31. Dezember 2010

VfB verliert 1:2 gegen Hannover: Die zweite Liga rückt näher

Die Fans des VfB Stuttgart haben vor dem Spiel in Hannover eine böse Vorahnung gehabt. Also hielten sie in der AWD-Arena bereits vor dem Anpfiff ein Plakat in die Höhe: “Herr Staudt, Herr Hundt, es ist fünf vor Zwölf – wo ist das Konzept?”, so lautete die bange Frage der Anhängerschaft an die Adresse des VfB-Präsidenten und des Aufsichtsratschefs.

Als der Schiedsrichter Manuel Gräfe die Partie in der niedersächsischen Hauptstadt beendete, da war die Befürchtung zur Gewissheit geworden. Der VfB hat mit dem 1:2 (0:1) bei den 96ern bereits das zehnte Saisonspiel verloren – die Krise des Clubs hat damit eine neue Dimension erreicht. Die zweite Liga rückt immer näher, denn auf der Habenseite weisen die Stuttgarter, die vorerst auf dem Relegationsplatz 16 bleiben, einen Spieltag vor dem Ende der Vorrunde weiter nur zwölf Punkte auf.

Keller steht vor der Entlassung

Die Elf des Trainers Jens Keller tritt auf der Stelle, spielt konzeptlos und uneffektiv – obendrein könnte sich der Abstand auf die sicheren Tabellenregionen von derzeit vier Zählern am Samstag noch vergrößern. Denn in Köln und Gladbach sitzen die beiden Schlusslichter dem Club dicht im Nacken. Es droht daher sogar der letzte Tabellenplatz, denn das Duo kann Samstag und Sonntag am VfB vorbeiziehen. “Es ist nicht meine Aufgabe, einen Trainerwechsel zu entscheiden”, sagte Cacau über die Lage von Jens Keller, der 58 Tage nach seiner Inthronisierung vor der Entlassung steht.

Nach dem 1:1 gegen die TSG Hoffenheim, wo er erstmals mit einem breit gestaffelten Mittelfeld gespielt hatte, änderte Jens Keller erneut die taktische Grundformation und ließ Elson in der Zentrale als offensiven Spielgestalter hinter der einzigen Spitze Cacau ran. Der Brasilianer rückte für Mamadou Bah in die Startelf und kam so erstmals seit einem Jahr wieder für den VfB in der Bundesliga zum Einsatz. Nach Elsons letzter Partie für die Stuttgarter, dem 1:1 gegen Bochum im Dezember 2009, hatte der Teamchef Markus Babbel seinen Hut nehmen müssen. Mit zuvor gerade einmal zwei Auswärtspunkten aus sieben Bundesligapartien in Hannover angereist, ging der VfB zwar mit dem Willen in die Partie, die drei bitter notwendigen Punkte zu holen. Doch schnell wurde klar, dass dem Team dazu derzeit die spielerischen Mittel fehlen.

Nach leichter optischer Dominanz in der Anfangsviertelstunde kamen die 96er bald zu einer Vielzahl von Möglichkeiten. Zunächst scheiterte Didier Ya Konan nach einem Sololauf am Torwart Sven Ulreich (20.), dann probierte es der agile Jan Schlaudraff mit einem Heber, ehe Lars Stindl nach einem Linksschuss ebenfalls in Ulreich seinen Meister fand (28.). Die größte Chance für die Hausherren bot sich zunächst dem Innenverteidiger Emanuel Pogatetz, der aus fünf Metern neben das Tor köpfte (32.).

Es lief nichts zusammen

Bei den Stuttgartern lief derweil nichts zusammen: Der Kapitän Matthieu Delpierre leistete sich mehrere Aussetzer; der einzige Angreifer Cacau ließ sich viel zu oft ins Mittelfeld zurückfallen – und Elson fand überhaupt keine Bindung zum Spiel der Kollegen. Er wurde in der Pause durch Pawel Pogrebnjak ersetzt. Zuvor offenbarte sich aber die größte Schwachstelle des VfB: die Abwehr. Nach einem Steilpass von Konstantin Rausch hob der indisponierte Georg Niedermeier das Abseits auf. Das Leder kam zu Didier Ya Konan, der aus kurzer Distanz durch die Beine von Sven Ulreich das 1:0 erzielte (35.).

Nach dem Wechsel baute der wild anrennende VfB weiteren Druck auf – und wurde kurzfristig für sein kämpferisches Engagement belohnt: Georg Niedermeier gelang nach einer Flanke von Timo Gebhart aus fünf Metern per Kopf das 1:1 (74.) – doch der Gegenschlag der Hausherren ließ nur kurz auf sich warten: Nach einem Zuspiel von Christian Schulz erzielte Ya Konan mit seinem neunten Saisontreffer aus spitzem Winkel das 2:1 (76.). Der Ivorer stand dabei allerdings im Abseits.

Bobic: “Dem VfB nicht würdig”

“Die erste Halbzeit war dem VfB nicht würdig”, sagte der Manager Fredi Bobic, dem nun vor den Heimspielen gegen den FC Bayern in der Liga und Pokal unruhige Tage ins Haus stehen. “Es gibt viel zu tun, denn es fehlt an vielem”, sagte Matthieu Delpierre, “die Situation ist so kritisch wie nie zuvor.”

Hannover

Fromlowitz – Cherundolo (23. Chahed), Eggimann, Pogatetz, Schulz – Schmiedebach, Pinto (87. Lala) – Stindl, Rausch – Ya Konan, Schlaudraff (80. Hanke).

Stuttgart

Ulreich – Degen (78. Kuzmanovic), Niedermeier, Delpierre, Boka – Träsch, Gentner (66. Audel) – Harnik, Elson (46. Pogrebnjak), Gebhart – Cacau.

Schiedsrichter

Gräfe (Berlin).

Zuschauer

36 207.

Tore

1:0 Ya Konan (35.), 1:1 Niedermeier (74.), 2:1 Ya Konan (76.).

(STZ online 10.12.2010)

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