20. Mai 2017

So gut wie durch!

Eine Ruhmestat war es nicht gerade, was der VfB da in Hannover abgeliefert hat, aber, diese knappe Niederlage sollte wider vorherigem Erwarten für den Aufstieg reichen, weil Arminia Bielefeld den bis dahin so konstanten Kontrahenten Eintracht Braunschweig mit 6:0 aus der Schüco-Arena schoss. Bereits jetzt legendär dazu, die Rede von Bielefelds Co-Trainer Carsten Rump, die er vor dem Spiel in der Kabine hielt und in der er an die Ehre seiner Mannschaft und die Verpflichtung den Fans und ihrer Familien gegenüber appellierte. Insbesondere der Part, indem er darauf verwies, dass seine Ansprache gefilmt werde, und sie an die Spielerfrauen weiter versendet werde, verlieh den Arminen offensichtlich Flügel.

Der mögliche, vielleicht sogar gemeinsame Aufstieg, in und mit Hannover beeinflusste unsere Reiseplanungen für dieses Spiel schon Ende Februar/ Anfang März diesen Jahres. Nachdem ein Bekannter den Vorschlag ins Spiel brachte, man könne doch in der Düsseldorfer Altstadt schon vorfeiern und von dort aus Sonntags nach Hannover fahren, hatte ich den genialen Einfall, dass man dann auch gleich aus Malle einfliegen könnte. Gesagt, getan!

Dass man das vor einem Spiel im Norden schon mal machen kann, haben zwei Gesichter unseres Niedergangs, nämlich Dutt und Kramny, im Vorjahr ja bereits vorgemacht. Der sportliche Ertrag danach war zwar bescheiden, immerhin aber ließen sie sich in den paar Tagen die Sonne auf den Bauch scheinen und konnten derart abschalten, dass sie hinterher den Schalter nicht mehr fanden.

Für die Nichtabstiegsbemühungen vom VfB war das Trainingslager am Ballermann daher eher kontraproduktiv, was jedoch nicht zwangsläufig für uns Fans gelten muss.

Im Gegensatz zur Absteigertruppe von damals nahmen wir unser Trainingslager bierernst. Zwischen Aue und Hannover konnten wir so unsere Gedanken sortieren, absolvierten intensive Einheiten im Bierkönig und führten anregende Gespräche, immer mit dem großen gemeinsamen Ziel des direkten Wiederaufstiegs vor Augen. Wir schworen uns auf die beiden letzten Herausforderungen in der 2. Liga ein und rüsteten uns für harte Tour nach Hannover, inklusive Rückfahrt mit dem Bus, sowie für die Fahrt auf dem Stuttgarter Partyfloß vor dem letzten Saisonheimspiel gegen die Würzburger Kickers.

So schlugen wir also Mittwochabend unser Trainingslager auf Mallorca auf und flogen leicht übernächtigt am Sonntag früh, Abflug 8.15 Uhr, direkt weiter in die Leinestadt.

Dort angekommen hatte unser auf Malle überraschend zu uns gestoßener Tonga-Tonga-Mann einen Bekannten organisiert, der uns VIP-Shuttle-like mit einem Mercedes Vito mit Ledersitzen und genügend Raum für uns vier und unser Gepäck, vom Flughafen abholte.

Auf dem Wagen prangte auf beiden Seiten das 96er-Wappen, doch drinnen lief uns zu Ehren „VfB, ein Leben lang“. Die Logistik also perfekt, fuhren wir in die Stadt, bekamen gar noch eine Stadtrundfahrt inklusive Erklärungen zu einigen Gebäuden geboten, genossen die Aussicht auf das Stadion vom Maschsee aus und fanden unser Ziel schließlich im Waterloo-Biergarten unweit des Stadions. Nach gut und reichlich Speis und Trank begaben wir uns dann auf den Weg zu den Fanbussen, um unser Gepäck loszuwerden.

Das war schon einmal die erste nette Begegnung mit einem Hannover-Fan, weitere sollten folgen. Unsere Plätze hatten wir auf der Osttribüne, von der aus man gut in beide Fankurven fotografieren kann. Da Hannover 96 für dieses Spiel der beiden Top-Aufstiegsfavoriten am vorletzten Spieltag keine Probleme hatte, das Stadion „nur“ mit 96-Fans voll zu bekommen, wurden Karten lediglich in norddeutsche Postleitzahlengebiete verkauft und es den VfB-Fans somit erschwert, an Karten in anderen Bereichen zu kommen.

Da ich einen Bekannten habe, der bei Hannover 96 beschäftigt ist, klappte es bei uns mit Tickets schon über den Mitgliederverkauf des Gastgebers.

Daher saßen wir also, wie in jedem Jahr, auf der Osttribüne, dieses Mal nicht so mittig wie sonst, inmitten von Hannover 96 Fans. Verstreut sah man zwar VfBler um uns herum, jedoch bei weitem nicht so viele, wie da gewesen wären, hätte man sich aus Stuttgart aus unbegrenzt mit Karten eindecken können.

Hannover gehört seit dem Umbau des Stadions zu meinen Lieblingsspielen. In den 80er-Jahren, also lange Zeit vor Billigfliegern, ICE, Socialmedia und Onlinepreisvergleichen, war Hannover DAS „Graue-Maus-Spiel“ schlechthin, wo ich eigentlich nur mal zugegen war, wenn es einen gerade ohnehin in den Norden verschlagen hatte. Ich kann mich an ein tristes 0:2 im Februar 1989 erinnern, 15.000 Zuschauer im alten zugigen Niedersachsenstadion, geschätzt kaum mehr als 100 Unentwegte im Gästeblock. Damals war Hannover noch so etwas wie die Höchststrafe für einen Fan.

Doch, das ist lange her, seitdem hat sich Hannover herausgeputzt. Das zur WM 2006 umgebaute Stadion ist zu einem Stimmungstempel geworden, wenn denn alle auch mitmachen und an einem Strang ziehen. Die kühlen Norddeutschen können ganz schön aus sich herausgehen, wie man in jenen Zeiten gesehen und gehört hat, als Hannover international vertreten war.

Als die Ultras im Clinch mit Klub-Mäzen Martin Kind lagen und demonstrativ Spiele der Profis mieden und nur die Amateure unterstützten, war die Atmosphäre eher gespenstisch. Das hat sich wieder gebessert, wenngleich die „Kind muss weg“-Rufe wohl nie verstummen werden, solang der Hörgeräte-Fabrikant durch sämtliche Hintertürchen versucht, die 50+1-Regel zu kippen und zu untergraben. Am Sonntag sollte dieser schwelende Konflikt, ebenso wie der Schatten, den unsere außerordentliche Mitgliederversammlung am 01.06. vorauswirft, kein Thema sein und alles dem Ziel des direkten Wiederaufstiegs untergeordnet werden.

Wir freundeten uns sogleich mit unseren direkten Nebensitzern an und stellten schnell fest, dass aktive Fußballfans doch auf einer Wellenlänge funken, auch wenn sie verschiedene Farben tragen. Einer der drei 96er war früher Mitglied der inzwischen aufgelösten Hannoveraner Ultras-Gruppierung Brigade Nord 99. Schnell stellten wir fest, dass wir einen gemeinsamen, mich betreffend durch Mail-Kontakt, Bekannten haben, dem ich vor einigen Jahren zwei Mal Bilder für den Ultras-Jahreskalender zur Verfügung stellte. So klein ist die Welt.

Die Chemie stimmte also, das Bier floss in Strömen, musste nur noch das (für beide Seiten!?) passende Ergebnis her. Von der Atmosphäre im Stadion war ich auch am Sonntag wieder begeistert, und das beide Fankurven betreffend. Einmal mehr ein Spiel, dessen äußerer Rahmen bundesligareif war, weshalb ich auch beiden Vereinen den Aufstieg gönne.

Nach dem jahrelangen Herumdümpeln in der Abstiegszone der Bundesliga gab es nicht wenige Fanszenen, die uns schon lange den Abstieg an den Hals wünschten. Deren Wunsch wurde dann ziemlich genau einem Jahr (endlich) erhört, doch, dieselben höre ich jetzt rufen, dass sie uns wieder herbeisehnen, weil ein adäquates Gegenüber im Gästeblock und dessen Auftritte für so manchen in der Kurve eben doch mehr wiegen, als die bloßen Darbietungen auf dem Platz. Fast schon neidisch blickte da so manche Kurve der Bundesliga hinab in die 2. Liga, die der VfB bereicherte wie kaum ein Absteiger zuvor. Wir füllten die Stadien, ob daheim oder auswärts, während man bei Bundesligaübertragungen leere Ränge wie schon Jahre nicht mehr ausmachen konnte.

Ähnlich wird es wohl auch mit dem Wunsch nach dem Abstieg des HSV ablaufen. Was man an ihm hat, merkt man erst, wenn er tatsächlich einmal nicht mehr da ist. Mir persönlich würde es schon genügen, wenn sie diese unsägliche Uhr endlich abmontieren würden, das Auswärtsspiel im Volkspark möchte ich auf keinen Fall missen.

Der VfB trat in Hannover mit derselben Aufstellung an wie schon in der Vorwoche beim 3:0 gegen Erzgebirge Aue, also auch mit Florian Klein in der Startelf. Von Beginn an war vom Elan der vorigen Wochen, in denen man immerhin fünf Siege in Folge einfuhr, wenig zu sehen. Die Bemühungen um Spielkontrolle wurden von den 96ern energisch gestört, was zu vielen Ballverlusten und ersten Chancen für Hannover führte. Die Mittelfeld-Zentrale der Niedersachsen um Anton und Bakalorz zog den VfB-Bemühungen um ein kontrolliertes Spiel nach vorne schnell den Zahn, während Terodde bei Salif Sané in (für uns nicht so) guten Händen und kaum ins Spiel eingebunden war. Die Passwege waren zugestellt, so dass auch Maxim nicht so zur Geltung kam wie in den letzten Wochen. Der VfB kam in der ersten Hälfte lediglich zu einem (!) Torabschluss durch Brekalo und fing sich zu allem Überfluss kurz vor der Pause auch noch den Rückstand ein.

Felix Klaus, der auch schon im Hinspiel für den endgültigen Knockout gesorgt hatte, lief unbehelligt übers halbe Spielfeld, ehe ihm Timo Baumgartl mehr Geleitschutz gab, als dass er ihn angriff. Dieser kam dann mühelos zum Abschluss und ließ auch Mitch Langerak bei seinem Schuss an den Innenpfosten keine Abwehrchance.

Überschwänglicher Jubel machte sich bei den 96ern breit, zumal zu diesem Zeitpunkt Bielefeld bereits mit 2:0 gegen Eintracht Braunschweig führte und man damit den Lokalrivalen nicht nur überholte sondern auch distanzieren konnte. Den Druck hatten nämlich mal wieder die Anderen, nämlich Hannover 96, die dieses Spiel unbedingt gewinnen mussten, während dem Brustring bereits ein Unentschieden genügt hätte. Dies ließ sich auch durchaus am Engagement auf dem Platz erkennen. Während die Hannoveraner um ihr Leben rannten, ging der VfB im Wissen, im nächsten Spiel noch einen zweiten Matchball in der Hinterhand zu haben, (zu) relaxed an die Sache heran.

Im Fußball gibt es immer wieder Gegner, die einem „ums Verrecken“ nicht liegen. In dieser Saison war Hannover ein solcher. Schon im Hinspiel war ein eklatanter Leistungseinbruch gegen die Niedersachsen zu beklagen und auch am Sonntag beim Rückspiel war nichts zu sehen von dem, was den VfB in den Wochen zuvor stark gemacht hat. Wenn an der Floskel, dass man nur so gut spielen kann, wie es der Gegner zulässt, etwas dran sein sollte, dann trifft dies auf die beiden Begegnungen gegen 96 komplett zu. Hannover ließ den VfB nicht zur Geltung kommen und offenbarte im Umschaltspiel, dass der VfB im Defensivverhalten von einer Bundesligatauglichkeit weit entfernt ist.

Die Körpersprache bei Hannover sah anders aus als die vom VfB. Martin Harnik, über den man sagen kann, was man will, merkte man es, wie auch schon im Hinspiel, an, dass er gewillt war, es seinem langjährigen Arbeitgeber und auch seinen Fans, die ihn zum Schluss mit Schimpf und Schande davon gejagt hatten, zu zeigen. Er legte jenes Engagement an den Tag, welches man sich von seinem Freund und unserem Kapitän Christian Gentner gewünscht hätte. Wie immer, wenn es beim VfB nicht läuft, tauchte dieser nämlich gänzlich unter und ergab sich, wie die gesamte Mannschaft, seinem Schicksal.

Unter Breitenreiter sind die 96er noch stabiler geworden und lassen wenige Torchancen des Gegners zu. Da reicht es dann eben nicht mit halber Kraft ins Spiel zu gehen und abwartend zu agieren. Das Team wirkte, als hätte es schon beim Anpfiff die Hosen voll gehabt, was neuerdings charmanter so formuliert wird, der VfB habe übergroßen Respekt vor dem Gegner gehabt.

Hannover kaufte dem VfB den Schneid ab, weil es gieriger, williger, bissiger, ja, auch motivierter wirkte und sich vor allem vor keinem Zweikampf scheute. Mit zunehmender Spieldauer, als das Braunschweiger Debakel Konturen annahm, kam hinzu, dass es der Stuttgarter Bequemlichkeit ganz entgegen kam, dass ein 0:1 gar kein ganz so schlechtes Ergebnis mehr war. Wozu sich also noch extrem schinden, wenn man auch mit dieser knappen Niederlage so gut wie durch ist?

War es einfach nur intelligent, die Hannoveraner nicht mehr als nötig zu reizen und sich mit ihnen auf den knappen Sieg quasi zu einigen, oder war es die noch immer latent vorhandene Bequemlichkeit, gerade mal so viel zu tun, wie unbedingt erforderlich ist? Wäre man mehr Risiko gegangen und hätte sich auskontern lassen, wäre dem Team von Hannes Wolf mit Sicherheit Dummheit unterstellt worden.

Ich sehe beides gegeben! Für die Verantwortlichen zählt sicherlich in erster Linie die Tabelle, die uns vor dem letzten Spiel in einer ausgezeichneten Ausgangsposition ausweist. Und doch gilt es, dem Verein die Mentalität auszutreiben, immer nur das Notwendigste zu tun, anstatt nach dem maximal Möglichen zu streben. Mit ein wenig mehr Willen, sich dem Gegner zu stellen und sich gegen ihn zu stemmen, wäre durchaus die Chance da gewesen, den Sack auch schon letzte Woche zuzumachen.

Ich anerkenne die Leistung der Hannoveraner zwar und sehe es auch so, dass es keine Schande war, gegen sie zu verlieren. Die Art und Weise aber, wie die Mannschaft in diesem ersten Endspiel aufgetreten ist, ärgert mich trotzdem immer noch sehr.

Wenn man die Chance hat Großes zu erreichen, wenn trotz erschwerter Kartenvergabe zwischen 8.000 und 9.000 Fans die weite Reise auf sich nehmen, dann hätte ich schon ein Mehr an Konzentration, Engagement und Siegeswillen erwartet. Es war über weite Strecken eine lethargische Vorstellung, so dass es am Sieg der 96er überhaupt nichts zu deuteln gab, im Gegenteil, hätte nicht Mitch Langerak einen so guten Tag gehabt, hätte die Niederlage noch deutlich höher ausfallen können.

Am Ende jubelten die Hannoveraner, als hätten sie die Meisterschaft gewonnen, während es auf VfB-Seite doch eher verhalten zuging und der Frust über die Leistung der Mannschaft überwog.

Vielleicht weil wir inmitten der Jubelarien saßen und unseren neuen Bekannten den Sieg auch durchaus gönnten, verließ ich das Stadion mit einer anderen Gefühlslage als wohl die meisten, die im VfB-Bereich standen. Auch ich hatte da zunächst in erster Linie die Tabelle im Blick und hier hat der VfB, trotz der Niederlage, sein Saisonziel zu 99,9% erreicht. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, ließen wir uns jetzt noch die Butter vom Brot nehmen. Faktisch sind wir so gut wie durch, die Freude darüber überwog zunächst einmal.

Jan Schindelmeiser und Hannes Wolf ordneten den Auftritt selbst schon richtig ein und werden dafür sorgen, dass im Team, das am Sonntag gegen Würzburg am Start ist, kein Einziger mit dem Bewusstsein den Rasen betritt, schon durch zu sein und nicht mehr alles geben zu müssen.

Das Hinspiel gegen die Würzburger Kickers, das gleichzeitig auch der letzte Sieg der Unterfranken war, sollte Warnung genug sein, dass man mit halber Kraft gegen keinen Gegner dieser Liga bestehen kann. Der VfB muss Revanche nehmen und Würzburg schlagen, damit wir erst gar nicht mit Rechenspielen beginnen müssen. Hannover 96 hat die deutlich schwerere Aufgabe beim SV Sandhausen zu bewältigen und muss dort in den gesperrten Prib und Harnik auf zwei Leistungsträger verzichten. Wie schwer diese Aufgabe wird, dürfte davon abhängen, ob Sandhausen, das seit dem vorigen Spieltag gerettet ist und für das es also um nichts mehr geht, bereit ist, an die Schmerzgrenze zu gehen und sich ordentlich von seinem Anhang in die Sommerpause zu verabschieden.

Dass man sich gegen Ende der Saison, wenn einige Vereine nur noch um die goldene Ananas spielen, am besten nur auf sich selbst verlässt, weil kuriose Ergebnisse an der Tagesordnung sind, wurde uns schon einige Male schmerzhaft vor Augen geführt. Die Mutter aller Wettbewerbsverzerrungen erlebten wir 2004, als am vorletzten Spieltag der schon feststehende Meister SV Werder Bremen im Vollsuff gegen Bayer Leverkusen, mit denen wir noch um den Einzug in die Champions League rangen, zu Hause 2:6 unterlag.

So ist es auch sehr ungewiss, was man vom KSC in Braunschweig erwarten darf. Die Braunschweiger werden sich in der Pflicht sehen, Wiedergutmachung für das 0:6 zu betreiben und versuchen, durch frühe Tore die Kontrahenten unter Druck zu setzen. Was man vom Gegner und hoffentlich nicht Sparringspartner Karlsruher SC dort halten kann, wird man sehen. Reißt sich der seit langem feststehende Absteiger noch einmal zusammen und nimmt am Spiel teil oder sehen die Badener dieses Spiel als willkommene Gelegenheit, dem Erzrivalen eins auszuwischen und gehen 0:10 unter?

Da alle Spieler um neue Verträge und für neue Vereine vorspielen wollen, glaube ich nicht, dass sie sich bewusst abschießen lassen. Dennoch, der VfB wäre am Sonntag gut beraten, die Sache selbst zu regeln und sich die Radkappe, die es in der 2. Liga für den Meister gibt, aus eigener Kraft zu sichern. Dann fühlt sich auch sicher der Aufstieg, den man vor Wochenfrist noch nicht zu feiern bereit war, besser an und man geht mit einem guten Gefühl in die Sommerpause.

Jetzt, wo die Konstellation ist, wie sie ist, hat natürlich der Tickethandel zu überhöhten Preisen Hochkonjunktur. Anfang April fand der Mitgliedervorverkauf beim VfB statt. Jeder, der einigermaßen in der Fanszene vernetzt ist und jemanden kennt, der jemanden kennt, der Mitglied ist, hatte damals die Chance, Tickets zu regulären Preisen zu ergattern.

Den meisten, die jetzt angekrochen kommen, unterstelle ich, dass es sich zu 90% um „Feierbiester“ handelt, die auf einmal dabei sein wollen, wenn die große Party ansteht und die den VfB in den letzten Jahren links liegen gelassen haben. Mit solchen habe ich keinerlei Mitleid und kann nur sagen, geht auf den Wasen und habt Spaß.

Wenn aber einige dieser Leute jetzt auf die Idee kommen, sich in den als „GÄSTEBLOCK“ deklarierten Bereich der Würzburger einzunisten und im Block eines gerade abgestiegenen Vereins ihre Aufstiegsparty feiern möchten, fehlt mir jegliches Verständnis.

Diese Leute legen eine egoistische Denkweise an den Tag und lassen jeglichen Respekt vor dem Gegner vermissen. Wenn man das Treiben in den Ticketbörsen verfolgt, ist mit solchen „Fans“ zu Hunderten zu rechnen. Ich hoffe sehr, dass schon am Einlass knallhart, notfalls mit Ausweiskontrollen, kontrolliert und ausgesiebt wird und diejenigen, die es in den Block hinein schaffen, Bekanntschaft mit „härteren“ Würzburger Jungs machen. Anders haben es diese Trottel nicht verdient.

Vor einem Platzsturm indes, im Falle des Titelgewinns, bittet der VfB abzusehen. Die Zeiten haben sich geändert. Mit 1992 ist die Situation zum einen nicht zu vergleichen, weil der Sturm schon vor dem offiziellen Schlusspfiff erfolgte und weil der Sicherheitswahn damals bei weitem noch nicht so ausgeprägt war. In die heutige Zeit projiziert hieße das wohl Spielwiederholung und eine Strafe, die sich gewaschen hat. Das muss nicht sein, zumal diejenigen, die jetzt dazu aufrufen, der Bitte vom Verein nicht nachzukommen, wohl in erster Linie die Intension haben, selbstdarstellerisch Selfies auf dem Platz zu schießen.
Mir ist es schon deshalb nicht nach einem Platzsturm, weil wir nicht Deutscher Meister werden, sondern „nur“ aufsteigen werden. Der Aufstieg war Pflicht und ist so etwas von selbstverständlich, wenn man sich nur die Budgets der Liga anschaut und sieht, mit welch ungleichen Mitteln dort ums Überleben gekämpft wird.

Dass man jedes Spiel dennoch seriös angehen musste und gegen fast jeden Gegner auch verlieren hätte können oder verloren hat, steht außer Frage. Da möchte ich die 2. Liga nicht kleiner reden, als sie ist, zumal die Umstellung auf die Liga für langjährige Bundesligarecken nicht ganz so einfach war.

Doch, man durfte, ja man musste sogar nach Jahren des Niedergangs und des Missmanagements vom Verein erwarten können, dass eine Mannschaft an den Start gebracht wird, die das Zeug zum direkten Wiederaufstieg hat. Alles andere wäre schlicht nicht vermittelbar gewesen.

Ich habe drei Meisterschaften gefeiert, einen Pokalsieg, zwei weitere Finals in Berlin erlebt und durfte zwei europäischen Endspielen beiwohnen. Diese Erfolge waren alle weniger selbstverständlich als dieser Aufstieg. Daher drehe ich nach Schlusspfiff gewiss auch nicht durch und bin von einem Platzsturm genauso weit entfernt wie der VfB derzeit von seiner sechsten Deutschen Meisterschaft.
Richtig feiern werde ich zum Ende der nächsten Saison, wenn der VfB es tatsächlich geschafft haben sollte, die letzten Bundesligajahre vergessen zu machen.

Wenn wir eine Mannschaft sehen, die körperlich und geistig fit genug ist, den Anforderungen der Bundesliga gerecht zu werden.

Eine Mannschaft, die nicht als Kanonenfutter zu den „Großen“ reist, sondern auch dort zu punkten imstande ist, wenn man, um in Wolfs Worten zu sprechen, „das Momentum“ auf seiner Seite hat.

Ich feiere dann, wenn wir nicht mehr um die 30-Punkte-Marke herum krebsen und uns daran ergötzen, dass es drei noch schlechtere Teams in der Liga gibt, sondern wenn der VfB aus seinen Möglichkeiten das Maximum herausholt und in jedem Spiel zumindest alles gegeben hat.

Wird die Mannschaft weiter punktuell und intelligent verstärkt und bewahrt die Spielstärke, die in Phasen in dieser Saison immer wieder aufblitzte, traue ich es dem Team zu, eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen und am Ende Platz 7-10 anpeilen zu können. Ich habe die große Hoffnung, dass wir gestärkt aus dem Abstieg hervorgehen und in ein paar Jahren davon sprechen, der Abstieg sei das Beste gewesen, was dem VfB hat passieren können.

Natürlich nehme ich die Feierlichkeiten am Sonntag auch gerne mit und werde ausnahmsweise auch ein Bierchen mehr darauf trinken. Los geht es bereits um 9 Uhr mit dem Treffen zur Fahrt auf dem Partyfloß. Dann freue ich mich auf das Spiel und die (hoffentlich) anschließende Feier im Stadion.

Den Cannstatter Wasen einschließlich womöglich wieder den Fanta 4 und der Präsentation der Mannschaft wird man als Stadiongänger zwar wohl vergessen können, weil auf dem Gelände lediglich 60.000 Menschen zugelassen sein sollen.

Bedauerlich zwar für uns und nicht zu ändern und doch wirft es wieder die Fragen auf, was der Stadt Stuttgart die Menschen wert sind, wenn sie just für den Tag des wahrscheinlichen Aufstiegs in der Innenstadt eine Radsternfahrt genehmigt.

Zum Public Viewing wird mit 30.000 bis 40.000 Besuchern gerechnet, plus jene 60.000 im Stadion, plus sicherlich vielen, vielen, die das Spiel in Sportsbars oder zu Hause anschauen und nach Spielende auch noch zum feiern gen Wasen strömen werden, um diese hautnah in sich aufsaugen zu können.

Am Ende könnte man hier locker mit 150.000 Leuten konfrontiert sein, mit denen der Stadt ihre Organisation um die Ohren fliegen dürfte.
Wie schon bei abgesagten Public Viewings zu Welt- und Europameisterschaften in den letzten Jahren wird dabei von einem Minimum an Interessierten ausgegangen und sich davor gescheut, in Vorleistung zu gehen und alleine durch eine perfekte Organisation Leute zu mobilisieren. Anschauen werde ich es mir trotzdem mal und lasse mich auch gerne positiv überraschen. Bislang aber ließ die Organisation, wenn Stadt und VfB etwas gemeinsam ausrichteten, stets zu wünschen übrig. Viel zu wenig Platz, viel zu wenig Bierstände, viel zu wenig Toiletten und ein Gedränge sondergleichen. 2007 hat mich das noch aufgeregt, als kein Durchkommen war, morgen, zur Feier der 2. Liga-Meister, nehme ich es, wie es kommt, notfalls werden eben die umliegenden Gastronomiebetriebe unterstützt.

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27. Dezember 2016

“Es geht darum, die ganze Scheiße der letzten Jahre zu stoppen”

Nach der desolaten Vorstellung bei der Heimniederlage gegen Hannover 96 war in Würzburg eigentlich Wiedergutmachung angesagt, wollte man den zahlreichen Anhang versöhnlich in die Winterpause entlassen.

Es stand das allererste Pflichtspiel bei den Würzburger Kickers an. Uns erwartete, wie schon so oft in dieser Zweitligasaison, ein gefühltes Pokalspiel an einer Stätte, an der man sich vor Monaten noch kein VfB-Ligaspiel hätte vorstellen können.

Das Stadion am Dallenberg darf nur mit Ausnahmegenehmigung als Spielstätte für die 2. Liga herhalten und wurde im Sommer bereits teilumgebaut, um die Übergangsauflagen erfüllen zu können. Die Zuschauerkapazität wurde auf ein Fassungsvermögen von 13.100 aufgestockt, zudem die obligatorische Rasenheizung eingebaut. Sofern die Würzburger Kickers dem bezahlten Fußball erhalten bleiben, muss das Stadion in den nächsten zwei bis drei Jahren auf mindestens 15.000 Zuschauer weiter ausgebaut werden.

Für das VfB-Spiel meldeten die Kickers mit 12.475 zahlenden Zuschauern „ausverkauft“, weil dieses Spiel als Hochsicherheitsspiel deklariert war und daher Pufferblöcke die beiden Fan-Lager trennten.
Nach ausgiebigem Frühschoppen mit einigen Freunden von den Taubertaler und Hohenloher VfB-Fans in der Wohnzimmer-Bar in Würzburg ging es mit der Straßenbahn zum Stadion. Wir hatten dieses Mal einen Block auf der Gegengerade ausgewählt, im eigentlich neutralen Bereich, der jedoch nahezu komplett in VfB-Hand war. Der Einlass gestaltete sich langwierig und zäh, wie bei einem Hochsicherheitsspiel eben üblich.

Zu den üblichen Schikanen, wenn der Obrigkeit die Düse geht, gehört es, dass auch in den vermeintlich neutralen Bereichen nur alkoholfreie Plörre ausgeschenkt wird. Normalerweise vergewissere ich mich am Bierstand auch gleich, dieses Mal jedoch ließ ich mir ein Bier mitbringen und tat damit den sprichwörtlichen Griff ins Klo. Ein Schluck und sofort entsorgt, ungenießbar das Zeugs. Gerade in Bayern verwundert ein derart schikanöses Vorgehen ganz besonders, gilt Bier dort doch als Grundnahrungsmittel und ist Betriebsräten von Firmen, die den Gerstensaft aus Bierautomaten verdammen wollten, eine Klage vor Gericht wert. Doch, auch hier beweist es sich wieder, dass die Rechte von Fußball-Fans weit unter denen von Otto-Normalbürger angesiedelt sind und man es mit ihnen ja machen kann. Würzburg ist bei weitem nicht der einzige bayerische Verein, der mit uns Schwaben so verfahren ist, auch zuletzt in Ingolstadt und Augsburg gab es nur „bleifrei“.

Nicht, dass ich es nicht zwei Stunden „ohne“ aushalten würde, mir geht es da ums Prinzip, um die Gängelei, um die Pauschalverurteilung und darum, dass die Obrigkeit offensichtlich immer mehr Gefallen daran findet, dem Fußballfan das Erlebnis Stadionbesuch so unangenehm wie nur möglich zu machen.

Zu allem Überfluss folgte dann auch noch ein Spiel unserer Brustringträger, das man unter normalen Umständen mit Freunden am Bierstand eher nebenher verfolgt hätte, waren die Spieler doch offensichtlich mit ihren Gedanken bereits im Weihnachtsurlaub bei ihren Familien, rund um den Erdball verstreut.

“Es geht darum, die ganze Scheiße der letzten Jahre zu stoppen”

Nein, das hat Hannes Wolf nach dem erbärmlichen Auftritt in Würzburg nicht von sich gegeben. Diese Aussage ist knapp 15 Monate alt und stammt von Alexander Zorniger, als er flehentlich darauf hinwies, was alles im Argen liegt und dass sich diese Missstände nicht von heute auf morgen beheben lassen. Zorniger war motiviert genug, den VfB nach vorn zu bringen, bekam diese Zeit aber (leider) nicht.

Das hat sich nun Hannes Wolf vorgenommen, fraglich ist, ob man ihm die notwendige Zeit einräumt, dieser Truppe das Phlegma auszutreiben, das stets dann um sich greift, wenn man die Möglichkeit hätte, den nächsten Schritt zu gehen.

Vor dem Spiel forderte Hannes Wolf eine Reaktion auf die Niederlage gegen Hannover 96, die mir in den Nachbetrachtungen noch viel zu gut weg kam. Schon da ließ der VfB alles vermissen, was einen Aufstiegsfavoriten auszeichnet, fehlte es an der Einstellung UND der fußballerischen Klasse, so dass unterm Strich eine hochverdiente Niederlage stand.

Wolf forderte, in Würzburg bräuchte es Männer auf dem Platz. Das Gegenteil war der Fall, elf Memmen, die nichts auf den Platz brachten, was es an diesem 4. Advent gebraucht hätte, stümperten der Winterpause entgegen.

Wirklich jedem war es klar, dass gegen die „ größte Kloppertruppe der Liga“ (Zitat von Jürgen Machmeier, Präsident des SV Sandhausen, letzte Woche) mit fußballerischer Leichtigkeit kein Blumentopf zu gewinnen sein würde, sondern dass dort andere Tugenden gefragt sein würden. Man hätte über den Kampf zum Spiel finden müssen, sich körperlich dagegen stemmen, und die Zweikämpfe annehmen müssen.

War das wirklich JEDEM klar? Nein, den Brustringträgern offensichtlich nicht! Da konnte sich Wolf den Mund fusselig reden, zum einen Ohr rein, zum anderen raus. Wir sind ja so toll, wir sind der VfB, so die Denke der sich noch immer grandios selbstüberschätzenden Spezies VfB-Profi. Nein, ihr seid nicht toll, ihr, zumindest noch immer die Hälfte der „Mannschaft“, seid diejenigen, die den einst so stolzen VfB nach vierzig Jahren in die 2. Liga katapultiert habt und seid mit „Leistungen“ wie zuletzt ein logischer und ganz normaler Zweitligist.

Dem Team fehlte es in Würzburg einmal mehr an allem, was man von einem Profifußballer erwarten können darf. Wenn schon die fußballerische Klasse nicht ausreicht, ist es durchaus erlaubt zu kämpfen, sich zu wehren, sich auf die Aufgabe zu konzentrieren und als Team aufzutreten. Da man sich nahezu kampflos ergab, weiß man, wie es um deren Ehrgefühl und Charakter bestellt ist, sonst hätte man nach dem furchtbaren Auftritt gegen Hannover ein anderes Gesicht gezeigt.

Der VfB, der erstmals im (hässlichen) grauen Auswärtstrikot auftrat, lief von Beginn an hinterher und kam während der gesamten neunzig Minuten zu keiner einzigen nennenswerten Torchance. Die Schwaben erlangten gegen den vermeintlich unterlegenen Underdog nicht einmal so etwas wie Spielkontrolle, weil dies überhaupt nicht möglich ist, wenn ständige Stock- und Abspielfehler zu schnellen Ballverlusten führen. Wenn man schon die Basics nicht beherrscht und man einen schlechten Tag erwischt hat, wäre es ratsam gewesen, einfach zu spielen und zu versuchen, sich ins Spiel hineinzubeißen und an Sicherheit zu gewinnen, anstatt immer und immer wieder zu versuchen, plump durch den Gegenspieler hindurch zu spielen.

Dazu fehlt es der Truppe nach wie vor an Grips und daraus folgend am richtigen Spielverständnis, um ein Spiel in andere Bahnen zu lenken, wenn es einmal nicht wie auf dem Reißbrett geplant, läuft.
Der VfB, ohne Abwehrchef Baumgartl (gesperrt) und Kapitän Gentner (grippegeschwächt auf der Bank) angetreten, ergab sich wehrlos in sein Schicksal, weil kein einziger da war, der das Spiel geordnet und Führungsqualitäten an den Tag gelegt hätte.

Hätte man nicht gewusst, wer in den roten Trikots steckte, man hätte den Favoriten darin vermutet. Den Roten sah man den Siegeswillen an, während es bei den in grau spielenden Stuttgartern eher anmutete, man wolle diesen letzten Fußballnachmittag des Jahres einfach nur hinter sich bringen. Williger, bissiger, spritziger und auch torgefährlicher kauften die Unterfranken dem VfB schnell den Schneid ab. Da die Kickers auch noch giftiger in den Zweikämpfen waren, keinen Respekt zeigten oder gar in Ehrfurcht erstarrten, lief das Spiel von der ersten Minute an in Richtung der Würzburger.

Es ist extrem ärgerlich, dass man sich nach dem Debakel bei Dynamo Dresden ein zweites Mal von einem Aufsteiger vorführen ließ und sich auch in Würzburg über eine höhere Niederlage nicht hätte beklagen dürfen.

Advent, Advent, der Baum der brennt. Nach einer zumindest von der Punkteausbeute her bis zum 15. Spieltag passablen Vorrunde, hatte es der VfB in der Hand, sich eine formidable Ausgangsposition im Kampf um den Aufstieg zu schaffen und als Herbstmeister zu „überwintern“.

Doch, Christian Genter lässt grüßen, wollte man das überhaupt? Ist es nicht vielleicht die Denke der ganzen „Mannschaft“ und Christian Gentner trägt sie als Kapitän nun mal an die Öffentlichkeit, dass man sich in der Verfolgerrolle wohler fühlt als auf dem Platz an der Sonne? Für Leistungssportler wäre das eine fatale Einstellung, schließlich ist im Sport der Zweite schon der erste Verlierer.

Wie die „Mannschaft“ gegen Hannover und in Würzburg aufgetreten ist, offenbarte einmal mehr, dass jedwede Höhenluft dieser Truppe mehr schadet, als dass sie sie zu weiteren Großtaten anstacheln würde. Nach der Eroberung der Tabellenspitze in Aue begab sich die „Mannschaft“ in den Urlaubsmodus und dachte offensichtlich, sie habe ihre Schuldigkeit getan.

Wenn Wolf aus diesem Konzentrations- und Leistungsabfall Schlüsse ziehen möchte, dann eventuell diesen, darüber nachzudenken, ob es nicht besser gewesen wäre, nach Würzburg noch eine Trainingswoche anzusetzen und den Spielern in Aussicht zu stellen, dass man dies bei entsprechenden Leistungen zum Abschluss noch einmal überdenken könne. Eine derartige Maßnahme würde zur Teambildung beitragen und den einen oder anderen Profi zu mehr Konzentration bis zum Schluss anstacheln.

Möchte man aus dieser Schmach etwas Positives ziehen, dann das, dass es für Jan Schindelmeiser keine bessere Steilvorlage hätte geben können, den Kader im Winter noch einmal durchzumischen und teamintern jeden Stein umzudrehen.

In Würzburg wurde einmal mehr schonungslos offen gelegt, wie fragil das VfB-Gebilde nach wie vor ist und dass es an Spielern, die bedingungslos bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, mangelt. Deswegen sind wir abgestiegen, dieses Phänomen, dass der absolute Willen, alles für den Verein zu geben, fehlt, wurde auch durch die zahlreichen Abgänge und Neuzugänge nicht aus dem Innersten der „Mannschaft“ verbannt.

Wolf und Schindelmeiser legen den Finger in die Wunde und wissen um die Schwachstellen, die Wurzel dieses Übels zu finden und zu entfernen, da haben sich schon etliche Vorgänger die Zähne daran ausgebissen. Für mich befindet sich der VfB, was das angeht, erstmals seit langem auf einem guten Weg. Nach Bobic und Dutt, die eher alte Weggefährten um sich scharten und denen ein heimeliges Gefühl wichtiger war als der Leistungsgedanke, ist Schindelmeiser dabei, diesen Missstand zu korrigieren. Auch der neue Präsident Dietrich schlug bereits in dieselbe Kerbe und forderte eine bessere Leistungskultur im gesamten Verein.

Wenn hier konsequent geforscht und wirklich JEDER hinterfragt wird, ob er auf dem Posten, den er einnimmt, richtig aufgehoben ist und wirklich alles für den Vereinserfolg zu geben bereit ist, wäre ein großer Schritt getan. Es scheint noch zu viele im Funktionsteam und sonstige Amt- und Würdenträger im Verein zu geben, denen die kostenlose VIP-Karte im Neckarstadion wichtiger zu sein scheint, als der Erfolg des VfB, so dass weiterhin eine Krähe der anderen kein Auge aushackt.

Die Wohlfühloase VfB muss endlich, für alle, nicht nur die Spieler, der Vergangenheit angehören, möchte man langfristig ein Leistungsklima schaffen, das die Guten und Leistungsbereiten fördert und die Bequemen aussortiert. Gerade wenn es darum geht, langjährige (aktuelle und ehemalige) Klub-Ikonen als „faule Äpfel“ erkannt zu haben, benötigt Jan Schindelmeiser die bedingungslose Unterstützung seiner Vorstandskollegen und von Präsident Dietrich. Wird ihm diese nicht zuteil, werden Intrigen und die Vetterleswirtschaft zu Lasten des Vereins ewig weiter gehen.

Auch vom Funktionsteam würde ich mir erwarten, dass diese Insider das Kind beim Namen nennen und der Vereinsführung mitteilen, was teamintern im Argen liegt. Man hört seit Jahren immer wieder heraus, dass es in der „Mannschaft“ nicht stimmen würde, Grüppchenbildung vorherrsche, der eine oder andere gemobbt werden würde und es Neuzugänge immens schwer haben würden, sich zu integrieren und an der vorhandenen Hierarchie zu rütteln. Das ist alles andere als erfolgs- und leistungsorientiert, wenn immer noch Störfaktoren vorhanden sind, die gar nicht daran interessiert sind, dass ein echtes Team zusammenwächst.

Will man, wie Schindelmeiser sie fordert, zu einer Leistungskultur und Winner-Mentalität zurückkehren, darf NIEMAND von einer schonungslosen Analyse verschont werden. Wofür beschäftigt man zum Beispiel (wieder) einen Teampsychologen, wenn man am Verhalten der Spieler auf dem Platz keine Änderung feststellen kann. Wenn sein Dienst auf freiwilliger Basis von den Problemfällen nicht in Anspruch genommen wird, sollte man Gruppensitzungen ansetzen, um gemeinsam zu ergründen, weshalb der Teamgedanke trotz ständig wechselnden Personals seit Jahren immer noch nicht in die Mercedesstraße eingezogen ist.

Für mich verkörpert in der „Mannschaft“ nach wie vor hauptsächlich der Kapitän das fehlende Leistungsklima und das Festhalten an Erbhöfen der Vergangenheit. Gentner (in Würzburg freilich erst spät eingewechselt) ist weder DER Leader auf dem Platz noch wegen seiner Leistungen über jeden Zweifel erhaben. Er bekleidet die wichtigste Position im modernen Fußball und bringt dafür insgesamt zu wenig mit. Als Umschaltspieler muss er sowohl Staubsauger vor der Abwehr wie auch Schwungrad für eigene Angriffe sein. Beides erfüllt er meines Erachtens nur mangelhaft. Ihm kann zwar durchaus Fleiß attestiert werden, weil er viel läuft, oft aber eben nicht richtig.

Defensiv weist er in den wichtigsten Statistiken, Pass- und Zweikampfquote, extrem schwache Werte auf. Zudem fehlt ihm das Gespür, wann Tempo herauszunehmen ist und wann schnelle Angriffe eingeleitet werden müssen. Zudem fehlt ihm die Risikobereitschaft, so dass er für mich ein Alibifußballer wie er im Buche steht ist und meist eher den Quer- oder Rückpass wählt, als dass er versucht das Spiel schnell zu machen, wenn die Möglichkeit gegeben wäre. Dazu fehlt ihm die Handlungsschnelligkeit. Und, wenn es im Team schlecht läuft, ist er der erste, der untertaucht oder zur allgemeinen Verunsicherung beiträgt, wenn er überhastet schlampige Pässe spielt und seine Mitspieler damit in Bedrängnis bringt.

Dass er als DAS Gesicht des Abstiegs (neben Wahler, Dutt, Kramny) noch immer Kapitän und Stammspieler (mit vermeintlicher Stammplatzgarantie) ist und einem radikalen Neuaufbau damit im Wege steht, kann nur damit zusammenhängen, dass seine Hausmacht noch immer groß genug ist. Paradox mutet es hier schon an, dass nach dem Abstieg alle unsere „guten“ Spieler Begehrlichkeiten weckten, dem Vernehmen nach aber niemand wegen Gente angeklopft hat.

Dass Dutt während seiner letzten Zuckungen als VfB-Sportdirektor Gentner noch einen Rentenvertrag geben durfte, darüber habe ich mich schon öfter mokiert, weil ebenso unnötig (Vertrag lief noch ein Jahr) wie auch zum damaligen Zeitpunkt unverständlich. Auf der einen Seite war es sicherlich ein Faustpfand für Dutt, DER (vermeintlichen) Führungspersönlichkeit ein Treuebekenntnis, auch im Fall des Abstiegs, abzuringen, auf der anderen Seite aber spricht diese Maßnahme nicht gerade dafür, dass Dutt an einer schonungslosen Analyse, wie es zum Absturz kam, interessiert gewesen war.

Dass Gentner sich zwar aus Teilen des Fan-Lagers ständiger Kritik ausgesetzt sieht, der Stuttgarter Blätterwald jedoch meist sehr gnädig mit ihm umspringt, kann zum einen bedeuten, dass die Fans alle keine Ahnung haben oder aber auch, dass jemand ein Interesse daran hat, dass sich an den Zuständen beim VfB nichts ändert. Es ist jedenfalls schon auffällig, wie ein Alexander Zorniger seinerzeit fast herausgeschrieben wurde und wie handzahm mit Gentner umgegangen wird. Es kann schon nützlich sein, wenn man „seine“ Leute am richtigen Fleck sitzen hat…

Welche Rolle Gentners Berater Jürgen Schwab, der beim VfB seit Jahren ein und aus geht, spielt, auch darüber kann ich nur spekulieren. Immer wieder beklagen Vereine sich darüber, dass Spielerberater zu großen Einfluss auf die Vereinspolitik nehmen würden. Jürgen Schwab, seines Zeichens Inhaber der Spieleragentur BMS Sportconsulting und bester Freund von Fredi Bobic, hatte schon zur Zeit, als Bobic als Sportdirektor fungierte, mutmaßlich großen Anteil daran, dass Sven Ulreich über Jahre Stammkeeper war und ernsthafte Konkurrenz für ihn unerwünscht war. Als einer wie Bernd Leno heranwuchs, verkaufte man diesen lieber umgehend, bevor man überhaupt einen Konkurrenzkampf und/ oder eine Torwartdiskussion zuließ und Zweifel an Ulles Position hätten aufkeimen können.

Wie im Fall von Sven Ulreich schien man in den letzten Jahren auch nie an ernsthafter Konkurrenz für Christian Gentner interessiert gewesen zu sein. Waren Hoffnungsträger da, wie z. B. ein Zdravko Kuzmanović, wurden diese klein gehalten und weggemobbt.

Es ist beileibe nicht so, dass ich persönlich etwas gegen Gente hätte. Er ist ein sympathischer Kerl und trägt den Brustring im Herzen, zumindest Letzteres wie wir alle, aber, auf dem Platz ist er für mich ein Hemmschuh und steht eher für die Schlafwagenabteilung als für den Wolf’schen Angriffsfußball.

Seit Hannes Wolf antrat, musste er mehr die bestehenden Missstände verwalten als dass er groß etwas verändern hätte können. So änderte sich auch an der Stellung Gentners als absolutem Leader dieser „Mannschaft“ nichts. Zum einen sicherlich der Situation geschuldet, dass der Kader gerade im Mittelfeld zu wenig Alternativen bietet, zum anderen sicherlich aber auch, weil er dem ohnehin schon sehr fragilen Gebilde nicht auch noch das Herzstück entreißen wollte.

Außerdem könnte es eine Rolle gespielt haben, dass Gentner von außen als DAS Gesicht dieses VfB und äußerst beliebt wahrgenommen wird und sich ein Newcomer erst einmal vor der Reaktion des Umfelds scheuen könnte, DIE Integrationsfigur abzusägen. Bei letzterem kann ich ihn, wie oben bereits erwähnt, beruhigen. Unter uns Fans ist die Wahrnehmung über ihn pari, so meine Einschätzung. Die einen halten ihn für unverzichtbar, andere sehen in ihm DAS Problem des VfB überhaupt, so dass es „den“ Fans ohnehin nicht recht zu machen wäre.

Dass Gente auch bei Wolf nicht über jeden Zweifel erhaben ist, äußerte sich immerhin darin, dass er zuletzt ein paar Mal ausgewechselt wurde, was man zuvor überhaupt nicht gewohnt war.

Wolf steht für Ballbesitzfußball, frühes Pressen und schnelles Umschaltspiel, was er der Truppe bisher nur bedingt eintrichtern konnte. Die Flexibilität, die er von seinen Spielern einfordert und die sich auch in seinen Aufstellungen ausdrückt, ist noch nicht ausreichend vorhanden, sein Credo, dass seine Spieler auf dem Platz selbständig Entscheidungen treffen, ebenso nicht.

Außer im konditionellen Bereich wird das Hauptaugenmerk während der Winterpause wohl darauf gelegt werden, dies zu trainieren. Ob Wolf, Stand jetzt, die richtigen Spieler für seine Vorstellungen hat, ist fraglich.

Gerade was spielintelligente Spieler im zentralen Mittelfeld angeht, die unter Höchstbelastung auch noch wissen was zu tun ist und nicht zu schnell den Kopf verlieren, dürfte Wolf aus Dortmund verwöhnt sein, wenn man an die Herren Kehl, Bender, Gündogan, Weigl und einige andere denkt, die sich dort die Klinke in die Hand gaben. Bei Gentner habe ich die erwähnten Zweifel, Zimmermann ist für mich nicht mehr als ein Ergänzungsspieler, Pavard in der Abwehr besser aufgehoben und Hosogai zwar ein verlässlicher Arbeiter, aber kein Leader und zudem verletzungsanfällig.

Führungsspieler müssen sich entwickeln, was jedoch von innen heraus schwierig ist, wenn sich alles auf Gentner fokussiert und an ihm als Denkmal seit Jahren nicht gerüttelt wird.

Noch schwieriger als Führungsspieler selbst zu entwickeln, ist es für einen nicht auf Rosen gebetteten Zweitligisten jetzt im Winter einen geeigneten Spieler aus seinem laufenden Vertrag herauszukaufen.
Einen Glücksgriff, wie ihn Horst Heldt seinerzeit mit Pavel Pardo landete, davon träume ich zwar, halte diesen Traum aber selbst nicht für realistisch.

Ich kann mich noch genau erinnern, wie man staunte, als Heldt nach der WM 2006 mit zwei Mexikanern, den allerersten in der Bundesliga überhaupt, ankam und man sich erst einmal mit den neuen Gesichtern vertraut machen und sich in ihre Vita einlesen musste.

Neben Ricardo Osorio unterschrieb „El Comandante“ Pavel Pardo, der als der Franz Beckenbauer Mexikos galt, in der Neckarmetropole. Diese Wertschätzung widerfuhr Pardo nicht nur deswegen, weil er Rekordnationalspieler seines Landes war, sondern vor allem deswegen, weil seine elegante Art Fußball zu spielen und seine Spielübersicht an Kaiser Franz erinnerten. Pardo wurde durch seine herzliche, offene Art, wie Osorio ja auch, von allen auf Anhieb ins Herz geschlossen und tat sich vor allem als tadelloser Sportsmann und Musterprofi hervor. Er war nicht der Typ Söldner, der über den großen Teich wechselte, (nur) um Millionen zu scheffeln, sondern zeigte sich interessiert an Stadt und Verein und brachte sich bestmöglich ins Team ein. Da zudem auch seine Leistungen und seine Führungsstärke auf dem Platz überzeugten, werden wir ihn, nicht nur wegen der Meisterschaft 2007, stets in bester Erinnerung behalten.

Dieser Transfer saß und legte offen, dass es zwar Glück braucht, charakterlich einwandfreie Typen für den Verein zu gewinnen, es aber auch nicht gänzlich unmöglich ist.

In Würzburg fehlten einige der vermeintlichen Führungsspieler zudem noch. Timo Baumgartl schwang sich in den letzten Wochen und Monaten zum Abwehrchef auf und ist für mich eine der wenigen Hoffnungen für die Zukunft. Wenn man immer auf der Suche nach einer Achse, bestehend aus Torwart, Abwehrchef, Mittelfeldregisseur und Stoßstürmer ist, ist er für mich in dieser gesetzt. Auch was den Stoßstürmer angeht, ob Simon Terodde oder Daniel Ginczek, sind wir ordentlich aufgestellt.

Bei Mitch Langerak bin ich hin- und hergerissen. Er ist bärenstark auf der Linie, in Strafraumbeherrschung und Spieleröffnung derzeit jedoch eher eine Version Ulreich Reloaded. Ich hoffe, er fängt sich wieder, sonst kommen wir in den nächsten Monaten um eine neuerliche Torwartdiskussion nicht herum.

Florian Klein erhebt aufgrund seines Alters und seiner Erfahrung den Anspruch Führungsspieler zu sein, dem entgegen stehen seine „Leistungen“ auf dem Platz. Er ist der Typ Söldner, der mangels Angeboten seine Zeit beim VfB absitzt und wohl weg sein dürfte, wenn ihm jemand mehr als der VfB bezahlt.

Kevin Großkreutz besticht derzeit mehr als Socialmedia-König (in Konkurrenz zu Emiliano Insúa) als auf dem Platz und wird sich steigern müssen, möchte er seinen Stammplatz nicht gefährdet sehen.

Als er im letzten Winter von Galatasaray Istanbul an den Neckar wechselte, begann er verheißungsvoll und hatte großen Anteil an der Aufholjagd zu Beginn der Rückrunde. Der Wendepunkt kam dann beim Spiel in Ingolstadt (3:3), als er sich trotz offenkundiger Muskelverletzung nicht auswechseln ließ. Dieser übertriebene Ehrgeiz, der „Mannschaft“ helfen zu wollen, rächte sich schließlich, aus einem möglicherweise „nur“ Muskelfaserriss wurde ein Muskelbündelriss, sein vorzeitiges Saisonende war bereits ausgerufen. Doch, Großkreutz wäre nicht Großkreutz, hätte dieser an der Stelle schon aufgegeben. Er kämpfte sich heran und meldete sich zum vorletzten Saisonspiel gegen Mainz 05 einsatzbereit, eine Fehleinschätzung, an der er (und wir) bis heute zu knabbern haben. Die Vorbereitung konnte er nur halbwegs mit bestreiten, so dass ihm die erforderliche Fitness für sein kampfintensives Spiel bis zuletzt gefehlt hat und er daher nur selten eine echte Hilfe für unser Spiel darstellte. In den letzten Wochen kam noch hinzu, dass er in Gedanken bei seiner noch in Dortmund lebenden hochschwangeren Ehefrau war, was ihn zusätzlich notwendige Konzentration gekostet haben dürfte. Nun ist sein Töchterchen da und er kann seinen Akku neu aufladen, so dass ich sehr zuversichtlich bin, dass wir im neuen Jahr wieder den alten Kevin Großkreutz erleben und noch viel Freude an ihm haben dürfen.

Bis die „Mannschaft“ bundesligareif ist, muss sich personell noch einiges tun, wenngleich ich dennoch davon überzeugt bin, dass der Aufstieg gelingen wird, weil die 2. Liga personell nichts Besseres als den VfB zu bieten hat. Der VfB kann nachbessern und wird nachbessern, zudem wird die erste Vorbereitung unter Cheftrainer Wolf die „Mannschaft“ weiter bringen, so dass ich nicht wüsste, welche zwei oder drei Vereine am Ende vor uns stehen sollten, wenn der VfB nur annähernd sein Potential ausschöpft.

Für aufstiegsreif halte ich die „Mannschaft“ zwar schon jetzt, für bundesligareif jedoch noch keineswegs. Sollte der Aufstieg gelingen und der VfB eine gute Rolle in der Bundesliga spielen wollen, muss sich die Mentalität der „Mannschaft“ grundlegend ändern. Es müssen Typen her, die gewillt sind, sich jedes Ergebnis jede Woche aufs Neue erarbeiten zu wollen, und es müssen jene aussortiert werden, die nicht mitziehen und den Teamerfolg gefährden.

Das geht zwar nicht von heute auf morgen, aber, es ist möglich. Der 1. FC Köln ist für mich diesbezüglich ein Paradebeispiel. Stöger und Schmadtke bringen mittlerweile eine Mannschaft auf den Platz, die in nahezu jedem Spiel über 90 Minuten und nicht nur phasenweise konzentriert zu Werke geht und selbst für die Großen schwer zu bespielen ist, weil die Mannschaft im Kollektiv diszipliniert zusammen arbeitet und kompakt auftritt.

Wolf und Schindelmeiser traue ich Ähnliches zu. Bislang gibt es an den Transfers von Jan Schindelmeiser nichts zu mäkeln, auch Julian Greens Verpflichtung sehe ich positiv. Er ist ein Spieler, der Potential hat und für den der VfB wohl die letzte Chance bietet, richtig durchzustarten, nachdem es beim HSV und den Bayern aus unterschiedlichen Gründen nicht geklappt hat. Sollte es beim VfB hinhauen, hätten wir bei den kolportierten 300.000 Euro Ablöse ein richtiges Schnäppchen gemacht, wenn nicht, Shit happens, das Risiko hielte sich in Grenzen.

Dieser Transfer spricht allerdings auch für einen Weggang von Alexandru Maxim, der es auch nach Didavis Abgang und beim x-ten Trainer nicht zur Stammkraft gebracht hat. Ihm würde eine Luftveränderung sicherlich gut tun, zu festgefahren scheint die Situation in Stuttgart zu sein für ihn.

Sein Abgang (bitte nicht unter Wert) würde Mittel freisetzen, um für die Schaltzentrale im Mittelfeld endlich nachzubessern. Dass zwischen Abwehr und Angriff eine riesen Lücke klafft, zeigte sich nicht nur in den beiden letzten Spielen, da aber ganz besonders. Ein Zwischenspieler mit gutem Zweikampfverhalten, gutem Stellungsspiel und dem Gefühl für die Situation würde dem VfB nicht nur gut tun, sondern wäre meiner Meinung nach sogar existentiell wichtig, um Stabilität ins Spiel zu bekommen und nicht durch jeden noch so kleinen Windstoß aus der Bahn geworfen zu werden.

Schindelmeiser erklärte nach dem Würzburg-Spiel, man müsse dem Kader Spieler mit dem Winner-Gen zuführen, und Hannes Wolf schlug in dieselbe Kerbe wie Alexander Zorniger, als er nach dem Spiel anmerkte „Die Verlässlichkeit, immer alles geben zu wollen, fehlt mir. Das gibt es beim VfB schon länger, diese Kultur des Alles-Gebenwollens ist untergegangen“.

Zum Jahresabschluss ist das so ziemlich das schlechteste (Armuts-)Zeugnis, das man Berufsfußballern, ihres Zeichens Leistungssportler, ausstellen kann, wenn ihnen die permanente Leistungsbereitschaft abgesprochen wird.

Hannes Wolf ist motiviert genug, diesem Haufen die Selbstverliebtheit und Selbstzufriedenheit auszutreiben. Die Frage ist jedoch, schafft Wolf das oder schafft die Truppe ihn?

Nach dem zweiten Kollektivversagen binnen sechs Tagen konnte man mal wieder den Eindruck bekommen, die „Mannschaft“ würde gegen den Trainer spielen, wenn sie seine Vorgaben so konsequent missachtet. Nachtigall, „ick hör Dir trapsen“, diese Geschichte wiederholt sich schließlich ständig beim VfB.

Wenig förderlich ist es dann, wenn Angestellte des Vereins, wie Ehrenrat Guido Buchwald, öffentlich die Reife von Greenhorn Wolf bemängeln und ihn als Risiko für den Verein ansehen. Gut, die BLÖD erschien mit dem Artikel reißerisch wie es eben ihre Art ist, Buchwald merkte immerhin noch an, das Risiko hätte man bei einem erfahreneren Trainer auch.

Der VfB hat es in den letzten Jahren mit sämtlichen Trainertypen versucht und nie nachhaltigen Erfolg gehabt, daher verbietet es sich schon von Grund auf, schon jetzt an Hannes Wolf zu zweifeln. Er ist zweifellos eines der größten Trainertalente, die der deutsche Markt hergibt und konnte bei zwei der besten ihrer Zunft, Jürgen Klopp und Thomas Tuchel, während seiner Dortmunder Zeit über deren Schultern schauen und sich mit ihnen austauschen.

Zudem ist Wolf seit elf Jahren bereits Trainer und hat sich von der Kreisliga B in die 2. Liga hochgearbeitet und hat damit jenen Eifer und Durchhaltevermögen nachgewiesen, den man sich von seinen Spielern auch wünschen würde.

Ich hoffe es sehr, dass man endlich mal einem Trainer vertraut und Quertreiber wie Buchwald ganz schnell an den neuen Verhaltenskodex (für ALLE Mitarbeiter) erinnert, der sicherlich auch beinhaltet, etwaige Kritik intern zu äußern. Buchwald hat weder als Trainer etwas erreicht noch hat er genügend Einblick in die Arbeit Wolfs, so dass sich dessen Kritik schon aus diesem Grund verbietet.

Wolf und Schindelmeiser genießen bei mir noch absoluten Welpenschutz, weil sie ihre eigentliche Arbeit erst jetzt beginnen. Zu den Zeitpunkten, als sie kamen, waren die Planungen weit fortgeschritten bzw. abgeschlossen, so dass sie bisher nur verwalten und wenig gestalten konnten. Diese Phase des Gestaltens beginnt im Winter im Kleinen und mit der Planung der neuen Saison dann im Großen.

Als Resümee der Vorrunde kann man konstatieren, dass wir auf dem Relegationsplatz zwar ordentlich da stehen, der VfB sich aber wird steigern müssen, möchte man direkt aufsteigen. Zehn Siege sind eine ordentliche Ausbeute, auch wenn die wenigsten davon überzeugend eingefahren werden konnten. Fünf Niederlagen bereits sind eindeutig zu viel und für den so oft zitierten FC Bayern der 2. Liga unwürdig. Es kristallisiert sich zwar keine Übermannschaft heraus und doch sollte man wachsam sein. Die letztjährigen Aufsteiger Freiburg und Leipzig beendeten die Saison mit sechs bzw. sieben Niederlagen, so dass es eigentlich jedem klar sein sollte, was die Stunde geschlagen hat und dass man sich allzu viele Ausrutscher nicht mehr leisten sollte.

Die Blutauffrischung im Kader, die im Sommer begann, muss im Winter, im Rahmen der Möglichkeiten, die der Markt hergibt, fortgesetzt werden. Weil sich an der grundlegenden Mentalität der Truppe, wie zuletzt erlebt, noch nicht grundlegend etwas geändert hat, wären die „richtigen“ Abgänge mindestens genauso wichtig, wie uns weiter bringende Neuzugänge. Spielern, die lediglich ihren Vertrag absitzen, sich aber mit den Zielen des Vereins nicht identifizieren und dabei schlechte Stimmung verbreiten, gehört ein Abgang ebenso schmackhaft gemacht, wie jenen, die uns fußballerisch nicht weiter bringen und lediglich den Kader aufblähen.

Jan Schindelmeiser wünsche ich dabei das glückliche Händchen, das er in Hoffenheim und bei seinen bisherigen Transfers für den VfB, schon unter Beweis gestellt hat.

Jetzt freue ich mich erst einmal auf einige ruhige Tage ohne VfB-Niederlage, bin aber gleichzeitig bereits gespannt, mit welchen Personalien Jan Schindelmeiser uns womöglich überraschen wird.

Die Wartezeit bis zu einem weiteren Highlight der Zweitligasaison, dem Gastspiel am Millerntor beim FC St. Pauli, verkürze ich persönlich mir mit dem schon obligatorischen Besuch beim Mercedes-Benz Junior-Cup und kurz darauf dem Trainingslager in Lagos. Dort bin ich sehr gespannt darauf, wie Wolf mit der Mannschaft arbeiten wird und ob es schon dort das eine oder andere neue Gesicht zu begutachten gibt. Wäre schön, ein netteres Ambiente für den Einstand könnte ich mir kaum vorstellen.

Euch allen wünsche ich weiterhin schön Tage zwischen den Jahren und einen guten Rutsch ins Jahr 2017. Danke für Eure Treue und bis bald!

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