9. März 2014

Stevens kommt! Wann geht Bobic?

Frühlingsgefühle, Sonne, Samstag 15.30 und ein ausverkauftes Haus, Fußballerherz was willst Du mehr? Eigentlich beste Voraussetzungen einen tollen Samstag mit dem VfB zu verleben. Zumal mit Eintracht Braunschweig das Schlusslicht der Liga seine Visitenkarte im Neckarstadion abgab. Dass nach acht Niederlagen in Folge mal wieder ein Punkt heraussprang, darüber konnte sich nun wirklich keiner freuen.
Braunschweig war in der ersten halben Stunde zielstrebiger und ging nicht ganz überraschend nach katastrophalem Schnitzer von Antonio Rüdiger in Führung. Da unser gestriger Gegner nicht gerade übermächtig war, gelang es den Rückstand innerhalb von fünf Minuten in eine Führung zu drehen. Nach der Pause hatte unser Kapitän Christian Gentner per Foulelfmeter sogar das 3:1 auf dem Fuß, scheiterte aber kläglich. Am Ende kam es wie es kommen musste. Jeder um mich herum ahnte es, als die Stadionuhr die 80. Minute anzeigte, dass nun die Zitterminuten anbrechen würden. Spätestens als Trainer Schneider unsere Kreativzentrale durch die Auswechslung von Maxim und Hereinnahme von Rani Khedira aufgab und unsere kampfstärksten Spieler Boka und Cacau auswechselte, standen die Zeichen auf Ergebnissicherung, anstatt gegen die längst nicht sattelfeste Braunschweiger Abwehr zu versuchen den Todesstoß zu setzen.
Dass es ausgerechnet „unserem“ Ermin Bičakčić vorbehalten blieb, für den Braunschweiger Ausgleich zu sorgen, passte ins Bild. Der Junge hat Anstand und freute sich lediglich in sich hinein, möchte er doch auch nicht, dass „sein“ VfB in den Niederungen der 2. Liga versinkt. Einer wie er würde uns nach wie vor gut tun, wenn man betrachtet, welche Abwehrschnitzer wir uns Woche für Woche leisten. Aber, leider hatte er unter Bruno einen schweren Stand und schaffte es nach seiner Verletzung, die er sich beim Pokalspiel in Wehen-Wiesbaden zuzog, wo er uns zuvor noch in Führung brachte, nicht mehr ins Team. Unter anderem wegen ihm war ich in den letzten beiden Spielzeiten jeweils beim Spiel FC St. Pauli-Eintracht Braunschweig, wo er sich sogar die Zeit und die Muse nahm, bis zur Abfahrt des Braunschweiger Busses herauszukommen, um mit uns über seine Karriere und den VfB zu reden. Ein netter Kerl, für den die Tür bei uns hoffentlich nicht endgültig zugeschlagen ist.
Am Ende standen wir, trotz des ersten „Punktgewinns“ 2014 wie die begossenen Pudel da. Mit Verlaub, gegen wen möchte man noch gewinnen, wenn nicht gegen den Tabellenletzten zuhause. Der harte Kern in der Cannstatter Kurve verharrte lange nach Spielende noch in der Kurve und forderte den Vorstand auf, herauszukommen und sich zu stellen, was sie auch in Person von Fredi Bobic und Präsident Wahler taten. Auffallend, wie sehr der Verein in letzter Zeit bemüht ist, dass Pulverfass vor dem explodieren zu bewahren. Aktionen wie „Zusammenhalten“, die Mitfahrt von Wahler im Fanzug nach Frankfurt, die Präsenz von Bobic und Wahler bei Fanausschuss und den Regionalversammlungen, sie bemühen sich „schön Wetter“ zu machen und die Kurve ruhig zu halten.
Dennoch wäre es schon lang an der Zeit gewesen, ein zweites Mal in dieser Saison den Trainer zu wechseln. Es ist ja schön und wunderbar, Visionen zu haben, von denen man überzeugt ist. Mit einem jungen Trainer und einem jungen Team die Liga zu rocken, den VfB attraktiver aufzustellen und sich durch nichts und niemanden davon abbringen zu lassen. Nur, die Realität holt einen eben manchmal im Leben schneller ein, als man es wahrhaben möchte. Die Entscheidung für den jungen Trainer Schneider muss nicht automatisch richtig gewesen sein, weil er ein VfBler, ein Trainertalent ist und weil er die Philosophie des Vereins verinnerlicht hat. Schneider hatte von Beginn an Autoritätsprobleme, fuhr in Sachen Aufstellung und Personalführung einen Schlingerkurs und verlor einige Spiele mutmaßlich aufgrund seiner Ein- und Auswechslungen. Die Spieler können Woche für Woche noch so beteuern, wie toll die Zusammenarbeit ist und dass sie für den Trainer durchs Feuer gehen würden. Umsetzen tun sie es nicht und würden sie sagen, der Trainer hat keine Ahnung, könnte man sie abmahnen. Daher sollte man solche Aussagen nicht auf die Goldwaage legen. Für mich war es schon lang klar, dass sie Schneider über kurz oder lang abschießen würden.
Enttäuscht bin ich darüber, dass Bobic sein Schicksal nicht mit dem von Schneider verknüpft hat, ist doch er der Hauptverantwortliche für die sportliche Talfahrt in den letzten Jahren. Er war doch maßgeblich mitverantwortlich, die Ansprüche nach und nach auf ein Minimum herunterzuschrauben, hat schlechteste Vorstellungen schön geredet und sich über die Erwartungshaltung beklagt. Damit, und mit seiner Personalpolitik, hat er es geschafft, das Stadion leer zu spielen und eine Emotionslosigkeit rund um den VfB zu schaffen, die es so noch nie gegeben hat. Es kommen (unter normalen Umständen) gerade noch höchstens 40.000 Zuschauer, die größtenteils emotionslos zur Kenntnis nehmen, was auf dem Rasen passiert, oder eben auch nicht. Ein Spektakel erwartet man schon lang nicht mehr, prickelnde Szenen während eines Spiels kann man, eigentlich schon in den letzten Jahren, fast an einer Hand abzählen. Diese Emotionslosigkeit wird von den Spielern vorgelebt, spulen sie doch lediglich ihr Pensum ab anstatt dass sie Spielfreude versprühen.
Im Rahmen der „Zusammenhalten“-Aktion kam der VfB dann auf die glorreiche Idee für die Spiele gegen Hertha und Braunschweig Dauerkarteninhabern die Möglichkeit zu eröffnen, zwei weitere Karten für 2,50 Euro in der Untertürkheimer Kurve zu erstehen. Diese Aktion wurde dann auf alle noch freien Bereiche im Stadion ausgeweitet, so dass in unserem Block auf der Haupttribüne Seite, wo die Tageskarte normalerweise um die 35 Euro kostet, massig Leute umherirrten, die nur wegen der Ramsch-Tickets ins Stadion kamen. Immerhin konnte der VfB dadurch „ausverkauft“ vermelden und auf die größtmögliche Unterstützung bauen. Ich finde diese Aktion äußerst fragwürdig und denjenigen gegenüber, die sich teure Karten gekauft haben, ungerecht.
Nach dem Spiel war der Unmut im weiten Rund groß und entlud sich mehr auf die Person Bobic als auf Schneider. Bobic kann in der Kurve noch so beteuern, dass er selbst mal dort gestanden hätte, solche Aussagen sind nicht zielführend und ändern an der Tatsache nichts, dass der Hauptverantwortliche für die Misere ebenfalls seinen Hut nehmen müsste.
So traf es heute früh mal wieder das schwächste Glied in der Kette, Thomas Schneider. Ich hoffe für ihn, dass er als Trainer bei uns nicht ein für allemal verbrannt ist. Labbadia hat ihm eine schwer zu trainierende Truppe hinterlassen, zudem stand er doch immer im Schatten von Übervater Bobic, der durch seine Nähe zur Mannschaft die Kompetenzen des Trainers automatisch beschneidet. Schneider soll, so die derzeitige Sprachregelung, dem Verein weiter erhalten bleiben, was mich freuen würde. Ich denke, die Absetzung als Cheftrainer kann für ihn mehr Segen denn Fluch sein. Mein Gefühl sagte mir, dass wir mit ihm kein Spiel mehr gewinnen würden, was dem Abstieg gleich gekommen wäre. Ob der vielbeschworene Stuttgarter Weg jedoch in der 2. Liga mit dem Abstiegstrainer noch vermittelbar gewesen wäre, wage ich zu bezweifeln. Daher lieber jetzt eine Zurückstufung ins zweite oder dritte Glied, um irgendwann einmal, wenn die Zeit wieder reif ist, stärker zurückzukehren.
Nun soll es also Huub Stevens richten. Meiner Meinung nach von den in Frage kommenden Kandidaten die beste Lösung. Mein Wunschtrainer Gross war sowieso unrealistisch, zumindest solang Bobic hier noch am Ruder sitzt. Stevens ist sicherlich die bessere Lösung als die zuvor ins Gespräch gebrachten Fink, Stanislawski und Balakow. Besser deshalb, weil er ein strenger, knorriger Trainer ist, der sich von Bobic nicht sagen lassen wird, welche Führung das Team braucht. Daher vermute ich mal, dass Stevens eher von Wahler als von Bobic durchgedrückt wurde.
Ob es Stevens schafft, in der Kürze der Zeit, der Mannschaft seine Handschrift zu verpassen oder ob die Situation schon zu verfahren und der VfB nicht mehr zu retten ist, ich weiß es nicht. Für mich kommt der Trainerwechsel viel zu spät und muss sofort fruchten, wenn wir noch die Klasse halten wollen. Als dringlichste Aufgabe wartet die Stabilisierung der Abwehr auf „Die Null muss stehen“-Huub. In jedem Spiel mindestens zwei Gegentore sind einfach zu viel, vor allem, wenn man sieht, wie einfach wir die Gegentore bekommen. Auch im psychologischen Bereich müssen die Hebel angesetzt werden, kann es doch nicht sein, dass in schöner Regelmäßigkeit ab der 80. Minute die Beine anfangen zu zittern und wir aus dem Nichts noch einen eingeschenkt bekommen. Zudem muss Stevens möglichst schon in dieser Woche erkennen, wer dem Druck mental gewachsen ist, wer Luft für 90 Minuten hat, wer professionell lebt und wer in dieser schweren Phase alles der schweren Aufgabe unterzuordnen bereit ist. Dann gilt es noch festzustellen, wer mit wem im Team am besten funktioniert und wer sich lediglich als Einzelkämpfer sieht. Was man so hört, ist Stevens ja ein akribischer Arbeiter, der sicherlich schon jetzt im DVD-Studium vertieft sein dürfte.
Immens wichtig wäre es schon am Samstag in Bremen ein erstes Lebenszeichen zu senden und einen Auswärtssieg einzufahren. Uns laufen langsam aber sicher die Spiele davon, von den verbleibenden zehn Spielen müssen sicherlich die Hälfte gewonnen werden, um die Klasse halten zu können. Am Ende warten Aufgaben wie Dortmund, Schalke, Wolfsburg, Bayern, wo diese eher nicht eingeplant werden können.
Ob Stevens den Stuttgarter Weg konterkariert, ob er eher auf erfahrene Kräfte als auf Jungspunde setzt, wie es nach der Saison weitergehen wird, all das interessiert heute doch überhaupt nicht. Erst einmal kommt der Existenzkampf für den Verein, für seine Bediensteten, für seine Fans und danach kann oder muss man weitersehen.

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3. März 2014

Mit Vollgas Richtung 2. Liga!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 20:54

Gestern bin ich seit langem mal wieder mit einem gewissen Optimismus zu einem Spiel gefahren. Nicht weil ich plötzlich von unserer Truppe und der sportlichen Leitung überzeugt wäre, aber, das Spiel gegen Hertha war zumindest in kämpferischer Hinsicht ein Fortschritt und außerdem gaben die Hessen schon des Öfteren unseren Aufbaugegner. Das emotionale Europaleague-Aus der Eintracht, das schwere Donnerstag-Spiel in den Knochen, taten ein Übriges. Und, ein klein wenig Fußballsachverstand darf man den Verantwortlichen ja schon auch unterstellen, was die Hoffnung nährte, dass sie nicht ohne Grund, trotz dieser unvergleichlichen Negativserie, an Bobic und Schneider festhielten.
So war Frankfurt für mich ein Schlüsselspiel, das wir unter keinen Umständen verlieren durften. Personell konnte Schneider auf den wiedergenesenen Kapitän Gentner und den nach Gelb-/Rot-Sperre zurückgekehrten Moritz Leitner zurückgreifen. Zudem stand Cacau erstmals nach 1 ½ Jahren wieder in der Anfangself. Nach druckvollem Beginn der Eintracht fand der VfB nach zwanzig Minuten zunehmend zu mehr Sicherheit und versuchte das Mittelfeld durch schnelles Konterspiel zu überbrücken, was uns nach einer guten halben Stunde das 0:1 durch Martin Harnik einbrachte. Groß war natürlich der Jubel und die Erleichterung, dennoch traute man dem Braten nicht so recht, zumal ernsthafte Torabschlüsse beim VfB weiterhin eine Seltenheit sind. Zu oft kommt der letzte Pass nicht an oder wird ein entscheidender Zweikampf verloren. Die Fehlpassquote und Zweikampfbilanz sprachen auch in diesem Spiel wieder eindeutig für den Gegner.
In der zweiten Halbzeit ließ sich der VfB mehr und mehr hinten rein drängen, ohne groß in Gefahr zu geraten, weil man noch weitestgehend gut stand und war im Sturm fast nicht mehr vorhanden. Glück hatten wir, als Aytekin nach vermeintlichem Foul von Cacau schon auf Elfmeter entschied, sein Assistent an der Linie aber intervenierte und er diesen schließlich (mutig) zurücknahm. Nicht einmal solche Umstände, die uns in die Karten spielen und den Gegner demotivieren könnten, vermögen wir in dieser Zeit auszunutzen. Trotz allem muss Alexandru Maxim in der 78. Minute das 2:0 machen und der Fisch wäre geputzt gewesen. Boka hat sich mit einer klasse Willensleistung gegen Zambrano den Ball erkämpft und passte mustergültig auf den mitgelaufenen Rumänen, doch diesem versprang der Ball, so dass er aus drei Metern den Ball nicht etwa im leeren Tor unterbrachte sondern meterweit vorbei schoss. Haste Scheiße am Fuß, hast scheiße am Fuß könnte man sagen, ich sage, es sind diese (späten) unsäglichen Konzentrationsmängel, die uns vermutlich die Liga kosten werden. So kam es, wie ich es befürchtet hatte und wie es im Grunde kommen musste. Nach einem erneut katastrophalen Abschlag von Ulreich, der wie ein Bumerang zurück kommt, hebt Rüdiger das Abseits auf und sage und schreibe drei Frankfurter haben freie Bahn. Frankfurts Joker Rosenthal war es schließlich, der zum Ausgleich vollendete. Ein Tor, wie ich es in der Bundesliga noch überhaupt nicht gesehen habe, so ein dilettantisches Abwehrverhalten, auch das wird uns letztenendes das Genick brechen. In der 90. Minute schließlich ließ sich unser selbst ernannter Führungsspieler Georg Niedermeier mit einem Beinschuss im Strafraum düpieren, so dass Alex Meier leichtes Spiel hatte und den Frankfurter Siegtreffer markieren durfte.
Der VfB stellt mit mittlerweile 49 Gegentoren nach dem HSV die zweitschlechteste Abwehr, auch wenn diese den Namen eigentlich nicht verdient hätte. 2,13 Gegentore pro Spiel, so viele kannst Du vorne gar nicht schießen, schon gar nicht, wenn man es kaum schafft Überraschungsmomente zu schaffen und niemand den Mut hat auch mal aus der zweiten Reihe abzuziehen.
So war die achte Niederlage in Folge und die elfte aus den letzten zehn Spielen besiegelt. Mal wieder schlichen die Spieler wie begossene Pudel in die Kurve um sich regungslos die immer lauter werdenden Schimpftiraden der treuen Fans anzuhören. Einige, wie Traore, der schon die Tage zählt, bis er uns verlassen darf, drehten gleich wieder ab, andere ließen sich noch auf das eine oder andere Gespräch ein.
Schneider trottete, die Hände in den Taschen vergraben, hinterher und scheint mit seinem Latein am Ende zu sein.
Klar kann er die Dinger, wie die hundertprozentige von Maxim, nicht selbst versenken. Auch klar, dass er einem gestandenen Spieler wie Ulreich nicht noch erklären müssen sollte, wie man Abstöße schlägt und dass er zu seiner Zeit noch anders zu Werke gegangen ist, als es Niedermeier beim 2:1 tat.
Dennoch wirft das bisherige Wirken Schneiders Fragen auf. Weshalb darf Sakai Woche für Woche seine Bundesligauntauglichkeit unter Beweis stellen? Unbedrängte Fehlpässe, gepaart mit katastrophalem Stellungsspiel, in dieser Verfassung hat er auf dem Platz nichts zu suchen. Kein Zufall schließlich, dass der entscheidende Treffer über Sakais Seite fiel. Das weiß inzwischen jeder Gegner, wo wir besonders leicht zu knacken sind.
Weshalb verhindert ein Gentner die Einwechslung von Haggui? Wer hat das Sagen? Kann es nicht doch sein, wie man immer wieder hört, dass die Mannschaft Schneider nicht ernst nimmt?
Auch die Wechsel erfolgten zu spät. Erfahrene Trainer nutzen diese auch einmal als eine Art „Auszeit“, um dem Gegner den Schwung in einer Drangphase zu nehmen, nicht so Schneider. Er hat ein Gottvertrauen und hofft, es werde schon irgendwie gutgehen.
Ich kann nur immer wieder betonen, dass es mir um Schneider Leid täte, wenn er als schwächstes Glied der Kette seinen Spind räumen müsste. Sein Talent, ein guter Trainer zu werden, möchte ich ihm nicht absprechen, sicherlich sammelt er derzeit Erfahrungen fürs weitere „Trainer-Leben“, ob er jedoch in der Lage ist, den Bock umzustoßen, ich glaube es nicht. Das Grundübel ist die Mannschaft, in sich zerstritten, eine profihafte Einstellung (auf und außerhalb des Platzes) vermissen lassend, die es nicht schafft, wenigstens als Zweckgemeinschaft zu funktionieren und sich neunzig und nicht nur achtzig Minuten zu konzentrieren. (Mindestens) einer pennt immer, was zu der Flut von Gegentoren führt und die uns verzweifeln lässt.
Bobic, der diese nicht harmonierende Truppe zusammengestellt hat, wird als der Totengräber des VfB in die Geschichte eingehen. Anscheinend gibt es auf der Geschäftsstelle keine Streitkultur mehr, seit Bobic auf den meisten Posten „seine“ Leute installiert hat. So hat er sich den Status als Alleinherrscher erarbeitet bzw. an sich gerissen, und es scheint, dass ihm der Erhalt dieses Status‘ mehr wert ist als das Wohl des VfB. Spieler, die unbequeme Wahrheiten aussprachen wurden nach und nach aussortiert, zuletzt William Kvist, der in der jetzigen Situation eine Stütze sein könnte.
So kämen wir bei einem Trainerwechsel wohl eher vom Regen in die Traufe. Leute wie Stanislawski und Fink würden in Bobic‘ Beuteschema passen, sind es doch eher stille Vertreter der Zunft und würden den Job mit Kusshand übernehmen. Alte Weggenossen wie Balakow und Soldo, die als Duo im Gespräch sind, würden ihm ebenso ähnlich sehen, sind es doch Freunde vergangener Tage, denen man zu gern einen gut dotierten Posten verschaffen würde.
Im Gegensatz dazu würde sich ein Bobic sicherlich nicht den von mir favorisierten Gross (den er ja selbst entlassen hat) ins Haus holen, abgesehen davon, dass es sich Gross sicher auch nicht antun würde, noch einmal unter Bobic zu arbeiten. Wenn Gross, dann als starker Mann und anstelle von Bobic.
Auch Stevens oder Schaaf, die für ihre knorrige Art bekannt sind, wären Alphatiere, die sich von Bobic nicht sagen lassen würden, wie der Hase hier zu laufen hat. Aufgrund ihrer großen Erfahrung wäre es ihnen zwar zuzutrauen, den Karren wieder flott zu bekommen, jedoch, wie es scheint, ist Bobic sein Machterhalt wichtiger als der Klassenerhalt.
Morgen also sollen Aufsichtsrat und Vorstand entscheiden, ob es tatsächlich mit Schneider weiter gehen und er gegen Braunschweig die neunte Niederlage in Folge anpeilen darf. Ich hoffe, man sieht den Tatsachen ins Auge und erkennt dass die Zusammenarbeit Mannschaft – Trainer vermutlich irreparabel beschädigt ist. Dann muss gehandelt werden und zwar sofort.
Mir ist es auch klar, dass es ein schmaler Grat ist, auf dem gewandelt wird. Verlässt man den eingeschlagenen Weg mit einem jungen unerfahrenen Trainer, der das Konzept mit trägt, vermehrt auf den eigenen Nachwuchs zu setzen? Holt man einen Trainer-Fuchs wie z. B. Stevens, der sicherlich eher auf erfahrene Kräfte setzen würde, als auf unsere Grünschnäbel? Nimmt man den Abstieg bewusst in Kauf, weil keine andere Lösung den Erfolg garantieren würde? Oder setzt man noch einmal alle Hebel in Bewegung, um es wenigstens versucht zu haben? Je länger man wartet, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Unheil noch abgewendet werden kann. Langsam aber sicher laufen uns die Spiele davon. Diesbezüglich kann man es fast bedauerlich finden, dass der SC Freiburg und der Hamburger SV sich ebenfalls nicht mit Ruhm bekleckern und (noch) hinter uns stehen. Hätten die etwas konstanter gepunktet und uns auf den vorletzten Platz verdrängt, wäre sicherlich schon die Reißleine gezogen worden.
Will man weiterhin bedingungslos an Schneider festhalten, notfalls mit ihm in die zweite Liga gehen, dann sollen die Vereinsoberen doch gleich einmal ein schlüssiges Konzept vorlegen. Bislang hört man nur von Horrorszenarien, die einen den Untergang vom VfB befürchten lassen im Falle des Worst Case. Stand jetzt dürfte so gut wie kein Spieler feststehen, der bereit ist, auch im Unterhaus die Stiefel für den VfB zu schnüren, ganz abgesehen davon, ob wir sie überhaupt noch sehen wollten. Geschweige denn kann sich noch niemand vorstellen, mit welchem Budget man dieses Abenteuer angehen müsste, in welchen Bereichen es Einschnitte geben müsste, ob wir die Raten fürs Stadion und fürs Nachwuchszentrum noch stemmen könnten, und, und, und. Würde es uns einmal jemand erklären, dass auch im Falle des Abstiegs nicht aller Tage Abend wäre, vielleicht kann man sich die zweite Liga dann auch schon mal schön reden. Vielleicht wäre es wert abzusteigen, schon allein, um nächste Saison keinen einzigen Spieler von der derzeitigen Zweckgemeinschaft mehr sehen und ertragen zu müssen. Ganz ehrlich, in dieser Truppe habe ich keinen Lieblingsspieler mehr, das gab es in meiner Zeit als VfB-Fan eigentlich noch nie. An die Spieltermine müsste man sich gewöhnen und reichlich Urlaub opfern, dafür gäbe es aber mal wieder jede Menge neuer Stadien und neue Eindrücke. Wir würden einige Auswärts- zu Heimspielen machen, wobei dann zu hoffen wäre, dass bis dahin der Heimkomplex abgelegt werden konnte. Vielleicht gelänge es, wie nach dem Abstieg 1975, eine spielstarke Mannschaft mit jungen Spielern, überwiegend aus der Region, zusammenzustellen, der es wieder Spaß macht, zuzuschauen, mit der man sich ein Stück weit identifizieren kann, die vor hat, den VfB wieder dorthin zu bringen, wo er hingehört, nämlich in die Bundesliga. Bei den Fans würde sich die Spreu vom Weizen trennen und die Dauerkarte (vermutlich) günstiger werden. Ich als Fan würde den Kopf nicht in den Sand stecken und wäre auch im Unterhaus so oft es geht dabei.
Seit gestern habe ich mich fast schon mit dem Abstieg abgefunden und kann mir derzeit nicht einmal vorstellen, wie wir Braunschweig schlagen wollen. Die stellen sich zu elft hinten rein, der VfB findet keine Lösungen dieses Abwehrbollwerk zu knacken und ein oder zwei Abwehrfehler fabrizieren wir sowieso jedes Mal.
Entweder es geschieht etwas, das noch einmal eine Aufbruchsstimmung entfachen könnte oder wir gehen sang- und klanglos (r)unter. Die Hoffnungen mit der derzeitigen Konstellation habe ich gestern endgültig zu Grabe getragen.

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23. Februar 2014

Heilsbringer gesucht!

#aufbruch1893, ZUSAMMENHALTEN! Der Versuch, die Fans mit ins Boot zu nehmen, ist zugegebenermaßen nett gemeint, hat aber auch gegen die alte Dame Hertha BSC Berlin seine Wirkung verfehlt. Eines haben die Verantwortlichen des VfB damit aber wohl erreicht, die Stimmung nach Abpfiff war nicht feindselig, es wurde nicht der Kopf von Personen gefordert, stattdessen gab es aufmunternden Beifall. Es war ja wieder „nur“ eine „unglückliche“ Niederlage, bei einem Debakel hätte man sich nach dem Spiel wohl mal wieder vor der Haupttribüne wiedergefunden!
Die Aktion, durch die man pro Dauerkarte jeweils zwei Karten in der Untertürkheimer Kurve für je 2,50 Euro erwerben konnte, brachte sicherlich 10.000 Zuschauer zusätzlich, die sonst nicht gekommen wären. So war seit längerem mal wieder ein VfB-Wechselgesang der beiden Kurven möglich und auch bei „steht auf, wenn ihr Schwaben seid“ machten mehr Leute auf allen Tribünen mit, als zuletzt. Man konnte spüren, dass ein neues Wir-Gefühl vorhanden war und die Leute gewillt sind, den VfB in dieser schweren Zeit zu unterstützen. Von außen wurden also die Impulse gesetzt, diese Vorlage hätte die Mannschaft einfach nur annehmen und verwandeln müssen.
Auf dem Platz aber fand sich leider die bittere Realität der letzten Wochen wider. Tore schießen leicht gemacht für den Gegner, selbst vermochte man es in 90 Minuten nicht, auch nur eine klareTorchance herauszuspielen. Mit solch spielerischer Armut, gepaart mit immer wiederkehrenden Aussetzern, dürfte es schwer bis unmöglich werden die Klasse zu halten. Klar, wir hatten mal wieder kein Glück mit dem Unparteiischen, hätten zwei Elfmeter bekommen können, wenn nicht müssen. Dem 1:2 ging ein vermeintliches Foulspiel an Werner voraus, das nicht geahndet wurde. Im Gegenzug verursachte Arthur Boka einen Freistoß auf der rechten Halbposition, der den späten Knockout zur Folge hatte. Boka, ein Sinnbild der derzeitigen Krise. Im defensiven Mittelfeld besser aufgehoben als als linker Verteidiger, machte ein ordentliches Spiel und sorgte mit dem 1:1 zum psychologisch wichtigen Zeitpunkt kurz vor der Pause für Stuttgarter Glücksgefühle, um dann durch dieses dumme Foul den Gesamteindruck wieder zu schmälern. Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison, dass der VfB phasenweise ganz nett mitspielt, gestern auch die kämpferische Komponente vorhanden war, es am Ende aber doch nicht reicht, weil man sich durch individuelle Aussetzer immer wieder um den Lohn bringt. Mir selbst liegt es fern, diese Niederlage am Schiedsrichter festzumachen. In den Stimmen zum Spiel lese ich erneut überwiegend davon, dass man sich nicht belohnt habe, was von wenig Selbstkritik gezeugt. Auch lese ich vom aufopferungsvollen Kampf, den man geliefert habe.
Bei solchen Statements fällt mir immer Kaiser Franz bei der WM 1986 ein. Nachdem der Kaiser über sein Team wild grantelte und ein Journalist beschwichtigen wollte „gekämpft haben sie aber doch“, erwiderte Beckenbauer, „kämpfen tun auch die Afrikaner“, das zu einer Zeit, als diese bei WM-Turnieren noch nie über die Vorrunde hinausgekommen waren. Soll heißen, das ist das mindeste.
Bezeichnend, dass ich in all den Statements lediglich beim Youngster Timo Werner wirklich Selbstkritik erkenne. Er sagt nämlich unter anderem „Symbolisch, dass am Ende einmal mehr ein Standard entscheidet. Uns fehlte allerdings der Zug zum Tor.“
Sprich, beim Standard gepennt und zu wenig für den Erfolg getan. So sah ich es von außen nämlich auch. Ich hatte schon ein dummes Gefühl, als Luhukay Sandro Wagner einwechselte, Stürmer für Mittelfeldspieler. Die Berliner wollten offensichtlich noch den Lucky Punch setzen, was der VfB-Bank wohl nicht den Anlass für besondere Maßnahmen oder Umstellungen suggerierte. Schon irgendwie merkwürdig, dass es, wie schon gegen Mainz, die Bayern und in Leverkusen, ausgerechnet der Joker des Gegners war, der stach? Oder nicht? Liegt das vielleicht auch an der fehlenden Flexibilität unserer Truppe bzw. unseres Trainers? Bei anderen Teams beobachtet man, dass der Trainer einen Spieler zu sich ruft und die neue Zuordnung kundtut, wenn der Gegner offensichtlich sein System umstellt. Bei uns? Nichts! Wie auch sonst in unserem Spiel, wo alles auf Zufall aufgebaut ist, so offensichtlich auch hier. Der Trainer überlässt die Spieler ihrem Schicksal und auf dem Platz ist keiner, der entsprechend dirigiert und organisiert.
Nach der längst überfälligen Entlassung von Labbadia und der Inthronisierung von Thomas Schneider als neuem Trainer, hatte dieser zunächst mein grenzenloses Vertrauen, auch wenn ich damals schon, sollte es denn Schneider werden, eine Lösung mit dem erfahrenen Lorenz-Günther Köstner an seiner Seite favorisiert hatte. Dieser war damals vereinslos und bewies schon in Wolfsburg ein gutes Händchen mit jungen Spielern und war zu jener Zeit auffallend oft in Stuttgart zu sehen.
Köstner steht inzwischen in Düsseldorf an der Linie, die derzeit diskutierten Augenthaler oder Adrion, die man Schneider als erfahrene Koryphäe zur Seite stellen könnte, halte ich heute für nicht mehr ausreichend. Damals, als Labbadia entlassen wurde, hätte man vermutlich nur an ein paar Stellschrauben drehen müssen, um die Jungs in die Spur zu bekommen, heute ist die Situation derart verfahren, dass meiner Meinung nur noch ein radikaler Kahlschnitt Hoffnung auf die Wende machen würde.
Die zuletzt von mir favorisierten Magath und Slomka haben neue Anstellungen gefunden. Die meisten anderen auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer machen mir einfach nur Angst, damit vom Regen in die Traufe zu kommen. Gerade Slomka zeigt in Hamburg jetzt, wie neue Besen sprichwörtlich gut kehren könnten. Er wechselte sein Team auf sechs Positionen, grub einen zuvor Verbannten aus der Versenkung aus, redete die Mannschaft stark und beorderte den überschätzten Nationalspieler Westermann auf die Bank. Ganz anders also als zu Schneiders Amtsantritt, der von Anfang an nicht den Eindruck erweckte, einen großen Plan mit dem Sammelsurium an Spielern zu haben. Auch das hatte ich vor geraumer Zeit bereits kritisiert, dass er doch sicherlich vorsprechen musste, was er denn anders machen würde als Labbadia, wenn er Cheftrainer werden würde. Bleibt fast alles beim Alten, gibt er nur eine Kopie des Vorgängers ab, hätte man auch alles beim alten belassen können. Von einem Konzept Marke Thomas Schneider ist auch nach einem halben Jahr nichts zu erkennen. Im Gegenteil, er fährt einen Schlingerkurs, und erweckt nicht den Eindruck, dass er eine eigene Linie oder gar einen Matchplan vorzuweisen hat.
Mittlerweile hat dieser Mann die gefühlt schlechteste Bilanz aller VfB-Trainer vorzuweisen, fünf Siege, vier Unentschieden aber schon zehn Niederlagen. Dazu das DFB-Pokal-Aus in Freiburg und das Ausscheiden in der Europa League Qualifikation gegen Rijeka.
Ich mache mir Sorgen wie noch nie um den VfB und frage mich, ob, und falls ja, wann der VfB gedenkt zu reagieren. Es bringt doch jetzt nichts mehr auf Teufel komm raus auf Kontinuität zu setzen, sich durch nichts und niemandem davon abbringen lassen zu wollen und auf die Rückkehr des Glücks zu hoffen. Ich würde mir dies gefallen lassen, wenn eine Weiterentwicklung eines Spielsystems, eine Verbesserung von Spiel zu Spiel erkennbar wäre. Davon aber sind wir derzeit meilenweit entfernt. Im Grunde laufen die Spiele alle nach demselben Strickmuster ab: wir kassieren zu viele billige Tore und sind selbst nicht in der Lage uns Torchancen herauszuspielen. In den letzten zehn (!) Spielen haben wir immer mindestens zwei Gegentore bekommen, was eine verheerende Bilanz ist, zumal, wenn man es selbst kaum schafft, vors gegnerische Tor zu kommen. Schneider hat es in nunmehr 19 Bundesligaspielen nicht geschafft, der Mannschaft ein Defensivkonzept und eine Kompaktheit zu verleihen, welche Grundvoraussetzung wäre, wettbewerbsfähig zu sein, wenn man schon vorne mit Toren geizt.
So führt für mich kein Weg vorbei an einer Trennung von Schneider als Profitrainer, in den Jugendbereich darf er gerne zurück. Da die Entscheidung pro Schneider genauso wie die unnötige Vertragsverlängerung mit Labbadia auf Bobic‘ Miste gewachsen ist, muss Bobic ebenfalls von seinen Aufgaben entbunden werden. Wie kein anderer steht Bobic für den sportlichen Niedergang in den letzten 3 ½ Jahren. Natürlich fand er hier keine einfachen Rahmenbedingungen vor, da aufgrund von Stadionumbau und Gehaltkostensenkungen von Anfang an kleinere Brötchen gebacken werden mussten. Trotzdem ist er eben auch kein gestandener Manager, der sehr viel Geld (das wir nicht haben) verbrannt hat, sei es durch Trainerabfindungen, sei es durch entgangene Ablösesummen, weil Spieler nicht rechtzeitig vor Vertragsende wegtransferiert wurden. Natürlich muss man Verträge einhalten, trotzdem habe ich das Gefühl, dass sich hier Manager anderer Vereine geschickter anstellen, die Möglichkeiten als Verein auszuschöpfen.
Als zumindest diskussionswürdig halte ich zudem seine Verbandelung mit Jürgen Schwab, der sein Berater ist und mit dem er in Winterbach ein Sportgeschäft betreibt. Dieser Schwab fungiert nämlich auch als Berater von Gentner und Ulreich und könnte ein Grund sein, weshalb die beiden eigentlich immer spielen, wenn sie fit sind!
Welcher Trainer UND Manager uns jetzt, zwölf Spieltage vor Saisonende, noch weiterhelfen und schnelle Besserung versprechen könnte, weiß ich nicht. Sicher ist, der Schuss muss sitzen. Novizen wie Kahn (Manager), Effenberg oder Matthäus als Trainer, wären sicherlich ein hohes Risiko und im hiesigen Umfeld nicht vermittelbar. Leute wie Büskens, Augenthaler oder Oenning, die noch die klangvolleren der „freien“ Trainer wären, reißen mich ehrlich gesagt nicht vom Hocker.
Die jetzt, nachdem man die Herren Magath und Slomka ad acta legen muss, charmanteste Lösung wäre für mich Christian Gross, wenn er sich denn den VfB überhaupt noch einmal antun würde. Damit würde sich auch ein Kreis schließen, hat doch Gross dem Vernehmen nach die Lust am VfB just in dem Moment verloren, als Bobic Manager wurde. Angeblich hätte er diesen Job gerne in Personalunion gehabt und kam mit Bobic von Anfang nicht klar. Da Bobic, wie man heute weiß, keine Kritiker in seinem Umfeld duldet, hat er ihn dann auch schnellstmöglich entsorgt. Wie sauer ich über die Entlassung damals war, lässt sich hier http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=2595 nachlesen.
Von Rückholaktionen bin ich eigentlich kein großer Freund. In diesem Fall sähe ich aber Erfolgsaussichten, da Gross ein ausgewiesener Fußball-Fachmann ist, schon aufgrund seiner Ausstrahlung eine natürliche Autorität versprüht und ein Team motivieren kann. Eigenschaften, die momentan bitter notwendig sind.

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16. Februar 2014

Abstiegsk(r)ampf

Gestern ging es wieder einmal an die Autobahnraststätte Kraichgau, wo Milliardär Hopp zwar ein Stadion hingestellt, eine Infrastruktur, die etwa einen reibungslosen Verkehrsfluss bei An- und Abreise gewährleisten sollte, aber „vergessen“ hat. So war es wie immer eine einzige Katastrophe, bis wir den Busparkplatz direkt vor dem Gästeblock erreichten. So kamen wir erst kurz nach 15 Uhr an diesem Spielort, der, wenn der BVB am letzten Spieltag der Vorsaison seinen Job richtig erledigt hätte, überhaupt nicht mehr auf unserem Spielplan gestanden hätte.
In Eile strömten natürlich alle sofort zum Block hinauf, um relativ kurz vor Spielbeginn noch einen einigermaßen akzeptablen Platz im Gästekäfig ergattern zu können, was mich schon etwas ärgerte, gehört es doch dazu, noch ein wenig Vorlauf zu haben, um Bekannte zu treffen und den einen oder anderen Plausch zu halten.
Ich hatte dieses Mal, wie schonmal in diesem Stadion, meinen Platz direkt hinter dem Tor, Reihe 3, in der Hoffnung eine bessere Perspektive zum Fotografieren auf unseren Block zu haben. Der Platz war eigentlich perfekt, dumm nur, dass es in Strömen goss und beim Bau der Schüssel wohl das Budget für ein den kompletten Zuschauerbereich abdeckendes Dach nicht mehr vorhanden war. So saß ich sprichwörtlich im Regen, 90 Minuten lang oder besser gesagt, so lang ich mir den Kick antat.
Seit das Dorf aufgestiegen ist, war ich bei allen Spielen. Bisher setzte es lediglich eine Niederlage, in der Hinrunde der Vorsaison ein desaströses 0:3 zu Hause. In Sinsheim und auch im ersten Jahr in Mannheim blieben wir stets ungeschlagen, was eigentlich meine einzige Hoffnung war, dass dort auch in diesem Jahr die Trendwende eingeleitet werden könnte. Ein bisschen glaubte ich auch an die in Vergessenheit geratene Attribute wie Stolz und Ehre bei unseren Protagonisten und hoffte darauf, dass die Atmosphäre, die das Spiel zu einem 18. Heimspiel machen könnte, unsere Jungs anspornen würde.
Einige Male davor hatte ich bewusst eine Karte im Gästeblock genommen, obwohl mir dieser in Sinsheim total widerstrebt. Eingepfercht, schlechte Sicht und, wenn ich mich richtig erinnere, alkoholfreies Bier. Der große Vorteil am Gästeblock ist es eben, dass man mit den SAP-Kunden erst überhaupt nicht in Kontakt kommt und so möglicherweise vor sich selbst geschützt wird. Es gibt kaum einen Verein, für den und seine Fans ich ausschließlich Verachtung übrig habe. Ich frage mich ständig, wo die waren, bevor Hopp sich entschloss aus einem langweiligen Dorf- einen Bundesligaverein basteln zu wollen. Die allerwenigsten haben den Aufstieg von der Kreis- bis zur Regionalliga mitgemacht, sondern sind von anderen Vereinen abgewandert, was in meinem Verständnis überhaupt nicht möglich ist.
Dieses Mal also, im gemischten Block, umringt von VfBler und SAP-Kunden. Gestern gingen mir schon zu Beginn die großen Emotionen, selten hatte ich weniger Lust auswärts zu fahren. So störte mich auch das ganze Primborium beim Projekt Hoffenheim nicht einmal mehr. Mittlerweile gehe ich zu VfB-Spielen und erwarte rein gar nichts. Kommt Häme von den gegnerischen Fans oder lachen sie meinen VfB aus, was habe ich derzeit schon entgegenzusetzen? Irgendwie haben sie ja auch Recht, der VfB kommt peinlich daher wie noch nie. Slapstick auf dem Rasen, Galgenhumor auf der Tribüne. Mehr nicht. So ertrug ich das Spiel und das Drumherum mit Fassung und konnte mich schon früh, nach dem 0:1 genauer gesagt, mit der sich anbahnenden ersten Niederlage in Sinsheim „anfreunden“. Hoffnung, das Spiel noch drehen zu können, hatte ich überhaupt keine. Ich sah keine durchdachten Aktionen, keinen gefährlichen Schuss auf das Gehäuse der Hoffenheimer, nicht den Hauch einer Parade des Torwarts. Stattdessen kombinierte sich Hoffenheim durch unsere Reihen, als bestünden diese aus Slalom-Stangen. Wenn es dumm läuft, liegen wir in der 2. Minute bereits zurück, so dauerte es eben bis zur 12., als zunächst Ulreich schlecht aussieht und eine Hereingabe nicht zu fassen bekommt und Schipplock abstaubt. Das war ja mal wieder klar, dass ein Ex-VfBler gegen uns treffen würde, doppelt sogar. Der VfB personell zwar auf einigen Positionen verändert im Vergleich zum Augsburg-Spiel, brach dieses Mal nach dem 0:1 nicht sofort auseinander, agierte aber weitestgehend planlos mit langen Bällen und hoffte auf Kommissar Zufall. Wir hatten Glück, dass Ulreich auch lichte Momente in diesem Spiel hatte, sonst hätten wir zur Pause bereits höher zurückliegen können.
Welches Spiel Bobic gesehen hat, würde mich mal interessieren, wenn er eine ordentlich erste Halbzeit gesehen hat. Für mich war das, wie in den letzten Wochen, über weite Strecken nicht erstligareif. Einen solchen „Fußball“ wie vom VfB dargeboten, habe ich letztmals im Januar 2013 gesehen, damals in der zweiten englischen Liga bei Leicester-Middlesbrough, Kick & Rush eben.
Hoffenheim nahm die äußeren Verhältnisse mit Dauerregen und regendurchtränktem Boden besser an und hatte mit Firminho den überragenden Mann auf dem Platz. Die Hoffenheimer liefen mehr als der VfB, gewannen mehr Zweikämpfe und hatten eine bessere Passgenauigkeit. Es wurde ein deutlicher Hoffenheimer Sieg, der sich von Anfang an abzeichnete und hochverdient ist.
Der VfB verschwendete einmal mehr seine überschüssige Energie im reklamieren und lamentieren und leistete sich zu viele und vor allem zu plumpe Frustfouls. Infolge dessen wurde noch Moritz Leitner vom Platz gestellt und wird beim so wichtigen Heimspiel gegen Hertha BSC fehlen. Hoffen wir, dass Gentner bis dahin wieder einsatzbereit ist, sonst wird es personell eng in der Mittelfeldzentrale.
Hier sollten die Verantwortlichen mal ansetzen und unseren Spielern klar machen, dass sie die Klappe halten und sich vom Ort des Geschehens entfernen sollen, wenn der Schiedsrichter abgepfiffen hat. Da wollen sie den Fans wohl mit Gewalt demonstrieren, dass es ihnen nicht egal ist, wenn wir verlieren. Dass dies aber überhaupt nichts bringt, im Gegenteil, Konzentration und Nerven kostet, betrachten sie nicht. Aber, wer soll ihnen hier zum Vorbild taugen? Bobic etwa, der selber immer die Schuld bei den Anderen sucht und als Spieler auch kein Kind von Traurigkeit war? Ich sage nur, „blinde Bratwurst“! Das ständige motzen, ob gegen Gegenspieler, Schiedsrichter, Fans und gestern sogar gegen den Trainer zeugt von einer sportlichen Hilflosigkeit und macht keine Hoffnung auf Besserung.
So saß ich gestern also weitestgehend in mir zusammengekauert da, ließ den Regen über mich ergehen und das Unheil seinen Lauf nehmen. Zu keiner Phase keimte Hoffnung auf, dass der VfB in der Lage sein würde sich gegen die Niederlage zu stemmen. Symptomatisch wieder, dass der Platzverweis unmittelbar auf den Anschlusstreffer folgte, um überhaupt nicht in Versuchung kommen zu müssen, noch an das Gute zu glauben. Nach dem 0:3, ich gebe es zu, habe ich den Bierstand aufgesucht und bin erst die letzten fünf Minuten, stehend am Eingang, wieder hinein, um nicht erneut meinen Platz trocken schrubben zu müssen.
Was bleibt ist eine sportliche Demütigung beim ungeliebten Nachbarn, die gar nicht so weh tat, weil ich mit nichts anderem rechnete. Da ich ungern gegen den VfB tippe, setzte ich zwar auf ein 3:4, in der Hoffnung, dass der VfB Kapital aus der schwachen Hoffenheimer Abwehr schlagen könnte. Falsch gedacht, nicht einmal gegen die Schießbude der Liga schaffen es die Unseren Überraschungsmomente zu kreieren und zum Torabschluss zu kommen. Bei diesem Boden wären Fernschüsse ein probates Mittel gewesen, nur hat man das beim VfB leider nicht erkannt.
Wenn sich nicht Grundlegendes ändert, wird diese Art Fußball zwangsläufig in die zweite Liga führen. Die Umstellung auf das offensiv ausgerichtete 4-4-2-System erwies sich als Rohrkrepierer. Gerade auch gestern war zu erkennen, dass wir den Hoffenheimern damit ins offene Messer gelaufen sind und diese sich sicherlich deswegen ins Fäustchen lachten. Jetzt gilt es mit höchster Priorität die Defensive zu stabilisieren, nicht nur personell sondern genauso in der taktischen Ausrichtung. Auch Sven Ulreich kann in seiner derzeitigen Verfassung dem Team nicht weiterhelfen. Beim ersten und beim dritten Treffer sah er sehr schlecht aus. Er gewann uns in dieser Saison ein einziges Spiel bei der Berliner Hertha (lang ist es her), verschuldete aber auch unzählige Gegentore und rettete uns keine weiteren Punkte. Wenn nicht jetzt, wann dann soll die Stunde von Kirschbaum schlagen? Alle erdenklichen Abwehrformationen wurden bereits getestet, als neuen Impuls bliebe nur noch der Torwartwechsel. Vielleicht würde ja dieser zu mehr Stabilität führen. Kirschbaum hat eine bessere Spieleröffnung als Ulle und könnte unsere schnellen Außen mal auf die Reise schicken und sich damit ihrer Stärken bedienen. Sollte auch ein solche Maßnahme nicht von Erfolg gekrönt sein, besteht immer noch die Möglichkeit, dass Ulle, wie schon einmal, gestärkt aus seiner Ausbootung herauskommen und sich wieder ins Team spielen könnte. Vereinsverbundenheit allein genügt eben auch bei Ulle nicht!
Sollte Schneider weiterhin das Zepter schwingen dürfen, muss er Signale setzen und dem Team helfen. Sieht die Aufstellung und taktische Ausrichtung nur annähernd so aus wie zuletzt, kann man im Grunde nach Präsentation der Aufstellung aufstehen und einen trinken gehen, so wenig Hoffnung hätte ich, dass gegen Berlin der Bock umgestoßen werden würde.
Ich habe schon sehr viele Höhen und Tiefen erleben dürfen, manchmal auch müssen. An eine solch hoffnungslose Phase kann ich mich aber nicht erinnern. Den Abstieg 1975 habe ich noch nicht richtig bewusst mitbekommen, regelmäßig im Stadion war ich „erst“ ab der Aufstiegssaison 1976/77.
Was wir aber in dieser Saison Woche für Woche über uns ergehen lassen müssen, ist höchst bedenklich. Es reicht sprichwörtlich hinten und vorne nicht, die Abwehr ein Torso, das Mittelfeld plan-, form- und konzeptlos und der Sturm nur ein laues Lüftchen. Die „Mannschaft“ ein zerstrittener Haufen, die sich in Diskussionen mit dem Schiedsrichter und sogar Trainer Schneider aufreibt, anstatt ihre ganze Energie dem Kampf gegen den Gegner aufzuwenden.
Ein Präsident, der sich, ähnlich wie seine Vorgänger, auf Tauchstation befindet, ein Sportdirektor Bobic, der auch gestern wieder eine ordentliche erste Halbzeit sah und ein unerfahrener Jugendtrainer Schneider, der nach gerade mal einer Halbserie als Cheftrainer schon mit seinem Latein am Ende zu sein scheint. Woche für Woche die gleichen Durchhalteparolen, ich bin es langsam leid und würde gerne Veränderungen sehen. Nach der Demütigung gegen Augsburg, „klarer Worte“ und „angezogener Zügel“ in der Woche, darf man doch wenigstens eine leichte Verbesserung im darauffolgenden, prestigeträchtigen Spiel in Sinsheim erwarten. Das Gegenteil war der Fall, hatten sie gegen Augsburg stark begonnen und gute erste 30 Minuten hingelegt, waren sie gestern von Beginn an hoffnungslos unterlegen und einfach schlechter als ein durchschnittlicher Gegner.
Ich bin mir relativ sicher, dass dieser Weg direkt, ohne Umschweife, ohne Relegation, in die zweite Liga führen wird, wenn nicht schleunigst gehandelt wird. Möchte ein Bobic als Totengräber des VfB in die Geschichte eingehen und die zweite Liga in Kauf nehmen, weil er so ehrenkäsig ist, es nicht zuzugeben, dass die Installation von Schneider als Cheftrainer eine Fehlentscheidung war, soll er klipp und klar sagen, dass er dessen Weg auch in die zweite Liga zu gehen bereit und der Abstieg einkalkuliert ist. Wenn nicht, muss jetzt die Reißleine gezogen werden. Mein Wunschtrainer Magath ist ja vom Markt. Die in meinen Augen danach vernünftigste Alternative auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer wäre Mirko Slomka, der jedoch dem Vernehmen nach kurz vor einem Engagement beim HSV steht. Daher müsste schnell gehandelt werden, was ich jedoch stark bezweifle. Von einer heutigen Krisensitzung zwischen Präsident und Aufsichtsrat ist mir leider nichts bekannt, dort müsste nämlich auch die Personalie Bobic diskutiert werden, der wie kein anderer für den rasanten Niedergang des VfB steht. Lässt man Bobic weiter wursteln, sehe ich keine Aussicht auf Besserung. Unter ihm würde der Nachfolger für Schneider wohl Krassimir Balakow heißen, der bereits grandios mit Kaiserslautern im Abstiegskampf gescheitert ist. Vielleicht hätte er auch einen anderen Spezi aus früheren Zeiten im Köcher, Anforderungsprofil, wie bei Labbadia und Schneider, Anforderungsprofil: pflegeleicht und wenig aufmüpfig. Eine konstruktive Streitkultur jedenfalls ist, wie im gesamten Verein zu beklagen, unerwünscht.
In dieser Situation trauere ich einem starken Präsidenten wie Gerhard Mayer-Vorfelder nach. Dieser stellte sich wenigstens, wenn ihm das Auftreten der Mannschaft und/ oder die Ergebnisse nicht gefallen haben, den Pressevertretern und haute dazwischen, wenn er es für notwendig hielt. Heute aber scheut sich jeder, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, auch wenn es nur dazu dienen sollte, wachzurütteln. Jeder hat sofort Angst, dass die Mimosen auf Managerposten, Trainerbank oder auf dem Platz bei einem Anflug von Kritki den Kopf in den Sand stecken oder sich vor den nächsten Zug werfen könnten. Kritik wird sowohl vom Trainer als auch vom Manager weggewischt, Kritiker in den eigenen Reihen wurden nach und nach vom Hof gejagt. In unserem Verein muss sich Grundlegendes ändern, sonst sehe ich wirklich schwarz.
Der Ernst der Lage wird verkannt, das Wort Abstiegskampf gemieden wie der Teufel das Weihwasser. Stattdessen möchten sie ihren eigenen Weg weitergehen und sich nicht den Automatismen der Branche unterwerfen.
Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht auch nach Kontinuität sehnen würde. Nur, was bringt diese Kontinuität, wenn der Karren unweigerlich an die Wand gefahren wird? Dann doch lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Es müssen neue Impulse von außen her, Verantwortungsträger, die nicht von Anfang an verbrannt sind und die aus der Zweckgemeinschaft auf dem Rasen in kurzer Zeit eine Mannschaft formen können, die wenigstens für 90 Minuten alle Zwistigkeiten vergisst.
Das Ausmaß des Horrorszenarios Abstieg in die zweite Liga kann finanziell nicht abgeschätzt werden. Es könnte uns durchaus blühen, noch weiter nach unten durchgereicht zu werden, wenn uns finanzielle Klötze am Bein (Stadion, Nachwuchszentrum,…) die Luft zum atmen nehmen. Das einzig Positive wäre, dass von den derzeitigen Spielern wohl so gut wie keiner mehr übrig bleiben würde. Dennoch muss alles erdenklich Mögliche getan werden, um den Abstieg noch abzuwenden.
An Mayer-Vorfelders Zeit lassen ja viele kein gutes Haar mehr. Ich sehe es anders. Unbestritten hat er zwar zum Ende seiner Amtszeit einen mächtigen Schuldenberg angehäuft und fragwürdige Entscheidungen zu verantworten gehabt, wie die Löw-Entlassung und darauf folgende Schäfer-Verpflichtung oder auch den Balakow-Rentenvertrag. Auf der anderen Seite verstand er es immer wieder Top-Spieler, wie Sammer, Dunga, Elber uvam. zum VfB zu lotsen und dem Verein ein Gesicht zu geben. Auch sein (sportpolitischer) Einfluss bei DFB und FIFA waren nicht zu unterschätzen. Der VfB war in aller Munde und hatte eine Identität, heute sind wir zum Gespött und zu einer grauen Maus verkommen und würden der Bundesliga wohl nicht einmal besonders fehlen, wenn wir nicht mehr dabei wären.
Mit Bobic haben wir es nicht minder mit alljährlich zu vermeldenden Verlusten zu tun, diese aber zum Großteil schlechtem Wirtschaften und eklatanten Managementfehlern geschuldet. Für diese Defizite hat Bobic eine bemerkenswerte Gurkentruppe zusammengestellt, mit der sich kaum mehr jemand identifizieren kann.
Anstatt Spieler, mit denen man bezüglich einer Vertragsverlängerung nicht zusammen kommt, zu verkaufen, so lang es noch eine Ablösesumme für sie zu erzielen gibt, hält man sie und lässt sie später dann ablösefrei ziehen. Dadurch bleibt dann eben nur noch so viel Geld übrig, um sich auf der Ersatzbank von Hannover 96 zu bedienen, anstatt Spieler zu holen, die die Qualität im Kader anheben.
Seit Jahren werden wir von einem Jahr aufs nächste vertröstet, dabei wird es immer schlimmer anstatt besser. Hoffte man nach dem fertiggestellten „neuen Stadion“ noch darauf, dieses zu einer Festung werden zu lassen, freut sich heutzutage nur noch der Gegner, dort antreten zu dürfen. Auch der kommende, Hertha BSC, wird sich sicherlich jetzt schon die Hände reiben, ist es doch nirgends so einfach, die Punkte zu entführen. Dass das Publikum dieser Vorstellungen überdrüssig ist, ist für mich nachvollziehbar. Ich pfeife zwar meine Mannschaft nicht aus, aber, mein Murren wird trotzdem von Mal zu Mal lauter, weil die Vorstellungen einfach an Erbärmlichkeit kaum zu überbieten sind. Was wir Woche für Woche angeboten bekommen, hat doch mit dem an und für sich so schönen Sport Fußball wenig zu tun. Unsere Mannschaft, die keine ist, strahlt zudem nicht den unbedingten Willen und die Freude am Sport aus, was sich auf die Ränge übertragen könnte. Eher im Gegenteil, Trägheit, Schwermut, Einfallslosigkeit, Hoffnungslosigkeit ist zu erkennen und das spiegelt sich auch auf der Tribüne wider. Der Funke springt sozusagen über, jedoch leider nicht der, den man sich wünschen würde.
Wer diese Darbietungen nicht goutiert und Kritik äußert, wird als mitverantwortlich für die allgemeine Nervosität gemacht (Schneider), als „Stuttgarter Fans, die nie zufrieden sind“ (Traore) oder als Erfolgsfan (Die selbsternannten „Gut-Fans“ in der Facebook-und Forengemeinde) tituliert.
Gerade die Erfolgsfan-Debatte geht mir dermaßen gegen den Strich, so dass ich es müßig bin, mich in solche nicht zielführenden Diskussionen überhaupt einzumischen. Wer sich diese Auftritte Woche für Woche noch antut, kann kein Erfolgsfan sein, was bitte hat das mit Erfolg zu tun. Wenn damit aber gemeint ist, dass man keine Kritik zu äußern hat und alles klaglos hinnehmen soll, sehenden Auges mit dem VfB den Abgrund hinabstürzen soll, diejenigen verkennen das Privileg der freien Meinungsäußerung in einem freien Land. Es gehört einfach dazu, im Schwabenland vielleicht noch mehr als in anderen Teilen der Republik, dass man bruddelt, wenn es was zu bruddeln gibt. Das haben die Spieler hier schon vor 30 oder 40 Jahren ausgehalten, auch zu Zeiten, in denen die Herren Vertragsfußballer nebenher noch Berufen nachgegangen sind. Trotzdem bildeten Mannschaft und Fans eine Einheit und wir hatten Kerle auf dem Platz, die unter einer misslichen Situation litten wie der Fan in der Kurve.
Heute aber leben die Spieler in Saus und Braus und haben keinen Bezug mehr zu den Sorgen und Nöten eines Normalbürgers geschweige denn des Fans auf der Tribüne oder des Ultras, der immer dabei ist. Für die Herren Profis sind wir doch arme Irre oder um es mit Armin Vehs Aussage von Sevilla zu sagen: „dann wärd ihr halt daheim geblieben“.
Es hat für mich den Anschein, dass Schneider von den Herren Profis nicht für voll genommen wird. Wie schon letzte Woche geschrieben, hat es Schneider bereits zu Beginn seiner Trainertätigkeit versäumt, Exempel zu statuieren und sich seine Autorität zu erarbeiten. Wenn er jetzt den Zeitpunkt als gekommen erachtet, Maßnahmen ergreifen zu müssen, wirken diese wie purer Aktionismus oder das berühmte Pfeifen im Walde. Beispiel gefällig: erst verbannt er Niedermeier und Harnik gegen Augsburg auf die Tribüne, um sie in Sinsheim wieder von Beginn an zu bringen. Nach klarer Linie sieht das nicht aus, auch wenn es für gestern eine nachvollziehbare Maßnahme war. Leider verpuffte sie genauso wie diese, Boka wieder in der Startelf zu bringen. Allesamt waren grottenschlecht, einzig der 17-jährige Timo Werner kämpfte und stemmte sich gegen die Niederlage!
Meiner Meinung nach hilft nur noch ein kompletter Umbruch, ein neuer Impuls auf Trainer- UND Managerposten, um zu versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Man darf sich nicht davon blenden lassen, dass es immer noch Mannschaften gibt, die hinter uns in der Tabelle platziert sind. 19 Punkte nach 21 Spielen sind eine verheerende Bilanz, so schlecht stand der VfB nur 2011/2012 da, als wir nach miserabler Vorrunde zu diesem Zeitpunkt schon sieben Zähler in der Rückrunde holten und in der Abstiegssaison 1974/75, als es eben nicht reichte. Schlechter als heute standen wir zum gleichen Zeitpunkt noch nie da! Acht Niederlagen aus den letzten neun Spielen stimmen höchst bedenklich. Die bereits im November begonnene Niederlagenserie konnte auch durch das gechillte Trainingslager im fernen Südafrika nicht durchbrochen werden. Ob dort trainiert wurde oder nur touristische Aktivitäten unternommen wurden, weiß ich nicht. Eine spielerische Steigerung zur Vorrunde, ein aufgrund teambildender Aktivitäten in der Winterpause verbesserter Teamspirit, ein Gerüst der Mannschaft, eine gewachsene und von allen akzeptierte Hierarchie, eine bessere körperliche Fitness, nichts ist zu erkennen, was in Südafrika trainiert wurde.
Eine nach seinen Vorstellungen durchgezogene Vorbereitung gestehe ich jedem Trainer zu, bevor ich mir erlaube, ein Urteil über ihn zu bilden. Diese hatte Schneider jetzt, außer Spesen nichts gewesen muss man da leider konstatieren, zumal die Auftritte immer schlechter anstatt besser werden.
Auch einen Tag nach dem Debakel in Sinsheim erkenne ich kein Licht am Ende des Tunnels, keinen Hoffnungsschimmer, dass es gegen Hertha besser werden könnte. Ich befürchte, der VfB verkennt noch immer den Ernst der Lage, verkennt auch, dass die Gegner, die wir schlagen müssen, in den nächsten Wochen auf uns warten und dass es einfach tödlich wäre, mit einer eventuellen Veränderung zu lang zu warten. In den letzten fünf Saisonspielen mit Spielen gegen Wolfsburg und Schalke sowie in Hannover und in München lässt sich die Wende sicher nicht mehr herbeiführen. Daher wäre es jetzt das Schlechteste weiter zu zögern und das Unvermeidliche hinauszuschieben, wie man es schon mit Labbadia tat. Für mich nach wie vor DER Grund für den Niedergang, die nicht erfolgte Trennung von Labbadia nach dem Pokalfinale.

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11. Februar 2014

„Wir befinden uns in einer schwierigen Phase“

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , – Franky @ 22:07

So, die Wahrnehmung unseres Managers Fredi Bobic. Nach der siebten Niederlage in den letzten achten Spielen könnte man auch formulieren „wir stehen am Abgrund“.

Ein 1:4 zuhause gegen den Emporkömmling FC Augsburg gleicht einem sportlichen Offenbarungseid nach dem Motto „schlimmer geht’s nimmer“. Spätestens seit diesem Begräbnis erster Klasse vor immer noch 40.000 Zuschauern befinden wir uns in akuter Abstiegsgefahr. Phantasten, die den knappen Niederlagen zuletzt noch viel positives abgewannen, mussten sich nun eines Besseren belehren lassen. Unterm Strich stehen eben null Punkte aus vier Spielen nach der Winterpause.

Hatte man gegen Mainz, die Bayern und in Leverkusen stets geführt und die möglichen Punkte in den letzten Minuten verschenkt, fiel die Mannschaft gegen Augsburg sprichwörtlich in sich zusammen.

Es wurde einmal mehr deutlich, dass in dieser Zweckgemeinschaft wenig bis überhaupt nichts stimmt. Wir haben kein Team, keine Automatismen, keine Führungsspieler und einen jungen Trainer, den erfahrene Spieler wie Vedad Ibisevic partout nicht bereit sind zu akzeptieren, wie hinter vorgehaltener Hand zu erfahren ist.

Weshalb ihn Schneider deswegen nicht einfach links liegen gelassen hat, ihn sogar zum Vize-Kapitän ernannt hat, begreife ich nicht. Mutmaßlich hat diese Maßnahme mit Pragmatismus zu tun und Schneiders Hoffnung, Ibisevic wäre zu wertvoll für den VfB, als ihn auf der Tribüne versauern lassen zu können. Das Gerangel mit Georg Niedermeier unter der Woche „gewann“ Ibisevic jedenfalls. Während er das Team gegen Augsburg als Kapitän auf den Platz führte, wurde Niedermeier auf die Tribüne verbannt.

Ein junger Trainer kann es eigentlich nicht hinnehmen, wenn einzelne Spieler Stimmung gegen ihn machen, darüber schimpfen, Schneider wäre allenfalls ein Jugendtrainer und dazu noch ob des Hypes um Timo Werner eifersüchtig sind. Schneider hätte sich an dieser Stelle Respekt verschaffen können, wenn er an der Person Ibisevic ein Exempel statuiert und ihn auf die Tribüne verbannt hätte. Das wäre eigentlich eine logische Reaktion gewesen, da Schneider beim VfB eine gewaltige Chance bekommt, zu beweisen, dass er mehr ist als „nur“  Jugendtrainer und ob er das Zeug zum Bundesligatrainer hat.

Natürlich hätte Schneider die Öffentlichkeit über die Gründe informieren müssen, um für eine solche Maßnahme Verständnis zu ernten und nicht gleich als der Totengräber des VfB hingestellt zu werden. Natürlich wäre eine solche Sanktion beim ersten hinschauen gefährlich und unpopulär, aber, ein Trainer der gerecht und konsequent sein möchte, dessen Selbstverständnis es ist, alle gleich zu behandeln und vor „ großen Namen“ nicht halt zu machen, kann durch ein solches Exempel an Autorität und Respekt gewinnen oder eben auch verlieren, wenn er sich von einzelnen auf der Nase herumtanzen und damit seine Autorität untergraben lässt.

Sportlich ist Ibisevic schon lange nicht mehr unersetzlich. Er reibt sich zwar in unzähligen Zweikämpfen auf, oft jedoch mit unlauteren, unfairen Mitteln. Er wirkt unzufrieden und scheint seinen Wechsel nach Florenz (das an ihm interessiert gewesen sein soll) provozieren zu wollen, wie er es einst in Hoffenheim zum Schluss auch schon gemacht hat.

Ob Schneider jemand ist, der bewusst ein vergiftetes Betriebsklima in Kauf nehmen würde, in der Hoffnung, der Spieler könnte ihm den Allerwertesten retten, oder er aufgrund einer Direktive von oben unseren teuersten Balltreter in der Stammmannschaft beließ, kann ich nicht beurteilen. Fußball ist aber immer noch ein Mannschaftssport. Daher sollte auch eine Mannschaft spielen, die zusammen am besten funktioniert und die sich gegenseitig hilft, es müssen nicht immer die vermeintlich besten, wenn  egozentrischen Spieler, sein. Außer Ibisevic würde bei mir auch Traore keine Rolle mehr spielen, der es anscheinend offen zugibt, mit dem VfB abgeschlossen zu haben. Solche Strömungen sollte ein Trainerteam eigentlich erkennen, ernst nehmen und diesen entgegen wirken.

In der Woche vor dem Augsburg-Spiel war Feuer drin bei den Trainingsspielchen. Niedermeier und Ibisevic gerieten ebenso aneinander wie Harnik und Leitner. Dies wurde zunächst noch als positives Zeichen gewertet, weil Leben in der Mannschaft sei. Ob Niedermeier und Harnik deshalb auf der Tribüne Platz nehmen mussten oder aus Leistungsgründen weiß ich nicht, es sah jedenfalls schwer danach aus, dass diese beiden als Verlierer der Hahnenkämpfe hingestellt wurden, da ja Leitner und Ibisevic gegen Augsburg auflaufen durften.

Dass aber während des Augsburg-Spiels auch noch (in aller Öffentlichkeit) Ulreich und Leitner wegen der Ausführung eines Abstoßes wie kleine Kinder stritten und Ibisevic seinem Gegenspieler eine verpasste, stufte sogar Bobic als „gefährliche Tendenzen“ ein!

Als Dank für seine Berufung zum Ersatzkapitän und seine fortwährende Stammplatzgarantie  hatte Ibisevic, fernab des Spielgeschehens beim Stande von 0:2, nichts Besseres zu tun, als seinem Gegenspieler Callsen-Bracker den Arm ins Gesicht zu schlagen. Natürlich wurde  Ibisevic vom Platz gestellt und einen Tag später als Wiederholungstäter vom DFB-Sportgericht zu Recht zu fünf Spielen Sperre verurteilt. Diese Aktion ist eines VfB-Spielers unwürdig und hart zu verurteilen. Angeblich wurde Ibisevic für diese Dummheit vom Verein mit einer Strafe in Höhe von 20.000 Euro belegt, lächerlich, wenn man berücksichtigt, dass dies gerade einmal etwa dem Zehntel seines Monatsgehalts entspricht. Ibisevic hat damit der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen, die spätestens ab diesem Zeitpunkt hoffnungslos unterlegen war gegen eine Augsburger Mannschaft, die einfach derzeit einen Lauf und riesiges Selbstvertrauen hat. Ferner hat Ibisevic dem Image des Vereins geschadet und lässt seine Kollegen in den nächsten Spielen im Abstiegskampf im Stich. Spätestens diese dumme Aktion unterstreicht seinen schlechten Charakter. Schon seit geraumer Zeit fällt er eher durch reklamieren, lamentieren, Schwalben und linke Fouls auf als durch seine frühere Torgefährlichkeit.

Daher gewinne ich der Aktion, mit der sich Ibisevic (hoffentlich) endgültig ins Abseits gestellt hat, positives ab und sehe sie mehr als Chance denn als Risiko. Da Schneider nun nicht mehr die Hände gebunden sind, DEN Top-Verdiener im Team spielen lassen zu müssen, ist jetzt die Chance da, entweder Werner und Abdellaoue die Doppelspitze bilden zu lassen oder auch Werner als alleinigen Stürmer einzusetzen. Auch Cacau wird wieder zu mehr Einsatzzeiten kommen, worüber ich mich für ihn freue und auch hoffe, dass er es nochmal allen zeigen kann. Eines jedoch wird man Cacau nicht absprechen können, den bedingungslosen Willen mit voran zu gehen und den Abstieg seines VfB zu verhindern.

Wir benötigen ein Team, eine Einheit, um noch die Kurve zu kriegen. Dazu bedarf es auch einiger älterer Stützen, echten Führungsspielern, die wir leider kaum (noch) haben. Unsere sind entweder weg (Molinaro, Kvist), verletzt (Gentner), formschwach (Ulreich), formschwach und mundtot gemacht (Niedermeier, Harnik), lange verletzt (Cacau) oder noch nicht lang genug da (Schwaab, Haggui), um in der nicht vorhandenen Hierarchie ihren Platz und ausreichendes Gehör zu finden.

Schneider wäre gut beraten, den einen oder anderen dieser Spieler zu stärken und ein Gerüst zu schaffen, an dem sich die jungen aufrichten können. Was Georg Niedermeier verbrochen haben soll, darüber rätsele wohl nicht nur ich. Auch er hatte mit Verletzungen zu kämpfen, auch er brachte zuletzt nicht die Leistungen, die man lange von ihm gewohnt war. Dennoch könnte er in der jetzigen Situation der Abwehr mehr Stabilität verleihen, als es Antonio Rüdiger zuletzt tat. Klar ist es richtig und wichtig für den VfB am eingeschlagenen Jugendstil festzuhalten, jedoch nicht auf Teufel komm raus, wenn der eine oder andere Spieler mental dieser eingefahrenen und gefährlichen Situation nicht gewachsen zu sein scheint.

Thomas Schneider ist in diesem Konstrukt derzeit die ärmste Sau. Er muss jetzt die Suppe auslöffeln, die ihm Fredi Bobic mit seiner Transferpolitik der letzten Jahre und dem Umstand, mit Labbadia in diese Saison gegangen zu sein, eingebrockt hat. Ob es Schneider mit seinem Trainerteam (Maric und Higl, den Veh sicherlich nicht ohne Grund als seinen Co-Trainer abserviert hat) und ohne Erfahrung im Profi-Bereich schafft, aus dieser misslichen Lage heraus zu kommen, ich weiß es nicht und hege nach dem Augsburg-Spiel große Zweifel. Kleinigkeiten im Spiel genügen schon von der eingeschlagenen Linie abzuweichen und ins Chaos abzudriften. 41 Gegentore in 20 Spielen sprechen eine deutliche Sprache, wo der Schuh drückt.

Schneider muss es also jetzt in kürzester Zeit schaffen, die Defensive zu stärken, notfalls mit einem neuerlichen Systemwechsel. Es müssen in den verbleibenden 14 Spielen von Spiel zu Spiel Fortschritte erkennbar sein, um den Abstand zu den Abstiegsplätzen zu halten bzw. zu vergrößern.

Ich stehe ja dazu, dass auch ich „Bruno raus“ gerufen habe, das heißt aber nicht im Umkehrschluss, dass ich mit dieser vom Verein präsentierten Lösung einverstanden sein muss. Der große Fehler von Fredi Bobic war, überhaupt mit Labbadia in diese Saison gegangen zu sein. Schneider muss jetzt dieses Dilemma verwalten und das Beste draus machen.

Sollte es auf Schneiders und nicht auf Bobic‘ Miste gewachsen sein, trotz negativer Stimmungsmache auf Ibisevic gesetzt zu haben besitzt er (zu) wenig Menschenkenntnis und unterschätzt die negativen  Strömungen in (s)einem Team. Sollten weitere blutleere Auftritte wie der gegen Augsburg folgen ist wohl auch Schneider nicht mehr lang zu halten.

Welche Lösung in diesem Worst-Case-Szenario präsentiert werden würde, darüber kann man nur spekulieren. Ich bin der Meinung, dass es einen harten Hund bräuchte, der den Spielern wie in früheren Zeiten hinterher telefoniert, ob sie um 23 Uhr zuhause sind und im Bett liegen, der nach missratenen Auftritten noch zum Lauf um den Bärensee bittet oder eine Nachteinheit ansetzt. Klingt nach Kindergarten, ist aber meine Meinung, dass die Mannschaft jemanden braucht, der ihnen die Richtung, in allen Bereichen des Lebens, vorgibt und sie auch kontrolliert. Mir sind in dieser Truppe, sicher dem Jugendstil geschuldet, zu viele „Partypeople“, die den notwendigen Ernst und eine profihafte Einstellung vermissen lassen. Würden sie ihr Können auf den Platz bringen und sich über volle 90 Minuten konzentrieren, wäre all das sicherlich kein Thema, in Zeiten des permanenten Misserfolgs aber, wenn es um die Existenz des Vereins und die Arbeitsplätze seiner Angestellten geht, halte ich es durchaus für legitim, von Profis erwarten zu dürfen, dass sie sich gesund ernähren, nachts nicht um die Häuser ziehen und morgens erholt und ausgeschlafen beim Training erscheinen.

Wenn man, auch nach Niederlagen, die Bilder sieht, die einige Spieler in den sozialen Netzwerken posten, hat man nicht unbedingt den Eindruck, dass eine Niederlage den Jungs den Abend so vermiesen könnte wie mir.

In dieser Woche wurde erstmals der eigentlich freie Tag gestrichen, was sicherlich als Zeichen zu werten ist, dass die Zügel angezogen werden.

Sollte Schneider je scheitern, würde ich es Magath in Doppelfunktion als Trainager zutrauen, wieder flott zu bekommen. Die Frage nach der Nachhaltigkeit stelle ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht. Derzeit ist es nur wichtig, den Abstieg zu vermeiden, da dieser in einer finanziellen Katastrophe münden würde, die kaum kalkulierbar wäre.

Beim VfB sind derzeit allerdings noch keine Anstalten erkennbar, sich mit möglichen Veränderungen zu befassen. Einerseits lässt es sich so natürlich in Ruhe weiter wursteln, auf der anderen Seite sehe ich, trotz erst drei gespielter Rückrundenpartien, langsam aber sicher die Felle davon schwimmen. Die Punkte für den Klassenerhalt müssen in den nächsten Wochen gegen Gegner eingefahren müssen, die sich mit uns vermeintlich auf Augenhöhe befinden. Wartet man zu lang, um noch einmal neue Reize zu setzen, könnte es schon zu spät sein, wenn man unser Schlussprogramm betrachtet.

Da aber der VfB keine Notwendigkeit sieht und da Magath aller Voraussicht nach zu seiner  alten Liebe HSV geht dürfte das Thema in den nächsten Tagen sowieso vom Tisch sein. Mir würde auch „einer wie Magath“ reichen, außer dem Original fällt mir spontan jedoch keiner ein. Natürlich habe ich Magaths unrühmlichen Abgang noch in schlechter Erinnerung, dennoch, getreu dem Motto „die Zeit heilt alle Wunden“ hätte ich nichts gegen eine zweite Amtszeit. Einfach, weil er einer ist, der viel von seinen Spielern verlangt, der so wunderbare Sätze wie „Qualität kommt von Qual“ geprägt hat. Wer dann wen schaffen würde, weiß man natürlich im Voraus nicht, langweilig würde es jedenfalls nicht werden. Ich fände es bedauerlich, wenn er denn zum HSV gehen würde und somit eine interessante Option für den VfB wegfallen würde. Außerdem stünde zu befürchten, dass er dem HSV neues Leben einhauchen und ihn von den Abstiegsplätzen weg führen würde.

Um das unwahrscheinliche Szenario noch weiter zu spinnen: Könnte man Magath zu einem Engagement überreden, dann sicherlich nur als Trainer und Manager in Personalunion. Folgerichtig müsste dann das Gesicht des Sturzes in die sportliche und emotionale Bedeutungslosigkeit, Fredi Bobic, seinen Hut nehmen. So sehr ich ihn als Spieler mochte, mich freute, als er Sportdirektor wurde, muss ich nun resümieren, dass er auf so ziemlich allen Ebenen versagt hat. Seit einer seiner ersten Amtshandlungen, seit der Entlassung von Christian Gross, ging es kontinuierlich bergab. Dies nicht nur tabellarisch, auch die Spielweise, die Außendarstellung, die Transfers, der Zuschauerzuspruch, die Stimmung rund um den VfB. Nichts ist mehr wie es früher war. Die zahlende Kundschaft ist das ständige Vertrösten, Schönreden und das gebetsmühlenartige Bitten um Geduld Leid. Natürlich hatte Bobic die Herkulesaufgabe die Personalkosten um insgesamt 20 Millionen Euro pro Jahr zu drücken, was anfangs auch ganz gut gelang. In den letzten Jahren aber wurde es versäumt, Verträge rechtzeitig zu verlängern oder die  Spieler rechtzeitig zu verkaufen, um Ablösesummen zu generieren. Im Gegenteil, es wurden Verträge aufgelöst und noch Abfindungen bezahlt, damit man Spieler von der Gehaltsliste streichen konnte. Auch die völlig unnötige Vertragsverlängerung und spätere Entlassung von Labbadia hat viel Geld gekostet, das an anderen Stellen wieder fehlt. So klingen für mich die (voraussichtlich) weiteren fünf Millionen Euro Verlust aus dem letzten Geschäftsjahr wie blanker Hohn, wenn man sieht, an welchen Stellen einfach miserabel gewirtschaftet wurde.

Bobic fleht das Umfeld an, die Ansprüche herunter zu schrauben anstatt für eine Aufbruchsstimmung zu sorgen und den Leuten zu vermitteln, dass beim VfB etwas voran geht. Es werden grottenschlechte Darbietungen schöngeredet und kein Verständnis für die Fans gezeigt, die damit nicht zufrieden sind. Spiele sollen am besten nicht mehr nach der vollen Spiellänge beurteilt werden, sondern einzelne Phasen getrennt beurteilt werden, um dann festzustellen, dass es im Spiel auch zehn Minuten gab, in denen wir uns nur nicht belohnt haben. Mir fehlt bei ihm, dass er mal auf den Tisch haut und Klartext spricht. Da er das nicht tut, fühlen sich die Leute verarscht und für dumm verkauft. Kritik aber prallt an Bobic stets ab, er macht einfach sein Ding, und führt den VfB somit an den Abgrund und in die sportliche Bedeutungslosigkeit. So blockte er auch letzten Sonntag wieder Fragen nach dem Sportdirektor arrogant mit „Es geht nicht um mich“ ab. Ich sehe dies, seit einiger Zeit schon, anders!

Selbst vor drei Jahren hatte ich keine so großen Befürchtungen wie heute, dass es nach 1975 zum zweiten Mal in die zweite Liga gehen könnte. Damals hatten wir noch mehr Kämpfer und mehr Qualität in der Truppe und vor allem auch einen besseren Teamgeist. Heute fällt es mir schwer, an eine Wende zum Guten in den verbleibenden 14 Spielen zu glauben. Ich tue mich jedoch auch schwer damit, Schneider zu hart zu kritisieren, weil er wenig für diese Situation kann. Man kann natürlich über das festhalten an formschwachen Spielern diskutieren oder über seine Einwechslungen, die nicht immer glücklich ausfielen und bisher stets ihr Ziel verfehlten. Insgesamt aber fehlt es an der Qualität und die hat Bobic zu verantworten.

Wie er aber in der Öffentlichkeit rüber kommt, wie seine Körpersprache auf der Trainerbank ist, das ist sein Naturell und würde blöd aussehen, wenn er sich in dieser Hinsicht verstellen würde. Das ist das eine, das andere ist natürlich, wie ihn die Mannschaft sieht und ob alle bereit sind für ihn durch dick und dünn zu gehen. Da habe ich meine Zweifel und befürchte, dass schon einiges Porzellan zerschlagen ist, weil es eben von Beginn an nicht nur gerecht zuging.

Hier ist die sportliche Leitung gefragt, genau hin zu schauen und notfalls zum zweiten Mal in dieser Saison den Trainer zu wechseln. Es wäre zwar traurig, wenn sich der nächste Trainer an diesem verwöhnten Sauhaufen die Zähne ausbeißen würde, aber, man kennt nun mal die Floskel mit dem schwächsten Glied in der Kette. Vielleicht würde es Schneider ja auch helfen, ihm eine graue Eminenz zur Seite zu stellen, wie es einst Lattek für Sammer war. Ein solcher Mentor, der diesen Part übernehmen könnte, fällt mir leider nicht ein, zumindest keiner, der den VfB kennt und sofort von allen anerkannt werden würde.

Was bleibt ist die Hoffnung auf das nächste Spiel, die Hoffnung auf einen Auswärtssieg in Sinsheim. Hoffenheim steht für eine starke Offensive, jedoch auch eine schwache Defensive. Daher auch dort Chance und Risiko zugleich. Schafft es Schneider bis dahin die Abwehr einigermaßen zu stabilisieren, reißt sich jeder am Riemen und konzentriert sich zur Abwechslung mal 90 Minuten am Stück, könnte, man muss es fast schon so sagen, eine Überraschung drin sein. Wenn nicht, gute Nacht VfB. Dann stehen uns in dieser ohnehin schon turbulenten Saison noch ganz schwierige Wochen und möglicherweise neuerliche Wechsel auf Trainer- und/ oder Managerposten bevor. Ich hoffe nicht, dass es so weit kommen wird, sondern darauf, dass wir in Sinsheim einfach mal wieder gewinnen!

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