22. März 2016

Der VfB ist wieder da!

Und zwar dort, wo man nach eigenem Selbstverständnis nicht hingehört, es sich aber Saison für Saison gemütlich macht, im Abstiegskampf nämlich, wobei Kampf in den noch verbleibenden sieben Spielen am besten großgeschrieben werden sollte. Aus acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz wurden an einem einzigen Spieltag lausige fünf Punkte, so dass sich der VfB de facto nicht mehr viele Ausrutscher leisten darf.

Seit der von Woche zu Woche peinlicher anmutenden Heimniederlage gegen Hannover 96 befindet sich der VfB in einer, wenn auch leichten, Abwärtsspirale. Nicht nur, dass mögliche Siege leichtfertig verschenkt werden stimmt bedenklich, sondern vor allem die Art und Weise, wie die Niederlagen in Mönchengladbach und gegen Bayer zustande kamen, und auch das Auftreten über weite Strecken in Ingolstadt, wo man beinahe hoffnungslos 4:1 zurückgelegen wäre.

Man muss kein Prophet sein, um sich aus den kommenden beiden Heimspielen gegen Bayern München und Borussia Dortmund nichts auszurechnen, am besten man schickt diese Punkte schon jetzt per Post nach Nordösterreich und in den Pott und schont seine ach so strapazierten Körper für die viel wichtigeren Auswärtsspiele in Darmstadt, in Augsburg und in Bremen, wo nach dem blutleeren Auftritt gegen Bayer Leverkusen mindestens vier Punkte herausspringen müssen, um nicht erneut einem Herzschlagfinale à la Paderborn 2015 entgegenzusteuern.

Es war einer jener unerklärbaren Auftritte, für die der VfB noch immer stets „gut“ ist. Leverkusen konnte von den letzten fünf Bundesligaspielen gerade eines gewinnen und das vor Wochenfrist mit Hängen und Würgen gegen den HSV. Hinzu kam das blamable Ausscheiden in der Europa League gegen Villareal und die Posse um Trainer Roger Schmidt, der drei Spiele von der Tribüne aus verfolgen musste. Der Stuhl des Trainers wackelte schon bedenklich, lässt er doch einen ähnlichen kraftraubenden Stil spielen wie es beim VfB Alexander Zorniger tat. Auch in Leverkusen zieht das Team nur so lang mit, so lang man damit erfolgreich ist, doch wehe dem, die Mühen lohnen sich nicht, dann droht der Trainer das Team zu verlieren, vor allem wenn die Öffentlichkeit das Alibi liefert und der Trainer bereits angezählt wird. In solchen Krisenzeiten gibt es für einen Bundesligaverein keinen dankbareren Gegner als den VfB, wenn wir etwas in Perfektion können, dann Aufbaugegner!

Für eine clevere Mannschaft ist die Herangehensweise gegen einen angeschlagenen und unter der Woche beschäftigten, zudem noch stark ersatzgeschwächten Gegner, klar. Man geht raus, man geht drauf, man lässt den Gegner laufen, zwingt ihn zu Fehlern und raubt ihm von Minute zu Minute mehr die Lust am Spiel. Das bedingt, dass man nah am Mann ist und voll konzentriert die Partie angeht und wenig Fehler im eigenen Aufbauspiel macht.

Soweit die Ausrichtung einer cleveren Mannschaft, kommen wir nun zum VfB. Über die diversen Social-Media-Kanäle bekommen wir ja mit, wie überragend die Stimmung im Team derzeit zu sein scheint, alle lachen, alle machen Späßchen, alle haben sich lieb, alle genießen das Leben. Dumm nur, wenn man mitten am Sonntagnachmittag aus dieser Gute-Laune-Welt herausgerissen wird und seine Arbeit verrichten muss. Zu keiner Zeit hatte man den Eindruck, die Jungs wären sich ihrer Aufgabe, aber auch ihrer Chance bewusst. Vermutlich hat sich auch keiner die Sportschau des Vortages angeschaut, hätte man doch während dieser Zeit die Playstation ausschalten müssen. Hätten sie das getan oder zumindest einen Blick auf die Tabelle gewagt, wäre ihnen eventuell bewusst geworden, was die Stunde geschlagen hat.
Leverkusen ist zwar der Angstgegner, aus den vorherigen elf Spielen gegen die Werkself ergatterte der VfB gerade einmal drei Punkte, und doch wäre die Chance groß wie selten gewesen, Bayer zu bezwingen und gleichzeitig einen Bigpoint im Abstiegskampf zu landen. Obwohl Bayer viele Ausfälle zu beklagen hatte und daher zwei junge Startelfdebütanten aufs Feld schickte, verbietet es sich einem Team wie dem VfB, das jahrelang ausschließlich um den Klassenerhalt spielt, einen Gegner zu unterschätzen und zu denken, man schlage jemanden im Vorbeigehen. Das ging bereits gegen Hannover 96 in die Hose, wobei dort noch viel Pech im Spiel war, dieser Schuss ging nun auch gegen Leverkusen nach hinten los, das trotz der vielen Ausfälle immer noch eine nominell topbesetzte Mannschaft auf dem Platz hatte. Man ist geneigt zu fragen „was erlaube Mannschaft“? Dieses Team darf in keinem Moment auch nur einen Prozentpunkt nachlassen und denken, es gehe mit links. Das verbietet die jüngere Vergangenheit, das verbietet das eigene Leistungsvermögen und vor allem verbietet das die noch immer prekäre Tabellensituation.

Fast 55.000 Zuschauer, perfekte äußere Bedingungen, es war alles angerichtet für ein Fußballfest aus VfB-Sicht und dann das! Der VfB, bei dem Florian Klein erwartungsgemäß, den schmerzlich vermissten Kevin Großkreutz ersetzte, überließ den Leverkusener vom Anpfiff weg die Initiative und bot bei den Leverkusener Sturmläufen lediglich interessierten Begleitschutz.

Hinterher wurde beklagt, dass man nicht in die Zweikämpfe kam, Leute, dafür müsst ihr erst einmal nah an euren Männern sein und die Zweikämpfe auch suchen. Ein Spiel, das vom Anpfiff weg nicht so läuft wie erhofft, kann man auch schon mal beruhigen und zunächst durch eigene Ballzirkulationen Sicherheit gewinnen. Dieser Möglichkeit ist man allerdings beraubt, wenn wie beim VfB, schon die Hälfte der Spieler Probleme mit dem Passspiel hat und keinen Ball stoppen kann. Deshalb wurden eigene Angriffsbemühungen bereits im Keim erstickt, die erste ernsthafte VfB-Chance gab es in der 40. Minute, als der Pegel bereits längst auf die Seite der Leverkusener ausgeschlagen hatte.

Das 0:1 in der 11. Minute leitete Daniel Schwaab mit einem Schlag ins Nichts selbst ein, um dann wenig später nicht nah genug am Torschützen Julian Brandt zu sein, so dass dieser ungehindert an Tytoń einschieben konnte. Dies war bereits die dritte gute Chance für Leverkusen, der sie bis zum Pausenpfiff zwei weitere Hochkaräter folgen ließen, die Tytoń klasse vereitelte, während dem VfB lediglich der erwähnte Torschuss durch Werner gelang.

Es war bereits im Vorfeld zu befürchten, dass uns der Ausfall von Kevin Großkreutz schwer treffen würde. Auch wenn er fußballerisch nicht immer zu glänzen weiß, bringt er all jene Tugenden ein, die man eigentlich von einem Fußballer erwarten können muss. Er verkörpert Mentalität und den absoluten Siegeswillen und lässt vor allem auf gut schwäbisch kein Hugoles mit sich treiben. Der zweite Aggressiv-Leader im Team, Serey Dié, war gestern zwar engagiert wie immer, aber letztlich überfordert, weil ihm die Unterstützung seiner Teamkollegen fehlte.
Großkreutz‘ Vertreter Florian Klein knüpfte nahtlos an seine „Leistungen“ an, die ihn seinen Stammplatz kosteten. Wenn dessen Leistungsvermögen schon genügen sollte, um sich für eine Kader-Nominierung zur Euro in Frankreich zu empfehlen, dann gute Nacht Österreich.

Serey Dié war auch deshalb fast schon zu bemitleiden, weil sein Nebenmann Christian Gentner einmal mehr einen rabenschwarzen Tag erwischt hatte. Sind es noch seine Achillessehnenprobleme, die ihn daran hindern, ordentlich Fußball zu spielen und vor allem Zweikämpfe zu bestreiten? Setzt man auch angeschlagen auf ihn, weil er eine Stammplatzgarantie im Vertrag stehen hat oder ist es einfach uncool, den Kapitän auch mal auf die Bank zu setzen? Es war mal wieder eines jener Spiele, in denen es einen Kapitän gebraucht hätte, der aufrüttelt, der mit gutem Beispiel voran geht, sich einfach zeigt und nicht untertaucht, sobald nichts zusammen läuft.

Das Fass zum Überlaufen brachte für mich jene Aktion gut zehn Minuten vor Schluss, als der VfB zum allerersten Mal in diesem Spiel so etwas wie Druck erzeugte und die Leverkusener langsam müde wurden.
Wohl einen Schwächeanfall erleidend blieb der Leverkusener Yurchenko nach einem Zweikampf auf Höhe der Mittellinie liegen, was unseren Kapitän dazu bewog, den Ball ins Seitenaus zu spielen und damit den vielversprechenden Angriff jäh zu unterbrechen. Somit bewarb sich unser Kapitän lieber um den Fairnesspreis, anstatt er alles dafür tun würde, dem Spiel noch eine Wende zu verleihen. Für mich absolut unverständlich! Selbstredend bin auch ich für fairen, sauberen Sport. Wer diesen in der Bundesliga meint zu finden, ist aber auf dem Holzweg und das sollte Gentner eigentlich wissen. In 99,9% der Fälle dienen solche Schauspieleinlagen dazu, auf Zeit zu spielen und den Angriffsschwung des Gegners zu unterbinden. Dass ausgerechnet unser 30-jähriger Kapitän auf das schändliche Verhalten eines Bundesliga-Greenhorns hereinfällt bedarf keiner weiteren Worte.

In solchen Situationen haben die Schiedsrichter die klare Maßgabe, das Spiel unterbrechen zu können, wenn sie den Eindruck haben, es habe sich jemand schwerer verletzt. Diese Entscheidung obliegt also dem Schiedsrichter und niemand anderem sonst, so dass sich hinterher auch keiner zu beklagen braucht, wenn weiter gespielt wird. Da Gentner an diesem Tag allenfalls durch Quer-, Rück- und Fehlpässe auffiel, könnte sein Beweggrund natürlich auch der gewesen sein, dass wir so wenigstens in Ballbesitz blieben.

Hätte Gentner den Ball nicht ins Aus gespielt, hätten wir dieses Spiel, in dem wir eindeutig die schlechtere Mannschaft waren, wohl auch nicht gewonnen, aber, es hätte die Initialzündung für eine emotionale Schlussphase werden können und das Publikum wäre nochmal richtig da gewesen.

Auch die zweite Halbzeit begann denkbar schlecht. Wer erwartet hatte, der VfB hätte sich während des Pausentees auf eine Aufholjagd eingeschworen und würde sich nun zusammenreißen, wurde enttäuscht. Das Spiel der ersten Hälfte setzte sich fort. Bereits fünf Minuten nach dem Seitenwechsel fing Wendell eine Flanke per Kopf am eigenen Strafraum ab, der Ball gelangte zum starken Julian Brandt, der nahezu unbedrängt, gut, Serey Dié setzte sich beim Abwehrversuch auf den Hosenboden, unbehelligt vom viel zu langsamen Emiliano Insúa über das komplette Feld spazierte, zum (frei stehenden) Nationalspieler Bellarabi passen konnte, welcher humorlos zum 0:2 abschloss. Damit war der Käs gegessen, der Fisch geputzt, nichts ging mehr an dem aus VfB-Sicht rabenschwarzen Sonntag-Nachmittag. Leverkusen hatte noch weitere hochkarätige Chancen, traf Pfosten und Latte und verzweifelte ansonsten am mit Abstand besten Stuttgarter Przemyslaw Tytoń.

Erster Auswechselspieler war Daniel Didavi, für den in der 54. Minute Kravets kam. Es war wohl die mit Abstand schlechteste Vorstellung unseres Spielmachers, an die ich mich, zumindest zu Hause, erinnern kann. Er war überhaupt nicht im Spiel und brachte es auf eine erbärmliche Zweikampfquote von 20%. Ob ihm die unter der Woche erneut aufkeimenden Wechselgerüchte nach Wolfsburg zugesetzt haben oder er dem noch immer in der Verlosung befindlichen potentiellen Arbeitgeber Bayer Leverkusen nicht weh tun wollte, sei dahingestellt. So hilft er uns jedenfalls nicht weiter, zu schade, dass Alexandru Maxim seine Chancen als Vertreter bislang nie nutzen konnte. Für alle Seiten wäre es wohl das Beste, Didavi würde sich endlich erklären, wohin die Reise in der nächsten Saison geht. Als VfB-Fan wüsste man gerne, woran man ist und Dida selbst müsste für die Öffentlichkeit kein falsches Spiel mehr spielen. Denn, intern wird sicherlich längst bekannt sein, wie er sich entschieden hat.

Ab der 68. Minute, als Kramny Maxim und Tashchy für Werner und Serey Dié einwechselte, setzte der VfB noch einmal alles auf eine Karte und trat offensiv zumindest etwas mehr in Erscheinung als zuvor, ohne jedoch das Tor von Bernd Leno so richtig in Gefahr bringen zu können. Der VfB stand sich weitestgehend selbst im Weg und hätte vermutlich auch noch eine Stunde länger spielen können, ohne ein Tor zu erzielen. Die Leverkusener waren über die gesamte Spieldauer hinweg die fußballerisch bessere und auch torgefährlichere Mannschaft, weshalb es an ihrem Sieg auch nichts zu deuteln gibt.

Aus einer Mannschaft, gespickt mit Totalausfällen, ist es zwar etwas unfair, mit den einen härter ins Gericht zu gehen als mit anderen. Und doch ist außer Daniel Didavi auch über Timo Werner zu sprechen. Ihm gelang gestern einmal mehr überhaupt nichts. Er wirkte auf mich unkonzentriert wie selten. Wurde er angespielt sprang ihm der Ball fünf Meter weg, so dass immer ein Gegenspieler zur Stelle war und ihm das Leder stibitzen konnte. Nach hohen Bällen sprang er zwar, Problem dabei, ihm fehlte stets das Timing, so dass es meist recht unbeholfen aussah und er unter den Bällen hindurchsprang. Ob ihn die Wechselgerüchte aus der Woche so sehr beschäftigten, wo von kolportierten 20 Millionen Ablöse ambitionierter Vereine wie Borussia Dortmund und Red Bull Leipzig die Rede war?

Dazu würde mich über einen O-Ton von Timo Werner freuen, der bislang stets betonte, der VfB sei sein Verein und er könne es sich nicht vorstellen, woanders zu spielen. Für mich gibt es dabei nur zwei Möglichkeiten: entweder die Wechselgerüchte sind Quatsch und Werner lässt sich für kein Geld der Welt weglocken, dann sollte man ihn stärken und ihn in der Zukunft in ein System einbinden, das ein wenig auf seine Stärken zugeschnitten ist. Wenn Timo Werner eines nicht ist, dann ein Mittelstürmer. Als alleinige Spitze fehlen ihm die Durchsetzungsstärke und auch der kaltschnäuzige Torabschluss. Sollte uns Kostic im Sommer tatsächlich verlassen, wäre Werner auf Linksaußen besser aufgehoben.

Hat aber bei Timo Werner ein Umdenken eingesetzt, womöglich unter anderem darin begründet, dass ihn der VfB kürzlich noch wie Sauerbier in England angeboten und auch gegen die Verbalattacken von Zorniger nicht geschützt hatte, hätte der VfB die volle Verhandlungsmacht und könnte unter Umständen allein für Timo Werner 50% dessen erlösen, was eine Ausgliederung in die Kassen spülen würde. Das wäre also eine große Chance für Robin Dutt und den Verein, Einnahmen zu generieren, wobei mir noch immer die erste Variante lieber wäre, einfach weil er ein Junge von hier ist und den Brustring im Herzen trägt.

Unsere Spieler täten gut daran, erst einmal den Klassenerhalt zu sichern und all ihre Kraft und Konzentration dem Noch-Arbeitgeber zu widmen, anstatt sich gedanklich mit mutmaßlich höheren Weihen zu beschäftigen.

Leverkusen genügte also eine durchschnittliche Leistung, um dem VfB den Garaus zu machen. Ob es der VfB in Darmstadt schafft, eine ähnliche Reaktion zu zeigen wie nach dem 0:4 in Mönchengladbach, als man drei Tage danach Hoffenheim mit 5:1 aus dem Stadion schoss, wage ich zu bezweifeln.

Dieses Mal hat man relativ wenig Zeit, diese Darbietung aufzuarbeiten, da die nächste Bundesligapause ansteht und sich viele Spieler in aller Herren Länder aufmachen, um für ihre Heimatländer aufzulaufen. So wird bis zum 2. April diese Niederlage und vor allem das Wie aus den meisten Köpfen sein. Ob gerade die Nationalspieler, die in der Pause ihre Visitenkarte in den Fußballtempeln dieser Welt abgeben, den Schalter so schnell umlegen und sich auf ein dreckiges Spiel am heruntergekommenen Böllenfalltor in Darmstadt einstellen können, darf bezweifelt werden.

Dieses Unterfangen muss ohne Georg Niedermeier angegangen werden, der sich nach einem rüden Foul seine fünfte gelbe Karte einhandelte und somit gesperrt sein wird. Wie die Innenverteidigung gegen die vor allem bei Standards brandgefährlichen Lilien aussehen wird, steht wohl noch in den Sternen. Zu schön um wahr zu sein wäre es, wenn Federico Barba bis dahin schon einsatzfähig wäre. Selbst wenn, glaube ich, wird man ihn zunächst behutsam heranführen und kein weiteres Risiko mehr mit ihm eingehen. Daher dürfte wohl eher Toni Šunjić seine nächste Bewährungschance neben Daniel Schwaab erhalten, einen Vorgeschmack auf dieses wackelige Duo gab es ja bereits in der zweiten Halbzeit in Ingolstadt.

Apropos Ingolstadt, Darmstadt dürfte ein ähnlich unangenehmer Gegner sein, gegen den eher mit einer rustikalen Spielweise als mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei beizukommen ist. Problem dabei ist jedoch, dass das diese Truppe nach etlichen Jahren Abstiegskampf noch immer nicht verinnerlicht hat.

Ein Gutes kann man den teils katastrophalen Vorstellungen in den letzten Wochen aber dann doch noch abgewinnen. Robin Dutt kann mit sich selbst in Klausur gehen und sich hinterfragen, ob es tatsächlich angebracht ist, Spielern, die die Gesichter des sportlichen Niedergangs der letzten fünf Jahre sind, Vertragsverlängerungen hinterherzuwerfen oder ob man nicht doch eher froh sein sollte, dass diese (endlich) auslaufen. Die 2016 und 2017 auslaufenden Verträge bieten die Chance, sich von langjährigen „Stützen“ zu trennen und dem VfB eine Frischzellenkur zu verpassen.

Man darf sich jetzt von ein paar ordentlichen Vorstellungen zu Beginn des Jahres nicht blenden lassen, sondern muss das große Ganze sehen. Den „Charakter“ dieser Truppe, und dafür zeichnen nun mal die langjährigen Angestellten maßgeblich verantwortlich, sieht man gerade jetzt wieder. Nach ein paar wenigen Siegen, nach dem Sprung in vermeintlich beruhigendere Gefilde in der Tabelle, macht man es sich wieder bequem in der Wohlfühloase und denkt, es gehe von selbst. Dieses Nachlassen könnte noch ganz fatale Folgen für den VfB haben, weil es das Restprogramm in sich hat. So gesehen ist Darmstadt schon das Schlüsselspiel, ich befürchte, danach werden nicht mehr viele Punkte eingefahren werden können. Augsburg und Bremen sind zwar auf dem Papier auch noch lösbare Aufgaben, aber, es sind Gegner, die uns nicht liegen und Orte, in denen die Trauben in den letzten Jahren für uns sehr hoch hingen.

Daher muss der Kader kurzfristig mit mehr Typen wie Kevin Großkreutz und Serey Dié verstärkt werden, die bereit sind in jedem Spiel 100% zu geben und nicht erst dann, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht.

Ich freue mich schon heute auf Darmstadt. Endlich mal wieder ein richtig altes Stadion mit dem Flair der 1980er-Jahre und das Kontrastprogramm zu den Einheitsarenen der Neuzeit. 1982 war ich schon einmal zu einem Bundesligaspiel dort, Endstand damals 3:3, was in zwei Wochen schon zu wenig wäre. In diesem Sinne, drink positive, Auswärtssieg!

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29. Februar 2016

Noch kein Beinbruch

Die schlimmsten Befürchtungen wurden am Samstag im Neckarstadion leider bestätigt. Der VfB wurde seinem Ruf als Aufbaugegner einmal mehr gerecht und unterlag nach zuletzt acht nicht verlorenen Spielen in Folge dem Schlusslicht Hannover 96, das seinerseits acht (!) Niederlagen am Stück hatte hinnehmen müssen.

Wie konnte es nur dazu kommen? Vielleicht spielte ins Unterbewusstsein doch mit hinein, dass man dem abgeschlagenen Schlusslicht hochüberlegen sein sollte und Hannover unter Schaaf ja ohnehin nichts auf die Kette bringen würde. Waren es diese 10% weniger, die man in die Waagschale warf und die diese schließlich zu Gunsten der 96er senkte? War es Unvermögen oder fehlendes Glück oder fehlte doch unser Spielmacher Daniel Didavi an allen Ecken und Enden?

Ich finde, von allem etwas. Alexandru Maxim war einmal mehr kein gleichwertiger Ersatz für Dida. Seine besten Spiele macht er, wohl sehr zu seinem Leidwesen, als Einwechselspieler, so dass der VfB schon jetzt seine Rückschlüsse ziehen sollte und im Falle eines Weggangs von Didavi, einen möglichst gleichwertigen Ersatz parat haben sollte. Bei 17:1 Ecken und 22:12 Torschüssen, 60% Ballbesitz und einer ordentlichen Passquote muss einfach mehr herausspringen, als dieses mickrige von Werner erzielte Törchen. Die Ecken, ob von Maxim oder später von Kostic waren meist sichere Beute des guten und großgewachsenen 96-Keepers Zieler, der die hereingeschlagenen Bälle mühelos herunterpflücken konnte, sofern die Pille es überhaupt bis zu ihm schaffte und nicht schon beim ersten Abwehrspieler Endstation war. Großchancen von Timo Werner und Filip Kostic wurden leichtfertig vergeben, so dass am Ende zwei Unachtsamkeiten in der Abwehr genügten, um zwei vermeidbare Tore zu kassieren und am Ende mit leeren Händen dazustehen. Kommt dann noch Pech dazu und kann Sorg zwei Mal auf der Linie klären, geht der Schuss eben auch mal nach hinten los, alte Fußballerweisheit.

Die schlechte Chancenverwertung war grotesk und erinnerte an die ersten Saisonspiele unter Zorniger. Hier muss der Hebel angesetzt werden, auch wenn es fraglich erscheint, ob aus Timo Werner noch ein echter Goalgetter wird. Er rackert, reibt sich auf, ist durch seine Schnelligkeit eine Waffe, aber, den Torabschluss hat er nicht erfunden. Er verstolperte DIE Chance zum 2:1 in Mittelstürmerposition kläglich, so dass Stimmen lauter werden, die einen echten Mittelstürmer wie Kravets oder auch Martin Harnik in der Sturmmitte fordern und Timo Werner eher auf Außen oder gar auf der Ersatzbank sehen möchten.

Meine Geduld mit ihm ist noch lang nicht am Ende. Er ist noch jung (wird nächsten Sonntag 20!) und hat als Eigengewächs bei mir einen Bonus, zudem lebt er den VfB und identifiziert sich mit ihm, wie kaum ein zweiter im derzeitigen Kader. Er hat in dieser Saison einen gewaltigen Sprung gemacht und ist noch lang nicht am Ende seiner Entwicklung, so dass man nicht schon jetzt den Stab über ihn brechen sollte.
Vielleicht täte ihm eine Denkpause in Mönchengladbach gut, fallen lassen darf man ihn aber nicht. Immerhin erzielte er ja auch den vielumjubelten Führungstreffer, halb mit dem Kopf, halb mit der Schulter, als die Hannoveraner ihn bei einem Maxim-Freistoß sträflich frei ließen. Damit schraubte er sein Torekonto auf fünf hoch, und hat bereits jetzt so viele Treffer erzielt wie noch nie zuvor in seiner Bundesligakarriere.

Auf der anderen Seite lud der VfB Christian Schultz freimütig zum Toreschießen ein. Schultz, dem in den letzten vier Saisons gerade einmal jeweils ein Treffer gelang und der in dieser Saison vorher noch überhaupt nicht getroffen hatte, wurde gegen den VfB zum Doppelpacker, weil sowohl Schwaab als auch Großkreutz bei beiden von Kiyotake hereingeschlagenen Standards nicht auf der Höhe waren. Diese beiden Unkonzentriertheiten beraubten uns schließlich der Punkte, die gegen das Schlusslicht ohne Wenn und Aber eingeplant waren. Unterm Strich war es eine sehr ärgerliche und vermeidbare Niederlage und sie ist dennoch kein Grund den Kopf in den Sand zu stecken.

Auch wenn der VfB ein klares Chancenplus zu verzeichnen hatte, ganz unverdient war der Hannoveraner Sieg auch wieder nicht. Schon vor dem 0:1 hatten die 96er die bessere Spielanlage zu bieten und wurden durch Distanzschüsse gefährlich, die dankbare Beute von Tytoń waren.

Mit der allerersten Chance ging der VfB dann (überraschend) in Führung, wodurch sich das Schlusslicht aber nicht hängen ließ. Für den VfB war das Spiel der Hannoveraner schwer zu durchschauen, da sie ohne echten Stürmer antraten und unsere Innenverteidigung um Schwaab und Niedermeier in der Luft hing und mit den vielen Freiheiten nicht wirklich etwas anzufangen wusste. Hier hatte Schaaf Kramny offensichtlich ausgetrickst, bis sich der VfB einigermaßen darauf einstellte, stand es auch schon 1:1.

Rühmte ich letzte Woche noch die Auswechslungen Kramnys, kamen mir die Wechsel dieses Mal zu spät. Vor allem die Herausnahme von Serey Dié konnte ich nicht nachvollziehen, war er doch bis zu diesem Zeitpunkt DER Antreiber, der es wenigstens noch versuchte, durch die Mitte Räume zu schaffen. In Anbetracht dessen, dass unsere Innenverteidiger ohnehin beschäftigungslos waren, hätte man, bei ein wenig mehr Flexibilität, auch auf eine Dreierkette umstellen und das Signal auf Attacke stellen können.

Ich hatte letzte Woche schon geschrieben, dass dies wohl das schwerste Spiel der letzten Wochen werden und einen echten Charaktertest darstellen würde, ernsthaft vorstellen konnte ich es mir aber auch nicht, dass ausgerechnet wir diejenigen sein würden, die Hannover zum Leben erwecken würden. Aber, so ist der Fußball und speziell der in der Bundesliga. Die Leistungsdichte ist enorm, ein Nachlassen oder gar ein Unterschätzen des Gegners wird gnadenlos bestraft. Und doch müsste man nicht darüber philosophieren, ob der VfB zu leichtfertig an die Aufgabe herangegangen ist, wenn aus dem Chancenplus Kapital geschlagen worden wäre.

Der VfB war drauf und dran die Herzen der Gelegenheitsstadionbesucher zurückzuerobern und verzeichnete mit 54.356 Zuschauern den besten Besuch seit langem. Hoffen wir, dass diese sich wegen der Niederlage nicht umgehend wieder abwenden und dem Verein und der Mannschaft wieder die kalte Schulter zeigen. Für Spektakel und guten Fußball ist in dieser Saison stets gesorgt, dass dies nicht immer mit einem befriedigenden Ergebnis einhergeht, bringt unser Lieblingssport so mit sich. Alles in allem war auch der Auftritt gestern wieder ein aufregender und zwar in jeder Hinsicht. Wenn der VfB im Rollen ist und ein Angriff nach dem anderen auf des Gegners Tor zurollt, ist das aufregend mitzuerleben, die Fehler in der Abwehr, die Hannover schließlich jubeln ließen, regten mich dann aber auch gewaltig auf.
Nach dieser großartigen Serie von acht Spielen ohne Niederlage, befinden wir uns nun in einer leichten Abwärtsspirale mit zuletzt zwei Spielen ohne Sieg. Den Punkt auf Schalke hätte man gegen Hannover versilbern können, während man jetzt doch eher den beiden verlorenen Punkten nachtrauert, vor allem, wenn man gesehen hat, wie Schachtjor Donezk die Knappen unter der Woche auseinandergenommen hat.

Die nächste Gelegenheit, diesen leichten Negativtrend zu stoppen, besteht bereits am Mittwoch im Borussia-Park zu Mönchengladbach. Es dürfte ein ganz schweres Spiel bei der drittbesten Heimmannschaft, die noch um die Championsleague-Qualifikation kämpft, werden.

Allerdings ist Gladbach auch ein extrem gutes Pflaster für uns, die letzte Niederlage im Borussia-Park liegt bereits knapp elf Jahre zurück, zuletzt holten wir dort vier Siege und fünf Unentschieden.
Nach dieser Niederlage besteht für Kramny durchaus Anlass, seine bisher meist unumstößliche Aufstellung zu überdenken. Wer ist frisch genug? Gönnt man Werner, Rupp und/ oder Insúa, die allesamt am Samstag überspielt wirkten, mal eine Pause? Geht man das Unternehmen Auswärtssieg mit frischeren Kräften an und zwingt Gladbach, ein hohes Tempo mitzugehen? Immerhin haben die Borussen noch einen Tag weniger zur Regeneration zur Verfügung, so dass sich am Ende, wie bereits auf Schalke, auszahlen könnte, noch zulegen zu können.

Kravets und/ oder Harnik drängen langsam aber sicher ins Team, während Didavi seinen angestammten Platz wieder einnehmen dürfte. Vielleicht dürfen die beiden genannten ja mal zusammen von Beginn an ran. Während man Werner 1:1 ersetzen könnte, fiele dies bei Rupp schwerer. Auch in den zuletzt nicht so überragenden Spielen, leistete er als Balleroberer und mit seinem guten Spielverständnis wertvolle Dienste fürs Team.

Die Gefahr bei einer übertriebenen Rotation besteht allerdings, dass etwas an Stabilität verloren geht, wie man beim Pokalspiel gegen den BVB leidvoll miterleben musste, wobei der Einschnitt damals gravierender war, weil man durch die Hereinnahme von Langerak und Šunjić die zuletzt funktionierende Abwehrformation auseinander gerissen hatte.

Auf der anderen Seite belohnt man gute Trainingsleistungen derer, die momentan etwas außen vor sind, am ehesten damit, dass diese belohnt werden und sie auch dann die Chance haben, ins Team zu rücken, wenn sich nicht gerade einer verletzt hat oder gesperrt ist.

Dieser Rückschlag ist (noch) kein Beinbruch, mit 28 Punkten stehen wir momentan noch voll im Soll. Das Team als Ganzes ist jetzt gefragt, die gute Stimmung und den respektvollen Umgang untereinander auch dann aufrecht zu erhalten, wenn nicht alles eitel Sonnenschein ist und Gegenwind aufkommt. Hier wird sich zeigen, ob die Truppe an Charakterstärke gewonnen hat im Vergleich zum Vorjahr und ob die Trotzreaktion aus der Mannschaft heraus erfolgt.

Die Tabellensituation stellt sich noch komfortabel dar, was allerdings schon wieder anders aussehen könnte, sollten wir aus Mönchengladbach mit leeren Händen zurückkehren und auch gegen Hoffenheim, an dem sich gestern schon der BVB bis zur roten Karte extrem die Zähne ausgebissen hat, verlieren. Dieses Szenario ist nicht ganz unrealistisch, auf der anderen Seite aber hat der VfB in dieser Saison außer den großen Zwei schon jeden Gegner, zumindest phasenweise, an die Wand gespielt, so dass in fast jedem der ausstehenden Spiele eine reelle Siegchance besteht.

Vor einem neuerlichen totalen Absturz, den viele schon wieder prophezeien, habe ich keine Angst. Niederlagen gehören zum Spiel dazu, noch haben wir genügend Möglichkeiten es besser zu machen, noch ist der Vorsprung auf den Relegationsplatz beruhigend groß und vor allem, von Hoffenheim vielleicht einmal abgesehen, stehen durchweg deutlich limitiertere Truppen hinter uns, als dass man vor irgendeinem Team im Tabellenkeller Schiss haben müsste.

Daher wird der VfB weiter seinen Weg gehen und, da nicht am Samstag, eben in den nächsten Spielen die nötigen Punkte einfahren, um die letzten Zweifel am Klassenerhalt zu beseitigen und die notorischen Schwarzseher zu besänftigen.

Mittlerweile herrscht ein ganz neuer Geist in der Truppe, wir haben wieder den einen oder anderen Typen im Team. Qualität, vor allem offensiv, ist vorhanden und, was uns die letzten Jahre total abging, es herrscht Spielfreude. Die einen pushen, die anderen berauschen sich an ihrem atemberaubenden Spiel, und mit Kramny steht ein Mann an der Linie, der den richtigen Ton zu treffen scheint und ein feines Gespür dafür hat, wie er die Mannschaft anzupacken und auch jetzt wieder aufzurichten hat. Das alles sind Faktoren, die mich zuversichtlich stimmen, dass wir in dieser Saison lang nicht so lang zittern müssen wie in den beiden Vorjahren.

Eine Rückrundenserie gilt es zumindest in Mönchengladbach zu verteidigen. Wir punkteten bisher ausschließlich gegen jene Mannschaften, gegen die wir in der Vorrunde mit leeren Händen dastanden und verloren nun just gegen das Team, gegen das in den ersten sieben Saisonspielen der einzige Siege heraus sprang. Gegen Gladbach setzte es Ende September eine 1:3-Niederlage, also, durchaus als gutes Omen zu werten!

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19. Dezember 2015

Der VfB, ein hoffnungsloser Fall!

Nach dem Spiel beim 1. FSV Mainz 05 übernahm der VfB zum 13. Mal im Kalenderjahr 2015 die rote Laterne, so oft wie noch nie zuvor in seiner Vereinsgeschichte. Wir stellen die schlechteste Abwehr der Liga und weisen die schlechteste Tordifferenz aller Bundesligisten auf. Wurden wir zu Saisonbeginn noch für unsere Spielweise, die bedauerlicherweise zu wenig Punkte brachte, gelobt, kehrt der VfB unter Interimstrainer Jürgen Kramny zu einem Fußball zum Abgewöhnen zurück, der zwar mehr defensive Stabilität bringt, mit der man vorne dafür aber auf den lieben Gott angewiesen ist. Zwei dadurch aufeinanderfolgende nicht verloren gegangene Bundesligaspiele gegen biedere Mannschaften aus dem Tabellenkeller und dem Mittelfeld, werden uns als Trendwende verkauft, Jürgen Kramny zum Heilsbringer hochgelobt.

Meine Euphorie darüber hält sich in Grenzen. Gegen Werder Bremen wurde eine 1:0-Pausenführung leichtfertig aus der Hand gegeben, weil nach vorne die Ideen fehlten und man nur auf Sicherung der knappen Führung bedacht war, in Mainz stellte man die Offensivbemühungen in der zweiten Halbzeit gar komplett ein und war (zu) früh mit einem Remis zufrieden. In beiden Spielen offenbarte der VfB große konditionelle Mängel und war nach etwa einer Stunde nicht mehr imstande noch einmal zuzusetzen.

Willkommene Abwechslung zum tristen Bundesliga-Alltag bot am Mittwoch der DFB-Pokal. Eintracht Braunschweig wurde uns zugelost, ein Heimspiel, Flutlicht! Und die große Chance ins Viertelfinale des noch immer attraktiven und prestigeträchtigen Wettbewerbs einzuziehen. Dennoch fanden sich gerade einmal 21.950 Zuschauer im Neckarstadion ein, wovon noch gut 2.000 aus Niedersachsen angereist waren. Das mag ein Stuttgarter Phänomen sein, dass solche „Sonderlocken“ wie Europa League- und DFB-Pokal-Spiele unter der Woche und in der dunklen Jahreszeit nicht angenommen werden, wenn der Gegner nicht gerade Bayern München heißt. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Ob frühe oder späte Anstoßzeit, wer arbeiten muss und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, hat so oder ein Problem. Aufs Auto umzusteigen ist für viele angesichts der zuletzt gezeigten Leistungen keine ernsthafte Alternative, weil im Stadion wenigstens der Promillespiegel stimmen sollte. Außerdem hat der VfB ein sehr großes Einzugsgebiet, ob Bodensee, Baden, Franken oder Hessen und sogar noch darüber hinaus, ohne mindestens einen Tag Urlaub zu nehmen ist ein Stadionbesuch an einem Werktag für viele Dauerkarteninhaber nicht möglich. Das Weihnachtsgeschäft und der Weihnachtsstress tun bei vielen noch ihr übriges.

Und dann gibt es eben auch sehr viele Stammbesucher, die es nicht einsehen, für diese Magerkost noch zusätzlich zu bezahlen und bleiben lieber zu Hause. Daher wurde bereits im Vorfeld vom VfB kommuniziert, dass aufgrund der erwarteten Zuschauerzahl die komplette Untertürkheimer Kurve sowie die Oberränge von Haupt- und Gegentribüne gesperrt bleiben und Karten für diese Bereiche vor Ort unbürokratisch umgetauscht werden würden.

Schon der Vorverkauf für dieses Spiel ließ lang auf sich warten. Seit 1.11. war der Gegner bekannt, vom 27.11. bis 2.12. (4 Werktage lang!) wurde den Dauerkarteninhabern das Vorkaufsrecht auf ihren Platz eingeräumt, danach startete dann der freie Verkauf. Da ich lang nicht wusste, welche Preise der VfB für die Treuesten der Treuen ausrufen würde und ich es nicht eingesehen hätte, für diesen Kick den Normalpreis für meinen Haupttribünenplatz zu bezahlen, bestellte ich über den Fanclub einen Kurvensitzplatz, weil ich da wenigstens weiß, dass nichts schief geht.
Weshalb dieser Vorverkauf so spät gestartet ist und dann in aller Hektik durchgepeitscht werden musste, erschließt sich mir nicht. Man war jedenfalls schon geneigt, beim VfB nachzufragen, ob sie auch mitbekommen haben, dass wir im Achtelfinale stehen. Durch den spät gestarteten Verkauf ergaben sich dann auch noch (hausgemachte) logistische Probleme, wie man auf der VfB-Facebook-Seite von Usern nachlesen kann, die ihre Karten nicht oder erst nach dem Spiel erhalten haben.

Der Umtausch der Karten vor Ort gestaltete sich dann auch nicht so einfach, wie im Vorfeld kolportiert, habe gehört, dass Leute rund ums Stadion geschickt wurden und dadurch den Anstoß verpassten. Wir verpassten ihn auch, weil sich 15 Minuten vor Spielbeginn riesige Schlangen am Einlass gebildet hatten und es nur sehr schleppend voranging. Am Vortag wurden die beiden frühen Spiele mit fünfzehnminütiger Verspätung angepfiffen wegen des großen Zuschauerandrangs. Seitens des VfB hielt man es wohl nicht für nötig, einen derartigen Antrag zu stellen. War es dem VfB selbst peinlich, es nicht zu schaffen, diese vergleichsweise geringe Zuschauerzahl abfertigen zu können oder geschah dies aus purer vorweihnachtlicher Nächstenliebe, damit sich die zu spät Kommenden das Elend nicht komplett anschauen mussten?

Man weiß es nicht, jedenfalls hatte ich dadurch nicht nur den Einlauf der Mannschaften, eine kleine Choreo des Braunschweiger Anhangs und eine Pyroshow der Gästefans, sondern auch das 0:1 verpasst. Vor dem Spiel erhoffte ich mir eine Initialzündung und dass man sich über das Pokal-Spiel wichtiges Selbstvertrauen für das letzte Vorrundenspiel gegen den VfL Wolfsburg holen würde. Diese Hoffnungen erfuhren früh einen Dämpfer. Dazu wäre eine eigene schnelle Führung wichtig gewesen, anhand derer man sich hätte in einen Rausch spielen können. Jetzt durfte man sich also auf ein ausgeglichenes Pokalspiel auf Augenhöhe einstellen, weil die Braunschweiger zunächst einmal Blut geleckt hatten und erkannten, wie verwundbar wir sind. Auch wenn dem 0:1 ein leichter Schubser an Georg Niedermeier vorausgegangen war, der ihn aus dem Tritt brachte, war das Tor für mich nicht irregulär. Niedermeier kam schon stabiler daher und muss sich mit seiner Statur nicht so einfach düpieren lassen.

Die Reaktion des VfB indes konnte sich sehen lassen. Man nahm das Zepter in die Hand und kam zu ersten guten Chancen. Eine Viertelstunde nach dem Rückstand konnte der VfB durch Georg Niedermeier, der damit seinen „Fehler“ wieder gutmachte, egalisieren.

Danach aber verfiel der VfB in den unter Kramny praktizierten alten Trott. Behäbiges Ballgeschiebe in den eigenen Reihen, um hinten nichts anbrennen zu lassen, war oberste Maxime.

Werner hatte dann noch eine gute Torchance und wurde zudem kurze Zeit später im Strafraum gelegt. Alexandru Maxim schoss den fälligen Foulelfmeter, scheiterte aber kläglich am guten Braunschweiger Schlussmann Gikiewicz. Der Pole hielt auch danach überragend gegen Rupp und Timo Werner, so dass es mit dem 1:1 in die Halbzeitpause ging. Nach dem Wechsel entwickelte sich ein Spiel mit offenem Visier und Chancen hüben wie drüben, ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen.

Robin Dutt spielte das zwar nach der Partie herunter und erfand die Formel es habe der Bundesliga-18. gegen den -23. gespielt. Meiner Meinung nach muss man für die Bewertung aber nicht nur die desaströse Tabellensituation des VfB heranziehen sondern auch berücksichtigen, dass der VfB einen in etwa doppelt so hohen Saisonetat aufzuweisen hat wie die Braunschweiger.

Nach einer Stunde ging dem VfB dann mal wieder die Puste aus, so dass die Begegnung dem Ende der regulären Spielzeit entgegenplätscherte. Als leidgeprüfter Fan, der dieses Gekicke derzeit ohnehin nur schwerlich und mit reichlich Bierzufuhr ertragen kann, wünschte man sich selbstredend nichts sehnlicher als einen mindestens dreißigminütigen Nachschlag, der einem dann auch nicht erspart bleiben sollte.

In der Verlängerung besann sich der VfB zunächst wieder darauf, den Vorwärtsgang einzulegen, um sich nicht im Elfmeterschießen blamieren zu müssen, so dass Georg Niedermeier eine doppelte Kopfballchance hatte. Fünf Minuten später lag der Ball dann endlich im Braunschweiger Gehäuse, als der eingewechselte Youngster Tashchy mustergültig auf Timo Werner flankte und dieser nur noch einzunicken brauchte. Die erlösende Führung war endlich da und damit auch der Glaube daran, dass der Kelch des Elfmeterschießens an uns vorüberziehen würde. Doch da hatten wir die Rechnung ohne unsere Abwehr gemacht. In der 110. Minute konnte Ademi im VfB-Strafraum schalten und walten wie er wollte, sich den Ball in aller Seelenruhe zurecht legen und schließlich einnetzen. 2:2 und zehn Minuten waren noch zu spielen. Drei Minuten später hatte der VfB Riesenglück, dass Schiedsrichter Sippel das Foul von Niedermeier an Ademi nicht sah und den Braunschweigern den fälligen Elfmeter verweigerte. Das wäre mutmaßlich der Knockout gewesen und es wäre den Protagonisten hinterher schwer gefallen, irgendetwas an diesem Spiel zu beschönigen. So aber traf Sunjic in der 118. Minute und hielt den VfB damit im Wettbewerb. Ich weiß nicht, worüber ich im Stadion mehr jubelte, über den Siegtreffer oder darüber, endlich heim zu können, jedenfalls war es das dann und ein weiteres nervenaufreibendes um nicht zu sagen nerviges Spiel mit dieser „Mannschaft“ war Geschichte. Im Viertelfinale wartet Borussia Dortmund, angesichts der zuletzt gezeigten VfB-Leistungen wohl wie ein Freilos für den BVB.

Sollte sich in der Winterpause nicht grundlegend etwas ändern, ist es schwer vorstellbar, wie wir bis zum Februar dem BVB ein echter Gegner und nicht nur Sparringspartner sein sollten, auch wenn in einem Heimspiel immer alles möglich ist.

Der VfB müsste sich (mal wieder) runderneuern, was aufgrund der Finanzknappheit jedoch ein utopischer Wunsch bleiben dürfte. Erst in dieser Woche wurde ein ebenso interessanter wie alarmierender Artikel vom Finance-Magazin veröffentlicht, der offenlegt, wie Kennzahlen vom VfB geschönt werden und wie es finanziell tatsächlich um unseren Herzensclub bestellt ist. Dieser gibt auch Einblicke darüber, wie schlecht der VfB mit vergleichsweise viel Personal im Vergleich zu anderen Vereinen wirtschaftet und wie lang wir bereits in einem boomenden Markt rückläufige Umsätze verbuchen. Da auf dem Wasen noch immer alles rosarot gemalt und der Fan für dumm verkauft wird, misst man sich dann eben nicht mehr mit den Besten, sondern mit dem 23. der Bundesliga, den man in einem typischen Pokal-Fight wahrlich niedergerungen habe. ;-)

Als Fan stelle ich fest, dass wir mit Hängen und würgen die nächste Runde erreicht haben und Braunschweig mit uns auf Augenhöhe war.
Robin Dutt hat bereits verlauten lassen, dass im Winter möglicherweise ein Spieler gekauft oder zwei ausgeliehen werden könnten, was gemessen am derzeitigen Leistungsvermögen der Truppe, viel zu wenig wäre. Wir haben Handlungsbedarf in allen Mannschaftsteilen, es muss endlich Schluss sein mit dem Vorgaukeln angeblicher Qualität und rigoros ausgemistet werden.

Die einzigen wirklichen Qualitätsspieler Didavi und Kostić sind gedanklich schon fort oder wie Ginczek verletzt. Es gibt niemanden, der das Zepter an sich reißt, wenn es, was es ja oft tut, schlecht läuft. Wir benötigen Spieler mit Charisma, die der Truppe von Anfang neues Leben einhauchen, so wie es Serey Dié vor Jahresfrist getan hat.

Timo Werner hat in der Vorrunde einen Sprung gemacht und kann sich vor allem wegen seiner Schnelligkeit noch zu einer wahren Waffe entwickeln. Da Karl-Heinz Förster gestern auf der Geschäftsstelle des VfL Wolfsburg gesichtet wurde und dementierte, wegen Daniel Didavi dort gewesen zu sein, könnte Timo Werner, den der VfB offensichtlich bereits im Sommer wie Sauerbier angeboten hatte, dort Gesprächsthema gewesen sein.
Robin Dutt ist offensichtlich dabei, Tafelsilber zu verkaufen und alles und jeden, der noch Geld einbringen könnte, auf dem Markt anzubieten. Was uns bleibt, sind die Schwaabs und Hlouseks, gute Nacht, VfB!

Christian Gentner ist sowohl als Kapitän als auch als gesetzter Spieler auf der wichtigsten Position im modernen Fußball eine absolute Fehlbesetzung. Ihm fehlt Handlungsschnelligkeit, im fehlt Mut, im fehlt in gewisser Weise auch das Spielverständnis, wann er Tempo herausnehmen und wann er das Spiel schnell machen müsste. Zudem ist er ein Verfechter des körperlosen Spiels und keiner der richtig dazwischenhaut und dem Gegner mal weh tut. Es kann kein Zufall mehr sein, dass es, angefangen mit Zdravko Kuzmanovic, kein Spieler schaffte sein Level neben ihm zu halten geschweige denn ihn auf die Ersatzbank zu verdrängen. Aufgrund alter Erbhöfe und seiner guten Vernetzung bei den „richtigen Leuten“ im Verein, ist Gentner DIE Konstante, was mit verhindert, dass endlich ein leistungsorientiertes Klima auf dem Wasen einkehrt.

Dann bringt Kramny in Mainz Allzweckwaffe Hlousek für Kostic, um das Ergebnis zu sichern, Schwaab darf Woche für Woche seine Unfähigkeit unter Beweis stellen und der Niederstrecker ist auf einmal wieder unverzichtbarer Bestandteil der ersten Elf, obwohl er mangels Schnelligkeit ständig Gefahr läuft, durch dumme Fouls die eigene Mannschaft zu schwächen. Einzig Tytoń, Rupp und Timo Werner zeigen in den letzten Wochen und Monaten so etwas wie aufsteigende Tendenz. Alle anderen befinden sich in einem gefährlichen Sog, ziehen sich gegenseitig runter und stecken sich durch ihre eigene Unsicherheit gegenseitig an.

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen haben wir keine Mannschaft im ursprünglichen Wortsinn auf dem Platz sondern eher elf Einzelkämpfer, wobei man „Kämpfer“ lieber in Anführungszeichen setzt. Dass es in der Mannschaft nicht stimmen kann, macht öffentlich geäußerte Kritik an den Mannschaftskameraden, zuletzt von Didavi und Gentner, deutlich. Es ist ja eigentlich als positiv zu bewerten, wenn sich Spieler Gedanken machen und offensichtlich selbst nicht zufrieden sind, mit dem Käse, den sie spielen, würden sie selbst mit Leistung vorangehen, wäre es allerdings noch lobenswerter.

Wie die Stuttgarter Medien meinen zu wissen, steht es bereits so gut wie fest, dass Jürgen Kramny nach dem Wolfsburg-Spiel offiziell zum Cheftrainer ernannt wird. Einzig, ein Debakel gegen die Wölfe könnte die Vereinsführung noch zum Umdenken bewegen.

Da frage ich mich, haben die Herren im Vorstand den Schuss nicht gehört? Wir stehen am Abgrund, Hoffnungslosigkeit macht sich breit, und der Verein offenbart in schonungsloser Offenheit, dass er keinen Plan hat. Wer Präsident Bernd Wahler letzten Sonntag bei Sport im Dritten gesehen hat, sah einen erbärmlichen und farblosen Auftritt des VfB-Präsidenten. Viel geschwätzt, nichts gesagt und vor allem hat er keine Lösungen aufgezeigt und nicht den Eindruck erweckt, er wisse, was zu tun wäre. Er hat tatsächlich einzig und allein die Ausgliederung im Kopf und lässt Dutt machen und vertraut darauf, dass er das schon gut machen werde. Nur, wo Dutt ist, ist unten! Schwache Chefs umgeben sich mit noch schwächeren Mitarbeitern. Bezeichnend, dass Wahler bei SiD die Nichtentlastung des Vorstands weglächelte und meinte, dies sei ja auf 2014 bezogen gewesen. Wie lang ist Herr Wahler nochmal schon im Amt? Wenn ich dieses Auftreten sehe, frage ich mich hingegen, wie lang ist Herr Wahler NOCH im Amt. Auf allen Ebenen bietet der VfB ein einziges Trauerspiel, so dass das nächste personelle Beben nicht mehr in allzu ferner Zukunft liegen dürfte.
Dutt steht nach Zornigers Entlassung, bei der Faneingebungen letztlich wohl der letzte Funken waren, mehr denn je auf dem Prüfstand. Er muss zeigen, dass er alles menschenmögliche dafür tut, den VfB in der Liga zu halten. Dabei darf es dann weder um dieselben anwaltlichen Verstrickungen gehen, noch darum, sich möglichst einen „schwachen“ Trainer zu holen, der nur dankbar ist, da sein zu dürfen und keine Widerworte gibt. Es muss einer sein, der weiß, wie man den Karren aus dem Dreck bekommt und den oberen Herren auch die Meinung geigt. Ich fürchte nur, dass Dutt sich darauf nicht einlassen wird. Er „probiert“ Kramny und wenn er nicht zündet, kann man ja immer noch reagieren. Dass es dann bereits zu spät sein könnte und einem neuen Mann die Möglichkeit des Wintertrainingslagers und der Transferperiode dadurch versagt bliebe, möchte Robin Dutt nicht wahrhaben.

Der VfB wirkt momentan so, als wäre er entscheidungsunfähig. Die Rumpf-Mannschaft im Aufsichtsrat hält sich zurück, Wahler, ohne weitere Worte und Robin Dutt soll das Schiff auf Kurs halten, obwohl er als Sportdirektor-Novize und gescheiterter DFB-Sportdirektor und Bundesliga-Trainer den Nachweis seiner Tauglichkeit für diese Herkulesaufgabe erst noch erbringen muss.

Mir wird es angst und bange beim Gedanken daran, dass man nicht nur die letzten vier Bundesliga-Spiele unter Kramny an Zeit verloren hat, sondern, dass man wohl gewillt ist, gerade so weiter zu machen.

Sollte die Kasse wirklich so leer sein, dass wir uns weder einen ordentlichen Trainer noch Verstärkungen für den Kader leisten können, sollen die Herren doch einmal auf die andere Straßenseite der Mercedesstraße gehen und um ein Darlehen betteln.

Ein Abstieg, der in der derzeitigen Konstellation wahrscheinlicher denn je ist, käme ein Vielfaches teurer als jetzt quasi in Vorleistung zu gehen, um alles dafür getan zu haben, den Super-GAU noch abzuwenden.

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5. Oktober 2015

Zorniger gegen den Rest der Welt

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 20:39

Das Spiel an der Autobahnraststätte war noch keine fünf Minuten aus. Jeder, der mit Herzblut dabei ist, steht noch unter dem Eindruck des späten Ausgleichs und der von Timo Werner kläglich vergebenen Siegchance, so dass man das Geschehene erst einmal sacken lassen muss. Als Fan hat man in diesem Moment nur einen Gedanken: Bier her!
Alexander Zorniger, dem viele vorwerfen, unflätige Stammtischparolen einer gewählten Ausdrucksweise vorzuziehen, würde in diesem Moment wohl gerne mit uns tauschen, ein Bierchen trinken und sich dabei auskotzen, wie wir es eben auch tun.
Stattdessen steht auf der Agenda eines Bundesligaspiels nicht etwa „Herunterfahren“ sondern ein Interview-Marathon. Sky, Sport1, SWR, die Kollegen der schreibenden Zunft. Jeder möchte, so schnell wie möglich, so authentisch wie möglich, möglichst auch so skandalös wie möglich einen O-Ton erhaschen, bei dem Zorniger, am besten noch auf hochdeutsch, zum x-ten Mal erklären soll, weshalb Spieler XY aus drei Metern das Tor nicht trifft oder der letzte Mann im eigenen Strafraum ein Luftloch schlägt.
Dass Zorniger noch kein Medienprofi ist, weiß man. Dass es den Reportern ein ums andere Mal gelingt Alex Zorniger aufs Glatteis zu führen, ist bedauerlich aber auch schon wieder sympathisch. Er lebt den Fußball und sagt, was er denkt, was auf Dauer sicherlich gesünder ist, als die Wahrheiten, die man in diesem „Saubermanngeschäft“ eigentlich nicht aussprechen sollte, in sich hineinzufressen und ständig von seinem virtuellen Spickzettel abzulesen, was man sagen darf und was nicht.
Da wir auch noch sportliche Sorgen haben, ist es zwar ärgerlich, wenn ganz Fußball-Deutschland (Dirk Schuster, Strunz uvam.) meint, über den Führungsstil von Alexander Zorniger urteilen zu müssen und dadurch Nebenkriegsschauplätze eröffnet werden, auf der anderen Seite ist es die ehrliche und direkte Art Zornigers seinem Unmut Luft zu machen.
Dass sich aber nun erneut Fredi Bobic in seiner Eigenschaft als Sport1-„Experte“ die Frechheit erlaubt, Zornigers Tauglichkeit für das Haifischbecken Bundesliga in Frage zu stellen, ist an Dummheit kaum zu überbieten. Was – erlaube – Bobic??? Steht er eigentlich noch auf der Gehaltsliste vom VfB? Falls ja, spätestens jetzt wäre es an der Zeit, ihn wegen Verunglimpfung seines Arbeitgebers fristlos zu kündigen.
Eigentlich ist es der Einzelhandelskaufmann aus dem Hallschlag gar nicht wert, sich über solche Aussagen aufzuregen und vor allem zu wundern, hat er doch die aalglatten Vertreter auf der Trainerbank bevorzugt, die morgens den Diener machen und vor allem ihren Mund halten. Stevens wurde vom Aufsichtsrat durchgedrückt, wäre es nach Bobic gegangen, wäre seine Kumpanei mit der Verpflichtung von Balakow in die nächste Runde gegangen. Nicht auszudenken, in welchen Niederungen wir uns bewegen würden, hätte man ihn damals nicht gebremst. Dutt und Zorniger sind derzeit verzweifelt dabei, den Scherbenhaufen aufzuräumen, den Bobic zu verantworten hat und jetzt stellt sich diese Person (fast hätte ich „blinde Bratwurst“ geschrieben“) hin und meint, er müsse dem VfB Ratschläge geben.
In Sinsheim zog sich Timo Werner Zornigers Unmut zu, indem er ihm Unkonzentriertheit vorwarf, wegen der er die klare Siegchance kläglich vergab. „Werner konnte das Tor nicht machen, weil er gedanklich noch mit Küsschen, Küsschen beschäftigt war“. Der Trainer steht unter Druck, der Trainer ist auf 180, dem Trainer geht vor allem die Situation nicht am Arsch vorbei sondern er leidet mit. Da ist eben in dem Moment der Ärger über die vergebene Chance größer als die Freude über Timos Ausgleichstreffer.
Es ist selbstredend nicht die feine englische Art Zornigers, seine Spieler öffentlich an den Pranger zu stellen, allerdings, bei Timo Werner hat ja schon die „Kindermädchen“-Geschichte offensichtlich gefruchtet. Nach seiner Ausbootung gegen Hertha BSC rutschte Werner flugs wieder ins Team und weiß seither sogar auch wieder, wo das Tor steht.
Zorniger hat den Spieler gekitzelt, gereizt, und Werner hat verstanden. Wir wissen alle nicht, ob Zorniger schon, bevor er mit seiner Schelte an die Öffentlichkeit geht, gebetsmühlenartig intern auf den Spieler eingeredet und nichts gefruchtet hat.
Dann ist es meiner Meinung nach schon auch ein probates Mittel, dem Spieler Beine zu machen, indem man zu unpopuläreren Maßnahmen greift.
Bei uns in Stuttgart ist doch nur deshalb der Aufschrei ob solcher „O-Töne“ so laut, weil wir es gewöhnt sind, Bobic und Labbadia lassen grüßen, die Spieler in Watte zu packen und über jede öffentliche Kritik erhaben sein zu lassen.
Dann wundert man sich aber wieder, dass keine Führungsspieler heranwachsen und sich jeder weg duckt, wenn es ungemütlich wird. Die Spieler müssen im Stadion vor 60.000 „Trainern“ ihren Mann stehen, dem Druck gewachsen sein, also, wo ist das Problem, wenn der Trainer kundtut, was er von seinen Jungs erwartet und sie mal nicht ganz so zimperlich anpackt.
Nichtbeachtung seitens des Trainers wäre doch viel schlimmer, so lang er seine Energie dafür aufwendet, den Spieler zu kritisieren und ihn nicht links liegen lässt, so lang hat er auch vor, den Spieler voranzubringen und besser zu machen. Bei Timo steht der nächste Schritt an, im letzten Jahr ist er in seiner Entwicklung stagniert, jetzt, und ich sage das im Brustton der Überzeugung Dank Zorniger, zeigt seine Formkurve wieder nach oben.
Etwas anders gelagert ist der Fall Georg Niedermeier, der zwar am Samstag auf der Bank saß, nach wie vor aber keine Rolle mehr spielt. Sollte Zorniger es letzte Woche tatsächlich so gesagt haben „komme mir aber jetzt keiner mit Georg Niedermeier“, ist diese Aussage respektlos in Anbetracht Schorschs Verdienste um den VfB. Dass er nicht mehr die allererste Geige spielt, ist sportlich nachzuvollziehen. Menschlich aber, die erneute Wahl in den Mannschaftsrat belegt das, steht der Schorsch in der teaminternen Hierarchie weit oben. Hier muss Zorniger aufpassen, dass er die Mannschaft nicht gegen sich aufbringt, dann wäre er irgendwann nicht mehr zu halten, hat es dieses Team doch immer wieder mal geschafft, einen unliebsamen Übungsleiter loszuwerden.
Zorniger ist ein Trainer, der den VfB lebt und der beim VfB seinen Traumjob vorgefunden hat. Aus seinem Umfeld ist zu erfahren, mit welcher Verbissenheit er die Probleme anpackt und wie sehr dieser Negativlauf an ihm nagt. Er ist der erste, der sich selbst hinterfragt und am liebsten alles anders machen würde, wenn es denn garantiert Punkte einbringen würde.
Hätte jemand einen Grund, wegen fehlenden Glückes hinzuschmeißen, wäre es wohl Zorniger. Er wird jedoch, hoffentlich, einen Teufel tun und den VfB ähnlich schäbig im Stich lassen, wie es vor Jahresfrist Armin Veh getan hat.
Alex Zorniger ist ein Typ wie Du und ich, volksnah und möglicherweise auch ein Stück weit zu ehrlich für dieses verlogene Bundesligageschäft. Man sollte bei ihm nicht alles, was er von sich gibt, auf die Goldwaage legen, sondern sich daran erfreuen, dass man einen echten Typen als Trainer hat, der sein Herz auf der Zunge trägt und nicht einen Weichspüler, der einen Woche für Woche mit den gleichen sinnfreien Phrasen abspeist. Natürlich hat Zorniger medial noch Luft nach oben und sollte auch einmal ein Fettnäpfchen auslassen, verbiegen lassen darf er sich aber nicht. Dann wäre er sofort unglaubwürdig, was ihm dann wohl auch noch negativ ausgelegt werden würde.
Im Moment kann er wohl machen, was er will, seine Gegner finden immer ein Haar in der Suppe. Sei es Kritik an seinen Spielern oder der Kaderzusammenstellung, wofür er sich allerdings auch schon bei der Mannschaft entschuldigt hat, sei es seine „Unerfahrenheit“ oder seine Red Bull Vergangenheit. Trifft ein Spieler aus zwei Metern das Tor nicht, spielt ein anderer einen schlampigen Pass, der zum Konter führt oder spielt der Torwart Harakiri, an allem ist Zorniger schuld.
Ich frage mich, was der VfB-Fan will. Soll es ewig so weitergehen wie in den letzten Jahren, alle paar Monate ein neuer Trainer, weiterhin ein Sammelsurium von Wunschspielern verschiedener Trainer, die nächste Abfindungszahlung an der Backe und nach drei Monaten, wenn weiterhin die Ergebnisse fehlen sollten, der Nächste bitte? Ich habe keine Lust mehr darauf, sich ständig im Kreis zu drehen und hoffe sehr, dass wir mit der Konstellation Dutt/ Zorniger die Kurve kriegen und Ruhe und Kontinuität in den Laden hineinbekommen. Für mich hat die Lösung mit Zorniger inzwischen einen gewissen Charme, er spricht unsere Sprache, kommt authentisch rüber, ist auf seine Art ein Verrückter und steht für mitreißenderen Fußball, als den, den wir in den letzten Jahren vorgesetzt bekamen.
Ich heiße auch nicht alles und jedes Interview gut, das Zorniger gibt und denke mir das eine oder andere Mal, hätte er doch dieses oder jenes Thema besser umschifft. Wie im realen Leben aber auch nehme ich die Menschen wie sie sind und hinterfrage oder kritisiere nicht jeden Wesenszug. Ich versuche damit klar zu kommen, ohne die Menschen ändern zu wollen und so nehme ich Alex Zorniger wie er ist. All das wäre ja auch überhaupt kein Thema, wenn die Ergebnisse stimmen würden.
Ich sage bei weitem nicht, dass Zorniger für uns das Nonplusultra darstellt und dass er alternativlos ist. Was mich viel mehr beschäftigt ist aber, welche Alternative wir denn hätten und vor allem, wer dann garantieren würde, dass alles besser wird!
Natürlich würde auch ich Jürgen Klopp mit Kusshand nehmen, bin aber Realist. Auch wenn er schon verkündete, ggf. auch einen „kleineren“ Verein zu übernehmen und Aufbauarbeit zu leisten, dann sicherlich nicht während einer Saison, wo er so gut wie keinen Einfluss auf die Planungen nehmen kann, abgesehen davon, dass er sich auch nicht mit einem Bruchteil des Gehalts abspeisen lassen würde, das er in Dortmund jeden Monat überwiesen bekam. Absolut unrealistisch. Ich wünsche mir schon fast, dass er in Liverpool unterschreibt, einfach deshalb, damit auch der letzte VfB-Fan einsieht, dass Kloppo reines Wunschdenken war.
Genauso wie wohl auch Lucien Favre, den ich nicht so einschätze, als dass er nach vier intensiven Jahren in Mönchengladbach ein paar Wochen später schon wieder die Vereinsfarben wechseln würde. Er, introvertiert wie er ist, muss das Geschehene sacken lassen und seinen Akku wieder aufladen.
Danach bleiben die üblichen Verdächtigungen, auf die ich nicht näher eingehen möchte. Jedenfalls verspricht keiner derer auf der Liste der arbeitslosen Fußballtrainer, dass er Zornigers Job besser machen würde. So ist übrigens auch die Mourinho-Aussage zu interpretieren, die Zorniger auch schon nachgetragen wird und die manch einer so verstanden haben möchte, Zorniger stelle sich auf eine Stufe mit Mourinho. Die Aussage sollte nur das widerspiegeln, was wir schon einige Male im Stadion erlebt haben, nämlich, dass der VfB einen klasse Fußball spielt, der Trainer also seinen Job gemacht und die Mannschaft richtig eingestellt hat, und uns dann stets individuelle Fehler um den Lob der Arbeit brachten. Auch ein Mourinho kann letzten Endes die Tore nicht selbst schießen.
Aller Anfang ist schwer, so auch der Beginn von Zornigers Bundesligatrainer-Karriere.
Gerade in der letzten Woche, als wir wieder einmal den (12.) Jahrestag des legendären 2:1 gegen die Startruppe von Manchester United feiern durften, kamen Erinnerungen an bessere Zeiten wieder hoch. Es war phantastisch, wie unter anderem Andi Hinkel, Kevin Kuranyi, Alex Hleb, Timo Wenzel und Timo Hildebrand die Fußballwelt im Sturm eroberten und als Junge Wilde Vol. 1 in die Geschichte eingingen. Felix Magath war seinerzeit Trainer dieser Rasselbande und ließ sich für diesen Jugendstil feiern. Kein Gedanke mehr daran, dass Magath die Jungen notgedrungen von der Leine lassen musste, weil kein Geld für Neuverpflichtungen da war und Jahre davor ein gewisser Ralf Rangnick hervorragende Vorarbeit geleistet hatte.
Die Jungen Wilden waren Produkt des Nachwuchskonzeptes, welches Rangnick während seiner Zeit als VfB-Trainer auf den Weg gebracht hatte. Rangnick war, ähnlich wie Zorniger jetzt, als Fußball-Professor und Fußball-Verbissener verschrien, der es sich mit seinen vermeintlichen Stars, allen voran Krassimir Balakow, schnell verscherzte. Wie Zorniger heute wurde dieser neunmalkluge Ralf Rangnick von Beginn an vom Umfeld kritisch beäugt und quasi bei „erstbester“ Gelegenheit wieder entsorgt. Auch er kam, etwas grün hinter den Ohren, daher, als habe er die Weisheit mit Löffeln gefressen und eckte ein ums andere Mal an. Wie man heute zu schätzen weiß, lag Rangnick mit vielem, das er damals anpackte und noch anpacken wollte, richtig, weshalb ich es auch Zorniger zutraue, zusammen mit Dutt den VfB zu erneuern und mittel- und langfristig zu verbessern, zumal Zorniger durch die Rangnick-Schule ging und Rangnick ihn sicher nicht geholt hätte, wenn er nicht seinem Ideal des Trainers entsprochen hätte oder dem zumindest nahe gekommen wäre.
Damals wie heute muss das Fundament im Nachwuchsbereich gelegt werden, damals wie heute wird sich der Erfolg nicht von heute auf morgen einstellen, damals wie heute erfordert es einfach Geduld und auch Vertrauen in die handelnden Personen ohne ständig jeden Handgriff und jedes Statement zu hinterfragen.
Da es seit Hansi Müllers Demission aus dem Aufsichtsrat keinen Maulwurf mehr zu geben scheint, Robin Dutt seine Transfers im stillen Kämmerlein und inkognito tätigt, drohten den Schreiberlingen schon die Geschichten auszugehen. Wie gut, dass es jetzt den Zorniger gibt, der es sich erlaubt, öffentlich den Finger in die Wunde zu legen und Spieler zu kritisieren.
Vor allem die Stuttgarter Blätter, die eigentlich das ureigene Interesse eines Stuttgarter Bundesligisten haben sollten, lassen keine Gelegenheit aus, Unruhe und Unzufriedenheit in die Mannschaft hineinzuschreiben. Dabei ist dann jedes Mittel Recht, Spieler und Trainer werden gegeneinander ausgespielt, die Berater dürfen ihren Senf noch dazu geben und wenn diesbezüglich alles ausgelutscht ist, werden halt Transfergerüchte in die Welt gesetzt. Alles wohl nur mit dem einen Ziel, Unruhe und Unzufriedenheit zu schüren. Ich erspare mir mittlerweile einen Großteil dieser Artikel, da sie dem so verpönten Boulevard-Journalismus inzwischen sehr nahe kommen.
Für die latente Unzufriedenheit und das lauter werdende Murren vieler Fans habe ich durchaus Verständnis, weil wir eben jüngst wieder einmal die rote Laterne übernommen haben. Auf der anderen Seite muss man aber halt auch berücksichtigen, was in den letzten Jahren so alles (schief) gelaufen ist. Inzwischen sehen wir, vor allem in den Heimspielen, attraktiven Fußball wie schon lange nicht mehr. Mit dieser Spielweise muss man sich, abgesehen von den Bayern, gegen keinen Gegner verstecken und kann sich in jedem Spiel eine Chance ausrechnen. Wann gab es das zuletzt, dass man samstags durchaus optimistisch ins Stadion gepilgert ist und sich auf die Spiele richtig gefreut hat?
Leider haben wir noch immer die Krankheit, dass vorne klarste Chancen en masse versiebt werden und hinten fast jede Chance des Gegners zum Gegentor führt.
Gerade im Defensivverbund scheint es gerade so zu sein, dass einer mit seiner Unsicherheit den anderen ansteckt. Konnte man vor vier Wochen noch hoffen, Timo Baumgartl würde an der Seite von Toni Sunjic zu alter Sicherheit zurückfinden, hat man nun den Eindruck, Sunjic wäre nach wenigen Wochen schon auf das Niveau seiner Kollegen heruntergezogen worden. War Insúa in den letzten Wochen noch ein Ruhepol, ließ sich dieser in Sinsheim auf das derzeitige Niveau von Flo Klein herab.
Und, dahinter irrt mit Tytoń ein Keeper im Strafraum umher, der den Beweis seiner Bundesligatauglichkeit bisher mehr als schuldig blieb. Dass Teile der Fans ihn in Sinsheim nach seinem Fehler zum 2:1 ausgepfiffen haben fand ich allerdings nicht gerade förderlich. Mildernde Umstände kann man Tytoń zu Gute halten, da das Abwehrverhalten der Mannschaft insgesamt schwach ist. Dennoch erscheint er mir inzwischen zu sehr verunsichert und trifft dadurch zu oft falsche Entscheidungen.
Auch wenn ich die Misere nicht an ihm festmache, könnte man ernsthaft darüber nachdenken gegen Ingolstadt Vlachodimos ins kalte Wasser zu schmeißen. Des Rückhalts der Fans könnte er sich schon mal sicher sein. Mit seinen 21 Jahren kann es eigentlich nur heißen, „Jetzt oder nie“. Ewig wird man ihn nicht als Nummer 3 bei Laune halten können und dann auch nie festgestellt haben, ob womöglich doch ein Leno in ihm steckt, wie viele weismachen möchten. Mich hat er bislang noch nicht so überzeugt, weil zu schmal und sehr riskant in seinem Spiel, aber, schlimmer kann’s fast nimmer werden.
Auch beim Rest der Startelf gab es Samstag so gut wie keinen Lichtblick. Harnik rückte ins Team und nicht nur das, er gab auch noch den Ersatzkapitän. Das mag so manchen verwundert haben, war er doch zuletzt außen vor und durfte lediglich wieder ran, weil Daniel Ginczek verletzt ausfiel. Harnik muss das 0:1 machen, dann läuft das Spiel wohl schon früh in unsere Richtung.
Maxim für Kostic, mit Didavi zusammen funktioniert (leider) nicht, es scheint, als würden in dieser Konstellation beide ihrer Stärken beraubt. Lukas Rupp als Vertreter von Christian Gentner konnte ebenfalls keine Eigenwerbung betreiben. Sollte Gentner weiter ausfallen, würde ich gerne einmal Carlos Gruezo an der Seite von Serey Dié sehen.
Fehler im Spielaufbau und viele einfache Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten, so dass es nicht verwunderlich ist, dass beide Teams jeweils erst ein Spiel für sich entscheiden konnten. Das Spiel war, entsprechend der Tabellenkonstellation „Not gegen Elend“. Umso ärgerlicher, dass es der VfB nicht schaffte, die Gunst der Stunde zu nutzen und diesen schwachen Gegner aus dem Stadion zu schießen.
Wie wenn der VfB derzeit nicht schon genug Probleme hätte, schlägt nun auch noch das Verletzungspech erbarmungslos zu. Der langfristige Ausfall Langeraks hat uns bereits ins Mark getroffen und mutmaßlich den einen oder anderen Punkt gekostet. Robbie Kruse kämpft seit er hier ist, mit muskulären Problemen. Bei beiden kann man die medizinische Abteilung einmal kritisch hinterfragen, die für die Verpflichtungen grünes Licht gegeben hat. Gerade bzgl. Langerak kursiert das Gerücht, in Dortmund wundere dessen langer Ausfall Niemanden.
Kostic zog sich gegen Gladbach einen Muskelfaserriss zu, Kapitän Genter laboriert an Achillessehnenproblemen und fiel aus. Serey Dié plagte sich unter der Woche mit einer Magen-Darm-Geschichte herum, meldete sich aber einsatzbereit und ging auch in dieser Schlacht als Vorbild voran.
Das alles sind jedoch Kinkerlitzchen im Vergleich zu dem, welche Diagnose Daniel Ginczek ereilte: Bandscheibenvorfall im Halswirbelbereich, Ausfall möglichweise bis zur Winterpause. Ihm kann man nur einen guten Heilungsverlauf wünschen und dass die konservativen Behandlungsmethoden anschlagen. Ohne größere medizinische Kenntnisse kommt in mir die Befürchtung hoch, dass, sollte Ginni unters Messer müssen, eine noch viel längere Pause bis hin zum Karriereende im Raum stehen könnte.
Dass die Mannschaft unter dem Eindruck dieser Hiobsbotschaft in Sinsheim ihr bislang schlechtestes Spiel hinlegte, ist fast schon nachvollziehbar. Paradox dabei ist, dass der VfB seine vier Punkte in den schlechten Spielen holte und nach guten Leistungen stets leer ausging.
Erst durch den Dreifachwechsel ging ein Ruck durchs Team und vor allem Kliment und Ferati taten sich positiv hervor. Kliment traf per Kopf unmittelbar nach seiner Einwechslung, Ferati schlug in der Nachspielzeit eine Flanke butterweich auf den Kopf von Timo Werner und hatte somit maßgeblichen Anteil am Punktgewinn.
Es gibt sie also, die Hoffnungsschimmer. Arianit Ferati zum Beispiel, der nach misslungenem Flankenversuch von Harnik an den Ball kam und es besser machte. Diese Situation könnte fast Sinnbild einer Wachablösung sein, wenn sich Harnik nicht schon sehr bald steigert und zu alter Leistungsstärke zurück findet.
Zufrieden konnte man mit der Darbietung vom Samstag nicht sein, zu fahrig das Spiel. Da das Team es aber auch schon besser auf den Platz brachte und gegen Ingolstadt voraussichtlich Filip Kostic zurückkehren wird, kann man das Positive mitnehmen. Die Mannschaft ist nach zweimaligem Rückstand zurückgekommen und stand am Ende als moralischer Sieger da, auch wenn ich bis heute nicht so sicher bin, ob ich den Punkt als Punktgewinn oder als Punktverlust einordnen soll.
So oder so, diesen Punkt gilt es nach der Bundesligapause zu vergolden, indem gegen Ingolstadt der erste Heimsieg eingefahren wird.
Vorher aber steht zunächst einmal die Mitgliederversammlung an. Eine gute Möglichkeit für die Vereinsführung, ob sie will oder nicht, sich endlich mal wieder aus der Deckung zu wagen und darzulegen, welche Fortschritte sie erkennen und wie groß das Vertrauen in Alex Zorniger noch ist. Wenn ich mich durch die VfB-Foren klicke und Stimmungen persönlich einfange dürften die Zorniger-Befürworter und –Gegner etwa pari liegen und bei weitem nicht jeder den großen Rundumschlag herbeisehnen. Es dürfte hitzig werden!
Ich dagegen bin nach diesen mageren Wochen erst einmal reif für die Insel – für die grüne Insel, Irland is calling, Länderspieltime!

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26. September 2015

Aus-, Aus-, Auswärtssieg!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 07:58

Der Saisonstart hat uns Allesfahrern einiges abverlangt. Wegen Kiel, Hamburg, Berlin sowie Hannover unter der Woche legten wir bereits knapp 5.200 Kilometer auf Schiene und Straße zurück, verbrachten etwa 60 Stunden in Zug und Bus und „opferten“ für Hannover auch noch zwei Urlaubstage. Unser Aufwand und der bisherige Ertrag an Punkten stehen hier in keinem Verhältnis, manchmal hätte man hier eine Tapferkeitsmedaille verdient.
Dem holprigen Auftakt in Kiel (wobei ich damit zufrieden war, da es „nur“ ums Weiterkommen ging) folgten zwei völlig unnötige Pleiten in Hamburg und in Berlin sowie der verdiente Erfolg am Mittwoch in Hannover, der allerdings auch lange noch am seidenen Faden hing.
Irgendwann, Anfang Juli, als die ersten Spiele terminiert waren, kamen wir auf die glorreiche Idee die Züge nach Hannover so zu buchen, dass wir bereits gegen 10 Uhr vormittags in der niedersächsischen Landeshauptstadt aufschlugen. Die Sparpreise der Bahn lassen grüßen, der frühe Vogel spart Geld. Nach einem Begrüßungsbierchen noch im Bahnhofsbereich waren wir sehr motiviert ein wenig Sightseeing zu betreiben und Hannover etwas besser kennenzulernen.
Dazu kam es dann „leider“ nicht, da es uns
a) in einer kleinen Kneipe sehr gut gefiel,
b) der eine oder andere Regentropfen zu spüren war und
c) ein Pastor in der Kneipe auch seine Bierchen genoss und wir im festen Glauben waren, ein wenig kirchlicher Beistand für das anstehende Spiel könne nicht schaden. Alles für den Verein eben. ;-) .
So verließen wir dieses nette Örtchen erst gegen 16 Uhr und begaben uns langsam aber sicher in Richtung Stadion. So früh war ich selten einmal vor Ort. Die Polizisten formierten sich zum „Zorniger-Gedächtnis-Kreis“ und stimmten sich auf das bevorstehende Aufeinandertreffen ein, am einzigen Bierstand vor dem Gästeeingang lief das Bier noch nicht (aber bald), so dass wir dort Position bezogen, wo nach und nach unsere Fanbetreuung, die ersten bekannten Gesichter und wenig später auch der Mannschaftsbus eintrafen.
Es war langsam alles angerichtet für das Mittwoch-Abend-Spiel. Ob die DFL in irgendeinem verqueren Datensatz hinterlegt hat, dass der VfB in englischen Wochen grundsätzlich auswärts anzutreten hat, weiß man nicht. Naheliegend wäre es schon, in Anbetracht der Tatsache, dass es in der letzten Saison drei englische Wochen, in denen wir in Dortmund, in Hamburg und in Köln antraten und es in dieser deren zwei gibt, in denen es uns nach Hannover und nach Mönchengladbach verschlägt. Es gibt Angenehmeres, als „für normale Bundesligaspiele“ ständig Urlaub nehmen und die Nächte nach den Spielen im Bus auf der Autobahn verbringen zu müssen. Zu dieser Thematik und im werben um fangerechte Ansetzungen und Anstoßzeiten gab es ein nettes Transparent der 96-Fans, die damit ihr Mitgefühl für die angereisten Stuttgarter zum Ausdruck brachten.
Ein weiteres Ärgernis ist das ewige Galama, ob man eine Bridge-Kamera mit ins Stadion hineinbekommt oder nicht. In der Stadionordnung des Niedersachsenstadions ist nur die Rede davon, dass „professionelle“ Kameras verboten sind, in unseren Faninfos dagegen, wurde aufgeführt, es wären lediglich Kompaktkameras zugelassen. Dadurch ist alles Auslegungssache und letzten Endes ist man auf den Goodwill des 1-Euro-Jobbers am Eingang angewiesen und man steht im schlechtesten Fall ohne Kamera da. Um auf Nummer sicher zu gehen und auch, weil ich auf unserer Tour keine Lust hatte, zwei Kameras „mitzuschleppen“ habe ich mich für „die Kleine“ entschieden, was ein bisschen schade war, ob des guten und vergleichsweise teuren Platzes, den ich mir gegönnt hatte. Gerade bei Flutlichtspielen stößt sie an ihre Grenzen und liefert weitgehend unbefriedigende Ergebnisse, vor allem bei Zoom-Aufnahmen.
Noch kurz die Arena-Card geholt und aufgeladen, Bier und Bratwurst geschnappt, ging es auch schon hinein ins weite Rund. Letzte Saison war es merklich ruhig geworden, in der Nordkurve des Niedersachsenstadions, nachdem sich einige Ultra-Gruppierungen mit Clubchef Martin Kind überworfen hatten. Diese supporteten im Fast-Abstiegsjahr lediglich die Amateure, so dass eine gespenstische Atmosphäre herrschte und dies sicherlich mitverantwortlich für den tabellarischen Absturz war. Die Ultras konnten Kind zur neuen Saison einige Zugeständnisse abringen, wie bspw. die Errichtung weiterer Stehplätze oder auch die Gründung eines Fanbeirates, so dass sie sich in dieser Saison wieder der vollen Unterstützung sicher sein können.
Früher, in den 1980er- und 1990er-Jahren war das Auswärtsspiel in Hannover allenfalls ein notwendiges Übel. Oft war der Gästeblock mit gerade einmal zwischen 50 und 100 VfBlern „gefüllt“, es zog der nordische Wind durch das Stadion und durch die Laufbahn war man genauso weit weg vom Geschehen wie im alten Neckarstadion. Die Stimmung glich der einer Beerdigung, die Anreise war schier endlos.
Heutzutage ist man mit dem ICE in vier Stunden da und das umgebaute Stadion ist für mich zu einem richtigen Schmuckkästchen geworden. Zudem ging das als unterkühlt geltende Publikum vor allem in den Europapokal-Jahren so richtig aus sich heraus, so dass ich schon öfter mal eine überragende Stimmung dort erlebt habe, die natürlich damit einherging, dass der VfB dort in den letzten Jahren einige Spiele verloren hatte. Unser letzter Sieg in Hannover gelang in der Meistersaison vor rund neun Jahren. Da mir der Gästeblock im Oberrang nicht besonders zusagt und der besseren Perspektive zum Fotografieren wegen besorge ich mir für Hannover mein Ticket meist bei `96 direkt. So saß ich dieses Mal knapp versetzt hinter unserer Trainerbank in Reihe 1, quasi in Rufweite und mit direktem Blickkontakt zu Meuschi und Günne.
Nach fünf Spielen ohne Punktgewinn stand der VfB mächtig unter Druck. So sehr die Spielweise des „neuen VfB“ gelobt wurde, so wenig es die bisherigen VfB-Gegner verstanden, wie sie die Spiele gegen uns überhaupt gewonnen hatten, so wenig gibt es eben auch einen Schönheitspreis zu gewinnen. Was zählt sind die Punkte und die ließen bisher auf sich warten So war es immens wichtig, in Hannover die ersten Punkte einzufahren, um wenigstens ein bisschen Ruhe zu haben und die aufkeimende Trainerdiskussion verstummen zu lassen.
Der VfB trat fast mit der gleichen Aufstellung an wie beim mitreißenden Auftritt gegen Schalke 04. Lediglich der zuletzt angeschlagene Daniel Didavi ersetzte Alexandru Maxim. Didavis Knie hält bislang, toi, toi, toi. In seiner gesamten Zeit bei den VfB-Profis war er wohl noch nie so lang am Stück einsatzbereit wie momentan. Somit hat der VfB ein echtes Luxusproblem, weil dem Vernehmen nach immer nur einer der beiden Künstler spielen kann, wenngleich ich auch gerne nochmal beide zusammen auf dem Platz sehen würde. Auf der anderen Seite scheint sich aber auch so langsam eine Formation zu finden, die guten Fußball spielt und defensiv weniger zulässt als noch zu Beginn der Saison. Hieß also auch, dass erneut Timo Werner den Vorzug vor Martin Harnik erhielt. Werner kommt das neue System mit zwei Spitzen entgegen, um es vorweg zu nehmen, war er „mein“ Man of the Match in Hannover.
Wie schon in Berlin ging der VfB zunächst abwartender als bei den Heimspielen zu Werke, was uns offensichtlich nicht so liegt. Wir haben ein Team, das lieber agiert als reagiert und sich in der Vorwärtsbewegung deutlich wohler fühlt, als wenn man hinterher laufen und zunächst einmal auf das Heimteam reagieren muss. So setzte Hannover 96 die ersten Akzente und hätte schon in der 13. Minute in Führung gehen können, wenn das Schiedsrichtergespann Andreasen nicht fälschlicherweise zurückgepfiffen hätte. Eine Zeigerumdrehung später war es aber doch so weit. Wie schon in Berlin über die linke Abwehrseite kam der Ball nach innen zu Karaman, der Tytoń im Kasten keine Chance ließ. Auf der Tribüne konnte man es nicht fassen, geht denn die Sch… schon wieder los, murmelte man vor sich hin und sah das neuerliche Unheil seinen Lauf nehmen. Bei Hannoveranern, die ebenfalls sehr verunsichert waren und erst ein mageres Pünktchen in den ersten fünf Spielen ergatterten und deren Trainer Michael Frontzeck ähnlich unter Beschuss war wie unser Übungsleiter Alexander Zorniger.
Noch ehe man das 1:0 für Hannover so richtig verarbeiten konnte, rappelte es auf der anderen Seite. Timo Werner schickte unseren Kapitän auf die Reise, der sehenswert an Zieler vorbei zum Ausgleich einschlenzte. Ein schönes Tor, eine Befreiung, den frühen Rückstand umgehend korrigiert. Doch damit nicht genug, durch aggressives Forechecking in der Hannoveraner Hälfte zwang der VfB den Gegner zu einem Ballverlust, der Ball landete bei Ginczek, der etwas unter Ladehemmung leidet und Zieler anschoss, der Ball sprang aber zu Timo Werner, der ins leere Tor abstauben konnte.
Sein erstes Tor seit dem Dezember 2014, eine große Befreiung für ihn, der eine schwere Zeit beim VfB durchlebt und sich in einem Wechselbad der Gefühle befinden muss, nach seiner Nichtnominierung fürs Berlin-Spiel und zwei Startelfeinsätzen danach. Erst Peitsche, dann Zuckerbrot, erst von Zorniger gerüffelt, er sei nicht sein Kindermädchen, um ihn nun stark zu reden und ihm auch schon 24 Stunden vor dem Gladbach-Spiel eine Startgarantie zu geben. Timo Werner hat verstanden und ist auf dem Weg zu alter Stärke.
Nach drei Toren binnen vier Minuten verflachte die Partie etwas, so dass es bis kurz vor dem Pausenpfiff dauerte, ehe Hannover durch einen Pfostenschuss ein Lebenszeichen sendete und im Gegenzug Kostic aus spitzem Winkel knapp scheiterte.
In der zweiten Halbzeit versuchte Hannover im Rahmen seiner Möglichkeiten das Spiel zu drehen, kam aber kaum mehr zu erwähnenswerten Torabschlüssen. Der VfB war zwar etwas gefährlicher und insgesamt auch spielbestimmend, die letzte Genauigkeit, die Angriffe sauber zu Ende zu spielen und der konzentrierte Torabschluss fehlten aber. Mich erinnerte die Partie, je länger es 1:2 stand, an das Spiel in Hamburg. Fahrigkeit im Abschluss, eine dumme rote Karte und schon macht man einen eigentlich am Boden liegenden Gegner stark und verschenkt ein Spiel. Diese Bedenken begleiteten mich bis in die Nachspielzeit hinein, ehe Maxim nach gutem Einsatz von Daniel Ginczek für die Entscheidung sorgte. Auch Daniel Ginczek erhielt von Trainer Zorniger ein Sonderlob, in dem er äußerte, könne er sich einen Stürmer backen, käme Ginni dabei heraus. Dieses Lob hat sich der Junge mehr als verdient. Was er rackert und ackert, unermüdlich 90 Minuten lang die Gegner, oftmals aussichtslos, den Ball zu erobern, anläuft, für Unruhe sorgt und dazu noch große Torgefahr ausstrahlt, auch für mich überragend. Dass bei diesem steten Kampf am Limit mal die Konzentration beim Torabschluss fehlt, dafür muss man Verständnis aufbringen und ihm weiter den Rücken stärken, und nicht schon wieder, wie nach dem Schalke-Spiel gehört, eine Chancentod-Diskussion eröffnen. Wenn denn dann, wie beim 1:2, ein Timo Werner dasteht und abstauben kann, ist doch alles gut letztendlich.
Timo Werner sprintete nach seinem Treffer auf Zeugwart Michael Meusch zu, der ihm ein guter Freund und manchmal wohl auch Seelendoktor ist, Schwaben unter sich sozusagen, was ihm jedoch einen kleinen Rüffel von Trainer Zorniger einbrachte. Dieser erwartete von ihm, dass er sich bei seinen Mitspielern zu bedanken hätte, die seinen Treffer durch aggressives Pressing erst ermöglicht hatten. Diese Aussage von Zorniger und auch der Kreis, den die Spieler mehrmals im Training sowie vor und nach den Spielen auf dem Platz bilden, sich umklammern und in dem Zorniger stets ein paar Worte an die Mannschaft richtet, gehören zu den teambildenden Maßnahmen, auf die Zorniger großen Wert legt. Manche mögen das belächeln, ich finde es stark. Für Zorniger steht die Mannschaft und der Teamgeist über allem, was eine positive Erwähnung wert sein sollte, nach Jahren, in denen wir es vorwiegend mit Egoisten und Ich-AG’s auf dem Platz zu tun hatten. Man spürt, dass eine Einheit zusammenwächst, dass die Bereitschaft sich gegenseitig auf dem Platz zu helfen wieder da ist, was wir lange Zeit vermisst haben.
Dennoch ist mit Hannover und gegen die derzeit vermutlich schwächste Bundesligamannschaft nur ein erster Schritt getan. Viele weitere müssen folgen, um endlich mal wieder in gesicherte Tabellenregionen vorzustoßen und dem Team ein ruhiges Arbeiten zu gewährleisten.
Heute steht das nächste schwere Spiel bevor, gegen den Champions League Teilnehmer Borussia Mönchengladbach, der genauso katastrophal in die Saison startete wie der VfB. Auch den Gladbachern gelang am Mittwoch der Befreiungsschlag, indem sie mit Interimstrainer Andre Schubert nach 21 Minuten bereits mit 4:0 gegen den FC Augsburg führten. Auch hier kann man konstatieren, wehe, wenn sie losgelassen. Der VfB muss auf der Hut sein und eine ähnliche Gala wie gegen Schalke auf den Platz zaubern, seine Chancen dabei jedoch nutzen. Dann kann es was werden mit dem zweiten Sieg in Folge und dem ersten Heimsieg. Die Gladbacher stehen mit Sicherheit auch nicht umsonst dort wo sie stehen, das Gebilde dürfte weiter fragil sein, so dass sie Gefahr laufen, beim einen oder anderen Gegentor, in ihre Einzelteile zu zerfallen. So muss sie sich der VfB zurechtlegen, dann bin ich guter Dinge!
Ein Wort noch zum Rücktritt von Lucien Favre. Langsam mutet mir das Gebaren der Trainer an wie die Rache an den Vereinen, die, Trainer um Trainer entließen und vor allem sie zu den alleinigen Sündenböcken erklärten.
Hatte ich nach dem Rücktritt von Armin Veh zunächst das Gefühl, man würde dem VfB den Boden unter den Füßen wegziehen, müssen sich nun die Gladbacher ähnlich fühlen. Es ist immer schwierig für einen Verein, der ambitionierte Ziele hat, so kurzfristig eine gute und langfristig vielversprechende Lösung zu präsentieren. Da bewundere ich die Ruhe und die Seriosität, mit der Max Eberl an das Problem herangeht und wohl keinen Schnellschuss macht.
Ich halte solch Rücktritte, beim 1. FC Kaiserslautern ja auch, für charakterlich höchst verwerflich und hoffe, dass sie nicht zur Mode werden. Ich finde das sehr egoistisch gedacht von Lucien Favre, seinen Verein im Stich zu lassen und womöglich auch kleineren Vereinen Schaden zuzufügen, bei denen sich der betroffene Verein nach einer Alternative umsehen muss.
So könnte es die Stuttgarter Kickers, immerhin in der 3. Liga im Aufstiegsrennen, treffen, deren Trainer Horst Steffen eine Gladbacher Vergangenheit hat und vom Niederrhein stammt, und der offensichtlich einer der Kandidaten für die Favre-Nachfolge ist. Sehr kurz gedacht von Favre also, mir nichts, dir nichts das Handtuch zu werfen und mehrere Vereine dadurch vor große Probleme zu stellen.
Es ist zwar nicht unser Thema, aber, mich beschäftigen eben auch sonstige Entwicklungen im Fußball, der mehr und mehr dabei ist, sich selbst abzuschaffen oder zumindest von der Basis immer weiter zu entfernen, wenn Verträge die Tinte nicht mehr wert sind, mit der sie unterzeichnet wurden.
Heute aber liegt unser Augenmerk auf dem Spiel. Was ein Tag, erstes Wasenwochenende, schönes Wetter, ein fast ausverkauftes Haus und eine Truppe auf dem Platz, der es Spaß macht zuzuschauen. Bin schon ganz aufgeregt und schließe an dieser Stelle, fertig machen, Aufbruch 1893, der Wasen ruft!

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