1. Juni 2019

Delle? Nein, Totalschaden!

Seit Montagabend, 22.20 Uhr, steht es fest, der VfB muss nach 1975 und 2016 zum dritten Mal den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten.

Soviel auch falsch lief in dieser Saison, nicht einmal „das Geschenk“ der Relegation vermochte diese charakterlose Ansammlung von Ich-AGs dankend anzunehmen. Wer es in zwei Spielen nicht schafft, einen Zweitligisten zu besiegen, wer in der regulären Runde gerade einmal 28 Punkte zustande bringt, hat den Klassenerhalt nicht verdient.

Daher hatte ich mich schon früh in dieser Saison damit abgefunden, dass es uns erwischen könnte, so dass sich der Schmerz darüber in Grenzen hält. Ich ging zwar davon aus, dass mich der Schlusspfiff und damit die Gewissheit völlig kalt lässt, dem war dann aber doch nicht so. Unmittelbar danach konnte ich mich jedenfalls mit niemandem austauschen, ohne, Gefahr zu laufen, dass doch ein paar Tränen gekullert wären.

Dem Modus der Relegation (wann schafft man diesen Scheiß endlich wieder ab?) nach gab es in Berlin-Köpenick strikte Fantrennung, (nur) im Gästeblock alkoholfreies Bier und jede Menge schön anzuschauende Pyro-Aktionen. Mit dem besiegelten Abstieg wurde standesgemäß noch eine Rauchbombe gezündet, ansonsten war die Atmosphäre im Gästeblock recht gefasst.

Unschön war es dann, dass die Unioner direkt nach Schlusspfiff die Tore öffneten, ohne dass vorher wenigstens ein Polizisten-Wall vor unserem Block aufgestellt worden wäre. So rannten etliche hässliche Fratzen zu uns herüber, provozierten und warfen Fackeln in unseren Block, mir fällt dazu nur ein Wort ein, asozial!

Abgesehen davon, dass solche Aktionen nicht sein müssen und diese Leute doch besser den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte hätten feiern sollen, flüchteten unsere Spieler sofort in die Katakomben. Ob sie sonst die Eier gehabt hätten und sich von den Fans verabschiedet hätten, weiß man natürlich nicht, ich hätte dem einen oder anderen trotzdem gerne noch ein paar passende Worte hinterhergeworfen.
In Berlin konnte man den Unseren nicht einmal sehr viel vorwerfen. Es war eben ein Spiegelbild der Saison, als uns sehr oft individuelle Patzer auf die Verliererstraße brachten.

So war es dieses Mal Nicolás González, der bei Aogos Freistoß im Abseits stand und das Tor deshalb nach Eingriff des Videoreferees zurecht aberkannt wurde. Anscheinend postiert Union bei vergleichbaren Freistoß-Situationen stets einen Mann auf der Linie, so dass es wohl einstudiert war, wo der junge Argentinier zu stehen hatte. Dumm nur, dass der Union-Keeper Gikiewicz dieses Mal auf diesen Mann verzichtete (er dachte wohl, Aogo trifft das Tor sowieso nicht!) und in unserer Truppe niemand González darauf hingewiesen hat. Es wäre der Start nach Maß gewesen, entsprechend der Jubel im Block, ehe man realisierte, dass die Aktion überprüft wurde.

Danach hatte der VfB Pech, dass er einen Handelfmeter nicht zugesprochen bekam. Auch da bin ich eher beim Schiedsrichter, weil ich wenig von Glückselfmetern halte, wenn einem zufällig der Ball an die Hand springt.

Der Unioner hatte den Ball nicht im Blick, daher wäre der Elfmeter für Union in einem solch wichtigen Spiel äußerst unglücklich gewesen. Auf der anderen Seite aber wird dieser Elfer an anderer Stelle, man denke nur daran, Bayern München wäre beteiligt gewesen, gepfiffen, so dass im Fußball auch nach Einführung des Video-Assistenten von Gerechtigkeit keine Spur ist.

Dennoch machte der VfB in Berlin noch eines seiner besseren Spiele. Wäre man die gesamte Saison über so aufgetreten, wie, seit Nico Willig das Zepter übernommen hat, hätte man den Klassenerhalt wohl direkt geschafft, deshalb sind wir gefühlt auch nicht erst in Berlin abgestiegen, sondern schon viel früher.

Ein Abstieg kommt für mich nicht allein einer Katastrophe gleich, sondern ist auch die Chance, alles auf den Prüfstand zu stellen und gestärkt zurückzukommen. Dieser Möglichkeit ist der VfB gerade dabei, sich zu berauben.

Der allmächtige Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Dietrich ist der Hauptverantwortliche für das Dilemma, in welchem wir stecken. Er trieb das Thema Ausgliederung mit einer auf Lügen und Illusionen aufgebauten Propagandakampagne voran. Er war es, der mit seinen Zugpferden Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf in der Aufstiegseuphorie die Ausgliederung durchbekam, um wenig später, nachdem der Mohr seine Schuldigkeit getan hatte, beide fallen zu lassen.

Michael Reschke ließ er sich von den Hoeneß-Brüdern aufschwatzen, womit Uli das Husarenstück gelang, diesen Blender kostengünstig loszuwerden. Reschke wurden blind die Ausgliederungs-Millionen anvertraut, schließlich eilte ihm der Ruf eines Perlentauchers voraus. Wo war das Korrektiv in der AG, was genau hat der Aufsichtsrat beaufsichtigt? Und, wer ist überhaupt DER Aufsichtsrat?
Wie der Rücktritt von Guido Buchwald und dessen Vorwurf, nicht alle im Gremium würden vor schwerwiegenden Entscheidungen in sämtliche Vorgänge eingebunden, zeigt, bestimmen die Politik im Aufsichtsrat andere als die (vermeintlich) Sportkompetenten.

Allen voran Wilfried Porth, der die Kraftverhältnisse in dieser Causa auf der Ehrentribüne veranschaulichte, als er unseren Meisterspieler von 1984 und 1992, Guido Buchwald, in aller Öffentlichkeit zusammenfaltete, worauf dieser verstört das Handtuch schmiss.

Wer meine Kritik an der Ausgliederungspropaganda und am Engagement „vom Daimler“ VOR der Abstimmung noch einmal nachlesen möchte, hier entsprechende Links dazu. http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4188, http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4194. Viele Befürchtungen davon sind eingetreten, vor allem #jazumerfolg klingt angesichts des neuerlichen Tiefpunktes wie Hohn in den Ohren.

Die Kritik zielte damals, abgesehen von der Art und Weise der Propaganda, darauf ab, ob der Daimler wirklich so gut für uns ist, wie man stets weismachen möchte, oder ob er nicht gar ein Bremsklotz ist, dem es „nur“ um darum geht, auch weiterhin das Sagen beim VfB zu haben. Dies ermöglicht ihm nämlich nicht „nur“, einen ihm genehmen Präsidenten aussuchen zu dürfen, sondern auch bei der Sponsorensuche mitentscheiden zu dürfen und somit unliebsame Konkurrenten aus Eigennutz zu verhindern.

Jetzt, nach der Ausgliederung haben wir den Salat! Erst verlängert die Mercedes Benz Bank generös den Trikotsponsoring-Vertrag, dann gibt der Daimler eine Pressemitteilung heraus, dass er dem VfB auch nach dem Abstieg partnerschaftlich zur Seite stehen werde, um kurz darauf vom (von Daimler dominierten) Aufsichtsrat mitgeteilt zu bekommen, dass in der Führungsriege der VfB AG alles beim alten bliebe.

Ernsthaft? Habt Ihr sie noch alle? Wolfgang Dietrich, als Spalter bekannt, hat beim VfB nur eines geschafft, nämlich mittlerweile so gut wie alle gegen sich aufgebracht zu haben. Im Stile eines Patriarchen führt der Sonnenkönig von oben herab. Erst kommt er, dann lange nichts. Wer sich ihm in den Weg stellt oder unbequem wird, fliegt. Da ist es scheißegal, ob man ein harmonierendes Konstrukt auseinander reißt, es geht ja schließlich nicht um den VfB sondern rein um sein eigenes Ego und Machterhalt.

Dietrich trägt vollumfänglich die Verantwortung für den Karnevalsprinzen aus Köln-Frechen, auch wenn die Gremien diese Personalie abgenickt haben und Dietrich stets betont, wie einvernehmlich die Entscheidungen getroffen wurden.

Im Zuge der Ausgliederung hat er den Mitgliedern versprochen, verantwortungsvoll mit den Ausgliederungs-Millionen umzugehen, um sie dann einem Reschke in die Hand zu drücken und von jetzt auf gleich verprassen zu lassen.

Der VfB e. V. hat sich an den Daimler für ein Butterbrot verkauft und steht schlechter da als vor der Ausgliederung. Die immer wieder kolportierten hervorragenden Rahmenbedingungen können sich die Wirtschafts-Fachleute sonst wohin stecken, im Fußball zählt das sportliche Abschneiden und da stehen wir am Abgrund.

Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden. Solang der Daimler als Anteilseigner fungiert, wird er „den Präsidenten, den wir wollten“ stützen und das dumme Mitglied hat keine Handhabe mehr, Dietrich, zumindest als Aufsichtsratsvorsitzenden, loszuwerden.

Wenn Dietrich die Proteste gegen ihn lapidar abtut, „Diese Leute brauchen einen Prellbock und das war und ist in Stuttgart nun mal der Präsident“, hat er überhaupt nichts verstanden. „Diese Leute“ sorgen sich um den VfB und müssen mit ansehen, wie ihr Herzensclub zugrunde gerichtet wird, von Leuten, die rein wirtschaftliche Interessen verfolgen, und von Sportsgeist und Emotionalität, die im Fußball elementar wichtig sind, keine Ahnung haben.

Dietrich sieht die (fehlende) sportliche Entwicklung als Delle an, nein, Herr Dietrich, ein Abstieg mit einem solch teuren Kader ist der worst case, ein Totalschaden sozusagen!

Dietrich ist weit davon entfernt, ein harmonierendes Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter (und Spieler) gerne beim VfB „arbeiten“. Wenn von oben herab mit der Dampfhammermethode regiert wird, Lügen und Wahrheitsbeugung an der Tagesordnung sind, wie will man da erwarten, dass in der Mannschaft eine andere Stimmung herrscht und sich jeder an Regeln und Abmachungen hält. Wie der Herr, so das Gescherr!

Der Abstieg, der in erster Linie deshalb erfolgte, weil wir zu keiner Zeit eine Mannschaft auf dem Platz hatten, die zusammen hielt, ist eine direkte Folge der Führung des Wolfgang Dietrich und, bis vor ein paar Monaten, vom Möchtegern-Trainer Michael Reschke.

Dieser hat die Autorität der Trainer untergraben, indem er ihnen permanent in die Aufstellungen geredet hat. Wie will da ein Spieler wissen, auf wen er zu hören hat, wie will er da noch den Trainer ernst nehmen, wenn dieser doch nur eine Marionette des Sportvorstandes ist. Das hatte bereits Hannes Wolf den Job gekostet.

Bei Hannes Wolf war sicher nicht alles Gold, was glänzte. Mittlerweile bezweifle ich auch, dass er der gute Trainer ist, als den ihn viele ansehen. Trotzdem hat er dem VfB seinerzeit ein Gesicht gegeben, so dass ich mir mit ihm Kontinuität erwünscht hatte.

Mit dem Tag der Schindelmeiser-Entlassung und der Inthronisierung Reschkes aber wurden von jetzt auf gleich Wolfs Pläne konterkariert. Nicht nur der von Schindelmeiser/ Wolf angezählte Kapitän Christian Gentner wurde von Reschke umgehend heilig gesprochen, nein, anstatt jungen entwicklungsfähigen Spielern, die besser zu machen Hannes Wolf in seinem Element war, wurden alternde und teure Ex-Nationalspieler verpflichtet, mit denen Wolf weniger anzufangen wusste, die aber spielen mussten, weil Reschke sie ja schließlich mit üppigen Verträgen ausgestattet hat. Wenn dann die Chemie zwischen Trainer und Sportdirektor vom ersten Tag an nicht stimmt und Letzterer bestimmt, wer zu spielen hat, ist das Ende einer solchen Konstellation absehbar.

Ob mit dem von Schindelmeiser zusammengestellten Kader (er war ja zum Zeitpunkt der Entlassung noch nicht fertig!) und Hannes Wolf alles besser geworden wäre oder wir nicht schon letztes Jahr abgestiegen wären, ist natürlich hypothetisch. Fakt ist, dass eine ausbaufähige Euphorie vorhanden war und „das schwierige Umfeld“ jungen Spielern eher Fehler zugestanden hätte, wie erfahrenen Recken.

Das für mich noch immer der Kardinalfehler. Mit der Verpflichtung von Reschke verließ der VfB den Weg der Vernunft und wollte den zweiten vor dem ersten Schritt gehen. Bei meinen Ausführungen vor der Ausgliederung spielte auch eine Rolle, dass ich wenig damit anfangen kann, wenn die Gehaltskosten explodieren, wir jedoch keinen besseren Fußball dafür sehen. Auch das ist eingetreten, der VfB hatte 2018 mit knapp 84 Millionen Euro den siebthöchsten Etat der Liga und steht mit 10,8 Millionen Euro ausgegebenen Beraterhonoraren ebenfalls an siebter Stelle des Oberhauses. Hier stimmen Aufwand und Ertrag in keinster Weise. Wenn ich höre, dass ein Mario Gomez 6 Millionen Euro im Jahr verdienen soll und Holger Badstuber nur ein bisschen weniger, rollen sich mir die Fußnägel auf. Da stets betont wird, dass die Verträge auch für die 2. Liga gelten, dürfte die Ära Reschke auch in der 2. Liga wie ein Damokles-Schwert über uns schweben.

Der Größenwahn eines Reschke, den Dietrich zu verantworten hat, hat uns nun dahin gebracht, wo wir stehen. Noch im Winter hat es Reschke versäumt, die größten Baustellen im Kader zu beheben, bspw. einen treffsicheren Stürmer zu holen. Geleitet vom Leitsatz des Nachbarn mit dem Stern „das beste oder nichts“ holte er lieber niemanden, weil kein Top-Club bereit war, einen Top-Mann, mitten in der Saison, zu Top-Konditionen abzugeben. Ein Zweit- oder Drittligatorjäger mit einem Lauf hätte sich hinter Gomez und González bestimmt nicht zu verstecken brauchen, und wäre vermutlich einfacher zu haben gewesen. Hätte, hätte, Fahrradkette, es ist, wie es ist, nur, personelle Konsequenzen auf verantwortlicher Ebene bleiben aus.

Wer bitteschön soll denn die Verantwortung für Reschke übernehmen, wenn nicht Dietrich? Er kann sich nicht damit herausreden Hitzlsperger und Mislintat geholt zu haben, die nun den Scherbenhaufen aufkehren müssen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer und kommt einer Kriegserklärung gleich, wenn die Herren jetzt verkünden, wir seien ja bestens aufgestellt und es ändere sich demnach nichts.

In den letzten Tagen wurde publik, dass Reschke wohl nach dem Düsseldorf-Spiel entlassen wurde, weil er Weinzierl damals entlassen wollte, Dietrich aber nicht. Auch das eine fatale Fehleinschätzung Dietrichs und wohl der einzige lichte Moment Reschkes während seiner Amtszeit beim VfB! Aus dem Wintertrainingslager sickerte seinerzeit durch, wie inkonsequent Weinzierl beim Sanktionieren von Disziplinlosigkeiten war und dass er damals schon große Teile des Teams gegen sich aufgebracht hatte.

Deshalb hätte Weinzierl bereits im Januar, spätestens aber nach dem Düsseldorf-Spiel entlassen werden müssen. Da dies nicht geschah und Dietrich sein Veto einlegte, musste der arme Thomas Hitzlsperger die Angelegenheit bis zum Offenbarungseid von Augsburg durchziehen, ob er wollte oder nicht.

Dietrich hat hoch gepokert und verloren. Ein Mann mit Charakter und Anstand würde das erkennen und seinen Hut nehmen. Doch weit gefehlt, beide Attribute darf man bei Dietrich nicht erwarten, wenn man sich seine Vita vor Augen führt.

Die Erklärung des Aufsichtsrats lässt mich fassungslos zurück. Was der VfB jetzt bräuchte, wäre eine Aufbruchstimmung wie anno 2016. Die Fans sind das Kapital eines Vereins (gut, erkläre das mal einem Wirtschaftsboss…). Da Dietrich nicht ehrenvoll abtreten wird und der Aufsichtsrat einen Teufel zu tun scheint, auf die Stimmung des Umfeldes zu hören, fragt man sich, was man als einzelner Fan, oder besser, als Fanszene tun kann, um seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen. Von der Mitgliederversammlung am 14.07. verspreche ich mir wenig, diese wird Dietrich aushalten, den Aufsichtsrat tangiert sie sowieso seit der Ausgliederung nicht mehr.

Was beim VfB fehlt, ist eine echte Opposition, die das Zeug dazu hat, für einen Antrag auf Abwahl des Präsidenten die nötigen 75% zusammenzubekommen, selbst, wenn die Vereinsführung jegliches Stimmvieh ködert, um genau das zu verhindern.

Dazu bedürfte es eines Gegenkonzeptes und einen geeigneten Kandidaten, der zur Wahl antreten würde. Mir fallen dazu spontan Ralf Rangnick und Jürgen Klinsmann ein, die regelmäßig mit dem VfB in Verbindung gebracht werden, für konzeptionelles Arbeiten stehen und die Mitglieder hinter sich bringen könnten.

Ich bin sehr gespannt, wie die Fanszene jetzt reagiert und ob sich der Ton und Umgang miteinander weiter verschärft. Ein zweites Hannover 96 will, glaube ich, momentan niemand. Auf der anderen Seite ist es aber für mich auch unerträglich, wenn die Herren mit diesem „Stil“ durchkommen sollten. Irgendeine Form von Boykott muss man wohl in Erwägung ziehen, Stimmungsboykott, Dauerkartenboykott, Merchandise-Boykott, was auch immer. Ich habe ihnen schon einmal Mitgliedsausweis und Dauerkarte vor die Füße geworfen, 1998, als Winfried Schäfer als Trainer vorgestellt wurde.

Da in der AG eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, sind wir in der derzeitigen Konstellation verloren. #miteuchkeinwir Diese Herren würden sich wohl auch noch auf die Schultern klopfen, wenn wir in die 3. Liga abgestiegen wären, nur noch 25.000 Zuschauer im Schnitt kämen, die Rahmenbedingungen ihrer exklusiven Ansicht nach weiterhin stimmen und der Rasen auf dem Trainingsgelände schön grün ist.

Wenn man jüngst mitbekommt, dass als letzter Bundesligist Werder Bremen das Namensrecht an seinem Stadion an einen Sponsor verkauft hat und jährlich drei Millionen Euro dafür einstreicht, wir jedoch vom Daimler gerade einmal 666.000 Euro erhalten, unterstreicht das einmal mehr, wie der mächtige Partner den VfB über den Tisch zieht.

Ob es jemals jemanden beim VfB geben wird, der Tacheles mit dem Daimler spricht und nicht vor ihm kuscht, ich bezweifle es. Die Einlage, die nach der Ausgliederung floss, macht es jedenfalls ungleich schwieriger, frei und unabhängig entscheiden zu können, für wen und was man werben möchte, völlig egal, welch hoch dotiertes Angebot einem durch die Lappen gehen könnte. Somit dürften wir weiter der Musik hinterherhinken, und das wegen und nicht trotz der Ausgliederung.

Am besten, wir zahlen den Daimler aus und stellen alles auf Anfang 2016. Zugegebenermaßen utopisch zwar, wäre aber, dank beträchtlicher Transfereinnahmen wohl trotz des Abstiegs zu stemmen. Darauf könnte man als vernünftiger Verantwortlicher beim VfB, der dem Daimler nicht verpflichtet ist, zwar selbst kommen, doch dafür müsste das Wohl des VfB an erster Stelle kommen und nicht der Erhalt seines eigenen Pöstchens. Daher werden wir uns eher damit abfinden müssen, dass sich bis zur Neuwahl des Präsidenten 2020 nichts grundlegend verändern wird.

Der VfB gehört runderneuert. Vom Präsidenten, über die Vorstände (Hitzlsperger ausgenommen), den Aufsichtsrat bis hin zum Catering, es ist doch alles eine Katastrophe.

Ein Heim, dessen Milchmädchenrechnungen von den Ausgliederungsdebatten mir heute noch in den Ohren klingen oder Röttgermann, der mit einer peinlichen Marketing-Kampagne nach der nächsten ums Eck kommt und deren Mails, angesichts der Fülle, bei mir schon im Spam-Ordner landen.

Bestes Beispiel und reine Verarsche ist das Ur-Trikot. Als es herauskam, für knapp unter 100 Euro, wurde es mit „limitiert“ beworben. Ich fragte mehrmals beim VfB nach, auf wie viel Stück das Trikot denn limitiert wäre, worauf man eine Antwort schuldig blieb.

Also sagte ich schon damals, das kann auch auf 500.000 Stück limitiert sein und dass ich es mir höchstens dann holen würde, wenn es verramscht wird. Und, siehe da, kürzlich erwarb ich es, überraschenderweise waren noch Größen bis 5XL erhältlich, in 3XL für 30 Euro. Vielleicht wird es ja noch günstiger, aber, dann lamentiere ich nicht herum, 30 Euro ist mir der Fetzen wert.

Wer mir bei dem ganzen Theater Leid tut, sind Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und unser neuer Trainer Tim Walter. Gerade die Neuen müssen sich doch zunächst wie in einem Irrenhaus vorkommen. Ihnen wäre ein harmonisches Umfeld und die Möglichkeit, ruhig zu arbeiten, um den VfB wieder in die Spur zu bringen, zu wünschen. Diese Ruhe ist derzeit nicht gegeben.

Nichtsdestotrotz gilt es nach vorne zu schauen und binnen kürzester Zeit einen aufstiegsfähigen auf die Beine zu stellen. Ich persönlich möchte die Allermeisten der Absteiger nicht mehr im Brustring-Trikot sehen, weil sie es nicht wert sind!

Solang Thomas Hitzlsperger sich nicht geäußert und Abgang oder Verbleib einzelner Spieler verkündet hat, ist es müßig, sich mit Treueschwüren und Ausstiegsklauseln auseinander zu setzen. Es soll schon vorgekommen sein, dass Spieler trotz Ausstiegsklausel geblieben sind, diese Hoffnung habe ich bei Kempf und Kabak, die die Presse schon bei anderen Vereinen sieht. Pikanterweise gerade diese beiden Genannten bei S04, wo sich Reschke sein Insiderwissen um die Vertragsmodalitäten zunutze machen könnte, was einmal mehr seinen Charakter offenbaren würde.

Außer diesen beiden genannten fielen mir noch Timo Baumgartl mit Potential eine neue Identifikationsfigur zu werden, Borna Sosa, Ascacíbar und Jens Grahl ein. Dazu Blutauffrischung von außen sowie der eine oder andere aufrückende der U19. Ob die bislang verliehenen Kaminski und Mangala bleiben werden, wird sich zeigen. Beide wären jedenfalls, was den Abstieg angeht, unbelastet.

Wie unsere (sportliche) Führungscrew mit Holger Badstuber und Mario Gomez umgeht, dürfte interessant werden. Beide wurden von Reschke mit horrend dotierten Rentenverträgen ausgestattet, so dass sie freiwillig einen Teufel tun dürften, auf sehr viel Geld zu verzichten und zu wechseln. Sollte Walter mit diesen in die Jahre gekommenen und langsam gewordenen Auslaufmodellen nichts anfangen können, wird es wohl auf ein Modell Ibišević hinauslaufen, das uns noch einige Jahre belasten dürfte. Sollten beide mangels Alternativen ihre Verträge beim VfB aussitzen, gehen sie wohl in die Annalen als bestbezahlte Zweitligaspieler aller Zeiten ein.

Wie die BILD-Zeitung vermeldete, erhält Christian Gentner keinen neuen Vertrag mehr, was ich begrüßen würde. Schließlich ist er die einzig verbliebene Konstante der letzten zehn Jahre und für Stimmung und Leistungsbereitschaft des Kaders während dieser Zeit nicht unerheblich mitverantwortlich. Solang diese Personalie aber nicht vom VfB bestätigt wird, halte ich mich mit Gefühlsausbrüchen deswegen zurück.

Fakt ist, dass der Fußball, der uns in den letzten Jahren, Ausnahme die kurze Ära Zorniger, zugemutet wurde, weder schön anzusehen noch erfolgversprechend war. Zu statisch, zu behäbig, kein Mut, keine Schnelligkeit, kein Plan, da Tim Walter, was man so hört, für einen völlig anderen Fußball steht, sollten Hitz und Mislintat den Mut haben, rigoros auszumisten, auch wenn es Abfindungen kostet und der eine oder andere Spieler unter Wert verkauft werden muss.

Es geht jetzt darum, eine Mannschaft mit hungrigen Typen und Charakter aufzubauen. Zusammenhalt ist im Mannschaftssport so wichtig, dieser war in der Abstiegssaison nicht vorhanden und deshalb stehen wir zurecht da, wo wir stehen.

Man darf gespannt sein. Im Grunde müssten jetzt bis zum Trainingsauftakt nahezu täglich Personalentscheidungen verkündet werden. Ich wünsche Hitzlsperger und Mislintat und nicht zuletzt uns ein gutes Händchen.

Zunächst einmal geht es morgen für unsere U19 in der Andrea Berg Kampfbahn (Copyright by Philipp Maisel) zu Großaspach um das Double. Gegner ist die U19 von Borussia Dortmund, ein echtes Brett.
Unsere Jungs haben beim Pokalsieg in Babelsberg gegen Leipzig gezeigt, was mit Teamgeist und Zusammenerhalt möglich ist, so dass ich optimistisch bin, auch morgen jubeln zu dürfen.

Wir Allesfahrer, die nach Abwechslung lechzen, hoffen aus zweierlei Gründen auf den Titel. Nicht nur, dass es nach 2005 mal wieder an der Zeit wäre, nein, mit dem Titel wären die Jungs für die UEFA Youth League qualifiziert, womit in der nächsten Saison endlich mal wieder internationale Touren auf dem Programm stehen würden, was ein schönes Kontrastprogramm zum wohl eher tristen Zweitligaalltag wäre. Also Jungs, go, get the cup!

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26. Mai 2019

Schwätzer!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 18:03

Nach dem 2:2 im Relegationspokal-Hinspiel gegen den 1. FC Union Berlin legte sich die Altherrenriege um Christian Gentner und Mario Gomez gleichermaßen mit Teilen der Fans an.

Völliges Unverständnis herrschte über die Unzufriedenheit vieler, hielt man sich durch das Ergebnis doch fürs Rückspiel noch alle Chancen offen. Gomez meinte, 2019 sei es nicht mehr so, dass man einen Zweitligisten 3:0 putze, von mir hinein interpretiert möchte er uns damit signalisieren, dass wir doch gefälligst zufrieden sein sollen, mit dem was sie uns bieten, und am besten die Klappe halten sollen. Oder, anders ausgedrückt, er möchte, bis Montag Zeit zu gewinnen.

In einer Saison, vor der Präsident Wolfgang Dietrich vollmundig erklärt hat, er halte gerade seine letzte Rede, in der die Abwärtsspirale der letzten Jahre eine Rolle spiele, dass man dritte Kraft in Deutschland werden wolle, erwartet ausgerechnet Gomez, der beim VfB dem Vernehmen nach soviel „verdient“, wie kein anderer je zuvor, diesen hohen Preis aber nie zu rechtfertigen wusste, dass wir die Protagonisten in Ruhe lassen sollen.

Der VfB spielt die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte, hat das erste Relegationsspiel vergeigt und wirkt in seiner Selbstwahrnehmung noch immer so, als hätten wir den 25. Spieltag und noch genug Zeit, die Dinge wieder gerade zu rücken.

Welchen vernünftigen Grund gibt es denn, auch jetzt, eine Minute vor zwölf, noch die Ruhe zu bewahren und darauf zu vertrauen, dass es diese scheiß Truppe schon irgendwie richten wird? Schließlich haben wir lediglich die Chance auf den Klassenerhalt, weil Nürnberg und Hannover 96 noch schlechter waren und diese ungerechte Relegation überhaupt wieder eingeführt wurde. Mit 28 Punkten wäre einzig und allein der Abstieg verdient.

So aber darf man sich noch an den Strohhalm Relegation klammern und geht diese an, als ob man noch zehn Spiele Zeit hätte. Man darf sich bei Zieler bedanken, dass wir überhaupt noch im Rennen sind. Da soll man dann noch applaudieren und darauf vertrauen, dass es dieser Sauhaufen im Rückspiel schon richten wird? Never!

Ich für meinen Teil komme noch aus einer Zeit, in der es keinen Dauer-Singsang der Ultras gab. Früher hat man sein Team unterstützt, mal stimmte der eine ein Lied an, dann ein anderer, und wenn am Ende des Tages die Leistung gestimmt hat, hat man geklatscht, wenn nicht, gepfiffen und, wenn es beschämend war, wurden gegnerische Ballstafetten mit frenetischem Beifall bedacht und das eigene Team verhöhnt. Die Männer damals haben das ausgehalten!

Die Profigeneration heutzutage, weiß doch überhaupt nicht mehr, wie gut es ihr geht. Früher, in zugigen und zu einem Viertel gefüllten Stadien, mussten sich die Spieler die Zuneigung erst verdienen, während heute in Hightech-Tempeln 90 Minuten lang dauersupportet wird, und das, wo die Darbietungen mit Fußball schon lange nichts mehr zu tun haben.

Wenn dann schrille Misstöne kommen, spielt man beleidigte Leberwurst, anstatt sich an die eigene Nase zu fassen und es das nächste Mal besser zu machen. Mimosen allenthalben und gerade die sollen uns retten? Ich schrieb es schon Anfang des Jahres, wir haben nur diese eine „Mannschaft“ und mit der sind wir wohl hoffnungslos verloren!

Das Unheil dieser Saison begann bereits am 18. August in Rostock, als man beim Drittligisten in der ersten Runde des DFB-Pokals ausschied. Gomez sah die Gründe für die Niederlage in einem Spiel fast ohne VfB-Torchance so „Wir müssen den Kopf oben behalten und einfach hungriger darauf sein, den Ball im gegnerischen Tor unterzubringen. Vielmehr kann man der Mannschaft nicht vorwerfen“. Dennis Aogo meinte unter anderem „Wir werden aus dem Spiel definitiv unsere Lehren ziehen„.

Ok, schauen wir auf Mainz, erster Bundesligaspieltag. 0:1-Niederlage, Tayfun Korkut beschwichtigte „Wir sind in einer Entwicklungsphase, die Zeit braucht und noch nicht abgeschlossen ist.“ Die Liga sei extrem eng und bis zum letzten Spiel ein Marathon, und verwies auf die Aufholjagd in der Rückrunde der Vorsaison.

Nach der Niederlage gegen die Bayern hörte Christian Gentner sich dann so an „Wir müssen nun kritisch mit uns sein, aber auch sachlich bleiben. Beim nächsten Spiel in Freiburg wollen wir dann einen anderen Auftritt zeigen.“.

Zwischen Bayern und Freiburg folgte die Länderspielpause, in der man bereits den Trainer hätte wechseln müssen, gaben doch schon die Vorbereitung und die ersten drei Pflichtspiele darüber Aufschluss, dass Korkut mit der von Reschke zusammengekauften Truppe nichts anfangen konnte.

Nach dem ersten Punktgewinn in Freiburg und vor dem Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf zeigte sich Korkut fast schon euphorisch. „Den Punkt aus Freiburg wollen wir am Freitag mit einem Dreier vor unseren Fans veredeln“, hieß es.

Neben einer guten Grundstimmung in der Kabine und einer innerhalb der Mannschaft herrschenden Homogenität zieht der Trainer auch aus der Reaktion seines Teams nach dem frühen Rückstand im baden-württembergischen Duell beim SC Freiburg viel Positives. Im Breisgau habe sich der VfB mit fantastischen Fans und viel Unterstützung zurückgekämpft.

„Fakt ist, dass wir drei Tore geschossen, viele positive Momente gehabt und einen Punkt aus Freiburg mitgenommen haben. Darauf wollen wir aufbauen und mit einem Sieg den nächsten Schritt machen.“ Den Fakt, dass der VfB nach der Freiburger Großchance zum 2:0 mausetot gewesen wäre, verschwieg der Deutsch-Türke geflissentlich.

Gegen Düsseldorf habe dann die Effektivität gefehlt und man habe „ein paar Konterchancen zugelassen“. In Wirklichkeit war der VfB mit dem 0:0 sehr gut bedient, hätte Zieler nicht einen absoluten Sahnetag gehabt, wäre dieser Abend richtig bitter geworden.

Nach diesem Spiel traf ich unseren Zeugwart „Meuschi“ im Bus und fragte lediglich, was los sei mit dem VfB. Als er dann mit der überzogenen Erwartungshaltung kam, fiel ich völlig vom Glauben ab.

Mit derartigen Statements könnte ich endlos weitermachen, sie gleichen sich alle. Immer der Verweis aufs nächste Spiel mit der Beruhigungspille, „wir sind auf einem guten Weg“. Offene Selbstkritik, härtere Saiten, Schluss mit der Wohlfühloase, Fehlanzeige. Alle auf dem Wasen leiden unter Realitätsverlust.

Nach dem Offenbarungseid von Hannover, als die „Mannschaft“ Korkut endgültig im Regen stehen ließ, kam Markus Weinzierl. Dieser hatte zunächst das Alibi, dass sein Auftaktprogramm so schwer war.

Da aber Weinzierl selbst schneller in die Kritik geriet, als er schauen konnte, war die „Mannschaft“ wieder fein raus und es ließ sich wunderbar darauf ausruhen.

War Korkut zu lieb und tat das, was man bei diesem charakterlosen Haufen tunlichst unterlassen sollte, nämlich ihnen zu vertrauen und somit sein Schicksal in ihre Hände zu legen, war Weinzierl von Anfang unbeliebt.

Akribischer Arbeiter zwar, der bei einer Profimannschaft gewisse Dinge voraussetzt, die er beim VfB nicht vorgefunden hat. Einen homogenen Kader und eine gewisse Professionalität der Spieler zum Beispiel.

Als er merkte, dass dem nicht so ist und es selbst mit den Grundtugenden bei diesem Sammelsurium von Ich-AG’s weit her ist, war er bereits verbrannt. Er versuchte zwar, die Zügel anzuziehen, ließ dabei jedoch eine klare Linie vermissen.

Die einen sanktionierte er schön öffentlichkeitswirksam und ließ sie vor aller Augen ihre (Straf-)Runden drehen, während er bei anderen Verfehlungen bewusst weg sah oder sie zumindest unter der Decke hielt. Somit war er der Gruppe gegenüber weder konsequent noch gerecht und hätte viel früher entlassen werden müssen.

Nico Willig kam also zu spät, so dass ihm nichts blieb, außer für die letzten Spiele den Pokalmodus auszurufen und zu versuchen, die Relegation zu erreichen.

Es ist hypothetisch, darüber zu schwadronieren, wo wir stehen würden, hätte man Weinzierl bereits im Januar den Laufpass gegeben. Schlechter jedenfalls würden wir mit Sicherheit auch nicht da stehen.

So kann Willig gerade noch den Scherbenhaufen verwalten und auf das Gute im Profi hoffen. Am besten er geht heute noch in die Kirche und zündet eine Kerze an, dass er sich auf diese Truppe wirklich verlassen kann, bezweifle ich nämlich.

Wie beim Kapitän wird die größte Sorge der meisten sein, wo sie unterkommen und wo es noch mehr zu „verdienen“ gibt, anstatt sich wenigstens einmal in dieser Saison bedingungslos reinzuhängen und Herz zu zeigen.

Mario Gomez wurde für den Vorbericht des Relegationsspiels von Eurosport gefragt, ob denn jeder verstanden habe, worum es jetzt geht, vor einem Relegationsspiel wohlgemerkt. Er rang bei der Suche nach einer ehrlichen Antwort zuerst nach Worten, um dann ein zaghaftes „ich glaube schon“ herauszulassen.

Sehr beruhigend und genau das widerspiegelnd, was wir im Hinspiel zu sehen bekamen. Eine auch gegen den Zweitligisten verunsicherte Truppe, die sich nicht mal recht konzentrieren kann, wenn ihr (und vor allem dem VfB) das Wasser bis zum Hals steht.

Als ich dann am Samstag in der Stuttgarter Zeitung am Rande der Berichterstattung zum Pokalsieg unserer U19 (herzlichen Glückwunsch, well done, Jungs!) folgenden Abschnitt über Statements von Thomas Hitzlsperger las, frage ich mich, ob die ganze AG überhaupt verstanden hat, um was es geht:

“Es sei nicht immer leicht gegen einen Zweitligisten antreten zu müssen, weil man diese Teams nicht so gut kenne wie jene aus der ersten Liga, sagte Hitzlsperger am Freitagabend unserer Redaktion: „Aber jetzt wissen wir endgültig, was auf uns zukommt und können die Dinge bei Union vielleicht ein bisschen besser einschätzen. Das ist eine kompakte Truppe, die kämpferisch extrem stark ist und mit viel Leidenschaft spielt.“

Was bitteschön sind denn das für Aussagen? Im Jahre 2019 in einer immer gläsernen Welt und mit TV-Fußball rund um die Uhr muss man das Hinspiel über sich ergehen lassen, um zu erkennen, mit welchem Gegner man es zu tun hat? So sehr ich Hitz schätze, aber hier erweckt er den Eindruck, irgendwelche bösen Kräfte hätten ihn fünfzig Jahre in die Vergangenheit gebeamt.

Obwohl der Relegationsplatz seit Dezember in Stein gemeißelt war, schien man sich nicht ernsthaft mit der drohenden Relegation auseinandergesetzt und gar einen der möglichen Gegner beobachtet zu haben. Mit was für einer unangebrachten Hochnäsigkeit ging man diese Aufgabe bitteschön denn an? Da fehlen mir die Worte und bekanntlich kommt Hochmut ja vor dem Fall.

Das Spiel gegen den 1. FC Union war ein Spiegelbild der bisherigen Saison. Wenig spielerische Linie, viel zu langsam im Spielaufbau und hinten offen wie ein Scheunentor.

Einzig Donis’ Antritt, als es wirklich einmal schnell ging, bescherte uns die Führung, um 70 Sekunden später zu pennen und sich den Ausgleich einzufangen. Im Stadion habe ich dieses Tor gar nicht gesehen, war ich doch noch mit dem Abklatschen meiner Nebenleute beschäftigt.

Die erneute Führung durch Gomez, mehr Zufallsprodukt denn erzwungen, glichen die Unioner nach einem Eckball aus. Beide Gegentore spiegelten die Anfälligkeit der Unseren wider und waren einmal mehr nicht bundesligatauglich.

Bundesligatauglich an diesem Donnerstagabend war einzig und allein die Kulisse. Ausverkauftes Haus an einem lauen (fast schon) Sommerabend, eine Lautstärke im Stadion, wie ich sie seit der Meisterschaft kaum mehr im Neckarstadion erlebt habe.

Ein hervorragender Rahmen, selbst in der Untertürkheimer Kurve und bei uns auf der angrenzenden Haupttribüne Seite wurde viel gestanden und supportet. Das schwierige Umfeld wollte, kann aber den Ball leider nicht selbst ins Tor schießen.

Auch der Union-Block konnte beeindrucken. Zunächst einmal war ich überrascht, dass nicht das komplette Gästekontingent abgerufen wurden, doch auch die, die kamen, legten einen super Auftritt hin, sowohl optisch als auch akustisch.

Das Feld war bereitet, die Fans bereit zur Versöhnung. Zu Beginn der Halbzeiten war jeweils noch ein Plan und ein gewisser Wille erkennbar, ein Indiz dafür, dass Willig die richtigen Worte fand und sich die Spieler diese auch einige Minuten lang merken konnten. Mit zunehmender Spieldauer aber wurde Union Berlin mutiger und ein Klassenunterschied war immer weniger erkennbar.

Dass es dann zu ersten Unmutsbekundungen kommt, ist doch allzu verständlich. Die Spieler, die sich darüber beklagen verwechseln offensichtlich Aktion und Reaktion. Hätte das Team einen ordentlichen Auftritt hingelegt, hätten sie keinen Grund zu missmutigen Reaktionen geliefert und man würde man sie vermutlich feiern, so aber, bekommen sie völlig zurecht ihr Fett weg.

Ich habe keinerlei Verständnis dafür, wenn sogenannte Führungsspieler nach einem Spiel, bei dem es laut wie lange nicht war, „die Stimmung“ kritisieren, weil ihnen beim Gang in die Kurve einzelne Gesten nicht gefielen.

Ist denen überhaupt bewusst, welche Scheiße wir uns nun schon ein Jahr lang anschauen? Dass das Preis-Leistungsverhältnis bei Ihnen überhaupt nicht stimmt? Die sollen weniger labern und mehr liefern! Gerade Gentner und Gomez hinken doch den Ansprüchen meilenweit hinterher.

Gentners größte Sorge derzeit ist, dass sein Vertrag wohl zurecht nicht mehr verlängert wird, während Gomez mit allem hadert, mit seinen Mitspielern aber auch mit sich selbst.

Der Fußball ist in den letzten Jahren athletischer geworden, Bundesliga-Stammspieler werden immer jünger, so dass man mittlerweile mit 33, 34 Jahren mehr denn je zum alten Eisen gehört.

Diese Spieler mit Führungsanspruch, die nicht mit Leistung vorangehen (können), werden die Kohlen für uns nicht aus dem Feuer holen. Sollte Willig keine Eingebung in diese Richtung bis zum Spiel bekommen, sehe ich schwarz.

Durch das Kritisieren der eigenen Fans haben Gentner und Gomez zudem ein unnötiges Fass aufgemacht und die Truppe zusätzlich unter Druck gesetzt. Die eine oder andere Geste, der seit langem schwelende Konflikt zwischen „Mannschaft“ und Fans und die allgemeine Wut über die Darbietungen der ganzen Saison lassen erahnen, was im Falle des Abstiegs los sein dürfte.

Es gibt nicht wenige, die ausnahmslos alle nach dieser Saison nicht mehr im Brustring-Trikot sehen wollen, so dass zu befürchten ist, dass es eskaliert, sollte der VfB am Montagabend abgestiegen sein. Da dies den meisten Spielern bewusst sein wird, ist zu befürchten, dass jeder einzelne zusätzlich einen schweren Rucksack mit sich herumträgt und Leichtfüßigkeit nicht zu erwarten sein wird.

Wie die Weicheier, die nur dann Gefühle zeigen, wenn es ihnen selbst an den Kragen könnte, mit diesem Druck umgehen, werden wir sehen. Ich traue es ihnen nicht zu und sehe jetzt schon elf Nervenbündel über den Fußballplatz der Alten Försterei taumeln.

So liegt es für mich völlig allein am 1. FC Union, ob dieser die Nervenstärke besitzt, seinen Weg zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Gelingt es, den Ausfall seiner Gelbgesperrten zu kompensieren und wie im Hinspiel seine Chance nach vorne zu suchen, dürfte es nach den letzten Eindrücken nur einen Sieger geben, nämlich den 1. FC Union.

Beim VfB fällt es mir schwer, jemanden auszumachen, der für uns die Kohlen aus dem Feuer holen könnte. Weltmeister Pavard patzte ebenso wie der erfahrene Insúa, Kabak lieferte sein bislang schwächstes Spiel im VfB-Trikot ab, Castro leistete sich ungewöhnlich viele schlampige Zuspiele, während bei Donis wiederum Licht und Schatten ständig wechseln und er nach einem gelungenen Sprint diesen am liebsten bis zum Schlusspfiff feiern und den weiteren Dienst einstellen würde.

So holt uns Verlauf und Bewertung der bisherigen Spiele auch in den Relegationsspielen wieder ein. Ständig bekamen wir gute Phasen vorgerechnet, an die es anzuknüpfen gelte, kein einziges ordentliches und über 90 Minuten konzentriert gestaltetes Spiel konnte verzeichnet werden. Zudem gelang erst ein einziger Auswärtssieg, während Union nur eine Heimniederlage zu beklagen hat.

Warum zum Teufel soll im allerletzten Spiel alles besser werden, was in 36 Spielen nicht funktioniert hat?

Diese jämmerliche Ansammlung von Egoisten, denen das Wohl des VfB nicht annähernd so wichtig ist wie uns? Ein Trainer, der keine andere Möglichkeit hat, sich in Floskeln zu üben (angeschlagener Boxer), ein Sportdirektor, der Union vor dem Hinspiel nicht einzuschätzen wusste oder doch der Präsident (Ohne Optimismus geht es nicht; Berlin hat jetzt auch Druck!).

Alles Blabla, wie es uns bereits die gesamte Saison über begleitet, nur Durchhalteparolen. Kein Vertrauen in die (nicht vorhandene) eigene Stärke, nur Hoffen, Bangen, Zeitgewinnen, um sich am Montag möglichst schnell und ohne sich zu stellen, in den Urlaub zu verabschieden. Egal, wie es ausgeht, Hauptsache die eigene Haut retten.

Ich habe keine große Hoffnung mehr für morgen. Klar muss der VfB “nur” bei einem Zweitligisten gewinnen, um auch nächstes Jahr Bundesliga spielen zu dürfen. Da wir uns aber weiterhin schwer tun, Torchancen zu kreieren und hinten zu jeder Zeit für einen Lapsus “gut” sind, sehe ich uns keinen Deut besser aufgestellt, als beim Pokalspiel in Rostock. Mit unserem behäbigen Fußball und der Ideenlosigkeit im Spiel nach vorne, beißt man sich an jeder gut organisierten Mannschaft in den ersten drei Ligen die Zähne aus. Daher lasse ich mich von den neuesten Durchhalteparolen auch nicht mehr einlullen und würde es eher als Sensation ansehen, wenn wir nicht absteigen. Schaun mer mal, bitter, bitterer, VfB!

#Dietrichraus

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28. April 2017

Erstligareif

Wahnsinn, was für ein Spiel, was für eine Atmosphäre am Montag! Alle Gazetten titeln „erstligareif“ und das war es in jeder Hinsicht. Der Aufstieg ist nun greifbar. Wenn er denn Realität wird, werde ich sowohl ein weinendes als auch ein lachendes Auge haben. Weinend, weil wir die geilste 2. Liga nach „nur“ einem Jahr wieder verlassen (müssen). Tolle Stadien, geile Fanszenen, Traditionsvereine, wohin das Auge blickt, Abwechslung zum oft eintönigen Bundesligaalltag.

Das lachende Auge deshalb, weil die Voraussetzungen gut sind, mit dieser Mannschaft und punktuellen Verstärkungen eine gute Rolle im Oberhaus zu spielen. Gestern war ein Teamspirit zu spüren, wie man ihn schon lang nimmer beim VfB gesehen hat. Einer für alle, alle für einen, dazu die Symbiose mit dem Publikum. Es wächst was zusammen. Sollte der Aufstieg nicht gelingen, stünde der nächste Neuanfang mit ungewissem Ausgang bevor. Daher gilt es jetzt, nicht nachzulassen und das Ding durchzuziehen.

Hannes Wolf begann zunächst mit Josip Brekalo anstelle von Berkay Özcan. Gentner rückte dafür nach hinten auf die Doppel-Sechs und Maxim auf seine Lieblingsposition hinter den Spitzen.

Von Beginn an entwickelte der VfB im Spitzenspiel Erster gegen Dritter viel Zug nach vorne und zeigte sich eminent spielfreudig. Vor allem der wiedererstarkte Alexandru Maxim tat sich dabei zunächst hervor und stellte unter Beweis, dass er den in den letzten Spielen zurückeroberten Stammplatz in dieser Saison nicht mehr herzugeben gewillt ist. Selbst nach hinten arbeitete er fleißig mit, so dass man sich schon fragen darf, warum nicht immer so?

Die Zeichen standen ja längst auf Trennung im Sommer, da Maxim beim VfB seit Jahren stagniert und sich letztlich bei keinem einzigen der vielen Trainer durchsetzen konnte. Immer wieder vorgeworfen wurde ihm dabei Trainingsfaulheit, Bequemlichkeit, kein Integrationswillen (Sprachbarriere), eine sehr ausgeprägte Laissez-Faire-Mentalität und zudem mangelnde Professionalität.

Daher bin ich auch sehr vorsichtig mit Prognosen, was die Zukunft von Maxim angeht. Spielt er immer so auf wie zuletzt, wäre er auf jeden Fall eine Bereicherung und es wäre fast schon fahrlässig ihn (derzeit) unter Wert ziehen zu lassen.

Oder gibt Maxim gerade deswegen so Gas, um Umfeld und Verantwortliche um den Finger zu wickeln und weiter hier seinen Dienst verrichten zu können, um in der nächsten Saison wieder in den alten Schlendrian zu verfallen? Gerade vorm Hintergrund, dass Carlos Mané mindestens sechs Monate lang ausfallen wird, könnte Maxim, zumindest in der Vorrunde, auch in der nächsten Saison noch wichtig werden.

Maxim war es dann auch, der nach einer knappen halben Stunde die hochverdiente Führung durch einen direkt verwandelten Freistoß erzielte. Unterschlagen darf man freilich nicht, dass der 1. FC Union Berlin im vorausgegangenen Spielzug eine hundertprozentige Chance zur Führung durch Polter vergab und der Treffer auf die Kappe von Keeper Mesenhöler ging, da der Ball im Torwarteck einschlug.

Dennoch sind Freistoß-Tore beim VfB seit dem Karriereende von Krassimir Balakow zur absoluten Rarität geworden, so dass man bis 2010 zurückdenken muss, als Kuzmanovic mal einen direkt verwandelte. In unserem bislang letzten Bundesligaspiel in Wolfsburg traf zwar auch Didavi per Freistoß, dieses Tor stellte jedoch nur noch Ergebniskosmetik dar und änderte am Abstieg nichts mehr. Da er zudem in seinem letzten Spiel bei seinem neuen Arbeitgeber allenfalls Eigenwerbung betrieb, verdränge ich diesen Treffer lieber.

Der zweite VfB-Treffer resultierte dann aus einem Bilderbuch-Konter, an dem drei weitere ganz starke Akteure dieses Montagabend-Topspiels beteiligt waren. Zunächst einmal trieb Ebenezer Ofori die Kugel durch das Mittelfeld, hatte die Übersicht und passte Brekalo in den Lauf, dieser schnörkellos und mit Übersicht weiter auf Simon Terodde, welcher direkt zum 2:0 einschob.

Was dieser Ofori mit seinen erst 21 Jahren und als Neuankömmling bereits leistet, ist nicht hoch genug zu bewerten. Der Junge hat eine Übersicht und eine Ballbehandlung zum Zunge schnalzen, ist zudem schnell, geschickt im Zweikampf und hat ein ausgeprägtes Raum- und Spielverständnis. Wenn er bald auch noch Luft für 90 Minuten hat und seine Form anhält, haben wir einen Sechser, wie wir ihn jahrelang vermisst haben.

Ferner zeigte Josip Brekalo eine ganz starke Vorstellung, auch wenn er unglücklich im Abschluss war und das eine oder andere Mal noch immer zu eigensinnig ist. Dass er lieber an einem weiteren Tor des Monats arbeitet, anstatt einfach und zielgerichtet zu spielen, ist wohl seiner Jugend geschuldet. Darüber kann man hinwegsehen, wenn das Spiel trotzdem gewonnen wird. Positiv ist es doch erst einmal, überhaupt in aussichtsreiche Positionen zu kommen, das Tor kann er gerne dann machen, wenn wir es dringender benötigen, so wie einst in Heidenheim oder auch kommenden Samstag in Nürnberg.

Der letzte in der Kette des 2:0 war Simon Terodde. Er ist nicht der Typ Mittelstürmer, der im Zentrum wartet, bis ihm die Kugel auf den Kopf oder den Fuß fällt, sondern arbeitet mit und antizipiert herausragend. Wie er darüber hinaus rackert, ballführende Spieler des Gegners anläuft und zu Fehlern zwingt, ist immens wichtig für die Mannschaft.

Durch diesen Treffer schraubte er seine Marke auf 20 hoch und ist der erste 2. Liga Spieler überhaupt, dem es zwei Saisons in Folge gelang, 20 Tore und mehr, und das noch für zwei unterschiedliche Vereine, zu erzielen. Da dieses Tor zum richtigen Zeitpunkt fiel und die Führung in diesem so wichtigen Spiel auf 2:0 schraubte, verhehlte Terodde auch gegen seinen Ex-Verein seine Freude nicht und deutete sein Markenzeichen nach Toren, die Ahoi-Geste, wenigstens an.

Nach dem 2:0 hatte der VfB die Angelegenheit gut im Griff, bis durch eine Unachtsamkeit in der 57. Minute aus dem Nichts der Anschlusstreffer durch Sebastian Polter fiel. Der VfB zeigte sich jedoch nur kurz erschrocken und nahm das Zepter schnell wieder in die Hand.

Ginczek kam in der 63. Minute für den oft unglücklich wirkenden Asano und erzielte nur fünf Minuten später die Entscheidung. In Bielefeld noch legte Ginni Simon Terodde den Siegtreffer auf, gegen Union war es nun umgekehrt. Ginnis aggressivem Pressing und seiner Balleroberung war es zu verdanken, dass der Ball zu Terodde gelangte, dieser zurück auf Ginczek, der eiskalt gegen die Laufrichtung des Torwarts das vielumjubelte 3:1 machte. An der Art, wie sich das komplette Team für Ginni mitfreute, ließ sich erkennen, wie sehr man es ihm gönnt, dass er wieder ganz der Alte wird.

Daniel Ginczek hat es nicht leicht in dieser Rückrunde. Er selbst sieht sich offensichtlich schon weiter und scharrt mit den Hufen, während er von Hannes Wolf langsamer herangeführt wird und sich dieser zudem glücklich schätzen kann, einen solchen Joker in der Hinterhand zu haben. Bei wohl jedem Ligakonkurrenten würde der Spieler in der Stammelf stehen. Da Simon Terodde aber über jeden Zweifel erhaben ist und das Experiment mit beiden zusammen in der Startelf in Fürth gründlich daneben ging, wird sich Ginni bis zum Rest der Saison mit der Joker-Rolle zufrieden geben müssen, ehe im Sommer die Karten neu gemischt werden.

Mit dem 3:1 war das Ding durch, danach war Jubel, Trubel, Heiterkeit im Neckarstadion angesagt. Die La-Ola-Welle schwappte durchs Stadion, „Oh, wie ist das schön“-Gesänge und „Wenn Du mich fragst, wer Meister wird“ wurden intoniert. In den letzten zehn Minuten stand das ganze Stadion und huldigte der Mannschaft für diese reife Vorstellung.

Die rund 3.000 Unioner, die an diesem Werktag die weite Reise auf sich genommen hatten, trugen die sich anbahnende Niederlage mit Fassung und sangen minutenlang und bis weit nach Spielende „Always look on the bright side of life“. Die Köpenicker sind nicht zum Aufsteigen verdammt und erfreuen sich an ihrer guten Saison, weshalb diese Niederlage auch kein Beinbruch für sie war. Zudem sind sie nach der Niederlage noch nicht aus dem Aufstiegsrennen und haben im allerletzten Montagabend-Topspiel der Saison in Braunschweig die Möglichkeit, einen Bigpoint zu landen.

Wenngleich ich Union und auch Hannover 96 es gönne, mit uns aufzusteigen, müssen zunächst einmal wir selbst unsere Hausaufgaben machen. Gegen Union kam die Leistungssteigerung zur rechten Zeit, so dass ich seit Montag sehr optimistisch, fast schon überzeugt davon bin, dass wir in der nächsten Saison wieder aus der Bundesliga grüßen werden.

Noch immer bin ich perplex, wie cool die Mannschaft die wichtige Hürde genommen hat und wie wenig sie sich von den äußeren Einflüssen beeindrucken ließ. Man darf nicht vergessen, dass wir eine sehr junge Mannschaft haben, die mit dem Druck des „Gewinnen Müssens“ vor ausverkauftem Haus und mit einer Live-Übertragung im Free-TV erst einmal fertig werden muss. Da war die Nervosität unter uns Fans vermutlich größer, als die der Protagonisten.

In Nürnberg erwartet den VfB ein schwer ausrechenbarer Gegner, der zuletzt vier Punkte aus zwei Spielen holte und sich in den letzten Spielen defensiv stabilisiert hat. Mit 39 Punkten hat der 1. FC Nürnberg den Nichtabstieg fast geschafft, aber eben nur fast. Die Clubberer werden alles daran setzen, den Haken darunter ausgerechnet im fast ausverkauften Max-Morlock-Stadion im Süd-Schlager gegen den Top-Favoriten VfB zu setzen, und uns gleichzeitig gehörig in die Aufstiegs-Suppe zu spucken.

Vermutlich weit über 15.000 Schwaben begleiten den VfB ins Frankenland, dies dürfte Motivation für beide Seiten bedeuten. Spiele gegen den Glubb boten in der Vergangenheit alle Facetten, die man sich im Fußball nur vorstellen kann. Am liebsten erinnere ich mich ans Meisterjahr 1983/1984 als wir den Club im Hinspiel im Neckarstadion nach einem 0:0 zur Halbzeit mit 7:0 aus dem Stadion schossen und im Rückspiel beim 0:6 einen Meilenstein auf dem Weg zur Meisterschaft setzten. Damals wie heute gab es eine Völkerwanderung an den Valznerweiher, wenn auch nicht ganz in diesem Ausmaß, so zumindest meine Erinnerung.

Dann war da das Meisterjahr 2007, in dem wir einschließlich Pokalfinale alle drei Spiele gegen den Club teils derbe verloren haben und schließlich zuletzt im März 2014 das „Abstiegsendspiel“ unter der Woche, das der VfB sang- und klanglos 2:0 verlor, was gleichbedeutend mit einem der unzähligen gefühlten Abstiege in den letzten Jahren war.

Raphael Schäfer ist für mich seit dem Pokalfinale und erstrecht seit seinem VfB-Jahr noch immer ein absolutes Feindbild, erlebt beim Club indes aber seinen mindestens schon vierten Frühling. So wurmt es mich bis heute, dass es dem VfB seit seiner Rückkehr zum Club nicht ein einziges Mal gelungen ist, ihm die Bude so richtig voll zu hauen. Der Samstag wäre, zumal Schäfer zum Saisonende seine Karriere beendet, ein guter Zeitpunkt genau das zu tun!

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22. November 2016

Wenn jemand eine Reise tut…

Es ist ein Jammer, dass man als VfB Stuttgart erst absteigen muss, um zu einem Spiel beim altehrwürdigen Arbeiterverein 1. FC Union Berlin aufbrechen zu dürfen.

Da ich bereits etliche Male in Berlin war und daher nicht unbedingt übernachten musste, entschlossen wir uns dieses Mal, unser Glück in die Hände der Deutschen Bahn zu legen und den Trip mit Hin- und Rückfahrt an einem einzigen Tag zu bewältigen. Bei optimalem Verlauf und pünktlicher Ankunft sollten wir gerade einmal eine Stunde vor Spielbeginn eintreffen und das mir sonst so wichtige „Meet and Greet“ mit vielen bekannten Gesichtern dieses Mal leider der Zeitnot zum Opfer fallen. Auf der anderen Seite aber war es auch klar, dass man im einzigen ICE, der an diesem Sonntagmorgen in Frage kam, viele Bekannte treffen und sich auch so gemeinsam aufs Spiel einstimmen konnte.

Auf der Hinfahrt hatten wir eine freundliche DB-Zugbesatzung an Bord. Einziger Kritikpunkt: meine Nachfrage, ob sie denn genügend Bier an Bord hätten und notfalls unterwegs die Vorräte auffüllen würden, weil in Göttingen noch viele über Würzburg kommende durstige VfBler zusteigen würden, wurde ignoriert oder positiv ausgedrückt, unterschätzt. Nach und nach ging zunächst das Fassbier aus, dann die 0,33-Liter-Fläschchen und schließlich auch das Weizenbier, so dass wir den letzten Part der Strecke auf dem Trockenen saßen. Es wird sich mir nie erschließen, dass so gut wie keine Fahrt mit der Deutschen Bahn reibungslos verläuft. Entweder die Kühlung fällt aus oder die Getränke gehen aus, so dass es interessant zu eruieren wäre, wie viel Umsatz der Deutschen Bahn dadurch durch die Lappen geht.

Solang ein Unternehmen wie die Deutsche Bahn nicht über den Tellerrand der Fahrscheinpreise hinausschaut und nicht sämtliche Einnahmemöglichkeiten ausschöpft, ist es für mich ein Jammern auf hohem Niveau, wenn wieder einmal Preiserhöhungen mit gestiegenen Kosten begründet werden.

Zeitlich lief alles optimal, gegen 11.40 Uhr erreichten wir den Berliner Ostbahnhof und setzten die Reise mit der S-Bahn über das Ostkreuz bis nach Berlin-Köpenick fort. Wir hatten uns dieses Mal über einen uns bekannten 1. FC Union-Fan Karten über den Mitgliederverkauf besorgt und mussten die Karten zunächst noch vor der Haupttribüne in Empfang nehmen. Da wir uns dummerweise um die Blockaufteilung im Vorfeld nicht scherten, „verliefen“ wir uns zwischenzeitlich kurz, doch, wir lagen noch sehr gut in der Zeit, so dass wir es rechtzeitig in das Stadion „Alte Försterei“ hinein schafften.

Wir saßen (natürlich) inmitten von Unionern, so dass ich es, wie zuletzt auswärts fast schon regelmäßig, vorzog, neutral gekleidet zum Spiel zu gehen, man will schließlich nicht provozieren. Zudem prangten an unserem Eingang Schilder „kein Zutritt für Gästefans“, so dass ich in voller VfB-Montur ohnehin nicht hinein gedurft hätte.

Das Stadion erfüllte alle meine Erwartungen. Ein reines Fußballstadion, das größte in Berlin übrigens, volles Haus, ein begeisterungsfähiges Publikum und viel gelebte Tradition, die man dort förmlich riechen kann.

Der 1. FC Union Berlin ist kein gewöhnlicher Profiverein, ähnlich wie der FC St. Pauli versucht er trotz aller Kommerzialisierung die traditionalistische Note und die Nähe zu den Fans zu bewahren. Diese danken die Fan-Nähe auf ihre Art, nämlich, indem sie sich weit über das “normale” Fan-Dasein in den Verein einbringen und engagieren. Dies ging sogar so weit, dass beim 1. FC Union als einem der ersten Clubs überhaupt ein Fanvertreter einen Sitz im Aufsichtsrat bekam, es ging weiter damit, dass Fans, als die Regionalliga-Lizenz in Gefahr war, die Aktion “Bluten für Union” ins Leben riefen. Das „Bluten“ stand dabei nicht nur für finanzielles Bluten, sondern war wörtlich zu nehmen, weil Unioner zu jener Zeit Blutspenden gingen und die erhaltenen Aufwandsentschädigungen ihrem Verein spendeten.

Es gab es in diesem Zusammenhang noch weitere Aktionen, um Geld für den Verein zu sammeln, wie z. B. Benefiz-T-Shirts, von denen sogar ein “Bluten-für-Union”-Shirt in meinem Schrank hängt.
Das kam seinerzeit so, dass Union Berlin-Fans den FC St. Pauli bei der Retter-Aktion unterstützten und die St. Paulianer dann im Gegenzug für die „Bluten für Union“ Aktion die Werbetrommel rührten. Da ich einige Freunde bei St. Pauli habe, die sich seinerzeit aktiv einbrachten, bekam auch ich Wind von der Aktion und bestellte mir dieses Shirt.

Einzigartig war beim 1. FC Union Berlin auch der Teilumbau des Stadions in der Saison 2008/2009, als mehr als 2.300 freiwillige Helfer 140.000 Arbeitsstunden leisteten und so ihrem Verein einige Millionen Euro eingespart haben. 2010 machten die Union-Fans schließlich noch von sich reden, als sie den Spielausfall gegen den KSC verhinderten, indem rund 400 Freiwillige kamen, um Stadion und Zufahrtswege von Eis und Schnee zu befreien. Auch andere Events wie das alljährliche Weihnachtssingen, zudem sich 30.000 in der Alten Försterei einfinden, um Weihnachtslieder anzustimmen oder das WM-Wohnzimmer, zu dem Fans für die Dauer der WM 2014 ihre Couch in die Alte Försterei befördern durften und das Event dadurch „wie zu Hause“ genießen konnten, sind wohl einzigartig im deutschen Fußball. Da bin ich ganz Fußball-Romantiker und habe ein Faible für Vereine, die sich durch positive Aktionen vom Einheitsbrei der Profiligen abheben.

Zu DDR-Zeiten war Union zudem so etwas wie der Gegenpol zum Stasi-Club Dynamo Ost-Berlin, so dass sich dort schon damals eher die Außenseiter der Gesellschaft anstatt der Mainstream tummelte. Auch heute noch hebt sich Union von vielen anderen ostdeutschen Fußballvereinen und Fanszenen dadurch ab, dass die Fans eher links denn rechts orientiert und vor allem nicht auf Krawall gebürstet sind. Auch das und natürlich die Stimmung, die man im Fernsehen so mitbekommt, machen mir den Verein schon seit geraumer Zeit sympathisch, so dass ich mich riesig darauf freute, wenigstens ein Mal zu einem Pflichtspiel dorthin reisen zu dürfen.

Wir saßen also inmitten von Unionern und bekamen zunächst einmal eine Schalparade zum Vereinslied “Eisern Union” geboten. Zum Einlauf der Teams folgte eine schöne Choreographie der VfB-Fans anlässlich des 10-jährigen Jubiläums der Schwaben-Kompanie Stuttgart. Immer wieder beeindruckend, mit welcher Hingabe und in immer kürzer werden Abständen die VfB-Ultras, ob daheim oder auswärts, Choreos in die Stadien der Republik zaubern.

Nach der wieder einmal schier endlos langen Länderspielpause hatte ich richtig Bock auf Fußball und Stadionatmosphäre und saugte die Eindrücke noch auf, als der VfB bereits in der 3. Minute die Führung durch Simon Terodde erzielte. Der Ex-Unioner beförderte ein Zuspiel von Gentner humorlos in die Tor-Mitte. Spätestens hier outeten wir uns als VfBler, obwohl inkognito unterwegs, denn, bei einem VfB-Tor springt man halt automatisch auf.

Zu diesem Zeitpunkt stellten wir dann auch verwundert fest, dass wir in diesem Sektor bei weitem nicht die einzigen VfBler waren. Negative Reaktionen auf unseren kurzen Emotionsausbruch stellte ich nicht fest, die Unioner waren uns ganz freundlich gesonnen, schließlich haben wir mit Hertha BSC ja auch den gleichen “Feind”.

Umso peinlicher und zum fremdschämen empfand ich es, als nach wenigen Minuten das aus dem VfB-Block so obligatorische “Scheiß Berliner” kommen “musste”, gegen einen Gegner, dem man noch nie begegnet ist, mit dem einen also keinerlei Negativerlebnisse verbinden und von derer Seite meines Wissens nach auch nichts abfälliges über den VfB kam. Ob es Vorkommnisse im Gästeblock gegeben hat, weiß ich natürlich nicht, aber, schon allein die Tatsache, wie viel Material die Ultras hinein nehmen durften, zeugt doch davon, dass man der VfB-Fanszene gegenüber positiv gestimmt war. Zudem war das „Scheiß Berliner“ begrifflich noch falsch, denn, DEN Berliner gibt es ohnehin nicht, ist doch jeder Stadtteil eine Stadt für sich. Die Unioner begegneten uns gastfreundlich, ich persönlich habe kein einziges negatives Wort vernommen.

Nach der Führung hatte der VfB das Spiel im Griff, während dem 1. FC Union nicht sehr viel einfiel und er den Rückstand erst einmal verarbeiten musste. Der VfB machte jedoch einmal mehr den Fehler, in die alte Lethargie zu verfallen und das Ergebnis mehr verwalten denn ausbauen zu wollen.

Gerade, wenn ich nicht die allerbeste Defensive habe, um es noch positiv auszudrücken, also stets damit rechnen muss, ein dummes Gegentor einzufangen, gerade dann bemühe ich mich doch, mich sicher in Führung zu bringen, damit ein einziges Gegentor mir nicht die Butter vom Brot nimmt. Der VfB hatte eine Stunde lang die Partie im Griff und versäumte es, Kapital aus der Überlegenheit zu schlagen, so dass er sich hinterher über das Remis auch nicht zu beschweren braucht.

Da der VfB nicht vehement genug auf den Ausbau der Führung gedrängt hatte, kam es, wie es kommen musste. Durch ein Missverständnis zwischen Langerak und Kaminski konnte Skrzybski ins leere Tor zum Ausgleich einschieben. Dadurch wachte nicht nur die Mannschaft der Eisernen auf, sondern auch das Publikum, das mir zuvor recht verhalten erschien. Wenigstens in dieser Hinsicht ist der 1. FC Union ein ganz normaler Verein – der Funken muss vom Rasen auf die Ränge überspringen.
Der Kessel bebte von nun an, vor allem ihr “Unsere Liebe. Unsere Mannschaft. Unser Stolz. Unser Verein. Eisern Union” aus vielen tausend Kehlen ging mir unter die Haut, wie ich zugeben muss. Da bin ich Fußball-Fan genug, um auch die Atmosphäre beim Gegner genießen und vor allem wertschätzen zu können, wenngleich diese eben immer dann besonders gut ist, wenn es der VfB nicht ist.

So ist der Fußball, von nun an hatten wir ein komplett anderes Spiel. Der VfB ließ sich förmlich einschnüren, während Union, nun mit dem Publikum im Rücken, auf die Entscheidung drängte. Dass den Unionern der Siegtreffer nicht mehr gelang und es letztlich beim Remis geblieben ist, ist weniger der Souveränität der Brustringträger geschuldet, sondern dem Glück des Tüchtigen und dem, dass Mitch Langerak seinen Fehler beim Gegentor mehrfach ausbügelte.

Vor dem Spiel schrieb ich von Chance und Risiko zugleich, dieses Spiel betreffend. Ich sah durchaus Parallelen zum Dresden-Spiel und die Gefahr, in Köpenick ähnlich unterzugehen. Die Vorzeichen waren ähnliche. Nach einer Länderspiel-Pause, bei einem Ost-Verein und in einem Stadion, das zum Hexenkessel werden kann.

Auf der anderen Seite war das Spiel die Chance, eine Reifeprüfung abzulegen und zu untermauern, dass man aus Dresden gelernt hat. Die Chance, die Gunst der Stunde nach dem Remis der Braunschweiger in Bochum zu nutzen und erstmals in dieser Saison die Tabellenspitze zu erklimmen.

Diese Prüfung hat der VfB allenfalls mit einem „ausreichend“ abgeschlossen. Wohl auch der frühen Führung geschuldet, wurde es ein ganz anderes Spiel als in Dresden, als man es dort versäumte, die ersten Chancen zur Führung zu nutzen und nach dem ersten Gegentor alle Dämme brachen.

Was den gemeinen Fan in der Kurve oder auf der Tribüne weiterhin zur Weißglut treiben lässt, ist diese Selbstzufriedenheit und fehlende Gier der Mannschaft. Mit einer knappen Führung im Rücken gibt man sich zu schnell zufrieden, anstatt den Auftrieb und den Schwung nach einem Führungstreffer mitzunehmen und bestenfalls an einem solchen Tag etwas fürs Torverhältnis zu tun. Nachdem der VfB es offensichtlich nicht bedingungslos darauf anlegte, als Tabellenführer aus diesem Spieltag zu kommen, ist es die Frage, die mich auch heute noch umtreibt, wie dieser Punkt einzuordnen ist.

Tabellarisch hat sich nicht viel geändert, außer Hannover 96 konnte kein Spitzenteam dreifach punkten. Wir stehen weiterhin auf einem direkten Aufstiegsplatz und haben bei heimstarken Unionern immerhin nicht verloren. Sollte sich die wiedergewonnene Heimstärke fortsetzen und wir die nächsten Spiele gegen den 1. FC Nürnberg und Hannover 96 erfolgreich bestreiten, kann man sicherlich von einem gewonnenen Punkt sprechen. Geht jedoch das Duell gegen unseren Angstgegner aus Bundesligazeiten, den Glubb, verloren, dürfte das Wehklagen über die vergebene Chance bei Union schon beginnen.

Dem VfB gingen in der hitzigen Schlussphase vor allem die fehlenden Mentalitätsspieler Kevin Großkreutz und Hajime Hosogai, aber auch Tobias Werner ab, die für Ruhe und Besonnenheit hätten sorgen können und sich nicht zu schade sind, dazwischen zu hauen, wenn es mal sein muss.

Sorgenkind bleibt weiter Alexandru Maxim, der es noch immer nur zum Ergänzungsspieler bringt und auch gestern keine Eigenwerbung für mehr Startelfeinsätze betreiben konnte. Wenn man sich seine Körpersprache derzeit ansieht, muss man befürchten, dass die Zeichen auf Trennung stehen, vielleicht schon in der Winterpause.

Als der Schlusspfiff ertönte und sich die Mannschaft nach kurzem Abstecher in die Kurve in die Kabine begab und wenig später zum Flughafen chauffiert wurde, begann für uns die eigentliche Tortur der Tour.

Zunächst einmal führte der Weg uns zum Busparkplatz, um noch den Jungs und Mädels vom RWS und anderen, die mit dem Bus anreisten, einen kurzen Besuch abzustatten, bevor wir uns dann langsam aber sicher zurück zum Ostbahnhof begaben.

Planmäßige Abfahrtszeit war 17.52 Uhr, genug Zeit also, um nicht in Hektik zu verfallen, auch wenn ich mich kurzzeitig mal um eine Stunde verschätzt hatte und dadurch die Pferde unnötig scheu machte.

Wir aßen noch kurz etwas, deckten uns aber für die gut 5-stündige Fahrt nicht groß mit Proviant ein, im Zug gäbe es ja auch etwas, so unser positiver Denkansatz vor der Abfahrt. Doch da hatten wir die Rechnung ohne die Bahn und ihr an diesem Abend eingesetztes Personal gemacht.

Der Zug startete am Ostbahnhof, war also noch leer und fuhr etwa 15 Minuten vor der planmäßigen Abfahrtszeit ein. Wir platzierten uns, wie bereits auf der Hinfahrt, direkt im Bordbistro. Dass der Rollladen der Verkaufstheke vor der Abfahrt noch geschlossen ist, ist normal, so dass wir dem keine besondere Bedeutung beigemessen hatten.

Zu dieser Zeit lief schon eine junge Bahn-Bedienstete herum und legte Flyer auf die Tische, denen zu entnehmen war, was es im Bistro so alles zu verköstigen gibt. Falsch, sie legte sie nicht hin, sondern knallte sie uns auf den Tisch, bevor ein erstes Wort gesprochen war.

Ich bedankte mich trotzdem artig, was diese jedoch nicht dazu bewog, ein “bitte” zu erwidern. Da merkten wir bereits, dass sie dieser Dienst zu dieser Zeit am Sonntagabend offensichtlich ziemlich frustriert. Dazu fällt mir zu erst ein, “Augen auf bei der Berufswahl”. Wer diesen Beruf wählt, sollte zum einen mit der Schichtarbeit kein Problem haben und zum anderen serviceorientiert denken und so handeln und nicht von sich aus schlechte Stimmung verbreiten.

Mein erstes Bier bekam ich noch anstandslos an der Theke, ehe die Situation eskalierte. Es waren natürlich noch andere VfBler im Bistro und der Lautstärkepegel entsprechend. So muss es vorne (ich bekam das nicht richtig mit), Wortgefechte gegeben haben, mit der Folge, dass es plötzlich hieß, wir bekämen nichts mehr zu trinken.

Dabei soll sich die Bahn-Mitarbeiterin (über die ich mich wohl auch noch förmlich bei ihrem Arbeitgeber beschweren werde) herabgelassen haben, einen Bahnkunden (der wir ja alle waren) als “Schwabenpack” zu bezeichnen.

Dass darauf ein verbales Echo folgte, war selbstverständlich. Jedenfalls hatte dies alles, noch auf Berliner Boden wohlgemerkt, zur Folge, dass der Rollladen geschlossen und der Alkoholverkauf, natürlich nur an uns, eingestellt wurde.

Da “Schwabenpack” einem wohl erzogenen und seinem Arbeitgeber verpflichteten Mitarbeiter wohl im Dienst eher nicht über die Lippen kommt, ist bei dieser…, bevor ich mich im Ton vergreife nenne ich sie einfach Uschi, ist also bei dieser Uschi offensichtlich keine Kinderstube vorhanden gewesen.

Möglicherweise ist Uschi Hertha-”Fan” und kann Beruf und Privates nicht voneinander trennen oder sie wollte den in weiten Teilen Berlins verhassten Schwaben eines auswischen.

Man weiß es nicht, das Verhalten dieser Uschi jedenfalls ist durch nichts zu entschuldigen und sollte, ich hoffe, es hagelt Beschwerden, Konsequenzen nach sich ziehen. Dass sich der Zugchef dann auch noch vorbehaltlos vor seine Kollegin stellt, ist zwar möglicherweise als loyal anzusehen, auf Schlichtung und Konsens war er aber auch nicht aus.
Er, auch Berliner, vielleicht aus ähnlichen “Motiven” nicht gut auf Schwaben zu sprechen, ließ überhaupt nicht mit sich diskutieren. Im Gegenteil: Ein Stuttgarter Polizist, wohl unserer Begleitung zugedacht, wollte gerade eine Ansprache an uns richten und mahnte besonnen zur Ruhe. Er erläuterte, dass wir zu laut seien und das Singen unterlassen sollen, wenn wir noch was zu trinken bekommen möchten. Wohlgemerkt waren dies die ersten Worte, die an die Allgemeinheit und nicht nur an die an der Theke stehenden Fahrgäste gerichtet wurden, wir „hinten“ bekamen zuvor nämlich überhaupt nicht mit, wie sehr die Kacke wohl schon am Dampfen war. Von unzähligen Bahnfahrten zuvor kenne ich es, dass sich das Zugpersonal, wie unter erwachsenen Menschen üblich, artikuliert und sich meldet, wenn ihm etwas nicht passt. Nicht so in diesem Fall. Der Polizist wollte noch die Situation beruhigen, als sich der Zugchef plötzlich einmischte, es wäre zu spät, die Hundertschaft wäre schon angefordert.

Der Stuttgarter Polizist, der wirklich sehr besonnen und entspannt war, versuchte noch, den Zugchef von derart überzogenen Maßnahmen abzuhalten, jedoch ohne Erfolg. Wohlgemerkt, bis zu diesem Zeitpunkt wurden höchstens zwei, drei Lieder angestimmt, die nicht einmal von der Mehrheit der Anwesenden mitgesungen wurden, es kam zu keinerlei Beleidigungen unsererseits und vor allem kam es zu keinerlei Sachbeschädigungen, nicht einmal ein Glas ging bis dahin zu Bruch.

In Berlin-Spandau dann wurde der Zug gestoppt und hielt sich dort etwa 40 Minuten lang auf. Wie viele Polizisten in Kampfmontur sich einfanden, kann ich nicht sagen, sie kamen kleckerlesweise angerannt und waren bis zur Weiterfahrt sicher keine volle Hundertschaft.

Wahrscheinlich haben sie sich über ihren „Einsatz“ totgelacht, weil es nichts zu tun gab für sie. Der Polizist an Bord und unsere Fanbetreuung hatten die Lage im Griff, war doch jeder besonnen und nicht auf Krawall aus, sondern wollte „nur“ von der Bahn heimgefahren werden.

Um nicht Gefahr zu laufen, bei einer eventuellen Räumung des Bord-Bistros durch die Polizei mittendrin statt nur dabei zu sein, „verkrochen“ wir uns für kurze Zeit in einen Abteilwagen, wo sich das Verständnis anderer Bahnreisender über die Maßnahmen des Zugpersonals ebenfalls schwer in Grenzen hielt.

Wie es immer so schön in den Verspätungs-Rechtfertigungsberichten der Bahn heißt, lagen auch dieser “polizeiliche Ermittlungen” zugrunde. Wenn mir die Vorkommnisse an diesem Abend zu etwas die Augen geöffnet haben, ist es das, wie hausgemacht Verspätungen bei der Bahn sein können und, was so alles in die Statistiken über Gewalt im Fußball einfließt. Man kann Gift darauf nehmen, dass die Kosten des Polizeieinsatzes eher gewalttätigen Fußballfans zugeschrieben werden als überforderter, unmotivierter und unfreundlicher Bahnmitarbeiter.

Die Stimmung während der gesamten Fahrt blieb angespannt, dem Polizisten an Bord wurde es nicht langweilig. Ein anderer Bahnbediensteter zeigte drei VfBler wegen Beleidigung an, und erhielt im Gegenzug eine Anzeige wegen Gewaltandrohung.

Das Personal hatte uns offensichtlich von vornherein auf dem Kieker und durfte, gestern jedenfalls ungestraft, ihren Frust und Hass auf die Schwaben, im wahrsten Sinne des Wortes, in vollen Zügen ausleben.

So fand dieser an und für sich tolle Tag am Abend seinen unrühmlichen Höhepunkt. Sollten irgendwann zu dieser Fahrt und zur eigenen Rechtfertigung seitens der Bahn Bilder auftauchen, die den Bistrowagen als Saustall dokumentieren, dann in erster Linie deshalb, weil wir bei mehr als sechs Stunden Aufenthalt überhaupt keinen Service geboten bekamen. Es wurde weder ein Tisch abgeräumt noch abgewischt, so dass es nicht verwunderlich ist, vor allem bei der rasanten Fahrweise des Lokführers, dass das eine oder andere Glas abstürzt. Zu mutwilligen Sachbeschädigungen kam es definitiv nicht.

Mein Eindruck war, dass weder unsere Fanbetreuung noch der anwesende Polizist die Wahl der Mittel der Bahnbediensteten im Entferntesten nachvollziehen konnten. Über persönliche Konsequenzen, die ich ziehen könnte, bin ich mir noch nicht im Klaren. Eine Beschwerde bei der Bahn wird es mit Sicherheit geben. Mein erster Anlauf online aus dem Zug heraus wurde umgehend wieder gelöscht, weil ich die Uschi fälschlicherweise als Schnepfe in Uniform bezeichnete, der zweite wird aber mit Sicherheit nicht lange auf sich warten lassen.

Eine weitere mögliche Konsequenz wäre, bspw. zu unserer Fahrt nach Hamburg im Januar den Proviant selbst mitzubringen und damit, wir rechnen mit etwa 40 Leuten, einen Abteilwagen voll zu müllen und die Bahn erheblich an Umsatz zu kosten. Einen Monopolisten einfach zu boykottieren, ist leider nicht ganz so einfach, auch wenn es mir im Moment danach wäre.

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10. November 2016

Auf einem guten Weg

Die 2. Liga bockt, die 2. Liga rockt. Die Fans rennen dem VfB die Bude ein, was den VfB im europäischen Vergleich auf Platz 16 der Zuschauerrangliste hievt und wodurch mit Newcastle United europaweit nur ein Zweitligist einen knapp höheren Zuschauerschnitt aufweist.

So fanden sich auch gegen den vergleichsweise unattraktiven Gegner Arminia Bielefeld 55.160 Zuschauer im Neckarstadion ein und tauschten zur familienunfreundlichen Anstoßzeit, Sonntag, 13.30 Uhr, die Aussicht auf den Sonntagsbraten gegen das Gemeinschaftserlebnis Fußball.

Eigentlich ist es unfassbar, welchen Zuspruch der VfB auch in der 2. Liga genießt. Für einen Allesfahrer wie mich, war es sowieso klar, weiterhin dabei zu bleiben und dass ich der Abwechslung, was Gegner und Stadien angeht, zunächst einmal viel Positives abgewinne.

Dass aber plötzlich wieder Leute ins Stadion kommen, die der VfB in den letzten Jahren Stück für Stück verloren hat, das hätte ich nicht erwartet. Würde man sie in die Kategorie „Erfolgsfans“ stecken, täte man ihnen ganz sicher unrecht. Es sind vielmehr solche, die, auch wenn sie nicht ins Stadion gehen, mit dem Herzen dabei sind, jene, die bei Kampagnen wie der „Zusammenhalten“-Aktion, als erste wieder auf der Matte standen, um dann doch wieder maßlos enttäuscht zu werden.

Solche „alte Bekannte“ sehe ich derzeit vermehrt wieder und das freudestrahlend, wie am Sonntag, nach einem wahrlich nicht berauschenden Spiel. Gut, für Siege gibt es keinen Ersatz, schon deshalb macht die 2. Liga bedeutend mehr Spaß als die Bundesliga zuletzt.

Lang vor dem Abstieg habe ich mich ja schon mehr vor einem weiteren Herumdümpeln in der Bundesliga, als vor dem Abstieg gefürchtet und fühle mich jetzt bestätigt, wenn ich verfolge, wie bemitleidenswert der HSV zum Beispiel durch die Bundesliga stümpert.

Hätten wir mit Glück die Klasse gehalten, würde Robin Dutt wohl weiterhin sein Unwesen treiben und Jürgen Kramny möglicherweise noch Trainer sein. Man hätte aus Dankbarkeit Verträge im Überfluss verlängert, so dass der Abstieg weiterhin nur eine Frage der Zeit gewesen wäre.

Jetzt hat der VfB auf einmal glänzende Perspektiven. Er ist personell runderneuert, von der einen oder anderen „Altlast“ einmal abgesehen, hat einen jungen, erfolgshungrigen Trainer und einen neuen Sportdirektor, dem man bislang ein hervorragendes Zwischenzeugnis ausstellen kann. Nach Jahren der rasanten Talfahrt ist so etwas wie ein Plan zu erkennen, an dem sich jeder orientieren kann und muss.

Während es zuletzt ein „In den Tag hinein leben“ war, wird neuerdings auch an morgen und an übermorgen gedacht, was durch die Verpflichtung von Pavard, Asano und Mané und der daraus folgenden Trennung von Jos Luhukay deutlich wurde.

So sind wir auf der einen Seite Zeugen einer spannenden Entwicklung, während wir auf der anderen, ganz nebenbei, auch in der Liga in die Spur gefunden haben. Diese Kombination ist es, die die Leute zum VfB strömen und optimistisch wie lange nicht in die Zukunft blicken lässt.

Bielefeld fuhr nach der Entlassung vom Ex-Großaspacher Trainer Rüdiger Rehm unter Interims-Coach Carsten Rump zuletzt zwei Siege in Folge ein und war deshalb mit neuem Selbstvertrauen ausgestattet.

Wolf stimmte in die allgemeinen Lobhudeleien nach dem Derbysieg nicht ein, sondern sandte Mahnungen an sein Team, dass ihm vieles nicht gefallen habe. Dass er, gerade bei dieser Truppe, mit viel Lob sparen und die Spannung jederzeit hoch halten sollte, hat er spätestens nach dem 0:5 in Dresden, dem das 4:0 gegen Fürth vorausging, leidvoll erkennen müssen.

Maxim, der nach seiner Einwechslung ordentlich Schwung brachte und schließlich mit dem 1:3 für die Entscheidung sorgte, nahm er in die Pflicht, „sich nicht über einzelne Szenen zu definieren“, sondern dass er das ganze Spiel tragen müsse. Maxim ist noch immer weit davon entfernt, legitimer Didavi-Nachfolger der letztjährigen Nummer 10 auch auf dem Platz zu sein, vielleicht bekommt ihn mit Wolf ja endlich einer seiner unzähligen Trainer beim VfB dort hin.

Außerdem ließ Wolf sich, nachdem er gegen die Ost-Franzosen Marcin Kamiński aus dem Hut zauberte, nicht auf ein, DAS, Innenverteidiger-Duo festlegen. Er stellte dabei die (berechtigte) Gegenfrage, was er denn dann den anderen erzählen solle, wenn sie Woche für Woche im Training Gas geben und sich aufdrängen. Daher darf sich niemand (!?) im Team seines Stammplatzes zu sicher sein, mit dem positiven Nebeneffekt, für die Gegner schwerer ausrechenbar zu sein.

So lautete gegen Bielefeld das Innenverteidiger-Duo erstmals in der Liga Baumgartl/ Kamiński. In Grassau beim Trainingslager deutete sich dieses Paar schon an, jedoch machte Baumgartls Verletzung zu Saisonbeginn diesen Planspielen von Ex-Trainer Luhukay einen Strich durch die Rechnung. Da er nicht sonderlich risikofreudig war, brachte er daher zunächst das andere Paar, das sich in Grassau eingespielt hatte, Sama/ Šunjić, so dass in erster Linie deshalb Kamiński zunächst einmal völlig außen vor war.

Kamiński bot, wie vor Wochenfrist auch schon, eigentlich eine solide Partie, die durch seinen kapitalen Aussetzer vor dem Ausgleich geschmälert wurde. Ein Facebook-User meinte gar, Šunjić im Kamiński-Kostüm erkannt zu haben, was die besagte Szene wohl treffend charakterisiert.
Da es für den Derbysieg, auch wenn man ob der bei vielen seither herrschenden Euphorie anderes vermuten könnte, auch nur drei Punkte gab, galt es diesen Auswärtsdreier durch einen Heimsieg nun zu vergolden.

Dies gelang, wenn auch nicht besonders eindrucksvoll. Die Bielefelder waren sehr gut eingestellt und machten dem VfB das Leben schwer, indem sie eine gute Raumaufteilung an den Tag legten und den VfB nicht zur Entfaltung kommen ließen. Im Gegenteil, im ersten Abschnitt übernahmen eher die Arminen die Initiative, wenngleich sie nicht in wirklich gefährliche Abschlusssituationen kamen.

Der VfB war in diesem Spiel lange zu passiv und machte sich durch nicht erzwungene Fehlpässe und Ballverluste das Leben selbst schwer. Zwar ging man nach einem katastrophalen Torwartfehler von Hesl (HSV-Schule) durch Simon Terodde in Führung und mit diesem Ergebnis auch in die Halbzeitpause, doch, zur allgemeinen Sicherheit trug dieser Treffer auch nicht bei.

Wolf wollte nach dem Wechsel für Stabilität sorgen und brachte Klein auf der Sechs anstelle des an diesem Tag schwachen Berkay Özcan. Der VfB trat zwar zu Beginn des zweiten Abschnitts offensiv mehr in Erscheinung, musste aber dennoch nach einer guten Stunde Spielzeit den nicht unverdienten Ausgleich der Ostwestfalen durch Voglsammer hinnehmen. Beinahe kam es gar noch schlimmer, als die Bielefelder nur den Pfosten trafen.

Danach war den Bielefeldern der Zahn gezogen und ihnen ging sprichwörtlich die Puste aus. Terodde köpfte, wie schon vor Wochenfrist in Ost-Frankreich nach Insúa-Flanke, die Führung und ließ in der Folgezeit zwei Hochkaräter liegen, ehe er in der Nachspielzeit mit dem 3:1 für den Schlusspunkt sorgte und zur allgemeinen Beruhigung beitrug. So bekleckerte sich der VfB zwar nicht mit Ruhm, fuhr aber dennoch den so wichtigen Arbeitssieg ein.

Mit nunmehr drei Liga-Siegen in Folge sind wir so etwas wie die Mannschaft der Stunde, drei Siege hintereinander gab es zuletzt am Ende der Saison 2014/2015. Personell kann Wolf in Bälde komplett aus dem Vollen schöpfen, vor allem dann, wenn Daniel Ginczek eine Option über 90 Minuten darstellt.

Nach dem Spiel war Wolf in erster Linie mit dem Ergebnis zufrieden, bemängelte jedoch fehlende Intensität und „fehlendes schnelles Denken“. Gerade bei letzterem trifft er DEN wunden Punkt überhaupt beim VfB. Noch immer hat man bei einigen den Eindruck, dass sie die Kugel (alibimäßig) nur schnell wieder losbekommen wollen, noch immer bevorzugen vermeintliche Taktgeber im Mittelfeld eher den Rück- als den Steilpass auf unsere schnellen Spitzen. Was das Umschaltspiel betrifft, bringt Wolf aus Dortmund sicherlich eine andere Idealvorstellung mit, als das, was er beim VfB vorgefunden hat.

Hat man Spieler wie Carlos Mané und Takuma Asano in seinen Reihen, die mit ihrer trickreichen Spielweise und ihrer Schnelligkeit mehr und mehr zu einer Waffe erwachsen, ist man eigentlich schön blöd, dieses Potential brach liegen zu lassen und nicht so oft es geht einzusetzen.

Ich freue mich schon jetzt auf das Trainingslager in Lagos, bei dem Wolf erstmals die Gelegenheit hat, seine Mannschaft auf eine Halbserie vorzubereiten und sie seinem Ideal, in körperlicher und in spielerischer Hinsicht, näher zu bringen.

Durch jene drei Siege in Folge hat sich der VfB im Kampf um den Aufstieg in eine glänzende Ausgangsposition gebracht. An Braunschweig hat man sich bis auf einen Punkt herangepirscht, auf Platz drei ein Polster von drei Punkten (real zwei, wenn man das Torverhältnis zugrunde legt) gelegt. Diese Position gilt es bis zur Winterpause zu festigen. Es warten bis Weihnachten durchweg starke und unbequeme Gegner auf den VfB, so dass sich ein Nachlassen von selbst verbietet.

Zunächst muss der VfB nach der Länderspielpause zum derzeit schwächelnden Aufstiegsaspiranten Union Berlin reisen. Nach dem unglücklichen Aus erst im Elfmeterschießen im DFB-Pokal beim BVB hat „Eisern Union“ in der Liga etwas den Faden verloren und zuletzt zwei Mal in Folge verloren.
Den Unionern dürfte die Länderspielpause daher sehr gelegen kommen, um sich vor dem großen Duell gegen den VfB neu zu sortieren.

Das seit dieser Saison von Jens Keller gecoachte Team hat zu Hause, ausgenommen die Heimniederlage zuletzt gegen Fortuna Düsseldorf, nicht verloren, und unter anderem Hannover 96 geschlagen. Zudem sollten beim VfB die Alarmglocken schon deshalb schrillen, weil man in den letzten Jahren nach Länderspielpausen meist schwer zurück in die Spur fand und nach der letzten gar 0:5 in Dresden verlor. In der Alten Försterei erwartet die Brustringträger zudem ein ähnlich enthusiastisches Publikum wie in Dresden, so dass die Vorzeichen bedenklich ähnlich sind.

Für mich steht mit dem Abstecher nach Köpenick ein absolutes Highlight der Saison auf dem Programm, eines, wegen dem sich der Abstieg allein schon „gelohnt“ hat. Ein geiles Stadion, eine sensationelle Atmosphäre im Stadion und eine Fanszene, die mit dem Verein in den letzten Jahren wahrlich durch dick und dünn gegangen ist und Dienste weit über das „normale“ Fan-Dasein für den Verein geleistet hat.

Nach dem Spiel sind wir dann schlauer, ob der VfB diese Reifeprüfung bestanden und ob er von Dresden tatsächlich schon etwas gelernt hat.

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