14. Januar 2019

Hoffnungsträger Weinzierl

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 13:47

Gerade einmal vier Wochen nach dem unterirdischen Auftritt gegen Schalke 04 erwartet der VfB am kommenden Samstag den Tabellenzwölften aus Mainz.

Selten kam mir eine Pause gelegener als diese, quasi noch nie, war sie mir gar zu kurz, wie es dieses Mal der Fall ist. Noch habe ich keine richtige Lust auf das ewig gleiche planlose Gewürge, welches beim VfB noch immer der Sportart Fußball zugerechnet wird.

Meine Grundstimmung nach fast vier Wochen ohne Niederlage ist schon mal besser, wenngleich ich, sagen wir es mal so, gedämpft optimistisch an die ersten Spiele nach der Winterpause gehe.

Trainingslager, aus denen eine entspannte lockere Atmosphäre und gute Stimmung nach Hause transportiert wurden, hatten wir schließlich schon mehr als genug, als dass ich mich davon blenden lassen würde. Entscheidend ist Samstag 15 Uhr 30 auf dem Platz, da MUSS bereits gewonnen werden, um die Initialzündung zu schaffen und Selbstvertrauen zu tanken. Dies möglichst auch noch in überzeugender Manier, um erhobenen Hauptes nach München zu fahren und nicht, wie beim Hinspiel geschehen, schon im Vorfeld die weiße Fahne zu hissen und den Bayern den Sieg zu schenken.

Mit ordentlichen Auftritten zu Beginn kann sie geschafft werden, die Wende, warten danach doch mit Freiburg, Düsseldorf und kurze Zeit später Hannover 96 Teams, die man eigentlich hinter sich lassen sollte. Vertröstet man uns jedoch nach Punktverlusten gegen Mainz und München weiter damit, wie lang denn die Saison noch sei, wäre das der Anfang vom Ende, denn, in erster Linie muss der VfB Vertrauen in seine eigene Stärke gewinnen, womit automatisch fahrige Leichtsinnsfehler minimiert werden.

Diese, Pech an der einen oder anderen Stelle und fatale Fehleinschätzungen der sportlichen Leitung zu Beginn der Saison brachten uns erst in diese missliche Lage.

Der nicht kompensierte Abgang von Daniel Ginczek und, nicht nur was ihn betrifft, das Abgeben von Mentalitätsspielern, die dem Mannschafts- und Leistungsklima gut taten, sind zunächst zu nennen. Des Weiteren wurde in Gonzalo Castro ein vermeintlicher Führungsspieler geholt, der weit über den Zenit ist und sich seinen Führungsanspruch angesichts seines derzeitigen Leistungsvermögens und dem Gusto der bisherigen Platzhirsche von vornherein abschminken konnte. Die Zeiten der Standfußballer sind längst vorbei, wann kapieren das die Verantwortlichen beim VfB endlich?

Mit Holger Badstuber verlängerte man den Vertrag um drei Jahre, was ich sehr begrüßte, war er doch ein wichtiger Baustein in der so gegentorarmen Rückrunde. Auch er erhebt den Anspruch Führungsspieler zu sein und beißt sich an der in Stein gemeißelten Hierarchie die Zähne aus.

Die Meister von 2007, Beck, Gomez, Gentner, dazu Dennis Aogo, haben, so zumindest mein Eindruck von außen, überhaupt kein Interesse, dass da jemand größer zu werden droht, als sie es sind, so dass wir Fans uns die Hoffnungen wohl abschminken dürfen, dass sich etwas Grundsätzliches ändert, ehe nicht die eine oder andere Karriere (endlich) zu Ende ist.

Badstuber ließ man zu Beginn auf dem Platz alleine bzw. schickte ihn in Laufduelle, in denen er zum Scheitern verurteilt war, so dass er fortan nicht mehr auf die Beine kam. Stimmt es dann in der Mannschaft nicht, ist jeder in erster Linie mit sich selbst beschäftigt anstatt einem Spieler mit angeknackstem Selbstbewusstsein wieder auf die Beine zu helfen, ist es nach einem solch missratenen Start schwer, wieder in die Spur zu finden.

Offensichtlich wurde Badstubers Vertrag nur verlängert, weil man bereits im Sommer mit dem Abgang des Weltmeisters Benjamin Pavard rechnete. Ein millionenschwerer Irrtum, der so manches Unternehmen die Existenz kosten würde, während ein Reschke weiterhin fröhlich das Geld des VfB auf den Kopf hauen darf. Diese Fehleinschätzung katapultierte beide Spieler in eine Lose-Lose-Situation.

Pavard zerbrach an den Erwartungen an einen Weltmeister, die für einen jungen Spieler nicht angebracht waren. In einem funktionierenden und stabilen Korsett hätte er herausstechen können, nicht jedoch in einem Team, in dem die vermeintlichen Führungsspieler keine Verantwortung übernehmen und selbst nur Mitläufer sind. Im Nachhinein war es sicher ein Fehler, Pavard nicht schon im Sommer nach München zu verkaufen.

Seit einigen Tagen nun steht sein Wechsel nach München endgültig fest. Schade, dass er noch verletzt ausfällt, für alle Seiten wäre ein sofortiger Vereinswechsel wohl die beste Lösung. Da kann man fast darauf hoffen (auch wenn ich im Grunde niemandem eine Verletzung wünsche…), dass noch im Januar ein Bayern-Verteidiger längerfristig ausfällt und die Nordösterreicher Handlungsbedarf bekommen!
In der Innenverteidigung sind wir mit Baumgartl und Kempf ordentlich besetzt, dahinter lauern der Youngster Aidonis und Holger Badstuber, sowie ab Sommer wieder Kaminski.

Dass ein Michael Reschke an vorderster Front nicht vermittelbar ist, unterstrich er dieser Tage einmal mehr. Völlig ohne Not plapperte er heraus, dass man, sofern Badstuber oder sein Berater auf den VfB zukämen, Gesprächsbereitschaft über einen sofortigen Wechsel signalisieren würde. Selbst wenn dem so sei, damit drückt man den Preis, schafft eine schlechte Atmosphäre mit dem Spieler, heizt das brodelnde Umfeld unnötig selbst noch auf und läuft zudem Gefahr, dass ein Wechsel letzten Endes alternativlos ist und man trotz Abgang weiterhin einen Großteil seines üppigen Gehaltes stemmen muss. Derweil ruderte Reschke in dieser Personalie gleich wieder zurück, was mich immer mehr an der Zurechnungsfähigkeit der rheinischen Frohnatur zweifeln lässt.

Mich stört ungemein, wie auch von Fanseite mit Holger Badstuber umgegangen wird. Er ist ein ehrgeiziger Spieler, wie er jedem Team eigentlich gut tun sollte, weshalb er beim VfB derart ins Abseits geraten ist, kann ich nur schwer nachvollziehen, zumal er nicht der einzige ist, dem im Verlauf der Vorrunde amateurhafte Fehler unterlaufen sind. Allein die Tatsache, dass er von einem Championsleague-Club träumte, um beim VfB zu landen, kann es doch nicht sein. Ein Spieler, der etwas erreichen möchte und für den Stillstand Rückschritt bedeutet, ist mir doch tausend Mal lieber, als ein Anderer, der es sich in der Wohlfühloase schön eingerichtet hat und in beinahe zehn Jahren nicht ein einziges Mal Begehrlichkeiten anderer Vereine geweckt hat. Finde den Fehler, neige ich da zu sagen.

Einige Baustellen sind also geblieben, andere behoben. Das Lazarett hat sich gelichtet, so dass Markus Weinzierl deutlich mehr Alternativen zur Verfügung stehen, als er sie seit seinem Amtsantritt hatte. Weinzierl wirkt sehr engagiert und motiviert und gerade so, als dass seine eigentliche Arbeit erst mit dem Trainingsauftakt Anfang Januar begonnen habe. Das lasse ich sogar gelten, nachdem er einen unausgewogenen, verunsicherten, verletzungsgebeutelten und zudem mit Fitnessdefiziten gespickten Kader übernommen hat, der ihm kaum Möglichkeiten bot, im laufenden Spielbetrieb Grundsätzliches zu verändern und an den (unzähligen) Schwachstellen zu arbeiten.

Weinzierls Ansätze gefallen mir. Der Konkurrenzkampf wird neu entfacht (hoffentlich auf ALLEN Positionen), die Spieler werden mehr in die Pflicht genommen und er arbeitet daran, dass unser Spiel schneller, ansehnlicher und nicht zuletzt erfolgreicher wird.

Die bisher feststehenden Neuzugänge, Alexander Esswein und Steven Zuber, sollen für „sein“ Spiel wichtige Mosaiksteine sein. Wie es um die Stimmung im „schwierigen Umfeld“ und um das Vertrauen in die Arbeit von Michael Reschke bestellt ist, offenbarte sich am Shitstorm, der nach der Verpflichtung Essweins, der in der Hinrunde nur für die Hertha-Amateure aufgelaufen ist, sich Bahn brach. Auch ich musste im ersten Augenblick schmunzeln, weil so mancher Hochkaräter als Verstärkung gehandelt wurde, und es dann „nur“ Esswein wurde.

Bei näherer Betrachtung und weil ich dem Sachverstand und der Menschenkenntnis von Markus Weinzierl vertraue, finde ich diesen Zugang nicht einmal so verkehrt. Esswein galt lange als hoffnungsvolles Talent und hatte seine beste Zeit unter Markus Weinzierl beim FC Augsburg.

Weinzierl weiß, was er an Esswein hat und traut es ihm zu, Schnelligkeit und Wucht in unser Spiel zu tragen, Attribute, die wir dringend benötigen. Dass ein Spieler bei einem Trainer mal außen vor ist, wie Esswein bei Pal Dardai, kommt in den besten Vereinen vor und sagt nicht zwingend etwas über das Leistungsvermögen aus, wenn man nicht weiß, was zwischenmenschlich zwischen beiden vorgefallen war. Esswein wird Weinzierl das Vertrauen, das er ihm schenkt, zurückzahlen wollen. Wenn er dann noch, wie kolportiert wird, ein Mentalitätsspieler ist, kann er sich schnell in die Herzen des schwierigen Umfelds spielen.

Steven Zuber könnte das Pendant Essweins auf der linken Seite werden. Der dynamische Linksfuß und wohl beste Techniker im Schweizer Nationalteam ist sehr schnell, so dass auch er kurzfristig weiterhelfen dürfte, wenn denn seine „leichte“ Kapselverletzung wirklich eine leichte ist und er möglichst schon spätestens in München zur Verfügung steht.

Diese Leihe ohne Kaufoption untermauert freilich den Eindruck, dass es in dieser Saison lediglich noch ums Verhindern geht und nicht darum, die Mannschaft weiterzuentwickeln.

Fürs erste setzt Weinzierl auf die Achse Zieler, Kempf, Aogo, Gentner, Gomez, was hoffentlich nicht fünf Stammplatzgarantien gleich kommt. Das sollte eher einem Vertrauensvorschuss mit der Erwartung, dass die Genannten mehr Verantwortung übernehmen, gleichgesetzt sein.

Eine Achse ist in jedem Team wichtig, so dass ich hoffe, auch wenn man über den einen oder anderen Namen streiten kann, dass diese funktioniert und dem Team die nötige Stabilität verleiht.
Unter der fehlenden Stabilität hatten vor allem unsere jungen hochgehandelten Talente zu leiden, weil jeder vermeintliche Leistungsträger mehr mit sich selbst zu tun hatte, anstatt den Youngstern Halt geben zu können.

Maffeo und Borna Sosa bspw. traue ich es zu, den arrivierten Beck und Insúa Feuer unterm Hintern zu machen und auch Pavard würde eher zu alter Stärke zurückfinden, wenn es in der Mannschaft wieder besser läuft. Nicolás González, wegen seines Einsatzwillens für mich noch einer der wenigen Lichtblicke der Vorrunde, dürfte einen weiteren Schub bekommen, sollte Didavi endlich beschwerdefrei sein und unser Spiel, nicht zuletzt durch die Neuzugänge, offensiv variabler und damit unberechenbarer werden.

Dennoch hoffe ich, dass im Winter noch ein Stürmer zu uns stoßen wird, in erster Linie deshalb, weil ich es für grob fahrlässig hielte, unsere einzigen Hoffnungen auf Tore in den 33-jährigen Mario Gomez zu setzen. Auch ein Backup für Didavi stünde uns gut zu Gesicht, Berkay Özcan traue ich diese Rolle noch nicht zu.

Dass unter Weinzierl eine neue Zeitrechnung begonnen hat sieht man nicht nur daran, dass Donis für wiederholte Undiszipliniertheiten öffentlichkeitswirksam sanktioniert wurde, sondern auch daran, dass endlich wieder ein Trainer da ist, der den Unterbau nicht nur in den höchsten Tönen lobt, sondern auch die jungen Wilden zu befördern bereit ist, wenn er sie reif für höhere Aufgaben sieht.

Ganz so schwarz sehe ich also nicht und hoffe, dass Weinzierl sich nicht verbiegen lässt. Wenn er es ist, der sich an uralte Erbhöfe wagt und den seit Jahren nötigen Umbruch vollzieht, wird er bei mir wohl für immer einen Stein im Brett haben. Dazu wünsche ich ihm das nötige Glück und dem Umfeld Geduld. Bei der „Konkurrenz“ sehe ich uns nach wie vor als nicht sehr abstiegsgefährdet an, weil ich es mir nicht vorstellen kann, dass wir eine ähnlich verkorkste Rückrunde spielen werden.

Nürnberg, Düsseldorf und die mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem deftigen Punktabzug betroffenen Hannoveraner sollte man mindestens hinter sich lassen können, so dass das größte Unheil wohl abgewendet werden kann.

Wie ihr seht, ich gehe vorsichtig optimistisch in die Rückrunde und hoffe, dass ich mir die Winterpause nicht bereits am Samstagabend wieder zurücksehne. Wie immer nach einer Vorbereitung versuche ich mit Vorfreude, Optimismus, Vertrauen ins Trainerteam und einigermaßen unvoreingenommen heranzugehen und habe vor allem die Hoffnung, dass endlich der Weinzierl-Effekt eintritt und der Fußball ansehnlicher wird. Niemand erwartet Siege in Serie, ein Team, das aufopferungsvoll kämpft und sichtlich zusammenhält, würde mir fürs Erste schon reichen. Ist das denn zu viel verlangt?

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27. November 2018

Realitätsverlust

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Business as usual! Der 2:0-Auswärtssieg bei schwachen Nürnbergern vor der Länderspielpause entpuppte sich, wie zugleich erwartet und befürchtet, als Strohfeuer.

Dass ausgerechnet Timo Baumgartl, der in Nürnberg sein allererstes Bundesligator erzielte und Garant dafür war, dass endlich mal wieder zu null gespielt wurde, mit einem grippalen Infekt vom U21-Länderspiel aus Italien zurückkehrte, in Leverkusen passen und somit das Kranken- und Verletztenlager weiter anwachsen lassen musste, passt ins Bild dieser bisherigen Seuchensaison.

Das Glück der vergangenen Rückrunde, auch was so gut wie keine Verletzungen anbelangt, ist aufgebraucht und schlägt sich, man sagt ja so schön, Glück und Pech gleichen sich aus, erbarmungslos ins Gegenteil um.

So könnte man als VfBler auch darüber lamentieren, dass Maffeo in der allerersten Minute des Leverkusen-Spiels keinen Elfmeter zugesprochen bekam. Auch das könnte man als fehlendes Spielglück abtun, wenn denn die Situation nicht so bedrohlich wäre und es nicht den Anschein hätte, alles und jeder habe sich gegen den VfB verschworen.

Für mich war das ein klarer Elfer, so dass es völlig unverständlich ist, dass der Schiri auf dem Platz und sein Kollege in Köln trotz Rücksprache dem VfB den Strafstoß verweigerten. Hätten unsere Herren in schwarz jemals Fußball gespielt, könnten sie eine solche Situation einschätzen und eine Schwalbe Maffeos schon anhand seiner „Flugkurve“ ausschließen, auch wenn die Berührung nicht eindeutig festzustellen gewesen sein sollte.

Ob der fällige Elfmeter rein gegangen wäre und ob das Spiel mit einer Führung im Rücken ein anderes geworden wäre, ist natürlich hypothetisch. Gut hätte sie dem VfB jedoch mit Sicherheit getan.
So entwickelte sich das erwartete Spiel. Leverkusen mit mehr Ballbesitz und zielstrebiger dank einer herausragend besetzten Offensive, während der VfB in erster Linie aufs Verhindern aus war und versuchte, die Leverkusener vom eigenen Tor fernzuhalten.

Dass es gegen Leverkusen schwierig ist, wenn man sie machen lässt, weiß jeder Fußballinteressierte in Deutschland, am VfB scheint dies vorbei gegangen zu sein.

Natürlich fehlen dem VfB die Mittel, natürlich schmerzen die Ausfälle von Didavi und Donis nach wie vor extrem, natürlich rächt es sich mittlerweile auch bitterlich, dass man Daniel Ginczek nicht annähernd adäquat ersetzt hat und trotzdem ist es nicht verboten, das Herz in die Hand zu nehmen und pragmatisch seine Möglichkeiten zu suchen, anstatt über Sachverhalte zu lamentieren, die man nicht ändern kann.
Ins selbe Horn bläst mittlerweile auch der bedauernswerte Trainer Markus Weinzierl, der bereits jetzt zu resignieren scheint, in Anbetracht der vielen Baustellen, die er beim VfB zu beackern hat. Ich hoffe, er hat einen langen Atem und schmeißt nicht noch vor der Winterpause von selbst hin.

Bayer 04 Leverkusen steht für guten Fußball und ist in der Regel extrem heimstark. Nicht umsonst war der 1:0-Zittersieg der vergangenen Rückrunde der erste dort seit Anfang der 2000er, wobei man heute noch darüber rätselt, wie dieser überhaupt „passieren“ konnte.

Protagonisten, wie der ewige Gente, die am Bayer-Kreuz fast ausschließlich auf die Mütze bekommen haben, streichen die Segel quasi schon vor dem Spiel, da eine Niederlage in Leverkusen ja keine Schande ist. Mutlos und scheu wird sich präsentiert, es kann ja niemand wirklich böse sein, wenn das ohnehin Erwartete auch tatsächlich eintritt.

Dass in dieser Liga aber jeder jeden schlagen kann, es sich in jedem Spiel lohnt, alles für den Erfolg zu tun, verdeutlichen nicht zuletzt die Ergebnisse der Münchner Bayern heuer. Wurde uns zu Beginn der Saison dieses noch als Bonus-Spiel verkauft, bei dem die verlorenen Punkte nicht zählen, zeigen sich mittlerweile Abstiegskandidaten als Verderber dieses Spiels, was – erlaube – Augsburg, Freiburg, Düsseldorf, während wir, freilich noch unter Korkut, brav die weiße Fahne hissten und ohne Eckball, Torschuss und gelbe Karte dem Meister den Sieg schenkten.

Auch in Leverkusen hängen in dieser Saison (bisher) die Früchte nicht allzu hoch. Leverkusen war vor dem Spiel die zweitschwächste Heimmannschaft und schaffte bislang lediglich einen (!) 1:0-Zittersieg gegen Mainz, verlor gegen Wolfsburg, Dortmund und Hoffenheim und gab selbst gegen Hannover 96 zuhause zwei Punkte ab.

Es bestand also kein Grund dort hin zu fahren und sich nichts auszurechnen. Wenn man jedoch nur darauf aus ist, sich einzuigeln, Leverkusen das Spielgerät überlässt und im gesamten Spiel gerade einmal einen einzigen ernsthaften Torschuss abgibt, darf man sich nicht wundern, wenn man im dreizehnten Pflichtspiel zum neunten (!) Mal ohne Torerfolg bleibt.

Derzeit kann man Fußball schauen, wo man möchte. Ob in den ersten drei Ligen national oder international, es findet sich kaum eine Mannschaft, die einen langsameren, behäbigeren, uninspirierteren Fußball arbeitet als der VfB.

Es rächt sich gnadenlos, dass Reschke lieber mittelfristige Championsleague-Träume hegt, anstatt kurzfristig eine ligataugliche Mannschaft an den Start gebracht zu haben. Da leidet er gewaltig unter Realitätsverlust und hat die Situation vor der Saison total verkannt. Auch wenn wir ahnungslose Vollidioten seine Transfers und vor allem den Zeitpunkt lobten, ich auch wegen der Rückkehr Didavis jubelte, sollte man vom hochdekorierten Perlentaucher Weitsicht und die Abwägung von Risiken erwarten können. Dass man eine der ganz großen Schwächen der letzten Saison, nämlich, dass uns ein Zehner gänzlich fehlte, mit Didavi behob, ist ja schön und gut. Dass man jedoch für einen derart verletzungsanfälligen Spieler nicht wenigstens einen brauchbaren Backup im Kader hat und man wegen des Ausfalls von Didavi den Offensivbetrieb quasi einstellen musste, ist grob fahrlässig.

Auch dass man nach den Abgängen von Terodde und Ginczek nun auf Form und Fitness eines 34-jährigen angewiesen ist und der Kader keinen einzigen hergibt, der Tore am Fließband verspricht, ist sehr kurz gedacht. Dazu kommen Formkrisen und Unzufriedenheit derer, die sich von ihrem Wechsel zum VfB mehr versprochen haben, wie es zum Beispiel bei Castro der Fall ist. Es rächt sich, wie auch bei unseren Amateuren, dass die Kadergröße sehr knapp gehalten ist und an allen Ecken und Enden Alternativen fehlen.

Auch Christian Gentner leidet unter Realitätsverlust, wenn er die Niederlage an der kollektiven Schlafmützigkeit vor dem 1:0 festmacht und darüber referiert, man hätte sich um den Lohn gebracht. Lohn? Für was? Es war doch auch in Leverkusen wieder einzig und allein das Hoffen auf den lieben Gott, dass vorne einer reinrutscht und die Leverkusener auch noch ein drittes oder viertes Mal das leere Tor nicht treffen. Mehr war es doch nicht, ohne Torchancen gewinnt man in der Regel kein Spiel, so dass das 1:0, dem, wie fast jedem Tor, eine Fehlerkette vorausging, folgerichtig und vor allem verdient für Leverkusen war.

Mit derartigen Aussagen unterstreicht der Kapitän, wie weit er sich von den Freunden dieses faszinierenden Spiels entfernt hat und führt das eigentliche Ziel des Spiels ad absurdum. Dieses besteht nämlich seit Urzeiten daraus, das Runde ins Eckige zu befördern und nicht daraus, ausschließlich verhindern zu wollen. Wie haben mich früher Trainer wie Riegel-Rudi, Funkel, Ristic usw. angewidert, die nur ins Neckarstadion gekommen sind, um uns den Spaß am Spiel zu nehmen und irgendwie heile wieder raus zu kommen. Damit waren deren Teams so ziemlich das Gegenteil von dem, für was der VfB stand.
Agieren statt reagieren, dem Publikum etwas bieten wollen und nicht beim Stande von 0:0 ausschließlich auf den Lucky Punch zu hoffen, dafür stand der VfB jahrzehntelang. In der Rückrunde mag man auf diese destruktive Weise und mit unfassbarem Glück Erfolg gehabt zu haben, dass sich dies in der Form wiederholt, war von vornherein mehr als unwahrscheinlich.

Vielversprechender und die Möglichkeit das resignierende und immer gleichgültiger werdende Publikum zurück auf seine Seite zu ziehen, wäre es doch, zielstrebig und schnell nach vorne spielen, um Fehler des Gegners zu erzwingen. So lang Nadelstiche setzen, bis der Gegner einknickt und das eine Mal unaufmerksam ist. Mit Stehgeigern wie Aogo und Gentner im Mittelfeld, die fast ausschließlich quer anstatt steil spielen, werden keine Überraschungsmomente geschaffen und folglich so gut wie keine Torchancen kreiert. Das Streben nach mehr Stabilität ist zwar in unserer Situation legitim, wenn es jedoch völlig zu Lasten der Offensive geht, eher kontraproduktiv.

Gentner ist mit seinen 33 Jahren längst über den Zenit hinaus und täte gut daran, sich ein Beispiel an Mario Gomez zu nehmen. Dieser regte nämlich an, ihm eine Pause zu verordnen, wenn der Trainer und das Team den Eindruck bekämen, er sei mehr Last als Hilfe. Traut sich ein Trainer nicht (oder darf er nicht, Herr Reschke?) gestandene Spieler oder gar den Kapitän auf die Bank zu setzen, muss es vom Spieler kommen, den Trainer von der Stammplatzgarantie zu entbinden.

Ob das kurzfristig weiterhelfen würde und ob nicht das fragile Gebilde erst recht einstürzen würde, wenn plötzlich andere Spieler Verantwortung übernehmen müssten, steht auf einem anderen Blatt. Für mich wäre es ein Hoffnungsschimmer und vor allem im Hinblick auf das neue Jahr nach der Wintervorbereitung ein Fingerzeig. Es muss eine neue Hierarchie her, alte Erbhöfe müssen ausgemerzt werden, um der Wohfühloase ein Ende zu bereiten und auch beim VfB ein Leistungsklima zu schaffen.

Die Vorrunde kann man ohnehin vergessen, gegen Augsburg springt vielleicht mit Glück und Dida und/ oder Donis etwas Zählbares heraus, von den anderen Spielen erwarte ich nichts anderes vom VfB, als dass wir unserem Ruf, Aufbaugegner und Punktelieferant Nummer 1 der Liga zu sein, treu bleiben. Gladbach hat noch keinen Punkt zu Hause abgegeben und spielt bisher eine starke Saison, während Hertha, Wolfsburg und Schalke zwar keine Überflieger sind, für uns aber dennoch zu stark sein dürften.

Daher sollte jetzt schon der Fokus auf Verstärkungen in der Winterpause und das Team der Rückrunde gelegt werden. Ich bin sehr gespannt, welche Koryphäen der Perlentaucher an Land zu ziehen gedenkt. Wenn ich dieser Tage im Kicker lese, man befasse sich mit Namen wie Kagawa (29), Rode (28), Herrmann (27) und, Achtung, Sandro Wagner (30), bekomme ich Brechreiz.

Bei Letzterem schon deshalb, weil es derzeit in der Liga kaum einen größeren Unsympathen gibt und dessen Verpflichtung wohl, ähnlich wie bei Egon Coordes und Winfried Schäfer, eine große Kündigungswelle von Vereinsmitgliedschaften nach sich ziehen würde.

Jedoch dürfte dies auch der unrealistischste Name unter den Genannten sein, weil er sich mit Sicherheit noch in anderen Sphären wähnt, und nicht mit unserer Gurkentruppe gegen den Abstieg kämpfen möchte. Dieser Name dürfte also ins Reich der Fabel gehören, während die Anderen allesamt ehemalige gute Spieler wären, die wegen Verletzungen und/ oder starker Konkurrenz zuletzt kaum zum Einsatz kamen.

Zweifellos würden sie nach Beck, Aogo, Gomez und Castro perfekt in Reschkes Beuteschema passen. Ich begreife es zwar dann nicht, wie Reschke zu seinem guten Ruf als Talententdecker gekommen ist, denn, auf diese Namen wäre, mit ein paar Ausgliederungsmilliönchen ausgestattet, wohl auch jeder Fan gekommen.

Vermutlich werden die Wintereinkäufe uns als Vorgriff auf die neue Saison verkauft werden, was mit den nächsten Altstars ohne großen Wiederverkaufswert gefährlich wäre und uns im Sommer bereits wieder um die Ohren fliegen könnte.

Diese ständig aufkochenden Transfer-Gerüchte nerven mich übrigens extrem. Zu Zeiten eines Jan Schindelmeiser sickerte kaum etwas durch bevor ein Transfer in trockenen Tüchern oder eben vom Tisch war, während bei Reschke an allen gehandelten Namen etwas dran sein dürfte, sei es auch nur das (einseitige) Interesse Reschkes an den Spielern.

Diese werden es sich genau überlegen, ob sie den Schritt zurück gehen und somit ihre weitere Karriere gefährden, „nur“ um für weniger Geld bei einem schlechteren Verein mit schlechteren Mitspielern in einem „schwierigen Umfeld“ gegen den Abstieg zu kämpfen.

Für die gehandelten Spieler wäre der Schritt zum VfB ein Risiko, für den VfB aber auch. Jeden der Kandidaten, Wagner einmal ausgeklammert, assoziiert man mit genau einem Herzensverein. Herrmann mit Mönchengladbach (seit 2008), Kagawa mit Dortmund (seit 2010, unterbrochen von zwei weniger glücklichen Jahren bei ManU) sowie Sebastian Rode, der sich weder bei den Bayern noch in Dortmund durchsetzen konnte, mit der Frankfurter Eintracht.

Bei allen befürchte ich ähnliche Anpassungs- und Identifikationsprobleme wie sie Castro nun hat, der bislang auch nur in Leverkusen funktioniert hat.

Sie sind allesamt gute Fußballer, die unsere Qualität zweifellos anheben würden. Es sind jedoch auch Spieler, die aufgrund ihrer Vita einen gewissen Führungsanspruch beanspruchen würden, womit sich schon einige Andere in der Ära Gentner die Zähne ausgebissen haben.

Was wir brauchen sind unbelastete und motivierte Neuzugänge, die hier die Chance sehen durchzustarten und von denen man sich für einige Jahre etwas versprechen kann und nicht einen Club der Enttäuschten, Spieler, die keine Spielpraxis besitzen und sich womöglich in Selbstmitleid flüchten, weil sie von ihren Herzensclubs abgeschoben wurden.

Zudem wurde im Rahmen der Ausgliederungsdebatte Jugendstil propagiert, während, seit Reschke das Zepter schwingt, fast ausschließlich Profis im Herbst ihrer Karriere, an den Neckar gelockt werden.
Ohne Sinn, Verstand und Konzept wird der Kader aufgefüllt, wo ist die Nachhaltigkeit, die uns in Aussicht gestellt wurde. Die Ausgliederungsmillionen werden in exorbitante Gehälter für Ex-Größen gesteckt, von denen wohl kein Einziger auch in der 2. Liga noch seine Schuhe für den VfB schnüren würde.

Noch glaube ich nicht, dass der VfB absteigen wird. Düsseldorf (trotz des Punktgewinnes in München) und Nürnberg schätze ich von der Substanz her als deutlich schwächer ein und gehe davon aus, dass der VfB im Winter Gelder ausgeben wird, von denen sie bei der Konkurrenz nur träumen können.

Somit rechne ich schlimmstenfalls mit Platz 16 und zwei Relegationsspielen in denen sich zu 90% der Bundesligist durchsetzt. Spannend könnten diese Entscheidungsspiele allenfalls werden, sollte der Gegner Köln oder HSV heißen.

Ob ich den Klassenerhalt dann gut oder schlecht finde, darüber bin ich mir derzeit nicht einmal im Klaren. Ich bin so enttäuscht momentan, über den bisherigen Saisonverlauf, klar, aber auch darüber, wie die Vereinsmitglieder von Dietrich hinters Licht geführt wurden, als er nach der Ausgliederung direkt Jan Schindelmeiser vor die Tür setzte und sich Michael Reschke von seinen Münchner Freunden aufschwatzen ließ, der im stillen Kämmerlein besser aufgehoben wäre als in vorderster Front.

Die Ausgliederungsmillionen dürften spätestens nach den Wintertransfers verprasst sein, die nächsten Investoren stehen nicht gerade Schlange. Der VfB wird heruntergewirtschaftet und das Schlimme ist, dass den Herren seit der Ausgliederung keiner mehr auf die Finger schaut. Skeptiker in den eigenen Reihen werden offensichtlich nicht gehört, anders kann ich mir Buchwalds Vorstoß nicht erklären, Kritiker des großen Ganzen werden als ahnungslose Vollidioten betitelt und Lügen salonfähig gemacht.

Dietrich wird sich den Fehler mit Reschke und das Hintergehen der Mitglieder nicht eingestehen, so dass ein Abstieg die einzige Möglichkeit wäre, dieses selbstherrliche Gespann wieder loszuwerden und mit innovativen Leuten, wie es Schindelmeiser und Wolf die meiste Zeit waren, noch einmal durchzustarten.

Da selbst der Abstieg, siehe oben, in meinen Augen relativ unwahrscheinlich ist, wird sich der VfB in absehbarer Zeit wohl nicht zum Positiven verändern. Damit meine ich nicht „nur“ sportlich bessere Zeiten, sondern das Gesamtbild, das der VfB abgibt, die Außendarstellung, Werte, die vermittelt und gelebt werden, sowie ein Leitgedanke, für den der VfB stehen soll und auch steht.

Dass Reschke auch intern für atmosphärische Störungen sorgt, hat neulich ja Steven Cherundolo geäußert. Ok, nicht ganz die feine englische Art, solang er noch beim VfB unter Vertrag steht und doch ist man als einer der regelmäßig belogen wird, für ehrliche Worte, die nicht unbedingt an die Öffentlichkeit gehören, dankbar.

Es ist also Fakt, dass der gelernte Fußballlehrer Michael Reschke nicht nur Wolf ins Handwerk gepfuscht hat, sondern dies auch bei Korkut getan hat und vermutlich bei Weinzierl tun wird. Nur schnell weg mit ihm!

Ich muss zugeben, derzeit verlangt einem die Allesfahrerei viel ab. Die Gemütsschwankungen von himmelhochjauchzend im Sommer noch bis zu Tode betrübt im tristen Spätherbst sind anstrengend. Wären es allein die Spiele, in denen weniger Fußball gespielt als sich hauptsächlich über die Zeit gequält wird, würde ich meine Zeit längst sinnvoller nutzen.

Was für mich den VfB in diesen Zeiten noch ausmacht, sind die Fans, der Zusammenhalt unter den Fans und die vielen, vielen Leidensgenossen, die man immer und überall trifft. Wir sind der VfB! So auch in Leverkusen! Etliche Freunde getroffen, davor in Leverkusen gefeiert, danach in Köln gefeiert und mit dem ersten Zug um 4.22 Uhr zurück in die Heimat gefahren. Kann man freitags schon mal machen. Was an dem genialen Tag gestört hat, war einzig und allein (mal wieder) das Spiel!

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5. November 2018

Verarschen kann ich mich auch selbst!

Freitagabend, Flutlicht und ein fast volles Haus. Da muss doch das Herz eines jeden Fußballprofis vor Freude hüpfen, wenn man nach einer anstrengenden Trainingswoche von der Leine gelassen wird und zeigen darf, was man(n) drauf hat.

Auch als Fan liebe ich Freitagabendspiele. Einen schöneren Opener ins Wochenende kann man sich kaum vorstellen. Bei Zeiten Feierabend machen, Freunde treffen, sich aufs Wochenendbier freuen und zugleich mit Gleichgesinnten aufs Spiel einstimmen, bevor es schließlich ins Wohnzimmer Neckarstadion geht.

Gewinnt man das Auftaktspiel des Bundesligawochenendes auch noch, darf man sich erfreuen, wie die Konkurrenz Federn lässt, bekommt das Dauergrinsen nicht mehr los und hat ein ganzes Wochenende lang Zeit, sich von den Strapazen der Siegesnacht zu erholen.

Soweit die Theorie und die Glücksmomente, die ein Fan-Leben für einen bereit hält, wenn es denn läuft. Die Praxis sieht derzeit, bei mir zumindest, anders aus. Am liebsten würde ich an Spieltagen in Cannstatt sitzen bleiben, gehe aber dennoch, jedoch mit einer negativen Grundstimmung, „runter“.

Zu unterirdisch bislang die Vorstellungen, angefangen mit Rostock, zu dilettantisch die Fehler, die regelmäßig zu Toren führen, zu bemitleidenswert mit anzusehen, wie aussichtslos das Unterfangen ist, einem Rückstand hinterherzurennen. Immer wenn man dann denkt, schlimmer geht’s nimmer, setzt es den nächsten Tiefpunkt.

Wie schon beim 0:4 gegen Dortmund bin ich auch gegen die Frankfurter Eintracht in der Halbzeit gegangen, weil die Gefühlslage schwer in Richtung „verarschen kann ich mich auch selbst“ ging.
Dann doch lieber den Cannstatter Gastwirten Gutes tun, als sich das Herumgestümpere auf dem Rasen anzutun, schließlich fehlen die Lichtblicke, die Hoffnung auf eine Aufholjagd machen würden.

Es tut weh, unheimlich weh, den VfB von einem Debakel zum nächsten zu begleiten und keinerlei Ansatzpunkte zu finden, die Hoffnung auf zeitnahe Besserung machen würden. Im Grunde bin ich keiner, der das Geschehen vorzeitig verlässt. Schon die Chronistenpflicht als Fanfotograf und die Spannung, wie der Empfang der „Mannschaft“ in der Kurve nach dem Spiel denn ausfallen würde, sind Motivation genug, bis zum Schluss auszuharren und noch ein paar Bilder zu machen.

Gegen Dortmund war ich unheimlich sauer, weil man Weinzierl in seinem ersten Spiel derart im Regen stehen ließ, man zum propagierten Neuanfang schlafmützig ins Spiel ging und Konzentration schon in der dritten Minute nicht vorhanden war. Das schreibe ich dem elendigen Charakter dieser Truppe zu, zumal die Gegentore zwei und drei ja auch nicht lang auf sich warten ließen.

Gegen Frankfurt fielen die beiden Gegentore direkt vor meiner Nase, so dass ich den Dilettantismus und das nicht vorhandene Abwehrvorhalten aus nächster Nähe bewundern durfte. Mir fiel dazu wirklich nichts mehr ein, das hatte mit Bundesliga nichts zu tun.

Was mir das Bleiben zuletzt besonders erschwerte, war, außer den grottenschlechten Darbietungen auf dem grünen Rasen, dass sich in meinem Bereich auf der Haupttribüne Richtung Untertürkheimer Kurve etliche Gästefans mit Tickets eindecken und bei solchen Spielverläufen für mich nur schwer ertragbare Partys feiern.

DIE Fankneipe für DIE Fans, den A-Block, hat man ja sinnigerweise in der Kurve untergebracht, zu der man mit Tickets von außerhalb der Cannstatter Kurve während der Spiele keinen Zugang hat. Das wäre sonst eine Alternative, mit Gleichgesinnten bei einem schnellen Bier das Geschehen verarbeiten zu können im Stadion zu bleiben.

Ich aber sitze, hauptsächlich wegen der Bilder, relativ „allein“ auf der anderen Seite und höre den Gästeblock meist lauter als die Cannstatter Kurve. So bin ich regelmäßig mittendrin im „Karneval in Stuttgart“, nach dem es mir so überhaupt nicht ist.

Feiern dann noch Gästefans in „meinem“ Block und posaunen ihre Freude zu impulsiv raus, provozieren oder versperren einem die Sicht bei „Steht auf, wenn ihr… seid“, gehe ich lieber, bevor ich einen Kropf bekomme oder zu pöbeln beginne.

Der Stachel sitzt also derzeit so tief, dass ich lieber das Stadion verlasse, als mir Demütigung um Demütigung live anzutun. Als Fan kann man sich nur verarscht fühlen, einmal mehr null Schüsse aufs Tor von Kevin Trapp (der hätte mit mir ein Bier trinken gehen können…) unterstreichen die hoffnungslose Unterlegenheit unseres Teams. Es ist auch bei weitem nicht so, dass man beim vorzeitigen Verlassen des Stadions Gefahr laufen würde, eine sensationelle Aufholjagd zu verpassen.

Nein, der Gegner richtet sich irgendwann ein und ist mit dem Ergebnis zufrieden, der VfB ist zufrieden, wenn der Gegner endlich Ruhe gibt und das Debakel im Rahmen bleibt, so dass man sich ein solch ungleiches Duell auch sparen kann. Zur Gewohnheit soll das bitte nicht werden. Ich erwarte schließlich auch keine Siegesserie, was ich jedoch erwarte, ist ein Team, das sich für den Brustring zerreißt und sich zusammenreißt. Diesen Eindruck hat man nicht. Reschke räumte nach diesem Spiel erstmals öffentlich ein, dass sowohl die Fitness fehlt, als auch, dass es Probleme mit dem Mannschaftsgeist gebe, auf gut deutsch, sie sind sich spinnefeind und weit davon entfernt, als Team aufzutreten.

Von der ersten Minute an war am Freitag zu sehen, dass unser Team sowohl körperlich als auch fußballerisch hoffnungslos unterlegen war. Wenn dann noch die Einstellung fehlt und sich gestandene Ex-Nationalspieler wie Holger Badstuber abkochen lassen, wie ein Breitensportler am Sonntag nach durchzechter Nacht, dann gute Nacht. Ich fühlte mich extrem verarscht und war fassungslos, dass das aberkannte Tor nicht Warnschuss genug war, sich endlich zusammenzureißen und den Frankfurtern das Leben schwerer zu machen.

Dass außer Badstuber auch die anderen erfahrenen Spieler wie Mario Gomez das Tor nicht treffen oder Ron-Robert Zieler zum wiederholten Male vor die Füße eines Gegenspielers abklatscht, runden den desolaten Zustand dieser Truppe ab. Vom sogenannten Kapitän möchte ich schon überhaupt nicht mehr sprechen, dem fehlt für mich schon lang die Daseinsberechtigung in einer Bundesligamannschaft.

Die Frage, die sich anhand dieser desaströsen Darbietungen stellt, ist, nachdem es den erhofften Trainereffekt nicht gegeben hat, ob Korkut die Truppe tatsächlich so kaputt trainiert hat, wie sie sich präsentiert und folglich in der Rückrunde der letzten Saison nur von Wolfs Grundlagenarbeit profitierte. Die Einheiten in Grassau jedenfalls waren ein Witz und nicht bundesligalike. Kaum ein Training dauerte länger als 45 Minuten. Da man als Unbeteiligter nicht mitbekommt, wie im Hotel, bei Waldläufen oder auf dem Fahrrad geschwitzt wird, maß ich dem allein noch nicht die ganz große Bedeutung zu, war es doch schließlich auch extrem heiß.

Erst jetzt, wo offenkundig wird, dass die Fitness komplett fehlt, man von der ersten Minute an dem Geschehen hinterherläuft und nach einem Rückstand nicht mehr zulegen kann, wird aus diesen Beobachtungen ein Schuh. Fehlt die körperliche Frische, macht sich das auch mental bemerkbar, nur so lassen sich die sich wiederholenden stümperhaften Aussetzer im Ansatz erklären.

Gentner bestritt nach dem Spiel zwar, dass es ein „gravierendes Fitnessproblem“ gäbe, doch, was könnten die sonstigen Gründe für die derzeit nicht vorhandene Konkurrenzfähigkeit sein?

Hätten wir nicht erst den Trainer gewechselt, könnte man meinen, das Team spiele gegen den Trainer. Oder spielen sie etwa gegen Reschke? Kommt er beim Team ähnlich unsympathisch rüber wie bei den meisten Fans. Stößt es dem Team etwa sauer auf, dass Reschke dem Trainer gerne „Ratschläge“ gibt und somit in dessen Kompetenzbereich eingreift?

Was ist dran an Jürgen Klinsmann, dessen Name seit ein paar Tagen über dem Wasen schwebt? Ist es Zufall, dass Buchwald gerade jetzt gegen Reschke wettert, wo sein Kumpel Jürgen Klinsmann in Planung sein soll, seine Zelte in Kalifornien abzubrechen?

Die Lichtgestalt Klinsmann hätte auch für mich einen gewissen Charme, keine Frage. Nur, welches Amt sollte er denn bekleiden? Trainer? Bitte keine erneute Diskussion. Bei diesem Sauhaufen, den Weinzierl vorgefunden hat, lässt sich dessen Arbeit erst nach der Winterpause bewerten, wenn er eine Vorbereitung absolviert hat und bei Kaderveränderungen mitreden durfte. Wie jeder Trainer, der mitten in der Saison übernimmt, muss er in erster Linie die Missstände verwalten. Zudem sind ihm die Hände gebunden, weil der Kader zu dünn besetzt und sehr verletzungsgeplagt ist.

Klinsmann als Sportdirektor? Jein! Ja, weil dieser unerträgliche Reschke von der Bildfläche verschwinden würde, nein, weil wir nach Heldt, Bobic, Dutt und Reschke wieder jemanden auf den elementar wichtigen Posten hieven würden, der ein solches Amt noch nie bekleidet hat. Wir verstehen uns zwar als Ausbildungsverein, aber doch bitte nicht auf den Führungspositionen!

Bliebe noch Klinsmann für Dietrich. Auch das würde ich sofort unterschreiben, weil Klinsmann ein Sympathieträger wäre, der den VfB nach außen gut repräsentieren würde. Die Außendarstellung derzeit ist katastrophal, schon alleine deshalb würde Klinsmann dem VfB gut tun. Zudem hat Klinsmann das Zeug zum Reformer und könnte dem VfB wieder eine Identität verschaffen, die uns derzeit abgeht. Dass es jedoch soweit kommt, ist schon deshalb utopisch, weil Dietrich den Sonnyboy wohl hauptsächlich gerne auf den Wasen locken würde, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen und weiter wie bisher machen zu können.

Daher glaube ich weder, dass Dietrich seinen Posten freiwillig vor Ende seiner Amtszeit räumen wird und auch nicht, dass er Reschke entlassen und sich damit die Blöße geben würde, eingestehen zu müssen, dass Reschke, für den Schindelmeiser weg musste, ein riesiger Fehler war.

Denkbar wäre es, dass Dietrich Klinsmann als Sportdirektor installiert und Reschke ins zweite Glied als Kaderplaner zurückversetzt werden würde. Dann aber, ich habe es angesprochen, hätten wir erneut einen Sportdirektor ohne Erfahrung und einen schlauen Herrn Reschke im Hintergrund, der nicht nur den Trainer sondern auch Klinsmann mit schlauen Ratschlägen beglücken würde.

Für mich ist jede dieser Konstellationen problembehaftet und ich glaube auch nicht, dass sich Klinsmann darauf einlassen würde. Er wird einen Machtanspruch mitbringen und gestalten anstatt sich ein- bzw. unterordnen zu wollen. Ihm dürften die Türen in Fußball-Deutschland ohnehin offen stehen, so dass ich denke, dass seine Verbundenheit zum VfB allein nicht ausreichen dürfte, ihn zurück an den Neckar zu lotsen.

Matthias Sammer, Eurosport-Experte beim Spiel gegen die Eintracht, war (wie wir alle) entsetzt von dem, was er zu sehen bekam. Er meinte unter anderem:

“Die meisten – nicht alle – haben nicht die notwendige körperliche Verfassung. Wenn das reguläre Training nicht reicht, muss ich als erfahrener Profi abends meine Turnschuhe anziehen und mir die Füße wund laufen. Wenn du das Selbstvertrauen nicht hast, dann arbeiten Spieler wie Franck Ribéry, Arjen Robben, Rafinha – die arbeiten [wenn sie körperlichen Rückstand haben,] als gäbe es kein morgen. Wenn die körperliche Verfassung nicht stimmt, wird nie, nie etwas funktionieren.”

Dass Sammer das nicht nur so hingesagt hat, sondern als aktiver Profi selbst mit gutem Beispiel voranging, belegt eine Anekdote aus seiner Stuttgarter Zeit. Er wohnte damals nur wenige Meter von meinen Eltern in Remseck-Aldingen entfernt und war oft am Neckar zwischen Hofen und Aldingen beim Joggen anzutreffen. Als er dieser Freizeitbeschäftigung eines Tages auch in Neckarrems nachging und sah, dass auf dem Sportplatz Fußball gespielt wurde, fragte er höflich, ob er mitspielen dürfe. Dann verstärkte er die ortsansässige A-Jugend in einem Kick gegen die AH, der mein Vater angehörte und hatte großen Spaß dabei.

Ob es diesen Ansporn und diese Lust sich zu bewegen beim Großteil der heutigen Generation noch gibt, wage ich zu bezweifeln. In der jetzigen Situation wäre es für jeden Einzelnen angebracht, mehr als das Nötigste zu tun, um ein Level zu erreichen, mit dem man in der Bundesliga wieder konkurrenzfähig ist. Diese Konkurrenzfähigkeit sehe ich nicht, im Gegenteil, ich bin überzeugt davon, dass das Pokal-Aus in Rostock kein Zufall war und wir auch heute noch gegen jede Drittligamannschaft den Kürzeren ziehen würden, weil es einfach an allem fehlt.

Unseren Nationalspielern wäre es anzuraten, auf ihre Berufung zu verzichten und stattdessen die 13 Tage zwischen Nürnberg und Leverkusen zu nutzen, für den Verein, der sie fürstlich bezahlt, 24 Stunden am Tag da zu sein und Defizite aufzuarbeiten.

In dieser Verfassung sehe ich selbst für Nürnberg schwarz, und erst recht für die darauf folgenden Begegnungen. Wenn es „normal“ läuft und Weinzierl nicht das Unmögliche schafft, im laufenden Spielbetrieb das Team fit zu bekommen, könnten diese fünf Punkte unsere Marke zur Winterpause sein, was fast schon gleichbedeutend mit dem Abstieg wäre. Dieser wäre hausgemacht und wir stünden vor dem nächsten Neubeginn. Da die Ausgliederungsmillionen größtenteils in alternde Ex-Größen ohne Wiederverkaufswert investiert und somit verbrannt wurden und wohl jeder, der ein paar Euro einbringt, verkauft werden würde, mag ich mir heute die Situation im Sommer noch überhaupt nicht ausmalen.

Ein Jammer, wie man durch Lügen, Intrigen und falsche Personalentscheidungen nach dem Aufstieg so schnell so tief fallen konnte und dass es im Verein noch immer kein Regulativ gibt, welches Fehlentwicklungen schon im Ansatz anspricht und nicht hinterher erst auf schlau macht, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

Trotz meines Pessimismus bin ich auf Nürnberg gespannt. Bis zum Frankfurt-Spiel war ich noch der Auffassung, dass es unser Glück sei, dass es Vereine wie Nürnberg und Düsseldorf gibt, die man auf jeden Fall hinter sich lassen könne.

Dieser Meinung bin ich nach dem Debakel gegen zugegebenermaßen sehr starke Frankfurter nicht mehr. Ich hoffe, das Team straft mich Lügen und dass wir doch etwas Zählbares aus dem Frankenland mitbringen, allein, mir fehlt der Glaube.

Ich kann Fußball schauen, was ich will, ich sehe derzeit keinen uninspirierteren, langsameren und mit mehr Anfängerfehlern gespickten Fußball wie den vom VfB, so dass ich mir die Wende zwar wünsche, jedoch nicht mehr (so früh) an sie glaube.

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19. Oktober 2018

In der Endlosschleife

Getreu dem Motto „neue Besen kehren gut“ wechselte der VfB letzte Woche mal wieder den Trainer. Rechnet man die 2-Tage-Interims-Lösung Andy Hinkel hinzu, wird Markus Weinzierl mein 45. (!) Trainer, seit ich im Herbst 1974 erstmals bei einem VfB-Spiel live dabei gewesen bin. Zwischen dem 09.11.1974 und dem 09.10.2018 liegen exakt 16.041 Tage, was eine durchschnittliche Verweildauer eines VfB-Trainers von 356 Tagen ergibt.

Gab es früher noch so etwas wie Kontinuität auf der Manager- und Präsidentenebene, die an „ihren“ Trainern etwas länger festhielten, haben wir in den letzten Jahren auch auf diesen Posten eine enorme Fluktuation.

Ob es daran liegt, dass sich jeder Sportdirektor und jeder Präsident am liebsten seinen Mann holt und alles was im Verein gut und teuer war über den Haufen wirft, oder ob es doch die Generation Gentner ist, die die Trainer schneller schafft als sie gucken können, lässt sich schwer sagen.

Fakt ist, dass Weinzierl Gentners zehnter (!) Trainer ist, den er in jenen fünf Jahren, in denen er die Kapitänsbinde trägt, erlebt. Ein weiterer Unterschied zu früher ist, dass keine echten Kerle mehr in der Mannschaft sind, die Probleme auch mal von innen lösen.

Früher gab es, wenn es die sportliche Situation erforderte, Mannschaftsabende ohne Trainer und Offizielle, bei denen sich der Frust von der Seele gesoffen wurde und Probleme offen angesprochen wurden. Bei der heutigen Warmduscher-Generation undenkbar, dass da einmal einer die Initiative ergreift, wo es doch so viel einfacher und bequemer ist, Dienst nach Vorschrift zu machen. Da verkriecht man sich dann lieber vor seine Playstation oder in den Schmollwinkel und ist sich bewusst, dass sich dieses Problem schon irgendwie von selbst löst. Was kann einem Profi auch schon passieren, sein Geld bekommt er sowieso, ob er Egomane ist oder sich einbringt, ob er sich täglich den Allerwertesten aufreißt oder lustlos über den Trainingsplatz schleicht, ob er wie ein Profi lebt oder ständig um die Häuser zieht.

Das Einzige, was passieren kann, ist, dass man eine Weile außen vor ist, womit sich die Vereine jedoch dann ins eigene Fleisch schneiden. Zum einen fehlt unter Umständen ein Leistungsträger, der auf dem Platz eine wichtige Rolle hätte einnehmen sollen, zum anderen verliert der Spieler an Marktwert und verlässt, zur Belohnung für sein schäbiges Verhalten, ablösefrei den Verein, um sich vom nächsten mit reichlich Handgeld überschütten lassen zu dürfen.

Daher kann und wird es sich kaum ein Verein leisten, Stinkstiefel, rigoros auszusortieren und wechselt im Zweifel lieber den Trainer. Vielleicht schafft es ja dann der Neue, die Laune wieder anzuheben und jene Prozent herauszukitzeln, die einige Spieler dem Vorgänger verweigerten.

Eine traurige Entwicklung, aber, so lang die Vereine keine Handhabe gegen Leistungsverweigerung und mangelnde Identifikation mit dem Verein haben, so lang man die Transferrechte verliert, wenn man einen Spieler vor die Tür setzt, so lang braucht man über die kurze Dauer von Trainerengagements nicht zu lamentieren.

Da brauchen jetzt auch keine Trainerkollegen Korkuts von oben herab dessen Entlassung und die mangelnde Geduld des VfB kritisieren, schon gar nicht einer wie Dieter Hecking, der seinerzeit den Club wegen höherer Verdienstmöglichkeiten bei Wolfsburg mitten in der Saison und Hals über Kopf verließ. Auch unter Trainern ist das Söldnertum verbreitet, nur eben nicht ganz so ausgeprägt wie bei den Herren Profis.
Wenn ein Physiotherapeut wie Gerhard Wörn in der Bild-Zeitung zitiert wird, dass er nach Trainerwechseln stets am meisten zu tun habe, weil alle engagiert zur Sache gehen würden, ist das ein Armutszeugnis für Fußball-Profis, die dem Verein und uns Fans verpflichtet sein sollten. Zwischen den Zeilen heißt das doch, dass sie es so lang schleifen lassen, bis sie erlöst werden, was nur als vereinsschädigend bezeichnet werden kann.

Mich kotzt diese Generation von Arbeitsverweigerern mehr und mehr an, einfach weil das Wohl und Leid der Vereine in ihre Hände gelegt wird und man als Fan machtlos ist und nur auf das Gute im Profi hoffen kann. Es gibt sie zwar immer noch, die Musterprofis, die dazu noch bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, doch scheinen sie mehr und mehr zu einer aussterbenden Spezies zu gehören.

Das Lamentieren über den Ist-Zustand des Profifußballs hat jedoch nichts mit der Korkut-Entlassung zu tun. Ich bin nicht derart an Korkut gehangen, als dass ich ihm eine Träne nachweinen würde. Er hat meinen Respekt für die geile Rückrunde, mehr aber auch nicht. Wie unbelehrbar er sich zuletzt gegeben hat, wie langweilig seine Pressekonferenzen war, welch grottenschlechten Fußball unter ihm gespielt wurde wird wohl von seiner Amtszeit hängenbleiben.

Was in der Mannschaft zwischen dem furiosen Saisonfinale in München und der Pokalpleite in Rostock vorgefallen ist, weshalb das Team in der bisherigen Saison alles vermissen ließ, was ein paar Monate vorher noch grandios gemacht wurde, lässt sich von außen schwer beurteilen. Fakt ist, dass auch damals die Auftritte meist unansehnlich waren, aber mit höchster Konzentration als Team agiert wurde und man das Quäntchen Glück auf seiner Seite hatte.

Obwohl Korkut größtenteils auf die Spieler der erfolgreichen Vorrunde setzte, musste der eine oder andere wegen der Neuzugänge um seinen Platz bangen. Ist es das, dass sich die Etablierten wieder einmal dem Konkurrenzkampf zu verschließen versuchten und es den Neuen so schwer wie nur möglich machten? Ist es, wie es „Zimbo“ Zimmermann kürzlich meinte, dass man zwar Qualität hinzu geholt, jedoch Mentalität abgegeben hätte?

Jedenfalls stehen wir nun, nur achteinhalb Monate nach der Wolf-Entlassung, erneut vor einem Scherbenhaufen und einem neuerlichen Neuanfang.
Die Ausgliederungsbefürworter, die sich von der damals exzellenten Aufstiegsstimmung leiten ließen und großes Vertrauen in Schindelmeiser/ Wolf setzten, dürften sich inzwischen vor den Kopf gestoßen fühlen, hat sich doch seither, wie von den Kritikern befürchtet, rein gar nichts geändert.

Meine Hoffnung auf etwas mehr Kontinuität und Ruhe im Verein wurde mit der Schindelmeiser-Entlassung begraben. Nach Schindelmeisers Entlassung war es auch um Hannes Wolf geschehen. Ab diesem Zeitpunkt war es nur noch eine Frage der Zeit, wann er die Nase voll haben und den Bettel hinschmeißen würde.

Die beiden waren die Gesichter des Aufstiegs und hätten Gesichter einer neuen Epoche sein können. Dass Korkut und Reschke dann der totale Gegenentwurf zu diesen Menschenfängern sind, zeugt nicht von Überzeugung und schon gar nicht von einer Strategie. Es wird in den Tag hinein gelebt, man reagiert und agiert nicht. Es ist nicht förderlich, stets während der Saison den Trainer zu wechseln, wenn man nehmen muss, was man kriegt und die Auswahl reichlich begrenzt ist. Den sauberen Schnitt im Sommer hat man wieder einmal versäumt.

Auch wenn Wolfgang Dietrich kürzlich bei Sport im Dritten die Trennung von Jan Schindelmeiser erneut verteidigte und als alternativlos beschrieb, ist mir diese noch immer nicht plausibel. Dies von oben herab zu bedeuten und jegliche Kritik daran wegwischen zu wollen, zeugt für mich von wenig Stil. Gerade weil Schindelmeiser DAS Gesicht der Ausgliederungs-Werbeveranstaltungen war, man immer wieder betonte, wie gut man doch jetzt personell aufgestellt sei und welcher Plan dahinter steckte, wirft die Entlassung, die zum damaligen Zeitpunkt vermutlich schon festgestanden hat, auf Dietrich ein schlechtes Licht. Dass die Entscheidung in Aufsichtsrat und Vorstand einstimmig ausgefallen sein soll, ändert für mich nichts an dem faden Beigeschmack daran.

Als Vereinsmitglied habe ich großes Interesse daran, den wahren Grund für seine Demission zu erfahren, einfach um ihn besser zu verstehen und nicht weiter darauf herumreiten zu müssen.

Was ich immer nur heraushöre war, dass Schindelmeiser lieber im stillen Kämmerlein gearbeitet habe und seine Vorstandskollegen nicht über jeden Zwischenstand seiner Vorhaben informiert habe.
Das allein fände ich überhaupt nicht verwerflich, weiß man doch, wie viele „Maulwürfe“ sich immer mal wieder auf dem Vereinsgelände tummelten, die ein schlechtes Bild nach außen abgaben und zudem anstehende Deals gefährdeten.

Dass man mit seiner Kaderplanung für die Bundesliga nicht einverstanden gewesen sei, scheint eher zweitrangig gewesen zu sein, sollen die Risse doch schon lang vorher bestanden haben. Zudem war es ja noch mitten in der Transferperiode, so dass keiner weiß, wie Schindelmeisers Kader am 31.08. ausgesehen hätte.

Bei außergewöhnlichen Rechtsgeschäften wird auch ein Jan Schindelmeiser gezwungen gewesen sein, sich das OK seiner Kollegen im Vorstand einzuholen, so dass ich einfach nicht verstehe, was genau das Problem war.

Sollten gravierendere Gründe vorgelegen haben, die eine Trennung (zu diesem ungünstigen Zeitpunkt) unausweichlich gemacht haben, müssen diese meiner Meinung nach auf den Tisch, um ein Stück Glaubwürdigkeit zurück erlangen zu können.

Wie weit es die Herren im sowieso verlogenen Bundesligageschäft mit der Wahrheit halten, führte uns Schindelmeiser-Nachfolger Reschke in der letzten Woche schonungslos vor Augen.

Als Notlüge war es für Reschke legitim, nach dem Hannover-Spiel eine Korkut-Entlassung ins Reich der Fabel zu verweisen, um ihm am nächsten Morgen den Arschtritt zu verpassen.

Jener Reschke, der direkt nach seinem Amtsantritt die Fan- und Mitglieder-Schar, die nach der Abkehr vom Jugendstil, vorsichtig ausgedrückt, irritiert war, als „ahnungslose Vollidioten“ betitelte, dachte sich wohl dabei, diesen Vollidioten alles erzählen zu können und dass sie, da sie ja Vollidioten sind, auch nichts hinterfragen würden. Als Kind wurde mir eingetrichtert, „wer einmal lügt, dem glaubt man nicht“, wer weiß, vielleicht ging ja dieser Kelch an Reschke vorüber. Da passt es ins Bild, dass Zorc dieser Tage Reschke widersprach (oder auch der Lüge bezichtigte), als dieser behauptete 12 Millionen Euro für Bruun-Larsen geboten zu haben.

Es ist bei weitem nicht so, dass ich die Korkut-Entlassung an sich kritisiere, im Gegenteil, für mich kam sie viel zu spät. Dass man Korkut direkt nach der so erfolgreichen Rückrunde, trotz berechtigter Zweifel, ob er in der Lage sein würde, mehr zu sein als ein Feuerwehrmann, nicht direkt den Laufpass gab, dafür habe ich ja noch Verständnis.

Weshalb man aber ohne Not den ohnehin für die laufende Saison gültigen Vertrag frühzeitig verlängerte, versteht wohl kein Mensch. Bei allem Respekt für Tayfun Korkut, er ist beileibe kein Trainer, bei dem man Angst haben musste, dass er von einem anderen Verein abgeworben wird. Man hätte die Entwicklung abwarten und sich im Winter zusammensetzen müssen, ob eine weitere Zusammenarbeit Sinn macht.

Inwieweit Korkut bei der Kaderzusammenstellung mitwirken durfte, erschließt sich mir auch nicht. Offensichtlich konnte Korkut mit dem an Qualität verbesserten Kader wenig bis überhaupt nichts anfangen und schaffte es nicht, ein gutes Arbeitsklima zu schaffen. Schnell traten Grüppchen zutage, hier die Alten, dort die Jungen. Die Mischung, die Korkut aufs Feld schickte, stimmte nie. War das Setzen auf Stabilität mit möglichst wenig Rotation in der Rückrunde noch ein probates Mittel, war es nun Gift, um alle bei Laune zu halten.

Zudem übertrieb es Korkut mit den Defensivspielern bei seinen Aufstellungen wie zum Schluss auch Hannes Wolf, so dass es früh klar wurde, dass die Ära Korkut nicht von langer Haltbarkeit geprägt sein würde.

Spätestens nach dem Bayern-Spiel hätte Korkut entlassen gehört. Zuvor wurde immerhin schon beim Drittligisten Hansa Rostock und bei Mainz 05 verloren.

Dann kamen die Bayern, gegen die man oft mit der Ansetzung haderte, wenn wir sie zu einem Zeitpunkt bekamen, in denen sie voll im Saft standen. Erfahrungsgemäß haben die Bayern in Saisons nach einer Weltmeisterschaft Motivations- und Startprobleme, erstrecht, wenn die Spieler nach einer derart verkorksten WM zurückkehren und einigen erst so richtig bewusst wird, dass es wohl die allerletzte Chance war, noch einmal Weltmeister zu werden.

Selbstredend wäre es auch unter diesen Umständen eine Überraschung gewesen, gegen sie zu punkten, obwohl sich die Bayern im Pokal beim Underdog aus Drochtersen nur mit dem knappsten aller Resultate durchsetzten und beim Auftaktsieg gegen Hoffenheim auf Schiedsrichter-Hilfe angewiesen waren, also auch bei ihnen bei weitem noch nicht alles rund lief.

Unverwundbar wären sie also nicht gewesen, umso unverständlicher, dass Korkut eine Hasenfuß-Taktik ausgab und es schon gar nicht versuchte, den Bayern weh zu tun.

Dabei hätte das 1:4 zum Saisonfinale doch Mut machen müssen. Wie leicht die hoch verteidigende und in die Jahre gekommene Bayern-Verteidigung zu überspielen ist, führten wir ja nicht exklusiv vor. Nach dem selben Strickmuster schnappte sich die Frankfurter Eintracht den Pokalsieg und rannte die deutsche Nationalelf bei der WM in Russland ins Verderben.

Wenn man aber gerade einmal zwei Offensivkräfte aufbietet und den normalerweise verschmähten Anastasios Donis ohne Unterstützung systematisch verheizt, disqualifiziert man sich selbst. Null Eckbälle, null Torschüsse vom VfB, wohl selten in der Bundesligahistorie fuhren die Bayern einen ungefährdeteren Sieg ein als jenen vom ersten September.

Eine Entlassung schon zu diesem Zeitpunkt (optimal, da ebenfalls vor einer Länderspielpause) hätte den Start des neuen Trainers erleichtert, standen damals die Spiele in Freiburg, gegen Düsseldorf und in Hannover noch bevor, aus denen mehr als mickrige zwei Pünktchen hätten herausspringen müssen.

So startet Weinzierl mit dem Rucksack, gleich gegen Tabellenführer Borussia Dortmund und beim Championsleague-Teilnehmer Hoffenheim beginnen zu müssen, was die Gefahr eines Fehlstarts und des Verpuffens der Aufbruchsstimmung in sich birgt.

Mit Markus Weinzierl als neuem Trainer kann ich gut leben (o. k., mir bleibt auch nichts anderes übrig). Meine Lieblings-Lösung hätte zwar Ralph Hasenhüttl geheißen, doch war dieser von Anfang an ziemlich unrealistisch. Er wird nach seiner Zeit bei Redbull auf den nächsten finanzstarken Verein warten und sich nicht darauf einlassen, beim VfB kleinere Brötchen backen zu müssen und den Schritt zurück zu gehen.

Gerechnet hatte ich mit Roger Schmidt, da sich Reschke ja gerne Personalien von Leverkusen aufschwatzen lässt. Dieser war wohl nicht von heute auf morgen aus China loszueisen (oder wollte nicht auf Gehalt verzichten), so dass es eben Markus Weinzierl geworden ist.

Weinzierl war vor seinem Engagement auf Schalke einer der am heißesten gehandelten Namen auf dem Trainermarkt, weil er sowohl in Regensburg als auch in Augsburg Beachtliches geleistet und den FCA gar in die Europa League geführt hatte.

Bei beiden Vereinen waren allerdings die Erwartungen nicht sonderlich groß und ein ruhiges Arbeiten in einem unaufgeregten Umfeld möglich. Selbst als der FC Augsburg vor sechs Jahren zur Winterpause mit neun Punkten da stand, hielt man am Trainer fest, was sich letzten Endes als richtig erwies, jedoch völlig untypisch ist im so hektisch gewordenen Bundesliga-Geschäft.

Schalke war da schon eine andere Hausnummer. Weinzierl scheiterte dort und musste bereits nach einem Jahr Platz für Ex-VfB-Jugendtrainer Domenico Tedesco machen.

Auf Schalke soll er nicht gerade der Lieblings-Trainer von Dennis Aogo und Holger Badstuber gewesen sein, schauen wir mal, ob sie sich beim VfB zusammenraufen. Eric Thommy kennt Weinzierl noch aus Augsburg und Christian Gentner über deren gemeinsamen Berater. Zweifel, dass diese Konstellation Interessenskonflikte hervorrufen könnte, versuchte Weinzierl schon bei seinem Amtsantritt zu zerstreuen.
Ich bin da skeptisch und nach wie vor der Auffassung, dass ein Sven Ulreich nur deshalb so lang (bzw. überhaupt) im VfB-Tor gestanden hat und Christian Gentner diese (Führungs-)Rolle beim VfB nur deshalb einnehmen konnte, weil seinerzeit Fredi Bobic das Sagen hatte und dessen bester Freund und Geschäftspartner Jürgen Schwab war.

Ich hoffe, dass unter Weinzierl endlich das Leistungsprinzip einkehren wird und er die Spieler nach ihrem derzeitigen Leistungsstand und nicht wegen vermeintlicher früherer Verdienste um den Verein aufstellen wird.

Der Verdacht liegt nahe, dass es einmal mehr die Alten waren, die Korkut die Gefolgschaft verweigerten.

Die Clique um Beck, Aogo und Gentner soll es gewesen sein, die Hannes Wolf stürzte, dieselben waren sich ihres Platzes unter Korkut nun wohl auch nicht mehr so sicher oder rebellierten, siehe Gentner in Rostock, wenn sie einmal auf der Bank Platz nehmen mussten. Korkut ging dann den Weg des vermeintlich geringsten Widerstands, indem er eine überalterte Truppe auf den Platz schickte, anstatt sich mit ihnen wegen eventueller Nichtberücksichtigung auseinandersetzen zu müssen. Erst ab dem Spiel in Leipzig, als die Dinge bereits ihren Lauf nahmen, verjüngte er die Startelf und brachte in Maffeo, Borna Sosa und Thommy drei unverbrauchte Kräfte, was allerdings auch der englischen Woche geschuldet gewesen sein könnte.

Die Aufstellung für das Spiel in Hannover schließlich war dann, analog zu Wolfs letzter, nicht anders zu verstehen, als die Bitte um seinen Rausschmiss.

Wie man derart destruktiv eingestellt in ein Spiel beim Tabellenletzten, versehen mit der schwächsten Offensive der Liga, gehen kann, ist mir auch heute noch ein Rätsel.

Durch den Trainerwechsel fallen die Alibis der Spieler weg, wir kennen das ja. Schon im Frühjahr warteten Spieler wie Aogo und Gentner plötzlich mit Leistungen auf, die, wenn sie sie schon vorher gebracht hätten, Hannes Wolf wohl nicht zur Aufgabe bewogen hätten.

Daher ist auch jetzt wieder zu befürchten, dass sie sich am Riemen reißen und fein raus sind, wenn sie die so leicht zu verstehenden und väterlich vorgetragenen Ansprachen Weinzierls in den Himmel loben.
Es ist zu wünschen, dass sich Weinzierl nicht verbiegen lässt und den längst fälligen Umbruch endlich einleitet und vor allem einleiten darf. Zorniger und Wolf, die die alten Hierarchien in Frage stellten und das Team runderneuern wollten, wurden von der Mannschaft kläglich im Stich gelassen und erfuhren schließlich auch keine Unterstützung „von oben“.

Ein Gentner wirkt schon die komplette Saison lang körperlich nicht fit und sollte nicht länger auf dem Flügel „geparkt“ werden, nur weil die Zentrale durch aggressivere und handlungsschnellere Spieler besetzt ist. Auf dem Flügel, ich kann es mir nicht anders erklären, wird er nur deshalb eingesetzt, weil ein Gentner eben immer spielen muss, für mich spielen wir so de facto mit einem Mann weniger.

Holger Badstuber tut mir Leid, weil er nach zwei haarsträubenden Fehlern lange außen vor war und seitdem nur noch verunsichert wirkt. Er geht offensiv an die Probleme heran und stellt sich auf seiner Facebook-Seite der Kritik.

Schade, dass diese vor allem von VfB-Fans meist beleidigend ausfällt und ihm noch immer vorgeworfen wird, dass er gerne zu einem Verein gewechselt wäre, der Championsleague spielt. Mir ist ein ehrgeiziger Spieler allemal lieber als ein Kapitän Gentner, der nach Mainz fährt und ausspricht, dort müsse man nicht unbedingt gewinnen. Das ist genau die Mentalität des Mit-zu-wenig-Zufriedenseins, die die Ära Gentner prägte.

Zudem sei noch einmal gesagt, dass Badstuber und der VfB letzte Saison nur einen Einjahresvertrag abgeschlossen hatten und es somit beiderseits legitim war, sich nach Alternativen umzuschauen. Jetzt, nachdem sich Badstuber ganz klar für den VfB entschieden und einen Dreijahresvertrag unterzeichnet hat, gab er ein klares Bekenntnis zum VfB ab und dürfte einen Teufel tun, sich gleich wieder vom Acker zu machen, selbst dann, sollte ein besseres Angebot ins Haus flattern.

Wenn er jedoch weiterhin permanent beleidigt und niedergemacht wird, braucht sich keiner zu wundern, sollte er doch um die Freigabe bitten. Bezeichnend auf den sozialen Netzwerken ist, dass es hauptsächlich Bayern-Fans sind, die ihn aufmuntern und ihm nachtrauern. Schon allein die Tatsache, dass man sich bei den erfolgsverwöhnten Bayern nach einem wie ihm sehnt, sollte verdeutlichen, zu was Badstuber fähig ist, wenn er in Topform ist.

Aogo (weshalb eigentlich wurde Mangala abgegeben?) und Beck rechtfertigten ihre Einsätze in dieser Saison noch überhaupt nicht, Castro scheint noch seine Rolle zu suchen und noch nicht richtig angekommen zu sein.

Castro wird den Anspruch an sich selbst haben, Führungsspieler sein und beim VfB eine tragende Rolle übernehmen zu wollen. Ohne wirklich Ahnung vom Innenleben der Truppe zu haben, kann ich es mir auch hier wieder vorstellen, dass es Kräfte im Team gibt, die das zu verhindern versuchen, weil sie um ihren eigenen Status fürchten. Solche Grabenkämpfe müssen Sportdirektor und Trainer vehement bekämpfen und mit aller Härte dazwischen grätschen, da sie äußerst vereinsschädigend und für mich zudem die Wurzel allen Übels der letzten Jahre sind. Von Castro verspreche ich mir mehr, als das was er bislang zeigen konnte.

Daniel Didavi hat ebenfalls einen schweren Stand seit seiner Rückkehr. Nach dem kollektiv schwachen Auftritt in Rostock war er das erste Bauernopfer Korkuts, indem er im darauffolgenden Spiel aus der Mannschaft flog. Seither hat er Schwierigkeiten richtig Fuß zu fassen und ist zudem (mal wieder) verletzungsgeplagt.

Auch von ihm verspreche ich mir sehr viel mehr. Vielleicht gelingt es Weinzierl als eine seiner ersten Amtshandlungen, sofern er fürs Dortmund-Spiel fit wird, Dida stark zu machen und vor allem die Position spielen zu lassen, die ihm am besten liegt, nämlich hinter den Spitzen.

Es wäre nicht Didavis erstes Comeback gegen Dortmund, 2014 kehrte er nach über einjähriger Verletzungspause gegen den BVB überraschend zurück und machte ein starkes Spiel, auch wenn dieses nach 2:0-Führung noch mit 2:3 verloren ging.

Ron-Robert Zielers Rolle im Team kann ich von außen ebenfalls schwer einschätzen. Gehört auch er zu der Clique, die Trainerwechsel durch ihre „Leistung“ auf dem Platz zu beschleunigen versuchen? War es Zufall, dass Zieler durch seine Patzer in Mainz zu Beginn der vergangenen Rückrunde Wolfs Demission maßgeblich mit beeinflusste? Waren es zuletzt in Freiburg, Leipzig und gegen Bremen zufällige Aussetzer oder welche mit Ansage? Ich halte ihn eigentlich für einen großartigen Rückhalt, weshalb mir die auffällig vielen Fehler in letzter Zeit etwas rätselhaft sind.

Insúa musste zuletzt für Borna Sosa weichen. In Freiburg spielte er eine sehr gute zweite Halbzeit, gegen Düsseldorf, wie viele andere auch, sehr durchwachsen, danach saß er draußen. Mit besonderem psychologischem Geschick war Tayfun Korkut nicht gesegnet, siehe Didavi, siehe auch Insúa.

Grundsätzlich begrüße ich es ja, wenn Talenten wie Borna Sosa keine Alten vorgesetzt werden und dadurch die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass sie nicht die Lust verlieren und zugleich ihren Marktwert steigern, aber, Insúa halte ich für wichtig fürs Team.

Zum einen steckt seine ständig gute Laune an, zum anderen ist er ein wichtiger Integrator für Ascacibar und Gonzalez. Anhand dieser Faktoren und dem Umstand, dass seine Leistung selten unterirdisch ist und er sich nie hängen lässt, würde ich einen wie ihn nicht so schnell aus dem Team verbannen und Borna Sosa lieber auf der linken Außenbahn sehen, um zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen zu haben.

Bliebe noch Mario Gomez, DER Lebensversicherung der letzten Rückrunde. Gegen Bremen machte er ein bärenstarkes Spiel und setzte mehrere Male uneigennützig Gonzalez in Szene, der dann so unglücklich scheiterte. Er ist einer, der sich (nach Anlaufproblemen) aufopferungsvoll in den Dienst der Mannschaft stellt und sich auch nicht zu schade dafür ist, nach hinten zu arbeiten. Jedoch täte ihm die eine oder andere Anspielstation mehr vorne gut, so dass er nicht ständig gegen eine zahlenmäßige Übermacht von Abwehrspielern ankämpfen muss.

Ich bin gespannt darauf, wie Weinzierls Ausrichtung am Samstag gegen den Spitzenreiter aussehen wird. Nach Trainerwechseln ist die Truppe stets eine gewaltige Wundertüte. Da sich das Team bislang weit unter Wert geschlagen hat, ist von einem „weiter so“ bis zu einer wahren Leistungsexplosion alles im Bereich des Möglichen.

Dieser abgezockten Spezies Fußballprofi nehme ich nicht einmal mehr die so viel beschworene allgemeine Verunsicherung nach den ganzen Negativresultaten ab. Jetzt, wo die Alibis weggefallen sind und sich wieder einzig und allein alles auf sie fokussiert, wird es sich keiner mehr leisten können, nur mit halber Kraft aufzutreten und den Nebenmann links liegen zu lassen. Wir werden eine Einheit auf dem Platz sehen, da bin ich mir relativ sicher. Ob es dann reicht gegen den, vor allem in der Offensive, so vorzüglich besetzten BVB, werden wir sehen.

Mein Optimismus was bessere Spiele und bessere Ergebnisse betrifft kehrt langsam zurück, wenngleich ich dann einen umso größeren Groll auf die Spieler schiebe. Nach Trainerwechseln, die auch für mich längst Routine sind, kann ich mich über die ersten Erfolgserlebnisse nie so richtig freuen, zu sehr steckt noch der Ärger über die Spieler in mir, dass sie es überhaupt so weit haben kommen lassen und lediglich durch Handauflegen des neuen Trainers neue Energien freigesetzt wurden. An diesen Scheiß glaube ich nicht, es liegt einzig und allein am Willen und der Einstellung dieser kickenden Millionäre und da bin ich noch immer so naiv, dies von ihnen an JEDEM ihrer Tage beim VfB zu erwarten.

Korkut ist sicher einer der Trainer, denen ich am wenigsten hinterhertrauere und doch waren es einmal mehr die Spieler, die durch mangelndes Engagement und haarsträubende Leichtsinnsfehler den Trainerwechsel erst nötig gemacht haben.

Nachdem diese Saison fast schon wieder abgehakt werden muss, ehe sie richtig begonnen hat, es nur noch wenig zu erreichen und umso mehr zu verhindern gibt, wächst natürlich auch der Druck auf Reschke. Seine Außendarstellung (und damit die des VfB!) ist nach wie vor eine Katastrophe. Sollte eines Tages auch Weinzierl beim Team nicht mehr wohlgelitten sein und in naher Zukunft „mein“ Trainer Nummer 46 vor der Tür stehen, dürfte die Luft für Reschke langsam dünn werden.

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