22. September 2016

Danke, Olaf Janßen, willkommen Hannes Wolf!

Zwei Spiele, sechs Punkte, 3:0 Tore. So die makellose Bilanz des wohl der Statistik nach erfolgreichsten Trainers der VfB-Vereinsgeschichte. Ich hätte dieser Interimslösung gerne mehr Zeit und auch die Chance eingeräumt, sich als Dauerlösung zu empfehlen.

Dass man Kramny im Vorjahr zu schnell zum Chef ernannt hat, ist inzwischen wohl jedem klar. Viele lehnten eine neuerliche interne (Billig)-Lösung schon deshalb ab, weil es mit Kramny schief gegangen ist, wobei es auch Gegenbeispiele gibt, sogar beim VfB.

Mit einer funktionierenden Interimslösung von Spiel zu Spiel zu denken, bevor man „irgendwen“ holt, der nicht bei drei auf dem Baum ist, damit hätte ich gut leben können.

So verfuhr Mayer-Vorfelder 1996 mit Jogi Löw, nachdem Rolf Fringer kurz vor Saisonstart den Verein verließ und Schweizer Nationaltrainer wurde. Assistent Joachim Löw übernahm, den MV aufgrund seiner Unerfahrenheit und weil er eher stiller Analytiker denn Lautsprecher war, schon nicht als Dauerlösung sah.

Nach den Kumpel-Typen Jürgen Röber und Rolf Fringer und durchwachsenen Jahren seit der Meisterschaft 1992, sah MV eher einen Feldherrn für die Truppe um Berthold, Foda, Haber, Poschner & Co. vor, der der unumstrittene Chef sein und sich von den zahlreichen Alphatieren nicht auf der Nase herumtanzen lassen sollte.

Erst nach einer beispiellosen Siegesserie und begeisterndem Fußball, das magische Dreieck war geboren, kam MV nicht mehr umhin, Löw nach dem 6. Spieltag offiziell zum Cheftrainer zu ernennen. Auch wenn just am Tag der Verkündung das Heimspiel gegen den krassen Außenseiter Fortuna Düsseldorf mit 0:2 verloren ging, bleibt die Ära Löw und die des magischen Dreiecks, gekrönt vom Pokalsieg und dem Finale im Pokal der Pokalsieger gegen Chelsea in Stockholm, als eine der fußballerisch besten Zeiten vom VfB in bester Erinnerung.

Vor Jahresfrist erst gab André Schubert nach dem Rücktritt von Lucien Favre bei Borussia Mönchengladbach die Interimslösung. Wie Jan Schindelmeiser beteuerte auch Max Eberl stets, dass diese Lösung nur eine vorübergehende sei, mit dem Ausgang, dass Schubert heute noch auf der Trainerbank der Borussia sitzt.

Es kommt immer darauf an, welches Standing der „Co“ und sein Team bei den Spielern schon vorher hatte und noch hat. Galt er als Spitzel des bisherigen Chefs oder war er eher der Kumpel von den Spielern, bei dem sie sich auch schon einmal ausweinen konnten. Bei Letzterem ist die Motivation der Mannschaft durchaus die, dass sie dem „Co“ helfen werden und eine womöglich für sich selbst schlechtere Lösung dadurch verhindern können. Daher nicht unbedingt die schlechteste Variante, erst einmal abzuwarten, bevor man mit einem Schnellschuss einen Trainer verpflichtet, nur weil der gerade verfügbar ist, und der dann womöglich nicht zum Verein und zur Mannschaft passt.

Diesen „Jemand“ hat Schindelmeiser nicht geholt, vielmehr hat er einen der vielversprechendsten Nachwuchstrainer Deutschlands von Borussia Dortmund losgeeist. Mit dieser Lösung hat wohl niemand gerechnet, so dass man Schindelmeiser hier schon allein deshalb loben kann, weil bis zuletzt nichts nach außen gedrungen ist und weil hinter dieser Verpflichtung ein Plan steckt. Eigentlich nicht noch extra erwähnenswert, beim VfB jedoch schon.

So rücken Olaf Janßen, Heiko Gerber und Andi Hinkel wieder zurück ins zweite Glied. Mich würde sehr interessieren, ob Janßen sich grundsätzlich vom Cheftrainer-Dasein losgesagt hat und sich in der Spielbeobachtung besser aufgehoben sieht, oder ob es ihn nicht doch gereizt hätte, diesen Posten auch länger auszufüllen. Ich wünsche mir, dass dieses Dreigespann vom Verein nicht billig abserviert wird, sondern für jeden ein Platz gefunden wird, wo er sich gut aufgehoben fühlt und man sich an sie auch erinnert, wenn Posten auf der nächsthöheren Stufe vakant sind. Gerade Andy Hinkel hat man schon einmal abserviert, ich wünsche mir, dass mit ihm so nicht noch ein zweites Mal umgesprungen wird. Aber, auch da habe ich bei Jan Schindelmeiser ein gutes Gefühl, er weiß das Potential derer, die allein weil sie beliebte VfB-Ikonen der Vergangenheit sind, wichtiges Kapital darstellen, zu schätzen und wird sie hoffentlich nicht so vergraulen wie seine Vorgänger.

Dem 35-jährigen Hannes Wolf eilt der Ruf eines Erfolgscoachs voraus, weil er in den letzten Jahren zwei Mal Deutscher Meister mit den U17-Junioren und zuletzt Meister mit den U19-Junioren wurde.
Der VfB geht damit einen neuen Weg und bietet Wolf, dessen großer Mentor kein geringerer als Jürgen Klopp ist und den viele beim BVB schon als logischen Tuchel-Nachfolger gesehen haben, die große Chance sich einen Namen im Profifußball zu machen.

Dass der BVB Wolf ablösefrei zum VfB wechseln ist, rechnet Schindelmeiser dem BVB hoch an. Was genau dahinter steckt weiß man natürlich nicht. Ich glaube kaum, dass der BVB froh ist, ihn losgeworden zu sein, so möchte ich es positiv sehen, dass der BVB Wolf diese Chance aus Dankbarkeit nicht verbauen wollte und dies vor allem nicht daran scheitern sollte, dass ein klammer Zweitligist wie der VfB eine etwaige Ablöseforderung nicht zu zahlen bereit gewesen wäre. Für den BVB wären dies ohnehin Peanuts gewesen!

Für den VfB ist die Verpflichtung Wolfs Risiko und Chance zugleich. Da dieser Schuss sitzen muss und es sich der Verein nicht erlauben kann, in dieser Saison nicht aufzusteigen, wird Wolf vom ersten Tag an Ergebnisse liefern müssen. Deshalb tut er gut daran, auf dem Fundament, das Olaf Janßen und sein Team inzwischen gesetzt haben, aufzubauen und Dinge peu à peu zu ändern, statt zu schnell zu viel zu wollen. Es ist höchst bedauerlich, dass man mit Wolf nicht schon die Saisonvorbereitung bestreiten konnte, so dass er jetzt zunächst einmal mit dem zurecht kommen muss, was schon vorhanden ist und erst im Wintertrainingslager und ggf. der Wintertransferperiode damit beginnen kann, sich „sein“ Team aufzubauen.

Ein Risiko besteht außerdem darin, wie durchsetzungsfähig er gegen die abgewichste Spezies Fußball-Profis sein wird und ob er es schafft, fast gleichaltrige Profis wie Christian Gentner von neuen Methoden und neuen Spielsystemen zu überzeugen und wie konsequent er ihnen gegenüber wäre, würde sich der eine oder andere verweigern.

Wie der VfB den Tabellenführer über weite Strecken dominiert hat und wie man bei diesem Spiel sah, dass sich die Mannschaft langsam aber sicher findet und die zweite Liga auch mental annimmt, sollte es möglich sein in dieser Liga ohne echte Übermannschaften Tuchfühlung zu den Aufstiegsplätzen zu halten und trotzdem „nebenher“ etwas zu entwickeln.

Sollten die Ergebnisse jedoch nicht stimmen und die Aufstiegsplätze fürs erste außer Reichweite geraten, dürfte es auch für Wolf ungemütlich werden. Vor einem Jahr mit Zorniger standen wir schon einmal vor einem Neuanfang und mussten erleben, wie wenig Zeit einem im Bundesliga-Business noch eingeräumt wird, wenn die Ergebnisse ausbleiben. In der 2. Liga hat es Wolf aber sicherlich leichter als Zorniger vor einem Jahr in der Bundesliga, so dass ich hoffnungsvoll bin, dass diese Verpflichtung sitzt.

Wolf ist eine spannende Personalie, gilt er doch als großes Trainertalent und wird in diesem Zusammenhang in einem Atemzug mit Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel genannt. Gerade bezüglich unserer Vereinsphilosophie, die künftig auch in der Satzung verankert ist, dass es Vereinsziel ist und bleiben muss, dem Nachwuchs das Vertrauen zu schenken und Talente zu fördern, ist das eine sehr gute und auch nachvollziehbar Entscheidung. Wolf kann offensichtlich mit jungen Spielern umgehen, sie fördern und kennt die Stars von morgen heute schon, so dass ich meine, dass uns eine spannende Zeit bevorstehen könnte. Er soll zudem sehr kommunikativ sein und eine überragende Ansprache haben, hat analytische Fähigkeiten, kurz um, die Vorschusslorbeeren sind gewaltig.

Ein Twitter-User warf gestern bereits in den Raum, „Heldt, Bobic und Dutt googeln den Namen Hannes Wolf noch“ und traf damit wohl den Nagel auf den Kopf. Diese kreative, wenngleich überraschende Lösung auf der Trainerposition, spricht für Jan Schindelmeiser und sein Team. Chapeau!

Am Mittwoch übergab also Olaf Janßen den Stab an Hannes Wolf und hinterlässt ihm ein zuletzt intaktes, gefestigtes Team. Mit der, wie ich finde, besten Saisonleistung, bezwang der VfB den bis dahin noch verlustpunktfreien Tabellenführer Eintracht Braunschweig verdient mit 2:0. Waren es gegen Lautern noch 45 gute Minuten, hatte man die Braunschweiger nun schon insgesamt über mindestens 60 Minuten lang sehr gut im Griff. Lediglich direkt nach Wiederanpfiff und in der Schlussviertelstunde spielte Braunschweig Powerplay und der VfB konnte sich beim glänzend aufgelegten Mitch Langerak bedanken, dass es nicht noch einmal eng wurde.

Ansonsten spielte man weitestgehend souverän und lud den Gegner dieses Mal nicht durch individuelle Schnitzer zu Großchancen ein. Es war eine meist konzentrierte Darbietung einer Mannschaft, der man anmerkte, dass sie wollte. Mehr Potential, als sie gestern gezeigt hat, hat sie mit Sicherheit, dieses muss Hannes Wolf nun herauskitzeln. In Anbetracht der turbulenten Wochen auf dem Wasen und der Hoffnung, dass nun Ruhe einkehrt und unaufgeregt geschafft wird, waren die beiden Spiele zuletzt mehr als ordentlich, vor allem weil man sie ohne Gegentor nach Hause brachte. Großen Anteil daran hat Timo Baumgartl, der sich einfügte, als wäre er nie weg gewesen. An dessen Seite lief sogar Toni Sunjic, nicht nur wegen seines Tores, zu Hochform auf und machte wohl sein bislang bestes Spiel im VfB-Dress.
Olaf Janßen hat es in wenigen Tagen geschafft, eine Einheit zu formen, in der einer für den anderen da ist. Gegen Braunschweig stimmte der Einsatz, man spürte den Willen und man merkte, dass ein Plan dahinter steckte. Einziges Manko war für mich, das immer noch langsame, statische Spiel, mit dem es schwer war, Überraschungsmomente zu kreieren. Zeitweise verfiel das Team in das alte Strickmuster, den knappen 1:0-Vorsprung verwalten zu wollen, anstatt vehementer auf das 2:0 zu drängen. Jedoch, das muss man ihnen zu Gute halten, spielte man auch gegen den Tabellenführer, ein eingespieltes Team, das es im bisherigen Saisonverlauf schaffte, gegnerische Fehler gnadenlos auszunutzen und nach Ballgewinnen blitzschnell vor dem gegnerischen Tor aufzutauchen. Dies unterband der VfB über weite Strecken bravourös.

Bezüglich des Tempos hat Wolf, der für schnellen Fußball steht, schon einmal einige Ansatzpunkte. Man darf gespannt sein, welcher der bisherigen Platzhirsche schon allein deswegen aus dem Raster fällt.
Bereits nach dem Lautern-Spiel lobte ich das Coaching von Olaf Janßen. Auch gestern fiel positiv auf, dass er ständig auf Achse war, dirigierte, Emotionen zeigte, in ständiger Kommunikation mit dem Vierten Offiziellen war, und, wenn sich die Gelegenheit bot, einen Spieler zum Einzelgespräch zur Bank zitierte.

Auch mit seinen Einwechslungen lag er für mich, sowohl in der Sache als auch was den Zeitpunkt betraf, goldrichtig. Großkreutz, der nach seiner langen Verletzungspause nach wie vor behutsam herangeführt wird, sollte für Belebung sorgen und kam für den schwächsten Mann in Reihen des VfB, Berkay Özcan. Gerade einmal vier Minuten im Spiel erlöste Großkreutz große Teile der 36.800 anwesenden Zuschauer mit dem vorentscheidenden 2:0.

Ein unwiderstehlicher Sprint des Japaners Takuma Asano über die rechte Seite, dessen Hereingabe Christian Gentner noch verpasste, weil er gedanklich nicht auf der Höhe war, der Ball mit Glück aber zu Asano zurück kam, dieser suchte sich nun lieber Kevin Großkreutz als Abnehmer aus, welcher mit sehenswertem Schlenzer zum 2:0 einnetzte.

Auch der Wechsel Zimmer für den müde wirkenden Asano gut zwanzig Minuten vor dem Ende machte Sinn, um den nun beruhigenden Vorsprung über die Zeit zu bringen. Kumbela hätte zehn Minuten vor Schluss noch einmal für Spannung sorgen können, wenn Mitch Langerak zwischen den Pfosten nicht so herausragend reagiert hätte.

Am Ende stand ein hochverdienter Sieg und erstmals in dieser Saison der direkte Aufstiegsplatz 2. So kann es weiter gehen, so muss es weiter gehen, darauf lässt sich für Hannes Wolf aufbauen.

Ob der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Wechsels quasi während des Spiels gegen Braunschweig und die Installation eines neuen Trainers mitten in der englischen Woche glücklich war, wissen wir nach dem Spiel gegen Bochum. Im Bochumer Ruhrstadion verloren wir zuletzt bei Vehs Pflichtspieldebüt 2014 im DFB-Pokal durch zwei Terodde-Tore. Terodde läuft inzwischen im VfB-Trikot auf und wird heiß darauf sein, im dritten Auswärtsspiel in Folge zu treffen, wo es zuhause bisher noch nicht geklappt hat. Bei Spielen mit Bochumer Beteiligung ist hoher Unterhaltungswert garantiert, exemplarisch hierfür steht das letzte Heimspiel, das der VfL mit 5:4 gegen den 1. FC Nürnberg für sich entschied.

Ich freue mich drauf, wieder nach Bochum zu kommen und dort mal wieder um Ligapunkte zu kämpfen. Lieber wäre mir dieses Aufeinandertreffen zwar in der Bundesliga gewesen, aber, man nimmt es, wie es kommt.

Das Ruhrstadion hat seinen besonderen Flair. In die Jahre gekommen, wie früher üblich, zentral gelegen und nicht auf der grünen Wiese gebaut und zahlreiche Bierhallen drum rum. Auch in den Fankneipen kann man sich in der Regel als VfB-Fan gut aufhalten und mit den Bochumern feiern, am liebsten natürlich den Auswärtssieg. Ich bin heiß auf unser drittes Spiel in sechs Tagen, darauf ein Fiege!

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27. April 2010

2:0 – VfB fegt Bochum vom Platz

Der VfB ist auf alles eingestellt gewesen, nur nicht auf eine Partie, die bereits nach 18 Minuten entschieden ist und in der der abstiegsbedrohte Gegner ein bemitleidenswertes Bild abgibt. Eine angenehme Überraschung für das Überraschungsteam der Rückrunde. Die Teilnahme an der Europa League ist nach dem 2:0-Sieg in Bochum und vor den ausstehenden letzen beiden Saisonspielen gegen Mainz und in Hoffenheim nun greifbar nahe. Selbst die Champions-League-Qualifikation scheint kein Tabuthema mehr zu sein: “Wir wollen Druck nach vorne ausüben”, sagt der Sportdirektor Horst Heldt.

Spiele gegen den VfL Bochum hatten für den VfB zuletzt schon zweimal weitreichende Folgen. Am vorletzten Spieltag der Saison 2006/2007 übernahmen die Stuttgarter durch einen 3:2-Auswärtssieg die Tabellenführung und wurden Meister. In der Hinrunde war das Team von Markus Babbel zuhause nicht über ein 1:1 gegen Bochum hinausgekommen, was wütende Stuttgarter Fanproteste und die Entlassung des Teamchefs nach sich zog. Seitdem steht Christian Gross der Mannschaft vor, der Anfang der achtziger Jahre ausgerechnet für die Bochumer zwei Jahre am Ball war. Was den Schweizer allerdings nicht daran hinderte “emotionslos”, wie er sagte, in diese Parte zu gehen.

Auch die VfB-Spieler agierten am Freitagabend sehr abgebrüht. Nach 18 Minuten und zwei Stuttgarter Chancen führte der VfB schon mit 2:0. Erst drückte Cacau den Ball nach der Vorarbeit von Ciprian Marica und Timo Gebhart über die Linie (14. Minute). Dann erhöhte Marica nach schönem Zuspiel von Cacau sehr entspannt. Mit dieser Vorlage und seinem vorangegangenen 12. Saisontor verbesserte Cacau vor den Vertragsgesprächen mit dem VfB, die in der nächsten Woche wieder aufgenommen werden, weiter seine Verhandlungsposition.

Aber auch die Defensive agierte gegen die nur anfangs um den Klassenverbleib kämpfenden und spielerisch limitierten Bochumer souverän. Für den am Knie verletzten Stefano Celozzi begann auf der rechten Abwehrseite Ricardo Osorio. Der Mexikaner, der Stuttgart am Ende der Saison wohl in Richtung FC Villarreal verlassen wird, bekam den Vorzug vor Khalid Boulahrouz, der das als deutliches Zeichen werten muss. Zumal er auch nach Osorios Verletzung in der zweiten Halbzeit abermals nicht zum Zug kam.

Auf der Stuttgarter Bank saß außerdem noch Alexander Hleb. Der Weißrusse dürfte den Ärger des Trainers durch eine etwas laxe Einstellung auf sich gezogen haben. So hatte Hleb beispielsweise zuletzt eine Trainingsübung sitzend verfolgt.

Das zeigt aber gleichzeitig auch: die Stärke der besten Rückrundenmannschaft, die nun schon den sechsten Sieg in Folge verbucht hat, ist die Ausgeglichenheit des Kaders. Fast jeder Spieler scheint ersetzbar zu sein. Ausnahmen bilden im Moment der Linksverteidiger Cristian Molinaro, Cacau, der mit 29 Jahren möglicherweise seine besten Jahre noch vor sich hat, und Christian Träsch im defensiven Mittelfeld, dessen Chancen auf eine WM-Teilnahme stetig steigen.

Gegen harmlose Bochumer verlegte sich der VfB in der zweiten Halbzeit auf Konter, die allerdings nicht mit letzter Entschlossenheit vorgetragen wurden. Konzentriert verrichtete dagegen weiterhin die VfB-Abwehr ihre Arbeit. Nicht eine einzige ernstzunehmende Torchance über die gesamten 90 Minuten wurde den Bochumern gestattet. Das war für den VfB-Torhüter Jens Lehmann eine ganz gute Einstimmung auf den bevorstehenden Ruhestand.

So schlug die Stimmung der zunächst geduldigen Bochumer Fans am Ende auch in fassungslose Enttäuschung um, so wie einst bei der Stuttgarter Anhängerschaft nach dem 1:1 im November-Hinspiel. Aber auch das dürfte Christian Gross wieder einmal ziemlich egal gewesen sein.

VfL Bochum:

Heerwagen – Pfertzel, Maltritz, Mavraj, Bönig – Maric, Yahia, Fuchs – Holtby (84. Freier) – Sestak (69. Dedic), Epallé (62. Azaouagh)

VfB Stuttgart:

Lehmann – Osorio (64. Kuzmanovic), Tasci, Delpierre, Molinaro – Träsch, Khedira – Gebhart, Hilbert – Marica (79. Schieber), Cacau

Schiedsrichter:

Gagelmann (Bremen)

Zuschauer: 25.431
Tore:

0:1 Cacau (14.), 0:2 Marica (18.)

Gelbe Karten:

Bönig (3), Maltritz (4), Pfertzel (4), Sestak (4)

(STZ 23.4.10)

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12. Januar 2010

Der VfB Stuttgart im Dezember 2009

Dezember

1.12.2009

Babbel bekommt eine Schonfrist

Markus Babbel bleibt Trainer des VfB Stuttgart. Trotz des Absturzes auf Platz 17 sprach die Führung des Fußball-Bundesligisten dem Coach am Dienstag eine Jobgarantie bis zur Winterpause aus. “Wir werden nicht ein Trainerteam opfern, das sich voll reinhängt”, erklärte VfB-Präsident Erwin Staudt. Erst für die Zeit nach dem Ende der Hinrunde kündigte er einen “Kassensturz” an.

Babbel selbst gab danach bekannt, dass er Nationalspieler Thomas Hitzlsperger als Kapitän abgesetzt hat. “Er ist nicht der Sündenbock. Aber ich wollte diesen Ballast von ihm wegnehmen, damit er sich wieder voll auf sich selbst konzentrieren kann. Wir brauchen ihn in Bestform.” Nachfolger wird Matthieu Delpierre. Babbel freute sich darüber, “dass das Vertrauen in unsere Arbeit immer noch da ist”.

Mit diesen Entscheidungen machte der Club ausdrücklich die Spieler und nicht den Trainer für die seit Monaten anhaltende Krise des VfB verantwortlich. “Das 0:4 in Leverkusen wird Konsequenzen haben. Aber die Konsequenzen werden diejenigen zu spüren bekommen, die nicht an unserer Ziel-Erfüllung mitarbeiten”, sagte Staudt. In der Winterpause möchte sich der Club von einigen Spielern trennen. Bis dahin kündigte Babbel eine härtere Gangart an. Er werde die Trainingspläne nur noch von Tag zu Tag bekanntgeben und Jens Lehmann büßt seine Sonderrechte ein. Der Torhüter muss ab sofort zu jeder Übungseinheit erscheinen.. “Die Annehmlichkeiten sind zu Ende.” (STZ online)

2.12.2009

Magnin wechselt zum FC Zürich

Der Schweizer Ludovic Magnin wird den VfB in der Winterpause in Richtung seiner Heimat verlassen. Der 30 Jahre alte Linksverteidiger ist sich mit dem Erstligisten FC Zürich einig. “Ludovic ist ein verdienter Spieler, der für die Schweiz im Sommer zur WM fahren will und Spielpraxis braucht”, sagt der VfB-Manager Horst Heldt, “daher haben wir ihm gesagt, dass wir ihm im Fall eines Wechsels keine Steine in den Weg legen werden.”

5.12.2009

Der Trainerwechsel: Von Babbel zu Babbel

Beim VfB Stuttgart brennt der Baum. Damit will der Fußball-Bundesligist auf seiner Geschäftsstelle für eine nette Vorweihnachtsstimmung sorgen. Unglücklich ist nur, dass der Baum auch im übertragenen Sinn und an anderer Stelle brennt. Der Absturz auf den 17. Tabellenplatz führte in der Vereinsführung am Wochenbeginn zu kontroversen Debatten, die mit einem Wechsel endeten. Der alte Markus Babbel wurde gefeuert. Ersetzt wird er durch den neuen Markus Babbel.

Der alte Markus Babbel präsentierte sich als Spielerversteher, der die Mannschaft tapfer verteidigte. So durfte Roberto Hilbert nach seiner Auswechslung beim 0:2 am 4. Oktober gegen Bremen im Stile eines HB-Männchens seine Jacke und seine Schienbeinschoner vor der Trainerbank auf den Boden werfen. Es passierte nichts, der Teamchef lächelte die öffentliche Provokation weg. Dagegen schritt der alte Markus Babbel ein, als Horst Heldt den Profis kürzlich vor Auswärtsbegegnungen das Einzelzimmer streichen wollte. Um den Teamgeist zu stärken, ordnete der Manager die Unterbringung in Doppelzimmern an. Die Spieler murrten – und der Torwart Jens Lehmann buchte gleich auf eigene Kosten die Suite des besagten Hotels. Am nächsten Morgen sagte Babbel dann, dass wieder die Regelung mit den Einzelzimmern gelte.

Das war sicher gut gemeint von dem alten Markus Babbel, der in jedem dritten Satz von “meinen Jungs” gesprochen hat, wenn er die Spieler meinte. Aber seine lange Leine im Umgang mit der Mannschaft führte dazu, dass die Disziplinlosigkeiten zunahmen. Darunter litt wiederum die Autorität des Teamchefs merklich.

Babbel versucht sich als Respektsperson zu positionieren

Der alte Markus Babbel erinnerte in seinem Auftreten sehr an Thomas Doll. Der war auch ein dicker Freund der Spieler und sprach gerne von seinen Jungs, als er mit dem Hamburger SV im Mai 2006 den dritten Tabellenplatz und die Champions League erreichte. Das ist nicht die einzige Parallele zu dem alten Markus Babbel. In der darauffolgenden Saison lag der HSV nach dem 14. Spieltag mit elf Punkten auf Rang 17 – genau die gleiche Bilanz weist der VfB jetzt auch auf. Zudem traf der HSV am 15. Spieltag auf Bochum, wie der VfB am Samstag. Bochum gewann damals mit 2:1.

Um Doll entbrannte ein Machtkampf zwischen dem Präsidenten Bernd Hoffmann, der sich von dem Trainer trennen wollte, und dem Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer, der hinter dem Coach stand. Der VfB ist beim Babbel-Thema ebenfalls gespalten. In Hamburg durfte Doll dann bis zum 19. Spieltag mit seinen Jungs weitermachen. Im Januar war der HSV Letzter und zog die Notbremse. Nachfolger wurde Huub Stevens, der noch Rang sieben schaffte.

Der Nachfolger von Babbel heißt dagegen Babbel. Aber er will nun nicht mehr so lieb zu den Spielern und nicht mehr so ein Kumpeltyp wie Doll sein, sondern eher so wie Felix Magath. Auf diese Weise versucht sich der neue Markus Babbel als Respektsperson zu positionieren. Dazu hat er sich unter anderem überlegt, die Trainingseinheiten immer erst einen Tag vorher festzusetzen, damit die Spieler ihre privaten Termine nicht mehr so genau abstimmen können. Doch in dieser Woche änderte sich der Plan nur ganz unwesentlich im Vergleich zu dem am Montag verkündeten Programm, als noch der alte Markus Babbel im Amt war.

Wie glaubwürdig ist ein strenger Markus Babbel?

Der neue Markus Babbel hat auch drei Spieler bestraft: Thomas Hitzlsperger, den er als Kapitän absetzte, Serdar Tasci, den er nicht zum Spielführer beförderte, und Jens Lehmann, dem er Sonderrechte strich. Für die Betroffenen mag das hart sein, aber ob die Aktionen auch als Warnschuss für die Mannschaft taugen, ist zu bezweifeln. Magath hätte in diesem Fall wohl anders durchgegriffen, so wie er das einst beim VfB mit Fabio Morena machte, den er ganz aus dem Kader verbannte.

So weit geht auch der neue Markus Babbel nicht. “Ich denke, dass meine Maßnahmen reichen, um einen Hallo-wach-Effekt zu erzeugen”, sagt er. Die Frage lautet ohnehin, wie authentisch und glaubwürdig ein strenger Markus Babbel ist. Außerdem könnten die Spieler eine Verwandlung auch so werten, dass der Teamchef die Lage zuvor völlig falsch eingeschätzt hat – was seine Stellung kaum verbessern würde.

In der Wortwahl passt sich der neue Babbel ohnehin dem alten an. Die Spieler sind weiter “meine Jungs, die ich jetzt alle in die Verantwortung nehmen will”, sagt er. Das habe er den Jungs auch vermittelt. Wenn sie es nicht verstanden haben, könnten die Lichter beim VfB bald ausgehen – obwohl der Weihnachtsbaum noch weiter brennt. (STZ online)

5.12.2009

1:1 gegen Bochum: der VfB taumelt Richtung Abstieg

Der VfB Stuttgart hat im Kellerduell der Fußball-Bundesliga einen sicher geglaubten Sieg gegen den VfL Bochum zwei Minuten vor Schluss verspielt. Die Schwaben kamen am Samstag nicht über ein 1:1 (0:0) hinaus.

Bochums Christian Fuchs glich mit einem Freistoß aus 20 Metern die VfB-Führung durch Serdar Tasci (63.) aus. Durch dieses Ergebnis verließen die Stuttgarter zwar wieder den Abstiegsplatz 17. Aber alles an diesem Samstag fühlte sich bei ihnen an wie eine Niederlage. Die Leistung war über weite Strecken wieder trost- und leidenschaftslos. Die Fans pfiffen ihre Mannschaft gnadenlos aus. “Wir haben die Schauze voll”, hieß es nach dem Schlusspfiff.

5.12.2009

Tumulte nach dem 1:1: VfB-Fans protestieren vor dem Stadion

Nach dem 1:1 (0:0) des VfB Stuttgart im Kellerduell gegen den VfL Bochum ist es vor dem Stadion zu tumultartigen Szenen gekommen. Hunderte enttäuschte VfB-Fans versammelten sich vor dem VIP-Bereich der Mercedes-Benz Arena und skandierten lautstark “Wir haben die Schnauze voll!”. Auch eine halbe Stunde nach dem Abpfiff hatte sich die Menge noch nicht aufgelöst.

Bereits vor dem Anpfiff hinderten etwa 100 Fußball-Anhänger den VfB-Mannschaftsbus an der Einfahrt ins Stadion. Die Fans blockierten kurz den Bus, skandierten Parolen und entzündeten ein bengalisches Feuer. Verletzt wurde niemand, auch der Bus blieb unbeschädigt. Nach dem Einschreiten der Polizei konnten die Stuttgarter Spieler und Trainer Markus Babbel ihren Weg fortsetzen.

6.12.2009

Der VfB zieht Konsequenze: Gross soll es richten

Der VfB Stuttgart hat nach dem enttäuschenden 1:1 gegen den VfL Bochum die Reißleine gezogen. Markus Babbel ist seit Sonntag nicht mehr Teamchef bei den Schwaben, und auch die beiden bisherigen Co-Trainer Rainer Widmayer und Alexander Zorniger (beide 42) sind nicht mehr im Amt. Sein Nachfolger wird der Schweizer Christian Gross (55), zuletzt beim FC Basel tätig.

Am frühen Sonntagabend bestätigte der Verein die Entlassung Babbels im Rahmen einer Pressekonferenz. “Es enttäuscht schon sehr, dass wir diesen Schritt machen mussten,” sagte Sportdirektor Horst Heldt, während Markus Babbel zu Protokoll gab, dass es nun “nicht um Einzelschicksale” ginge. Babbels Nachfolger Christian Gross soll um 19.00 Uhr vorgestellt werden. Die Spieler waren zuvor über die Entscheidung informiert worden. Am Samstag war der VfB in der Bundesliga zum achten Mal in Folge sieglos geblieben und hatte sich im Heimspiel gegen Bochum mit einem 1:1 begnügen müssen. Nach 15 Spieltagen belegen die Schwaben mit nur zwölf Punkten den Relegationsplatz 16.

Babbel fand auf der Pressekonferenz deutliche Worte und kritisierte die Fußballszene. “So etwas wie am Samstag habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt”, sagte er. “Vier Wochen nach der Tragödie um Robert Enke” verrate das, “dass die Fans und die gesamte Fußballszene daraus nichts gelernt haben”. Nach dem Selbstmord des Nationaltorwarts hätten sich “viele zu Wort gemeldet. Doch die Ereignisse vom Samstag zeigen mir: Das ist alles Heuchelei. Jeder versucht nur seine Plattform zu nutzen, um sich darzustellen”.

Anhänger des VfB hatten vor dem Spiel gegen den VfL Bochum (1:1) versucht, den Mannschaftsbus an der Einfahrt ins Stadion zu hindern. Nach dem Abpfiff kam es zu Tumulten, als rund 3000 Fans das Verwaltungsgebäude des Vereins belagerten. “Selbst sogenannte Fußball-Millionäre haben es nicht verdient, dass man ihnen Mordgesten und Hass entgegenbringt”, sagte Babbel.

Babbel hatte in Stuttgart am 23. November 2008 die Nachfolge von Armin Veh angetreten und den VfB von Platz zehn noch in die Champions League geführt.

Gross unterschreibt bis 2011

Sein Nachfolger Christian Gross war von 1999 an Trainer beim FC Basel und eroberte je viermal den Meistertitel (2002, 2004, 2005, 2008) und den Cup (2002, 2003, 2007 und 2008). 2002 und 2008 konnten sich die Basler für die Champions League qualifizieren. Der Vertrag mit Basel wurde im Sommer aufgelöst. Internationale Erfahrung sammelte er als Coach von Tottenham Hotspurs. Zudem war Gross neunmal Fußballtrainer des Jahres in der Schweiz. Als Co-Trainer fungiert bis zum Jahresende Jens Keller, der U19-Trainer des VfB.

“Ich freue mich, hier zu sein und will mit der Mannschaft auf die Siegerstraße zurück”, sagte Gross bei seiner Vorstellung. Der Schweizer leitete noch am Abend sein erstes Training. Denn bereits am Mittwoch steht für den VfB das wichtige Champions-League-Spiel gegen Unirea Urziceni an.

“Ich will alles rausholen aus den Spielern, damit sie und auch die Fans wieder zufrieden sind. Ich verlange von den Spielern immer volle Leidenschaft, das habe ich in den 20 Jahren, in denen ich nun Trainer bin, immer getan. Ich bin ein positiv strukturierter Mensch, der wenige negative Gefühle hat. Man kann ein Spiel verlieren, wenn der Gegner besser ist, aber wenn der Gegner schlechter war, dann explodiere ich”, so Gross.

VfB-Präsident Erwin Staudt bedankte sich nochmals für die Arbeit von Markus Babbel und hofft nun auf bessere Zeiten mit dem neuen Trainer. “Ich freue mich nun, mit Christian Gross einen Trainer vorzustellen, der für Erfolg und Erfahrung steht und der gezeigt hat, dass er mit jungen Spielern arbeiten kann. Er will sich nun in der Bundesliga beweisen und ich bin mir sicher, dass er alles geben wird, um den VfB Stuttgart aus dieser schwierigen Lage herauszuführen.” (kicker.de)

8.12.2009

Torhüter kritisiert Vorstand: Jens Lehmann sorgt für Ärger

Der Torhüter Jens Lehmann wird für sich beanspruchen, bei all seiner Erfahrung das richtige Gespür für Situationen zu haben. Außerhalb des Rasens aber scheint es nicht besonders ausgeprägt zu sein.

or Wochen etwa hatte der Keeper des VfB Stuttgart auf der Mitgliederversammlung der Roten Sportvorstand Horst Heldt düpiert – und per Videobotschaft Verstärkungen gefordert. Und jetzt sorgt Lehmann ausgerechnet vor dem entscheidenden Spiel um den Einzug ins Champions-League-Achtelfinale gegen Unirea Urziceni wieder für Ärger.

In einem Fernsehinterview, das vor der Partie ausgestrahlt wird, greift er nicht nur Teamkollegen an, sondern auch die Vereinsführung, der er indirekt vorwirft, sich von den wütenden Fans erpresst haben zu lassen. “Wenn man die Stärke hat und auch die Qualität, Entscheidungen zu treffen, die dem öffentlichen Verlangen widersprechen, fährt man auf Dauer besser”, sagte Lehmann. Und mit Blick auf einige Kollegen, die ihm angeblich seine nun gestrichenen Sonderrechte neideten, erklärte er: “Aus meiner Erfahrung im Fußball sollte man immer sehen, dass man den Schwachen im Verein zuhört, aber nie das macht, was die Schwachen verlangen.” Die sportliche Lage schätzte er so ein: “Ich weiß nicht, ob das eine Frage der Verunsicherung oder der Qualität ist – zumindest bei einigen.”

Als Teambuildingmaßnahme ist das nicht zu deuten – und so verwundert es kaum, dass die Führungsriege des VfB genervt und sauer auf Lehmanns Vorstoß reagierte. “Im Vorstand haben wir andere Themen, als über die freien Tage einzelner Spieler zu sprechen”, sagte Präsident Erwin Staudt. Horst Heldt will sich erst nach dem Spiel heute zum Fall äußern. (STN online)

9.12.2009

Vor dem Spiel gegen Urziceni: VfB-Vorstand schreibt den Fans

“Liebe Fußballfreunde, liebe Fans des VfB Stuttgart, die Ereignisse rund um das Bundesligaspiel gegen den VfL Bochum am vergangenen Samstag, insbesondere die Blockade des Mannschaftsbusses vor der Partie und die eskalierende Situation auf der Mercedesstraße nach dem Spielende, haben uns alle geschockt. Ein großer Schatten trübte das positive Bild unseres VfB Stuttgart in ganz Deutschland.

Randalierer, Chaoten und blinder Fanatismus haben dem Fußball allgemein, insbesondere aber dem VfB Stuttgart massiv geschadet: Unsere Spieler wurden bedroht, Ordnungskräfte sowie Polizisten verletzt und die große Mehrzahl friedlicher Fans in Misskredit gebracht. Wir haben Verständnis für jeden, der seinen Unmut über die momentane sportliche Situation des VfB kundtut. Fußball lebt von Emotionen, aber Hass und Gewalt haben in unserem geliebten Sport und in unserer Gesellschaft nichts zu suchen!

Am heutigen Abend findet in der Mercedes-Benz-Arena ein eminent wichtiges Spiel statt. Mit einem Sieg gegen den amtierenden rumänischen Meister Unirea Urziceni kann unsere Mannschaft den Einzug ins Achtelfinale der Uefa-Champions-League perfekt machen. Für diese schwierige Aufgabe ist von der ersten Minute an eine engagierte und konzentrierte Leistung der Spieler und auch die leidenschaftliche Unterstützung von den Rängen notwendig. Lautstark, farbenfroh und mit dunkelrotem Herzen – aber kompromisslos gegen Hass, Gewalt und Ausschreitungen aller Art! Nur gemeinsam können wir unsere Farben in Europa würdig vertreten.

Der Vorstand des VfB Stuttgart 1893 e.V.

Erwin Staudt (Präsident), Ulrich Ruf (Finanzen), Horst Heldt (Sport)

9.12.2009

3:1 gegen Unirea Urziceni: Der VfB spielt wie entfesselt auf

Die Freude ist in die Mercedes-Benz-Arena zurückgekehrt. Auf den Rängen sangen und tanzten die Fans, in der Coachingzone jubelte der neue Trainer Christian Gross, und auf dem Rasen des Stuttgarter Stadions glänzte tatsächlich die Mannschaft mit dem roten Brustring auf den weißen Trikots. Der VfB spielte am Mittwochaabend zumindest anfangs wie entfesselt auf und gewann das Gruppenfinale mit 3:1 (3:0) gegen den FC Unirea Urziceni.

Durch diesen Erfolg schaffte der Tabellen-Sechzehnte der Fußball-Bundesliga den Sprung unter die 16 besten Clubs in Europa. Der VfB steht nach den frühen Toren von Ciprian Marica, Christian Träsch und Pawel Pogrebnjak im Achtelfinale der Champions League und darf sich nach Wochen des Misserfolgs nicht nur über einigen Ruhm freuen, sondern ebenso über viel Geld. Knapp 18 Millionen Euro haben die Schwaben schon kassiert, acht weitere Millionen (Prämien plus Fernsehgelder und Zuschauereinnahmen) kommen jetzt dazu.

Klappt es jetzt auch in der Bundesliga?

Ein weiterer wesentlicher Aspekt des Auftritts ist, dass die VfB-Mannschaft gleich im ersten Spiel unter Gross viel Selbstvertrauen tanken konnte. Sogar sehr viel mehr als nach den Leistungen zuletzt zu erwarten war. Und nun ist die Hoffnung rund um den Wasen groß, dass die Stuttgarter auch in der nationalen Liga die Wende zum Guten schaffen. Am Sonntag gastiert der VfB beim FSV Mainz 05.

Gegen Urziceni veränderte Gross im Vergleich zu seinem Vorgänger Markus Babbel die Anfangself auf sechs Positionen. Verletzungsbedingt, aber auch aus Überzeugung. Thomas Hitzlsperger fehlte verletzt, die angeschlagenen Zdravko Kuzmanovic und Cacau saßen auf der Bank. Dafür rückten Sami Khedira und Timo Gebhart im Mittelfeld sowie Stefano Celozzi und Arthur Boka in der Abwehr in die Mannschaft – und im bislang schwächelnden Sturm setzte der erst am vergangenen Sonntag verpflichtete Trainer auf Ciprian Marica und Pawel Pogrebnjak.

Eine Maßnahme mit durchschlagendem Erfolg: Marica köpfte zum 1:0 ein (5.), Pogrebnjak schloss elegant zum 3:0 ab (11.), dazwischen vollendete Träsch noch einen Konter (8.). Drei Offensivaktionen, drei Volltreffer – bereits nach wenigen Minuten war zu spüren, dass der VfB wie befreit wirkte. Damit scheinen die Stuttgarter zumindest ihr Trainerproblem gelöst zu haben. Denn unter Babbel spielte die Mannschaft – mit Ausnahme des 2:0 bei den Glasgow Rangers – zwar bemüht, aber ohne innere Überzeugung, ohne klare Linie.

Nach den Fankrawallen am vergangenen Samstag nach der Begegnung mit dem VfL Bochum (1:1) bahnt sich auch wieder die Versöhnung mit den Anhängern an. Der Mannschaftsbus, der diesmal von einer Polizeieskorte in die Mercedesstraße begleitet wurde, kam ungehindert durch. Von Anfang an unterstützten die Fans im Stadion ihre Mannschaft lautstark, und am Ende feierten sie gemeinsam das Weiterkommen in der Königsklasse.

Der Weg zur Normalität führt über den Erfolg

Der Weg zurück in die Normalität führt beim VfB also nur über Erfolge. Dabei mussten sich die Zuschauer in Stuttgart lange gedulden. Der letzte Heimsieg datierte vom 15. August. 4:2 hieß es damals gegen den SC Freiburg, zehn Heimspiele später klappte es gegen den als auswärtsstark eingestuften rumänischen Meister wieder. Selbst das sogenannte Baustellentor in der Untertürkheimer Kurve war nicht mehr vernagelt.

Die Frage bleibt jedoch, wie stabil der VfB schon wieder ist. Nach der Pause erlaubte sich Arthur Boka einen Fehler, den Antonio Semedo gleich zum Anschlusstreffer nutzte (46.). Danach musste der Torhüter Jens Lehmann einige Male eingreifen. Die Gäste aus der Walachei waren offenbar gewillt, zu zeigen, warum sie bis zur letzten Gruppenpartie auf dem zweiten Platz hinter dem FC Sevilla standen.

Der Sieg der Gastgeber – Gebhart traf noch das Lattenkreuz (72.) – geriet aber nicht mehr in Gefahr, was vor allem Horst Heldt gefreut haben wird. Der Manager wurde am Mittwoch 40 Jahre alt, und die Krise des Vereins wird auch an ihm festgemacht. Nun scheint Heldts Position wieder etwas gestärkt, denn das Team hat bewiesen, dass es über Potenzial verfügt – und es in einem Schlüsselspiel auch abrufen kann. Das gilt nicht zuletzt für die viel gescholtenen Ciprian Marica und Pawel Pogrebnjak.

VfB Stuttgart:

Lehmann – Celozzi, Tasci, Delpierre, Boka – Gebhart, Träsch, Khedira (60. Kuzmanovic), Hleb (55. Rudy) – Marica (82. Cacau), Pogrebnjak.

Unirea Urziceni:

Arlauskis – Bordeanu, Bruno Fernandes, Mehmedovic, Brandan – Apostol (85. Todoran), Paduretu – Semedo, Onofras (46. Varga), Balan (62. Rusescu) – Bilasco.

Schiedsrichter:

Kassai (Ungarn).

Zuschauer:

38.000.

Tore:

1:0 Marica (5.), 2:0 Träsch (8.), 3:0 Pogrebnjak (11.), 3:1 Semedo (46.).

(Bericht STN online)

11.12.2009

VfB mahnt Lehmann ab: Geldstrafe, keine Sperre

Jens Lehmann vom Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart hat für seine Kritik an der Vereinsführung im Zuge der Entlassung von Teamchef Markus Babbel eine Geldstrafe erhalten. “Wir haben einen Fall, den wir so nicht tolerieren”, sagte VfB-Präsident Erwin Staudt am Freitag in Stuttgart. Man habe mit einer “angemessenen Geldstrafe” reagiert. Diese dürfte im fünfstelligen Bereich liegen. Staudt monierte, dass der ehemalige Nationaltorhüter die Kritik über die Medien geäußert habe. Suspendiert wurde Lehmann, der schriftlich vom Club abgemahnt wurde, nicht. Er soll am Sonntag im Spiel beim FSV Mainz 05 im Tor stehen.

11.12.2009

Meine Einschätzung zur Lage:

Der peinliche Auftritt gegen Bochum, Trainerwechsel und Wiedergeburt gegen Urziceni

Am Samstag vor dem Spiel gegen Bochum war mein Gefühl wie die letzten Wochen auch schon: es war nicht vorhanden. Nichts von “die hauen wir weg”, eher Unbehagen, weil man bei der Schlappe von Leverkusen wieder vor Augen geführt bekam, wie schlecht unsere Mannschaft im Augenblick ist. Und so kam es wie es kommen mußte, wieder kein Sieg, wieder Unentschieden zu Hause gegen einen Abstiegskandidaten, wieder eine hilflose Vorstellung ohne Mumm, Esprit, Spaß. Als Fan leidet man auch schon seit Monaten. Nicht alleine, weil die Resultate nicht stimmen, auch weil das VfB-Spiel meist so dahin plätschert und nichts aufregendes passiert. Vor allem die ersten Halbzeiten sind in der Regel furchtbar, weil man ja 90 Minuten Zeit hat, ein Tor zu machen. Dabei vergißt derjenige, der diese Maxime ausgibt, daß wir derzeit auch hinten immer für ein oder mehr Gegentore gut sind. Ich denke, diesbezüglich hat sich Markus Babbel etwas zu viel von Giovani Trapatoni abgeschaut… Der hat es zum Schluß auch geschafft, die Zuschauer aus dem Stadion zu spielen.
Von den Vorkommnissen vor dem Spiel, als der Mannschaftsbus aufgehalten wurde und Spieler angeblich bedroht wurden, habe ich nichts mitbekommen. Wir waren bis kurz vor Ultimo beim SSC und waren erst knappe 10 Minuten vor Anpfiff im Stadion. Daß aber die Spieler die Hosen voller hatten als in den letzten Spielen, das ist mir als Beobachter nicht aufgefallen. Ich sah keinen Unterschied zu den letzten Monaten.
Auch nach dem Spiel bekamen wir nicht sehr viel mit. Dass es vor dem Stadion tumultartige Szenen gab und Bengalos gezündet wurden haben wir aus der Ferne gesehen. Da wir uns aber gesammelt haben, um mit der Bahn Richtung Innenstadt zu fahren, war es das dann aber auch schon. In meinem Bochum-Vorbericht hatte ich geschrieben, dass die Stimmung unter den Fans auch schnell umschlagen könnte. In diesem Ausmaß hätte ich das aber nicht erwartet, immerhin spricht man von 3.000 Fans. Sollten Einzelne tatsächlich Morddrohungen geäußert haben, verurteile ich das aufs Schärfste. Wir haben es immer noch “nur” mit der schönsten Nebensache der Welt zu tun. Da sind wohl einige über das Ziel hinausgeschossen. Auch dass es Verletzte unter den Fans und den Polizisten gab ist bedauerlich. Die Fanproteste an sich aber finde ich gerechtfertigt. Die Fanszene hat lange genug stillgehalten und wenn es auch keiner zugibt, oder demjenigen der es ausspricht (Jens Lehmann), Konsequenzen androht. ohne diese Eskalation wäre Babbel wohl noch unser Trainer. Dass aber Handlungsbedarf bestand, lag auf der Hand. Babbel hat, wie es auch jetzt immer mehr herauskommt, die Mannschaft nicht mehr im Griff gehabt. Es war schon die gesamte Vorrunde keine Besserung zu erkennen. Seit dem Bremen-Spiel (4.10.) hatte ich den Eindruck, dass der Verein handeln muß. Auch wenn ich das Trainerteam um Markus Babbel, Rainer Widmayer und Alex Zorniger gemocht hatte und mir insgeheim trotzdem wünschte, dass mit ihnen die Wende gelingt, fehlte mir der Glaube daran. Spätestens nach Pokal-Aus gegen Fürth war das Kind in den Brunnen gefallen. Immer weniger Leute, mit denen man sprach, konnten noch nachvollziehen, weshalb die Vereinsführung weiterhin am Trainerstab festhielt und damit sehenden Auges Richtung Abstiegszone steuerte. Und so entlud sich vergangenen Samstag die Wut und der Zorn der vergangenen Monate. Die Vereinsführung selbst zeigt sich jetzt überrascht über das Ausmaß der Proteste, hätte aber entsprechende Tendenzen erkennen müssen, da sie ja auch schon vor Wochen mit Vertretern der größten Fangruppierungen in Kontakt waren und die Unzufriedenheit über die Leistungen kundgetan wurde und daess es in der Masse brodelt.
Am Sonntag dann kam es wie es kommen mußte. Wir wollten zum Training gehen und haben uns trotz unserer Weihnachtsfeier am Vorabend aus dem Bett gequält. Am Vereinsgelände angekommen erfuhren wir aber schnell, dass die Trainingseinheit abgesetzt wurde. Außer einigen Pressevertretern und enttäuschten Fans war wenig los. Einige wenige Spieler wie Cacau waren zur Behandlung da, der große Rest war ausgeflogen. Als sich auch das DSF für eine Live-Schaltung in den Doppelpass bereit machte, war auch dem letzten klar, dass der Tag der Entscheidungen angebrochen war. Also fuhren wir wieder nach Hause und informierten uns via Internet und Fernsehen über die neuesten Entwicklungen. Bald verdichteten sich die Gerüchte, Babbel wäre entlassen und Christian Gross der Favorit auf die Nachfolge und so kam es ja auch. Was folgte war die viel beachtete Pressekonferenz am Abend, auf der zunächst Babbel seine Abschiedslaudatio halten durfte, ehe Christian Gross, der schweizer Erfolgstrainer, als neuer Mann vorgestellt wurde.
Dass man dem entlassenen Trainer noch eine Plattform bot, um seinen Frust abzulassen, hat mich sehr gestört. Normalerweise schneidet man mit einer Trainerbeurlaubung alte Zöpfe ab und kartet beiderseits nicht mehr nach. Was sich Babbel aber noch geleistet hat, war in meinen Augen unverschämt. Er schert alle Fans über einen Kamm, vergisst aber dabei, dass gerade die Fans es waren, die ihn solange über Wasser gehalten haben. Er schiebt den Fans den schwarzen Peter zu und wirft ihnen Heuchlerei vor, und dass sie vom Selbstmord von Robert Enke nichts gelernt hätten. Höhepunkt seines Dampfablassens war dann, dass er den Fans auch noch die Schuld an dem schwachen Spiel gegen Bochum gab, weil angeblichvor allem die jüngeren Spieler mit Angst gespielt hätten, ob der Ereignisse vor dem Spiel. Null Selbstkritik, nicht einmal hat er eigene Fehler erwähnt und zugegeben, dass er bis zum Schluß aus der Mannschaft keine funktionierende Einheit formen konnte. Er hat nur zum Schluß den Knopf nicht mehr gefunden, wie er es formulierte. Gut, er ist ja noch Lehrling, ich wünsche ihm, dass er in den kommenden Monaten in Köln gut aufpasst und gerade in Sachen Psychologie und Menschenführung dazu lernt. Sonst wird er auch bei seiner nächsten Station Schwierigkeiten bekommen. Der Start beim VfB als Teamchef war ja verheißungsvoll und führte uns in die Champions League, mit seinen markigen Worten hat er zu Beginn den Nerv der Mannschaft getroffen, später verpuffte dieser Effekt mehr und mehr und zum Schluß tanzte ihm die Mannschaft auf der Nase herum. Da wer er zu sehr Freund der Spieler und er merkte nicht, als “seine Freunde” dieses Verhältnis immer mehr ausnutzten. Die Pressekonferenz zum Schluß war eine reine Selbstinszenierung. Damit hatte Babbel dann endgültig fertig in Stuttgart.
Ich bin guter Hoffnung, dass wir jetzt mit Christian Gross den Gegenentwurf bekommen haben. Seine Erfahrung wird der Mannschaft gut tun. Schon von seiner Erscheinung her wirkt er Respekt einflößend. Die ersten Interviews finde ich vielversprechend. Er scheint ein autoritärer Typ zu sein, der nach Leistung aufstellt und keine Rücksicht auf Namen nimmt. Dies spiegeln auch die ersten Aussagen der Spieler wieder. Ich denke, es wird wieder gerechter zugehen auf dem Wasen. Er erinnert die Spieler daran, dass sie den schönsten Job überhaupt haben und mit Freude an die Arbeit gehen sollen. Er möchte, dass um jeden Ball gekämpft wird, man jeden Ball haben möchte usw. Im Grunde alles Selbstverständlichkeiten, die aber zuletzt nicht mehr selbstverständlich waren.
So war ich sehr gespannt auf den ersten Auftritt und das gerade im alles entscheidenden Spiel gegen Unirea Urziceni in der Champions League. Aufgrund der ersten Eindrücke hatte ich seit langem mal wieder vor dem Spiel ein sehr gutes Gefühl, da mir klar war, dass die Mannschaft nicht so schlecht ist, wie sie zuletzt gespielt hat. Vor dem Spiel hatte ich dann auch im SSC zum besten gegeben, dass wir, wie im letzten Jahr gegen Standard Lüttich, was ja auch das letzte und entscheidende Spiel fürs Weiterkommen war, das Spiel in der ersten Hälfte entscheiden und erstmals in dieser Saison ins Tor auf der Untertürkheimer Seite treffen werden. Und genau so kam es ja auch. In der 5., 8. und 11. Minute legten die Jungs ein 3:0 vor, was die schnellste so hohe Führung in der Champions League Geschichte
bedeutete.
Als Zuschauer rieb man sich die Augen, waren das die selben Jungs, die uns über Monate an den Rand der Verzweiflung trieben? Was hat Gross mit denen in so kurzer Zeit gemacht? Unglaublich einfach. Noch unglaublicher, dass unter den Torschützen Marica und Pogrebnjak waren, die in den Spielen davor kaum unfallfrei geradeaus laufen konnten und Torchancen dilettantisch versiebten. Und jetzt köpft Marica gekonnt gegen die Laufrichtung des Torwarts und Pogrebnjak umkurvt die rumänische Abwehr wie Slalomstangen. Zwischen den beiden Toren noch das Solo von Christian Träsch mit energischem Abschluss, der vom ebenfalls kürzlich noch auf dem Abstellgleis stehenden Gehart geschickt wurde. Damit war das Spiel entschieden und der VfB konnte einen Gang zurück schalten. Auch nach dem 3:1 kurz nach der Pause geriet der Sieg nicht mehr ernsthaft in Gefahr.Die Abwehr geriet zwar hin- und wieder ins schwimmen, richtig gefährlich waren die Rumänen aber auch nicht. Gut so, daß noch nicht alles lief wie am Schnürchen. So hatte Gross auch bei dem Spiel einiges gesehen, das ihm nicht gefallen hat. Stück für Stück kann er jetzt daran arbeiten die Stärken zu stärken und die Schwächen abzustellen.
Wir sind also noch dabei im Millionenspiel Champions League und es wartet sicher eine reizvolle Aufgabe auf den VfB. Die Möglichkeit wird wieder groß sein, eine englische Mannschaft zu erwischen, da eben Arsenal, Chelsea und ManU Gruppensieger wurden. Von diesen wäre mir Arsenal am liebsten. Das Spiel wäre für Aleks Hleb und Jens Lehmann sicher etwas ganz Besonderes, und für mich auch, da mir der Stil und die Philosophie des Vereins gefallen und ich auch mal gerne ins Emirates Stadium nach London kommen würde. Aber, die Auslosung ist kein Wunschkonzert, nehmen wir es, wie es kommt. Nächsten Freitag wissen wir mehr.

Jetzt gilt es erst noch, die Hinrunde einigermaßen versöhnlich zu beenden. Zunächst bei den heimstarken Mainzern, dann noch gegen Hopp Hoffenheim. Ein schweres Programm zum Jahresabschluss also, Gross hätte es auch einfacher gehabt, wenn er früher hätte kommen können. So sollte jetzt erst einmal am Sonntag in Mainz gewonnen werden. Mit Mut und Aggressivität, wie wir sie gegen Urziceni gesehen haben, sollte das was werden können. Torgefahr wurde gegen die Rumänen mal wieder das gesamte Spiel über ausgestrahlt und nicht nur in den letzten 20 Minuten mit dem Mute der Verzweiflung. Dieser Auftritt macht Hoffnung. Allerdings müssen unsere Jungs alles in die Waagschale werfen und zunächst den Kampf annehmen. In dieser Jahreszeit und Temperaturen um den Gefrierpunkt gibt es selten einen Schönheitspreis zu gewinnen. Ich bin guten Mutes, dass Christian Gross die Mannschaft wieder gut einstellen wird und die Spieler die Vorgaben auf dem Platz erfüllen werden. Wir sind dabei am Mainzer Bruchweg, Sonntag um 10 Uhr geht es los im Doppeldeckerbus vom Fanclub RWS Berkheim.

13.12.2009

Ein Punkt in Mainz oder wie bringe ich mich um den verdienten Lohn?

Nach der Wiederauferstehung gegen Urziceni in der Championsleague, machten wir uns guter Hoffnung auf den Weg nach Mainz. Dieses Mal schlossen wir uns dem RWS Berkheim an, der einen Doppeldeckerbus für 75 Personen gechartert hatte. 10 Uhr war Treffpunkt in Esslingen Berkheim. Mit reichlich Bier an Bord und guter Laune ging es auch fast planmäßig los.

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Nach einem kurzen Einstiegstop in Heimsheim nahmen wir zunächst über die A8, dann über die A5 Kurs auf Mainz. An der Raststätte Bergstraße legten wir eine ca. halbstündige Pause ein.

Als wir die Raststätte wieder verließen folgte eine Schrecksekunde. Direkt auf unserer Höhe, wo wir im Bus saßen, sahen wir ein Auto abheben und auf uns zufliegen. Die Fahrerin dieses Fahrzeugs (Fiat) fuhr, wie wir von Augenzeugen erfuhren, hinter uns aus dem Rasthof heraus und zog sofort auf die linke Spur, um unseren Bus gleich überholen zu können. Dabei wurde sie mit hoher Geschwindigkeit von einem heranbrausenden BMW mit Balinger Kennzeichen gerammt und auf unseren Bus “geschossen”. Die Dame hatte dabei noch Glück im Unglück. Nach meiner Wahrnehmung ist ihr körperlich nicht viel passiert, sie hatte lediglich einen Schock zu beklagen und ihr Bein schmerzte. Hätte der Bus den Aufprall nicht abgedämpft, wäre sie womöglich durch die Leitplanke an einen Baum geprallt, was dann wohl weniger glimpflich ausgegangen wäre.

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Der Notarzt kam sofort, bis die Polizei eintraf dauerte es wesentlich länger. Insgesamt gute eineinhalb Stunden vergingen, bis wir weiter fahren konnten. Da die Insassen des Balinger BMWs ebenfalls VfB-Fans und beide Autos schrottreif waren, nahmen wir sie mit.

In Mainz muß man mit dem Bus ziemlich mit der Kirche ums Dorf fahren, um an den Busparkplatz zu gelangen, was weitere Zeit gekostet hat. Dieser ist in Mainz relativ weit vom Stadion entfernt liegt. Nach dem Fußmarsch trafen wir gegen 15.15 Uhr am Mainzer Bruchweg-Stadion ein. Am Gästeeingang befanden sich noch lange Schlangen, so daß ich schon befürchtete, nicht rechtzeitig zum Spielbeginn im Stadion zu sein. Da auf unserer Karte aber Orgentec-Tribüne stand und wir einen Wegweiser zu dieser sahen, machten wir uns auf den Weg dorthin. Der Einlaß funktionierte problemlos und schnell. Auf zum Block und hinein. Denkste! Es stellte sich plötzlich heraus, daß wir zu unserem Block doch nur über den Gästeeingang gelangen können. An der Einlasskontrolle hätten sie uns normalerweise gar nicht reinlassen dürfen. Da unsere Karten schon eingerissen waren mußten wir diese noch von einer besonders wichtigen Ordnungskraft (orangene statt neongelbe Weste) abzeichnen lassen, um überhaupt wieder eingelassen zu werden. Gott sei Dank hatten sich die langen Schlangen einigermaßen aufgelöst, bis wir ankamen. Im Inneren des Stadions dann die nächsten Hindernisse. Es staute sich auf den Aufgängen in die Blöcke, so daß man da auch kaum vorankam. Genau pünktlich zum Anpfiff schließlich erreichte ich meinen Platz. Anita wollte etwas später nachkommen, doch sie wurde von den Ordnern nicht mehr auf ihren Platz gelassen, weil die Gänge voll standen. Stattdessen wurde ihr ein Sitzplatz in einem anderen Block angeboten. Da muß ich wirklich sagen: die Infrastruktur, das Stadion, die Organisation, alles höchstens 2. Liga-Format. Um so mehr war die Gier vorhanden, diesen Ort wenigstens mit 3 Punkten im Gepäck wieder verlassen zu können.

Das You”ll never walk alone und die Mainzer Schalparade verpaßte ich leider und konnte keine Bilder davon schießen. Die Intonation des Vereinsliedes und wie die heimischen Fans dabei abgehen, üben auf mich in vielen Stadien eine Faszination aus, auch wenn ich mit dem jeweiligen Verein und deren Fans nichts anfangen kann.

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Hinein ins Spiel. Der VfB im Gegensatz zum Championsleague-Spiel nur auf einer Position verändert – Niedermeier ersetzte den gelbgesperrten Tasci. Die ersten Minuten gehörten den Mainzern, bereits in der 2. Minute hätte Ivanschitz Mainz in Führung bringen können. Stattdessen nutzte der VfB gleich seine erste Chance zur Führung. Boka flankte von links, Pogrebnjak drückte den Ball mit der Hüfte zum 0:1 in die Maschen. Riesen-Jubel natürlich unter den 2.000 VfB-Anhängern. Wir saßen oberhalb des VfB-Fanblocks, so daß ich von dem leider keine Bilder machen konnte, das tat aber der Stimmung zu diesem Zeitpunkt keinen Abbruch.

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Danach entwickelte sich eine recht ausgeglichene kampfbetonte Partie, in der der VfB vor der Pause die besseren Chancen, vor allem durch Ciprian Marica besaß. Dieser blüht bisher durch den Trainerwechsel richtig auf und stellte in Mainz Pogrebnjak, trotz dessen Tores, eindeutig in den Schatten.

Unter den Zuschauern befand sich auch Bundestrainer Jogi Löw.

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Unsere Nationalspieler Hitz und Tasci bekam er ja nicht zu sehen, dafür aber einen starken und immer präsenten Sami Khedira. Es gibt schon Leute, die die Leistungssteigerung in den letzten beiden Spielen weniger dem neuen Trainer als vielmehr der Rückkehr von Sami Khedira zuschreiben. Wenn er dieses Level auch nach der Weihnachtspause halten kann, ist er sicher bei Jogi auch ein Kandidat für Südafrika. Khedira stellte sich als Kapitän bei der U21-EM in Schweden in den Dienst des  Teams und verzichtete stattdessen auf die Asien-Reise der A-Nationalmannschaft. Deshalb dürfte er bei der Nominierung einen kleinen Bonus haben.

In der 2. Halbzeit dann war vom VfB relativ wenig zu sehen. Sie zogen sich zurück, standen tief und verwalteten das 1:0 gegen relativ harmlose Mainzer, denen man auch nicht unbedingt zutraute, ein Tor schießen zu können. Die VfB-Abwehr ließ wenig zu. Auch Niedermeier, der nervös begann, steigerte sich mit zunehmender Spieldauer zu einem zuverlässigen Part. Das Spiel plätscherte so dahin, aus VfB-Sicht ja eigentlich optimal, wären die drei Punkte doch soooo wichtig gewesen. Nur einem war der Nachmittag wohl zu langweilig: Jens Lehmann. Bereits über die gesamte Spieldauer provozierte er die Mainzer, sowohl Publikum als auch Mannschaft. Jede Ballaufnahme zelebrierte er provokativ langsam, sobald ihm jemand zu Nahe kommt, baut er sich vor demjenigen auf. In der 2. Halbzeit ging dieses “Spiel”, vor allem eine Privatfehde mit Bancé, weiter. Als er sich wieder einmal dazu entschloß, die Kugel erst aufzunehmen, als er schon den Atem des herannahenden Gegners spürte, wurde er von Bancé attackiert und kam zu Fall. Lehmann ließ sich daraufhin auf dem Platz behandeln.

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Bancé hätte gelb für diese Aktion bekommen müssen, was Schiri Stark aber anders sah. Wenige Minuten später hatte Lehmann den Ball sicher, ging aber dennoch auf Bancé zu und trat ihm mit voller Wucht auf den Fuß. Die (fast) logische Folge: rote Karte und Elfmeter.

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Mit diesen Sperenzchen hat Lehmann der Mannschaft, den Fans und dem Verein einen Bärendienst erwiesen. Eine unnötigere rote Karte und einen unnötigeren Elfmeter habe ich glaube ich noch nie gesehen. Und das in der jetzigen Situation, wo der Befreiungsschlag so etwas von wichtig gewesen wäre. Lehmann sollte sich selbst hinterfragen, ob es für ihn noch Sinn macht bis Saisonende weiter zu spielen. Er hat ja schon betont, daß für ihn der Kampf gegen den Abstieg keine Motivation darstellt. Wenn er dem VfB weiterhin mehr schadet als daß er nützt, sollte man diese Liaison schnell beenden. Binnen einer Woche sorgte er zunächst durch die Kritik an der Vereinsführung (In der Sache hatte er meiner Meinung nach Recht, als er sagte, dass Babbel in erster Linie wegen der Eskalation nach dem Bochum-Spiel entlassen wurde, nur sollte er so etwas intern vorbringen), dann durch die Pinkelaffaire für Schlagzeilen. Danach erklärte er öffentlich, dass er die Geldstrafe in Höhe von 40.000 Euro nicht bezahlen werde und jetzt kostet er den VfB die dringend benötigten 2 Punkte. Lehmann ist ein egozentrischer Selbstdarsteller, der immer im Mittelpunkt stehen muß und kein Teamplayer. Um zu erreichen, dass er nach dem Desaster mit Schäfer beim VfB unterschrieb, machte man Zugeständnisse, wie dieses, daß er vom sonntäglichen Auslaufen befreit wird und diese Zeit bei seiner Familie am Starnberger See verbringen kann. Dies wurde solange auch akzeptiert und hingenommen, als er seine Leistung brachte und ein tadelloser Vollprofi war. Jetzt allerdings, vor allem in diesen schwierigen Zeiten, sind Kerle gefragt, die an einem Strang ziehen. Wenn Lehmann jetzt die Vereinsführung wegen der Entlassung von Babbel kritisiert, muß man hinterfragen dürfen, ob er nicht auch eifrig an Babbels Stuhl gesägt hat. War nicht er es, der aufgrund der Maßnahme, die Babbel vor dem Leverkusen-Spiel anordnete, dass die Mannschaft fortan in Doppelzimmer nächtigen solle, war es nicht Herr Lehmann himself, der sich daraufhin eine Suite nahm und so Babbels Autorität nachhaltig untergrub? Hat Herr Lehmann nicht in Hannover die gute Kinderstube eines Balljungen vermißt, reißt aber selbst einem aufgebrachten Fan in Mainz die Brille von der Nase? Benimmt sich nicht Herr Lehmann schon seit eh und je, Tendenz eher zunehmend im reifen Alter, wie ein Rüpel. Und das, obwohl doch er immer den Verfall der Sitten in der Bundesliga anprangert. Er hat doch in Mainz geschauspielert und die Zuschauer gegen uns aufgebracht, so daß man sich wegen dem peinlichen Clown schämen muß. Nachdem ich jetzt solch drastischen Worte benutze, muß ich an dieser Stelle betonen, daß ich bisher immer ein großer Fan von Jens Lehmann war und glücklich war, als er zu uns kam. Daß er nicht einfach ist und manchmal provokant, das wußte man ja. Er ist aber immer noch ein guter Torwart und vor allem bei Standars im Herauslaufen absolute Spitze. Wenn wir aber wegen unseres Torwarts aus den Schlagzeilen nicht herauskommen, jetzt da nach dem Trainerwechsel endlich mal Ruhe einkehren sollte, wenn uns dieser Torhüter nicht mehr nur außerhalb des Platzes sondern immer häufiger auch auf dem Platz schadet, ist es höchste Zeit über einen Torwartwechsel nachzudenken. Alex Stolz oder Sven Ulreich haben jetzt, mindestens bis zum Ablauf der Sperre von Jens Lehmann, die Chance, danach einen erneuten Torwartwechsel unnötig zu machen, wenn sie stark halten. Die Mannschaft ist natürlich gefordert, ihnen dabei zu helfen.

Ich bin wirklich gespannt, ob die Vereinsführung dieses Verhalten weiterhin duldet. Kündigen werden sie ihn kaum  können, hier sei noch einmal an sein Ehrgefühl appeliert, die Schuhe an den Nagel zu hängen, wenn ihm der Job keine Freude mehr bereitet. Ein wie gestern fast schon amoklaufender Jens Lehmann schadet mehr als dass er nützt. Ich denke, unser neuer Trainer wird jetzt genau hinschauen, auf wen er zählen kann und auf wen nicht. Wenn ihm unsere beiden Torhüter Stolz und Ulreich nicht gut genug erscheinen, kann in der Transferperiode auch noch reagiert werden. Gross hat ja bereits gestern betont, der Mannschaftserfolg stehe über allem. Wenn wir von Feldspielern erwarten, einander auf dem Platz zu helfen und füreinander da zu sein, muß das auch für den Torwart gelten. Ich denke, die nächsten Tage dürften spannend werden. Alex Stolz oder Sven Ulreich wünsche ich auf jeden Fall gegen Hoffenheim ein gutes Spiel und Jens Lehmann eine lange Sperre und eine harte Strafe vom Verein.

Zurück zum Spiel, Ulreich kam für Gebhart ins Spiel und stand zunächst einmal dem Mainzer Elfmeterschützen Polanski gegenüber. Dieser verwandelte sicher, so daß sich die Mainzer doch noch über einen nicht mehr erhofften Punktgewinn freuen durften. Die Fans forderten dann noch ihren 12. Mann Jens “Lehmann auf den Zaun”, da er ihnen den Elfmeter herausgeholt hatte. Doch zu diesem Zeitpunkt irrte Lehmann wohl schon durch die Dunkelheit in Mainz, als er auf der Suche nach einem Taxi einen recht planlosen Eindruck machte. Vielleicht ja ein Indiz dafür, dass ihn dieser Ausraster doch mal nachdenklich gemacht hat.

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Wir VfB-Fans waren natürlich stinksauer nach dem Abpfiff.  Zwei Punkte hergeschenkt, hoffen wir mal, dass uns nicht gerade diese am Ende der Saison fehlen. Nach dem Marsch durch die Mainzer Nacht in der eisigen Kälte fuhren wir gegen kurz nach 18 Uhr, ohne nennenswerte Zwischenfälle, zurück. Auch auf der Fahrt gab es natürlich nur ein Thema. Die Schlagzeilen gehören auch diese Woche, Jens Lehmann sei Dank, dem VfB. Der Trainerstab und die Mannschaft werden sich davon aber hoffentlich nicht einlullen lassen und mit höchster Konzentration an die Vorbereitung auf das Hoffenheimspiel gehen. Ein Sieg zum Jahresabschluss wäre ja so wichtig.

14.12.2009

Machtwort von Gross: Der Torwart bleibt

Jens Lehmann kommt morgens um halb zehn am Vereinsheim des VfB Stuttgart an und gibt ein besorgniserregendes Bild ab. Schwer humpelnd schleicht der Torhüter über den Parkplatz, mit schmerzverzerrtem Gesicht zieht er sein linkes Bein hinter sich her. In solcher Verfassung hat ihn niemand erwartet – wenn er denn überhaupt erwartet worden ist an diesem bitterkalten Montagmorgen. So genau jedenfalls wusste vorher niemand, ob Lehmann am Tag nach dem 1:1 in Mainz wieder auftauchen würde.

Ein bizarrer Abgang

Abgetaucht war der Torhüter nach seiner törichten Roten Karte, mit der er einen Elfmeter und damit das Tor zum Endstand verschuldet hatte. In ein Taxi zum Frankfurter Flughafen stieg er und reiste von dort nach München weiter, nachdem er zuvor einem Fan die Brille von der Nase gerissen hatte und vor dem Stadion umhergeirrt war. So bizarr war sein Abgang, dass man sich nicht gewundert hätte, wäre er erst einmal auf Tauchstation gegangen.

Nun ist Lehmann also doch zurück nach Stuttgart gekommen, angeschlagen zwar, aber immerhin. Und so darf man davon ausgehen, dass selbst ein Mann mit so unerschütterlichem Selbstvertrauen hin und wieder vom schlechten Gewissen geplagt wird. Offenbar hat ihn über Nacht dann doch die Furcht davor beschlichen, dass seine Karriere auf derart unrühmliche Weise zu Ende gehen könnte. Der Manager Horst Heldt jedenfalls hat es am Vorabend zumindest nicht völlig ausgeschlossen, dass das Spiel in Mainz Lehmanns letzter Auftritt für den VfB gewesen sein könnte.

Lehmann will einen tollen Abschluss hinlegen

Jens Lehmann, so viel steht seit Montag fest, bleibt auch in Zukunft der Torhüter des Achtelfinalisten in der Champions League und des Abstiegskandidaten in der Bundesliga. Er habe sich in der Kabine bei der Mannschaft für seinen Platzverweis entschuldigt, wie nach dem Regenerationstraining seine Mitspieler Sami Khedira und Ciprian Marica übereinstimmend berichten. Und er hat ein längeres Gespräch mit Christian Gross geführt, an dessen Ende der neue VfB-Trainer zu der Überzeugung gelangt, “dass Jens nach der Vorbereitung hochmotiviert in die Rückrunde starten und alles für einen tollen Abschluss seiner Karriere im Sommer 2010 tun wird.”

Am Ende ist es also der Schweizer Trainer, der sich für Lehmann ausspricht – und dem Torhüter damit wohl den Job rettet. Denn ansonsten hat der 40-Jährige im Verein nicht mehr viele Fürsprecher, schon gar nicht in der Clubspitze. Zerrüttet scheint das Verhältnis mit dem Vorstand, den Lehmann vor einer Woche mit dem Vorwurf der Führungsschwäche heftig attackiert hatte. Auf die Spitze trieb es Lehmann mit seiner Weigerung, die Abmahnung und die Geldstrafe in Höhe von 40.000 Euro zu akzeptieren, die der Präsident Erwin Staudt “wegen vereinsschädigenden Verhaltens” verhängt hatte.

Offenbar wollte der VfB-Vorstand auf die Brüskierung schon am Samstag reagieren und war fest entschlossen, Lehmann für das Spiel in Mainz zu suspendieren. Der Trainer hat sein Veto eingelegt und erklärt, er wolle sich erst selbst ein Bild machen. Das erhielt Gross beim Spiel in Mainz, nach dem auch er sich nachdenklich zeigte. Den Fußballer Lehmann kenne er gut, sagte er, den Menschen allerdings recht wenig.

Eine interne Aufarbeitung erfolgt

Wieder wäre der VfB anschließend bereit gewesen, weiter reichende Konsequenzen zu ziehen und hätte wohl nicht davor zurückgescheut, auf die Dienste Lehmanns künftig ganz zu verzichten, doch wieder stellte sich Gross hinter den Schlussmann – sei es aus Überzeugung oder dem Mangel an Alternativen. Beschränkt scheint jedenfalls der Glaube daran, mit den unerfahrenen Ersatztorhütern Sven Ulreich und Alexander Stolz den nervenaufreibenden Abstiegskampf bewältigen zu können. Horst Heldt wollte die Debatte nicht kommentieren – der Manager ließ lediglich ausrichten, dass “eine Aufarbeitung der Ereignisse” beim Spiel in Mainz “intern erfolgt”.

Die Pressemitteilung, die der VfB am Nachmittag veröffentlicht, enthält übrigens auch den Grund für das schwere Humpeln Lehmanns. Demnach habe sich der Torwart “bei der Attacke des Mainzer Angreifers Bancé” eine Innenbandzerrung mit Gelenkkapseleinriss und einen Bluterguss im linken Knie zugezogen. Er könne daher “bis auf Weiteres” nicht am Mannschaftstraining teilnehmen. Sein Einsatz am Samstag im Heimspiel gegen Hoffenheim wäre unabhängig von der Roten Karte “nicht möglich gewesen”. (STZ online)

16.12.2009

Jens Lehmann nach der Roten Karte: Sperre für drei Spiele

Torhüter Jens Lehmann vom VfB Stuttgart ist nach seinem Ausraster in Mainz glimpflich davongekommen. Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beurteilte Lehmanns Foul gegen Aristide Bancé als “Tätlichkeit gegen den Gegner in einem leichteren Fall” ein und sperrte den 40-Jährigen am Mittwoch für drei Spiele. Damit kann Lehmann frühestens im Bundesliga-Heimspiel am 31. Januar gegen Borussia Dortmund wieder eingesetzt werden. Der VfB ist bei der “internen Aufarbeitung” der jüngsten Verfehlung des Schlussmanns indes offensichtlich um Besonnenheit bemüht. Einen angeblichen Beschluss, nach dem sich der Verein beim nächsten Vorfall definitiv von dem eigenwilligen Schlussmann trennen will, bestätigten die Schwaben nicht. “Zu dem Thema ist alles gesagt”, erklärte Vereinssprecher Oliver Schraft.

Die “Bild” (Mittwoch-Ausgabe) berichtete, Lehmann würde bei jedem noch so kleinen Vorfall fliegen. Offen ist damit nach wie vor, ob Lehmann mit seiner Weigerung durchkommt, die noch ausstehende 40.000-Euro-Geldstrafe zu zahlen. Diese hatte der Vorstand in der vergangenen Woche nach einem kritischen Fernseh-Interview gegen Lehmann ausgesprochen und den 40-Jährigen deswegen zudem schriftlich abgemahnt. Nach seinem Platzverweis in Mainz und seinem skurrilen Abgang mit einem Angriff auf einen Fan und seiner Taxi-Flucht aus dem Stadion hatte die VfB-Führung auf eine weitere Strafe verzichtet. Dabei soll der neue VfB-Trainer Christian Gross sich für Lehmann eingesetzt und ihn damit vor einer Suspendierung bewahrt haben. Sein früherer Rivale und Weggefährte Oliver Kahn hatte Lehmann am Dienstag öffentlich einen Rücktritt nahe gelegt. (STZ online)

18.12.2009

Die Woche zwischen Mainz und Hoffenheim:

Aufarbeitung der Geschehnisse um Jens Lehmann; in der CL gegen den großen FC Barcelona!

Nach den Vorkommnissen in Mainz rund um Jens Lehmann, war damit zu rechnen, dass zunächst er die Schlagzeilen bestimmen würde. Es waren ja nicht nur seine ständigen Provokationen, nach dem Spiel hat er ja dann noch Medienwirksam und vor laufenden Kameras einem VfB-Fan die Brille von der Nase gerissen, als dieser ihn  (zu Recht) fragte, ob er nicht ein Mal normal sein könne. Nach seiner Flucht aus dem Stadion mit einem Taxi zum Frankfurter Flughafen und dem Flug nach München hatte er, ebenfalls wieder vor laufenden Kameras, noch einen Reporter um 5 Euro angeschnorrt, weil er Hunger bekam. Bei alledem konnte man schon den Eindruck gewinnen, dass Jens Lehmann an diesem Abend nicht richtig tickte.

Wie in meinem Mainz-Bericht geschrieben, hätte ich vollstes Verständnis gehabt, wenn der Verein mit dem Rauswurf oder einer Trennung in gegenseitigem Einvernehmen reagiert hätte. Der neue Trainer aber legte zu derartigen Maßnahmen sein Veto ein, da er im Abstiegskampf auf einen erfahrenen Torhüter setzen möchte. Dies ist sein gutes Recht. Lehmanns Glück in dieser Angelegenheit ist sicher, dass ein neuer Trainer da ist und er (fast) bei Null anfangen kann. Jetzt hat er noch einmal die Möglichkeit, seine Karriere vernünftig zu beenden und dem VfB das Vertrauen und die Nachsicht zurückzuzahlen, die der Verein in den letzten Wochen und Monaten mit Jens Lehmann geübt hat.Ich hoffe, er packt diese Gelegenheit beim Schopfe und konzentriert sich voll und ganz auf seine Aufgabe auf dem Platz.

Am Montag gab der Verein dann folgende Pressemitteilung heraus: “Für VfB-Torhüter Jens Lehmann hat das gestrige Bundesligaspiel beim FSV Mainz 05 unangenehme Folgen. Der 40-Jährige zog sich bei der Attacke des Mainzer Angreifers Aristide Bancé eine Innenbandzerrung mit Gelenkkapseleinriss und einen Bluterguss im linken Knie zu.”

Ich musste dabei schmunzeln und vermutete, der VfB will zum einen ein milderes Strafmaß vor dem Sportgericht erreichen und zum anderen Jens aus der Schusslinie nehmen, da sich in der Woche vor dem wichtigen Hoffenheim-Spiel sonst alles auf ihn gestürzt hätte, obwohl er ja doch nicht spielen darf.  So wäre automatisch Unruhe und ein riesiger Medienwirbel auf dem Vereinsgelände gewesen.

Das Sportgericht verhängte schließlich 3 Spiele Sperre. Im Laufe der Woche hatte Jens Lehmann dann noch seinen Auftritt bei Kerner und nahm Stellung zu den Vorkommnissen der letzten Wochen. Viel bedauerndes brachte er aber leider nicht heraus, außer dass ihm sein Verhalten in Mainz für die Mannschaft Leid tue. Ich, als einer der Mainz-Fahrer, hätte mir eine Entschuldigung beim gesamten Verein und den Fans gewünscht.

Nach der Aufarbeitung dieser Geschehnisse konnte die Mannschaft relativ unbeeindruckt die Vorbereitung auf das Spiel gegen Hoffenheim in Angriff nehmen. Es bestand doch durchaus Grund für Optimismus, schließlich fand seit dem Trainerwechsel eine klare Leistungssteigerung in der Mannschaft statt. In der Woche zwischen Mainz und Hoffenheim schaute ich erstmals, seit Gross da ist, wieder beim Training vorbei und war angetan davon, wie er sich einbringt. Babbel stand oft wie ein Feldherr im Mittelkreis und beobachtete die Arbeit seiner Co-Trainer und der Mannschaft aus der Ferne. Gross wirkt engagierter, dirigiert und korrigiert viel, und steckt die Spielfelder penibel genau selbst ab. Da auch an diesem Tag schon eisige Temperaturen herrschten, machten wir uns auch schon bald wieder vom Acker.

Am Freitag stand dann noch die Auslosung zum Champions League Achtelfinale an. Dass wir einen Kracher bekommen würden, war fast klar. Leichte Gegner gab es sowieso nicht, auch wenn Bordeaux oder Florenz nicht die ganz großen Kaliber gewesen wären. Mein Traumlos wäre ja Arsenal gewesen. Aber die Auslosung ist kein Wunschkonzert, gleich die erste Paarung hieß VfB-FC Barcelona.

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Also gegen die derzeit stärkste Mannschaft auf der Welt, die vergangene Woche ihren 6. Titel innerhalb eines Jahres unter Dach und Fach brachten. Gegen Weltklassespieler wie Messi, Ibrahimovic, Henry, Xavi, Iniesta und viele mehr. Hoffen wir, dass sich der VfB bis dahin weiter steigert und gegen Barca zwei, im Rahmen unserer Möglichkeiten, gute Spiele hinzulegen in der Lage ist. Das erste Spiel findet in der Mercedes-Benz-Arena statt. Für mich sind die Aufeinandertreffen derzeit noch schwer einzuschätzen. Wer weiß, wie der VfB aus der Weihnachtspause kommt. Gross ist ja ein erfahrener Hase und hat mit Basel auch schon CL-Erfahrungen gesammelt. Vielleicht bekommt er es ja hin, dass die Mannschaft bis zum Hinspiel stabil genug ist, um es den Katalanen schwer zu machen, ein Tor gegen uns zu erzielen. Ich würde es mir wünschen. Wir sind bei beiden Spielen am Start und ich hoffe, anders als vor 2 Jahren im Camp Nou, dass der VfB nicht ganz aussichtslos nach Barcelona fährt. Die Reise nach Barcelona ist bereits gebucht, am 16.3 geht es hin, am 18. wieder zurück. Letztes Mal nahmen wir den Tagesflieger vom VfB. Naturgemäß hat man da nicht so viel Zeit wie in einer Stadt wie Barcelona nötig wäre. Dennoch hatte der Trip etwas. Im Dezember nochmal einen frühlingshaften Tag bei strahlend blauem Himmel zu erleben. Bei diesen Bedingungen durch den Weihnachtsmarkt in Barcelona zu schlendern und einfach den Tag genießen.

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Am Yachthafen gab dann die Rote Tor Fraktion ihr “VfB ein Leben lang” zum besten und man konnte sich schon einmal einsingen.

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Anders dann im Stadion. Der “Gästeblock” im Camp Nou liegt im 4. Rang, also ganz oben, in diesem riesigen Stadion und ist fast über die gesamte Gerade gezogen. So kommt natürlich schwer eine richtige Atmosphäre was den Auswärtssupport angeht rüber. Dazu hat es wie Hechtsuppe gezogen und es war richtig kalt abends.

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Das Spiel selbst hätte man sich schenken können. Es war das letzte Gruppenspiel. Barca stand als Gruppensieger fest, der VfB als Gruppenletzter. Highlight war, als da Silva einen Freistoß zur 1:0-Führung versenkte, danach aber spielte fast nur noch Barcelona groß auf. Die Heimreise schließlich war eine mit Hindernissen. Von den 7 Tagesfliegern starteten 6 planmäßig, nur unserer blieb die ganze Nacht auf dem Rollfeld in Barcelona stehen, da es in Stuttgart Probleme mit der Nachtlandeerlaubnis gab. Schon aus diesem Grunde planten wir den nächsten Trip dorthin individuell. :-)

19.12.2009

Gelungener Jahresabschluss: 3:1 gegen Hoffenheim

Seit dem Trainerwechsel ist die Hoffnung wieder zurückgekehrt. Nach dem Sieg gegen Urziceni und dem Remis in Mainz war die Mannschaft unter Christian Gross ja noch ungeschlagen. So machten wir uns warm eingepackt und voller Zuversicht auf den Weg. Da uns die Terminplaner der DFL das Samstagabend-Spiel bescherten, schauten wir zunächst beim SSC die Sky-Konferenz an. Bayer 04 Leverkusen sicherte sich die Herbstmeisterschaft, wir müssen unsere direkten Konkurrenten leider weiter unten in der Tabelle suchen und staunten nicht schlecht, dass Bochum in Hannover gewann und uns zu enteilen drohte. Was solls: mit einem Dreier am Abend holen wir die schon wieder ein. Die Vorzeichen standen nicht schlecht. Mit Ba, Compper, Weis und auch Timo Hildebrand fehlten den Hoffenheimern vier wichtige Spieler wegen Schweinegrippe. Beim Timo hege ich so meine Zweifel: es wird gemunkelt, er wäre sich mit dem VfB über eine Rückkehr einig. Da könnte in so einem Spiel eine Menge Porzellan zerschlagen werden. Vielleicht hat er also auch gekniffen. Des weiteren fehlte Salihovic gelbgesperrt. Beim VfB spielte Tasci wieder für Niedermeier und natürlich Sven Ulreich für den gesperrten Jens Lehmann. Kurz nach 18 Uhr faßten wir uns ein Herz, packten uns warm ein und trotzten der Kälte, indem wir den Weg zum Eisschrank Mercedes-Benz Arena antraten. Bei Temperaturen um die -15° nahmen wir also unsere Plätze im Block 17 ein. 41.000 Zuschauer kamen zu diesem, angesichts der äußeren Bedingungen, denkwürdigem Spiel.

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Noch kurz warm einpacken und schon geht es los. Beim VfB spielte lediglich Aleks Hleb in Strumpfhosen, bei den Hoffenheimern waren es einige mehr.

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Auf dem gefrorenen Boden kam das Spiel schwer in die Gänge. Der VfB erspielte sich zwar ein Übergewicht. Torchancen blieben aber zunächst Mangelware. Den Brasilianern von Hoffenheim merkte man zuweilen an, dass diese Temperaturen nicht ihre Welt sind, zumal sie schon den Weihnachtsurlaub in den warmen heimatlichen Gefilden vor Augen hatten.

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Sven Ulreich hatte in seinem ersten Bundesligaspiel seit über eineinhalb Jahren zunächst wenig bis überhaupt nichts zu tun.

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Nachdem Träsch zwei kleinere Möglichkeiten zur Führung vergab, zeigte der Schiedsrichter in der 32. Minute nach einem Handspiel von Ibertsberger auf dnm Elfmeterpunkt. Für Hoffenheim eine unglückliche, aber vertretbare Entscheidung. Marica ließ sich die Chance nicht entgehen und verwandelte. Haas im Hoffenheimer Tor ahnte zwar die aus seiner Sicht rechte Torecke, kam aber letztendlich nicht heran. Wenn man Marica die ersten drei Spiele unter Gross beobachtet hat, erkennt man ihn gegenüber vorher fast nicht wieder. Er arbeitet und rennt unheimlich viel für die Mannschaft, im Abschluss macht er aber nach wie vor eine unglückliche Figur. Dass er das Vertrauen erhielt und den Elfmeter schießen durfte, stärkt hoffentlich sein Selbstvertrauen. In den ersten drei Spielen unter Gross heißen die Gewinner sicher Ciprian Marica, Timo Gebhart und Pavel Pogrebnjak. Gegen Hoffenheim war Pogrebnjak mit Sami Khedira der beste Spieler auf dem Platz.

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Auch nach dem Führungstreffer blieb der VfB dran, hatte aber weiterhin Schwierigkeiten klare Chancen herauszuspielen. Hoffenheim brachte nach vorne überhaupt nichts zustande. Das änderte sich allerdings in der 44. Minute. Delpierre legte Ibisevic und Maicosuel verwandelte den darauf folgenden Freistoß aus 24 Metern Torentfernung. Der schmeichelhafte Ausgleich für den Dorfclub, der eine Minute später durch Obasi sogar hätte in Führung gehen können, doch Ulreich reagierte mit einem Super-Refelex.

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Danach pfiff Schiri Gräfe zur Halbzeit. Auch nach dem Seitenwechsel übernahm der VfB wieder die Initiative. Pogrebnjak hätte den VfB in der 49. Minute in Führung bringen können, vergab aber freistehend gegen Haas, den Hildebrand-Vertreter.

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Die Vorentscheidung in diesem Spiel fiel dann in der 57. Minute als Luiz Gustavo Khedira im Mittelkreis von den Beinen holte und zu Recht gelbrot sah. Zunächst versuchten es Boka und Träsch mit Distanzschüssen, scheiterten aber an Haas. In der 68. Minute brach aber der Bann, denn Cacau erzielte nach Vorarbeit von Pogrebnjak das 2:1. Er war in der 60. Minute für Marica eingewechselt worden.

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Im Anschluß daran hatte der ebenfalls eingewechselte Rudy mit einem Distanzschuß, den er verzog, ein wenig Pech. Dann lief  Timo Gebhart alleine auf das Tor zu und scheiterte an Haas, nachdem er zuvor den mitgelaufenen und nicht im Abseits stehenden Cacau übersehen hatte, woraufhin dieser sich energisch echauffierte. Besser machte es schließlich in der 82. Minute Sami Khedira aus ähnlicher Position.

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Mit dem 3:1 war das Spiel natürlich gelaufen. Wir VfB-Fans hatten endlich mal wieder auch in der Bundesliga etwas zu feiern. Die Stimmung war das gesamte Spiel über gut. Hoffenheim schaffte es nicht einmal den Gästeblock voll zu bekommen und war auch kaum zu hören. Deren Mode-”Fans” kommen dann wieder bei angenehmeren Temperaturen.

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Der VfB ließ die restliche Spieldauer nichts mehr anbrennen. Hoffenheim stellte seine Bemühungen ein, der VfB hätte sogar durch Boka noch höher gewinnen können. In die Einzelkritik möchte ich nicht groß gehen, die Besten habe ich weiter oben erwähnt. Schwächster Mann beim VfB war einmal mehr Aleks Hleb. Christian Gross war am dem Spiel folgenden Sonntag in Sport im Dritten und ließ durchblicken, daß er mit Hleb ganz und gar nicht zufrieden ist. Und das nicht nur seiner Leistungen wegen sondern auch wegen seiner Berufsauffassung. Auch diese Personalie dürfte spannend werden. Wenn er sich nicht voll und ganz für die Mannschaft einbringt und alles dem Beruf unterordnet, sollte man auch vor diesem Namen nicht Halt machen und ihn auf der Tribüne versauern lassen. Trotz der angeblich 6-Millionen-Nettogehalt, die der VfB dem Weißrussen für sein einjähriges Gastspiel überweist. Vielleicht gibt ihm ja das Aufeinandertreffen mit dem FC Barcelona Auftrieb und eine Perspektive, dass er bis zu diesen Spielen in Topform sein möchte. Zu wünschen wäre es ihm und uns.

In der 89. Minute durfte dann noch Ludovic Magnin seine Abschiedsvorstellung geben. Er wechselt ja in der Winterpause zum FC Zürich in seine schweizer Heimat, um mehr Spielpraxis zu bekommen und seine WM-Teilnahme nicht zu gefährden. Ich sehe seinen Abgang mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Auf dem Platz hat ihm Arthur Boka, spätestens seit dem Länderspiel Deutschland-Elfenbeinküste, das ihm enormen Auftrieb gegeben hat, den Rang abgelaufen. Nicht nur deshalb, auch weil Lude in dieser Saison nicht ein gutes Spiel abgeliefert hat, ist der Abgang aus sportlicher Sicht zu verschmerzen und logisch. Menschlich jedoch wird er uns fehlen. Als Stimmungskanone und als positiver Typ, nicht zuletzt auch im Umgang mit den Fans in den Trainingslagern, Fanfesten oder sonstigen “Pflicht-”Terminen. Ludovic hat solche Zusammenkünfte immer gerne wahrgenommen und sie nicht als lästiges Übel angesehen, wie es viele andere tun. Alles Gute in der Heimat Ludovic und viel Erfolg. Laß Dich im Schwabenland mal wieder blicken!

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Trotz eines erwärmenden Auftritts unserer Mannschaft war sicher jeder froh, als der Schiedsrichter um 20.22 Uhr zur Winterpause pfiff. Die Mannschaft scheint wieder ihren Frieden mit den Fans geschlossen zu haben und kam zur La-Ola in die Cannstatter Kurve. Jetzt haben sie sich ihren, dieses Mal sehr kurzen, Weihnachtsurlaub verdient. Der VfB hat sein Nahziel erreicht und “überwintert” nicht auf einem Abstiegsplatz. Man darf gespannt sein, welche personellen Änderungen es in der Rückrunde geben wird. Christian Gross konnte sich in 2 Wochen ein Bild von der Mannschaft machen. Außer Magnin wird uns sicher noch der ein oder andere Ergänzungsspieler verlassen. Der Kader jedenfalls ist immer noch viel zu groß und müßte eigentlich um fast 10 Spieler verkleinert werden. Dazu wird laut Horst Heldt ein Ersatz für Magnin gesucht. Ebenfalls könnten wir einen treffsicheren Stürmer sowie einen torgefährlichen Mittelfeldspieler (Jovanovic?) gebrauchen. Einige Baustellen also für Horst Heldt. Hoffentlich sind diese bereits mit Start des Trainingslagers abgearbeitet, damit sich die Neuzugänge bereits integrieren und die Mannschaft kennen lernen können.

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Aus VfB-Sicht geht also ein Jahr der Extreme zu Ende. Zunächst die nicht für möglich gehaltene Aufholjagd in der Rückrunde der letzten Saison, als wir am letzten Spieltag sogar noch Meisterschaftschancen hatten und schließlich die Championsleague erreichten. Und dann die ebenfalls nicht für möglich gehaltene Vorrunde der aktuellen Saison, die uns bis auf den 17. Platz abstürzen ließ. Höhepunkt der Peinlichkeiten war das Pokal-Aus in Fürth. Für 2010 wünsche ich Christian Gross ein glückliches Händchen und daß er der Mannschaft wieder die notwendige Stabilität, vor allem im Defensivverhalten, verleiht. Gute Ansätze sind nach den ersten Spielen unter seiner Ägide zu sehen, die Mannschaft tritt wieder mehr als Einheit auf als noch unter Babbel.  In dieser Form werden wir hoffentlich nach ein paar Spielen der Rückrunde wieder das gesicherte Mittelfeld ins Visier nehmen können.

20.12.2009-27.12.2009 Weihnachtsurlaub

21.12.2009

Ex-VfB-Profi rückt auf: Keller bleibt Co-Trainer

Noch ist es nicht offiziell, und noch gibt es keinen neuen Vertrag geschweige denn eine Unterschrift. Klar ist allerdings: Jens Keller bleibt auch nach der kurzen Winterpause Co-Trainer von Christian Gross beim Bundesligateam des VfB Stuttgart.

Der 39-jährige gebürtige Stuttgarter hatte bislang die A-Junioren der Roten betreut und das Nachwuchsteam in der Vorrunde auf Platz eins der Bundesliga-Tabelle geführt. “Wir haben uns dort etwas aufgebaut”, sagt er. Direkt nach der letzten Vorrunden-Begegnung mit dem Talentschuppen trennte sich der VfB von Teamchef Markus Babbel. Es kam der Schweizer Christian Gross, und der brauchte einen Co-Trainer. Keller sprang ein – und wird nun dauerhaft befördert.

Die erste Personalentscheidung ist also so gut wie gefallen. Weitere sollen folgen – aber wohl nicht mehr vor Weihnachten. Linksverteidiger Pablo Brandan (26) von Unirea Urziceni ist aber weiterhin ein heißer aussichtsreicher Kandidat. Wenn auch nicht der einzige.

28.12.2009

Trainingsbeginn beim VfB: Vorbereitung auf die Rückrunde

Mit dem Klassenverbleib als Ziel hat der VfB Stuttgart die dreiwöchige Vorbereitung auf die Rückrunde der Fußball- Bundesliga aufgenommen. “Wir müssen den Abstieg verhindern und nur das ist unser Ziel. Dafür gilt es, alle Kräfte zu bündeln”, sagte VfB-Trainer Christian Gross beim Trainingsauftakt am Montag. Bei einem ersten 50-minütigen Jogginglauf am Neckar fehlten nur Kapitän Matthieu Delpierre wegen eines angebrochenen Zehs, der bereits wegen des Afrika-Cups abgereiste Arthur Boka und der Langzeitverletzte Martin Lanig. Am Nachmittag folgte ein Krafttraining.

29.12.2009

Gesucht: ein Hauptsponsor: EnBW will Vertrag mit dem VfB lösen

Am Donnerstag ist Stichtag. Bis zum 31. Dezember muss sich der Energieversorger EnBW per Option dazu bekennen, wenn er den am Ende der Saison auslaufenden Vertrag als Hauptsponsor des VfB Stuttgart verlängern will. Nach Information der Stuttgarter Zeitung ist die Entscheidung aber schon gefallen. Das Unternehmen mit Stammsitz in Karlsruhe hat sich dazu entschlossen, seinen Schriftzug am Ende der Saison von den Trikots des Fußball-Bundesligisten zu nehmen. Diese Maßnahme trifft den VfB nicht unvorbereitet. Der Club befindet sich mit der EnBW bereits in Verhandlungen, wie die Partnerschaft auf andere Weise fortgeführt werden kann. Denkbar ist, dass der Energieversorger in die zweite Sponsorenreihe wechselt – als sogenannter Exklusivpartner.

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5. Dezember 2009

„Es wird packende Zweikämpfe geben“ Bochums Mittelfeldspieler Christoph Dabrowski im Interview

Mit bislang 257 Erstliga-Einsätzen für den SV Werder Bremen, Arminia Bielefeld, Hannover 96 und den VfL Bochum ist Christoph Dabrowski der erfahrenste Spieler im Kader des heutigen Gegners. Der 31-jährige
defensive Mittelfeldspieler stand, abgesehen vom zwölften Spieltag, als er aufgrund seiner fünften gelben Karte gesperrt fehlte, in allen Spielen diese Saison auf dem Feld und gibt der VfL-Defensive die notwendige Stabilität.
Herr Dabrowski, heute spielt der 17. gegen den 16., das hört sich nach Kampf um den Ligaverbleib an. Auf was für ein Spiel müssen sich die Zuschauer einstellen?
Christoph Dabrowski: „Auf ein Spiel mit viel Leidenschaft. Beide Mannschaften sind sicherlich gewillt, so schnell wie möglich unten rauszukommen. Es wird packende Zweikämpfe geben und am Ende wird sich hoffentlich die Mannschaft durchsetzen, die mehr fürs Spiel getan hat.“
Überrascht es Sie, dass der VfB nach Platz drei in der Vorsaison in der Bundesliga so abgestürzt ist?
Christoph Dabrowski: „Auf jeden Fall. Denn trotz des Abgangs von Mario Gomez steckt große individuelle Klasse in dieser Mannschaft. Das hat man nicht zuletzt in der Champions League gesehen. Ich rechne damit, dass der VfB am Ende der Saison nicht auf einem Abstiegsplatz steht.“
Mit Heiko Herrlich haben Sie seit vier Spieltagen einen neuen Trainer. Was zeichnet seine Arbeit aus?
Christoph Dabrowski: „Er hat viel Ahnung vom Fußball und geht sehr analytisch vor. Der Trainer zeigt uns unsere Fehler, aber auch Wege, wie wir die in Zukunft vermeiden können. Mir gefällt zudem seine Begeisterungsfähigkeit. Ich bin davon überzeugt, dass wir unter ihm Schritte in die richtige Richtung machen.“
Im Trikot von Bielefeld, Hannover und Bochum haben Sie bei insgesamt 15 Begegnungen keinen Sieg gegen den VfB landen können. Ist der VfB Ihr persönlicher Angstgegner?
Christoph Dabrowski: „Ist das so? War mir bisher gar nicht so bewusst. Jetzt wo ich es höre, muss ich aber eingestehen, dass wir selten etwas in Stuttgart mitnehmen konnten. Dabei haben wir einige Fans in Süddeutschland, die so ein Erlebnis sicherlich verdient hätten.“
Sie gehen in Ihre vierte Saison beim VfL Bochum und schafften immer das Saisonziel Klassenerhalt. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass nach dem 34. Spieltag weiter von den „Unabsteigbaren“ gesprochen werden kann?
Christoph Dabrowski: „Die Mannschaft. Es steckt viel Qualität in ihr. Wenn es uns gelingt, als Einheit aufzutreten, dann ist es sehr schwer, gegen uns zu gewinnen.“

Top Facts: Die heutige Paarung im Fokus

Gesamtbilanz:
62 Spiele, 32 VfB-Siege, 15 Unentschieden und 15 Bochum-Siege, bei einem Torverhältnis von 110:79 für den VfB Stuttgart.
Heimbilanz des VfB gegen den VfL: 23 VfB-Siege, 4 Unentschieden und 4 Heimniederlagen bei einem  Torverhältnis von 77:37 für den VfB Stuttgart.

VfL Bochum unter der Lupe

1 Es ist fast neun Jahre her, dass es zum letzten Mal die Konstellation gab, dass sich Stuttgart und Bochum in der Bundesliga gegenüberstanden und dabei beide einen Abstiegsplatz beziehungsweise Relegationsplatz belegten.

2 Sieben Bundesliga-Spiele ohne Sieg erlebte der VfB zuletzt im Frühjahr 1999. Damals blieb man sogar zehn Mal hintereinander ohne dreifachen Punktgewinn.

3 Als Spieler verlor VfL-Coach Heiko Herrlich keines seiner acht Duelle mit Markus Babbel (zwei Siege, sechs Remis).

4 Bochum und der VfB sahen ligaweit bislang am häufigsten den gelben Karton, jeweils 36 Mal. Dazu kam beim VfB eine Gelb-Rote Karte, beim VfL gleich zwei Ampelkarten. 5 Der VfL ließ im Liga-Vergleich die meisten
gegnerischen Schüsse aufs Tor zu (92) und nur Freiburg sowie Hertha mussten mehr Gegentore (30) hinnehmen, als der VfL (25).

6 Den letzten Auswärtssieg in Stuttgart feierte der VfL am 29. Mai 1987. Damals gewann Bochum mit 4:2 im Neckarstadion.

Stadion Aktuell 5.12.09

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