20. Februar 2019

Explosionsgefahr!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 08:36

In einer turbulenten Woche, in der Michael Reschke (endlich) gefeuert und von Thomas Hitzlsperger abgelöst wurde, legte „der Neue“ sein Hauptaugenmerk auf das Innenleben der „Mannschaft“ und eruierte zusammen mit Markus Weinzierl, wie man die Lebensgeister wieder wecken könnte.

Gewisse Blockaden konnten wohl gelöst werden, war doch, was jedoch nicht schwer war, eine Leistungssteigerung im Vergleich zum Debakel in Düsseldorf zu verzeichnen. Statt kollektiver Leistungsverweigerung, war sie plötzlich da, die Bereitschaft das zu tun, was das Mindeste ist, was man von einem Sportler erwarten kann. Laufen, grätschen, kämpfen, dem Nebenmann helfen, einfach der Wille, sich nicht ohne Gegenwehr zu ergeben.

Genauso lesen sich die Stimmen zum Spiel, deutlich verbessert, jeder hat sich den Allerwertesten aufgerissen oder „wenn wir so spielen, steigen wir definitiv nicht ab“. Selbstbeweihräucherung as it’s best, dabei stehen wir auch nach nunmehr 22 Spieltagen mit erbärmlichen 15 Punkten da. Der VfB spielt seine schlechteste Bundesliga-Saison aller Zeiten, fuhr gerade die sechste Niederlage im elften Heimspiel ein und alle klopfen sich auf die Schultern.

Unter normalen Umständen müssten wir bereits jetzt hoffnungslos zurückliegen und dürften die Nichtabstiegsplätze nur noch mit dem Fernglas betrachten. Einzig Hannover und Nürnberg ist es zu verdanken, dass doch alles nicht so schlimm ist, wie man uns gern weismachen möchte. Augsburg ist ebenfalls noch in Reichweite, Glück für uns, dass sie durch zwei Torwartfehler gerade noch 2:3 gegen die Bayern verloren haben.

Dass allein das auf den Platz bringen der Basics für den Klassenerhalt zu wenig ist, sollte jedem klar sein. Das Spiel des VfB war auch am Samstag wieder von Ideen-, Plan- und Harmlosigkeit nicht zu überbieten. Wo sind der Esprit, die Spielfreude, der Spielwitz und die Konzentrationsfähigkeit?

Auch das sind Eigenschaften, die man von elf Jung-Millionären, die ihr Hobby zum Beruf machen durften, erwarten können muss. Nahezu nach jedem Spiel werden uns die Minuten vorgerechnet, in denen man gut mitgehalten habe, und was gewesen wäre, wenn.

Doch, hier gilt kommt eine alte Fußballer-Weisheit, die Adi Preißler von sich gab, zum tragen „Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz“ oder auch „ein Spiel dauert 90 Minuten“.
Die dieses Mal von der sechsten bis zur 68. Minute erstaunlich lang andauernde „gute Phase“, wie Weinzierl vorschwärmte, kann man sich natürlich besser reden als sie war.

Dabei wäre dieser Tag doch wie gemacht gewesen für die Wende. Kaiserwetter, vorfrühlingshafte Temperaturen Mitte Februar, endlich mal wieder ein Spiel Samstag 15:30, die Mannschaft befreit von Dampfplauderer Reschke und Gentner erstmals seit 2012 (!) 90 Minuten lang auf der Bank.

Einziger Schönheitsfehler war zunächst das spärlich gefüllte Stadion, 46.072 Zuschauer zwar offiziell, in Wahrheit dürften es noch 10.000 weniger gewesen sein, und ein fast leerer Gästeblock. Wie Rangnick darauf kommt, Leipzig habe mit Schalke und Dortmund die meisten Auswärtsfans, wird sein Geheimnis bleiben. Aber halt, vielleicht boykottieren die Leipziger ja die Traditionsvereine!

Dass etliche VfBler, die nicht zum Spiel wollten oder nicht konnten, ihre Karten in der Cannstatter Kurve nicht einmal mehr über den Zweitmarkt losbekommen, spricht Bände. Zum einen hat die „Mannschaft“ es langsam aber sicher mit ihren bemitleidenswerten Auftritten geschafft, das Stadion leer zu spielen, zum anderen verramscht der VfB hochpreisige Tribünen-Tickets und wirft den Käufern noch Restbestände der Puma-Kollektion hinterher, so dass der eine oder andere sicherlich gedacht hat, o. k., kauf ich mir das Ticket, nehme das Präsent und setze mich gediegen auf die Gegengerade. Ein weiterer Aspekt, weshalb es bei diesem Spiel gegen einen durchaus attraktiv spielenden Gegner, diese Minuskulisse gab. Plastikclubs ohne Fankultur und Tradition ziehen eben nicht!

Dass Gentner ausgerechnet in Spiel eins nach Reschke, das Geschehen von der Bank aus betrachten durfte, erinnert mich an die Demission von Fredi Bobic, als sich Sven Ulreich nach Jahren der Unantastbarkeit umgehend (zunächst) auf der Ersatzbank wiederfand. Unwahrscheinlich, dass da nicht die Sportdirektoren, aus unterschiedlichsten Beweggründen, in die Aufstellung reingeredet haben. Vermisst wurde Gente indes nicht, sein Vertreter Gonzalo Castro „ersetzte“ ihn über weite Strecken ordentlich, so dass es keinen Grund gibt, für Bremen auf dieser Position etwas zu ändern.

Castro scheint es geholfen zu haben, dass sein „Ziehvater“ Reschke nicht mehr da ist. Dass Reschke massiv in die Aufstellungen reingeredet hat und die Spieler in der Kabine totgequasselt haben soll, ist schon ein starkes Stück. Da frage ich mich, nachdem dies schon Wolfs Ende eingeläutet hat, weshalb man mit dessen Rauswurf so lange gewartet hat. Ein absolutes No-Go im Fußball.

Gerade bei einem sensiblen Spieler wie Castro, ist es der Leistung nicht zuträglich, wenn da einer, der dessen Verpflichtung zu verantworten hat, ihm ständig erzählt, wie enttäuscht er von ihm sei und was er alles von ihm erwarte, vor allem dann nicht, wenn der Trainer das womöglich anders sieht.

Dass wir auch nach dem Leipzig-Spiel gegen die Top-7 der Tabelle noch ohne jeglichen Punktgewinn da stehen, hat sicher nichts damit zu tun, dass der Capitano nicht auf dem Platz stand.

Abermals lag man in Rückstand, ehe das Spiel richtig begonnen hatte. Erneut hatte das Tor etwas von Slapstick. Flache Hereingabe in den 5-Meter-Raum durch Timo Werner, Zieler lenkt den Ball mit den Fingerspitzen in die Mitte ab, wo Kempf über den Ball tritt und Poulsen freistehend nur noch einzunetzen braucht. Einfacher geht’s nicht.

Beide von uns beteiligten Spieler, aber auch Kabak, der sich von Werner ausspielen ließ, geben dabei keine gute Figur ab. Dass Zieler in dieser Saison nicht der Rückhalt der Vorsaison ist und die Seuche hat, zeigte sich auch beim zweiten Leipziger Treffer, als er sein direktes Freistoßtor Nummer 17 fing und damit die Torhüter-Rangliste in dieser Statistik mit deutlichem Vorsprung anführt. Dahinter folgen übrigens direkt Ulreich, Benaglio und Leno, Stuttgarter Torwartschule, könnte man da fast meinen! Hier aber kein Vorwurf an Zieler, der Freistoß war sensationell geschossen, zudem hielt es Pavard in der Mauer nicht für nötig, hoch zu springen, und dennoch passt es ins Bild, wenn in unserer misslichen Lage uns nichts und den Gegnern alles gelingt.

Davor erhielt der VfB ein Elfmetergeschenk, welches Zuber dankend annahm, und wir waren überraschend im Spiel zurück. Man hätte sogar durch Kabak oder Ascacibar mit 2:1 in Führung gehen und durchaus punkten können, wenn eben der Freistoß nicht gepfiffen worden wäre und sich unsere Abwehr beim 1:3 nicht so einfach hätte aushebeln lassen. Da der Elfer ebenfalls unberechtigt war, möchte ich nicht über den Freistoß lamentieren, der zum 1:2 geführt hat, auch wenn es ein Stürmerfoul von Poulsen war. Es ist dennoch schade, dass wir nach dem geschenkten Elfmeter das Momentum nicht nutzen konnten.

Weinzierl hat es bislang noch nicht geschafft, die Abwehr zu stabilisieren. Mit 50 Gegentoren stellen wir DIE Schießbude der Liga. Wird diese defensive Anfälligkeit nicht umgehend abgestellt, dürfte es schwierig werden, den Klassenerhalt zu schaffen. Nominell lesen sich die Aufstellungen zwar nicht schlecht, dennoch frage ich mich, weshalb ein erfahrener Spieler wie Holger Badstuber überhaupt keine Chance mehr erhält, den Laden zusammenzuhalten.

Er hat, wie alle anderen auch, Fehler gemacht und ist ein Ehrgeizling, der sicherlich das eine oder andere Mal, einem Spiel oder auch seiner Situation geschuldet, ungenießbar ist und übers Ziel hinausschießt, doch, wenn man mitbekommt, wie es um das Innenleben der Truppe bestellt ist, ist er bei weitem nicht der einzige Unruheherd und müssten einige andere ebenfalls auf immer und ewig verbannt werden. Ich denke, mit seiner Erfahrung, Ruhe und Übersicht könnte er uns stabilisieren.

Dass der Gegner für einen erfolgreichen Neubeginn zu stark sein würde, war mir schon vor dem Spiel klar. Frappierend ins Auge stachen gegen die flinken Leipziger die Schnelligkeitsdefizite und dass wir nach vorne weiterhin null Durchschlagskraft entwickeln. Bei den Leipzigern hatte man stets den Eindruck, dass sie jederzeit noch zulegen konnten, während der VfB am Limit spielte und es nach wie vor nicht versteht, mit eigenem Ballbesitz etwas anzufangen. So wird es schwer, auch nur noch ein einziges Spiel zu gewinnen!

Ob das in Bremen besser wird? Mut könnte machen, dass Werder eine der vier Mannschaften ist, gegen die uns in dieser Saison überhaupt ein Sieg gelang und dass Werder nicht einmal aus dem Eigentor des Jahres Kapital geschlagen hat.

Der letzte Sieg bei Werder datiert aus der Meistersaison, es gibt also bessere Pflaster für ein Endspiel für Markus Weinzierl, das es wohl ist. Werder spielt eine solide Saison und ist den Europacuprängen näher als den Abstiegsplätzen. Letzteres verwundert nicht, bei diesem Schneckenrennen, das wir uns liefern. Zuletzt kam Werder bei Hertha BSC zum Lastminute-Ausgleich, wobei Claudio Pizarro im 20. (!) Jahr in Folge ein Liga-Tor erzielte und zudem mit 40 Jahren und 136 Tagen als ältester Bundesliga-Torschütze aller Zeiten in die Annalen einging. Dies war sein 3. Saisontor, womit er als Standby-Profi bei uns Platz zwei der „Torjäger“-Liste einnehmen würde.

Ein ganz großer Spieler und sympathisch dazu. Bin gespannt, ob wir ihn am Freitag noch einmal erleben werden. Vielleicht darf er ja zum dritten Mal in dieser Saison von Beginn an ran. Gegen Abstiegskandidaten riskiert es der Bremer Coach schon mal, mit 10 ½ Mann aufzulaufen, so bisher nur gegen Augsburg und Düsseldorf. Dass es den Joker kurz vor Schluss gegen uns noch braucht, bezweifle ich.

Davon, Weinzierl nach dem Leipzig-Spiel rauszuschmeißen, hätte ich nichts gehalten. Zum einen ist ihm nach diesem Spiel nicht sehr viel vorzuwerfen, auch weil Leipzig nicht unsere Kragenweite ist, zum anderen könnte ein neuer Mann bis Freitag nicht viel bewirken. Nach dem Bremen-Spiel Freitags bis Hannover Sonntags wäre länger Zeit und es stünde eine dankbarere Aufgabe für einen Debütanten an als bei Werder, wo die Trauben traditionell hoch für uns hängen.

Ich bin nicht einmal davon überzeugt, dass uns ein Trainerwechsel jetzt überhaupt noch weiterhelfen würde. Wer soll es denn machen? Bei den üblichen Verdächtigen auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer kommt mir das Grausen. Einzig mit Felix Magath bis Saisonende und dann einem richtigen Neuanfang im Sommer könnte ich mich anfreunden. Jetzt aber einen zu holen, wie einst Korkut, mit Vertragslaufzeit über die Saison hinaus, würde uns sehr wahrscheinlich garantieren, dass sich die Scheiße nächste Saison nahtlos fortsetzt.

Wobei, seit neuestem ist die Liste der arbeitslosen Trainer um einen prominenten Namen reicher: Alex Zorniger! Ihn würde ich mit Kusshand wieder nehmen, unter ihm hatten wir zwar fast genauso oft verloren wie unter Weinzierl, aber, attraktiver. Ich ging selten nach Niederlagen so frohgelaunt nach Hause wie in der kurzen Ära Zorniger. Ein Jammer, dass ihm das Glück fehlte, er es mit zu vielen aus der Mannschaft verscherzt hatte und die hiesigen Medien mit seiner schroffen Art nicht zurechtkamen.

An Weinzierl festzuhalten, dafür fehlen mir ehrlich gesagt die Argumente. Er hat in einem halben Jahr weder seine Formation gefunden noch ist ein Spielsystem zu erkennen, welches ihm vorschwebt. Da hätte ich mir nach der Winterpause ein klareres Konzept erwartet. Daher bin ich eigentlich nur gegen einen Trainerwechsel, weil kein Mann verfügbar ist, dem ich es zutraue, neuen Schwung zu entfachen und der den Job lediglich bis zum Saisonende machen würde. Jeder Kandidat ab dem Sommer, von den derzeit verfügbaren Andi Hinkel oder auch David Wagner, sähe ich ungern durch den möglichen Abstieg verbrannt. Ich halte es für unmöglich, dass der Abstiegs-Trainer auch Trainer in der neuen Saison sein kann.

Der Protest gegen Dietrich indes setzt sich fort und wird lauter. Ich hoffe, dieser geht mit einer Vehemenz weiter, dass Dietrich in absehbarer Zukunft nichts anderes übrig bleibt, als seinen Sessel zu räumen, steht für ihn das Wohl des VfB wirklich an erster Stelle und nicht nur sein eigenes. Dieser Mann hat außer leeren Versprechungen und der Verpflichtung des rheinischen Hofnarren nichts geleistet und trägt daher die Verantwortung für das derzeitige Dilemma.

Wer weiß, ob er den „pflegeleichten“ Thomas Hitzlsperger nicht gar aus Kalkül auf den Sportvorstand-Posten gehievt und ihm gleich einen 3 ½-Jahresvertrag gegeben hat, um andere klangvolle Namen, die im Raum schweben, wie Rangnick und Klinsmann, von vornherein zu verhindern? Diese würden nämlich große Macht für sich beanspruchen, was so überhaupt nicht den Vorstellungen Dietrichs entspricht. Ihm geht es um Eigeninteresse und um eigenen Machterhalt. Schwache Führungskräfte scharen schwaches Personal um sich, daher sind diese Namen in der derzeitigen Konstellation wohl ins Reich der Fabel zu verweisen.

Reschke verabschiedete sich mit den Worten „Er gibt mit großer Leidenschaft und viel Herzblut alles für seinen VfB, er hat den Respekt und die Unterstützung aller VfBler verdient. Ich bitte alle, auch die, die mich skeptisch oder negativ sehen: Hört auf mit den Schmähungen gegen Wolfgang Dietrich. Sie sind ungerecht und schaden dem Verein und der Mannschaft in dieser schwierigen Phase.“ Zum Glück richtet sich dieser Appell an die ahnungslosen Vollidioten und zum Glück weiß man, dass sie aus einem Mund kommen, der während seiner VfB-Zeit wenig Sinnvolles von sich gegeben hat.

Wenn einer dem Verein schadet, dann doch Dietrich selbst, der es in knapp zwei Jahren geschafft hat, den VfB vom Ritt auf der Euphoriewelle in die Depression zu „führen“ und sich jedem entledigt, der nicht zu Allem „Ja und Amen“ sagt. Von Außenstehenden auferlegt zu bekommen, Ruhe zu geben und die Mannschaft bedingungslos zu supporten in den verbleibenden Spielen, können sich die Kommentatoren wie Thomas Wehrle (SWR) sparen.

Unter Dietrich ging es nicht nur sportlich bergab, auch der Ton hat sich geändert. Wurde versucht, unter Bernd Wahler eine Diskussionskultur einzuführen und Fans und Mitglieder mitzunehmen, wird, seit die Ausgliederung durch ist und Dietrich die Mitglieder nicht mehr braucht, von oben herab diktiert, gelogen und beleidigt.

Der VfB lebt es vor und bekommt es zurück, wer Wind sät, wird Sturm ernten. Haben sich die VfB-Oberen mitten im Aufstiegsrennen um Ruhe bemüht, als das Fass mit der Ausgliederung aufgemacht wurde? Hat sich VIP-Logen-Hooligan Porth um Diskretion in der schwierigen Situation bemüht, als er Guido Buchwald angegangen ist, hat ein Reschke, vor irgendeinem seiner, Außenstehende würden sagen legendären, die VfBler sagen peinlichen Auftritten sagen, überlegt, welche Lawine er lostreten würde?

Nein, also hat die zahlende Kundschaft und Mitgliederschaft ein Anrecht, auf Missstände aufmerksam zu machen, wenn sie merkt, dass der Tanker dem Grund immer näher kommt. Die Basta-Rhetorik mag einige zwar vor der Ausgliederung eingeschüchtert und beeindruckt haben, jetzt, wo wir kurz davor sind, „ja zum Abstieg“ anstatt „ja zum Erfolg“ zu sagen, haben die meisten gemerkt, dass von den Herren nur heiße Luft kommt. Herrn Dietrich steht es frei, wenn ihm die Unruhe zu groß wird, seinen Posten zu räumen, für Ruhe zu sorgen und den Weg für einen neuen Schulterschluss Verein/ Fans freizumachen.
Es wäre auch keine gute Idee, wie in besagtem SWR-Artikel gefordert, den Protest ruhen zu lassen und im Sommer fortzusetzen. Sollte der VfB mit einem blauen Auge davon kommen, würde doch ohnehin wieder zur Tagesordnung übergegangen und die Herren würden sich gar noch feiern, das schwere zweite Bundesligajahr überstanden zu haben.

Das kann es nicht sein, nach dieser Saison, in der die Verantwortlichen so ziemlich alles falsch gemacht haben, was man falsch machen konnte. Jeder weitere Tag mit Wolfgang Dietrich an der Spitze schadet dem VfB. Natürlich ist es richtig, dass Dietrich keine Tore schießt und keine verhindert und die „Mannschaft“ in erster Linie in der Pflicht steht. Dennoch ist so viel schief gelaufen, dass meiner Meinung nach nur ein totaler Neuanfang helfen kann, in die Erfolgsspur zurückzufinden und die Außendarstellung zu verbessern. Je früher, desto besser.

Dass wir mit dem Fortsetzen des Protestes die „Mannschaft“ schwächen, glaube ich nicht. Sie kann sich dies allenfalls als zusätzliches Alibi für den nächsten Grottenkick zurechtlegen, denn, hinge die Leistung vom Support ab, stünden wir auf einem Championsleague-Platz.

Gegen Leipzig herrschte gegen Ende des Spiels eine bedrückende wie angespannte Atmosphäre, so mein Eindruck von der anderen Seite des Stadions aus. Viel darf also wohl nicht mehr passieren, bis die Stimmung total kippt und die Situation eskaliert. Obacht, VfB!

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28. April 2016

Aber scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 07:11

„Wer mir den Eindruck vermittelt, dass er dafür nicht bereit ist, für den haben wir hier keine Verwendung.“ So unser Kapitän Christian Gentner nach der desaströsen Leistung vor Wochenfrist beim FC Augsburg. Was sich fast schon wie ein Rücktrittsgesuch anhörte, entpuppte sich gegen Borussia Dortmund einmal mehr als leere Worthülse. Gentner stand natürlich wieder auf dem Platz, Barba kam (endlich) zu seinem Pflichtspiel-Debüt im VfB-Dress, zudem rückten der noch von einer überstandenen Grippe geschwächte Lukas Rupp und Martin Harnik in die Startformation.

Was ich bereits zum Bayern-Spiel geschrieben habe, traf auch für das Aufeinandertreffen mit der besten Rückrundenmannschaft, Borussia Dortmund, zu: Wer Punkte gegen die Kellerkinder der Liga leichtfertig liegen lässt, muss eben mal gegen einen Großen einen raushauen und sich die Punkte dort (zurück) holen. Auch wenn Dortmund im Vergleich zum VfB derzeit eine Übermannschaft ist, wäre es selten einfacher gewesen, als am Samstag, gegen das Starensemble etwas Zählbares einzufahren.

Der BVB verzichtete in Aubameyang, Gündogan und Mats Hummels gleich auf drei seiner wichtigsten Spieler, hatte das Pokalspiel vom Mittwoch in den Knochen und kann in der Liga vom zweiten Platz nicht mehr verdrängt werden. Daher lag es nahe, dass, wenn man entsprechendes Engagement und die notwendige Gier an den Tag legen würde, der BVB die letzten paar Prozentpunkte vermissen lassen könnte. Schließlich will sich keiner mehr in der Schlussphase der Saison, vor Pokalfinale und Euro, verletzen.

Dafür hätte der VfB jedoch in die Tat umsetzen müssen, was man in der Woche nach Augsburg großspurig angekündigt hatte. Es wurde die Mentalitätsfrage gestellt, kritisiert, dass man den nötigen Biss verbissen ließ und in einem Abstiegsendspiel nicht einmal eine gelbe Karte zu verzeichnen hatte.

Den Aussagen in der Woche nach dem Augsburg-Spiel nach zu schließen, musste man annehmen, die Mannschaft habe verstanden, Dutt habe verstanden, Kramny habe verstanden. Nach dem Spiel musste man konstatieren, keiner hat verstanden.

Nachdem man das Spiel gegen die Bayern bereits im Vorfeld als Bonus-Spiel abgetan und den Spielern daher ein wunderbares Alibi zurechtgelegt hatte, hörte sich Dutt nach Augsburg anders an: „Wir sollten nicht erst in der Woche darauf in Bremen anfangen, punkten zu wollen, sondern schon am Samstag.“ Aha, Robin Dutt! Samstag, nach der Niederlage gegen den BVB, hieß es aus seinem Munde „Das Spiel interessiert mich nullkommanull, mich interessiert nur nächste Woche.“ Und nächste Woche nach der Niederlage bei Werder richtet sich der Blick auf Mainz? Dann auf Wolfsburg? Dann??? Oh, sind ja gar keine Spiele mehr!

Dutt macht sich mit solchen Statements angreifbar und gibt, wie der gesamte Verein, ein klägliches Bild ab. Bereits der Ausruf seiner Achter-Liga war ein Schenkelklopfer und nun das! Unser verstorbener Ex-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder würde sich im Grabe herumdrehen. In seiner Ägide lud er nach solch desaströsen Auftritten die damaligen Führungsspieler in sein Amtszimmer im Neuen Schloss vor und las einem nach dem anderen die Leviten, dass sie „klein mit Hut“ wieder herauskamen und meistens im nächsten Spiel ganz anders auftraten.

Wenn diese Maßnahmen nicht fruchteten, lud MV zum „Teambuilding“ in seinen Weinkeller in den Muckensturm. Vorfelder genoss es in der Mitte „seiner“ Schützlinge zu sein und war so aber auch immer nah am Puls der Zeit und wusste, wie es um den Teamgeist bestellt war.

Auch beim VfB der Gegenwert ist es nun an der Zeit, neue Reizpunkte zu setzen. Gegen den BVB verlor der VfB einmal mehr sang- und klanglos 0:3 und konnte das Spiel gerade einmal 20 Minuten lang vom Ergebnis her offen halten, obwohl schon die ganze Spielanlage einen Klassenunterschied deutlich machte.

Als kurz vor der Pause das 0:2 fiel, war der Käs gegessen. Den Dortmundern bot man ein Trainingsspiel an, wie sie es sich besser nicht hätten wünschen können. Auslaufen nach dem DFB-Pokal quasi. Man ließ den BVB spielen, scheute Zweikämpfe und die Mannen vom VfB schien es nicht einmal zu frustrieren, im eigenen Stadion derart vorgeführt zu werden. Wieder keine gelbe Karte, kein Aufbäumen, man ließ es einfach so geschehen.

Da fragt man sich als „Außenstehender“ schon, wo die Grundtugend des Sportlers, ob in der Freizeit oder professionell, geblieben ist, nämlich die des unbedingten siegen wollen. Solche blutleeren Auftritte sind eine Schande für jeden, der sich das Trikot mit dem Brustring überstreift, und für mich nur ganz schwer zu ertragen. In den 80er- und 90er-Jahren gab es solche Demütigungen höchstens alle ein bis zwei Jahre mal zu beklagen und ebenso lang sprach man davon, in der heutigen Zeit muss man schon dankbar sein, wenn in einem Spiel der Einsatz mal wieder so ist, wie man ihn immer erwarten können sollte.
Hier ist der Verein absolut gefordert, kommende Neuzugänge genau unter die Lupe zu nehmen und sie auch auf ihre charakterlichen Eigenschaften, Elternhaus, Intelligenz, Gruppenverhalten, Identifikation, etc. pp hin zu untersuchen, was logischerweise nicht der Fall sein kann, wenn man Lastminute-Transfers tätigt und sich von der Resterampe bedient. Es ist eine Schande, was sich heutzutage alles VfB-Spieler schimpfen darf, die Quittung dafür lässt sich am aktuellen Tabellenstand ablesen und könnte schlimmstenfalls im Abstieg münden, der, wie so vieles, hausgemacht wäre. Wenn schon der Präsident öffentlich fehlende Mentalität beklagt, kann man zumindest darauf hoffen, dass im Sommer der große Schnitt kommen wird.

Dass die Kurve nach dem frühen 0:3 in der zweiten Halbzeit den Support einstellte, war folgerichtig und der „Leistung“ angemessen. Da auch aus dem Dortmunder Block generell kaum supportet wurde, knapp 300 Ultras wurden von der Polizei während des Spieles festgesetzt und erst nach Spielende wieder entlassen, plätscherte das Spiel in einer tristen Veranstaltung seinem Ende entgegen.

Frühlingsfest, ausverkauftes Haus und dann eine solch erbärmliche Vorstellung. Nicht zu fassen, mit einem solchen Auftreten dürfte kein Punkt mehr zu erringen sein.

Es war kollektives Versagen auf ganzer Linie. Angefangen bei Debütant Barba, der beim ersten Tor zurückzog, wohl in Erinnerung an Niedermeiers Eigentor gegen die Bayern, über Tytoń im Kasten, dessen Fehler sich gerade wieder häufen, einem Florian Klein, der vor allem beim dritten Tor nach Ballverlust lustlos und uninspiriert zurücktrabte, bis nach vorne, wo Kostic Timo Werner zwar oft suchte, jedoch niemals fand.

Seit Serey Dié’s Ausfall ist vor allem unser zentrales Mittelfeld die große Schwachstelle. Auch wenn Dié zuletzt selbst viele Stockfehler unterliefen, stopfte er doch auch viele Löcher und hat ein Gefühl für die Räume, die er zulaufen muss. Rupp und Gentner denken beide in dieser Hinsicht zu offensiv, so dass ich hoffe, dass sich Kramny für das Bremen-Spiel etwas einfallen lässt. Mart Ristl wäre ein Kandidat für die defensive Sechs oder meinetwegen auch Daniel Schwaab, der das auch schon, im Rahmen der sonstigen Alternativen, akzeptabel spielte.

Da Daniel Didavi, bei dem seine Initialzündung nach der Bekanntgabe seines Wechsels leider ausgeblieben ist, sich mehr für Wolfsburg zu schonen scheint, als noch einmal alles für den VfB rauszuhauen, wäre es eine Überlegung, Lukas Rupp auf dessen Position zu stellen.

Bewusst werfe ich dabei nicht den Namen von Alexandru Maxim in den Ring, er ist zwar ein netter Kerl, aber leider absolut nicht in Form, wie er Samstag nach seiner Einwechslung erneut demonstriert hat. Auch ein Torwartwechsel soll inzwischen ein Thema für Bremen sein, was ich nicht einmal so schlecht fände. Es wäre zwar falsch und ungerecht, Tytoń „der Meute“ als Sündenbock zum Fraß vorzuwerfen, aber, alles was Hoffnung auf Besserung schürt und neue Reize setzt, wäre mir gerade recht.

Dass man in dieser langen Woche bis Bremen etwas ändern muss, sah auch der VfB so. So wurde gestern bekannt gegeben, dass man von Mittwoch an ein dreitägiges Trainingslager auf der Ferieninsel Mallorca bestritten würde.

Auf den ersten Blick sieht mir das wie blinder Aktionismus aus, zumal diese drei Tage zwei Reisetage beinhalten und demnach nicht allzu viel trainiert werden kann. Als Fan bin ich noch immer stinksauer über die zuletzt gezeigten „Leistungen“ und darüber, dass man sich ohne Not wieder einmal große Abstiegssorgen machen muss. Daher würde ich der Truppe eher einen Schleifer wie Magath an den Hals wünschen, der sie mit Medizinbällen auf den Monte Scherbelino gejagt hätte, anstatt die Jungs mit einem Trip nach Mallorca zu „belohnen“, zumal wir ohnehin nicht im Geld schwimmen. Wenn dann als Begründung vorgeschoben wird, man wolle „in Ruhe“ arbeiten, zeigt mir nur einmal mehr, dass die Herren Profis in einer ganz anderen Welt leben. Öffentliche Trainingseinheiten sind ohnehin Mangelware und die Journalisten werden ohnehin mitreisen, so dass die fehlende „Ruhe“ wohl am ehesten noch auf die Zaungäste beim Training gemünzt sein dürfte.

Auf der anderen Seite kann dieser „Tapetenwechsel“ natürlich auch Sinn machen. Das Wetter in Deutschland verleitet derzeit nicht unbedingt dazu, freudestrahlend durch die Gegend zu laufen. Die Sonne ist also gut fürs geschundene Gemüt, das Team ist 24 Stunden am Tag zusammen und das Funktionsteam kann ebenso lang an Teambuilding und Psyche arbeiten, und viele Gespräche mit den zuletzt patzenden Stammkräften führen. Wenn sie dann noch gute Bedingungen vorfinden und sich alle wohl fühlen, vielleicht wird ja dann doch noch der Traum von einem “richtigen” Trainingslager auf Mallorca wahr, so dass dies auch für uns Trainingslager-Stammfahrer noch etwas Gutes haben könnte.

Da die Wetterprognose für Deutschland langsam besser wird und es in Bremen bis am Montag auch frühlingshafte Temperaturen geben soll, ist nicht einmal die Gefahr gegeben, dass sie nach ihrer Rückkehr den Kälteschock erleiden und der Rest der Truppe, der noch nicht grippegeschwächt ist, diese auch noch bekommt.

Ob das Trainingslager, das natürlich von vielen und nicht nur von VfB-Fanseite belächelt wird, ein Erfolg ist, weiß man am Montagabend und spätestens nach Saisonende. Setzen sich die indiskutablen Leistungen schon in Bremen fort, fliegt ihnen die Entscheidung für Malle schon recht schnell um die Ohren.

So oder so, der VfB hat bis zum kommenden Montag genügend Zeit, die letzten Wochen aufzuarbeiten und sollte sich dabei endlich mal nicht mehr in die eigene Tasche lügen.

Wurden glückliche Punkte in Ingolstadt und in Darmstadt als Erfolgserlebnisse verkauft und mit der Aussage „den Druck haben die Anderen“ der Fuß vom Pedal genommen, gilt es nun den Schalter wieder umzulegen. Die Stimmen zum Dortmund-Spiel machen mich schon wieder fuchsteufelswild, wenn davon geredet wird, die Zeitpunkte der Dortmunder Tore seien unglücklich und der Knackpunkt gewesen. Für mich war der Knackpunkt die Einfahrt mit dem Bus ins Stadion und spätestens der Anpfiff zum Spiel. Das Team hatte sprichwörtlich die Hosen voll und ließ von Beginn an jede Aggressivität vermissen, die notwendig gewesen wäre, diesem BVB Paroli bieten zu können.

Im Gegensatz zu den letzten Jahren, als der VfB schon fast aussichtslos zurücklag und im Saisonfinale nur noch gewinnen konnte, ist die Lage dieses Mal anders herum. Wir schienen bereits so gut wie gerettet, manch einer träumte gar von Europa, so dass es sich die Mannschaft wieder in ihrer Komfortzone bequem machte, anstatt die Gier beizubehalten und die Erfolgsserie auszubauen bzw. nach der Heimniederlage gegen Hannover eine neue zu starten.

Hatten wir in den letzten Jahren Hoffnungsträger wie Didavi und Ginczek, die nach schweren Verletzungen gerade noch rechtzeitig zurück und vor allem auch in Form kamen, fehlen diese dieses Mal, auch wenn Kevin Großkreutz jetzt verlauten ließ, dass er möglicherweise in dieser Saison noch zurückkehren würde. Selbst wenn, bestünde die Gefahr, dass er zu früh reingeworfen wird, dass er noch lang nicht in Topform zurückkehrt und auch, dass die große Last auf seinen Schultern liegen würde, würden sich doch die Möchtegern-Führungsspieler hinter ihm verstecken.

Das einzige Positive des aktuellen Abwärtstrends ist (hoffentlich), dass für Dutt die eine oder andere angedachte Vertragsverlängerung vom Tisch sein müsste. Ob in der Bundesliga oder in 2. Bundesliga, der große Schnitt muss diesen und nächsten Sommer vollzogen werden, nämlich dann, wenn die Verträge der Gesichter unseres Niedergangs (zumindest denen der Mannschaft) auslaufen bzw. ausgelaufen sind.
Noch sind wir nicht abgestiegen, auch wenn der Vorsprung auf den Relegations- und sogar den direkten Abstiegsplatz 17 dramatisch geschrumpft ist. Noch haben wir es in der eigenen Hand, auch wenn wir ein vermeintlich schwereres Restprogramm als die Konkurrenten haben und auch wenn es aus heutiger Sicht und mit den Eindrücken des Augsburg- und des Dortmund-Spiels kaum vorstellbar ist, dass sich das Team in Bremen gänzlich anders präsentieren wird.

Dort muss das Team ohne die Fanszene auskommen, da diese einvernehmlich, also in Absprache zwischen den Ultras und den offiziellen Fanclubs, zum Boykott dieses Montagspiels ausgerufen hat.
Dem Team würde es gut zu Gesicht stehen, diesen ungewohnten Umstand nicht schon jetzt als Alibi für eine möglicherweise erneut indiskutable Leistung heranziehen zu wollen. In nahezu jedem Auswärtsspiel ist die Unterstützung herausragend, zurückgekommen ist selten etwas.

Eher noch im Gegenteil: auch nach grottenschlechten Vorstellungen wie in Augsburg und gegen Borussia Dortmund reagiert die Mannschaft äußerst ungehalten, wenn ihr aus dem Block keine Zustimmung sondern Pfiffe entgegen hallen. Gegen den BVB trottete das Team dann auch nur missmutig bis zum „Sechzehner“, um nach ein paar Sekunden der Starre abzudrehen und in die Katakomben zu verschwinden. Von Mannschaftsseite aus bestand also kein Redebedarf, von Zusammenhalt und einem „Wir für Euch, Ihr für uns“ drei Spieltage vor Schluss in äußerst prekärer Lage keine Spur.

Dass Dutt die wenig erfreuten Zuschauerreaktionen und das Einstellen des Supports süffisant mit der Aussage „die Leute sind unzufrieden, wir haben aber nächste Woche ein Auswärtsspiel, Montag Abends können uns sowieso kaum Zuschauer begleiten“ kommentierte, zeugt auch nicht von einem Verständnis und der absoluten Wertschätzung der Anhängerschaft gegenüber.

Nachdem das Montagspiel erstmals wie ein Damokles-Schwert über dem Wasen hing, hatte Dutt vor den Mikrophonen die Ansetzung ja noch kritisiert und als Wettbewerbsverzerrung betitelt, um diese dann doch klaglos hinzunehmen. Ich weiß zwar nicht, ob ein offizieller Protest Erfolgsaussichten gehabt hätte, dadurch hätte man sich als Fan aber zumindest verstanden und vertreten gefühlt. So fühlte sich sein erstes Statement halbherzig und wie das berühmte „Pfeifen im Walde“ an und nicht so, als ob diese Ansetzung beim VfB ernsthaft jemanden tangiere.

Auch ohne einen prall gefüllten Gästeblock ist der VfB in der Pflicht zu liefern. In den 1980er- bis hinein in die 1990er Jahre war es gang und gäbe, dass sich bei manchen Spielen kaum mehr als 50 Fans in den Gästeblock „verirrten“ und die damaligen Teams haben auch nicht gejammert, im Gegenteil, sie hatten Herz und rissen sich für den Brustring noch den Allerwertesten auf, so dass sich der heutige Sauhaufen eine Scheibe davon abschneiden könnte.

Dutt rückt von seiner Philosophie weiterhin nicht ab, das Team stärker reden zu wollen, als es tatsächlich ist und gab in Sport im Dritten gar zum Besten, sie würden in Bremen gewinnen, weil „wir können das, weil wir so gut sind“. Dabei erinnerte er an die Siegesserie zu Beginn der Rückrunde, als allerdings noch Kevin Großkreutz und Serey Dié den Laden dicht hielten.

Mein Optimismus, dass der Schalter ohne Impuls von außen noch einmal umgelegt werden könnte, hält sich in Grenzen. Dieser Impuls hätte für mich mal wieder Trainerwechsel geheißen, auch wenn ich eigentlich kein Freund dieses ständigen Alibiverschaffens für eine Mannschaft bin, deren Leistungsbereitschaft sich in engen Grenzen hält.

Gut, jetzt steht das Trainingslager auf Mallorca an, ich hoffe, das Team versteht dieses als „Hallo-Wach-Pille“ und mobilisiert zum Endspurt noch die letzten Reserven, dass nicht nach dem Bremen-Spiel doch noch über die Reißleine nachgedacht werden muss.

Mutig, wenn nicht total unnötig, ist es allemal, wenn Robin Dutt für Kramny eine Jobgarantie schon über das Saisonende hinaus ausspricht. Zorniger musste nach zehn Punkten aus seinen letzten zehn Spielen gehen, Kramny holte im gleichen Zeitraum nur noch deren sieben. Wie schon viele Trainer vor ihm beißt auch er sich an der Hausmacht einiger Akteure die Zähne aus.

Sollte er über das Saisonende hinaus VfB-Trainer bleiben wollen, könnte sich der VfB ein Beispiel am SC Freiburg nehmen, der anno dazumal, noch zu Volker Finkes Zeiten, lieber die komplette Mannschaft austauschte, als den Trainer zu entlassen, weil die Mannschaft ihm nicht mehr folgte.

Bremen wird so oder so DER Charaktertest für unser so labiles Team werden. Vor allem kämpferisch überzeugen die Bremer im Abstiegskampf, zudem weiß der Verein die gesamte Stadt und das Umland bedingungslos hinter sich. Aktionen wie die „Green white wonderwall“ pushen das Team unheimlich, während in Stuttgart Totenstille herrscht und sich nur das direkte Umfeld zu sorgen scheint.

Prangten im Abstiegskampf 2001 riesige Banner an den Einfallstraßen nach Stuttgart, die für eine Aufbruchsstimmung und große Unterstützung im Abstiegskampf sorgten, scheint es der Stadt heuer egal zu sein, in welch prekärer Lage sich sein (einstiges) Aushängeschild befindet. Ob es daran liegt, dass im Rathaus ein Bayern-Fan auf dem Chefsessel sitzt, die Stadt an ihrer Feinstaubdebatte ersticket oder man den VfB bereits aufgegeben hat, man weiß es nicht.

Die Werder-Ultras haben aus Solidarität angekündigt, dieses Montag-Spiel ebenfalls zu boykottieren. Ob sie dies nach der Zuspitzung der Tabellensituation am letzten Spieltag auch noch machen werden und wie viele von ihnen sich daran beteiligen, wird man sehen. Werder macht jedenfalls mobil und verkauft die vom VfB zurückgesandten Karten nun an Werder-Fans, so dass das Stadion nahezu ausverkauft sein dürfte.

Für mich wird der Montag eine harte Probe werden. Nicht dabei zu sein ist schon schlimm und ungewohnt genug, dabei aber auch noch trotz Abonnement auf Sky zu verzichten, wird schwer. Denn, konsequent ist der Boykott auch nur, wenn man dem Bezahlfernsehen keine gute Quote beschert, sonst ist ohnehin alles für die Katz‘.

Der VfB wird wohl mindestens noch vier Punkte aus den restlichen drei Partien benötigen, um sicher Fünfzehnter zu werden und muss mit dem Punkten in Bremen beginnen, um Bremen nicht an uns vorbeiziehen zu lassen. Der letzte Sieg in Bremen datiert aus dem Jahre 2006, was unterstreicht, wie hoch die Trauben für uns im Weserstadion hängen.

So lang wir den Klassenerhalt noch aus eigener Kraft schaffen können, versuche ich positiv zu bleiben und hoffe, das Team kommt geläutert und mit neuem Mut aus Mallorca zurück.

Die Fanszene ruft am Sonntag, 01. Mai 2016, ab 13 Uhr, zum gemeinsamen Marsch vom Cannstatter Bahnhof zum VfB-Trainingsgelände auf, um gegen das Montag-Spiel und die weitere Zerstückelung der Spieltage zu demonstrieren. Dazu sind alle VfBler aufgerufen, ihre Mai-Wanderung zu „verschieben“ und sich der Karawane anzuschließen. Anschließend verfolgen wir gemeinsam die letzten Sequenzen des Trainings und verabschieden den Tross lautstark in den hohen Norden. Damit verpassen wir ihnen noch die letzte Motivationsspritze und zeigen ihnen, dass wir hinter ihnen stehen.

Der Entschluss, gerade jetzt bei diesem eminent wichtigen Spiel, fernzubleiben, fiel allen Beteiligten schwer, war jedoch alternativlos. Zum Zeitpunkt, als der Beschluss gefasst wurde, stellte sich die Situation noch nicht ganz so bedrohlich dar, das Team hatte es mehrfach in der Hand, dieses Spiel zu einem nahezu bedeutungslosen werden zu lassen.

Dies wurde versäumt, anscheinend funktioniert die Truppe nur unter größtmöglichem Druck, den sie nun in Bremen wieder hat. Um diesem standzuhalten bedarf es mehr als den Worten der Vereinspsychologen Laux und Dutt und einem „wir schaffen das“.

Ich ließ mich nach dem Dortmund-Spiel schon dazu hinreißen, dieses Montag-Spiel positiv zu sehen, weil wenigstens das nächste Wochenende nicht versaut wird, Galgenhumor eben.
Allen Umständen zum Trotz versuche auch ich positiv zu bleiben und an das Team zu glauben. Ein Abstieg wäre für den Verein katastrophal und birgt die Gefahr, auf Nimmerwiedersehen vom Oberhaus zu verschwinden.

Andererseits, wir können es ja sowieso nicht ändern, wünscht man sich fast schon eher ein Ende mit Schrecken als den Schrecken ohne Ende, weil die große Befürchtung besteht, dass wir in einem weiteren Bundesligajahr eine noch schlechtere Mannschaft haben würden und sich das Leiden gnadenlos fortsetzen würde.

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14. März 2010

2:2 gegen Bremen: VfB Stuttgart vergibt 2:0-Führung

Category: Spielberichte — Tags: , , , , , , , , , , , – Franky @ 10:31

Zumindest bis zur 75. Minute hatte der VfB Stuttgart wie der sichere Sieger ausgesehen. Für den VfB hatten Pawel Pogrebnjak (15.) und Sami Khedira (43.) getroffen – Bremen blieb anderthalb Stunden lang ohne Treffer. Doch dann kamen Hugo Almeida (75.) und Torsten Frings (81. per Foulelfmeter) und das Unentschieden. Und wenn es einen – moralischen – Sieger gab, dann waren das angesichts der furiosen Aufholjagd die Gastgeber aus Bremen. Im Kampf um die internationalen Startplätze hat Werder Bremen einen Punkt gegen Verfolger Stuttgart gerettet. Die Bremer liegen in der Tabelle der Fußball-Bundesliga weiter vier Punkte vor dem direkten Konkurrenten um die Spielberechtigung für die Europa League.

“Wir haben es verpasst, drei Punkte zu holen”, kommentierte VfB-Trainer Christian Gross: “Wir hätten nach der Führung das dritte Tor machen müssen.” Zum Anschluss durch Almeida, bei dem Lehmann nicht gut aussah, erklärte er: “Ich habe es noch nicht aus einer Perspektive gesehen, aus der ich das endgültig beurteilen kann.” Die Gastgeber hatten anfangs mehr Ballbesitz. Bei den Chancen scheiterten Naldo (21.) und Claudio Pizarro (31.) aber am bis dahin starken Lehmann. “Da hätten wir schon ein Tor machen müssen”, sagte Werder-Clubchef Klaus Allofs. Insgesamt bot Werder jedoch zu wenig. “Die erste Halbzeit war zu passiv”, kritisierte Trainer Thomas Schaaf.

Die Stuttgarter verlegten sich aufs Kontern. Und das machten sie lange Zeit gut, spielten bei fast jeder Gelegenheit schnell nach vorne und zeigten sich anfangs vor dem Tor effektiver als die Bremer. Zunächst legte Alexander Hleb, der im Mittelfeld trotz der wachsenden Kritik erneut von Beginn an spielte, den Ball für Pogrebnjak ab, der nur einschieben musste. Beim zweiten Treffer drückte Khedira die von Timo Gebhart von rechts geflankte Kugel ins Netz.

Wieder einmal zeigte sich, wie anfällig die Bremer auf den Außen sind. Rechts spielte Sebastian Prödl für den zum zweiten Mal in Folge ausfallenden Clemens Fritz, links der unsichere Aymen Abdennour für den Langzeitverletzten Sebastian Boenisch, da auch noch Dauerersatz Petri Pasanen ausfiel. Diese Probleme nutzten die Stuttgarter, allerdings nicht mehr zu Toren. Cacau ließ schon in der 37. Minute eine hundertprozentige Chance aus, und eine weitere große Möglichkeit vergab er 20 Minuten später. Das rächte sich.

Die Bremer, die auch auf Philipp Bargfrede und Peter Niemeyer verzichten mussten, drehten stattdessen das Spiel. Trainer Schaaf stellte auf die Mittelfeld-Raute um, brachte mit Almeida zur Halbzeit einen zweiten Angreifer und später mit Markus Rosenberg einen Stürmer als rechten Verteidiger. Die Stuttgarter hatten indes nur wenige brenzlige Situationen zu überstehen, bis Lehmann bei Almeidas Tor nach Vorlage von Per Mertesacker patzte. Ohne Chance war er beim nicht unumstrittenen Strafstoß, den Frings sicher verwandelte.

Werder Bremen:

Wiese – Prödl (69. Rosenberg), Mertesacker, Naldo, Abdennour – Borowski (46. Hugo Almeida), Frings – Marin, Özil, Hunt – Pizarro

VfB Stuttgart:

Lehmann – Celozzi, Tasci, Delpierre, Molinaro – Träsch, Khedira – Gebhart (89. Hilbert), Hleb – Pogrebnjak, Cacau (79. Kuzmanovic)

Schiedsrichter:

Brych (München)

Zuschauer:

36.000

Tore:

0:1 Pogrebnjak (15.), 0:2 Khedira (43.), 1:2 Hugo Almeida (75.), 2:2 Frings (81./Foulelfmeter)

Gelbe Karten:

Frings (6) / Delpierre (5)

(STZ online 6.3.10)

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