26. November 2012

Bukarest 2012: In jeder Hinsicht legendär!

Ein Spiel jagt das Andere, so schnelllebig wie die Zeit ist, so hetzt man derzeit als Allesfahrer von Spiel zu Spiel. Daher ist es auch nicht immer ganz einfach, nebenher noch ausführliche Spielberichte zu liefern.

So folgten dem Spiel in Kopenhagen, von dem ich letztmals berichtete, die Auftritte gegen Hannover (2:4), in Mönchengladbach (2:1), in Bukarest (5:1) und in Freiburg (0:3). So wie sich diese Ergebnisse leben, so fühlt sich die Saison an. Wie eine Achterbahnfahrt. Waren wir in Bukarest noch am höchsten Punkt angelangt, folgte gestern die rasante Fahrt in den Abgrund. Um den Bukarest-Bericht dem Erlebten angemessen launig werden zu lassen, klammere ich Freiburg an dieser Stelle aus und komme darauf separat zurück.

Zu Hannover und Gladbach auch nur ein kleiner Abriss, da diese Spiele schon wieder sehr weit weg sind. Gegen Hannover spielte der VfB 45 Minuten einen begeisternden Fußball und Hannover fast an die Wand. Da Hannover wie der VfB auch donnerstags noch in der Europa League unterwegs war, sollte sich der Substanzverlust nicht besonders nachteilig auswirken, Chancengleichheit war gegeben. Es ging nach Toren von Gentner und Ibisevic mit einer beruhigenden 2:0-Pausenführung in die Kabinen. Auf den Tribünen herrschte eine ausgelassene Stimmung, war der VfB doch an Hannover in der Blitztabelle vorbeigezogen und stand auf Platz 7. Doch wie schon jedes Mal in dieser Saison, wenn es möglich gewesen wäre, sich an die Europapokalplätze heranzupirschen, so folgte auch dieses Mal wieder der Einbruch. Innerhalb von 16 Minuten drehte Hannover das Spiel und machte aus dem 2:0 ein 2:4. Sven Ulreich leitete den Untergang ein, als er eine Hereingabe von der Seite dem Torschützen Sobiech vor die Füße abklatschte, der nur noch einzuschieben brauchte. Hannover nahm die Geschenke gnadenlos an, auch als der Schiedsrichter eine Schutzhand von Tasci als absichtliches Handspiel, unnatürliche Handbewegung oder was auch immer wertete und Schlaudraff den fälligen Elfer verwandelte. Das Spiel lief schon längst in eine fatale Richtung, ohne, dass man den Eindruck hatte, dass Labbadia eingreifen würde, obwohl das Unheil längst seinen Lauf genommen hatte. Standardmäßig kamen seine Auswechslungen ab der 70. Minute, als das Spiel bereits verloren war.

Spätestens seit dem Länderspiel Deutschland gegen Schweden im Oktober sollte man eigentlich begriffen haben, dass es auch mit einer eigentlich beruhigenden Führung im Rücken keinen Grund gibt, die Zügel schleifen zu lassen oder sich schon auf die dritte Halbzeit zu freuen.

Wenigstens zeigte der VfB sechs Tage später in Mönchengladbach eine Reaktion und holte sich die drei Punkte dort zurück Zwar etwas glücklich, doch durchaus aus verdient. Gladbach war zugegebenermaßen der richtige (Aufbau-) Gegner zur rechten Zeit, sind wir doch DER Angstgegner der Borussia. Mönchengladbach hat mittlerweile gerade einmal zwei der letzten 29 Begegnungen gegen den VfB gewonnen. Dem frühen 1:0 für Gladbach durch Stranzl, auch hier sah Sven Ulreich unglücklich aus, folgte nur zwei Minuten später der Ausgleich durch Martin Harnik. In einem offenen Spiel auf mäßigem Niveau, hatte der VfB dann in der zweiten Halbzeit das Glück, dass Brouwers eine harmlose Flanke von Kuzmanovic sehenswert unter die Latte zum Eigentor einnetzte. Gladbach wurde danach kaum noch richtig gefährlich, so dass der VfB den Dreier unter dem Strich recht souverän nach Hause brachte und uns eine launige Rückfahrt im Bus mit dem RWS bescherte.

Unser Trip nach Bukarest begann im Grunde bereits am Mittwochabend. Darauf arbeitete ich hin, darauf freute ich mich. Analog zur Reise zum Spiel nach Lissabon vor knapp zwei Jahren, flogen wir erneut von Köln/ Bonn aus. Analog zu damals reiste unser Freund Winne aus Konstanz bereits am Vortag des Fluges an, um bei uns zu übernachten. Die Fahrt mit dem Rail & Fly Ticket muss erst am Folgetag abgeschlossen sein, so dass dies möglich und auch praktikabel ist.  Und, analog zu dem damals ebenfalls sehr gelungenen Ausflug trafen wir uns Mittwochabend in netter Runde in S-Freiberg zum essen und vorglühen. Trotz des frühen Aufstehens am nächsten Tag wurde es ein sehr langer Abend mit reichhaltigem deutschem Essen zum Abschluss und nicht minder schmackhaftem Bier. Ausklingen ließen wir den Abend bei uns zu Hause, in dem wir noch die Zusammenfassungen der Champions League Spiele anschauten, die leider in der Lokalität nicht liefen.

Am Donnerstag klingelte der Wecker bereits um 5 Uhr, da wir den ICE um 6.51 Uhr erwischen wollten. Trotz der nur etwas über vier Stunden Schlaf starteten wir einigermaßen fit und voller Vorfreude in den Tag. Planmäßig erreichten wir den Zug, den Anschluss in Mannheim, sowie die beiden S-Bahnen in Siegburg/ Bonn bzw. Porz-Wahn. Stuttgart Hauptbahnhof-Köln/ Bonn Flughafen in 2 ½ Stunden. Aufgrund dieser schnellen Verbindung und der Tatsache, dass ich mit Germanwings weitestgehend gute Erfahrungen gemacht habe und es bei dieser Airline möglich ist, den Zug zum Flug mit zu buchen, wird dies für mich immer eine der ersten Optionen sein, wenn ein Flug ab Stuttgart nicht möglich oder zu teuer ist.

Um 9.23 Uhr kamen wir planmäßig am Flughafen an und erreichten aufgrund der guten Beschilderung auch schnell das Germanwings-Terminal. Kurz durch die Passkontrolle und schon waren wir am Abfluggate, wo der Flug dann sogar etwas früher als geplant um 10.45 Uhr in Richtung der rumänischen Metropole abhob.

Ich muss zugeben, ein wenig Unbehagen beschlich mich schon, wenn ich in den Wochen zuvor an diese Reise dachte. Ich reiste zum ersten Mal nach Rumänien und wusste nicht, was mich erwartete. Die Warnungen waren groß, vor den dortigen Ultras, der Kriminalität, etc. So las ich mich durch diverse Erfahrungsberichte und wartete auf die Fan-Infos des VfB. Außer der Meldung, dass wir vor Ort unsere Eintrittskarten tauschen müssten, kam jedoch leider vom VfB überhaupt nichts. Zu jedem Kirmes-Kick werden Infos veröffentlicht, vor einer Reise  ins Ungewisse, nichts, nothing! Ich für meinen Teil wäre hocherfreut gewesen, wenn der VfB einem Tipps zum Weg zum Stadion, was uns in Bezug auf die dortige Fanszene zu erwarten hätte, wo man sich gut und sicher bewegen kann, welche Kontrollen der dortige Ordnungsdienst vorgesehen hätte, wie man sich zu verhalten hat, etc. pp. mit auf den Weg gegeben hätte.

So waren wir also zunächst auf uns alleine gestellt bzw. mussten uns auf das berufen, was man im Internet sonst über Rumänien las und vor allem, wie man sich vor Betrügern beschützen kann. Wie ich feststellte, fängt der Nepp bereits am Flughafen an, wo man wohl, je nachdem wie naiv man ist, für die Fahrt in die Stadt zwischen 8 und 100 Euro los werden kann. Wir hatten das Glück, dass wir mit einer Deutsch-Rumänin im Flieger saßen, die uns den Tipp gab, zum Abflug-Terminal zu gehen, da dort die Taxis, die aus der Stadt kommen und Fluggäste zum Flughafen chauffieren, stehen würden, die oft sehr günstige Kilometerpauschalen auf den Türen stehen hätten. Eigentlich logisch, trotzdem unsicher, ob wir selbst darauf gekommen wären. So fuhren wir für 23 Lei ins Stadtzentrum, das immerhin 16 Kilometer vom Flughafen entfernt ist, was guten 5 Euro entspricht. Uns war dieser Preis geteilt durch drei schon fast peinlich, so dass wir dem Fahrer 30 Lei gaben, für uns auch leichter zum teilen. :-) . Den ersten Sieg des Tages hatten wir errungen. Mit Abstand die günstigste Taxifahrt von allen, die wir zu diesem Thema befragten. Wir konnten als gegen 15 Uhr bereits in unserem Hotel Berthelot im Zentrum von Bukarest, unweit des Radisson Blu gelegen, einchecken. Kurz darauf traf eine weitere Dreiergruppe, die mit uns gebucht hatte, ein, bevor eine gute Stunde später der Rest unserer Achtergruppe, die mit uns im Hotel logierten, eintraf. Die Nachhut wollte und konnte sich nicht mit uns über unser Schnäppchen bzgl. der Taxifahrt freuen, waren sie doch mit Bus und Taxi eine Stunde länger unterwegs und das doppelte Geld los. ;-) . Joa, einer von, mich eingerechnet, sechs Berkheimern mit uns im Hotel, hatte das Hotel ausfindig gemacht. Schon als ich sah, dass das Hotel in den Bewertungsportalen als „exzellent“ eingestuft war, wusste ich, dass wir damit nichts falsch gemacht haben dürften, was sich auch bewahrheitete. Zentral gelegen, Zimmer tip-top, Frühstück einschließlich Kaffee einwandfrei, es gab aus meiner Sicht überhaupt nichts zu bemängeln, danke Joa!

Da sich welche im Hotel noch etwas zu essen bestellt hatten, die spät hinzugestoßenen sich erst noch häuslich einrichteten und Tom, Winne und ich es nicht erwarten konnten, die Stadt zu entern, machten wir uns bereits auf den Weg, um die „Partymeile“ zu suchen und uns ins Getümmel zu stürzen. An Spieltagen ist man ja doch gierig darauf, die Atmosphäre aufzusaugen, vor allem bei Auswärtsspielen international.

Eine grobe Wegbeschreibung incl. Stadtplan wurde uns vom Hotelpersonal mitgegeben, so dass wir keinen Schritt zu viel machten und auch recht schnell, etwa 1.000 Meter vom Hotel entfernt, die ersten Gesänge wahrnehmen konnten. Mitten in der Altstadt befand sich das Kneipenviertel, das für mein Empfinden bspw. dem in der Düsseldorfer Altstadt in nichts nachstehen sollte. Kneipe an Kneipe, für jeden Geschmack etwas, ob man jetzt Bierkneipe, Speiselokal, Heavy-Schuppen oder was auch immer suchte. In einem Lokal namens Oktoberfest tummelten sich dann schon jede Menge Brustringträger, vor dem Lokal ebenfalls, umringt von Polizisten, die das Geschehen beobachteten, aber einen recht freundlichen und entspannten Eindruck machten. Im Lokal trafen wir dann auch schon viele Bekannte, die Party konnte beginnen. Kurze Zeit später hielt ich auch schon meine erste Maß rumänisches Bier in Händen und war erfreut, wie gut und süffig es schmeckte. Die ersten Berührungsängste mit der Stadt und dem Land waren schnell verflogen. Gut, man muss zugeben, das was wir hier sahen war auch nicht Rumänien sondern eine rumänische Kneipe in (fast) deutscher Hand, dennoch, der erste Eindruck sollte sich nicht verschlimmern. Im Lokal wurde ich dann erst einmal von einem rumänischen Fernsehteam auf Englisch interviewt. Dass der VfB gewinnen muss, brachte ich noch heraus. Auf die Frage, was ich über Land und Leute wüsste, da musste ich (leider) passen. Schon etwas peinlich, aber, so ad hoc und dann noch auf Englisch mit einer Maß Bier in der Hand und jeder Menge Interessierter drum herum, war nicht ganz einfach. Hätten sie mir die Fragen Samstag vor dem Abflug gestellt, hätte ich mehr dazu sagen können.

Immer, wenn der VfB auswärts spielt, kommt man sich vor wie in einer großen Familie, so viele bekannte Gesichter, wie man immer trifft und wie viele Hände man schüttelt. Man kennt sich und freut sich jedes Mal aufs Neue, wenn man sich trifft. Bei einem Spiel wie in Bukarest ist das aber noch einmal etwas intensiver, hat doch jeder irgendwie über seine ganz spezielle Anreiseroute zu berichten und ist doch eher der ganz harte Kern da. Respekt vor den Jungs vom Commando Cannstatt, die eine 30-stündige Busfahrt hinter sich gebracht hatten. Ansonsten war an Reiserouten und Zwischenstopps fast alles anzutreffen, was Europa so zu bieten hat.

Irgendwann stießen die anderen Berkheimer auch noch dazu und wir genossen die (friedliche) Atmosphäre in der Stadt beim einen oder anderen Bierchen, und stimmten uns langsam aber sicher auf das Spiel ein. Dann folgte ein recht abrupter Aufbruch, der uns etwas überrumpelte. Es wurden uns Busse zur Verfügung gestellt, die uns zum Stadion bringen sollten. Wir wussten daher erst einmal nicht, wie uns geschah und wollten so früh auch noch nicht zum Stadion. Bier war noch fast voll und der Spielbeginn ja erst 22.05 Uhr rumänischer Zeit. Also blieben wir noch hocken und machten uns später individuell per Taxi auf den Weg. Hier machten wir zum ersten Mal schlechte Erfahrungen mit einem rumänischen Taxifahrer, war die Fahrt mit knapp 100 Lei doch reichlich überteuert. Dennoch jammert man hier auf hohem Niveau, denn die Rede ist von etwa sieben, acht Euro pro Person. Durch den Stadionverkehr zog sich diese Fahrt recht lang und war dennoch ein Erlebnis, wenn man sah, welch Schleichwege der Chauffeur in petto hatte und auch vor einem Ausweichen auf die Straßenbahnschienen nicht Halt machte. Am Stadion angekommen fanden wir sofort den Schalter, an dem wir unsere Eintrittskarten umtauschen konnten und ließen uns den Weg zu unserem Eingang weisen, der uns weiträumig ums halbe Stadion herum führte. Dass nach den Vorkommnissen von Kopenhagen die Kontrollen es in sich haben könnten hatten wir schon befürchtet. Dass man aber an drei Punkten durchsucht wird und deshalb der Weg ins Stadion so zähfließend sein würde, hatte ich nicht gedacht. Zwischenzeitlich befürchteten wir, den Spielbeginn zu verpassen, was mich nervös machte, hatte ich doch schon im Vorfeld gehört, dass die Steaua-Ultras eine Choreo geplant hatten. Je näher der Spielbeginn rückte, desto schneller gingen dann die Kontrollen, so dass wir doch noch rechtzeitig hinein kamen. U. a. musste man Feuerzeuge und Münzgeld abgeben, ich denke mal, für die Ordner ergab das Eingesammelte einen schönen „Mannschaftsabend“. Münzen hatte ich keine am Mann, die Euros blieben im Hotel, rumänisches Münzgeld hatte ich während der drei Tage nicht einmal in der Hand, dies der Tatsache geschuldet, dass der kleinste Schein, 1 Lei, nicht einmal 25 Cent entspricht.

Als wir endlich im Stadion angekommen waren, sortierten sich die verschiedenen Gruppen recht schnell, wir standen links versetzt, etwas oberhalb vom CC97. Aufgrund der Nähe und der Steile der Ränge natürlich nicht die optimale Position um unseren Stimmungsblock zu fotografieren, ansonsten war der Platz o. k. Mein Pech war, dass ich in diesem Nichtraucherstadion direkt an der von Ordnern und Polizei bewachten Pufferzone stand und somit unter Privatbeobachtung einer allzu eifrigen Polizistin stand. Überall qualmte es, mich hatte sie aber besonders auf dem Kieker und mir auch schon mal leicht mit dem Knüppel Haue angedroht. ;-) . Die Stimmung unter den rund 600 mitgereisten VfBlern war klasse, auch wenn es natürlich nicht einfach war, gegen die Heimfans stimmlich mitzuhalten – dem einen oder anderen waren auch die Reisestrapazen anzumerken.

Die National Arena war mit 55.000 Zuschauern ausverkauft, was Steaua den Zuschauerrekord für ein Vorrundenspiel in der Europa League bescherte.  Von so einer Kulisse dürfen wir bei Wochentagspielen leider nur träumen. Es hat den Anschein, dass die Steaua-Fans eben noch wegen ihrem Verein und nicht wegen dem Gegner ins Stadion kommen, denn, gegen Molde war es auch schon eine großartige Kulisse. Anders bei uns, wo sich bei solchen Spielen kaum einmal mehr als 15.000 Zuschauer ins weite Rund verirren. Gegen Molde sind nach meinem Kenntnisstand gerade einmal 10.000 Karten verkauft, ich hoffe, die Konstellation in unserer Gruppe und der glanzvolle Auftritt von Bukarest wir mehr Leute animieren, ins Stadion zu kommen. Ich habe ja Verständnis für diejenigen, die eine weite Anreise haben und für die es deswegen nicht zu schaffen ist, bei 19 Uhr Spielen rechtzeitig da zu sein oder bei 21.05 Uhr Spielen wieder heim zu kommen. Für diejenigen aber, aus Stuttgart oder unmittelbarer Umgebung fehlt mir das Verständnis. Oft höre ich dann noch die paradoxe Begründung, „bei einer solchen Geisterkulisse macht es keinen Spaß“, wobei doch jeder selbst dazu beitragen kann, den Rahmen ein bisschen würdiger erscheinen zu lassen.

Respekt also vor dem Bukarester Publikum. Gut, das Ticket in der Kurve kostet dort gerade einmal 15 Lei, was knapp 4 Euro entspricht, allerdings liegt das Pro-Kopf-Einkommen in Rumänien auch nur bei etwa 350 Euro netto im Monat. Wenn man bedenkt, dass wir seinerzeit in Getafe in einem weitaus weniger komfortablen Stadion 50 Euronen hinblättern durften, war der Preis für uns natürlich mehr als lächerlich. Der VfB knöpfte uns für das Ticket sagenhafte 8 Euro ab, versprach aber in vfb direkt eine Rückerstattung der zu viel bezahlten eingenommenen vier Euro, hoffentlich mit Zins und Zinseszins. :-) .  Wie schon erwähnt beglückte uns dann der Steaua-Anhang mit einer schönen Choreo „Magisches Steaua“, die dem Rahmen angemessen und nett anzuschauen war. Meine Erwartungen ans Stadion wurden erfüllt, ein immens lauter Hexenkessel mit begeisterungsfähigen Fans und Ultras-Blöcken in beiden Kurven. Nach der Seitenwahl, die unser Kapitän Serdar Tasci schon einmal gewann, ging es auch gleich los. Unserer Reisegruppe war nicht anzumerken, dass wir zu Spielbeginn bereits 16 Stunden auf den Beinen waren, wir gaben alles und das Spiel sollte ja auch alles andere als ermüdend werden. Ich hatte große Bedenken, wie beeindruckt unser Team von dieser Kulisse werden könnte und dass sie überrannt werden könnten. Doch nichts von dem! Der VfB war vom Anstoß weg hell wach, präsent in den Zweikämpfen, kompakt in der Defensive und mit blitzschnellem Umschalten auf Offensive bei Ballbesitz. So dauerte es gerade einmal bis zur 5. Minute, ehe Kuzmanovic eine Ecke in den Strafraum schlug und Tasci mit dem Kopf völlig freistehend einköpfte. Unserem Kapitän gönne ich diesen Treffer ganz besonders, beißt er doch schon seit Wochen mit dem einen oder anderen Wehwehchen auf die Zähne und stellt sich vorbildlich in den Dienst des Teams. Ein klasse Tor, ein klasse Auftakt und bei uns zum ersten Mal das Gefühl, dass hier was gehen könnte, war doch, wie bereits in Kopenhagen, ein Sieg Pflicht, um das Weiterkommen in eigener Hand zu haben.

Bukarest sichtlich beeindruckt von der Bissigkeit der Brustringträger, der VfB wie entfesselt. So nahm ein denkwürdiger Abend seinen Lauf, der mir jetzt noch, beim schreiben dieser Zeilen, Gänsehaut bereitet. Der VfB präsentierte sich ballsicher und zielstrebig, wie ich ihn schon lange nicht mehr gesehen habe. Bei manchen Szenen hatte ich den Eindruck, da hätte jemand die brasilianische Nationalmannschaft in unsere weißen Trikots mit rotem Brustring gepackt, so wie die Rumänen phasenweise her gespielt wurden. Hacke, Spitze, eins, zwei, drei, hier ein Beinschuss, dort eine Finte, ich fühlte mich wie im falschen Film und konnte es stellenweise nicht glauben, dass das MEIN VfB ist, der dort auf dem Rasen eine Gala vom feinsten ablieferte. Als Harnik nach 18 Minuten, abermals nach Kuzmanovic-Flanke und unter gütiger Mithilfe des Steaua-Keepers am langen Pfosten zum 0:2 einköpfte, schien Steaua der Zahn bereits gezogen. Mit einem solchen VfB hatte Steaua sicherlich nicht gerechnet, wir ja, wie schon erwähnt, auch nicht. Zugegeben: in den Spielbeobachtungen der Steaua-Späher war sicherlich der ein oder andere Gurkenkick, so dass sie mit ihrer offensiven Ausrichtung wohl gedacht haben, uns mal kurz überrennen und den Sack in der Gruppe zumachen zu können.  Steaua konsterniert, der VfB auf Wolke sieben. So ging es weiter. Mittlerweile waren auch unsere Japaner heiß gelaufen. Okazaki legte quer auf Sakai, der hämmerte mit seinem schwächeren linken Fuß den Ball volley ins Kreuzeck, Marke Tor des Monats. Sakais allererstes Tor im VfB-Trikot. Der war so happy, die ganze Mannschaft einschließlich Trainer- und Auswechselbank freute sich sichtlich mit ihm, so dass er sich umgehend revanchieren wollte. Gesagt, getan. Sakai-Flanke maßgerecht auf Okazakis Kopf, 0:4 in der 31. Minute. Auf der Tribüne hatte man wirklich Tränen in den Augen und konnte das Glück kaum fassen. An der Stelle auch einmal einen herzlichen Gruß an diejenigen zu Hause auf der Couch, die einen des Öfteren fragen, weshalb ich mir das alles „antue“. Neben dem Drumherum wie oben beschrieben und dem Zusammentreffen mit der VfB-Familie ist es einfach geil, an einem der denkwürdigsten Abende der VfB-Europapokalgeschichte dabei gewesen zu sein. Diese innere Befriedigung, die einen bei einem solchen Spiel beschleicht ist durch nichts zu ersetzen. Der VfB hatte noch Chancen, das Ergebnis höher zu schrauben, es ging jedoch mit der bis dato höchsten Pausenführung der VfB-Europapokalgeschichte, nämlich dem 0:4,  hinein in die Katakomben.

Der VfB kam zurück mit Hajnal anstelle des starken, aber grippegeschwächten Gentner und baute die Führung in der 55. Minute durch das zweite Tor von Shinji Okazaki sogar noch aus. Harnik drang in den Strafraum ein, der Ball gelangte zu Hajnal, der ihn zu Okazaki weiter stocherte. Angesichts der wunderschön herausgespielten Tore zuvor ein fast schon unwürdiger Treffer an diesem Abend. :-) .

Am Ende gelang den Rumänen noch der Ehrentreffer zum 1:5, den ich ihnen von Herzen gönnte. Phantastisch der Support und die Gesänge der Steaua-Fans, auch noch beim Stand von 0:5 wurde gesungen und supportet, es verließen nur einzelne „Fans“ die Arena. Nicht auszudenken welch Lärmpegel uns bei anderem Spielverlauf ins Gesicht geschlagen hätte.

Unvorstellbar so etwas in Stuttgart, bei einem Stand von 0:4 zur Pause hätte die Mannschaft das Neckarstadion sicherlich fast leer gespielt! Die Stimmung in unserem Block, natürlich unfassbar. „Oh, wie ist das schön“ wurde gesungen, bis die Stimmbänder versagten.

Die gut 20-minütige Blocksperre ließ sich nach dieser Vorstellung auch gut aushalten, persönlich konnte ich mich auch endlich meiner Bewachung entziehen. Für den Rückweg entschlossen wir uns, auf das „Busangebot“ zurück zu kommen, wurde man doch sicher und kostenlos zurück in die City befördert. Man wusste ja nicht, wie die Steaua-Fans drauf sein würden, also „Safety first“. Hinein also in die Busse, Baujahr schätzungsweise irgendwann in den 1970er Jahren, TÜV, in Deutschland sicherlich undenkbar. Normal ist es ja auch nicht, dass man während der Fahrt seinen eigenen Sitz festhalten muss, um nicht umzukippen. :-) Trotzdem, alter Schwabe, „am gschenkta Gaul, guckt mr net ens Maul“, so fand ich dies trotz allem einen tollen Service, zumal ja, wie oben beschrieben, keine Empfehlungen seitens des VfB vorlagen!

In der Stadt angekommen versammelten wir uns etwa mit einer zehnköpfigen Gruppe und testeten die eine oder andere Kneipe. Ich war wirklich angetan von der guten Stimmung und wie wir aufgenommen wurden. Die Steaua-Fans waren zwar ein wenig geknickt, gratulierten uns aber fair zur grandiosen Leistung und dass es am Sieg nichts zu deuteln gab. Den Rapid- und Dinamo Bukarest-Fans tat es sichtlich gut, dass Steaua so richtig eine auf den Sack bekam. So mussten wir in diesem armem Land wirklich aufpassen, nicht ausgehalten zu werden. Tolle Gastfreundschaft, die einem allerorten entgegenschlug. Wir waren sehr überrascht, wie viel dort in dem Kneipenviertel unter der Woche noch los war. Es wurde ein toller Abend, kurz vor 5 Uhr morgens lagen wir schließlich im Bett.

Knapp vier Stunden Schlaf später sind wir wieder aufgestanden, um das Frühstück, das es leider nur bis 10 Uhr gab, nicht zu verpassen. Wie aber weiter oben bereits aufgeführt, das Aufstehen hat sich gelohnt, wenn auch das Personal schon mit der Stoppuhr parat stand. Wie immer bei unseren Städtetrips sollte auch der Kulturteil nicht zu kurz kommen. Unser Plan war, einen der Sightseeing-Busse zu ergattern, um im offenen Doppeldecker an die eine oder andere Sehenswürdigkeit herangefahren zu werden. Leider stellte sich dann heraus, dass diese im November nicht mehr verkehren, so dass wir uns zu Fuß in Richtung des Palastes des Parlaments, errichtet nach den Vorstellungen Ceaușescus, aufmachten. Das größte Gebäude Europas und nach dem Pentagon das zweigrößte der Welt ist schon ein beeindruckendes Bauwerk. Auf dem Weg dorthin und durch unsere Taxifahrten, wovon uns die Fahrt vom Flughafen in die Stadt auch am Triumphbogen vorbei führte, konnte man schon einen Eindruck von der Stadt gewinnen, die geprägt ist durch Bauwerke verschiedener Stilepochen. Frappierend fanden wir den Wechsel von total zerfallenen Gebäuden zu hypermodernen, neu errichteten Gebäuden, was teilweise überhaupt nicht zusammen passt. Vierzig Jahre Sozialismus lassen sich eben auch dort nicht von heute auf morgen wegwischen, schon gar nicht, wenn man nicht einen solch potenten Geldgeber hat, wie seinerzeit die DDR mit der BRD zur Verfügung hat.

Eine große Sünde ist sicherlich der Straßenverkehr in der Stadt und damit die Luftverschmutzung. Ich selbst bin ja „Städter“ und nicht empfindlich was Lärm und Abgase angeht. Dort jedoch ging mir dies so sehr auf den Geist, so dass wir den Kulturteil um 13 Uhr einvernehmlich für beendet erklärten. Die Bukarester Stadtväter haben wohl weder etwas von Umweltzonen oder –plaketten, noch von Parkuhren und –zonen gehört. Beides gibt es natürlich nicht. Dort wird nach Herzenslust geparkt, wie Kraut und Rüben sozusagen, wo eben Platz ist, so dass man sich teilweise auch auf Fußwegen um die Autos herum schlängeln muss. Radfahrer leben dort sehr gefährlich, wahrscheinlich auch deswegen haben wir gerade einmal einen einzigen mutigen entdeckt.

Also, noch zu dritt gingen wir zurück ins Lipscani-Viertel, wie der Bezirk mit den vielen Kneipen offiziell heißt und kehrten bei erstbester Gelegenheit in einem netten Pub auf das erste Bierchen an diesem Tag ein. Dort verabredeten wir uns dann per Handy mit anderen Bekannten im Caru‘ Cu Bere, einer prächtigen Brauereigaststätte, in der es sich wunderbar speisen und trinken lässt. An einer elends langen Tafel ließen es sich schon gut 30 Schwaben schmecken, so dass wir uns dazu gesellten. Anschließend machten wir noch eine schöne Kneipentour und feierten zwei Mal (0 Uhr rumänischer, 0 Uhr deutscher Zeit) in Winnes Geburtstag hinein. Zu dieser Zeit befanden wir uns bereits in einer Karaoke-Bar, wo wirklich der Bär steppte und ob der einen oder anderen Einlage auch kein Auge trocken blieb. Hammer, was überall, wo wir hin kamen, los war.

Erneut blieben wir bis um 5 Uhr standhaft, ehe am Samstag der Abreisetag bevorstand. Ob der Abflugzeit 14.45 Uhr rumänischer Zeit blieb genügend Zeit langsam in den Tag zu starten und sich um sich auf den Weg zum Flughafen zu begeben. Am Flughafen trafen wir dann wieder auf unsere Hotelgenossen vom RWS und auch die Kumpelz aus dem Bierhexle, mit denen wir wirklich eine tolle Zeit erlebten. Von den Leuten her hat es absolut gepasst. Wir sind auch wunderbar ohne unsere Frauen ausgekommen, auch wenn man(n) auf das ein oder andere, das ihm sonst abgenommen wird, selbst achten musste. :-)

Erneut überpünktlich ging es mit dem Flug nach Köln/ Bonn los. Um die Reise noch vollends abzurunden, fuhren wir, wie schon beim Lissabon-Trip, direkt nach der Landung nach Köln, schlossen das Gepäck ein und genossen noch reichlich Kölsch in der Kölner Altstadt und feierten Geburtstag, bevor wir um 21.55 Uhr mit etwas Wehmut den Zug nach Stuttgart bestiegen. Hätte ich nicht gerade Sonntagmorgen um 10 Uhr in ES-Berkheim zur Busabfahrt nach Freiburg sein müssen und hätte Tom keine Verpflichtungen zu Hause gehabt, hätten wir Köln sicherlich noch etwas später verlassen.

So endete die Tour standesgemäß, mit toller Gaudi, guter Laune und dem, was zählt, den drei Punkten im Gepäck!

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13. April 2010

Bundesliga Zwei, Hertha ist dabei

Schon im Herbst letzten Jahres, nach der gemeinsamen Tour mit unserem Trainingslager-Stammtisch zum Spiel in Hamburg, entschlossen wir uns, auch zusammen zum Spiel nach Berlin zu fahren. Wegen der sehr kurzfristigen endgültigen Terminierungen der Spiele buchten wir von Freitag bis Montag, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Die Zugtickets waren frühzeitig gebucht, doch leider bekam Anita den lange als Urlaub eingereichten Freitag nicht frei, so dass Anita und ich kurzerhand die Zugfahrt stornieren mußten und mit dem Auto hinther kamen. Um 15.30 Uhr am Freitag kamen wir schließlich los. Gott sei Dank waren allerortens noch Osterferien, so dass die Verkehrslage weitgehend entspannt war. Wir fuhren relativ gemütlich und schafften die 630 Kilometer in ziemlich genau 6 1/2 Stunden, trotz einiger kleiner Pausen. Gegen 22 Uhr erreichten wir also unser Holiday Inn Express Hotel in der Stresemannstraße in Berlin-Mitte, nahe des Potsdamer Platzes. Da uns die “Zugfahrer” bereits angekündigt hatten, war alles schon vorbereitet und der Check-In ging ratzfatz. Im Zimmer angekommen, nahmen wir sofort Kontakt mit den anderen auf, die uns  gleich darum baten, auf dem schnellsten Wege, also mit dem Taxi, ins Klo zu kommen, wo wir reserviert hatten und wo es richtig klasse wäre. Wir ließen uns natürlich nicht zwei Mal bitten und folgten diesem Aufruf. Etwa um 23 Uhr erreichten wir diese Kultgaststätte, in der man einmal gewesen sein muß, was dann aber, um es vorweg zu nehmen, auch reicht. Nach der langen Autofahrt freute ich mich natürlich auf mein erstes Bier, das ich dann auch prompt serviert bekam. Meine Augen wurden aber groß, da es in großen Urinbechern ausgeschenkt wird. Ich trinke grundsätzlich nicht gerne aus Plastikbechern, dies war aber besonders gewöhnungsbedürftig. Ein Bier kostete stolze 8,20 Euro bei einer Abgabemenge von 0,6 bis 0,8 Litern. So genau nahmen es die Bediensteten dabei nicht. Drei Getränke später ging es dann ans Zahlen, was bei einer gemeinsamen Rechnung für 12 Leute gar nicht so einfach ist. Anita und ich waren ja noch nicht so lang da wie die Anderen, so dass es bei uns noch am Einfachsten war. Insgesamt belief sich die Rechnung auf rund 300 Euro, ich denke, wir düften wieder kommen, wenn wir denn wollten. :-) . Das Klo ist eine kultige Erlebniskneipe im alten Zentrum Berlins nahe des Ku’Damms. Der Zusatz “Betreten auf eigene Gefahr” ist durchaus ernst zu nehmen, weil einen doch einige Überraschungen erwarten können, wenn dem Personal danach ist.

Auch im Klo entdeckt: Mädel mit Hammel-Tatoo

Wir fuhren dann nach dem Zahlen aber mit dem Taxi zum Hotel, wo wir in der gegenüberliegenden Kneipe noch etwas tranken, bevor wir nach dem anstrengenden Tag in die Falle fielen.

Der Morgen begann natürlich mit einem ausgedehnten Frühstück, das für ein Viersternehotel für meinen Geschmack etwas eintönig war, zumindest wenn man drei Nächte dort verweilt. So gab es nur gekochte Eier, die auch noch steinhart waren, jedoch keine Rühr- oder Spiegeleier. Die Obstauswahl war dürftig und wenn etwas aus war, dauerte es relativ lang, bis wieder nachgefüllt wurde. Ich möchte aber nicht nur nörgeln, die Brötchen waren frisch, es gab sechs Sorten Marmelade zur Auswahl, der Kaffee war o.k. und Lebensmittel wie Butter oder Wurst wurden gut gekühlt. Alles in allem war das Frühstück schon o. k. und vor allem frisch, man findet ja doch immer ein Haar in der Suppe.

Für 11 Uhr verabredeten wir uns dann in der Hotel-Lobby, um Richtung Stadt aufzubrechen. Der Anhalter-Bahnhof befindet sich etwa 300 Meter vom Hotel entfernt. Von dort fuhren wir mit der S-Bahn bis zum Alexanderplatz, wo wir gleich ein Gruppenfoto schießen ließen.

Von dort liefen wir los, um das Lokal “Schwarzwaldstuben” zu suchen. Wir hatten kompetente Männer mit Stadtplan dabei, dennoch ließ einen die Vermutung nicht los, wir würden mit der Kirche ums Dorf laufen. :-) Nach einiger Zeit erreichten wir die Kneipe aber doch. Heiko traf dort seinen in Babelsberg leben Bruder, die Kneipe ausschließlich von VfB-Fans bevölkert. Als ich die Speisekarte sah, mußte ich dann doch schmunzeln. Wir mußten uns nicht auf die preußische Küche umstellen, gab es dort doch Gaisburger Marsch, Linsen und Spätzle, Maultaschen und einiges mehr. Zu trinken gab es Rothaus-Pils. Ich gebs ja zu: dieses badische Bier trinke ich wirklich gerne. Der Hunger war aber wenige Stunden nach dem Frühstück noch nicht so groß, so dass ich mir die Linsen mit Anita teilte. Hat aber wirklich fast geschmeckt wie daheim. Der Berliner VfB-Fanclub “Cannstatter Kurve Berlin 08″ stimmte sich dort ebenfalls auf das Spiel ein, so dass ich deren Vorsitzenden Björn, mit dem ich schon Mailkontakt hatte” auch mal persönlich traf.

Der stolze Papa Heiko mit Nils bei seinem ersten Auswärtsspiel

Mitten in Berlin: Lecker Maultaschen

Aufgrund unserer Erfahrungen mit dem Hinweg, schlossen wir uns den Jungs von der Cannstatter Kurve Berlin an, als diese sich vor dem Lokal sammelten, um gemeinsam zur U-Bahn-Station Oranienburger Tor zu laufen. Leider setzte gerade zu dieser Zeit erst einmal strömender Regen ein, so dass wir pitschnass die U-Bahn erreichten. An der Friedrichstraße stiegen wir um, da von dort eine S-Bahn direkt bis zum Stadion fährt. Um einen Fahrschein mußten wir uns an diesem Tag überhaupt nicht kümmern, da die Eintrittskarte von 5 Stunden vor dem Spiel bis 3 Uhr nachts gültig ist. Gegen 14.30 Uhr erreichten wir das Olympiastadion, wo angesichts der gesperrten Berliner Ostkurve noch relativ wenig los war.

Nach einer kurzen Diskussion, ob wir draußen noch etwas trinken oder schon ins Stadion gehen, entschieden wir uns für Letzteres, da wir relativ strenge Kontrollen vermuteten. Diese hielten sich im Rahmen, was mich aber verwunderte, war, dass wir sowohl am Eingang ins Stadion als auch beim Zugang in den Block durchsucht wurden. Aufgrund der Vorfälle beim Spiel Hertha-1. FC Nürnberg durften ja nur 25.000 Berliner plus die 1.851 VfB-Fans, die die Tickets über den VfB bezogen, ins Stadion. So blieb der komplette Unterrang der Ostkurve leer, im Oberrang verloren sich nur ein paar Hansel. Statt dessen organsierte Hertha für die Ausgesperrten ein Public Viewing in der nahegelegenen Waldbühne. Der Berliner Stadionsprecher versuchte ziemlich vergeblich die Zuschauer zum Supporten zu animieren. Mehr als das allseits bekannte “Ha, ho, he, Hertha BSC” brachten die Hereingelassenen nicht zustande. Es fand dann vor dem Spiel auch noch eine Live-Schaltung zur Waldbühne statt, die gut gefüllt war.

Im VfB-Block wurden Flyer verteilt, in denen darüber informiert wurde, dass das Commando Cannstatt in den ersten 15 Minuten des Spiels auf jeglichen Support verzichten würde, da die jüngsten DFB-Urteile gegen Fans alle, also auch uns betreffen würden bzw. könnten. Ich war darauf vorbereitet, da ich schon in einem Newsletter über diese Aktion informiert wurde. Hinter dieser Form von Protest stehe auch ich, da ich mich selbst bedanken würde, wenn ich wegen dem Fehlverhalten Einzelner trotz Dauerkarte auf ein Spiel vom VfB verzichten müßte. Hier stimmt einfach die Verhältnismäßigkeit nicht mehr. Es ist ein verschwindend geringer Prozentsatz von “Fans”, die den Frieden stören, im Verhältnis zu den zig Tausend, die sich anständig verhalten. Hier macht man es sich sehr, sehr einfach, in dem man den Verein zu einer hohen Geldstrafe verurteilt und Fans aussperrt. Warum wurde nach den Vorkommnissen beim Nürnberg-Spiel nicht auch ein Raphael Schäfer verurteilt, der nachweislich trotz der aufgeheizten Stimmung mit obszönen Gesten provozierte. Im Übrigen fand ich es damals schon glatt, um es auf schwäbisch auszudrücken, dass sich der Käptn als erster vom Acker machte. Er hatte wohl schon ein schlechtes Gewissen, so wie der gerannt ist. Normalerweise geht der Kapitän doch als Letzter von Bord. :-)

Ich selbst mache mir große Sorgen, dass den VfB in naher Zukunft ein ähnliches Urteil treffen könnte. Nach den Vorkommnissen in Frankfurt ist der VfB vorbestraft. Danach kamen die Proteste nach dem Bochum-Spiel sowie vereinzelte Zündeleien bei uns im Stadion. Nachdem der DFB bei den Sanktionen die Latte extrem hoch gelegt hat, können sie ja fast nicht anders, als bei den nächsten Vorkommnissen, ähnliche Strafen zu verhängen. Der DFB bzw. die DFL sollten hier gewaltig zurück rudern und an den Gesprächstisch zurückkehren, um zu erörtern, wie man den Problemen Herr werden kann, anstatt in Aktionismus zu verfallen und Kollektivstrafen zu verhängen. Wenn sie in diesem Maße weitermachen, ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis wieder Zäune hochgezogen werden und ganze Fanlager ausgesperrt werden.

Nach dem Urteil wurden auch den VfB-Fans nur noch personalisierte Karten ausgegeben. Was das sollte, weiß ich nicht! Wir hatten unsere Karten bereits davor bestellt und auch unpersonalisiert bekommen. Nach dem Urteil gegen Hertha BSC mußte man beim VfB vorstellig werden, um eine Karte zu bekommen, was natürlich den zahlreichen in Berlin und Umgebung lebenden VfB-Fans nahezu unmöglich war. Selbst die VfB-Fanclubs in Berlin hatten größte Probleme, annähernd ihr Wunschkontingent zu erhalten. Diese Maßnahme war allein auf dem Mist vom VfB gewachsen, im DFB-Urteil wurden lediglich die Hertha-Fans sanktioniert. So wurden den VfB-Fans in Berlin und auch sonst denen, die weit weg von Stuttgart leben, noch unnötig Steine in den Weg geworfen. Berlin ist ja eines der wenigen Auswärtsspiele, bei denen man sich im Vorfeld im Grunde nicht um Karten kümmern muß, da es an den Tageskassen normalerweise noch ausreichend Tickets gibt, auch für den Gästeblock.

Die Ostkurve war also nahezu menschenleer. Es waren ein Berliner Bär, eine überdimensionale Hertha-Fahne, sowie jeweils zwei Hertha- und zwei KSC-Fahnen angebracht, da die Herthaner ja eine intensive Fanfreundschaft mit unseren “Badischen Freunden” pflegen. Einige Berliner gesetzteren Alters zollten uns vor dem Spiel Respekt für die geplante Solidaritätsaktion. Die Hertha-Fans auf der Gegengerade scherte die Aktion weniger, war es doch die Chance für sie, auf sich aufmerksam zu machen. Hertha verteilte dann auch noch Bang-Bangs, um akkustisch dem VfB Support nicht ganz unterlegen zu sein.

Dem Protest schlossen sich fast alle im VfB-Block an, lediglich ein paar Krakeeler hinter uns ignorierten den Protest. Ob sie aber über die Aktion im Bilde waren, weiß ich nicht, da sie offensichtlich schon mehr als die im Stadion erlaubten 0,8 Promille intus hatten.

Der VfB begann mit dem gleichen Personal wie gegen Mönchengladbach vor Wochenfrist. Hleb und Khedira fielen abermals verletzt aus, der zuletzt formverbesserte Boulahrouz erhielt erneut den Vorzug vor Celozzi.

Das Spiel plätscherte in den ersten Minuten ähnlich trostlos wie die Atmosphäre auf den Rängen dahin. Der VfB spielte zu Beginn zu passiv und mit einigen Unkonzentriertheiten. Die Hertha versuchte ihr Heil immer wieder in Kontern, der VfB lud die Berliner durch unnötige Ballverluste aber auch dazu ein.

Nach den ereignislosen ersten 15 Minuten und der Stille im weiten Rund brannten wir VfB-Fans natürlich darauf, unsere Mannschaft anzufeuern. Ab Minute 16 also wehten unsere weißroten Fahnen und die VfB-Fans gaben alles, um die Mannschaft aufzuwecken, was auch prompt gelang. Die erste Torchance des Spiel hatte Pogrebnjak nach Zuspiel von Marica, wenig später verfehlte Roberto Hilbert das Tor.Diese Phase war aber leider nur ein Strohfeuer. Es wurde einmal mehr deutlich, dass der VfB im Sommer personell einiges tun muß. Über die Außen Gehart und Hilbert waren wir viel zu harmlos. Hier wurde deutlich, dass Hleb und auch Khedira unserem Spiel fehlen. Es war kein Spieler auf dem Platz, der mal einen Ball halten und für Ordnung sorgen konnte. Die wenigen Standardsituationen wurden ausnahmslos kläglich vergeben. Mir fehlt das Verständnis, wenn bei fast jedem Eckball der Ball vom ersten Abwehrspieler abgefangen wird.

Dafür stand unsere Innenverteidigung dieses Mal gut. Die Herthaner standen hinten recht diszipliniert und wurden vom VfB immer wieder zu Kontern eingeladen. In der 23. Minute hatte der VfB Glück, dass der Linienrichter Gekas im Abseits sah, in der 36. Minute übersahen die Spielleiter ein Handspiel von Tasci im Strafraum. In dieser Phase also Glück für den VfB, bei dem nach vorne fast gar nichts mehr ging, da viele Bälle leichtfertig hergegeben wurden oder der finale Pass nicht ankam.


Aus der Kabine kamen die Mannschaften unverändert. Als Gross merkte, dass die Wirkung seiner Halbzeitansprache bereits nach wenigen Minuten verpufft war und das Spiel drohte, weiter in Richtung 0:0-Spiel dahin zu plätschern, ließ er früh in der 2. Halbzeit schon Cacau warmlaufen und wechselte ihn schließlich in der 57. Minute für Marica ein. Es war Cacaus erstes Spiel nach der Bekanntgabe seines Weggangs und ihm war deutlich anzumerken, dass er noch etwas reißen möchte.

Ich finde es schade, dass er geht, verstehe aber auch den Verein, wenn er in Zeiten der Weltwirtschaftskrise die Gehälter seiner Angestellten nicht nach Gutdünken der Spieler anhebt. Ich wünsche Cacau alles Gute und würde mich freuen, wenn er ein Angebot aus dem Ausland annehmen würde. Würde er bspw. zu Hoppenheim oder Schlacke wechseln, ja dann würde er in meiner Wertschätzung leider beträchtlich sinken!

Das Spiel des VfB wurde mit der Hereinnahme von Cacau zielstrebiger und dominanter, da er weite Wege gegangen ist und sich die Bälle aus dem Mittelfeld (die ja selten ankamen) notfalls auch selbst holt. So war es auch ihm vorbehalten, das Siegtor zu erzielen. Er probiert es wenigstens aus der Distanz und hatte Glück, dass sein Schuß in der 74. Minuten von van Bergen für Drobny unhaltbar abgefälscht wurde. So hatte er das Glück erzwungen und Hertha hadert jetzt natürlich.

Danach hatte man den Eindruck, die Herthaner würden jetzt die Nerven verlieren, da sie einige überharte Fouls begingen, die vom Schiedsrichter noch härter bestraft hätten gehört. Nach dem Tor verharrten die Berliner in einer Art Schockstarre und der VfB spielte seinen Stiefel weiter herunter. Auch der stürmende Hertha-Torwart Drobny änderte schließlich am ersten VfB-(Bundesliga-)Sieg in Berlin seit 1991 nichts mehr. Mir fiel natürlich auch ein Stein vom Herzen. Ich hatte vor dem Spiel kein sonderlich gutes Gefühl, da die Hertha quasi ums Überleben kämpft und durchaus Qualität auf dem Platz zu bieten hat. Dass sie auswärts stärker sind als zu Hause, wo sie lediglich am 8. August 2009 gegen Hannover 96 gewannen, war mein Hoffnungsschimmer, dem aber die gruselige Bilanz seit 1991 gegenüber stand.

So durften wir also abermals jubeln und uns an der so langsam unheimlichen Serie unter Trainer Christian Gross erfreuen. Immer öfter stelle ich mir die Frage “Was wäre wenn”, also, was wäre, wenn Babbel schon im Oktober entlassen worden wäre oder er seinen Rückblick erklärt hätte, um weiteren Schaden vom Verein abzuwenden. Mittlerweile geht er ja damit hausieren, dass ihm die Doppelbelastung über den Kopf wuchs und er zu wenig Einfluß auf die Mannschaft nehmen konnte. Selbsterkenntnis – für uns leider zu spät.

Wie in den letzten Spielen auch, feierten die Spieler zunächst für sich im Kreis. Nur einer fehlte – Pavel Pogrebnjak der auch hier unkonzentriert wirkte.

Erst danach kam die Mannschaft zu uns Fans und ließ sich, zu Recht, feiern. Solche Siege mußt Du einfach einfahren, auch wenn sie glanzlos sind. Es hätte zu diesem Zeitpunkt sicher dankbarere Aufgaben gegeben, als auf eine am Abgrund stehende Hertha zu treffen.

Die Herthaner präsentierten sich dann als schlechte Verlierer. Wie in einer größeren Gruppe üblich, mußten wir recht lange warten, bis wir wieder alle zusammen waren. Doch dann, etwa 20 Minuten nach Spielende, war ein problemloser Abmarsch vom Olympiagelände nicht mehr möglich. Mittlerweile trafen auch die Fans von der Waldbühne kommend ein und pöbelten was das Zeug hielt. Es war richtiges Gesocks dabei, das da rumpöbelte und Theater suchte. Wir ließen uns nicht provozieren und warteten so lange, bis sich die Situation beruhigt hatte und die aggressivsten in die Gefängniszellen in den Katakomben des Stadions abgeführt wurden. Immer wieder wurde uns die tolle Fanfreundschaft mit dem KSC unter die Nase gerieben, in der Hoffnung wir würden ein wenig mit denen bubeln. Da wir alle schon etwas länger aus den Windeln raus sind, ignorierten wir sie. Ich grinste in mich hinein und freute mich diebisch, dass sie nächstes Jahr ihre Freundschaft mit dem KSC in Liga Zwei wieder aufleben lassen können. Ebenso wie letztes Jahr nach dem Spiel beim KSC, ebenso muß ich heute sagen, dass denen die 2. Liga richtig gut tun wird, um wieder zur Besinnung zu kommen.

Die Hertha selbst, in persona Michael Preetz, erwies sich, ebenso wie ihre tollen Fans, als schlechte Verlierer und schickten einen Protestbrief an den DFB. In den letzten drei Heimspielen wären ihnen 8 Punkte geklaut worden. Heult doch! Wer sagt denn, dass Lehmann gegen Gekas nicht gehalten hätte, dass der Elfmeter reingegangen wäre und, dass wir gegen ein recht minderbemitteltes Team wie Hertha nicht, wie zwei Wochen zuvor in München, einen 0:1-Rückstand noch gedreht hätten. Herr Preetz, fassen Sie sich an die eigene Nase. Wer hat denn den Sauhaufen zusammengestellt? Merken Sie was? Also, bitte den Ball flach halten.

Als das Gros der Chaoten also abgezogen war oder in den Büschen lag machten wir uns auf zur S-Bahn und stiegen am Bahnhof Zoo aus. Auch dort wurden wir von einer Horde Hertha-Fans aufs übelste beschimpft, woraufhin wir die Straßenseite wechselten und Richtung Kurfürstendamm weiter liefen, nicht ohne weiter bepöbelt zu werden. Doch je weiter es Richtung Ku’Damm und damit in bessere Gegenden ging, desto weniger Aggressivität schlug uns entgegen. Wir gingen dann in den Altberliner Biersalon auf dem Ku’Damm, wo wir uns schon beim Pokalfinale 2007 aufhielten und ordentlich feierten. Dort tranken wir etwas und sahen uns das 1:1 zwischen Bayer 04 Leverkusen und den Bayern an. Auch hier waren natürlich enttäuschte Herthaner, mit denen man aber reden konnte, ohne dass sie gleich die Fäuste fliegen lassen wollten. Dass die Hertha einen Frust schiebt, ist ja verständlich, kein Verständnis habe ich allerdings, wenn einem Hass entgegen schlägt und man um Leib oder gar sein Leben fürchten muß, weil Chaoten, die im Leben nichts mehr zu verlieren haben, ihren ganz eigenen Frust schieben und alles und jeden für ihre mißliche Lage verantwortlich machen.

Nach dem Bayern-Spiel gingen wir dann noch in einen riesigen Irish Pub, in dem “El Classico” lief, also das Spiel der Spiele in Spanien, Real-Barca. Wir einigten uns aber dann darauf, den Pub in der Halbzeit zu verlassen (es stand 0:1 durch den galaktischen Messi) und uns wieder in Richtung Stresemannstraße aufzumachen. Dort kann man auch gemütlich etwas trinken und weiß sein Bett in der Nähe. So kehrten wir noch im direkt gegenüber unseres Hotels gelegene Wirtshaus Stresemann ein. Da wir seit dem Frühstück kaum noch etwas zu essen bekamen, ließen wir die Speisekarte kommen, schließlich kann man dort bis 1 Uhr noch essen bestellen. Ich entschied mich für eine Berliner Currywurst mit Pommes, weiß-rot natürlich und war nicht sonderlich begeistert. Keine Ahnung, was die Berliner so an ihrer Currywurst finden. Sie haben sie vielleicht erfunden, die Besten gibt es aber eindeutig bei uns, ich sage nur “Chef” oder Brunnenwirt. Andere hatten aber noch weniger Glück bei ihrer Auswahl. Die Currywurst mit Brot wurde mit Vollkornbrot serviert, das konnten wir uns nur so erklären, dass die Brötchen ausgegangen sind. Oder essen die das immer so? Und Carle schließlich wollte noch etwas leichtes vor der Nacht haben und bestellte sich Nachos. Ein bißchen dippen und knabbern dacht er sich. Denkste! Die Nachos kamen mit Käse überbacken was ihn doch sehr befremdete, Geli, die das Unheil schon kommen sah und ihm vorher einen Cheeseburger empfahl, mußte dann noch helfen.

Am nächsten Morgen trafen wir uns gegen 10.45 Uhr, um uns auf den Weg nach Potsdam zu machen. Ja, es stand Kultur auf dem Programm. Wir fuhren vom Anhalter-Bahnhof zur Friedrichstraße, von wo aus wir den Regionalexpress nach Brandenburg nahmen, der in Potsdam hält. Wir fuhren bis zum Sans Souci Park und durchschritten das weiträumige Gelände, wo sich Friedrich der Große im 18. Jahrhundert gleich mehrere Denkmäler setzte.

Wir liefen die schöne Alleenlandschaft entlang, wo immer wieder weitere prunkvolle Gebäude zum Vorschein kamen. Los ging es am Neuen Palais, es folgten einige weitere Gebäude und immer wieder Skulpturen, über deren Bedeutung wir aber leider nicht im Bilde waren. Um hier planvoll vorzugehen und sich in die Geschichte und Bedeutung der ganzen Gebäude und Figuren einzulesen, fehlte uns schlichtweg die Zeit. Wir waren zwar immer noch zu langsam unterwegs, aber daszu später mehr.

Auch hier entdeckten wir wieder zwei Grazien, muß mich doch mal einlesen, was die darstellen sollen. :-)

Um zum eigentlichen Lustschloß von Friedrich dem Großen zu gelangen, mußten wir noch eine Steigung bewältigen.

Doch dann, nach längerem Fußmarsch, standen wir endlich vor Sans Souci, das mit “Ohne Sorge” übersetzt werden kann. Ein Franzose wurde dann von Geli gleich mal eingeteilt, ein Gruppenfoto von uns zu schießen.

Da wir bereits kurz nach 15 Uhr von Heikos Bruder an der Bootsanlegestelle nahe des Potsdamer Bahnhofs erwartet wurden, kamen wir langsam in Zeitdruck. Zu sehr bummelten wir durch den Park. Also blieb für die Stadt nicht mehr viel Zeit, zumal wir auch endlich mal etwas trinken und vielleicht noch eine Kleinigkeit essen wollten. Dies taten wir bei Nudles und brachen danach sofort auf.

Wie schon erwähnt, ist est mit 13 Leuten schwierig immer zusammen zu bleiben und so kam es wie es kommen mußte. Es waren mehrere Kleingruppen unterwegs, man verlor sich, der eine verließ sich auf den Anderen, und, und, und. Langer Rede, kurzer Sinn. Wir verpassten unser Boot um etwa 5 Minuten. Matze, Heikos Bruder, der einzige, der genau wußte, wo es los ging, war zwar da und versuchte, den Bootsführer ein paar Minuten warten zu lassen, das war jedoch ein aussichtsloses Unterfangen. Wir sollten früher aufstehen, meinte dieser unfreundliche Bootsführer. Die Weiße Flotte Potsdam hat es wohl nicht nötig, auf 14 zahlende Fahrgäste 5 Minuten zu warten, zumal wir ja schon in Sichtweite vom Boot waren. Unabhängig davon, dass es die letzte Bootstour in unsere Richtung an diesem Tage war, unabhängig davon hätten wir dieser Gesellschaft auch nichts mehr zahlen wollen. So gingen wir zurück zum Bahnhof und erkundigten uns, wie wir noch zum Schwielowsee kommen können, da dort im Strandbad ein Tisch für uns reserviert war. Wir konnten wählen zwischen Zug und Bus wobei der Bus früher kam und wir uns für diesen entschieden. Die Fahrt war recht abenteuerlich, da die Strecke teilweise Schlaglöcher wie zu schlechtesten DDR-Zeiten aufwies.

Uns erwartete eine Lokalität, schön von Wasser umgeben mit Sandstrand und sehr idyllisch gelegen. Leider hatten wir für diese Jahreszeit Pech mit dem Wetter. Letztes Jahr an Ostern hatten wir schließlich auch schon sommerliche Temperaturen. Da wäre es natürlich noch einiges schöner gewesen. So konnten wir uns aber trotzdem erstmals an diesem Tage in die gemütlichen Sessel fallen lassen und ohne Hektik etwas trinken. Zu essen gab es italienische Kost. Die Auswahl war relativ dürftig, die Preise dem Standort mit Seeblick und dem dort vorgefundenen Ambiente angemessen. Zu trinken gab es Veltins, gegessen habe ich eine Pizza Calzone, deren Zutaten man selbst zusammen stellen konnte. Das Essen war ganz hervorragend und, wenn auch etwas teurer als in einer gewöhnlichen Pizzeria, jeden Cent wert. Auch die Anderen habe ich nicht meckern hören.

In Potsdam hatten wir einen Zugfahrplan mitgenommen, so dass wir es nicht verpaßten, Caputh (ja, so heißt der Ort wirklich…) wieder rechtzeitig zu verlassen. Der Bahnhof sah wirklich so aus, als wäre hier die Zeit stehen geblieben.

Von Caputh fuhren wir also mit dem Zug zurück nach Potsdam wo nach wenigen Minuten Aufenthalt unser Zug zurück nach Berlin Friedrichstraße einfuhr. Der Weg zurück zum Anhalter-Bahnhof war mittlerweile schon Routine. Dieses Mal kehrten wir im Cafe Stresemann ein, direkt gegenüber vom S-Bahnhof und stießen zusammen auf unseren dritten und letzten Abend in Berlin an.

Gott sei Dank war ich von meiner Calzone noch so gesättigt, dass ich nur noch flüssige Nahrung zu mir nehmen wollte. Anders die Geli, die sich vom Kellner zu einer original Berliner Currywurst überreden ließ. Nachdem ihr die Soße am Abend zuvor zu fad war, erkundigte sie sich, ob die Soße wirklich, wie auf der Karte ausgeschrieben, scharf wäre. Skeptisch wäre ich selbst geworden, wenn mir der Kellner zu der Auswahl gesagt hätte “Man kann sie essen”. So jedenfalls zückte ich doch schnell den Photo, als die arme Geli nach Luft röchelte und den Brand dann sofort mit Caipirinha und dem gecrushten Eis löschte.

Ich hatte aus Interesse dann auch die Soße probiert und war froh, dass ich es bei dem einen Bissen belassen konnte, die war wirklich teuflisch scharf.

Am nächsten Morgen hieß es dann schon wieder Abschied nehmen. Anita und ich fuhren gegen 9.45 Uhr wieder los und bewältigten die Strecke erneut in 6 1/2 Stunden. Das Wetter bot auf der Fahrt fast sein gesamtes Repertoire. Einen eisigen Wind bei 2-3°, strömenden Regen, dichten Nebel und ab Württemberg scheinte dann auch mal die Sonne. Abends dann trafen wir uns noch mit den anderen, die in Stuttgart ankamen beim Haxnwirt im Hauptbahnhof, um das verlängerte Wochenende endgültig ausklingen zu lassen. Leider ist es schon wieder vorbei.

Ich hoffe, Euch hat mein Erlebnisbericht gefallen. Mein nächstes Auswärtsspiel ist das Spiel in Bochum, ein nächster Bericht folgt aber voraussichtlich schon früher.

Ich wünsche Euch was, viele Grüße und bis bald

Franky

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9. April 2010

VfB Stuttgart gegen Hertha BSC: Es kommt auf jeden Punkt an

Zwei Wochen nach dem Coup beim Liga-Primus FC Bayern will der VfB Stuttgart seinen Ansturm auf die Euro-League- Plätze auch bei Schlusslicht Hertha BSC Berlin nicht stoppen lassen. “Wir wollen weiter an unserer Auswärtsbilanz arbeiten”, kündigte VfB- Trainer Christian Gross zwei Tage vor der Partie am Samstag (15.30 Uhr) an. Denn bei ihrer Aufholjagd gilt für die beste Rückrunden- Mannschaft der Fußball-Bundesliga auch nach drei Siegen hintereinander streng die Devise: Bloß nicht lockerlassen! Schließlich wäre im Kopf-an-Kopf-Rennen des Quartetts Hamburger SV (45 Punkte), VfB Stuttgart (44), Eintracht Frankfurt (44) und VfL Wolfsburg (43) um den wahrscheinlich für die Europa-League reichenden sechsten Rang schon ein Remis ein Rückschlag. “Das ist fast schon wie in der Sauna, so eng sitzt man da beieinander”, meinte VfB- Sportvorstand Horst Heldt. “Aber es ist klar, dass wir dieses Ziel haben, alle oder möglichst viele Spiele noch zu gewinnen. Und wenn wir das schaffen, haben wir sicherlich noch eine Möglichkeit.”

In Berlin richten sich die Schwaben trotz Herthas 18. Tabellenplatz auf einen Härtetest ein. “Wir treffen auf einen Gegner, der sich mit aller Macht gegen den drohenden Abstieg wehrt. Und das versuchen sie spielerisch zu lösen, stehen aber trotzdem sehr kompakt. Da werden wir aufs Äußerste gefordert”, warnte Gross. Auch Heldt hält den Neunten der Rückrunden-Tabelle längst nicht nur wegen des jüngsten 3:0-Ausrufezeichens in Köln für gefährlich. “Sie haben in der Rückrunde die wenigsten Gegentore. Das ist eine Mannschaft, die in der Lage ist, jeden Gegner zu schlagen – auch uns. Wir müssen höllisch aufpassen”, sagte der 40-Jährige. Kaum Hoffnung hat der Tabellen-Siebte auf ein Comeback seines mit Adduktorenproblemen kämpfenden Mittelfeld-Antreibers Alexander Hleb. “Es sieht so aus, dass bei Alex noch nichts geht”, sagte Gross. Auch Nationalspieler Sami Khedira wird nach seiner Knieverletzung trotz großer Fortschritte wohl weiter fehlen.

Für den Platz neben Matthieu Delpierre in der Innenverteidigung legte sich Gross trotz seines Fehlers beim 2:1 gegen Mönchengladbach auf Serdar Tasci (“Er hat mein Vertrauen”) fest, Georg Niedermeier bleibt auf der Bank. Cacau steht nach verbüßter Gelbsperre als Alternative im Angriff bereit. Dass wegen der Ausschreitungen von Hertha-Anhängern gegen Nürnberg wie vom DFB-Sportgericht festgelegt maximal 25.000 Zuschauer im Olympiastadion sein werden, betrachten die VfB-Verantwortlichen eher als Vorteil. “Natürlich spielt jeder lieber vor einem ausverkauften Stadion, aber so können sich unsere mitgereisten Fans mehr in den Vordergrund singen”, meinte Heldt, der auch die Durststrecke von zwölf sieglosen Spielen in Berlin seit der Saison 1990/91 nicht als Handicap sieht: “Wir hatten auch in München lange nicht gewonnen und jetzt wird es Zeit, auch mal wieder in Berlin zu gewinnen.”

(STZ 8.4.10)

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26. Februar 2010

Den Dom ließen wir in Kölle – die Punkte nahmen wir eindrucksvoll mit

Nachdem mich anfangs der Woche noch eine heftige Grippe plagte, wurde ich rechtzeitig zum Spiel in Köln wieder fit. So begaben wir uns an diesem Samstag pünktlichst zum Bahnhof, um den Intercity, der planmäßig um 7.37 Uhr starten sollte, ohne Streß zu erreichen. Aufgrund “technischer Probleme”, mehr wollte uns die Deutsche Bahn nicht mitteilen, verzögerte sich die Abfahrt aber leider um etwa 20 Minuten, Zeit, die uns natürlich in Köln fehlen würde. Zumal wir uns dieses Mal aufgrund der Sparpreise der Bahn für einen normalen IC und nicht den ICE entschieden hatten, und somit etwa eine Stunde länger unterwegs sein sollten. Wir begaben uns sofort in den Bistrowagen, in dem wir uns zunächst mit unseren mitgebrachten Fleischküchle-Wecka eine erste Grundlage schufen. So dauerte es dann auch nicht lange, bis ich mich dazu entschloss, zu testen, wie das Franziskaner Weißbier an diesem frühen Samstag-Morgen schmecken würde. Leider erstreckten sich die technischen Probleme der Bahn auch auf die Kühlung der Getränke. Das erste Weizen gleich soichwarm, das kann ja heiter werden… In Mannheim stiegen dann auch Heiko und Konrad von den Murgtalschwaben zu. Da wir dann natürlich sofort nachträglich auf Carles Geburtstag anstoßen “mußten”, trank ich eben noch ein Weizen, das zu meiner großen Freude deutlich kälter war, als das vorherige. Hätte die Bahnangestellte das erste doch auch nur von hinten weggenommen… ;-) . Im weiteren Verlauf der Fahrt, die über die schöne Strecke dem Rhein entlang über Mainz, an der Loreley vorbei und über Koblenz führte, klopften wir dann noch einen Skat, für mich mein erster seit bestimmt 15 Jahren, wir lasen die Tagespresse und diskutierten natürlich schon unsere Erwartungen für das Spiel. Da Marica gelbgesperrt ausfiel und Cacau sowie Schieber nach ihren Verletzungen noch kein Spiel bestritten haben, befürchteten wir fast, Christian Gross würde nur mit einer echten Spitze, nämlich Pavel Pogrebnjak antreten. Eine Taktik, vor der es mir immer graut, zeigt man doch damit indirekt dem Gegner, dass er mal schön die Initiative ergreifen darf. Wir haben einfach nicht die gefährlichen Flügelspieler, wie z. B. die Bayern mit Ribery und Robben, um nur mit einem Stoßstürmer spielen zu können.

Dadurch war die Fahrt natürlich sehr kurzweilig und ging im Zug um wie im Flug. Was machen Köln-Touristen, wenn sie aus dem Bahnhof kommen? Richtig! Ein Bild vom Dom. Dass das Bild noch den richtigen Touch bekam, gesellte sich schnell noch Charlie Chaplin zu uns.

Unsere erste Anlaufstelle in Köln war dann das Früh-Kölsch. Hier sind wir erfahrungsgemäß wohlgelitten, das Personal ist freundlich, die Bierversorgung klappt bestens und essen kann man dort auch noch etwas. Etwas störend für einen Süddeutschen sind natürlich die Reagenzgläser, in denen man in Köln sein Bier bekommt. Aber, wie geschrieben, die Versorgung klappte bestens, “unser” Kellner behielt uns ständig im Auge und brachte Nachschub, wenn wieder zu viel Luft in den Gläsern war.

Nachdem wir uns im Früh mit fester und flüssiger Nahrung gestärkt hatten, ging es ab ins Stadion. Da mir der Weg dorthin immer elends lang vorkommt, probierten wir es dieses Mal mit dem Taxi. Das war leider auch keine gute Entscheidung, schnell standen wir im Stau, brauchten somit mindestens genau so lang wie mit der Bahn und bezahlten noch 19 Euro für die Strecke. Da wir zu viert fuhren, ging das natürlich, dennoch lohnt sich das nur, wenn man eine Zeitersparnis dabei hat. Im Stadion dann trennten sich zunächst unsere Wege. Ich hatte mir zwar Karten über den VfB besorgen lassen, war mit diesen aber nicht einverstanden. Im gleichen Block über unserem Fanblock saßen wir letztes Jahr auch, damals hinter einer Plexiglasscheibe, schlecht zum Fotografieren natürlich. Auch den davor liegenden Strafraum konnte man nicht komplett einsehen. So entschloß ich mich kurzerhand dazu, beim FC Karten für die Gegentribüne zu bestellen, in einem Block, in dem im letzten Jahr massenhaft VfB-Fans waren, und meine Karten weiter zu geben. Am Einlaß gab es überhaupt keine Probleme, schnurstracks waren wir drin. Für mich ist es immer ein erhebendes Gefühl, in dieses Stadion zu kommen. Mir persönlich gefällt das Rheinenergiestadion von den neuen bzw. umgebauten Stadien in Deutschland mit am besten. Vor dem Spiel herrscht hier immer eine besondere Atmosphäre, vor allem, wenn Viva Colonia oder das Vereinslied Mer stonn zu Dir gespielt werden. Dann ist das weite Rund eine einzige rot-weiße Schalparade, die auch für mich als Gästefan schön anzusehen ist.

Ich fand die Plätze, die wir hatten, super. Der Block dürfte zu je 50% von Kölner und VfBlern belegt gewesen sein. Es gab aber keinerlei Probleme zwischen den Fangruppen. Rechtzeitig zum Verlesen unserer Mannschaftsaufstellung waren wir auf unseren Plätzen. Der leider angeschlagene Sami Khedira wurde durch Zdravko Kuzmanovic ersetzt, Marica also doch durch Cacau. Mich persönlich hätte es doch verwundert, wenn Gross anders aufgestellt hätte. Donnerstags war ich noch beim Training und da machte Cacau auf mich als Laien nicht den Eindruck, er wäre noch nicht fit genug.

Durch ein Spalier von Cheerleadern ging es für unser Team also hinein in das stimmungsvolle Stadion. Der VfB war gefordert heute. Es galt zu zeigen, dass die Niederlage gegen den HSV nur ein Ausrutscher war und Selbsvertrauen zu tanken vor dem bevorstehenden Highlight gegen den großen FC Barcelona. Außerdem war es interessant zu sehen, wie die Mannschaft reagieren würde, wenn zwei Stammspieler der vergangenen Wochen fehlen würden. Vor allem Sami Khediras Ausfall dürfte schwer wiegen, ist er doch mehr und mehr das Gesicht und die Lunge des neuen VfB.

Das Spiel begann dann recht schwungvoll. Der VfB hatte früh erste Torchancen durch Cacau (5.), Delpierre (6.) und Träsch (10.). Vor allem Delpierre hätte mit seinem Kopfball freistehend gerne für die Beruhigungspille sorgen dürfen. Dennoch stimmte der Auftakt zuversichtlich. Der Mannschaft merkte man das Vorhaben an, die Scharte der HSV-Niederliege auswetzen zu wollen. Die neuen fügten sich auch nahtlos in das Mannschaftsgefüge ein. Cacau wirkte sehr motiviert. Nachdem unter Gross zunächst Pogrebnjak und Marica gesetzt waren und er zu allem Überfluß noch durch eine Verletzung ausgebremst wurde, kam er in Köln erst zu seinem allerersten Rückrundeneinsatz. Viele schrieben ihn schon, vor allem in Bezug auf seine mögliche WM-Teilnahme, ab, was ihm deutlich zusetzt. In einigen Interviews in der Woche vor dem Spiel machte er deutlich, dass er nicht kampflos aufgeben und sich zeigen wolle. Eine Woche danach wissen wir, dass dies keine leeren Worthülsen waren. Er muß einfach besser und auch für die Mannschaft wertvoller sein, als seine direkten Konkurrenten, dann wird auch sicher Christian Gross der letzte sein, der ihn in seinem Eifer bremsen möchte. Diesen Kampfgeist hätte ich mir im übrigen auch von Thomas Hitzlsperger gewünscht, der sich möglicherweise gewaltig “verwechselt” hat. Wie ich Christian Gross bislang einschätze, kann sich jeder seine Einsätze verdienen oder er sagt ihm klipp und klar, dass er keine Zukunft unter ihm haben wird. Dem Hitz konnte er aber, und das sicher gerechtfertigt, keine Einsätze garantieren, Chancen hätte er aber durchaus gehabt.

Doch zurück zum Spiel. Die beiden Trainer verfolgten das Geschehen auf dem Spielfeld jeweils im Stehen. Für uns war es ja auch ein Wiedersehen mit Zvoni Soldo, der 10 Jahre lang die Kickstiefel für den VfB geschnürt hatte und lange unser Kapitän war. Ihm möchte man ja in Köln Alles Gute wünschen, aber bitte nicht in diesem Spiel.

Christian Gross wie immer engagiert an der Seitenlinie

Auch Zvonimir Soldo verfolgt das Geschehen im Stehen

Im Kölner Strafraum ging es bereits in der Anfangsphase heiß her

Nach den ersten guten VfB-Chancen gaben auch die Kölner in Person von Novakovic ihre erste Duftmarke ab, der in einer 1:1-Situation am glänzend reagierenden Jens Lehmann scheiterte. Im Gegenzug dann fiel das 0:1 durch Cacau, als die Kölner noch über die vergebene Chance haderten. Vorausgegangen war dem Tor ein glänzendes Zusammenspiel auf der linken Seite von Hleb und Molinaro, der sich immer mehr zu einem Glücksgriff mausert. Mit Verlaub: wer fragt heute noch nach Ludovic Magnin? Die Kölner brauchten eine gute Viertelstunde, um sich vom Gegentreffer zu erholen und näherten sich nun mal wieder zaghaft dem VfB-Tor. Christopher Schorch aber vertändelte den Ball. Postwendend folgte der Konter, der zum 0:2 nach 31 Minuten führte. Cacau war schon auf und davon, verstolperte dann fast die Kugel, so dass er die Situation nur noch mit einem Distanzschuß retten konnte. Dabei schlenzte er den Ball aber technisch anspruchsvoll und sehenswert ins rechte Toreck. Im VfB-Sektor brachen daraufhin natürlich alle Dämme. Mit 2 Toren lagen wir auswärts in dieser Saison bislang nur in Frankfurt in Front, da waren wir aber nicht mit dabei. Das Spiel lief also ähnlich gut wie letzte Saison an gleicher Stelle, als wir durch 3 Gomez-Tore mit 3:0 gewannen. Danach profitierte Novakovic abermals von einem Stellungsfehler von Delpierre, auch hier bügelte Lehmann die Gefahr glänzend aus, danach scheiterte Gebhart mit einem satten Schuß an Mondragon.

In der 38. Minute machte Cacau dann seinen Hattrick perfekt, als nach einer Ecke der Ball über Schorch und Mondragon Cacau der Ball genau vor die Füße sprang. Die VfB-Fans waren jetzt natürlich völlig aus dem Häuschen und die Kölner bedient.

Cacau macht seinen Hattrick perfekt

Kein Protest, nur Teil einer Hüpfeinlage :-)

Dass den Kölner durch Schorch noch vor der Pause der Anschluß gelang, tat unserer guten Stimmung keinen Abbruch. Trotz teilweise guter Chancen der Kölner sah es nicht danach aus, dass der VfB noch einbrechen könnte.  Nach dem Seitenwechsel war Köln zunächst optisch überlegen und hatte einige Chancen. Sie waren aber entweder zu unpräzise oder fanden in dem fehlerfreien Jens Lehmann ihren Meister. Köln konnte es sich allerdings auch nicht leisten, kopflos nach vorne zu rennen, da der VfB stets präsent war und immer wieder Nadelstiche setzte. In der 65. Minute war dann der Arbeitstag von Aleks Hleb beendet. Auch er steigert sich seit dem Amtsantritt von Gross kontinuierlich, warum ein Fußballprofi aber keine Luft für 90 Minuten hat, erschließt sich mir nicht. Er wurde von dem wiedererstarkten Roberto Hilbert ersetzt, der prompt 4 Minuten später die Flanke zum vorentscheidenden 1:4, ausnahmsweise durch Pavel Pogrebnjak, schlug.

Cacau traf schließlich in der 74. Minute zum Endstand von 1:5. Sein erster Viererpack in der Bundesliga. Für den VfB war es der erste lupenreine Hattrick seit 1986, als dies Jürgen Klinsmann beim 0:7 in Düsseldorf gelang. Auch damals war ich schon dabei. :-) . Jetzt waren nicht nur die VfB-Fans aus dem Häuschen, jetzt waren auch die Kölner aus dem Stadion. Mit dem 1:4 begann eine Massenflucht, zum Schlußpfiff waren wir dann fast unter uns.

Hellseher?

Nach dem 1:5 war es dann mehr oder weniger ein Schaulaufen. Die Kölner hatten längst resigniert, der noch immer torhungrige VfB hätte sogar noch um das ein oder andere Tor höher gewinnen können. So ließ sich die Mannschaft natürlich nach Schlußpfiff feiern, vor allem Cacau wurde natürlich besungen. Er hat sich hoffentlich jetzt in die Mannschaft hineingespielt. In dieser Form wäre er eine Bereicherung für jede Bundesligamannschaft und so bleibt zu hoffen, dass sich beide Parteien in vernünftigem Rahmen auf eine Fortsetzung der Zusammenarbeit einigen können. Hervorzuheben ist aber auch die insgesamt gute Mannschaftsleistung. Lediglich Delpierre und mit zunehmender Spieldauer Hleb fielen hier ab, die besten beim VfB waren Lehmann und Cacau.

Nach dem Feiern der Mannschaft gingen wir hinunter, um die anderen wieder zu treffen. Den VfB-Sportshop hatten wir als Treffpunkt ausgemacht. Doch diese Rechnung hatten wir ohne die Kölner gemacht. Im Gegensatz zu vor dem Spiel war der Zugang zum Gästebereich mit Zäunen und Ordnern zugestellt. Wir, natürlich in voller VfB-Montur, sprachen dann einen Ordner an, der uns zu jemandem brachte, der uns Zugang zum Gästebereich verschaffen konnte. Also ganz freundlich das Personal dort, er wunderte sich selbst über die Organisation, indem er “tolle Fantrennung” murmelte. Schnell haben wir uns dann also wiedergefunden und machten uns auf den Weg zur Straßenbahn. Auf dem Weg dorthin kam uns dann ein Bierstand sehr gelegen, nachdem es im Stadion nur alkoholfreies Bier gab. Dort trafen wir dann noch Freunde aus dem Bierhexle und begossen erst einmal den Sieg.

Danach ging es mit der Straßenbahn zurück zur Kölner Altstadt. In der Pfaffen-Brauereigaststätte am Heumarkt aßen wir erst einmal etwas, danach gingen wir noch in die Bar Keks direkt in der Altstadt, wo es laute Musik und reichlich Kölsch gab. Hier gab es auch keine Fantrennung, Kölner und VfBler feierten gemeinsam.

Kurz vor 10 Uhr fuhr dann leider wieder unser Zug Richtung Heimat. Letztes Jahr hatten wir in Köln übernachtet, das wäre auch dieses Mal eine gute Wahl gewesen. So ging die Party eben im Zug weiter, der überwiegend von fröhlichen Schwaben bevölkert war.

Fröhliche Schwaben überall

Um 0.40 Uhr kamen wir planmäßig und vom langen Tag gezeichnet wieder in Stuttgart an. Es war ein klasse Tag mit einem Super-Auswärtssieg und guten Freunden. Kurz gesagt: PERFEKT!

Ein Bericht über das Barcelona-Spiel und den Ausblick auf Frankfurt folgt in Kürze.

Viele Grüße

Franky

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