31. Dezember 2010

Proteste nach VfB-Niederlage: Fans fordern “Vorstand raus”

Category: Presse — Franky @ 08:25

Am Ende haben große Teile der eigenen Anhängerschaft einfach nicht mehr hinsehen wollen. Also drehten sich die meisten VfB-Fans in der Untertürkheimer Kurve, wo diese Saison die Treuesten der Treuen stehen, einfach um. Die Fans zeigten den Profis nach dem Schlusspfiff tief frustriert den Rücken. Das Szenario in der Arena änderte sich nach dem 3:5 gegen den FC Bayern erst, als der neue Cheftrainer Bruno Labbadia gemeinsam mit dem Stürmer Cacau ganz dicht vor den Fanblock schritt. Die anderen Spieler hatte das Duo dabei im Schlepptau. Einige der VfB-Getreuen waren aber trotz der beschwichtigenden Gesten des Trainers nicht zu beruhigen. “Wir haben die Schnauze voll!”, brüllten sie ohne Pause.

Auch wenn der niedergeschlagenen VfB-Equipe auf ihrem Trauermarsch in Richtung Kabine anschließend von einigen Besuchern der Haupttribüne aufmunternder Applaus gespendet wurde – eines wurde auch weit nach Spielschluss gegen den deutschen Rekordmeister deutlich: Der VfB besitzt in der sportlichen Krise nun auch ein ernstes Fanproblem.

Wie viel Druck angesichts von fünf Punkten Abstand zum rettenden Ufer beim VfB im Kessel ist, das zeigte sich auch noch eine Stunde nach dem Spielende. Während vor einem Jahr nach dem 1:1 gegen Bochum aufgebrachte Fanmassen die Mercedesstraße belagert hatten, machte diesmal eine Gruppe von mehreren hundert Anhängern hinter der Haupttribüne ihrem Unmut Luft. Also griff Erwin Staudt zum Megafon und versuchte, die Menge zu beruhigen: “Wir werden in der Winterpause alles tun, um gut gerüstet in die Rückrunde zu gehen”, sagte der Präsident. Und in den Katakomben erklärte der Manager Fredi Bobic: “Den Frust der Leute verstehe ich – aber ich habe etwas gegen Aggressionen.”

Nachdem die Anhängerschaft am Donnerstag beim sportlich bedeutungslosen 5:1-Erfolg gegen Odense BK in der Europa League noch demonstrativ geschwiegen hatte, wurde der Frust diesmal auch während der Partie lautstark artikuliert: “Vorstand raus!”, das war eine der Parolen der verärgerten Fans. Nach dem Treffer zum 3:5 durch Christian Gentner ebbte die Protestwelle zumindest ein bisschen ab.

Bereits vor dem Anpfiff war die Stimmung aufgeheizt gewesen. Da verteilte eine Fangruppierung vor dem Stadion Flugblätter mit dem dringenden Appell, beim VfB eine außerordentliche Mitgliederversammlung einzuberufen. Auf dieser soll nach dem Willen der Initiatoren der Führungsriege das Vertrauen entzogen werden. Für eine außerordentliche Versammlung ist nach den VfB-Statuten ein Drittel der Unterschriften aller Mitglieder notwendig, die über 18 Jahre alt sind und die mindestens sechs Monate dem Verein angehören.

Bruno Labbadia kann mit derlei Vorhaben nichts anfangen – und tut dies nicht nur deshalb, weil die Protestler, die die Absetzung des Präsidenten Staudt, des Aufsichtsratschefs Dieter Hundt und ihrer Crew fordern, keine Alternativlösung präsentieren. “Wir versuchen, das ganze Umfeld des VfB mit einzubeziehen und auf das vorzubereiten, was uns alle in der Rückrunde erwartet”, sagte Labbadia nach seinem ersten deftigen Rückschlag: “Es gilt, im Abstiegskampf vieles auch mental gemeinsam durchzustehen.”

(STZ online 20.12.2010)

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