26. April 2011

Der VfB auf dem Weg zum Klassenerhalt

Nachdem der VfB dem Hamburger SV am Samstag eindrucksvoll drei Eier ins Osternest gelegt hatte, kann der VfB den restlichen drei Spielen mit einiger Zuversicht entgegen sehen. Der direkte Abstieg scheint inzwischen unwahrscheinlich zu sein bei sieben Punkten und dem deutlich besseren Torverhältnis Vorsprung auf die beiden Schlusslichter Mönchengladbach und den FC St. Pauli. Auf Platz 16 allerdings beträgt der Vorsprung nach wie vor „nur“ vier Punkte, die Wolfsburg angesichts seiner Qualität und angesichts seines Restprogramms durchaus noch aufholen kann. Zwar kann ich mir gut vorstellen, dass die Wölfe in Bremen verlieren, die ja ihrerseits letzte Zweifel am Klassenerhalt beseitigen können, die darauf folgenden Partien gegen dann möglicherweise bereits gerettete Lauterer und in Hoffenheim, für die es um nichts mehr geht, werden sie aber wahrscheinlich gewinnen. Die sonst noch hinter dem VfB platzierten Kölner und Frankfurter wären mit einem einzigen Sieg am VfB vorbei, wenn dieser seinerseits keinen Sieg mehr einfährt.

Daher wäre der VfB gut beraten, mit einem Sieg am Samstag in Sinsheim den Sack weitestgehend zuzumachen, um nicht an den letzten beiden Spieltagen gegen die Champions League Kandidaten Hannover 96 und Bayern München zum Siegen verdammt zu sein. Schaut man sich den Trend der letzten Wochen von Hoffenheim und dem VfB an, stehen die Chancen sicherlich gut, dort (erstmals) zu gewinnen. Ungeschlagen sind wir ja noch gegen das Dorf, allerdings gelang auch erst ein Sieg aus fünf Partien. Die Formkurve beim VfB zeigt zum Saisonende, fast schon traditionell, nach oben. Hatte ich vor zwei Wochen noch bemängelt, dass jeder unserer Punkte aus der Rückrunde mit sehr viel Glück und wenig überzeugend zustande kam, darf ich mich jetzt revidieren und sagen, dass zuletzt in Köln und gegen den HSV wieder richtig Fußball gespielt wurde und beide Siege hochverdient waren. Nicht zuletzt hängt diese Leistungssteigerung auch mit der Rückkehr von Cacau zusammen, der schon in Köln einen couragierten Auftritt hinlegte, gegen den HSV aber wieder fast zu alter Leistungsstärke fand. Obwohl er eigentlich schon lange auf den Operationstisch gehören würde, stellt er sich in den Dienst der Mannschaft und des Vereins und spielt mit schmerzstillenden Spritzen trotz seiner „weichen Leiste“, solang ihn seine Füße tragen.

Vor Wochen äußerte ich bereits die Hoffnung, dass er die ihm entgegen gebrachte gesteigerte Wertschätzung noch in dieser Saison zurückzahlen könne und so doch noch seinen Anteil am Klassenerhalt haben würde. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass er am Samstag, nicht nur wegen seiner beiden Tore, ein wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zum Sieg war. Er war für die Hamburger ein ständiger Unruheherd und unheimlich präsent auf dem Platz. Das erste Tor nach 6 Minuten, als er vor dem von Frank Rost gehüteten Kasten die Ruhe bewahrte, war der Türöffner für einen wunderschönen Nachmittag an diesem Ostersamstag. Endlich gelang in einem Heimspiel mal wieder ein frühes Tor! Sein zweiter Treffer war Produkt eines schönen Spielzugs und der glänzenden Vorarbeit von Martin Harnik. Den zweiten und damit vorentscheidenden Treffer markierte Christian Gentner, der erst gut 60 Sekunden zuvor eingewechselt wurde. Ich gebe zu, auch ich war wenig erfreut, als die Trainerbank das Signal zu seiner Einwechslung gab. Zu sehr hat mich Gentner in dieser Saison bereits enttäuscht. Ja, sauer war ich, als über Monate in Bezug auf seine Person das Leistungsprinzip quasi außer Kraft gesetzt war, weil er IMMER in der Anfangsformation stand. Nun, in Köln und auch gegen den HSV kam er „nur“ von der Bank. Ob auch dies ein Schlüssel der beiden Erfolge war, dies zu beantworten wäre hypothetisch… Das Tor jedenfalls hat er klasse gemacht und damit das Spiel entschieden. Allerdings bestätigte er mit diesem Geistesblitz auch seinen Ruf, nur in einer Mannschaft, in der es gut läuft, glänzen zu können. Den Pass bekam er vom glänzend aufgelegten Tamas Hajnal, dessen Mitwirken in den beiden letzten Spielen zu einer deutlichen Qualitätssteigerung beitrug.

Insgesamt war es eine gute Mannschaftsleistung. Erwähnen möchte ich allerdings noch Sven Ulreich, der zwar wenig beschäftigt war, wenn er gebraucht wurde aber glänzend zur Stelle war. Bruno Labbadia scheint jetzt, nachdem gegen den HSV die gleiche Mannschaft wie in Köln auflief, seine Formation gefunden zu haben. Hoffen wir, dass wir bis Saisonende von weiteren Verletzungen oder Sperren verschont bleiben, zu fragil scheint das Gebilde zu sein, um weitere Rückschläge ohne weiteres wegstecken zu können.

Der VfB hat jetzt unter Bruno Labbadia 24 Punkte geholt, also doppelt so viele als seine Vorgänger. Eine beachtliche Bilanz allerdings leider noch immer nicht genug. In Sinsheim muss der dritte Sieg in Folge her. Hoffenheim ist allerdings derzeit schwer ausrechenbar. Für sie geht es um nichts mehr. Dem Noch-Trainer mit dem unaussprechlichen Namen muss keiner mehr etwas beweisen, der Klassenerhalt ist geschafft, die Europa-League-Plätze zu weit weg. Ob die Armada an Ex-VfB-Spielern, die inzwischen im Kraichgau ihr Geld verdient, sich ernsthaft einen VfB-Abstieg wünscht, bezweifle ich. Aber: das Spiel wird von den Verantwortlichen und deren Fans zu einem Derby, zu einem Baden-Württembergischen Klassenkampf hochstilisiert, so dass die Atmosphäre dort wieder einmal sehr aggressiv sein dürfte. Hier gilt es für das Team von Bruno Labbadia die Ruhe zu bewahren und sich von der Hektik nicht anstecken zu lassen. Der VfB tut gut daran, erneut konzentriert und aggressiv ins Spiel zu gehen und die Hoffenheimer nicht zur Entfaltung kommen zu lassen. Wenn man diesen die Lust am Spiel nimmt, werden sie sicherlich, ähnlich wie der HSV am Samstag, die letzte Konsequenz vermissen lassen, über die Schmerzgrenze zu gehen. Nach dem die Saison für beide Teams über weite Strecken unter gänzlich anderen Vorzeichen stand, hat der VfB mit einem Sieg am Samstag die Möglichkeit, bis auf einen Punkt in der Tabelle an Hoffenheim heran zu rücken. Wer hätte das noch in der Weihnachtspause gedacht.

Am Samstag werden wir wieder bewusst mit dem Bus anreisen. Aussteigen vor dem Gästeblock, rein in den Käfig, drei Punkte einsacken und diesen Ort schnell wieder verlassen. So kann ich mir das Gepöbele seitens der Modefans auf ein Minimum reduzieren. Die meinen, Wunder was sie wären, dabei sind sie nur ein durch die Hopp-Millionen aufgeblähter Dorfverein. Und wenn man sie dann fragt, mit welchem Fähnlein sie noch vor fünf Jahren herum gelaufen sind, kommt das große Schweigen. Man, bin ich froh, dass ich schon in den 70er-Jahren zum VfB gekommen bin und es für mich unvorstellbar wäre, je einmal das Wappen zu wechseln. Retortenvereine wie Hoffenheim, Wolfsburg und neuerdings auch Red Bull Leipzig, die künstlich von milliardenschweren Mäzenen hochgepuscht werden, braucht wirklich keine Sau!

Schade, dass in der neuen Saison Holger Stanislawski dort hin wechselt. Er war mir bisher immer sympathisch, ich habe ernsthafte Bedenken, ob ich ihn als Trainer mit blauem Trainingsanzug noch weiter leiden kann. Das Statement von dem Dorf-Manager Tanner Hoffenheim und Stani hätten die ähnliche Philosophie, nämlich mit bescheidenen Mitteln erfolgreich zu sein, klingt für mich wie Hohn. Erinnert sei daran, dass Hoffenheim 2007 als Zweitligist bedeutend mehr in Transfers investierte als der VfB als Champions League Teilnehmer, dass Salihovic einst ein Angebot der Bayern ausschlug, weil er in Hoffenheim einen besser dotierten Vertrag erhielt und zuletzt daran, dass ein internationaler Top-Spieler wie Ryan Babel in den Kraichgau wechselte, und das sicherlich nicht wegen der guten Luft dort.

So lang solche Kunstprojekte im Profifußball mitmischen, dürfte es auf Sicht immer schwieriger werden, sich für die internationalen Plätze zu qualifizieren. Wobei ich auch sagen muss, so schön die Auslandsreisen mit dem VfB auch sind. Einzig die Champions League ist attraktiv und lukrativ. Die Europa League hingegen ist finanziell für die Vereine unattraktiv und für solche, die keinen großen konkurrenzfähigen Kader haben, auch in gewisser Weise gefährlich. Es ist sicherlich kein Zufall, dass Vereine wie Nürnberg oder Hertha BSC im Jahr ihrer EL-Teilnahme abstiegen und wir beinahe bis zum letzten Spieltag zittern müssen.

Ich bin froh, wenn der VfB in der Liga bleibt, dass wir nächste Saison wieder überwiegend freitags und samstags spielen dürften und die Flut der Sonntagspiele den Europaleague-Teilnehmern vorbehalten bleibt. So gesehen hätte diese Seuchensaison auch ihr Gutes. Der VfB könnte sich konsolidieren und gestärkt aus der Krise heraus kommen.

Also, VfB! In Sinsheim siegen und Oben Bleiben!

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