20. Juni 2011

Zum Trainingsauftakt vom VfB

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 16:45

Hallo Zusammen,

heute geht die dieses Mal so kurze Sommerpause zu Ende. Beim VfB beginnt der Aufgalopp auf die neue Spielzeit mit Leistungstests, um zu erkennen, welche Profis im Urlaub gut gearbeitet und welche geschludert haben, bevor übermorgen, am 22.6.11, das erste öffentliche Training ansteht.

Leider ist es dem VfB einmal mehr nicht gelungen, den nahezu endgültigen Kader zum Trainingsauftakt zu präsentieren. Anders allerdings als in den Jahren zuvor, ist diese Tatsache wohl in der Tat darauf zurückzuführen, dass an der Wechselbörse bislang keinerlei Bewegung stattfindet.

Nach den Zugängen von Kvist, Traore und dem Rückkehrer Schieber wird viel davon abhängen, ob Christian Träsch den VfB verlassen wird. Der VfB wird sich sicherlich strecken bis zum geht nicht mehr, um den Vertrag zu verlängern. Wenn aber ein Spieler, gehetzt von einem Berater, die Intention hat, sich bis zum Karriereende die Taschen so voll wie nur möglich zu stopfen, kann und darf der VfB auch einfach nicht mitbieten. Richtigerweise ist der VfB im Moment dabei, sich finanziell zu konsolidieren und die wahnsinnigen Spielergehälter Stück für Stück herunterzufahren. Dabei gilt das Hauptaugenmerk sicherlich den extern zugekauften Spielern wir Boulahrouz, Kuzmanovic, Pogrebnjak und Marica, deren Gehälter ich noch einen viel dickeren Hund finde, als, wenn Spieler, die sich beim VfB hochgearbeitet haben, zumindest angemessen bezahlt werden. Ein Träschi hat sicherlich die Möglichkeit haben, in Sachen Gehalt in Regionen eines Serdar Tasci vorzustoßen, was er sich auch verdient hat. Was aber darüber hinaus geht, ist in meinen Augen nicht zu verantworten, zumal ein Bleiben Träschs dauerhaften Erfolg genauso wenig garantiert, wie sein Abgang den Niedergang des VfB zwangsläufig zur Folge hätte. Als vor zwei Jahren Sami Khedira für eine Vertragsverlängerung angeblich 5,5 Millionen Euro jährlich forderte, war es genau so richtig, sich nicht darauf einzulassen. Der VfB sollte schön bei seinen Leisten bleiben und sich nach wie vor als Ausbildungsverein sehen, der junge Spieler fördert, ins Team einbaut, somit Identifikationsfiguren schafft, die eines Tages für teuer Geld abgegeben werden (müssen). Der Optimalfall ist natürlich, dass ein Spieler aus Dankbar- und Verbundenheit, sich auf einen Vertrag einlässt, wie seinerzeit Mario Gomez, der dem VfB im Falle eines Abgangs diesen finanziell versüßt, wobei man auch nicht weiß, welche Zugeständnisse der Verein machen musste, um diese Klausel im Vertrag zu verankern.

Im Fall von Christian Träsch hoffe ich auf eine schnelle Entscheidung, egal in welche Richtung. Ich würde mich freuen, wenn die Fronten noch nicht so verhärtet sind, wie man es nach  den Presseerklärungen aus der letzten Woche befürchten muss. Es wäre klasse, wenn es Fredi Bobic gelänge, den Spieler weiterhin an den VfB zu binden. Für mich war im Fall von Christian Träsch der FC Bayern immer die größte Gefahr, da ich den gebürtigen Ingolstädter als sehr heimatverbunden einschätze, und er bei den Bayern jedes Jahr um Titel mitspielen würde. Beruhigt hat mich dann, dass die Bayern mit Schweinsteiger, Kroos, Luiz Gustava, Alaba, Tymoshchuk oder eventuell Vidal im defensiven Mittelfeld ein Überangebot und damit keinen Bedarf an Träsch haben. Auch die Option als Rechtsverteidiger hat sich nach der Verpflichtung von Rafinha erledigt. Somit stellen für mich die Bayern keine „Gefahr“ mehr dar.

Anders verhält es sich bei den Bemühungen der Volkswagen-Werkself und seines Despoten Felix Magath. Wenn dieser Verein ins Spielerwerben eingreift, hat ein Verein wie der VfB zumindest finanziell nichts entgegen zu setzen. Würde der Spieler diesen Weg wählen, würde meine erste These greifen, dass dem Spieler der finanzielle Aspekt über allem steht. Die sportliche Perspektive, neues Land, neue Sprache, dauerhaftes Mitwirken in der Champions League, schöne Stadt, Heimatnähe, all das wären dann wohl keine Gründe FÜR eine Unterschrift in Wolfsburg. Auf gut deutsch, dann könnte man dem Spieler wirklich nicht helfen… Sollte er aber den Verlockungen nicht widerstehen können, dann bitte SOFORT VERKAUFEN, um wenigstens noch eine Ablöse in Höhe von 10 Mios + x zu erzielen, damit er im nächsten Sommer nicht ablösefrei geht. Auch ein Träsch wird beim VfB zu ersetzen sein. Anstelle von Fredi Bobic würde ich in Verkaufsgesprächen sogar noch versuchen, Sascha Riether, der bekanntermaßen abwanderungswillig ist, als Zugabe zu bekommen. Er könnte unsere Baustelle auf der rechten Verteidigerposition beheben, im defensiven Mittelfeld dürften wir mit Kuzmanovic und Kvist auch ohne Träsch gut besetzt sein. So könnten wir am Ende sogar noch gestärkt aus dem Verhandlungspoker herausgehen.

Ich möchte aber noch einmal betonen, dass es mir am allerliebsten wäre, er würde bleiben und weiterhin Vollgas für den VfB geben. Er ist ein sehr sympathischer loyaler Spieler mit einer profihaften Einstellung, er wäre also auch als Mensch ein Verlust, wenn er gehen würde. Geht er aber, hake ich das auch schnell als „Business as usual“ ab. Spieler kommen und gehen, der Verein bleibt. So ist es und so wird es im Profibereich immer sein.

Sonst sehe ich den VfB eigentlich gar nicht schlecht aufgestellt bis jetzt, in der Innenverteidigung täte uns eine Verstärkung vielleicht noch gut, vor allem da Matthieu Delpierre lange ausfällt. Was mit unseren, ebenfalls hochdotierten Linksverteidigern Boka und Molinaro passiert, muss man abwarten. Ich denke, wenn für einen oder gar beide lukrative Angebote ins Haus flattern würden, würde der VfB, in Anbetracht ihrer hohen Gehälter, zumindest darüber nachdenken, billigere Lösungen zu installieren.

Ich jedenfalls freue mich, dass es so langsam wieder los geht. Am kommenden Freitag werden wir uns den ersten Test in Brackenheim, da noch ohne unsere Nationalspieler, live anschauen.

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27. Februar 2011

Und wieder mal ein “Schicksalsspiel”

Die launische Diva VfB Stuttgart vom Neckar trifft heute um 15.30 Uhr also auf die launische Diva vom Main. Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart, ein schon immer brisantes emotionsgeladenes Spiel. Anfang bis Mitte der 90er-Jahre war es stets ein Spitzenspiel, in den letzten Jahren reiste der VfB meist als großer Favorit an, doch in dieser Saison ist es ein Abstiegsduell. Der VfB bleibt auch nach 23 Spieltagen auf seinen 19 Pünktchen sitzen, die Eintracht hat zwar acht Punkte auf dem Konto, jedoch im Jahr 2011 noch kein einziges Tor erzielt und könnte durch einen VfB-Sieg mit unten rein gezogen werden. Im Hinspiel verlor der VfB zu Hause durch äußerst fragwürdige Schiedsrichter-Entscheidungen mit 1:2. Der Gipfel dabei war das nicht gegebene Tor von Cacau zum 2:2 kurz vor Schluss.

Der VfB präsentiert sich fraglos launig in diesen Tagen. Dem Offenbarungseid gegen Nürnberg folgte eine zumindest über 60 Minuten ansprechende Leistung in Lissabon. Auch in Leverkusen wäre mehr drin gewesen als das 2:4. Die Leistung insgesamt war in Ordnung, allerdings präsentierte sich unsere Abwehr einmal mehr löchrig wie Schweizer Käse. So fanden von insgesamt sieben Torschüssen der Pillendreher vier den Weg ins VfB-Tor. Bruno Labbadia monierte auch, dass wir gar nicht so viele Tore schießen können wie wir einfangen und kündigte an, einen Torwartwechsel vorzunehmen. Meiner Meinung nach vollkommen angebracht, da Sven Ulreich einfach noch nicht so weit ist. Klar wird es ihm von seinen Vorderleuten auch nicht einfach gemacht. Ulreich macht mir allerdings oft einen übernervösen Eindruck, was sich auch auf seine Vorderleute zu übertragen scheint. Vieles wirkt bei ihm aufgesetzt. Er weiß zwar, was er zu tun hat aber nicht, wie er es umsetzen kann. Beispiel: Spieleröffnung!

An anderer Stelle hatte ich allerdings auch schon bemerkt, dass es mir lieber gewesen wäre, wir hätten während der Transferperiode im Januar einen gestandenen Keeper geholt, da ich Sven Ulreich die nötige Nervenstärke im Abstiegskampf nicht zutraue. Er ist zwar sicherlich einer der wenigen im “Team”, dem die Situation spürbar an die Nieren geht. Am Willen liegt es bei ihm nicht. Und, er wäre sicher auch einer der wenigen, die bei einem Abstieg für einen Neuaufbau bereit stünden. Ob er auf Dauer eine Nummer 1 in einem Bundesliga-Tor sein kann, muss er noch beweisen. Ich habe schon meine Zweifel, was seine Klasse betrifft. Andere junge Torhüter in der Bundesliga scheinen mir da weiter zu sein.

Marc Ziegler hatte ich schon in seiner ersten Zeit beim VfB die ganz große Torwartkarriere nicht zugetraut und er hatte mich auch bei den Testspielen in dieser Saison nicht überzeugt, als er auflaufen durfte. Dennoch erhoffte ich mir durch diese Maßnahme noch einmal ein Zeichen. Dass dann diese Maßnahme sofort wieder verpuffte, als Ziegler gegen Lissabon bewußtlos liegen blieb, ist natürlich großes Pech. Bruno Labbadia scheint das große Pech mit nach Stuttgart gebracht zu haben. Jede als Zeichen an die Mannschaft verstandene Maßnahme verpufft ins Wirkungslose, wie auch die Suspendierung Maricas. Dass sich am Tag danach Pogrebnjak mit Rippenbruch abmeldet, Harnik und Cacau ständig an Aduktorenproblemen laborieren und somit der Youngster Sven Schipplock auf einmal fast der einzig gesunde Stürmer ist, damit konnte zum Zeitpunkt der Suspendierung noch keiner rechnen. Für mich ist diese allerdings jetzt purer Aktionismus und schwächt den VfB eher, als dass es etwas bringt. In der Wintertransferperiode wäre die Gelegenheit da gewesen, sich vom ein oder anderen Stinkstiefel zu trennen und das Gefüge des Kaders zu korrigieren. Gerade über Marica hatte ich aus gut unterrichteter Quelle erfahren, soll ein Angebot von Galatasaray Istanbul vorgelegen haben. Warum der VfB dem nicht entsprochen hat, kann ich mir nicht erklären. Unsere Vereinsführung hatte wohl gehofft, die 8 Millionen Euro, die man 2007 für diesen Söldner gezahlt hatte, wieder zu bekommen. Dabei muss man einfach froh sein, einen solch miserablen Charakter von der Gehaltsliste zu haben. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Vielleicht scheiterte ein eventueller Transfer auch daran, dass in der Zeit, in der man eigentlich Trnsfers einfädelt, nämlich zum Trainingsbeginn bzw. zum 1.1., unser Manager-Azubi im Urlaub in New York weilte? Selbst wenn mit den heutigen Möglichkeiten der Kommunikation über die Neuen Medien vieles möglich ist, ein schlechtes Zeichen an die Mannschaft und die Fans war dieser Ego-Tripp von Bobic allemal. Dennoch wäre ich dafür alle Kräfte zu bündeln und auch Marica zu begnadigen. Gerade, sollte Pogrebnjak weiter ausfallen, könnte er mit seiner Schnelligkeit weiter helfen.

So kann ich mich nur immer wieder wiederholen. Im Sommer hatte Gross einen Torwart, einen Innenverteidiger und einen schnellen Außenbahnspieler gewünscht und nichts von alledem bekommen, weil es unsere Fußballfachleute in Vorstand und Aufsichtsrat ja besser gewußt hatten. Als sich in der Vorrunde der Absturz abzeichnete wurden uns sowohl von Bobic, als auch von Staudt Veränderungen im Kader in Aussicht gestellt doch nichts Nennenswertes geschah, zumindest nicht auf den Positionen, wo es notwendig gewesen wäre. Man ließ sich einlullen von einer kämpferisch guten Leistung im Pokal gegen die Bayern (wie tief sind wir gesunken, wenn wir schon mit Grundtugenden, die man von einem Profi erwarten muss, nämlich, dass er in JEDEM Spiel bis an die Schmerzgrenze geht, mit stehenden Ovationen bedenken???) und von den ersten beiden Rückrundenspielen gegen Mainz und in Dortmund als überraschend vier Punkte eingefahren wurden. Wie diese zustande kamen, wurde nicht hinterfragt. Es waren äußerst glückliche Punktgewinne, die wir gerne mitgenommen haben, aber auch nicht mehr. Dass die Probleme tiefgründiger sind, als dass sie durch Handauflegen von Labbadia schnell mal gelöst werden könnten, sollte nach 12 Pünktchen in der Vorrunde jedem klar gewesen sein. Für mich haben wir jetzt die Situation, dass wir keineswegs stärker geworden sind, als das was uns im August in den Spielen gegen Molde, Bratislava und Babelsberg vor Augen geführt wurde.

So ist meine Hoffnung auf den Klassenverhalt sehr gedämpft. Ich traue es der Mannschaft kaum zu, das Ruder herumzureißen. Gegen Lissabon, wohlgemerkt schon eine Klassemannschaft, ging das Team sang- und klanglos unter. Ob man jetzt befreiter aufspielen kann, da die Doppelbelastung wegfällt, muss sich erst noch zeigen. Spielerisch war es einmal mehr ein Offenbarungseid. Ich hoffe, dass heute Tasci zurückkehrt, was Georg Niedermeier seit seiner festen Verpflichtung spielt, ist gelinde gesagt unterirdisch. Aus der Abwehr wurde gegen die Portugiesen kein einziger ansehnlicher Angriff aufgebaut. Es wurde nur quer und dann zurück zum Torwart gespielt, der die Bälle nach vorne und meist in die Füße des Gegners drosch. Auch unser defensives Mittelfeld schafft es derzeit nicht, Angriffe nach vorne zu tragen. Selbst Träschi, in der Vorrunde noch weitestgehend eine Bank, lässt sich jetzt mehr und mehr von den Unsicherheiten seiner Mitspieler anstecken. Die Neuzugänge Hajnal und Okazaki waren zwar stets bemüht, schafften es aber auch nicht, die Stürmer in Szene zu setzen. So klaffen zwischen den Mannschaftsteilen einfach zu große Lücken. Mit diesem Spiel sind wir für jeden Gegner leicht auszurechnen, was meine Hoffnungen für heute nicht gerade bestärkt. Ich befürchte, wir könnten der ideale Aufbaugegner für die Hessen sein. Lasst sie ein Tor schießen und damit den Knoten platzen, wird es gefährlich für uns, zumal bei uns schon des öfteren nach einem Gegentor alle Dämme gebrochen sind.

Wenn man gestern die Dortmunder bei den Bayern gesehen hat, blutet einem fast das Herz. Wie die mit einem hohen läuferischen Aufwand und einer Passgenauigkeit, dazu einer Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, die Allianz-Arena gestürmt haben, hat mich schwer beeindruckt. Die Jungs waren ständig in Bewegung und schafften es, Robben zu zweit oder dritt zu attackieren, ohne zu viele Räume für die anderen Bayern-Spieler entstehen zu lassen.  Passwege wurden konsequent und fast über 90 Minuten zugelaufen, so dass die Bayern zu so wenig Torabschlüssen kamen, wie zu Hause schon lange nicht mehr.

Ich hoffe, unsere Jungs haben sich das angeschaut und nehmen die Erkenntnis mit, dass sich dieser Aufwand auszahlt. Unser Spiel ist viel zu statisch und mit wenig Überraschungsmomenten gespickt. Wir sind allzu leicht auszrechnen. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass man sowohl unsere Viererkette als auch unsere Doppel-Sechs einfach nur ständig attackieren muss, um Ballverluste zu provozieren. Wenn man dann noch schnell nach vorne spielt, geht beim VfB schnell jegliche Ordnung verloren. Es treten technische Unzulänglichkeiten zutage, die man eigentlich bei Profi-Fußballern nicht vermuten sollte. Es ist ja nicht so, dass ich lauter Messis auf dem Platz erwarte. Aber, wenn man schon mit der Ballbehandlung Probleme hat, sollte wenigstens der läuferische Einsatz und die Konzentration vorhanden sein. Sollte es am Ende gut gehen, hat man im Sommer die Gelegenheit notwendige Korrekturen vorzunehmen.

Für heute habe ich mal trotz meiner Schwarzmalerei mutig 3:4 getippt, auch, weil ich mir alles andere als einen Sieg nicht ausmalen möchte. Die Frankfurter, wie wir auch, haben massive Abwehrprobleme, so dass es durchaus denkbar ist, dass aus jeder halbwegs Halbchance eine Bude herausspringt. Der VfB ist zum Siegen verdammt, durch eine Niederlage würde der Rückstand auf Platz 16 schon auf fünf Punkte anwachsen. Für uns wäre es wichtig, endlich mal wieder den Anschluss zu schaffen, um an einem Spieltag mal wieder die Chance zu haben, bei optimalen Ergebnissen, die Abstiegsplätze zu verlassen. Dies könnte dann durchaus als zusätzliche Motivation dienen.

Wir sind, wie immer in dieser Saison, vor Ort, um 10 Uhr geht es mit dem Bus los. Alle Daheimgebliebenen: drückt fest die Daumen. Auch WIR würden gerne einmal wieder mit einem Erfolgserlebnis die Heimreise antreten.

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28. März 2010

Geiler Auswärtssieg bei den Bazis

Wie bereits angekündigt, trafen wir uns an diesem 27. März 2010 um 10 Uhr in Esslingen-Berkheim zur Auswärtsfahrt nach München mit dem RWS Berkheim. Mit ein paar Minuten Verspätung (auf irgendeinen, der zu spät kommt, muß man ja immer warten…) ging es dann auch los. Von Berkheim aus ist man ja schnell auf der A8 und sollte auch schnell in München sein. Sind ja schließlich nur rund 200 Kilometer. Wir kamen verhältnismäßig gut durch, von dem ein oder anderen kleinen Stau bzw. stockenden Verkehr abgesehen, was aber auf der A8 im Allgemeinen, wenn der VfB in München spielt aber auch im Besonderen völlig normal ist. Hielt sich meine Vorfreude auf das Spiel wenige Stunden davor noch in überschaubaren Grenzen, wuchs sie jetzt, nach dem ersten Snack im Bus, dem ersten Zuprosten mit dem im Bus erhältlichen Wulle-Bier sowie den ersten fachkundigen Gesprächen doch stetig ebenso wie der Optimismus, in der Arroganz-Arena doch etwas holen zu können.

An einem Rasthof kurz vor Augsburg machten wir unsere einzige Rast, die auf etwa 25 Minuten angesetzt wurde. Ich nutzte die Gelegenheit und trank noch einen Kaffee und war erst einmal froh, für einige Minuten an der frischen Luft zu sein. Am Rasthof war nicht zu übersehen, dass der Südschlager anstand. Es hielten einige Busse und Individualreisende dort, von beiden Lagern, was auch sofort die üblichen Frotzeleien nach sich zog. Dort hielt sich auch ein Bauern-Fanclub namens Ebnat-Süd (Bazis von der Ostalb, na super) auf. Als diese wieder abfuhren und uns mit wüsten Gesten aus dem Bus heraus bedachten, winkten welche von uns mit einer derer Fahnen zurück, die sich die Bazis doch tatsächlich aus dem Bus entwenden ließen. Mein erster Gedanke dabei: hoffentlich sind die Bayern auf dem Platz heute auch so schlafmützig. Jedenfalls legte der Busfahrer sofort den Rückwärtsgang ein und es kam zu heftigen Wortgefechten auf dem Rasthofgelände.

Die Bazis fanden die Aktion gar nicht lustig und hinderten uns an der Weiterfahrt, indem sie sich vor dem Bus aufbauten. Einige von denen befanden sich auch schon in einem beängstigenden alkoholisierten Zustand und wurden richtig aggressiv. Andere meinten Ordnungshüter herbei telefonieren zu müssen, die auch prompt eintrafen und sich der Sache annahmen. Schließlich tauchte die Fahne wieder auf und man einigte sich von gegenseitigen Strafanzeigen abzusehen. Wer die Fahne an sich genommen hatte, konnte eh nicht zweifelsfrei aufgeklärt werden, daher wäre eine Anzeige sowieso im Sande verlaufen, eher wäre der Tatbestand der Nötigung nachzuweisen gewesen, da die Bauern uns an der Weiterfahrt hinderten. Als Retourkutsche stahlen sie uns dann das hintere Nummernschild. Großes Kino am frühen Morgen also, umso mehr wünschte man sich natürlich, die richtige Antwort auf dem Platz geben zu können.

Gegen 14 Uhr erreichten wir dann den Busparkplatz nahe der hässlichen Schüssel Allianz-Arena. Wie man so ein Teil in die Pampa, weit außerhalb der Stadt, bauen kann, hat sich mir noch nicht erschlossen. Für mich ist es so ziemlich das hässlichste und auch stimmungstoteste Stadion in Deutschland. Um so bitterer, dass wir dort bis vor dem Spiel noch nichts gerissen hatten. Am Busparkplatz trafen wir wieder jede Menge Bekannte und warteten auch noch eine Weile auf jemanden, so dass wir dort auch noch gemütlich ein Bierchen tranken.

Die Schlangen vor dem Einlass waren schon beträchtlich um diese Zeit. Erst hatte man das Gefühl, da ginge überhaupt nichts voran, irgendwann war ich aber doch am Drehkreuz, um mein Ticket einzuschieben und hinein zu kommen. Die Durchsuchungsprozedur selbst verlief im normalen Rahmen.

Nachdem wir die vielen Stufen bis zum Oberrang erklommen hatten, warfen wir gegen 15 Uhr einen ersten Blick ins Stadion. Erwartungsgemäß waren vor allem die Bayern-Bereiche noch sehr spärlich gefüllt. Nach dem Treppensteigen hätte ich zwar auch schon wieder Durst gehabt, jedoch werde ich mir im Leben keine Arena-Card zulegen, so dass ich diese Gelüste verdrängte.

Der VfB Fanbereich, es wurden ja sämtliche 6.400 Gästetickets verkauft, war schon gut gefüllt und man machte auch gleich auf sich aufmerksam, in dem erste Lieder angestimmt wurden. Diese sollten sicher auch die Mannschaft, die sich auf unserer Seite warm machte, anstacheln, heute alles zu geben. Ich bin mir vor Derbys manchmal nicht sicher, ob die Mannschaft sich da genau so reinsteigern kann, wie ich mich als Fan. Gerade, wenn man die Pöbeleien mitbekommen hat, wenn einem Kinder aus einenm für sie sicheren Bus heraus den Stinkefinger entgegen strecken, wünscht man sich doch nichts sehnlicher als am Ende zu lachen.

Bei der Präsentation der Mannschaftsaufstellungen war ich sehr überrascht, dass weder Ribery noch Robben in der Anfangsformation standen. Wollte Van Gaal die Aufgabe Stuttgart also mit halber Kraft lösen? Kann es sich ein FC Bayern leisten gegen den VfB Stuttgart, immerhin der zweitbesten Rückrundenmannschaft, seine besten Spieler für das Spiel am Dienstag gegen ManU zu schonen? Eine solche Haltung ist wohl an Arroganz kaum zu überbieten.

Der VfB trat gegenüber dem Hannover-Spiel auf drei Positionen verändert an. Bouhlarouz vertrat den verletzten Celozzi, Christian Träsch, der seine Grippe auskuriert hatte, kam für Zdravko Kuzmanovic ins Spiel und Cacau ersetzte Pogrebnjak als zweiten Stürmer neben Marica.

Auf der Ehrentribüne fanden sich außer den Bayern-Oberen Rummenigge und Hoeneß auch u. a. Paul Breitner, Herr Gomez, umrahmt von einigen Damen sowie auch unser Ex-Präsident MV nebst Gattin ein.

Die Bayern, die die 120-Pokalminuten vom vergangenen Mittwoch gegen Schalke in den Beinen hatten, begannen zunächst forscher als der VfB, ohne jedoch den VfB in Verlegenheit bringen zu können. Der VfB agierte vorsichtiger, stand hinten aber relativ sicher. Die erste Torchance war dann dem VfB vorbehalten. Khedira zwang Butt mit einem beherzten Schuß zu einer Parade. Dies wirkte wie ein Warnschuß für die Bayern, die danach erst durch Klose, dann durch Van Buyten gute Möglichkeiten besaßen. Fast folgerichtig fiel in dieser Phase das 1:0 für die Bayern, als sich Olic gegen Niedermeier durchsetzte und scharf über Lehmann hinweg einnetzte. Scheiße, dachte ich. Wieder einmal ganz nett mitgespielt, aber für uns gibt es einfach in München nichts zu holen. Nicht von ungefähr schaffte der VfB bislang in 42 gemeinsamen Bundesligajahren gerade einmal vier Siege in München, egal ob im Stadion an der Grünwalder Straße, im Olympiastadion oder in der Allianz-Arena. Wenn der VfB kommt und Derbystimmung aufkommt, sind auch die Bayern hochmotiviert und geben sich selten eine Blöße. Der VfB hat dabei oft auch Angst vor der eigenen Courage und stirbt allzu oft in Schönheit. Vielleicht war man in der Vergangenheit mit letzterem auch schon insgeheim zufrieden.

Dies alles kochte in mir nach dem 0:1 aus unserer Sicht hoch. Es ist zwar nicht so, dass man nach einem 0:1-Rückstand den Kopf in den Sand stecken muß, beileibe nicht. Aber andererseits weiß man eben, wie schwer es ist, gegen die Bayern ein Spiel zu drehen und man weiß, dass es die Bayern verstehen, ein Ergebnis zu verwalten. Das spielte natürlich in die Karten der Bayern und der Plan schien aufzugehen, den VfB mal eben so im vorübergehen zu schlagen.

Kurz vor dem 0:1 verletzte sich unser Nationalspieler Sami Khedira nach einem sehr harten Einsteigen des derzeit formschwachen Nationalstürmers Klose. Wie sich hinterher herausstellte erlitt Sami einen Anriss des Kreuz- und Innenbands; er wird uns voraussichtlich 3-4 Wochen fehlen.

Für Sami Khedira kam Zdravko Kuzmanovic ins Spiel, der sofort nach seiner Einwechslung eine Freistoßchance bekam, den Ball aber leider knapp neben den von uns aus gesehen rechten Pfosten setzte. Der VfB kam jetzt, in den letzten 10 Minuten vor der Halbzeit, besser ins Spiel und besaß die besseren Möglichkeiten. Leider verzog Marica den Ball, als er alleine auf Butt zulief. Besser machte es in der 41. Minute Christian Träsch. Cacau erkämpfte sich einen fast schon verloren gegangenen Ball zurück, paßte in die Mitte zu Träschi, der sofort abzog. Abgefälscht von Bastubers Rücken fiel der Ball unhaltbar für Butt, der sich auf dem Weg in die andere Torecke befand, ins Tor. Ein zugegebenermaßen glücklicher, aber auch verdienter Treffer. Der Jubel im Block kannte natürlich keine Grenzen. Sollte die Arroganz der Bayern doch bestraft werden? Verdient hätten sie es!

Mit dem 1:1 ging es dann auch in die Halbzeit. Als Django Asül im Halbzeit-Interview ob des abgefälschten Tores dem VfB den sprichwörtlichen Bayern-Dusel attestierte mußte ich schmunzeln. Dass es ein in der Entstehung glückliches Tor war, darüber gab es wohl kaum zwei Meinungen, hochverdient war der Ausgleich aber auf alle Fälle. In der Halbzeit machten sich dann die bajuwarischen Hoffnungsträger Ribery und Robben intensiv warm, so dass damit zu rechnen war, dass die Bayern mit Beginn der zweiten Halbzeit mindestens einen der beiden bringen würden und jetzt ernst machen würden.

Erwartungsgemäß wurden sogar beide zum Beginn der zweiten Halbzeit eingewechselt, ausgerechnet für die Wegbereiter des 1:0 Pranjic und Olic. Den Bayern-Fans war damit klar, dass jetzt die große Show beginnen würde und man auch im 18. Heimspiel in Folge ohne Niederlage bleiben würde. Apropos Bayern-Fans: die zwei Fanblöcke hinter beiden Toren waren zwar farbenfroh, außer den zu ihrem Standard-Repertoire zwei Liedern brachten sie aber nichts zustande. Und die meist auch erst, wenn der Trompeter den Takt vorgegeben hat. Sonst war Totenstille vorherrschend, von der Gegengerade und der Haupttribüne kam rein gar nichts. Stimmung aus der Südkurve? Lächerlich, was die drauf hatten.

Dagegen war auf VfB-Seite fast 90 Minuten Dauersupport angesagt, der auch im Fernsehen sehr gut rüber kam. Ich konnte mir das Spiel heute noch einmal genüßlich anschauen und mich selbst davon überzeugen.

Ribery und Robben konnte man schon anmerken, dass sie gewillt waren, das Ruder im Handumdrehen herumzureißen. Dies zeigte sich, darin, dass sie schnell den Abschluß suchten, jedoch zunächst sehr harmlos, so z. B. ein Kullerball von Robben, den Lehmann mühelos mit der Kappe hätte aufnehmen können.

Anders der VfB: erst scheiterte Gebhart in der 49. Minute frei vor Butt, aus dem daraus resultierenden Eckball folgte dann das vielumjubelte 1:2. Cacau erkämpfte sich bei einem Getümmel im Münchener Strafraum den Ball, setzte sich zur Grundlinie durch und konnte flanken. Ribery schritt nicht energisch genug ein und gab der Flugbahn des Balles noch eine leichte Richtungsänderung. Sämtliche Bayern-Spieler hoben den Arm, weil sie die Flanke im Toraus gesehen haben wollten, und schalteten ab, so dass Marica am langen Pfosten aus kürzester Distanz nur noch einnicken brauchte. Ob der Ball tatsächlich im Aus war, konnte von keiner Kameraposition eindeutig bewiesen werden. Der Linienrichter hatte hier nicht den richtigen Durchblick, da er nicht auf Höhe der Grundlinie stand. Die Bayern jedenfalls protestierten vehement, doch der Schiri ließ sich natürlich und Gott sei Dank nicht mehr umstimmen. Sei’s drum: die hochdotierten Bayern-Profis sollten eigentlich wissen, dass man erst aufhören sollte zu spielen, wenn der Schiri gepfiffen hat, so ist das Tor aus meiner Sicht eher dem diletantischen Abwehrverhalten der Münchener zuzuschreiben. Dass wir das Spiel gedreht hatten und plötzlich in Führung lagen, konnte ich nicht recht glauben, einfach weil sich gegen diesen Gegner schon zu viele Negativerlebnisse in meinem Gehirn eingebrannt hatten.  Jetzt waren wir natürlich alle aus dem Häuschen und rieben uns weiter verwundert die Augen, was dort unten auf dem Rasen dargeboten wurde.

Die Münchner Flügelzange war zwar stets bemüht, jedoch ohne große Wirkung. Unsere Außenspieler Boulahrouz (steigerte sich enorm in der 2. Halbzeit) und vor allem Molinaro versperrten den Dribbelkünstlern ein ums andere Mal den Weg für schnelle Antritte. Wenn die Bayern versuchten, Pässe in die Tiefe zu spielen, stand unsere Doppelsechs mit Kuzmanovic und Träsch meist goldrichtig.Wir ließen die Bayern kaum zu guten Chancen kommen, so dass sie es mehr und mehr mit Verzweiflungsschüssen probierten, die aber meist das Tor weit verfehlten. Auf der Gegenseite hatte der VfB die besseren Chancen, wobei ich mir gewünscht hätte, dass der ein oder andere Konter sauberer zu Ende gespielt worden wäre. Das hätte dann doch unsere Nerven, die zum zerreißen angespannt waren, etwas geschont.

Chancen für die Bayern blieben Mangelware, wobei man sich bei den Bayern natürlich nie sicher sein kann. In der Schlußphase beorderte Van Gaal dann noch Van Buyten zum Unruhe stiften nach vorne, doch hielt der VfB auch dieser Maßnahme stand. Auch Schiedsrichter Meyer widerstand den ständigen Versuchen der Bayern, Freistöße in aussichtsreicher Position zu schinden. Meyer bot eine recht gute Leistung, hätte aber meiner Ansicht nach mehr Karten für die Bayern verteilen müssen. Nicht nur Kloses Foul gegen Khedira war grenzwertig. Dass Van Bommel erst in der Schlußphase den Karton sah, davor aber ein ums andere Mal rüde foulen durfte, hatte ich nicht verstanden. Vor allem waren auch Situationen dabei, in denen aussichtsreiche Kontersituationen vom VfB mit taktischen Fouls unterbunden wurden, die eigentlich zwingend gelb hätten nach sich ziehen müssen. Cacau, der im Laufe der kommenden Woche erklären wird, ob er das Angebot über eine Vertragsverlängerung beim VfB annehmen wird, sah bereits in der 1. Halbzeit seine fünfte gelbe Karte und fehlt somit im kommenden Spiel gegen Bor. M’Gladbach. Ich würde mir wünschen, dass er zu vernünftigen Konditionen bleibt. Gestern glänzte er zwar nicht als Torschütze, war aber an beiden Toren beteiligt und rackerte vorne wie hinten.

Als die Bayern versuchten, mit Macht auf den Ausgleich zu drängen, war Jens Lehmann unser Turm in der Schlacht. Er wirft sich nach wie vor wie ein Junger ins Getümmel und pflückt Flanken wie Eckbälle scheinbar mühelos weg. Gestern tat es wieder sehr gut einen Jens Lehmann zwischen den Pfosten zu haben. Eine Unsicherheit hatte er, als er eine Flanke unterschätzte, ansonsten ließen lediglich seine Abschläge zu wünschen übrig. Er bot für mich eine starke Leistung. Spieler des Spiels waren für mich aber Christian Träsch und Cristian Molinaro.

Als auch die Schlußoffensive der Bayern zu verpuffen schien und noch 2 Minuten Nachspielzeit angezeigt wurden, rückte der lang ersehnte Sieg in München natürlich greifbar nah. Die VfB-Fans skandierten schon lange u. a.  “Sieg”  und “Ohne Stuttgart wär hier gar nix los”, was auch zutraf. Sehr viele sog. Bayern-Fans befanden sich schon auf dem Nachhauseweg, sie wollten das für sie bittere und für uns so süße Ende gar nicht mehr live mit erleben.

Auch unser Erfolgstrainer Gross schaute schon demonstrativ auf die Uhr und hoffte auf ein baldiges Ende der Partie.

Um 17:20 Uhr schließlich war er perfekt: der erste Sieg in München seit dem September 1999, damals noch im Olympiastadion. Der erste Bundesligasieg in der Allianz-Arena (im Ligapokal gab es ja auch mal einen) und der erste Sieg in diesem Jahrtausend in München. Riesen-Jubel brandete natürlich auf und überall um einen herum nur strahlende Gesichter. Ein Sieg hier in der Höhle des Löwen tut doch besonders gut. Schnell waren nur noch überwiegend VfBler im Stadion geblieben, wo die Mannschaft natürlich zuerst mit einer La Ola gefeiert wurde. Auch der Mannschaft merkte man an, dass sie sich bewußt war, etwas Seltenes geschafft zu haben. Sie feierten ausgelassen und wie kleine Kinder auf dem Rasen. Selbst für einen alten Hasen wie Jens Lehmann war es der allererste Sieg in München gegen die Bayern in seiner langen Karriere. Nachdem die Spieler Richtung Katakomben weiter zogen, wurde im VfB-Block noch eine Umba angestimmt. Da wir noch jemanden treffen wollten und um 18 Uhr schon wieder am Bus sein sollten, machten wir uns langsam auf den Weg nach unten. Dieses Mal kamen einem auch die Stufen nicht mehr beschwerlich vor. Nicht nur, weil es bergab ging, der Sieg machte uns einfach nur happy und so schwebten wir halber hinab.

Unten am Stadion warteten wir dann noch auf Bekannte, nicht ohne wieder reichlich angepöbelt worden zu sein. Wären wir auf Ärger aus gewesen, hier hätten wir ihn bekommen können. Aberdutzende liefen mit provozierenden Gesten oder Gesängen an uns vorbei und hofften, dass wir entsprechend reagieren würden. Ich lächelte sie aber sehr freundlich an und freute mich diebisch, dass wir diesen Assis in die Meisterschaftssuppe gespuckt hatten.

Und dann kamen an uns natürlich auch jede Menge strahlende und einfach nur glückliche Schwaben vorbei. Wildfremde Menschen nahmen sich in den Arm und klatschten sich ab. Wie ein solcher Sieg ein Lächeln in Tausende von Gesichtern zaubern kann, ist schon phänomenal. Auswärtssiegen ist schön, aber natürlich in München umso mehr.

Kurz darauf gingen wir dann in Richtung unseres Busses, wo ich natürlich als erstes ein Siegerbier trank, auf das ich mich schon seit Stunden gefreut hatte. Die Rückfahrt verlief unspektakulär, außer dass wir wieder bei Augsburg am Rasthof unser vermißtes Nummernschild zurück erhielten. Es war auf der gegenüberliegenden Seite aufgefunden worden, unser Busfahrer war darüber bereits vor dem Halt informiert gewesen. So konnte schließlich auch er letztendlich noch zufrieden seine Heimfahrt antreten. Auf dem Rastplatz waren ebenfalls beide Fanlager vertreten, von Zwischenfällen habe ich aber nichts mitbekommen. Von einem dritten Verein trafen wir dort auch noch Anhänger: nämlich vom 1. FC Heidenheim, die vom Spiel in Burghausen, nach einem Auswärtssieg frohgestimmt wie wir, zurück kamen.

Bald darauf , gegen 21.30 Uhr, waren wir dann zurück in Berkheim. Der Tag war natürlich super, wer hätte das gedacht, dass wir in der entscheidenden Phase der Meisterschaft, wo für die Bayern so viel auf dem Spiel steht, dort gewinnen könnten. Ich jedenfalls nicht. So ist plötzlich der Einzug ins internationale Geschäft keine Utopie mehr. Nur noch drei Punkte (und das deutlich schlechtere Torverhältnis) trennen uns vom HSV. Dieser nimmt sich gerade wieder seine traditionelle Schwächephase in der Rückrunde. Sollte der HSV heute in Gladbach verlieren, sind wir auf Tuchfühlung. Dem VfB in der Form der bisher gespielten Rückrunde sind auch bis zum Saisonende noch sechs Siege zuzutrauen. Und dann, ja dann schaun mer mal, wozu es reicht.

Ich wünsche Euch eine schöne Woche und bis bald

Franky

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