15. Dezember 2013

Business as usual: Niederlage in Wolfsburg

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 22:18

Da uns die DFL wieder einmal als Beiwerk zur Münchner Meisterfeier am allerletzten Spieltag als dankbaren Sparringspartner der Bayern gesetzt hat und wir demzufolge auch letzter Vorrundengegner der Bayern sind, ging es für den VfB bereits gestern zum letzten Spiel des Jahres ins ungeliebte Wolfsburg. Die Bayern spielen ab Dienstag um die Klub-WM und wollen einen Cup in die bayerische Landeshauptstadt holen, der außerhalb der Münchner Stadtgrenzen niemanden interessiert. Aus diesem Grund wurde unser letztes Vorrundenspiel in den Januar verlegt und findet erst nach dem ersten Rückrundenspiel statt.

Wir traten die 550km weite Reise mit dem RWS Berkheim bereits am Samstag um 8 Uhr an, um ja rechtzeitig anzukommen. Man ist ja inzwischen ein gebranntes Kind und weiß, welch unerwartete Vorkommnisse auf dem langen Weg passieren können, Braunschweig lässt grüßen. So jedoch nicht gestern, es lief alles perfekt. Wir hatten zwar das gleiche Busunternehmen wie auf der Fahrt nach Braunschweig, jedoch einen neuen Bus und auch zwei neue und motivierte Busfahrer, die den Verkehr gut antizipierten und mächtig auf die Tube drückten. So gab es Gelegenheit, gegen Ende die Pausen gar zu verlängern um ja nicht zu früh am Stadion zu sein, wo rundherum wenig bis nichts geboten ist und es mir auch schon passierte, den kleinen Gästebereich vor dem Stadion nicht mehr verlassen zu dürfen, weil man sonst Gefahr laufen könnte auf Wolfsburger Ultras (ja, die soll es wirklich geben) zu treffen. Trotz der Trödelei am Ende waren wir gegen 16 Uhr schon am Stadion und mussten zunächst einmal feststellen, dass es Ess- und Trinkbares auch vor dem Stadion nur für die gegen 10 Euro Pfand erwerbbare Wölfekarte gibt. Schnell jedoch hatten wir eine mobile „Verkäuferin“ aufgetan, die einige Fuhren vom nahegelegenen Aldi tätigte und uns Flaschenbier für einen Euro verkaufte. Sie begriff umgehend, wohin sie zu steuern hatte und wo ihr guter Umsatz gewiss sein würde. So verging die Zeit recht schnell und ruck zuck war es 18.15 Uhr und Zeit hineinzugehen.

Fotografenkollegin Ute warnte mich am Vortag bereits vor, dass uns auch in Wolfsburg Stress wegen unserer Kameras erwarten würde. Am Telefon wurde ihr mitgeteilt, selbst Pocketkameras seien verboten, würden sie doch als Wurfgeschosse dienen können. Welch abstrusen Vorstellungen die VW-Mitarbeiter doch haben, wie wenn ich denen meine Kamera zuwerfen würde. Ein Auszug aus der Fan-Info der Volkswagen-Arena ließ uns dann etwas ruhiger schlafen, stand dort doch, dass „Kompaktkameras“ erlaubt wären. Diesen Passus habe ich mir auch ausgedruckt und es dennoch schweren Herzens nicht riskiert, meine Bridge-Kamera mitzunehmen, auch wenn diese in der Klassifizierung unter „Kompaktkamera“ läuft, keine Spiegelreflexkamera ist und auch nicht über die Möglichkeit verfügt, ein Wechselobjektiv aufzusetzen. Das sind die Kriterien, die meistens gelten. Mehr Klarheit wäre hier unbedingt vonnöten. Ein klein wenig Hoffnung setze ich in dieser Hinsicht auf das vieldiskutierte Sicherheitskonzept, das, wenn es komplett ausgearbeitet ist, mehr Vereinheitlichung enthalten soll, so dass man als Fan weiß, was einen in einem Bundesligastadion erwartet und man nicht jedes Mal aufs Neue überrascht wird. Auf Schalke hat meine Kamera keinen interessiert, in Mainz haben sie sie mir abgenommen. In Hannover und Freiburg musste der Capo anrücken, um sie dann zu autorisieren, und, und, und! Man weiß eben nie, woran man ist.

So hatte ich die Pocketkamera dabei, die bei Flutlichtspielen schon deutlich dürftigere Bilder macht als die Bridge, ist aber natürlich besser als nichts. Damit hatte ich wie erwartet dann keine Probleme am Eingang. Mein Platz befand sich linkerhand von unserem Stehblock. Reihe 1, direkt hinter dem Gitter im Käfig. Gott sei Dank war unser Sektor nicht ausverkauft, so dass ich mich anders platzieren konnte, um zum fotografieren eine bessere Perspektive zu bekommen.

Kaum drinnen erfolgte auch schon der Einlauf der Mannschaften. Der VfB, im Vergleich zum Hannover-Spiel auf zwei Positionen verändert. Für den verletzten Daniel Schwaab rückte Georg Niedermeier in die erste Elf, der wiedergenesene Kapitän und Ex-Wolfsburger Christian Gentner hingegen verdrängte Rani Khedira wieder zurück auf die Ersatzbank.

Für den VfB ging es darum den Rückenwind aus dem Hannover-Spiel mitzunehmen und einen versöhnlichen Jahresabschluss hinzulegen. Es geht schließlich ein Jahr 2013 zu Ende, das nicht als ein besonders ruhmreiches in die Annalen eingehen wird. In 33 Ligaspielen gab es lediglich zehn Siege zu bejubeln, ganze fünf zu Hause. In den Pokalwettbewerben setzte man ebenfalls (zu) selten Glanzlichter, auch die Finalteilnahme in Berlin kann diese Tatsache nicht wegwischen. In der laufenden Saison schieden wir in den Europa League Play Offs sang- und klanglos gegen Rijeka aus, im DFB-Pokal unterlag man den bis heute sonst noch heimsieglosen Freiburgern. Und in der Liga stehen wir mit 19 Punkten im Niemandsland der Liga. Eine Punktzahl, die stattlich aussehen mag, wenn man sich die der Kellerkinder der Liga anschaut. Vor einigen Jahren aber noch, als 40 Punkte für den sicheren Nichtabstieg als nötig erachtet wurden, wären 19 Punkte die Bilanz eines Abstiegskandidaten gewesen. Seit der Wiedereinführung der Relegationsspiele 2008/2009 hatte nur ein Mal ein Tabellensechzehnter mehr als 31 Punkte auf dem Konto, auch ein Indiz, dass die Bundesliga inzwischen zu einer Drei- oder Vierklassengesellschaft verkommen ist, wo eben nicht mehr jeden jeden schlagen kann. Langeweile pur im Grunde.

Der VfB begann in Wolfsburg wie fast immer auswärts. Zunächst verhalten, darauf bedacht selbst Ballkontrolle zu haben, die bei uns meist in Rückpässen mündet, und erst einmal zu schauen, was der Gegner so drauf hat. Dieser ließ sich nicht zwei Mal bitten und übernahm folgerichtig die Initiative und kam zu ersten Chancen. Einmal mehr wurde deutlich, wie einfach es ist, unsere Abwehr auszuspielen und die Lücke zu finden. Wir konnten froh sein, dass die Wölfe zunächst wenig zielstrebig agierten. Die erste Großchance des Spiels hatte dann allerdings der VfB. Ibisevic schickte mit einem Traumpass Timo Werner auf die Reise, der vermeintlich im Ex-VfBler Benaglio seinen Meister fand. Es hätte 0:1 für den VfB heißen müssen, hätte Schiri Aytekin den Treffer anerkannt. Der Ball war, wie Fernsehbilder beweisen, mit vollem Durchmesser hinter der Torlinie, leider war der Linienrichter nicht auf der Höhe und erkannte dies nicht. Höchste Zeit, dass man sich moderner Technik nicht mehr verschließt, man braucht sich nur die Fehlentscheidungen insgesamt an diesem Spieltag in der ersten und zweiten Liga zu Gemüte führen, um zu erkennen, dass es hier nicht mehr mit rechten Dingen zugeht. Als Gerechtigkeitsfanatiker bin ich sowieso ein Verfechter von revolutionären Änderungen im Profifußball. Das Argument vieler Granden unserer Sportart, dass den Stammtischen die Themen ausgehen könnten, wenn es weniger Fehlentscheidungen gäbe, kann ich nicht gelten lassen. Gefühlt trifft es die einen auffallend oft, andere, meistens, Zufall oder nicht, die Großen und Reichen weniger.

Meiner Meinung nach muss man der Entwicklung Rechnung tragen, dass das Spiel in den letzten Jahrzehnten immer schneller geworden ist. Jeder Änderung, die das Spiel wieder gerechter macht, wäre ich aufgeschlossen. Eine Möglichkeit wäre bspw. zwei Schiedsrichter auf dem Feld einzusetzen, einen auf der einen, einen auf der anderen Spielseite. So müssten sie weniger laufen und hätten in entscheidenden Szenen womöglich mehr Luft und eine klarere Wahrnehmung. Selbst in der Champions League unter der Woche, wo die besten ihres Fachs eingesetzt werden, gab es in dieser Woche nicht nachvollziehbare Fehlentscheidungen. Wenn man sich schon nicht zum Videobeweis durchringen kann, wäre der Vorschlag mit zwei Feldschiedsrichtern durchaus ein Ansatz, über den man nachdenken könnte.

Das ist (hoffentlich) Zukunftsmusik, für das Hier und Jetzt hilft uns diese Diskussion leider nicht weiter. Das Spiel lief weiter und es nahm die befürchtete Richtung, als die Wölfe einen Freistoß von halbrechter Position zugesprochen bekamen. Rodriguez, ein „Linker“, legte sich den Ball zurecht und schlug den Ball schulbuchmäßig, eben wie man einen Freistoß aus der Halbposition zu treten hat. Scharf und so, dass der Ball aufs Tor kommt, also hinein geht, wenn nicht noch ein Spieler am Ball eine Richtungsänderung vornimmt. In diesem Fall nicht, der Ball segelte an Freund und Feind vorbei, mitten ins Tor. Wo war eigentlich der von vielen so hochgelobte Sven Ulreich? Er spekulierte wohl, da Sakai und ein Gegenspieler knapp am Ball vorbei segelten und war deshalb in seiner Reaktion beeinträchtigt. Gut ausgesehen hat er dabei jedenfalls wieder einmal nicht. Auch beim spielentscheidenden dritten Wolfsburger Treffer sah er nicht gut aus. Weshalb Ulle als solche Ikone von weiten Teilen der Fans wahrgenommen wird, die ihn am liebsten in die Nationalelf schreien würden, kann ich immer weniger nachvollziehen. Als Lehmann aufhörte und Ulle Stammkeeper wurde, haben wir uns auf dieser Position zunächst einmal immens verschlechtert. In der rabenschwarzen Vorrunde der Fastabstiegssaison fiel auch er ab und hielt kaum einmal einen Punkt für uns fest. Als Labbadia das Zepter übernommen hatte und er nicht die nötige Sicherheit ausstrahlte, entschloss sich Labbadia gar zu einem Torwartwechsel, der bekanntlich in die Hose ging, weil Marc Ziegler sich gleich in seinem ersten Spiel als neue Nummer 1 gegen Benfica Lissabon schwer verletzte. Ulle kam wieder rein und war fortan nicht wiederzuerkennen. In Frankfurt, nach Delpierres dämlichem Platzverweis, rettete er uns den so wichtigen Sieg fast im Alleingang. Danach sollte lange keine Torwartdiskussion mehr aufkommen. Auch ich hatte mich damit arrangiert, die nächsten Jahre nicht den allergrößten Top-Torhüter zwischen den Pfosten zu haben, aber wenigstens einen, der VfBler durch und durch ist, an dem ein Fehler oder eine Niederlage genauso nagt, wie an mir als Fan. Als Typen mag ich ihn wirklich, als Torhüter finde ich, hat er sich seit der letzten Saison eher zurück- als weiter entwickelt. Die Spiele, die er für uns gewinnt, kann man inzwischen an einer Hand abzählen und kommen seltener vor, wie zu Toren führende Torwartfehler. Erst Schalke, dann Hannover, jetzt Wolfsburg. Nicht zu vergessen, die Fehler gegen Rijeka, die überhaupt erst zum Ausscheiden aus dem internationalen Geschäft führten. Alles mehr oder weniger Fehler, die zum Kernrepertoire eines Torhüters gehören und dabei habe ich noch nicht einmal betrachtet, dass es ihm am antizipieren von Spielsituationen fehlt, es bei ihm zuweilen ewig dauert, bis er den Ball nach vorne bringt und wenn, dass dann der Ball meist beim Gegner landet. In den wenigen Spielen, in denen Thorsten Kirschbaum zwischen den Pfosten stand, hatte ich in diesen Dingen ein besseres Gefühl und er scheint auch der bessere Fußballer zu sein. Ulle hat in der Vorrunde ein einziges überragendes Spiel abgeliefert, das war bei der Berliner Hertha, als er das 0:1 fast alleine fest hielt. Ein gutes Spiel in einer Halbserie ist aber leider zu wenig, ich hoffe, er fängt sich in der Winterpause wieder. Wenn nicht, wird die Torwartdiskussion unweigerlich an Fahrt aufnehmen.

Kurz vor der Pause hatte der VfB nach Traore-Ecke durch einen Kopfball von Gentner die Ausgleichschance, der Ball strich jedoch knapp über die Latte.

Ohne Wechsel ging es nach dem Seitenwechsel weiter. Es dauerte nicht lang, bis Diego glücklich auf 2:0 stellte. Erst knallte Naldo einen 25-Meter-Freistoß direkt in die Mauer, wo Martin Harnik sich wegdrehend den Ball an den Arm bekam. Der Schiedsrichter entschied zu unserem Leidwesen abermals auf Freistoß und gelb für Harnik, weil er eine aktive Bewegung zum Ball, Vergrößerung der Körperflache oder was auch immer erkannte. Hier eine Kann- aber Muss-Nicht-Entscheidung, die vermutlich gegen die Bayern so nicht getroffen werden wäre. Doppeltes Unglück für uns, dass Diego abermals die Mauer traf, dieses Mal den Kopf von Christian Gentner, und der Ball so über Umwege ins Tor segelte, gegen die Laufrichtung von Ulle. 2:0 für Wolfsburg also und abermals die Torhymne „Rama Lama Ding Dong“, die ich in Wolfsburg schon so oft über mich ergehen lassen musste.

Die Entscheidung? Mitnichten! Wenige Minuten später sorgte unser Youngster Timo Werner mit einem sehenswerten Volleyschuss für den Anschluss und den Jungs war anzumerken dass sie sich noch etwas ausrechneten. Zwei Minuten später hätten wir personelle Überzahl bekommen müssen, als der bereits verwarnte Medojevic im Luftkampf den Ellenbogen ausfuhr. Eine Spielsituation, in der nach den Statuten zwingend gelb zu zeigen ist, Aytekin meinte es erneut nicht gut mit uns und ließ weiterspielen. Der VfB drängte auf den Ausgleich und hatte die beste Chance, als Werner alleine auf Benaglio zulief, in diesem aber seinen Meister fand. Bitter, hätte er doch mal in die Mitte gepasst, dort lauerten Ibisevic und auf rechts, noch besser postiert, Martin Harnik, der bei entsprechendem Pass nur noch hätte einschieben müssen. Werner mache ich allerdings keinen Vorwurf. Er wird sich von den Kollegen entsprechendes anhören müssen und es das nächste Mal besser machen, oder auch nicht. Stürmer sind nun mal egoistisch, in Freiburg hat es geklappt mit seinem Eigensinn, gestern eben nicht. Nach katastrophalem Fehler von Gotoku Sakai fiel schließlich fünf Minuten später direkt in die Drangphase vom VfB das 3:1, das dem VfB dann den Zahn gezogen hat.

Ein letztendlich couragierter Auftritt vom VfB, der mindestens einen Punkt verdient gehabt hätte. Für eine solche Leistung wären wir über weite Strecken der Vorrunde dankbar und froh gewesen, sind aber jetzt in einer Situation, in der wir einfach punkten müssen. Daher war es eher frustrierend gestern. Dass wir eine ansprechende Leistung geboten bekamen, dass Schiedsrichter „auch nur Menschen“ sind, die nicht fehlerfrei sind, von all dem können wir uns nichts kaufen. Unterm Strich stehen null Punkte, 19 insgesamt und dass wir dieses Vorrundenkonto durch das Nachholspiel gegen die Bayern noch aufpolieren können, darf eher bezweifelt werden. Wenn man sich die Kräfteverhältnisse dieser beiden Teams derzeit anschaut, kann es nur heißen, die Demontage in Grenzen zu halten.

Irgendwie bin ich froh, dass jetzt erst einmal Pause ist. Die Auftritte zuletzt waren doch sehr durchwachsen und in vielen Phasen und auch ganzen Spielen zum vergessen. So bin ich erst einmal froh, die Truppe eine Weile nicht mehr sehen zu müssen. Andererseits graut es einen Hardcore-Fan auch davor, dass jetzt erst einmal fünf fußballfreie Wochenenden anstehen.

Im Jahre 2013 war ich, wenn ich es richtig überschlagen habe, bei 62 Spielen im Stadion. Überwiegend bei unseren Profis, einige Male bei den Amas, aber auch international und ohne VfB-Beteiligung in Leicester, Newcastle, Mailand und bei Celtic Glasgow sowie dem alles überstrahlenden Champions League Finale im Wembley-Stadion in London, leider mit dem falschen Sieger.

Natürlich wird einem die nächsten Wochen etwas fehlen. Umso gespannter werde ich die Fluktuation beim VfB verfolgen, ob es gelingt Tribünenhocker ohne größere Abfindungszahlungen von der Gehaltsliste zu bekommen und ob es gelingt, die eine oder andere Verstärkung an Land zu ziehen. Da wohl noch immer kein Geld in der Kasse ist, steht zu befürchten, dass man bei möglichen Abgängen auch an Leute denken muss, die Geld einbringen, wie einen Martin Harnik zum Beispiel. Ich fände es schade, sollte man ihn für die kolportierten fünf Millionen Euro ziehen lassen, da ich bei ihm die Hoffnung habe, dass er sich noch fangen könnte und auch davon profitieren würde, wenn der VfB aus dem Trainingslager in Südafrika mit einem einstudierten System zurück kehren würde, in dem jeder Spieler auf dem Platz weiß, was er zu tun hat und nicht alle vogelwild durcheinander rennen. Für einen Spieler, der in der vorletzten Saison 17 Mal getroffen hat und noch 2 ½ Jahre Vertrag hat, fände ich fünf Millionen zu tief gegriffen. Fünf Millionen sind eine Größenordnung, die wir vor einigen Jahren für Georg Niedermeier an die Bayern überwiesen haben.

Ich fände es ebenso schade, wenn man die Hoffnung auf Besserung bei Abdellaoue schon begraben und ihn wieder abgeben würde. Er ist ein sensibler Spieler, der sich sicherlich selbst am meisten Gedanken macht, weshalb es für ihn nicht läuft. Ich denke, bei ihm wird noch der Knoten platzen. Sollte Schneider am in den letzten beiden Spielen praktizierten System mit zwei Spitzen festhalten, wird er automatisch mehr Einsatzzeiten bekommen, vielleicht auch mal schon früher als zuletzt.

Für Spieler wie Funk, Röcker, Molinaro und wohl auch Torun werden offensichtlich Abnehmer gesucht. Molinaro hat dem Vernehmen nach mit dem Kapitel VfB abgeschlossen und liegt uns nur noch auf der Tasche. Eine größere Ablöse darf man hier wie bei den anderen genannten nicht erwarten, man kann aber froh sein, wenn er von der Gehaltsliste gestrichen werden kann.

Für Benedikt Röcker würde es mir leid tun. Erst vor einem Jahr zu den Profis hochgezogen, weil man offensichtlich von den Qualitäten überzeugt war, die man ihm heute abspricht. Das verstehe wer will. Er hatte unglückliche Aktionen drin, wenn er ran durfte, gegen Rijeka allerdings in der Szene, die ich weiter oben schon Sven Ulreich zugeschrieben hatte. Bei den Amas hat er mir immer gut gefallen, wenn man ihm aber wie letzte Rückrunde einen Felipe oder jetzt Haggui vor die Nase setzt, zeugt das nicht von Vertrauen. Angeblich steht Röcker in Kontakt mit der SpVgg Greuther Fürth und könnte mit den Kleeblättern womöglich in die Bundesliga aufsteigen und damit eine ähnliche Karriere wie einst Ermin Bicakcic hinlegen.

Bei Patrick „Paddy“ Funk habe ich es schon nicht verstanden, dass er überhaupt von St. Pauli zurückgekommen ist. Dort hat er es in zwei Jahren nicht zum unumstrittenen Stammspieler geschafft. Auch wenn er meist aufgestellt wurde, war er nicht gerade DER unverzichtbare Mann, der große Duftmarken am Millerntor hinterlassen hätte. Dass er beim VfB keine Chance haben würde, war mir klar. Ob der VfB tatsächlich die Million gefordert hat, die St. Pauli nicht bezahlen wollte, sei dahin gestellt. Dem Interesse beider Parteien wäre sicherlich besser gedient gewesen, hätte man schon im Sommer eine einvernehmliche Lösung gefunden. Bei uns bekommt er wohl keine Chance mehr, obwohl die rechte Verteidigerposition, die er auch spielen kann, ja ein Problemfeld in unserer Aufstellung ist. Dass er jetzt um jeden Preis gehen wird, kann ich mir aber auch nicht vorstellen, schließlich hat er noch Vertrag. Sollte er gehen, wünsche ich ihm, wie auch Benedikt Röcker, viel Glück und Erfolg.

Zu Torun fällt mir dagegen nicht viel ein. Um den sollte sich am besten Bruno Labbadia kümmern…

Ich hoffe, der VfB stellt die Weichen in der Winterpause auf eine erfolgreichere Zukunft. Momentan sehe ich uns am Scheideweg. Wollen wir uns mit Mittelmaß zufrieden geben, weiterhin eine Wohlfühloase für gutverdienende Durchschnittskicker bieten, die ihr Geld bekommen, ob sie etwas leisten oder nicht, oder kehren wir zurück zu einer Leistungsgesellschaft und verändern das Gesicht der Mannschaft, ohne Rücksicht auf vermeintlich „große“ Namen zu nehmen. Dann muss die Verjüngung konsequent weitergeführt werden, müssen Platzhirsche wie Ulreich, Gentner und Ibisevic kritisch hinterfragt und Nachwuchskräfte herangeführt werden. Die Startelfnominierung von Rani Khedira war ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft und sollte anderen Youngstern Mut machen. Erst wenn es wieder gelingt, mit einer hungrigen Truppe, der man Fehler verzeiht, einen attraktiveren Fußball zu spielen, gewinnt man die Zuschauer zurück, die sich zuletzt mit Grausen abgewandt haben. Erst wenn man das geschafft hat, mal der Funke von den Rängen auf den Rasen, mal vom Rasen auf die Ränge überspringt, erst wenn sowohl Spieler wie auch Zuschauer wieder mit Spaß bei der Sache sind, hat der Verein Argumente, Spielern wie Werner und Maxim gegenüber, die zuletzt Begehrlichkeiten von Scheckbuchwedlern anderer Clubs weckten, ein Bleiben beim VfB schmackhaft zu machen. Wenn es dahin siecht, wie in den letzten Jahren, sehe ich in dieser Hinsicht schwarz.

Bei der Neuausrichtung des Vereins sollten die Spieler auch auf ihre charakterlichen Eigenschaften hin besser untersucht werden. Ein Spieler wie Ibrahima Traore, der sich stets zu höherem berufen fühlt und mit Angeboten, zuletzt angeblich mit einem der Bayern, kokettiert, kann nicht mit vollem Herzen beim VfB sein. Zudem fiel er schon des Öfteren durch Disziplinlosigkeiten und durch Kritik an den eigenen Fans auf. Traurig einmal mehr, dass es nicht gelang den im Sommer auslaufenden Vertrag zu verlängern oder, falls das nicht möglich war, ihn vorzeitig zu verkaufen. Auch eine Art der Geldverbrennung und das nicht zum ersten Mal!

Noch glaube ich an #aufbruch1893, möchte aber jetzt auch gerne einmal Taten in die richtige Richtung sehen. Klar ist, ich persönlich werde auch 2014 nicht nachlassen und den VfB dorthin begleiten, wo er gerade um Punkte kämpft. Die Gleichgültigkeit im Stadion und die Zuschauerzahlen zuletzt belegen aber auch, dass viele Leute das Vertrauen in den VfB verloren haben.

Abschließend noch ein Dank an meine Freunde für drei geile GB-Trips in diesem Jahr. Das Wort „Inselaffen“ nehme ich seither nicht mehr in den Mund. Bei allen drei Trips haben wir ausnahmslos nette Leute getroffen, die uns Deutschen gegenüber sowas von aufgeschlossen waren. Stets waren wir uns einig, dass Deutsche und Engländer doch dieselben Interessen hätten, nämlich „Fußball und Pubs“ und gut zusammen passen.

Dank auch den Jungs und Mädels vom RWS, mit denen ich sehr viel Zeit in diesem Jahr verbracht habe. Highlight in negativer Hinsicht natürlich die Pannen-Busfahrt nach Braunschweig und zurück. In positiver Hinsicht der absolut geile Trip nach Rijeka im 9er-Busle, eine sensationelle Tour in Top-Besetzung. RWS-Busfahrten können zuweilen stressig sein, langweilig sind sie nie und ich werde sie auch im neuen Jahr nicht missen wollen. Normal, dass man sich auf langen Fahrten, nach teilweise desaströsen Niederlagen auch mal zerft, was bei Antritt der nächsten Fahrt jedoch schon wieder vergessen ist.

Zum Abschluss wünsche ich allen ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr 2014. Wir sehen und lesen uns wieder, spätestens rund um das erste Rückrundenspiel, am 25.01.2014 gegen die Pappnasen aus Mainz. Bis dahin, wünsch ich Euch eine gute Zeit, viele Grüße, Franky

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30. September 2013

Auswärtssiegen ist schön!

Bilder vom Auswärtssieg in Braunschweig sind jetzt online. Nach denkwürdiger An- und Abreise, die mich zunächst der Einlaufbilder, später dann des Schlafs beraubte, kann man trotz allem auf eine erfolgreiche Auswärtsfahrt zurück blicken. Gegen das noch sieglose Schlusslicht Eintracht Braunschweig kamen wir zu einem vielleicht zu hoch ausgefallenen 4:0-Erfolg. Braunschweig begann engagiert und bissig, man merkte ihnen an, dass sie schon ein wenig mit dem Mute der Verzweiflung ankämpfen. In der ersten Hälfte hatte Braunschweig mehr vom Spiel und hatte durchaus Chancen, selbst in Führung zu gehen. Der VfB kämpfte sich nach und nach ins Spiel hinein und ging wenige Minuten vor der Halbzeit schmeichelhaft mit 0:1 in Führung. Wieder einmal war der Türöffner eine von Alexandru Maxim getretene Freistoßflanke, die Ibisevic per Kopf verwerten konnte. Dabei entledigte er sich durch einen Schubser seines Bewachers, dem Ex-VfBler Ermin Bicakcic. Hätten die Unparteiischen dies gesehen, hätten wir uns nicht beklagen dürfen, wenn der Treffer aberkannt worden wäre. Schade eigentlich, dass dem sympathischen Aufsteiger durch einen irregulären Treffer der Zahn gezogen wurde. Danach nämlich, vor allem in der zweiten Hälfte, kontrollierte der VfB das Spiel und den Gegner nach Belieben und erspielte sich gegen die mittlerweile überforderten Niedersachsen Chance um Chance. Spätestens nach Maxims tollem Abstaubertor aus spitzem Winkel war die Gegenwehr der Gastgeber gebrochen. Dem VfB boten sich Räume, die in der Bundesliga seinesgleichen suchen. Mann des Spiels neben Maxim war Ibrahima Traore, der nicht zu stoppen und an drei Toren beteiligt war.

Ob beim VfB endgültig die Leichtigkeit zurückgekehrt ist, wird sich gegen stärkere Gegner zeigen. Braunschweig war dafür nur phasenweise ein Gradmesser. Trotzdem sollte man den Sieg jetzt nicht kleinreden. 4:0 musst Du in der Bundesliga erst einmal auswärts gewinnen, auch in Braunschweig.

Der Aufsteiger mit seinem phantastischen Publikum im Rücken dürfte es schwer haben, die Klasse zu halten. Dies mache ich jedoch nicht am gestrigen Auftritt fest. Zu groß ist mittlerweile die Kluft zwischen etablierten Bundesligavereinen, Fahrstuhlmannschaften, für die ein Abstieg einen Betriebsunfall darstellt und die mit großem finanziellen Aufwand den sofortigen Wiederaufstieg anstreben und solchen Vereinen, wie im letzten Jahr auch Düsseldorf und Fürth, die jahrzehntelang unterklassig spielten und in der Bundesliga finanziell auf verlorenem Posten stehen. Da muss schon alles zusammen passen, um, ohne finanzielle Drahtseilakte (Alemannia Aachen läßt grüßen!), die nötigen Punkte einzufahren und zwei oder drei Vereine hinter sich zu lassen. Braunschweig vertraut weitestgehend den Aufstiegshelden, die schon in der 2. Liga ihre Siege weniger zelebrierten denn sich erarbeiteten. Daher ist es für mich keine Überraschung, dass das Team so schlecht da steht. Ich hoffe, dort behält man die Ruhe, vertraut weiterhin den Garanten der letzten fünf erfolgreichen Jahre Marc Arnold und Thorsten Lieberknecht und verfällt nicht in den branchenüblichen Aktionismus.

Für den VfB geht es weiter, man höre und staune, Samstag 15:30, gegen Werder Bremen. Bremen ist im Jahr Eins nach Schaaf auf der Suche nach sich selbst und nach der Konstanz. Dem Derby-Sieg in Hamburg folgte nach 2:0-Führung ein 3:3 gegen den Club. Das zeigt durchaus auf, welche Chancen sich uns am nächsten Spieltag bieten könnten. Ihre Abwehrprobleme haben die Werderaner nach wie vor nicht im Griff, so dass es ein Spektakel geben könnte, wenn unsere Jungs eine ähnliche Spielfreude an den Tag legen wie gegen Hoffenheim oder auch in der zweiten Hälfte in Braunschweig. Nach dem gestrigen Sieg und der noch andauernden Freude darüber kann ich es kaum erwarten, bis es (endlich) weiter geht, auch deshalb, weil es das einzige Heimspiel während des Volksfestes ist.

Seit Schneiders Amtsantritt können wir zwar nicht mehr Pokal, dafür jedoch umso mehr Liga. Zehn Punkte aus vier Spielen, keine Niederlage, so darf es gerne weiter gehen.

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9. Dezember 2012

Ibisevic trifft dreifach

Meine Vorfreude auf die Partie gegen Schalke hielt sich zunächst noch in Grenzen. Zu tief sitzt noch immer der Stachel der Darbietungen der letzten Wochen, steht der VfB im Frühwinter 2012/2013 doch eher für fußballerische Magerkost denn für spielerisches Feuerwerk. Natürlich stimmen unter dem Strich die Ergebnisse, auch und besonders die in den letzten zehn Tagen errungenen. Zunächst siegte man 2:1 gegen den FC Augsburg in einem Spiel, in dem das Schlusslicht der Liga den VfB phasenweise an die Wand spielte, jedoch untermauerte, weshalb die bayerischen Schwaben ganz unten stehen – sie trafen eben das Tor nicht. Dann siegte man in Unterzahl in Fürth, beim Co-Schlusslicht, auch hier hatte der VfB den rechten Gegner zur rechten Zeit. Es genügte eine den Temperaturen angemessene unterkühlte Leistung und ein Tor zum Sieg, da alles Anrennen der Franken eher kopflos erfolgte und der VfB somit wenig Mühe hatte, den knappen Sieg über die Zeit zu retten.

Und dann schließlich der fußballerische Offenbarungseid gegen Molde FK, ein Team, das in den letzten 10 Jahren außer den beiden Siegen gegen den VfB international überhaupt keine Erfolgserlebnisse feiern konnte und das direkt aus dem Urlaub kam, da in Norwegen die Saison bereits seit dem 18.11. beendet war. Klar, es ging gegen den frischgebackenen norwegischen Meister, trotzdem, mit Verlaub, darf man in einem solchen Spiel nicht doch ein bisschen mehr erwarten, auch wenn unter dem Strich das Weiterkommen stand? Wir dürfen uns bei Steaua Bukarest bedanken, die in Unterzahl in Kopenhagen ein 1:1 erkämpften und das, obwohl sie bei der VfB-Niederlage auf jeden Fall weiter gewesen wären. Hut ab!

Müssen wir als Fans zufrieden sein, wenn wir aufgrund der Ergebnisse auf anderen Plätzen ein Ziel durch die Hintertür noch erreicht haben, das bis zum Schluss am seidenen Faden hing? Ich denke nein! Alle klagen über das mangelnde Zuschauerinteresse in der Europa League. Gerade unter diesen Umständen muss das Team doch bestrebt sein, Werbung in eigener Sache zu betreiben. Stattdessen hatte man bei den VfB-Verantwortlichen lange Zeit nicht den Eindruck, dass sie selbst richtige Begeisterung für diesen Wettbewerb aufbringen können, sagte doch Bobic vor der Partie in  Molde, die Bundesliga wäre das täglich Brot, und die Europa League eher unwichtiger. Schon vor der Saison warf er in die Runde, die Europa League würde von den Fans nicht angenommen werden, was ja durchaus der Wahrheit entspricht, trotzdem ist es eine unkluge Marketingstrategie, wenn man Tickets an den Mann bringen möchte, den Fans aber gleich ein Alibi liefert, die die Europa League Spiele meiden. Auch ich hätte mir attraktivere Gegner in der Gruppe gewünscht, große Namen und Teams, die den Gästeblock füllen und somit ein wenig mehr internationales Flair durchs Neckarstadion wehen würde.

Leider war das nicht der Fall, alle drei Heimspiele waren mehr oder weniger trostlose Veranstaltungen ohne einen einzigen Heimsieg, die den Daheimgebliebenen also noch Recht gaben, sich diese Spiele nicht angetan zu haben.

Dass nach der peinlichen Schlappe gegen Molde, trotz des Weiterkommens, keine Jubelarien aufkommen würden, dürfte doch auch den Protagonisten auf dem Rasen klar gewesen sein. Wer gegen eigentlich harmlose Norweger wie eine Schülermannschaft in einen Konter läuft, wer gegen sie in zwei Spielen kein Tor zustande bringt, muss sich auch Kritik gefallen lassen. Meiner Wahrnehmung nach hielten sich die Pfiffe am Donnerstag schwer in Grenzen. Auslöser des Vogels, den Martin Harnik uns Fans zeigte, war aber wohl, dass der Gassenhauer „Stuttgart international, kann man nur besoffen sehn“ angestimmt wurde und dieser Sarkasmus nach Auffassung der Spieler nicht angebracht sei.  Ich kann zwar nicht mit Gewissheit sagen, seit wann dieser Song bei internationalen Spielen gesungen wird, gefühlt aber schon zu einer Zeit, als die meisten unserer Spieler noch in den Kindergarten gingen. Dass ein Martin Harnik, der seit Monaten auf der Suche nach seiner Form der Vorsaison ist, sich das Recht herausnimmt den wenigen anwesenden Fans als Dank fürs Kommen noch den Vogel zu zeigen, dass ein Georg Niedermeier, der gegen Molde unerklärliche Anfängerfehler fabrizierte, sagen darf „Zuschauer, die nur zum pfeifen kommen, sollen zu Hause bleiben“ und diese Aussagen von den Verantwortlichen sogar noch goutiert werden, zeigt, welche Kluft inzwischen zwischen den Fans und der Mannschaft liegt und wie weit sich die Hauptdarsteller auf dem Rasen inzwischen von der Basis entfernt haben. Klar fordern wir Emotionen und sehen es durchaus gerne, wenn manche Spieler nicht alles so über sich ergehen lassen. Hier aber schossen alle über das Ziel hinaus, zumal die Vereinsseite auch, nachdem eine Nacht über diese Geschehnisse geschlafen wurde, nicht von ihrer Meinung abrückten. Den Vogel zu zeigen stellt durchaus den Tatbestand der Beleidigung dar und ist fast dem Mittelfinger eines Stefan E. aus M. gleichzusetzen, der seinerzeit daraufhin von der WM 1994 in den USA ausgeschlossen wurde.

Seit Mr. Jähzorn Mäuser auf dem Wasen das Zepter schwingt, ist der Umgangston merklich rauer geworden. Nicht von ungefähr verlassen Leute auf wichtigen Positionen in einer Häufigkeit den Verein, die Ihresgleichen sucht.  So passt es ins Bild, dass die Angestellten die zahlende Kundschaft beleidigen dürfen und von ihren Chefs auch noch Beifall dafür erhalten.

Ich möchte dabei diesen Vorfall keineswegs überbewerten, habe aber kein Verständnis dafür, dass von Vereins- und Spielerseite kein Wort der Entschuldigung über die Lippen kam und dass, nach dem Spiel gegen Schalke, das gesamte Stadion abgestraft wurde, anstatt sich für die Unterstützung in der Vorrunde zu bedanken, schließlich war es das letzte Bundesligaheimspiel im Jahre 2012.

Nach der Darbietung und den Vorfällen nach dem Spiel gegen Molde, hatte ich ehrlich gesagt zunächst keinen großen Bock, bereits 41 Stunden später erneut in die bitterkalte Arena zu pilgern. Was mich sportlich zu erwarten hatte, in dieser Hinsicht war ich zwiegespalten. Zum einen grenzt es natürlich an Wettbewerbsverzerrung, wenn Schalke zwei Tage mehr Pause hat und wir der einzige Europaleague-Starter mit einer solch kurzen Regenerationsphase waren. Zum anderen war mir ein Spiel vor einigen Jahren in Erinnerung, in dem wir Werder Bremen nach genau so kurzer Erholungsphase mit 4:1 vom Platz gefegt hatten, was zeigte, dass es durchaus Kopfsache ist, wie man eine solche Situation annimmt. Schalke kam mit zuletzt drei Auswärtsniederlagen in Folge  im Gepäck auch nicht gerade mit sehr breiter Brust ins Neckarstadion. Auf der anderen Seite war mir natürlich auch klar, dass mit einer ähnlich emotionslosen und schwachen Vorstellung wie gegen Molde gegen die Knappen nichts zu holen sein würde.

Die Schalker reisten wie gewohnt mit einem zahlreichen und lautstarken Anhang an, die, wie die VfB-Fans erneut 12 Minuten, 12 Sekunden schwiegen, um letztmals gegen das DFL-Sicherheitskonzept zu protestieren, das am 12.12.12. verabschiedet werden soll.

Das Spiel hatte kaum begonnen, da zappelte der Ball bereits im Netz des von unserem Meisterkeeper Timo Hildebrand gehüteten Tores. Boka, der anstelle des zuletzt schwachen Molinaro spielte, dribbelte sich durchs Schalker Mittelfeld, schaffte so Raum für Traore, der seine Schnelligkeit ausspielte und in der Mitte mustergültig unseren Knipser Vedad Ibisevic bediente. Dieser hatte mit seinem achten Saisontreffer keine große Mühe mehr und überwand Timo Hildebrand erstmals. Für Hildebrand war es das erste Spiel gegen den VfB, in seiner Zeit beim SAP-Werksclub fehlte er gegen den VfB stets krank oder verletzt… Das Spiel konnte für den VfB also nicht besser beginnen und man traute seinen Augen kaum, dass der gleiche VfB, der am Donnerstag noch knapp ins Sechzehntelfinale stolperte, plötzlich herzerfrischend und mit Elan nach vorne spielte. Es zeigte sich mal wieder allzu deutlich, dass es dem VfB deutlich mehr liegt, wenn es gegen einen Gegner mit  eigenen Ambitionen geht. Die Schalker wollten ihrerseits natürlich heraus aus der Negativspirale und waren relativ offensiv ausgerichtet, was dem VfB in die Karten spielte und Räume eröffnete. Leider gelang es nicht den Vorsprung zu halten. Marica war nach Flanke von Jones und Stellungsfehler von Niedermeier zur Stelle und netzte mutterseelenallein zum 1:1 ein, Gott sei Dank der einzige Grund zum Jubel für königsblau. Die Schalker erhöhten zwar daraufhin etwas den Druck, kamen aber nur Halbchancen. Der letzte Pass kam nicht an, so dass von Huntelaar zum Glück so gut wie nichts zu sehen war.  Nach einem ungeschickten Rempler von Jones gegen Gentner entschied Schiri Zwayer zu Recht auf Strafstoß für den VfB. Trotz seiner Fehlschüsse vom Punkt gegen Wolfsburg und Fürth, wo er allerdings als Gefoulter selbst schoss, schnappte sich erneut Ibisevic die Kugel und hämmerte diese in die von ihm aus gesehen rechte Ecke. Hildebrand ahnte zwar die Ecke, hatte aber gegen die Wucht des Balles keine Chance. Kurze Zeit später hätte Harnik im eins gegen eins mit Hildebrand noch die Chance zum 3:1, vergab aber, wie schon gegen Molde kläglich, und schoss Hildebrand direkt in die Arme.

Besser machte es nach einer guten Stunde Raphael Holzhauser, dessen Schuss wuchtiger war, so dass Hildebrand vor die Füße von Ibisevic abklatschte und dieser bei seinem dritten Treffer erneut keine große Mühe hatte. Der Dreierpack von Vedad bedeutet für ihn die Führung in der Torjägerliste mit zehn Vorrundentreffern und die Vorentscheidung im Spiel. Bedenken kamen dann aber doch noch einmal auf, als Sakai mit einer in der Heftigkeit unnötigen Grätsche von hinten gegen Holtby vom Platz flog. Dieser Aktion ging jedoch ein nicht geahndetes Handspiel eines Schalkers voraus, so dass man dennoch von einer fragwürdigen Entscheidung sprechen konnte. Als dann jedoch wenige Minuten später Rüpel Jermaine Jones nach überhartem Einsatz gegen den wiederum sehr engagierten Ibrahima Traore ebenfalls den roten Karton vor die Nase gehalten bekam, war wieder alles im Lot und der VfB hatte kaum Mühe mehr, das 3:1 über die Zeit zu bringen. Im Gegenteil, kurz vor Schluss hätte Antonio Rüdiger fast noch sein Tordebüt gefeiert, scheiterte aber am Pfosten. Am Ende stand ein verdienter Sieg und Punktgleichheit mit den zu Beginn der Saison so hoch gewetteten Schalkern. Eigentlich unglaublich, wie der VfB da steht, wenn man sich vor Augen führt, wie viele Punkte regelrecht verschenkt wurden. Wie bereits angesprochen, hielt es die Mannschaft nicht für nötig, sich gebührend aus der Bundesligahinrunde zu verabschieden. Nach einem kurzen Gang in Richtung der Cannstatter Kurve drehten sie auch schon wieder ab. Die anderen Tribünen waren komplett außen vor und wurden keines Blickes gewürdigt. Bei den meisten anderen Vereinen, wo die Spieler rund ums Stadion, ob bei Sieg oder bei Niederlage, eine Runde drehen und alle vier Tribünen mit Applaus bedenken, sicherlich undenkbar, aber bei uns macht eben jeder sein Ding, das er für vertretbar hält.

Meine Euphorie hält sich somit auch in Grenzen, trotz der respektablen 25 Punkte, trotz der Tuchfühlung nach oben, trotz des Abstands von 13 Punkten auf den Relegationsplatz.

Kommenden Samstag in Mainz geht es dann weiter, dort fehlt dann schon (mindestens) die Hälfte unserer Viererabwehrkette. Ich denke, für Sakai bekommt Rüdiger eine Chance von Beginn an, zudem scheint sich Maza endlich zu stabilisieren, der gegen Molde und Schalke ordentliche Leistungen ablieferte. Die Mainzer spielen eine starke Saison, einfach wird es mit Sicherheit nicht. Seit langem hat der VfB mal wieder eine Woche Pause zwischen zwei Spielen, nach dem gestrigen Spiel bleibt zu hoffen, dass dieser Elan nicht verloren geht. Besonders die linke Seite mit Boka und Traore hat mir sehr gut gefallen, auch Holzhauser hat neben einigem Leerlauf, der für sein Alter aber normal ist, immer wieder tolle Momente im Spiel und ist eine absolute (kreative) Bereicherung.

Nach Mainz werde ich wieder mit dem RWS Berkheim im Bus mitfahren, bei Mainz wohl das Beste, was man machen kann. Sowohl das Stadion, mitten in der Pampa, als auch das Klatschpappen- und Karnevals-Publikum lässt dieses Spiel eher als Pflichtaufgabe denn als Saisonhighlight aussehen. Am Ende ist man einfach nur froh, wieder im Bus zu sitzen und diesen Ort möglichst schnell wieder zu verlassen, hoffentlich mit drei Punkten im Gepäck.

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28. Juli 2010

Bobic ist neuer Sportdirektor

Der VfB sollte sich so langsam einmal die IHK-Plakette mit der Aufschrift “Hier wird ausgebildet” besorgen und sie an die Glastür des Vereinszentrums kleben. Der Stuttgarter Bundesligist eröffnet nämlich nicht nur jungen Fußballern beste Berufsaussichten, sondern seit geraumer Zeit auch Managern. Auf Horst Heldt, der beim VfB die Chance erhalten hatte, sich in dieser Position zu profilieren, folgt nun das unbeschriebene Managerblatt Fredi Bobic. Bisher hat Bobic lediglich in Bulgarien erste Erfahrungen als Sportchef gesammelt. Doch der Mut zum Risiko ist beim VfB-Präsidenten Erwin Staudt und dessen Vorstandskollegen Ulrich Ruf nicht so ausgeprägt, wie es diese Personalie auf den ersten Blick vermuten lässt.

Die Vereinsführung kann darauf bauen, dass ein noch unerfahrener Manager einfacher steuerbar ist als ein arrivierter Vertreter dieser Zunft. Der ehemalige VfB-Stürmer Bobic dürfte dem Club zunächst einmal dankbar dafür sein, die große Chance seines zweiten Berufslebens erhalten zu haben. Eine Konstellation, die zunächst Ruhe verspricht – das ist keine schlechte Basis.

Bobic, als Spieler bekannt für seine deutlichen Worte (“Schiedsrichter, du blinde Bratwurst”), wird sich künftig deutlich diplomatischer ausdrücken, loyal verhalten und hoffen, dass er irgendwann in den Vorstand aufrückt. Selbst diese weitere Beförderung hatte Horst Heldt als Zeichen der Wertschätzung aber nicht genügt. Er wanderte zum FC Schalke ab. Sollte auch Fredi Bobic einmal solch ein lukratives Angebot bekommen, dann hätte er eine sehr ordentliche Arbeit als Manager abgeliefert – und der VfB als Ausbildungsbetrieb.

(STZ 27.7.10)

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