13. Juli 2019

Vertrauensfrage(n)

Am 14.07.2019 steht die ordentliche Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart e. V. an. Große Brisanz erfährt diese nicht nur durch den sportlichen Super-GAU, dem erneuten Abstieg in die 2. Liga, sondern vor allem dadurch, dass es etliche Anträge zur Abwahl von Präsident Wolfgang Dietrich gehagelt hat, und einer davon stellvertretend auf die Tagesordnung aufgenommen wurde.

Fast alle meiner Blogger-Kollegen und die Ultras vom Schwabensturm haben in den letzten Tagen und Wochen sehr fundierte und gut recherchierte Beiträge online gestellt, so dass es mir die Mühe erspart, auf alles einzugehen, was diesen Präsidenten für mich untragbar macht.

Sommerpause ist eben nicht gleich Sommerpause. Ich war im Trainingslager in Kitzbühel und habe bis auf das Spiel gegen YB in Fügen sämtliche Vorbereitungsspiele „mitgemacht“. Heute beispielsweise steht binnen einer Woche die dritte Fahrt in die Schweiz an, so dass mir zum Schreiben derzeit die Zeit fehlt.

Dennoch brennt mir dieses Thema derart unter den Nägeln, dass ich versuche, kurz vor der MV, ein paar Zeilen zu Papier zu bringen.

Nach all den Beiträgen der vergangenen Wochen, in denen Argumente gesammelt wurden, die gegen einen Verbleib von Dietrich im Amt des VfB-Präsidenten sprechen, könnte ich mich von meinen „Vorrednern“ versuchen abzugrenzen, indem ich Punkte auflistete, die für den ehemaligen S21-Sprecher sprächen. Doch, Fehlanzeige, mir fallen keine ein.

Meine Abneigung gegen Dietrich begann bereits, bevor er überhaupt VfB-Präsident war und steigerte sich kontinuierlich, so dass ich diesen Egozentriker nie als „meinen“ Präsidenten akzeptieren werde, auch sollte er, wovon auszugehen ist, das Votum am Sonntag für sich entscheiden. Dies änderte schließlich nichts an seiner Amtsführung, seinem Verständnis von Wahrheit und Lüge und seinem Umgang mit Gegnern und Kritikern.

Ich habe ein riesengroßes Problem mit Menschen, die sich Ämter unter Vorspiegelung falscher Tatsachen erschleichen. Dann kann ich sie in diesem Amt, egal welche Großtaten sie vollbringen mögen, zu keiner Zeit akzeptieren, einfach weil es ungerecht gegenüber etwaigen Mitbewerbern abgelaufen ist oder, im Falle Dietrichs, der es ohne Gegenkandidat gerade einmal auf 57,2% schaffte, „nur“ den Mitgliedern entscheidende Tatsachen verschwieg. So geht es mir bei Politikern, so auch bei Amtsträgern in meinem Herzensclub.

Dietrich behauptet von sich, DER Präsident zu sein, der am meisten von all seinen Vorgängern zum Dialog mit den Fans bereit sei, wird jedoch im Zwist von Angesicht zu Angesicht pampig und ungehalten, wenn man hinterfragt, weil man sich mit seinen vorgefertigten Rechtfertigungen nicht zufrieden gibt.

Auf von VfB-Seite gesteuerten Veranstaltungen, wie neulich VfB im Dialog, werden kritische Fragen entweder ausgespart oder bei unvollständigen „Antworten“ nicht nachgebohrt, so dass er solchen Show-Veranstaltungen gelassen entgegen blicken kann.

Vor Dietrichs Wahl zum VfB-Präsidenten wurde uns Mitgliedern erzählt, es bestünden überhaupt keine Interessenskonflikte zwischen Dietrichs Vergangenheit bei Quattrex und seiner möglichen Tätigkeit als VfB-Präsident. Die damaligen Liga-Konkurrenten 1. FC Heidenheim, 1. FC Kaiserslautern und der 1. FC Union Berlin wurden von Quattrex unterstützt, so dass eine gewisse Brisanz nicht wegzudiskutieren war. Den Mitgliedern wurde vorgegaukelt, Dietrich habe sich von allen seinen Beteiligungen getrennt und beziehe keinerlei Einkünfte mehr von Quattrex, womit bewiesen sei, dass Dietrich keinen Profit oder Schaden aus Erfolg oder Misserfolg der unterstützten Vereine ziehen würde und die DFL für sein Engagement als VfB-Präsident grünes Licht gegeben hätte.

Unter diesen Annahmen wurde Dietrich (äußerst knapp) zum VfB-Präsidenten „gewählt“. Nun, im April 2019, gut zweieinhalb Jahre nach seiner „Wahl“, erschien ein hervorragend recherchierter Artikel von Benni Hofmann im Kicker, der belegt, dass Dietrich noch viel länger an Erfolgen, bspw. unseres Relegationsgegners Union Berlin, partizipierte als angegeben und bei Erscheinen des Artikels noch alleiniger Gesellschafter der VMM Consulting GmbH war, die exakt 50% der Quattrex Finance GmbH hielt.

So hat man mittlerweile zwar tausend Mal von ihm gehört, dass DFL und sämtliche Gremien bezüglich seiner Verstrickungen im Quattrex-Imperium vollumfänglich informiert gewesen seien, weshalb man den Mitgliedern jedoch vor seiner Wahl schlicht verschwiegen hat, dass er noch einige Zeit an Erfolgen damaliger Liga-Konkurrenten partizipiert hat und Anteile an Quattrex-Töchtern hielt (oder noch hält), darauf ging Dietrich nie ein.

Schaut man genauer hin, könnte man dies (aus Sicht von Aufsichtsrat und Dietrich) als Notlüge betrachten, denn, unter Berücksichtigung dieser Tatsachen verstieß die Berufung Dietrich zum VfB-Präsidenten gegen die eigene Vereinssatzung, in der es unter §12, Absatz 7 heißt

„7. Mitarbeiter oder Mitglieder von Organen von Unternehmen, die zu mehreren Vereinen oder Tochtergesellschaften der Lizenzligen bzw. deren Muttervereinen oder mit diesen Vereinen oder Gesellschaften verbundenen Unternehmen in wirtschaftlich erheblichem Umfang in vertraglichen Beziehungen im Bereich der Vermarktung, einschließlich des Sponsorings, oder des Spielbetriebs stehen, dürfen nicht Mitglied in Kontroll-, Geschäftsführungs- und Vertretungsorganen des Vereines sein, wobei Konzerne und die ihnen angehörigen Unternehmen als ein Unternehmen gelten. Mitglieder von Kontroll-, Geschäftsführungs- und Vertretungsorganen anderer Vereine oder Tochtergesellschaften der Lizenzligen oder eines Muttervereines solcher Tochtergesellschaften dürfen ebenfalls keine Funktionen in Organen des Vereines übernehmen.“

Aufsichtsrat und Dietrich sehen das sicherlich anders, in Zeiten, in denen Lügen als Wahrheitsbeugung benannt und somit verharmlost werden. Zudem wird man bestimmt argumentieren, wie man es so gerne tut, dass das einfache Mitglied die Zusammenhänge ohnehin nicht verstehe und mit solch fachspezifischen Tatsachen nicht überfrachtet werden solle.

So war bereits Dietrichs Wahl auf einem Lügenkonstrukt aufgebaut, am Sonntag besteht die Möglichkeit, mit dem Wissen von heute, diese Entscheidung zu revidieren.

Es folgte die Ausgliederungskampagne, die Baron Münchhausen nicht besser hätte inszenieren können. Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf wurden als Zugpferde ge- und missbraucht, zu einem Zeitpunkt, schenkt man Gunter Barners Artikel vom Juli 2017 Glauben, als längst klar war, dass Schindelmeiser die längste Zeit VfB-Sportvorstand gewesen war. Zwischen dem Erscheinen dieses Artikels und der Entlassung von Jan Schindelmeiser, fragte ich Dietrich direkt, ob man sich um Schindelmeiser Sorgen machen müsse, was er verneinte und womit er mir ins Gesicht gelogen hat. Ich bin zwar nicht so naiv zu glauben, dass mir Offizielle stets die Wahrheit sagen, doch, klügere Köpfe umschiffen solche Fragen dann eben…

Im Donald Trump Style wurden Befürchtungen der Ausgliederungskritiker als Fake-News abgetan, im „Sendung mit der Maus“-Video, mit dem deutlich wurde, welchen Intellekt sie hinter den VfB-Mitgliedern vermuten, wurden Hoffnungen geschürt, die, sich längst als Utopie herausgestellt haben. Weder gelingt es nach der Ausgliederung, Spieler, die Begehrlichkeiten geweckt zu haben, zu halten, noch ist längst keine Rede mehr von regionalen Anteilseignern.

Das einzige, das durch die Ausgliederung „geschafft“ wurde, wie seinerzeit von den Kritikern gewarnt, ist dass es die AG einen feuchten Kehricht schert, was den Fan oder das Mitglied bewegt. Die Musik spielt in der AG, der Aufsichtsrat ist am Sonntag völlig außen vor.

Dennoch geht auch diesem offensichtlich der Arsch auf Grundeis, nicht anders ist es zu interpretieren, wenn Daimler-Personalvorstand Porth einen Appell über das Daimler-Intranet an die dort beschäftigten Dunkelroten richtet, doch tunlichst zur MV zu kommen und „richtig“ abzustimmen, damit der VfB mindestens ein weiteres Jahr nach Gutsherrenart weitergeführt werden kann. Damit versucht sich der Anteilseigner an der VfB Stuttgart AG und sein Aufsichtsrat in die Belange des VfB Stuttgart e. V. einzumischen. Gerade Porth, dem „VIP-Logen-Hooligan“, der durch seinen denkwürdigen Auftritt Guido Buchwald aus dem Aufsichtsrat ekelte, stünde es gut, sich zurück zu nehmen und aus Themen herauszuhalten, für die er nicht zuständig ist.

Der VfB selbst richtete einen ähnlichen Aufruf an die Mitarbeiter und Sportler und selbst die Ex-Präsidenten Haas und Staudt ließen sich instrumentalisieren, die Werbetrommel für Dietrich zu rühren. Beide verharmlosen die Situation, indem sie unisono herunter beten, beim VfB sei immer der Präsident schuld, wenn es nicht läuft, Haas sieht die Proteste gar als Retourkutsche für die letztlich erfolgreiche Ausgliederung.

Damit stößt er die Ewig-Gestrigen-Debatte wieder an, von der ich mich schon bei der Ausgliederung, trotz aller Kritik, distanziert habe. Man kritisierte ja nicht die Ausgliederung an sich, sondern die gewählte Gesellschaftsform mit der Möglichkeit der geringsten Einflussnahme als Mitglied und präsentierte als einzigen Investor den ohnehin fest beim VfB verwurzelten Daimler.
Für mich wirkte die 41,5-Millionen-Finanzspritze schon damals wie ein Zuckerle, mit dem die Mitglieder geködert werden sollten, was sich je mehr bewahrheitet, je länger sich die Suche nach einem weiteren Investor hinzieht.

In ein ähnliches Horn blies dieser Tage mal wieder Gunter Barner, der die ganze Kurve diffamiert und kriminalisiert, es würde nicht verwundern im Auftrag Dietrichs und seiner Schergen, offensichtlich das Ziel hegt, die Mitgliederschaft noch mehr zu spalten als sie es ohnehin schon ist.
Richtig Sinn ergibt dieses Vorpreschen von Barner jetzt, nachdem bekannt wurde, dass die Polizei gegen Fans ermittle. Wegen einiger Banner, Plakaten und angeblicher Morddrohungen. Da scheint man von Vereinsseite aus Barner mal wieder mit Vorabinformationen versorgt zu haben, um das schwierige Umfeld schon einmal vorzuwarnen. Ob die Ermittlungen sich konkretisieren oder im Sande verlaufen ist bei einem Anfangsverdacht noch völlig unklar, sicher ist, dass diese Meldung ihre Wirkung nicht verfehlt und sich der Normalo-Fan überlegen soll, ob er sich nicht doch besser von den Ultras und Hardcore-Dietrich-Kritikern distanziert. Damit hat sich der Verein einmal mehr der Macht der Medien für seine Zwecke bedient, ob dieser Methoden würde wohl selbst Donald Trump vor Neid erblassen.

Das aufgestempelte „Spalter“-Banner ist seit Jahren bei jedem VfB-Spiel zu sehen. Nie scheint es beim Einlass ins Stadion wegen eines angeblichen Fadenkreuzes Probleme gegeben zu haben. Erst seit Dietrich bei „VfB im Dialog“ meinte, dort ein Fadenkreuz zu erkennen, ist dieses Thema überhaupt erst diskutabel. Auch das „Tieferlegen“-Plakat, welches ganz klar eine Anspielung auf Stuttgart 21 darstellt, sehe ich jetzt nicht als geeignet an, eine Morddrohung heraus zu interpretieren.

Doch, hier schlüpft Dietrich eben in seine liebste, die Opferrolle, hinein. Schließlich ist ihm jedes Mittel recht, was Stimmen bringt, geht es doch schon lang nicht mehr um den VfB sondern rein um den Machterhalt. Meine Abscheu über solche Menschen kann ich kaum in Worte fassen.

Selbstverständlich ist klar, sollte es eindeutige Morddrohungen gegeben haben, dass diese aufs schärfste zu verurteilen wären.

Das bezweifle ich jedoch zu Zeiten des Anfangsverdachts stark, geht es momentan doch in erster Linie darum, das Stimmvieh auf Linie zu trimmen. Wenn die Ermittlungen in ein paar Monaten möglicherweise ins Leere gelaufen sind, ist das noch eine Randnotiz in den Medien wert und Dietrich grinst sich einen, weil er es geschafft hat, die Mitgliederschaft noch mehr zu spalten.
Verfolgt man Diskussionen auf Facebook & Co. scheint die Strategie auch aufzugehen, gibt es doch auch unter den VfB-Mitgliedern etliche, die nur Überschriften und nicht zwischen den Zeilen lesen, und alles für bare Münze nehmen, was, welch Zufall, zwei Tage vor der Mitgliederversammlung berichtet wird.

Hier die Guten, dort die Bösen. Wie einst, als es vor Dietrichs Wahl einen Antrag gab, den Aufsichtsrat abzusetzen und Martin Schäfer daraufhin unterstellte, manche Leute wollten den Verein in Schutt und Asche legen, sollen auch nun wieder von allen Seiten Ängste geschürt werden, dass ein VfB-Leben nach Dietrich nicht möglich sei.

Stellt sich die Frage, ob derartige Drohungen und Verunglimpfungen auch heute noch die vom Verein gewünschte Wirkung erreichen. Wie schon bei der Ausgliederung wird versucht die breite, mutmaßlich weniger kritische, Masse mit Verzehrgutscheinen, Rabattaktionen und Gewinnspielen zu ködern, damit dieses Stimmvieh den „Krakeelern“ die Stirn bietet.

Wieviele sich tatsächlich mit derartig fragwürdigen Aktionen noch einmal einlullen lassen, steht auf einem anderen Blatt, klingt doch für die meisten die damalige Parole #jazumerfolg (oder auch make VfB great again) mittlerweile wie blanker Hohn.

Lügen und eine miserable Außendarstellung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Zeit, seit Wolfgang Dietrich die VfB-Bühne betrat. Im Einzelnen möchte ich sie und die Auftritte Reschkes nicht mehr thematisieren, da sie im Blog ausführlich nachzulesen sind.

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, wer Wahrheitsbeugung als Normalität abtut, dem schon gleich dreimal nicht.

Dietrich schreibt sich Verpflichtungen gerne selbst auf die Fahne, zumindest so lang Verpflichtungen bejubelt werden und sie funktionieren. Dann waren es seine Beziehungen (bei Reschke zu den Hoeneß-Brüdern) oder jüngst bei Mislintat, mit dem er seit 2017 in Kontakt gestanden haben möchte. Entpuppt sich eine solche Personalentscheidung dann als Fehlentscheidung, verweist er gerne auf die Gremien. Selbstkritik und Selbstreflektion kommen in Dietrichs Denke nicht vor.

Selbst als Dietrich endlich erkannte, dass die Reschke-Verpflichtung im Nachhinein ein Fehler war und dem Rheinländer nach dem 0:3 in Düsseldorf den Laufpass gab, traf er eine weitere folgenschwere Fehlentscheidung.

Reschke musste dem Vernehmen nach nämlich nicht gehen, weil Dietrich eingesehen hatte, dass er eine absolute Fehlbesetzung auf dem Posten des Sportvorstands ist, sondern, weil der nach außen nach Kontinuität strebende Dietrich nicht zulassen wollte, dass Reschke nach Wolf und Korkut auch noch Markus Weinzierl entlässt.

Dabei war es wohl Reschkes einziger lichter Moment während seiner VfB-Zeit, dass er früh in der Rückrunde erkannte, dass es mit Markus Weinzierl als Trainer ungebremst in die 2. Liga gehen würde. Nach alldem, was man von Bekannten und auch Journalisten, die in La Manga dabei waren, hörte, hätte man Weinzierl sogar schon unmittelbar nach dem Trainingslager entlassen müssen.
Somit war Dietrich die Außenwirkung wichtiger als das (unpopuläre) Beseitigen eines großen Problems, was der Kardinalfehler der letzten Saison und letztlich ausschlaggebend für den Abstieg gewesen ist. Einzige richtige Konsequenz daraus wäre der Rücktritt Dietrichs gewesen.

Ein Präsident, der soviel Geld wie keiner zuvor zur Verfügung hatte und dieses von einem mit einer unerhörten Narrenfreiheit ausgestatteten Reschke verprassen ließ, spottet jeder Beschreibung.

Natürlich sind mit der 41,5-Millionen-Finanzspritze vom Daimler Werte geschaffen worden und die Rahmenbedingungen für den sofortigen Wiederaufstieg besser als 2016, aber, von dem Geld dürfte nicht mehr viel übrig sein, schleppen wir doch Spieler wie Badstuber und Gomez mit, die zusammen mehr „verdienen“ als ganze Zweitligateams und wir Spieler unter Wert abgeben müssen, um wenigstens ihr üppiges Gehalt einzusparen.

Durch diesen Abstieg wurde die Möglichkeit verspielt, nachhaltig zur Konkurrenz aufzuholen, verantwortlich für sämtliche Vorgänge ist der Chef, so dass es nur heißen kann, #Dietrichraus.
Eindringlich wird, für den Fall einer Abwahl von Dietrich, davor gewarnt, ohne Präsident taumele der VfB führungslos dem Abgrund entgegen. Dabei liegt ein ähnliches Szenario erst drei Jahre zurück, nachdem am Ende der Aufstieg in die Bundesliga stand. Nach dem Rücktritt von Bernd Wahler im Mai 2016 dauerte es nämlich bis in den Oktober desselben Jahres, bis Dietrich (leider) „gewählt“ war.

Dass die Mitglieder von Aufsichtsrat und Vorstand der AG nicht ernst genommen werden und ihnen gar eine eher unterdurchschnittliche Intelligenz unterstellt wird, verdeutlicht der Aufruf, man solle doch erst jemanden bringen, der es besser als Dietrich machen würde.

Eine Alternative kann sich nämlich zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht in Stellung bringen. Wie stellen sich die Herren das vor? Ein möglicher Kandidat, der derzeit noch woanders, sei es ein Unternehmen, sei es ein Verein, in Amt und Würden steht, würde dort alles stehen und liegen lassen, um Werbung in eigener Sache machen zu können. Sein derzeitiger Arbeitgeber müsste sich nach einer Nachfolgelösung umsehen, um dann, wenn die 75%, wovon auszugehen ist, nicht erreicht werden, wieder dort auf der Matte zu stehen? Ein Szenario, auf das sich wohl kein potentieller Bewerber oder Arbeitgeber einlassen würde. Daher kann die Reihenfolge nur lauten, #Dietrichraus und dann in Ruhe einen Nachfolgekandidaten aufbauen.

Der Antrag auf Abwahl des Präsidenten stellt eine Art Vertrauensfrage dar. Die Frage, die sich dabei jedes Mitglied stellen sollte, ist jene, ob dieser Präsident unser Vertrauen verdient.
Die Ausgliederungs-Millionen sind verbrannt. Die hervorragenden Rahmenbedingungen, die uns vorgegaukelt werden, mögen zwar schön sein und dem einen oder anderen Herren einen Erguss bescheren, wenn er an sie denkt, doch, die harten Tatsachen lauten, Doppelabstieg 2019, trotz immenser Investitionen und trotz Platz 7 in der Bundesliga-Budget-Tabelle.

Meint man mit den hervorragenden Rahmenbedingungen die Flickschusterei auf dem Trainingsgelände, diese hätte man wohl auch unausgegliedert, ganz häuslesbauerlike, mit einem Kredit bei der Volksbank stemmen können.

Die Personalrochaden im Nachwuchsleistungszentrum würde ich als gewöhnliche Fluktuation bezeichnen, nach Jahren, in denen dort keine Erfolge zu verzeichnen waren und Jugendspieler von Profifußballern in die geheimnisvolle Welt der Stuttgarter Bordelle eingeführt wurden. Wenn sich einer Verdienste darüber erworben hat, dann Thomas Hitzlsperger, der ein gutes Gespür zu haben scheint, welcher Mann auf welchem Posten am besten aufgehoben ist.

So sollte Sunnyboy Hitzlsperger nach Reschkes Rauswurf herhalten, um Dietrich aus der Schusslinie zu bekommen, sollte aber den Trainer, mit dem das Unternehmen Klassenerhalt zum Scheitern verurteilt war, nicht entlassen. Erst nach dem 0:6 in Augsburg, als die Mannschaft ihr unmissverständliches Ausrufezeichen gegen Weinzierl setzte, wurde Weinzierl durch Nico Willig ersetzt.

Hier bewies Hitz ein ausgesprochen gutes Händchen, was man ihm auch schon jetzt bei Sven Mislintat, dem Sportdirektor an seiner Seite, attestieren kann. Letztlich dürfte es Hitzlsperger gewesen sein, der Mislintat vom VfB überzeugte, denn, Hitz und Mislintat müssen eng zusammenarbeiten und auf einer Wellenlänge funken und nicht ein Dietrich, der scheinbar jeden Strohhalm auf der Suche nach Sympathiepunkten aufzugreifen versucht.

In Kitzbühel habe ich übrigens eine ganz tolle Arbeitsatmosphäre zwischen Tim Walter, Sven Mislintat und Thomas Hitzlsperger erlebt. Selten habe ich während eines Trainingslagers den VfB so offen und zugänglich erlebt, wie in den Tagen von Tirol. Diese Herren stehen für den neuen, einen sympathischeren VfB. Ich hoffe, es nimmt eine gute Entwicklung und dass sich der Erfolg einstellt, bin sehr optimistisch, was die drei angeht.

Dabei ist es nicht nur Tim Walters Fußball, der mich hoffentlich begeistert, wenn ein Rädchen ins andere greift. Sein Stil birgt durchaus die Gefahr, dass es enden könnte wie mit Zorniger, vorne hui, hinten pfui und das Umfeld schnell schon die Geduld verliert.

Ich stand bis zum Schluss zu Zorniger und vertraue auch Walter, dass er auf Sicht einen begeisternden und auch erfolgreichen Fußball spielen lässt. Gut Ding braucht Weile, die 2. Liga ist für mich das optimale Experimentierfeld, weil sich Niederlagen oder gar Niederlagenserien leichter kompensieren lassen als in der Bundesliga und die Gefahr unwahrscheinlich ist, dadurch zu viel Boden zu verlieren.

Weshalb ich auch insbesondere von Walter angetan bin, ist sein unverkrampfter Umgang mit Fans, Medien und Spielern. Ein toller Typ, den man erlebt haben muss. Daher wünsche ich mir nichts mehr, als dass man diesem Dreigestirn Vertrauen entgegenbringt und nicht sofort mürrisch wird, sollte es zunächst nicht wie erhofft laufen.

Ich wünsche ihnen ein ruhiges Arbeiten und einen unbelasteten Neuanfang. Dieser ist meines Erachtens nur möglich, wenn Dietrich ein Einsehen hat und auf der Mitgliederversammlung zurücktritt. Wenn das Votum abgeschmettert wird und Dietrich im Amt bleibt, werden die Proteste weiter an Fahrt zunehmen und, wenn es ganz dumm läuft, auf Zustände wie bei Hannover 96 (dessen „integrer“ Präsident Dietrich im übrigen gestern auch zur Seite gesprungen ist) hinauslaufen.

Dietrichs Ego und seine Selbstverliebtheit werden zwar vermutlich größer sein, als die Aussicht den VfB wieder als Sympathieträger erleben zu dürfen, doch, ich hoffe es, so verbohrt kann doch kein Mensch sein, zumindest keiner, dem etwas am VfB liegt.

Mir graut es bereits jetzt vor der Mitgliederversammlung, in der, ähnlich wie bei der Ausgliederungs-MV, Interviews mit Sportdirektor und Trainer vorgesehen sind, um die noch unentschiedenen Wähler einzunorden, um im Dietrich-Sprachjargon zu bleiben. Ob Fähnchen verteilt werden, damit die Show noch mehr amerikanische Züge annimmt, ist mir nicht bekannt.
Für mich haben solche Spaß-Interviews auf einer Versammlung, in der es um wichtige Dinge geht, nichts verloren, zumal die Versammlung dadurch, sicher so gewollt, in die Länge gezogen wird und zermürben soll. Da kriege ich einen dicken Hals und muss mich zusammenreißen, die Protagonisten auf der Bühne, die ich sonst ja mag, nicht auszupfeifen und zu beschimpfen.

Dietrich und sein Beraterstab waren also mal wieder alle Mittel recht, um Meinung zu beeinflussen und auf dem Präsidentenstuhl zu kleben. Um den VfB geht es denen schon lange nicht mehr. Da ich, auch ohne diese unlautere Wahlpropaganda, nicht mit den 75% für die Abwahl rechne und einen Rücktritt Dietrichs eher als utopisch ansehe, wird uns bis zur Neuwahl 2020 eine stürmische Zeit bevorstehen, darauf können die Herren, Achtung, keine (Selbst-)Morddrohung sondern eine Redensart, Gift nehmen!

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1. Juni 2019

Delle? Nein, Totalschaden!

Seit Montagabend, 22.20 Uhr, steht es fest, der VfB muss nach 1975 und 2016 zum dritten Mal den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten.

Soviel auch falsch lief in dieser Saison, nicht einmal „das Geschenk“ der Relegation vermochte diese charakterlose Ansammlung von Ich-AGs dankend anzunehmen. Wer es in zwei Spielen nicht schafft, einen Zweitligisten zu besiegen, wer in der regulären Runde gerade einmal 28 Punkte zustande bringt, hat den Klassenerhalt nicht verdient.

Daher hatte ich mich schon früh in dieser Saison damit abgefunden, dass es uns erwischen könnte, so dass sich der Schmerz darüber in Grenzen hält. Ich ging zwar davon aus, dass mich der Schlusspfiff und damit die Gewissheit völlig kalt lässt, dem war dann aber doch nicht so. Unmittelbar danach konnte ich mich jedenfalls mit niemandem austauschen, ohne, Gefahr zu laufen, dass doch ein paar Tränen gekullert wären.

Dem Modus der Relegation (wann schafft man diesen Scheiß endlich wieder ab?) nach gab es in Berlin-Köpenick strikte Fantrennung, (nur) im Gästeblock alkoholfreies Bier und jede Menge schön anzuschauende Pyro-Aktionen. Mit dem besiegelten Abstieg wurde standesgemäß noch eine Rauchbombe gezündet, ansonsten war die Atmosphäre im Gästeblock recht gefasst.

Unschön war es dann, dass die Unioner direkt nach Schlusspfiff die Tore öffneten, ohne dass vorher wenigstens ein Polizisten-Wall vor unserem Block aufgestellt worden wäre. So rannten etliche hässliche Fratzen zu uns herüber, provozierten und warfen Fackeln in unseren Block, mir fällt dazu nur ein Wort ein, asozial!

Abgesehen davon, dass solche Aktionen nicht sein müssen und diese Leute doch besser den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte hätten feiern sollen, flüchteten unsere Spieler sofort in die Katakomben. Ob sie sonst die Eier gehabt hätten und sich von den Fans verabschiedet hätten, weiß man natürlich nicht, ich hätte dem einen oder anderen trotzdem gerne noch ein paar passende Worte hinterhergeworfen.
In Berlin konnte man den Unseren nicht einmal sehr viel vorwerfen. Es war eben ein Spiegelbild der Saison, als uns sehr oft individuelle Patzer auf die Verliererstraße brachten.

So war es dieses Mal Nicolás González, der bei Aogos Freistoß im Abseits stand und das Tor deshalb nach Eingriff des Videoreferees zurecht aberkannt wurde. Anscheinend postiert Union bei vergleichbaren Freistoß-Situationen stets einen Mann auf der Linie, so dass es wohl einstudiert war, wo der junge Argentinier zu stehen hatte. Dumm nur, dass der Union-Keeper Gikiewicz dieses Mal auf diesen Mann verzichtete (er dachte wohl, Aogo trifft das Tor sowieso nicht!) und in unserer Truppe niemand González darauf hingewiesen hat. Es wäre der Start nach Maß gewesen, entsprechend der Jubel im Block, ehe man realisierte, dass die Aktion überprüft wurde.

Danach hatte der VfB Pech, dass er einen Handelfmeter nicht zugesprochen bekam. Auch da bin ich eher beim Schiedsrichter, weil ich wenig von Glückselfmetern halte, wenn einem zufällig der Ball an die Hand springt.

Der Unioner hatte den Ball nicht im Blick, daher wäre der Elfmeter für Union in einem solch wichtigen Spiel äußerst unglücklich gewesen. Auf der anderen Seite aber wird dieser Elfer an anderer Stelle, man denke nur daran, Bayern München wäre beteiligt gewesen, gepfiffen, so dass im Fußball auch nach Einführung des Video-Assistenten von Gerechtigkeit keine Spur ist.

Dennoch machte der VfB in Berlin noch eines seiner besseren Spiele. Wäre man die gesamte Saison über so aufgetreten, wie, seit Nico Willig das Zepter übernommen hat, hätte man den Klassenerhalt wohl direkt geschafft, deshalb sind wir gefühlt auch nicht erst in Berlin abgestiegen, sondern schon viel früher.

Ein Abstieg kommt für mich nicht allein einer Katastrophe gleich, sondern ist auch die Chance, alles auf den Prüfstand zu stellen und gestärkt zurückzukommen. Dieser Möglichkeit ist der VfB gerade dabei, sich zu berauben.

Der allmächtige Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Dietrich ist der Hauptverantwortliche für das Dilemma, in welchem wir stecken. Er trieb das Thema Ausgliederung mit einer auf Lügen und Illusionen aufgebauten Propagandakampagne voran. Er war es, der mit seinen Zugpferden Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf in der Aufstiegseuphorie die Ausgliederung durchbekam, um wenig später, nachdem der Mohr seine Schuldigkeit getan hatte, beide fallen zu lassen.

Michael Reschke ließ er sich von den Hoeneß-Brüdern aufschwatzen, womit Uli das Husarenstück gelang, diesen Blender kostengünstig loszuwerden. Reschke wurden blind die Ausgliederungs-Millionen anvertraut, schließlich eilte ihm der Ruf eines Perlentauchers voraus. Wo war das Korrektiv in der AG, was genau hat der Aufsichtsrat beaufsichtigt? Und, wer ist überhaupt DER Aufsichtsrat?
Wie der Rücktritt von Guido Buchwald und dessen Vorwurf, nicht alle im Gremium würden vor schwerwiegenden Entscheidungen in sämtliche Vorgänge eingebunden, zeigt, bestimmen die Politik im Aufsichtsrat andere als die (vermeintlich) Sportkompetenten.

Allen voran Wilfried Porth, der die Kraftverhältnisse in dieser Causa auf der Ehrentribüne veranschaulichte, als er unseren Meisterspieler von 1984 und 1992, Guido Buchwald, in aller Öffentlichkeit zusammenfaltete, worauf dieser verstört das Handtuch schmiss.

Wer meine Kritik an der Ausgliederungspropaganda und am Engagement „vom Daimler“ VOR der Abstimmung noch einmal nachlesen möchte, hier entsprechende Links dazu. http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4188, http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4194. Viele Befürchtungen davon sind eingetreten, vor allem #jazumerfolg klingt angesichts des neuerlichen Tiefpunktes wie Hohn in den Ohren.

Die Kritik zielte damals, abgesehen von der Art und Weise der Propaganda, darauf ab, ob der Daimler wirklich so gut für uns ist, wie man stets weismachen möchte, oder ob er nicht gar ein Bremsklotz ist, dem es „nur“ um darum geht, auch weiterhin das Sagen beim VfB zu haben. Dies ermöglicht ihm nämlich nicht „nur“, einen ihm genehmen Präsidenten aussuchen zu dürfen, sondern auch bei der Sponsorensuche mitentscheiden zu dürfen und somit unliebsame Konkurrenten aus Eigennutz zu verhindern.

Jetzt, nach der Ausgliederung haben wir den Salat! Erst verlängert die Mercedes Benz Bank generös den Trikotsponsoring-Vertrag, dann gibt der Daimler eine Pressemitteilung heraus, dass er dem VfB auch nach dem Abstieg partnerschaftlich zur Seite stehen werde, um kurz darauf vom (von Daimler dominierten) Aufsichtsrat mitgeteilt zu bekommen, dass in der Führungsriege der VfB AG alles beim alten bliebe.

Ernsthaft? Habt Ihr sie noch alle? Wolfgang Dietrich, als Spalter bekannt, hat beim VfB nur eines geschafft, nämlich mittlerweile so gut wie alle gegen sich aufgebracht zu haben. Im Stile eines Patriarchen führt der Sonnenkönig von oben herab. Erst kommt er, dann lange nichts. Wer sich ihm in den Weg stellt oder unbequem wird, fliegt. Da ist es scheißegal, ob man ein harmonierendes Konstrukt auseinander reißt, es geht ja schließlich nicht um den VfB sondern rein um sein eigenes Ego und Machterhalt.

Dietrich trägt vollumfänglich die Verantwortung für den Karnevalsprinzen aus Köln-Frechen, auch wenn die Gremien diese Personalie abgenickt haben und Dietrich stets betont, wie einvernehmlich die Entscheidungen getroffen wurden.

Im Zuge der Ausgliederung hat er den Mitgliedern versprochen, verantwortungsvoll mit den Ausgliederungs-Millionen umzugehen, um sie dann einem Reschke in die Hand zu drücken und von jetzt auf gleich verprassen zu lassen.

Der VfB e. V. hat sich an den Daimler für ein Butterbrot verkauft und steht schlechter da als vor der Ausgliederung. Die immer wieder kolportierten hervorragenden Rahmenbedingungen können sich die Wirtschafts-Fachleute sonst wohin stecken, im Fußball zählt das sportliche Abschneiden und da stehen wir am Abgrund.

Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Solang der Daimler als Anteilseigner fungiert, wird er „den Präsidenten, den wir wollten“ stützen und das dumme Mitglied hat keine Handhabe mehr, Dietrich, zumindest als Aufsichtsratsvorsitzenden, loszuwerden.

Wenn Dietrich die Proteste gegen ihn lapidar abtut, „Diese Leute brauchen einen Prellbock und das war und ist in Stuttgart nun mal der Präsident“, hat er überhaupt nichts verstanden. „Diese Leute“ sorgen sich um den VfB und müssen mit ansehen, wie ihr Herzensclub zugrunde gerichtet wird, von Leuten, die rein wirtschaftliche Interessen verfolgen, und von Sportsgeist und Emotionalität, die im Fußball elementar wichtig sind, keine Ahnung haben.

Dietrich sieht die (fehlende) sportliche Entwicklung als Delle an, nein, Herr Dietrich, ein Abstieg mit einem solch teuren Kader ist der worst case, ein Totalschaden sozusagen!

Dietrich ist weit davon entfernt, ein harmonierendes Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter (und Spieler) gerne beim VfB „arbeiten“. Wenn von oben herab mit der Dampfhammermethode regiert wird, Lügen und Wahrheitsbeugung an der Tagesordnung sind, wie will man da erwarten, dass in der Mannschaft eine andere Stimmung herrscht und sich jeder an Regeln und Abmachungen hält. Wie der Herr, so das Gescherr!

Der Abstieg, der in erster Linie deshalb erfolgte, weil wir zu keiner Zeit eine Mannschaft auf dem Platz hatten, die zusammen hielt, ist eine direkte Folge der Führung des Wolfgang Dietrich und, bis vor ein paar Monaten, vom Möchtegern-Trainer Michael Reschke.

Dieser hat die Autorität der Trainer untergraben, indem er ihnen permanent in die Aufstellungen geredet hat. Wie will da ein Spieler wissen, auf wen er zu hören hat, wie will er da noch den Trainer ernst nehmen, wenn dieser doch nur eine Marionette des Sportvorstandes ist. Das hatte bereits Hannes Wolf den Job gekostet.

Bei Hannes Wolf war sicher nicht alles Gold, was glänzte. Mittlerweile bezweifle ich auch, dass er der gute Trainer ist, als den ihn viele ansehen. Trotzdem hat er dem VfB seinerzeit ein Gesicht gegeben, so dass ich mir mit ihm Kontinuität erwünscht hatte.

Mit dem Tag der Schindelmeiser-Entlassung und der Inthronisierung Reschkes aber wurden von jetzt auf gleich Wolfs Pläne konterkariert. Nicht nur der von Schindelmeiser/ Wolf angezählte Kapitän Christian Gentner wurde von Reschke umgehend heilig gesprochen, nein, anstatt jungen entwicklungsfähigen Spielern, die besser zu machen Hannes Wolf in seinem Element war, wurden alternde und teure Ex-Nationalspieler verpflichtet, mit denen Wolf weniger anzufangen wusste, die aber spielen mussten, weil Reschke sie ja schließlich mit üppigen Verträgen ausgestattet hat. Wenn dann die Chemie zwischen Trainer und Sportdirektor vom ersten Tag an nicht stimmt und Letzterer bestimmt, wer zu spielen hat, ist das Ende einer solchen Konstellation absehbar.

Ob mit dem von Schindelmeiser zusammengestellten Kader (er war ja zum Zeitpunkt der Entlassung noch nicht fertig!) und Hannes Wolf alles besser geworden wäre oder wir nicht schon letztes Jahr abgestiegen wären, ist natürlich hypothetisch. Fakt ist, dass eine ausbaufähige Euphorie vorhanden war und „das schwierige Umfeld“ jungen Spielern eher Fehler zugestanden hätte, wie erfahrenen Recken.

Das für mich noch immer der Kardinalfehler. Mit der Verpflichtung von Reschke verließ der VfB den Weg der Vernunft und wollte den zweiten vor dem ersten Schritt gehen. Bei meinen Ausführungen vor der Ausgliederung spielte auch eine Rolle, dass ich wenig damit anfangen kann, wenn die Gehaltskosten explodieren, wir jedoch keinen besseren Fußball dafür sehen. Auch das ist eingetreten, der VfB hatte 2018 mit knapp 84 Millionen Euro den siebthöchsten Etat der Liga und steht mit 10,8 Millionen Euro ausgegebenen Beraterhonoraren ebenfalls an siebter Stelle des Oberhauses. Hier stimmen Aufwand und Ertrag in keinster Weise. Wenn ich höre, dass ein Mario Gomez 6 Millionen Euro im Jahr verdienen soll und Holger Badstuber nur ein bisschen weniger, rollen sich mir die Fußnägel auf. Da stets betont wird, dass die Verträge auch für die 2. Liga gelten, dürfte die Ära Reschke auch in der 2. Liga wie ein Damokles-Schwert über uns schweben.

Der Größenwahn eines Reschke, den Dietrich zu verantworten hat, hat uns nun dahin gebracht, wo wir stehen. Noch im Winter hat es Reschke versäumt, die größten Baustellen im Kader zu beheben, bspw. einen treffsicheren Stürmer zu holen. Geleitet vom Leitsatz des Nachbarn mit dem Stern „das beste oder nichts“ holte er lieber niemanden, weil kein Top-Club bereit war, einen Top-Mann, mitten in der Saison, zu Top-Konditionen abzugeben. Ein Zweit- oder Drittligatorjäger mit einem Lauf hätte sich hinter Gomez und González bestimmt nicht zu verstecken brauchen, und wäre vermutlich einfacher zu haben gewesen. Hätte, hätte, Fahrradkette, es ist, wie es ist, nur, personelle Konsequenzen auf verantwortlicher Ebene bleiben aus.

Wer bitteschön soll denn die Verantwortung für Reschke übernehmen, wenn nicht Dietrich? Er kann sich nicht damit herausreden Hitzlsperger und Mislintat geholt zu haben, die nun den Scherbenhaufen aufkehren müssen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer und kommt einer Kriegserklärung gleich, wenn die Herren jetzt verkünden, wir seien ja bestens aufgestellt und es ändere sich demnach nichts.

In den letzten Tagen wurde publik, dass Reschke wohl nach dem Düsseldorf-Spiel entlassen wurde, weil er Weinzierl damals entlassen wollte, Dietrich aber nicht. Auch das eine fatale Fehleinschätzung Dietrichs und wohl der einzige lichte Moment Reschkes während seiner Amtszeit beim VfB! Aus dem Wintertrainingslager sickerte seinerzeit durch, wie inkonsequent Weinzierl beim Sanktionieren von Disziplinlosigkeiten war und dass er damals schon große Teile des Teams gegen sich aufgebracht hatte.

Deshalb hätte Weinzierl bereits im Januar, spätestens aber nach dem Düsseldorf-Spiel entlassen werden müssen. Da dies nicht geschah und Dietrich sein Veto einlegte, musste der arme Thomas Hitzlsperger die Angelegenheit bis zum Offenbarungseid von Augsburg durchziehen, ob er wollte oder nicht.

Dietrich hat hoch gepokert und verloren. Ein Mann mit Charakter und Anstand würde das erkennen und seinen Hut nehmen. Doch weit gefehlt, beide Attribute darf man bei Dietrich nicht erwarten, wenn man sich seine Vita vor Augen führt.

Die Erklärung des Aufsichtsrats lässt mich fassungslos zurück. Was der VfB jetzt bräuchte, wäre eine Aufbruchstimmung wie anno 2016. Die Fans sind das Kapital eines Vereins (gut, erkläre das mal einem Wirtschaftsboss…). Da Dietrich nicht ehrenvoll abtreten wird und der Aufsichtsrat einen Teufel zu tun scheint, auf die Stimmung des Umfeldes zu hören, fragt man sich, was man als einzelner Fan, oder besser, als Fanszene tun kann, um seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Von der Mitgliederversammlung am 14.07. verspreche ich mir wenig, diese wird Dietrich aushalten, den Aufsichtsrat tangiert sie sowieso seit der Ausgliederung nicht mehr.

Was beim VfB fehlt, ist eine echte Opposition, die das Zeug dazu hat, für einen Antrag auf Abwahl des Präsidenten die nötigen 75% zusammenzubekommen, selbst, wenn die Vereinsführung jegliches Stimmvieh ködert, um genau das zu verhindern.

Dazu bedürfte es eines Gegenkonzeptes und einen geeigneten Kandidaten, der zur Wahl antreten würde. Mir fallen dazu spontan Ralf Rangnick und Jürgen Klinsmann ein, die regelmäßig mit dem VfB in Verbindung gebracht werden, für konzeptionelles Arbeiten stehen und die Mitglieder hinter sich bringen könnten.

Ich bin sehr gespannt, wie die Fanszene jetzt reagiert und ob sich der Ton und Umgang miteinander weiter verschärft. Ein zweites Hannover 96 will, glaube ich, momentan niemand. Auf der anderen Seite ist es aber für mich auch unerträglich, wenn die Herren mit diesem „Stil“ durchkommen sollten. Irgendeine Form von Boykott muss man wohl in Erwägung ziehen, Stimmungsboykott, Dauerkartenboykott, Merchandise-Boykott, was auch immer. Ich habe ihnen schon einmal Mitgliedsausweis und Dauerkarte vor die Füße geworfen, 1998, als Winfried Schäfer als Trainer vorgestellt wurde.

Da in der AG eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, sind wir in der derzeitigen Konstellation verloren. #miteuchkeinwir Diese Herren würden sich wohl auch noch auf die Schultern klopfen, wenn wir in die 3. Liga abgestiegen wären, nur noch 25.000 Zuschauer im Schnitt kämen, die Rahmenbedingungen ihrer exklusiven Ansicht nach weiterhin stimmen und der Rasen auf dem Trainingsgelände schön grün ist.

Wenn man jüngst mitbekommt, dass als letzter Bundesligist Werder Bremen das Namensrecht an seinem Stadion an einen Sponsor verkauft hat und jährlich drei Millionen Euro dafür einstreicht, wir jedoch vom Daimler gerade einmal 666.000 Euro erhalten, unterstreicht das einmal mehr, wie der mächtige Partner den VfB über den Tisch zieht.

Ob es jemals jemanden beim VfB geben wird, der Tacheles mit dem Daimler spricht und nicht vor ihm kuscht, ich bezweifle es. Die Einlage, die nach der Ausgliederung floss, macht es jedenfalls ungleich schwieriger, frei und unabhängig entscheiden zu können, für wen und was man werben möchte, völlig egal, welch hoch dotiertes Angebot einem durch die Lappen gehen könnte. Somit dürften wir weiter der Musik hinterherhinken, und das wegen und nicht trotz der Ausgliederung.

Am besten, wir zahlen den Daimler aus und stellen alles auf Anfang 2016. Zugegebenermaßen utopisch zwar, wäre aber, dank beträchtlicher Transfereinnahmen wohl trotz des Abstiegs zu stemmen. Darauf könnte man als vernünftiger Verantwortlicher beim VfB, der dem Daimler nicht verpflichtet ist, zwar selbst kommen, doch dafür müsste das Wohl des VfB an erster Stelle kommen und nicht der Erhalt seines eigenen Pöstchens. Daher werden wir uns eher damit abfinden müssen, dass sich bis zur Neuwahl des Präsidenten 2020 nichts grundlegend verändern wird.

Der VfB gehört runderneuert. Vom Präsidenten, über die Vorstände (Hitzlsperger ausgenommen), den Aufsichtsrat bis hin zum Catering, es ist doch alles eine Katastrophe.

Ein Heim, dessen Milchmädchenrechnungen von den Ausgliederungsdebatten mir heute noch in den Ohren klingen oder Röttgermann, der mit einer peinlichen Marketing-Kampagne nach der nächsten ums Eck kommt und deren Mails, angesichts der Fülle, bei mir schon im Spam-Ordner landen.

Bestes Beispiel und reine Verarsche ist das Ur-Trikot. Als es herauskam, für knapp unter 100 Euro, wurde es mit „limitiert“ beworben. Ich fragte mehrmals beim VfB nach, auf wie viel Stück das Trikot denn limitiert wäre, worauf man eine Antwort schuldig blieb.

Also sagte ich schon damals, das kann auch auf 500.000 Stück limitiert sein und dass ich es mir höchstens dann holen würde, wenn es verramscht wird. Und, siehe da, kürzlich erwarb ich es, überraschenderweise waren noch Größen bis 5XL erhältlich, in 3XL für 30 Euro. Vielleicht wird es ja noch günstiger, aber, dann lamentiere ich nicht herum, 30 Euro ist mir der Fetzen wert.

Wer mir bei dem ganzen Theater Leid tut, sind Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und unser neuer Trainer Tim Walter. Gerade die Neuen müssen sich doch zunächst wie in einem Irrenhaus vorkommen. Ihnen wäre ein harmonisches Umfeld und die Möglichkeit, ruhig zu arbeiten, um den VfB wieder in die Spur zu bringen, zu wünschen. Diese Ruhe ist derzeit nicht gegeben.

Nichtsdestotrotz gilt es nach vorne zu schauen und binnen kürzester Zeit einen aufstiegsfähigen auf die Beine zu stellen. Ich persönlich möchte die Allermeisten der Absteiger nicht mehr im Brustring-Trikot sehen, weil sie es nicht wert sind!

Solang Thomas Hitzlsperger sich nicht geäußert und Abgang oder Verbleib einzelner Spieler verkündet hat, ist es müßig, sich mit Treueschwüren und Ausstiegsklauseln auseinander zu setzen. Es soll schon vorgekommen sein, dass Spieler trotz Ausstiegsklausel geblieben sind, diese Hoffnung habe ich bei Kempf und Kabak, die die Presse schon bei anderen Vereinen sieht. Pikanterweise gerade diese beiden Genannten bei S04, wo sich Reschke sein Insiderwissen um die Vertragsmodalitäten zunutze machen könnte, was einmal mehr seinen Charakter offenbaren würde.

Außer diesen beiden genannten fielen mir noch Timo Baumgartl mit Potential eine neue Identifikationsfigur zu werden, Borna Sosa, Ascacíbar und Jens Grahl ein. Dazu Blutauffrischung von außen sowie der eine oder andere aufrückende der U19. Ob die bislang verliehenen Kaminski und Mangala bleiben werden, wird sich zeigen. Beide wären jedenfalls, was den Abstieg angeht, unbelastet.

Wie unsere (sportliche) Führungscrew mit Holger Badstuber und Mario Gomez umgeht, dürfte interessant werden. Beide wurden von Reschke mit horrend dotierten Rentenverträgen ausgestattet, so dass sie freiwillig einen Teufel tun dürften, auf sehr viel Geld zu verzichten und zu wechseln. Sollte Walter mit diesen in die Jahre gekommenen und langsam gewordenen Auslaufmodellen nichts anfangen können, wird es wohl auf ein Modell Ibišević hinauslaufen, das uns noch einige Jahre belasten dürfte. Sollten beide mangels Alternativen ihre Verträge beim VfB aussitzen, gehen sie wohl in die Annalen als bestbezahlte Zweitligaspieler aller Zeiten ein.

Wie die BILD-Zeitung vermeldete, erhält Christian Gentner keinen neuen Vertrag mehr, was ich begrüßen würde. Schließlich ist er die einzig verbliebene Konstante der letzten zehn Jahre und für Stimmung und Leistungsbereitschaft des Kaders während dieser Zeit nicht unerheblich mitverantwortlich. Solang diese Personalie aber nicht vom VfB bestätigt wird, halte ich mich mit Gefühlsausbrüchen deswegen zurück.

Fakt ist, dass der Fußball, der uns in den letzten Jahren, Ausnahme die kurze Ära Zorniger, zugemutet wurde, weder schön anzusehen noch erfolgversprechend war. Zu statisch, zu behäbig, kein Mut, keine Schnelligkeit, kein Plan, da Tim Walter, was man so hört, für einen völlig anderen Fußball steht, sollten Hitz und Mislintat den Mut haben, rigoros auszumisten, auch wenn es Abfindungen kostet und der eine oder andere Spieler unter Wert verkauft werden muss.

Es geht jetzt darum, eine Mannschaft mit hungrigen Typen und Charakter aufzubauen. Zusammenhalt ist im Mannschaftssport so wichtig, dieser war in der Abstiegssaison nicht vorhanden und deshalb stehen wir zurecht da, wo wir stehen.

Man darf gespannt sein. Im Grunde müssten jetzt bis zum Trainingsauftakt nahezu täglich Personalentscheidungen verkündet werden. Ich wünsche Hitzlsperger und Mislintat und nicht zuletzt uns ein gutes Händchen.

Zunächst einmal geht es morgen für unsere U19 in der Andrea Berg Kampfbahn (Copyright by Philipp Maisel) zu Großaspach um das Double. Gegner ist die U19 von Borussia Dortmund, ein echtes Brett.
Unsere Jungs haben beim Pokalsieg in Babelsberg gegen Leipzig gezeigt, was mit Teamgeist und Zusammenerhalt möglich ist, so dass ich optimistisch bin, auch morgen jubeln zu dürfen.

Wir Allesfahrer, die nach Abwechslung lechzen, hoffen aus zweierlei Gründen auf den Titel. Nicht nur, dass es nach 2005 mal wieder an der Zeit wäre, nein, mit dem Titel wären die Jungs für die UEFA Youth League qualifiziert, womit in der nächsten Saison endlich mal wieder internationale Touren auf dem Programm stehen würden, was ein schönes Kontrastprogramm zum wohl eher tristen Zweitligaalltag wäre. Also Jungs, go, get the cup!

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