätte dennoch einen Hochkaräter geholt, würden diejenigen, die dies heute kritisieren, darüber schimpfen, dass man Timo Baumgartl einen Neuen vor die Nase gesetzt habe.

Dass Florian Klein heftige Formschwankungen hat und wir für ihn keinen ernsthaften Backup haben, darauf hatte ich bereits nach dem Test gegen Bern hingewiesen. Daniel Schwaab ist nun mal kein Rechtsverteidiger, zumindest keiner moderner Prägung mit Zug nach vorn. Obwohl nicht gerade mein Freund, würde ich ihn dennoch im Moment Klein vorziehen, einfach weil er nicht so zögerlich im Zweikampf ist und zu einer besseren defensiven Stabilität beitragen könnte.

Der VfB legte von Beginn an einen gefälligen Auftritt hin und hätte bereits zur Pause die Führung verdient gehabt. Leverkusen kam erst gegen Ende des ersten Durchgangs gefährlich vors Tor und hatte sonst alle Hände voll zu tun, unsere Angriffsbemühungen zu verteidigen.

Dass Zorniger bei einem 0:0 zur Pause in Leverkusen den unauffälligen Carlos Gruezo (ein Jammer, wenn man sieht, was aus ihm geworden ist) gegen den offensiveren Arianit Ferati austauschte, war mutig und ein Zeichen, dass wir dort gewinnen wollten. Die Jungs hatten verstanden und stellten nach der Pause schnell auf 0:2, wobei auch endlich Martin Harnik mal wieder ein Treffer gelang. Nach dem schnellen 1:2 durch den kurz zuvor eingewechselten Bellarabi und nach Fehlpass von Šunjić (allerdings möglicherweise nach regelwidrigem Einsteigen von Kießling), kamen schnell wieder Zweifel auf. Aber, nachdem wieder nur drei Minuten später Lukas Rupp nach toller Vorarbeit von Timo Werner das 1:3 erzielte, waren wir wieder obenauf. Ich sagte noch zu meinem Nebensitzer auf der Gegengerade, der ebenfalls VfBler war, das wäre jetzt mal gar nicht typisch VfB, nach dem Nackenschlag sofort wieder zuzuschlagen. Ab diesem Moment konnte ich ihn förmlich riechen, den Auswärtssieg, zumal der VfB durch Harnik und Ferati zwei weitere klare Chancen besaß, um gar das 1:4 zu erzielen.

Stattdessen ließ sich der VfB wie oben erwähnt innerhalb von zwei Minuten zwei viel zu einfache Tore einschenken, so dass es plötzlich 3:3 stand. Zorniger sah unsere Felle davonschwimmen und korrigierte die Umstellung der Halbzeit, indem er für Ferati den defensiveren Mart Ristl, der zu seinem Bundesligadebüt kam, brachte. Ferati war bei den Gegentoren zum 2:3 und 3:3 zu passiv, so dass seine Auswechslung durchaus schlüssig war. Ich bin nicht der Meinung, dass der Junge daran zerbrechen könnte. Er durfte bereits mit 16 Jahren bei den Profis reinschnuppern, bekam einen Profivertrag und bekommt jetzt mit 18 Jahren seine Einsatzzeiten. Das alles ist doch Wertschätzung genug, der Junge wird weiter dazu lernen und wir werden noch sehr viel Freude an ihm haben.

Apropos Höchststrafe, Auswechslung eines zuvor eingewechselten Spielers, diese Erfahrung machte auch bereits ein gewisser Viorel Ganea, fast auf den Tag genau vor 13 Jahren und an gleicher Stätte, als er von Felix Magath gar nach 22 Minuten wieder ausgewechselt wurde, nachdem er Chance um Chance versiebte und Magath die Eingebung hatte, dass es wohl nicht mehr Ganeas Tag werden würde. Offensichtlich hat es diesem nicht geschadet, im Spiel danach sorgte Ganea mit seinen drei Toren im Alleingang für das 3:2 gegen den VfL Bochum. Klar, Ganea war damals schon etwas älter als Ferati heute, aber, ich bin mir sicher, das wird auch Ferati nicht umwerfen.

Dass kurz vor Schluss dann auch noch das 4:3 für Leverkusen fiel, war dann doch wieder typisch VfB. Unverständlich wie man sich in einer solchen Phase auswärts auskontern lässt, auch wenn der Treffer irregulär, da knapp abseits, war.

Sei es wie es ist, wir stehen mal wieder wie die Deppen da nach einem Spieltag, trotz großartigem Spiel gegen einen Champions League Teilnehmer. Auch wenn wir nach einer 3:1-Führung nicht mehr hergeben dürfen, offenbarte dieses Spiel doch die mangelnde Qualität in unseren Reihen. Leverkusen hatte noch Nationalspieler wie Bellarabi, Papadopoulos und Kramer auf Bank, Qualität, mit der wir nicht mehr aufwarten konnten.

Wir schaffen es einfach nicht, ein Spiel über 90 Minuten konzentriert und seriös zu Ende zu bringen. Einfache Spielverlagerungen, wie sie Leverkusen durch Çalhanoğlu ständig praktizierte, reichen aus, unsere Abwehr aus dem Gleichgewicht zu bringen. Für mich fehlt es hier an der geistigen Frische, sich schnell auf veränderte Spielsituationen einzustellen und entsprechend zu verschieben, was aber ein Lernprozess ist und bis zur Vergasung geübt werden muss. In den nächsten Transferperioden werden Dutt und Zorniger das Personalpuzzle weiter zusammen setzen und den einen oder anderen für dieses Spiel geeigneten Spieler dazu holen, bis dahin geht es einzig und allein um Schadensbegrenzung und darum bis zur Winterpause noch den einen oder anderen Punkt zu ergattern und danach vor allem in der Abwehr personell nachzurüsten, wenn es sein muss auch auf Kosten des Verkaufs eines Offensivspielers.

In Leverkusen konnte man Zorniger auch nicht vorwerfen, personell zu offensiv aufgestellt zu haben. Mit Harnik, Didavi und Werner standen gerade einmal drei reine Offensivakteure und dafür drei „Sechser“ zu Beginn auf dem Platz. Die Gegentore fielen so auch durch Schlafmützigkeit und individuelle Fehler und nicht weil wir mutig nach vorne gespielt haben.

Neben der Konstante Insúa ließe sich die Viererkette derzeitig beliebig umformieren und die Positionen könnte man auswürfeln. Würde man Klein, Sunjic, Baumgartl durch Hlousek, Niedermeier, Schwaab austauschen, verbessern würden wir uns vermutlich nicht, verschlechtern aber auch nicht. Der sich so lang hinziehende Rüdiger-Transfer hat uns viel Zeit und Robin Dutt vor allem Planungssicherheit gekostet, so dass das für mich ein wesentlicher Faktor ist, dass wir personell so schlecht aufgestellt sind. Das wollen viele zwar nicht hören, Dutt wird vorgeworfen keinen Plan B gehabt zu haben oder nicht ins Risiko gegangen zu sein, so einfach ist die Sache aber nicht. Wäre Rüdiger geblieben und man hätte dennoch einen Hochkaräter geholt, würden diejenigen, die dies heute kritisieren darüber schimpfen, dass man Timo Baumgartl jemanden vor die Nase gesetzt hat. Dass Florian Klein heftige Formschwankungen hat und wir für ihn keinen ernsthaften Backup haben, darauf hatte ich bereits nach dem Test gegen Bern hingewiesen. Daniel Schwaab ist nun mal kein Rechtsverteidiger, zumindest keiner moderner Prägung mit Zug nach vorn. Obwohl nicht gerade mein Freund, würde ich ihn dennoch im Moment Klein vorziehen, einfach weil er nicht so zögerlich im Zweikampf ist und zu einer besseren defensiven Stabilität beitragen könnte.

Auch Tytoń zeigte nach seiner starken Leistung gegen Ingolstadt ein durchwachsenes Spiel und, hätte er beim Anschluss zum 1:2 seinen linken Fuß eingesetzt, wäre die kurze Ecke zu gewesen.
Vielfach höre ich nach diesem Spiel wieder, einzig und allein Zorniger habe das Spiel verloren, weil er nicht wenigstens nach dem 3:3 hinten dicht gemacht habe. Er hatte ja bereits Mart Ristl eingewechselt, hätte er jetzt noch Adam Hlousek bringen sollen und dieser vielgescholtene Antifußballer hätte das Unheil verhindert? Sind nicht auch die Spieler selbst in der Pflicht, die Grundordnung auf dem Platz beizubehalten und nicht blindlings nach vorne zu rennen? Zorniger gab ihnen sicherlich nicht mit auf den Weg, sich in der 90. Minute auskontern zu lassen, vielmehr gab er deutlich sichtbar von außen die Anweisung mehr einzurücken. Hier fehlt es an der geistigen Frische, an Grips und an der fußballerischen Qualität, die Dutt und Zorniger noch immer nur bedingt zu verantworten haben.

Zorniger selbst dürfte fuchsteufelswild werden, bei dem was er da sieht und sich den Kopf zermartern, wie diese Fehler mit dem vorhandenen Personal abzustellen sind. Das wird ja auch schon daran deutlich, wenn er immer mal wieder daran erinnert, dass er sich nicht dazu berufen fühle, einem Bundesligafußballer die Basics beizubringen.

Wer hätte ernsthaft vor diesem Spiel einen Punkt in Leverkusen eingeplant, kaum einer, von daher halb so wild. Enorm wichtig wäre es dagegen, die noch ausstehenden Heimspiele gegen Darmstadt 98, den FC Augsburg und Werder Bremen für sich zu entscheiden, um sich bis zur Winterpause eine akzeptable Ausgangsposition zu verschaffen. Wenn der VfB weiterhin an seine Stärken glaubt, sich die Spieler vor allem nicht beirren lassen, bin ich mir sicher, dass wir auch in dieser Saison mindestens drei Vereine hinter uns lassen werden. Es ist ja auch nicht so, dass Stillstand herrscht und die derzeitigen Auftritte Rückschlüsse auf den Rest der Saison geben müssen, Zorniger wird Tag und Nacht daran arbeiten, den VfB konkurrenzfähiger und damit besser zu machen. Es dauert noch, bis ein Rädchen ins andere greift, aber, Leverkusen hat es erneut gezeigt, wir sind auf einem guten Weg.

Nach diesem mentalen Nackenschlag in Leverkusen wäre es jetzt immens wichtig, weiter auf die eigene Stärke zu vertrauen und die Pokalhürde Jena am Mittwoch schadlos und möglichst ohne viele Körner zu lassen zu überstehen. Es dürfte ein echter Pokalfight vor ausverkauftem Haus werden, in dem man auch einen Regionalligisten nicht so einfach zum Tore schießen einladen darf.
Danach dann steht (immer wieder) sonntags das so wichtige Heimspiel gegen den furios gestarteten Aufsteiger SV Darmstadt 98 auf dem Programm, das vor der Auswärtsfahrt nach München tunlichst gewonnen werden sollte.

Wenn nicht, könnte uns ein stürmischer Herbst ins Haus stehen, den keiner haben wollte und der die Fanszene durchaus vor eine größere Zerreißprobe stellen könnte. Dann wird man sehen, in welche Richtung letztendlich das Pendel ausschlagen wird und ob der Rückhalt im Verein für Alexander Zorniger auch einem Sturm standhalten wird oder ob wieder einmal jegliches Konzept über den Haufen geworfen wird.

Nach Jürgen Klopp ist seit dem gestrigen Montag wenigstens die zweite „Alternative“ vom Markt, auf die einige der Zorniger-Gegner gehofft hatten. Huub Stevens wird Trainer beim Dorfverein aus dem Kraichgau. Ich persönlich kann ihm das nicht verübeln. Für viele ist er jetzt schon wieder unten durch, weil er als „VfBler“ bei diesem ungeliebten Konstrukt anheuert. Ich bin da weniger sentimental, macht er es doch genau richtig. Durch zwei fette Nichtabstiegsprämien vom VfB hat er Blut geleckt, dass er auf seine alten Tage als Halbjahrestrainer mehr Geld verdienen kann, als die meisten seiner Kollegen mit einem Ganzjahresjob. Bin ihm nach wie vor dankbar für die beiden Nichtabstiege, auch wenn ich ihm nicht gerade Glück für seine aktuelle Mission wünsche.

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