1. November 2010

“Gastfreundschaft” à la Wolfsburg und die sich zuspitzende Krise des VfB

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 10:49

Trotz der in dieser Saison meist desolaten Auftritte der Brustringträger, entschlossen wir uns, auch zum Spiel nach Wolfsburg zu fahren. Der Fanclub setzte leider keinen Bus ein, so dass wir uns am Samstag morgen gegen 7 Uhr ins Auto setzten und los brausten. 525 Kilometer lagen vor uns. Wir hofften natürlich gut durchzukommen, bauten aber natürlich ob der Entfernung einen zeitlichen Puffer ein, um auch einen größeren Stau mit Ruhe und Gelassenheit über uns ergehen lassen zu können. Es kam aber Gott sei Dank nicht so. Trotz einiger kleinen und einer größeren Kaffeepause erreichten wir bereits gegen 13 Uhr den kostenlosen Parkplatz nahe der Volkswagenarena.

Das Stadion wurde dem VfL Wolfsburg von der Volkswagen AG und der Wolfsburg AG quasi geschenkt, keinen müden Cent mussten die Wölfe dafür locker machen. Wie es möglich ist, die 50+1-Regelung zu untergraben, der VfL Wolfsburg ist das beste Beispiel. Sie gelten, wie auch Bayer 04 Leverkusen als Präzedenzfall, da sie in den jeweiligen Konzern integriert sind, was das ganze nach Auffassung der DFL “legal” macht. So wird es dem Retortenverein ermöglicht, teure Spieler wie Diego zu verpflichten oder Wahnsinns-Angebote für einen Dzeko abzulehnen. Mit Gerechtigkeit hat dies wenig zu tun, müssen sich doch andere Vereine einen solchen Geldsegen hart erwirtschaften. Es kommt ja in Mode, mit solchen Modellen den schnellen Erfolg kaufen zu wollen, siehe Hoffenheim, siehe auch Red Bull Leipzig, die in einigen Jahren wohl als weiterer Kandidat für die internationen Plätze in der Bundesliga in Frage kommen werden. Gute Nacht Fußball-Deutschland! Wirkliche Traditionsvereine verschwinden immer mehr von der Bildfläche, Retortenvereine ohne Fankultur, für die Fußball mehr Event als Sport ist, stampfen aus dem Boden. Ihnen werden ohne eigenes Zutun Arenen hingestellt und aus dem Einzugsgebiet Fans abgeworben. Auf diejenigen, die inzwischen von Eintracht Braunschweig zu Wolfsburg abwandert sind, kann Braunschweig sicher ebenso verzichten, wie wir auf diejenigen, die zu Hopps Dorfverein gehen. Dennoch machen solche Vereine auf Dauer den Fußball kaputt und verderben den Spielermarkt, indem Preise und Gehälter gezahlt werden, die sich ein normal wirtschaftender Verein nicht mehr leisten kann.

Wenn man sieht, wie Volkswagen in dieses “Projekt” Kohle buttert, dürfte eigentlich ein jeder Fan eines anderen Vereins, sich keinen VW kaufen. Man unterstützt doch nicht gerne die Konkurrenz. ;-)

Nachdem ich mein Tagwerk, was das Autofahren angeht, vollbracht hatte, Anita fährt ja traditionell zurück :-) , lechzte ich nach meinem ersten Bier. Also gingen wir in Richtung des Stadions. Die ersten beiden Krombacher-Stände waren noch nicht einsatzbereit, sie schickten uns in den Gästebereich, wo das Bier schon fließen würde, was sich auch bewahrheitete. Nach einer mehr schlechten als rechten Krakauer und einem Bier wollten wir zurück laufen, Richtung Parkplatz, wo wir also her kamen, um das Treiben rund ums Stadion zu beobachten. Wir hatten ja noch viel Zeit und wollten nicht die ganze Zeit an einem Fleck verbringen. Diese Rechnung hatten wir aber ohne die Wolfsburger Polizei gemacht.

Wie die Brecher standen sie da und ließen uns nicht mehr zurück, da wir ja offensichtlich VfB-Fans wären. Auch unser Einwand, dass unser Auto dort stehen würde, wir von dort auch hergekommen sind, fruchtete nicht, keine Chance. Freiheitsberaubung erster Güte also.

Jeder, der rüber wollte in Richtung der Haupttribüne, wurde gleich abgefangen und es wurde denjenigen der Zutritt verwehrt.

So wuchs natürlich bei einigen VfBlern schon vor dem Spiel der Unmut. Sind sie jetzt abgehoben die Wolfsburger? Bekommt ihnen die Höhenluft nicht? Wir sind doch nicht in Karlsruh oder Frankfurt, wo totale Fantrennung angebracht wäre, sondern nur in dem Retortenstädtchen Wolfsburg, die im wahrsten Sinne des Wortes, was Fußballtradition angeht, noch sehr grün hinter den Ohren sind. Es herrschte absolutes Unverständnis darüber.

Normal reden konnte man mit den Gören auch nicht. Als wir fragten, was das soll, deutete eine sofort auf den Schriftzug “POLIZEI”, nach dem Motto, dies wäre Begründung genug. Als wir dann einwarfen, früher wäre es hier auch noch nicht so gewesen, kam der Brüller, der die anwesenden VfBler zu Lachkrämpfen hinriss: “Damals gab es auch die Wolfsburger Ultraszene noch nicht”. Zunächst einmal warf das eher die Frage auf, ob sie ihre eigenen Leute nicht im Griff haben, ganz abgesehen davon, dass wir keine Ultras gesehen haben. Das Gros der Wolfsburger, die wir gesehen hatten, waren Familien mit Kindern und mehr oder weniger Gebrechliche, welche Ultras also? Vielleicht die?

oder etwa die?

Doch die?

Oder? Einen hab ich noch! Die?

Mir schlottern noch beim Hochladen die Knie. Ernsthaft, wir haben wirklich im Umfeld des Spiels keinen bösartigen Mob oder Vergleichbares bemerkt, auch nicht, als wir nach dem Spiel zum Parkplatz zurück liefen. Da war dann, ohne Blocksperre, der Weg sofort wieder für uns frei. Reine Polizeiwillkür also, die mit einem Rechtsstaat nichts zu tun hat. Als (Auswärts-)Fan gilt man immer mehr als Mensch zweiter Klasse, der seine Grundrechte mit Betreten des Stadiongeländes abgibt. Dass die in anderen Städten, wo es hin und wieder kracht, vorkommt, ist teilweise noch nachzuvollziehen, in Wolfsburg aber mutet es doch sehr lächerlich an. Die nehmen sich dort wichtiger als sie sind!!!

So verbrachten wir also die rund 2 Stunden bis zum Spielbeginn, in dem Bereich, in dem wir Bleiberecht hatten.

Wir tranken noch das ein oder andere Bier und trafen jede Menge Bekannte. Auch die Fanclubs CKB08 aus Berlin, mit denen wir nach dem Babelsberg-Spiel noch schön feierten sowie der Rote Brustring Hamburg, die nach dem HSV-Spiel wieder eine Barkassenfahrt veranstalten, zu der ich uns wieder angemeldet habe, trafen ein. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie die VfB-Fans aus allen Teilen der Republik unserem VfB die Treue halten.

Noch ein schnelles (Voll-)Bier draußen, drinnen gabs nur Krombacher alkoholfrei. Gegen 15 Uhr gingen wir dann hinein, die Einlasskontrollen waren teils auch übertrieben, wie wir mitbekommen haben, wir selbst hatten aber Glück und waren schnell drinnen.

Wie in vielen anderen Stadien auch im Gästeblock, kam man sich vor wie in einem Käfig. Eisengestänge drumrum und zum Bereich der Wolfsburger sogar ein Stromzaun. Wenn die Fans in einen Käfig gesperrt werden, braucht sich auch niemand zu wundern, wenn sich manche aufführen wie Tiere. So etwas, wie allgemein das Vorgehen gegen Gästefans, schürt natürlich die Aggressionen. Vor 20 Jahren hätte ich das Ganze auch nicht so ruhig über mich ergehen lassen…

Wir hatten unsere Plätze links neben dem Stehbereich und waren etwas sichtbehindert durch das Eisengestänge, zwei Pfosten und dem Fangnetz, was das Fotografieren erschwerte.

So langsam fieberte man dann schon dem Anpfiff entgegen. Der VfB war stark ersatzgeschwächt zu erwarten, da sich nach dem Pokalspiel in Chemnitz Niedermeier, Boka, Pogrebnjak und Marica verletzt abmeldeten und nicht einmal im Kader standen. Einer, mit dem ich nicht rechnete, war jedoch dabei: Christian Gentner. Dessen Verletzung gewann ich allerdings Positives ab, so dass sich die Begeisterung in Grenzen hielt, dass er doch dabei war. Auf ihn habe ich mich in den letzten Wochen und Monaten eingeschossen, da er weit hinter den Erwartungen zurückbleibt. Er wirkt auf dem Platz wie ein Spaziergänger, dazu noch einer, der das Spiel verschleppt, anstatt mal (gedanken-)schnell weiter zu spielen. Er wirkt, also ob ihm die ganze Situation, in der der VfB steckt, scheißegal wäre. Er zählt zu den Topverdienern beim VfB, hat bei seinem “ablösefreien” Wechsel sicherlich ein enormes Handgeld eingesackt und kann wieder bei Muttern zu Mittag essen. Er hat’s also geschafft… Dennoch hatte ich dann ein wenig Hoffnung, dass er vielleicht gegen seinen Ex-Verein zu der Form aufläuft, die ihn einst zum Nationalspieler werden ließ.

Beim Verlesen der Wolfsburger Aufstellung rief bei mir der Name Diego Unmut hervor.

Eigentlich mag ich den Spieler aufgrund seiner Spielintelligenz, Technik, Schussstärke, Eleganz, etc. Aber er ist eben auch immer wieder für einen Ausraster gut. So hätte er für seine Tätlichkeit im Spiel gegen Leverkusen an Vidal nachträglich gesperrt werden MÜSSEN. Diese fand hinter dem Rücken des Schiedsrichters statt. Weshalb das Verfahren eingestellt wurde, erschließt sich mir nicht. Bezeichnend, dass gerade Diego beide Tore vorbereitete. Auch Kjaer hätte bei seinem Bodycheck im letzten Spiel gegen Nürnberg vom Platz gestellt werden müssen. So konnte eben Wolfsburg das Spiel durch Mitwirkung des DFB in Bestbesetzung angehen. Es soll mir keiner erzählen, der DFB, zusammen mit seinen Schiedsrichtern, beeinflusse nicht den Ausgang der Meisterschaft in erheblichem Maße, wenn man sich vor Augen führt, wie wir schon benachteiligt wurden in dieser Saison.

Der VfB begann in den ersten 3, 4 Minuten ganz ordentlich und war bemüht nach vorne zu spielen. Doch bereits die erste Ecke der Wölfe (Diego auf Kjaer; da war doch was…) führte zum Rückstand. Ärgerlich, denn die Zuteilung bei Standards dürfte auch Azubi Keller vorher besprochen haben.

So war es natürlich von Beginn an schwer, in diesem Spiele den sanften Aufwärtstrend zu bestätigen, zumal die Wolfsburger enorme Qualität in ihren Reihen haben. Hätten die Wolfsburger ihre Chancen konsequenter genutzt, hätten wir dort auch böse unter die Räder kommen können. Der VfB war einmal mehr zu schwach, um die Wölfe ernsthaft in Gefahr bringen zu können. Es offenbaren sich technische Mängel, die einer Bundesligamannschaft einfach unwürdig sind. Kaum einmal ein sauberes Zuspiel, so dass der angespielte erst einmal zu tun hat, das Zuspiel zu verarbeiten. Dazu immer noch zu wenig Laufbereitschaft und Kampf, so dass null Überraschungsmomente erzeugt werden. Dem VfB im Jahr 2010 fehlt es eindeutig an Qualität. Ein Träsch alleine reicht nicht! Unsere linke Seite mit Molinaro und Gentner brachten einmal mehr kaum einen vernünftigen Angriff zustande. Gentner, in der Vorbereitung noch in der Innenverteidigung eingesetzt, versagte danach auf der Position des Doppelsechsers, durfte dieses Mal im linken Mittelfeld ran, wo er aber auch überfordert war. Sein Spiel ist einfach zu behäbig, dazu hat er keinen linken Fuß, um auch nur eine vernünftige Flanke schlagen zu können. Auch Keller hat das erkannt und ließ zur zweiten Halbzeit Gentner und Gebhart die Seiten tauschen, was aber leider auch nicht für mehr Durchschlagskraft sorgte. Das Spiel plätscherte so dahin, ohne eine Phase, in der man wirklich den Eindruck hatte, die Wende zum Guten könnte eintreten. So kam es wie es kommen musste. Zunächst hatte der VfB ncoh Glück, dass Boulahrouz kein Eigentor unterlief, im Anschluss daran aber köpfte Dzeko eine Diego-Ecke nahezu ungehindert ein.

Wie die Wende noch herbeigeführt werden kann? Ich habe kein Rezept. Der VfB hat es im Sommer versäumt, mit Qualität nachzulegen. Bis zur Winterpause müssen wir mit diesem Kader leben und dabei hoffen, dass nicht schon alles verspielt wird. Die Wirkund des Trainerwechsels, mit dem ich nach wie vor überhaupt nicht einverstanden bin, droht zu verpuffen. Kommenden Sonntag eine Niederlage gegen die angeschlagenen Werderaner und wir haben die nächste Trainerdiskussion. Keller wieder ins zweite Glied zu versetzen dürfte ein Leichtes sein, dann wäre einer gefragt, der sich im Abstiegskampf auskennt und nicht nur Phrasen drischt, sondern gefragte Tugenden auch auf dem Platz umsetzen läßt. Es ist allzu traurig, was die Herren vom Vorstand und vom Aufsichtsrat aus unserem VfB, vor drei Jahren noch Meister, gemacht haben. Keine Ahnung, keine Planung, kein Konzept: Vorstand raus! Es muss einfach Fußballsachverstand einkehren. Ein Staudt mit seiner Aussage vor der Saison vom Übergangsjahr ist nicht tragbar. Ein Übergangsjahr kann es in einer so engen Bundesliga nicht geben. Es ist eben so, man kämpft entweder um die internationalen Plätze oder gegen den Abstieg. Für letzteres haben sich die Herren wohl entschieden und dieser Schuss scheint nach hinten loszugehen. Es rächt sich die Sparpolitik, getrieben von der Motivation, die letzte Rate für den Stadionumbau etwas früher tilgen zu können. Sparen an sich ist ja nichts verwerfliches. Auch Dortmund oder Mainz haben ihren Kader nicht teuer verstärkt. Es fehlt an Sachverstand und an einem vernünftigen Scouting, wenn man einen teuren Gentner zurück holt, der seine Lieblingsposition als Doppel-Sechser hat, zu einem Zeitpunkt, wo sowohl Hitzlsperger, Lanig, Khedira, Träsch und Kuzmanovic da waren. Hier lasse ich mir als Backup eine Billiglösung à la Bah gefallen, aber doch nicht einen hochbezahlten Gentner, den man aufgrund seines Marktwertes nicht unbedingt auf der Bank versauern lassen möchte. Dass Degen in Liverpool kaum gespielt hatte, wusste man. Hier ist sicher auch Pech im Spiel, dass er kurz nach seiner Verpflichtung am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankte. Einen Audel zu holen barg ebenfalls ein Risiko, da er als sehr verletzungsanfällig gilt. Bei ihm muss man abwarten, ob die Verletzung, erlitten im Pokalspiel in Babelsberg, einfach nur Pech war oder ob wir uns erneut einen Dauer-Reha-Patienten heranzüchten. Rudy zu verscherbeln und als Ersatz einen Camoranesi zu präsentieren, dafür fehlt mir auch das Verständnis. Bei Juve war er zuletzt nur noch Ergänzungsspieler und erhielt dort keinen neuen Vertrag mehr. Nach seinem Platzverweis gegen Leverkusen fand er sich in Wolfsburg auch bei uns auf der Bank wieder.  Diese Verpflichtung kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, war man doch gerade dran, das Gehaltsniveau zu senken! Von den Neuzugängen konnte bis auf Harnik noch kein einziger nachweisen, dass er es wert ist, den Brustring zu tragen.

Warum schafft es der VfB jedes Jahr aufs Neue nicht, zum Trainingsauftakt einen vollständigen Kader zu präsentieren, der sich in der Sommerpause einspielen kann. Wenn es sich dann herausstellt, dass man an der ein oder anderen Stelle zu dünn besetzt ist, kann man bis zum 31.8. nachbessern. Der VfB aber legt sein Handeln darauf aus, dass bis Ende der Transferperiode die Preise fallen, merkt aber nicht, dass dann fast nur noch Ramsch übrig ist, der bisher noch nirgends untergekommen ist. Wann lernt der VfB endlich aus diesem Fehlverhalten? Das mangelnde Scouting ist sicher einer der Hauptgründe des Niedergangs. Ein anderer ist die selbstherrliche Art des Vorstands, die keinen Kontrapart neben sich dulden und konstruktive Kritik nicht annehmen. Gross wäre ein Trainer gewesen, mit dem man etwas Kontinuität hätte hereinbringen können, allerdings hätte man dann einen Manager holen müssen, der mit ihm auf einer Wellenlänge funkt und nicht von vornherein auf Distanz zu ihm geht. Wer es jetzt noch richten soll, sollte auch Keller mit dem Spielermaterial scheitern, ich weiß es nicht. Die Situation jedenfalls ist sehr beängstigend.

Der Unmut der treuen Fans wächst inzwischen auch, das war deutlich zu spüren, als die Mannschaft nach dem vergeigten Spiel in die Kurve kam. Die Trainerentlassung stößt vielen, wie mir, noch immer auf, dazu kommt, dass kaum mehr Identifikation mit der Mannschaft vorhanden ist. Wer mit so wenig Esprit spielt und kein Aufbäumen an den Tag legt, dem kann die Situation nicht so ernst sein, wie es bei uns Fans der Fall ist. Wer nach dem Spiel Gentner gesehen hat, wie er mit Josue gelacht und rumgeflachst hat, der kann erahnen, wie wenig nahe ihm der Ernst der Lage geht.

Die Spieler machen ihr Ding, kommen artig in die Kurve und lachen hinterher die Fans noch aus, die ihnen wegen jedem Gurkenkick hinterher reisen. Und sollte dieses Rumgegurke am Ende im zweiten Abstieg nach 1975 münden, sind 90% weg und deren Nachfolger müssen den Karren wieder aus dem Dreck ziehen. In der Fanszene aber rumort es. Die “Aufwachen”-Rufe waren sicher ein sanfter Versuch des Wachrüttelns. Dass ein solches Rumoren auch in Eskalation münden kann, hat man letztes Jahr rund um das Bochum-Spiel gesehen. Hoffen wir, dass es nicht so weit kommt und die Mannschaft schnellstens in die Spur findet.

Am Donnerstag geht es bereits weiter in Getafe in der Europa League. Dort sind wir Tabellenführer und könnten mit einem Sieg bereits die Weichen für die nächste Runde stellen. Ich hoffe, dass der VfB mit der bestmöglichen Mannschaft antritt und das Spiel nicht herschenkt wegen der anstehenden Aufgabe gegen Bremen. Das wäre ein weiterer Affront gegen die mitreisenden Fans. Ich werde dort sein und hoffe auf ein gutes Spiel mit Leidenschaft vom VfB. Von dem leblosen Gekicke der letzten Wochen habe ich ehrlich gesagt die Nase voll. Bilder davon folgen am Freitag.

Bis dahin, eine schöne Woche und Grüße

Franky

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31. Oktober 2010

Der VfB steckt weiter in der Krise

Category: Spielberichte — Tags: , , , , , – Franky @ 14:33

In der Wolfsburger Volkswagen-Arena sind am Samstag mit dem VfL Wolfsburg und dem VfB Stuttgart zwei Mannschaften gegeinander angetreten, die bisher weit hinter ihren Erwartungen zurückgeblieben sind – und für den VfB Stuttgart gilt dies auch nach wie vor. Der VfB unterlag Wolfsburg mit 0:2 (0:1).

Leidenschaft und Aggressivtät forderte Stuttgarts Trainer Jens Keller von seiner Mannschaft noch kurz vor dem Anpfiff. Zunächst setzten seine Spieler aber auf Sicherheit und versuchten, den Ball in den eigenen Reihen zu halten, ohne Akzente in der Offensive zu setzen. Die Gastgeber aus Wolfsburg näherten sich dagegen mit Hilfe von Standardsituationen dem Stuttgarter Tor.

Fehlte dem Freistoß von Wolfsburgs Regisseur Diego in der fünften Minute noch der Abnehmer, lief beim Eckball – ebenfalls von Diego getreten – 60 Sekunden später alles glatt. Nach der Hereingabe von der rechten Seite hämmerte Wolfsburgs Abwehrspieler Simon Kjaer den Ball mit einem Kopfballkracher unter die Latte, von wo er hinter die Linie sprang und danach wieder aus dem Tor. Allerdings setzte Stürmer Edin Dzeko entschieden nach und köpfte den Ball endgültig in die Maschen. Schiedsrichter Wingenbach schrieb nach dem Spiel Dzeko den Treffer zu. Wem das Tor endgültig zugesprochen wird, entscheidet sich nach Angaben der Deutschen Fußball Liga (DFL) » voraussichtlich am Montag. Der Ecke vorausgegangen war ein ungenauer Pass von Cristian Molinaro auf Christian Gentner, der den Ball an Wolfsburgs Sascha Riehter verlor und auf Kosten eines Eckballs klären musste.

Von Stuttgarts Offensive ist nicht viel zu sehen

Die Stuttgarter kamen erst in der elften Minute gefährlich vor das gegnerische Gehäuse. Doch Cacaus Schuss ging weit über das Tor. Bis auf diese Situation war auch nicht viel von der VfB-Offensive zu sehen. Das Angriffsspiel war zu behäbig sowie von Ungenauigkeiten geprägt. So bestimmten die Wolfsburger den Spielverlauf und kamen zu weiteren guten Torchancen:

Erst lief VfL-Stürmer Edin Dzeko Stuttgarts Verteidiger Khalid Boulahrouz davon. Dzeko stellte mit seinem schwachen Schuss Gäste-Torhüter Sven Ulreich allerdings vor keine Probleme (14.Minute). Nur kurz darauf hatte der VfB Stuttgart dann großes Glück, keinen höheren Rückstand zu kassieren. Erst kratzte Stuttgarts Molinaro nach einem Eckball einen Schuss von Andrea Barzagli von der Linie (23.). Nur zwei Minuten später scheiterte Wolfsburgs Torjäger Grafite an Ulreich und dem Pfosten (25.). Und auch beim anschließenden Eckstoß geriet der VfB wieder unter Druck. Sven Ulreich fliegt an der Hereingabe vorbei, sodass erneut Molinaro in höchster Not gegen Grafite klären musste.

Nach gut einer halben Stunde kamen die Stuttgarter dann etwas besser ins Spiel. Doch allein Martin Harnik sorgte mit einem Schuss aus 16 Metern für Gefahr (31.). Kurz vor dem Pausenpfiff versuchte Christian Gentner mit einem Lupfer zum Torerfolg zu kommen – vergeblich.

Der zweite Spielabschnitt begann dann mit einer Torchance für die Gastgeber. Ashkan Dejagah zielte aber völlig freistehend über das Tor (51.). Zehn Minuten später prüfte Stuttgarts Christian Träsch mit einem strammen Schuss aus 20 Metern, den Wolfsburgs Torhüter Marwin Hitz per Faustabwehr klärte. In der 68. Minute war es Harnik, dessen Schuss aus guter Position allerdings zu harmlos war.

Die Gastgeber aus Wolfsburg ließen es in der zweiten Halbzeit ruhiger angehen. Lediglich durch Standardsituationen sorgten sie für Gefahr vor dem Stuttgarter Tor. Wie in der 71. Minute als Dzeko seinen Kopfball freistehend nicht richtig platzieren konnte. Besser machte es der Stürmer in der 76. Minute, als er nach einer erneuten Diego-Ecke zum entscheidenden 2:0 für Wolsburg einköpfte. Danach brachten die Wolfsburger den Vorsprung sicher über Zeit.

Entscheidende Szene:

Wenn Wolfsburg gefährlich vor das Stuttgarter Gehäuse kam, ging meist eine Standardsituation von Diego voraus. Folgerichtig erzielten die Wölfe ihre beiden Treffer auch nach Eckstößen ihres Regisseurs.

Bester Spieler:

In der ersten Halbzeit waren Christian Gentner, Christian Träsch und Cristian Molinaro bemüht, das Offensivspiel anzukurbeln – allerdings erfolglos. In Halbzeit zwei tauchte lediglich Martin Harnik vereinzelt gefährlich vor dem gegnerischen Tor auf.

Kommentar:

Dem Angriffsspiel des VfB Stuttgart fehlt es an Durchschlagskraft. Zu langsam und zu ungenau agieren die VfB-Spieler im Spiel nach vorne. Darüber hinaus präsentierten sich die Stuttgarter in der Defensive vor allem bei Standards unsicher.

VfL Wolfsburg:

Hitz – Pekarik, Kjaer, Barzagli, Schäfer – Josué – Riether, Dejagah – Diego (85. Kahlenberg) – Dzeko (80. Madlung), Grafite (66. Mandzukic)

VfB Stuttgart:

Ulreich – Celozzi, Boulahrouz, Tasci, Molinaro – Träsch, Kuzmanovic (70. Audel), Harnik – Gebhart (80. Camoranesi), Gentner (80. Schipplock) – Cacau.

Schiedsrichter:

Markus Wingenbach (Diez)

Zuschauer:
29.043
Tore:

1:0 Dzeko (6.), 2:0 Dzeko (76.)

(STZ online 30.10.10)

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27. Januar 2010

17.1.2010: 3:1 gegen Wolfsburg: Stuttgart schlägt den Meister

Der VfB Stuttgart setzt seinen beeindruckenden Aufwärtstrend unter Trainer Christian Gross fort. Die Schwaben bezwangen zum Rückrundenauftakt der Fußball-Bundesliga den VfL Wolfsburg 3:1 (1:0).

Der wenig meisterlich agierende Titelverteidiger rutschte durch das sechste sieglose Spiel in Serie weiter ins Mittelfeld ab. Roberto Hilbert (28. Minute), Pawel Pogrebnjak (58.) und Timo Gebhart (87.) erzielten für den VfB die Tore. Edin Dzeko (65.) traf am Samstagabend vor 37 000 Zuschauern in der Mercedes Benz-Arena für die Niedersachsen. Stuttgart rückte durch den dritten Saisonheimsieg auf Rang zwölf vor.

“Wir sind froh gewonnen zu haben, denn wir wollten unbedingt einen guten Start erwischen, um da unten rauszukommen. Aber es sind noch zu viele Fehler passiert”, sagte Stuttgarts Mittelfeldmann Sami Khedira. Bedient waren die Wolfsburger. “Schwächer als wir in den ersten 70 Minuten gespielt haben, geht es nicht. Wir sind erst nach dem zweiten Gegentor aufgewacht. Es gibt keine Erklärung dafür, dass wir zunächst nicht am Spiel teilgenommen haben”, ärgerte sich VfL-Nationalspieler Christian Gentner, der nach der Saison nach Stuttgart zurückkehrt. “Was mich optimistisch macht, ist, dass die Mannschaft reagieren kann”, sagte Dieter Hoeneß nach seinem Einstand als VfL-Manager.

Dieter Hoeneß erlebte bei seinem Debüt als Vorsitzender der VfL- Geschäftsführung auf der Bank wenig Erfreuliches. Der Meister erwischte zwar einen guten Start, musste dann aber immer mehr den Schwaben die Initiative überlassen. Grafite vergab die große Chance zum 1:0 (3.), nachdem sich die beiden VfB-Innenverteidiger Georg Niedermeier und Serdar Tasci gegenseitig behindert und deshalb den Ball verloren hatten. Danach blieb die Edel-Offensive der vergangenen Saison um Grafite, Dzeko und Zvjezdan Misimovic allerdings ohne Durchschlagskraft.

Stuttgarts Halbzeit-Führung war hochverdient: Hilbert ließ bei seinem ersten Saisontreffer André Lenz, der den am Knie verletzten Stammtorhüter Diego Benaglio gut vertrat, keine Abwehrchance. Zuvor hatte der Mittelfeldmann allerdings völlig freistehend die erste Riesenmöglichkeit für den VfB kläglich vergeben (6.). Pogrebnjak vergab zweimal aus glänzender Ausgangsposition (20./41.). Zudem klärte Lenz gegen Niedermeier (12.).

Dem VfB war das Fehlen von sieben Spielern – darunter der Rot- gesperrte Schlussmann Jens Lehmann – den erneut Sven Ulreich sicher vertrat, kaum anzumerken. Der italienische Neuzugang Cristian Molinaro feierte auf der linken Abwehrseite eine gute Pflichtspiel- Premiere.

Nach dem Seitenwechsel machte Wolfsburg etwas mehr Druck, ohne zunächst effektiv zu werden. Der VfB hielt in der insgesamt ordentlichen Partie dagegen. Als Pogrebnjak das 2:0 gelang, schien das Spiel entschieden. Nach dem überraschenden Anschlusstreffer durch Dzeko, der aus 18 Metern unhaltbar abzog und zum achten Mal in dieser Spielzeit ins Schwarze traf, mussten die Stuttgarter jedoch noch einmal um die drei Punkte bangen. Am Ende hing der Sieg sogar am seidenen Faden. Fünf Minuten vor Schluss verhinderte der Pfosten beim Schuss von Dzeko den unvermeidlich scheinenden Ausgleich. Doch dann erlöste Gebhart die Schwaben mit seinem ersten Saisontor.

Nach der Partie musste Sven Ulreich mit Verdacht auf eine Gehirnerschütterung eine Nacht im Krankenhaus verbringen. Der 20 Jahre alte Fußball-Profi hatte nach einem Zusammenprall mit Stürmer Grafite kurz vor Schluss eine Gehirnerschütterung erlitten. “Sven muss jetzt ein, zwei Tage pausieren”, sagte ein VfB-Sprecher am Sonntag. “Wann er wieder ins Mannschaftstraining einsteigen kann, ist offen.” Der Einsatz des Ersatzmanns des rot-gesperrten Stammtorhüters Jens Lehmann im baden-württembergischen Derby am Freitagabend beim SC Freiburg scheint aber nicht gefährdet.

(STN 17.1.2010)

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