26. Dezember 2017

Ein Blick zurück aufs Aufstiegs- und aufs Ausgliederungsjahr!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 17:19

Kurz vor dem Jahreswechsel ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen und das Fußballjahr Revue passieren zu lassen.

Für den VfB war es ein sehr bewegendes Jahr. Zunächst trug das Trainingslager in Lagos Früchte, als man nach zwei Niederlagen vor Weihnachten zum Rückrundenstart eine Siegesserie hinlegte und dadurch den Grundstein für den späteren Aufstieg legte.

Diese Serie bekam eine Delle und schlug einige Spiele lang ins Gegenteil um, nachdem dem VfB nach der nächtlichen Eskapade von Kevin Großkreutz am Rosenmontag nichts anderes übrig blieb, als sich vom Weltmeister zu trennen.

Sein Ausflug mit VfB-Jugendspielern im Schlepptau in den überschaubaren Stuttgarter Rotlichtbezirk schadete nicht nur dem Renommee des Vereins, sondern schwächte uns auch sportlich. Mit dem Derbysieg gegen den KSC freilich endete diese Schwächephase zur rechten Zeit und fortan ließ sich der VfB vom großen Ziel Aufstieg nicht mehr abbringen.

Mit dem Heimsieg gegen die Würzburger Kickers am 21. Mai war dieser dann schließlich perfekt. Die große Jubel-Party konnte beginnen. Zunächst auf dem Rasen, später mit den Fantastischen Vier auf dem Wasen. Persönlich war ich weder auf dem Rasen noch auf dem Wasen sondern feierte gemächlich in den bekannten Lokalitäten rund um den Cannstatter Bahnhof. Mir war das zu viel Tamtam, welches noch im Eintrag ins Goldene Buch der Stadt gipfelte, für das eigentlich Selbstverständliche.

Von den Möglichkeiten her, die der VfB im Gegensatz zu, mit Ausnahme Hannover 96, allen anderen Zweitligisten hatte, musste der Aufstieg ein Selbstläufer werden. Daher fiel es mir persönlich schwer, einer Mannschaft, in der sich noch einige Absteiger des Vorjahres befanden und einem Verein, der mich über lange Jahre so enttäuscht hatte, in dieser Stunde zu huldigen. Betriebsunfall korrigiert, mehr nicht.

Da das Zweitligajahr vom Anfang bis zum Schluss eine absolut geile Sache und willkommene Abwechslung zum tristen Bundesliga-Alltag war, kam gar fast so etwas wie Wehmut auf, wenngleich es mir natürlich auch klar war, dass ein zweites Jahr im Unterhaus nicht wirklich erstrebenswert gewesen wäre. Noch mehr Boden nach oben zu verlieren und nie mehr den Anschluss zu schaffen, die Wahrscheinlichkeit, dass dies eingetreten wäre, wäre sehr groß gewesen.

Der Verein machte es freilich geschickt, die bei vielen vorhandene Euphorie für sich zu nutzen und auf dieser Welle die Ausgliederung durchzudrücken.

Bei mir überwog, auch in der Stunde des Triumphs, die Wut darüber, dass mein VfB überhaupt in diese Situation gekommen war. Nach der Meisterschaft 2007 machte man so ziemlich alles falsch, was man falsch machen konnte. Sportdirektoren wurden erst ein KFZ-Mechaniker, dann ein Einzelhandelskaufmann und schließlich ein zweitklassiger Fußballlehrer, der das Werk seiner beiden Vorgänger dann vollendete. Diese (von den Präsidenten möchte ich gar nicht erst anfangen) wirtschafteten, „kontrolliert“ vom Aufsichtsrat, den Verein herunter und machten aus einem stolzen Champions League Teilnehmer einen Absteiger. Nicht nur, dass wir zurecht abgestiegen waren, vor allem wegen der fatalen Außendarstellung des Vereins und des Umfelds über etliche Jahre, in denen die Fanszene als Trainer- und Sportdirektoren-Killer wahrgenommen wurde, schien es so, dass dieser Abstieg dem VfB ligaweit wie sonst nur noch dem HSV gegönnt wurde.

Die zweite Liga bot also nicht nur die Chance, sich sportlich und finanziell zu konsolidieren, sondern auch jene, das Image aufzupolieren. Letzteres gelang eindrucksvoll! In der 2. Liga waren wir DER Garant für gut gefüllte Stadien, in der Bundesliga wurden wir deshalb schon nach kurzer Zeit wieder vermisst.

Nach dem Abstieg und nach Robin Dutt wurde in Person von Jan Schindelmeiser erstmals wieder ein Mann auf der Kommandobrücke präsentiert, der den Job des Sportdirektors von der Pike auf gelernt hat.

Schindelmeiser machte während seiner nur ein gutes Jahr dauernden Zeit beim VfB fast alles richtig. Einziges Manko war, was wiederum der damals noch vorhandenen Vereinsführung zuzuschreiben ist, dass Schindelmeiser, obwohl seit Jahren verfügbar, erst im Juli vorgestellt wurde und bis da hin einige Personalentscheidungen, einschließlich der Verpflichtung von Luhukay, schon gefallen waren.

Schindelmeiser schaffte es dennoch bis zum Transferschluss einen aufstiegsfähigen Kader an den Start zu bringen, wobei allerdings seine und die Auffassungen von Luhukay, wie der Aufstieg zu bewerkstelligen sein würde, auseinandergingen, weshalb der Holländer schließlich seinen Hut nehmen musste.

Schindelmeiser eierte nicht lang herum und zog schnell Konsequenzen aus den Dissonanzen, welche aus heutiger Sicht betrachtet, einer glücklichen Fügung des Schicksals gleich kamen. Auch in der Trainerfrage bewies Schindelmeiser Kreativität und griff nicht einfach auf einen zufällig auf der Liste der arbeitslosen Fußballlehrer befindlichen altbekannten Fußballlehrer zurück. Er schaffte es, Hannes vom BVB loszueisen, der drei Mal in Folge Deutscher Meister mit deren Jugendteams wurde, jedoch noch nie eine Profimannschaft trainiert hatte. Das zeugte davon, dass Schindelmeiser einen Plan hatte, wie er den VfB der Zukunft sah und bereit war, auch unkonventionelle Wege zu gehen, um seine Ziele zu erreichen.

Schindelmeisers Transfers waren von sehr viel Phantasie geprägt. Jung und hungrig sollten sie sein, notfalls geliehen und in jedem Fall die Qualität steigernd. Spieler mit Wertsteigerungspotential, die kurzfristig helfen, unsere Ziele zu erreichen, langfristig aller Voraussicht nach aber nicht zu halten sein werden. Die 2. Liga war dabei das ideale Experimentierfeld, um die Jungs zu entwickeln. Dort wurde nicht gleich jeder Fehler bestraft und Niederlagen waren lang nicht so schmerzhaft, weil wir als der große Aufstiegsfavorit in jedem Spiel in der Lage waren, den Bock umgehend wieder umzustoßen.

So war ich allein vom Aufstieg weit weniger geflasht als viele andere und bin weit entfernt, die Aufstiegsmannschaft in den Heldenstatus zu hieven. Meine Helden bleiben die Aufsteiger von 1977, die das Husarenstück in einer viel schwierigeren Zeit vollbracht hatten und, weil es meine erste Saison war, in der ich regelmäßig „runter“ ging und in die auch mein allererstes Auswärtsspiel (0:0 bei den Münchner Löwen) fiel.

Ich war freilich mit meiner reservierteren Einordnung des Aufstiegs eher in der Minderheit. Der Verein schaffte es, obwohl der Aufstieg ein absolutes Muss war, im Umfeld eine Euphorie zu entfachen und den Fans und Mitgliedern vorzugaukeln, dass die Voraussetzungen geschaffen seien, zukünftig wieder im Konzert der Großen mitzuspielen, wenn denn endlich die Ausgliederung durch ginge.

Unter dem Hashtag #jazumerfolg wurde jeder diskreditiert, der anderer Auffassung war und der die Ausgliederung zum damaligen Zeitpunkt kritisch hinterfragte bzw. unter den gegebenen Voraussetzungen (noch) nicht haben wollte.

Dass eine Ausgliederung irgendwann, schon allein aus steuerrechtlichen Gesichtspunkten, hat kommen müssen, war auch mir klar. Ich fand den Zeitpunkt falsch und habe keinerlei Vertrauen in diese Vereinsführung, die uns, wie sich immer häufiger zeigt, mit falschen Versprechungen hinters Licht geführt hat.

Ich warnte immer wieder, wer für ja stimme, kaufe die Katze im Sack, weil lediglich die 41,5 Millionen Euro vom Nachbarn mit dem Stern Fakt und alles andere Luftschlösser seien.

Die Taxierung des Unternehmenswertes auf 300 Millionen Euro als Zweitligist erschien mir viel zu hoch angesetzt, zumal laut Stefan Heim dieser mit Erwartungen in die Zukunft (also vielen Unbekannten) zustande kam. Dass ein Unternehmen wie Daimler Benz, das beim VfB fest verankert ist und den Aufsichtsrat beherrscht, diese Summe zur Verfügung stellt, sagt meines Erachtens nichts über den Wert des VfB aus, sondern war, wie so vieles, ein Köder, den man den Mitgliedern hingeworfen hat, damit diese auch ja „richtig“ abstimmen.

Für mich war die außerordentliche Mitgliederversammlung eine reine Farce. Verglich ich schon das Werben für die Ausgliederung mit Trumps Wahlkampf (make VfB great again), verkam der eigentlich ernste Abend zunächst zu einer Jubelshow um die „Aufstiegshelden“, um dann mit Verspätung zu beginnen und offensichtlich auf Zeit zu spielen, die Aussprache per Beschluss beenden zu lassen, bis hin zu fragwürdig funktionierenden Abstimmungsgeräten. Ich bekomme heute noch Schaum vor den Mund, wenn ich an diesen Abend zurück denke.

Hatte man im Erklärbär-Video für die Ausgliederung noch betont, man wolle Investoren aus der Region gewinnen, scheint nun, wo die Mitglieder abgestimmt haben, keine Rede mehr davon zu sein. Hatte man bei jeder Veranstaltung, bei der für die Ausgliederung geworben wurde, Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf vor den Karren gespannt und mit diesen beiden um das Vertrauen der Mitglieder geworben, setzte man Schindelmeiser kurze Zeit später vor die Tür.

War es doch gerade er, der dafür stand, vernünftig zu wirtschaften, auf dem Spielermarkt keine verrückten Sachen zu machen und Spieler mit Wertsteigerungspotential zu holen, war es offensichtlich schon vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung beschlossene Sache, Schindelmeiser durch Michael Reschke zu ersetzen.

Schindelmeiser wurde vorgeworfen, eigenbrötlerisch zu sein und Transfers im Alleingang zu tätigen. Um Schindelmeisers Rausschmiss nicht scheinbar aus heiterem Himmel tätigen zu müssen und die Öffentlichkeit darauf vorzubereiten, warf man den Stuttgarter Nachrichten einige Interna hin und lieferte die Steilvorlage, Schindelmeiser anzuzählen. Die Gefälligkeitsjournalisten des Haus- und Hofberichterstatters ließen sich nicht zwei Mal bitten und hauten einen Artikel mit schweren Vorwürfen gegen Schindelmeiser und einem Bericht über atmosphärische Störungen auf der Geschäftsstelle raus. Ob an den Vorwürfen ein Fünkchen Wahrheit dran war, sei dahin gestellt.

Ein ganz so schlechtes Standing kann Schindelmeiser bei seinen Kollegen ja nicht gehabt haben, wenn man hört, dass über 100 Kollegen zu seinem Ausstand gekommen waren. Dass der Presse nicht gepasst haben dürfte, dass Schindelmeiser vieles lieber für sich behielt, liegt auf der Hand. Seit er weg ist, scheint auch die Stuttgarter Journaille wieder bestens informiert zu sein…

Der Artikel erschien Mitte Juli und damit sicher rein zufällig kurz nach Ende der Einspruchsfrist gegen das Abstimmungsergebnis zur Ausgliederung. Als ich Wolfgang Dietrich am Rande des Trainingslagers in Neustift im Stubaital ansprach, ob man sich um die Zukunft von Jan Schindelmeiser beim VfB sorgen müsse, verneinte er und schob den Inhalt des Artikels auf unzufriedene Spielerberater. Vertrauensbildend war auch dieses Gespräch selbstredend nicht!

Dass die angeblichen atmosphärischen Störungen nicht plötzlich auftraten, sondern seit Anfang des Jahres geschwelt haben sollen, konnte man aus dem Artikel herauslesen. Da Michael Reschke schon im Juni bei den Bayern um die Freigabe für den VfB ersucht haben soll, erhärtet sich der Verdacht, dass der Rausschmiss von Schindelmeiser über längere Zeit geplant war und man lediglich noch abwartete, bis die Einspruchsfrist gegen die Ausgliederung abgelaufen war. Schließlich waren es ja weniger die Herren Heim, Röttgermann und Dietrich, denen die Mitglieder die Daimler-Millionen
anzuvertrauen bereit waren, als dass es Jan Schindelmeiser gewesen ist.

Da man Schindelmeiser, den Sportdirektor auf Zeit, weiter Transfers tätigen ließ und Reschke, der zu gegebener Zeit kommen sollte, offensichtlich eine ganz andere Philosophie in Sachen Neuverpflichtungen verfolgt, ließ man den VfB sehenden Auges ins Verderben rennen, um ja die Ausgliederung nicht im letzten Moment noch zu gefährden. Das Resultat: 17 Punkte, 13 Tore und gerade einmal zwei Pünktchen vor einem Abstiegsplatz.

Standen Hannes Wolf und Jan Schindelmeiser für kreative Transfers von nahezu unbekannten und entwicklungsfähigen Spielern mit einer ungeheuren Power im Tank, drehte sich die Philosophie mit dem Amtsantritt von Michael Reschke um 180°.

Hieß es vor Reschke noch, dass Neuzugänge jung, wild und entwicklungsfähig sein sollen und fühlte sich Wolf bei der Entwicklung dieser Jungs in seinem Element, hat Reschke bislang nur Spieler geholt, die ihren Zenit schon überschritten haben, im Gehaltsranking aber weit oben angesiedelt sein dürften.

Bei Holger Badstuber scheiden sich ja die Geister, ob diesen noch Jan Schindelmeiser wollte und der Streit an dieser Personalie schließlich eskalierte, oder ob Michael Reschke diesen als Antrittsgeschenk mitgebracht hat.

Schenkt man den Aussagen Dietrichs in Neustift in puncto „notwendige Erfahrung in der Innenverteidigung“ Glauben, äußerte er am Beispiel von Neven Subotic, dass man solch satte Spieler, die bereits alles erreicht hätten, nicht verpflichten wolle, weil er nicht glaube, dass sie noch den nötigen Ehrgeiz mitbrächten und zudem verletzungsanfällig seien.

Die Verpflichtung von Badstuber wäre auch hier eine totale Kehrtwende, so dass ich davon ausgehe, dass diesen Transfer noch Schindelmeiser eintütete, zumal die Bekanntgabe des Transfers fast zeitgleich mit der Bestätigung der Personalie Reschke einher ging.

Santiago Ascacíbar, der sympathische Giftzwerg im defensiven Mittelfeld, soll ebenfalls von Schindelmeiser aufgespürt worden sein, so dass sich Reschke diesen Wechsel wohl auch nicht zu 100% auf die Fahnen schreiben darf. Blieben noch Aogo, Beck und, seit ein paar Tagen, Mario Gomez.

Mit Verlaub, um auf diese Namen zu kommen, braucht man nicht die Super-Spürnase schlechthin im deutschen Fußball, wie Reschke ja oft bezeichnet wird. Aogo ist 30 Jahre alt, war arbeitslos und kam in den letzten beiden Jahren auf gerade einmal 30 Spiele für Schalke 04.

Andreas Beck, 32 Jahre alt und ehemals Junger Wilder dürfte wegen der politischen Lage froh gewesen sein, dass ihn der VfB von Beşiktaş Istanbul losgeeist hat. Mit 32 Jahren noch einmal beim Heimatverein einen gut dotierten Vertrag unterschreiben dürfen, wer hätte da schon „nein“ gesagt?

Der VfB scheint sich auf dem Nostalgie-Trip zu befinden. Ich finde es ja schön, wenn sich Präsident Dietrich um die Helden vergangener Tage kümmert, sie zu Spielen einlädt und versucht, deren Netzwerke zu nutzen. Eine Traditionself fürs Ligageschäft muss allerdings nicht sein.

Nach Beck kommt mit Mario Gomez ein weiterer Meister von 2007 zurück, bei Sami Khedira scheint es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis er heim ins, ach lassen wir das, kehrt.

Ich sehe diese Entwicklung sehr skeptisch. Mit Rückholaktionen hatte der VfB selten ein glückliches Händchen und nostalgische Gefühle bergen bei Vertragsverhandlungen die Gefahr, den Blick auf die Realität zu verlieren. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen, die Spieler sind zehn Jahre älter geworden und nicht mehr die gleichen, die sie waren, als sie einst in die weite Welt hinauszogen. Wäre die alte Liebe fünf Jahre früher neu aufgeflammt, o. k., so aber wirkt deren Rückkehr auf mich wie ein bequemes ausklingen lassen der Karriere und das auch noch für ein stattliches Gehalt. Bei Beck hat sich die Skepsis bislang bewahrheitet, über Gomez reden wir in einem halben Jahr nochmal.

Dass die Mannschaft nicht ausschließlich mit jungen Wilden die Bundesliga rocken kann, steht außer Frage. Und doch hatte ich nach den Trainingslagern in Grassau und Neustift ein sehr gutes Gefühl mit den Burnić’, Mangalas, Akolos und wie sie alle heißen. Wolf, der unter Jürgen Klopp und Thomas Tuchel hospitierte stand doch einst für laufintensiven Hochgeschwindigkeitsfußball, Schindelmeiser stellte ihm, soweit möglich, das Spielermaterial zur Verfügung und war damit noch nicht fertig, zum Zeitpunkt, als er entlassen wurde.

Was ihm angelastet wurde, war, dass er Alexandru Maxim für ein Nasenwasser an einen Mitkonkurrenten gegen den Abstieg verhökert und keinen adäquaten Ersatz für ihn geholt hatte.

Reschke hätte noch drei Wochen Zeit gehabt, dieses Versäumnis zu beheben, passiert ist jedoch nichts. Mir fehlt ein Zehner für den tödlichen Pass, einer, der die Stürmer mit Vorlagen füttern kann, auch wenn ein klassischer Spielmacher im System von Hannes Wolf nicht vorgesehen zu sein scheint.

So war in der Vorrunde Sicherheitsdenken Trumpf, was zwar zu einer akzeptablen Anzahl an Gegentoren, jedoch auch zu einer völlig unakzeptablen an eigenen Toren geführt hat. Über weite Strecken wurde, vor allem auswärts, Fußball zum Abgewöhnen geboten. Stets wurde hinten Beton angerührt und vorne sollte der liebe Gott helfen. Doch, mit lediglich drei offensiv und acht defensiv denkenden Spielern auf dem Platz ist nun mal kein Offensiv-Feuerwerk zu erwarten. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Hannes Wolf mit dem Fußball, den er spielen ließ, selbst so glücklich war und auch nicht, dass dieser den Spielern Spaß gemacht hat. Wenn man den eigentlichen Sinn des Spiels Tore zu erzielen hinten anstellt und erst beginnt, ernsthaft nach vorne zu spielen, wenn man zurück liegt, kann das auf Dauer nicht befriedigend sein. Umso erstaunlicher, dass bislang so wenig Misstöne aus der Kurve zu vernehmen waren und die Leute der AG weiterhin die Bude einrennen.

Vor allem unsere Offensivkräfte mussten dabei die Lust am Fußball verlieren. Erstes „Opfer“, Simon Terodde. Noch in der zweiten Liga wegen seiner 25 Tore gefeiert, wurde ihm zuletzt die Bundesligatauglichkeit abgesprochen. Für mich zu Unrecht, weil er wenige bis überhaupt keine brauchbaren Bälle serviert bekam und sich zudem die gegnerischen Abwehrreihen fast einzig und allein auf ihn konzentrieren konnten. Dass ihn das nicht zufrieden stellte und er die Flucht ergriff, dafür habe ich Verständnis.

Dass offiziell aber Heimweh vorgeheuchelt wird und der VfB ob seiner Verdienste im Aufstiegsjahr den einzigen fitten Stürmer ziehen lässt, dafür nicht. Einen Spieler, für den vor anderthalb Jahren noch fünf Millionen Euro auf den Tisch des Bochumer Hauses gelegt wurden, für kolportierte zwei Millionen Euro, dazu noch an einen Konkurrenten im Abstiegskampf, abzugeben, ist in meinen Augen unvernünftig und wirtschaftlich unklug.

Für Gefühlsduselei und die Heimwehnummer, wenn sie denn tatsächlich stimmen sollte, ist in der Bundesliga kein Platz. Die Spieler bekommen alle genug Schmerzensgeld, ein Blick auf den Gehaltszettel sollte genügen, das Heimweh wenigstens ein weiteres halbes Jahr auszublenden. .

Entsprechend groß war der Aufschrei unter den Fans, so dass sich die Vereinsführung dazu genötigt sah, noch vor Weihnachten den Transferhammer schlechthin zu verkünden. Mario Gomez kehrt zurück auf den Wasen und soll, vorbehaltlich der sportärztlichen Untersuchung, in der Rückrunde für den VfB auf Torejagd gehen. Da die genannte Untersuchung erst Anfang Januar erfolgen soll, der Wechsel also durchaus auch noch scheitern könnte (keine Sorge, diese Blöße würde sich der VfB wohl kaum geben…), wirkt auf mich die (frühzeitige) Bekanntgabe des Transfers wie eine vorweihnachtliche Beruhigungspille.

Auch was die Rückkehr von Mario Gomez angeht, hält sich meine Freude in Grenzen. Ich bin zwiegespalten, ob er uns denn mit seinen nunmehr 32 Lenzen noch entscheidend weiterhilft. Auch er wird Vorlagen brauchen, um uns zum Klassenerhalt zu schießen. Das eigentliche Problem wurde somit also nicht gelöst, sondern, es wurde ein Strafraumstürmer durch einen anderen ersetzt.

Dabei bin ich einer derjenigen, die Gomez den Wechsel zu den Bayern und seine Aussagen drum herum nie wirklich krumm genommen haben. Dass man im Profi-Business, auch wenn ein Wechsel noch so fix ist, zu diesem erst Stellung beziehen darf, wenn sich alle Seiten über den Zeitpunkt der Bekanntgabe geeinigt haben, ist klar. Gomez, damals noch ein junger Kerl, äußerte sich unbedacht, für mich noch lange kein Grund, ihm ewig böse zu sein. Gomez hatte sich wenigstens, im Gegensatz zu vielen anderen Spielern, die wir für vergleichsweise wenig Geld oder gar ablösefrei
verloren haben, auf einen Vertrag eingelassen, der dem VfB das Heft des Handelns überließ und uns schließlich eine Rekordablöse von 35 Millionen Euro bescherte.

Daher habe ich Gomez auch nie ausgepfiffen, als er gegen den VfB spielte. Die unsäglichen Pfiffe gegen Ex-Spieler, zuletzt ja auch gegen Bernd Leno und Sven Ulreich, finde ich allgemein beschämend, und, sie helfen ja auch nicht weiter. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Spieler treiben die Pfiffe zu Höchstleistungen an, Gomez hatte in unschöner Regelmäßigkeit gegen den VfB getroffen, während Leno und Ulreich ihren Kasten zuletzt sauber hielten.

Dass Gomez, wenn er denn fit bleibt, auch mit 32 Jahren noch zu den Top-Stürmern Deutschlands gehört, darüber brauchen wir nicht zu diskutieren. Schon allein die Tatsache, dass er sich noch ernsthafte Hoffnungen auf die WM 2018 machen darf, unterstreicht, welchen Hochkaräter sich der VfB geangelt hat. Mir geht es lediglich gegen den Strich, dass der VfB offensichtlich seine Philosophie in so kurzer Zeit auf links dreht und auf ein Gehaltsgefüge zusteuert, das mir gefährlich erscheint. Gomez dürfte, ähnlich wie Beck, auf Anhieb zu den Top-Verdienern gehören, und nicht allzu viele Abstriche gegenüber seinem letzten Gehalt in Wolfsburg machen müssen. Wenn er uns zum Klassenerhalt schießt und somit kurzfristig weiter hilft, ist das gut angelegtes Geld, sollten ihm immer aber, wie zuletzt des Öfteren, muskuläre Probleme zu schaffen machen und er nicht regelmäßig zur Verfügung stehen, hätten sich meine Bedenken bewahrheitet.

Hört man Reschke so reden, begründen sich seine Hoffnungen auf eine bessere Rückrunde vor allem in der Rückkehr von Mané, Donis, Ginczek und jetzt auch Gomez. Für mich ein Vabanquespiel, vor allem bei Mané und Ginczek. Ginczek dauerhaft einzuplanen verbietet sich aufgrund seiner Verletzungshistorie von selbst, bei Mané muss man abwarten, wie das Knie reagiert, ob er fit bleibt und wie lang er braucht, um zu alter Stärke zurückzufinden. Für mich wäre es schon optimistisch gedacht, darauf zu hoffen, dass von den Vieren pro Spiel wenigstens zwei zur Verfügung stehen.

Reschke muss in der kurzen Winterpause, am besten bis zum Trainingsauftakt, liefern und die Problemzonen im Kader beheben. „Sein“ Rechtsverteidiger Andreas Beck blieb in der Vorrunde alles schuldig, was ihn einst ausgezeichnet hat und auch Dennis Aogo, der hauptsächlich wegen der Verletzung von Insúa geholt wurde, erbrachte noch nicht den Beweis uns wirklich weiter helfen zu können.

Deshalb sehe ich den größten Handlungsbedarf auf den Außenverteidigerpositionen und im kreativen Mittelfeld. Will Hannes Wolf weiter mit einer Fünferkette spielen , brauchen wir schnelle und konditionsstarke Flügelflitzer auf beiden Seiten, die auch noch in hohem Tempo brauchbare Flanken schlagen können. Im Wintertransferfenster dürfte es schwierig sein, bezahlbare Spieler, die uns sofort weiterhelfen würden, zu bekommen. Das allerdings darf für Reschke keine Ausrede sein, liefert er nicht, sehe ich für die Rückrunde schwarz.

Ich bin von der Vorrunde sehr enttäuscht, nicht nur der Spielweise wegen, sondern auch von dem, was unterm Strich herauskam. 17 Punkte aus 17 Spielen sind die Bilanz eines Absteigers. Es nutzt dabei nichts, sich daran zu ergötzen, dass vier Teams noch schlechter platziert sind und es macht auch die Bilanz nicht besser. Eine Heimniederlage zum Rückrundenauftakt gegen Hertha BSC Berlin könnte bereits ausreichen, auf Platz 17 und damit einen direkten Abstiegsplatz zurückzufallen.

Natürlich hat dem VfB im einen oder anderen Spiel das Quäntchen Glück gefehlt, um den einen oder anderen Punkt mehr zu holen, auf der anderen Seite aber hingen auch alle Siege, ausgenommen der gegen Freiburg, am seidenen Faden, so dass der VfB unterm Strich zurecht da steht, wo er steht. Ich war schon immer ein Gegner vom Fußball, der aufs reine Zerstören ausgelegt ist, und nun spielt mein VfB, der jahrzehntelang als ein Verein für begeisternden Angriffsfußball angesehen war, eben diesen.

Mir ist bewusst, dass wir Aufsteiger sind, wo wir her kommen, erst einmal kleine Brötchen backen, Demut zeigen, etc. pp. müssen. Und doch ist dieses Gerede für mich nicht zielführend und darf schon gar nicht als Alibi für die bislang gezeigten Leistungen herhalten. Wir sind eben kein normaler Aufsteiger, vergleichbar mit Braunschweig, Fürth oder Darmstadt, sondern einer, dem gerade ein Jahr Bundesliga fehlt und der vom Budget her im Mittelfeld der Liga angesiedelt ist. Für die gegebenen Voraussetzungen war mir das Gezeigte insgesamt zu wenig.

Ein Rätsel ist für mich in diesen Tagen Hannes Wolf. Mich würde sehr interessieren, welchen Fußball er sich mit dem VfB in der Rückrunde vorstellt. Ist der bislang gezeigte Sicherheitsfußball nur der personellen Not geschuldet, oder fehlt ihm tatsächlich der Mut, etwas forscher an die Sache heranzugehen. Safety first als Devise ist zunächst ja nicht verwerflich, kritisch zu hinterfragen ist diese allerdings, wenn sie komplett zu Lasten der Offensive geht und diese so gut wie nicht vorhanden ist. Manchmal wünsche ich mir tatsächlich ein wenig Zorniger in Wolf. Gerade in den Spielen auswärts bei der direkten Konkurrenz hätte ich mir eine mutigere Herangehensweise gewünscht.

Tausend Mal probiert, tausend Mal ist nichts passiert, so lassen sich die Auswärtsauftritte in der laufenden Saison beschreiben. Da muss man doch irgendwann mal etwas ändern und nicht immer und immer wieder auf die gleichermaßen erfolglose wie unattraktive Ausrichtung setzen.

Nach wie vor halte ich sehr viel von Wolfs erfrischender Art, auf Dauer aber wäre dieser Fußball schwer zu ertragen. Nach dem Pokal-Aus in Mainz nahm Dietrich erstmals die sportliche Leitung ausdrücklich in die Pflicht, weil die Einstellung einiger nicht gestimmt habe. Ob die Luft für Wolf dünner wird und an den Gerüchten, Thomas Tuchel stünde bereits in den Startlöchern, ein Fünkchen Wahrheit dran ist, wird die Zukunft zeigen. Ich jedenfalls hoffe weiterhin auf Kontinuität auf dem Trainerposten!

Jedoch wirkt Wolf auf mich seit der Schindelmeiser-Entlassung nicht mehr ganz so locker und unbeschwert. Die Symbiose zwischen den beiden hatte offensichtlich gepasst, sein Verhältnis zu Reschke wirkt merklich abgekühlter.

Für mich ist Reschke nach wie vor ein Mann für die zweite Reihe, der er sowohl bei Bayer Leverkusen als auch bei den Bayern war. Es ist schon extrem zum fremdschämen, wenn er ein Mikrofon vor die Nase gehalten bekommt. Schindelmeiser wurde vorgeworfen, seine Transfers im stillen Kämmerlein ausgeklügelt zu haben, was einigen redseligen Gestalten in Vorstand und Aufsichtsrat und auch der Stuttgarter Presse nicht gefallen haben dürfte. Reschke hingegen, der rheinische Dampfplauderer, lässt Öffentlichkeit und Presse gleichermaßen an seinen Gedankengängen teilhaben, was uns beim Romero-Transferpoker auf die Verliererstraße gebracht haben dürfte. Wenn man nicht in trockenen Tüchern befindliche Transfers alle paar Tage öffentlich kommentiert und Wasserstandsmeldungen über Größenordnungen des Transfers gibt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn größere Vereine auf den Plan treten und einem den Spieler vor der Nase wegschnappen. Schindelmeiser wird gewusst haben, weshalb er nur engste Mitarbeiter in seine Pläne eingeweiht hat, seit er weg ist, haben die Maulwürfe wieder Hochkonjunktur.

Reschke lässt auch bisher zu anderen Themen kaum ein Fettnäpfchen aus. Die Amateure, Heiligtum vieler VfB-Fans, sollen völlig von der Bildfläche verschwinden, Kritiker seiner Transfers betitelte er als Vollidioten und nach der Niederlage gegen Leverkusen wünschte er sich elf „Donisse“ auf dem Platz. Fragwürdig, wie solche Aussagen auf den Rest des Teams wirken, zumal es eher brotlose Kunst war, die Donis an diesem Abend auf den Platz brachte. Nach dem unnötigen Pokal-Aus in Mainz kündigte Reschke Einzelgespräche an, weil auch er mit der Einstellung einiger Akteure nicht einverstanden war. Mit reden allein ist es jedoch nicht getan, Reschke muss den Kader verstärken. Weniger schwätzen, mehr schaffen, auf gut schwäbisch.

Spannende Wochen stehen uns also bevor, in denen man hoffentlich nicht auf Zeit spielt und den 31. Januar und damit das Schließen des Transferfensters zu fest im Blick hat. Bis dahin sind bereits drei richtungsweisende Spiele in der Rückrunde Geschichte und der VfB könnte, wenn er denn so weiter macht wie zuletzt, schon entscheidendes Terrain verspielt haben.

Ich wünsche uns allen noch einige besinnliche Tage und ein erfolgreiches Jahr 2018. Wir lesen uns!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 8.9/10 (21 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +7 (from 7 votes)
22. April 2017

Mit Glück, Maxim und Mega-Terodde!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , – Franky @ 08:55

Der VfB Stuttgart schloss den 29. Spieltag mit einem Auswärtssieg bei Arminia Bielefeld ab und holte sich die Tabellenführung von Hannover 96 zurück.

Es war ein hartes Stück Arbeit, das den VfB auf der Alm erwartete. Die Bielefelder taten uns nicht den Gefallen an Jürgen Kramny als Trainer festzuhalten und holten seit seiner Entlassung beachtliche zehn Punkte aus vier Spielen. Der VfB indes kam nach zuvor fünf sieglosen Partien im Derby gegen den KSC zum ersten Dreier seit Ende Februar und meldete sich somit bereit für den Saison-Endspurt.

Erst zum zweiten Mal während seiner Amtszeit vertraute Hannes Wolf der Elf der Vorwoche. Der VfB begann forsch und deutete schon in der Anfangsphase an, dass man sich in Bielefeld etwas vorgenommen hatte. Vor allem über den wiedererstarkten Maxim, der nach Manés schwerer Verletzung noch DER Trumpf im Aufstiegsrennen werden könnte, liefen viele Angriffe in Richtung des Bielefelder Kastens, während sich die Ostwestfalen zunächst kaum befreien konnten.

In der zehnten Minute kam Simon Terodde wohl leicht außerhalb des Strafraums nach einem Laufduell zu Fall, die Pfeife des Hannoveraner (!) Schiedsrichters Harm Osmers blieb jedoch stumm. Pfeift er diese Aktion konsequent zu unseren Gunsten, kann man auch über eine rote Karte wegen Notbremse diskutieren. Mit der Theatralik eines Arjen Robben, der in Madrid für einen ähnlichen Kontakt den Elfmeter erhielt, wäre wohl auch hier mehr drin gewesen.

Gleich mit der ersten Torchance nach einem schönen Spielzug gingen dann die Arminen in Führung. Ausgerechnet Christoph Hemlein, der beim VfB den Durchbruch nicht schaffte, köpfte eine schöne Flanke unhaltbar für Langerak zur Führung der Arminen ein. Man merkte ihm förmlich an, wie gut ihm der Treffer gegen seinen alten Verein tat. Dennoch bot auch dieser Treffer Anlass zur Diskussion über fehlende Intensität im Abwehrverhalten. Man ließ die Bielefelder nach Belieben kombinieren, während Insúa bei Hemlein gerade mal ein Alibi-Hopserle machte und der Wucht des Bielefelders nichts entgegen setzen konnte. Nach der Führung war der VfB um eine schnelle Antwort bemüht, kam jedoch kaum zu nennenswerten Abschlüssen, weil der letzte Pass nicht ankam oder die Ballbehandlung zu schludrig vorgetragen wurde, was zu vielen unnötigen Ballverlusten führte.

Bielefeld hat seit dem Wechsel auf der Bank zum Luxemburger Jeff Saibene durchaus auch in Sachen Spielkultur etwas zu bieten und wurde mit der Führung im Rücken mutiger. Vom VfB kam in weiten Phasen der ersten Halbzeit wenig, ein insgesamt enttäuschender und auch ernüchternder Auftritt, war man doch angesichts dem fünf Spiel währenden Negativlauf und den Ergebnissen der Konkurrenz zum Nachlegen verdammt. Auf der Gegengerade, Reihe 1, wo es uns dieses Mal hinverschlagen hatte, ließ ich mich schon in Anbetracht der Atmosphäre auf der Alm zur Bemerkung hinreißen, dass überall, wohin wir reisen, beste Stimmung herrscht, was ja nicht unbedingt für den VfB spricht.

Der VfB hatte zwar über weite Strecken des Spiels ein Plus an Ballbesitz, wusste mit diesem jedoch wenig anzufangen. Dies änderte sich schlagartig in der 51. Minute, als der Bielefelder Keeper Davari außerhalb des Strafraums Alexandru Maxim den Ball vor die Füße spielte, dieser sich nicht zweimal bitten ließ und die Kugel aus 40 Metern per Bogenlampe in den Kasten drosch. Auch in Zeiten, als Maxim nicht spielte, ich die Entscheidung des Trainers aber akzeptierte und nachvollziehen konnte, betonte ich immer wieder, dass es manchmal eben doch gut tut, einen wie Maxim auf dem Rasen zu wissen. Dieses Tor, das behaupte ich mal, hätte kein anderer im Kader gemacht. Nicht nur in dieser Situation hat Maxim geglänzt, er war während des gesamten Spiels Dreh- und Angelpunkt und unheimlich engagiert und motiviert. Einer seiner besten Auftritte im VfB-Dress, an den ich mich erinnern kann.

Nur drei Minuten später dribbelte sich der Dreifach-Torschütze aus dem Hinspiel, Simon Terodde, durch die gegnerische Abwehr und lupfte den Ball im Stile eines Klassestürmers über Davari hinweg zur VfB-Führung. Danach ging es rauf und runter. Dem VfB gelang es nicht, Ruhe ins Spiel zu bekommen, während die Bielefelder vor Selbstvertrauen nur so strotzten und eine Viertelstunde vor Schluss durch Yabo zum Ausgleich kamen. Wieder war es Hemlein, der volley aus kurzer Distanz abzog, Langerak konnte nur noch vor die Füße von Yabo abklatschen und sah bei diesem Treffer nicht ganz so glücklich aus. Den Letzten beißen nun mal die Hunde, die entscheidenden Fehler passierten vorher, weil zu halbherzig agiert wurde und man keinen Zugriff auf die Gegenspieler bekam. Nun drängten beide Teams auf die Führung. Vor allem Terodde boten sich nach der Hereinnahme von Ginczek mehr Räume, doch, er scheiterte drei Mal in aussichtsreicher Position.

Ginzek kam nach dem Bielefelder Ausgleich für Anto Grgic, der erst zur Halbzeit für Özcan eingewechselt wurde. Die Höchststrafe für einen Spieler, ein- und kurze Zeit später wieder ausgewechselt zu werden, was Grgic auch überhaupt nicht schmeckte, wie sich an seiner Körpersprache und wie er sofort in die Kabine trottete, ablesen ließ.

Hannes Wolf begründete diese Maßnahme später mit den geänderten Vorzeichen und damit, dass es sonst Gentner getroffen hätte, der jedoch „noch gut im Spiel“ gewesen sei. Meinen Segen hätte Wolf bei der Herausnahme von Gentner gehabt. Es ist sowieso schwer nachzuvollziehen, weshalb Gentner nun die 10 geben darf, wo sich mit Özcan und Ofori eine Doppelsechs gefunden zu haben scheint, während der eigentliche 10er Maxim auf den Flügel ausweichen muss. Für mich hat das Ganze schon einen Touch von Wachablösung und deutet darauf hin, dass man Gentner in dieser Saison noch mitschleppt und kein Fass aufmachen möchte, im Sommer die Karten aber neu gemischt werden.

Nach Chancen hüben wie drüben spielte Daniel Ginczek zu einem Zeitpunkt, an dem man sich bereits mit einer Punkteteilung abgefunden hatte, Simon Terodde frei, der abermals mit feiner Technik Davari überwand und zum vielumjubelten 2:3 einschoss. Am Ende war es wieder einmal die individuelle Klasse und die starke Reservebank, die das Spiel zu Gunsten des VfB entschied.

Im Aufstiegsrennen indes ist man genau so schlau wie zuvor. Den Ersten VfB trennen gerade einmal drei Punkte vom Vierten Eintracht Braunschweig, so dass weiterhin jeder Ausrutscher schwerwiegende Konsequenzen haben kann.

Für den VfB bedeutet das, dass er keinen Deut nachlassen darf und sich in der Defensivarbeit tunlichst steigern sollte. Zu instabil wirkten die Auftritt zuletzt. Fünf Mal nicht gewonnen, dann ein glanzloser Sieg gegen das mit Abstand schwächste Team der Liga und jetzt auf der Alm letztlich mit Dusel und durch starke Einzelleistungen gewonnen. Ein Ruhekissen sieht anders aus.

Mit dem 1. FC Union Berlin kommt am Montag ein ganz anderes Kaliber ins Neckarstadion. Den Unionern geht zwar auswärts etwas die Wucht ab, mit der sie ihre Heimspiele bestreiten und doch stellt sich da ein ganz gefährlicher Gegner vor. Der lange verkannte Jens Keller scheint hier sein ideales Arbeitsumfeld vorgefunden zu haben und hat es geschafft, ein ausgeglichenes Kollektiv zu formen, das das Zeug zum Aufstieg hat. Mit den fantastischen Fans im Rücken könnte es das große Plus der Unioner sein, dass sie weitestgehend befreit aufspielen können, weil der Aufstieg kein Muss ist und viele es sogar lieber sähen, bliebe der 1. FC Union in der 2. Liga. Union ist der etwas andere Verein im Profifußball und versucht sich seine Traditionen, seine Fan-Nähe und seine Unabhängigkeit von Investoren zu erhalten. Gerade da haben viele Unioner Bedenken, dass sich der Verein im Falle des Aufstiegs öffnen müsse und das Ursprüngliche verloren gehen könnte.

Für den VfB könnte die Aufgabe leichter werden als gegen die Abstiegskandidaten. Es ist kaum zu erwarten, dass die Unioner, wie so viele Kontrahenten zuletzt, den Mannschaftsbus vor dem eigenen Tor parken werden. Als Tabellendritter und mit auch am Montag wieder überragender Unterstützung ihrer Fans werden sie versuchen mitzuspielen, ohne jedoch dem VfB ins offene Messer laufen zu wollen. Man darf gespannt sein, wie beide Teams mit dem Druck, der nun doch immer größer wird, umgehen werden und wer die besseren Nerven hat.

Wie wenn der Aufstiegskampf nicht genug Nerven kosten würde, wird dieser fast noch überstrahlt von der anstehenden Abstimmung über eine mögliche Ausgliederung der Fußballabteilung des VfB Stuttgart 1893 e. V. in eine Aktiengesellschaft.

Nach Jahren der Misswirtschaft beim VfB tue ich mich schwer damit, der „neuen“ Vereinsführung alles vorbehaltlos zu glauben, was uns so erzählt wird. Natürlich hört es sich charmant an, wenn Jan Schindelmeiser unmittelbar nach einer „erfolgreichen“ Abstimmung mit einem 40-Millionen-Euro-Scheck auf Shopping-Tour gehen darf. Diese Aussicht auf schnelles Geld darf uns jedoch nicht die Sinne vernebeln und dazu verleiten, ohne akribische Prüfung wichtige Werte und Mitspracherechte zu verkaufen. 40 Millionen Euro hört sich auf den ersten Blick zwar nach sehr viel an, ist im heutigen Fußballgeschäft aber auch nicht die Welt. Mit einem professionellen Scouting und den richtigen Leuten am richtigen Ort lassen sich solche Beträge durchaus auch aus eigener Kraft erwirtschaften, man stelle sich zum Beispiel nur einmal vor, wir besäßen heute noch die Transferrechte an einem Joshua Kimmich. Auch ein Leihgeschäft mit Kaufoption wie bei Carlos Mané, sollten wir die Zügel des Handelns komplett in useren Händen haben, könnte bei weiterhin positiver sportlicher Entwicklung des Spielers 25-30 Millionen Euro in die Kassen spülen, wenn man ihn für 15 Millionen Euro fest an den VfB bindet und nach ein, zwei Jahren auf die Insel verkauft und dabei unterstellt, dass er dann nicht weniger “wert” sein würde, als ein Leroy Sané, der letzten Sommer für eine Rekordsumme von 40-45 Millionen Euro zu Manchester City wechselte.

Was keiner bei der Debatte erwähnt, ist zudem, dass der neue TV-Vertrag, der ab der nächsten Saison in Kraft tritt, den Vereinen noch sehr viel mehr Geld als bisher in die Kassen spülen wird und sich die kolportierten 40 Millionen Euro somit weiter relativieren könnten.

Der VfB preschte mit dieser Mitgliederversammlung mehr oder weniger aus dem Nichts, mitten in einer sportlichen Krise und in einer Phase, in der im Grunde alles dem Ziel direkter Wiederaufstieg unterzuordnen wäre, vor und terminierte diese zudem mindestens diskussionswürdig auf einen Werktag um 18.30 Uhr. Damit werden sowohl viele, viele auswärtige Mitglieder bei dieser so zukunftsweisenden Entscheidung ausgegrenzt, als auch jene Mitglieder, deren persönliches Arbeitsumfeld es Ihnen nicht ermöglicht, zu dieser Zeit auf der Matte zu stehen.

Klar hat Präsident Dietrich immer wieder betont, dieses Thema habe den Verein (zu) lange gelähmt und müsse zeitnah zur Abstimmung kommen und dann ein für allemal (zumindest was seine Amtszeit betrifft) von der Agenda verschwinden. Und doch ist diese Entscheidung zu tiefgreifend, um sie einfach so mal hopplahopp, womöglich aufstiegstrunken und ohne Zeit und Gelegenheit sich ausreichend über die Für und Wider zu informieren, durchzupeitschen.

Der VfB wird dem entgegnen, dass Präsident Dietrich und andere Gesichter und Verantwortungsträger des Vereins in den kommenden Wochen von Veranstaltung zu Veranstaltung tingeln und für die Ausgliederung werben und dass dies Information genug sei.

Auch ich werde auf die eine oder andere dieser Veranstaltungen gehen und versuchen, mich noch tiefgreifender zu informieren, doch fehlt mir hier ein bisschen die “Gegenseite” oder zumindest das Aufzeigen des VfB von Alternativen zur Ausgliederung.

Bislang heißt es mehr oder weniger nur, entweder Ausgliederung oder wir wurschteln halt weiter wie bisher, was ja nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann. Warum steht der Daimler über allem, welche Unternehmen stehen eventuell noch zur Debatte? Gab es womöglich welche, die mehr als der Daimler bezahlt hätten? Wieso in eine AG ausgliedern, was spräche gegen andere Gesellschaftsformen?
Der VfB hat im Vorfeld der MV eigens die Seite http://www.ja-zum-erfolg.info/news/ an den Start gebracht, deren URL schon ein gewisses “Friss oder stirb” beinhaltet.

Zudem werden Dichtung und Wahrheit, Fake-News und Fakten aus VfB-Sicht beleuchtet und den Skeptikern, zumindest lese ich das so zwischen den Zeilen, suggeriert, wer dagegen ist, ist blöd oder sage nein zum Erfolg!

In welchem Zusammenhang steht denn mehr Geld mit Erfolg? Es verbessert zwar die Erfolgswahrscheinlichkeit, eine Garantie ist es aber nicht. So wie man das Daimler-Geld vergolden kann, kann man es genauso gut in den Sand setzen und dann hätte der VfB sich für Nichts und wieder Nichts und ein für allemal verkauft.

Davor habe ich Angst! Ich sehe zwar die Richtung, die der VfB seit dem Abstieg eingeschlagen hat, als positiv an. Meiner Meinung nach macht Jan Schindelmeiser einen ausgezeichneten Job. Er hat mit Hannes Wolf einen wahnsinnig interessanten und hoffnungsvollen Trainer geholt und, sollte der Aufstieg gelingen, bislang auch wirklich alles richtig gemacht.

Selbst von Präsident Dietrich, bei dem ich anfangs mehr als skeptisch war, bin ich angetan. Nach dem eher unsichtbaren Bernd Wahler wirkt Dietrich auf mich wie ein “Hans Dampf in allen Gassen”. Er ist omnipräsent, hält und knüpft Kontakte, holt alte VfB-Ikonen ins Boot oder baut durch sie (Hitzfeld, Klinsmann) auch “nur” sein Netzwerk aus. Das Fan-Sein merkt man ihm an, er gibt sich volksnah, hat stets ein offenes Ohr für jeden.

Und doch ist längst nicht alles eitel Sonneschein. Der Aufsichtsrat schwebt noch immer über allem, Dietrich ist der Kandidat des Aufsichtsrats und soll nun gefälligst die Ausgliederung durchdrücken. Dieser versucht die gute Stimmung, die im Falle des Aufstiegs herrschen wird, für diesen einschneidenden Beschluss zu nutzen.

Mir fehlt aufgrund der letzten Jahre und deshalb, weil eben dieser Aufsichtsrat, der den Verein sehenden Auges in den Abstieg schlittern ließ, noch immer die Zügel in der Hand hält, weiterhin das Vertrauen. Eine Saison in der zweiten Liga, in der wir mit dem besten und teuersten Kader der Liga erwartungsgemäß oben mitspielen, macht noch keinen Sommer.

Daher versuche ich mich auch anderweitig zu informieren und für mich herauszufinden, ob eine Ausgliederung wirklich so alternativlos ist und ob das denn alles stimmt, was uns der VfB gerade erzählt. Als Gegenpol zur Ausgliederungsseite vom VfB gibt es die Seite https://dervfbblog.wordpress.com/, in der unter anderem die angebliche Dichtung und Wahrheit zerpflückt und verdeutlicht wird, dass Bedenken durchaus berechtigt und angebracht sind. Es wird durchleuchtet, dass die versprochenen Einlagen vom Daimler zunächst einmal keinerlei Auswirkungen auf dessen Bilanz haben und deren Höhe für seine Aktionäre daher erst einmal völlig irrelevant ist.

Weshalb der Unternehmenswert vom VfB binnen eines Jahres so in die Höhe geschnellt sein soll, ist mir etwas schleierhaft und erscheint in diesem Zusammenhang in einem trüben Licht. Ist es denn gesagt, dass in absehbarer Zeit auch andere Unternehmen zu diesen Konditionen auf diesen Zug aufspringen, oder wird hier “nur” gönnerhaft vom Daimler eine Zahl in den Raum geworfen, um die Mitglieder zu ködern?

Bei mir überwiegt weiterhin die Skepsis und ich hätte es lieber gehabt, die Entscheidung darüber hätte man hintenan geschoben und dann zur Abstimmung gebracht, wenn verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen wurde. Das wäre dann der Fall, wenn der VfB durch richtige Personalentscheidungen auch in der Bundesliga nachhaltig konkurrenzfähig wäre, nicht aber zum jetzigen Zeitpunkt, wo der Aufstieg selbst für den Krösus der Liga fünf Spieltage vor Schluss am seidenen Faden hängt.

Spannende Wochen stehen uns bis zur Abstimmung bevor. Eine Abstimmung, die die Fanszene bereits jetzt spaltet, was Gift im Aufstiegskampf ist. Auf der einen Seite die Traditionalisten, die die Werte des VfB unter keinen Umständen verkaufen wollen und wohl unter keinen Umständen je für eine Ausgliederung stimmen werden und eben jene, die jedem vorwerfen, der dagegen oder zumindest skeptisch ist, ewiges Herumdümpeln zu bevorzugen und “nein zum Erfolg zu sagen”.

Ich sehe mich dazwischen angesiedelt. Erfolg ist für mich nicht alles, die zunehmende Kommerzialisierung unschön, das Ursprüngliche des Fußballs ist längst verloren gegangen. Dieses Rad lässt sich zwar nicht zurückdrehen, aber vielleicht verlangsamen, zumal eine Ausgliederung, siehe zum Beispiel den Hamburger SV, keinerlei Garantien birgt.

Im Gegenteil, die Mitgliederversammlungen sind zu traurigen Veranstaltungen verkommen (381 Mitglieder bei der letzten HSV-MV am 8.1.17), von Meisterschaftsfeiern auf dem Rathausmarkt und der Championsleague ist man auch drei Jahre nach Entscheidung meilenweit entfernt. Weshalb soll man sich dann auch noch überhaupt die MV antun, wenn man gerade noch über die Belange der Faustball- und Hockey-Abteilung befinden darf, bzgl. der Fußballabteilung aber so gut wie kein Mitspracherecht mehr besitzt? Weshalb dann überhaupt noch Mitglied sein?

Das Tempo, mit der die Ausgliederung duchgeboxt werden soll, erscheint mir wie eine Verzweiflungstat, den Abstand nach oben möglichst schnell mit Hilfe eines Investors verringern zu wollen. Die letzte Patrone sozusagen, geht das schief, versanden auch diese Millionen im Nirvana, dann gute Nacht, VfB.

Es nervt mich wirklich extrem, mir zu dieser Unzeit diese Gedanken machen zu müssen, wo am Montag ein ganz richtungsweisendes Spiel ansteht. Die beiden bisherigen Montagsspiele gegen Mit-Aufstiegsaspiranten konnte der VfB nämlich nicht gewinnen, danach geht es zu einem in dieser Saison recht unberechenbaren 1. FC Nürnberg, der seit dem Pokalfinale 2007 als unser Angstgegner gilt. Schwere Aufgaben also, die es zu meistern gilt und auf deren Bewältigung der gesamte Fokus gelegt werden sollte. Lässt der VfB da nach oder es geht im im Endspurt die Luft aus, könnte sich das Thema Ausgliederung ohnehin fürs erste selbst erledigt haben.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 10.0/10 (7 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +2 (from 2 votes)
1. März 2017

Siegesserie ausgebaut!

Nach dem am Ende schmeichelhaften Sieg beim 1. FC Heidenheim hieß es letzten Sonntag die Serie zu Hause gegen den 1. FC Kaiserslautern auszubauen.

Die Pfälzer kamen mit dem neuen Trainer Norbert Meier ebenfalls gut aus der Winterpause und reisten daher mit neuem Selbstbewusstsein an. Das Aufeinandertreffen der „Serientäter“ und die von Teilen der Fanlager gelebte Fanfreundschaft mobilisierte die Massen. Gut 52.000 Zuschauer, darunter etwa 6.000 Pfälzer ließen Bundesligaflair durchs Neckarstadion ziehen und verliehen dem Spiel bei frühlingshaften Temperaturen einen hervorragenden äußeren Rahmen.

Beim VfB stand Neuzugang Ofori erstmals im Kader. In der Startformation ersetzte der Siegtorschütze von Heidenheim, Josip Brekalo, zunächst Julian Green, während der Ex-Lauterer Jean Zimmer anstelle des verletzten Kevin Großkreutz hinten rechts verteidigte. Für meine Begriffe machte Zimmer, der beim VfB einen schweren Stand und viel Konkurrenz hat, ein ordentliches Spiel, vor allem offensiv jedoch noch mit Luft nach oben. Bei ihm bin ich guter Hoffnung, dass er sein Potential bei uns bisher bei weitem noch nicht ausgeschöpft hat und zu einer Verstärkung werden könnte, wenn er mehr Spielpraxis bekommt. Viele stempeln ihn zwar bereits als Fehleinkauf ab, für mich verfrüht!

Das Spiel war eine zähe Angelegenheit, weil die Lauterer dicht gestaffelt standen und der VfB in der ersten Hälfte keinerlei Lösungen fand, den Pfälzer Abwehrriegel zu durchbrechen. Der VfB spielte durchaus engagiert. Als Zuschauer musste man sich eigentlich nie Sorgen machen, dass in diesem Spiel etwas anbrennen könnte, weil der VfB eindeutig Herr im eigenen Haus war, nur Torchancen blieben in der ersten Hälfte absolute Mangelware.

Dabei plätscherte die Partie eigentlich nicht einmal vor sich hin, weil das Bemühen erkennbar war, sich den Gegner langsam zurechtstellen zu wollen. Das Spiel gegen die beste Abwehr der 2. Liga war nun mal kein Selbstläufer, der VfB musste einiges investieren.

Unter Hannes Wolf scheinen die trostlosen Begegnungen, die man in den Vorjahren, vor allem zu Hause, oft hat über sich ergehen lassen, der Vergangenheit anzugehören. Wolf, unsere guten Individualisten und die Möglichkeit von der Bank Qualität nachlegen zu können, geben mir derzeit die Zuversicht, dass stets etwas passieren kann.

Wie schon in Heidenheim kamen die Brustringträger hungrig aus der Halbzeitpause und hatten durch Baumgartl und Gentner gleich die ersten Torannäherungen zu verzeichnen. Auch an den Frühstarts, die der VfB regelmäßig in beiden Halbzeiten hinlegt, lässt sich ablesen, dass die Jungs in der Kabine gut eingestellt wurden und die ihnen mit auf den Weg gegebenen Vorgaben noch frisch im Gedächtnis haften.

Der VfB erspielte sich nun ein Übergewicht, kam dem erlösenden Treffer peu à peu näher und erzwang die Führung schließlich auch. Simon Terodde bewies dabei einmal mehr seinen Torriecher, als er eine Insúa-Flanke zur Führung verlängerte. Dieses Tor war bereits sein 15. in dieser Saison, womit er die alleinige Führung in der Torjägerliste übernahm. Dass er dieses bereits mit gebrochenem Nasenbein erzielte, bekam man auf der Tribüne nicht mit, unterstreicht aber die Nehmerqualitäten, die in „Torodde“ schlummern.

Kurze Zeit später hatte er dann seine Schuldigkeit getan und wurde gegen Daniel Ginczek ausgewechselt. Wohl dem, der so nachlegen kann wie der VfB. Ginczek hatte das 2:0 noch auf dem Fuß, vergab aber letztlich kläglich. Dennoch ist es nur eine Frage der Zeit, bis bei ihm der Knoten platzt und er wieder ganz der Alte ist. Immerhin sicherte er sich kurz vor Spielende noch einen Scorerpunkt, indem er den ebenfalls eingewechselten Özcan glänzend in Szene setzte und dieser schließlich mit seinem 2. Saisontreffer für die Entscheidung sorgte.

Somit stand unterm Strich ein abgeklärt errungener Sieg gegen stark verteidigende Lauterer und die Erkenntnis, dass der VfB auch eine eher zähe Partie grundsolide und konzentriert für sich entscheiden kann. Mir fällt derzeit sehr wenig ein, was gegen den Aufsteiger VfB sprechen sollte. Fünf Punkte Vorsprung auf Hannover 96, das zu Hause gegen Arminia Bielefeld nicht über ein Unentschieden hinauskam und sechs Punkte Vorsprung auf den Dritten Union Berlin sprechen schon jetzt eine deutliche Sprache.

Unser kommender Gegner Eintracht Braunschweig, in der Vorrunde stets auf einem direkten Aufstiegsplatz platziert, fand nach zuletzt fünf Spielen ohne Sieg durch den Auswärtssieg in Sandhausen wieder in die Spur und darf im Aufstiegsrennen weiterhin nicht außer Acht gelassen werden. Rechtzeitig vor dem Gipfeltreffen mit dem VfB tankte das Team des langjährigen Trainers Thorsten Lieberknecht neues Selbstvertrauen und dürfte am kommenden Montag eine harte Nuss werden.

Braunschweig hat lediglich eine (kürzlich gegen den FC St. Pauli) Heimniederlage zu beklagen, aber bereits acht Heimsiege vorzuweisen. Im Hinspiel (unter Olaf Janßen) war es eine relativ klare Angelegenheit für den VfB, zu Hause aber, mit ihrem enthusiastischen Publikum im Rücken, dürfte es für den VfB ungleich schwerer werden.

Doch, der VfB ist seit dem Trainingslager in Lagos mit dem aus der Vorrunde überhaupt nicht mehr zu vergleichen. Fünf Siege in fünf Rückrundenspielen sprechen Bände. Das Team wirkt stabiler und hat vor allem in puncto Zusammenhalt und Teamgeist zugelegt. Spieler wie Anto Grgic, die in der Vorrunde noch überhaupt keine Rolle gespielt haben, sind nicht mehr wegzudenken und der Konkurrenzkampf ist größer denn je.
In Braunschweig erwartet den VfB eine echte Reifeprüfung, denn, Spitzenmannschaften waren noch nicht unter den Rückrundengegnern. Mit einem Auswärtssieg könnte ein wahrer Big Point gelandet werden, der nicht nur drei Punkte sondern auch Rückenwind für die nächsten Aufgaben einbringen sollte. Gut sind die Erinnerungen an das Bundesligaspiel 2013 im Stadion an der Hamburger Straße, das der VfB, mit Thomas Schneider auf der Bank, mit 0:4 für sich entschied.

Weniger gut dagegen sind die Erinnerungen an die damalige Busfahrt, als wir bereits auf der Hinfahrt Probleme mit dem Bus hatten und dieser vor dem Stadion notdürftig „behandelt“ wurde, um dann völlig den Geist aufzugeben und uns zu einem mehrstündigen Stopp auf dem Rasthof Kassel zu zwingen. Das Spiel fand sonntags, 17.30 Uhr, statt, zu Hause war ich gegen 6 Uhr morgens und durfte da schon fast wieder ins Geschäft aufbrechen. Daher ist es geradezu ein Segen, dass das nächste Spiel in Braunschweig am Montagabend ist und man den Dienstag sowieso gleich mit freinehmen musste. *Ironieaus*

Eine wahre Freude ist es derweil, Hannes Wolf zu beobachten. Pressekonferenzen mit ihm sind schon allein ein Erlebnis. Man nimmt ihm dabei sogar ab, dass er das Team, das zwei Tage später auf dem Platz beginnen soll, wirklich noch nicht komplett im Kopf hat.

Er achtet bei seinen Spielern auf jedes Detail und beobachtet die Jungs bis zum Abschlusstraining, am Vortag des Spiels, ehe er elf Spielern sein Vertrauen schenkt. Wolf wägt dabei genau ab, wen er aus der Stammelf herausnehmen kann und wer sich dessen Platz auch wirklich verdient hat. Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen solch ergebnisoffenen und gerechten Konkurrenzkampf beim VfB erlebt zu haben.

Wenn sogar ein Thomas Tuchel Hannes Wolf adelt, indem er ihm bescheinigt, noch nie einen Trainer erlebt zu haben, der sich derart in die Gefühlswelt seiner Spieler hineinversetzen kann wie Hannes Wolf, drückt dies viel über die menschlichen Qualitäten aus und sollte uns Hoffnung geben, dass die Mannschaft Wolf auch weiterhin folgen wird.

Derzeit sehe ich uns auf den meisten Ebenen personell gut aufgestellt und die richtigen Leute am richtigen Platz wirken. Die Personalrochaden bei den Amateuren und den Junioren tragen erste Früchte, die Profis sind im Soll und Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf ordnen die Situation nach wie vor sachlich ein und werden genau ein Auge darauf haben, ob jemand meint, nachlassen zu können.

Schindelmeiser habe ich oft genug für seine Transfers gelobt und dafür, dass diese Transfers unter Verschluss bleiben, bis sie in trockenen Tüchern sind. Zudem krempelt er den Verein im Hintergrund weiter um und versucht die Kollateralschäden, die Bobic und Dutt verursacht haben, Stück für Stück zu kitten und den Verein zukunftsfähig aufzustellen.

Auch Wolfgang Dietrich macht auf mich bisher, wider meine eigenen Befürchtungen, einen sehr guten Eindruck.

Jüngst, am Rande des Spiels unserer Amateure gegen Nöttingen, hatte ich die Gelegenheit mit ihm zu sprechen und umriss dabei Themen wie seinen Social-Media-Auftritt, sein Treffen mit Ottmar Hitzfeld und den Aufstiegshelden von 1977, das Einbinden Altgedienter in den Verein (wurden laut seiner Aussage jahrelang sträflich vernachlässigt), wie der Wechsel von Brekalo zustande kam und einiges mehr.

Insgesamt war das ein sehr offenes Gespräch, in dem er einen ehrlichen Eindruck erweckte und man ihm anmerken konnte, mit welcher Freude und welchem Engagement er bei der Sache ist.

Viele VfB-Fans und -Mitglieder lehnen ihnen von vornherein ab, weil er als absoluter Befürworter der Ausgliederung der Profiabteilung gilt. Meiner Meinung nach sollte man aber seine Präsidentschaft und die mögliche Ausgliederung getrennt betrachten. Dietrich hat immer betont, dass dieses Thema in diesem Jahr entschieden und vom Tisch sein muss. Dabei wird er, wie seine Vorstandskollegen auch, für die Ausgliederung werben, das Ergebnis der Abstimmung dann aber akzeptieren und dieses Thema bis auf Weiteres von der Tagesordnung nehmen.

Schon bei der Gesprächsrunde mit ihm in Lagos hat er beklagt, wie das Thema den Verein jahrelang lähmte und durch die Blume zugegeben, dass die dadurch gebundenen Kapazitäten an anderer Stelle gefehlt haben und dort Stillstand herrschte. Deshalb habe ich Verständnis dafür, dass der VfB eine schnelle Entscheidung anstrebt, so oder so!

Friede, Freude, Eierkuchen rund um den VfB also, sollte man meinen. Als Blogger fehlen da einem schon fast die Themen, wenn man, wie das ganze Jahr schon, nur noch mit dem Dauergrinsen unterwegs ist. Selbst die Edel-Tribünenhocker Maxim und Klein sind kein Thema mehr, ja, es wäre so schön ruhig, wäre da nicht Kevin Großkreutz.

Dieser war in der Nacht zum Dienstag gegen 2.15 Uhr in der Stuttgarter Innenstadt in eine Schlägerei verwickelt und wurde ins Krankenhaus eingeliefert, das er am heutigen Mittwoch wieder verlassen konnte.

Als von SWR Sport gestern um die Mittagszeit auf Facebook die Meldung „Kevin Großkreutz musste gestern Abend nach einer körperlichen Auseinandersetzung ins Krankenhaus. Genaueres ist noch unklar.“ gepostet wurde, war meine erste Reaktion, die ich dort auch auf der Seite hinterließ, „Drecks Medien“.

Gerade jener Sender, der sich bei Sport im Dritten in seiner Rubrik „Klartext“ zum Moralwächter des Sports aufschwingt, gibt eine solche Meldung ohne jegliches Hintergrundwissen heraus, und legt dabei offensichtlich mehr Wert auf Exklusivität, als dass man sich auf die journalistische Sorgfaltspflicht besinnen und weiter recherchieren würde.

Kevin Großkreutz ist nun mal kein x-beliebiger Profi sondern polarisiert wie kaum ein anderer. Nachdem Onlineredaktion für Onlineredaktion in Geiermanier nachzog und diese Meldung, natürlich noch immer ohne weitere Fakten, im Netz seine Kreise zog, ließ der Shitstorm nicht lange auf sich warten.

Einer Redaktion, wie der des SWR, hätte es gut zu Gesicht gestanden, Fingerspitzengefühl an den Tag zu legen, Großkreutz (und seine Familie) zunächst einmal zu schützen. Von einem öffentlich-rechtlichen Sender erwarte ich hier einfach, auch mehr als sieben Jahre nach dem Suizid von Robert Enke, einen verantwortungsvolleren Umgang mit Informationen, die ihnen auf mysteriösem Wege (wohl aus dem Krankenhaus) zugespielt wurden.

Es scheint gerade so, als dass es den Stuttgarter Medien und dem SWR rund um die Mercedesstraße zu ruhig ist und sie Unruhe schüren wollen, um dies schleunigst zu ändern.

Auch wenn es noch so gut läuft, überall wird das Haar in der Suppe gesucht und medial breit ausgetreten. Dagegen sollten sich Medienvertreter, denen die Türen im VfB-Clubzentrum meist weit offen stehen und denen der VfB wirklich am Herzen liegt, als Partner des Vereins sehen und sich bei derart brisantem Sachverhalt mit dem Verein abstimmen. Tut man das nicht, liegt die Vermutung nah, dass man dem VfB Schaden zufügen und der Ruhe um den Verein ein schnelles Ende setzen möchte.

Bis keine endgültigen Erkenntnisse vorliegen und man nicht sicher weiß, was sich wirklich zugetragen hat, halte ich mich mit einer Wertung der Geschehnisse vollkommen zurück und wünsche Kevin Großkreutz einfach nur eine schnelle und vollständige Genesung.

Inwieweit der Verein den Vorfall bewerten und womöglich sanktionieren wird, steht noch aus. Eine Rolle spielt dabei sicherlich, ob die Sprunggelenksverletzung, die Großkreutz gegen Lautern zum zuschauen zwang, bereits auskuriert war oder ob es für einen besseren Heilungsverlauf nicht besser gewesen wäre, zu Hause die Füße hochzulegen.

Mit der Ruhe dürfte es also vorerst vorbei sein, ich befürchte, dieses Thema wird uns noch länger beschäftigen. Bleibt nur zu hoffen, dass es das Team ums Team schafft, diese Angelegenheit so weit wie möglich von der Mannschaft fernzuhalten und eine normale Vorbereitung auf das Braunschweig-Spiel hinlegen kann.

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 9.2/10 (20 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +1 (from 3 votes)
27. Dezember 2016

“Es geht darum, die ganze Scheiße der letzten Jahre zu stoppen”

Nach der desolaten Vorstellung bei der Heimniederlage gegen Hannover 96 war in Würzburg eigentlich Wiedergutmachung angesagt, wollte man den zahlreichen Anhang versöhnlich in die Winterpause entlassen.

Es stand das allererste Pflichtspiel bei den Würzburger Kickers an. Uns erwartete, wie schon so oft in dieser Zweitligasaison, ein gefühltes Pokalspiel an einer Stätte, an der man sich vor Monaten noch kein VfB-Ligaspiel hätte vorstellen können.

Das Stadion am Dallenberg darf nur mit Ausnahmegenehmigung als Spielstätte für die 2. Liga herhalten und wurde im Sommer bereits teilumgebaut, um die Übergangsauflagen erfüllen zu können. Die Zuschauerkapazität wurde auf ein Fassungsvermögen von 13.100 aufgestockt, zudem die obligatorische Rasenheizung eingebaut. Sofern die Würzburger Kickers dem bezahlten Fußball erhalten bleiben, muss das Stadion in den nächsten zwei bis drei Jahren auf mindestens 15.000 Zuschauer weiter ausgebaut werden.

Für das VfB-Spiel meldeten die Kickers mit 12.475 zahlenden Zuschauern „ausverkauft“, weil dieses Spiel als Hochsicherheitsspiel deklariert war und daher Pufferblöcke die beiden Fan-Lager trennten.
Nach ausgiebigem Frühschoppen mit einigen Freunden von den Taubertaler und Hohenloher VfB-Fans in der Wohnzimmer-Bar in Würzburg ging es mit der Straßenbahn zum Stadion. Wir hatten dieses Mal einen Block auf der Gegengerade ausgewählt, im eigentlich neutralen Bereich, der jedoch nahezu komplett in VfB-Hand war. Der Einlass gestaltete sich langwierig und zäh, wie bei einem Hochsicherheitsspiel eben üblich.

Zu den üblichen Schikanen, wenn der Obrigkeit die Düse geht, gehört es, dass auch in den vermeintlich neutralen Bereichen nur alkoholfreie Plörre ausgeschenkt wird. Normalerweise vergewissere ich mich am Bierstand auch gleich, dieses Mal jedoch ließ ich mir ein Bier mitbringen und tat damit den sprichwörtlichen Griff ins Klo. Ein Schluck und sofort entsorgt, ungenießbar das Zeugs. Gerade in Bayern verwundert ein derart schikanöses Vorgehen ganz besonders, gilt Bier dort doch als Grundnahrungsmittel und ist Betriebsräten von Firmen, die den Gerstensaft aus Bierautomaten verdammen wollten, eine Klage vor Gericht wert. Doch, auch hier beweist es sich wieder, dass die Rechte von Fußball-Fans weit unter denen von Otto-Normalbürger angesiedelt sind und man es mit ihnen ja machen kann. Würzburg ist bei weitem nicht der einzige bayerische Verein, der mit uns Schwaben so verfahren ist, auch zuletzt in Ingolstadt und Augsburg gab es nur „bleifrei“.

Nicht, dass ich es nicht zwei Stunden „ohne“ aushalten würde, mir geht es da ums Prinzip, um die Gängelei, um die Pauschalverurteilung und darum, dass die Obrigkeit offensichtlich immer mehr Gefallen daran findet, dem Fußballfan das Erlebnis Stadionbesuch so unangenehm wie nur möglich zu machen.

Zu allem Überfluss folgte dann auch noch ein Spiel unserer Brustringträger, das man unter normalen Umständen mit Freunden am Bierstand eher nebenher verfolgt hätte, waren die Spieler doch offensichtlich mit ihren Gedanken bereits im Weihnachtsurlaub bei ihren Familien, rund um den Erdball verstreut.

“Es geht darum, die ganze Scheiße der letzten Jahre zu stoppen”

Nein, das hat Hannes Wolf nach dem erbärmlichen Auftritt in Würzburg nicht von sich gegeben. Diese Aussage ist knapp 15 Monate alt und stammt von Alexander Zorniger, als er flehentlich darauf hinwies, was alles im Argen liegt und dass sich diese Missstände nicht von heute auf morgen beheben lassen. Zorniger war motiviert genug, den VfB nach vorn zu bringen, bekam diese Zeit aber (leider) nicht.

Das hat sich nun Hannes Wolf vorgenommen, fraglich ist, ob man ihm die notwendige Zeit einräumt, dieser Truppe das Phlegma auszutreiben, das stets dann um sich greift, wenn man die Möglichkeit hätte, den nächsten Schritt zu gehen.

Vor dem Spiel forderte Hannes Wolf eine Reaktion auf die Niederlage gegen Hannover 96, die mir in den Nachbetrachtungen noch viel zu gut weg kam. Schon da ließ der VfB alles vermissen, was einen Aufstiegsfavoriten auszeichnet, fehlte es an der Einstellung UND der fußballerischen Klasse, so dass unterm Strich eine hochverdiente Niederlage stand.

Wolf forderte, in Würzburg bräuchte es Männer auf dem Platz. Das Gegenteil war der Fall, elf Memmen, die nichts auf den Platz brachten, was es an diesem 4. Advent gebraucht hätte, stümperten der Winterpause entgegen.

Wirklich jedem war es klar, dass gegen die „ größte Kloppertruppe der Liga“ (Zitat von Jürgen Machmeier, Präsident des SV Sandhausen, letzte Woche) mit fußballerischer Leichtigkeit kein Blumentopf zu gewinnen sein würde, sondern dass dort andere Tugenden gefragt sein würden. Man hätte über den Kampf zum Spiel finden müssen, sich körperlich dagegen stemmen, und die Zweikämpfe annehmen müssen.

War das wirklich JEDEM klar? Nein, den Brustringträgern offensichtlich nicht! Da konnte sich Wolf den Mund fusselig reden, zum einen Ohr rein, zum anderen raus. Wir sind ja so toll, wir sind der VfB, so die Denke der sich noch immer grandios selbstüberschätzenden Spezies VfB-Profi. Nein, ihr seid nicht toll, ihr, zumindest noch immer die Hälfte der „Mannschaft“, seid diejenigen, die den einst so stolzen VfB nach vierzig Jahren in die 2. Liga katapultiert habt und seid mit „Leistungen“ wie zuletzt ein logischer und ganz normaler Zweitligist.

Dem Team fehlte es in Würzburg einmal mehr an allem, was man von einem Profifußballer erwarten können darf. Wenn schon die fußballerische Klasse nicht ausreicht, ist es durchaus erlaubt zu kämpfen, sich zu wehren, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren und als Team aufzutreten. Da man sich nahezu kampflos ergab, weiß man, wie es um deren Ehrgefühl und Charakter bestellt ist, sonst hätte man nach dem furchtbaren Auftritt gegen Hannover ein anderes Gesicht gezeigt.

Der VfB, der erstmals im (hässlichen) grauen Auswärtstrikot auftrat, lief von Beginn an hinterher und kam während der gesamten neunzig Minuten zu keiner einzigen nennenswerten Torchance. Die Schwaben erlangten gegen den vermeintlich unterlegenen Underdog nicht einmal so etwas wie Spielkontrolle, weil dies überhaupt nicht möglich ist, wenn ständige Stock- und Abspielfehler zu schnellen Ballverlusten führen. Wenn man schon die Basics nicht beherrscht und man einen schlechten Tag erwischt hat, wäre es ratsam gewesen, einfach zu spielen und zu versuchen, sich ins Spiel hineinzubeißen und an Sicherheit zu gewinnen, anstatt immer und immer wieder zu versuchen, plump durch den Gegenspieler hindurch zu spielen.

Dazu fehlt es der Truppe nach wie vor an Grips und daraus folgend am richtigen Spielverständnis, um ein Spiel in andere Bahnen zu lenken, wenn es einmal nicht wie auf dem Reißbrett geplant, läuft.
Der VfB, ohne Abwehrchef Baumgartl (gesperrt) und Kapitän Gentner (grippegeschwächt auf der Bank) angetreten, ergab sich wehrlos in sein Schicksal, weil kein einziger da war, der das Spiel geordnet und Führungsqualitäten an den Tag gelegt hätte.

Hätte man nicht gewusst, wer in den roten Trikots steckte, man hätte den Favoriten darin vermutet. Den Roten sah man den Siegeswillen an, während es bei den in grau spielenden Stuttgartern eher anmutete, man wolle diesen letzten Fußballnachmittag des Jahres einfach nur hinter sich bringen. Williger, bissiger, spritziger und auch torgefährlicher kauften die Unterfranken dem VfB schnell den Schneid ab. Da die Kickers auch noch giftiger in den Zweikämpfen waren, keinen Respekt zeigten oder gar in Ehrfurcht erstarrten, lief das Spiel von der ersten Minute an in Richtung der Würzburger.

Es ist extrem ärgerlich, dass man sich nach dem Debakel bei Dynamo Dresden ein zweites Mal von einem Aufsteiger vorführen ließ und sich auch in Würzburg über eine höhere Niederlage nicht hätte beklagen dürfen.

Advent, Advent, der Baum der brennt. Nach einer zumindest von der Punkteausbeute her bis zum 15. Spieltag passablen Vorrunde, hatte es der VfB in der Hand, sich eine formidable Ausgangsposition im Kampf um den Aufstieg zu schaffen und als Herbstmeister zu „überwintern“.

Doch, Christian Genter lässt grüßen, wollte man das überhaupt? Ist es nicht vielleicht die Denke der ganzen „Mannschaft“ und Christian Gentner trägt sie als Kapitän nun mal an die Öffentlichkeit, dass man sich in der Verfolgerrolle wohler fühlt als auf dem Platz an der Sonne? Für Leistungssportler wäre das eine fatale Einstellung, schließlich ist im Sport der Zweite schon der erste Verlierer.

Wie die „Mannschaft“ gegen Hannover und in Würzburg aufgetreten ist, offenbarte einmal mehr, dass jedwede Höhenluft dieser Truppe mehr schadet, als dass sie sie zu weiteren Großtaten anstacheln würde. Nach der Eroberung der Tabellenspitze in Aue begab sich die „Mannschaft“ in den Urlaubsmodus und dachte offensichtlich, sie habe ihre Schuldigkeit getan.

Wenn Wolf aus diesem Konzentrations- und Leistungsabfall Schlüsse ziehen möchte, dann eventuell diesen, darüber nachzudenken, ob es nicht besser gewesen wäre, nach Würzburg noch eine Trainingswoche anzusetzen und den Spielern in Aussicht zu stellen, dass man dies bei entsprechenden Leistungen zum Abschluss noch einmal überdenken könne. Eine derartige Maßnahme würde zur Teambildung beitragen und den einen oder anderen Profi zu mehr Konzentration bis zum Schluss anstacheln.

Möchte man aus dieser Schmach etwas Positives ziehen, dann das, dass es für Jan Schindelmeiser keine bessere Steilvorlage hätte geben können, den Kader im Winter noch einmal durchzumischen und teamintern jeden Stein umzudrehen.

In Würzburg wurde einmal mehr schonungslos offen gelegt, wie fragil das VfB-Gebilde nach wie vor ist und dass es an Spielern, die bedingungslos bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, mangelt. Deswegen sind wir abgestiegen, dieses Phänomen, dass der absolute Willen, alles für den Verein zu geben, fehlt, wurde auch durch die zahlreichen Abgänge und Neuzugänge nicht aus dem Innersten der „Mannschaft“ verbannt.

Wolf und Schindelmeiser legen den Finger in die Wunde und wissen um die Schwachstellen, die Wurzel dieses Übels zu finden und zu entfernen, da haben sich schon etliche Vorgänger die Zähne daran ausgebissen. Für mich befindet sich der VfB, was das angeht, erstmals seit langem auf einem guten Weg. Nach Bobic und Dutt, die eher alte Weggefährten um sich scharten und denen ein heimeliges Gefühl wichtiger war als der Leistungsgedanke, ist Schindelmeiser dabei, diesen Missstand zu korrigieren. Auch der neue Präsident Dietrich schlug bereits in dieselbe Kerbe und forderte eine bessere Leistungskultur im gesamten Verein.

Wenn hier konsequent geforscht und wirklich JEDER hinterfragt wird, ob er auf dem Posten, den er einnimmt, richtig aufgehoben ist und wirklich alles für den Vereinserfolg zu geben bereit ist, wäre ein großer Schritt getan. Es scheint noch zu viele im Funktionsteam und sonstige Amt- und Würdenträger im Verein zu geben, denen die kostenlose VIP-Karte im Neckarstadion wichtiger zu sein scheint, als der Erfolg des VfB, so dass weiterhin eine Krähe der anderen kein Auge aushackt.

Die Wohlfühloase VfB muss endlich, für alle, nicht nur die Spieler, der Vergangenheit angehören, möchte man langfristig ein Leistungsklima schaffen, das die Guten und Leistungsbereiten fördert und die Bequemen aussortiert. Gerade wenn es darum geht, langjährige (aktuelle und ehemalige) Klub-Ikonen als „faule Äpfel“ erkannt zu haben, benötigt Jan Schindelmeiser die bedingungslose Unterstützung seiner Vorstandskollegen und von Präsident Dietrich. Wird ihm diese nicht zuteil, werden Intrigen und die Vetterleswirtschaft zu Lasten des Vereins ewig weiter gehen.

Auch vom Funktionsteam würde ich mir erwarten, dass diese Insider das Kind beim Namen nennen und der Vereinsführung mitteilen, was teamintern im Argen liegt. Man hört seit Jahren immer wieder heraus, dass es in der „Mannschaft“ nicht stimmen würde, Grüppchenbildung vorherrsche, der eine oder andere gemobbt werden würde und es Neuzugänge immens schwer haben würden, sich zu integrieren und an der vorhandenen Hierarchie zu rütteln. Das ist alles andere als erfolgs- und leistungsorientiert, wenn immer noch Störfaktoren vorhanden sind, die gar nicht daran interessiert sind, dass ein echtes Team zusammenwächst.

Will man, wie Schindelmeiser sie fordert, zu einer Leistungskultur und Winner-Mentalität zurückkehren, darf NIEMAND von einer schonungslosen Analyse verschont werden. Wofür beschäftigt man zum Beispiel (wieder) einen Teampsychologen, wenn man am Verhalten der Spieler auf dem Platz keine Änderung feststellen kann. Wenn sein Dienst auf freiwilliger Basis von den Problemfällen nicht in Anspruch genommen wird, sollte man Gruppensitzungen ansetzen, um gemeinsam zu ergründen, weshalb der Teamgedanke trotz ständig wechselnden Personals seit Jahren immer noch nicht in die Mercedesstraße eingezogen ist.

Für mich verkörpert in der „Mannschaft“ nach wie vor hauptsächlich der Kapitän das fehlende Leistungsklima und das Festhalten an Erbhöfen der Vergangenheit. Gentner (in Würzburg freilich erst spät eingewechselt) ist weder DER Leader auf dem Platz noch wegen seiner Leistungen über jeden Zweifel erhaben. Er bekleidet die wichtigste Position im modernen Fußball und bringt dafür insgesamt zu wenig mit. Als Umschaltspieler muss er sowohl Staubsauger vor der Abwehr wie auch Schwungrad für eigene Angriffe sein. Beides erfüllt er meines Erachtens nur mangelhaft. Ihm kann zwar durchaus Fleiß attestiert werden, weil er viel läuft, oft aber eben nicht richtig.

Defensiv weist er in den wichtigsten Statistiken, Pass- und Zweikampfquote, extrem schwache Werte auf. Zudem fehlt ihm das Gespür, wann Tempo herauszunehmen ist und wann schnelle Angriffe eingeleitet werden müssen. Zudem fehlt ihm die Risikobereitschaft, so dass er für mich ein Alibifußballer wie er im Buche steht ist und meist eher den Quer- oder Rückpass wählt, als dass er versucht das Spiel schnell zu machen, wenn die Möglichkeit gegeben wäre. Dazu fehlt ihm die Handlungsschnelligkeit. Und, wenn es im Team schlecht läuft, ist er der erste, der untertaucht oder zur allgemeinen Verunsicherung beiträgt, wenn er überhastet schlampige Pässe spielt und seine Mitspieler damit in Bedrängnis bringt.

Dass er als DAS Gesicht des Abstiegs (neben Wahler, Dutt, Kramny) noch immer Kapitän und Stammspieler (mit vermeintlicher Stammplatzgarantie) ist und einem radikalen Neuaufbau damit im Wege steht, kann nur damit zusammenhängen, dass seine Hausmacht noch immer groß genug ist. Paradox mutet es hier schon an, dass nach dem Abstieg alle unsere „guten“ Spieler Begehrlichkeiten weckten, dem Vernehmen nach aber niemand wegen Gente angeklopft hat.

Dass Dutt während seiner letzten Zuckungen als VfB-Sportdirektor Gentner noch einen Rentenvertrag geben durfte, darüber habe ich mich schon öfter mokiert, weil ebenso unnötig (Vertrag lief noch ein Jahr) wie auch zum damaligen Zeitpunkt unverständlich. Auf der einen Seite war es sicherlich ein Faustpfand für Dutt, DER (vermeintlichen) Führungspersönlichkeit ein Treuebekenntnis, auch im Fall des Abstiegs, abzuringen, auf der anderen Seite aber spricht diese Maßnahme nicht gerade dafür, dass Dutt an einer schonungslosen Analyse, wie es zum Absturz kam, interessiert gewesen war.

Dass Gentner sich zwar aus Teilen des Fan-Lagers ständiger Kritik ausgesetzt sieht, der Stuttgarter Blätterwald jedoch meist sehr gnädig mit ihm umspringt, kann zum einen bedeuten, dass die Fans alle keine Ahnung haben oder aber auch, dass jemand ein Interesse daran hat, dass sich an den Zuständen beim VfB nichts ändert. Es ist jedenfalls schon auffällig, wie ein Alexander Zorniger seinerzeit fast herausgeschrieben wurde und wie handzahm mit Gentner umgegangen wird. Es kann schon nützlich sein, wenn man „seine“ Leute am richtigen Fleck sitzen hat…

Welche Rolle Gentners Berater Jürgen Schwab, der beim VfB seit Jahren ein und aus geht, spielt, auch darüber kann ich nur spekulieren. Immer wieder beklagen Vereine sich darüber, dass Spielerberater zu großen Einfluss auf die Vereinspolitik nehmen würden. Jürgen Schwab, seines Zeichens Inhaber der Spieleragentur BMS Sportconsulting und bester Freund von Fredi Bobic, hatte schon zur Zeit, als Bobic als Sportdirektor fungierte, mutmaßlich großen Anteil daran, dass Sven Ulreich über Jahre Stammkeeper war und ernsthafte Konkurrenz für ihn unerwünscht war. Als einer wie Bernd Leno heranwuchs, verkaufte man diesen lieber umgehend, bevor man überhaupt einen Konkurrenzkampf und/ oder eine Torwartdiskussion zuließ und Zweifel an Ulles Position hätten aufkeimen können.

Wie im Fall von Sven Ulreich schien man in den letzten Jahren auch nie an ernsthafter Konkurrenz für Christian Gentner interessiert gewesen zu sein. Waren Hoffnungsträger da, wie z. B. ein Zdravko Kuzmanović, wurden diese klein gehalten und weggemobbt.

Es ist beileibe nicht so, dass ich persönlich etwas gegen Gente hätte. Er ist ein sympathischer Kerl und trägt den Brustring im Herzen, zumindest Letzteres wie wir alle, aber, auf dem Platz ist er für mich ein Hemmschuh und steht eher für die Schlafwagenabteilung als für den Wolf’schen Angriffsfußball.

Seit Hannes Wolf antrat, musste er mehr die bestehenden Missstände verwalten als dass er groß etwas verändern hätte können. So änderte sich auch an der Stellung Gentners als absolutem Leader dieser „Mannschaft“ nichts. Zum einen sicherlich der Situation geschuldet, dass der Kader gerade im Mittelfeld zu wenig Alternativen bietet, zum anderen sicherlich aber auch, weil er dem ohnehin schon sehr fragilen Gebilde nicht auch noch das Herzstück entreißen wollte.

Außerdem könnte es eine Rolle gespielt haben, dass Gentner von außen als DAS Gesicht dieses VfB und äußerst beliebt wahrgenommen wird und sich ein Newcomer erst einmal vor der Reaktion des Umfelds scheuen könnte, DIE Integrationsfigur abzusägen. Bei letzterem kann ich ihn, wie oben bereits erwähnt, beruhigen. Unter uns Fans ist die Wahrnehmung über ihn pari, so meine Einschätzung. Die einen halten ihn für unverzichtbar, andere sehen in ihm DAS Problem des VfB überhaupt, so dass es „den“ Fans ohnehin nicht recht zu machen wäre.

Dass Gente auch bei Wolf nicht über jeden Zweifel erhaben ist, äußerte sich immerhin darin, dass er zuletzt ein paar Mal ausgewechselt wurde, was man zuvor überhaupt nicht gewohnt war.

Wolf steht für Ballbesitzfußball, frühes Pressen und schnelles Umschaltspiel, was er der Truppe bisher nur bedingt eintrichtern konnte. Die Flexibilität, die er von seinen Spielern einfordert und die sich auch in seinen Aufstellungen ausdrückt, ist noch nicht ausreichend vorhanden, sein Credo, dass seine Spieler auf dem Platz selbständig Entscheidungen treffen, ebenso nicht.

Außer im konditionellen Bereich wird das Hauptaugenmerk während der Winterpause wohl darauf gelegt werden, dies zu trainieren. Ob Wolf, Stand jetzt, die richtigen Spieler für seine Vorstellungen hat, ist fraglich.

Gerade was spielintelligente Spieler im zentralen Mittelfeld angeht, die unter Höchstbelastung auch noch wissen was zu tun ist und nicht zu schnell den Kopf verlieren, dürfte Wolf aus Dortmund verwöhnt sein, wenn man an die Herren Kehl, Bender, Gündogan, Weigl und einige andere denkt, die sich dort die Klinke in die Hand gaben. Bei Gentner habe ich die erwähnten Zweifel, Zimmermann ist für mich nicht mehr als ein Ergänzungsspieler, Pavard in der Abwehr besser aufgehoben und Hosogai zwar ein verlässlicher Arbeiter, aber kein Leader und zudem verletzungsanfällig.

Führungsspieler müssen sich entwickeln, was jedoch von innen heraus schwierig ist, wenn sich alles auf Gentner fokussiert und an ihm als Denkmal seit Jahren nicht gerüttelt wird.

Noch schwieriger als Führungsspieler selbst zu entwickeln, ist es für einen nicht auf Rosen gebetteten Zweitligisten jetzt im Winter einen geeigneten Spieler aus seinem laufenden Vertrag herauszukaufen.
Einen Glücksgriff, wie ihn Horst Heldt seinerzeit mit Pavel Pardo landete, davon träume ich zwar, halte diesen Traum aber selbst nicht für realistisch.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie man staunte, als Heldt nach der WM 2006 mit zwei Mexikanern, den allerersten in der Bundesliga überhaupt, ankam und man sich erst einmal mit den neuen Gesichtern vertraut machen und sich in ihre Vita einlesen musste.

Neben Ricardo Osorio unterschrieb „El Comandante“ Pavel Pardo, der als der Franz Beckenbauer Mexikos galt, in der Neckarmetropole. Diese Wertschätzung widerfuhr Pardo nicht nur deswegen, weil er Rekordnationalspieler seines Landes war, sondern vor allem deswegen, weil seine elegante Art Fußball zu spielen und seine Spielübersicht an Kaiser Franz erinnerten. Pardo wurde durch seine herzliche, offene Art, wie Osorio ja auch, von allen auf Anhieb ins Herz geschlossen und tat sich vor allem als tadelloser Sportsmann und Musterprofi hervor. Er war nicht der Typ Söldner, der über den großen Teich wechselte, (nur) um Millionen zu scheffeln, sondern zeigte sich interessiert an Stadt und Verein und brachte sich bestmöglich ins Team ein. Da zudem auch seine Leistungen und seine Führungsstärke auf dem Platz überzeugten, werden wir ihn, nicht nur wegen der Meisterschaft 2007, stets in bester Erinnerung behalten.

Dieser Transfer saß und legte offen, dass es zwar Glück braucht, charakterlich einwandfreie Typen für den Verein zu gewinnen, es aber auch nicht gänzlich unmöglich ist.

In Würzburg fehlten einige der vermeintlichen Führungsspieler zudem noch. Timo Baumgartl schwang sich in den letzten Wochen und Monaten zum Abwehrchef auf und ist für mich eine der wenigen Hoffnungen für die Zukunft. Wenn man immer auf der Suche nach einer Achse, bestehend aus Torwart, Abwehrchef, Mittelfeldregisseur und Stoßstürmer ist, ist er für mich in dieser gesetzt. Auch was den Stoßstürmer angeht, ob Simon Terodde oder Daniel Ginczek, sind wir ordentlich aufgestellt.

Bei Mitch Langerak bin ich hin- und hergerissen. Er ist bärenstark auf der Linie, in Strafraumbeherrschung und Spieleröffnung derzeit jedoch eher eine Version Ulreich Reloaded. Ich hoffe, er fängt sich wieder, sonst kommen wir in den nächsten Monaten um eine neuerliche Torwartdiskussion nicht herum.

Florian Klein erhebt aufgrund seines Alters und seiner Erfahrung den Anspruch Führungsspieler zu sein, dem entgegen stehen seine „Leistungen“ auf dem Platz. Er ist der Typ Söldner, der mangels Angeboten seine Zeit beim VfB absitzt und wohl weg sein dürfte, wenn ihm jemand mehr als der VfB bezahlt.

Kevin Großkreutz besticht derzeit mehr als Socialmedia-König (in Konkurrenz zu Emiliano Insúa) als auf dem Platz und wird sich steigern müssen, möchte er seinen Stammplatz nicht gefährdet sehen.

Als er im letzten Winter von Galatasaray Istanbul an den Neckar wechselte, begann er verheißungsvoll und hatte großen Anteil an der Aufholjagd zu Beginn der Rückrunde. Der Wendepunkt kam dann beim Spiel in Ingolstadt (3:3), als er sich trotz offenkundiger Muskelverletzung nicht auswechseln ließ. Dieser übertriebene Ehrgeiz, der „Mannschaft“ helfen zu wollen, rächte sich schließlich, aus einem möglicherweise „nur“ Muskelfaserriss wurde ein Muskelbündelriss, sein vorzeitiges Saisonende war bereits ausgerufen. Doch, Großkreutz wäre nicht Großkreutz, hätte dieser an der Stelle schon aufgegeben. Er kämpfte sich heran und meldete sich zum vorletzten Saisonspiel gegen Mainz 05 einsatzbereit, eine Fehleinschätzung, an der er (und wir) bis heute zu knabbern haben. Die Vorbereitung konnte er nur halbwegs mit bestreiten, so dass ihm die erforderliche Fitness für sein kampfintensives Spiel bis zuletzt gefehlt hat und er daher nur selten eine echte Hilfe für unser Spiel darstellte. In den letzten Wochen kam noch hinzu, dass er in Gedanken bei seiner noch in Dortmund lebenden hochschwangeren Ehefrau war, was ihn zusätzlich notwendige Konzentration gekostet haben dürfte. Nun ist sein Töchterchen da und er kann seinen Akku neu aufladen, so dass ich sehr zuversichtlich bin, dass wir im neuen Jahr wieder den alten Kevin Großkreutz erleben und noch viel Freude an ihm haben dürfen.

Bis die „Mannschaft“ bundesligareif ist, muss sich personell noch einiges tun, wenngleich ich dennoch davon überzeugt bin, dass der Aufstieg gelingen wird, weil die 2. Liga personell nichts Besseres als den VfB zu bieten hat. Der VfB kann nachbessern und wird nachbessern, zudem wird die erste Vorbereitung unter Cheftrainer Wolf die „Mannschaft“ weiter bringen, so dass ich nicht wüsste, welche zwei oder drei Vereine am Ende vor uns stehen sollten, wenn der VfB nur annähernd sein Potential ausschöpft.

Für aufstiegsreif halte ich die „Mannschaft“ zwar schon jetzt, für bundesligareif jedoch noch keineswegs. Sollte der Aufstieg gelingen und der VfB eine gute Rolle in der Bundesliga spielen wollen, muss sich die Mentalität der „Mannschaft“ grundlegend ändern. Es müssen Typen her, die gewillt sind, sich jedes Ergebnis jede Woche aufs Neue erarbeiten zu wollen, und es müssen jene aussortiert werden, die nicht mitziehen und den Teamerfolg gefährden.

Das geht zwar nicht von heute auf morgen, aber, es ist möglich. Der 1. FC Köln ist für mich diesbezüglich ein Paradebeispiel. Stöger und Schmadtke bringen mittlerweile eine Mannschaft auf den Platz, die in nahezu jedem Spiel über 90 Minuten und nicht nur phasenweise konzentriert zu Werke geht und selbst für die Großen schwer zu bespielen ist, weil die Mannschaft im Kollektiv diszipliniert zusammen arbeitet und kompakt auftritt.

Wolf und Schindelmeiser traue ich Ähnliches zu. Bislang gibt es an den Transfers von Jan Schindelmeiser nichts zu mäkeln, auch Julian Greens Verpflichtung sehe ich positiv. Er ist ein Spieler, der Potential hat und für den der VfB wohl die letzte Chance bietet, richtig durchzustarten, nachdem es beim HSV und den Bayern aus unterschiedlichen Gründen nicht geklappt hat. Sollte es beim VfB hinhauen, hätten wir bei den kolportierten 300.000 Euro Ablöse ein richtiges Schnäppchen gemacht, wenn nicht, Shit happens, das Risiko hielte sich in Grenzen.

Dieser Transfer spricht allerdings auch für einen Weggang von Alexandru Maxim, der es auch nach Didavis Abgang und beim x-ten Trainer nicht zur Stammkraft gebracht hat. Ihm würde eine Luftveränderung sicherlich gut tun, zu festgefahren scheint die Situation in Stuttgart zu sein für ihn.

Sein Abgang (bitte nicht unter Wert) würde Mittel freisetzen, um für die Schaltzentrale im Mittelfeld endlich nachzubessern. Dass zwischen Abwehr und Angriff eine riesen Lücke klafft, zeigte sich nicht nur in den beiden letzten Spielen, da aber ganz besonders. Ein Zwischenspieler mit gutem Zweikampfverhalten, gutem Stellungsspiel und dem Gefühl für die Situation würde dem VfB nicht nur gut tun, sondern wäre meiner Meinung nach sogar existentiell wichtig, um Stabilität ins Spiel zu bekommen und nicht durch jeden noch so kleinen Windstoß aus der Bahn geworfen zu werden.

Schindelmeiser erklärte nach dem Würzburg-Spiel, man müsse dem Kader Spieler mit dem Winner-Gen zuführen, und Hannes Wolf schlug in dieselbe Kerbe wie Alexander Zorniger, als er nach dem Spiel anmerkte „Die Verlässlichkeit, immer alles geben zu wollen, fehlt mir. Das gibt es beim VfB schon länger, diese Kultur des Alles-Gebenwollens ist untergegangen“.

Zum Jahresabschluss ist das so ziemlich das schlechteste (Armuts-)Zeugnis, das man Berufsfußballern, ihres Zeichens Leistungssportler, ausstellen kann, wenn ihnen die permanente Leistungsbereitschaft abgesprochen wird.

Hannes Wolf ist motiviert genug, diesem Haufen die Selbstverliebtheit und Selbstzufriedenheit auszutreiben. Die Frage ist jedoch, schafft Wolf das oder schafft die Truppe ihn?

Nach dem zweiten Kollektivversagen binnen sechs Tagen konnte man mal wieder den Eindruck bekommen, die „Mannschaft“ würde gegen den Trainer spielen, wenn sie seine Vorgaben so konsequent missachtet. Nachtigall, „ick hör Dir trapsen“, diese Geschichte wiederholt sich schließlich ständig beim VfB.

Wenig förderlich ist es dann, wenn Angestellte des Vereins, wie Ehrenrat Guido Buchwald, öffentlich die Reife von Greenhorn Wolf bemängeln und ihn als Risiko für den Verein ansehen. Gut, die BLÖD erschien mit dem Artikel reißerisch wie es eben ihre Art ist, Buchwald merkte immerhin noch an, das Risiko hätte man bei einem erfahreneren Trainer auch.

Der VfB hat es in den letzten Jahren mit sämtlichen Trainertypen versucht und nie nachhaltigen Erfolg gehabt, daher verbietet es sich schon von Grund auf, schon jetzt an Hannes Wolf zu zweifeln. Er ist zweifellos eines der größten Trainertalente, die der deutsche Markt hergibt und konnte bei zwei der besten ihrer Zunft, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, während seiner Dortmunder Zeit über deren Schultern schauen und sich mit ihnen austauschen.

Zudem ist Wolf seit elf Jahren bereits Trainer und hat sich von der Kreisliga B in die 2. Liga hochgearbeitet und hat damit jenen Eifer und Durchhaltevermögen nachgewiesen, den man sich von seinen Spielern auch wünschen würde.

Ich hoffe es sehr, dass man endlich mal einem Trainer vertraut und Quertreiber wie Buchwald ganz schnell an den neuen Verhaltenskodex (für ALLE Mitarbeiter) erinnert, der sicherlich auch beinhaltet, etwaige Kritik intern zu äußern. Buchwald hat weder als Trainer etwas erreicht noch hat er genügend Einblick in die Arbeit Wolfs, so dass sich dessen Kritik schon aus diesem Grund verbietet.

Wolf und Schindelmeiser genießen bei mir noch absoluten Welpenschutz, weil sie ihre eigentliche Arbeit erst jetzt beginnen. Zu den Zeitpunkten, als sie kamen, waren die Planungen weit fortgeschritten bzw. abgeschlossen, so dass sie bisher nur verwalten und wenig gestalten konnten. Diese Phase des Gestaltens beginnt im Winter im Kleinen und mit der Planung der neuen Saison dann im Großen.

Als Resümee der Vorrunde kann man konstatieren, dass wir auf dem Relegationsplatz zwar ordentlich da stehen, der VfB sich aber wird steigern müssen, möchte man direkt aufsteigen. Zehn Siege sind eine ordentliche Ausbeute, auch wenn die wenigsten davon überzeugend eingefahren werden konnten. Fünf Niederlagen bereits sind eindeutig zu viel und für den so oft zitierten FC Bayern der 2. Liga unwürdig. Es kristallisiert sich zwar keine Übermannschaft heraus und doch sollte man wachsam sein. Die letztjährigen Aufsteiger Freiburg und Leipzig beendeten die Saison mit sechs bzw. sieben Niederlagen, so dass es eigentlich jedem klar sein sollte, was die Stunde geschlagen hat und dass man sich allzu viele Ausrutscher nicht mehr leisten sollte.

Die Blutauffrischung im Kader, die im Sommer begann, muss im Winter, im Rahmen der Möglichkeiten, die der Markt hergibt, fortgesetzt werden. Weil sich an der grundlegenden Mentalität der Truppe, wie zuletzt erlebt, noch nicht grundlegend etwas geändert hat, wären die „richtigen“ Abgänge mindestens genauso wichtig, wie uns weiter bringende Neuzugänge. Spielern, die lediglich ihren Vertrag absitzen, sich aber mit den Zielen des Vereins nicht identifizieren und dabei schlechte Stimmung verbreiten, gehört ein Abgang ebenso schmackhaft gemacht, wie jenen, die uns fußballerisch nicht weiter bringen und lediglich den Kader aufblähen.

Jan Schindelmeiser wünsche ich dabei das glückliche Händchen, das er in Hoffenheim und bei seinen bisherigen Transfers für den VfB, schon unter Beweis gestellt hat.

Jetzt freue ich mich erst einmal auf einige ruhige Tage ohne VfB-Niederlage, bin aber gleichzeitig bereits gespannt, mit welchen Personalien Jan Schindelmeiser uns womöglich überraschen wird.

Die Wartezeit bis zu einem weiteren Highlight der Zweitligasaison, dem Gastspiel am Millerntor beim FC St. Pauli, verkürze ich persönlich mir mit dem schon obligatorischen Besuch beim Mercedes-Benz Junior-Cup und kurz darauf dem Trainingslager in Lagos. Dort bin ich sehr gespannt darauf, wie Wolf mit der Mannschaft arbeiten wird und ob es schon dort das eine oder andere neue Gesicht zu begutachten gibt. Wäre schön, ein netteres Ambiente für den Einstand könnte ich mir kaum vorstellen.

Euch allen wünsche ich weiterhin schön Tage zwischen den Jahren und einen guten Rutsch ins Jahr 2017. Danke für Eure Treue und bis bald!

VN:F [1.9.7_1111]
Rating: 7.4/10 (7 votes cast)
VN:F [1.9.7_1111]
Rating: +3 (from 3 votes)