26. Mai 2017

“Nein zur AG” heißt nicht #neinzumerfolg

Nach dem „So gut wie Aufstieg“ in Hannover durch das Bielefelder 6:0 gegen Eintracht Braunschweig, machte der VfB am Sonntag gegen die Würzburger Kickers erwartungsgemäß sein Meisterstück. Dem Schlusspfiff folgten Platzsturm und eine rauschende Feier auf dem Wasen, der ich, wie wohl viele andere auch, wegen der befürchteten Überfüllung gleich von selbst fern geblieben bin.

Jedoch muss ich auch zugeben, dass ich wegen des Aufstiegs nicht in eine allzu große Euphorie verfallen bin und auch nicht das Bedürfnis hatte, ein Stück Rasen oder einen Torpfosten mitzunehmen oder gar die „Aufstiegshelden“ zu herzen. Einige davon sind immerhin auch die Versager des Vorjahres, die lediglich mitgeholfen haben, zu reparieren, was über all die Jahre kaputt gegangen ist.

Die Aufstiege von Hannover 96 und vom VfB waren reine Pflichterfüllung, alles andere als der Aufstieg wäre in beiden Städten schlicht nicht zu vermitteln gewesen. Der finanzielle Vorsprung vor dem Rest der Liga war einfach zu gewaltig, um erneut ein Übergangsjahr zu gestatten. Zudem war in dieser 2. Liga kein Team, wie noch im Vorjahr Red Bull Leipzig, mit von der Partie, welches mit unlauteren Mitteln gekämpft hätte. Daher war es eher überraschend, dass bis zum letzten Spieltag noch kein Aufsteiger definitiv fest stand und letzte Restzweifel noch ausgeräumt werden mussten.

Dabei möchte ich die 2. Liga nicht kleiner reden, als sie ist. Auch dort wird ordentlicher Fußball gespielt, die meisten Vereine und Fanszenen habe ich im Laufe des Jahres ohnehin in mein Herz geschlossen, und dennoch, ein Blick auf das Budgetranking allein genügt, um zu erkennen, dass Hannover 96 und der VfB finanziell in einer anderen Liga spielten.

Der VfB schloss die Saison also als Meister ab und bekam als Lohn die „Radkappe“ überreicht. Schmückt dieser Titel alsbald noch unseren Briefkopf wäre dies der Gipfel der aufgesetzt wirkenden Euphorie. Als Fan begleitet mich derzeit eher Wehmut, diese tolle Liga nach nur einem Jahr schon wieder verlassen zu müssen.

Für den Verein war der Aufstieg jedoch überlebensnotwendig, um nicht Gefahr zu laufen, den Anschluss nach oben völlig zu verpassen und ein „normaler“ Zweitligaverein zu werden wie bspw. Fortuna Düsseldorf, VfL Bochum, 1. FC Kaiserslautern und mittlerweile auch der 1. FC Nürnberg. Zukünftig spielen wir also wieder mit im Konzert der Großen und die Intention der Vereinsführung ist es, den zweiten vor dem ersten Schritt tun zu wollen.

Anstatt sich zunächst einmal wieder zu etablieren, möchte man mit den Daimler-Millionen den Großangriff nach oben starten. Dafür wurde für kommenden Donnerstag (01.06.) eine außerordentliche Mitgliederversammlung angesetzt, um im Zuge (der erhofften) Euphorie die Ausgliederung durchpeitschen zu können.

Euphorisch mögen die Selfie-Knipser auf dem Rasen gewesen sein, ich war es nicht und, wäre ich es gewesen, wäre meine Euphorie seither schon wieder längst verflogen.

Bereits am Tag nach dem Aufstieg, kaum trocken von den Bierduschen, wurde publik, dass Controller Heim und Trikotverkäufer Röttgermann, zwischen Dutts Entlassung und Schindelmeisers Amtsantritt so etwas wie die letzten Mohikaner in der Vereinsführung, Simon Terodde eine Ausstiegsklausel in den Vertrag drucken ließen, die es ihm erlaubt, für die festgeschriebene Ablösesumme von sechs Millionen Euro den Verein bis zum 31.5. verlassen zu können.

Unser Aufstiegsgarant also vor dem Absprung? Knallhart holte uns somit die Bundesligarealität schon wenige Tage nach dem Aufstieg ein, nämlich, dass wir im Vergleich zu etablierten Bundesligisten doch nur ein kleines Licht sind und in Sachen Gehaltsangeboten auch mit Vereinen aus der Tabellenmitte nicht mithalten können. Einige fühlten sich in diesen Diskussionen bestätigt, der VfB brauche die Ausgliederung schon deshalb, um einen wie Terodde halten zu können. Ich sage, beim zunächst kolportierten Vertragsangebot von Borussia Mönchengladbach, 4-Jahresvertrag für einen 29-jährigen und 6 Millionen Euro Jahresgehalt, mitzubieten, wäre wahnwitzig gewesen, egal wie viel man auf dem Konto hat. Natürlich verleitet es, je mehr Geld man zur Verfügung hat, auch unvernünftige Sachen zu machen, doch, wollen wir das wirklich?

Wenn ich schon nicht sonderlich euphorisch war, ob des zu erwartenden Aufstiegs, gefallen haben mir die „ERSTKLASSIG“-T-Shirts schon, mit denen die Jungs zusammen mit den Fantastischen Vier auf der Bühne des Cannstatter Wasens herumgehüpft sind. Der Slogan „ERSTKLASSIG“ ist zwar nicht sonderlich der Rede wert, waren wir doch die meiste Zeit der Vereinsgeschichte erstklassig, aber, sei’s drum. Einen Aufstieg erlebt man trotzdem nicht alle Tage, so war ich gewillt, mir dieses Shirt für stolze 20 Euro zu gönnen.

Dann allerdings das böse Erwachen: einen Tag nach dem Aufstieg (und bis heute) war dieses Shirt im Online-Shop auf der VfB-Seite nur in extrem kleinen Größen bestellbar. Es ist ja auch nicht so, dass man in seinem Online-Shop unbegrenzt Bestellungen annehmen und nach Auftragseingang produzieren lassen könnte, nein, beim VfB ist in einem solchen Fall die Bestellung überhaupt nicht möglich! Für mich wäre das Shirt JETZT interessant gewesen, nach der Terodde-Ernüchterung und wohl erstrecht nach der Mitgliederversammlung ist es das wohl nicht mehr.

Ich habe mir zwar sagen lassen, im Shop sei das Shirt in rauen Mengen und sämtlichen Größen verfügbar, doch, manchmal kommt man einfach nicht „runter“ und zahlt dann lieber die Versandkosten, um ein Produkt bequem nach Hause geliefert zu bekommen. Ein wirkliches Argument ist die Verfügbarkeit vor Ort ohnehin nicht, in Anbetracht der vielen auswärtigen Fans, die schon gar nicht die Möglichkeit haben, den Shop außerhalb von Spieltagen zu besuchen.

Solang der VfB nicht in der Lage ist, die bei vielen Fans existente Euphorie in bare Münze umzuwandeln, frage ich mich, weshalb man dem Verein mehr Geld in die Hand geben sollte. Um solche Versäumnisse zu kaschieren? Der VfB hat durchaus, auch ohne die Daimler-Millionen, noch längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft, um mehr Geld als bisher einzunehmen.

Nicht nur aus diesem Grund steht es mittlerweile fest, dass ich am kommenden Donnerstag für „Nein“ stimmen werde. Es ist die Art des „Wahlkampfs“, die mir so sauer aufstößt. Je mehr Skeptiker, als solche hingestellt werden, die „nein zum Erfolg“ sagen würden, je mehr Vorbehalte gegen die Ausgliederung, wie sie vollzogen werden soll, ganz im Trump-Stil als „Fake-News“ abgetan werden, desto mehr wächst mein Misstrauen, desto mehr bin ich mir sicher, dass wir unser blaues Wunder erleben würden, wenn denn mit „Ja“ gestimmt wird.

Es ist natürlich gutes Recht vom VfB, seine Position als die einzig wahre darzustellen, wenn er derart vom eigenen Konzept überzeugt ist. Solang er aber lediglich seine Position propagiert und keinerlei Informationen zu Alternativen mit deren Fürs und Widers zur Entscheidungsfindung an die Hand gibt, darf er sich nicht wundern, wenn man sich anderer Quellen bedient und der Vereinsführung und deren Propaganda kein Wort mehr glaubt.

Die Propaganda nimmt dabei immer groteskere Züge an. Dass ein Vereinsangestellter wie Thomas Hitzlsperger für das Vorhaben des Vereins wirbt und dass der Aufsichtsrat Hermann Ohlicher sich fürs neu zu wählende Gremium in Stellung bringen lässt, verständlich.

Wenn jedoch zudem ein Sami Khedira vor den Propaganda-Karren gespannt wird, ist das für mich an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Wir stehen vor einer ernsten Entscheidung, die genau abgewogen gehört und zu der die Mitglieder gut beraten wären, sich eingehend zu informieren.

Da gehört es sich einfach nicht, Vereinsikonen als Stimmungsmacher zu missbrauchen und dadurch Stimmenfang betreiben zu wollen. Ich würde gerne einmal von Sami Khedira wissen, inwieweit er sich nach dem Gewinn der Coppa Italia und des Scudetto und mitten in den Vorbereitungen für das große und alles überstrahlende Champions League Final gegen Real Madrid mit den Auswirkungen der Ausgliederung befasst und sich in die Materie eingelesen hat.

Den Gegnern der Ausgliederung wird von den Befürwortern, weil ihnen echte Argumente fehlen, meist vorgeworfen, Ewiggestrige oder Ultras zu sein. Ich bin weder Fortschritt nicht aufgeschlossen, noch ein Ultra und dennoch dagegen, am Donnerstag dem Vorhaben des Vereins zuzustimmen.

Dass der e. V. in der derzeitigen Form für Profivereine bald ausgedient hat und irgendwann auch nicht mehr zulässig sein dürfte, dem verschließe ich mich nicht. Schon aufgrund dieser Tatsache bin ich kein „e. V.-Verfechter“, sondern sehe die gewählte Rechtsform der AG als diskussionswürdig an.

Es gäbe andere Formen, durch die sowohl den Steuergesetzen als auch neuer Möglichkeiten von Kapitalbeschaffung Rechnung getragen würde. Das Commando Cannstatt 97 hat die Alternativen was die Rechtsform angeht fundiert beleuchtet unter http://www.cc97.de/stellungnahme-zur-aomv und kommt zu dem Schluss, dass der VfB (und die Daimler AG) die Rechtsform der AG wohl in erster Linie deshalb gewählt haben dürfte, um dem Investor größtmöglichen Einfluss zu gewähren.

Auch auf die schwindende Möglichkeit der Mitbestimmung wird dabei eingegangen und zu dem Schluss gelangt, dass der Investor (bzw. die Investoren) im Aufsichtsrat in der Überzahl sein wird und das Mitglied eben nur noch bei belangloseren Entscheidungen weiterhin Mitspracherecht genießt.

Geht diese Ausgliederung durch, hinterfrage ich meine Mitgliedschaft auf jeden Fall und werde höchstwahrscheinlich aus dem Verein austreten. Meine Verbundenheit zum Verein bringe ich auch anders zum Ausdruck, der einzige „Vorteil“, den meine Mitgliedschaft dann noch mit sich brächte, wäre die vierteljährlich erscheinende Ausgabe von Dunkelrot. Als Dauerkarteninhaber, Allesfahrer und Fanclubmitglied ist für mich bspw. das Vorkaufsrecht auf Eintrittskarten völlig uninteressant und somit kein Grund, an der Mitgliedschaft festzuhalten.

Da der Verein durch sein Vorgehen eine unnötige Schärfe in die Debatte bringt, in „Gute und Schlechte Mitglieder“ unterteilt, sich selbst einen unnötigen Zeitdruck auferlegt und sich offensichtlich auch noch erhofft, Mitglieder durch materielle Anreize ködern zu können, bin ich mal gespannt, wie sich das Klima entwickelt, sollte der Ausgliederung die Zustimmung verweigert werden.

Das, was man bei Präsident Dietrich schon aufgrund seines ehemaligen Postens als Stuttgart21-Sprecher befürchtet hatte, nämlich, dass er die Mitglieder eher spaltet als eint, steht nun auf dem Prüfstand. Es wurden Horrorszenarien für den Fall einer Ablehnung gesponnen, auch Jan Schindelmeiser meinte in diesen Tagen, ohne Ausgliederung würde es „sehr schwer für uns“ werden.

Dabei fußt meine Hoffnung auf eine bessere Zukunft sehr auf der Kompetenz eines Jan Schindelmeiser, auch mit geringeren Mitteln erfolgreich wirtschaften zu können. Unser Problem in den letzten Jahren war ja auch nicht, dass zu wenig Geld vorhanden war, sondern, dass der VfB das sich selbst auf die Fahne geschriebene “Ausbildungsverein” auch bei der Ernennung der Sportdirektoren wörtlich nahm. Seit Rolf Rüssmann war kein Mann vom Fach mehr in dieser Position tätig. Von Übergangslösungen wie Briem/ Schneider über Heldt, den man vom Spielfeld direkt auf den Posten des Sportdirektors hob, über Fredi Bobic, seines Zeichens bis dahin als Dummschwätzer in der Krombacher Saufrunde tätig und als ehemaliger Einzelhandelskaufmann-Azubi bei Hertie prädestiniert für den Job, bis hin zu Robin Dutt, der zwar Trainer durch und durch war, als Sportdirektor beim DFB jedoch schon heillos überfordert war. Diese Personalentscheidungen auf der für ein Fußballunternehmen neben dem Trainer wichtigsten Position, haben uns schleichend dem Abgrund näher gebracht. In Folge dessen wurde auf falsche Trainer gesetzt, das Gehaltsniveau unverantwortlich angehoben, falsche Spieler geholt und dafür gesorgt, dass uns Koryphäen im Nachwuchsbereich fluchtartig verließen und inzwischen Leipzig noch größer machen, als die ohnehin schon geworden sind. Mit Jan Schindelmeiser haben wir erstmals seit langem einen Mann vom Fach, dessen Geschick bei Transfers er ja bereits in den 10 Monaten, in denen er beim VfB ist, unter Beweis gestellt hat.

Spannend dürfte es in jedem Fall werden, wie die „Verlierer“ der Abstimmung mit dem Ergebnis umgehen werden und ob es gelingt, die Fangemeinde dann wiederzuvereinen.

Mir erschließt es sich noch immer nicht, wie man am Tiefpunkt der Vereinshistorie Anteile verscherbeln kann und warum man das nicht tut, wenn man wieder in der Bundesliga Fuß gefasst hat und im besten Fall mal wieder international spielt. Dass die Qualifikation fürs internationale Geschäft noch immer durch gute, kontinuierliche Arbeit geschafft werden kann, bewies in der abgelaufenen Saison der 1. FC Köln.
Von Vereinsseite wird immer kommuniziert, der Daimler engagiere sich allein aus Verbundenheit zum Verein und verlange keinerlei Gegenleistung. In diesem Licht stelle ich mir die Frage, wie es kommt, dass der VfB jetzt als Aufsteiger über 300 Millionen Euro wert sein soll, wenn vor anderthalb Jahren, als der Verein 40 Jahre ununterbrochen Bundesliga gespielt hat, schon 180 Millionen Euro als zu hoch gegriffen erschienen.

Ist die Marke von 41,5 Millionen Euro, die der Daimler dem VfB sofort zur Verfügung stellen würde, ein „Zuckerle“ für die Mitglieder, um ja nicht auf die Idee zu kommen, „falsch“ abzustimmen?

Bei #vfbimdialog trat zutage, dass es sich bei den 300 Millionen Euro gar nicht um den derzeitigen Wert des Vereins handelt, sondern man diesen mit Hoffnungen in die Zukunft errechnet habe.

„Ja zum Erfolg“, besserer Tabellenplatz, dadurch mehr Fernseheinnahmen, dadurch exorbitantes Ansteigen der Merchandising- und Sponsoring-Erlöse, und, und, und. Siehe oben, gerade im Merchandising-Bereich genügt es meiner Ansicht nach, einfach besser zu werden, um brach liegende Potentiale zu nutzen. Das oben aufgeführte war nur eines von unzähligen Beispielen der jüngeren Vergangenheit, bei dem man nur den Kopf schütteln kann. Größen fallen höchst unterschiedlich aus, die Qualität ist nicht die beste und fehlende Verfügbarkeit führen dazu, dass mit Rabattgutscheinen um sich geschmissen wird, um die wütende Kundenschar zu besänftigen.

Die Errechnung eines Unternehmenswertes mit Hoffnungen in die Zukunft erscheint mir höchst fragwürdig. Was passiert denn, wenn diese Hoffnungen nicht eintreten? Was, wenn Jan Schindelmeiser mit seinen nächsten Transfers daneben liegt, Hannes Wolf im Herbst entlassen wird und wir dem neuerlichen Abstieg entgegen taumeln sollten? Sind dann die bislang lediglich feststehenden 41,5 Millionen Euro nicht nur die Anschub-, sondern auch die Endfinanzierung?

Ist das dann die Summe, für die wir uns letztlich in die Hände eines Investors begeben haben? Wer davon träumt, dass wir mit diesem Geld auf Anhieb in der Bundesliga oben mitspielen werden, ist ein Phantast. Es fließt zunächst nur ein Bruchteil in den Kader. Ein Großteil wird für die Sanierung der Trainingsplätze und des Clubheims benötigt, zudem soll der Jugend- und Scouting-Bereich weiter professionalisiert werden. Die restlichen 58,5 Millionen Euro, um die 100 mit weiteren Investoren voll zu machen, sind derzeit noch genauso unsicher wie der weitere sportliche Werdegang unseres VfB. Abstimmen tun wir also zunächst einmal über eine 41,5 Millionen Euro Finanzspritze.

Magnus Missel hat in seinem Blog unter https://dervfbblog.wordpress.com/2017/05/26/rueckblick_ausblick_blicksch-du-s-net/ einige von mir am Rande erwähnten zu hinterfragenden Punkte analytisch herausgearbeitet und wundert sich ebenso wie ich, weshalb plötzlich im Nachwuchsbereich ein so großer Renovierungsbedarf herrschen soll.

Der VfB rechnet diese 41,5 Millionen Euro zwar dem Eigenkapital zu, weil er diese unverzinst erhält. Das Geld soll in Beine und Steine investiert werden und ist demzufolge in Kürze weg. Was aber, wenn der Daimler von seinem theoretischen Recht Gebrauch macht und seine Anteile weiter veräußern möchte? Der VfB hat zwar die Möglichkeit, beim Weiterverkauf an einen Dritten sein Veto einzulegen und die Anteile selbst zurückzukaufen, doch, wie soll das funktionieren, wenn kein Geld mehr da ist? Es wurde zwar wohl ein Modell ausgearbeitet, die es dem VfB erlaubt, die Anteile „im Rahmen seiner Möglichkeiten“ vom Daimler zurückzukaufen bzw. abzustottern und doch würde uns dieses Szenario über Jahre belasten.

Was mir ferner Angst macht, ist, dass Jan Schindelmeiser bei #vfbimdialog gesagt hat, um mit den Emporkömmlingen der letzten Jahre, wie Hoffenheim und Leipzig, (finanziell) konkurrieren zu können, müsse sich unser Gehaltsvolumen von derzeit 25 Millionen Euro in den nächsten Jahren bis auf 100 Millionen Euro erhöhen.

Bei einem Kader von 20 Spielern hieße das, dass JEDER im Schnitt fünf Millionen Euro mit nach Hause nehmen würde. Ich dachte, wir hätten aus der Vergangenheit unsere Lehren gezogen und würden nicht noch einmal in die Championsleague-Falle tappen.

Persönlich habe ich ein Problem mit der Gehälterentwicklung im Profifußball und bin froh, dass der Verein sein Gehaltsniveau von ca. 60 Millionen in der Heldt-Ära auf jene 25 Millionen Euro heruntergefahren hat. Dieses darf sich auch gerne jetzt wieder auf ein Normalmaß für Bundesligaverhältnisse erhöhen. Normalmaß heißt für mich, dass die Ausgaben- die Einnahmenseite nicht übersteigt und wir keine Gehälter zu stemmen haben, die uns bei Misserfolg um die Ohren fliegen. Hier bin ich ganz Fußballromantiker und sage, man muss nicht jeden Irrsinn auf Teufel komm raus mitmachen.

Das Investment des Daimler und mutmaßlich weiterer Investoren fließt ja auch nicht jährlich sondern einmalig, so dass jeder Euro, der zusätzlich in die Taschen der Spieler fließt, an anderer Stelle wieder eingenommen werden muss. Sollten wir je mal wieder Champions League spielen, dürfen die Spieler gerne an den Einnahmen partizipiert werden, jedoch wäre ich vorsichtig, wie in der Vergangenheit, mit horrenden Grundgehältern in Vorleistung zu gehen, die einem die Luft zum Atmen nehmen, sollte der sportliche Erfolg ausbleiben.

Daher ist für mich noch immer Vernunft das oberste Gebot. Ich sehe als den Lauf der Zeit an, dass wir niemals alle Spieler werden halten können und es immer Vereine geben wird, die einem Spieler mehr bereit sind zu bezahlen als es der VfB tun sollte. Gibt man diesen Befindlichkeiten nach und macht die Preistreiberei gegen Vereine wie Hoffenheim und Leipzig mit, ufert das aus und weckt neue Begehrlichkeiten bei denen, die schon da sind. Auch hier gilt es langsam zu wachsen und nicht plötzlich das Geld mit vollen Händen hinaus- bzw. in den Rachen der Spieler zu werfen.

Das Stellen des Nachwuchsbereiches auf eigene finanzielle Beine ist für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung. Hier benötigt es Geduld, bis die erfolgten Umstrukturierungen den ersten Ertrag bringen. Durch Ungeduld und finanzielle Unvernunft würde der Druck gewaltig und unnötig erhöht werden, schnellen sportlichen Erfolg einzufahren.

Da freunde ich mich doch lieber mit dem „Freiburger Modell“ an und kalkuliere notfalls auch einen Abstieg mit ein, wenn die getroffenen Personalentscheidungen nicht ins Schwarze trafen oder ein Jahrgang aus dem Jugendinternat nicht die erhoffte Verstärkung für den Profifußball brachte. Freiburg ging aus seinem letzten Abstieg gestärkt hervor, indem man Leistungsträger gewinnträchtig verkaufen und die Mannschaft für die 2. Liga weitestgehend aus dem eigenen Nachwuchs und günstigen Neuzugängen rekrutierte. Die Transfererlöse wurden also überwiegend für schlechtere Zeiten auf die hohe Kante gelegt, so dass der SC derzeit liquider als der (große) VfB sein dürfte.

Auch der VfB konnte nach dem Abstieg hohe Transfererlöse erzielen, um den finanziellen Aderlass durch den Abstieg aufzufangen. Vor allem seit Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf hier sind, wird wieder vermehrt auf die Jugend gesetzt, was auch der Schlüssel für die meisten großen Erfolge der Vergangenheit war. Dieser Weg muss konsequent weiter gegangen werden. Hat man mal wieder ein absolutes Top-Talent wie Joshua Kimmich in den eigenen Reihen, muss dieses erkannt und gefördert werden und darf uns nicht noch einmal durch die Lappen gehen. Die vom Daimler versprochenen 41,5 Millionen Euro sind im heutigen Fußball-Business nicht mehr die Welt und könnten heute allein durch einen Verkauf eines Spielers wie Kimmich generiert werden, ganz ohne die Seele des Vereins zu verkaufen.

Der VfB ist ein Ausbildungsverein und wird meiner Ansicht nach auch einer bleiben (müssen). An die Mär, die uns die Vereinsführung in ihrem im „Sendung mit der Maus“-Style erstellten Erklärbär-Video weismachen möchte, dass wir durch die Ausgliederung wieder in der Lage sein würden, Spieler zu halten, glaube ich im modernen Fußball nicht. So gut wie jeder wird dorthin gehen, wo es mehr zu „verdienen“ gibt, fast immer gibt es für Spieler, die Begehrlichkeiten anderer Clubs geweckt haben, einen Verein, der über das vom VfB vertretbare Maß hinaus eine Schippe drauf legt, so dass es nur vernünftig ist, irgendwann aus den Verhandlungen auszusteigen.

Auch wenn ich ein Gegner der Ausgliederung in der zur Abstimmung stehenden Form bin, heißt das nicht, dass ich den VfB nicht auch gerne erfolgreich sehen möchte. Erfolg ist dabei jedoch relativ. Im letzten Jahrzehnt hat der VfB derart den Anschluss verpasst, so dass dieser auch mit einer 41,5 Millionen Euro Spritze nicht so schnell wieder hergestellt werden kann.

Der Aufstieg war ein erster Schritt. Wie die Fans den Verein auch in der 2. Liga unterstützt haben, war phänomenal. Das ist das Fundament, auf dem sich aufbauen lässt. Das Wissen um eine treue Fangemeinde, die dem Verein auch in schwierigeren Zeiten die Stange hält. Wunderdinge werden nach dem Wiederaufstieg die wenigsten vom VfB jetzt erwarten.

Der Verein muss sich weiter konsolidieren und nach zehn Jahren Misswirtschaft den Anschluss langsam wieder herstellen. Die einmalige Finanzspritze der Daimler AG würde zwar helfen, diesen Prozess zu beschleunigen, jedoch zu einem für mich zu hohen Preis, ohne Erfolgsgarantie und mit erheblichen Risiken!

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25. August 2016

Oldschool vom Feinsten

Die erste Pokalrunde 2016/2017 hatte uns mit dem FC Homburg einen wahren Leckerbissen serviert. Im Homburger Waldstadion, in dem scheinbar die Zeit in den 80er-Jahren stehen geblieben war, durften wir den perfekten Fußball-Tag erleben.

Anders als bei den Aufeinandertreffen in der Vorsaison, als uns in Kiel und auch in Jena (wo ich leider nicht sein konnte) böser Hass des Underdogs entgegen schlug, hatte man in Homburg jederzeit den Eindruck herzlich willkommen zu sein.

Das fing schon damit an, dass die Wege zum Stadion von Heim- und Gästefans nicht hermetisch voneinander getrennt waren und setzte sich bei den Einlasskontrollen fort, die zügig und respektvoll vonstattengingen.

Bereits im Vorfeld hatte ich mit der Fanbetreuung des FC Homburg netten Mailkontakt, als ich wissen wollte, da in der Stadionordnung nichts darüber zu lesen war, welche Kameras denn erlaubt seien und mich in diesem Zuge auch gleich informierte, meine Erfahrungen aus Kiel ließen grüßen, ob es denn in meinem Block im „neutralen“ Bereich auf der Haupttribüne Probleme geben könnte, wenn man dort in gegnerischer Fankleidung einlaufe.

Dem sei nicht so, Kameras kein Problem und auch in dem als Familienblock deklarierten Block nicht. Der Fanbetreuer wies darauf hin, dass man in den letzten Jahren bereits mit Schalkern und Gladbachern im Pokal Fußballfeste gefeiert habe und es nie zu nennenswerten Problemen gekommen wäre.

Genau so entpuppte sich die Situation dann auch. Gemischtes Publikum und überraschend viele Familien, in denen das Oberhaupt den Saarländern die Daumen drückte und die im Schlepptau anwesenden Kids ein VfB-Trikot übergestreift hatten. Es war dabei so, wie ich es mir eigentlich im Pokal vorstelle. Dass man als Fan des Underdogs zwar auf eine Sensation hofft, sich jedoch in erster Linie daran erfreut, einmal den großen Fußball bei sich zu haben und ein Fußballfest erleben zu dürfen und das Ganze nicht ganz so verbissen wie im Ligaalltag sieht. Schließlich begegnen wir uns auch nicht auf Augenhöhe, sondern es liegen zwei Ligen dazwischen. Unsere Amateure werden in der Liga ihre Visitenkarte im Waldstadion abgeben, das Derby gegen den 1. FC Saarbrücken die Gemüter erhitzen.

Mit Fotografenkollege Soke (www.soke2.de) hatte ich beim FCH direkt das Ticket bestellt, um einen guten Blick auf unsere Kurve und auch den Fanblock der Homburger, der auf der Gegengerade seine Heimat hat, zu haben. Diese Wahl war nahezu perfekt, sollte doch vor allem im Gästeblock an diesem Nachmittag einiges geboten sein.

Das Ambiente war einfach nur zum Wohlfühlen! Direkt vor dem Stadion genügend Bierstände und Gastronomie, um sich auf den Kick einzustimmen, im Stadion dann eben alles Oldschool. Eine alte Tribüne, noch eine Laufbahn, überwiegend Stehplätze, günstiges Bier, die Stadionwurst noch vom Holzkohlegrill (!), nostalgisch anmutende Flutlichtmasten und alles eben ursprünglicher als das, was man in den oberen Ligen vorgesetzt bekommt.
Als Allesfahrer habe ich die Schnauze voll von den neuwertigen geleckten Multifunktionsarenen, auf der grünen Wiese gebaut, bei denen verquere Sicherheitskonzepte über allem stehen und die sich nur noch in der Farbe unterscheiden. Homburg, das war wie Fußball in den 80ern, wie er früher einmal war, wie ich ihn lieben gelernt habe.

Zu Bundesligazeiten war ich schon einmal dort. Ja, für die Jüngeren unter uns, der FC Homburg spielte als damals eigentlich ewiger Zweitligist auch drei Jahre in der Eliteklasse. Besonders erinnert man sich dabei an ihren Trikotsponsor „London“, einen Kondom-Hersteller, den der prüde DFB zunächst nicht zugelassen hatte und nach einem Gerichtsurteil schließlich doch klein beigeben musste. Wie es mit Werbung so ist, spricht man darüber, ist sie erfolgreich, so auch in diesem Fall, „London“ war sprichwörtlich in aller Munde. ;-)

Mit dem FC Homburg traf der VfB durchaus auf einen Angstgegner. In zuvor fünf Pflichtspielen im Waldstadion verlor der VfB vier Mal und schaffte einmal ein Remis. Doch diese Statistik durfte an diesem Spätnachmittag keine Rolle spielen, waren doch die meisten der Brustringträger zu jener Zeit noch nicht einmal auf der Welt.

Der VfB, bei dem Maxim abermals auf der Bank Platz nehmen musste, ließ von Beginn an keinen Zweifel aufkommen, wer hier der Zweitligist und wer der Regionalligist ist. Dominante Spielführung, hinten wenig anbrennen gelassen und zwei Aluminiumtreffer vor der Halbzeit bedeuteten zwar noch ein mageres 0:0 zur Pause, doch, ernsthaft Sorgen machte man sich im Stadion nicht, dass dieser Auftritt in die Hose gehen könnte. Und trotzdem war es einmal mehr augenscheinlich, dass dem VfB die Durchschlagskraft fehlt und die derzeitige „Offensivstärke“ nicht einmal einen Regionalligisten ernsthaft zu gefährden in der Lage ist.

Als Gentner und Özcan kurz nach der Pause per Doppelschlag auf 0:2 stellten, war der Käs gegessen, das 0:3 durch Tashchy kurz vor Schluss gehört auch noch zur Chronistenpflicht, mehr aber auch nicht. Eine Spielanalyse erspare ich mir, weil dieser Pflichtsieg keinerlei Aufschlüsse für die nächsten Aufgaben gibt. Er ändert nichts daran, dass personell noch einiges passieren muss, um ernsthafter Aufstiegskandidat zu sein. Und, dieser Sieg lässt auch die nächste Aufgabe in Sandhausen nicht leichter erscheinen, weil es morgen ein viel unbequemeres Spiel werden wird. Einzig durch die Dorfclub-Atmosphäre wird Sandhausen mit Homburg vergleichbar sein, vielleicht auch noch, dass es wieder in ein Wald-, wenn auch ins Hardtwald-Stadion geht.

Wer vor Wochen darüber gejammert hatte, dass der VfB zunächst Montags gegen St. Pauli und Freitags dann schon in Düsseldorf antreten musste, darf sich dieses Mal freuen und die drei Punkte schon mal für sich verbuchen. War es damals für viele ein Wettbewerbsnachteil und ein Alibi für die Brustringträger, womit sich die Niederlage in Düsseldorf schon im Voraus erklären ließ, haben wir nun diesen Vorteil auf unserer Seite. Während der VfB seit Samstagabend bereits in die Vorbereitung fürs Sandhausen-Spiel einsteigen konnte, musste Sandhausen am Montag-Abend noch seine Pokalhürde beim SC Paderborn meistern.

Sandhausen dürfte für den VfB eine schwierige Aufgabe und eine Prüfung werden, in wie weit er bereits in der 2. Liga angekommen ist. Spielerisch ist ohnehin noch viel Luft nach oben, aber auch mental muss man die Liga erst einmal annehmen. Ging es vor Monaten noch in Fußballtempel wie das Westfalenstadion und war einem die Aufmerksamkeit von ganz Fußball-Deutschland gewiss, „reist“ man nun ins beschauliche Sandhausen, das der Busfahrer wohl erst einmal auf der Landkarte suchen muss.

Auch wenn davon auszugehen ist, dass zwei Drittel des Stadions in weiß-rot gehüllt sein werden, muss es die Truppe verinnerlichen, dass dort Fußball gearbeitet wird und mit Schönspielerei kein Blumentopf zu gewinnen sein dürfte. Der VfB muss über den Kampf zum Spiel finden und nicht umgekehrt, sonst hat man schon verloren. Man muss endlich ohnehin vom eigenen Selbstverständnis abkommen, eine spielerisch starke Mannschaft zu sein, wenn man sieht, welche fußballerischen Mängel in dieser Truppe stecken. Dies würde nämlich bedingen, dass man dazu in der Lage ist den Ball in den eigenen Reihen zu halten, den Gegner mit Ballbesitzfußball zu zermürben und geduldig auf die sich bietenden Lücken zu warten. Beim VfB aber ist meist schon nach dem zweiten Pass Schluss mit Ballbesitz, weil ein Ball zu ungenau gespielt wurde, dem Pass das Timing fehlt oder einer der Brustringträger den Ball nicht stoppen konnte.

Da der VfB die Pokalhürde Homburg weitestgehend unspektakulär aber auch ungefährdet nahm, rückten am Rande des Spiels zwei Themen in den Vordergrund. Die abermalige Nichtnominierung Alexandru Maxims in die Startelf und die reichhaltigen Pyro-Einlagen der VfB-Anhänger.

Zur Causa Maxim fällt mir spontan der Bestseller von Heinrich Böll „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ ein. In dem 1974 erschienenen Werk erzählt Böll von einer unbescholtenen Frau, die aufgrund von Sensationsjournalismus und falscher Berichterstattung in die Isolation getrieben wird und schließlich den verantwortlichen Journalisten erschoss. Böll wollte mit dieser Geschichte auf die Macht der Massenmedien verweisen und bewies durchaus Weitblick, weil diese, wie man heute weiß, vor nichts zurückschrecken und fleißig Lügen und Halbwahrheiten verbreiten und Meinung bilden.

Die Sozialen Medien tun ihr Übriges. Auch wenn der Vergleich weit hergeholt ist, finde ich die momentane Entwicklung sehr bedenklich. Was in den sozialen Medien Stimmung gemacht und gehetzt wird, jeder und jeglicher Bildungsschicht angehörig, sich dazu genötigt fühlt, Protagonisten unseres LieblingsSPIELS infundiert zu kritisieren und vor zu beleidigen, sind das zwar die Geister, die durch das Hypen der Sportart gerufen wurden, die aber doch für mich inzwischen bedenkliche Ausmaße angenommen haben, so dass ich mir schon fast und allen Ernstes, die Zeiten ohne Internet zurückwünsche.

Was der VfB jetzt am meisten braucht, sind Vertrauen und Ruhe. Vertrauen, dass die Verantwortlichen wissen, was zu tun ist, Ruhe und Geduld des Umfeldes, dass sie den Verein langsam wieder aus der Talsohle herausführen.

Natürlich ist es nicht einfach, diesem Verein nach all den Jahren Vertrauen entgegen zu bringen. Vor allem der Aufsichtsrat ist nach wie vor die Wurzel allen Übels.

Der Aufsichtsrat hat Dutt nicht gebremst, als es noch möglich und auch realistisch gewesen wäre, den Abstieg zu verhindern. Er hat die Dinge untätig ins Verderben laufen lassen, sich aus der Verantwortung gestohlen und alles auf die Karte Dutt gesetzt, um ihn dann in einer Nacht- und Nebel-Aktion zu entlassen, ohne einen Plan B in der Tasche zu haben.

Das ist der Hauptgrund für die Situation, wie wir sie jetzt vorfinden, nämlich die, dass wir auch nach dem zweiten Spieltag noch keine (endgültige) Mannschaft haben.

Zudem präsentierte der Aufsichtsrat letzte Woche den (einzigen) Präsidentschaftskandidaten Wolfgang Dietrich, der den VfB-Mitgliedern zur Wahl vorgesetzt wird nach dem Motto „friss oder stirb“. Dietrich mag die notwendigen Anforderungen mitbringen, doch, ob durch seine Vergangenheit bei der Quattrex AG Interessenskonflikte wegen Engagements bei anderen Vereinen bestehen und vor allem, ob er als ehemaliger S21-Sprecher nicht mehr polarisiert als eint, wird sich zeigen. Sehr unglücklich für mich, diese Entscheidung des Aufsichtsrats, auch hier wieder nicht dem Wunsch der Mitglieder nach mehr als nur einem Kandidaten entsprochen zu haben. Positiv zu bewerten ist für mich lediglich, dass er das Amt ehrenamtlich ausführen würde.

Vom neuen Präsidenten erwarte ich mir einen, der nach innen den Finger in die Wunde legt und nach außen hin den Verein gut repräsentiert. Ob man dies von einem Präsidenten von Aufsichtsrats Gnaden erwarten kann, bezweifle ich. So ist nach seiner Wahl zu befürchten, dass sich wieder einmal nichts ändern wird und das Verhältnis zwischen Vereinsführung und Mitgliedern eher noch verschlechtern wird.

Dass man der Vereinsführung kein Vertrauen mehr entgegenbringen kann, ist also logisch. Dass man aber jetzt schon die Arbeit von Jan Schindelmeiser und Jos Luhukay in Frage stellt, finde ich einfach nur beschämend. Es geht schon wieder so los wie vor einem Jahr, als Alexander Zorniger sehr schnell lautstark kritisiert wurde und von den Medien nach und nach raus geschrieben wurde. Der Schuldige war gefunden, die Spieler fein raus.

Und jetzt heißt es bereits „der Nächste bitte“. Schindelmeiser wird vorgeworfen, dass er nichts mache und womöglich nach wie vor an seinen Porsche herum schraube, als endlich weitere Neuzugänge, und dann auch noch welche, die uns sofort weiterbringen, zu präsentieren.

Ich sage bereits seit geraumer Zeit, dass ich vor dem 01.09. dazu überhaupt nichts mehr sagen möchte. Keiner derer, die jetzt meinen laut drauf hauen und die Geduld verlieren zu müssen, weiß, wie schwer es Schindelmeiser hat, überhaupt fähige Leute für das „Projekt VfB in der 2. Liga“ zu begeistern und sie dann noch zu vernünftigen Konditionen von ihren Vereinen loseisen zu können. Keiner weiß, wie die Drähte glühen, an welchen Details und Unwägbarkeiten mancher Transfer möglicherweise noch hängt.

Solang der Transfermarkt noch geöffnet ist, habe ich Vertrauen in Schindelmeiser, dass er seinen Worten Taten folgen lässt, nämlich denen, dass der Kader in der derzeitigen Zusammenstellung keinen Anlass zu Aufstiegshoffnungen bietet und man nachbessern wolle.

Bis zum Transferschluss hat Schindelmeiser noch ein paar Tage Zeit, Nägel mit Köpfen zu machen, danach kann man resümieren, ob sich die Geduld ausgezahlt hat. Sollte keiner mehr kommen oder es nur ein vertragsloser Fußballer werden, wie der immer wieder gehandelte Kevin Kuranyi, den man dann auch schon früher hätte holen können, dann würde ich auch nervös werden, vorher aber noch nicht.

Auch Jos Luhukay steht bereits in der Kritik, weil er es sich in Homburg zum wiederholten Mal erlaubt hat, den Fanliebling Alexandru Maxim auf die Bank zu setzen und statt seiner das Greenhorn Berkay Özcan aufgestellt hatte.

Zunächst einmal täte uns ein wenig mehr Vertrauen in die Arbeit eines Trainers gut zu Gesicht stehen. Luhukay ist für mich nach wie vor der geeignetste Mann für das Projekt Wiederaufstieg, wenn nicht er, wer dann, weiß, wie Aufstieg geht? „Ein Trainer ist nicht ein Idiot“ pflegte Giovanni Trapattoni zu sagen, also, vertrauen wir doch den Trainingseindrücken des Fachmanns, der tagtäglich mit Maxim zu tun hat. In den bisherigen drei Pflichtspielen hat der VfB genau jene zwei gewonnen, in denen Maxim von der Bank kam und das eine verloren, in dem er von Beginn an spielte.

Über allen Einzelschicksalen muss das Team stehen und der Trainer sollte so aufstellen, wie er denkt, dass es für das Team und schließlich den Teamerfolg am besten ist. So war es zumindest früher. Heutzutage, wo schon bei jedem Training fünf Kamerateams und etliche Schreiberlinge zugegen sind, wird jede Geste kommentiert, in jedes Einzelgespräch etwas hinein interpretiert. Der Böse ist in den sozialen Medien schon gefunden. Nicht wenige verbinden das Schicksal Luhukays mit seinem Umgang mit Maxim. Jetzt, wo Didavi weg ist und Maxim sich die „10“ geangelt hat, leiten viele eine automatische Startelfberechtigung für Maxim ab, die es natürlich nicht geben kann.

Luhukay betont stets, Maxim wisse, was er von ihm erwarte und wie es um seine Position bestellt sei, dann sollen die Herren Briem/ Maxim die Situation auch akzeptieren und sich nicht über die Medien ausweinen. Jenem Herbert Briem, der beim VfB nach wie vor ein und aus geht, seinen Schützling aber über das Gesamtkonstrukt hebt, würde ich, schon allein um die Autorität des Trainers zu stärken, Hausverbot erteilen, damit endlich mal Ruhe ist.

Diese meine Sichtweise ist ausschließlich auf mein Vertrauen in die Arbeit des Trainers bezogen. Ich mag Maxim nämlich schon auch, seine gelegentlichen Geniestreiche zum Beispiel, aber, auch ich sehe, dass er es in dreieinhalb Jahren VfB nie geschafft hat, Konstanz in seine Leistungen zu bringen und er stets dann am stärksten war, wenn er von der Bank kam.

Dabei ist Maxim fast ein Sinnbild der letzten VfB-Jahre! Auch Maxim war stets und zu schnell mit sich und seinen Leistungen zufrieden. Nach einer Top-Leistung ließ er sich lieber wochenlang feiern, anstatt eine eigene Gier zu entwickeln, diese Woche für Woche auf den Rasen zu zaubern und sich stetig zu verbessern.

Özcan kommt mir dabei in der Diskussion um Maxim zu kurz. Es ist doch ein Versprechen an die Zukunft, wenn der VfB momentan dabei ist, mit Sama und Özcan gleich zwei Eigengewächse in die Profimannschaft zu integrieren. Nach dem Abschneiden der U-Teams und dem Abstieg der Amateure ist es zwar klar, dass jung nicht automatisch mit gut gleichzusetzen ist, aber, ich sehe es erst einmal positiv, dass Luhukay Potential in den Jungs sieht und sie auch fördert. Alle Welt schreit nach mehr jungen Spielern und, spielt dann einer, wird noch lauter gejammert, weil er einem Arrivierten den Platz weg nimmt.

Daher ist es für Schindelmeiser eine zusätzliche Bürde, bei den Transfers das richtige Näschen zu haben und nur Spieler zu holen, die uns entscheidend weiter bringen für Positionen, für die der Kader keine Alternativen bietet.

Viele rufen ja noch immer nach dem gestandenen Innenverteidiger, der uns seit Jahren abgeht. Gerade den würde ich, Stand jetzt, nicht mehr holen, um Leuten wie Stephen Sama und Timo Baumgartl nicht schon wieder jemanden vor die Nase zu setzen.

Da Tobias Werner bis jetzt ganz gut eingeschlagen hat, ist für mich die größte derzeit noch offene Baustelle die Außenbahn rechts. Im zentralen Mittelfeld, in dem eine Planstelle ja seit Jahren von Gentner blockiert ist, ist zumindest so lange Hosogai ausfällt, eine Stelle vakant. Da hoffe ich für Sandhausen auf das Debüt von Anto Grgic und bin gespannt, wie er sich macht.

Insgesamt ist es also für die sportlich Verantwortlichen ein Vabanquespiel, ihrer Überzeugung zu folgen, nicht in Aktionismus zu verfallen und das Team peu à peu zu verbessern, Rückschläge, wie zuletzt in Düsseldorf, einkalkuliert. Wenn das Umfeld den getroffenen Entscheidungen kein Vertrauen entgegen bringt, jegliche Maßnahme hinterfragt und kritisiert wird, ist es leider zu befürchten, dass die nächste Trainerdiskussion bereits schon wieder vor der Tür steht, es sei denn, was ich nicht glaube, der VfB würde von nun an alles in Grund und Boden spielen.

Die Erfahrungen mit Zorniger aus dem Vorjahr lassen dabei grüßen. Auch bei ihm fing das Bashing in den sozialen Medien an, auch unter ihm heulten sich unzufriedene Protagonisten bei den Medien aus, auch für sie waren die Stuttgarter Blätter dankbare Empfänger ihrer „Leidensgeschichte“, wodurch permanente Unruhe herrschte und Zorniger irgendwann der Meute zum Fraß vorgeworfen wurde.

Ich hoffe es inständig, Luhukay bekommt mehr Zeit als Zorniger, die Missstände in Team und Verein anzupacken und nicht, dass man ihn auch alsbald wieder vom Hof jagt.

Das zweite große Thema nach dem Pokalspiel war die Zündelei im VfB-Block. Ich muss es zugeben, dass ich schon ein Faible pro Pyro habe und, als Stadionfotograf ganz besonders, die Einlagen genossen und gefeiert habe.

Würden Pyroshows immer so ablaufen wie am Samstag, kaum jemand hätte einen Anlass, sich darüber aufzuregen. Dass die Brennstäbe heiß sind, dass es zu bösen Verbrennungen kommen kann, ist zwar nicht von der Hand zu weisen. Aber, die Fackeln werden in der Regel direkt im Ultras-Block gezündet. Wer sich dort hin stellt, begibt sich wissentlich in eine gewisse Gefahr, wer Pyro ächtet, soll sich in Gottes Namen woanders hinstellen, ein Block ist schließlich groß genug. In Homburg „arbeiteten“ Feuerwehr und Ultras Hand in Hand. Abgebrannte Fackeln wurden den Feuerwehrleuten in die Hand gegeben, es wurde nichts geworfen, kein Böller gezündet. In diesem Rahmen für mich absolut in Ordnung.

Auch wenn der Schiedsrichter offensichtlich mit Spielabbruch gedroht hat, hat für einen solchen meiner Meinung nach kein Grund vorgelegen. Der Wind stand günstig, die Rauchschwaden verzogen sich nicht aufs Feld und beeinträchtigten somit auch nicht die Sicht auf dem Spielfeld. Für mich war es einfach nur schön anzusehen!

Es spielt aber natürlich auch keine Rolle, wie ich dazu stehe. Da es leider auch genügend Idioten in den Fanblöcken gibt, die Pyro als Waffen benutzen und gegnerische Fans damit beschießen, wird es in Deutschland wohl nie zu einer Legalisierung kommen, womit ich allerdings auch gut leben kann.

Nichtsdestotrotz werden wir Pyro-affinen Geister auch in Zukunft die eine oder andere Pyroshow geboten bekommen. Verbote reizen ohnehin mehr, so dass es den Ultras weiterhin ein Vergnügen sein wird, hie und da die Obrigkeit zu überlisten und Material ins Stadion hineinzuschmuggeln.

Es ist nun mal Fakt, dass uns der moderne Fußball immer mehr von seiner Ursprünglichkeit nimmt, seien es die Anstoßzeiten, seien es die explodierenden Gehälter, seien es Repressalien gegen Stadiongänger bis hin zu Kollektivstrafen für ganze Fanszenen. So ist es für mich nicht verwunderlich, dass die Ultras das was sie unter Fankultur verstehen, am Leben erhalten und auch mal in farbenfroher Art und Weise auf sich aufmerksam machen möchten.

Heuchlerisch finde ich in diesem Zusammenhang das Rumgeheule einiger Fans über die zu erwartende Geldstrafe für die Pyro-Aktionen, die sich im Bereich von 15.000 Euro bewegen dürfte. Natürlich, für einen Normalsterblichen ist das sehr viel Geld, aber, ein Profiverein bezahlt das aus der Portokasse, wenn er nicht ohnehin schon Rücklagen für den Fall der Fälle gebildet hat.

Solang ein solcher Betrag einem durchschnittlichen Fußballer wie Christian Gentner, bricht man sein Jahresgehalt herunter, alle drei Tage in den Allerwertesten geblasen werden und solang der VfB-Tross auch als Zweitligist noch Woche für Woche in 5*-Luxushotels absteigt, mache ich mir über diese außerordentlichen Ausgaben keine Gedanken und erstrecht keine Sorgen darüber, dass dies auch nur irgendeinen Transfer beeinträchtigen könnte.

Jetzt gilt es aber nach vorne zu schauen, auf das Heimspiel in Sandhausen und dann auf die letzten Tage und Stunden des Sommertransfermarktes.
Nach wie vor hoffe ich, dass sich in beide Richtungen noch etwas bewegt und ein Spieler wie Florian Klein endlich den Club findet, der seinen Ansprüchen genügt. Nach seine Aussagen zu den Fans und zum Verein und seinem halbherzigen Treuebekenntnis, nachdem er wider Erwarten doch zum VfB zurückkehren „musste“, kann ich es kaum noch ertragen, diesen Spieler unser Trikot beschmutzen zu sehen.

Ich hoffe, man findet hier noch eine Lösung oder setzt ihn notfalls auf die Tribüne. Mit Großkreutz, Zimmer und Zimmermann haben wir auf der rechten Abwehrseite genügend Alternativen, für die offensive Außenbahn kommt hoffentlich noch jemand, so dass man dort nicht mehr mit Außenverteidigern improvisieren muss.

Nächste Woche dann ziehe auch ich meine Transferbilanz, vorher bleibe ich jedoch tiefenentspannt und hoffe auf ein geiles Spiel morgen in der Provinz.

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17. August 2016

Träumen ist erlaubt!

Zwei Spiele, drei Punkte, zwei Tore! So die Bilanz nach den ersten beiden Zweitligapartien des VfB seit 39 Jahren. Die Ausbeute, durchwachsen, die Auftritte, ernüchternd, teils beschämend. Dass der angestrebte Wiederaufstieg kein Selbstläufer werden würde und auch die 2. Liga den einen oder anderen Stolperstein zu bieten hat, war von vornherein klar. Dass aber auch noch Mitte August mit einer Rumpfmannschaft gespielt wird, der Kader für einzelne Positionen überhaupt nichts her gibt und sich noch immer zu viele Absteiger, die keinen Abnehmer finden, in der Truppe tummeln, hätte ich so nicht erwartet.

Gut, es sind noch zwei Wochen Zeit den Kader verbessern und die Saison ist noch lang. Daher ist also noch nicht der Zeitpunkt gekommen, in Panik zu verfallen.

Und doch ist nach den ersten beiden Spielen Ernüchterung eingekehrt, weil der VfB dort weiter macht, wo er in der Bundesliga aufgehört hat. Es hat geradezu den Anschein, der VfB habe seine Spielweise von der Bundes- in die 2. Liga hinüber „gerettet“, was jedoch kein Grund zur Freude, sondern eher einer zum Durchdrehen ist.

Gegen St. Pauli noch, so schlecht vor allem die erste Halbzeit war, konnte man am Ende konstatieren, dass es mehr als drei Punkte auch in diesem Spiel nicht zu gewinnen gab, der Trainer am Ende alles richtig gemacht hatte und, dass der VfB sich ja sicherlich steigern und noch richtig in der 2. Liga ankommen würde. Zudem machte Mut, dass man in der Bundesliga nach einem derartigen Auftritt wohl gegen jeden Gegner eine Klatsche kassiert hätte, er in der 2. Liga jedoch zu einem Sieg reichte.

Der Druck auf die Mannschaft war natürlich enorm, nicht nur wegen des äußeren Rahmens, rannten doch unglaubliche 60.000 Zuschauer dem VfB zum Ligaauftakt die Bude ein. Jedem im Verein ist es klar, dass nur der sofortige Wiederaufstieg zählt, jedem ist auch klar, dass die enorme Unterstützung schnell abflauen dürfte, wenn sich nicht umgehend erste Erfolge einstellen sollten und der VfB nicht permanent oben mitspielt. Die stark ersatzgeschwächte und mit einigen Youngstern gespickte Truppe hatte große Schwierigkeiten ins Spiel zu finden und sich auf die bissigen und disziplinierten St. Paulianer einzustellen.
Luhukay wartete bei seiner Aufstellung mit einer großen Überraschung auf. Trotz (oder vielleicht gerade wegen?) der Personalmisere setzte er den neuen alten Hoffnungsträger auf der „10“ auf die Ersatzbank und ließ stattdessen Berkay Özcan von Beginn an auflaufen. Nachdem ich kurz geschluckt hatte, war meine Reaktion, „wenn das mal nicht ein Schachzug ist“! Wer, wenn nicht Maxim, hätte denn sonst die Fähigkeit gehabt, ein Spiel im Bedarfsfall zu drehen? Kliment, Tashchy, Özcan? Ich meine, keiner, außer eben Alexandru Maxim, der seine besten Spiele im VfB-Dress ohnehin in der Joker-Rolle hingelegt hat. Bitter zwar für einen, nach dessen Selbstverständnis er Stammspieler sein müsste, aber, im Mannschaftssport sollte ein jeder die Rolle akzeptieren, in der er für die Mannschaft am wertvollsten ist.

Die Geschichte des Spiels ist bekannt. Wir lagen zur Pause zurück, Maxim kam, sah, und wir siegten! Andere Vereine betreffend wird bei einer solchen Geschichte gerne das Händchen des Trainers gelobt. Nicht so bei uns, ein Shitstorm sondergleichen zog über die sozialen Netzwerke hinweg, gar die Grundsatzfrage Maxim oder Luhukay wurde gestellt. Maxims Berater Herbert Briem suchte die Stuttgarter Käseblätter auf und diese druckten die „Story“ bereitwillig ab. Anstatt sich als Partner des VfB zu sehen und sachdienlich und informativ zu berichten, wird hier ein Fass aufgemacht und bewusst Unruhe geschürt.

Ein Mayer-Vorfelder noch hätte den Chefredakteur im Ministerium antanzen lassen und dem Journalisten auch schon mal Hausverbot erteilt, heute aber, richtig, haben wir ja nicht mal einen Präsidenten, geschweige denn eine Abteilung Attacke, die sich gegen eine solche Berichterstattung zur Wehr setzen würde.

Ob etwas dran ist, dass Luhukay Maxim bereits eine Woche vor dem Spiel eröffnet hat, dass er nicht spielen werde, sei dahingestellt. Ich kann es mir wirklich nicht vorstellen und vermute, dass es sich nur um die halbe Wahrheit handelt. Möglicherweise hat ihm Jos gesagt „wenn Du so weiter machst, wirst Du gegen St. Pauli nicht von Beginn an spielen“ und es hat sich um Übersetzungsprobleme gehandelt oder man hat einfach einen Halbsatz weggelassen.

Maxim wird in der 2. Liga ein Stahlbad erwarten, nicht wenige, die nah dran sind und täglich mit ihm zu tun haben, haben große Bedenken, ob er es schafft, dieses durchzustehen. Im Training macht er einen sehr wehleidigen Eindruck und verliert schnell die Lust, wenn es richtig zur Sache geht. Ändert er sich diesbezüglich nicht, wird er vor allem bei den Auswärtsspielen einen sehr schweren Stand haben. Dort warten sie schon auf einen wie ihn, den sie durch übertriebene Härte versuchen aus dem Spiel nehmen, womit sie ihr Publikum zum Johlen bringen und die Stimmung automatisch aufgeheizt wird. Den VfB wird in nahezu jedem Auswärtsspiel eine Pokalatmosphäre erwarten, der man sich erst einmal stellen muss.

Wenn Maxim, der es bei sechs Trainern noch nicht zum unumstrittenen Stammspieler gebracht hat, wegen dieser Geschichte tatsächlich ans weglaufen denkt, ist es äußerst fraglich, ob gerade er der Spieler wäre, der uns zurück in die Bundesliga führt.

Nicht dass hier Missverständnisse entstehen. Ich sehe Maxim gern spielen und mag ihn und mitunter seine genialen Momente wie einst in Paderborn, als er, richtig, als Einwechselspieler, Daniel Ginczek den Ball so perfekt in den Lauf spielte, dass wir erst mit einem Jahr Verspätung abgestiegen sind.

So war zunächst einmal am Ende alles gut. Maxim der Matchwinner und der VfB erstmals seit 2011 wieder mit einem Auftaktsieg. Dass noch viel Sand im Getriebe war, geschenkt! Der VfB muss sich ohnehin bis zur Schließung des Transferfensters durch die Liga mogeln und danach richtig durchstarten.

Dass der VfB nach dem Montagspiel direkt das Freitagabend-Spiel serviert bekam und damit die denkbar kürzeste Regenerationspause aller Zweitligisten hatte, ebenfalls geschenkt und für mich kein Alibi für den Auftritt in Düsseldorf.

Düsseldorf gehörte in den 80er- und 90er-Jahren zu meinen Lieblingsauswärtsspielen. Der Altstadt wegen und auch weil wir dort schon den einen oder anderen Kantersieg eingefahren hatten und die Erinnerungen an das Rheinstadion daher angenehm sind. Beim letzten Gastspiel der Fortuna jedoch verloren wir 2012/2013 beim späteren Absteiger sang- und klanglos mit 3:1.

Ähnlich ging auch der Auftritt am Freitag in die Hose. Nach der unsäglichen Maxim-Diskussion unter der Woche konnte Luhukay nur verlieren. Stellt er ihn von Beginn an auf, ist er eingeknickt, stellt er ihn nicht auf, wäre ihm wohl Sturheit unterstellt werden. So durfte Maxim also mal wieder von Beginn an ran und setzte dabei weitaus weniger Glanzlichter, als gegen St. Pauli als Reservist, wo er auf eine müde werdende Abwehrformation traf. Maxim blieb das komplette Spiel über relativ wirkungslos, was jedoch nicht an ihm allein lag, sondern auch an der fehlenden Qualität seiner Mitspieler. Er musste sich die Bälle teilweise am eigenen Strafraum selbst holen, weil ein Mittelfeld quasi nicht vorhanden war.

Dies nicht nur deshalb, weil Hosogai bereits in der Anfangsphase mit Muskelfaserriss ausgewechselt werden musste. Für ihn kam Matthias Zimmermann, der einen schweren Stand hatte und später, als Sama ausgewechselt wurde, in die Innenverteidigung rückte.

Zimmermann ist von Haus aus rechter Verteidiger, ob man einem unerfahrenen Spieler einen Gefallen tut, ihn auf einer nicht gewohnten und doch so wichtigen Position einzusetzen, sei dahingestellt. Diese Maßnahme war der dünnen Personaldecke geschuldet. Hosogai ist neben dem derzeit verletzten Mart Ristl unser einziger etatmäßiger Sechser. Anto Grgic, ein weiterer Mann für die Zentrale, plagt sich mit Rückenbeschwerden herum und fällt, wie Ristl und jetzt Hosogai, fürs erste aus.

Matthias Zimmermann indes konnte einem doppelt leidtun. Zum einen musste sich Zimmermann in der Zentrale einfinden, zum anderen hieß sein Nebenmann Christian Gentner.

Nachdem Gentner gegen St. Pauli eines seiner besseren Spiele abgeliefert hatte und zudem das Siegtor erzielte, hätte man ihn in Düsseldorf bedenkenlos auf die Bank setzen können. Getreu dem Motto „auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“ haut Gentner gefühlt in einem von zehn Spielen einen raus und in den anderen muss man ihn mitschleppen.

Für mich ist und bleibt Gentner das große VfB-Problem der letzten Jahre. Ein Kapitän, der weder mit (konstanter) Leistung vorangeht, noch die Fähigkeit besitzt, die Mannschaft auf dem Platz zusammenzuhalten oder ein Spiel in andere Bahnen zu lenken, ist für mich fehl am Platze. Von meinem Platz auf der Esprit-Tribüne in Reihe 1 hatte ich beste Sicht darauf, wie Gentner allein des Dirigierens Willens dirigierte, seine Mitspieler ihn jedoch offensichtlich nicht verstanden.

Er spielte No-Look-Bälle ins Nichts, in der Hoffnung, irgendwer würde seine „Ideen“ teilen. Bei Rückstand spielt der Kapitän Querpässe an der Mittellinie und verlangsamt damit das Spiel oder überträgt die Verantwortung der Spieleröffnung auf die jungen Leute wie Sama oder Zimmermann. Unbegreiflich für mich, wie man mit einer solch schlafmützigen Spielweise jahrelang unumstrittener Stammspieler und Kapitän im bezahlten Fußball sein kann und auch enttäuschend, dass Luhukay ihn in seinem Kapitänsamt bestätigte und seine Stammplatzgarantie Fortbestand zu haben scheint.

Die Besetzung der Viererabwehrkette gibt weiterhin große Rätsel auf. Insúa, der sich nun dazu bekannt hat, sicher zu bleiben, scheint die einzige feste Größe zu sein. Nach meinen Aufschlüssen aus den Testspielen und vom Trainingslager heißt Luhukays Wunsch-Duo in der Innenverteidigung Baumgartl/ Sama, welches durch die Verletzung Baumgartls derzeit gesprengt ist.

Für ihn durfte jetzt zum zweiten Mal hintereinander Toni Sunjic ran, der nicht einmal Zweitligaformat hat. Er ist einer der vielen Fehler Dutts, der öffentlich die Scouting-Abteilung abgewatscht hatte, um dann einen wie Sunjic auszugraben.

Auch Florian Klein, mit grobem Schnitzer gegen St. Pauli, erbringt momentan den Beweis, dass seine „Künste“ wohl der österreichischen Nationalmannschaft genügen, in Deutschland aber selbst die 2. Liga eine Nummer zu groß ist. Mangels Alternativen hat er ein halbherziges Bekenntnis zum VfB abgegeben, aber „man weiß ja nie, was im Fußball passiert“. Wer zum wiederholten Mal die Fans kritisiert und jetzt, wo die Liga begonnen hat, noch immer nach allen Seiten offen ist, sollte vom Verein auch einmal die Pistole auf die Brust gesetzt bekommen und vor die Alternative Weggang oder Tribüne gestellt werden! Spätestens wenn Kevin Großkreutz wieder einsatzbereit ist, dürfte er ohnehin kaum mehr zum Einsatz kommen. Übrigens, wer nach allen Seiten offen ist, ist nicht ganz dicht!

Borys Tashchy auf links außen war eine Fehlbesetzung, wie Jean Zimmer auf rechts, so dass Sturmhoffnung Terodde völlig in der Luft hing und keine Bindung zum Spiel hatte. Hoffnung macht Tobias Werner, der nach seiner Einwechslung ordentlich Dampf machte und auch mal eine ordentliche Flanke hinbekommt.

Auch wenn gerade einmal zwei Spiele gespielt sind und der Transfermarkt noch gute zwei Wochen geöffnet ist, könnte man langsam aber sicher unruhig werden.

Es ist ja auch nicht so, dass es um ein, zwei Positionen geht, die es neu zu besetzen gilt, sondern um die halbe Mannschaft. Was sich in den ersten beiden Spielen personell auf dem Platz tummelte, ist für mich bei weitem noch nicht aufstiegsreif. Da springen zwar einige junge Hoffnungsträger herum, in einer nicht funktionierenden Mannschaft werden sie jedoch verheizt oder machen spielentscheidende Fehler, wie Stephen Sama bei seinem unglücklichen Einsteigen, das zum Elfmeter führte. Dass wir in der Nachspielzeit ebenfalls einen hätten bekommen müssen führe ich nicht als Grund für die Niederlage an, niemand weiß, ob Maxim den Elfer verwandelt hätte.

Die Gründe für die Niederlage liegen eher einmal mehr in der Passivität der kompletten Mannschaft, in den durch das schlampige Passspiel resultierenden zahllosen Ballverlusten und in den mangelhaften technischen Fähigkeiten vieler unserer Spieler, weshalb angedachte Ballstafetten umgehend im Keim erstickt werden.

Dadurch entwickelt man keinerlei Kreativität und Überraschungsmomente nach vorn, so dass Düsseldorf ein Chancenplus zu verzeichnen hatte und keineswegs unverdient gewonnen hat. Mit einem solchen Auftreten werden wir auch im Pokal in Homburg Probleme bekommen. Die Saarländer tun uns sicherlich nicht den Gefallen, das Spiel zu machen und uns Räume für unser Konterspiel zu eröffnen.

Der VfB hat, was die Personalplanung angeht, fast zwei Monate zwischen dem Abstieg und der Verpflichtung Schindelmeisers verloren. Viele blicken schon neidisch an die Leine zu Hannover 96, die es scheinbar mühelos geschafft haben, eine schlagkräftige Mannschaft an den Start zu bringen. Dieser Vergleich hinkt jedoch für mich, weil man zu einem Zeitpunkt, als der Abstieg schon so gut wie besiegelt war, mit Stendel bereits den Trainer installierte, der das Team auch in der 2. Liga betreuen sollte und auch, weil Präsident und Mäzen Martin Kind seine Privatschatulle für das Ziel Wiederaufstieg einmal mehr weit geöffnet hat.

Ein Martin Harnik, dem am Wochenende gleich ein Tor für seinen neuen Arbeitgeber gelang, wäre mit Sicherheit nicht in die 2. Liga gegangen, wenn ihm ein Bundesligist ein ähnlich lukratives Angebot unterbreitet hätte, genauso wenig wie andere Wunschspieler geblieben wären, würde Kind nicht weiterhin Erstligagehälter bezahlen.

Eigentlich wäre es jetzt schon wieder an der Zeit, nervös auf den Fingernägeln zu kauen und sämtliche Wiederaufstiegshoffnungen in die Tonne zu kloppen. Aber, hey, es sind erst zwei Spiele gespielt, es folgen weitere 32, in denen sich noch eine Mannschaft finden kann, die dominant durch die Liga spaziert.

In der Führungsriege vom VfB wird doch sicherlich keiner so blauäugig sein und, wie schon beim nahenden Abstieg in der Vorsaison, die Dinge einfach ihren Lauf nehmen lassen und nicht rechtzeitig entscheidend eingreifen. Daher habe ich es mir selbst geschworen, nicht in Panik zu verfallen und entspannt zu bleiben. Zu unseren Chancen dürft ihr mich gerne am 1.9. fragen, wenn der Transfermarkt geschlossen ist und wir mit dem, was wir haben, wenigstens bis zum Winter leben müssen.

Hier ruhen meine Hoffnungen auf Jan Schindelmeiser, der nach dem Hoffenheimer Aufstieg, wenngleich auch mit finanziell ganz anderen Möglichkeiten, kurz vor Transferschluss noch Demba Ba, Chinedu Obasi und Luiz Gustavo aus dem Ärmel schüttelte.

Schindelmeiser ist ein kluger Mann, der wenig redet, dafür umso mehr schafft. Schindelmeiser weiß auch ganz genau, dass er aufsteigen MUSS. Alles andere ist nicht vermittelbar, wird nicht sofort wiederaufgestiegen wäre der VfB ab der nächsten Saison ein ganz normaler Zweitligist und müsste es sich wohl oder übel im Unterhaus gemütlich machen.

Lässt Schindelmeiser es darauf ankommen? Nein, sicher nicht, er ist doch nicht doof! Bitter für die Stuttgarter Käseblätter, dass Maulwurf H. M. aus Stuttgart-Rot beim VfB Geschichte ist und nichts mehr durchsickert. Bitter zwar für die Medien, aber auch ein Hoffnungsschimmer für mich als Fan.

Ich träume noch immer von einer Mannschaft, die die Liga rockt und davon, dass der VfB im nächsten Jahr in die Bundesliga zurückkehrt.

Ich träume davon, dass Schindelmeiser die letzten Altlasten auch noch entfernt und uns einige hungrige Neuzugänge präsentiert. Am Geld darf es nicht scheitern, es geht um die Zukunft vom VfB.

Vielleicht war der VfB ja so schlau und hat sich bereits vor Olympia die Dienste seines verlorenen Sohnes, Serge Gnabry, gesichert. Auf den ersten Blick sicherlich unrealistisch, schaut man sich die Situation vor Olympia aber einmal an, als Gnabry zu Arsenals Reserveteam abgeschoben war, wäre eine Rückkehr in die alte Heimat, wenigstens per Leihe, nicht einmal ganz so abwegig gewesen.

Ich träume davon, dass dieser Wechsel längst fix ist und man sich, damit der Junge den Kopf frei behält und sich auf Olympia konzentrieren kann, darauf verständigt hat, den Wechsel erst nach dem deutschen Ausscheiden bzw. nach dem gewonnenen Finale offiziell zu verkünden.

Auch der Wechsel von Pål André Helland von Rosenborg Trondheim zum VfB könnte bereits perfekt sein. Davor soll Helland seinen Club gegen Austria Wien noch in die Europa League Gruppenphase schießen.
Was, wenn Schindelmeiser uns auf einen Schlag diese Flügelzange präsentiert? Da Schindelmeiser schon länger im Fußball beheimatet ist und selbst auch schon gespielt hat, wird ihm nicht entgangen sein, dass man auf einigen Positionen nicht ständig improvisieren kann. Die Verteidiger Heise und Zimmer sind ebenso keine offensiven Außenbahnspieler, wie Borys Tashchy.

Schindelmeiser sieht sicherlich auch Handlungsbedarf im defensiv zentralen Mittelfeld, wo nach den Abgängen von Serey Dié und Lukas Rupp nicht nur Qualität verloren ging, sondern auch ein riesen Loch klafft.

Er wird vernommen haben, dass Ginczek wohl erst in der Rückrunde fest eingeplant werden kann und Simon Terodde zwar ein herausragender Platzhalter für ihn ist, ihm jedoch unter keinen Umständen etwas passieren darf.

Auch hier sehe ich, wie Schindelmeiser sicherlich auch, Handlungsbedarf. Tashchy und Kliment sind jetzt nicht DIE Torgaranten, die einen Ausfall Teroddes auch nur annähernd kompensieren könnten.
So fußen meine Hoffnungen auf dem Duo Schindelmeiser/ Luhukay, das ja auch bereits öffentlich Alarm geschlagen hat. Luhukay ist ein aufstiegserfahrener Trainer, der genau weiß, welche Mosaiksteinchen er noch für sein Team braucht, um das Aufstiegsziel am Leben zu erhalten.

Ich möchte es mir nicht ausmalen, dass nach den Herren Wahler, Dutt und Kramny, die den Schiffbruch zu verantworten haben, die Herren Heim, Röttgermann und Schindelmeiser als diejenigen in die VfB-Annalen eingehen möchten, die den Untergang des Tankers VfB zu verantworten haben.

Da glaube ich doch lieber weiterhin an das Gute im VfB und seiner Verantwortlichen, träumen ist ja schließlich erlaubt.

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6. August 2016

Der VfB vor der Mission Wiederaufstieg!

Endlich geht es wieder los! Am Montag startet der VfB das Abenteuer 2. Liga, dabei geht es gleich gegen den Magischen FC aus Hamburg-St. Pauli. Bekanntermaßen hege ich ja Sympathien für den Kiez-Club und habe viele Freunde dort. Diese Sympathien sind jedoch nur so lang vorhanden, so lang wir nicht gegeneinander antreten und auch nicht in der Liga in direkter Konkurrenz zueinander stehen. Am Montag ist St. Pauli ein Gegner wie jeder Andere, für mich zählt nur der VfB-Sieg.

Heute liegt der Abstieg in Wolfsburg genau 84 Tage zurück. Viel Zeit um die Tränen zu trocknen und den VfB neu und vor allem so aufzustellen, dass der Wiederaufstieg nicht nur machbar, sondern folgerichtig ist.

Denn, der VfB ist kein normaler Absteiger! Man ist kein normaler Absteiger, wenn man 39 Jahre am Stück Bundesliga gespielt hat und den Abstieg als einen Betriebsunfall ansieht. Wenn man der überwiegenden Mehrzahl der Konkurrenten infrastrukturell und vom Etat her um Längen überlegen ist, ist man auch kein normaler Absteiger.

Der VfB ist auch kein normaler Absteiger, weil die Mehrzahl der Fans offensichtlich keine bitteren Tränen verdrückt hat, als es traurige Gewissheit war, sondern eher Erleichterung verspürte. Ich hatte zuletzt jedenfalls mehr Angst vor einem weiteren Herumdümpeln in der Bundesliga, als vor dem Neustart in der 2. Liga.

So verknüpft sich bei vielen mit dem Abstieg die Hoffnung, dass der VfB den Reset-Knopf findet und mit jungen Kräften und frischem Wind die 2. Liga rockt und im nächsten Jahr gestärkt in die Bundesliga zurückkehren kann.

Viel wurde zurück auf null gestellt. Der überforderte Abstiegstrainer Kramny ist weg, der zunächst an seinem Stuhl klebende Sportdirektor Dutt ebenso, wie der sich an der einst geplanten Ausgliederung verzettelnde Präsident Wahler, die Gesichter des Abstiegs, deren Verträge ausgelaufen waren, auch.

Eine der wenigen Konstanten, die noch bleibt, ist Kapitän Christian Gentner, dessen Vertrag Robin Dutt kurz vor seiner Entlassung noch verlängern durfte. Meiner Meinung nach völlig unnötig, da Gentners Vertrag ohnehin noch ein Jahr gültig gewesen wäre und er sich erst einmal neu beweisen muss, ob er der richtige Mann und vor allem der richtige Kapitän ist, der den VfB zurück in die Spur bringt. Gerade er war es doch, auf den in den letzten so entscheidenden Saisonspielen kein Verlass war, der als erster untertauchte und nie Führungsstärke an den Tag legte.

Man kann ihm auf keinen Fall absprechen, dass ihm der Abstieg nicht weh tun würde. Er identifiziert sich mit dem Verein wie kaum ein anderer, aber, das allein reicht eben nicht. Identifizieren tun wir uns alle und stümpern ja auch nicht Woche für Woche auf dem Platz umher. Für mich wäre er mit seinen nunmehr 31 Jahren in der Fanbetreuung besser aufgehoben, auch wenn ich von dem aktuellen Team mit dieser Aussage keinen wegloben möchte.

So bleibt er uns also erhalten und Trainer Luhukay hat ihn in seinem Kapitänsamt bestätigt. Daher bleibt uns jetzt nichts anderes übrig, als darauf zu hoffen, dass sein Leistungsvermögen für die 2. Liga ausreicht und dass er präsenter ist, als in den letzten Jahren in der Bundesliga.

Von einem Absteiger mit den Möglichkeiten des VfB hätte ich erwartet, dass noch im Mai, also kurz nach dem Abstieg, sich Zu- und Abgänge die Klinke nur so in die Hand geben würden und spätestens zum Trainingsauftakt im Kader zumindest ein Korsett erkennbar wäre.

Das Gegenteil war der Fall. Wie Kaugummi zog sich die Sportdirektor-Suche hin, der Aufsichtsrat und die verbliebenen Sportvorstände Heim und Röttgermann vermittelten lange den Eindruck der totalen Planlosigkeit, lediglich unterbrochen von zwei Geistesblitzen, nämlich der Verpflichtung des auch für mich geeignetsten Trainerkandidaten Jos Luhukay und der des Top-Torjägers der vorigen Zweitligasaison, Simon Terodde.

Hatte man sich zwischendurch schon in Thomas Hitzlsperger und Marc Kienle etwas mehr Sportkompetenz ins Haus geholt, beschleunigte dies die Sportdirektoren-Suche offensichtlich auch nicht.

Scheinbar waren sich die Herren vom Aufsichtsrat nicht zu schade, an jeden noch so unrealistischen Kandidaten heranzutreten, ehe man einsah, dass man als Zweitligist schlechte Karten besitzt, wenn man den Manager eines Bundesligavereins oder den eines Vereins, der international vertreten ist, in einer Phase versucht loszueisen, in der ein Ehrenmann seinen aktuellen Verein nicht im Stich lässt.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Schäfer stellte stets DIE große Lösung in Aussicht, weshalb auch ich mich in Geduld übte und nach dem Ausscheiden der deutschen Elf in und gegen Frankreich ernsthaft von Oliver Bierhoff träumte. Dieser war wegen seiner Nähe zu Mercedes schon häufiger beim VfB im Gespräch und gehört zudem zum Schickhardt-Klientel, so dass diese große Lösung nicht so ganz abwegig zu sein schien. Vom Typen her und dem, was er bislang im Profifußball geleistet oder auch nicht geleistet hat und dazu noch keinerlei Bezug zum VfB hat, war ich nicht unbedingt begeistert, wenngleich seine Verpflichtung dem VfB auf Anhieb eine größere Strahlkraft verliehen hätte und er durch seine Kontakte Spieler zum VfB hätte lotsen können, von denen wir derzeit nicht zu träumen wagen. Einen gewissen Charme hätte diese große Lösung also durchaus besessen.

Wohl um in der wichtigsten Zeit der Saison, nämlich der in der die Saison geplant werden sollte, nicht noch mehr Zeit zu verlieren, holte man mehr als sechs Wochen nach Dutts Entlassung Jan Schindelmeiser aus der Versenkung zurück, einen Mann also, der schon sechs Jahre lang kein Amt im Profifußball mehr bekleidete. Zunächst einmal positiv ist es schon mal, dass nach den Novizen Heldt, Bobic und Dutt jetzt einer kommt, der bereits Erfahrungen als Manager im Profifußball vorzuweisen hat. Dennoch bleiben Fragezeichen zurück, wieso es denn so lang dauerte, einen Vereinslosen vom Kommen zu überzeugen.

Da weder die VfB-Verantwortlichen noch Schindelmeiser selbst eine Erklärung über den langen Zeitablauf abgegeben haben, bleibt das Gschmäckle zurück, dass Schindelmeiser wohl eher „Plan“ E oder F war und man ihn erst kontaktierte, als man begriffen hatte, dass man doch nicht mehr die ganz große Nummer im deutschen Fußball ist.

Dennoch gehe ich an die Personalie Schindelmeiser absolut unbelastet ran und bin guter Hoffnung, dass er mit seinen Kontakten in alle Teile der Welt das eine oder andere Talent zum VfB lotsen kann und den VfB langfristig zurück in die Spur bringt.

Da dem VfB in der 2. Liga bis zu 40 Millionen Euro fehlen werden, lautete die oberste Maxime zunächst, den Kader auszudünnen und alles zu verkaufen, was Geld einbringt. Die Kaufoption des AS Rom für Antonio Rüdiger spülte neun Millionen Euro in die Kassen, Timo Werner deren zehn, Kostic etwa 14 Millionen, Lukas Rupp geschätzte sechs Millionen sowie Serey Dié noch einmal 1,5 Millionen, so dass damit und vor Steuern gerade einmal jene 40 Millionen Euro auf der Einnahmenseite stehen, die es einzusparen galt und womit demzufolge auch keine großen Einkaufstouren möglich sein dürften.

Diese Abgänge tun mir allesamt Leid. Timo Werner dürfte die Luftveränderung gut tun und dazu beitragen, dass er sich von seinem Elternhaus ein Stück weit abkapselt und selbständiger wird. Die Kindermädchen-Aussage Zornigers war ja nicht aus der Luft gegriffen, Werners Vater begleitete Timo auf Schritt und Tritt und wenn eine nicht öffentliche Trainingseinheit angesetzt war, war er im Daimler-Parkhaus anzutreffen, von wo aus er die Einheiten dennoch verfolgte.

Da der Prophet im eigenen Land nichts zählt, hatte es Timo zudem schwer beim VfB. Einer, dem der VfB am Herzen liegt, Mitglied der Abstiegsmannschaft ist und durch vergebene Großchancen bspw. gegen Hannover 96 auch noch maßgeblichen Anteil am Absturz hat, leidet besonders.

Mangels Führungsspielern fehlte ihm die Unterstützung auf und neben dem Platz und wohl auch vom Verein. Dass ihn Dutt letzten Sommer wie Sauerbier in England anbot, ist ein offenes Geheimnis, dass ihn Zorniger hart ran nahm, bekannt, dass ihn danach keiner im Verein in den Arm nahm, bedauerlich – für ihn.

Dass er aber auch bei den Fans einen schlechten Stand hatte und als Sündenbock herhalten musste, fand ich schade. Für mich genoss er als Eigengewächs mit seinen gerade einmal 20 Jahren noch Welpenschutz und ich hätte seine Entwicklung gerne weiter beim VfB verfolgt.

So geht er nun zu Red Bull, das nach Albeck, Schrof, Rangnick, Jochen Schneider und einigen anderen mehr nun auch noch unsere Torwarttrainer-Legende Ebo Trautner nach Sachsen gelockt hat. In Leipzig wissen sie ganz genau, welche Kronjuwelen sich in unserem Reservoir tummeln, Timo Baumgartl dürfte der nächste sein, nach dem Red Bull die Fühler ausstreckt.

Von Lukas Rupp bin ich sehr enttäuscht. Mit Paderborn abgestiegen, mit Stuttgart abgestiegen, jeweils weitergezogen und sich dabei, zumindest finanziell, noch verbessert. Scheiß Spielergeneration, scheiß Söldner, ihm kann ich beim besten Willen kein Glück für die Zukunft wünschen und rate ihm daher nur, sich in Stuttgart nie mehr blicken zu lassen.

Filip Kostic dagegen wollte Champions League spielen und kickt nun – beim HSV. Was sich wie ein Treppenwitz anhört, ist nun Realität. Träumten wir zeitweise von 25 Millionen Euro, die er in die klamme Kasse hätte spülen können, wäre er bspw. nach Liverpool gewechselt, müssen wir nun mit gerade einmal gut der Hälfte vorliebnehmen.

Weshalb er diesen Wechsel, gerade nach Hamburg, so vehement forcierte und Wolfsburg, die wohl mehr an Ablöse zu zahlen bereit gewesen waren, eine Absage erteilte, wird nur er wissen. Wie immer wird es dabei um das Gesamtpaket und nicht nur um die schönere Stadt gegangen sein.
Es ist davon auszugehen, dass der Hamburger Mäzen Kühne die Geldschatulle für „seinen“ Wunschspieler derart weit aufgemacht hat, dass Kostic das internationale Geschäft geflissentlich am Allerwertesten vorbei geht und ihm dafür beim Anblick seines Gehaltszettels Monat für Monat einer abgeht.

Dem HSV kann man schon mal viel Spaß mit dem Balkanesen wünschen, der sich auch dort nach zwei, drei guten Spielen wieder zu Höherem berufen fühlen wird. Sportlich gesehen ein herber Verlust für uns, wenngleich es von Anfang an unrealistisch war, dass wir mit ihm in die 2. Liga gehen würden, menschlich aber ist der dem HSV durchaus zu gönnen.

Serey Dié hingegen hatte ich, auch nach seinen eigenen Aussagen, als wichtige Korsettstange für die 2. Liga angesehen. Er wechselte jedoch zurück zum FC Basel, angeblich aus familiären Gründen. Auch wenn ich mir ziemlich sicher bin, dass wir nicht abgestiegen wären, hätte Dié die letzten Spiele zur Verfügung gestanden, trauere ich ihm nicht besonders arg hinterher. Er hatte riesen Böcke in seinem Spiel, die zu Gegentoren führten, ist mit seinen 31 Jahren nicht mehr der Schnellste, verletzungsanfällig und stets für eine Rote Karte gut. Diese Lücke wurde durch Hosogai meiner Meinung nach gut geschlossen.

Wie Kostic zog es auch Arianit Ferati zum HSV, der ihn jedoch umgehend zu Fortuna Düsseldorf verlieh. Als ich Ferati vor zwei Jahren als 16-jährigen mit dem Profikader im Zillertal wirbeln sah, war ich begeistert und war guter Dinge, dass er das Zeug zu einer großen Karriere haben würde.

Der Aufschrei in den Foren war dementsprechend groß und der Vorwurf wurde mal wieder laut, der VfB verkaufe seine komplette Jugendabteilung, ohne den Jungs eine faire Chance oben gegeben zu haben. Das ist so jedoch nicht richtig. Talent allein reicht nicht aus, um es nach ganz oben zu schaffen. Früher verlangte man von jungen Spielern, dass sie den gestandenen die Koffer tragen und die Schuhe putzen, heute fasst man sie mit Samthandschuhen an und muss stets drauf achten, ja alle gleich zu behandeln, damit die Mimosen nicht in Depressionen verfallen.

Diese neue Denke regte mich schon bei Fußball-Professor Rangnick Ende der 90er-Jahre auf, als er seinen Dienst bei uns antrat und Balakov seine Sonderrechte so weit strich, bis dieser keine Lust mehr hatte. Sich Hochzudienen kennen die Wohlstandsjünglinge überhaupt nicht mehr, ich find’s schade, weil schon dadurch Hierarchien klar abgesteckt waren und die Jüngeren noch Respekt vor den Älteren hatten.

Jungprofis wie Ferati „verdienen“ bereits in Zeiten, in denen sie allenfalls bei den Amateuren zum Zug kommen, über 500.000 Euro im Jahr, fahren die fettesten Autos zu günstigsten Leasingkonditionen vom Nachbarn mit dem Stern und haben es dadurch natürlich auch schwer, die Bodenhaftung zu bewahren. Ein Ferati soll, wie man so hört, unheimlich arrogant und zudem stets mit großem Familienclan aufgetreten sein, so dass es für einen Verein dann eben auch mal heißen muss, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Schon Labbadia beklagte, als er 2012 bei uns im Fanclub zu Gast war, die Familien- und Berater-Clans der jungen Spieler, die dem Verein die Pistole auf die Brust setzen und mit Weggang drohen, wenn ihr Sprössling nicht regelmäßig spielt, weil ein jeder davon überzeugt sei, einen Messi großgezogen zu haben.

Das ist ein generelles Problem mit der heranwachsenden Spielergeneration und so verwunderte es mich auch überhaupt nicht, dass die Amateure sang- und klanglos abgestiegen sind, wenn auserkorene Führungsspieler wie Vier, Grüttner und Rathgeb an dieses Jungs nicht herankommen, weil sie, auch finanziell, in ganz anderen Sphären schweben. Entweder, solche Spieler integrieren sich in eine Mannschaft und stellen ihr eigenes Ego hintenan oder sie werden als ewiges Talent in die Annalen eingehen, ein Manuel Fischer lässt grüßen.

Bei den Zugängen hingegen hat sich weit weniger getan, so dass der Kader, wie er jetzt zum Ligastart dasteht, beileibe nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Jens Grahl kam von der Autobahnraststätte Kraichgau an den Neckar. Seine Verpflichtung kann ich nicht nachvollziehen. Unmittelbar mit dieser Verkündung brachte ich sie in Zusammenhang mit einem doch noch möglichen Weggang von Mitch Langerak.

Grahl äußerte zu Hoffenheimer Zeiten Abwanderungsgedanken, weil er nicht ewig auf der Bank sitzen wollte, daher, für mich unlogisch dieser Transfer, zumal ich als Reservetorhüter lieber Uphoff gesehen hätte. Welchen Sinn es macht, in der selbsternannten Torhüterschmiede schon seit längerer Zeit auf erfahrene Reservekeeper zu setzen, verstehe ich nicht. Hätte Schalke einst hinter Rost auch auf einen erfahrenen Mann gesetzt, wäre ein Manuel Neuer wohl dort nie zum Zuge gekommen.

Für mich macht man hier eine total unnötige Baustelle auf. Grahl dürfte auf der Stuttgarter Bank nicht viel glücklicher werden, als auf der beim badischen Nachbarn, während unsere Talente aus der zweiten Reihe schnell merken werden, dass sie über die Rolle des Amateurkeepers in der Regionalliga bei uns wohl nie hinauskommen werden, so dass sie ihr Glück irgendwann woanders versuchen.

Sonst kamen noch die ehemaligen Luhukay-Schützlinge Hajime Hosogai und Tobias Werner zum VfB. Da Luhukay weiß, wie Aufstieg geht und er auch weiß, welche Typen dem VfB noch fehlen, gestehe ich ihm diese beiden Mosaiksteine gerne zu. Jos weiß, was er an ihnen hat und die Spieler wissen, was sie an ihm haben, nicht die schlechteste Konstellation für eine fruchtbare Zusammenarbeit, zumal es sich um erfahrene Spieler handelt.
Anto Grgic kam vom Schweizer Absteiger FC Zürich zum VfB. Er ist ein entwicklungsfähiges Talent mit guter Technik, einem guten Auge und einem guten Schuss. Irgendwo habe ich gelesen, in der Schweiz vergleiche man ihn mit dem jungen Xhaka, lassen wir die Kirche erst mal im Dorf und legen die Messlatte nicht zu hoch, ich verspreche mir aber schon einiges für die Zukunft von dem Jungen.

Kaminski macht in der Innenverteidigung einen soliden Eindruck und sollte im Moment, zusammen mit Timo Baumgartl, die Nase vorn haben. DER Abwehrchef, den wir seit Jahren suchen und nicht finden, scheint er mir aber auch nicht zu sein.

Jean Zimmer ist zweitligaerfahren und kann ein richtiger Giftzwerg sein und verfügt zudem über einen guten Schuss. In der Vorbereitung fand ich ihn jetzt noch nicht so stark, wie ich ihn schon in Kaiserslautern gesehen habe, er hat noch reichlich Luft nach oben.

Der Königstransfer (bisher) ist zweifelsohne Simon Terodde. Ein toller Typ, der in nahezu jedem Testspiel traf und das gewisse Etwas hat, das man sich von einem Mittelstürmer wünscht. Es ist schon verwunderlich, dass er sich trotz einiger lukrativerer Angebote für den VfB entschieden hat. Zudem ist Terodde mit seinen 28 Jahren absolut geerdet und ein offener, sympathischer Typ.

In Anbetracht der zahlreichen Ab- und überschaubaren Zugänge liegt es auf der Hand, dass die Personalplanungen längst nicht abgeschlossen sein können. Um zu diesem Schluss zu kommen, genügt bereits ein Blick auf das Mannschaftsposter und auch auf den Kader, der die Testspiele und das Trainingslager bestritt. Da waren jeweils fast genauso viele Youngster wie Spieler mit Perspektive Startelf am Start, die meisten davon wohl in erster Linie, um den Kader aufzufüllen.

Von den noch verbliebenen Absteigern stehen noch immer die möglichen Abgänge von Emiliano Insúa und auch Florian Klein im Raum. Während ein Wechsel Insúas schon allein deshalb logisch erschiene, weil er in den letzten sechs Jahren sechs Vereine hatte, scheiterte der von Florian Klein vornehmlich daran, dass er wider (eigenem) Erwarten nicht der ganz große EM-Star wurde.

Klein, der in der Vergangenheit kaum eine Gelegenheit ausließ, gegen das „verwöhnte“ Stuttgarter Publikum zu hetzen und einer ordentlichen ersten, eine katastrophale zweite Saison folgen ließ, kartete kurz vor Beginn der Euro noch einmal nach, er fühlte sich missverstanden und ungerecht behandelt.

Dass er, zusammen mit seinem mittlerweile in Hannover beschäftigten Landsmann, maßgeblichen Anteil daran hatte, dass die Saison diese Richtung einschlug, verschwieg er, wie auch die Tatsache, dass er in der Rückrunde seinen Stammplatz aus Leistungsgründen an Kevin Großkreutz verlor, was Klein, der massiv an Selbstüberschätzung leidet, partout nicht einsehen wollte.

Während Harnik reihenweise Hundertprozentige liegen ließ, war es Klein, der uns durch seinen völlig unnötigen Platzverweis in Hamburg auf die Verliererstraße brachte und danach mehr Unsicherheitsfaktor als Stabilisator war.

Als Harnik und Klein dieses Interview gaben, war Harnik wegen seines auslaufenden Vertrages ohnehin bereits weg und auch Klein fühlte sich zu Höherem berufen und dachte wohl im Traum nicht daran, noch einmal zum VfB zurückkehren zu müssen.
Zu diesem Zeitpunkt war er ja auch inmitten der Elite des europäischen Fußballs angekommen, Mitglied des österreichischen Dream-Teams und selbsternannter Geheimfavorit der Europameisterschaft.

Dumm nur, dass Österreich von den noch größeren Fußballnationen Ungarn und Island mit als erste aus dem Turnier gekegelt wurde und es einem Florian Klein plötzlich mit Schweißperlen auf der Stirn bewusst wurde, dass er doch nicht DER EM-Star, sondern nur ein kleiner Zweitligafußballer ist. Da nach den grandiosen Leistungen der Alpenrepublik die Interessenten für Klein nicht gerade Schlange standen und der Vertrag beim VfB doch noch lukrativ genug zu sein scheint, um dann eben hier zu bleiben, kehrte Klein eben, Nomen est omen, kleinlaut zurück.

Für ihn kann man nur hoffen, dass sich doch noch ein Abnehmer findet und er die Biege macht oder dass der VfB ihm, falls nicht, einen gut bezahlten Tribünenplatz in Aussicht stellt. Hinten rechts sind wir, auch ohne Klein, mit Großkreutz, Zimmer und Zimmermann ausreichend besetzt.

Sollte Insúa noch einen Verein finden und uns verlassen, bräuchten wir noch einen Linksverteidiger, der in Konkurrenz zu Heise tritt. Im defensiven Mittelfeld sind wir mager besetzt, ebenso auf den offensiven Außenbahnen und auch im Sturm, vor allem dann, sollte Terodde während Ginczeks Absenz einmal ausfallen.

Viel Arbeit also noch für Schindelmeiser und Luhukay, bis zum 31.08. einen aufstiegsfähigen Kader auf die Beine zu stellen und auch, um bis dahin nicht zu viel Boden zu verlieren, stehen doch schon drei Ligaspiele und das Pokalspiel in Homburg im August auf dem Plan.

Manch einer legt es Schindelmeiser negativ aus, weil dieser schon zum Amtsantritt warnte, dass der derzeitige Kader nicht zu Aufstiegshoffnungen berechtigt. Ich werte das eher positiv, weil er damit den Verein wachrüttelt und zum Handeln zwingt, denn, alles andere als den sofortigen Wiederaufstieg kann und darf sich der VfB nicht leisten. Luhukay und Kapitän Gentner schlagen in dieselbe Kerbe, ich hoffe, Letzterer äußert diese Vorbehalte nicht nur, um schon wieder ein Alibi zur Hand zu haben.

Egal, wer am Montag antritt, man muss von der ersten Minute spüren, dass wir nicht in diese Liga gehören. Der Rasen muss brennen, St. Pauli muss niedergerungen werden. Der VfB genießt derzeit bei den Fans einen gewaltigen Vertrauensvorschuss. Steigende Mitgliederzahlen, über 25.000 verkaufte Dauerkarten und bereits 54.000 verkaufte Tickets für das Spiel gegen die Kiezkicker.

Diese Euphorie muss der VfB aufnehmen und am Leben erhalten. Das Publikum ist heiß und bei weitem nicht so verwöhnt, wie ihm manchmal vorgeworfen wird. Es möchte lediglich eine Mannschaft sehen, die sich zerreißt, die als Team auftritt, die sich konzentriert, die Spaß an ihrem Beruf hat, dann kommt alles andere von allein und dann akzeptiert der „verwöhnte“ Fan auch eine Niederlage, wenn man spürt, dass die Truppe alles versucht hat, der Gegner an diesem Tag aber besser war. Die Voreichen stehen gut für eine neue Zeitrechnung, es liegt am Verein und seinen Angestellten diese Chance zu nutzen.

Für das St. Pauli Spiel plagen den VfB, unabhängig davon, dass der Kader bei weitem noch nicht steht, große personelle Sorgen. Kevin Großkreutz fällt weiter aus. Inzwischen räumt er ein, dass es ein großer Fehler war, gegen Mainz im vorletzten Saisonspiel noch einmal aufgelaufen zu sein. Für mich war es ebenso ein Fehler ihn in Ingolstadt bis zum Abpfiff auf dem Platz zu belassen, wie dass man Serey Dié in Darmstadt angeschlagen nicht frühzeitig herunter nahm. Wer das so entschieden hat, ob Kramny, Dutt, Dr. Best oder die Spieler selbst, weiß ich nicht.

Es liegt jedoch die Vermutung nah, dass die Verletzungen und Ausfallzeiten der beiden nicht so lang ausgefallen wären, wenn man rechtzeitig reagiert hätte. Ärgerlich, da uns deshalb gerade diese beiden Kämpfernaturen im Saisonfinale (fast) gänzlich gefehlt haben und somit kein einziger mehr auf dem Rasen stand, der sich gegen den Abstieg gewehrt hätte. Sport 1 hatte in dieser Woche gemutmaßt, Großkreutz könne noch bis zum Oktober fehlen, was dieser umgehend dementierte. Die Meldungen von gestern, dass Großkreutz „bis auf weiteres“ individuell trainiere, schüren jedoch nicht gerade Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr.

Timo Baumgartl fällt ebenso aus wie Tobias Werner. Dessen Ausfall ist natürlich der bitterste. Nicht, weil er gerade erst mit großen Hoffnungen verknüpft vom FC Augsburg gekommen ist, sondern, weil seine Frau am Tag nach der Verpflichtung eine Totgeburt ihres gemeinsamen Sohnes erlitt, und die Familie Werner somit momentan ganz andere Sorgen hat. Ihm muss man nun die Zeit einräumen, die er braucht, um gemeinsam mit seiner Frau diesen Schicksalsschlag zu verkraften. Dafür wünsche ich ihm von Herzen alles Gute.

Auch wenn wir ohnehin dünn besetzt sind und für das St. Pauli Spiel auch noch zahlreiche Ausfälle zu verkraften haben, Bange machen gilt nicht. Wir werden so oder so eine überdurchschnittliche Zweitligamannschaft auf dem Rasen haben, die imstande sein sollte, St. Pauli zu schlagen. Mit Namen wie z. B. Langerak, Zimmer, Sunjic, Kaminski, Insúa, Hosogai, Gentner, Grgic, Wanitzek (Besuschkow), Maxim, Terodde brauchen wir uns vor St. Pauli nicht zu verstecken. Bei nahezu ausverkauftem Haus wird die Hütte beben, es liegt an der Mannschaft, diesen Rückenwind aufzunehmen und St. Pauli keine Luft zum Atmen zu lassen.

Wichtig wird es sein, dass diejenigen, die spielen, die Ausfälle nicht als Alibi ansehen, sondern als ihre eigene Chance, sich in der Truppe festzuspielen. Der eine oder andere vielversprechende Youngster, der bereits in der Vorbereitung auf sich aufmerksam machte, dürfte auf der Bank Platz nehmen und vielleicht schon im ersten Spiel die große Chance erhalten, Eigenwerbung zu betreiben.

Sehr gespannt bin ich darauf, wie Alexandru Maxim diese neue Liga annehmen wird und wie er sich präsentiert. Ihm muss mehr als allen anderen eingebläut werden, dass es in der 2. Liga mit Schönspielerei allein keinen Blumentopf zu gewinnen gibt. Versucht er es dort auch mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei, werden ihm seine Gegenspieler auf die Socken hauen und die gegnerischen Fans begeistert johlen. Darauf muss er sich einstellen und endlich sein Heulsusen-Image ablegen.

Die 2. Liga stellt für alle Neuland dar, für die Spieler, aber auch für uns Fans. Die Anstoßzeiten sind gewöhnungsbedürftig, die Stadien zwar kleiner und trotzdem eher selten ausverkauft. So ist es für mich ein ganz neues Gefühl, fast überall problemlos außerhalb des Gästeblockes an Karten zu kommen und mich dabei zu wundern, dass es hie und da auch auf der Haupttribüne Stehplätze zu erwerben gibt. Ich freue mich darauf, auf die Liga und auch dass es endlich wieder losgeht.

Ich freue mich auch, dass die letzten Jahre passé sind und wir unbelastet und runderneuert in das Abenteuer 2. Liga starten. Dass ich die meisten Gesichter des Niedergangs nicht mehr sehen muss und dass es vermutlich einige Siege mehr zu feiern geben wird als zuletzt.

Dass der VfB hoffentlich wieder vornehmlich in der Spitzengruppe anzutreffen ist und dass wir im nächsten Sommer, genau zehn Jahre nach der Meisterschaft, möglicherweise wieder eine Meisterschaft oder zumindest den Wiederaufstieg feiern dürfen.

Dazu muss vieles zusammen passen, doch, sind wir mal ehrlich, von den Voraussetzungen her sind wir der FC Bayern der 2. Liga und haben mehr Potential und einen besseren Kader als jeder Ligakonkurrent. Diesen Vorteil müssen wir für uns nutzen, jetzt oder nie, neige ich fast zu sagen, denn, wer es im ersten Jahr nicht schafft, hat es im zweiten ungleich schwerer.

Daher ist der Wiederaufstieg Pflicht, mit etwas anderem beschäftige ich mich nicht, schon gar nicht vor dem ersten Spiel. Der Aufstieg ist alternativlos, das muss jedem Verantwortlichen und jedem Spieler eingebrannt sein, es gibt nur dieses eine Ziel, je vehementer sie dran glauben, desto wahrscheinlicher ist es, dass wir schon in einem Jahr wieder Bundesliga-Touren planen.

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