22. April 2014

Neue Rolle für Cacau?

Dass sich Cacau große Verdienste um den VfB erworben hat, steht außer Frage. Ihn jetzt aber, nach einem einzigen zweifelsohne guten Spiel von Anfang an als Heilsbringer zu feiern und seine Vertragsverlängerung zu fordern, halte ich für übertrieben.
2010 schon stand Cacau kurz vor dem Absprung. Damals legte er seine beste Halbserie überhaupt für den VfB hin, so dass sich die Vereinsführung gezwungen sah, seine hohen Gehaltsforderungen zu erfüllen und den Vertrag zu verlängern, um das Hochkochen der Fanseele zu verhindern. Schließlich war einem damals schon ein rackernder Cacau, der dem Brustring verbunden ist und mit dem VfB Meister wurde, lieber als irgendwelche Legionäre wie Marica und Pogrebnjak, die auch nicht weniger einstrichen, als das was Cacau forderte.
Mittlerweile aber haben sich die Zeiten beim VfB geändert. Die Personalkosten wurden in den letzten Jahren halbiert, der Schmalhans ist nun Küchenmeister beim VfB. Aus diesem Grunde wäre es nur logisch, wenn nach Serdar Tasci, der mit kolportierten 3,5 Millionen Euro Jahresgehalt bis letzten Sommer der Top-Verdiener war, auch Cacau mit einem Jahressalär von 3 Millionen Euro von der Gehaltsliste gestrichen werden würde.
Seien wir doch mal ehrlich! Stimmt das Preis-/ Leistungsverhältnis bei Cacau noch? Mehr und mehr muss Cacau seinen 33 Jahren Tribut zollen und verletzungsbedingt pausieren. In den letzten 1 ½ Jahren stand er ungefähr die Hälfte der Zeit nicht zur Verfügung. Auch davor, also unmittelbar nach seiner Vertragsverlängerung und in den Jahren danach begann sein schleichender Leistungsabfall. Wenn er zuletzt zum Einsatz kam, merkte man ihm an, dass er lang nicht mehr die Spritzigkeit besitzt wie früher. Ob er diese durch regelmäßige Einsätze je wieder erlangen kann, wage ich zu bezweifeln.
Ich finde, dass ihm sein Höhenflug bei der WM 2010 in Südafrika nicht gut getan hat. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als er beim Pokalspiel in Babelsberg seinen ersten Einsatz nach dem WM-Urlaub hatte und seine Mitspieler beim eigenen Torjubel wegschubste. Diese Aktion wirkte auf mich arrogant, als wähne er sich über seinen Mitspielern, die die Spiele davor in der Vorbereitung mehr schlecht als recht absolvierten und zudem in Babelsberg in Rückstand gerieten. Mit solchen Aktionen stellte er sein Licht über den Scheffel der Mannschaft, was ihm keine neuen Freunde einbrachte. Im Gegenteil, mal geriet er mit Gentner, dann mit Ulreich aneinander, weil er sich durch seinen Eigensinn mit aller Gewalt erneut ins Blickfeld von Joachim Löw spielen wollte, schließlich stand die Kadernominierung für 2012 an.
Cacau blieb schon lang den Beweis seines Wertes für die Mannschaft schuldig. Dass er jetzt, wo er gerne wieder einen neuen, schönen Vertrag hätte, besonders Gas gibt und womöglich erneut auf die Tränendrüse der Fans drückt, wundert mich nicht sonderlich. Ich hoffe nur, dass unsere Vereinsführung diesem Werben nicht erliegt, zumindest nicht zu diesen Konditionen.
Dass wir uns nicht falsch verstehen, ich beurteile an dieser Stelle lediglich das Preis-/ Leistungsverhältnis. Ich mag Cacau nach wie vor und würde ihn auch durchaus gern in der nächsten Saison noch im VfB-Trikot sehen. Das jedoch nur, wenn er mit einer Reduzierung seiner Bezüge um mindestens 50% und mit einer Rückstufung zum Standby-Profi einverstanden wäre. Über kurz oder lang wird Timo Werner die Planstelle als alleinige Spitze einnehmen, ich denke, daran führt kein Weg vorbei. Das bedeutet, dass Cacau in der nahen Zukunft allenfalls als Stürmer zwei oder drei fungieren kann und sich damit arrangieren müsste.
Da Cacau nicht dumm ist und seine Situation vermutlich ähnlich einzuschätzen weiß, finde ich diese Aussicht nicht einmal utopisch. Wie sein Standing in der und damit der Wert für die Mannschaft ist, müssen die beurteilen, die nah drin sind. Ich halte ihn nach wie vor für charakterlich einwandfrei und auch einen Musterprofi, wie ihn sich jeder Trainer nur wünschen kann. Die WM-Teilnahme, der Aufstieg vom Claudemir Jeronimo Barreto zum Bundes-Helmut, haben ihm möglicherweise die Sinne vernebelt, so dass er in dieser Zeit zu verbissen und zu ehrgeizig war. Nach seinen langen Verletzungspausen und vermutlich auch keinen besseren Optionen für ihn, traue ich es ihm zu, dass er geläutert ist und seine ihm noch verbleibende Zeit als Profi einfach weiter genießen möchte. Wenn er seinen Ehrgeiz in positive Energie umwandelt, unseren vielen jungen Spielern ein Vorbild in Sachen Berufsauffassung gibt, kann er auch in neuer Rolle eine große Stütze sein.

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4. Mai 2010

Cacau will Meister werden

Nach seiner Vertragsverlängerung bis 2013 hat sich Cacau für seine Zukunft beim VfB Stuttgart einen zweiten Meistertitel zum Ziel gesetzt. Zunächst soll am Samstag bei 1899 Hoffenheim die Qualifikation für die Europa League endgültig perfekt gemacht werden. “Und in der nächsten Saison ist es ein Ziel, wieder um die Deutsche Meisterschaft mitzuspielen und zudem international eine gute Rolle zu spielen”, sagte der Fußball-Nationalstürmer am Montag in einem Interview auf der Internetseite der Nationalmannschaft.

Als “Garant dafür” sieht Cacau Trainer Christian Gross. “Er hat viel Erfahrung – das hat er von Anfang an bewiesen. Und er will jetzt etwas langfristiges aufbauen”, sagte der 29-Jährige, der bereits 2006/2007 mit den Schwaben Meister geworden war und vor einigen Wochen eigentlich seinen Abschied nach dieser Saison angekündigt hatte.

Ein Weggang im Unmut kündigt sich indes beim am Saisonende zum FC Barcelona zurückkehrenden Alexander Hleb an. Den Weißrussen wurmte gewaltig, dass Gross ihn beim 2:2 gegen Mainz ausgerechnet an seinem 29. Geburtstag mehr als eine Stunde auf der Bank gelassen hatte. “Es war mein letztes Heimspiel in Stuttgart! Ich hatte Geburtstag! Das wäre alles eine riesige Motivation für mich gewesen”, schimpfte Hleb in der “Bild” (Montag). “Aber der Trainer hat alles kaputt gemacht. Ich verstehe ihn überhaupt nicht. Er hat keinen Respekt.”

Gross nahm die Kritik gelassen. “Seit sein Abgang feststeht, beschäftigt er sich gedanklich vor allem mit der Zukunft”, sagte der Schweizer der Stuttgarter Zeitung am Montag.

(STZ 3.5.10)

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17. April 2010

VfB vor dem Leverkusen-Spiel: Khedira kehrt zurück

Wahrscheinlich hat Sami Khedira in den vergangenen zwei Wochen auch das vermisst: Szenen wie diese, in denen sich die Mitspieler gegenseitig attackieren, Serdar Tasci im Trainingsspielchen mit Wucht in die Beine von Ciprian Marica tritt, woraufhin Marica dem Verteidiger an der Kragen will. Als Schlichter geht Khedira beherzt dazwischen, verhindert Schlimmeres und sagt hinterher: “Fußball ist Männersport – genau deshalb machen wir das alle ja auch.”

Sami Khedira, Anfang des Monats 23 Jahre alt geworden, ist also wieder zurück. Am Dienstagnachmittag hat der Nationalspieler erstmals mit der Mannschaft trainiert – nur 17 Tage nach dem 2:1-Sieg des VfB beim FC Bayern, der durch die Knieverletzung Khediras getrübt worden war. Einen Innen- und Kreuzbandanriss zog er sich bei einer heftigen (und regelkonformen) Grätsche Miroslav Kloses zu, was noch glimpflich war, weil die Ärzte direkt nach dem Spiel auch einen Kreuzbandriss nicht ausschließen konnten. Der hätte vorerst alle Planungen zerstört. Nun jedoch steht Khedira die Fußballwelt wieder offen, im Saisonfinale mit dem VfB, der WM in Südafrika und einer neuen Saison, in der noch völlig unklar ist, für wen der Profi spielen wird.

Der Teamarzt war begeistert von Khediras Disziplin

Die Aussicht, in den letzten und entscheidenden Wochen noch einmal eingreifen zu können, hat Khedira nach seiner Verletzung angetrieben. Schon unmittelbar danach begann er mit Stabilisierungsübungen und einem Aufbauprogramm, bei dem er sich am Ende selbst bremsen musste. “Ich hätte am liebsten noch mehr gemacht und wäre noch früher ins Mannschaftstraining eingestiegen, musste aber Geduld haben und durfte kein Risiko eingehen”, sagt er. Der Teamarzt Raymond Best war begeistert von der Disziplin seines Patienten: “Er hat sich an alle Vorgaben gehalten. Der Heilungsprozess ist sensationell verlaufen.”

Jetzt fühlt sich Khedira wieder fit und sieht “kein Hindernis”, am Samstag gegen Leverkusen wieder auf dem Platz zu stehen: “Ich werde dem Trainer mitteilen, dass ich mir zutraue, 90 Minuten zu spielen.” Und natürlich wird er davon ausgehen, dass Christian Gross ihn gleich wieder in die Startformation nimmt: “Ich kenne meinen Stellenwert – mehr brauche ich dazu nicht zu sagen.” Im Trainingsspiel gestern erhielt Khedira (im Gegensatz zu Alexander Hleb, der nach seiner Oberschenkelverletzung ebenfalls wieder einsatzbereit ist) prompt das gelbe Leibchen der Stammspieler, während Zdravko Kuzmanovic im Team der Reservisten spielen musste. “Ich möchte jetzt so viel Spielzeit bekommen wie möglich”, sagt Khedira.

Khediras Zukunft beim VfB bleibt offen

Vier Bundesligaspiele bleiben ihm noch, um sich einerseits für die WM in Position zu bringen und andererseits mitzuhelfen, dass der VfB in den Europapokal einzieht. Das wäre sehr wichtig, findet Khedira, “weil es vor allem den Nationalspielern gut tut, wenn sie auch im Verein international dabei sind”. Dass davon abhängt, ob Khedira, dessen Vertrag 2011 ausläuft, beim VfB vorzeitig verlängert, das mag er jedoch nicht bestätigen: “Ich sehe das völlig unabhängig voneinander.” Seine Zukunft bleibt also offen, und seine Standardantwort auf entsprechende Nachfragen lautet: “Wir sind in guten Gesprächen.”

In einem StZ-Interview hatte Kheidra vor dem verhängnisvollen Spiel bei den Bayern angekündigt, noch vor der Weltmeisterschaft eine Entscheidung treffen zu wollen, “weil sonst der Rummel um dieses Thema zu groß wird”. Davon ist nun jedoch nicht mehr die Rede. “Wir haben keinen Druck, man muss da auch nichts erzwingen”, sagt das VfB-Eigengewächs und hält sich alle Optionen offen. Dass Khedira keine Eile hat, ist nachvollziehbar. Bei der WM wird er im Schaufenster stehen und kann auch die ganz großen Clubs auf sich aufmerksam machen. Gelingt ihm das, würde wohl Option eins greifen, ein unmittelbarer Wechsel, verbunden mit einer millionenschweren Ablöse für den VfB. Andernfalls käme Option zwei in Betracht, die vorsieht, dass er ein weiteres Jahr in Stuttgart bleibt, um anschließend ablösefrei (und mit üppigem Handgeld) zu wechseln. Das will der VfB vermeiden und dann den Spieler lieber gleich verkaufen. Denn auch der Club weiß, dass Variante drei am unwahrscheinlichsten ist: die Vertragsverlängerung Khediras in Stuttgart.

(STZ 15.4.10)

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3. April 2010

Abschied vom VfB Stuttgart: Cacau sucht ein neues Abenteuer

Cacau kommt erstens von der Massagebank und ist zweitens schlecht rasiert. Das eine liegt an seinem lädierten Knöchel, der intensiver Pflege bedarf. Und an den langen Stoppeln in seinem Gesicht trägt womöglich der Umstand Schuld, dass er vor lauter Grübelei nicht dazugekommen ist, das Barthaar zu kürzen. Denn in den vergangenen Tagen hat der Stürmer die Überlegungen über seine berufliche Zukunft noch einmal intensiviert – und ist am Ende zu einer Entscheidung gekommen, die alle genau so erwartet haben.

“Ich habe mich entschieden, das Angebot des VfB nicht anzunehmen. Ich werde den Verein nach dieser Saison verlassen”, so startet Cacau seine Ausführungen und beendet sie mit den üblichen Höflichkeitsfloskeln. Er habe “sieben wunderschöne Jahre” in Stuttgart gehabt, bedanke sich beim VfB und seinen Fans, und verspreche, in den verbleibenden Spielen alles zu geben. Anschließend aber sei es an der Zeit, weiterzuziehen: “Dann starte ich ein neues Abenteuer.”

Es sind versöhnliche Töne, die Cacau am Ende findet – viel versöhnlicher jedenfalls als die Erklärungen, die er zuvor als Grund für seinen Wechsel anführt. Ausgiebig beklagt er sich über fehlende Wertschätzung, die er gerne im Gehalt und nicht allein in gutem Zureden wiedergefunden hätte. “Es wurde mir immer gesagt, wie wichtig ich für den VfB bin, aber das wurde nicht in Taten umgesetzt”, sagt er: “Wenn ein Spieler seine Leistung bringt, dann hat er das Recht, das zu bekommen, was er verdient.” Dies sei “eine Frage der Gerechtigkeit” – und er fühlte sich ungerecht behandelt: “Ich habe den Anspruch, ein Führungsspieler zu sein. Offensichtlich hat der VfB eine andere Sicht, sonst hätte man mir ein besseres Angebot gemacht.”

Im vergangenen November begannen die Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung. Es gab das Angebot des VfB mit einem Jahresgehalt von knapp zwei Millionen Euro und die Forderung des Spielers von mehr als drei Millionen. “Damals war der Verein und auch ich in einer schwierigen Phase”, sagt Cacau und wertet es als faires Entgegenkommen seinerseits, dass er seine Gehaltsvorstellungen auch dann nicht erhöhte, als er urplötzlich zum gefeierten Torjäger wurde: “Ich habe nach den vier Toren in Köln nicht mehr gefordert.”

“Ich bin es nicht gewohnt, so zu verhandeln”

Doch für den VfB war auch die bestehende Forderung trotz des Höhenflugs des Nationalspielers zu hoch. Der Manager Horst Heldt findet es schade, dass Cacau geht, “wir hätten ihn gerne gehalten”. Man habe “ein ordentliches Angebot” gemacht, das während der Verhandlungen zweimal auf am Ende mehr als 2,5 Millionen Euro erhöht wurde: “Wir sind aber nicht dahin gekommen, wo er gerne hinwollte. Und wir können nicht über unsere Verhältnisse leben.”

Als weiteren Grund für seinen Wechsel nennt Cacau den Verlauf der Verhandlungen und die Tatsache, dass konkrete Zahlen öffentlich geworden seien. Das hätte nicht passieren dürfen und habe in ihm den Wunsch reifen lassen, den VfB zu verlassen. “Ich bin es nicht gewohnt, so zu verhandeln”, sagt der 29-Jährige. Auch diesen Schuh mag sich Horst Heldt nicht anziehen. Er habe keine konkreten Summen genannt, sagt der Manager. Und dass in der Öffentlichkeit munter spekuliert werde, gehöre nun mal zum Profifußball.

Wahrend Cacau in den nächsten Tagen seinen neuen Club bekanntgeben will (als Bewerber gelten Schalke, Wolfsburg und der FC Sevilla), intensiviert der VfB nun die Suche nach einem neuen Stürmer. “Wir haben damit schon begonnen und werden jetzt konkreter”, sagt Heldt. Ein Kandidat neben Adrian Ramos (Hertha BSC) und Albert Bunjaku (Nürnberg) ist Erik Jendrisek. Der 23-jährige Slowake vom 1. FC Kaiserslautern hat in dieser Saison 13 Tore erzielt – und wie Cacau einen entscheidenden Vorteil: Er ist ablösefrei zu haben.

(STZ 31.3.10)

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