20. November 2017

Fußball ist keine Mathematik

Diesen Ausspruch prägte einmal Karl-Heinz Rummenigge, als er Ottmar Hitzfeld als Bayern-Trainer anzählte und damit despektierlich auf seinen erlernten Beruf, Mathematiklehrer, anspielte.
So fehl am Platz dieser damals war, zumal bei Rummenigge ohnehin selten etwas Vernünftiges herauskommt, wenn er zynisch oder lustig sein will, so sehr assoziiere ich diese Phrase mit dem derzeit praktizierten Führungsstil beim VfB.

Fußball ist keine Mathematik und Fußball ist auch nicht ausschließlich eine kräftig sprudelnde Geldquelle, in der es um Gewinnmaximierung und das Zufriedenstellen seiner Aktionäre bzw. Anteilseigner geht. Der Fußball ist mehr. Er ist ein Spiel der Emotionen, die schönste Nebensache der Welt.

Mit der zunehmenden Kommerzialisierung und Eventisierung und den Übernahmen von Vereinen durch finanzstarke Wirtschaftsbosse, Mäzene und Scheichs ging der lang gehegte Grundgedanke des bezahlbaren Sports, mit dem sich die Leute identifizieren, ohnehin mehr und mehr verloren. Geld regiert den Fußball und entfernt sich, geführt von korrupten Verbänden, immer mehr von der Basis. Sei es der Weltverband FIFA, bei dem Bestechung an der Tagesordnung ist und der sich trotz nachgewiesener Schmiergeldzahlungen, Menschenrechtsverletzungen und vielem mehr noch immer nicht dazu durchringt, Katar die WM zu entziehen. Oder sei es auch DFB und DFL, die gerne ihr Saubermann-Image pflegen und den hiesigen Fußball zu einer Popcorn-Veranstaltung verkommen lassen wollen, indem sie das Ausleben von Fankultur immer mehr unterbinden.

Dass Pyro-Einlagen sanktioniert werden, daran hat man sich ja gerade noch gewöhnt. Dass aber inzwischen auch Schmäh-Plakate und –Gesänge bestraft werden und DER Fußball-Anwalt in Deutschland, Christoph Schickhardt, der auch schon des Öfteren den VfB vertrat, gar fordert, dass Spiele, in denen einer wie Dietmar Hopp beleidigt werde, überhaupt nicht angepfiffen werden, spottet jeder Beschreibung. Man kann zu den Spruchbändern stehen wie man möchte, aber, wäre es verhältnismäßig, deshalb ein Spiel abzusagen und 50.000 Leute, von denen die allermeisten überhaupt nichts mit dem Spruchband zu tun haben, nach Hause zu schicken?

Wir sind auf dem Weg zu englischen Verhältnissen, wo man mittlerweile nicht einmal mehr aufstehen und seinen Emotionen freien Lauf lassen darf, ohne von einem Steward ein freundliches, aber bestimmtes „sit down, please“ zu kassieren. Sind das Verhältnisse, die wir wirklich wollen können? Die uns von einem Verband diktiert werden sollen, der sich derzeit mit seinem Video-Assistenten lächerlich macht und seinen eigenen WM-Sumpf noch nicht trockengelegt bzw. aufgeklärt hat? Gegen die weitere Eventisierung bis hin zur Abschaffung der Stehplätze, die immer mal wieder ins Gespräch gebracht wird, dagegen gilt es sich bis zum letzten Blutstropfen zu wehren.

Inzwischen hat auch der VfB als einer der letzten Bundesligavereine in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert und damit selbst einen Teil seiner Seele verkauft. Mit Wolfgang Dietrich wurde ein Präsident durchgeboxt, dem Diplomatie fremd ist und dem, um seine Ziele zu erreichen, jedes Mittel recht ist. Diesen Ruf erwarb er sich als Boss eines undurchsichtigen Firmengeflechts und wurde aus eben diesem Grund auch zum Sprecher von Stuttgart 21 ernannt. Er weiß es, Menschen zu manipulieren und für sich einzunehmen und war deshalb sicher der Richtige, das ewig schwelende und zum Schluss leidige Thema „Ausgliederung der Profiabteilung“ zu einem vom VfB gewünschten Abschluss zu bringen.

Die Zweitligazugehörigkeit spielte ihm dabei in die Karten, denn, als Tabellenführer und Mitglied der Spitzengruppe der 2. Liga lässt sich leichter eine Aufbruchsstimmung entfachen, als wenn man als Sechzehnter in der Bundesliga herumdümpeln würde.

Dass man dabei den wirtschaftlich ungünstigsten Zeitpunkt wählte und den VfB mutmaßlich weit unter Wert verkaufte, wurde billigend in Kauf genommen. Es ging ja auch nicht hauptsächlich um die Daimler-Millionen, sondern darum, endlich nicht mehr bei vielen wegweisenden Entscheidungen die lästige Mitgliederschaft befragen zu müssen.
Viele, die der Ausgliederung zugestimmt haben, ließen sich von den Friede-, Freude-, Eierkuchen-Veranstaltungen im Trump-Style (make VfB great again) die Sinne vernebeln und setzten großes Vertrauen in Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, den Schindelmeiser geholt hatte.

Weil es Schindelmeiser innerhalb kürzester Zeit und mit klugen Transfers geschafft hat, ein junges, hungriges und vor allem aufstiegsfähiges Team auf die Beine zu stellen und in Hannes Wolf eines der spannendsten und vielversprechendsten Trainertalente, die Deutschland zu bieten hat, präsentierte, war das Vertrauen in den Sachverstand und in die Fähigkeit, aus wenig Geld viel zu machen, offensichtlich grenzenlos.

Nicht umsonst wurden, wann immer sich die Gelegenheit ergab, die beiden vor den Karren gespannt, um für die Ausgliederung zu werben. Sportlich waren wir ohnehin auf Kurs bzw. am Tag der außerordentlichen Mitgliederversammlung soeben aufgestiegen, so dass die Zweifler in der Minderheit waren und als ewiggestrige Traditionalisten bezeichnet wurden. Warnungen, „seine“ Entscheidung nicht an Personen festzumachen, wurden in den Wind geschlagen, weil sehr viele auf dem „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Trip waren und den VfB durch den Geldregen bereits wieder auf dem Weg nach Europa wähnten.

Dass die Vorwürfe gegen Jan Schindelmeiser nicht völlig aus der Luft gegriffen waren, weiß man zwar inzwischen, ich bin mir dennoch noch nicht im Klaren darüber, ob diese Differenzen nicht noch irgendwie zu kitten gewesen wären. Doch, der inzwischen als Aufsichtsrat der AG fungierende Wolfgang Dietrich hatte daran offenbar gar kein Interesse. Der Moor (Schindelmeiser) hatte seine Schuldigkeit getan und musste weg. Die Ausgliederung war durch, die Einspruchsfrist abgelaufen. Schindelmeiser war einer von drei Vorständen der AG, Dietrich „nur“ noch Aufsichtsrat. Mit dieser Konstellation oder auch den Geistern, die man selber rief, hatte Dietrich offenbar so seine Probleme. Schindelmeiser war schließlich nicht „sein“ Mann gewesen, sondern schon da, als er ins Präsidentenamt gehievt wurde.

Nachdem die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung abgelaufen war, versorgte man die Stuttgarter Nachrichten mit Interna, um aus dem Nichts Jan Schindelmeiser zum Abschuss freizugeben und dem vorzubeugen, dass der bereits feststehende Rausschmiss nicht aus heiterem Himmel kommt. Nicht die feine englische Art und äußerst unpopulär, den beliebten Sportdirektor, dem so viele in puncto Zukunftsplanung ihr Vertrauen entgegen brachten, derart abzuservieren, aber, in einer Kapitalgesellschaft menschelt es nun mal weniger als in einem eingetragenen Verein.

Hier geht es um knallhartes Business, unbequeme Zeitgenossen werden schon mal von einem Tag auf den anderen entsorgt. Man muss ja schließlich das große Ganze im Blick behalten und der VfB steht ohnehin über allem, so dass man äußerst dumm gewesen wäre, das Superhirn der Liga, Michael Reschke, der auf dem Markt gewesen war, nicht mit dem Sport-Vorstandposten zu versehen. So die Lesart, die uns der VfB weismachen wollte.

Dass Reschke bereits vor der Asien-Reise der Bayern Uli Hoeneß um die Auflösung seines Vertrages gebeten haben soll, um zum VfB wechseln zu können, verleiht der Personalie mehr als nur ein Gschmäckle. Nicht allein, dass man, obwohl es im Verhältnis mit Schindelmeiser schon das ganze Jahr geknirscht haben soll, ihn als das personifizierte Vertrauen in eine bessere VfB-Zukunft für die Ausgliederung werben ließ, auch, dass man ihn fleißig die Kaderplanung in der Sommerpause tätigen lassen hat, im Wissen, dass dieser die längste Zeit beim VfB gewesen ist, war äußerst fahrlässig. Michael Reschke, dem die Bayern einen Hallodri wie Hasan Salihamidžić vor die Nase setzten, wurde also der neue starke Mann beim VfB. Schnell stellte man fest, die Chemie zwischen Dietrich und Reschke stimmt, locker, leger und im Partnerlook präsentieren sich die beiden Macher nur allzu gerne, es geht eben nichts über eine gute Männerfreundschaft…

Dass Reschke bislang stets ein Mann für die zweite Reihe war und dort auch am besten aufgehoben ist, beweist der Rheinländer in unschöner Regelmäßigkeit. Wie ein Elefant im Porzellanladen reißt er Wände ein, wo keine sind und macht Fässer auf, die unnötig wie ein Kropf sind. Erst betitelte er Kritiker wie Fans und Mitglieder gleichermaßen als ahnungslose Vollidioten, wenn sie an seinen bisherigen Transfers etwas auszusetzen hatten, und nun scheint er entschlossen zu sein, unsere Amateure abzumelden.

Auch hier kommt mir der Ausspruch „Fußball ist keine Mathematik“ in den Sinn. Denn, Fußball ist weit mehr, Fußball ist Emotion, ist Verbundenheit, ist Tradition. Unsere Amateure, Deutscher Amateurmeister 1963 und 1980 sowie derzeitiger Vierter in der Ewigen Tabelle der 3. Liga, sollen, geht es nach dem Willen von Michael Reschke, komplett von der Bildfläche verschwinden. Dass für viele Fans aber die Amateure ihr zweitliebstes Kind sind und für sie eine Welt zusammenbrechen würde, interessiert den „Macher“ Reschke nicht. Emotionen haben für ihn scheinbar im Fußball nichts verloren, es geht ihm nur um den Profit für die AG. Daher stelle ich schon jetzt für mich fest, dass Reschke nicht zum VfB passt und er zumindest mir gestohlen bleiben kann. Schindelmeiser war Kommunikator, der auch bei sensiblen und schwierigen Themen mit Argumenten zu überzeugen versuchte. Reschke aber poltert herein und es interessiert ihn offenbar überhaupt nicht, was wir Fans über Jahrzehnte liebgewonnen haben. Die nötige Sensibilität, die es eben auch braucht, ein Fußballunternehmen zu führen geht ihm, wie ja auch Dietrich, völlig ab.

Ich hoffe sehr, dass die Gremien sich diesen quasi nicht mehr rückgängig machbaren Schritt noch einmal gut überlegen. Mit der Abmeldung werden nämlich nicht „nur“ 2,5 Millionen Euro im Jahr eingespart, es wird sich auch der Möglichkeit beraubt, Talente auf hohem Niveau an den Männerfußball heranzuführen. Auch hier wieder, Fußball ist keine Mathematik!

Der Eindruck verfestigt sich, dass der Abstieg unserer Amateure 2016 einigen Herren in die Karten spielte und man nun die große Chance sieht, sich diesen lästigen Beiwerks mehr oder weniger elegant zu entledigen. Ferner kommt es derzeit offensichtlich, wie aus den jüngsten Regionalversammlungen zu erfahren war, ganz gelegen, dass die „Amas“ derzeit sportlich schwächeln und, O-Ton, offensichtlich ja auch keinen Bock mehr hätten. Will es den Jungs tatsächlich einer verdenken, dass es sie beschäftigt und nicht mehr unbeschwert aufspielen lässt, wenn keiner weiß, ob in der nächsten Saison noch Platz für ihn auf dem Wasen ist? Für mich kommt die Debatte zur Unzeit und ist einer guten Saison nicht förderlich.

Klar, nach dem Herausposaunen diesen Plans durch Reschke am 20.10. verlor man umgehend 0:5 in Saarbrücken, spielte noch einmal herzerfrischend beim 2:2 gegen Kickers Offenbach, ehe man Schott Mainz, Hoffenheim und am Samstag auch Steinbach unterlag. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Entscheidung bereits in Stein gemeißelt ist und es kein Zurück mehr gibt. Ein Jammer, wie ich finde!
Anstatt darüber zu klagen, dass die Regionalliga nicht das optimale Sprungbrett für eine spätere Bundesligakarriere sei, sollte man doch vielmehr ein paar Euro mehr in die Hand nehmen, um die „Amas“ wieder dorthin zu bringen, wo sie lange Jahre waren, nämlich in die 3. Liga. Die ist nämlich ein ideales Stahlbad für unsere Youngster, wer es dort schafft, sich durchzubeißen, bringt zumindest einmal die Robustheit mit, die es auch für die Bundesliga braucht.

Unser Problem der letzten Jahre war keineswegs, dass man es über die Amateure nicht nach oben schaffen kann. Es seien nur einige Namen von vielen genannt, wie Hinkel, Khedira, Kuranyi, Hleb oder Daniel Didavi, die sich bei den Amateuren für höhere Weihen empfehlen konnten.

Um die Jungs zu fördern und zu fordern benötigt man fähiges Personal neben dem grünen Rasen, was vor allem in der Bobic-Ära gegen dessen Weggefährten abgesetzt und weg gemobbt wurde. Noch während Heldt Sportdirektor war, wechselte der langjährige Amateur-Trainer Rainer Adrion, wer wollte es ihm verdenken, zum DFB und übernahm den frischgebackenen U21- Europameister.

2012 schließlich verließen uns die langjährigen Koryphäen Thomas Albeck und Frieder Schrof in Richtung Leipzig. Der kürzlich überraschend verstorbene Albeck (R. i. F.) und Schrof standen ebenso wie Adrion dafür, dass sie die Jungs nicht nur sportlich förderten, sondern ihnen auch sonst bei allen Alltagsproblemen die Türen offenstanden. Sie waren Mentoren, Ziehväter, Jugendleiter und Trainer in Personalunion und sahen in den Spielern nicht nur Gelddruckmaschinen der Zukunft, sondern den Menschen samt Familie, der dahinter steckt. Der gute Ruf dieser Leute ließ sich Spieler für den VfB entscheiden, die unter Umständen woanders in jungen Jahren schon deutlich mehr hätten verdienen können. Auf das Wort der Herren konnte man sich verlassen, auch wenn es darum ging, ob es ein Spieler packt oder auch nicht. Auch an dieser Stelle sei erwähnt, Fußball ist nun mal keine Mathematik. Ein Fußballunternehmen, das man als AG nun spätestens ist, darf nie außer Acht lassen, dass man es mit Menschen und Emotionen zu tun hat.

Seinerzeit machten Bobic und Labbadia ihr eigenes Ding. Bobic scharte lieber gute Freunde anstatt Fachleute um sich, während Labbadia sich vehement dagegen verschloss, junge Spieler einzubauen und ernsthaft zu fördern. Bei ihm hatte man den Eindruck, er werfe lieber „der Meute“ jemanden zum Fraß hin, indem er einst den gelernten Innenverteidiger und damals noch Greenhorn, Ermin Bičakčić, als rechten Verteidiger gegen Franck Ribéry spielen ließ, um hinterher sagen zu können, seht her, der kann es nicht. Weil man dem Sachverstand von Albeck und Schrof nicht vertraute, ging dem VfB seinerzeit auch Joshua Kimmich durch die Lappen, ein Spieler, der jetzt bereits das Doppelte der Ausgliederungsmillionen vom Daimler wert sein dürfte.

Die wirtschaftlichen Beweggründe und die Argumentation, dass Spieler heutzutage schon mit 18, 19 Jahren den Durchbruch schaffen sollten, kann man zwar in gewisser Weise nachvollziehen und doch könnte man zumindest Letzterem Rechnung tragen, in dem man die Jungs sich früher bei den Amateuren frei schwimmen lässt als bisher und konsequent aussiebt, wer keine Perspektive hat. Auch hier befanden wir uns, seit Schindelmeiser und Wolf das Zepter im sportlichen Bereich schwangen, auf einem guten Weg, indem man sich von langjährigen Amateur-Spielern, denen man den großen Durchbruch nicht mehr zutraute, wie Ristl und Tashchy oder auch Besuschkow, trennte.

Von angedachten Farmteams und Kooperationen mit Großaspach, Kickers oder auch Heidenheim halte ich überhaupt nichts. Sind Spieler einmal in die Provinz abgeschoben, entfremden sich die meisten und wecken Begehrlichkeiten Anderer, sofern sie sich entscheidend weiterentwickeln. Dann mag der VfB zwar für eine gewisse Zeit noch die Transferrechte in Händen halten, das nützt aber nichts, wenn ein Spieler innerlich gekündigt und mit dem VfB abgeschlossen hat, Joshua Kimmich lässt grüßen. Ist ein Spieler mal weg, lernt Anderes kennen, fällt es ihm umso leichter, eine weitere Luftveränderung zu wagen, anstatt zum VfB zurückzukommen. Eine viel größere Motivationsspritze wäre es doch, beim VfB bleiben zu können, den „Stars“ der Ersten regelmäßig über den Weg zu laufen und sich Tipps holen zu können und als Belohnung für gute Leistungen das eine oder andere Mal mit ihnen trainieren zu dürfen oder es gar in den Kader zu schaffen, wie in dieser Saison bereits Sessa.

Da unsere Amateure im Verein offensichtlich keine Lobby mehr genießen, ist es umso bedauerlicher, dass sie auch von den Fans so wenig Unterstützung erhalten. Sie werden zwar wahrgenommen und von vielen geschätzt, den Hintern hoch, um sie auch bei den Spielen zu unterstützen, bekommen aber die wenigsten. Fast ausschließlich sind die Gästefans auch bei den „Heimspielen“ in der Überzahl. Viele weigern sich dabei, einen Fuß ins Kickers-Stadion zu setzen, obwohl dieses Stadion ja städtisch ist und der VfB deshalb einen Großteil seiner Heimspiele dort austrägt bzw. auch austragen muss.
Sehr bedauerlich finde ich es, dass sich unsere Ultras den Amas weitestgehend verschließen und dort nicht als Gruppe auftreten. Andere Fanszenen machen Auftritte ihrer Amateure zu Festspielen, Support und Pyro-Einlagen inklusive, während bei den Unseren eine Atmosphäre wie auf einer Beerdigung herrscht.

Für mich sind Spiele der Amateure wie eine Reise in die Vergangenheit. Sofern es die Spielansetzungen zulassen und Spiele der Amas nicht mit denen unserer Profis kollidieren, fahre ich auch gerne mal auswärts mit und stehe mit 30-50 anderen VfBlern im Gästeblock. Dort erlebt man dann noch den ursprünglichen Fußball, wie wir ihn kennen- und lieben gelernt haben, in kleinen, heruntergekommenen Stadien und zu moderaten Preisen. Bei Vereinen, die schon bessere Zeiten erlebt haben, trifft man sie noch, die Kuttenträger und hat den Eindruck, dort wäre die Zeit stehengeblieben. Sollte ich eines Tages die Nase voll haben vom Hochglanzprodukt in der Beletage, oder, besser gesagt, sollten sie mich endgültig vertrieben haben, wäre es Stand heute noch eine echte und vielleicht auch die einzige Alternative, mit den Amateuren alle Spiele zu machen. Manchmal habe ich den Eindruck, es fehlt nur noch der berühmte Tropfen, bis es so weit kommt. Ein Jammer, dass ich mich von diesem Vorhaben demnächst wohl endgültig verabschieden muss.

Reschke hat bei Bayer bereits die Amateure abgemeldet und wird es auch beim VfB tun, wenn ihn nicht im letzten Moment noch einer stoppt. Spielte die Musik beim VfB noch im eingetragenen Verein, könnte man sich von der in Kürze anstehenden Mitgliederversammlung noch versprechen, dass der eine oder andere flammende Appell Wirkung zeigt und noch einmal zurückgerudert wird. Da aber auch die Amateure ausgegliedert wurden, dürfte selbst ein solcher nichts mehr nützen. Uns und vielen anderen Auswärtsfahrern, die sich während der MV noch auf der Rückfahrt aus Bremen befinden, hat man ohnehin der Möglichkeit beraubt, an dieser teilnehmen zu können. Augen auf bei der Terminwahl!

Der VfB hätte es selbst in der Hand, unseren Nachwuchs wieder an die Spitze Fußball-Deutschlands zu bringen. Dazu gehört jedoch ein eiserner Wille und nicht, dass man die Amateure nur nebenher laufen lässt.

Wichtigster Punkt sind die Verantwortlichen, die sich im Nachwuchsleistungszentrum und später bei den Amateuren um die Jungs kümmern. Es müsste wieder mehr über wahre Koryphäen, sozialkompetente Mitarbeiter und gute Seelen berichtet werden können, anstatt über nächtliche Eskapaden mit Profi-Spieler(n).

Die Amateure dürften aber auch vom Gesamtverein, ähm, der AG, nicht mehr so stiefmütterlich behandelt werden wie bisher. Es fängt damit an, dass es schon detektivischer Fähigkeiten bedarf, drei Tage vor einem Heimspiel herauszufinden, ob im Gazi- oder im Schlienzstadion gespielt wird. Der VfB müsste, wie es Rainer Adrion vor zwei, drei Jahren schon einmal in Aussicht gestellt hat, darauf drängen, dass die Terminierungen nicht immer zeitgleich zu den Spielen der Profis erfolgen, vor allem bei vermeintlichen Risikospielen, bei denen es wichtiger zu sein scheint, dass Polizei, Ordnungsdienst und damit auch der VfB einen ruhigen Nachmittag verleben, als dass die Amateure bestmögliche Unterstützung erhalten. Man könnte die Socialmedia-Kanäle und die Webseite nutzen, besser über die Amateure zu informieren und vor allem mobil zu machen, die Jungs auch im Stadion anzufeuern. Für mich sind die Möglichkeiten noch lang nicht ausgereizt. Je attraktiver die Amateure werden und je größer die Chancen sind, diese als Sprungbrett nach oben nutzen können, desto leichter täte sich der VfB auch, mehr Talente zum VfB zu locken bzw. diese zu halten, wenn sie schon da sind.

Auch wenn ich befürchte, dass das Aus der Amateure beschlossene Sache ist, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass sich im Verein noch jemand findet, der Reschke zurückpfeift. Fußball ist keine Mathematik, es gibt Themen, die man in einem Fußballunternehmen sensibel anpacken muss, spielt man doch mit den Gefühlen der Anhängerschaft. Wer das nicht verstanden hat, hat im Fußball bzw. zumindest in der ersten Reihe nichts zu suchen.

Fußball ist keine Mathematik und der Fußball ist kein Experimentierfeld für einen, der den VfB nur vom Hörensagen kennt und der noch heute am liebsten von seinem früheren Arbeitgeber schwärmt.
Für mich passt Reschke nicht hier her und schon gar nicht an die vorderste Front. Er mag als Superhirn im Scouting eine Bereicherung sein, doch, sobald er sich in der Öffentlichkeit äußert, ist Fremdschämen angesagt, so wie er die Fettnäpfchen anzieht. Dazu gab es am Freitag in der Cannstatter Kurve ein passendes Spruchband.

Ich habe mich bei der Ausgliederungsdebatte so geäußert und mache es an dieser Stelle wieder. Teuer erkaufter Erfolg steht für mich nicht an erster Stelle, wenn es um Vereinsliebe geht. Der VfB darf sich gerne von den Superreichen abheben, indem er aus seinen begrenzten Möglichkeiten das Optimale herausholt, anstatt mit aller Macht zu versuchen, den Anschluss nach oben wieder herzustellen. Ich will hier keine Spieler, die 10 Millionen Euro im Jahr und mehr „verdienen“, ich brauche niemanden an der Spitze, der bei einem derzeitigen Abstiegskandidaten Luftschlösser baut, wo er den VfB in zwei, drei Jahren sieht.

Fußball ist in erster Linie Tagesgeschäft. Im Hier und jetzt geht es darum, den Klassenerhalt zu schaffen, was schwer genug werden wird. Das auch, weil Reschke in den gut drei Wochen, die er während der Transferperiode Zeit hatte, seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Ascacíbars Wechsel wurde dem Vernehmen nach noch von Schindelmeiser in die Wege geleitet, Aogo kam von der, ja, ich oute mich als ahnungsloser Vollidiot, Reschkerampe, und Beck hat, wie er Woche für Woche demonstriert, seinen Zenit längst überschritten. Für den Hochgeschwindigkeitsfußball, für den Hannes Wolf eigentlich steht, sind Spieler Marke Auslaufmodell ungeeignet und kontraproduktiv.

Daher täte Reschke gut daran, sich zunächst einmal auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren und sich mit Taten und nicht Visionen Anerkennung erwerben. Denn, Alt-Kanzler Helmut Schmidt sagte es einst, „wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“.

Unsere erst kürzlich eingeweihte neue Fahne! :-(

Den Nagel auf den Kopf getroffen!

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27. September 2017

Riegel-Hannes!

Zum Abschluss der englischen Woche und zum Wasenauftakt hatte der VfB den FC Augsburg zu Gast. Nach dem Heimsieg gegen Wolfsburg, der Trainer Jonker den Job kostete, und der ärgerlichen Niederlage am Dienstag in Mönchengladbach, reichte es gegen die bayerischen Schwaben (nur) zu einer Punkteteilung.

Das Intro für dieses Spiel bot von beiden Fanszenen jeweils eine Choreographie, während die der Augsburger im Antlitz derer in der Cannstatter Kurve nur verblassen konnte. Das Motto hieß dieses Mal „Schwabenmetropole Stuttgart“ und war schlicht in den Farben des Stuttgarter Stadtwappens gehalten. Kurze Zeit später gingen im Augsburger Block noch grüne und rote Rauchschwaden hoch, während in der Cannstatter Kurve der altbekannte Banner „Bazitrachten raus aus Stuttgart“ präsentiert wurde.

Die Aversion vieler gegen die Unsitte aufs Cannstatter Volksfest verkleidet wie im Fasching zu gehen, artete Zeitungsberichten nach am Samstag aus und mündete sogar in Handgreiflichkeiten, wenn man den Berichten Glauben schenken darf. Das ginge auch für mich zu weit, wenngleich mich dieser Kostümball schon auch extrem nervt. Nicht nur in Cannstatt kann man sich durch die Sauftouristen belästigt fühlen, auch die Bahnen sind übervölkert von vorglühendem Partyvolk in billigen Trachten, so dass der Volksfest-Höhepunkt für mich längst der Kehraus ist.

Da das Spiel wenig Spektakuläres bot, beschäftigt man sich in den Tagen danach eben mit diesen Nebensächlichkeiten. Schon als ich eine Stunde vor Spielbeginn die Mannschaftsaufstellung las, ahnte ich, dass an diesem Tag ein Feuerwerk höchstens auf den Rängen stattfinden würde. Es ist keineswegs so, dass ich mit einem Punktgewinn gegen den FC Augsburg nicht leben könnte, wenn man sich die jüngste Bilanz gegen die Fuggerstädter vor Augen führt. Sage und schreibe sieben Niederlagen am Stück standen in den letzten Aufeinandertreffen zu Buche, diese Negativserie konnte durch das Remis durchbrochen werden. Zudem ist der FC Augsburg stark in die Saison gestartet, schlug unter der Woche Leipzig zu null und ist nach der Auftaktniederlage gegen den HSV nunmehr seit fünf Spielen ungeschlagen.
Dass Hannes Wolf in Anbetracht dieser Vorzeichen sein Team nach dem Motto „Safety First“ auf- und einstellte, fand ich nachvollziehbar. Im letzten Duell auf heimischem Boden, noch unter Alexander Zorniger, setzte es im Neckarstadion im Abstiegsjahr ein desaströses 0:4, so dass für Samstag zunächst einmal Vorsicht die Mutter der Porzellankiste war.

Anders als Zorniger wollte Wolf den bayerischen Schwaben nicht ins offene Messer laufen und setzte auf ein Abwehrbollwerk, das sich gewaschen hatte. Sage und schreibe acht Defensivspezialisten, darunter vier gelernte Innenverteidiger, schickte Wolf auf den Platz. Die offensive Fahne sollten lediglich der erneut starke Donis, Brekalo und in vorderster Front Terodde hoch halten. Die leise Hoffnung hatte ich ja, dass Wolf im späteren Spielverlauf offensiv nachlegen würde, als aber in der 65. Minute auch noch der defensivere Orel Mangala für Brekalo eingewechselt wurde, fand ich mich langsam mit dem torlosen Unentschieden ab.

Manch einer wird monieren, dass eine derart defensive Aufstellung einer Heimmannschaft unwürdig und für das Publikum eine Zumutung ist, ich hatte dafür in diesem Spiel Verständnis, weil wir Aufsteiger sind und der Spatz in der Hand eben manchmal besser ist als die Taube auf dem Dach. Sieben Punkte nach sechs Spielen, keine herausragende, jedoch eine akzeptable Zwischenbilanz. Wir sind in der Liga angekommen und Hannes Wolf hat es geschafft, die Defensive im Vergleich zu den Vorjahren gehörig zu stabilisieren.

DER Turm in der Schlacht im Defensivverbund war bei seinem zweiten Einsatz für den VfB erneut Holger Badstuber. Was dieser Mann abräumt, im Spielaufbau leistet und wie er brenzlige Situationen mit einer spielerischen Leichtigkeit löst, ist phänomenal. Wenn er sein Verletzungspech ablegt und einigermaßen regelmäßig einsatzbereit ist, ist mir, was den Klassenerhalt betrifft, nicht bange.
Er verleiht unserer Defensive allein durch seine Präsenz ein Mehr an Sicherheit, wovon irgendwann auch die schwächelnde Offensive profitieren dürfte. Steigt das Vertrauen in die Hintermänner, lässt es sich auch unbeschwerter nach vorne spielen, zumal mit Ascacibar nun ein Sechser da ist, der resolut in den Zweikämpfen ist und den Rasen umpflügt wie kein zweiter in der Mannschaft.

Für den verletzten Gentner rückte Benjamin Pavard auf die Doppelsechs und nicht Burnić oder Ofori, während Kaminski mit Baumgartl und Badstuber die Dreierkette bildete. Kaminski spielte solide und rettete das Remis eine Viertelstunde vor Schluss, als er in höchster Not Finnbogason die Kugel abluchste, während Baumgartl in einigen Situationen zu fahrig agierte.

Badstuber unterband durch technisch anspruchsvolle Einlagen bedrohliche Aktionen zuhauf und erntete dafür Szenenapplaus, was Baumgartl dazu bewog, es ihm gleichzutun, was sich beinahe gerächt hätte. Er wäre gut beraten, sich die Sicherheit durch einfaches und konzentriertes Passspiel zu holen und einfach in seinem Bereich nichts anbrennen zu lassen.

Die (neuen) Außen der bei gegnerischem Ballbesitz von einer Dreier- zur Fünferkette werdenden Abwehrformation sind defensiv bisher weitestgehend ein Gewinn. Sowohl Dennis Aogo als auch Rückkehrer Andreas Beck bringen viel Ruhe und Erfahrung mit ein, sind aber mit jeweils über 30 Jahren nicht (mehr) die Flügelflitzer, die auch mal einen Mann überlaufen und bis zur gegnerischen Grundlinie vorstoßen können.

Über die Rückkehr von Andreas Beck habe ich mich nach der Bekanntgabe des Transfer zwar gefreut, auch wenn ich skeptisch wegen seines fortgeschrittenen Alters war und man von ihm aus der Türkei eben auch nicht mehr viel gehört hatte. Er ist trotz seiner Vergangenheit im Kraichgau ein sympathischer Typ geblieben, man nimmt es ihm ab, dass der VfB in all den Jahren „sein“ Verein geblieben ist. Noch mehr hätte mich diese Vereinsverbundenheit gefreut, wenn er schon zurück gekommen wäre, als er noch in der Blüte seines Schaffens war und nicht erst im Spätherbst seiner Karriere, wo auf den ersten Blick der Eindruck entsteht, es wolle einer gemütlich und daheim bei Muttern seine Karriere ausklingen lassen.

Wäre er zurückgekehrt, als es dem VfB wirklich dreckig ging, hätte er Kultstatus erlangen können, so aber wird es nur eine kurze zweite Episode mit ihm werden. Ich bin mal die Rechtsverteidiger der letzten Jahre durchgegangen, um vor Augen zu führen, was uns hätte alles erspart werden können, hätte er sich früher zum Brustring zurück besannt. Dort finden sich Namen, angefangen mit Khalid Boulahrouz (den ich allerdings sehr schätzte), über Stefano Celozzi, Philipp Degen, Gotoku Sakai, Tim Hoogland, Toni Rüdiger, Daniel Schwaab, Florian Klein, Matthias „Zimbo“ Zimmermann, Kevin Großkreutz bis hin zu Jean Zimmer. Kaum einer taugte zur Dauerlösung, so dass diese Planstelle zur Dauerbaustelle wurde. Seit Ricardo Osorio, an dem Beck seinerzeit nicht vorbei kam, ist die Position des Rechtsverteidigers, wie auch mit Abstrichen das Pendant auf der linken Seite, DIE Problemzone im VfB-Spiel. Es bleibt zu hoffen, dass Andi Beck dieses Problem wenigstens kurzfristig beheben kann.

Nach den bisherigen sechs Saisonspielen wurden die Auftritte des VfB meist gelobt, selbst als keine Punkte eingefahren wurden. Man spiele ordentlich mit, habe viel Ballbesitz und man sei in keinem Spiel wirklich chancenlos gewesen, etwas mitzunehmen. Das ist zwar alles richtig und doch kam für meinen Geschmack vom VfB zu wenig. In den verloren gegangenen Auswärtsspielen wurde man immer erst initiativ, als man zurücklag und das Kind bereits im Brunnen lag. Vor den Gegentoren war die Sicherung des eigenen Kastens oberste Maxime, das Offensivspiel wurde, bis es hinten einschlug, fast gänzlich vernachlässigt. Was bringt also Ballbesitz, wenn man damit nicht den Weg nach vorne sucht, sondern die Kugel in der eigenen Hälfte zirkulieren lässt? So war es meist eine Frage der Zeit, bis der Gegner „ernst“ macht und in Führung geht. Dem Offensivspiel, das wurde bisher nahezu in jedem Spiel deutlich, fehlen Impulse. Wenn dann noch, wie in den letzten beiden Spielen, Akolo ausfällt, der zwei unserer bisherigen drei Saisontore erzielt hat, ist unser Sturm nur ein laues Lüftchen.

Simon Terodde, so wirkt er auf mich seit seinem verschossenen Elfmeter gegen Mainz, plagt die Angst vor seinem ersten Bundesligator im zarten Alter von 29 Jahren. Er verkrampft zunehmend und wirkt immer unglücklicher in seinen Aktionen, so dass man nur hoffen kann, dass bei ihm endlich der Knoten platzt oder Daniel Ginczek schnell eine Option für die Startelf darstellt.

Was dem VfB nach dem Abgang von Maxim komplett abgeht, ist ein kreativer Mann hinter den Spitzen, der den tödlichen Pass spielen und für Überraschungsmomente sorgen kann. Hat sich der Streit mit Jan Schindelmeiser unter anderem daran entladen, dass dieser Maxim abgab, ohne einen adäquaten Ersatz präsentiert zu haben, darf man, ohne gleich als Vollidiot betitelt zu werden, die Frage an Michael Reschke richten, weshalb er dann keinen geholt hat, wo er doch so gut vernetzt zu sein scheint. Zeit hätte er noch genügend gehabt.

Nun aber ist eine kurzfristige Belebung der Offensive kaum zu erwarten, jedenfalls so lang nicht, bis Carlos Mané wieder zur Verfügung steht. Wolf wird weiter improvisieren und einen Fußball spielen lassen müssen, der ihm selbst widerstreben dürfte. Doch, als Mittel zum Zweck ist alles erlaubt, was uns von den Abstiegsplätzen fern hält.

Eigentlich will ich ja von alten Statistiken, die geschrieben wurden bevor Hannes Wolf seinen Job beim VfB antrat, nichts wissen. Nach dem Abstieg hat sich der VfB runderneuert, fast kein Spieler, der für die genannten Statistiken verantwortlich zeichnete, ist noch da. Und trotzdem ist vieles wie immer, wenngleich einiges natürlich besser geworden ist.

Wir können in Berlin, Gelsenkirchen und Mönchengladbach nicht (mehr) gewinnen und tun uns gegen den FC Augsburg extrem schwer. Dass es auch anders geht, zeigten die knappen Heimsiege gegen Mainz und Wolfsburg, unsere letzten Gegner vor dem Abstieg.

Augsburg zu Hause war in der jüngeren Vergangenheit ein Brett, so dass dieses Pünktchen am Ende als Bonuspunkt durchgehen könnte. Zudem blieben wir im Neckarstadion weiterhin ohne Gegentor, was Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben geben dürfte.

Insgesamt sehe ich uns im Soll und bin optimistisch, dass wir in Frankfurt, ein Pflaster, das uns in den letzten Jahren immer gut gelegen hat, den ersten Auswärtssieg einfahren werden.
Das bedingt ein wenig mehr Risiko nach vorne und vor allem den unbedingten Willen, das erste Tor zu schießen. Versteckt man sich wie das Kaninchen vor der Schlange und lädt die Eintracht ein, uns hinten hineinzudrängen, wäre es für mich der falsche Ansatz.

Ein Auswärtssieg würde den Punkt gegen Augsburg vergolden und uns beruhigt in die Länderspielpause gehen lassen, denn, danach wartet zu Hause der nächste dicke Brocken auf uns. Deutlich wird das nicht unbedingt beim Blick auf die Tabelle, denn, der FC ist ja bekanntlich Schlusslicht, aber, womit wir wieder bei den Serien wären, seit 1996 gewann der VfB kein Bundesligaheimspiel mehr gegen die Geißbockelf.

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5. August 2017

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan

Die gestrige Nachricht schlug ein wie eine Bombe: Jan Schindelmeiser ist nicht mehr Sportdirektor beim VfB Stuttgart.

Auch ich war und bin es noch immer, fassungslos! Heute stehe ich, wie so oft in den letzten Jahren, am Scheideweg als Fan und frage mich, weshalb um alles in der Welt ich diesem Klepperlesverein Woche für Woche folge und nicht einmal dann von ihm lassen kann, wenn er mich zum x-ten bitterlich enttäuscht hat. Dann reift schnell die Erkenntnis, dass das einfach nicht geht. Der VfB ist nicht nur eine Handelskette, die man wechseln könnte, wenn sie einen verärgert, der Herzensverein ist mehr, eine Entscheidung fürs Leben, unabhängig von den handelnden Personen. Auf diese hat man, jetzt in der AG noch weniger als zuvor, keinen Einfluss und muss für sich das Beste draus machen. Was ich als Kunde (das sind wir doch schließlich) nicht machen muss, ist es, alles gutzuheißen und Leuten zu vertrauen, die für mich nichts anderes als ihren eigenen Vorteil und den Erhalt ihres Postens im Sinn haben.

Mit Schindelmeiser hatten wir zum ersten Mal seit Rolf Rüßmanns Zeit wieder einen Mann auf der Kommandobrücke, der den Job von der Pike auf gelernt hat. Nach Interimslösungen Magath und Briem/ Schneider folgten Azubis wie Heldt, Bobic und Dutt, die Manager spielen durften. Das sich auf die Fahnen geschriebene „Ausbildungsverein“ galt fortan nicht nur für die Spieler sondern auch die Sportdirektoren. Wohin uns dieser Stuttgarter Weg gebracht hat, ist bekannt.

Nach zähem Ringen (oder auch zaudern) präsentierte der Aufsichtsrat im Juli des vergangenen Jahres Jan Schindelmeiser als neuen Sportdirektor, weil man nach „reiflichen Überlegungen“ von ihm überzeugt gewesen sei, was schon damals aufgesetzt wirkte. Schließlich war Schindelmeiser direkt nach dem Abstieg schon frei gewesen und Dutts Aus kam ja auch nicht von heute auf morgen. So bekam dessen Verpflichtung das Gschmäckle, nicht erste sondern allenfalls vierte oder fünfte Wahl gewesen zu sein.

Derselbe Aufsichtsrat (angeblich ging der Daumen pro Entlassung ja von allen „einstimmig“ nach oben) mokiert sich nun ein Jahr später über die Arbeitsweise von Jan Schindelmeiser und darüber, dass seine Transferpolitik wirr und vogelwild sei und stark an seine letzte Zeit in Hoffenheim erinnere.

Abgesehen davon, dass man in Erfahrung hätte bringen können, worauf man sich mit Schindelmeiser einlässt, ist es doch so, dass der Sportdirektor am Ende allein den Kopf hinhalten muss.

Warum sollte Schindelmeiser seine Vorstandskollegen, die ihre Stärken im Finanz- und Marketingbereich haben, über jeden Gang bis ins kleinste Detail informieren? Wieso beansprucht dies überhaupt das Kontrollorgan Aufsichtsrat für sich? Hat dies und damit in erster Linie der e.V.-Präsident, der in der AG „nur“ noch im Aufsichtsrat sitzt, etwa noch nicht verinnerlicht? Ist es nicht in der Natur der Sache, dass der Sportvorstand das Handeln im sportlichen Bereich bestimmt? Dass es der Presse nicht in die Karten spielt, dass neuerdings im Verborgenen gearbeitet wird, liegt auf der Hand. Muss dann aber auch der Aufsichtsrat beleidigte Leberwurst spielen, wenn man ihn über angedachte Verpflichtungen nicht ständig auf dem Laufenden hält? Was soll Schindelmeiser den Wirtschaftsbossen, Fanvertreter und den Ex-Spielern Buchwald und Ohlicher, die Sportmanagement nur vom Hören Sagen kennen, ständig erzählen? Sind es nicht die Ergebnisse, die letztendlich zählen? Oder geht es mal wieder um Eitelkeiten, weil sich Herren, die „in freier Wildbahn“ als Alphatiere unterwegs sind, zurückgesetzt fühlen?

DAS Erfolgskonzept der letzten Monate war für mich eindeutig die gute Zusammenarbeit zwischen Sportdirektor und Trainer. Da diese zu Beginn seiner Mission mit Jos Luhukay nicht gut funktionierte, korrigierte Schindelmeiser dies und zog mit Hannes Wolf einen wahren Glücksgriff an Land. Noch immer hat(te) man den Eindruck, die beiden harmonierten prächtig und funken vor allem auf einer Wellenlänge, was die Kaderzusammenstellung angeht. Stück für Stück besorg(te) Schindelmeiser jene Puzzleteile, die Hannes Wolf fehlen, um die Mannschaft seiner Idealvorstellung näher zu bringen.

Für mich war die bisherige Transferpolitik schlüssig und nachvollziehbar. Als Verein, der selbst nach der Ausgliederung nicht auf Rosen gebettet ist, muss man sich im überhitzten Transfermarkt zunächst einmal hinten anstellen.

Noch immer, der Neymar-Wahnsinn verdeutlicht es, bedienen sich die Finanzstärksten bei anderen absoluten Top-Teams. Erst wenn deren Kader, von „oben nach unten“ stehen, kommt ein Aufsteiger wie der VfB an die Reihe.

Auch wenn viele schimpfen, weil unser Kader Anfang August noch nicht komplett ist, habe ich vollstes Verständnis dafür und kaue nicht nervös an meinen Fingernägeln. Es war noch nie so viel Geld im Kreislauf, noch nie wurden derart horrende Summen verlangt und bezahlt wie in diesem Transfersommer. Deshalb kann in alle Richtungen noch viel passieren.

Aus diesem Grund ließ mich auch die bislang erfolglose Suche nach Verstärkungen im Defensivbereich nicht verzweifeln, im Gegenteil, ich war davon angetan, dass man keinen sinnlosen Schnellschuss getätigt hat, nur um die Leute zu beruhigen.

Für mich hatte alles Hand und Fuß, was Schindelmeiser für den VfB geleistet hat. Wohltuend ruhig und sachlich wurde mehr gearbeitet als geschwätzt, Transfers wurden erst bekannt, wenn sie in trockenen Tüchern waren. Das kannte man vom VfB so seit Jahren nicht.

Weil man sich beim VfB mit Maulwürfen (vor allem im Aufsichtsrat) bestens auskennt, sind die Schindelmeiser zum Vorwurf gemachten Alleingänge sicherlich ein Stück weit notwendig gewesen, um das eine oder andere Geschäft im letzten Moment nicht noch zu gefährden.

Angeblich wurde Schindelmeiser darüber hinaus intern kritisiert, dass er es im Laufe des Jahres nicht geschafft habe, einen Kaderplaner einzustellen. Mit Verlaub, bei den vielen Hansels, die für viel Geld auf dem Wasen herum springen, ist da ein Kaderplaner derart wichtig, um sich deshalb mit seinem wichtigsten Mann zu überwerfen?

Wolf und Schindelmeiser bau(t)en das Team der Zukunft, Hitzlsperger und Kienle, sollten diesen zuarbeiten und dafür verantwortlich sein, dass es in naher Zukunft wieder Talente aus dem eigenen Nachwuchs in den Profikader schaffen. Da über Jahre im Nachwuchsbereich geschludert und vor allem in der Bobic-Ära viel Porzellan zerschlagen wurde und Koryphäen vergrault wurden, erfordert der Wiederaufbau Zeit.

Es kann Schindelmeiser nicht zum Vorwurf gemacht werden, dass das Potential des Nachwuchsleistungszentrums brach liegt und man noch nicht die erhofften Früchte erntet.

Schindelmeiser hat an einigen Stellschrauben gedreht, ob diese Änderungen Erfolg bringen oder nicht, lässt sich heute noch überhaupt nicht sagen. Jedenfalls löste er alte Seilschaften aus Bobic- und Dutt-Zeiten auf und installierte von unten bis hin zu den Amateuren neue Trainer. Das jahrelange Missmanagement im Nachwuchsbereich, das im Abstieg unserer Amateure und dem Fast-Abstieg der U19 gipfelte, lässt sich nicht binnen eines Jahres beheben. Dafür benötigt es Geduld, die man in der AG wohl nicht aufzubringen bereit ist. Wenn Schindelmeiser eines nicht konnte, dann, zaubern!

Mit den bislang getätigten Transfers kann ich nach den Eindrücken der beiden Trainingslager vollauf leben, wenngleich ich weiteren echten Verstärkungen natürlich auch nicht abgeneigt wäre.

Unsere Defensivprobleme der letzten Jahre werden mir zu sehr immer nur an der Viererkette festgemacht. Dabei geht es doch um das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft! Mit Zieler, einem Torwart der ähnlich wie zuletzt Jens Lehmann dirigiert und seine Vorderleute stellt und einem durch die Verpflichtungen von Burnić und Mangala stärker gewordenen zentralen Mittelfeld, sehe ich uns auch ohne Verstärkung in der Innenverteidigung besser aufgestellt als in der Vorsaison.

Sollten diese beiden, zusammen mit Ebenezer Ofori, ihr Potential ausschöpfen und sich dem Bundesligafußball anpassen, könnte es für einen wie Christian Gentner schnell sehr eng werden. Im Trainingslager im Stubaital war ich von den dreien sehr angetan, vor allem was ihre technische Beschlagenheit, ihr Raum- und Spielverständnis und ihre Schnelligkeit angeht. Auf viele junge Spieler zu setzen, birgt natürlich Chancen und Risiken zugleich, da der Kader aber auch in der Breite derzeit nicht schlecht aufgestellt ist, wäre mir davor nicht bange.

Bis gestern sah ich in der Innenverteidigung Timo Baumgartl und Benjamin Pavard als favorisiert an und liebäugelte nach seiner starken Vorbereitung mit „Zimbo“ Zimmermann als rechtem Verteidiger.

Nun wurde, dem Vernehmen nach eskalierte wegen dieser Personalie der Streit zwischen Dietrich und Schindelmeiser, Holger Badstuber verpflichtet. Im letzten halben Jahr auf Schalke hat Badstuber keine Bäume ausgerissen, so dass ich, ähnlich wie es Jan Schindelmeiser auch gewesen sein soll, sehr skeptisch bin, ob uns dessen Verpflichtung weiter bringt.

Entweder man vertraut der bisherigen Innenverteidigung bedingungslos und baut sie auf, oder man holt jemanden, der sofort unumstrittener Stammspieler werden soll. Dann aber präsentiere ich keine halbgare Lösung mit einem Spieler, bei dem man nach jedem Zweikampf Angst haben muss, dass er liegen bleibt und länger ausfällt.

Auf dem Fan-Abend letzte Woche Freitag in Neustift im Stubaital hatte ich Gelegenheit, mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und e.V.-Präsidenten Wolfgang Dietrich zu sprechen.

Eine Sache brannte mir unter den Nägeln, nämlich, jener Artikel von Gunter Barner in den Stuttgarter Nachrichten vom 18.07.2017, in dem er, damals zur allgemeinen Verwunderung, von atmosphärischen Störungen zwischen Schindelmeiser und den AG-Kollegen berichtete.

Ich fragte ihn also direkt, ob etwas dran sei und ob man sich um Jan Schindelmeiser sorgen müsse. Dies verneinte er! (!)

Ich war schon auf einigen Fan-Abenden und hänge meist Dinge, die ich dort erfahre, nicht an die große Glocke. Über Kevin Großkreutz in Lagos, kein Wort, Ehrenwort! ;-) .

Aber hier, sorry für die deutlichen Worte, fühle ich mich jetzt doch verarscht. Ich bin bei weitem nicht so blauäugig zu glauben, dass man mir bei solchen Anlässen alles auf die Nase binden würde, aber, es gibt diplomatischere Kandidaten, Veh war zum Beispiel so einer, die, wenn es ans Eingemachte geht, eben sagen, „darüber kann ich nichts sagen“ oder einen zwischen den Zeilen an seinen Gedanken teilhaben lassen.

Barner kanzelte er im Gespräch ab, „der habe zwei, drei Spielerberater angerufen, die momentan beim VfB nicht zum Zuge kämen und daraus sei dieser Artikel resultiert. Es wäre normal, dass auch mal kontrovers diskutiert werden würde, am Ende zögen jedoch alle an einem Strang.“

Danach erkundigte ich mich noch nach dem Stand der Verpflichtung eines neuen Innenverteidigers bzw. ob auf jeden Fall noch einer kommen würde. Das relativierte er und meinte, man wolle Jungs wie Pavard (dessen großartiger Dankespost an Jan Schindelmeiser hier https://www.facebook.com/BenjaminPavardOfficial/posts/1336949399734018) und Baumgartl den Weg nicht um jeden Preis versperren und sie in ihrer Entwicklung bremsen. Ich fragte dann, ob Hannes Wolf das genau so sieht, was er bejahte und mich beruhigte!

Dietrich brachte dann von sich aus den Namen Neven Subotic ins Spiel, den viele fordern würden, den er aber nicht wolle, weil er vermutlich zu satt sei und bereits fast alles gewonnen habe. Der VfB brauche hungrige Spieler, die Mentalität mitbringen und sich mit dem Verein zu 100% identifizieren.

Irgendwie plausibel, zumal ich, siehe oben, auch in der jetzigen Besetzung keine übergroßen Bauchschmerzen bekäme. Plausibel zumindest dann, wenn nicht eine Woche später Holger Badstuber als die neue Innenverteidiger-Hoffnung präsentiert worden wäre. Der hat noch mehr gewonnen als Subotic, ist gleich alt, nur um einiges verletzungsanfälliger. Ob Schindelmeiser Badstuber unbedingt wollte und Dietrich nicht, oder umgekehrt, da gehen die Berichte auseinander. Selbst, sollte Schindelmeiser sich durchgesetzt haben und ihn gegen den Willen des Aufsichtsratsvorsitzenden geholt haben, wäre zu hinterfragen, weshalb Schindelmeiser dann nicht vorher entlassen wurde, wenn sich daran der Streit entlud. Eine klare Linie jedenfalls sieht anders aus!

Hätte ich mir also sparen können, das Gespräch, aber, hinterher ist man halt immer schlauer. Über die Gründe des Rausschmisses wird man wohl nie die Wahrheit, vor allem die von beiden Seiten, erfahren, so dass uns Fans und Bloggern nichts anderes übrig bleibt, fleißig mit zu spekulieren, zumal das Vertrauen in die Vereinsführung auf einem neuerlichen Tiefpunkt angekommen ist.

Mein Eindruck über diesen Präsidenten verfestigt sich immer mehr. Er, der Kandidat des Aufsichtsrats musste kommen, um die Ausgliederung durchzudrücken und mit eisernem Besen zu kehren, stets im Interesse der Sponsoren und damit in erster Linie denen von Daimler Benz. Die Schindelmeiser zur Last gelegten Alleingänge können auch in die Richtung interpretiert werden, dass sich so mancher auf den Schlips getreten fühlte, weil er nicht bis ins letzte Detail in die Vorgänge involviert war.

Schindelmeiser soll es auch sauer aufgestoßen sein, dass Dietrich so offensiv verkündet, man wolle schon bald die Nummer drei in Deutschland hinter den Bayern und dem BVB sein und in sehr naher Zukunft bereits die Championsleague-Plätze anpeilen. Natürlich sitzt es in einem Geschäftsmann drin, dass man sich hehre Ziele setzen muss, um überhaupt welche zu erreichen. Doch, da trennt sich nun mal die Spreu vom Weizen. Schindelmeiser kommt aus dem Fußball und weiß, dass man als Aufsteiger erst einmal gut daran tut, kleinere Brötchen zu backen. Der letzte Präsident, der von der Championsleague träumte, „führte“ uns schließlich in die 2. Liga.

Für mich hat Schindelmeiser bis dato alles richtig gemacht. Auch die Philosophie, mit hochkarätigen Leihspielern, die man sonst nicht bekommen würde, eine schlagkräftige Truppe zu formen, ist für mich so lang legitim, so lang der Trainer dazu bereit ist, jedes Jahr ein neues Team zu formen. Da es Hannes Wolf offensichtlich eine große Freude bereitet, mit jungen entwicklungsfähigen Spielern zu arbeiten und sie von Tag zu Tag besser zu machen, sehe ich nichts Verwerfliches daran, hungrige Spieler auszuleihen.

Insgesamt stelle ich Schindelmeiser daher ein herausragendes Arbeitszeugnis aus und stelle fest, dass er im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten das Beste für den VfB herausgeholt hat. Seine ruhige Art, seine Geduld, seine Politik der kleinen Schritte wirkten wohltuend auf mich nach dem Größenwahn der letzten Jahre. Schindelmeiser war der Einzige, dem man blind sein Geld anvertrauen hätte können und bei dem man sich sicher sein konnte, dass er verantwortungsvoll damit umgeht.

In der endlosen Ausgliederungsdebatte waren Hannes Wolf und er das Faustpfand, wie oft hörte man im Vorfeld der Abstimmung Stimmen wie „der schmeißt die Kohle nicht zum Fenster raus“. Ich warnte, wie die anderen Ausgliederungskritiker auch, nicht zu kurz zu denken und die Entscheidung für oder wider Ausgliederung nicht an derzeit handelnden Personen festzumachen, weil diese schneller weg sein könnten, wie man gucken kann. Ich schrieb damals, “dieser Vereinsführung traue ich nicht über den Weg” und fühle mich heute (leider) so etwas von bestätigt.

Wie jetzt deutlich wurde, wurde Schindelmeiser mit Kalkül vor den Ausgliederungskarren gespannt, um ihn kurze Zeit später zu entlassen. Dass die Zerwürfnisse nicht von jetzt auf gleich entstanden sind sondern schon seit dem Winter schwelen, hat der offenbar von Vereinsseite offenbar gut unterrichtete Gunter Barner ja geschrieben.

Viele, die pro Ausgliederung gestimmt haben, fühlen sich nun vor den Kopf gestoßen, siehe nur die bislang knapp 2.500 Kommentare auf der VfB-Facebook-Präsenz unter dem Infopost zur Entlassung von Schindelmeiser.

Auf uns Kritiker wollte ja keiner hören, wenigstens muss ich mir selbst jetzt nicht den Vorwurf machen, mich von der Euphoriewelle und gerade einmal bis zur Abstimmung elf Monaten vernünftigen Wirtschaftens geleitet lassen zu haben.

In der Ausgliederungsdebatte hatte ich Vergleiche zu Trumps Wahlkampf in den USA gezogen, „make VfB great again“. Die VfB-Veranstaltungen wirkten wie Jubel-Wahlkampfpartys, gekrönt von der außerordentlichen Mitgliederversammlung, die statt einer ernsthaften Debatte zu einem wichtigen Thema zu einer Aufstiegs-Nachfeier verkam. Ich bekomme heute noch Schaum vor den Mund, wenn ich an diesen Tag zurückdenke.

Nun geht es gerade so im Trump-Style weiter, indem man Personal, das einem zu groß und zu unbequem wird, von heute auf morgen vor die Tür setzt und Kritiker wie kleine Jungen da stehen lässt.

Den Vorwurf, dass Schindelmeiser zuletzt mehr und mehr eine One-Man-Show betrieben habe, kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich bezweifle jedoch, dass das das Gremium, das den Daumen schließlich senkte, uneingeschränkt konnte, so dass unterm Strich eine persönliche Geschichte zwischen Dietrich und Schindelmeiser zu vermuten ist, aus deren Machtkrieg nun mal Dietrich als Sieger hervorgeht.

Dass Schindelmeiser erst im Juli und nicht schon nach der Aufarbeitung der letzten Saison und vor Beginn der heißen Phase des Transfermarkts demontiert wurde, hat eine logische Erklärung! Zunächst einmal musste mit ihm noch die Ausgliederung durchgedrückt werden, danach bestand eine einmonatige Frist, in der gegen die Ausgliederung hätte geklagt werden können. Nachtigall, ick hör dir trapsen.

Jan Schindelmeiser hatte noch Vertrag bis 2019, so dass den VfB die Entlassung einiges an Abfindung kosten dürfte, Geld, das anderer Stelle fehlt.

Bereits heute wurde Schindelmeisers Nachfolger verkündet. Es handelt sich um keinen geringeren als Michael Reschke, DAS Superhirn schlechthin bei den Bayern und mit einem exzellenten Ruf ausgestattet. Bevor er von den Bayern abgeworben wurde, war Reschke zehn Jahre lang Manager bei Bayer 04 Leverkusen und dort für zahlreiche namhafte Transfers verantwortlich.

Da Reschke seinen Dienst erst Ende August antreten wird, ist vorher auch kein Statement von ihm zu erwarten, wie er seine neue Aufgabe anzugehen gedenkt. Ich bin sehr gespannt, für welche Philosophie er stehen und wie sein Zusammenspiel mit Hannes Wolf aussehen wird. Ich hoffe, es „funkt“ zwischen beiden, nicht dass uns in Kürze noch ein Trainerwechsel ins Haus steht.

Bislang war Reschke eher der Mann, der im Hintergrund die Strippen zog. In Leverkusen war Rudi Völler der Front-Man, bei den Bayern Sammer. Hier wird es spannend werden, wie er sich im Rampenlicht geben wird, das, wie man hört, ja nicht so Seines sein soll.

Zudem muss Reschke beim VfB aus wenig viel machen. Diese Philosophie verinnerlichte Schindelmeiser wie kaum ein zweiter. Reschke war bislang verwöhnt von Bayer- und Bayern-Millionen, so dass es mich nicht beeindrucken kann, wenn er es hinbekam, Leno und Schürrle zu Bayer oder Douglas Costa zu den Bayern zu transferieren.

Gibt es eigentlich im Netz irgendwo einen Ausgliederungszähler? Von den 41,5 Millionen Euro, die man vom Daimler erhielt, dürfte nach Abzug der Renovierungsarbeiten am Clubgelände, den Transfers, der Schindelmeiser-Abfindung und dem Reschke-Gehalt nicht mehr viel übrig sein. Reschke, den Guardiola gerne zu Manchester City mitgenommen hätte, war sicherlich nicht billig zu haben. Möglicherweise wird gar noch eine Ablösesumme an die Münchner Bayern fällig. Man wäre geneigt zu sagen, dieser Schuss muss jetzt sitzen. Doch, wir haben ausgegliedert, die Musik spielt in der AG und dort hackt eine Krähe der anderen kein Auge aus. So wird es eben jetzt mal mit Reschke versucht, der sich selbst als Teamplayer beschreibt und es ja beherzigen sollte, Papa Wolfgang stets auf dem Laufenden zu halten, wenn nicht, wird dieser nämlich sauer und die AG hat die nächste Abfindungsforderung an der Backe. Manche Dinge ändern sich halt nie!

Noch immer bin ich nur entsetzt darüber, wie man zwei Wochen vor Bundesligabeginn ein solches Fass aufmachen und das Sportliche weit in den Hintergrund rücken kann. Ich hoffe, das Team um Hannes Wolf sieht dies professionell und lässt sich nicht davon beeindrucken. Nicht, dass er eines Tages, zermürbt vom Irrenhaus VfB, auch noch den Bettel hinschmeißt.

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29. Juni 2017

Bye, bye, Alex!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , – Franky @ 08:20

Obwohl schon seit Jahren immer mal wieder damit zu rechnen war, dass Alexandru Maxim den VfB verlässt, schlug die Vollzugsmeldung seines Wechsels zum 1. FSV Mainz 05 dann doch ein wie eine Bombe.

Weite Teile der Fangemeinde sind empört, den besten Fußballer in Reihen des VfB für vergleichsweise schlappe drei Millionen Euro Ablöse zu einem direkten Ligakonkurrenten ziehen zu lassen. Vielen klingen dabei noch die Versprechungen der Ausgliederungs-Propaganda in den Ohren, dass es im Falle einer Ausgliederung wieder gelänge, Spieler zu halten und man nicht gezwungen sei, diese aus wirtschaftlichen Beweggründen zu verkaufen.

Wenn man sieht, wie selbst Top-Spieler bei Top-Vereinen, wie derzeit zum Beispiel Lewandowski und Aubameyang, den Aufstand proben und ihren Abgang provozieren wollen, wird deutlich, dass es sich bei o. a. Aussagen um Wählerfang handelte und diese in der Realität nicht einhaltbar sind.

Beim Verkauf von Alexandru Maxim handelt es sich jedoch nicht um eine wirtschaftliche Notwendigkeit, man wollte den Spieler schlicht nicht um jeden Preis halten! Und warum? Darum! Hannes Wolf steht auf andere, laufstärkere, Spielertypen, die reinen „10er“ sterben im modernen Fußball mehr und mehr aus. Ich hatte kürzlich noch geschrieben, dass es gut sei, einen wie Maxim in der Hinterhand zu haben, weil er als Einwechselspieler schnell auf Betriebstemperatur ist und die Fähigkeit hat, einem Spiel in kürzester Zeit seinen Stempel aufzudrücken. In dieser Rolle war er in dieser Saison wertvoll, in dieser war er auch 2015 unter Huub Stevens DER Trumpf im Abstiegskampf, unvergessen sein geniales Zuspiel auf Daniel Ginczek in Paderborn.

Doch auf Dauer wollte und konnte Maxim sich mit der Joker-Rolle nicht anfreunden. Er war bitter enttäuscht, dass er nach Didavis Abgang zwar die „10“ auf dem Rücken trug, dies jedoch für sein Empfinden zu oft nur auf den Recaro-Sitzen der Ersatzbank. Nach außen blieb er zwar ruhig, innerlich brodelte es aber mit Sicherheit gewaltig. Schon deshalb, um kein unnötiges Pulverfass in die neue Saison hinein zu schleppen, ist die Trennung zum jetzigen Zeitpunkt richtig.

Meist nur mit Wut im Bauch, zeigte er, was in ihm steckt, so zuletzt nach Manés Verletzung im Aufstiegskampf. Da war er, nach einer Phase, in der er wochenlang nicht einmal im Kader stand, DER Hoffnungsträger und hat die Erwartungen erfüllt. Ein Tor wie jenes in Bielefeld machen ganz wenige Fußballer, besondere Fähigkeiten spreche ich ihm daher auch gar nicht ab. Ansonsten lieferte er seine besten Spiele meist als Joker ab.

Sein großes Manko während seiner VfB-Zeit war, dass er es nie schaffte, Konstanz in seine Leistungen zu bringen. Hannes Wolf sprach es schon kurz nach seiner Amtsübernahme an, dass sich Maxim zu lang an guten Szenen berauschen und danach zu wenig am Spiel teilnehmen würde. Diesen Schlendrian trieb ihm keiner seiner vielen Trainer (Labbadia, Schneider, Stevens, Veh, Stevens, Zorniger, Kramny, Luhukay, Janßen, Wolf) aus. In seinen viereinhalb Jahren beim VfB absolvierte Maxim von 153 möglichen Spielen gerade einmal 116, wovon er nur in 75 vom Kicker überhaupt benotet werden konnte und es dabei auf einen eher mäßigen Schnitt von 3,5 brachte.

Da Hannes Wolf ein Trainer ist, der keine Stammplatzgarantien ausspricht und bei dem man sich Tag für Tag im Training neu beweisen und aufdrängen muss, wählte Alexandru Maxim (mal wieder) den Weg des geringsten Widerstands und ergreift lieber die Flucht. Wenn etwas aus den viereinhalb Jahren Maxim beim VfB hängen bleibt, außer dass er tatsächlich ein begnadeter Fußballer ist, dann doch das, dass immer dann, wenn es für ihn schwierig wurde, sein Berater Herbert Briem auf der Matte stand und man, wie bspw. in Lagos 2015, täglich mit der Meldung seines Abgangs rechnen musste.

Maxim kam als junger Kerl zum VfB in ein fremdes Land, in eine neue Welt. Da Profifußballer meist verhätschelt werden und ihnen fast alles abgenommen wird, sah er sich nicht einmal veranlasst, die Sprache seiner neuen Heimat richtig zu erlernen. Natürlich wird beim VfB entgegnet werden, er „verstehe alles ganz gut“, doch ich finde, das ist ein bisschen wenig. Bringt man sich in einer neuen Umgebung ein, passt man sich den Gepflogenheiten an und versucht in der Landessprache zu kommunizieren. Nach viereinhalb Jahren müsste diese auch bei einem durchschnittlich begabten Menschen sitzen.

Sieht sich einer dazu partout nicht genötigt, erweckt er nach außen unweigerlich den Eindruck, auf gepackten Koffern zu sitzen und den VfB nur als eine Durchgangsstation anzusehen. Daher sehe ich den Abgang von Maxim recht emotionslos und werde ihm sicherlich auch keine Träne nachweinen. Das ist das Geschäft, da sind selbst viereinhalb Jahre „Vereinstreue“ nicht mehr ganz so selbstverständlich. Spieler kommen und gehen, der VfB Stuttgart, das sind wir!

Dass bei Maxim zudem der Lebenswandel nicht immer dem eines Muster-Profis entsprochen hat, tut in der Nachbetrachtung und bei der Ursachensuche, weshalb ihm der ganz große Durchbruch beim VfB verwehrt blieb, sein Übriges. Als Feierbiest, jüngst bei der Aufstiegsparty tanzend und mit der Bierflasche in der Hand in seinem Element befindlich, trat er gerne in Erscheinung, weshalb ihm vermutlich die Kondition auf dem Platz fehlte und er, wenn er denn von Beginn an ran durfte, in der zweiten Halbzeit stets abbaute und nur noch selten etwas von ihm zu sehen war.

Zudem verhindert sein Phlegma den Schritt zu einem Spitzenspieler. Er erweckt einen für sein Alter sehr unselbständigen Eindruck und bräuchte den regelmäßigen Arschtritt, um von seiner Selbstverliebtheit wegzukommen.

Er ist einer jener Spielergeneration, die in jungen Jahren ein Schweinegeld „verdient“ und es überhaupt nicht einsieht, mehr zu machen, um sich stetig zu verbessern. Er lebt auch so seinen Traum sich alles leisten zu können und nebenher noch ein wenig Fußball zu spielen. Tagsüber ein fettes Auto zu fahren und nachts der Partykönig zu sein, das genügt vielen Profis heutzutage, die dann den nächsten Schritt eben nicht schaffen. Dieses Phänomen soll selbst schon bei unseren Amateuren, natürlich im kleineren Stil, um sich gegriffen haben, so dass man sich auch nicht zu wundern braucht, dass seit Jahren nichts nachkommt. Erst seit Schindelmeiser und Wolf das Zepter schwingen, wird auch da wieder leistungsorientierter gearbeitet und es findet eine regelmäßige Auslese statt. Diese Mentalität, der, wenn man es hart ausdrückt, Leistungsverweigerung, zog sich (zu) lange durch den Verein, so dass es nur logisch ist, sich auch von topbegabten Spielern zu trennen, die es an der Einstellung vermissen lassen.

Maxim steht mit dem Wechsel zum selbsternannten Karnevalsverein am Scheideweg. Die Luftveränderung wird ihm sicher gut tun, es ist ihm zu wünschen, dass er erkennt, worauf es ankommt und nicht einfach wie bisher weiter macht. Die Mainzer werden sich sicherlich um ihn kümmern müssen und dürfen ihn nicht sich selbst überlassen. Hat er eine Vertrauensperson im Verein, die ihm zum richtigen Zeitpunkt die Leviten liest und zu gegebener Zeit auch Streicheleinheiten zukommen lässt, könnte Mainz sehr viel Freude an ihm haben.

Mainz dürfte Maxims letzte Chance sein durchzustarten und sich für in eine tragende Rolle in der rumänischen Nationalmannschaft zu empfehlen. Auch dort spielte er bislang nur eine Nebenrolle! Es liegt einzig und allein an ihm, was er noch aus seiner Karriere herausholt. Die fußballerischen Fähigkeiten hat er in jedem Fall, bei allem anderen, was dazu gehört, hapert es gewaltig.

Sein herzliches Naturell und seine kindliche Freude werde ich sicherlich ein wenig vermissen, sehe es aber positiv, dass Schindelmeiser und Wolf bei keiner Personalie groß herumeiern, sondern Tatsachen schaffen (wie bei Großkreutz und einigen weiteren Abgängen ja auch).

Ich kann es mir durchaus vorstellen, dass Maxim in Mainz einschlägt, was jedoch nicht automatisch bedeuten würde, dass dies beim VfB genauso gewesen wäre. In Stuttgart war viel eingefahren um nicht zu sagen zerfahren, in Mainz hingegen hat Maxim die Chance zu einem radikalen Neubeginn, und kann unbelastet in einem neuen Arbeitsumfeld starten.

Eigentlich ist es ein Jammer, wie wenig er beim VfB aus seinen Möglichkeiten gemacht hat. Wenn viele dem VfB jetzt mangelnde Dankbarkeit ihm gegenüber vorwerfen, bin ich eher verärgert darüber, dass er so selten funktioniert hat, wie man es bei seinem Gehalt hätte erwarten können müssen.

Viele seiner Fans argumentieren zum Vorwurf, dass er kein Trainingsweltmeister sei und gerne mal nachts um die Häuser zieht, dass dies ja egal wäre, wenn denn die Leistung auf dem Platz stimmt. Zum einen hat die Leistung zu selten wirklich gestimmt, zum anderen lebt der Mannschaftssport von Regeln, an die sich JEDER zu halten hat. Der Trainer bekommt schnell ein Autoritätsproblem, wenn er immer nur bei den gleichen ein Auge zudrückt.

Über die Höhe der Ablöse, für die man im heutigen Fußball kaum ein vielversprechendes Talent bekommt, kann sicher diskutiert werden. Auf der anderen Seite spart sich der VfB sein beträchtliches Gehalt und Maxim macht Platz für einen unverbrauchten Neuzugang. Nüchtern betrachtet ist Maxim als Zweitliga- und nur sporadischer rumänischer Nationalspieler auch nicht mehr wert.

Viele Fans schmerzt sein Abgang für dieses Nasenwässerchen auch in erster Linie deshalb, weil Maxim Publikumsliebling war und mit seinem Lächeln vor allem die Damenwelt zu verzaubern wusste. Dass er seine Rolle, zumindest nach außen, scheinbar klaglos hingenommen, nie ein schlechtes Wort über den VfB und seine Fans verloren hat und dem VfB auch nach dem Abstieg treu geblieben war, wird ihm (zu Recht) hoch angerechnet.

Nach wie vor habe ich vollstes Vertrauen in Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, dass sie uns in eine erfolgreichere Zukunft führen werden. Daher beteilige ich mich auch nicht an der aufkommenden Panik, weil noch fast keine Neuzugänge unter Dach und Fach sind.

Der Transfermarkt ist derzeit überhitzt wie noch nie. Selbst Spieler von den allergrößten Vereinen proben den Aufstand, um für ein Vielfaches ihres ohnehin schon viel zu hohen Verdienstes, die Farben zu wechseln. Hier gilt abzuwarten, wer tatsächlich auf die Insel oder nach China wechselt und welche Vereine dann erst einmal Ersatz benötigen. Da ist dann eher noch zu befürchten, dass uns Korsettstangen, die für die neue Saison fest eingeplant waren, weg gekauft werden.

Von oben nach unten werden sich die Vereine bedienen, so dass sich der VfB zunächst hinten anstellen muss, zumindest, wenn es um bekannte, erfahrene Spieler geht. Richtig Bewegung in den Transfermarkt dürfte kommen, wenn die U21-EM und der Confed-Cup beendet sind und die Vereine nächste Woche ihre Arbeit wieder aufgenommen haben. Ich hoffe es zwar, dass bis zum Trainingsauftakt noch das eine oder andere neue Gesicht präsentiert wird, verliere aber auch nicht die Nerven, wenn dem nicht so ist. Das Transferfenster ist bis Ende August geöffnet, ich habe vollstes Vertrauen in Jan Schindelmeiser, dass wir spätestens bis dahin eine konkurrenzfähige Truppe am Start haben werden.

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26. Mai 2017

“Nein zur AG” heißt nicht #neinzumerfolg

Nach dem „So gut wie Aufstieg“ in Hannover durch das Bielefelder 6:0 gegen Eintracht Braunschweig, machte der VfB am Sonntag gegen die Würzburger Kickers erwartungsgemäß sein Meisterstück. Dem Schlusspfiff folgten Platzsturm und eine rauschende Feier auf dem Wasen, der ich, wie wohl viele andere auch, wegen der befürchteten Überfüllung gleich von selbst fern geblieben bin.

Jedoch muss ich auch zugeben, dass ich wegen des Aufstiegs nicht in eine allzu große Euphorie verfallen bin und auch nicht das Bedürfnis hatte, ein Stück Rasen oder einen Torpfosten mitzunehmen oder gar die „Aufstiegshelden“ zu herzen. Einige davon sind immerhin auch die Versager des Vorjahres, die lediglich mitgeholfen haben, zu reparieren, was über all die Jahre kaputt gegangen ist.

Die Aufstiege von Hannover 96 und vom VfB waren reine Pflichterfüllung, alles andere als der Aufstieg wäre in beiden Städten schlicht nicht zu vermitteln gewesen. Der finanzielle Vorsprung vor dem Rest der Liga war einfach zu gewaltig, um erneut ein Übergangsjahr zu gestatten. Zudem war in dieser 2. Liga kein Team, wie noch im Vorjahr Red Bull Leipzig, mit von der Partie, welches mit unlauteren Mitteln gekämpft hätte. Daher war es eher überraschend, dass bis zum letzten Spieltag noch kein Aufsteiger definitiv fest stand und letzte Restzweifel noch ausgeräumt werden mussten.

Dabei möchte ich die 2. Liga nicht kleiner reden, als sie ist. Auch dort wird ordentlicher Fußball gespielt, die meisten Vereine und Fanszenen habe ich im Laufe des Jahres ohnehin in mein Herz geschlossen, und dennoch, ein Blick auf das Budgetranking allein genügt, um zu erkennen, dass Hannover 96 und der VfB finanziell in einer anderen Liga spielten.

Der VfB schloss die Saison also als Meister ab und bekam als Lohn die „Radkappe“ überreicht. Schmückt dieser Titel alsbald noch unseren Briefkopf wäre dies der Gipfel der aufgesetzt wirkenden Euphorie. Als Fan begleitet mich derzeit eher Wehmut, diese tolle Liga nach nur einem Jahr schon wieder verlassen zu müssen.

Für den Verein war der Aufstieg jedoch überlebensnotwendig, um nicht Gefahr zu laufen, den Anschluss nach oben völlig zu verpassen und ein „normaler“ Zweitligaverein zu werden wie bspw. Fortuna Düsseldorf, VfL Bochum, 1. FC Kaiserslautern und mittlerweile auch der 1. FC Nürnberg. Zukünftig spielen wir also wieder mit im Konzert der Großen und die Intention der Vereinsführung ist es, den zweiten vor dem ersten Schritt tun zu wollen.

Anstatt sich zunächst einmal wieder zu etablieren, möchte man mit den Daimler-Millionen den Großangriff nach oben starten. Dafür wurde für kommenden Donnerstag (01.06.) eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt, um im Zuge (der erhofften) Euphorie die Ausgliederung durchpeitschen zu können.

Euphorisch mögen die Selfie-Knipser auf dem Rasen gewesen sein, ich war es nicht und, wäre ich es gewesen, wäre meine Euphorie seither schon wieder längst verflogen.

Bereits am Tag nach dem Aufstieg, kaum trocken von den Bierduschen, wurde publik, dass Controller Heim und Trikotverkäufer Röttgermann, zwischen Dutts Entlassung und Schindelmeisers Amtsantritt so etwas wie die letzten Mohikaner in der Vereinsführung, Simon Terodde eine Ausstiegsklausel in den Vertrag drucken ließen, die es ihm erlaubt, für die festgeschriebene Ablösesumme von sechs Millionen Euro den Verein bis zum 31.5. verlassen zu können.

Unser Aufstiegsgarant also vor dem Absprung? Knallhart holte uns somit die Bundesligarealität schon wenige Tage nach dem Aufstieg ein, nämlich, dass wir im Vergleich zu etablierten Bundesligisten doch nur ein kleines Licht sind und in Sachen Gehaltsangeboten auch mit Vereinen aus der Tabellenmitte nicht mithalten können. Einige fühlten sich in diesen Diskussionen bestätigt, der VfB brauche die Ausgliederung schon deshalb, um einen wie Terodde halten zu können. Ich sage, beim zunächst kolportierten Vertragsangebot von Borussia Mönchengladbach, 4-Jahresvertrag für einen 29-jährigen und 6 Millionen Euro Jahresgehalt, mitzubieten, wäre wahnwitzig gewesen, egal wie viel man auf dem Konto hat. Natürlich verleitet es, je mehr Geld man zur Verfügung hat, auch unvernünftige Sachen zu machen, doch, wollen wir das wirklich?

Wenn ich schon nicht sonderlich euphorisch war, ob des zu erwartenden Aufstiegs, gefallen haben mir die „ERSTKLASSIG“-T-Shirts schon, mit denen die Jungs zusammen mit den Fantastischen Vier auf der Bühne des Cannstatter Wasens herumgehüpft sind. Der Slogan „ERSTKLASSIG“ ist zwar nicht sonderlich der Rede wert, waren wir doch die meiste Zeit der Vereinsgeschichte erstklassig, aber, sei’s drum. Einen Aufstieg erlebt man trotzdem nicht alle Tage, so war ich gewillt, mir dieses Shirt für stolze 20 Euro zu gönnen.

Dann allerdings das böse Erwachen: einen Tag nach dem Aufstieg (und bis heute) war dieses Shirt im Online-Shop auf der VfB-Seite nur in extrem kleinen Größen bestellbar. Es ist ja auch nicht so, dass man in seinem Online-Shop unbegrenzt Bestellungen annehmen und nach Auftragseingang produzieren lassen könnte, nein, beim VfB ist in einem solchen Fall die Bestellung überhaupt nicht möglich! Für mich wäre das Shirt JETZT interessant gewesen, nach der Terodde-Ernüchterung und wohl erstrecht nach der Mitgliederversammlung ist es das wohl nicht mehr.

Ich habe mir zwar sagen lassen, im Shop sei das Shirt in rauen Mengen und sämtlichen Größen verfügbar, doch, manchmal kommt man einfach nicht „runter“ und zahlt dann lieber die Versandkosten, um ein Produkt bequem nach Hause geliefert zu bekommen. Ein wirkliches Argument ist die Verfügbarkeit vor Ort ohnehin nicht, in Anbetracht der vielen auswärtigen Fans, die schon gar nicht die Möglichkeit haben, den Shop außerhalb von Spieltagen zu besuchen.

Solang der VfB nicht in der Lage ist, die bei vielen Fans existente Euphorie in bare Münze umzuwandeln, frage ich mich, weshalb man dem Verein mehr Geld in die Hand geben sollte. Um solche Versäumnisse zu kaschieren? Der VfB hat durchaus, auch ohne die Daimler-Millionen, noch längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft, um mehr Geld als bisher einzunehmen.

Nicht nur aus diesem Grund steht es mittlerweile fest, dass ich am kommenden Donnerstag für „Nein“ stimmen werde. Es ist die Art des „Wahlkampfs“, die mir so sauer aufstößt. Je mehr Skeptiker, als solche hingestellt werden, die „nein zum Erfolg“ sagen würden, je mehr Vorbehalte gegen die Ausgliederung, wie sie vollzogen werden soll, ganz im Trump-Stil als „Fake-News“ abgetan werden, desto mehr wächst mein Misstrauen, desto mehr bin ich mir sicher, dass wir unser blaues Wunder erleben würden, wenn denn mit „Ja“ gestimmt wird.

Es ist natürlich gutes Recht vom VfB, seine Position als die einzig wahre darzustellen, wenn er derart vom eigenen Konzept überzeugt ist. Solang er aber lediglich seine Position propagiert und keinerlei Informationen zu Alternativen mit deren Fürs und Widers zur Entscheidungsfindung an die Hand gibt, darf er sich nicht wundern, wenn man sich anderer Quellen bedient und der Vereinsführung und deren Propaganda kein Wort mehr glaubt.

Die Propaganda nimmt dabei immer groteskere Züge an. Dass ein Vereinsangestellter wie Thomas Hitzlsperger für das Vorhaben des Vereins wirbt und dass der Aufsichtsrat Hermann Ohlicher sich fürs neu zu wählende Gremium in Stellung bringen lässt, verständlich.

Wenn jedoch zudem ein Sami Khedira vor den Propaganda-Karren gespannt wird, ist das für mich an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Wir stehen vor einer ernsten Entscheidung, die genau abgewogen gehört und zu der die Mitglieder gut beraten wären, sich eingehend zu informieren.

Da gehört es sich einfach nicht, Vereinsikonen als Stimmungsmacher zu missbrauchen und dadurch Stimmenfang betreiben zu wollen. Ich würde gerne einmal von Sami Khedira wissen, inwieweit er sich nach dem Gewinn der Coppa Italia und des Scudetto und mitten in den Vorbereitungen für das große und alles überstrahlende Champions League Final gegen Real Madrid mit den Auswirkungen der Ausgliederung befasst und sich in die Materie eingelesen hat.

Den Gegnern der Ausgliederung wird von den Befürwortern, weil ihnen echte Argumente fehlen, meist vorgeworfen, Ewiggestrige oder Ultras zu sein. Ich bin weder Fortschritt nicht aufgeschlossen, noch ein Ultra und dennoch dagegen, am Donnerstag dem Vorhaben des Vereins zuzustimmen.

Dass der e. V. in der derzeitigen Form für Profivereine bald ausgedient hat und irgendwann auch nicht mehr zulässig sein dürfte, dem verschließe ich mich nicht. Schon aufgrund dieser Tatsache bin ich kein „e. V.-Verfechter“, sondern sehe die gewählte Rechtsform der AG als diskussionswürdig an.

Es gäbe andere Formen, durch die sowohl den Steuergesetzen als auch neuer Möglichkeiten von Kapitalbeschaffung Rechnung getragen würde. Das Commando Cannstatt 97 hat die Alternativen was die Rechtsform angeht fundiert beleuchtet unter http://www.cc97.de/stellungnahme-zur-aomv und kommt zu dem Schluss, dass der VfB (und die Daimler AG) die Rechtsform der AG wohl in erster Linie deshalb gewählt haben dürfte, um dem Investor größtmöglichen Einfluss zu gewähren.

Auch auf die schwindende Möglichkeit der Mitbestimmung wird dabei eingegangen und zu dem Schluss gelangt, dass der Investor (bzw. die Investoren) im Aufsichtsrat in der Überzahl sein wird und das Mitglied eben nur noch bei belangloseren Entscheidungen weiterhin Mitspracherecht genießt.

Geht diese Ausgliederung durch, hinterfrage ich meine Mitgliedschaft auf jeden Fall und werde höchstwahrscheinlich aus dem Verein austreten. Meine Verbundenheit zum Verein bringe ich auch anders zum Ausdruck, der einzige „Vorteil“, den meine Mitgliedschaft dann noch mit sich brächte, wäre die vierteljährlich erscheinende Ausgabe von Dunkelrot. Als Dauerkarteninhaber, Allesfahrer und Fanclubmitglied ist für mich bspw. das Vorkaufsrecht auf Eintrittskarten völlig uninteressant und somit kein Grund, an der Mitgliedschaft festzuhalten.

Da der Verein durch sein Vorgehen eine unnötige Schärfe in die Debatte bringt, in „Gute und Schlechte Mitglieder“ unterteilt, sich selbst einen unnötigen Zeitdruck auferlegt und sich offensichtlich auch noch erhofft, Mitglieder durch materielle Anreize ködern zu können, bin ich mal gespannt, wie sich das Klima entwickelt, sollte der Ausgliederung die Zustimmung verweigert werden.

Das, was man bei Präsident Dietrich schon aufgrund seines ehemaligen Postens als Stuttgart21-Sprecher befürchtet hatte, nämlich, dass er die Mitglieder eher spaltet als eint, steht nun auf dem Prüfstand. Es wurden Horrorszenarien für den Fall einer Ablehnung gesponnen, auch Jan Schindelmeiser meinte in diesen Tagen, ohne Ausgliederung würde es „sehr schwer für uns“ werden.

Dabei fußt meine Hoffnung auf eine bessere Zukunft sehr auf der Kompetenz eines Jan Schindelmeiser, auch mit geringeren Mitteln erfolgreich wirtschaften zu können. Unser Problem in den letzten Jahren war ja auch nicht, dass zu wenig Geld vorhanden war, sondern, dass der VfB das sich selbst auf die Fahne geschriebene “Ausbildungsverein” auch bei der Ernennung der Sportdirektoren wörtlich nahm. Seit Rolf Rüssmann war kein Mann vom Fach mehr in dieser Position tätig. Von Übergangslösungen wie Briem/ Schneider über Heldt, den man vom Spielfeld direkt auf den Posten des Sportdirektors hob, über Fredi Bobic, seines Zeichens bis dahin als Dummschwätzer in der Krombacher Saufrunde tätig und als ehemaliger Einzelhandelskaufmann-Azubi bei Hertie prädestiniert für den Job, bis hin zu Robin Dutt, der zwar Trainer durch und durch war, als Sportdirektor beim DFB jedoch schon heillos überfordert war. Diese Personalentscheidungen auf der für ein Fußballunternehmen neben dem Trainer wichtigsten Position, haben uns schleichend dem Abgrund näher gebracht. In Folge dessen wurde auf falsche Trainer gesetzt, das Gehaltsniveau unverantwortlich angehoben, falsche Spieler geholt und dafür gesorgt, dass uns Koryphäen im Nachwuchsbereich fluchtartig verließen und inzwischen Leipzig noch größer machen, als die ohnehin schon geworden sind. Mit Jan Schindelmeiser haben wir erstmals seit langem einen Mann vom Fach, dessen Geschick bei Transfers er ja bereits in den 10 Monaten, in denen er beim VfB ist, unter Beweis gestellt hat.

Spannend dürfte es in jedem Fall werden, wie die „Verlierer“ der Abstimmung mit dem Ergebnis umgehen werden und ob es gelingt, die Fangemeinde dann wiederzuvereinen.

Mir erschließt es sich noch immer nicht, wie man am Tiefpunkt der Vereinshistorie Anteile verscherbeln kann und warum man das nicht tut, wenn man wieder in der Bundesliga Fuß gefasst hat und im besten Fall mal wieder international spielt. Dass die Qualifikation fürs internationale Geschäft noch immer durch gute, kontinuierliche Arbeit geschafft werden kann, bewies in der abgelaufenen Saison der 1. FC Köln.
Von Vereinsseite wird immer kommuniziert, der Daimler engagiere sich allein aus Verbundenheit zum Verein und verlange keinerlei Gegenleistung. In diesem Licht stelle ich mir die Frage, wie es kommt, dass der VfB jetzt als Aufsteiger über 300 Millionen Euro wert sein soll, wenn vor anderthalb Jahren, als der Verein 40 Jahre ununterbrochen Bundesliga gespielt hat, schon 180 Millionen Euro als zu hoch gegriffen erschienen.

Ist die Marke von 41,5 Millionen Euro, die der Daimler dem VfB sofort zur Verfügung stellen würde, ein „Zuckerle“ für die Mitglieder, um ja nicht auf die Idee zu kommen, „falsch“ abzustimmen?

Bei #vfbimdialog trat zutage, dass es sich bei den 300 Millionen Euro gar nicht um den derzeitigen Wert des Vereins handelt, sondern man diesen mit Hoffnungen in die Zukunft errechnet habe.

„Ja zum Erfolg“, besserer Tabellenplatz, dadurch mehr Fernseheinnahmen, dadurch exorbitantes Ansteigen der Merchandising- und Sponsoring-Erlöse, und, und, und. Siehe oben, gerade im Merchandising-Bereich genügt es meiner Ansicht nach, einfach besser zu werden, um brach liegende Potentiale zu nutzen. Das oben aufgeführte war nur eines von unzähligen Beispielen der jüngeren Vergangenheit, bei dem man nur den Kopf schütteln kann. Größen fallen höchst unterschiedlich aus, die Qualität ist nicht die beste und fehlende Verfügbarkeit führen dazu, dass mit Rabattgutscheinen um sich geschmissen wird, um die wütende Kundenschar zu besänftigen.

Die Errechnung eines Unternehmenswertes mit Hoffnungen in die Zukunft erscheint mir höchst fragwürdig. Was passiert denn, wenn diese Hoffnungen nicht eintreten? Was, wenn Jan Schindelmeiser mit seinen nächsten Transfers daneben liegt, Hannes Wolf im Herbst entlassen wird und wir dem neuerlichen Abstieg entgegen taumeln sollten? Sind dann die bislang lediglich feststehenden 41,5 Millionen Euro nicht nur die Anschub-, sondern auch die Endfinanzierung?

Ist das dann die Summe, für die wir uns letztlich in die Hände eines Investors begeben haben? Wer davon träumt, dass wir mit diesem Geld auf Anhieb in der Bundesliga oben mitspielen werden, ist ein Phantast. Es fließt zunächst nur ein Bruchteil in den Kader. Ein Großteil wird für die Sanierung der Trainingsplätze und des Clubheims benötigt, zudem soll der Jugend- und Scouting-Bereich weiter professionalisiert werden. Die restlichen 58,5 Millionen Euro, um die 100 mit weiteren Investoren voll zu machen, sind derzeit noch genauso unsicher wie der weitere sportliche Werdegang unseres VfB. Abstimmen tun wir also zunächst einmal über eine 41,5 Millionen Euro Finanzspritze.

Magnus Missel hat in seinem Blog unter https://dervfbblog.wordpress.com/2017/05/26/rueckblick_ausblick_blicksch-du-s-net/ einige von mir am Rande erwähnten zu hinterfragenden Punkte analytisch herausgearbeitet und wundert sich ebenso wie ich, weshalb plötzlich im Nachwuchsbereich ein so großer Renovierungsbedarf herrschen soll.

Der VfB rechnet diese 41,5 Millionen Euro zwar dem Eigenkapital zu, weil er diese unverzinst erhält. Das Geld soll in Beine und Steine investiert werden und ist demzufolge in Kürze weg. Was aber, wenn der Daimler von seinem theoretischen Recht Gebrauch macht und seine Anteile weiter veräußern möchte? Der VfB hat zwar die Möglichkeit, beim Weiterverkauf an einen Dritten sein Veto einzulegen und die Anteile selbst zurückzukaufen, doch, wie soll das funktionieren, wenn kein Geld mehr da ist? Es wurde zwar wohl ein Modell ausgearbeitet, die es dem VfB erlaubt, die Anteile „im Rahmen seiner Möglichkeiten“ vom Daimler zurückzukaufen bzw. abzustottern und doch würde uns dieses Szenario über Jahre belasten.

Was mir ferner Angst macht, ist, dass Jan Schindelmeiser bei #vfbimdialog gesagt hat, um mit den Emporkömmlingen der letzten Jahre, wie Hoffenheim und Leipzig, (finanziell) konkurrieren zu können, müsse sich unser Gehaltsvolumen von derzeit 25 Millionen Euro in den nächsten Jahren bis auf 100 Millionen Euro erhöhen.

Bei einem Kader von 20 Spielern hieße das, dass JEDER im Schnitt fünf Millionen Euro mit nach Hause nehmen würde. Ich dachte, wir hätten aus der Vergangenheit unsere Lehren gezogen und würden nicht noch einmal in die Championsleague-Falle tappen.

Persönlich habe ich ein Problem mit der Gehälterentwicklung im Profifußball und bin froh, dass der Verein sein Gehaltsniveau von ca. 60 Millionen in der Heldt-Ära auf jene 25 Millionen Euro heruntergefahren hat. Dieses darf sich auch gerne jetzt wieder auf ein Normalmaß für Bundesligaverhältnisse erhöhen. Normalmaß heißt für mich, dass die Ausgaben- die Einnahmenseite nicht übersteigt und wir keine Gehälter zu stemmen haben, die uns bei Misserfolg um die Ohren fliegen. Hier bin ich ganz Fußballromantiker und sage, man muss nicht jeden Irrsinn auf Teufel komm raus mitmachen.

Das Investment des Daimler und mutmaßlich weiterer Investoren fließt ja auch nicht jährlich sondern einmalig, so dass jeder Euro, der zusätzlich in die Taschen der Spieler fließt, an anderer Stelle wieder eingenommen werden muss. Sollten wir je mal wieder Champions League spielen, dürfen die Spieler gerne an den Einnahmen partizipiert werden, jedoch wäre ich vorsichtig, wie in der Vergangenheit, mit horrenden Grundgehältern in Vorleistung zu gehen, die einem die Luft zum Atmen nehmen, sollte der sportliche Erfolg ausbleiben.

Daher ist für mich noch immer Vernunft das oberste Gebot. Ich sehe als den Lauf der Zeit an, dass wir niemals alle Spieler werden halten können und es immer Vereine geben wird, die einem Spieler mehr bereit sind zu bezahlen als es der VfB tun sollte. Gibt man diesen Befindlichkeiten nach und macht die Preistreiberei gegen Vereine wie Hoffenheim und Leipzig mit, ufert das aus und weckt neue Begehrlichkeiten bei denen, die schon da sind. Auch hier gilt es langsam zu wachsen und nicht plötzlich das Geld mit vollen Händen hinaus- bzw. in den Rachen der Spieler zu werfen.

Das Stellen des Nachwuchsbereiches auf eigene finanzielle Beine ist für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung. Hier benötigt es Geduld, bis die erfolgten Umstrukturierungen den ersten Ertrag bringen. Durch Ungeduld und finanzielle Unvernunft würde der Druck gewaltig und unnötig erhöht werden, schnellen sportlichen Erfolg einzufahren.

Da freunde ich mich doch lieber mit dem „Freiburger Modell“ an und kalkuliere notfalls auch einen Abstieg mit ein, wenn die getroffenen Personalentscheidungen nicht ins Schwarze trafen oder ein Jahrgang aus dem Jugendinternat nicht die erhoffte Verstärkung für den Profifußball brachte. Freiburg ging aus seinem letzten Abstieg gestärkt hervor, indem man Leistungsträger gewinnträchtig verkaufen und die Mannschaft für die 2. Liga weitestgehend aus dem eigenen Nachwuchs und günstigen Neuzugängen rekrutierte. Die Transfererlöse wurden also überwiegend für schlechtere Zeiten auf die hohe Kante gelegt, so dass der SC derzeit liquider als der (große) VfB sein dürfte.

Auch der VfB konnte nach dem Abstieg hohe Transfererlöse erzielen, um den finanziellen Aderlass durch den Abstieg aufzufangen. Vor allem seit Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf hier sind, wird wieder vermehrt auf die Jugend gesetzt, was auch der Schlüssel für die meisten großen Erfolge der Vergangenheit war. Dieser Weg muss konsequent weiter gegangen werden. Hat man mal wieder ein absolutes Top-Talent wie Joshua Kimmich in den eigenen Reihen, muss dieses erkannt und gefördert werden und darf uns nicht noch einmal durch die Lappen gehen. Die vom Daimler versprochenen 41,5 Millionen Euro sind im heutigen Fußball-Business nicht mehr die Welt und könnten heute allein durch einen Verkauf eines Spielers wie Kimmich generiert werden, ganz ohne die Seele des Vereins zu verkaufen.

Der VfB ist ein Ausbildungsverein und wird meiner Ansicht nach auch einer bleiben (müssen). An die Mär, die uns die Vereinsführung in ihrem im „Sendung mit der Maus“-Style erstellten Erklärbär-Video weismachen möchte, dass wir durch die Ausgliederung wieder in der Lage sein würden, Spieler zu halten, glaube ich im modernen Fußball nicht. So gut wie jeder wird dorthin gehen, wo es mehr zu „verdienen“ gibt, fast immer gibt es für Spieler, die Begehrlichkeiten anderer Clubs geweckt haben, einen Verein, der über das vom VfB vertretbare Maß hinaus eine Schippe drauf legt, so dass es nur vernünftig ist, irgendwann aus den Verhandlungen auszusteigen.

Auch wenn ich ein Gegner der Ausgliederung in der zur Abstimmung stehenden Form bin, heißt das nicht, dass ich den VfB nicht auch gerne erfolgreich sehen möchte. Erfolg ist dabei jedoch relativ. Im letzten Jahrzehnt hat der VfB derart den Anschluss verpasst, so dass dieser auch mit einer 41,5 Millionen Euro Spritze nicht so schnell wieder hergestellt werden kann.

Der Aufstieg war ein erster Schritt. Wie die Fans den Verein auch in der 2. Liga unterstützt haben, war phänomenal. Das ist das Fundament, auf dem sich aufbauen lässt. Das Wissen um eine treue Fangemeinde, die dem Verein auch in schwierigeren Zeiten die Stange hält. Wunderdinge werden nach dem Wiederaufstieg die wenigsten vom VfB jetzt erwarten.

Der Verein muss sich weiter konsolidieren und nach zehn Jahren Misswirtschaft den Anschluss langsam wieder herstellen. Die einmalige Finanzspritze der Daimler AG würde zwar helfen, diesen Prozess zu beschleunigen, jedoch zu einem für mich zu hohen Preis, ohne Erfolgsgarantie und mit erheblichen Risiken!

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