27. September 2012

Indiskutabel

Acht Spiele lang ist es gutgegangen gegen den Dorfverein aus dem Kraichgau. Acht Spiele, in denen Ruhm und Ehre gewahrt blieben und der klamme Sparverein VfB Stuttgart den Hopp-Millionen getrotzt hatte. Acht Spiele ohne Niederlage gegen das mit Ex-VfBlern auf Feld und Bank gespickte Volk ohne Heimat. Acht Spiele, die ich alle live gesehen habe und wo es am Ende immer richtig gut tat, deren zugelaufenen „Fans“ die lange Nase zu zeigen.

Dass jede Serie einmal zu Ende geht, war mir auch in diesem Fall durchaus bewusst. Dass sich jedoch einmal die Angestellten des VfB in kurzen Hosen in einem solchen Prestigeduell so präsentieren würden, das hätte ich in meinen schlimmsten Träumen nicht erwartet. Der VfB ließ die Kraichgauer nach Belieben gewähren und kombinieren und präsentierte sich herz-, kampf- und charakterlos und vor allem nicht als Team. Es kochte ein jeder sein eigenes Süppchen und ergab sich wehrlos in sein Schicksal. In dieser „Mannschaft“ scheint es vorne und hinten nicht zu stimmen. Bereits zum zweiten Mal in der noch jungen Saison ergab sich der VfB noch auf dem Platz und ließ die Dinge ihren Lauf nehmen. Auch in Bremen fehlte nicht allzu viel und der VfB hätte sich abschießen lassen. Dort folgte immerhin in der zweiten Halbzeit eine Trotzreaktion und das Team wehrte sich.

Nach fünf Spieltagen muss man ganz klar konstatieren, dass es in dieser Saison (wieder einmal) einzig und allein um den Klassenerhalt geht. Wenn man durchschnittlichen Bundesligamannschaften schon hoffnungslos unterlegen ist, gegen wen möchte man dann überhaupt noch gewinnen.

Die Frage ist auch, wie lange schaut sich das unsere Führung noch an? Oder ist die Darbietung auf dem grünen Rasen mittlerweile zweitrangig, Hauptsache die schwarze Null steht? Mir wird es Angst und Bange, wenn ich an die kommenden Aufgaben gegen Nürnberg und Leverkusen denke. Beide zählen schon seit Jahren nicht unbedingt zu unseren Lieblingsgegnern. Sollte Labbadia, wovon ich ausgehe, noch eine Gnadenfrist erhalten, ist es dann überhaupt realistisch, dass wir auch wieder einmal dreifach punkten? War es gestern nicht offensichtlich, dass die Mannschaft gegen den Trainer spielte? Kann es nicht sein, dass Georg Niedermeier die öffentlich formulierte Kritik mit Rückendeckung der übrigen Führungsspieler getätigt hat? Wurde Labbadia nicht schon dadurch zum Abschuss freigegeben? Es ist nicht so, dass ich es gutheiße, wenn eine Mannschaft einen Trainer abschießt, beim VfB scheint dies aber seit Jahren zum guten Ton und damit zur „Firmenkultur“ zu gehören, gebilligt von den Vereinsoberen. Oder hat von denen einer schon mal Tacheles geredet und den Jungs die Leviten gelesen, dass man sich im Brustringtrikot NIEMALS so präsentieren darf? Ich glaube es nicht. Mäuser zeigt sich lediglich auf offiziellen Anlässen und referiert vom Stuttgarter Weg, an den er wahrscheinlich selbst nicht mehr glaubt, sonst macht er sich rar und arbeitet daran, das Betriebsklima durch seine cholerische Art mehr und mehr zu vergiften, wie der Flurfunk so berichtet.  Nicht umsonst verlassen langjährige, loyale Mitarbeiter den VfB und wechseln den Verein, weil ihre Ideen und Visionen zu wenig Beachtung finden und die im sportlichen Bereich Verantwortlichen in die Gegenrichtung rudern. Quo Vadis also, VfB?

Auch jetzt noch, fast einen Tag danach, bin ich tief deprimiert, ratlos und vor allem stinksauer, wenn ich an gestern denke. Nach einer solch miserablen Vorstellung, möglicherweise der schlechtesten und blamabelsten, die ich je vom VfB gesehen habe, könnte man eigentlich den Laden direkt zu machen. Geht natürlich nicht, also fahre ich am Samstag nach Nürnberg und glaube an das Gute in unseren Spielern und dass sie gewillt sind, dort Wiedergutmachung zu betreiben. Allen Querelen oder Disharmonien zum Trotz, die Jungs müssen sich am Riemen reißen, sich konzentrieren und darauf besinnen, dass es gegen einen Gegner geht, der ebenfalls angeschlagen daher kommt. Wir wissen ja alle, dass sie es eigentlich besser können. Es geht um die Gegenwart und die Zukunft unseres VfB. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn unsere Spieler sich noch einmal so blutleer, ohne Kampf und ohne Wille präsentieren und damit die Zukunft des Vereins aufs tiefste gefährden und das Image weiter beschädigen, werden wir wieder Verhältnisse vorfinden wie vor zwei Jahren nach dem Spiel gegen Bochum.

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3. November 2009

Interview mit Horst Heldt “Solche Auswüchse sind Gift”

Category: Presse — Tags: , , , , , , , – Franky @ 20:14
VfB-Manager Horst Heldt

VfB-Manager Horst Heldt

Vor dem morgigen Auftritt in der Champions League beim FC Sevilla nimmt Horst Heldt die Mannschaft in die Pflicht – und das Trainerteam in Schutz. Außerdem dementiert der VfB-Manager die Gerüchte um Jürgen Klinsmann und er ärgert sich über Guido Buchwald.

Herr Heldt, warum verliert der VfB morgen in der Champions League beim vermeintlich übermächtigen FC Sevilla nicht?

Weil ich hoffe, dass uns der leichte Aufwärtstrend nach dem 0:0 am Samstag gegen den FC Bayern genügend Kraft und Selbstvertrauen gibt. Es wäre schön, wenn wir in Sevilla punkten könnten – wobei wir nicht vergessen dürfen, dass dieser Gegner ein europäisches Spitzenteam ist.

Wie soll das mit dem Punkten klappen mit einer Mannschaft, der es immer wieder an der erforderlichen Disziplin mangelt?

Disziplin ist im Fußball das oberste Gebot. Diese Tugend zeichnet erfolgreiche Mannschaften aus – auf dem Platz und außerhalb davon. Aber weil wir gerade sportlich in einer sehr schwierigen Situation sind, haben wir hier keinen disziplinlosen Haufen.

Zu hören ist jedoch, dass es immer wieder Spieler gibt, die verspätet zu einem Treffpunkt erscheinen oder sich nicht an die vorgeschriebene Kleiderordnung halten. Sind das für Sie nur Kleinigkeiten?

Nein, wenn einer ausbüchst und sich nicht an die Spielregeln hält, wird er bestraft. Dafür gibt es einen Katalog, den das Trainerteam vorgibt. Denn in unserer Lage sind solche Auswüchse das reine Gift.

Müssten aber nicht auch Sie als Mitglied des Vorstands das Trainerteam unterstützen?

Das mache ich, wenn das im Strafenkatalog festgelegte Ausmaß der Verfehlungen überschritten wird.

Sie sprechen beispielsweise von Alexander Hleb, der nach der Pokalniederlage vor einer Woche in Fürth den Mannschaftsarzt Heiko Striegel attackiert hat?

Genau, Alex hat seine Strafe bekommen, und es war eine harte Strafe. Aber er hat sich danach sowohl bei der Mannschaft als auch bei Heiko Striegel persönlich entschuldigt. Deshalb bleibt da nichts zurück.

Sind die oft zu Gegentoren führenden Disziplinlosigkeiten auf dem Platz eine Folge der Disziplinlosigkeiten außerhalb davon?

Zwar existiert kein direkter Zusammenhang zwischen dem Tragen eines falschen T-shirts und einem Gegentreffer. Dennoch hat das eine etwas mit dem anderen zu tun. Beides ist eine Einstellungssache.

Dafür dass die Einstellung stimmt, sind auch die Cotrainer Rainer Widmayer und Alexander Zorniger verantwortlich. Anscheinend haben die beiden aber bei Teilen der Mannschaft einen schweren Stand. Es heißt, sie würden nicht ernst genommen, weil sie keine Profierfahrung besitzen.

Wenn das so wäre, dann wäre das kein Armutszeugnis für unsere Trainer, sondern für unsere Spieler. Aber es ist nicht so. Der Vorwurf, die Trainer wären nicht anerkannt, ist lächerlich. Mit Rainer Widmayer sind wir in der vergangenen Saison noch Dritter geworden, woran er einen gewiss nicht kleinen Anteil hatte. Und Alexander Zorniger bringt sich hier voll und ganz ein.

Dann können Sie sicher sagen, dass die beiden mit dem Chef Markus Babbel die beste Lösung für den VfB sind?

Absolut. Sie marschieren trotz der nicht einfachen Situation vorneweg und sind die Ersten, die den Hebel umlegen wollen. Außerdem ist es offensichtlich so, dass die Mannschaft ihnen nach wie vor folgt.

Könnte der Grund dafür nicht auch sein, dass die Spieler wissen, was sie an Babbel haben und dass sie von ihm nicht nicht so viel befürchten müssen – vielleicht im Gegensatz zu einem neuen Trainer?

Uns kann da keiner etwas vormachen. Ich war auch mal Spieler. Die Wahrheit zeigt sich auf dem Platz – und da sehe ich, dass die Spieler aus Überzeugung agieren.

Dennoch hält sich das Gerücht, der VfB habe bereits mit Jürgen Klinsmann als möglichen Babbel-Nachfolger gesprochen.

Das ist an den Haaren herbeigezogen. Es hat kein Gespräch mit Jürgen Klinsmann gegeben – und es ist auch kein Gespräch mit ihm geplant. Das ist definitiv so.

Guido Buchwald übt momentan massive Kritik am VfB-Management. Der Ehrenkapitän ist ein guter Freund von Klinsmann. Könnte es sein, dass Buchwald so versucht, Klinsmann beim VfB zu platzieren – und sich mit?

Das weiß ich nicht – und es interessiert mich auch nicht.

Buchwald nimmt vor allem die Transferpolitik aufs Korn.

Es ist immer das Gleiche. Die Neuzugänge sind für den Misserfolg verantwortlich – und die, die schon zehn Jahre im Verein sind, für den Erfolg. Aber so einfach ist es nicht. Zudem haben wir in der vergangenen Saison mit Jens Lehmann, Martin Lanig, Jan Simak und Christian Träsch den dritten Platz belegt – und diese Spieler waren in der Ablöse nicht teuer. Aber das erwähnt Guido Buchwald nicht.

Denken Sie in der Winterpause trotzdem an Neuverpflichtungen?

Darüber werden wir in naher Zukunft sprechen. Aber der größte Fehler wäre es, uns jetzt schon zu sehr mit dem zu beschäftigen, was wir im Januar machen. Denn jetzt muss unser Hauptaugenmerk darauf liegen, die aktuelle Situation zu verbessern.

STZ 3.11.09

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