12. März 2017

Ein 1:1 der anderen Art

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 15:24

Es ist schon faszinierend, wie sich binnen vier Tagen ein und dasselbe Ergebnis so grundverschieden anfühlen kann. Hat man bei heimstarken Braunschweigern in Unterzahl bravourös einen Punkt erkämpft und einen direkten Kontrahenten auf Distanz gehalten, kam man gegen eine graue Maus der Liga zu Hause nicht über eine Punkteteilung hinaus.

Immerhin kamen die Bochumer als Tabellenzwölfter und derzeit tabellarisch jenseits von Gut und Böse stehendes Team zum Tabellenführer, was sollte da also schon schief gehen? Als wir vor dem Spiel zusammensaßen und dem Spiel entgegenfieberten, fiel dennoch schon die Befürchtung, dass es ein schwieriges Spiel werden könnte, an dessen Ende man sich möglicherweise mit einem Punkt zufrieden geben müsse. Warum? Einfach weil die Bochumer taktisch hervorragend agieren und ein sehr unangenehmes Pressing spielen und es fraglich sei, was der VfB dem, das Montagspiel noch in den Knochen, entgegen setzen werde können.

Der Taktikblogger Jonas Bischofsberger formulierte dies hinterher bei STN online so: „Am Freitagabend erwartete den VfB die taktisch wohl komplizierteste Herausforderung der Saison gegen den VfL Bochum. Gertjan Verbeeks VfL Bochum hebt sich mit mutigem Offensivfußball, extremer Mannorientierung und hohem Pressing deutlich von den anderen Mannschaften der Liga ab“. So entwickelte sich ein Spiel, indem sich der VfB der Manndeckung der Bochumer kaum entziehen konnte, zumal in den ersten dreißig Minuten Bewegung im Stuttgarter Spiel fehlte. Wenn mal ansatzweise Kombinationsfußball versucht wurde, wurden diese Bemühungen jäh durch taktische Fouls der Bochumer gestoppt. Der Schiedsrichter „Meister Proper“ Benedikt Kempkes, erst in seinem sechsten Zweitligaspiel, war äußerst gnädig bei der Vergabe persönlicher Strafen, bei härterem Durchgreifen hätten die Bochumer mit dieser Gangart das Spiel nie und nimmer zu elft beendet.

Dem VfB fehlte spürbar die Frische und er musste nach der gelb-roten Karte von Kamiński in Braunschweig zudem die zuletzt eingespielte Viererkette sprengen. Ehe man sich auf das harte Bochumer Spiel richtig einstellen konnte und sich versah, lag man auch schon mit 0:1 in Rückstand.

Aus einer Kontersituation heraus, in der Emiliano Insúa nicht schnell genug zurück eilte, offenbarten sich auch just Abstimmungsprobleme zwischen Timo Baumgartl und Benjamin Pavard. Letzterer orientierte sich in die Mitte und stand Timo Baumgartl auf den Füßen anstatt sich links zu Losilla hin zu bewegen. Dieser stand dadurch mutterseelenallein stand und konnte problemlos zur Führung einschieben. Auf eine Reaktion der Mannen von Hannes Wolf wartete man als VfB-Fan vergeblich, im Gegenteil, Mlapa und Wurtz verpassten es, die Bochumer Führung höher zu schrauben, so dass wir nach einer halben Stunde mit dem 0:1 noch sehr gut bedient waren.

Erst als Hannes Wolf in der 31. Minute reagierte und Matthias Zimmermann für den dieses Mal schwach agierenden Anto Grgić brachte, wurde das VfB-Spiel griffiger und zielstrebiger. Grgić schmeckte die Manndeckung der Bochumer überhaupt nicht, so dass seine Auswechslung nachvollziehbar war. Bis zum Pausenpfiff hatte der VfB dann auch die große Ausgleichschance durch Takuma Asano, der das Gehäuse mit einem Schuss aus der zweiten Reihe nur knapp verfehlte.

Zur zweiten Hälfte riss der VfB das Spiel zwar mehr und mehr an sich, musste bei Bochumer Kontern aber weiterhin hellwach und auf der Hut sein. Klare Torchancen der Brustringträger blieben Mangelware. Auch nach den Einwechslungen von Ginczek und Maxim änderte sich zunächst wenig an der Ideenlosigkeit, es fiel den Jungs vom VfB nach wie vor schwer gegen den kompakten VfL klare Chancen herauszuspielen.

Just jenen Moment, in dem die Bochumer wegen einer Behandlungspause des ehemaligen VfBlers Tim Hoogland nur zu zehnt auf dem Feld standen, nutzte der VfB mit einem schnell hervor getragenen Angriff zum Ausgleich. Carlos Mané wurde von Terodde steil geschickt, drang bis zur Grundlinie vor und passte scharf in die Mitte, wo Daniel Ginczek stand und nur noch den Fuß hinhalten musste. Tonnenschwere Steine hörte man im weiten Rund plumpsen. Die Hoffnung, doch noch den Heimsieg einzufahren, war zurückgekehrt. Da die Bochumer bereits drei Mal ausgewechselt hatten, schleppte sich Hoogland bis zum Schluss durch, was der VfB jedoch zu keinem weiteren Treffer nutzen konnte.

Für Daniel Ginczek war es nach seiner schier endlosen Verletzungspause sein erstes Pflichtspieltor seit dem 26.09.2015, damals beim 1:3 gegen Borussia Mönchengladbach am 7. Spieltag der Vorsaison. Wohl jeder im Stadion gönnte ihm diesen Moment und hofft darauf, dass bei ihm nun endgültig der Knoten geplatzt ist. Er macht eine schwierige Phase durch, weil er sich schon weiter sieht als es Hannes Wolf tut und dieser wohl kaum zum System mit zwei Spitzen wechseln wird. Simon Terodde herauszunehmen verbietet sich aufgrund seiner Leistungen von selbst, zudem arbeitet Terodde noch mehr fürs Team als es Daniel Ginczek tut. Dieser wollte im Anschluss dann auch zu viel und verzettelte sich lieber in einer Einzelaktion als den besser postierten Mitspieler zu sehen. Diesen Egoismus, der sicherlich auch in seiner Ungeduld begründet liegt, wird ihm Hannes Wolf hoffentlich für die nächsten Spiele austreiben.

Insgesamt zeigte der VfB zu wenig von dem, was ihn in den Wochen zuvor stark gemacht hat. Terodde schien mit seiner Gesichtsmaske im wahrsten Sinne des Wortes der Durchblick zu fehlen, ein Mittelfeld war kaum vorhanden und die Müdigkeit und die daraus resultierende Schwierigkeit, aufopferungsvoll verteidigende Bochumer in größere Gefahr zu bringen, ließen sich einfach nicht verleugnen.

Von Alexandru Maxim, der zuletzt überhaupt nicht mehr im Kader stand und erst zu seiner zweiten Einwechslung im Kalenderjahr 2017 kam, war ich gelinde gesagt enttäuscht. Ob es die Vorgabe vom Trainergespann war, auf links außen festzukleben, weiß man natürlich nicht. Dennoch hätte ich von ihm, der der mit Abstand frischeste Spieler hätte sein müssen, mehr erwartet, nämlich, dass er sich die Bälle weiter hinten abholt, wenn sie schon nicht von selbst zu ihm kommen. Mit dieser „Leistung“ konnte er keine Eigenwerbung für weitere Einsätze in den nächsten Spielen betreiben.
Auch wenn ich mich normalerweise zurück halte, was das Klagen über die Belastung von Profifußballern angeht und Gründe von schlechten Spielen selten darin suche, grenzte diese Ansetzung Freitags nach einem Montagsspiel schon fast an Wettbewerbsverzerrung.

Während Bochum zwischen dem Freitagspiel zu Hause gegen Fortuna Düsseldorf und dem Spiel den Freitag darauf beim VfB eine ganze Woche Zeit zur Regeneration und Vorbereitung zur Verfügung hatte, blieben dem VfB gerade einmal vier Tage Zeit, inklusive der Rückreise aus Braunschweig.
Der VfB hatte dabei nicht nur eine der weitesten Reisen, die die Liga zu bieten hat, zu bewältigen, sondern auch ein schwieriges Spiel bei einem Spitzenteam, bei nasskaltem Wetter, auf tiefem Geläuf, welches als Rasen zu bezeichnen noch geschmeichelt wäre, und wo man zudem aufgrund der zu harten gelb-roten Karte für Marcin Kaminski fast fünfzig Minuten in Unterzahl alles reinwerfen musste, was die geschundenen Körper hergaben.

Dass Trainer Hannes Wolf auf der Prä-Spieltags-Pressekonferenz das Montagspiel als mögliches Alibi für eine schlechte Leistung gegen Bochum nicht gelten lassen wollte, ehrt ihn zwar, es ist aber nicht von der Hand zu weisen, dass diese Tatsache für das Spiel gegen die Pressingmaschinen des VfL Bochum bei der Analyse durchaus herangezogen werden kann und einen Nachteil bedeutete. Einem defensiv stark arbeitenden und kompakt stehenden Kollektiv wie dem der Bochumer ist am ehesten, wie beim Ausgleich kurz aufgeflammt, beizukommen, wenn schnell gespielt wird. Dieses schnelle Offensivspiel, das der VfB in dieser Saison immer wieder phasenweise herausragend gezeigt hat, bedingt geistige und körperliche Frische, die am Freitag einfach nicht da waren.

Da der VfB in dieser Saison bereits zum zweiten Mal nach einem Montagspiel freitags ran musste und zum zweiten Mal seine „normale“ Leistung dabei nicht abrufen konnte (im August 0:1 in Düsseldorf), interessierte es mich, wie es um die anderen Vereine, die nach einem Montagspiel freitags schon wieder ran mussten, bisher bestellt war. Und siehe da, elf Spiele, ein Sieg, drei Remis, jedoch sieben Niederlagen stehen zu Buche für die so belasteten Mannschaften. Dabei stechen außer unseren Punktverlusten, die ohnehin stets ungewöhnlich anmuten, das 1:4 von Hannover 96 in Fürth und ein 0:3 vom 1. FC Union Berlin in Heidenheim heraus.

So bringt es den VfB zwar nicht weiter, über solche Ansetzungen, die es auch in Zukunft geben wird, zu lamentieren, aber, man muss Niederlagen, die ihre Ursache möglicherweise mit in einer solchen Terminierung haben, auch nicht überbewerten. Ein Vergleich mit dem Europapokalmodus, der gerne herangezogen wird, verbietet sich sowieso, weil die meisten Zweitligakader nicht breit genug aufgestellt sind, um ausreichend rotieren zu können.

In Anbetracht dieser Widrigkeiten fühlt sich ein Punkt gegen Bochum zu Hause zwar immer noch nicht viel besser an, wird aber pragmatisch an- und mitgenommen. Es handelte sich auf jeden Fall um ein gerechtes Ergebnis, das sich die Bochumer redlich verdient haben. Der Bochumer Trainer Gertjan Verbeek bleibt damit gegen den VfB ungeschlagen, ob als Trainer vom VfL Bochum, dem 1. FC Nürnberg oder auch 2004 in der Europa League mit dem SC Heerenveen.

In der Fangemeinde gehen die Meinungen auseinander, ob man sich daran erfreuen sollte, dass wir in der Rückrunde noch ungeschlagen sind (5 Siege, 2 Unentschieden) oder ob schon sämtliche Alarmglocken schrillen sollten, weil wir zuletzt zwei Mal in Folge nicht gewonnen haben.
Ich bin zwar auch ein gebranntes Kind, der Absturz letzte Saison nach kurzem Zwischenhoch ist schließlich noch sehr präsent, und doch lehne ich Vergleiche mit der Vorsaison kategorisch ab.

Zum einen spielen wir inzwischen eine Liga tiefer, die Gegner sind entsprechend schwächer. Zum anderen wurschteln auf dem Wasen nicht mehr Kramny und Dutt vor sich hin, die mit freien Tagen um sich werfen und das Team am Ballermann auf die entscheidenden Wochen einstimmen, sondern es ist Seriosität eingekehrt. Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf werden wachsam bleiben und nicht nachlassen, die Konzentration hochzuhalten.

Für mich ist auch nach diesen zwei sieglosen Spielen noch nicht allzu viel passiert, auch wenn die Konkurrenz etwas näher gerückt ist. Daher ist es mir weiterhin nicht bange und ich bin zu 100% überzeugt, dass wir am Ende relativ ungefährdet aufsteigen werden.

Die Zuschauer werden die Mannschaft weiter von Sieg zu Sieg tragen und Erstligaflair ins Neckarstadion hinein tragen. 45.300 Zuschauer auch zu dieser frühen Anstoßzeit am Freitagabend unterstreichen den Rückhalt, den die Truppe heute und schon die ganze Saison über genießt.

Erfreulich empfand ich es, dass die Personalie Kevin Großkreutz überhaupt keine Rolle mehr spielte, zumindest habe ich kein einziges Banner in diese Richtung gesehen. Das Thema ist abgehakt und lediglich ein paar Wichtigtuer, für die einzelne Spieler über dem Verein stehen, geben noch nicht auf, von einer Rückholaktion zu träumen.

Die nächsten beiden Heimspiele gegen Dynamo Dresden und die Abordnung aus Ostfrankreich werden auf jeden Fall ausverkauft sein, danach steht zu Hause dann noch das Gipfeltreffen mit dem 1. FC Union Berlin an, das schon wegen der Tabellensituation hochfrequentiert sein dürfte, ehe Erzgebirge Aue im Neckarstadion antritt.

Bis dahin fließt zwar noch viel Wasser den Neckar hinunter und doch träume ich auch da von einem ausverkauften Haus, nämlich dann, wenn das Timing so passen würde, pünktlich zu diesem Spiel den Aufstieg perfekt machen zu können. Das allerletzte Saisonspiel gegen die Würzburger Kickers ist ohnehin ein Selbstläufer, so dass der VfB die Saison mit einem Zuschauerschnitt von über 50.000 abschließen könnte. Kein Mensch hätte nach dem Abstieg mit einem solch immensen Zuspruch, trotz der oft unsäglich blöden Anstoßzeiten, gerechnet.

Meine Aufstiegshoffnungen sind nach den beiden sieglosen Spielen zuletzt jedenfalls nicht gedämpfter als davor. Dass kein Spiel in der 2. Liga ein Selbstläufer ist, wissen wir seit es los ging, dass der Weg zum Aufstieg steinig und schwer werden würde, war auch bekannt. Dies reflektiert doch schon allein, dass kein Mensch erwarten kann, dass wir jedes Spiel gewinnen und mit Siebenmeilenstiefeln durch die Liga eilen. Punkteteilungen, ja, vielleicht sogar auch mal wieder eine Niederlage, gehören dazu und werden das Team nicht umwerfen. Jetzt hat man fast eine Woche lang Zeit, die Wunden von Braunschweig und Bochum zu lecken und in Fürth mit neuer Kraft anzugreifen. Ich bin dabei, bleibe optimistisch und freue mich darauf.

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29. März 2016

Die Geister, die ich rief – „Against modern football“

Nach der Niederlage gegen Bayer 04 Leverkusen befinden wir uns noch immer in einer dieser unsäglichen Bundesligapausen, in denen die Nationalspieler in aller Herren Länder ausschwärmen um für ihre Heimatländer aufzulaufen und sich für die Kontinentalwettbewerbe zu qualifizieren oder sich für Euro und Olympia einzuspielen.

„Die Mannschaft“ durfte sich in Berlin gegen England blamieren, sowohl auf dem Platz als auch die „Fans“ auf der Tribüne, die sich von 4.000 Engländern stimmungstechnisch in Grund und Boden singen ließen.

Der „moderne“ Fußball hat uns längst erreicht. Länderspiele, in denen es um nichts geht, von einer Mannschaft, bei der 90% ihren Euro-Kaderplatz ohnehin sicher haben, was will man da erwarten. Und doch bauscht der DFB ein solches Aufeinandertreffen zu einem Mega-Event auf, preist den Klassiker an, den man sich nicht entgehen lassen darf.

Ich tue mir solche Heimländerspiele allenfalls noch an, wenn sie auf dem heiligen Rasen des Neckarstadions stattfinden. Schon das Länderspiel vor zwei Jahren gegen Chile in Stuttgart war für mich eine Art Kulturschock, einfach weil der „normale“ Fan, der Woche für Woche in den Arenen der Republik unterwegs ist, sich das kaum antut und daher überwiegend die Klatschpappenfraktion zugegen war, die der Auffassung ist, wie in der Oper hätten sie auch hier Anrecht auf eine Gegenleistung für ihr Geld.

Bei derartigen Testspielen erlaubt sich Joachim Löw das, wofür Tests eigentlich geschaffen sind, er testet. Er schickt dabei Formationen aufs Feld, die so nie wieder zusammen auflaufen werden, er schont Stammkräfte und wechselt in der zweiten Halbzeit auch noch wild durcheinander. Dass dadurch das Zusammenspiel nicht perfekt funktioniert und am Ende, wegen der Wechsel, der zuvor schon kaum vorhandene Spielfluss, weiter empfindlich gestört wird, liegt in der Natur der Sache.

Und da beißt sich die Katze eben in den Schwanz. Der DFB denkt überhaupt nicht daran, günstige Familienpakete zu schnüren oder solche Kirmes-Kicks zum halben Preis anzubieten – nein, er langt auch dabei in die Vollen, schließlich erwirbt man ja ein Premium-Produkt.

Die nicht vorhandene Fankultur wird dadurch deutlich, dass man bei solchen Spielen unzählige Leute mit verwaschenen Shirts sämtlicher Vereine und vorangegangener Turniere sieht, Hauptsache sie haben einen Sport- oder Fußballbezug. Sommermärchen-Public-Viewer kramen die Utensilien von anno dazumal hervor und erfreuen sich, einmal live bei „Schwarz, Rot, Geil“ dabei zu sein. Das alles sind Konsumenten und keine Fans und schon gar nicht welche, die den Anspruch hätten, den Engländern stimmungstechnisch Paroli zu bieten.

Dass die ganze Veranstaltung auch noch fanunfreundlich gestaltet ist, zeigt sich in der späten Anstoßzeit um 20.45 Uhr, obwohl zu erwarten war, dass viele Familien mit Kindern zugegen sein würden. Auch an dieser Stelle macht es sich bemerkbar, dass die Interessen der Fernsehanstalten über denen der Fans stehen, schließlich stellen die Fans, auch wenn sie teuer dafür bezahlen, nur noch geduldetes Beiwerk dar.

Der Fanclub Nationalmannschaft ist ein weiteres Ärgernis für den normalen Fußball-Fan. Karten für Länderspiele, vor allem auswärts und bei großen Turnieren, bekommt man ausschließlich, wenn man dort eine Mitgliedschaft abgeschlossen hat, weshalb inzwischen die Kartellwächter auf den Plan gerufen sind und ermitteln.

Der Fanclub Nationalmannschaft, sinnigerweise „powered by Coca Cola“, zeichnet eigentlich für die Stimmung im Stadion verantwortlich. Außer einer vom DFB gesponserten und durchgestylten Choreographie, zu der die Gelegenheitsstadiongänger auch noch per riesigem Banner “Bitte zum Einlauf der Mannschaften die Pappfolien/Pappschnitte hochhalten.” eine Anleitung an die Hand bekamen, war von den deutschen Fans so gut wie nichts zu vernehmen.

Gut, oder besser schlecht, die Ehrung Mesut Özils als Nationalspieler des Jahres und die englische Hymne wurden von zarten Pfiffen begleitet und der Versuch einer La Ola, für die beim englischen Block Endstation war, waren die einzigen Augenblicke, als die „Fans“ aus sich herausgingen.

Die Engländer zeigten sich das ganze Spiel über viel kreativer und sangen außer ihrer Nationalhymne, auch während des Spiels, mit Inbrunst den Newcastle United Klassiker „Don’t take me home please, don’t take me home, I just don’t wanna go to work. I wanna stay here and drink all ya beer, please don’t take me home”, der auch den deutschen Stadionbesuchern noch eine ganze Weile nicht aus den Ohren gegangen sein dürfte.

Ob sich die Protagonisten auf dem Rasen vom lethargischen Publikum herunterziehen ließen oder die lustlose Vorstellung einiger sonstiger Leistungsträger die Zuschauer verstummen ließen, lässt sich nicht sagen. Deutschland verspielte jedenfalls am Ende die 2:0-Führung und verlor 2:3, was zum einen nicht unverdient war, ich ihren Fans auf der anderen Seite aber auch wirklich gönnte.

Den Klassiker Deutschland gegen England, zu dem dieser Test aufgebauscht wurde, gibt es höchstens bei einem WM- oder EM-Turnier, nicht aber mitten in einer Phase des Testens und des Umbruchs und kurz vor den entscheidenden Wochen der Bundesliga- oder Europacupsaison.

Mir gehen solche Kicks total am Arsch vorbei. Entscheidend werden die Wochen der Vorbereitung nach dem Championsleague-Finale sein, in denen Löw der Truppe den Feinschliff verpassen und die richtige Formation finden wird. Alles, was zwischen den großen Turnieren stattfindet, ist Kokolores und unwichtig, so auch das heute noch anstehende Spiel gegen Italien in München.

Spötter nennen die Arroganz-Arena das nördlichste Stadion Italiens. Dieses wird heute wohl fest in italienischer Hand sein, werden wohl nicht nur viele Italiener aus Italien anreisen sondern auch noch etliche aus allen Teilen Mitteleuropas, um die seltene Chance zu nutzen, ihre Squadra Azzurra live zu erleben.

Da die Niederlage in dem Prestigeduell den einen oder anderen der DFB-Verantwortlichen doch auch schmerzte und um den zahlenden Zuschauer nicht noch mehr zu verprellen, wurden dieses Mal nicht noch vielbeschäftigte Leistungsträger nach Hause geschickt, um sie zu schonen, da muss man dann, wie bei Manuel Neuer, schon eine Magenverstimmung vorschieben und die Fußballwelt für dumm verkaufen, um nicht bereits im Vorfeld die Unwichtigkeit des nächsten Tests offenzulegen. Stünde ein Pflichtspiel der Bayern an, würde Neuer wohl mit Sicherheit auflaufen können.

Mir ist es egal, wie der Kick gegen Italien, gegen das Deutschland seit 1995 nicht mehr gewonnen hat, ausgeht, vielmehr beschäftigt mich der weitere Weg des VfB und das Abschneiden nach der Pause in Darmstadt.

Ich kann mich in der jüngeren Vergangenheit an wenige Spiele erinnern, die richtungsweisender gewesen waren. Gewänne der VfB, wäre er so gut wie durch auf dem Weg zum Klassenerhalt und hätte noch sechs Matchbälle, einen weiteren Punkt zu ergattern, der endgültig reichen dürfte.

Gewinnen wir aber nicht oder verlieren gar das Spiel, sehe ich wahre Zitterwochen auf uns zukommen. Nur Phantasten rechnen sich aus den kommenden beiden Heimspielen gegen die Bayern und den BVB etwas aus.

Nach dem Bayern-Spiel geht es am 30. Spieltag zum FC Augsburg, der von der Papierform her schlagbar wäre und dem im bisherigen Saisonverlauf lediglich zwei Heimsiege gelangen.

Aber, zuletzt setzte es gegen den FCA sechs Niederlagen am Stück. Dass sie fast jedes Mal dem Trainer den Job kosteten ist dabei kurios. Ob in der Denke der Verantwortlichen dabei eine Rolle spielt, dass die Fuggerstädter, die in dieser Saison immerhin Europa League spielen durften, noch als Underdog angesehen werden und man nicht wahrhaben möchte, dass sie uns längst den Rang abgelaufen haben? Sind unterschwellig noch Fredi Bobic‘ Worte im Ohr, der einmal meinte, würden die Augsburger absteigen, steige ein kleines Boot ab, während wir ein Tanker der Liga seien?

Sowohl Bruno Labbadia als auch Alexander Zorniger wurden unmittelbar nach Niederlagen gegen Augsburg entlassen, Armin Veh trat nach einer Heimniederlage gegen den FCA entnervt zurück und auch für Thomas Schneider war nach einer 1:4-Heimklatsche das Ende eingeläutet.

Ich will zwar den Teufel nicht an die Wand malen, aber, ich halte einen erneuten Trainerwechsel beim VfB nicht für gänzlich ausgeschlossen. Die Mannschaft befindet sich in einer schleichenden Abwärtsspirale, die an Fahrt aufnehmen würde, sollten wir in Darmstadt nicht gewinnen. Würde die Konkurrenz in den nächsten drei Spielen dagegen fleißig punkten und der VfB den Abstiegsplätzen bedrohlich nah kommen, könnte sich Dutt durchaus gezwungen sehen, doch noch den letzten Joker zu ziehen, den man sich durch die Installation der vermeintlichen Billiglösung Kramny aufgespart hatte. Selbstredend hoffe ich, dass dieses Szenario nicht eintritt und Kramny die Mannschaft auch auf die kommende Bundesligasaison vorbereiten darf.

Der VfB zeigt sich zuletzt wieder auffallend oft in seinem alten Strickmuster. Die „Leistungen“ bei den Niederlagen in Mönchengladbach und gegen Bayer Leverkusen waren indiskutabel und auch in Ingolstadt holte man nur mit sehr viel Glück einen Punkt. Kevin Großkreutz fehlt an allen Ecken und Enden, vermeintliche Führungsspieler wie Gentner, Schwaab, Niedermeier und Klein, über deren Vertragsverlängerungen fatalerweise schon nachgedacht wird, ziehen sich gegenseitig herunter anstatt das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, kann nichts wirklich ausgeschlossen werden. Kramny ist dabei erstmals in seiner Amtszeit richtig gefordert, war doch nach dem Kapitel Zorniger viel ein Selbstläufer, da den Spielern mal wieder das Alibi Trainer genommen wurde. Er muss es jetzt schaffen, dem Team den alten Schlendrian auszutreiben, sonst könnte es auch für ihn nach dem Augsburg-Spiel ein böses Erwachen geben.

Das auf Augsburg folgende Auswärtsspiel führt uns zu Werder Bremen. Auch was diesen Gegner betrifft, ist man geneigt zu sagen, machbar.

Das Hinspiel hat man nach einer 1:0-Pausenführung und einer hochüberlegenen Vorstellung in der ersten Halbzeit nach dem Pausenpfiff noch hergeschenkt, so dass wir uns mit einem Zähler zufrieden geben mussten. Die Bremer wissen wohl heute noch nicht, wie ihnen geschah, aber, nun gut. Auf der anderen Seite aber ist der VfB in Bremen seit der Meistersaison 2006/2007 sieglos, so dass man auch an der Weser nicht automatisch davon ausgehen kann, dass sich unsere vermeintlich höhere Qualität dort durchsetzen wird.

Dieses Unterfangen muss möglicherweise ohne einen Großteil der reisefreudigen Stuttgarter Fans angegangen werden, da die DFL aus einer Bierlaune heraus, dieses Aufeinandertreffen am 32. Spieltag auf einen Montag terminiert hat.

Es war von vornherein bekannt, dass am 1. Mai keine Bundesligaspiele stattfinden würden, da die Polizeikräfte andernorts benötigt werden. Soweit, so gut. Darauf konnten wir uns ja einstellen. Der Rahmenterminkalender der DFL, der ein Wegweiser durch die Bundesligasaison ist und darstellt, an welchen Tagen Bundesliga, 2. Liga, 3. Liga gespielt wird und an welchen Länder- oder Europacupspiele anstehen, wies für dieses Wochenende Bundesligaspiele am 29. und 30.04. aus, so dass wir, als die Preise bei der Deutschen Bahn noch moderat waren, Bremen von Freitag bis Sonntag buchten, um auf der „sicheren Seite“ zu sein.

Was die Herren von der DFL gesoffen oder geraucht haben, gerade dieses Spiel mit der längsten Entfernung an diesem Spieltag, auf den Montag zu terminieren, von dem an diesem Spieltag vorher nie die Rede war, erschließt sich mir in keinster Weise. Den einzigen Schluss, den man dabei ziehen kann bzw. muss ist der, dass den Herren die Fans total am Arsch vorbei gehen. Wenn es denn schon ein Montagspiel, vor allem so kurzfristig ins Programm genommen, sein muss, was läge dann näher als Darmstadt 98 gegen Eintracht Frankfurt, das zudem noch unter Ausschluss der Gästefans ausgetragen wird, dafür auszuwählen? Während die Arenen von Werder und dem VfB 625 Kilometer trennen sind es vom Böllenfalltor zum Frankfurter Waldstadion gerade einmal gut 30 Kilometer.

Hegt man für dieses Aufeinandertreffen bei einem Abendspiel Sicherheitsbedenken, sollten möglicherweise trotz Sperrung des Gästeblocks Frankfurter Ultras anreisen, hätte auch noch die Möglichkeit bestanden, Hoffenheim gegen Ingolstadt auf den Montag zu legen.

Die Entfernung betrüge „nur“ 260 Kilometer, was jedoch die wenigsten ernsthaft tangieren würde, weil Ingolstadt ohnehin kaum Fans mitbringt. Auf seiner Facebook-Präsenz beharrt Sky Deutschland zwar darauf, für die Ansetzungen nicht (mit-)verantwortlich zu sein und doch geht es bei der Ansetzung wohl in erster Linie um einen Testlauf und um die Attraktivität eines Exklusiv-Spiels an einem Montagabend auszuloten. Hoffenheim-Ingolstadt brächte mutmaßlich eine kaum messbare Einschaltquote, während zwei Traditionsvereine wie Werder und der VfB eher ziehen und die Leute vor die Sky-Receiver locken dürften.

Es ist eine bodenlose Frechheit die Interessen der Fans derart mit Füßen zu treten und sich um ihre Belange null Komma null zu scheren. Der Fan ist ja in keinster Weise blauäugig und sieht schon die weitere Zerstückelung des Spielplans in naher Zukunft auf sich kommen.

Der Unterschied zu dieser Terminierung ist dann aber, dass die möglichen Montagstermine im Rahmenterminkalender schon zu Beginn der Saison festgelegt sind und man eben tatsächlich bis zur endgültigen Terminierung mit der (Urlaubs-)Planung warten muss. Im speziellen Fall aber hat man tatsächlich den Eindruck, die Sesselpupser bei der DFL würden willkürlich die Faninteressen konterkarieren und sich jetzt noch über ihre ach so tolle Idee totlachen.

Dem ganzen wird nur dadurch noch die Krone aufgesetzt, dass auch dies noch nicht die endgültige Terminierung sein könnte und wir diese circa zehn Tage vor dem Spiel noch mitgeteilt bekommen. Auch wenn einem sonst von außen eingetrichtert wird, als Deutscher habe man international den deutschen Clubs die Daumen zu drücken, sind wir VfBler in der nächsten Championsleague-Runde alle „Vikingos“, wenngleich Real auf diesen schwäbischen Zuspruch nicht angewiesen sein und Wolfsburg ohnehin aus der Champions League schmeißen wird.

Sollte zusätzlich zum Wolfsburger Ausscheiden auch noch der BVB den FC Liverpool, mit seinem ehemaligen Trainer Jürgen Klopp, bezwingen, dürfte das Aufeinandertreffen Wolfsburgs und vom BVB am 32. Spieltag auf den Montag verlegt werden und wir stattdessen doch noch Samstags ran dürfen. Bis dahin hat eine Stornierung unserer bisherigen Buchung also überhaupt keinen Sinn. Schwierig wird es allerdings, sollte es beim Montagstermin bleiben. Die Preise bei der Deutschen Bahn zehn Tage vor Fahrtantritt wird man sich dann nicht mehr leisten können und die DFL tritt sicher nicht für die Differenzkosten ein.

Robin Dutt hat sich ganz gut positioniert und auch auf den Wettbewerbsnachteil hingewiesen, der in einem möglicherweise vorentscheidenden Spiel um den Klassenerhalt gegeben wäre, wenn anstatt gut 2.000 Fans lediglich höchstens 500 den Weg an die Weser antreten würden. Sollte es bei der Terminierung auf Montag, dem 2. Mai, bleiben, hoffe ich, dass Dutt offiziell Beschwerde einlegt und weiter darauf drängt, dieses Montags-Spiel abzublasen.

Von einem angedachten Boykott aufgrund dieser Ansetzung durch die VfB-Ultras halte ich übrigens nichts. Ich werde es dennoch versuchen, kurzfristig Urlaub zu bekommen und den VfB in Bremen zu unterstützen, weil ein Boykott aufgrund dieser bis jetzt einmaligen Montagsansetzung nichts bringen und vor allem die Herren bei der DFL vom eingeschlagenen Weg auch nicht abbringen wird.
Dafür müsste man schon weitreichendere Aktionen auf die Beine stellen und zukünftige Montagstermine generell boykottieren und auf Arbeitskreise mit allen Beteiligten drängen, die um eine Rückkehr zur mal kurz praktizierten 300km-Regel bemüht sind.

Bei den Spielansetzungen, die der DFL-Spielplanleiter Götz Bender verbricht, reden alle mit, nur nicht die Fans. Stößt man bei solchen Bemühungen bei der DFL auf taube Ohren und erfährt auch keine Unterstützung durch den eigenen Verein, wäre es am vielversprechendsten mit den Fanszenen anderer Vereine zusammenzuarbeiten und Spiele gemeinsam zu boykottieren, so dass komplette Fankurven leer bleiben und dadurch das Alleinstellungsmerkmal der Bundesliga im Vergleich zu anderen europäischen Ligen, nämlich die Stimmung in den Stadien, spürbar verloren geht.

Erst dann würde es den raffgierigen Institutionen um DFB, DFL, Sky wirklich an den Geldbeutel gehen, weil ohne Stimmung auf Dauer auch das Interesse der Fernsehzuschauer nachlassen würde.
Noch haben die Fans in Deutschland einen nicht zu unterschätzenden Einfluss, was ja auch die Aktionen zu „12:12 – ohne Stimme keine Stimmung“ gezeigt haben. Mit diesen Pfründen gilt es zu wuchern, was jedoch auch nur dann funktioniert, wenn alle gemeinsam für die Sache einstehen.

Um auf unser Spiel bei Werder zurückzukommen, bliebe bei der Montag-Ansetzung der komplette VfB-Block leer, fehlte der Mannschaft die so dringend benötigte Unterstützung, was in einem solch wichtigen Spiel kontraproduktiv sein und einmal mehr den Eindruck erwecken würde, „die“ Ultras köchelten mal wieder nur ihr eigenes Süppchen.

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