17. Mai 2016

Den Abstieg als Chance begreifen!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , – Franky @ 08:36

Seit Samstag, 17.21 Uhr, ist es traurige Gewissheit. Der VfB steigt zum zweiten Mal nach 1975 in die 2. Liga ab. Die Chancen auf den Klassenerhalt waren nach der Heimniederlage gegen Mainz 05 ohnehin fast auf den Nullpunkt gesunken, zudem war es fraglich, ob die Spieler diese Aufgabe mental überhaupt bewältigen könnten, nachdem einige ob des Platzsturms vor Wochenfrist doch sehr eingeschüchtert wirkten.

Wer die Vorstellungen der letzten Wochen verfolgt hatte, für den war ohnehin der Frankfurter Sieg, der auch noch für ein gutes Ende nötig gewesen wäre, um ein Vielfaches wahrscheinlicher, als dass sich unsere Truppe, erneut ohne die Kämpfernaturen Kevin Großkreutz und Serey Dié angetreten, noch einmal aufraffen und eine gewaltige Leistungssteigerung an den Tag legen würde.
Der VfB hatte sich bereits im Vorfeld aufgegeben. Unter der Woche war es den Protagonisten wichtiger, sich für die 2. Liga zu positionieren und dem VfB die Treue zu schwören, anstatt sich zunächst auf diese allerletzte Chance zu fokussieren.

Da wir in Wolfsburg ohnehin unseren letzten Punktgewinn 2006 zu verzeichnen hatten und der letzte Sieg aus dem Jahr 2005 datiert, war es äußerst unwahrscheinlich, dass wir gerade jetzt und mit diesem ehrlosen Haufen den notwendigen Sieg einfahren würden.

So fuhren wir schon mit sehr geringen Hoffnungen und früh morgens mit dem Partyzug los und wollten das Beste aus dem Tag machen. Kramny versprach Kampf bis zum letzten Tropfen, was man dieser trostlosen Truppe ohnehin nicht zutraute, so dass es uns vorbehalten war, im Partyzug bis zum letzten Tropfen Vollgas zu geben.

Wir hatten schon ziemlich früh unser Ziel erreicht und mussten uns nichts vorwerfen lassen, so dass es zwar einmal sehr bedauerlich war, im Block nur alkoholfreies Bier vorzufinden, es aber zu verschmerzen war, zumal wir uns ohnehin bis kurz vor Spielbeginn vor dem Stadion an den Bussen und am Bierstand aufhielten.

Ungewöhnlich viele VfBler fanden sich zu diesem Entscheidungsspiel in Wolfsburg ein, so dass nicht, wie sonst in Wolfsburg, die Plätze auf dem Unterrang genügten, sondern auch der Oberrang darüber komplett in VfB-Hand war.

Kaum hatten wir Platz genommen, nahmen die Wölfe auch schon Fahrt auf und hatten nach wenigen Sekunden die erste Torchance durch Max Kruse. Früh offenbarte sich, dass der VfB aus den vorigen Begegnungen nichts, aber rein gar nichts, gelernt hatte.

Der VfB betrieb Abstiegs-Ballett statt Abstiegskampf und ließ die Wolfsburger fast nach Belieben kombinieren. Folgerichtig fiel das 1:0 bereits in der 11. Minute, Gegentor Nummer 70 und ein Paradebeispiel, wie leicht den Gegnern das Toreschießen in dieser Saison gemacht wird.

Als der VfB nach einer knappen halbe Stunde im gegnerischen Strafraum die Kugel verlor, schalteten die Wölfe blitzschnell um und ließen die VfBler dabei wie Statisten aussehen. Schürrle machte mit dem 2:0 bereits früh den Deckel drauf, so dass auch noch die letzten Hoffnungen auf die Relegation im Keim erstickt waren. Kläglich wie kampf- und emotionslos der VfB sich in sein Schicksal ergab. In diesem jämmerlichen Haufen ist weder Charakter, noch Sportsgeist, noch Ehrgefühl, nicht einmal Scham vorhanden. Der VfB nahm auch in diesem letzten Spiel den Kampf nicht auf, trat nicht als Team auf, war unkonzentriert und offenbarte erneut die gleichen taktischen und individuellen Mängel, die sich wie ein roter Faden durch die letzten Spiele zogen. Es gab wohl in der Bundesligahistorie keinen emotionsloseren Absteiger als diesen VfB. Dieser „Abstiegskrimi“ war dieses Mal den Sportsendern in den Zusammenfassungen nicht einmal mehr eine Konferenz mit dem Parallelspiel Werder-Frankfurt wert, zu kampf- und chancenlos trat der VfB auf.

Eine Schande, dass dieses elendige Team offensichtlich nicht gewillt war, den Schalter noch einmal umzulegen. Kurz nach dem 2:0 hatte ich genug von diesem Dilettantismus der Brustringträger und haute meinen ersten Wut-Post in die Welt hinaus, dass diese Söldnertruppe des Brustrings nicht würdig sei, sie nicht weiter unsere Trikots beflecken, sondern sich endlich verpissen sollen. Ich verließ dann bereits vor der Pause meinen Platz auf dem Oberrang und kehrte auch nicht mehr zu diesem zurück.

Stattdessen verfolgte ich das weitere Geschehen mit einem Auge von unten und sprach mit Dutzenden Bekannten. Das allerletzte Mal Bundesliga wollte ich eigentlich genießen, bei diesen Dilettanten in kurzen Hosen aber, kommt man eher auf den Gedanken, sich eine andere Sportart auszusuchen, so erbärmlich wie sie den Brustring repräsentierten. Während wir darüber philosophierten, was nur aus unserem VfB gemacht wurde, plätscherte die Partie ihrem Ende entgegen.

Da sich bei den meisten der Abstiegsfrust spätestens nach dem Mainz-Spiel entlud, trugen es die meisten mit einer bemerkenswerten Fassung. Die meisten waren gar erleichtert, dass es endlich vorüber ist und dass man die allermeisten dieser kümmerlichen Kicker in der nächsten Saison nicht mehr ertragen muss.

Dieser Abstieg ist folgerichtig, wenn man den stetigen Abwärtstrend der letzten Jahre betrachtet und sich vor Augen führt, wie knapp Huub Stevens zuletzt zwei Mal gerade noch retten konnte. Meiner Verachtung für diese Truppe tat auch das zwischenzeitliche 2:1 durch den zum Gegner abwandernden Didavi keinen Abbruch mehr, der erstmals seit Kuzmanovic wieder einen Freistoß direkt verwandelte. Selbst die Wende hätte uns nichts mehr gebracht, in Bremen stand es zu diesem Zeitpunkt 0:0, am Ende gewann aber Werder, so dass uns allenfalls noch ein Sieg mit sieben Toren Unterschied in die Relegation hätte bringen können.

Was bin ich froh, dass uns diese für mich unnötigen Relegationsspiele erspart bleiben. Ich bin fertig mit diesem widerlichen Haufen und wollte sie ums Verrecken nicht noch einmal ertragen müssen, zumal es gegen den Club nach einer weiteren Demütigung gerochen hätte.

Die Wölfe erzielten dann noch das 3:1 und das Spiel plätscherte seinem finalen Pfiff weiter entgegen, während sich im Block die Wut über den Vorstand und dieses klägliche Team vollends entlud. Schiedsrichter Gräfe gab noch vier Minuten Bundesliga als Zugabe obendrauf, ehe endlich der Stecker gezogen war und der Verein dorthin katapultiert wurde, worauf man jahrelang konsequent hingearbeitet hat, nämlich in die 2. Liga.

Die Situation im Stadion nach dem Schlusspfiff war bizarr. Der Stadionsprecher bedankte sich bei den Zuschauern für die Unterstützung während der Saison und rief zum Run auf die Getränkestände auf, wo es Freibier geben würde, auch im Gästeblock, wie er betonte. Nur, alkoholfreies Bier nehme ich nicht mal geschenkt und von VW gleich gar nicht, wer weiß welche Manipulationen am Zapfhahn vorgenommen wurden.

Bemerkenswert war es, wie der jetzt besiegelte Abstieg von der Fanszene fast schon lethargisch zur Kenntnis genommen wurde. Keine Pöbelszenen, nicht der Ansatz eines Platzsturms und auch keine Pyrotechnik, vermutlich hat sich die zahlreich vertretene Polizei auf wesentlich mehr Arbeit im Falle eines VfB-Abstiegs eingestellt.

Man sollte meinen, der Abstieg ziehe einer Fanszene den Boden unter den Füßen weg, Tränen und Verzweiflung überall, heulende Spieler, fassungslose Offizielle. Nichts von alledem war am Samstag in Wolfsburg zu sehen. Von einigen wenigen verzweifelten jungen Mädchen einmal abgesehen, sah ich kaum jemanden bitterlich weinen. Es war keine Trauer, Wut keimte dagegen auf, Wut darüber, was einige wenige aus dem einst so stolzen VfB gemacht haben und Wut darüber, was für Rumpelfußballer und Charakterschweine sich derzeit schon VfB-Spieler schimpfen dürfen. Ein klein wenig Talent reicht heutzutage schon aus, aus Zivilversagern Millionenverdiener zu machen. Ungerecht ist die Welt!

Ich hatte lang genug Zeit, mir auszumalen, wie sich denn ein Abstieg anfühlen würde. An 1975 habe ich keine Erinnerungen, erst an den Wiederaufstieg 1977, welches meine erste Saison war, in der ich schon regelmäßig im Stadion war. Ich spürte nur Erleichterung, Erleichterung über die Gewissheit, fast schon Vorfreude auf die neue Liga und Erleichterung darüber, dass das Dahinsiechen im Tabellenkeller der Bundesliga ein Ende fand und endlich der Weg für einen radikalen Neuanfang frei ist.

Der Schulterschluss zwischen Mannschaft und Fans gelang in dieser Saison nicht mehr. Irgendwann wird eben auch jede „Zusammenhalten“-Aktion unglaubwürdig, ist jeder Hashtag ausgelutscht, irgendwann steht einzig und allein die „Mannschaft“ in der Pflicht, die Fans mitzunehmen und nicht umgekehrt. Ein jeder Arbeitnehmer wäre mit einer derartigen Berufsauffassung lang seinen Job los, nur für Profifußballer, und dabei speziell bei denen vom VfB, scheinen andere Regeln zu gelten, wenn sie nicht das tun, für das man sie eingestellt hat.

Nach dem Spiel gab es keine Szenen, wie man sie von „normalen“ Absteigern kennt, dass sich Spieler und Fans am Zaun gegenseitig trösten und Mut zusprechen, nein, die „Mannschaft“ hielt auch in dieser bitteren Stunde die Distanz und hatte auch hier nicht den Mumm, sich zu stellen. Zwar erbärmlich, aber auch nicht mehr verwunderlich, wer den Rasen schon mit vollen Hosen betritt, geht dann eben lieber rein zu Mama und weint sich aus, weil einem von den Fans inzwischen blanker Hohn, Hass, Verachtung entgegen schlägt. Aber Jungs, das ist das einzige, was ihr euch wirklich „verdient“ habt.

Kapitän Gentner, den wir, wie wir im Laufe der Woche erfahren mussten, noch zwei Jahre länger am Hals haben werden als ursprünglich befürchtet, hielt die Seinen gar als „Rädelsführer“ zurück. War ja klar, äußerten die Mimosen doch schon öfter ihr Unverständnis darüber, dass die Leute nach desaströsen Vorstellungen aufgebracht sind und ihnen nicht zujubeln.

Schon wegen der großen Kluft zwischen „Mannschaft“ und Fans täte der Verein gut daran, das Team für die neues Saison nahezu komplett auszuwechseln und mit jungen, erfolgshungrigen, aber auch gestandenen 2. Liga-Spielern in die neue Saison zu gehen.

Der Verein muss endlich wegkommen von den Lastminute-Transfers der letzten Jahre. Dutt hatte vor Jahresfrist markige Worte gefunden und seine(n) Vorgänger deutlich abgewatscht, gerade in puncto Scouting und doch hat Dutt es keinen Deut besser gemacht.

Zu einem guten Scouting gehört es eben nicht nur, über die fußballerischen Fähigkeiten eines Spielers zu befinden, sondern auch über seinen Charakter, seine Teamfähigkeit, seine Lernbereitschaft, ob er eher ein bequemer Typ oder leistungsbereit ist und wie sich sein Sozialverhalten darstellt. Diese Tugenden kann man jedoch nicht unter die Lupe nehmen, wenn man Spieler wie Šunjić oder Kravets unter Zeitdruck kurz vor Transferschluss verpflichtet. Last-Minute-Transfers sind die Folge vorheriger Untätigkeit und Panikreaktionen, weil man zuvor seine Arbeit nicht richtig gemacht hat, schon aus diesem Grund, Dutt raus!

Dass fehlender Charakter der meisten bei uns angestellten Häufchen Elend uns die Klasse gekostet hat, offenbarte sich in den letzten Wochen und Monaten schonungslos. Anstatt nach der Erfolgsserie zu Rückrundenbeginn nach Höherem zu streben, lehnt man sich lieber zurück und nimmt den Fuß vom Gaspedal.

Das Saisonziel, das spätestens nach der Demission Zornigers Nichtabstieg hieß, hatte man vermeintlich ja schon Mitte März so gut wie erreicht, also konnte man es sich wieder einmal schön bequem machen. Kramny und Dutt unterstützten dies auch noch, nahmen die Spannung heraus, indem sie bspw. großzügigen Osterurlaub gewährten und reihen sich damit nahtlos in die Riege der VfB-Totengräber ein.

(Glückliche) Punkteteilungen in Ingolstadt und Darmstadt wurden schön geredet, weil der Druck ja stets bei den anderen lag, so Dutt, Heimniederlagen gegen Leverkusen, Dortmund und Bayern als das Normalste auf der Welt abgetan und selbst nach der katastrophalen Vorstellung beim direkten Konkurrenten in Augsburg läuteten noch immer nicht die Alarmglocken. Die Vorstellungen auf dem Rasen wurden immer schlechter, Kampfgeist war keiner vorhanden und doch vertraute man stets darauf, dass im nächsten Spiel schon die Besserung einkehren würde. Nun haben wir die Quittung, wir sind 17. und es sind keine Spiele mehr!

Wenn ein Abstieg je hausgemacht war, dann dieser. Seit Jahren hat man die sportliche Konkurrenzfähigkeit außer Acht gelassen und sich stattdessen an Projekten wie dem Stadionumbau, dem Bau des Leistungsnachwuchszentrums und der geplanten Ausgliederung (die mit dem Abstieg fürs erste vom Tisch sein dürfte) ergötzt.

Dass ich je einmal einen Präsidenten Wahler in der Rangliste unserer schlechtesten Präsidenten vor Gerd E. Mäuser kategorisieren würde, hätte ich nie gedacht. Mäuser war zwar schon die Oberpfeife und hat nichts Vernünftiges auf die Reihe gebracht, aber, durch seine öffentlichen Auftritte als Elefant im Porzellanladen nahm man ihn aber immerhin regelmäßig wahr, während Wahler als „der Unsichtbare“ in die VfB-Annalen eingehen wird.

Wahler sah tatenlos zu, wie der VfB in den letzten Wochen und Monaten seinen komfortablen Vorsprung auf den Relegationsplatz verspielte und vertraute blind darauf, Dutt würde schon das Richtige tun. Er hielt es nicht einmal für nötig, auf den Tisch zu hauen und Sportdirektor und Mannschaft in die Pflicht zu nehmen. Damit handelte er äußerst vereinsschädigend und ist folgerichtig am Tag danach zurückgetreten (worden). Ein Mayer-Vorfelder war seinerzeit noch mit Herzblut dabei und schritt ein, wenn es notwendig war, aber, er hatte auch ein Gespür und war vor allem nah dran an der Mannschaft.
Robin Dutt wiederum wollte sich partout nicht eingestehen, nach Zorniger, auch bei der Ernennung Kramnys zum Cheftrainer danebengelegen zu haben und ließ die Dinge ins Verderben laufen. Dass die „Mannschaft“ tot war und es eines Impulses von außen bedurft hätte, ignorierte Dutt. Spätestens nach dem Offenbarungseid von Augsburg lag Handlungsbedarf vor. Was tat Dutt? Nichts!

Zur allgemeinen Verunsicherung trugen die ständig wechselnden Aufstellungen und nicht nachvollziehbaren Auswechslungen von Trainer Kramny bei, der mehr und mehr einen überforderten und vor allem planlosen Eindruck machte. Dutt hätte Kramny erlösen müssen, um sich nicht vorwerfen zu müssen, nicht alles versucht zu haben, den Super-GAU abzuwenden. Dutt wollte durch das Nicht-Eingestehen einer Fehlentscheidung seinen eigenen Hintern retten und fuhr damit unseren Verein sehenden Auges gegen die Wand. Schon allein das ist vereinsschädigend, seine Äußerungen nach dem Mainz-Spiel, dass seine Saisonplanung die Möglichkeit des „Worst Case“ in Betracht gezogen hätte, schlug dem Fass den Boden aus.

Wenn der SC Freiburg eine solche Philosophie lebt und mit sich und der Welt zufrieden ist, wenn man unter den Top 25 in Deutschland steht, was automatisch auch die Möglichkeit eines Abstiegs vorsieht, ist das die Sache der Südbadener und dort auch so vermittelbar.

Als Bundesliga-Tanker aber, der 39 Jahre am Stück fester Bestandteil des Fußball-Oberhauses war, verbietet es sich von selbst, in diese Richtung zu denken. Der VfB gehört in die Bundesliga, in der Vergangenheit wurde stets noch rechtzeitig die Reißleine gezogen, um diesen Super-Gau zu verhindern. Ein Abstieg hat weitreichende finanzielle Konsequenzen, so dass in den vergangenen Jahren schon reichlich Horrorszenarien gemalt wurden, wie hart uns ein Abstieg treffen würde.

Umso verwunderlicher, oder auch nicht, ist es, dass dieses Mal der Aufsichtsrat nicht eingeschritten ist. Das seit Oktober nur noch dreiköpfige Gremium umfasst zwar Wirtschafts-Granden aus der Region, jedoch seit Hansi Müllers Rücktritt niemanden mit mehr mit auch nur ein bisschen Sportkompetenz. Wie auch Präsident Wahler vertraute der Aufsichtsrat vollständig auf Dutts Kompetenz und das, obwohl vor einem Jahr großspurig angekündigt wurde, eine One-Man-Show werde es beim VfB nicht mehr geben.

Hätte man den Abstieg tatsächlich einkalkuliert gehabt, wie Robin Dutt weismachen möchte, und wäre man von den auf den Weg gebrachten Projekten zu hundert Prozent überzeugt gewesen, hätte man Alexander Zorniger gar nicht entlassen zu brauchen. Schlimmer wäre es mit ihm mit Sicherheit auch nicht gelaufen. Eher im Gegenteil. Bei der Siegesserie zu Beginn der Rückrunde profitierte Kramny noch von Zornigers Arbeit. Für mich ist er nach wie vor kein Schlechter, mit etwas mehr Geschick im Umgang mit der Presse und einem Abrücken von seiner Sturheit, wäre er einer gewesen, der jeden einzelnen Spieler weiterbringen hätte können und mit dem man die Hoffnung hätte verbinden können, sich im weiteren Saisonverlauf noch zu verbessern. Bezeichnend ist doch, dass gerade jene Spieler, die er sich öffentlich zur Brust nahm, wie Niedermeier, Didavi und Werner, zum Saisonende hin überhaupt nichts mehr auf die Kette bekamen und damit ihren maßgeblichen Anteil am Niedergang haben.

Bei Sport im Dritten positionierte sich Dutt einmal mehr klar, dass er um seinen Job kämpfen werde und sieht die Schuld weiterhin in den Strukturen, die er zu seinem Amtsantritt vorgefunden hatte. Seine Ausführungen in allen Ehren, aber, wer den VfB in seine schlimmste Krise seit über 40 Jahren hineinmanövriert hat, muss die Konsequenzen ziehen und seinen Hut nehmen.

Dutt hat im Fußballgeschäft noch überhaupt nichts vorzuweisen, außer vielleicht bei seinen Trainerstationen bei den Stuttgarter Kickers und beim SC Freiburg, so dass ich kein Vertrauen habe, dass Dutt den Karren wieder flott bekommen könnte.

Von allen Seiten werden wir wegen Dutt belächelt. Wo Dutt ist, ist unten, so der gängige Slogan in der Liga, welcher sich auch beim VfB mehr und mehr bewahrheitet. Schon vor seiner Verpflichtung war ich sehr skeptisch, vor allem, weil er bei seiner einzigen Rolle als Sportdirektor (beim DFB) kläglich versagt und schnell wieder den Schreibtisch mit dem Trainingsplatz getauscht hat. Dass man ihn dann noch vor seinem ersten Arbeitstag mit einem 4-Jahresvertrag und einem Vorstandsposten ausgestattet hat, spottet jeder Beschreibung, oder anders, ist eben der VfB. Da Dutt offensichtlich einen Teufel tun wird, selbst das Feld zu räumen, steht auch hier wieder eine Lohnfortzahlung an, die sich gewaschen hat und die uns die nächsten Jahre immer wieder einholen dürfte. Da Dutts Ruf nicht der beste ist, um es charmant auszudrücken, besteht kaum die Hoffnung, dass ihm schon bald ein neuer Verein zum Ruinieren in die Hände gelegt wird. Ich traue es Dutt nicht zu, den VfB (möglichst schnell) wieder dorthin zu bringen, wo wir hingehören, nämlich in die Bundesliga.

Der VfB muss jetzt die Chance zur totalen Neuausrichtung nutzen und darf sich nicht von Dutt mit Phrasen einlullen lassen, dass seine auf den Weg gebrachten Projekte Zeit benötigen und erst später greifen. Wie einst Bobic ist Dutt momentan dabei, den ohnehin schon riesigen Personalapparat mit eigenen Getreuen noch weiter aufzublähen. Schon allein die Tatsache, dass Dutt ernsthaft darüber nachdenkt, die Gesichter des Niedergangs der letzten Jahre in die 2. Liga mitzunehmen, disqualifiziert ihn vollständig. Gentner ist schon „passiert“, aber die Schwaabs, Niedermeiers, Harniks sollen ihren Dilettantismus bitte zukünftig woanders zur Schau tragen, die wollen wir hier nicht mehr sehen.

Bei einem „Weiter so“ würde sich die Leistungskultur im Verein nie zum Besseren wandeln. Im derzeitigen Verantwortungs-Vakuum, ohne Präsidenten, ohne Trainer und mit einem Sportdirektor kurz vor der Entlassung, ist es ohnehin hinterfragenswert, weshalb er überhaupt noch Leute einstellen und Verträge verlängern darf. Stoppt Dutt, kann man da nur sagen!

Warum man den Vertrag mit Kapitän Christian Gentner schnell noch verlängert hat, erschließt sich mir zum Beispiel nicht. Natürlich ist es als gutes Signal zu verstehen, wenn der Kapitän auch im Abstiegsfall an Bord bleibt, aber, Gentner ist eben auch eines der, wenn nicht das Gesicht des schleichenden Untergangs. Seit seiner Rückkehr aus Wolfsburg 2010 spielen wir fast permanent gegen den Abstieg, seit er die Binde 2013 von Serdar Taşçı übernommen hat, wurde es noch schlimmer, was nun im Abstieg gipfelt. Gentner hatte noch ein Jahr Vertrag, daher war es ohnehin klar, dass er uns auch in der 2. Liga erhalten bleiben würde.

Ich hoffe nur, dass man ihm dann wenigstens die Kapitänsbinde wegnimmt. Von Zorniger hatte ich es mir seinerzeit schon erhofft, dass er die Hierarchie aufreißt. Teilweise, durch den Abgang Ulreichs und die Verbannung Niedermeiers auf die Tribüne, hat er das auch getan, Gentner aber hat leider auch bei ihm meistens gespielt.

In Zukunft darf es nur noch nach Leistung gehen und so darf auch der Stammplatz von Gentner nicht in Stein gemeißelt sein. Er mag ein Spieler sein, der gut mitspielen kann, wenn es in der Mannschaft wie von selbst läuft, ein Kampfschwein aber, das als Kapitän vorangeht und mal ordentlich dazwischen grätscht, wird er nie werden. Er steht sinnbildlich für das Behäbige und die Selbstzufriedenheit in dieser Truppe.

Der Abstieg bietet dem VfB die Chance einer Frischzellenkur, mit jungen und frischen Kräften die Liga aufzumischen muss die Devise sein. In der 2. Liga sind andere Tugenden gefragt, als in der Bundesliga, eben jene, die nun auch im Abstiegskampf notwendig gewesen wären. Spucken, kratzen, beißen, kämpferische Tugenden und keine Schönspielerei.

Der VfB steigt aus dem Grund ab, weil er diese Tugenden nicht in petto hatte und diese mit dem vorhandenen Personal wohl auch nicht abrufbar waren. Deshalb wäre es fatal, den Neuaufbau mit den Gesichtern des Niedergangs anzugehen, weil sie polemisch betonen, dass sie gerne helfen würden, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen.

Nein, weg mit Ihnen, die Sprechchöre „ihr macht uns lächerlich“, „außer Kevin könnt ihr alle gehen“ und „VfB Stuttgart, das sind WIR“ sind dabei durchaus wörtlich zu nehmen. Die wenigsten der Protagonisten möchte man in der nächsten Saison noch auf dem Wasen sehen, sie hatten lange genug Zeit, sich am Riemen zu reißen und alles für den Verein zu geben.

Bislang sind also Ginczek und Gentner fix für die 2. Liga, wobei Ginczek vermutlich erst ab Oktober/ November ins Geschehen eingreifen kann, sofern ihn nicht nochmal ein Rückschlag ereilt. Großkreutz, Langerak und Serey Dié haben dem Vernehmen nach Bereitschaft signalisiert, dem VfB auch in der 2. Liga erhalten zu bleiben, womit zumindest schon mal ein Gerippe vorhanden wäre. Öffentliche Liebeserklärungen der Genannten sind jedoch erst einmal mit Vorsicht zu genießen, da die Vereinsliebe beim Eintreffen lukrativerer Angebote, und wenn die Zahlen vom VfB auf dem Tisch liegen, auch schnell erloschen sein könnte.

Im Tor würde ich mit Langerak und Uphoff in die Saison gehen und Tytoń abgeben. Nicht weil ich ihn nicht auch für einen ordentlichen Keeper halten würde, sondern weil Langerak, wenn er denn verletzungsfrei bleibt, die klare Nummer eins sein wird und Tytoń als Ersatzkeeper zu teuer wäre.

In der Abwehr würde ich gerade mal Heise, Großkreutz und Baumgartl halten. Bei Insúa bin ich mir nicht ganz sicher. Er ist ein netter Kerl, der sich auch wohl zu fühlen scheint und sich mit dem Verein identifiziert, ist aber eben auch in vielen Situationen zu langsam und war an etlichen Gegentoren nicht ganz unbeteiligt, wie bspw. auch am 1:0 in Wolfsburg. Zudem dürfte er in Anbetracht dessen, was er leistet, für die 2. Liga zu teuer sein.

Aus dem Mittelfeld bleiben uns wohl Lukas Rupp, Serey Dié, Alexandru Maxim und Christian Gentner sowie die Youngster Ristl, Ferati und Wanitzek erhalten, während Kostic den Abflug machen dürfte. Der VfB wird auf Transfereinnahmen angewiesen sein und Kostic ist einer der wenigen dieses stümperhaften Kaders, der überhaupt Geld in die Kassen spült.

Seit der Kicker von Kostic‘ Ausstiegsklausel berichtet hatte, die so gestrickt sein soll, dass diese nur greife, wenn die Saison auf Platz 15 oder schlechter beendet würde, hatte man beim Spieler den Eindruck, er wäre überhaupt nicht gewillt, zu einer besseren Platzierung beizutragen.

Auch wieder so ein merkwürdiges Vertragskonstrukt Marke Dutt, zumal es in der Branche auch eher unüblich ist, dem Spieler zusätzlich zu einer satten Gehaltserhöhung auch eine Ausstiegsklausel in den Vertrag zu schreiben. Normalerweise läuft das eher andersherum, der Spieler erhält eine Gehaltserhöhung und die Ausstiegsklausel wird dafür gestrichen. Wieder ein Fall von „Jaaaaaa, der VfB“.

Bei Alexandru Maxim bin ich mir nicht ganz sicher, ob es sinnvoll wäre, ihn zu behalten. Er stagniert seit Jahren in seiner Entwicklung und wäre einer, der nach einer eventuell guten Europameisterschaft Geld einbringen könnte. Hier kommt es auf den neuen Trainer an, ob er in seinem System einen Spielmacher alter Prägung mit vielen Freiheiten bevorzugt oder doch eher ein Laufwunder, welches Maxim nie werden wird.

Im Sturm bleiben wohl nur Ginczek und Tashchy sicher, während Timo Werner sich auf dem Sprung nach Leipzig befinden soll. Über Werner wundern mich die Meldungen nur noch. Bis vor einem Jahr identifizierte er sich voll und ganz mit dem VfB und man konnte es sich kaum vorstellen, dass er, für welches Geld der Welt auch immer, die Farben wechseln könnte.

Ob sein Berater Karl-Heinz Förster den Wechsel derart forciert oder ob zu viel Porzellan zerschlagen wurde, weil ihn der VfB letzten Sommer wie Sauerbier in England angeboten hat, man weiß es nicht. Ich fände es schade, wenn wieder ein Eigengewächs den Verein verlassen würde, dem man es zumindest zutrauen kann, dass er in Leipzig explodiert, wenn er bessere Mitspieler um sich hat und das System besser auf ihn zugeschnitten wird.

Der Aderlass dürfte also gewaltig werden, was ich jedoch mehr als Chance denn als Risiko ansehe. Auch bei den Youngstern, die jüngst mit den Amateuren in die Regionalliga abgestiegen sind, habe ich meine Zweifel, ob sie die Reife mitbringen, am Projekt Wiederaufstieg tatkräftig mitzuhelfen.

Man hört nichts Gutes von einigen dieser Jungen. Charakterlich schwach, zufrieden, mit dem, was sie „erreicht“ haben und dass sie sich von den erfahrenen Führungsspielern nichts sagen ließen, weil sie vom Gehalt her schon in einer ganz anderen Liga spielten. Stimmt das so, wäre es natürlich ein Armutszeugnis für den VfB und es wäre nicht verwunderlich, dass auch bei den Amateuren nie ein Team auf dem Platz stand.

Für den (hoffentlich) neuen Sportdirektor dürfte es eine Mammutaufgabe werden, den Kader auszudünnen, wie es nötig ist. Verschenken möchte man gebundene Spieler ja auch nicht, wenngleich es eine undankbare Verhandlungsposition ist, wenn das Gegenüber weiß, dass man den Spieler loswerden muss. Im einen oder anderen Fall dürfte auch das nur mit Abfindungszahlungen gelingen, die wir in Stuttgart ja fast schon gewohnt sind, so viel Kaderschrott wie sich in den letzten Jahren hier getummelt hat.

Gelang es, Platz im Kader zu schaffen, muss dieser punktuell verstärkt werden, wobei man eine gesunde Mischung aus gestandenen Spielern und jungen, hungrigen Kräften finden muss, die bereit sind, den Kampf in Liga 2 aufzunehmen und die mit dem VfB etwas erreichen möchten.

Dabei sollte sich der Verein tunlichst nicht von abgehalfterten Altstars wie Kuranyi und Taşçı blenden lassen, die dem VfB im Herbst ihrer Karriere gerne helfen würden. Deren Zeit ist abgelaufen, die von Kuranyi, der in Hoffenheim nun wahrlich keine Bäume ausgerissen hat, sowieso und auch Serdar hat schon lang nicht mehr unter Beweis gestellt, dass er eine Hilfe wäre und wäre sicherlich für den VfB in der 2. Liga auch zu teuer.

Wenn man schon altgediente Kräfte zurück locken möchte, dann bitte welche, die noch voll im Saft stehen und einen Qualitätsschub brächten, wie Mario Gomez oder Sami Khedira, was jedoch (noch) unrealistisch sein dürfte.

Zunächst muss allerdings ein Trainer und hoffentlich auch ein neuer Sportdirektor gefunden werden, bevor man jetzt schon Spieler holt und Mittel bindet, und der neue Trainer dann ganz anderen Handlungsbedarf sieht.

Von den kolportierten Namen ist mir der von Markus Gisdol noch am sympathischsten. Ob er sich auf einen Abstieg einlassen und die finanziellen Verhältnisse akzeptieren würde, wo er doch in Hoffenheim aus dem Vollen schöpfen konnte, steht auf einem anderen Blatt.

Auch über Christian Gross könnte man ernsthaft nachdenken, sofern er das Schmierentheater seines Abgangs inzwischen vergessen und verziehen hat. Die handelnden Personen sind inzwischen zwar komplett andere, mehr Professionalität ist aber leider seither auch nicht eingekehrt.

Ich an des VfB’s Stelle würde ja alte Koryphäen abklappern, die zwar offiziell in Rente sind, die es nach Jahren des Nichtstuns aber womöglich wieder jucken könnte, ins große Business zurückzukehren. In dieser Situation und aufgrund der Inkompetenz im gesamten Verein, wäre Erfahrung Gold wert.

Mir war einst die Lösung Lattek/ Sammer beim BVB sympathisch, wo ein Sammer an der Seite des Altmeisters reifen und wertvolle Erfahrungen mitnehmen konnte.

Warum also nicht mal bei Ottmar Hitzfeld anrufen, den nicht nur seine VfB-Vergangenheit sondern auch die Nähe zu seiner Heimat Lörrach locken könnte. An seiner Seite könnte ich mir einen Sympathieträger wie Andi Hinkel vorstellen, der erste, wenn auch nicht glückliche, Erfahrungen im Trainergeschäft gesammelt hat und dem VfB wie kaum ein anderer verbunden ist und vor allem im Umfeld große Beliebtheit genießt. Der VfB täte gut daran, auf kompetente Sympathieträger in Mannschaft und Umfeld zu setzen, um sich in absehbarer Zeit mit seiner Kundschaft wieder zu versöhnen.

Der VfB muss bereit sein, neue Wege zu gehen und aus Fehlern der Vergangenheit endlich auch mal lernen. Zu den größten Fehlern der jüngeren Vergangenheit zählt, damals unter der Ägide Mäuser/ Bobic, das Vergraulen unserer Jugendabteilung und die daraus resultierende Flucht der Herren Albeck/ Schrof nach Leipzig. Es ist kein Zufall, dass aus dem Unterbau, trotz des wunderschönen Jugendleistungszentrums, seit deren Abgang nichts fruchtbares mehr hochgekommen ist und, im Gegenteil, nach und nach junge Spieler von RB Leipzig abgeworben wurden. In erster Linie Kimmich lässt da grüßen. Bezeichnend, dass jetzt auch noch unser beliebtes Torwart-Trainer-Urgestein Ebbo Trautner, den seinerzeit Bobic degradiert und ihm Andreas Menger vor die Nase gesetzt hat, den VfB auch noch in Richtung RB verlässt.

Dem VfB der Zukunft darf kein Weg zu unkonventionell sein. Man könnte sich durchaus die Blöße geben und sich jetzt, wo Mäuser, Bobic, Labbadia Geschichte sind, zum Ziel setzen, die Herren Schrof und/ oder Albeck zu einer Rückkehr, immerhin in die Heimat, zu bewegen. Vielleicht trifft es die beiden ja auch ins Mark, aus der Ferne zu beobachten, was aus ihrem VfB geworden ist, so dass sie vor der nächsten Vertragsverlängerung genau überlegen könnten, ob sie nicht doch lieber ihrem Herzen folgen sollten.

Als Fan darf man sich auf die 2. Liga freuen, ich tue das zumindest. Früher begann eine Bundesligasaison und alles war möglich. Der VfB war meist ein Kandidat für die UEFA-Cup-Plätze, es gab eine Handvoll Abstiegskandidaten, aber eben auch genauso viele Meisterschaftsanwärter. Heutzutage, wo die Bayern in einer einzigen Championsleague-Saison 100 Millionen Euro einnehmen und kürzlich an einem einzigen Tag 70 Millionen für zwei neue Spieler ausgeben, kann man den Bayern schon jetzt zur fünften Meisterschaft in Folge „gratulieren“.

Der BVB mit seinen ebenfalls üppigen Mitteln wird voraussichtlich wieder nett Paroli bieten können, danach aber hört es schon fast auf.

Schalke mit Gazprom im Rücken, Manager Heidel und immer ausverkauftem Haus dürfte auch weiterhin ein Kandidat für die Championsleague-Plätze sein.

Hoffenheim sollte mit den Hopp-Millionen eigentlich auch im oberen Tabellendrittel platziert sein, ebenso wie Bayer Leverkusen, das Gehälter zahlt, dass einem schwindlig wird.

Wolfsburg wird, trotz Abgas-Skandal, nach dieser verkorksten Saison die nächste Transferoffensive starten und auch „Aufsteiger“ Red Bull hat bereits verkündet, mindestens 50 Millionen Euro in neue Spieler investieren zu wollen und baggert an Spielern herum, von denen wir nicht zu träumen wagen.

Mönchengladbach ist der einzige Verein, der mit ungleichen Waffen kämpft und sich zuletzt oben (dank gutem Scouting und gutem Management) etablieren konnte. Für Gladbach ist jedoch keine Saison ein Selbstläufer, wie man zu Beginn der abgelaufenen Runde gesehen hat. Zudem haben sie auch einen Wettbewerbsnachteil, weil sie nicht die Gehälter der Konkurrenz bezahlen können und daher schlauer als die Anderen sein müssen, was sie in den letzten Jahren bemerkenswert gut hinbekommen.

Bei diesen Summen, die in den Top 6 bewegt werden und bei Gehältern schon jenseits der zehn Millionen Euro pro Jahr, während „wir“ Top-Verdienern zwischen zwei und drei Millionen Euro jährlich bezahlen können, frage ich mich als Fan schon seit einiger Zeit, ob es sich lohnt, diesen Wahnsinn auf Dauer mitzumachen. Beim VfB jammert man herum, 3,4 Millionen Euro Ablöse für den Königstransfer Sunjic in den Sand gesetzt zu haben, während andere ein Vielfaches allein an Handgeldern auf den Tisch des Hauses legen. Realistisch betrachtet und wenn man eben nicht schlauer als die Anderen ist, bleibt in der Liga nur noch Abstiegskampf und eine Einreihung auf die Plätze 8-18. Das bedeutet, selbst hätte man die Klasse ein weiteres Mal irgendwie gehalten, dass uns der nervenzehrende Abstiegskampf auf Sicht erhalten geblieben wäre und die Wahrscheinlichkeit auch deshalb groß gewesen wäre, dass es einen irgendwann einmal erwischt.

Möchte ich einer Liga angehören, in der mehr und mehr Einheitsbrei serviert wird und sich die Stadien fast nur noch in der Farbe unterscheiden? In der nur noch der schnöde Mammon regiert und die Ursprünglichkeit auf der Strecke bleibt? Wo nach Leverkusen, Wolfsburg, Hoffenheim, Ingolstadt sich nun mit Red Bull der nächste Retortenclub breit macht? Wo Emporkömmlinge wie Mainz und Augsburg uns den Rang abgelaufen haben, während Traditionsclubs ums nackte Überleben kämpfen. Wo Spiele gegen Bayern und Dortmund längst ihren sportlichen Reiz verloren haben und einer Demütigung gleich kommen?

Ich habe darauf ehrlich gesagt keinen Bock mehr und reduziere mein Fan-Dasein auch nicht auf sportlichen Erfolg. Die derzeitige Truppe lässt jegliche Identifikation mit Verein und Fans vermissen, so dass mir schon seit einiger Zeit die Stunden, die ich mit Gleichgesinnten am Rande des Fußballs verbringen kann, wichtiger als das Geschehen auf dem Platz sind.

Diesbezüglich ändert sich für mich in der 2. Liga also zunächst einmal überhaupt nichts. Im Gegenteil, es stehen fast durchweg interessante Touren auf dem Programm und, wenn es der Verein schafft in der Kürze der Zeit eine schlagfertige Truppe zusammenzustellen, stehen die Chancen auf ein paar Siege mehr ungleich besser.

Natürlich darf die Zweitklassigkeit nicht zum Dauerzustand werden und natürlich muss der VfB bestrebt sein, möglichst schon nach einem Jahr wieder zurückzukehren. Im ersten Jahr der Zweitklassigkeit sprudeln die Fernsehgelder aufgrund einer Übergangsregelung noch üppiger, auch die Sponsoren bleiben bei der Stange. Daher sind wir zunächst einmal von den finanziellen Möglichkeiten her der FC Bayern der 2. Liga und müssen etwas daraus machen, um nicht Gefahr zu laufen, eines Tages noch weiter nach unten durchgereicht zu werden.

Dafür muss sich der VfB in Rekordzeit runderneuern. Der Aufsichtsrat scheint sich aus Urlaubs- und Zeitgründen und wegen mangelnder sportlicher Kompetenz schwer damit zu tun, einen neuen Sportdirektor zu finden, zumal der Markt der arbeitslosen Sportdirektoren auch nicht gerade üppig ausgestattet zu sein scheint. So ist zu befürchten, dass es mal wieder einer wird, der nicht bei drei auf dem Baum ist. Von Jens Todt und Stefan Kuntz indes halte ich überhaupt nichts, da sie in dieser Position, ähnlich wie Robin Dutt, noch nichts Weltbewegendes vorzuweisen haben und überwiegend auf ihre bisherigen Vereine reduziert werden würden. Karl Allgöwer, der in diesem Zusammenhang auch genannt wurde, sähe ich eher als neuen Präsidenten, als Vereinsrepräsentanten, der, wenn nötig, auf den Tisch haut und stets den Finger in die Wunde legt. Für einen Sportdirektor war er zu lang raus dem Fußballgeschäft. In dieser Position könnte ich mich eher mit einem wie Jens Lehmann anfreunden, der sich selbst jedoch wohl mehr als Trainer sieht.

Auch Horst Heldt ist wieder auf dem Markt und damit automatisch im Gespräch. Bei seiner Personalie bin ich zwiegespalten. Er wäre mir zwar noch lieber als einige der anderen Kandidaten, aber, unter ihm wurden eben auch viele Gelder verbrannt, zudem lag er auf Schalke bei der Trainerwahl auch meist daneben.

Wo auch immer die Reise hingeht und welche Köpfe noch rollen werden, der VfB hat die große Chance für einen radikalen Neubeginn und sollte diese nutzen. Daher gilt es jetzt den Verein zukunftsfähig aufzustellen, alte Zöpfe abzuschneiden und mit Karacho zurückzukommen. Die Zweitklassigkeit bietet nicht nur die Chance, eine erfolgshungrige Mannschaft aufzubauen, auch der aufgeblähte Personalapparat um die Mannschaft herum könnte auf Zweitligaverhältnisse zurückgefahren werden. Uns wird immer eingebläut, wie eng der Gürtel zu schnallen ist, doch, bei sich selbst anzufangen, daran denkt der Verein nicht.

Ich frage mich öfter, womit sich diese „Mannschaft“ diesen Luxus, der ihr geboten wird, verdient hat. Weshalb lässt man diese traurigen Affen von Absteigern nach dem Spiel in Wolfsburg per Charterflug in die Heimat zurückbringen und setzt sie nicht zu uns in den Partyzug, dass sie ein jeder mal kurz her beleidigen kann und sie sich es das nächste Mal (das es selbstredend jetzt nicht mehr geben wird) genau überlegen, ob sie noch einmal so leidenschaftslos auftreten und sich aufgeben wie zuletzt?

Müssen es immer 5-Sterne-Wellnesstempel sein, wo er komplette VfB-Tross absteigt oder ist nicht gerade jetzt in der 2. Liga die Möglichkeit gegeben auch die eigenen Ansprüche herunterzufahren. Wenn ich mich recht entsinne, nächtigte Eintracht Braunschweig beim Pokalspiel im Dezember in einem Hotel der Holiday Inn Express Kette. Ich hoffe es sehr, dass diese Kategorie in der 2. Liga dann auch ihren Ansprüchen genügt und sie ihrem Leben in Saus und Braus im Unterhaus ein Ende setzen.

Warum muss ein Spaß-Trainingslager auf Mallorca her, wenn die Sportschule Ruit vor den Toren Stuttgarts liegt? Die 2. Liga schafft dem VfB die Möglichkeit, kleinere Brötchen zu backen und zurück zu einer Leistungskultur zu kommen. Die Wohlfühloase muss endlich der Vergangenheit angehören, das alte Motto „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ muss Bestandteil einer Vereinsphilosophie sein, mit der sich Otto Normal-Fan auch identifizieren kann.

Nach erreichtem Klassenerhalt hätte man ja gerne zur Saisonabschlussfahrt nach Mallorca, meinetwegen auch in ein Golf-Ressort, aufbrechen dürfen, aber nicht einmal das wäre noch zustande gekommen, hatten wir es doch mit keiner Mannschaft im eigentlichen Sinne zu tun. Nach dem letzten Spiel und der Landung in Stuttgart sind wohl alle getrennt von dannen gezogen, kein Saisonabschluss mit den (alten) Kollegen mehr, eine Tatsache, die auch Bände spricht, wie es um den Teamgeist bestimmt war.

Die 2. Liga ist auch eine Chance für die Fanszene, neu zu einander zu finden. Es wird zwar nach außen stets Einigkeit demonstriert und durch den Fanausschuss auch dieselbe Sprache nach außen transportiert, bei näherem Hinsehen aber bestehen doch tiefe Gräben.

Wenn schon, wie gegen Mainz und auch in Wolfsburg, eigene „Fans“ aufeinander losgehen, verstehe ich die Welt nicht mehr. Ich hoffe, dass sich im Unterhaus wieder die Spreu vom Weizen trennen wird und jene zuhause bleiben, die mit ihrem Frust rund um den Fußball nicht umgehen können und ein Ventil für ihre eigene Unzufriedenheit suchen.

Angst und bange kann es einem dabei schon jetzt vor den Duellen gegen den KSC werden. Ich komme aus einer Zeit, in der man in den 80ern bis weit in die 90er hinein, sich noch mit VfB-Trikot frei in Karlsruhe bewegen konnte und man keine Probleme bekam, wenn man es nicht auf Ärger abgesehen hatte.

Heutzutage, wo die Fanszenen beider Lager von spätpubertären Gruppen dominiert werden, ist man selbst als Allesfahrer schon fast am überlegen, ob man sich der Gefahr, vor allem im Wildpark, noch aussetzt.

Bereits 2009, beim letzten Aufeinandertreffen in der Bundesliga, gab es vor dem Stadion bürgerkriegsähnliche Zustände, die mit Fußball meiner Auffassung nach nichts zu tun haben. Rivalität und Frotzeleien gehören zum Fußball dazu, wenn jedoch Leib und Leben gefährdet sind, hört der Spaß auf. Leute, die Feuerwerkskörper in die Menge hineinschießen, wie 2009 geschehen, sind kriminelle Straftäter, die aus dem Verkehr gezogen gehören, sowie alle anderen, die auf normale Leute losgehen, nur weil sie einen Schal tragen, der ihnen nicht passt.

Die 2. Liga wird einige hochbrisante Duelle für uns zu bieten haben, sportlich und von den Fanszenen her interessant, aber eben auch, vor allem bei Spielen bei Dunkelheit, nicht ganz ohne. Dennoch freue ich mich riesig drauf und warte nun zunächst einmal gespannt auf die Weichenstellungen in die Zukunft, die Bekanntgabe des Sommertrainingslagers und auf das Erscheinen des Spielplans, damit man endlich wieder planen kann.

Ich wünsche allen eine schöne Sommerpause und eine erfolgreiche Europameisterschaft, für wen auch immer ihr mitfiebert. Da sich beim VfB die Meldungen in den nächsten Wochen (hoffentlich) überschlagen werden, melde ich mich natürlich zwischendurch auch noch zu Wort.

Eine neue Liga ist wie ein neues Leben oder auch WIR spielen in einer anderen Liga. Ich habe den VfB in den letzten Jahren öfter mit dem todkranken Patienten verglichen, bei dem niemand bereit ist, endlich den Stecker zu ziehen.

Nun ist es geschehen, nun ist es, wenn auch traurige, Gewissheit. Der VfB war die längste Zeit erstklassig und hat (endlich) geschafft, worauf jahrelang und ungebremst drauf zu gesteuert wurde. Machen wir das Beste draus, beten wir, dass auch der Verein das Beste draus macht und wir eines Tages tatsächlich resümieren können, dass dieser Abstieg das Beste war, was uns passieren konnte.

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11. Mai 2016

Selbstaufgabe!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , , , , – Franky @ 08:11

Der VfB ist nach dem Spiel gegen Mainz 05 endgültig am Abgrund angekommen. Es bricht mein Fan-Herz, das seit 1974 für diesen Verein schlägt, wenn man machtlos mit anschauen muss, was aus dem einst so stolzen Verein für Bewegungsspiele von 1893 e. V. gemacht worden ist.

Nach dem desaströsen 1:3 gegen den Karnevalsverein aus Mainz, sind die Chancen auf den Relegationsplatz vor dem letzten Spieltag nur noch theoretischer Natur. Man braucht sich als einer, der es mit dem VfB hält, auch nicht einmal darüber zu ärgern, dass der BVB die Eintracht aus Frankfurt „gewinnen lassen hat“, Darmstadt 98 in Berlin gewinnt und Bremen in Köln ein torloses Remis erreicht.

Wer nach dem Erreichen der 33-Punkte-Marke die Saison für beendet erklärt und innerlich darauf baut, dass vor zwei Jahren ja schon 32 Punkte zum Klassenerhalt genügten und das irgendwie schon wieder hinhauen würde, braucht die Schuld für sein Versagen nicht bei den Anderen zu suchen. Wer wochenlang den Anderen den Druck zuschiebt, weil man ja eine ach so tolle Ausgangssituation hatte, zahlt zum Schluss die Zeche.

Selbst in den Momenten während und nach dem Spiel, als sich das Schicksal abzeichnete, worauf jahrelang hingearbeitet wurde, nämlich der Abstieg, konnte ich nicht mal mehr bittere Tränen weinen. Ich bin in dieser Situation eher sauer denn traurig.

Sauer auf die Totengräber der letzten Jahre, auf die Herren Staudt und Heldt, die im Championsleague-Wahn die Personalkosten exorbitant in die Höhe schraubten und sich offensichtlich auch am Stadionumbau übernommen hatten.

Auf die Herren Hundt, Mäuser, Bobic, Labbadia, die den Kader kaputt sparten und Stück für Stück schwächten, Vereinskoryphäen und junge Hoffnungsträger vergraulten und eine katastrophale Außendarstellung an den Tag legten.

Und aktuell gilt dem wohl noch immer von der Championsleague träumenden Präsidenten Bernd Wahler, dessen einzige Sorge derzeit noch immer die geplante Ausgliederung zu sein scheint und der Robin Dutt einfach machen lässt, anstatt hin und wieder auf den Tisch zu hauen, wenn es angebracht wäre.

Robin Dutt hingegen ist der Meister des Aussitzens. Letztes Jahr ging es gerade nochmal gut, dieses Jahr nicht mehr. Er lässt es seit Monaten einfach laufen und hofft von Spiel zu Spiel auf Besserung, wohingegen seit Wochen jeder Blinde sah, dass diese Mannschaft tot ist und ohne Impuls von außen auch nicht mehr zu retten war. Jürgen Kramny ist die ärmste Sau in der Kette, ihn hätte man einfach nur zu erlösen brauchen.

Bereits am 29.03., als sich die Tabellensituation noch weitaus komfortabler darstellte, sich der Negativtrend aber bereits abzeichnete, warnte ich vor den kommenden Wochen und traute es Robin Dutt damals sogar zu, dass er diesen Trend erkennen und handeln würde: http://www.frankys-stadionpics.de/blog/?p=4005. Leider hatte ich ihn überschätzt.

Dutt hat nicht erkannt, dass Kramny die Mannschaft nicht mehr erreicht und mit der Aufgabe heillos überfordert ist. Oder hat er es erkannt und wollte es sich nicht eingestehen, dass er wie schon bei der Verpflichtung und möglicherweise auch Entlassung von Alexander Zorniger daneben lag.

Kramny war die Billiglösung, es zu versuchen auch legitim, zumal ihm die ersten Wochen ja auch Recht gaben, aber, dieses Experiment auf Kosten des Abstiegs und bis zum bitteren Ende fortzuführen, ist grob fahrlässig und vereinsschädigend.

Noch nach Augsburg, nach Dortmund, selbst nach Bremen, mit der lösbaren Aufgabe gegen Mainz vor der Brust, hätte ein Trainerwechsel Sinn gemacht und mir noch einmal Hoffnung gegeben. Oft sind es ja eine neue Ansprache, die eine oder andere Stellschraube, ein bereits in Vergessenheit geratener Reservist, die Autorität, der Wegfall der Alibis und vieles mehr, das einen Trümmerhaufen von Mannschaft, zumindest vorübergehend, zu neuem Leben erwecken könnte.

Und? Was tat Dutt? NICHTS! Er ließ diese letzte Patrone einfach stecken. Dutt ließ es weiterlaufen, ließ eine hilflose Mannschaft vor sich hin stümpern und lobte Kramny, weil er doch 100 Prozent VfB wäre. Wenn das allein genügt…. Dutt hat mehr oder weniger tatenlos zugesehen, wie der große Tanker (so Bobic) auf Grund lief.

Doch damit nicht genug, die VfB-Welt ist am Boden zerstört, sauer, fassungslos, tieftraurig und fragt sich, ob sich dieser Kollateralschaden jemals reparieren lässt, da setzt Robin Dutt noch einen drauf. „Wir haben uns letztes Jahr für einen Weg entschieden, der auch den Worst Case eines Abstiegs vorgesehen hat. Wenn es nun so kommt, dann werden wir sehr gut vorbereitet sein“. Herr Dutt möchte doch nicht allen Ernstes behaupten, sein „Plan“ sei es gewesen, einen 39 Jahre am Stück Bundesliga spielenden Verein in die 2. Liga zu managen? Das lässt auf Kommunikationsprobleme im Vorstand schließen, denn, Herr Wahler wollte ja eigentlich in die Championsleague.

So aber sind wir aller Wahrscheinlichkeit nach in der kommenden Saison Bestandteil der attraktivsten 2. Liga aller Zeiten. Abgesehen vom spielerischen Niveau und dem sicher ein oder anderen trostlosen Heimspiel, darf man sich auf Leckerbissen in fast jedem Auswärtsspiel freuen. Sandhausen und Heidenheim sind dabei noch so ziemlich das unattraktivste, was diese Liga zu bieten hat, wegen ihrer Nähe jedoch auch schon wieder attraktiv.

Sollte es denn so kommen, gehe ich absolut positiv ran und hoffe darauf, mal wieder etwas öfter jubeln zu dürfen und dass das Neckarstadion wieder zu einer Festung wird.

Seien wir doch ehrlich, die immer weiter auseinandergehende finanzielle Schere in der Bundesliga, in der mehr und mehr mit ungleichen Waffen gekämpft wird, machen die Liga langsam aber sicher gähnend langweilig.

Zehn Heimniederlagen in dieser Saison verlangen auch dem Hartgesottensten alles ab, Spiele gegen die Spitzenteams, zu denen man die Punkte gleich per Post verschicken könnte, haben ihren Reiz verloren und jetzt kommt auch noch Leipzig hinzu, die von Anfang an oben mitspielen möchten und an Neuzugänge denken, die wir uns im Leben nicht leisten könnten.

Daher sehe ich es eher positiv, den Verein konsolidieren zu können, kleinere Brötchen zu backen, das Gehaltsniveau herabzusenken und sich der einen oder anderen personellen Altlast elegant entledigen zu können.

Der Samstag indes begann hervorragend. Früh morgens ging es schon los zur traditionellen Saisonabschlussfahrt auf dem Stuttgarter Partyfloß, wie immer toll organisiert vom OFC Leintal Power 05.
Bei Kaiserwetter hüpften und sangen wir uns mit 190 Gleichgesinnten in Stimmung und waren vorsichtig optimistisch, was das Spiel anging. Mainz war in den letzten Jahren zu ähnlichen Zeitpunkten und als es für sie ebenfalls um nicht mehr viel ging (die Europaleague konnten sie nur noch theoretisch verspielen), ein dankbarer Gegner.

Frühlingsfest, ausverkauftes Haus und eine trotzige Stimmung, hat doch fast jeder, der der Fanszene eng verbunden ist, vor dem Spiel noch einmal mobil gemacht und dazu aufgerufen, bei diesem Spiel alles rauszuhauen und die Mannschaft bedingungslos zu unterstützen.

Alle in weiß war das Motto, ein tolles Bild im weiten Rund und (zunächst) ein Lautstärkepegel, der in der Liga seinesgleichen sucht. Von der Fanseite her war alles angerichtet für einen tollen Fußballnachmittag.

Dumm nur, dass die „Mannschaft“ nicht mitspielte! Sie ist dem sich mehr und mehr zuspitzenden Abstiegs- und Existenzkampf von Spiel zu Spiel nervlich weniger gewachsen. Auch in diesem Punkt rächt es sich, dass es einfach so laufen gelassen wurde. Es ist kein Führungsspieler da, der die Jungs mitreißt, keiner der sie aufrichtet und ein Trainer, dessen ständige Wechsel von Planlosigkeit und wenig Vertrauen in sein Personal zeugen.

Kramny krempelte die Mannschaft im Gegensatz zum 2:6 letzten Montag in Bremen auf gleich sechs Positionen um. Außer einer komplett neuen Viererkette durfte auch Mitch Langerak endlich sein Bundesligadebüt im Trikot mit dem Brustring „feiern“.

Dass es Kramny nicht schaffte, auf Mallorca, die Sinne zu schärfen, einen Teamspirit zu entwickeln und vor allem eine Formation zu finden, die es in den restlichen drei Spielen richten soll und dem Druck auch gewachsen ist, zeugt von der Sinnlosigkeit dieser „Auszeit“.

Dieses Trainingslager war also für die Katz, so dass man meinen kann, dieses habe den Charakter einer Saisonabschlussfahrt gehabt und Spaß und Erholung wären im Vordergrund gestanden.

Schlimmer noch, der Spannungsabfall seit der Rückkehr mutet fatal an. Bremen war eine Frechheit, von der ersten Minute an und Mainz, na ja.

Zwei eigentliche Führungsspieler, Christian Gentner und Kevin Großkreutz, kehrten zwar zurück, waren aufgrund ihrer Verletzungen jedoch noch nicht bei 100 Prozent, so dass auch sie es nicht schafften, mit Leistung voran zu gehen und spielerisch Zeichen zu setzen.

Das Spiel begann zwar wie gemalt für den VfB, in der 6. Minute brachte Gentner unsere Farben in Führung. Es hätte der Brustlöser sein können, nein, müssen, spürte man doch bei der Mannschaft und auch bei den Fans die pure Erleichterung und eine zarte Hoffnung auf DIE Trendwende.

Doch, wenn eine stark verunsicherte Mannschaft dann plötzlich meint, das Ergebnis verwalten zu wollen und den Betrieb nach vorne nahezu einstellt, braucht man sich nicht zu wundern, wenn der Schuss nach hinten losgeht.

Da der VfB ohne Stürmer spielte und ein Didavi an vorderster Front einmal mehr darauf konzentriert war, sich nicht zu verletzen, als dass er noch einmal alles für den VfB gegeben hätte, konnten vorne keine Bälle festgemacht und dadurch auch keine Gefahr erzeugt werden. Einzig in der 36. Minute wurde es noch einmal gefährlich, als ein Mainzer den Ball von Rupp von der Linie kratzte.

Das hätte die Vorentscheidung sein können, aber, das notwendige Quäntchen Glück haben wir offensichtlich in den letzten Jahren aufgebraucht. Bezeichnend, dass im direkten Gegenzug der Ausgleich fiel, als der Rückkehrer Kevin Großkreutz eine Hereingabe zuließ und Malli sich in der Mitte Freiheiten erfreute, die wohl in der Bundesliga einmalig sind. Es war Gegentor Nummer 70, was einmal mehr offenbarte, wo der Schuh drückt und wo die Versäumnisse des Robin Dutt liegen. Man kann über Antonio Rüdiger sagen, was man möchte, aber, der stand in der Schlussphase der letzten Saison seinen Mann und steckt die Schwaabs, Šunjić‘, Niedermeiers, Barbas und Baumgartls locker in die Tasche.

Nach dem Ausgleich, der im Fußball von Grund auf noch keinen Beinbruch darstellt und reparabel gewesen wäre, brachen beim VfB abermals alle Dämme. Die Knie wurden wackelig, der Kopf spielte nicht mehr mit, die Mannschaft agierte kopflos und bettelte um weitere Gegentore.

Nach dem 1:2 und schließlich dem 1:3 und wohl auch nachdem die Ergebnisse auf den anderen Plätzen durchgesickert waren, hatte es etwas von Selbstaufgabe. Robin Dutts Kopfwäsche, die er nach dem Zerfall der Mannschaft in Bremen angekündigt hatte, verpuffte, sofern er sie denn durchgeführt hat. Denn, analog zu Bremen ergab man sich wehrlos in sein Schicksal, kein Aufbäumen, keine Gegenwehr, ohne unseren Besten, Mitch Langerak, können wir das Ding gut und gern auch 1:6 oder 1:7 verlieren.

Wenn nicht noch ein Wunder geschieht und wir in Wolfsburg gewinnen, sowie Frankfurt in Bremen, war diese 39. Bundesligasaison am Stück die vorerst letzte.

Noch unwahrscheinlicher als ein Frankfurter Sieg in Bremen, die Hessen haben mit zuletzt drei Siegen in Folge immerhin einen Lauf, erscheint, dass der VfB etwas Zählbares aus Wolfsburg mitnimmt. Nicht nur die Statistik spricht gegen den VfB, nein, in der derzeitigen Verfassung würde das Team wohl auch gegen den Stadtrivalen von den Golan-Höhen verlieren, so dass ein Erfolgserlebnis bei den Wölfen, die sich mit ihrem Publikum für eine verkorkste Saison versöhnen möchten, nahezu ausgeschlossen erscheint.

Dass beim VfB selbst keiner mehr ernsthaft an ein Wunder glaubt, zeigt sich darin, dass hinter den Kulissen wohl schon eifrig die Köpfe zusammengesteckt werden, mit welcher Führungsmannschaft und welchen Spielern man das Abenteuer 2. Liga denn angehen solle. Dabei liegt der Fokus scheinbar weniger darin, wie der Super-GAU vielleicht doch noch abgewendet werden könnte, nein, jeder meint sich positionieren zu müssen und schreit „hier“, wer die Wohlfühloase auch nach dem Abstieg nicht verlassen möchte.

Christian Gentner und Daniel Ginczek haben ihre Verträge bereits vorzeitig verlängert. Sicherlich ist es ein gutes Zeichen, wenn der Kapitän an Bord bleibt und damit auch signalisiert, dass selbst bei einem Abstieg nicht alles auseinanderbrechen würde. Jetzt hat der fast 31-jährige Gentner also noch drei Jahre Vertrag, was schwer nach Rentenvertrag riecht.

Interessant zu Gentner waren die Aussagen von Hansi Müller bei Sport im Dritten. Müller, der Einblicke in das Innenleben des Vereins hat und nicht mehr in Amt und Würden steht und deshalb auch kein Blatt mehr vor den Mund nehmen muss, kritisierte Gentner, dass er eben nicht DIE Führungspersönlichkeit ist, die man sich in schwierigen Situationen wünschen würde.

Für mich ist Gentner DAS Gesicht des sportlichen Niedergangs und ein Bremser in der Mannschaft. So lang er vermeintlich eine Stammplatzgarantie besitzt und, wie Kramny kürzlich sagte, selbst entscheide, ob er spiele, wird es schwierig bis unmöglich weg von der Wohlfühloase und hin zu einer Leistungsgesellschaft zu gelangen.

Als Identifikationsfigur darf er ja gerne bleiben, hätte ohnehin noch einen Kontrakt bis 2017 gehabt, aber, die Kapitänsbinde MUSS ihm der nächste Trainer aber abnehmen. Ich hoffe schwer, sein Wort im Verein hat nicht dieses Gewicht, dass er Dutt auch noch die Vertragsverlängerungen weiterer Gesichter des Niedergangs schmackhaft macht, dann nämlich dürfte es eher noch weiter nach unten gehen.
Sehr positiv hingegen sehe ich die Vertragsverlängerung von Daniel Ginczek, der sich darüber hinaus dem Vernehmen nach eine Ausstiegsklausel streichen ließ und damit ein klares Bekenntnis für den VfB abgibt. Typen wie ihn wünscht man sich noch einige mehr in der Mannschaft. Geerdet, bodenständig, Familienvater, sympathisch und eben kein Spinner. Hoffentlich legt er die Seuche endlich ab und kann im Spätherbst wieder beschwerdefrei für uns auf Torejagd gehen.

Auch in der obersten Vereinsebene kündigt sich ein Beben an, wie mehrere Blätter in Berufung auf Aufsichtsratskreise berichten. Demnach sollen Wahler und Dutt im Falle des Abstiegs vor der Ablösung stehen. Ich denke, uns stehen spannende Wochen bevor.

Dutt gibt sich indes kämpferisch, so ist zu hören, er verzichte für eine Weiterbeschäftigung auf die Hälfte seines Gehaltes und dass er gerne bleiben würde, da er in der Region zu Hause ist. Dutt hat sicherlich einige Projekte auf den Weg gebracht, deren Früchte wir später ernten werden, wenn sie denn fruchten, aber, er lag eben bei vielen Transfers total daneben und hat zuletzt, als es dringend nötig gewesen wäre, nicht eingegriffen.

Auch die Stimmung unter den Fans hatte am Samstag etwas von Selbstaufgabe. Obwohl es erst der 33. Spieltag war und die theoretische Chance noch gegeben ist, war’s das für viele. Den Platzsturm hätte es meiner Meinung nach zu diesem Zeitpunkt (noch) nicht gebraucht und lässt den Schluss zu, dass es wohl besser ist, auswärts endgültig abzusteigen.

In Wolfsburg werden sich viele kurz nach dem Spiel zu Zug und Bus begeben müssen und nicht noch auf die „Mannschaft“ warten können. Dieser Platzsturm war in meinen Augen dumm, wobei ich die Besonnenheit unserer Ultras-Gruppierungen loben muss, die offensichtlich ihre Leute zurückgehalten haben.

So waren auf dem Feld hauptsächlich sensationslüsterne Selfie-Knipser und wütende „Normalos“, die ein Ventil für ihren Frust suchten. Es kam vereinzelt zu Schubsereien, Schlimmeres ist zum Glück nicht vorgefallen. Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch der Meinung wäre, dass es an der Zeit ist, der Mannschaft die Meinung zu geigen, aber, erstens brauchen wir sie noch für dieses letzte entscheidende Spiel und zweitens dürfte dem VfB eine empfindliche Strafe drohen, bin hin zu einem Teilausschluss von Zuschauern, sollte die DFL Ermittlungen aufnehmen.

Dieses Platzstürmchen jetzt jedoch mit den Vorkommnissen der Kölner beim Abstieg gegen die Bayern oder in Mönchengladbach und anderen weitaus dramatischeren Ereignissen in Zusammenhang zu bringen, ist in meinen Augen überzogen und lächerlich. Die Security hatte alles im Griff, die Polizei musste nicht eingreifen, also, halb so wild.

Die Rolle des Sicherheitsdienstes ist hier trotzdem zu hinterfragen. Wohl wurde mit einem Sturm gerechnet, weshalb die Tore zum Innenraum vorab schon geöffnet wurden und Leute, die aufs Spielfeld wollten, nicht daran gehindert wurden.

Selbst Rollstuhlfahrer habe ich vor dem Kabineneingang gesehen. Das alles mutete schon seltsam an, wenn ich mir die Leute, die auf dem Rasen standen so angeschaut habe, glaube ich nicht, dass es zu einer gewaltsamen Stürmung gekommen wäre, hätte man die Tore einfach geschlossen gehalten.

Nun hoffe ich einfach, dass die DFL aus dieser Mücke keinen Elefanten macht und der VfB keine Konsequenzen zu tragen hat. Und natürlich darauf, dass die Spieler nicht zu sehr eingeschüchtert wurden und in Wolfsburg schon von Beginn an mit wackeligen Knie auf dem Platz stehen.

Bei aller Selbstaufgabe, noch sind drei Punkte zu gewinnen, noch sind wir nicht sicher abgestiegen. Für Wolfsburg gilt es seitens der Mannschaft noch einmal alles zu mobilisieren. Vielleicht hilft es ja dabei, dass der eine oder andere jetzt schon weiß, dass man auch in der 2. Liga auf ihn setzen würde, und die Mannschaft daher gieriger auftritt als zuletzt. Wenn nicht, geht die Welt auch nicht unter, alles hat seine zwei Seiten, ich sehe auch dann positiv in die Zukunft.

Lasst uns jedenfalls dieses vermeintlich letzte Bundesliga-Spiel für einige Zeit genießen. Alle in Rot nach Wolfsburg. Freue mich auf den Partyzug und einen abartig langen Tag. Bin auf alles vorbereitet, in diesem Sinne, prost und ahoi!

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8. April 2016

Eine Hommage auf Daniel Didavi!

Category: Frankys Blogs — Tags: , , , , , , , , – Franky @ 19:26

Jetzt ist es also raus, was die Spatzen schon seit geraumer Zeit von den Dächern pfiffen! Daniel Didavi verlässt den VfB nach 17 Jahren in Richtung Wolfsburg. Die schöne Stadt Wolfsburg oder gar die Gelegenheit, eine neue Sprache zu erlernen, werden bei seiner Entscheidung wohl nicht den Ausschlag gegeben haben.

Vielmehr übt Wolfsburg hauptsächlich deshalb auf Dida einen großen Reiz aus, weil er dort (vermutlich) wieder auf seinen Ziehvater Dieter Hecking treffen wird, der ihn einst in Nürnberg zum Bundesligaspieler formte.

Zumindest langfristig dürften auch die sportlichen Perspektiven in der Autostadt besser sein und nicht zuletzt, darf Didavi, da ablösefrei, auch noch ein nettes Handgeld einstreichen und soll fünf Jahre lang sechs Millionen Euro jährlich „verdienen“, was mehr als doppelt so viel von dem wäre, was der VfB ihm hätte bieten können.

Wer ihn jetzt mit Häme überschüttet, weil Wolfsburg gerade noch fünf Punkte vor uns und damit vom internationalen Geschäft fast so weit entfernt ist, wie der VfB, sollte dabei berücksichtigen, wann Dida diese Entscheidung getroffen hatte.

Vor dem Duell gegen Didas neuen Arbeitgeber stand der VfB mit zwölf Punkten auf Platz 18 und hatte jüngst zum x-ten Mal in den letzten Jahren den Trainer geschasst. Der so hoffnungsvoll begonnene Neuanfang unter Trainer Zorniger war abrupt beendet, von Kontinuität wieder einmal keine Spur. Wolfsburg hingegen, amtierender Vizemeister und von Platz 4 der Tabelle grüßend, versprach zu jenem Zeitpunkt, als Didavis Berater Karl-Heinz Förster auf der VfL-Geschäftsstelle gesichtet wurde und vermutlich auch Nägel mit Köpfen gemacht wurden, die weitaus besseren Perspektiven.

Wohl vor allem auf Geheiß von Robin Dutt wurde vereinbart, über den anstehenden Wechsel Stillschweigen zu bewahren, um jedwede zusätzliche Unruhe im Abstiegskampf vom Verein fernzuhalten. Am Anfang der Rückrunde schien dies Daniel Didavi auch nicht zu belasten, hatte er doch großen Anteil an der schwindelerregenden Siegesserie. In den letzten Wochen hingegen, in der kaum eine verstrich, ohne dass in irgendeiner Zeitung zu lesen war, der Wechsel zum VfL Wolfsburg sei bereits fix, schien die Situation Dida plötzlich zu belasten. Seine Körpersprache war eine andere, seine Leistungen auf dem Platz wurden schlecht, so schlecht sogar, dass er bei den beiden letzten Spielen der schwächste VfBler auf dem Platz war. Wohl deshalb und damit Dida zum Saisonendspurt den Kopf wieder frei hat, entschloss man sich diese Woche, den Wechsel endlich publik zu machen.

Dida deswegen als Lügner hinzustellen ist meiner Meinung nach äußerst unfair, da er sicherlich gerne früher reinen Tisch gemacht hätte, jedoch an die Abmachung gebunden war. Seine Leistungen wurden sicher auch nicht deshalb schlechter, weil er mit dem VfB abgeschlossen hätte, sondern weil das Versteckspiel an ihm nagte und er spürte, wie der Unmut bei vielen Fans wuchs und zuletzt sogar drohte, endgültig in Hass umzuschlagen.

Dida spielt mit kurzen Unterbrechungen seit der F-Jugend für den VfB, der VfB ist sein Verein. Er wird den VfB daher sicher unter keinen Umständen als Absteiger verlassen wollen, weshalb ich mir sicher bin, dass er in den (vorläufig?) letzten Spielen für den VfB noch einmal alles raushauen und mithelfen wird, uns vor dem Abstieg zu bewahren.

Dass Robin Dutt ihn im Sommer, trotz lukrativer Angebote vom VfL Wolfsburg und Bayer 04 Leverkusen, nicht gehen lassen hat und ihn als unverkäuflich bezeichnete, hat ihn sich nicht etwa beleidigt in sein Schneckenhaus zurückziehen lassen, sondern, er akzeptierte diese Entscheidung profihaft und hat mit seinen 15 Scorer-Punkten maßgeblichen Anteil, dass wir (noch) relativ entspannt dem Saisonende entgegen blicken können.

Noch im Juli, als ich die Gelegenheit hatte, mit ihm zu sprechen, versicherte er, dass sein Wechsel zur nächsten Saison keineswegs beschlossene Sache sei. Er goutierte die eingeschlagenen Reformen und Personalentscheidungen und war angetan vom Fußball, den Alexander Zorniger propagierte. Damals noch bestand, auch bei ihm, Hoffnung, den Schwung und die prächtige Stimmung auf den Rängen zum Saisonfinale in die neue Saison hinüberretten zu können und sich in einen Lauf zu spielen.

Er wollte die weitere Entwicklung abwarten und liebäugelte damit, wenn auch ein bisschen verschmitzt, DAS Gesicht des „neuen“ VfB werden zu können. Einen gewissen Charme hätte diese Vorstellung schon für ihn besessen.

In der Vorrunde, das wissen wir alle, setzte sich die Abwärtsspirale, in der wir uns schon einige Jahre befinden, dann aber nahtlos fort. Wir verloren die Spiele zwar zunächst schöner, aber, wir verloren sie noch immer.

Dass dann ein hochveranlagter Spieler, der mit 26 Jahren im besten Fußballeralter ist, es sich genau überlegt, wo er den wohl „letzten großen Vertrag“ seiner Karriere unterschreibt, ist meiner Meinung nach völlig legitim. Langsam aber sicher läuft ihm die Zeit davon, auch natürlich der Tatsache geschuldet, dass er durch seine langen Verletzungsunterbrechungen für sein Alter viel zu wenig Bundesligaspiele auf dem Buckel hat.

Natürlich wäre es wünschenswert gewesen, dass Didavi noch einmal einen längerfristigen Vertrag unterschreibt und dann irgendwann einmal gegen eine hohe Ablöse den Verein verlässt und nicht wie jetzt ablösefrei. Diese Chance jedoch hat der VfB vor gut einem Jahr verpasst, als Didavi, noch während seiner Reha-Zeit, einer Verlängerung wohl nicht abgeneigt gewesen wäre. Ein auf Transfererlöse angewiesener Verein wie der VfB darf es sich eigentlich von Grund auf nicht leisten, mit Spielern, für die es Interessenten gibt, ins letzte Vertragsjahr zu gehen, weil die Unruhe von vornherein vorprogrammiert ist und der Verein das Heft des Handelns aus der Hand gibt.

Der VfB muss sich also durchaus auch an die eigene Nase fassen und versuchen, solche Fälle in Zukunft zu vermeiden. Hier sehe ich den Verein in der Pflicht, der, um die Guten mittelfristig auch wieder halten zu können, sich von blockierenden Altlasten befreien muss, anstatt noch die Verträge mit ihnen zu verlängern. Die guten Spieler, wie aktuell auch Filip Kostic, kann man eben nun mal nur zum bleiben bewegen, wenn das Gehalt leistungsgerecht angepasst wurde und wenn die Rahmenbedingungen, wie z. B. eine konkurrenzfähige Mannschaft zu haben, stimmen.
Bewegt sich der Verein jedoch ständig im Kreis, wie wir es aktuell erleben (müssen), laufen uns die Guten weg, während die Schlechten, mangels Interessenten, ihre Verträge absitzen, was fast zwangsläufig irgendwann im Abstieg münden muss.

Ob Didavi immer noch mit der im Dezember getroffenen Entscheidung restlos glücklich ist, oder ihn schon jetzt leichte Zweifel plagen, das ist die Frage. Besonders euphorisch wirkte er beileibe nicht, als er bei vfb-tv davon sprach, dass man zu einer getroffenen Entscheidung stehen müsse.
Die Vorzeichen haben sich seither ja auch grundlegend geändert. Wolfsburg dümpelt in der Tabelle jenseits von Gut und Böse rum und ist derzeit meilenweit von den eigenen Ansprüchen entfernt. Während sich die Stimmung beim VfB prächtig fast schon ins Humoristische hinein entwickelt hat, tun sich bei Wolfsburg, parallel zur sportlichen Misere, unschöne Nebenkriegsschauplätze auf (Kruse, Bendtner,…), was nicht von bester Stimmung zeugt.

Hecking sitzt bei weitem nicht mehr so fest im Sattel wie noch im Dezember. Sollte, wie es heute aussieht, die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb verpasst werden, dürfte im Sommer auch Hecking zur Disposition stehen. Sollte Wolfsburg tatsächlich im Sommer den Trainer wechseln, hätte sich Dida offensichtlich fürs erste verzockt, auch wenn er Profi genug ist um zu wissen, wie schnell sich die Personalien im Fußball ändern können.

Dida ist VfBler durch und durch und wäre im Grunde seines Herzens sicher auch gerne beim VfB geblieben, wenn sich eben die sportliche Entwicklung wenigstens ein bisschen nach oben bewegt hätte. Ständiger Abstiegskampf zermürbt eben nicht nur uns Fans, sondern auch die Spieler. Ein Spieler mit seinen Fähigkeiten und seiner Spielintelligenz eben Begehrlichkeiten anderer Clubs. Es ist zwar äußerst bitter, auch für mich, dass uns unser bester Fußballer verlässt, aber, verdenken kann ich es ihm wirklich nicht.

Dem VfB gegenüber hat Dida stets mit offenen Karten gespielt. Er weiß, dass er dem Verein viel zu verdanken hat und kommt zudem aus einem geerdeten Elternhaus, das ihm Werte wie Höflichkeit, Respekt, Ehrlichkeit und Loyalität beigebracht hat. Dieser Wechsel ging im Zusammenspiel mit dem Verein sauber über die Bühne, anders bspw. als das vor knapp einem Jahr vollführte Theater der Brüder Rüdiger/ Senesie.

Didavi jetzt, weil er es sich „erlaubt“ unseren geliebten VfB zu verlassen, als Söldner abzustempeln und ihm Vereinsliebe und Dankbarkeit abzusprechen, halte ich für überzogen und unfair.

Ich habe ein Faible für Dida, seit ich ihn, damals 17-jährig, erstmals auf den Golan-Höhen sah. Er bestritt in der Saison 2008/2009 sein allererstes Spiel für die Amas gegen Eintracht Braunschweig und steuerte auf Anhieb zwei Tore und eine Torvorlage zum 4:0 bei. Seither verfolgte ich seine Entwicklung interessiert und freute mich auf den Tag, an dem er zu den Profis hochgezogen werden würde.

Seine erste Saison bei den Profis absolvierte er im Fast-Abstiegsjahr 2010/2011, als das pure Chaos herrschte und zunächst Christian Gross, dann Jens Keller und schließlich Bruno Labbadia seine Trainer hießen. Schon diese Saison stand für Dida unter einem äußerst ungünstigen Stern, verletzte er sich doch bereits am 5. Spieltag in Nürnberg schwer und kam auch in der Rückrunde kaum mehr zu Einsätzen, weil Labbadia im Abstiegskampf eher auf Erfahrung setzte und mit Dida auch nie so recht etwas anzufangen wusste.

Nach diesem verkorksten ersten Profi-Jahr wurde Dida an den 1. FC Nürnberg verliehen. Als noch die Herren Bobic und Labbadia auf dem Wasen ihr Unwesen trieben, dienten solche Leihen weniger einer erhofften Weiterentwicklung der Spieler, sondern wohl vorrangig dazu, die Kadergröße zu reduzieren. Ein Spieler musste sich zu jener Zeit mehr als abgeschoben denn als Hoffnungsträger für die Zukunft fühlen. Sowohl Didavi, als auch später Schieber und Kimmich entfremdeten sich komplett vom VfB und wären am liebsten überhaupt nicht mehr zurückgekommen, da sie bei den aufnehmenden Vereinen jene Nestwärme spürten, die sie beim VfB vermissten.

Bei Didavi soll sich während seiner Leihe nie ein Offizieller vom VfB gemeldet und sich nach ihm erkundigt haben. Seit dieser Saison gibt es den Team-Manager Günther „Günne“ Schäfer, der unter anderem zur Aufgabe hat, bei Leihspielern eine Entfremdung zu verhindern, indem er sich über deren Wohlbefinden erkundigt, sie über Geschehnisse beim VfB auf dem Laufenden hält und nicht zuletzt auch ihre Perspektive bei einer Rückkehr zum VfB bespricht, kurz, ihnen einfach vermittelt, weiterhin wichtiger Bestandteil vom VfB zu sein und ihnen das Gefühl gibt, dass der VfB sich wieder auf sie freut.

Diese Fürsorge wurde bei Didavi versäumt, so dass er schon damals am liebsten beim Club geblieben wäre. Dort erfuhr er jene Wertschätzung, die er beim VfB vermisste. Einen Strich durch diese Rechnung machte dann der Kreuzbandriss, den sich Dida im letzten (Test-)Spiel für den Club zuzog, womit klar war, dass der notorisch klamme Club sein weniges für Transfers verfügbare Budget in Spieler investieren würde, die ihm sofort weiterhelfen konnten, womit eine Weiterbeschäftigung Didas vom Tisch war.

Didas Vertrag wurde, damit die Leihe überhaupt zustande kam und er nach dieser nicht ablösefrei wechseln konnte, bevor Dida zum Club ging, um ein Jahr verlängert, wäre also 2013 ausgelaufen.

Damit Dida seine Reha-Maßnahmen unbeschwert und ohne irgendwelche Zukunftsängste antreten konnte, verlängerte man während dieser Zeit den Vertrag um drei weitere Jahre bis 2016. Dieser Vertrag war jedoch stark leistungsbezogen, mit einem niedrigen Grundgehalt, aufgelegt, so dass er für den VfB kein großes Risiko darstellte. Es handelte sich um eine Win-Win-Situation. Didavi war abgesichert, der VfB konnte mit einem inzwischen sehr guten Bundesligaspieler den Vertrag verlängern, was einige Wochen davor noch völlig unrealistisch gewesen wäre.

Deshalb wehre ich mich dagegen, Dida mangelnde Dankbarkeit zu unterstellen, da in der Bobic-Ära ihm gegenüber bei weitem nicht alles astrein abgelaufen ist und zu jener Zeit schon viel Porzellan zerschlagen worden ist.

Mit dem Kreuzbandriss, den Dida aus Nürnberg mitbrachte, begann eine fast unfassbare Leidensgeschichte. Während der darauffolgen 22 Monate kam Dida gerade einmal zu drei Kurzeinsätzen in der Bundesliga, so dass ihm kaum einer mehr ein Comeback zugetraut hatte.

Als man schon überhaupt nicht mehr mit ihm rechnete kam er am Ende der Saison 2013/2014 wie Phönix aus der Asche zurück. Erst nachdem Huub Stevens gegen Borussia Dortmund (2:3 nach 2:0-Führung) Daniel Didavi und Carlos Gruezo aus dem Hut zauberte, kam Struktur und Spielkultur in unser Spiel, was uns schließlich noch den Klassenerhalt bescherte.

Auch in der darauffolgenden Saison 2014/2015 klebte Dida das Pech an den Füßen. In der Vorrunde brachte es er es gerade einmal auf sechs Einsätze, die nächsten sollten erst wieder ab dem 30. Spieltag folgen. Wurde er bei den gefühlten Abstiegen gegen Freiburg (2:2) und auf Schalke (2:3) spät eingewechselt, stand er bei den letzten drei Siegen von Beginn an auf dem Platz und hatte durch seine Tore gegen Mainz und in Paderborn einen sehr großen Anteil am letztlich geglückten Klassenerhalt.

Die aktuelle Saison ist die erste seit jener beim Club, in der er konstant und weitestgehend beschwerdefrei sein Können unter Beweis stellen kann. Dass seine erste Saison für den VfB, in der er fast durchgängig zur Verfügung steht, mit seinem Abschied zusammenfällt, ist zufällig und dem Versäumnis geschuldet, dass sein Vertrag nicht längst verlängert worden war.

Jetzt, nachdem das Versteckspiel beendet ist, sollte Dida frei im Kopf sein und in den verbleibenden sechs Saisonspielen, beginnend morgen gegen keinen geringeren als den FC Bayern, unter Beweis stellen, welch großartigen Fußballer wir in ihm verlieren.

In den sozialen Medien ist die Empörung auf Didas Abgang so groß, dass nicht wenige von Kramny erwarten, Dida ab sofort auf die Tribüne zu verbannen und stattdessen seinen Kronprinzen Alexandru Maxim ins Wasser zu werfen.

Wollen wir den Abstiegskampf bestehen oder nicht? Könn(t)en wir es uns leisten, aus niederen Beweggründen auf unseren Top-Scorer zu verzichten. Und das in einer Mannschaft, die ohnehin auf ihre Aggressiv-Leader Serey Dié und Kevin Großkreutz verzichten muss? Davon halte ich nichts. Maxim, so sehr ich ihn eigentlich mag, hat seine besten Spiele für den VfB als Joker abgeliefert. Er ist zu langsam, lang nicht so giftig in den Zweikämpfen und scheint auch konditionell nicht auf der Höhe zu sein, zudem arbeitet Dida auch noch nach hinten besser mit. Ich sehe in Maxim, der sich noch bei keinem Trainer durchsetzen konnte, keinen vollwertigen Ersatz für Dida und sehe die Notwendigkeit im Sommer auf dem Transfermarkt auf Didavis Abgang zu reagieren.

Auch wenn ich den VfL Wolfsburg absolut nicht ausstehen kann und ihn durchaus auch als einen der Totengräber des Fußballs, wie wir ihn lieben gelernt haben, ansehe, kann ich Didas Entscheidung nachvollziehen und dabei vor allem, dass er gerne in die Obhut von Dieter Hecking zurückkehren möchte.

Das zeigt doch schon sein Faible für Altbewährtes, weshalb es ihm auch sichtlich schwer fällt, den VfB zu verlassen und überhaupt etwas Neues zu machen. Bei Hecking weiß er sich in guten Händen, weiß, dass der Trainer auf ihn steht, was ihm die Eingewöhnung erleichtern und Einsatzzeiten bringen dürfte.

Sportlich werde ich dem VfL Wolfsburg sicher kein Glück und keine Erfolge wünschen, Daniel Didavi wünsche ich aber, dass er endlich konstant verletzungsfrei bleibt und sich mit guten Leistungen, auch in seinem für einen Jung-Nationalspieler fast schon zu hohen Alter, noch in den Dunstkreis von Jogi Löw spielen kann.

Ferner hoffe ich, dass sich die Leute über Facebook & Co. genug über Didas Wechsel und auch seine Person ausgekotzt haben und es im Stadion keine negativen Reaktionen geben wird.

Wir brauchen ihn dringend als Leistungsträger und als Spieler, der den Unterschied ausmachen kann. In den letzten Spielen gilt es alles zu mobilisieren, auch in der Kurve, um dem Abstieg ein weiteres Mal von der Schippe zu springen. Die Atmosphäre bei den verbleibenden drei Heimspielen sollten Dida vielmehr im Gedächtnis haften bleiben, so dass er diese dann hervorkramen kann, wenn in Wolfsburg die Schicht ungünstig liegt und das Stadion nur halbvoll ist.

Alles Gute und AUF WIEDERSEHEN, Dida!

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21. Dezember 2015

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer

Wer hätte das für möglich gehalten? Nach einer, zumindest nach dem frühen Rückstand, couragierten Leistung gegen den Championsleague-Achtelfinalisten VfL Wolfsburg und dem letztlich verdienten 3:1-Erfolg verlässt der VfB erstmals seit dem 11. Spieltag die Abstiegsplätze und „überwintert“ auf einem Nicht-Abstiegsplatz. Der 15. Tabellenplatz, den man in der Vorrunde fünf Mal inne hatte, stellt zugleich die beste (!) Platzierung in der laufenden Saison dar.

Obwohl der VfL Wolfsburg zu den schwächsten Auswärtsteams der Liga zählt und gerade einmal drei Auswärtstore zustande brachte, ließ dieses Spiel im Vorfeld das Schlimmste befürchten. Die Qualität des Werksclubs ist hinlänglich bekannt, in der Vorsaison setzte es zudem eine 0:4-Heimpleite. Damals hatten sie zwar noch Kevin de Bruyne in ihren Reihen, aber, die Draxlers, Kruses und Schürrles sind ja auch nicht zu verachten.

Da der VfB in der laufenden Saison nur gegen die vermeintlichen Abstiegskandidaten Hannover 96, Darmstadt 98 und den FC Ingolstadt mit Ach und Krach gewonnen hat und gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte teils derbe Niederlagen einstecken musste, hätte ich vor diesem Spiel keinen Pfifferling auf die Brustringträger gesetzt. Mittlerweile fahre ich gut damit, nichts von der Truppe zu erwarten, so dass die Enttäuschung hinterher nicht allzu groß ist, daher war ich mir im Vorfeld schon recht sicher, dass der VfB nach 2010/2011 zum zweiten Mal mit erbärmlichen zwölf Punkten in die Winterpause gehen würde.

Zum letzten Spiel des Jahres fanden sich 47.343 Zuschauer im Neckarstadion ein, was angesichts der zuletzt gezeigten „Leistungen“ und der nicht vorhandenen Attraktivität der Betriebssportgruppe Wolfsburg nicht sonderlich verwunderlich war. Der Gästeblock war mit etwa 400 Seelen lächerlich schwach besetzt. Vielleicht fragen wir einmal Herrn Allofs, welche Anstoßzeit ihm denn für dieses Spiel genehm gewesen wäre, nachdem er den schwachen Besuch in der heimischen Arena bei Championsleague-Spielen mit den fanunfreundlichen Anstoßzeiten begründet hatte.

Die Trainerfrage schien, schenkte man den Gazetten Glauben, schon vor dem Spiel entschieden zu sein. Jürgen Kramny würde aller Voraussicht nach einen Cheftrainervertrag erhalten, nur ein Debakel würde die Vereinsoberen womöglich noch zum Umdenken bewegen. Die „Mannschaft“ hatte es also in der Hand, ob sie mit Kramny weitermachen will, oder auch ihn zum Abschuss freigeben würde.

Anfangs sah es auch so aus, als nähmen die Dinge ihren vorbestimmten Lauf. Der VfB igelte sich hinten ein und überließ Wolfsburg den Ball, mit dem Vorhaben aus einer kompakten Defensive heraus vorne Nadelstiche zu setzen. Dies misslang in den ersten Minuten gründlich, da man überhaupt keinen Zugriff auf das Spiel bekam. Bereits nach knapp einer Viertelstunde gingen die Wölfe in Führung. Kruse scheiterte mit einem Flachschuss an Tytoń, der zur Seite und in den Fuß von Caligiuri abwehrte, dieser wartete in aller Seelenruhe ab, bis Arnold herangerauscht kam und den Ball im Tor versenkte. Da war sie wieder, die Schlafmützigkeit unserer Defensivabteilung.

Die Wolfsburger wurden mit der Führung im Rücken erstaunlich passiv, so dass der VfB zu ersten zaghaften Kombinationen und damit besser ins Spiel kam. Nur acht Minuten später spielte der bärenstarke Lukas Rupp Daniel Didavi frei, der nicht lange fackelte und mit einem Traumtor aus 20 Metern in den Winkel den Ex-VfBler Diego Benaglio düpierte. Was für ein Tor, wunderschön und eminent wichtig und damit der Brustlöser für ein doch noch starkes Spiel. Knapp zehn Minuten später passte Gentner aus einer Kontersituation heraus auf Timo Werner, der in den Strafraum hinein sprintete und mit einem scharfen Querpass Filip Kostic bediente, welcher nur noch einzuschieben brauchte. Nach einer halben Stunde war das Spiel gedreht, von den Wölfen kam fast nichts mehr, im Gegenteil, noch vor dem Pausenpfiff hatte der VfB durch einen Pfostenschuss von Rupp und durch Timo Werner, der allein auf Benaglio zulief, hochkarätige Chancen, das Ergebnis höher zu gestalten.

Zur Halbzeit rieben wir uns verwundert die Augen, weil das wirklich mal wieder nach Fußball aussah. Direkt nach dem Seitenwechsel steckte Klein, der nach überstandener Verletzung für den angeschlagenen Serey Dié ins Team rückte, auf Didavi durch, der erneut nicht lange fackelte und das Leder zum 3:1 in die Maschen drosch.

Gab Didavi, der zuletzt verletzt fehlte und für Alexandru Maxim in die Startelf rückte, sein Bewerbungsschreiben für eine Anstellung beim VfL Wolfsburg ab? Ich hoffe es nicht! Trotz großer Anfeindungen in den sozialen Netzwerken und der ihm unterstellten Undankbarkeit, hoffe ich nach wie vor, dass uns Didavi erhalten bleibt. Didavi ist sicher nicht der Typ Söldner, für den ihn viele halten. Zunächst wurde er, weil Labbadia nichts mit ihm anzufangen wusste, nach Nürnberg ausgeliehen, um nicht zu sagen abgeschoben. Dort erfuhr er plötzlich die Wertschätzung, übrigens unter Trainer Dieter Hecking, die ihm beim VfB nicht zuteilwurde. Einen Teammanager, wie ihn heute Günther Schäfer mimt, gab es damals noch nicht. Schäfer hat unter anderem die Aufgabe, Kontakt zu verliehenen Spielern zu halten, sie über die Geschehnisse beim VfB auf dem Laufenden zu halten und sie frühzeitig darüber aufzuklären, wie der VfB mit ihnen plant. Immer und überall sollen sie sich als Teil vom VfB fühlen und sich nicht entfremden. Genau das geschah aber, als Didavi in Nürnberg war. Bis zwei, drei Wochen vor Saisonende hatte sich vom VfB kein Verantwortlicher gemeldet, so dass sich Dida wie das fünfte Rad am Wagen vorgekommen sein musste und nicht wusste, wie es weiter geht.
Lediglich seine in der Schlussphase der Leihe erlittene schwere Verletzung verhinderte, dass er damals schon verkauft wurde. Damit ihn während seiner schweren Zeit keine Zukunftsängste plagen und er seine Reha ohne Zeitdruck angehen konnte, wurde sein Vertrag mit einem vergleichsweise geringen Gehalt bis 2016 verlängert. Sein Salär wurde zwar wohl inzwischen nach oben angepasst, dennoch verpasste es der VfB zu jener Zeit, als sich Didavi im Klassenkampf der Vorsaison zum Leistungsträger aufgeschwungen hat, seine Vertragsverlängerung auf die Prio-1-Liste zu setzen.

Seit dem Bosman-Urteil ist es oberste Managerpflicht, Verträge von Spielern, die man halten möchte, frühzeitig zu verlängern und möglichst nicht ohne die letzte Gewissheit ins letzte Vertragsjahr zu gehen. Der VfB schob diese Personalie auf die lange Bank und hat nun den Salat. Didavi hat sich in den Fokus gespielt und kann bei Bayer Leverkusen oder dem VfL Wolfsburg, die beide um ihn buhlen, sicher das Doppelte an Gehalt einstreichen, wie es ihm der VfB zu bieten imstande ist. Klarer Anfängerfehler von Robin Dutt!

Jetzt fehlen dem VfB die guten Argumente für eine Vertragsverlängerung, nicht nur finanziell, sondern auch sportlich! Allein der Tradition und Fankultur wegen, wird Didavi nicht zum bleiben zu bewegen sein. Und trotzdem darf der VfB nichts unversucht lassen.

Um in eine erfolgreichere Zukunft zu steuern, muss es der VfB lernen, sich den Begebenheiten der Branche zu beugen und auf Spieler einzugehen, die um ein Vertragsangebot flehen, und darf sie nicht ständig auf einen Zeitpunkt vertrösten, den der Verein für richtig hält. Dann nämlich fangen Spieler und deren Berater an, sich abzuwenden und Alternativen abzuklopfen.

Bei Filip Kostic ist der Fall wohl ähnlich gelagert. Anstatt ihm ein Bleiben wirklich schmackhaft zu machen, reibt sich Dutt bei den kolportierten 18 Millionen Euro Ablöse die Hände und setzt Kostic damit schon de facto auf die Verkaufsliste. Abgesehen davon, dass man bei Toni Rüdiger ähnliche Erlöse erwartete und es wegen des Transfer-Hick-Hacks kein Zurück mehr gab, verkauft man in erster Linie Qualität und einen Spieler, der die Fans zu Begeisterungsstürmen hinreißen kann.

Hier erwarte ich vom VfB, dass er sich bis an die Decke streckt und den beiden, sowie irgendwann auch Daniel Ginczek, marktgerechte Gehälter bietet, dass die Spieler zumindest anerkennen, dass der VfB sein möglichstes tut. Robin Dutt hat ganz klar formuliert, dass der VfB dahin kommen wolle, Leistungsträger halten zu können, diesen Worten müssen auch Taten folgen.

Natürlich wird der VfB immer von Vereinen wie Wolfsburg, Leverkusen oder Schalke finanziell ausgestochen werden, dem einen oder anderen Spieler aber ist es womöglich schon genug, wenn er in der vereinsinternen Gehaltstabelle weit oben angesiedelt ist und er daran die Wertschätzung für ihn ablesen kann. Klar ist auch, dass es viele Spieler gibt, die es tatsächlich nur interessiert, wo sie am meisten verdienen können, ich hoffe jedoch, dass nicht alle so ticken. Immerhin wissen sie beim VfB, was sie hier haben, welchen Stellenwert sie innerhalb des Teams haben, während bei einem Wechsel in ein Starensemble einige Unwägbarkeiten vorhanden wären und sie sich erst einmal dort durchbeißen müssten.

Ich hoffe nicht, dass die Situation bereits so verfahren ist, dass eine Vertragsverlängerung unmöglich ist. Didavi ist hier zuhause, kommt aus einem bodenständigen Elternhaus und kam sicher lang nicht auf den Gedanken, den VfB zu verlassen. Merkt er aber, dass sich der VfB nur halbherzig um ihn bemüht, kann man es ihm nicht verdenken, sollte er sich anderweitig orientieren.

Ich weiß, dass viele Fans der Auffassung sind, dass man Reisende nicht aufhalten soll, ich sehe es, zumindest im aktuellen Fall Didavi, anders. Um nicht ständig gegen den Abstieg zu kämpfen oder gar tatsächlich einmal abzusteigen, muss der VfB alles in seiner Macht stehende tun, die wenigen Qualitätsspieler die man hat, zu halten. Gelänge dies im einen oder anderen Fall könnte es eine Signalwirkung auch für andere Spieler haben, genauso wie im umgekehrten Fall.

Zurück zum Spiel, Timo Werner hatte noch eine weitere Chance im eins gegen eins gegen Diego Benaglio, das er erneut verlor, danach verflachte die Partie zunehmend. So etwas wie Spannung kam erst wieder auf, als Sunjic nach rüdem Foul mit gelb-rot vom Platz musste und dies einem Weckruf für die Autostädter gleichkam. Die Wölfe erhöhten den Druck, der VfB igelte nur noch am eigenen Strafraum ein und kam so gut wie nicht mehr zu Entlastungsangriffen. Der VfB hatte zwar noch Glück, dass Schiedsrichter Brych ein plumpes Foul von Schwaab an Dost im Strafraum nicht ahndete und Sebastian Jung aus zwei Metern über das leere Tor köpfte, ansonsten verteidigte der VfB mehr oder weniger geschickt den Vorsprung und brachte ihn schließlich über die Zeit.

Dieses Spiel bot ein Spiegelbild vieler Spiele in dieser Saison und war dennoch etwas anders, weil es erfolgreich gestaltet werden konnte. Spiele nach diesem Strickmuster haben wir bereits einige gesehen. Wenn man unsere Offensive spielen lässt, blitzt immer wieder mal enormes Potential auf, genauso wie uns defensive Aussetzer immer wieder um den durchaus verdienten Lohn bringen können. Am Samstag hatten wir endlich einmal das nötige Quäntchen Glück auf unserer Seite, dass nicht jeder Fehler zum Gegentor führte, so dass die Wölfe irgendwann, auch in Überzahl, nicht mehr so richtig an sich glaubten. Tytoń, der mit Rupp und Didavi bester VfBler war, mausert sich mehr und mehr zum Rückhalt und braucht sich in dieser Form auch vor Mitch Langerak nicht zu verstecken, der wohl in der Winterpause ins Mannschaftstraining zurückkehren dürfte.
Die größten Sorgen im Team macht nach wie vor die Vierer-Abwehr-Kette. Niedermeier stand am Rande eines Platzverweises, Sunjic flog durch eine Dummheit vom Platz, so dass er beim Rückrundenauftakt in Köln fehlen wird, und Schwaab, nicht nur in der Elfersituation ohne weitere Worte. Er ist weder Innen- noch Rechtsverteidiger, hat ein schlampiges Passspiel, kann nicht flanken und ist ungeschickt in seinen Zweikämpfen. Mir fiele kein anderes Bundesligateam ein, in dem er Stammspieler wäre.

Georg Niedermeier spielt sich derzeit wieder fest, seit Jürgen Kramny übernommen hat. Sicherlich ein nachvollziehbarer Schachzug Kramnys, da bei neuem Trainer die Karten stets neu gemischt werden. Timo Baumgartl, der derzeit dem Druck nicht gewachsen zu sein scheint, ist zunächst einmal außen vor. Niedermeier, am Samstag fast mit einem erneuten Eigentor, stellt wegen seiner Übersetzung und weil er zu langsam ist, immer ein Sicherheitsrisiko dar, ist dafür aber einer, der mit Herz und Leidenschaft dabei ist und nie aufgibt. Bei ihm stimmt die Körpersprache! Herz, Leidenschaft und Körpersprache sollte man von einem Berufsfußballer als selbstverständlich erachten, dass beim VfB solche Grundtugenden erwähnenswert sind, sagt viel über den Zustand dieser „Mannschaft“ aus.

Daher wird, sofern im Winter machbar, dringend ein starker Innen- aber auch ein Rechtsverteidiger benötigt. Auch ein Stoßstürmer als Ersatz für den Langzeitverletzten Daniel Ginczek würde uns gut zu Gesicht stehen. Ob der Markt etwas Brauchbares und für den VfB bezahlbares hergibt, wird sich zeigen. Es sollten jedenfalls Spieler sein, die uns sofort weiterhelfen und nicht eine monatelange Eingewöhnungszeit benötigen.
Den finanziellen Spielraum erhöht haben dürfte die Ernennung von Jürgen Kramny zum Cheftrainer. Es war zwar letztendlich die logische Entscheidung, weil Kramny es schaffte, das Team defensiv halbwegs zu stabilisieren und offensichtlich auch gut mit der „Mannschaft“ bzw. sie mit ihm kann.

Auf der anderen Seite ist sie auch eine große Gefahr, weil Kramny keine Erfahrung im Bundesliga-Abstiegskampf aufweist und weil die „Mannschaft“ so schwierig ist.

Möglicherweise hat sie gegen Wolfsburg tatsächlich für ihn gespielt, um einen Schleifer wie bspw. Felix Magath zu verhindern und um sich ihre Wohlfühloase zu erhalten.

Was zum Beispiel, wenn die „Mannschaft“, wie in den letzten beiden Jahren, die ersten sechs, sieben Rückrundenspiele sieglos bleiben sollte und man dann doch noch einen Feuerwehrmann installieren müsste? Dann hätte man die große Chance vertan, einem neuen Trainer die Möglichkeit des Wintertrainingslagers und des offenen Transferfensters zu geben, um selbst noch Einfluss nehmen zu können. Wie man es dreht und wendet, hätte wenn und aber. Der Aufschrei wäre genauso groß, wenn man Kramny zurück ins zweite Glied gestuft hätte und der neue Mann mit einer Niederlagenserie gestartet wäre.

In diese Zwickmühle brachte man sich selbst. Vor dem Augsburg-Spiel stand man noch voll und ganz hinter Alexander Zorniger. Erst nachdem die „Mannschaft“ beschloss die Zusammenarbeit mit ihm zu beenden, indem sie eine 90-minütige Horrorshow inszenierte und Dutt durch den Fanausschuss (Montags; Dienstags dann die Entlassung) klargemacht wurde, weitere Darbietungen wie diese lasse man sich bieten, schmiss man ziemlich überstürzt den Trainer raus, dessen Philosophie lange Zeit als alternativlos betitelt wurde, hatte aber dummerweise keinen Plan B in der Tasche. Professioneller wäre es gewesen, sich vor der Entlassung Zornigers nach ernsthaften Alternativen zu erkundigen. Es hat aber den Anschein, dass man sich bis zuletzt darauf verlassen hat, dass mit Kramny der Umschwung erfolgen würde, so dass wohl noch mit keinem Kandidaten ernsthafte Gespräche geführt wurden. Am Ende entwickelte sich eine Eigendynamik, so dass tatsächlich nur noch ein Debakel gegen Wolfsburg eine andere Lösung auf der Trainerbank zur Folge gehabt hätte.

Ich hoffe, dass es gut geht und die „Mannschaft“ nicht auch ihn schafft. Ihm gleich einen Cheftrainer-Vertrag bis 2017 zu geben ist jedenfalls sportlich. Kramnys Art gefällt mir bis jetzt. Er ist ein netter Typ, hemdsärmelig, kumpelhaft, in Interviews noch sympathisch nervös. Da er über Jahre ordentliche Arbeit bei den Amateuren abgeliefert hat, hat er sich diese Aufstiegschance verdient. Es liegt an ihm, was er daraus macht und wie er die „Mannschaft“ anpackt, sollte sie mal wieder in ihren alten Schlendrian verfallen.

Die Spielweise unter ihm erinnert bisweilen an den „Fußball“ unter Labbadia und Stevens, was aber hauptsächlich der Tatsache geschuldet sein dürfte, dass Sicherheit und die Verringerung der Anzahl der Gegentore oberste Bürgerpflicht war nach dem Harakiri-Fußball in der Zorniger-Ära. Mehr gibt diese „Mannschaft“ eben auch nicht her.

Der Sieg gegen Wolfsburg darf nicht zur Selbstzufriedenheit und einem „Wir sind wieder wer“ führen. Dass die „Mannschaft“ zu solchen Vorstellungen imstande ist, wenn man sie gewähren lässt und sie ihre Torchancen nutzt, ist bekannt. Leider sind solche Vorstellungen meist Eintagsfliegen, weil die „Mannschaft“ nach einem herausragenden Spiel zur Bequemlichkeit neigt, anstatt sich umgehend auf die nächste Aufgabe zu fokussieren. Die drei Siege hintereinander zum Saisonfinale 2014/2015 waren eine absolute Seltenheit, ansonsten muss man schon weit zurückdenken, um auf zwei Erfolge hintereinander zu kommen. Daher darf der Sieg gegen Wolfsburg nicht zu hoch gehängt werden, er muss erst einmal bestätigt werden, um nicht in die Kategorie „auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn“ einsortiert zu werden. Dennoch sollte der Sieg für die Rückrunde und auch für das Viertelfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund Selbstvertrauen geben, da es zum ersten Mal gelang einen Großen zu schlagen.

Die Wolfsburger waren an diesem Samstagabend ein dankbarer Aufbaugegner, der dem VfB die Räume anbot, die er benötigte, um glänzen zu können.

Gegen Köln zum Rückrundenauftakt wird es ein ganz anderes Spiel werden. Die Kölner werden dem VfB nicht den Gefallen tun und bedingungslos stürmen, sondern eher im Gegenteil, abwarten und auf unsere Fehler warten. In solchen Spielen zeigt sich dann, ob der VfB an Reife zugelegt hat und einem Gegner auf Augenhöhe, im Gegensatz zur Vorrunde, eben nicht in die Karten spielt. Gelingt das, spielt man schlimmstenfalls 0:0 und hat zumindest keinen weiteren Boden gegenüber der direkten Konkurrenz verloren.

Der Sieg gegen Wolfsburg tut zwar unheimlich gut, darf aber das Vorhaben, die „Mannschaft“ in der Pause zu verstärken, keineswegs beeinträchtigen. Blutauffrischung tut Not. Am dringlichsten wäre die Verpflichtung eines Abwehrchefs, der jedoch während der Saison und für schmales Geld kaum zu bekommen sein dürfte. Mittelfristig muss die derzeitige „Mannschafts-„Hierarchie durchbrochen, ein neuer Mannschaftsrat gebildet und ein neuer Kapitän bestimmt werden. Erst wenn alte Erbhöfe und gute Verbindungen nichts mehr zählen, wird auf dem Wasen endlich ein gesunder Konkurrenzkampf und ein Leistungsklima zurückkehren, welches man in den letzten fünf, sechs Jahren so sehr vermisst hat.
Kramny muss dieses Übel spätestens im Sommer, sofern die Rückrunde erfolgreich verläuft und er dann noch im Amt ist, an der Wurzel packen und Härte zeigen. Die Politik betreibenden Cliquen innerhalb der „Mannschaft“, die ihr eigenes Süppchen kochen, müssen zerschlagen werden und man sollte sich von jenen Spielern trennen, die namentlich für die jahrelange Misere und unzählige Trainerwechsel stehen. Ich hoffe, Kramny erhält dafür den notwendigen Rückhalt und von Dutt, diese Dinge voranzutreiben.

Wenn nicht, heißt es spätestens im Herbst 2016 wieder „Bye, bye, Jürgen Kramny“ und wir drehen uns weiter fleißig im Kreis.
Ich wünsche allen Lesern besinnliche Weihnachtsfeiertage, einen guten Rutsch und eine erholsame Winterpause. Die Realität holt uns spätestens zum 23. Januar wieder ein.

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19. Dezember 2015

Der VfB, ein hoffnungsloser Fall!

Nach dem Spiel beim 1. FSV Mainz 05 übernahm der VfB zum 13. Mal im Kalenderjahr 2015 die rote Laterne, so oft wie noch nie zuvor in seiner Vereinsgeschichte. Wir stellen die schlechteste Abwehr der Liga und weisen die schlechteste Tordifferenz aller Bundesligisten auf. Wurden wir zu Saisonbeginn noch für unsere Spielweise, die bedauerlicherweise zu wenig Punkte brachte, gelobt, kehrt der VfB unter Interimstrainer Jürgen Kramny zu einem Fußball zum Abgewöhnen zurück, der zwar mehr defensive Stabilität bringt, mit der man vorne dafür aber auf den lieben Gott angewiesen ist. Zwei dadurch aufeinanderfolgende nicht verloren gegangene Bundesligaspiele gegen biedere Mannschaften aus dem Tabellenkeller und dem Mittelfeld, werden uns als Trendwende verkauft, Jürgen Kramny zum Heilsbringer hochgelobt.

Meine Euphorie darüber hält sich in Grenzen. Gegen Werder Bremen wurde eine 1:0-Pausenführung leichtfertig aus der Hand gegeben, weil nach vorne die Ideen fehlten und man nur auf Sicherung der knappen Führung bedacht war, in Mainz stellte man die Offensivbemühungen in der zweiten Halbzeit gar komplett ein und war (zu) früh mit einem Remis zufrieden. In beiden Spielen offenbarte der VfB große konditionelle Mängel und war nach etwa einer Stunde nicht mehr imstande noch einmal zuzusetzen.

Willkommene Abwechslung zum tristen Bundesliga-Alltag bot am Mittwoch der DFB-Pokal. Eintracht Braunschweig wurde uns zugelost, ein Heimspiel, Flutlicht! Und die große Chance ins Viertelfinale des noch immer attraktiven und prestigeträchtigen Wettbewerbs einzuziehen. Dennoch fanden sich gerade einmal 21.950 Zuschauer im Neckarstadion ein, wovon noch gut 2.000 aus Niedersachsen angereist waren. Das mag ein Stuttgarter Phänomen sein, dass solche „Sonderlocken“ wie Europa League- und DFB-Pokal-Spiele unter der Woche und in der dunklen Jahreszeit nicht angenommen werden, wenn der Gegner nicht gerade Bayern München heißt. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Ob frühe oder späte Anstoßzeit, wer arbeiten muss und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, hat so oder ein Problem. Aufs Auto umzusteigen ist für viele angesichts der zuletzt gezeigten Leistungen keine ernsthafte Alternative, weil im Stadion wenigstens der Promillespiegel stimmen sollte. Außerdem hat der VfB ein sehr großes Einzugsgebiet, ob Bodensee, Baden, Franken oder Hessen und sogar noch darüber hinaus, ohne mindestens einen Tag Urlaub zu nehmen ist ein Stadionbesuch an einem Werktag für viele Dauerkarteninhaber nicht möglich. Das Weihnachtsgeschäft und der Weihnachtsstress tun bei vielen noch ihr übriges.

Und dann gibt es eben auch sehr viele Stammbesucher, die es nicht einsehen, für diese Magerkost noch zusätzlich zu bezahlen und bleiben lieber zu Hause. Daher wurde bereits im Vorfeld vom VfB kommuniziert, dass aufgrund der erwarteten Zuschauerzahl die komplette Untertürkheimer Kurve sowie die Oberränge von Haupt- und Gegentribüne gesperrt bleiben und Karten für diese Bereiche vor Ort unbürokratisch umgetauscht werden würden.

Schon der Vorverkauf für dieses Spiel ließ lang auf sich warten. Seit 1.11. war der Gegner bekannt, vom 27.11. bis 2.12. (4 Werktage lang!) wurde den Dauerkarteninhabern das Vorkaufsrecht auf ihren Platz eingeräumt, danach startete dann der freie Verkauf. Da ich lang nicht wusste, welche Preise der VfB für die Treuesten der Treuen ausrufen würde und ich es nicht eingesehen hätte, für diesen Kick den Normalpreis für meinen Haupttribünenplatz zu bezahlen, bestellte ich über den Fanclub einen Kurvensitzplatz, weil ich da wenigstens weiß, dass nichts schief geht.
Weshalb dieser Vorverkauf so spät gestartet ist und dann in aller Hektik durchgepeitscht werden musste, erschließt sich mir nicht. Man war jedenfalls schon geneigt, beim VfB nachzufragen, ob sie auch mitbekommen haben, dass wir im Achtelfinale stehen. Durch den spät gestarteten Verkauf ergaben sich dann auch noch (hausgemachte) logistische Probleme, wie man auf der VfB-Facebook-Seite von Usern nachlesen kann, die ihre Karten nicht oder erst nach dem Spiel erhalten haben.

Der Umtausch der Karten vor Ort gestaltete sich dann auch nicht so einfach, wie im Vorfeld kolportiert, habe gehört, dass Leute rund ums Stadion geschickt wurden und dadurch den Anstoß verpassten. Wir verpassten ihn auch, weil sich 15 Minuten vor Spielbeginn riesige Schlangen am Einlass gebildet hatten und es nur sehr schleppend voranging. Am Vortag wurden die beiden frühen Spiele mit fünfzehnminütiger Verspätung angepfiffen wegen des großen Zuschauerandrangs. Seitens des VfB hielt man es wohl nicht für nötig, einen derartigen Antrag zu stellen. War es dem VfB selbst peinlich, es nicht zu schaffen, diese vergleichsweise geringe Zuschauerzahl abfertigen zu können oder geschah dies aus purer vorweihnachtlicher Nächstenliebe, damit sich die zu spät Kommenden das Elend nicht komplett anschauen mussten?

Man weiß es nicht, jedenfalls hatte ich dadurch nicht nur den Einlauf der Mannschaften, eine kleine Choreo des Braunschweiger Anhangs und eine Pyroshow der Gästefans, sondern auch das 0:1 verpasst. Vor dem Spiel erhoffte ich mir eine Initialzündung und dass man sich über das Pokal-Spiel wichtiges Selbstvertrauen für das letzte Vorrundenspiel gegen den VfL Wolfsburg holen würde. Diese Hoffnungen erfuhren früh einen Dämpfer. Dazu wäre eine eigene schnelle Führung wichtig gewesen, anhand derer man sich hätte in einen Rausch spielen können. Jetzt durfte man sich also auf ein ausgeglichenes Pokalspiel auf Augenhöhe einstellen, weil die Braunschweiger zunächst einmal Blut geleckt hatten und erkannten, wie verwundbar wir sind. Auch wenn dem 0:1 ein leichter Schubser an Georg Niedermeier vorausgegangen war, der ihn aus dem Tritt brachte, war das Tor für mich nicht irregulär. Niedermeier kam schon stabiler daher und muss sich mit seiner Statur nicht so einfach düpieren lassen.

Die Reaktion des VfB indes konnte sich sehen lassen. Man nahm das Zepter in die Hand und kam zu ersten guten Chancen. Eine Viertelstunde nach dem Rückstand konnte der VfB durch Georg Niedermeier, der damit seinen „Fehler“ wieder gutmachte, egalisieren.

Danach aber verfiel der VfB in den unter Kramny praktizierten alten Trott. Behäbiges Ballgeschiebe in den eigenen Reihen, um hinten nichts anbrennen zu lassen, war oberste Maxime.

Werner hatte dann noch eine gute Torchance und wurde zudem kurze Zeit später im Strafraum gelegt. Alexandru Maxim schoss den fälligen Foulelfmeter, scheiterte aber kläglich am guten Braunschweiger Schlussmann Gikiewicz. Der Pole hielt auch danach überragend gegen Rupp und Timo Werner, so dass es mit dem 1:1 in die Halbzeitpause ging. Nach dem Wechsel entwickelte sich ein Spiel mit offenem Visier und Chancen hüben wie drüben, ein Klassenunterschied war nicht zu erkennen.

Robin Dutt spielte das zwar nach der Partie herunter und erfand die Formel es habe der Bundesliga-18. gegen den -23. gespielt. Meiner Meinung nach muss man für die Bewertung aber nicht nur die desaströse Tabellensituation des VfB heranziehen sondern auch berücksichtigen, dass der VfB einen in etwa doppelt so hohen Saisonetat aufzuweisen hat wie die Braunschweiger.

Nach einer Stunde ging dem VfB dann mal wieder die Puste aus, so dass die Begegnung dem Ende der regulären Spielzeit entgegenplätscherte. Als leidgeprüfter Fan, der dieses Gekicke derzeit ohnehin nur schwerlich und mit reichlich Bierzufuhr ertragen kann, wünschte man sich selbstredend nichts sehnlicher als einen mindestens dreißigminütigen Nachschlag, der einem dann auch nicht erspart bleiben sollte.

In der Verlängerung besann sich der VfB zunächst wieder darauf, den Vorwärtsgang einzulegen, um sich nicht im Elfmeterschießen blamieren zu müssen, so dass Georg Niedermeier eine doppelte Kopfballchance hatte. Fünf Minuten später lag der Ball dann endlich im Braunschweiger Gehäuse, als der eingewechselte Youngster Tashchy mustergültig auf Timo Werner flankte und dieser nur noch einzunicken brauchte. Die erlösende Führung war endlich da und damit auch der Glaube daran, dass der Kelch des Elfmeterschießens an uns vorüberziehen würde. Doch da hatten wir die Rechnung ohne unsere Abwehr gemacht. In der 110. Minute konnte Ademi im VfB-Strafraum schalten und walten wie er wollte, sich den Ball in aller Seelenruhe zurecht legen und schließlich einnetzen. 2:2 und zehn Minuten waren noch zu spielen. Drei Minuten später hatte der VfB Riesenglück, dass Schiedsrichter Sippel das Foul von Niedermeier an Ademi nicht sah und den Braunschweigern den fälligen Elfmeter verweigerte. Das wäre mutmaßlich der Knockout gewesen und es wäre den Protagonisten hinterher schwer gefallen, irgendetwas an diesem Spiel zu beschönigen. So aber traf Sunjic in der 118. Minute und hielt den VfB damit im Wettbewerb. Ich weiß nicht, worüber ich im Stadion mehr jubelte, über den Siegtreffer oder darüber, endlich heim zu können, jedenfalls war es das dann und ein weiteres nervenaufreibendes um nicht zu sagen nerviges Spiel mit dieser „Mannschaft“ war Geschichte. Im Viertelfinale wartet Borussia Dortmund, angesichts der zuletzt gezeigten VfB-Leistungen wohl wie ein Freilos für den BVB.

Sollte sich in der Winterpause nicht grundlegend etwas ändern, ist es schwer vorstellbar, wie wir bis zum Februar dem BVB ein echter Gegner und nicht nur Sparringspartner sein sollten, auch wenn in einem Heimspiel immer alles möglich ist.

Der VfB müsste sich (mal wieder) runderneuern, was aufgrund der Finanzknappheit jedoch ein utopischer Wunsch bleiben dürfte. Erst in dieser Woche wurde ein ebenso interessanter wie alarmierender Artikel vom Finance-Magazin veröffentlicht, der offenlegt, wie Kennzahlen vom VfB geschönt werden und wie es finanziell tatsächlich um unseren Herzensclub bestellt ist. Dieser gibt auch Einblicke darüber, wie schlecht der VfB mit vergleichsweise viel Personal im Vergleich zu anderen Vereinen wirtschaftet und wie lang wir bereits in einem boomenden Markt rückläufige Umsätze verbuchen. Da auf dem Wasen noch immer alles rosarot gemalt und der Fan für dumm verkauft wird, misst man sich dann eben nicht mehr mit den Besten, sondern mit dem 23. der Bundesliga, den man in einem typischen Pokal-Fight wahrlich niedergerungen habe. ;-)

Als Fan stelle ich fest, dass wir mit Hängen und würgen die nächste Runde erreicht haben und Braunschweig mit uns auf Augenhöhe war.
Robin Dutt hat bereits verlauten lassen, dass im Winter möglicherweise ein Spieler gekauft oder zwei ausgeliehen werden könnten, was gemessen am derzeitigen Leistungsvermögen der Truppe, viel zu wenig wäre. Wir haben Handlungsbedarf in allen Mannschaftsteilen, es muss endlich Schluss sein mit dem Vorgaukeln angeblicher Qualität und rigoros ausgemistet werden.

Die einzigen wirklichen Qualitätsspieler Didavi und Kostić sind gedanklich schon fort oder wie Ginczek verletzt. Es gibt niemanden, der das Zepter an sich reißt, wenn es, was es ja oft tut, schlecht läuft. Wir benötigen Spieler mit Charisma, die der Truppe von Anfang neues Leben einhauchen, so wie es Serey Dié vor Jahresfrist getan hat.

Timo Werner hat in der Vorrunde einen Sprung gemacht und kann sich vor allem wegen seiner Schnelligkeit noch zu einer wahren Waffe entwickeln. Da Karl-Heinz Förster gestern auf der Geschäftsstelle des VfL Wolfsburg gesichtet wurde und dementierte, wegen Daniel Didavi dort gewesen zu sein, könnte Timo Werner, den der VfB offensichtlich bereits im Sommer wie Sauerbier angeboten hatte, dort Gesprächsthema gewesen sein.
Robin Dutt ist offensichtlich dabei, Tafelsilber zu verkaufen und alles und jeden, der noch Geld einbringen könnte, auf dem Markt anzubieten. Was uns bleibt, sind die Schwaabs und Hlouseks, gute Nacht, VfB!

Christian Gentner ist sowohl als Kapitän als auch als gesetzter Spieler auf der wichtigsten Position im modernen Fußball eine absolute Fehlbesetzung. Ihm fehlt Handlungsschnelligkeit, im fehlt Mut, im fehlt in gewisser Weise auch das Spielverständnis, wann er Tempo herausnehmen und wann er das Spiel schnell machen müsste. Zudem ist er ein Verfechter des körperlosen Spiels und keiner der richtig dazwischenhaut und dem Gegner mal weh tut. Es kann kein Zufall mehr sein, dass es, angefangen mit Zdravko Kuzmanovic, kein Spieler schaffte sein Level neben ihm zu halten geschweige denn ihn auf die Ersatzbank zu verdrängen. Aufgrund alter Erbhöfe und seiner guten Vernetzung bei den „richtigen Leuten“ im Verein, ist Gentner DIE Konstante, was mit verhindert, dass endlich ein leistungsorientiertes Klima auf dem Wasen einkehrt.

Dann bringt Kramny in Mainz Allzweckwaffe Hlousek für Kostic, um das Ergebnis zu sichern, Schwaab darf Woche für Woche seine Unfähigkeit unter Beweis stellen und der Niederstrecker ist auf einmal wieder unverzichtbarer Bestandteil der ersten Elf, obwohl er mangels Schnelligkeit ständig Gefahr läuft, durch dumme Fouls die eigene Mannschaft zu schwächen. Einzig Tytoń, Rupp und Timo Werner zeigen in den letzten Wochen und Monaten so etwas wie aufsteigende Tendenz. Alle anderen befinden sich in einem gefährlichen Sog, ziehen sich gegenseitig runter und stecken sich durch ihre eigene Unsicherheit gegenseitig an.

Trotz aller gegenteiligen Beteuerungen haben wir keine Mannschaft im ursprünglichen Wortsinn auf dem Platz sondern eher elf Einzelkämpfer, wobei man „Kämpfer“ lieber in Anführungszeichen setzt. Dass es in der Mannschaft nicht stimmen kann, macht öffentlich geäußerte Kritik an den Mannschaftskameraden, zuletzt von Didavi und Gentner, deutlich. Es ist ja eigentlich als positiv zu bewerten, wenn sich Spieler Gedanken machen und offensichtlich selbst nicht zufrieden sind, mit dem Käse, den sie spielen, würden sie selbst mit Leistung vorangehen, wäre es allerdings noch lobenswerter.

Wie die Stuttgarter Medien meinen zu wissen, steht es bereits so gut wie fest, dass Jürgen Kramny nach dem Wolfsburg-Spiel offiziell zum Cheftrainer ernannt wird. Einzig, ein Debakel gegen die Wölfe könnte die Vereinsführung noch zum Umdenken bewegen.

Da frage ich mich, haben die Herren im Vorstand den Schuss nicht gehört? Wir stehen am Abgrund, Hoffnungslosigkeit macht sich breit, und der Verein offenbart in schonungsloser Offenheit, dass er keinen Plan hat. Wer Präsident Bernd Wahler letzten Sonntag bei Sport im Dritten gesehen hat, sah einen erbärmlichen und farblosen Auftritt des VfB-Präsidenten. Viel geschwätzt, nichts gesagt und vor allem hat er keine Lösungen aufgezeigt und nicht den Eindruck erweckt, er wisse, was zu tun wäre. Er hat tatsächlich einzig und allein die Ausgliederung im Kopf und lässt Dutt machen und vertraut darauf, dass er das schon gut machen werde. Nur, wo Dutt ist, ist unten! Schwache Chefs umgeben sich mit noch schwächeren Mitarbeitern. Bezeichnend, dass Wahler bei SiD die Nichtentlastung des Vorstands weglächelte und meinte, dies sei ja auf 2014 bezogen gewesen. Wie lang ist Herr Wahler nochmal schon im Amt? Wenn ich dieses Auftreten sehe, frage ich mich hingegen, wie lang ist Herr Wahler NOCH im Amt. Auf allen Ebenen bietet der VfB ein einziges Trauerspiel, so dass das nächste personelle Beben nicht mehr in allzu ferner Zukunft liegen dürfte.
Dutt steht nach Zornigers Entlassung, bei der Faneingebungen letztlich wohl der letzte Funken waren, mehr denn je auf dem Prüfstand. Er muss zeigen, dass er alles menschenmögliche dafür tut, den VfB in der Liga zu halten. Dabei darf es dann weder um dieselben anwaltlichen Verstrickungen gehen, noch darum, sich möglichst einen „schwachen“ Trainer zu holen, der nur dankbar ist, da sein zu dürfen und keine Widerworte gibt. Es muss einer sein, der weiß, wie man den Karren aus dem Dreck bekommt und den oberen Herren auch die Meinung geigt. Ich fürchte nur, dass Dutt sich darauf nicht einlassen wird. Er „probiert“ Kramny und wenn er nicht zündet, kann man ja immer noch reagieren. Dass es dann bereits zu spät sein könnte und einem neuen Mann die Möglichkeit des Wintertrainingslagers und der Transferperiode dadurch versagt bliebe, möchte Robin Dutt nicht wahrhaben.

Der VfB wirkt momentan so, als wäre er entscheidungsunfähig. Die Rumpf-Mannschaft im Aufsichtsrat hält sich zurück, Wahler, ohne weitere Worte und Robin Dutt soll das Schiff auf Kurs halten, obwohl er als Sportdirektor-Novize und gescheiterter DFB-Sportdirektor und Bundesliga-Trainer den Nachweis seiner Tauglichkeit für diese Herkulesaufgabe erst noch erbringen muss.

Mir wird es angst und bange beim Gedanken daran, dass man nicht nur die letzten vier Bundesliga-Spiele unter Kramny an Zeit verloren hat, sondern, dass man wohl gewillt ist, gerade so weiter zu machen.

Sollte die Kasse wirklich so leer sein, dass wir uns weder einen ordentlichen Trainer noch Verstärkungen für den Kader leisten können, sollen die Herren doch einmal auf die andere Straßenseite der Mercedesstraße gehen und um ein Darlehen betteln.

Ein Abstieg, der in der derzeitigen Konstellation wahrscheinlicher denn je ist, käme ein Vielfaches teurer als jetzt quasi in Vorleistung zu gehen, um alles dafür getan zu haben, den Super-GAU noch abzuwenden.

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