28. August 2019

Alles auf Anfang – ein Plädoyer für unser Triumvirat

Die letzten Jahre haben mich müde gemacht. Seit der Aufsichtsrat Wolfgang Dietrich als alleinigen Präsidentschaftskandidaten, trotz aller Bedenken und gegen den Willen vieler Mitglieder durchgedrückt hat, seit dieser mittels einer Schmierenkampagne im Trump-Style die Ausgliederung durchdrückte, dieser dann unter noch immer nebulös erscheinenden Umständen Jan Schindelmeiser entließ und den von den Bayern weggelobten Michael Reschke präsentierte, dieser wiederum den von Schindelmeiser/ Wolf eingeschlagenen Weg der kleinen Schritte torpedierte, Alt-Star um Alt-Star holte und mit einer Allmacht ausgestattet die Ausgliederungsmillionen verprasste, war es nicht mehr mein VfB.

Die Emotionen gingen flöten, dem Abstieg gewann ich gar noch das Positive ab, „dass jetzt was passieren muss“. Der VfB war nicht nur sportlich in der 2. Liga angekommen, sondern präsentierte sich gespalten wie nie und gab wegen der sich selbst legitimierten Wahrheitsbeugungen nach außen ein Bild des Schreckens ab.

Es gab in Fußball-Deutschland wohl kaum jemanden, VfB-Sympathisanten ausgenommen, der unserem Verein den Abstieg nicht gegönnt hätte.

Wolfgang Dietrichs letzte Patrone, die Entlassung Reschkes und Ernennung des beliebten Thomas Hitzlsperger zum Sportvorstand und damit zum neuen starken Mann konnte den Abstieg nicht mehr verhindern. Der Rest ist Geschichte! Wolfgang Dietrich musste nach der denkwürdigen Mitgliederversammlung seinen Hut nehmen, womit der Weg für einen Neuanfang frei ist.

In diesem befinden wir uns seit gerade einmal zwei Monaten. Thomas Hitzlsperger holte sich Sven Mislintat, das Diamantenauge, an seine Seite, beide wiederum verpflichteten Tim Walter als neuen Chef-Coach.

Nach Jahren des lustlosen Ballgeschiebes wurde ein junger, motivierter Trainer engagiert, der für schnelles Umschaltspiel und Ballbesitzfußball steht. Um alte Zöpfe endgültig abzuschneiden, wurden auslaufende Verträge nicht verlängert und Spieler, die nicht hundertprozentig hinter der neuen Marschroute stehen, abgegeben. Die Mannschaft wurde also runderneuert.

Es blieb ein erfahrenes Gerüst um Mario Gomez, Holger Badstuber, Gonzalo Castro und Daniel Didavi. Um diese Stützen herum wurden einige zweitligaerprobte Spieler geholt, die sich beim VfB den nächsten Schritt erhoffen, sowie Rohdiamanten, die es zu schleifen gilt. In erster Linie wurde der Kader so zusammengestellt, in der 2. Liga eine gute Rolle spielen zu können und nicht, um als verkappter Erstligist eine Ehrenrunde zu drehen.

Der VfB wurde komplett auf links gedreht, man sieht bereits nach zwei Monaten Dinge, die wir über Jahre vermissten. Durch die lockere und zugängliche Atmosphäre, die das neue Triumvirat vorlebt, hat man den Eindruck, JEDER komme gerne zum Training und sei gern Teil dieser Gruppe. Man erlebt einen Teamgeist, von dem wir vor ein paar Monaten noch nicht einmal zu träumen wagten.

Dieser, gepaart mit der Mentalität, die diese Jungs mitbringen, bescherte uns bspw. schon den Lastminute-Sieg gegen den FC St. Pauli und dürfte noch öfter ein Trumpf im Aufstiegskampf werden.

Spielerisch ist schon sehr viel von dem zu sehen, was Tim Walter einfordert. Selbstredend, an der Effektivität und in der einen oder anderen Situation Mut zum Risikopass lässt sich noch feilen, doch, für das was Walter den Jungs abverlangt, sind sie nach zwei Monaten für meine Begriffe schon sehr weit.

Die Bilanz mit dem Weiterkommen im Pokal und zwei Siegen und zwei Unentschieden in der Liga liest sich ordentlich. Daheim gewinnen, auswärts remis, damit steigt man in der Regel auf, wenn man diese Ausbeute bis zum 34. Spieltag hält. Über das WIE lässt sich diskutieren. Gegen Hannover und Heidenheim, jedenfalls bis zum 0:2, hinterließ man einen hervorragenden Eindruck. In Rostock zählte allein das Weiterkommen und kein Schönheitspreis, gegen St. Pauli verdiente man sich den Lastminute-Sieg durch unermüdlichen Einsatz und im Erzgebirge werden noch mehr Teams Punkte liegen lassen.

Die von vielen Seiten aufkommende harsche Kritik am Auftritt in Aue empfinde ich als unfair. Man darf einfach nicht erwarten, dass das Team nach gerade einmal zwei Monaten schon alles in Grund in Boden spielt.

Ich habe es mir eigentlich abgewöhnt, nach Spielen über schwache Schiedsrichterleistungen zu lamentieren. Die Entscheidungen sind so gefallen, Punkt, aus, fertig!

In diesem Fall aber habe ich auch Tage danach noch einen extrem dicken Hals. Dass der einst in den Schiedsrichterskandal verwickelte Referee Zwayer das Foul übersieht, kann passieren.

Dass aber der VAR im Kölner Keller sich nicht einschaltet und Zwayer darauf hinweist, dass er zwingend auf Elfmeter für den VfB zu entscheiden hätte, kann ich in keinster Weise nachvollziehen.

So jedenfalls macht der Videobeweis den Fußball nicht gerechter, wenn wir es nach wie vor mit reiner Willkür zu tun haben und die hochbezahlten Herren nach Lust und Laune entscheiden. Gerade für Walters Spielstil wäre eine Führung im Rücken nämlich Balsam gewesen, hätte Aue doch aufmachen und kommen müssen.

So wird nach dem Spiel der VfB kritisiert, dafür, dass der tödliche Pass in die Schnittstelle nicht kam und man sich am eigenen Ballgeschiebe allzu sehr ergötzt hätte. Dabei kommt es auf die Betrachtungsweise an. Man könnte doch auch die neue Ballsicherheit lobend erwähnen. Dass Risikopässe derzeit Mangelware sind, liegt für mich in den ersten beiden Spielen begründet, als wir nach Ballverlusten recht blank standen und der Gegner zu hochkarätigen Konterchancen kam. Da spielt noch die Angst mit, das Vertrauen holt man sich am besten durch Siege, umso ärgerlicher, dass wir einmal mehr von der Schiedsrichterzunft betrogen wurden.

Einfallslosigkeit im Offensivspiel wirft man Walter also vor, das Festhalten an einzelnen Spielern ebenso und falsche Aufstellungen erst recht.

Ich schrieb schon an anderer Stelle, dass es sich bis Anfang September durchzumogeln und nicht zu viel an Boden zu verlieren gelte. Solang der Transfermarkt geöffnet hat und in alle Richtungen alles passieren kann, könnten sich die einen als Notnagel vorkommen und andere nicht richtig bei der Sache sein, weil sie noch mit einem Wechsel kokettieren. Erst danach herrscht Klarheit, erst danach wird sich eine Stammelf herauskristallisieren, mit der man das Unternehmen Wiederaufstieg angehen kann.

Zudem bricht uns bislang nach jedem Spiel jemand durch Verletzung oder Sperre weg, so dass sämtliche Automatismen kaum jetzt schon greifen können. Daher verstehe ich die unterschwellige Kritik zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt nicht und halte es mit Altmeister Giovanni Trapattoni, „ein Trainer ist nicht ein Idiot“. Nach Korkut und Weinzierl sollten wir dankbar sein, dass wir einen Trainer haben, der für einen erfrischenden Spielstil steht und den Jungs Spielfreude auch vermitteln kann. Gut Ding braucht Weile, gebt Tim Walter (und seinem Trainerteam; durchaus auch Fachleute am Start!) einfach die Zeit, die er braucht und haltet die Füße still.

Dass die ständigen Trainerwechsel in den letzten zehn Jahren den VfB immer weiter zurückwarfen, sollte auch der letzte begriffen haben. Schon deshalb ist die Kritik, die jetzt schon aufkommt, unverständlich, was verspricht man sich dabei? Dass Walter doch endlich auf die Masse hört und seine Aufstellungen per TED-Umfrage bestimmt oder möchte da schon jemand einen neuen Trainer, weil Walter „nur“ ein Jugend-, Amateur- oder Kiel-Trainer ist und Stuttgart für ihn dadurch automatisch eine Nummer zu groß zu sein hat?

Ich habe jahrelang darum gekämpft, Leute, die dem VfB schaden, loszuwerden und konnte mich nicht einmal mehr über Siege freuen, wenn sie denn bestimmten Leuten ihren Posten gesichert haben. Dieses Ziel wurde erreicht.

Mit Thomas Hitzlsperger als dem neuen Gesicht des VfB, ist der VfB dabei, sich ins krasse Gegenteil von dem zu wandeln, was er unter Dietrich/ Reschke war.

Hitzlsperger ist sich nicht zu schade dafür, auf Twitter mit Fans auszutauschen und Gerüchte aus der Welt zu räumen.

Er ist einfach Mensch und ein guter obendrein, was er gestern wieder unter Beweis stellte, als er VfB-Fan Dennis, der seit zwei Jahren unter chronischem Erschöpfungssyndrom leidet, Unterstützung vom VfB zusicherte und somit unterstreicht, dass der VfB mittlerweile auch wieder bereit ist, seiner sozialen Verantwortung gerecht zu werden (Dennis Leidensweg und der Link zur Spendenkampagne hier https://ze.tt/ich-wollte-lieber-krebs-haben-dennis-lebt-mit-dem-chronischen-erschoepfungssyndrom/).

Als VfB-Fan bin ich derzeit wirklich froh und stolz einen wie Hitzlsperger an der Spitze zu haben und hoffe, dass kein neuer Präsident oder Vorstandsvorsitzende ihn in seinem Handeln, Wirken und seiner Authentizität einschränkt.

Ihm zur Seite steht mit Sven Mislintat ein Fachmann, der einen hervorragenden Job macht, was sich darin zeigt, dass er Überraschungscoups schon gelandet hat, von denen man vorher nicht in der Presse las und, dass er durchaus auch Top-Clubs beim einen oder anderen Transfer ausgestochen hat.

Zudem habe ich Mislintat im Trainingslager als lockeren Typen kennengelernt, den ich mir auch in der Kneipe neben mir an der Bar vorstellen könnte. Freundlich, nett, sein Gegenüber ernstnehmend, so machte auch er auf mich den Eindruck ein guter, nicht abgehobener Typ zu sein.

Diesen beiden wünsche ich schon aus Sympathie nur das Beste für ihre Zeit beim VfB. Sie sind sich grün, funken auf einer Wellenlänge und haben sich für den Fußball, für den der VfB in Zukunft stehen soll, Tim Walter als Trainer ausgeguckt.

Wären die oben erwähnten Kritikpunkte an Walter bedrohlich, erreichte er die Mannschaft nicht, stellte sie falsch auf oder ein oder stimmte die Chemie nicht, würden die beiden bestimmt dazwischen grätschen und bestimmte Stellschrauben anders justieren.

Solang sie sich aber angetan von Walters Arbeit und Menschenführung zeigen, kein Blatt zwischen die drei passt, verbietet sich für mich auch Kritik an Walter. Wer Walter kritisiert, kritisiert unser derzeitiges Führungs-Duo gleich mit. Oder anders gesagt, wer Hitzlsperger und Mislintat vertraut, sollte ihnen auch dahingehend vertrauen, Tim Walters Arbeit am besten bewerten zu können.

Ich hoffe sehr auf Kontinuität und darauf, dass der VfB auch einmal stürmischere Zeiten mit ein und demselben Trainer meistert.

Die ständige Unruhe und notorische Unzufriedenheit gehen mir schon wieder dermaßen auf den Sack. Mich haben die letzten Jahre Demut gelehrt. Dazu gehört auch, dass ich uns zunächst mit den Ligakonkurrenten auf Augenhöhe sehe und nicht erwarte, dass wir jeden Gegner in Grund und Boden spielen. Eine Entwicklung und Spielanlage ist zu erkennen, das Klima ist um Welten besser als letzte Saison, Mentalität und Spielfreude sind da, wie lange nicht. Natürlich ist noch nicht alles Gold, was glänzt, aber die guten Ansätze lassen mich hoffen, dass sich auch das noch geben wird.

Wir als Fanszene dürfen uns nicht schon wieder auseinanderdividieren lassen. Wenn ich mitbekomme, dass Walters Aussagen auf der Pressekonferenz nach dem Aue-Spiel als frauenfeindlich betitelt werden, kriege ich den Hass. Er hat einzig und allein SEINE Frau angesprochen, so dass es auch lediglich ihr zustünde, sich über seine Aussagen zu echauffieren.

Schlimm genug, dass die DFL Ermittlungen aufgenommen und eine Stellungnahme von Walter eingefordert hat, wir Fans sollten hinter unserem Trainer stehen, zumal er ja Recht hatte. Aber nein, es wird Walters flapsige Art und der Vergleich, den er gezogen hat, madig gemacht, anstatt gegen die Fußball-Mafia zu rebellieren und Einigkeit im Umfeld zu demonstrieren.

Für mich nimmt das jetzt schon Züge an wie einst bei Alexander Zorniger. Auch er ist gerne mal angeeckt und wurde wegen seiner markigen Sprüche fast schon weg gemobbt. Zunächst von der Presse, weil er nicht deren Liebling war, wegen ausbleibender Ergebnisse schließlich auch von den „Fans“.

Walters Vorteil gegenüber Zorniger ist, dass wir eine Liga tiefer spielen und somit eine extreme Niederlagenserie eher unwahrscheinlich ist. Ansonsten erinnert der Umgang der Presse, allen voran der Kommentar von Thomas Wehrle bei SWR Sport, stark an die Zeit unter Zorniger. Auf der einen Seite werden Typen mit Ecken und Kanten gefordert, sind sie da und sagen mal etwas, wird ihnen jedes Wort im Mund umgedreht und langsam aber beharrlich auf sie eingedroschen.

Dass es ähnliche Züge wie vor vier Jahren annimmt, sollten wir Fans nicht zulassen. Gebt dem Projekt „neuer VfB“ eine Chance und stärkt unseren Machern Hitzlsperger und Mislintat den Rücken, auch, indem man Tim Walter die volle Unterstützung zukommen lässt. Alles andere bringt nur Unruhe und ändert doch nichts.

Mir macht der neue VfB Spaß. Ich möchte eine Entwicklung sehen und bin völlig unvoreingenommen in die Saison gegangen. Gaben „früher“ einbetonierte Erbhöfe auch zu Beginn einer Saison schon Anlass zu Kritik, steht jetzt wirklich alles auf Anfang.

Daher halte ich persönlich mich in nächster Zeit mit Kritik an der sportlichen Entwicklung zurück und lasse die Protagonisten erst einmal machen. Man erkennt Motivation und Freude den VfB besser machen zu wollen, das genügt mir, zumal das Vertrauen ins Korrektiv zu hundert Prozent gegeben ist.

Ich hoffe, der VfB nutzt dieses Mal die Chance, sich völlig neu auszurichten und reißt sich das geschaffene Fundament nicht durch irgendwelche Eitelkeiten gleich wieder ein. Bis zur Präsidentenwahl habe ich keine Bedenken, was danach kommt, werden wir sehen!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.8/10 (24 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +3 (from 3 votes)
26. Juli 2019

Vorfreude!

Heute schreibe ich meinen ersten Blog, indem die Abwärtsspirale und Wahrheitsbeugungen der letzten Jahre unter Wolfgang Dietrich keine Rolle mehr spielen werden!

Genau zwei Monate ist es her, seit wir in der Alten Försterei zu Köpenick den ebenso verdienten wie bitteren Gang in die 2. Liga antreten mussten.

Persönlich traf mich der Abstieg nicht sonderlich, weil mein Herz für den VfB ligaunabhängig schlägt, weil man es mit 28 Punkten nicht verdient hat, in der Liga zu bleiben, und, weil auch in der 2. Liga ordentlich Fußball gespielt wird und die Wahrscheinlichkeit groß ist, das eine oder andere Spiel mehr zu gewinnen.

Der 2016 verwendetet Spruch „eine neue Liga ist wie ein neues Leben“ gilt freilich nun beim zweiten Abstecher kurz hintereinander nicht mehr. Man wird auf sehr viel Altbekanntes treffen. Neu sind lediglich Regensburg und Osnabrück, während wir mit Kiel und Wehen-Wiesbaden schon im Pokal die Klingen kreuzten. Das 0:5 in Dresden war 2016/2017 das einzige Spiel, welches ich (wegen einer Hochzeit) verpasste, so dass auch das relativ neu für mich sein wird, hat die „Arena“ mit dem alten Rudolf-Harbig-Stadion (bis 2007) doch nicht mehr viel gemein.

Dennoch freue ich mich auf so gut wie alle Grounds, die nicht so hochglanzpoliert sind wie in der Bundesliga und in denen oft noch einheimisches Bier und regionale Fleisch- und Wurstspezialitäten kredenzt werden können. Zudem haben wir wieder zwei echte Derbys vor uns, sparen Berlin aus und dürfen stattdessen gleich Mal in die schönste Stadt Deutschlands, nach Stuttgart natürlich, Hamburg.

Sportlich sehe ich uns nach meinen bisherigen Eindrücken hervorragend aufgestellt. Die Chemie zwischen Thomas Hitzlsperger, Sven Mislintat und unserem neuen Trainer Tim Walter scheint zu stimmen. Nach Dietrichs und Reschkes Größenwahn mit irrsinnigen Gehältern und Verträgen, ist Vernunft eingekehrt. Spieler werden nach Charakter und dem Willen, sich verbessern zu wollen ausgewählt und nicht, weil sie einst einen großen Namen hatten. Darauf wird geklotzt und nicht gekleckert. Der VfB hätte sicherlich die Möglichkeit, einen Großteil der Transfereinnahmen zu reinvestieren, will es unter der neuen Führung aber nicht, weil man zur Politik der kleinen Schritte zurückgekehrt ist und die Teamchemie nicht vergiften will.

Sollte sich bis zum 31.08. noch Handlungsbedarf ergeben, wird man immer auch handlungsfähig sein. Unter normalen Umständen aber, da bin ich ganz bei Sven Mislintat, sollte man mit diesem Kader oben mitspielen und wieder aufsteigen können.

Mit Vorschusslorbeeren sollte man, schon überhaupt, wenn das erste Spiel noch nicht einmal angepfiffen ist, sehr vorsichtig sein. Aber, wie ich Tim Walter bislang erlebt habe, kann ich nur bestätigen, welch sensationeller Typ er ist. Zuckerbrot und Peitsche im Training, er kann streng aber auch sehr herzlich sein. Er ist direkt, die Spieler wissen, woran sie bei ihm sind.

Ich denke, bislang gibt es keinen einzigen, der ein schlechtes Wort über ihn verlieren würde. Da wünscht man ihm gerade, dass man hier in Stuttgart einfach mal den handelnden Personen vertraut und nicht gleich alles in Frage stellt, sollte der Start holprig verlaufen.

Dass die ständige Abkehr von einer Philosophie kontraproduktiv ist und uns erst dahin gebracht hat, wo wir jetzt stehen, weiß man. Walter ist ein authentischer Typ, von sich und seinem System überzeugt, der „nur“ die richtigen Spieler braucht, die für ihn durchs Feuer gehen. Was das angeht, habe ich derzeit ein richtig gutes Gefühl, wurden doch sehr gute und charakterlich einwandfreie Typen geholt.

Oft werden Vergleiche zu Zorniger angestellt. Auch den habe ich gemocht, ihm hätte ich gerne mehr Zeit eingeräumt damals. Aber, diese beiden Trainer sind doch grundverschieden. Einzige Parallele ist vielleicht, dass beide einen sehr offensiven Ansatz wähl(t)en und es hinten das eine oder andere Mal nach Harakiri aussieht. Ansonsten schuf sich Zorniger von Anfang viele Feinde, bei der Journaille angefangen. Da ist Tim Walter ein anderer Typ. Zu jedem freundlich, zugänglich und mit dem Schalk mit Nacken. Im Gegensatz zu Zorniger möchte Walter überzeugen und die Leute mitnehmen, während Zorniger dies schon voraussetzte, allein weil er Alexander Zorniger war.

Ein ähnlich gutes Gefühl wie jetzt hatte ich beim letzten Zweitligaaufenthalt unter Schindelmeiser/ Wolf. Auch damals wurde mit den vorhandenen Mitteln verantwortungsbewusst umgegangen, auch damals war, zumindest nach dem kurzen Intermezzo von Jos Luhukay, ein relativ unerfahrener Trainer da, der die Leute einfangen und mitnehmen konnte.

Die jüngste Pressekonferenz von Tim Walter war ein Genuss und macht richtig Bock auf den Saisonstart. An die Auftritte an gleicher Stelle von Weinzierl und Korkut mag ich gar nicht denken, Schlaftabletten wäre noch zu freundlich ausgedrückt, wenn man den Vulkan Tim Walter dagegen erlebt.

In den sozialen Netzwerken lese ich viele Stimmen, die ihr Unverständnis darüber äußern, dass der VfB die immensen Transfereinnahmen nicht im Ansatz reinvestiert hat. Leute, wir sind 2. Liga, zumindest in dieser Saison. Für die nächste garantiert uns kein Mensch, dass wir dann wieder Bundesligaluft schnuppern.

Also ist die Devise zunächst, ein aufstiegsfähiges Team an den Start zu bringen, das nicht auseinanderzubrechen droht, sollte der direkte Wiederaufstieg verpasst werden. Da bin ich ganz bei der neuen sportlichen Leitung, schwäbisch konservativ mit dem zu kalkulieren, was dir die 2. Liga einbringt und, sollte der Aufstieg gelingen, nächste Saison wieder mehr zu investieren.

Mit der jetzigen Kaderzusammenzustellung und den Neuzugängen habe ich ein sehr gutes Gefühl. Zweitligaerprobte Spieler, die wissen wie der Hase läuft und bereit für den nächsten Schritt sind, junge fußballerisch starke Talente und eben auch erfahrene Spieler, die uns erhalten blieben.

Badstuber und Gomez bekam man schon allein wegen ihrer irrwitzigen Verträge und ihres Alters nicht los, wobei auch hier Tim Walter ganz der Pragmatiker ist und die Situation annimmt, wie sie ist. Mit Badstuber ließ er sich auf eine Machtprobe ein, dieser weiß jetzt, wer der Chef ist und Mario Gomez wird von Walter über den Klee gelobt, wie wichtig er für die Jungen sei, wie toll er seine Rolle annehme und wie froh er einfach sei, einen Mario Gomez in der Mannschaft zu haben.

Für mich ein extrem kluger Schachzug. Bis vor Kurzem empfand ich Gomez ob seines Gehaltes und seines Alters eher als Last für das Team, mittlerweile traue ich es ihm sogar zu, der Mann für die ganz wichtigen Tore in dieser Saison werden zu können.

Gonzalo Castro und Daniel Didavi werden ebenfalls sehr eingebunden, vor allem Letzteren habe ich schon lange nicht mehr so fit und so motiviert gesehen wie in der Vorbereitung. Da ich schon immer ein Faible für Dida hatte, würde ich mich freuen, wenn er dies alles auch in der Liga zeigt und vor allem verletzungsfrei bleibt.

Bei wieder anderen wie Kempf und Ascacíbar mache ich drei Kreuze, wenn sie am 01.09. noch da sind. Nicolás González, der mit Argentinien bei den panamerikanischen Spielen weilt und der von vielen bereits abgeschrieben ist nach seiner unglücklichen Saison, soll anscheinend auch ein Verkaufskandidat sein, zumindest jemand, der Begehrlichkeiten weckt und Millionen einbringen könnte. Bei ihm würde es mich freuen, wenn er einen zweiten Anlauf wagen würde, hält doch Tim Walter große Stücke auf ihn. Auch da vertraue ich dem Trainer, dass er ihn hinbekommen könnte.

Die Mischung passt meiner Ansicht nach, doch, entscheidend ist aber heute auf dem Platz. Zum Eingewöhnen weht ein Hauch von Bundesliga durch Cannstatt. Flutlichtspiel gegen den Mitabsteiger, weit über 50.000 Zuschauer, Exklusiv-Spiel auf Sky.

Zuvor gibt es bei hochsommerlichen Temperaturen die Karawane Cannstatt mit dem Motto „alle in Weiß“. Ich sag’s Euch gleich, mir zu heiß zum Mitlaufen. Bin froh, wenn die Karawane von dannen gezogen ist und die Cannstatter Wirte wieder hinterherkommen. Erst dann wird’s gemütlich, dann wird sich richtig eingestimmt, auf das heißeste Spiel des Jahres. Mein Tipp: 3:2!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.7/10 (6 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 1 vote)
23. Mai 2019

Willkommen zu den Relegationsfestspielen!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , – Franky @ 05:02

Das Auslaufen auf Schalke war erwartungsgemäß ein Muster ohne Wert. Wie zu vermuten war, ließ Nico Willig sämtliche mit vier gelben Karten vorbelastete Spieler draußen und änderte die zuletzt eingespielte Formation auf sechs Positionen. Da der Kick auch für Schalke lediglich Abschiedsspiel-Charakter von Huub Stevens und Sascha Riether besaß und sich keiner mehr vor der Sommerpause verletzen wollte, entwickelte sich ein müder Sommerkick, bei dem der VfB die bessere Spielanlage zeigte. An einem mit 41 Toren rekordverdächtigen letzten Spieltag quälten sich die Protagonisten dieses Kicks zu einem 0:0 und deckten noch einmal schonungslos auf, weshalb beide in diesem Jahr in der Abstiegsregion zu finden sind.

Wenn man den Rahmen dieses Aufeinandertreffens sah, konnte man noch froh sein, dass es nicht das vor Wochen propagierte Abstiegsendspiel wurde. Aus beiden Fanszenen war alles am Start, was Rang und Namen hatte. Die Fanbetreuung hatte ich selten so gestresst gesehen wie am Samstag. Da wir über Malle und Düsseldorf mit dem Zug anreisten, durften wir uns in den Viehtrieb am Gelsenkirchener Hauptbahnhof einreihen. Dort standen etwa zehn Busse für Gästefans bereit. Die unmissverständliche Ansage der Polizei lautete, an alle Stuttgarter, also nicht „nur“ Ultras und Hools gerichtet, man habe als Stuttgarter genau zwei Möglichkeiten, entweder sich in einen der Busse zu quetschen oder in den Zug zurück nach Stuttgart gesetzt zu werden. Menschenrechte werden an Spieltagen eben schon mal ausgesetzt.

Die nord-rhein-westfälische Polizei in Bestform. Diese wurde zuletzt in Bezug auf mehrere Fußballspiele, exemplarisch KFC Uerdingen-Hansa Rostock, heftig kritisiert, unverhältnismäßig vorgegangen zu sein und auch am Samstag hätte wohl ein einziger Böller oder eine Beamtenbeleidigung ausgereicht, um mit ihren Knüppeln und Tränengas Bekanntschaft zu machen.

Gut, dass seitens der VfBler alles, zumindest soweit ich es mitbekam, diszipliniert ablief und man den Bullen keine Plattform geboten hat, sich auszutoben. Motiviert bis in die Haarspitzen waren sie allem Anschein nach.

Das Schonen von Leistungsträgern sehe ich zwiespältig. Zum einen flögen Willig bestimmt Vorwürfe um die Ohren, hätte einer der Vorbelasteten sich eine Sperre fürs Relegations-Hinspiel eingehandelt, zum anderen birgt diese Vorgehensweise aber auch die Gefahr, aus dem Rhythmus zu geraten, gerade, wenn es sich um eine solch fragile Truppe wie den VfB derzeit handelt.

Im Großen und Ganzen gefällt mir Nico Willig sehr. Nicht nur, dass er etwas hergibt, seine Pressekonferenzen sehenswert sind und man sich gut vorstellen kann, wie er eine Mannschaft mitzureißen in der Lage ist, nein, unter ihm gelang auch so etwas wie der Turnaround, auf den wir die gesamte Saison gewartet haben, indem er sieben Punkte aus vier Spielen einfuhr und zudem dreimal dabei ohne Gegentor blieb.

Da ist es fast schon schade, dass man sich mit der (zu frühen?) Verpflichtung von Tim Walter der Möglichkeit beraubte, Willig weitermachen zu lassen. Er dürfte Blut geleckt und Begehrlichkeiten geweckt haben, so dass ich es mir nicht vorstellen kann, dass er noch lange unser U19-Trainer sein wird.

Tim Walter soll nun also den VfB den erneuern, in welcher Liga wissen wir am Montagabend. Ihm eilt ein hervorragender Ruf voraus, soll er doch einen wilden Fußball spielen lassen, den Spielern in puncto Intelligenz einiges abverlangen und Spieler besser machen. Ob sein Fußball, gerade was die Intelligenz angeht, mit unserer Truppe möglich ist, bezweifle ich. Es wird zu einem großen Umbruch kommen müssen, der nach dieser Saison allerdings ohnehin alternativlos ist. Lieber jetzt, auch wenn es finanziell schmerzt, die Mannschaft austauschen, bevor diese die Gelegenheit erhält, mal wieder einen Trainer, der ihr vermeintlich zu viel abverlangt, weg zu mobben.

Bei der Beschreibung Walters wird man unweigerlich an Zorniger erinnert. Walter ist zu wünschen, dass er durch Hitzlsperger größere Unterstützung erfährt als Zorniger seinerzeit von Dutt.

Ich gehe an diese Personalie völlig unbelastet heran und wünsche Tim Walter gutes Gelingen. Viele kritisieren dessen Verpflichtung schon aus dem Grund, weil er gebürtiger Badener und ehemaliger KSC-Jugendtrainer ist. Mir ist das zunächst einmal egal, ob unser Neuer aus dem Kongo oder aus Karlsruhe kommt und wünsche mir nur, dass er den VfB voranbringt.

Etwas problematischer dürfte die Mitverpflichtung dessen Co-Trainers Rainer Ulrich sein. Ein KSC-Urgestein in Reihen des VfB? Noch mag ich ihn mir nicht im roten Trainingsleibchen vorstellen. Auf der anderen Seite aber ist es nicht außergewöhnlich, dass ein Trainer seinen ewigen Co-Trainer hat, siehe einst Hitzfeld und Henke oder auch Labbadia und Sözer. Diese gibt es nur im Doppelpack, entweder beide oder keinen.

Interessant wird es sein, welche Rolle dann Rainer Widmayer einnimmt, der zur kommenden Saison als ständiger Co-Trainer hinzustoßen soll, eine Entscheidung übrigens, die noch zu Reschkes Zeiten getroffen wurde und von der nicht bekannt ist, wie begeistert Thomas Hitzlsperger darüber ist. Auf die Aufgabenteilung darf man gespannt sein, nur um Walter und Ulrich schwäbisch beizubringen, wird Widmayer ja nicht an den Neckar zurückkehren.

Nun geht es also um den Relegationspokal, den Willig ausgerufen hat. Grund dieser Wortwahl war offensichtlich, dem Team zu veranschaulichen, dass es auch in der beschissensten Saison der Vereinsgeschichte noch etwas zu gewinnen gibt.

Das schwierige Umfeld scheint heiß zu sein. Dauerkartenbesitzer haben zum Heimspiel freien Eintritt, die restlichen Karten wurden binnen vier Stunden verkauft. Klar, Relegation ist Neuland und in kürzester Zeit zu organisieren, auch wenn der VfB seit Dezember auf Platz 16 stand und man daher nicht völlig überraschend in die Entscheidungsspiele muss. Ich fand es etwas bedauerlich, dass für dieses Spiel kein Zweitmarkt geschaltet wurde und man meinetwegen 1/18 des Dauerkartenpreises erstattet bekam, kann doch nicht jeder so kurzfristig freibekommen. Es bleibt zu hoffen, dass nicht gerade dadurch einige Plätze frei bleiben.

Auch das Public Viewing des Rückspiels war schnell ausverkauft. Meines wäre es zwar nicht, Montagabends ins Neckarstadion zu gehen, um fernzusehen, doch, jedem das Seine. Wie man den VfB kennt, wäre es ein Wunder, würde diese Veranstaltung reibungslos ablaufen. Entweder zu wenig Stände geöffnet oder, je nach Ausgang des Hinspiels, alkoholfreies Bier, weil man vor ausrastenden Brustringträgern Angst hat. Dann doch lieber zuhause oder in der Kneipe um die Ecke, man(n) muss ja schließlich Dienstags früh raus.

Da ich aber am Montag ohnehin in der Alten Försterei sein werde, ist das nicht mein Thema. Dass das knappe Gästekontingent schnell vergriffen sein würde, war klar. Der VfB boomt also, selbst in der düstersten Saison seiner Historie. Wahnsinn! Wer bei Spielen unter die Leute geht, immer mehr trifft, die das Geschehen nur noch am Bierstand verfolgen und der Leute wegen gehen, nicht aber wegen der Millionäre auf dem Rasen, versteht, dass bei all der Nibelungentreue eine gehörige Portion Sarkasmus, Hoffnungslosigkeit und „wir feiern uns selbst“ dabei ist.

Unter die Leute scheinen sie beim VfB nicht zu gehen, sonst würden sie nicht alle paar Stunden Posts in den sozialen Medien raushauen, die sich anhören, als stünden wir im Europapokalendspiel. Ein Hashtag folgt dem nächsten, es heißt nicht mehr #wirsindstuttgart sondern seit neuestem #aufgehtsstuttgart. Das von der Kurve stammende #kämpfenundsiegen machen sie sich zu eigen, „spürt ihr die Spannung“, „wir zusammen“, und gerade eben noch “55.000 Signalspieler, die im Stadion ihre Kraft entfesseln werden”. Abgesehen davon, dass ich mir gerade vorstellen möchte, wie man seine Kraft entfesselt, kann ich diese Slogans nicht mehr hören. Dem Verein und seiner Marketingabteilung täte eine gehörige Portion Demut tut. Fans und Mitglieder sind das Kapital, diese zu vergraulen, zu verärgern oder gar wegen geplatzter Halsschlagader auf dem Gewissen zu haben, sollte die AG tunlichst unterlassen.

Die ständigen Posts und WhatsApp-Nachrichten lassen meinen Kopf hoch rot werden und just setzen sie noch einen drauf: es gibt ihn doch tatsächlich, den passenden Spieltags-Schal zu den Relegationsfestspielen. Da verliere ich leicht die Fassung. Habt Ihr sie noch alle beieinander? Wir spielen eine furchtbare Saison, haben nichts anderes als den Abstieg verdient und ihr macht ein Super-Event daraus? Bei all dem Boom und den Marketingmöglichkeiten scheint der VfB seine Nische gefunden zu haben, Relegation forever!

Alle, einschließlich Dietrich bei Sport im Dritten, sprechen von einem Geschenk! Ich nicht, für mich ist die Relegation ein Witz. Für den Bundesligisten die Belohnung für eine scheiß Saison, für den Zweitligisten die Bestrafung für eine gute Saison, alles des lieben Geldes wegen.

Seit Jahren wünsche ich mir mal einen Relegationskracher wie KSC-VfB, Köln-Düsseldorf, Nürnberg-Fürth, HSV-St. Pauli, Hannover-Braunschweig oder Hertha-Union, dass es richtig brennt und eskaliert und die DFL endlich kapiert, dass Geld nicht alles ist. Bei der Relegation geht es um Existenzen, um zig Millionen, um Befindlichkeiten ganzer Regionen, es ist ein Vabanque-Spiel auf Kosten der Beteiligten.

Eine derartige Konstellation erwartet uns dieses Mal nicht. Mit dem 1. FC Union treffen wir auf einen Kontrahenten, der nicht unbedingt für seine gewalttätige Fanszene bekannt ist und für den ein Verbleib in der 2. Liga wohl auch kein Beinbruch wäre, im Gegenteil, seit Jahren fragt man sich, möchte Union überhaupt aufsteigen. Zudem eint uns die Abneigung gegen deren Lokalrivalen Hertha BSC.

Dennoch befürchte ich, dass mit dem VfB abermals der Bundesligist vom Relegations-Modus profitieren wird, weil die Schere zwischen erster und zweiter Bundesliga von Jahr zu Jahr mehr auseinander driftet und es somit ein Duell mit ungleichen Waffen werden wird.

Sollten wir dennoch absteigen, dann zurecht und dann gönne ich Union, schon allein wegen des schmucken Stadions und den Fans, den Aufstieg, wenn nicht, freue ich mich in erster Linie für Hitzlsperger, Mislintat und Walter, dass sie nicht einen großen Schritt zurück machen müssen.

Wenn ein Abstieg etwas Gutes hätte, dann, dass Wolfgang Dietrich nicht mehr zu halten wäre. Entgegen seiner Beteuerungen, er würde nicht davon laufen und sei auf vier Jahre gewählt, wird ihn dann nicht nur der gemeine Mob sondern auch der Ja-Zum-Erfolg-Sager zum Teufel jagen.

Nach den Enthüllungen von Benny Hofmann im kicker erhoffte man sich von Michael Antwerpes, dass er Wolfgang Dietrich bei Sport im Dritten so richtig auf den Zahn fühlen würde. Unter dem Hashtag #fragdietrich waren zudem etliche Fragen an Dietrich formuliert, die die Fans bewegen.

Stattdessen zeigte sich Antwerpes einmal mehr als reiner Gefälligkeitsjournalist, der Dietrich nicht in die Bredouille bringen wollte und wiegelte, bevor es ans Eingemachte ging, ab mit „wir sind keine Wirtschaftssendung“. Dieses Interview hätte man sich sparen können.

Dennoch darf sich Dietrich weiterhin warm anziehen und sich gerne mit seinen Jahren 70 Jahren fragen, ob er sich dem Stress des öffentlichen Druckes und Nachbohrens weiter stellen muss, oder sich nicht doch besser in die Rente verabschiedet. Tut er das nicht, kann das Motto nur lauten, weiter, immer weiter!

In seinem letzten Beitrag (komischerweise finde ich den nicht mehr auf kicker.de?!) hatte Benny Hofmann Jan Schindelmeiser zu Wort kommen lassen, der zu Protokoll gab, dem Vorstand sei es zum Zeitpunkt der Ernennung von Dietrich zum Präsidentschaftskandidaten nicht bekannt gewesen, dass Dietrich weiter an dem Quattrex-Firmenkonstrukt partizipiere und nicht alle Beteiligungen abgestoßen hat.

Heim und Röttgermann entgegnen zwar, es lägen keine neuen Erkenntnisse auf dem Tisch, so dass man sich fragen muss, wer hier lügt und ob Schindelmeiser Informationen vorenthalten wurden.

Selbst wenn Heim und Röttgermann die Wahrheit sagten, ist es Tatsache, dass die Mitglieder vor Dietrichs Wahl nicht voll umfänglich informiert wurden und wichtige Fakten verschwiegen wurden, so dass es mir schleierhaft ist, wie diese Herren aus dieser Nummer noch herauskommen wollen.

Man kann nur hoffen, dass die Journaille sich nicht abspeisen lässt und den Finger immer tiefer in die Wunde legt. Wir Mitglieder haben ein Recht auf lückenlose Aufklärung!

Weil Dietrich der Faktenlage nach noch immer Beteiligungen an der Quattrex bzw. seiner Tochterunternehmen hält und weil die Quattrex dem 1. FC Union Kapital beschafft hat und sich dafür eine Rendite erhofft, wurden die Relegationsspiele auf Twitter schon als El Quattrexico betitelt.

Demnach steht ein Sieger der Relegation bereits vor Anpfiff fest, nämlich Wolfgang Dietrich. Ein Skandal, dass so etwas mit der DFL zu machen ist, doch, man hat ja seinerzeit auch Red Bull Leipzig unter fragwürdigen Umständen einfach durchgewunken und die Lizenz erteilt.

Stunden vor dem Hinspiel bin ich noch die Ruhe selbst. Ein Abstieg würde mich nicht ins Tal der Tränen stürzen, wäre er doch so logisch. Einzig Hannover und Nürnberg ist es zu verdanken, dass wir nicht längst sang- und klanglos im Unterhaus angekommen sind.

Zudem glaube ich, dass Willig seine Truppe heiß genug auf diese „Pokalendspiele“ gemacht hat und sie, angetrieben von einem endlich fitten Daniel Didavi, die Berliner aus dem Neckarstadion fegen wird. Auch Union hat zu selten überzeugt, um wirklich Angst bekommen zu müssen. Tritt das Team von Willig auf wie in den letzten Heimspielen gegen Mönchengladbach und Wolfsburg, wird es heute nur einen Sieger geben, den VfB.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.9/10 (7 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 1 vote)