20. November 2017

Fußball ist keine Mathematik

Diesen Ausspruch prägte einmal Karl-Heinz Rummenigge, als er Ottmar Hitzfeld als Bayern-Trainer anzählte und damit despektierlich auf seinen erlernten Beruf, Mathematiklehrer, anspielte.
So fehl am Platz dieser damals war, zumal bei Rummenigge ohnehin selten etwas Vernünftiges herauskommt, wenn er zynisch oder lustig sein will, so sehr assoziiere ich diese Phrase mit dem derzeit praktizierten Führungsstil beim VfB.

Fußball ist keine Mathematik und Fußball ist auch nicht ausschließlich eine kräftig sprudelnde Geldquelle, in der es um Gewinnmaximierung und das Zufriedenstellen seiner Aktionäre bzw. Anteilseigner geht. Der Fußball ist mehr. Er ist ein Spiel der Emotionen, die schönste Nebensache der Welt.

Mit der zunehmenden Kommerzialisierung und Eventisierung und den Übernahmen von Vereinen durch finanzstarke Wirtschaftsbosse, Mäzene und Scheichs ging der lang gehegte Grundgedanke des bezahlbaren Sports, mit dem sich die Leute identifizieren, ohnehin mehr und mehr verloren. Geld regiert den Fußball und entfernt sich, geführt von korrupten Verbänden, immer mehr von der Basis. Sei es der Weltverband FIFA, bei dem Bestechung an der Tagesordnung ist und der sich trotz nachgewiesener Schmiergeldzahlungen, Menschenrechtsverletzungen und vielem mehr noch immer nicht dazu durchringt, Katar die WM zu entziehen. Oder sei es auch DFB und DFL, die gerne ihr Saubermann-Image pflegen und den hiesigen Fußball zu einer Popcorn-Veranstaltung verkommen lassen wollen, indem sie das Ausleben von Fankultur immer mehr unterbinden.

Dass Pyro-Einlagen sanktioniert werden, daran hat man sich ja gerade noch gewöhnt. Dass aber inzwischen auch Schmäh-Plakate und –Gesänge bestraft werden und DER Fußball-Anwalt in Deutschland, Christoph Schickhardt, der auch schon des Öfteren den VfB vertrat, gar fordert, dass Spiele, in denen einer wie Dietmar Hopp beleidigt werde, überhaupt nicht angepfiffen werden, spottet jeder Beschreibung. Man kann zu den Spruchbändern stehen wie man möchte, aber, wäre es verhältnismäßig, deshalb ein Spiel abzusagen und 50.000 Leute, von denen die allermeisten überhaupt nichts mit dem Spruchband zu tun haben, nach Hause zu schicken?

Wir sind auf dem Weg zu englischen Verhältnissen, wo man mittlerweile nicht einmal mehr aufstehen und seinen Emotionen freien Lauf lassen darf, ohne von einem Steward ein freundliches, aber bestimmtes „sit down, please“ zu kassieren. Sind das Verhältnisse, die wir wirklich wollen können? Die uns von einem Verband diktiert werden sollen, der sich derzeit mit seinem Video-Assistenten lächerlich macht und seinen eigenen WM-Sumpf noch nicht trockengelegt bzw. aufgeklärt hat? Gegen die weitere Eventisierung bis hin zur Abschaffung der Stehplätze, die immer mal wieder ins Gespräch gebracht wird, dagegen gilt es sich bis zum letzten Blutstropfen zu wehren.

Inzwischen hat auch der VfB als einer der letzten Bundesligavereine in eine Kapitalgesellschaft ausgegliedert und damit selbst einen Teil seiner Seele verkauft. Mit Wolfgang Dietrich wurde ein Präsident durchgeboxt, dem Diplomatie fremd ist und dem, um seine Ziele zu erreichen, jedes Mittel recht ist. Diesen Ruf erwarb er sich als Boss eines undurchsichtigen Firmengeflechts und wurde aus eben diesem Grund auch zum Sprecher von Stuttgart 21 ernannt. Er weiß es, Menschen zu manipulieren und für sich einzunehmen und war deshalb sicher der Richtige, das ewig schwelende und zum Schluss leidige Thema „Ausgliederung der Profiabteilung“ zu einem vom VfB gewünschten Abschluss zu bringen.

Die Zweitligazugehörigkeit spielte ihm dabei in die Karten, denn, als Tabellenführer und Mitglied der Spitzengruppe der 2. Liga lässt sich leichter eine Aufbruchsstimmung entfachen, als wenn man als Sechzehnter in der Bundesliga herumdümpeln würde.

Dass man dabei den wirtschaftlich ungünstigsten Zeitpunkt wählte und den VfB mutmaßlich weit unter Wert verkaufte, wurde billigend in Kauf genommen. Es ging ja auch nicht hauptsächlich um die Daimler-Millionen, sondern darum, endlich nicht mehr bei vielen wegweisenden Entscheidungen die lästige Mitgliederschaft befragen zu müssen.
Viele, die der Ausgliederung zugestimmt haben, ließen sich von den Friede-, Freude-, Eierkuchen-Veranstaltungen im Trump-Style (make VfB great again) die Sinne vernebeln und setzten großes Vertrauen in Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf, den Schindelmeiser geholt hatte.

Weil es Schindelmeiser innerhalb kürzester Zeit und mit klugen Transfers geschafft hat, ein junges, hungriges und vor allem aufstiegsfähiges Team auf die Beine zu stellen und in Hannes Wolf eines der spannendsten und vielversprechendsten Trainertalente, die Deutschland zu bieten hat, präsentierte, war das Vertrauen in den Sachverstand und in die Fähigkeit, aus wenig Geld viel zu machen, offensichtlich grenzenlos.

Nicht umsonst wurden, wann immer sich die Gelegenheit ergab, die beiden vor den Karren gespannt, um für die Ausgliederung zu werben. Sportlich waren wir ohnehin auf Kurs bzw. am Tag der außerordentlichen Mitgliederversammlung soeben aufgestiegen, so dass die Zweifler in der Minderheit waren und als ewiggestrige Traditionalisten bezeichnet wurden. Warnungen, „seine“ Entscheidung nicht an Personen festzumachen, wurden in den Wind geschlagen, weil sehr viele auf dem „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Trip waren und den VfB durch den Geldregen bereits wieder auf dem Weg nach Europa wähnten.

Dass die Vorwürfe gegen Jan Schindelmeiser nicht völlig aus der Luft gegriffen waren, weiß man zwar inzwischen, ich bin mir dennoch noch nicht im Klaren darüber, ob diese Differenzen nicht noch irgendwie zu kitten gewesen wären. Doch, der inzwischen als Aufsichtsrat der AG fungierende Wolfgang Dietrich hatte daran offenbar gar kein Interesse. Der Moor (Schindelmeiser) hatte seine Schuldigkeit getan und musste weg. Die Ausgliederung war durch, die Einspruchsfrist abgelaufen. Schindelmeiser war einer von drei Vorständen der AG, Dietrich „nur“ noch Aufsichtsrat. Mit dieser Konstellation oder auch den Geistern, die man selber rief, hatte Dietrich offenbar so seine Probleme. Schindelmeiser war schließlich nicht „sein“ Mann gewesen, sondern schon da, als er ins Präsidentenamt gehievt wurde.

Nachdem die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung abgelaufen war, versorgte man die Stuttgarter Nachrichten mit Interna, um aus dem Nichts Jan Schindelmeiser zum Abschuss freizugeben und dem vorzubeugen, dass der bereits feststehende Rausschmiss nicht aus heiterem Himmel kommt. Nicht die feine englische Art und äußerst unpopulär, den beliebten Sportdirektor, dem so viele in puncto Zukunftsplanung ihr Vertrauen entgegen brachten, derart abzuservieren, aber, in einer Kapitalgesellschaft menschelt es nun mal weniger als in einem eingetragenen Verein.

Hier geht es um knallhartes Business, unbequeme Zeitgenossen werden schon mal von einem Tag auf den anderen entsorgt. Man muss ja schließlich das große Ganze im Blick behalten und der VfB steht ohnehin über allem, so dass man äußerst dumm gewesen wäre, das Superhirn der Liga, Michael Reschke, der auf dem Markt gewesen war, nicht mit dem Sport-Vorstandposten zu versehen. So die Lesart, die uns der VfB weismachen wollte.

Dass Reschke bereits vor der Asien-Reise der Bayern Uli Hoeneß um die Auflösung seines Vertrages gebeten haben soll, um zum VfB wechseln zu können, verleiht der Personalie mehr als nur ein Gschmäckle. Nicht allein, dass man, obwohl es im Verhältnis mit Schindelmeiser schon das ganze Jahr geknirscht haben soll, ihn als das personifizierte Vertrauen in eine bessere VfB-Zukunft für die Ausgliederung werben ließ, auch, dass man ihn fleißig die Kaderplanung in der Sommerpause tätigen lassen hat, im Wissen, dass dieser die längste Zeit beim VfB gewesen ist, war äußerst fahrlässig. Michael Reschke, dem die Bayern einen Hallodri wie Hasan Salihamidžić vor die Nase setzten, wurde also der neue starke Mann beim VfB. Schnell stellte man fest, die Chemie zwischen Dietrich und Reschke stimmt, locker, leger und im Partnerlook präsentieren sich die beiden Macher nur allzu gerne, es geht eben nichts über eine gute Männerfreundschaft…

Dass Reschke bislang stets ein Mann für die zweite Reihe war und dort auch am besten aufgehoben ist, beweist der Rheinländer in unschöner Regelmäßigkeit. Wie ein Elefant im Porzellanladen reißt er Wände ein, wo keine sind und macht Fässer auf, die unnötig wie ein Kropf sind. Erst betitelte er Kritiker wie Fans und Mitglieder gleichermaßen als ahnungslose Vollidioten, wenn sie an seinen bisherigen Transfers etwas auszusetzen hatten, und nun scheint er entschlossen zu sein, unsere Amateure abzumelden.

Auch hier kommt mir der Ausspruch „Fußball ist keine Mathematik“ in den Sinn. Denn, Fußball ist weit mehr, Fußball ist Emotion, ist Verbundenheit, ist Tradition. Unsere Amateure, Deutscher Amateurmeister 1963 und 1980 sowie derzeitiger Vierter in der Ewigen Tabelle der 3. Liga, sollen, geht es nach dem Willen von Michael Reschke, komplett von der Bildfläche verschwinden. Dass für viele Fans aber die Amateure ihr zweitliebstes Kind sind und für sie eine Welt zusammenbrechen würde, interessiert den „Macher“ Reschke nicht. Emotionen haben für ihn scheinbar im Fußball nichts verloren, es geht ihm nur um den Profit für die AG. Daher stelle ich schon jetzt für mich fest, dass Reschke nicht zum VfB passt und er zumindest mir gestohlen bleiben kann. Schindelmeiser war Kommunikator, der auch bei sensiblen und schwierigen Themen mit Argumenten zu überzeugen versuchte. Reschke aber poltert herein und es interessiert ihn offenbar überhaupt nicht, was wir Fans über Jahrzehnte liebgewonnen haben. Die nötige Sensibilität, die es eben auch braucht, ein Fußballunternehmen zu führen geht ihm, wie ja auch Dietrich, völlig ab.

Ich hoffe sehr, dass die Gremien sich diesen quasi nicht mehr rückgängig machbaren Schritt noch einmal gut überlegen. Mit der Abmeldung werden nämlich nicht „nur“ 2,5 Millionen Euro im Jahr eingespart, es wird sich auch der Möglichkeit beraubt, Talente auf hohem Niveau an den Männerfußball heranzuführen. Auch hier wieder, Fußball ist keine Mathematik!

Der Eindruck verfestigt sich, dass der Abstieg unserer Amateure 2016 einigen Herren in die Karten spielte und man nun die große Chance sieht, sich diesen lästigen Beiwerks mehr oder weniger elegant zu entledigen. Ferner kommt es derzeit offensichtlich, wie aus den jüngsten Regionalversammlungen zu erfahren war, ganz gelegen, dass die „Amas“ derzeit sportlich schwächeln und, O-Ton, offensichtlich ja auch keinen Bock mehr hätten. Will es den Jungs tatsächlich einer verdenken, dass es sie beschäftigt und nicht mehr unbeschwert aufspielen lässt, wenn keiner weiß, ob in der nächsten Saison noch Platz für ihn auf dem Wasen ist? Für mich kommt die Debatte zur Unzeit und ist einer guten Saison nicht förderlich.

Klar, nach dem Herausposaunen diesen Plans durch Reschke am 20.10. verlor man umgehend 0:5 in Saarbrücken, spielte noch einmal herzerfrischend beim 2:2 gegen Kickers Offenbach, ehe man Schott Mainz, Hoffenheim und am Samstag auch Steinbach unterlag. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die Entscheidung bereits in Stein gemeißelt ist und es kein Zurück mehr gibt. Ein Jammer, wie ich finde!
Anstatt darüber zu klagen, dass die Regionalliga nicht das optimale Sprungbrett für eine spätere Bundesligakarriere sei, sollte man doch vielmehr ein paar Euro mehr in die Hand nehmen, um die „Amas“ wieder dorthin zu bringen, wo sie lange Jahre waren, nämlich in die 3. Liga. Die ist nämlich ein ideales Stahlbad für unsere Youngster, wer es dort schafft, sich durchzubeißen, bringt zumindest einmal die Robustheit mit, die es auch für die Bundesliga braucht.

Unser Problem der letzten Jahre war keineswegs, dass man es über die Amateure nicht nach oben schaffen kann. Es seien nur einige Namen von vielen genannt, wie Hinkel, Khedira, Kuranyi, Hleb oder Daniel Didavi, die sich bei den Amateuren für höhere Weihen empfehlen konnten.

Um die Jungs zu fördern und zu fordern benötigt man fähiges Personal neben dem grünen Rasen, was vor allem in der Bobic-Ära gegen dessen Weggefährten abgesetzt und weg gemobbt wurde. Noch während Heldt Sportdirektor war, wechselte der langjährige Amateur-Trainer Rainer Adrion, wer wollte es ihm verdenken, zum DFB und übernahm den frischgebackenen U21- Europameister.

2012 schließlich verließen uns die langjährigen Koryphäen Thomas Albeck und Frieder Schrof in Richtung Leipzig. Der kürzlich überraschend verstorbene Albeck (R. i. F.) und Schrof standen ebenso wie Adrion dafür, dass sie die Jungs nicht nur sportlich förderten, sondern ihnen auch sonst bei allen Alltagsproblemen die Türen offenstanden. Sie waren Mentoren, Ziehväter, Jugendleiter und Trainer in Personalunion und sahen in den Spielern nicht nur Gelddruckmaschinen der Zukunft, sondern den Menschen samt Familie, der dahinter steckt. Der gute Ruf dieser Leute ließ sich Spieler für den VfB entscheiden, die unter Umständen woanders in jungen Jahren schon deutlich mehr hätten verdienen können. Auf das Wort der Herren konnte man sich verlassen, auch wenn es darum ging, ob es ein Spieler packt oder auch nicht. Auch an dieser Stelle sei erwähnt, Fußball ist nun mal keine Mathematik. Ein Fußballunternehmen, das man als AG nun spätestens ist, darf nie außer Acht lassen, dass man es mit Menschen und Emotionen zu tun hat.

Seinerzeit machten Bobic und Labbadia ihr eigenes Ding. Bobic scharte lieber gute Freunde anstatt Fachleute um sich, während Labbadia sich vehement dagegen verschloss, junge Spieler einzubauen und ernsthaft zu fördern. Bei ihm hatte man den Eindruck, er werfe lieber „der Meute“ jemanden zum Fraß hin, indem er einst den gelernten Innenverteidiger und damals noch Greenhorn, Ermin Bičakčić, als rechten Verteidiger gegen Franck Ribéry spielen ließ, um hinterher sagen zu können, seht her, der kann es nicht. Weil man dem Sachverstand von Albeck und Schrof nicht vertraute, ging dem VfB seinerzeit auch Joshua Kimmich durch die Lappen, ein Spieler, der jetzt bereits das Doppelte der Ausgliederungsmillionen vom Daimler wert sein dürfte.

Die wirtschaftlichen Beweggründe und die Argumentation, dass Spieler heutzutage schon mit 18, 19 Jahren den Durchbruch schaffen sollten, kann man zwar in gewisser Weise nachvollziehen und doch könnte man zumindest Letzterem Rechnung tragen, in dem man die Jungs sich früher bei den Amateuren frei schwimmen lässt als bisher und konsequent aussiebt, wer keine Perspektive hat. Auch hier befanden wir uns, seit Schindelmeiser und Wolf das Zepter im sportlichen Bereich schwangen, auf einem guten Weg, indem man sich von langjährigen Amateur-Spielern, denen man den großen Durchbruch nicht mehr zutraute, wie Ristl und Tashchy oder auch Besuschkow, trennte.

Von angedachten Farmteams und Kooperationen mit Großaspach, Kickers oder auch Heidenheim halte ich überhaupt nichts. Sind Spieler einmal in die Provinz abgeschoben, entfremden sich die meisten und wecken Begehrlichkeiten Anderer, sofern sie sich entscheidend weiterentwickeln. Dann mag der VfB zwar für eine gewisse Zeit noch die Transferrechte in Händen halten, das nützt aber nichts, wenn ein Spieler innerlich gekündigt und mit dem VfB abgeschlossen hat, Joshua Kimmich lässt grüßen. Ist ein Spieler mal weg, lernt Anderes kennen, fällt es ihm umso leichter, eine weitere Luftveränderung zu wagen, anstatt zum VfB zurückzukommen. Eine viel größere Motivationsspritze wäre es doch, beim VfB bleiben zu können, den „Stars“ der Ersten regelmäßig über den Weg zu laufen und sich Tipps holen zu können und als Belohnung für gute Leistungen das eine oder andere Mal mit ihnen trainieren zu dürfen oder es gar in den Kader zu schaffen, wie in dieser Saison bereits Sessa.

Da unsere Amateure im Verein offensichtlich keine Lobby mehr genießen, ist es umso bedauerlicher, dass sie auch von den Fans so wenig Unterstützung erhalten. Sie werden zwar wahrgenommen und von vielen geschätzt, den Hintern hoch, um sie auch bei den Spielen zu unterstützen, bekommen aber die wenigsten. Fast ausschließlich sind die Gästefans auch bei den „Heimspielen“ in der Überzahl. Viele weigern sich dabei, einen Fuß ins Kickers-Stadion zu setzen, obwohl dieses Stadion ja städtisch ist und der VfB deshalb einen Großteil seiner Heimspiele dort austrägt bzw. auch austragen muss.
Sehr bedauerlich finde ich es, dass sich unsere Ultras den Amas weitestgehend verschließen und dort nicht als Gruppe auftreten. Andere Fanszenen machen Auftritte ihrer Amateure zu Festspielen, Support und Pyro-Einlagen inklusive, während bei den Unseren eine Atmosphäre wie auf einer Beerdigung herrscht.

Für mich sind Spiele der Amateure wie eine Reise in die Vergangenheit. Sofern es die Spielansetzungen zulassen und Spiele der Amas nicht mit denen unserer Profis kollidieren, fahre ich auch gerne mal auswärts mit und stehe mit 30-50 anderen VfBlern im Gästeblock. Dort erlebt man dann noch den ursprünglichen Fußball, wie wir ihn kennen- und lieben gelernt haben, in kleinen, heruntergekommenen Stadien und zu moderaten Preisen. Bei Vereinen, die schon bessere Zeiten erlebt haben, trifft man sie noch, die Kuttenträger und hat den Eindruck, dort wäre die Zeit stehengeblieben. Sollte ich eines Tages die Nase voll haben vom Hochglanzprodukt in der Beletage, oder, besser gesagt, sollten sie mich endgültig vertrieben haben, wäre es Stand heute noch eine echte und vielleicht auch die einzige Alternative, mit den Amateuren alle Spiele zu machen. Manchmal habe ich den Eindruck, es fehlt nur noch der berühmte Tropfen, bis es so weit kommt. Ein Jammer, dass ich mich von diesem Vorhaben demnächst wohl endgültig verabschieden muss.

Reschke hat bei Bayer bereits die Amateure abgemeldet und wird es auch beim VfB tun, wenn ihn nicht im letzten Moment noch einer stoppt. Spielte die Musik beim VfB noch im eingetragenen Verein, könnte man sich von der in Kürze anstehenden Mitgliederversammlung noch versprechen, dass der eine oder andere flammende Appell Wirkung zeigt und noch einmal zurückgerudert wird. Da aber auch die Amateure ausgegliedert wurden, dürfte selbst ein solcher nichts mehr nützen. Uns und vielen anderen Auswärtsfahrern, die sich während der MV noch auf der Rückfahrt aus Bremen befinden, hat man ohnehin der Möglichkeit beraubt, an dieser teilnehmen zu können. Augen auf bei der Terminwahl!

Der VfB hätte es selbst in der Hand, unseren Nachwuchs wieder an die Spitze Fußball-Deutschlands zu bringen. Dazu gehört jedoch ein eiserner Wille und nicht, dass man die Amateure nur nebenher laufen lässt.

Wichtigster Punkt sind die Verantwortlichen, die sich im Nachwuchsleistungszentrum und später bei den Amateuren um die Jungs kümmern. Es müsste wieder mehr über wahre Koryphäen, sozialkompetente Mitarbeiter und gute Seelen berichtet werden können, anstatt über nächtliche Eskapaden mit Profi-Spieler(n).

Die Amateure dürften aber auch vom Gesamtverein, ähm, der AG, nicht mehr so stiefmütterlich behandelt werden wie bisher. Es fängt damit an, dass es schon detektivischer Fähigkeiten bedarf, drei Tage vor einem Heimspiel herauszufinden, ob im Gazi- oder im Schlienzstadion gespielt wird. Der VfB müsste, wie es Rainer Adrion vor zwei, drei Jahren schon einmal in Aussicht gestellt hat, darauf drängen, dass die Terminierungen nicht immer zeitgleich zu den Spielen der Profis erfolgen, vor allem bei vermeintlichen Risikospielen, bei denen es wichtiger zu sein scheint, dass Polizei, Ordnungsdienst und damit auch der VfB einen ruhigen Nachmittag verleben, als dass die Amateure bestmögliche Unterstützung erhalten. Man könnte die Socialmedia-Kanäle und die Webseite nutzen, besser über die Amateure zu informieren und vor allem mobil zu machen, die Jungs auch im Stadion anzufeuern. Für mich sind die Möglichkeiten noch lang nicht ausgereizt. Je attraktiver die Amateure werden und je größer die Chancen sind, diese als Sprungbrett nach oben nutzen können, desto leichter täte sich der VfB auch, mehr Talente zum VfB zu locken bzw. diese zu halten, wenn sie schon da sind.

Auch wenn ich befürchte, dass das Aus der Amateure beschlossene Sache ist, gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass sich im Verein noch jemand findet, der Reschke zurückpfeift. Fußball ist keine Mathematik, es gibt Themen, die man in einem Fußballunternehmen sensibel anpacken muss, spielt man doch mit den Gefühlen der Anhängerschaft. Wer das nicht verstanden hat, hat im Fußball bzw. zumindest in der ersten Reihe nichts zu suchen.

Fußball ist keine Mathematik und der Fußball ist kein Experimentierfeld für einen, der den VfB nur vom Hörensagen kennt und der noch heute am liebsten von seinem früheren Arbeitgeber schwärmt.
Für mich passt Reschke nicht hier her und schon gar nicht an die vorderste Front. Er mag als Superhirn im Scouting eine Bereicherung sein, doch, sobald er sich in der Öffentlichkeit äußert, ist Fremdschämen angesagt, so wie er die Fettnäpfchen anzieht. Dazu gab es am Freitag in der Cannstatter Kurve ein passendes Spruchband.

Ich habe mich bei der Ausgliederungsdebatte so geäußert und mache es an dieser Stelle wieder. Teuer erkaufter Erfolg steht für mich nicht an erster Stelle, wenn es um Vereinsliebe geht. Der VfB darf sich gerne von den Superreichen abheben, indem er aus seinen begrenzten Möglichkeiten das Optimale herausholt, anstatt mit aller Macht zu versuchen, den Anschluss nach oben wieder herzustellen. Ich will hier keine Spieler, die 10 Millionen Euro im Jahr und mehr „verdienen“, ich brauche niemanden an der Spitze, der bei einem derzeitigen Abstiegskandidaten Luftschlösser baut, wo er den VfB in zwei, drei Jahren sieht.

Fußball ist in erster Linie Tagesgeschäft. Im Hier und jetzt geht es darum, den Klassenerhalt zu schaffen, was schwer genug werden wird. Das auch, weil Reschke in den gut drei Wochen, die er während der Transferperiode Zeit hatte, seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Ascacíbars Wechsel wurde dem Vernehmen nach noch von Schindelmeiser in die Wege geleitet, Aogo kam von der, ja, ich oute mich als ahnungsloser Vollidiot, Reschkerampe, und Beck hat, wie er Woche für Woche demonstriert, seinen Zenit längst überschritten. Für den Hochgeschwindigkeitsfußball, für den Hannes Wolf eigentlich steht, sind Spieler Marke Auslaufmodell ungeeignet und kontraproduktiv.

Daher täte Reschke gut daran, sich zunächst einmal auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren und sich mit Taten und nicht Visionen Anerkennung erwerben. Denn, Alt-Kanzler Helmut Schmidt sagte es einst, „wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“.

Unsere erst kürzlich eingeweihte neue Fahne! :-(

Den Nagel auf den Kopf getroffen!

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23. Oktober 2012

Rüdiger als Matchwinner

An diesem goldenen Oktoberwochenende hatten wir mal wieder eine besondere Tour geplant. Erst ging es am Samstag in den Erdgas-Sportpark nach Halle, unmittelbar nach Spielende folgte die Weiterfahrt nach Hamburg, wo der VfB am Sonntag-Abend den 8. Spieltag abschließen würde.

Gegen den Hallescher FC ging es für unsere Amas darum, den Negativtrend mit zuvor sechs sieglosen Spielen in Folge zu beenden und sich wieder ein kleines Polster zu den Abstiegsplätzen zu erarbeiten.

Dies gelang eindrucksvoll. Bereits nach vier Spielminuten nutzte Antonio Rüdiger die Konfusion in der Hallenser Abwehr, als er eine Ablage aus etwa 20 Metern mit einem satten Vollspannschuss ins Tor hämmerte und damit die in den schönen schwarzen Auswärtstrikots angetretenen Schwaben in Führung schoss. Halle, die ebenfalls in einer Negativspirale stecken, merkte man danach die Verunsicherung an. Der VfB versäumte es aber, diese auszunutzen und unmittelbar nachzulegen. So legten die Hausherren nach und nach die Nervosität ab und übernahmen das Kommando, welches zwischenzeitlich kurz vor der Halbzeit in den zu diesem Zeitpunkt verdienten Ausgleich mündete.

Fünf Minuten nach Wiederbeginn musste unser Kapitän Tobi Rathgeb verletzungsbedingt vorzeitig den Platz verlassen und wurde durch Thomas Geyer ersetzt. Weitere vier Zeigerumdrehungen später dezimierten sich die Gastgeber selbst, als Preuß nach einem Foul am überragenden Rüdiger die Ampelkarte sah. Zehn Minuten später gab es gut 20 Meter vor dem gegnerischen Tor nach einem Foul an Rani Khedira Freistoß für den VfB. Der etatmäßige Standardspezialist Rathgeb stand ja nicht mehr auf dem Platz, also übernahm Antonio Rüdiger die Verantwortung und schnürte seinen Doppelpack.

An dieser Stelle möchte ich einmal meine Verwunderung darüber zum Ausdruck bringen, dass normalerweise der Leitwolf Tobias Rathgeb sämtliche Standards bei unserer zweiten Mannschaft treten darf. Bei aller Wertschätzung für Rathgeb, hielte ich es für angebrachter die Standards  ambitionierteren Spielern, wie (einst) Holzhauser, oder eben jetzt einem Kevin Stöger, Antonio Rüdiger oder auch Rani Khedira zu überlassen. So kommt Holzhauser in die erste Mannschaft und übernimmt dort auf Anhieb die Standards, welche er bei den Amas selten bis nie ausführen durfte, ebenso packt Rüdiger in Halle die Chance beim Schopfe und hämmert das Runde ins Eckige, wo Rathgeb mutmaßlich einmal mehr die Kugel mehr geschlenzt denn gedroschen hätte und der Ball so zu 99% eine sichere Beute für den Keeper gewesen wäre oder der Ball über den Kasten geflogen wäre.

Nach dem 1:2 war der Widerstand der Hallenser jedenfalls gebrochen und der VfB erhöhte noch durch Janzer und Benyamina auf das etwas zu hohe 1:4.

Eigentlich schaffen wir es selten bis nie zu einem Auswärtsspiel unserer Jungen Wilden. Dieses Mal jedoch bot es sich an, auch wenn Halle nicht auf dem direkten Weg nach Hamburg liegt. Dennoch bereuten wir diese Entscheidung in keiner Sekunde. Es war ein toller Trip, bei fast sommerlichen Temperaturen und strahlend blauem Himmel. Die 7.002 Zuschauer im Erdgas-Sportpark machten ordentlich Stimmung und unterstützten ihr Team während der gesamten 90 Minuten. Leider blieb der Gästeblock an diesem Tag geschlossen, so dass sich die ohnehin wenigen VfB-Fans noch im weiten Rund verloren. Die Mannschaft ließ es sich dennoch nicht nehmen, sich nach dem Spiel in unserer Kurve feiern zu lassen und sich fürs Kommen zu bedanken. Für den VfB geht es am kommenden Wochenende zu Wacker Burghausen, die auf einem respektablen fünften Tabellenplatz stehen und sogar die Heimtabelle anführen. Es dürfte also kein leichtes Unterfangen werden. Dennoch ist unserem jungen Team mit dem Elan von Halle einiges zuzutrauen, zumal es die Punkte für den Klassenerhalt wohl eher auswärts holen muss. In Degerloch ist der VfB auch im fünften Jahr in der 3. Liga noch nicht heimisch geworden, auch, weil so gut wie jedes Heim- ein gefühltes Auswärtsspiel ist. Dem Team ist zu wünschen, dass sich dieser Zustand baldmöglichst ändert, die Heimfans auch in Degerloch einmal in der Überzahl sind und sich ein Stimmungsblock bildet, der dem Gegner stimmungstechnisch Paroli bieten kann. Es sollte sich doch einmal herumsprechen, dass hier junge, hungrige Akteure auf dem Platz stehen, die unsere Farben mehr als würdig vertreten, und, die es verdient hätten, mehr Zuspruch zu erhalten.

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29. Juli 2010

2:2 im Härtetest gegen die Grasshoppers

Nachmittags trafen wir uns alle am Hotel Hirschen, wo inzwischen der Rest unseres Stammtisches eingetroffen war. Das Hallo war natürlich riesig, lag das letzte Bundesligaspiel doch schon etwa zwei Monate zurück. Da man mit der beim Einchecken erhaltenen Kurkarte kostenlos Bahn fahren kann, entschloss sich die Gruppe, den Weg nach Waldshut-Tiengen mit dem Zug zurück zu legen. Ich war aufgrund der großen Hitze lange am überlegen, ob ich nicht doch lieber aufs klimatisierte Auto zurückgreife. Der Gemeinschaft wegen gaben wir uns dann aber doch einen Ruck und stiegen ins selbe Boot ein. Wir parkten unser Auto direkt am Bahnhof, um abends schneller weg kommen zu können und trafen uns mit den anderen am Bahnhof.

Einen ersten Schreckmoment bereitete uns Anita, die kopfüber die Treppe zur Bahnhofsunterführung hinunter stürzte und den Donaueschinger Boden küsste. Gott sei Dank ging der Sturz glimpflich aus und sie zog sich lediglich eine Knieprellung zu, hatte aber natürlich für den Rest des Tages mit den Schmerzen zu kämpfen.

Auf der Bahnfahrt selbst folge dann die nächste Überraschung: unsere Kurkarte ist nur für die Region Südschwarzwald gültig, wozu zwar Waldshut-Tiengen, nicht aber unser erstes Ziel Singen, wo wir umsteigen mußten, zählt. Daher mußten wir im Zug noch Baden-Württemberg-Tickets lösen. Obwohl wir 16 Leute waren und jedes Ticket für fünf Personen gültig ist, lösten wir nur drei dieser Tickets, in der Hoffnung, dass die Bahnbediensteten nicht bis 16 zählen können, was sich dann auch als richtig erwies.

Schließlich erreichten wir den Bahnhof von Tiengen relativ pünktlich und pilgerten gemütlich ca. einen Kilometer bis zum Stadion oder besser Sportplatz. Carle und Ule unterdessen fuhren weiter bis Waldshut, wo wir in einem Sportgeschäft Karten hinterlegen ließen. Die Reservierung lag zwar dort vor, leider haben sie aber dennoch unsere Karten herausgeben, so dass erstens der Weg dorthin umsonst war und zweitens wir auf einmal ohne Tickets da standen. Den Weg hätten sich die beiden also sparen können. So rief die Dame aus dem Sportgeschäft einen Ordner auf dem Stadiongelände an, der uns die Tickets, natürlich zum günstigeren Vorverkaufspreis, besorgte und am Stadion aushändigte.

Unser erster Weg führte uns nach langer Anreise bei drückend schwüler Hitze in den Biergarten der Stadiongaststätte. Bald darauf trafen hier auch Klenky und unser neuer Fanbetreuer Christian Schmidt ein. In gemütlicher Runde aßen wir dort hervorragend und tranken endlich ein kühles Bier.

Trotz des gemütlichen Beisammenseins und dem immer besser schmeckenden Bier gingen wir pünktlich herrüber zum Stadion, um uns einen guten Platz zu suchen und abzuchecken, wo wir die Fahne positionieren können. 2.300 Zuschauer fanden sich zu dem Kick ein, darunter auch einige hartgesottene Grasshoppers-Fan, die sogar einen “abgesperrten” Fanblock erhielten, durch den wir aber durchspazieren konnten. Darin war sicherlich Potential für Ärger vorhanden, ihresgleichen suchten sie im Stadion am Langenstein aber vergebens.

Für die Schweizer war dieses Spiel schon eine Art Generalprobe für den Saisonauftakt, für den VfB ein Test inmitten eines intensiven Trainingslagers. Beim VfB fehlten noch sämtliche WM-Fahrer sowie der verletzte Kapitän Delpierre und der angeschlagene Christian Träsch. Durch diese Umstände erwarteten wir natürlich kein Feuerwerk vom VfB.

Das Spiel begann recht flott mit Chancen auf beiden Seiten. Sven Ulreich stand öfter im Brennpunkt, als ihm vielleicht lieb war. Er machte seine Sache aber recht gut und vereitelte einige Chancen von auf ihn zustürmenden Grasshoppers.

Auch der VfB hatte die ein oder andere Chance, die beste vergab Martin Harnik nach knapp einer halben Stunde. Besser machte es Pavel Pogrebnjak, der in der 36. Minute nach einer Ecke per Hacke die Führung erzielte. Diese hat bis zur Pause Bestand.

Ein Eklat erfolgte dann in der Halbzeitpause. Durch die große Hitze und dem nicht vorhandenen erfrischenden Wind war der Flüssigkeitsverlust nicht nur bei den Spielern sondern auch bei den anwesenden Schlachtenbummlern groß. Das erfrischende Nass vor Augen erfolgte aber zum Unmut der Anwesenden nicht die unverzügliche Verteilung, stattdessen wurde erst einmal diskutiert. Leute, so können wir nicht arbeiten!

Als die Wechsel von Schwarz und Walch (61.) anstanden und durch die Umstellungen kurzzeitig Unordnung im VfB-Spiel aufkam, drehten die Grasshoppers das Spiel. Das Team vom Ex-Lauterer Sforza ging durch Tore in 60. und 63. Minute plötzlich mit 2:1 in Führung. Danach merkte man dem VfB an, dass er diesen Kick nicht verlieren wollte. Gerade auch Ex-Trainer Gross, auch wenn sein Engagement bei den Grasshoppers schon viele Jahre zurück liegt, wollte sich diese Schmach ersparen. So drückte der VfB trotz der schweren Beine noch einmal aufs Tempo und kam durch Didavi nach 71 Minuten zum verdienten Ausgleich.

Bei uns war die Stimmung wie fast immer sehr gut. Der Biernachschub war inzwischen gut organisiert und das Spiel plätscherte dem Ende entgegen. So viel Flüssigkeit, wie wir an diesem Tag verloren, konnten wir nur schwer wieder aufnehmen, wir taten aber unser bestes.

Am Ende erreichte der VfB einen Achtungserfolg. 2:2 mit den intensiven Trainingseinheiten in den Knochen gegen ein Spitzenteam der Schweizer Liga, deren Start unmittelbar bevor steht. Mir jedenfalls war da nicht zu meckern zumute.

Bereits kurz nach dem Abpfiff begaben wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof, da wir den Zug unter keinen Umständen verpassen durften. Auch auf dem Rückweg hatten wir das Glück, dass die Schaffner sich nicht die Mühe machten, unsere Gruppe abzuzählen. In Singen hatten wir dann noch etwa eine halbe Stunde Aufenthalt. Die Schnaken dort freuten sich schon auf uns, so verstochen wurde ich schon lange nicht mehr. Bis heute sind diese Andenken an meinen Beinen gut sichtbar. Spätestens an dieser Stelle fragte ich mich, ob es nicht doch besser gewesen wäre, mit dem Auto zu fahren…

Den Abend ausklingen ließen wir dann noch im Irish Pub in Donaueschingen, einem der wenigen Lokale, wo wir auch nach 23 Uhr noch zu trinken bekamen.

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25. Februar 2010

Eine Saison ohne Europacup? Gedanken zur Transferpolitik!

Gegen den Hamburger SV setzte es leider die erste Niederlage unter unserem neuen Trainer Christian Gross. Letztendlich zwar ungerecht, weil der VfB nach dem Ausgleich drauf und dran war, das Spiel zu drehen, leider aber das 2:1 nicht machte. Dann kam der einstige Weltstar Ruud Van Nistelrooy und brauchte gerade mal gute 10 Minuten, um mit einem Doppelpack die Niederlage zu besiegeln. Aus meiner Sicht unnötig nahm Christian Gross den in den letzten Spielen guten und sicheren Georg Niedermeier aus dem Team und brachte den wiedergenesenen Matthieu Delpierre, der einige Unsicherheiten zeigte. So fiel besonders beim 0:1 auf, dass die neuformierte Innenverteidigung sich nicht einig war, vermutlich, da sie schon eine Weile so nicht mehr zusammen spielten. Die beiden Tore machte der Holländer im Stile eines Weltklassemannes, da er einer ist, der nicht lange fackelt und sofort den Abschluß sucht.

Das Spiel bot die große Chance näher an die Plätze 4 und 5 zu rücken, um im nächsten Jahr vielleicht doch noch in den internationalen Wettbewerb rutschen zu können. Allerdings wollen wir auch nicht vermessen sein und nicht vergessen, wo wir herkommen. Beim Amtsantritt von Christian Gross am Nikolaustag 2009 standen wir am Abgrund auf einem Abstiegsplatz. Daher sehe ich nur das Positive, nämlich, dass wir uns mittlerweile nach unten genügend Luft verschafft haben. Auch einer Saison ohne internationalen Wettbewerb würde ich viel Positives abgewinnen. Die Doppelbelastung fiele weg. Der Kader kann konsolidiert und Großverdiener wie Aleks Hleb aussortiert werden. Die Vereinsführung wird genau rechnen, welche Gehaltszahlungen ohne internationale Einnahmen gestemmt werden können und welche man stemmen möchte. Der Verein täte gut daran, nicht alle überzogenen Gehaltsforderungen zu akzeptieren. Auch Fußballprofis dürfen ruhig spüren, dass wir uns in einer weltweiten Rezession befinden und Einbußen in Kauf nehmen, zugegeben wären das immer noch Einbußen auf sehr hohem Niveau. In diesem Zusammenhang wäre ich aber doch interessiert, Eigengewächse wie bspw. Sami Khedira und Serdar Tasci versuchen zu halten. Auch diese werden nicht für einen Appel und ein Ei spielen, doch sind es gerade diese Spieler, die sich in besonderem Maße mit dem Verein identifizieren.  Es geht mir mehr um die Legionäre von außen, die man mit Unsummen an Geld ködert und die oft mehr verdienen als die besagten Eigengewächse, was automatisch zu Mißstimmung in der Mannschaft führt. Der Verein sollte ein Ausbildungsverein bleiben und zusehen, dass vielversprechende Talente für die Reserve verpflichtet werden, die dann auch bei entsprechender Leistung eine Chance bei den Profis erhalten. Christian Träsch ist ein gutes Beispiel, dass dieser Weg zum Erfolg führen kann. Seine Entwicklung ist sensationell.

Wenn man dann noch Verträge abschließt wie mit Mario Gomez, die uns, im Falle des Abgangs, marktgerechte Ablösesummen garantieren, hat der Verein in kaufmännischer Hinsicht alles richtig gemacht. Optimal wäre natürlich, wenn parallel zum zu befürchtenden Abgang, schon ein Nachfolger aufgebaut werden könnte, wie es Ajax Amsterdam über Jahre erfolgreich hinbekommen hat.

Ich hoffe, dass unsere Zweite jetzt mit Jürgen Seeberger wieder einen Trainer hat, der diesem Auftrag gerecht werden kann. Das ist ein Weg, der von den Fans mitgetragen wird, auch dann, sollte es mal eine Zwischensaison mit Umbruch geben, und der Verein nicht im oberen Drittel mitspielen können.

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